THEATER: Theatertreffen 2021

Es rückt wieder näher: Das Berliner Theatertreffen. Es findet statt vom 7. Mai bis 23. Mai 2021. Von der Jury werden Premieren, die im Zeitraum vom 27. Januar 2020 bis Ende Januar 2021 stattfanden, berücksichtigt. Vormerken: 9. Februar 2021!

Die Entscheidung über die berüchtigte 10er-Auswahl – den „Oskar“ der deutschsprachigen Theaterwelt – wird nämlich in Kürze, am 9. Februar 2021, bekannt gegeben.

In welcher Form das Theatertreffen 2021 dann im Mai stattfinden wird – online oder mit Präsenz – wird sich noch herausstellen. Vielleicht hört man etwas in der Pressekonferenz am 9. Februar 2021.

THEATER: Steamingangebote

Es hat sich ein wenig ein Trend ergeben. Einige Theater bieten in der kommenden – Corona-bedingt ja besonders stillen – Zeit Theateraufführungen gegen eine meist wirklich kleine Buchungsgebühr im Livestream oder im Stream on demand an.

Im Grunde ist es schön, dass damit die Entgeltlichkeit der Theaterarbeit wieder zum Vorschein kommt, es kann nicht immer alles kostenlos angeboten werden, es würde auf Kosten der Wertschätzung gehen..

Ich erwähne hier zunächst zwei schöne, wahrscheinlich ansehenswerte Angebote und werde diesen Blogbeitrag in den kommenden Tagen immer wieder ergänzen, wenn ich weitere Angebote ans Herz legen möchte.

– Das erste Angebot:

Das Schauspielhaus Zürich bringt im Rahmen des „streamy thursday“ diese Woche, also am 17.12.2020, um 19.30 Uhr (bis 21.30 Uhr) im Livestream aus dem Schiffsbau die (in den Kritiken „gelobte“) Inszenierung von Einfach das Ende der Welt des französischen Autors Jean-Luc Lagarce in der Regie von Christopher Rüping.

Daraus oben das Beitragsbild, Copyright Diana Pfammatter

Es ist die Geschichte des zu einem erfolgreichen Künstler gewordenen Sohnes, der Jahrzehnte zuvor seine Familie verlassen hatte und nun in seine kleine Heimatstadt und zu seiner Familie zurückkehrt. Es geht um alte Vorwürfe ihm gegenüber, um sein Verhältnis zur Familie etc. HIER der link zur Stückeseite. Den Verweis auf die Sendung im Livestream findet man dort ebenfalls.

Christopher Rüping ist ja den Münchnern in den vergangenen Jahren vor allem bekannt gewesen durch seine sagenhafte 10-Stunden-Inszenierung „Dionysos Stadt“, die an den Münchner Kammerspielen gebracht wurde.

Schöne Einblicke in das Denken der Figuren des Stückes haben die jeweiligen SchauspielerInnen in Videos gegeben. HIER der link zu den einzelnen Videos.

– Das zweite Angebot:

Das Deutsche Theater Berlin bietet unter DTDIGITAL Livestreams an. HIER der link zur Angebotsseite mit weiteren Verlinkungen zu den Stücken. So wie es aussieht, sind manche davon Livestreams und manche on demand für eine gewisse Zeit selbständig abrufbar.

MORGEN, am 15.12.2020 wird Maria Stuart von Friedrich Schiller, eine Inszenierung von Anne Lenk, im Livestream gebracht. Am 19.12.2020 folgt dann Woyzeck Interrupted nach Georg Büchner, eine Inszenierung von Amir Reza Koohestani. Regisseur und Regisseurin sind wiederum den Münchnern bekannt aus dem Residenztheater bzw. den Kammerspielen!

Erwähnenswert dürfte auch Der kleine König Dezember sein, ein „Familienstück“ von Axel Hacke, das etwas für die ruhige Familie in der kommenden Zeit sein kann. Es ist schon ab Anfang Dezember on demand abrufbar bis zum 01.01.2021.

– Ein weiteres Angebot: Die Berliner Schaubühne! Sie bringt folgende Streamings:

  • Seit 16. bis zum 19. Dezember: Prof. Bernhardi von Arthur Schnitzler
  • Am 19. Dezember bis 22. Dezember: Wie es euch gefällt von William Shakespeare
  • Am 22. Dezember bis 25. Dezember: Ungeduld des Herzens von Stefan Zweig
  • Am 25. Dezember bis 28. Dezember: Groß und Klein von Botho Strauß
  • und Weiteres, siehe HIER

– Und noch etwas: Das Schauspielhaus Bochum bringt folgende Lifestreamings: HIER der Link.

  • Asche zu Asche von Harold Pinter am 18. Dezember um 19:30 Uhr.
  • Die Befristeten von Elias Canetti am 9. Januar 2021 um 19:30 Uhr.

UND:

Nicht verzagen! Wir werden es schon schaffen! An die ANDEREN denken, nicht an SICH, wenn es um Vorsicht geht! An die Situation in den Krankenhäusern denken!! Sich eben EINMAL wirklich beschränken und andere Schwerpunkte setzen!! Klein feiern, die Feiertage bescheidener, ruhiger und mit Phantasie gestalten!! Jede Beschränkung kann auf eine andere Art und Weise ein Gewinn sein. Veränderung kann vor allem rückblickend schön sein – wenn man dann beides sieht: Das Gewohnte und die Veränderung.

THEATER: Residenztheater- Georg Büchner

Auf der Website des Münchner Residenztheaters ist es kaum zu finden. Daher hier mein Hinweis: Mit „Dantons Tod“, „Woyzeck“ und „Leonce und Lena“ ist derzeit – alle drei Werke sind im (aktuell bekanntlich lahmgelegten) Repertoire des Münchner Residenztheaters – das dramatische Gesamtwerk Georg Büchners online im Stream zu sehen!

HIER der Link zur Seite auf der Website des Residenztheaters. Das Streaming findet sich unter dem Titel „Resi sendet“.

  • Dantons Tod läuft schon seit Samstag, den 14. November
  • Woyzeck ist ab Samstag, den 21. November im Stream zu sehen und
  • Leonce und Lena» wird ab Samstag, den 28. November zu sehen sein

Alle drei Streams sind – so verstehe ich es – bis zum 30. November aufrufbar

Theaterfreunde wissen: „Dantons Tod“ hatte erst am 30. Oktober 2020 Premiere, inszeniert von Sebastian Baumgarten. „Woyzeck“ ist eine der berüchtigten Inszenierungen von Ulrich Rasche und „Leonce und Lena“ ist eine der eigenwilligen und immer originellen Annäherungen von Thom Luz.

Zusätzlich lesen Ensemblemitglieder Auszüge aus Büchners «Briefen» sowie seine revolutionäre Flugschrift «Der Hessische Landbote».

Ergänzend dazu spielt außerdem die Schauspielerin Lisa Stiegler weiterhin «50 Mal Lenz – Ein Versuch» auf Zoom: Pro Vorstellung sind je fünf Zuschauer*innen live per Zoom-Konferenz zur Vorstellung in der Theatergarderobe eingeladen.

Die drei oben genannten Inszenierungen – ich kenne die beiden letzteren – sind wohl sehenswert. Es geht ja auch darum, zu testen, wie man Theatererlebnisse derzeit verkraftet, erfährt. Was man wie aufnimmt. Es hat sich ja alles verändert und man hört von der Erwartung, dass das Theater viele viele Jahre lang nicht mehr so sein wird, wie es war. Wenn es überhaupt jemals weder so sein kann.

