Das Berliner Theatertreffen 2024 hat gestern, am 02.05.2024, begonnen. Und Achtung: Seit gestern bietet der Fernsehsender 3sat auch wieder in seiner Reihe „STARKE STÜCKE“ drei der 10 ausgewählten Inszenierungen für längere Zeit in seiner Mediathek an!
HIER der Link zur Mediathek von 3sat. (Unten finden sich jeweils die Links zu den einzelnen Produktionen)
Gezeigt werden:
„Laios“ ab sofort bis 30.08.2024
„Macbeth“ ab sofort bis 30.08.2024
„Bucket List“ ab sofort bis 01.05.2027 (!).
Im Einzelnen:
LAIOS: Inszenierung am Deutschen Schauspielhaus Hamburg.
„Laios