THEATER: Botho Strauß – Kalldewey Farce

Ein weiterer Hinweis: Es ist in gewisser Weise ein Klassiker: Kalldewey Face von Botho Strauß in einer Inszenierung von Luc Bondy aus dem Jahre 1982. Eine Inszenierung von Luc Bondy zu sehen ist durchaus immer interessant. Luc Bondy und Botho Strauß waren eng befreundet.

Die Inszenierung ist nunmehr zu sehen bis Montag, den 9. November, 18:00 Uhr. Es ist eine Fernsehaufzeichnung des SFB (Sender Freies Berlin) einer Aufführung der Schaubühne in Berlin.

HIER der Link zum Stream. Das Onlineangebot der Berliner Schaubühne für November – dem Monat, in dem alle Theater geschlossen sind – ist ohnehin sehr interessant! HIER der Link zum Programm.

Es gibt ja ein wunderbares Buch über Luc Bondy und seine Arbeiten, sein Leben, seine Freunde, seine Familie. Ich hatte kürzlich darüber geschrieben. HIER der Link.

Copyright des Beitragsbildes: Ruth Waltz

THEATER: Starke Stücke

Nicht verpassen! Das Berliner Theatertreffen 2020 konnte ja wegen der Corona-Krise nicht stattfinden. Daher sollten Theaterfreunde jetzt erst recht aufpassen: 3sat zeigt auch dieses Jahr wieder drei „Starke Stücke“ der Auswahl zum Theatertreffen 2020!

Folgende Daten:

Shakespeares „Hamlet“, Inszenierung von Johan Simons, ist ab Samstag, dem 07. November 2020, bis zum 6. Dezember in der 3sat-Mediathek zu sehen. HIER der direkte Link.

MoliéresDer Menschenfeind “, Inszenierung Anne Lenk, ist im TV auf 3sat am Samstag, dem 07.11.2020, zu sehen und in der Mediathek bis zum 06.03.2021 verfügbar. Auch HIER der Link.

Max FrischsDer Mensch erscheint im Holozän“, Inszenierung von Alexander Giesche, ist dann im TV auf 3sat die Woche drauf, am Samstag, dem 14. November 2020, um 20:15 Uhr zu sehen. Diese Arbeit von Alexander Giesche kann bis zum 12.03.2021 in der 3sat Mediathek gefunden werden. HIER der Link.

THEATER: Falk Richter – TOUCH

Wieder ins Theater – nach längerer Zeit. Ja, es kam mir vor wie ein Wagnis. Seit Beginn der Coronazeit lief Theater allenfalls online. Auch der Online-Hype ließ nach. Aber im Vertrauen auf die mittlerweile entwickelten guten Konzepte der Theater wg. Corona bin ich wieder in die Münchner Kammerspiele. „Touch“, eine Arbeit von Falk Richter. Die erste Inszenierung der ersten Spielzeit in der Intendanz von Barbara Mundel. Und die erste Inszenierung überhaupt von Falk Richter an den Münchner Kammerspielen.

Falk Richter ist ja bekannt als Autor und Regisseur, seit 2020 ist er Mitglied der künstlerischen Leitung des Theaters. Einer der „bedeutendsten Theaterregisseure“ in Deutschland, liest man manchmal. Zuletzt war er mit seiner Inszenierung „Am Königsweg“ von Elfriede Jelinek zum Berliner Theatertreffen 2019 eingeladen. Ich hatte darüber geschrieben. HIER der Link.

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspielen.

Meine Eindrücke aus meinem Besuch der Inszenierung Touch muss ich mit allgemeinen Bemerkungen beginnen:

Vielleicht bedingt durch die kleinere Besucherzahl ist mir – im Foyer des Theaters sitzend – die angenehme Atmosphäre dieses Theaterbaus einmal wieder deutlich geworden. Die Münchner Kammerspiele gelten als „das einzige Jugendstiltheater Deutschlands“. Der Bau entstand um 1900, 1901 war die Eröffnung, die Münchner Kammerspiele zogen 1926 in das Gebäude ein. Das Angenehme: Das Auge trifft auf wenige Ecken und Kanten. Überall leicht gerundete Wölbungen des Gemäuers, die Ornamentik an den Decken, die Türen, dazu die in keiner Weise schrille Beleuchtung, angenehme Blicke und und und. Es lohnt sich, hier in ruhigen Minuten einen Blick auf die Details zu werfen.

Der nächste Eindruck: Jeder Besucher, jede Besucherin trug natürlich Maske. Es herrschte Distanz. Nicht nur im Foyer, auch während der Aufführung. Das hat wirklich einen Effekt, der sehr sehr schade ist. Es entfiel das Erlebnis und Vergnügen, das ich bisher bei jeder Veranstaltung sehr genossen hatte: Die Menschen zu sehen, sie kurz zu beobachten, zu treffen. Gespräche entfielen, Kontakte entfielen, Blicke entfielen – das Interesse an diesen Menschen jeden Alters, die in der Regel in den Münchner Kammerspielen wenig mit „Mainstream“ zu tun haben, musste ich aufgeben. Auch das Conviva im Blauen Haus, das üblicherweise Treffpunkt für Gespräche im Anschluss an Veranstaltungen war, hatte bereits geschlossen. Sperrstunde! Es wird hoffentlich irgendwann wieder besser.

Im Theaterraum selbst war jede zweite Sitzreihe entfernt. Dennoch erschien das Theater gut besucht. Vorteil: Man saß bequemer, freier – die Plätze neben mir waren unbesetzt – man fühlte sich nicht verloren. Kurz befiel mich nur ein klein bisschen Unwohlsein, als schlagartig die zahlreichen Türen in den Zuschauerraum vor Beginn der Veranstaltung geschlossen wurden. Warum sperrt man in unseren Corona Zeiten die Zuschauer so ein? Es mögen akustische Gründe sein. Jedes Klassenzimmer aber wird besser gelüftet! Gut, in Klassenzimmern wird auch mehr geredet… Insgesamt hatte ich aber den Eindruck, dass man im Grunde im Theater in einem sogar sehr sicheren Raum ist, was Corona anbelangt. Ich werde wieder öfters hingehen.

Zur Inszenierung Touch:

Nach der zweistündigen Inszenierung hatte ich einen Eindruck: Es war durchgängig negativ. Als wäre die Welt morgen zu Ende und heute machte man noch ein Theaterstück darüber! Ich fragte mich: Warum das? Falk Richter bringt immer wieder Rundumschläge. Insoweit ist es politisches Theater. Negatives politisches Theater. Rassismus, Feminismus, Flüchtlinge, Tierquälerei, Klimakatastrophe, das Virus, die Vereinsamung des Einzelnen, die Aggression des Einzelnen gegen andere Menschen, der Untergang der Empathie, das fehlende Gefühl des Menschen für andere Menschen, das fehlende Gefühl für sich selber und und und. Es war mir too much! Falk Richter hat ja Recht, der Mensch schafft es nur, alles zu zerstören, mehr kann er nicht! Trotzdem.

All das, was Richter anspricht, kann wirklich mit gutem Recht kritisiert werden. Es wird ja auch im Laufe des Abends einmal treffend errechnet, dass der Mensch imstande ist, die Welt ruckzuck zu zerstören. Und zwar in Windeseile. Wenn die Geschichte der Erdkugel ein Kalenderjahr wäre, wäre die Zeit der Menschheit vielleicht ein Tag vor Jahresende – so ähnlich. Und wir nennen es dann „Geschichte“. Trotzdem.

Man muss auch sagen: Man braucht viel Kraft, um alle diese Themen immer wieder in ein „Theaterstück„ – besser: einen Theaterabend – packen zu können. Falk Richter macht es immer wieder. Braucht es auch! Aber ist es nicht etwas zu unsensibel, gleich auf alles hinzuweisen? Soll der Abend irgendwie aufrütteln? Mir gefallen dazu Stücke viel besser, die einzelne dieser Aspekte herausgreifen. Da kann man sich selber besser überprüfen.

Das ist ohnehin ein Aspekt, der mir fehlte: Es fehlte jede Art von Sensibilität, Wärme und Empathie. Kalt war schon das Bühnenbild: Auf dem Boden liegende Eisblöcke, im Hintergrund eine Lochkarte oder Ähnliches, siehe oben, Kuben zur Abtrennung der Menschen werden hereingerollt, gesichtslose Masken, große Plastikplanen über den AkteurInnen und und … Ebenso die begleitende „Musik“: Kalt, technisch, nicht melodisch. Matthias Grübel hatte schon mehrfach die Musik für Falk Richters Inszenierungen geschrieben. Der Abend „Touch“ endete mit dem Lied „This mess we‘re in“, was wahrlich gut passte! Auch das aber ist alles andere als ein zartes Lied, eher düster.

Auch die Schauspieler: Sie schauen sich gegenseitig kaum an, auf der Bühne ist viel Aktion, man soll sich sicherlich nicht mit ihnen identifizieren. Es wird keine Geschichte erzählt. Es wird die Zerrissenheit und Einsamkeit der Personen dargestellt. Alle Schauspieler und Tänzer bringen immer wieder Tanzeinlagen. Auch diese Tanzeinlagen zeigen abrupte, verzerrte Bewegungen. Der im Rollstuhl fahrende kleinwüchsige Erwin Aljukic war allerdings ein Erlebnis! Mir ging es so: Er bekam mehr und mehr ein Gesicht, etwas, was man bei einem Menschen in seiner Lebenssituation sicherlich etwas weniger berücksichtigt. Von ihm möchte ich gerne noch mehr sehen!

Schließlich entwirft Falk Richter einen Blick in die Zukunft: Auch der ist aber nicht schön. Die Schauspieler bewegen sich langsam wie im Weltall in Astronautenanzügen mit übergroßen eckigen und durchsichtigen Kopfbedeckungen.

Nun, die Münchner Kammerspiele bieten zu Beginn der neuen Intendanz ein vollbepacktes Programm. Ich werde das ein oder andere sehen können.



Kategorien
Allgemein

THEATER Online: Lion Feuchtwanger – Exil

Hier ein schöner Hinweis für die Freunde des Theaters: Luk Perceval sollte in dieser Spielzeit zum ersten Mal am Berliner Ensemble arbeiten und zur Spielzeiteröffnung

… Lion Feuchtwangers „Exil„ inszenieren. Corona verhinderte es. Teile des Ensembles nutzen die Zeit für einen mehrwöchigen Workshop, in dem sie sich dem Text und den Figuren annähern.

Auf dieser Suche wurden sie von mehreren Kameras begleitet und man kann online in Form von kurzen Videos am Entstehungsprozess teilhaben.

Luk Perceval über das Projekt: 

Die Pandemie hat uns gezwungen, über alternative Formen nachzudenken, … ohne dass sich Publikum und Ensemble denselben Raum teilen. Und mit welcher Art von Theater man sich zu den neuen Medien ins Verhältnis setzen möchte. Diese und viele andere Fragen stellen wir uns in Exil / Backstage; ein Experiment, das die Intimität der Kamera mit der Suche nach der Wahrhaftigkeit des Theaters zu verbinden versucht. Vier Wochen lang filmen wir den Workshop mit den Schauspielerinnen und Schauspielern des Berliner Ensembles, in dem wir an einer Adaption von Leon Feuchtwangers Roman Exil arbeiteten, einer Geschichte über deutsche Flüchtlinge, die kurz vor dem Zweiten Weltkrieg in Paris leben. Unsere Suche nach der heutigen Relevanz dieses Romans, und in Erweiterung auch des Theaters, führt zu einer Dokumentarreihe, die dem Publikum Backstage-Einblicke in die Kunst des ‚Nichtwissens‘ des Theaters gibt: die Suche nach dem Sinn, dem Sinn des Textes sowie dem Sinn des Lebens und der Kunst. Ein Weg des Versuchens und Scheiterns, des Scheiterns, des erneuten Scheiterns und des besseren Scheiterns …“

Die einzelnen Folgen sind als fortlaufende Web-Serie ab 5. Oktober 2020 nach und nach auf www.berliner-ensemble.de/exil abrufbar.

Es lassen sich ohnehin auf der Website des Berliner Ensembles unter der Rubrik „BE at home“ sehr viele interessante Videos finden.

THEATER: Die Deutsche Bühne – Falk Richter

Die Ausgabe 09/20 des Theatermagazins „Die Deutsche Bühne“ wird die Freunde der Münchner Kammerspiele interessieren. Aufmacher des Heftes ist Falk Richter, der ab dieser Saison künstlerischer Leiter bzw. Hausregisseur der Münchner Kammerspiele ist.

HIER die Bestellseite des Verlags.

Das Portrait von Falk Richter geht jetzt nicht besonders in die Tiefe, aber es vermittelt noch einmal ein Bild. Falk Richter verfolgt ja – bisher jedenfalls – die großen Themen, beleuchtet eher unsere Gesellschaft und unser Leben insgesamt, anstatt umgrenzte Einzelthemen anzugehen. Das kann meines Erachtens schnell zu pauschal, zu jugendlich-rebellisch werden (er ist ja auch schon knapp über 50 Jahre alt), aber wir werden es sehen. Auch die Frage, ob und wie er das Thema Corona in seinen Inszenierungen aufgreifen wird, ist interessant.

Das Heft 09/20 von DIE DEUTSCHE BÜHNE beschäftigt sich ansonsten fast durchgehend mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Theaterbetrieb. Wie bereiten sich die Theater vor? Was ändern sie für die Zuschauer? Wie könnten sich die Inszenierungen ändern? Welche Onlineformate könnten weiterhin Erfolg haben? Wie haben SchauspielerInnen die vergangenen Monate erlebt? Wie ändern sich die ZuschauerInnenerlebnisse? Und so weiter. Es gibt interessante Ansätze, wir kommen den Fragen ja nicht aus.

Und zusätzlich liest man News der deutschen Theaterwelt (Personalien, Preise etc.)

Hier das Inhaltsverzeichnis, zwei Seiten:

THEATER: Forced Entertainment – Complete Works: Table Top Shakespeare

Ich mag schon lange die britische Performergruppe Forced Entertainment. Aus Sheffield. Es gibt sie – unter der Leitung von Tim Etchells – schon seit mehr als 35 Jahren! Sie touren mit ihren skurrilen „Projekten“ seit vielen Jahren um die ganze Welt. Beim Berliner Theatertreffen waren sie vor wenigen Jahren mit REAL MAGIC eingeladen, waren vor wenigen Jahren einmal an den Münchner Kammerspielen zu sehen und „schenkten“ zuletzt dem Initiator des SPIELART Festivals in München zu dessen Jubiläum drei ihrer berüchtigten „durational performances“, die teilweise 24 Stunden lang dauern.

Jetzt wagen sie sich – eigentlich völlig untypisch – erstmals an Theaterklassiker heran. Noch dazu an William Shakespeare. Und noch dazu an sämtliche seiner Werke! Ab morgen, dem 17.09.2020, bringen sie online wochenlang – jeweils an vier Tagen pro Woche – sämtliche Werke von William Shakespeare in eigenwilligen Fassungen. So geht es durch bis zum 15. 11. 2020, beginnend jeweils um 20.00 Uhr! Es sind 36 Abende, hinzu kommt jede Woche ein Abend für „discussion“. Macbeth ist das erste Stück.

Mithilfe von Küchengegenständen erklären sie die Inhalte aller Stücke von William Shakespeare. An einem blanken Holztisch sitzend spielt und erklärt jeweils ein Mitglied der Gruppe eines der Stücke. Mit eigenen Worten natürlich.

Es werden für Forced Entertainment untypische Abende sein, denke ich. Ich kenne sie eher so, dass sie zum Denken anregen, etwas betroffen machen. Trotzdem: Esmag sich lohnen – man sollte gut Englisch können -, sich das ein oder andere Werk von William Shakespeare auf diese Weise zeigen zu lassen. Ich bin gespannt.

HIER der Link zur Projektseite, auf der die Termine der Reihe „William Shakespeare: Complete Works“ zu finden sind.

Und HIER der Link zum ersten Abend des Projektes.

Kategorien
Sonstiges

SONSTIGES: Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien

Am 21. August jährte sich zum zehnten Mal der Todestag von Christoph Schlingensief. Genau zu diesem Todestag kam ein Dokumentarfilm über Christoph Schlingensief in die Kinos, der schon im Februar erscheinen sollte. „Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien“. In München wird der Film derzeit in vier Kinos gezeigt.

Der Film läuft derzeit in den Kinos City, Studio Isabella, Monopol, und Neues Rottmann. HIER die Termine. 

Ich habe den Film am Wochenende gesehen. Es ist die erste Regiearbeit von Bettina Böhler, die – sehr erfahren und anerkannt – in zwei Filmen als Cutterin für Schlingensief gearbeitet hatte. Er war auch kurz als Onlineangebot auf der Website der Münchner Kammerspiele zu sehen. Matthias Lilienthal, bis vor kurzem Intendant der Münchner Kammerspiele, zählte Christoph Schlingensief zu seinen besten Freunden. Beide kannten sich aus ihrer Zeit an der Berliner Volksbühne.

Der zweistündige Film ist beeindruckend. HIER der Trailer.

Man hatte im Anschluss an den Film das bedrückende Gefühl, das Leben einer Person gesehen zu haben, die in dieser Art einfach fehlt. In totaler Subjektivität, einzigartig, immer wieder seine Zuschauer fordernd und überfordernd, aber mit dem Gefühl, den Menschen im Grunde helfen zu wollen.

Es ist unglaublich, durch den Film allein schon ansatzweise zu sehen, was Christoph Schlingensief in seinen leider nur 49 Jahren alles auf die Beine gestellt hat. Wie er gelebt hat, seine Produktivität, seine Kraft für alles, sein Drang zu kommunizieren. In einem Gespräch mit Amelie Fried sagt er dazu: Er wolle nicht provozieren, sondern es sei „Obsession„. Er hörte oft garnicht auf zu reden. Ja, Obsession, er lebte wohl jede Minute seines Lebens für das künstlerische Kommunizieren seiner besonderen Sichtweise. Für seinen Ausdruck.

Es zählt dabei sicherlich zu den großen Qualitäten von Christoph Schlingensief, dass er andere Menschen mit seinen immer wieder auch provokativen Auftritten und Produktionen nicht persönlich angegriffen oder verletzt hat, sondern allenfalls aufgerüttelt hat. Er wollte sich nie auf Kosten anderer Menschen produzieren. Das mag ein Unterschied zu heutigen provokativen Auftritten und Meinungsäußerungen sein. Heute geht es schnell darum: „Du hast nicht recht, ich habe recht“. Sehr statisch.

Christoph Schlingensief dagegen hat nichts statisch gesehen. Er verstand sich nicht politisch (da geht es viel eher um „Rechthaberei“), seine Sicht der Dinge war nicht politisch, sondern künstlerisch. Auch Aktionen wie „Tötet Helmut Kohl“ waren, merkte man schnell, von ihm nicht politisch ernst gemeint, sondern als künstlerische Überhöhung.

Zuspitzung, Überhöhung, auch mit Humor, gutmütig, aber herausfordernd, sich selbst nicht zu ernst nehmend, immer intellektuell, mit einer irren Kommunikations- und Lebenslust.

Viele der Produktionen und Aktionen von Christoph Schlingensief, vor allem seine Filme der jungen Jahre – die er erstellte, bevor er Arbeiten an der Berliner Volksbühne bringen konnte – sind im Grunde fast völlig unverständlich. Bettina Böhler bringt von vielen dieser Arbeiten kurze Filmausschnitte, die natürlich auch oft unverständlich bleiben. Sie mischt diese „Zitate“ immer wieder mit Ausschnitten von Gesprächen mit Christoph Schlingensief und mit Bildern aus seiner Kindheit und Jugend. Es sind Bilder aus einer anderen, einer (eingebildet) „heilen“ Welt. „Heile Welt“ gab es für Christoph Schlingensief nicht. Völlig verständnislos, aber wohl immer kritik- und vorwurfsfrei, sieht man mehrmals seine Eltern neben ihm. 

Es gibt interessante Videos von Gesprächen mit Christoph Schlingensief auf YouTube. HIER etwa ein längeres Gespräch mit Katrin Bauernfeind, das geführt wurde, als Christoph Schlingensief schon wusste, dass er an Krebs erkrankt war. Er spricht auch von Überforderung der Lebenslinie – die Lebenslinie, die er zu Beginn des Films zwischen Toleranzgrenzen auf einem großen Plakat einzeichnet.

Zu schade, er fehlt, er würde uns guttun, wir brauchen solche seltenen Menschen immer wieder.

HIER noch eine gute Besprechung des Films auf ZEIT online.

THEATER und LITERATUR: Gob Squad -What are you looking at?

Zuletzt hatte ich im Blog über Falk Richters Buch „Disconnected“ geschrieben. HIER der Beitrag. Jetzt habe ich ein kleineres Büchlein über die Performancegruppe Gob Squad gelesen. Beide Bücher passen wegen ihrer Gegensätzlichkeit gut zusammen. Siehe unten.

Ich habe ja etwas mehr Zeit momentan, bin ja momentan aus bekannten Gründen nicht ständig im Theater. Das Büchlein über Gob Squad ist auch aus dem Programm des Alexander Verlags. HIER der link zur Buchseite im Webauftritt des Verlags.

Das Büchlein über Gob Squad erscheint beim Alexander Verlag in der noch nicht abgeschlossenen Buchreihe »Postdramatisches Theater in Portraits«, Mitherausgeber der Reihe ist übrigens Florian Malzacher, von dem ich in Kürze etwas berichten werde.

Gob Squad gehört ja zu den „alten Hasen“ des Performancetheaters. Seit über 25 Jahren gibt es die Truppe. „Dinosaurier“ des Performancetheaters wurden sie schon genannt. Aber sie sind immer wieder aktuell interessant. So etwa, wie Forced Entertainment oder einige andere Performergruppen. Siehe den link zur Auflistung von Performancegruppen im Blog rechts! Ich mag Performance eben.

Man liest im Büchlein „What are you looking at?“ (Titel einer der ersten Arbeiten von Gob Squad) über die Entstehung von Gob Squad, über die Ansätze bei ihren ersten Arbeiten, über ihr Verständnis, und man liest ein langes Interview mit den Mitgliedern von Gob Squad zu Gob Squads Ansichten und Erfahrungen zu ihren Arbeiten.

Gob Squad war in den vergangenen Jahren auch mehrfach an den Münchner Kammerspielen zu sehen. Vor fünf Jahren mit dem irgendwie schönen, weil völlig entfremdeten Abend „War and Peace“, einer „Arbeit“ zu Tolstoi’s „Krieg und Frieden“, und mit „Creation“, das auf Oskar Wilde’s „Bildnis des Dorian Gray“ basierte. Vielleicht waren sie auch noch einmal an den Kammerspielen, es fällt mir gerade nicht ein. Ansätze der genannten beiden Abende waren jedenfalls die bekannten Werke der Weltliteratur, gemacht wurde daraus aber – typisch für Gob Squad – etwas sehr Persönliches, völlig Anderes.

Falk Richter und Gob Squad verfolgen völlig unterschiedliche Konzepte. Während Falk Richter – mit teilweise ja fast aggressive Attitüde – auf den Einzelnen in der Gesellschaft blickt, ihn in das Zentrum seiner Betrachtungen stellt (Thema: Der/die Einzelne, der/die durch die Gesellschaft quasi zerstört wird), zählt für Gob Squad nur das Kollektiv, das Gemeinsame. Gemeinsam im Team und gemeinsam mit den Zuschauern, das ist deren konsequenter Ansatz. Es gibt bei Gob Squad keine Hierarchie, keine „Präsentation“ für den Zuschauer nach der Idee eines Regisseurs.

Statt „Disconnected“, wie es bei Falk Richter heißt, müsste es bei Gob Squad „Connected“ heißen. Insoweit ist das Büchlein über Gob Squad gerade im Vergleich zu Falk Richters Buch „Disconnected“ interessant zu lesen.

Gob Squad geht es dabei immer um persönliche Erfahrungen. Erfahrungen der Personen auf der Bühne und Erfahrungen im Zuschauerraum (oder sonst wo, je nachdem, wo was gebracht wird). Es geht oft um den Alltag, den jeder erlebt. Der Alltag, der gerne poetisch überhöht wird, an dem dann durch die Überhöhung Dinge auffallen. Etwa das Älterwerden in „Creation“.

Alles entsteht im Team. Die Personen auf der Bühne sind nicht Schauspieler, sie sind die Personen, die sie sind. Die Zuschauer könnten sich oftmals sagen: Das auf der Bühne könnte ich sein! Es geht nicht um die Institution „Theater“.

Das Fragile im Alltag, darum geht es. Bei Krieg und Frieden etwa die Frage: Was ist für mich Krieg und was ist für mich Frieden? Und abgesehen von diesen persönlichen Fragen des Einzelnen geht es Gob Squad immer um Interaktion. Interaktion des Teams in der Ideensammlung, in der Vorbereitung, auf der Bühne, innerhalb der Gruppe der auftretenden Personen und Interaktion mit den Zuschauenden. Es geht Gob Squad nicht um eine Botschaft, sondern um die Schaffung einer Situation, in der etwas entstehen kann.

Ein schöner Ansatz, finde ich. Schöner als der moderne Ansatz, nur auf sich selbst zu schauen und die Anderen noch dazu schlechter zu finden.

THEATER und LITERATUR: Falk Richter – disconnected

Falk Richter, der Theaterregisseur, der wegen einiger seiner Stücke – meist Stücke, die er selbst geschrieben hat – sehr bekannt (international bekannt) geworden ist. Andererseits ist er wegen rechtlicher Auseinandersetzungen mit der AfD zu seinem Stück FEAR bekannt geworden. Hierzu etwas mehr weiter unten.

Über 35 eigene Theaterstücke hat Falk Richter in etwas über 25 Jahren bisher entwickelt. Er ist ab der kommenden Spielzeit Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen. Die Münchner Kammerspiele schreiben über ihn:

„Autor und Regisseur, 1969 in Hamburg geboren, studierte Theaterregie in Hamburg … Hausregisseur an der Schaubühne Berlin sowie am Maxim Gorki Theater und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Zu seinen wichtigsten Werken zählen u. A. die weltweit gespielten Stücke „Electronic City“, „Unter Eis“, „Trust“ und „Fear“. … Einladungen zum Berliner Theatertreffen und Nominierung für den Mülheimer Dramatiker*innen-Preis … zuletzt 2020 mit „In My Room“. Uraufführung von Elfriede Jelineks „Am Königsweg“ am Deutschen Schauspielhaus Hamburg … wurde er zum Regisseur des Jahres 2018 gewählt. … Professor an der Danish National School for Performing Arts in Kopenhagen.“

Ich habe von ihm auf dem Berliner Theatertreffen 2019 die Inszenierung von Elfriede Jelineks „Am Königsweg“ gesehen. In meinem Blog habe ich aus dieser Inszenierung auch zwei Musikstücke gebracht. „Fade Into You „ von Mazzy Star (HIER) und „Frank‘s Dance Peace“ (HIER), Musik des Theatermusikers Matthias Grübel, der in dieser Inszenierung für die Musik verantwortlich war. Theater, Musik und Tanz sind ja die drei Bereiche, die Falk Richter gerne verbindet, so wie es auch für die kommenden fünf Jahre an den Münchner Kammerspielen angekündigt ist.

Vor knapp zwei Jahren hatte Falk Richter ein Buch veröffentlicht, in dem er seine Auffassung von Theater erklärt. Es heißt „DISCONNECTED“ mit dem Untertitel „Theater Tanz Politik“. Ich habe es gelesen. Freunde der Münchner Kammerspiele werden Interesse an diesem Buch haben, da doch davon ausgegangen werden kann, dass Falk Richter auch weiterhin die dort erklärten Auffassungen vertreten und in gewisser Weise zur Basis seiner Inszenierungen machen wird.

Das Buch erscheint im Alexander Verlag Berlin. HIER ist der Link zur Buchseite des Alexander Verlags.

Falk Richter ist ein politisch und gesellschaftskritisch arbeitender Autor und Theateregisseur. In DISCCONNECTED geht er auf einige seiner Produktionen ein, die allesamt immer auch seine Sicht der Gesellschaft in unseren Sphären – die westliche Welt – widerspiegeln. Es sind vor allem seine Stücke „Trust“, „Das System“, „Unter Eis“, „For the Disconnected Child“, „Safe Places“, „Small Town Bodies“, „Complexity of Belonging“.

Zu seinem Stück FEAR musste er viel Kritik einstecken. Auf Wikipedia heißt es dazu:

“Die Inszenierung von FEAR beschreibt Katharina Röben in der Zeitung Die Welt als „überraschend konkret“, sie setze „reale Akteure in den Fokus“ und ergründe „die Angst hinter Hass und Fremdenfeindlichkeit“. Allerdings verharre sie „in einer exakten Bestandsaufnahme – aktuell, rhythmisch, bekannt“, sie liefere „zwar keine Antworten“, sei „aber herrlich komisch, albern und performativ“. ZEIT – Journalist Daniel Müller empfand das Stück als „hart“ und „eindrücklich“. Rechtswidrig sei es nicht. Es gehe „in Richters Stück um die Frage, wie diese gefährlichen Gedanken wieder aus der Welt zu schaffen sind. Die Gedanken, wohlgemerkt, nicht die Menschen, die sie in die Welt tragen“. Dagegen bezeichnete der Welt – Theaterkritiker Jan Küveler das Stück als „traurige“ und „feige“ Veranstaltung, die nicht an Tabus rühre und lediglich Vorurteile und Klischees bediene. Alexander Kissler diagnostizierte im Onlineangebot der Zeitschrift CICERO, der Abend propagiere „Vernichtung, nicht Diskurs“. Er sei „eine Kampfansage, kein Diskussionsangebot“ sowie eine „intellektuelle Bankrotterklärung“. Peter Laudenbach bilanzierte (HIER) in der Süddeutschen Zeitung, das Stück unterliege der „gleichen Logik wie die rechten Foren und Blogs, deren Teilnehmer einander zu immer schrilleren Ausfällen gegen Demokratie, Presse, Kanzlerin und sonstige Andersdenkende anstacheln: Diskursunfähigkeit als Programm“.

Ich konnte diese Anmerkungen ein wenig verstehen, als ich das Buch „Disconnected“ las. Das Buch geht zurück auf drei im Januar 2016 im Rahmen der fünften Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik gehaltene öffentliche Vorträge. Man liest darin im Grunde nicht etwas über künstlerische Aspekte des Theaters heute, sondern Gesellschaftskritik mit meines Erachtens etwas unschönem, zu pauschalem Unterton.

Die Kernaussagen von Falk Richters umfassender Gesellschaftskritik, die sich allein schon im Buchtitel „Disconnected“ widerspiegeln, lauten: Entfremdung des Individuums von sich selbst, vom Gegenüber und von der Gesellschaft – Einsamkeit, Entfremdung, Erschöpfung, Resignation, Überforderung – Unfähigkeit zur Nähe, gesellschaftlicher Druck zur Selbstentfremdung durch Selbstoptimierung – Zurichtung des Menschen durch die Marktverhältnisse!

All das schreibt Falk Richter der gesellschaftlichen Entwicklung der westlichen Welt zu. Starke Worte, die in vielerlei Hinsicht Berechtigung haben. Mir missfielen aber im Buch zwei Aspekte:

– Es ist zu viel und zu negativ: So wirkt es fast kindisch, all diese Aspekte aufzuführen, ohne wirklich ins Detail zu gehen. Das Buch strotzt von – wahrscheinlich locker über einhundert – Fragen zu diesen Aspekten. Antworten können natürlich kaum geliefert werden. Ob und welche Antworten hierzu in den Theaterstücken geliefert werden, kann ich noch nicht beurteilen.

Seine Inszenierungen sind oft Collagen mit vielen Brüchen, es sind nicht durchgehende „Geschichten“. Der Zuschauer wird hin- und hergeschleudert. Falk Richter bevorzugt es dabei, Situationen und Gefühle der Menschen gerade durch Tanz und Bewegung (Anouk van Dijk) darzustellen. Ich fürchte nur, dass man Hass und Zerrissenheit etwa durch Tanz besser darstellen kann, als Tendenzen zu möglichen Antworten auf die vielen aufgeworfenen Fragen und Beobachtungen. So bliebe es dann auch auf der Bühne allein bei der Bestandsaufnahme, der Bemängelung vieler Dinge.

– Der zweite Aspekt, der mir missfiel: Die Erläuterungen von Falk Richter haben insoweit teilweise fast einen aggressiven Unterton. Nicht explizit, aber es wird so viel Unwohlsein gegenüber den aufgegriffenen Aspekten und Personen erzeugt, dass man fast aggressiv werden könnte. Dies scheint auch einer der Gründe zu sein, warum Falk Richter mit seinem Stück FEAR stark kritisiert wurde. Aussagen und Darstellungen gegen Rechtspopulisten der AfD wurden, so die Kritik, mit fast den selben unschönen Mitteln gebracht, die kritisiert werden sollten.

Das Buch „Disconnected“ ist insoweit eine grobe Anhäufung gesellschaftspolitischer Aspekte, die Falk Richter umtreiben. Wir werden sehen, welche Aspekte davon in nächster Zeit von ihm in seinen Produktionen an den Münchner Kammerspielen zur Geltung gebracht werden.

Hoffentlich wird er die Themen etwas sensibler, fantasievoller und nicht so einseitig vorwurfsvoll bringen, wie es im Buch DISCONNECTED geschieht. Hoffentlich auch mit ein bisschen mehr Sinn für Details als es im Buch DISCONNECTED geschieht. Andererseits: Klar, man darf natürlich auch einmal pauschal und gröber arbeiten. Es bleibt spannend an den Kammerspielen – nach der Zeit unter Matthias Lilienthal, die mir gegenüber von mehreren Kennern und Liebhabern der Theaterwelt als „Geschichte“ bezeichnet wird. „Wir haben Geschichte erlebt“, hörte ich.

THEATER: Aussicht

Es ist ein Foto einer Wand, mehr nicht. Ein Foto von zweimal „Aussicht“. Beides passt irgendwie zusammen. Einmal der staunende Blick in die Landschaft – eine Szene aus „Caspar Western Friedrich„, das schöne, fast wortlose Stück an den Kammerspielen aus 2016, das vielen Münchnern unverständlich blieb. Und einmal im Wort.

Wie geht es weiter? Die Frage stellt sich immer wieder. Momentan besonders. Auch im Hinblick auf das Theater fragt sich natürlich: Wie geht es weiter? Man wird es im Herbst sehen – etwa in München, an den Kammerspielen, dem Residenztheater, dem Volkstheater, dem Metropoltheater, dem HochX und und und. Wie wird sich Theater verändern? Wie wird sich der/die Zuschauer/in verändern? Kann es überhaupt weitergehen? Und Theater selbst ist ja „Aussicht“. Immer mit der Frage: Wohin schaut man als Theatermacher? Wie schaut man? Schaut man ernst? Fröhlich? Zuversichtlich? Besorgt? Mein Gott, es ist alles so vielschichtig! Aber es genügt ja schon, wenn an EINER Schicht gekratzt wird, mehr geht nicht. Aber wenigstens kratzen, das finde ich immer gut. Nicht nur belustigen. Die Kammerspiele etwa. Dort schaute man immer sehr offen in die Welt und war wahrscheinlich sogar selber immer wieder überrascht, wie es einen selbst verändert, offen und tolerant, mit Respekt vor allem, Ausschau zu halten, sich zu begegnen. Warum sollte man auch allzu viel festzurren und darauf beharren? So war, glaube ich, auch eine recht besondere Atmosphäre an den Kammerspielen entstanden in den vergangenen fünf Jahren. Ich hatte es ja selber gemerkt und sehr geschätzt. Samouil Stojanov, Mitglied des Ensembles der Kammerspiele in den vergangenen fünf Jahren, sagte kürzlich in einem Interview, „die Leute wären baff“, wenn man dort noch ein paar Jahre zusammengeblieben wäre. Ja, Aussichten haben eben immer viel Potential …

... hier höre ich auf mit diesem Text. Werde ihn aber immer wieder ergänzen. Ich wollte eigentlich nur das Foto bringen, es gefällt mir irgendwie.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist AUSSICHT-1.jpg

Kategorien
Allgemein

THEATER: Opening Ceremony

Am Samstag, den 11. Juli 2020, fand die Abschlussveranstaltung der Intendanz von Matthias Lilienthal an den Münchner Kammerspielen statt. Natürlich vor einer begrenzten Besucherzahl. Ursprünglich waren coronabedingt 200 Gäste genehmigt, einige wurden nachgenehmigt.

Vielleicht waren es am Ende 400 Zuschauer. Der Ort war großzügig gewählt. Am Eingangsbereich standen mehrere Menschen, die ein Schild vor sich hielten: „Karte gesucht!“

Von vornherein konnte man sich wundern: Der Titel der Abschlussveranstaltung: „Opening Ceremony“ – der Ort der Veranstaltung: Das Münchner Olympiastadion – das „Setting“: Etwas, was nichts mit Theater im herkömmlichen Sinne zu tun hat! Umso treffender war es!

Hier Eindrücke vom faszinierenden Münchner Olympiastadion. Etwas verbleichte Handyaufnahmen (mit Ausnahme der letzten beiden:

Die „Konkurrenz“ (besser: „Nachfolgerin“) des Olympiastadions, die Allianz Arena, kam im Laufe der Veranstaltung zur Erwähnung. Nach der Veranstaltung sagte mir eine Dame völlig zu Recht: Die Atmosphäre des Olympiastadions ist einzigartig, ganz besonders:

Die Allianz Arena ist ein Bauwerk, ein architektonischer Koloss, vor dem man fast Angst haben muss. Das Olympiastadion ist Architektur für den Menschen! Das Stadion … die Weite … die Schwingungen der Gebäude … die Blicke … die Offenheit … die Farben … die Hügeligkeit des Geländes … das sagenhafte Olympiadach … die Geschichte des Olympiazentrums! Siehe die Fotos! Die Atmosphäre, das war es an diesem Tag! Bei fantastischem Wetter, vormittags hatte es noch geschüttet.

Das Besondere am Olympiastadion ist vielleicht auch etwas, was während der Veranstaltung von einem der Schauspieler gesagt wurde: Von außen kann man das Innere spüren und von innen das Äußere. Ganz anders als bei der Allianz Arena, auch das wurde erwähnt.

Mein Gefühl auf dem Weg zum Stadion war außerdem: Man besuchte nicht eine „Veranstaltung“, einen „Veranstaltungsort“. Man zog in eine Welt, in die Weite und Leichtigkeit des Olympiageländes. Das Gefühl der weiten Welt. Mit diesem Gefühl, das beim Oympiapark irgendwie besonders mitschwingt, ging ja auch Matthias Lilienthal vor fünf Jahren in die Intendanz der Münchner Kammerspiele.

Insoweit passte der Ort!

Allerdings kam Matthias Lilienthal nicht mit dem Motto: „Wie schön ist alles, lasst uns die Vielfalt der Welt feiern!“ Sondern eher mit dem Gefühl: „Wir wollen hier – es begann 2015 – in München ein bisschen „Weltfeeling“ mit Blicken auf die Schwierigkeiten und auch die Ideen, die auf der Welt bestehen, pflanzen! München aus seiner Verträumtheit holen!

Und in diese Richtung gingen wohl auch die Anfangsüberlegungen von Toshiki Tokada, der diese Abschiedsveranstaltung gestaltete. Er hatte ja mehrfach an den Kammerspielen unter Matthias Lilienthal inszeniert.

Inhaltlich war es natürlich nicht tiefgehend, das war bei der Abschlussveranstaltung auch wahrlich nicht beabsichtigt. Man konnte auch die SchauspielerInnen fast nicht erkennen- obwohl einige ja die Kammerspiele verlassen werden. Das gesamte Ensemble war anwesend, winkend am Schluss. Es war auch nicht so, dass viel passierte – bei zarten Klängen einer E-Gitarre. Auch war es nicht so, dass Matthias Lilienthal sich winkend gezeigt hätte. Das hätte auch nicht zu ihm gepasst.

Sie redeten miteinander und man betrachtete kleine Vorkommnisse. Der grüne Rasen wurde mit Gießkannen gegossen, einzelne SchauspielerInnen gingen über den Rasen, die übrigen standen vor der Haupttribüne, siehe das letzte Foto oben.

Es begann noch imposant – Julia Riedler flog an einem Drahtseil vom Stadiondach zur anderen Stadionseite, eine wehende Fahne hinter sich herschleppend. Dann wurde fantasiert. Thematisch über etwas ganz Großes – wohl die abgesagten Olympischen Spiele in Tokio (das „globale Event“) – auch über Corona ein wenig. Aber man konnte sich auch denken: Sie reden im Grund genausogut über Theater! Es ging um das Aussähen von Samen, Pflege des Rasens, das Wuchern, das Weitertragen des Samens durch Bienen und Vögel. Das Wesen des Theaters, zumindest in den vergangenen fünf Jahren an den Münchner Kammerspielen und vielleicht auch in der Zukunft der Münchner Kammerspiele.

Es war bei alledem (in der von Toshiki Okada bekannten Reduktion des Geschehens) das Feeling, das einen trug. Wehmut kam auf. Im Anschluss sagte der Münchner Kulturreferent Anton Biebl – nach all den Unkenrufen vieler Münchner in den vergangenen Jahren -: „Du hat uns ein Theater geschenkt, das es hier noch nie gegeben hat.

Nun, vielleicht ist eine Saat gesät worden und die Pflanzen werden gepflegt. Dann waren die vergangenen fünf Jahre an den Kammerspielen verkürzt gesagt insgesamt auch so etwas wie eine „Opening Ceremony“ – im Sinne von Matthias Lilienthal! Schade – fünf weitere Jahre wären interessant gewesen. Aber er sagt in einem Interview kürzlich (SPIEGEL), es käme nicht auf die übliche Dekade an. Es käme nur darauf an, was entstanden sei – sinngemäß.

Copyright des Beitragsbildes und der letzten beiden Fotos im Beitrag: Julian Baumann

THEATER und LITERATUR: „In die Luft schreiben“ – Luc Bondy und sein Theater

Luc Bondy (*17. Juli 1948 – 28. November 2015) war einer der interessanten Regisseure des Theaters der vergangenen Jahrzehnte. Das Theater hat sich ja sehr entwickelt. Luc Bondy stand noch eher auf der klassischen Seite der Medaille. Freie Szene, Performances, Tanz und Ähnliches waren weniger sein Ding. Er setzte ganze Stücke um.

Aber er war sicher besonders. Vielleicht war er ein Übergang in neue Zeiten – in seinem offenen Umgang mit den SchauspielerInnen vor allem, denen er viel Freiräume gab, die er offenbar sehr schätzte und aus denen er so viel herausholte.

Bei Luc Bondy wurde schon früh Krebs diagnostiziert – 1975, er war keine dreißig Jahre alt! -, hatte aber nach der Chemotherapie noch viele Jahre, dann kam der Krebs zehn Jahre später wieder, wieder Chemotherapie, dann ging es wieder, dann kamen schwere Rückenprobleme/Wirbelsäulenprobleme hinzu, wieder Operationen, zusätzlich Diabetes, Luc Bondy starb 2015 im Alter von 66 Jahren.

Ich hatte kürzlich einen wunderbaren hochwertigen, großformatigen Bild- und Textband über Luc Bondy geschenkt bekommen. Ein Weihnachtsgeschenk, das erst jetzt bei mir ankam.

Auf 300 Seiten – schweres Glanzpapier – erhält man einen Einblick in Luc Bondy’s Leben, seine Person, sein Denken, seine Stationen, seine Freunde, seine Familie, seine Weggefährten. Es geht immer um seine Herangehensweisen an das Theater. Er scheint einen verschmitzten Humor, Intelligenz, Offenheit, absolute Literatur- und Theaterbegeisterung und vor allem Liebe für Menschen, für seine SchauspielerInnen gehabt zu haben. Ich glaube, er wollte nicht etwa ehrgeizig Stücke „produzieren“, sondern dem Leben näher kommen!

Der Band ist eine Zusammenfassung von Fotografien, Texten, Notizen, Zeichnungen. Er ist ein absolut gelungenes Geschenk für Theaterfreunde! Schauspieler, Kollegen, Assistenten, Dramaturgen, Familienmitglieder, Freunde, Autoren, Schriftsteller etc., sie alle kommen etwa zu Wort und schildern ihre Bekanntschaft zu Luc Bondy oder Erlebnisse mit ihm.

Sein Freund Botho Strauß, sein Freund Peter Handke, Jens Harzer, Ilse Ritter, etwas über Michel Picccoli, Yasmina Reza, Barbara Sukowa und und und. Zwischendrin finden sich immer wieder eigene Texte, Notizen, Gedichte von Luc Bondy. Das Buch schließt mit einem Text seiner Ehefrau.

Herausgegeben hat das Buch Geoffrey Layton, der viele Jahre lang Luc Bondy‘s Assistent war. Luc Bondy hatte sich gewünscht, dass er ein Buch über ihn und seine Arbeit herausgibt.

Ich hatte leider nie eine Inszenierung von Luc Bondy gesehen. ABER: Die Kulturredaktion des ZDF/3sat war so freundlich, mir Aufnahmen zweier Inszenierung von Luc Bondy zu schicken! „Drei Mal Leben“ von Yasmina Reza aus dem Jahr 2001 und „Schlußchor“ von Botho Strauß aus dem Jahre 1993!

Beide Inszenierungen waren damals zum Theatertreffen in Berlin eingeladen und wurden im Rahmen der Reihe „Starke Stücke“ von 3sat aufgezeichnet und gesendet. „Drei Mal Leben“ von Yasmina Reza war 2001 eingeladen, „Schlußchor“ war 1992 eingeladen. Gerade „Schlusschor“ ist meines Erachtens ein Gesamtkunstwerk! Schauspielerisch! Das Bühnenbild … Großartig!

Vielen Dank nochmals an das ZDF/3sat, Herrn Horn!

Ich lese immer wieder in diesem Buch! Auffallend ist, dass jeder Text und jedes Bild, jede Notiz eine Art Zurückhaltung ausstrahlt, die Luc Bondy ausgezeichnet haben wird. Es hat nichts Egoistisches! Es wird – obwohl es ein Buch über ihn ist – komplett vermieden, Luc Bondy nur in den Himmel zu loben, nichts ist anbiedernd, schreierisch. Er wird durchaus fast von allen seinen Weggefährten irgendwie bewundernd dargestellt. Natürlich hat in einem solchen Buch niemand etwas gegen ihn, aber die Gesamtstimmung dieses Buches trägt dazu bei zu erkennen: Er wollte dem Leben näher kommen, nicht nur Stücke produzieren!

Ein intelligenter Literat, ein absoluter Theatermann, ein Ästhet, er hatte Humor, war Freund der SchauspielerInnen, liebte Menschen, wie gesagt, war wohl nicht dirigistisch, nicht eingebildet, nicht Autokrat, eher zurückhaltend, stupste die SchauspielerInnen nur an, ließ sie machen, aber wohl immer mit einem irren Gefühl und einer irren Präzision für die Stücke und vor allem ihre Personen.

Genau das mag ein Unterschied zu vielen heutigen Inszenierungen sein: Während viele Regisseure heute sicher dazu tendieren, aus teilweise klassischen – oder sonstigen bekannten oder unbekannten – Werken nur noch einzelne Gedanken herauszuholen und mit vielen eigenen Ideen anzureichern oder sie sehr eigenwillig- oft interessant! – umzusetzen, wollte Luc Bondy tatsächlich noch die Stücke in ihre Gesamtheit auf die Bühne bringen! Mit seiner besonderen Ästhetik, mit seinem besonderen Blick auf den Kern der Stücke.

Luc Bondy arbeitete an vielen Theatern, er war nicht an ein Haus gebunden. Erst zuletzt war er am ehesten gebunden, er war mehrere Jahre lang Intendant der Wiener Festspiele. Davor war es Paris, Nanterre, London, Frankfurt, Hamburg, Berlin, Salzburg, Wien, Lausanne, New York und mehr.

All dies und viel mehr, auch mit sehr schönen Aufnahmen seiner Inszenierungen, kann man in diesem interessanten Buch lesen. Einen Blick durch das Buch gibt es hier nachfolgend. Einfach unten den link anklicken und ein kleines Video ansehen.

THEATER: Wiedergefundenes

Es war im Sommer 2018 eine 64 – Stunden – Installation von Alexander Giesche. NEW BEGINNINGS – das passt ja zu unseren Zeiten. Ich hatte diese Entree-Darbietung – sie stand vor dem Eingang zur eigentlichen Installation – mit Handy aufgenommen und jetzt wiedergefunden. Ich finde die Aufnahme gut, bringe sie daher hier.

Auch das waren die Münchner Kammerspiele der vergangenen fünf Jahre. Offen für alles. Viel Freiraum für die „Freie Theaterszene“. Erstaunlich, was für Sätze man da liest. Gemeint war nicht Corona, aber trotzdem:

  • Können wir zurück?
  • Wie schütze ich mich davor?
  • Was entwickelt sich da?
  • Wer verhüllt da eigentlich?
  • Ein Virus im System!
  • Wie impfe ich mich dagegen?

Aber das ist nur Zufall. Gemeint war anderes, keine Frage. Ohnehin wäre ja zu hoffen, dass es nicht bei diesen Fragen bliebe. Es könnte sich gerne Einiges ändern. Mal sehen.

HIER ein link zu Alexander Giesche. An Alexander Giesche sieht man übrigens, wie sich die „freie Theaterszene“ mit der „Stadt- oder Staatstheaterszene“ vermischt. Alexander Giesche war, denke ich, eher der freien Szene zuzurechnen, nun ist er einer der Hausregisseure am Schauspielhaus Zürich! Ist doch interessant! Und schon eingeladen gewesen zum Theatertreffen!

Mit „Der Mensch erscheint im Holozän“, einer Produktion am Schauspielhaus Zürich, „nach Max Frisch“, war Alexander Giesche ja in 2020 zum Berliner Theatertreffen eingeladen – das ja wegen Tante Corona ausfiel.

HIER der link zur Stückeseite beim Schauspielhaus Zürich, mit einer schönen Bildergalerie..

Kategorien
Sonstiges

THEATER: Kammerspiele – Plakataktion

MünchnerInnen aufgepasst! Auf Litfasssäulen etc.! Ein Teil der Verabschiedung von Matthias Lilienthal als Intendant der Münchner Kammerspiele ist eine seit Freitag, den 26.06.2020, laufende Plakataktion. Eine Art Geschenk an die Münchner.

Thema: Das öffentliche Erleben von Kunst und Kultur ist bekanntlich immer noch auf ein Minimum reduziert. Eine gefährliche Situation, die nicht Bestand haben darf! Die Münchner Kammerspiele haben ausgewählte Künstler*innen nach Entwürfen und Motiven von Plakaten zum Thema „WELT OHNE KUNST“ gefragt. Die Ergebnisse sind nunmehr als Open-Air-Ausstellung vom 26. Juni an bis zum Ende der Spielzeit auf bereits gemieteten Plakatflächen der Kammerspiele in ganz München zu sehen.

Abschließen wird die Intendanz von Matthias Lilienthal übrigens wahrscheinlich – Näheres ist noch nicht bekannt – am 17. Juli mit einer Veranstaltung im Olympiastadion mit Team, Ensemble und Zuschauern!

Meine Lieblingsmotive der Plakataktion sind (eigene Fotos, nicht immer beste Qualität):

undefined Gestaltung Gregor Hildebrandt, Professor für Malerei und Grafik an der Münchner Akademie der Bildenden Künste.

undefined Gestaltung Philippe Quesne, ein Szenenbild seiner 2016er Inszenierung Caspar Western Friedrich, einer meiner Lieblingsinszenierungen der vergangenen fünf Jahre. Der Mensch und die Natur war das Thema, das damals sehr poetisch aufgegriffen wurde.

undefined Gestaltung Milo Rau, der leider in den vergangenen 5 Jahren keine Repertoirearbeit an den Kammerspielen machte. Die Kammerspiele wirkten an Koproduktionen mit und Milo Rau hatte Gastaufführungen.

undefined Gestaltung Henrike Naumann, Künstlerin, geb. in der DDR, international ausgestellt, zuletzt im Münchner Haus der Kunst, Möbel als Ausdruck von Zeitgeist sind ihr Schwerpunkt.

undefined Gestaltung Tobias Rehberger, „Ausgeraucht“, Grenzgänger zwischen Kunst, Design und Architektur, ausgezeichnet 2009 mit dem Goldenen Löwen auf der Biennale in Venedig.

undefined Gestaltung im Einvernehmen mit Elfriede Jelinek, der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin (2004), deren Stück „Wut“ ja in den vergangenen Jahren lief. Es war damals eine Arbeit des Regisseurs Nicolas Stemann.

Copyright des Beitragsbildes oben: Judith Buss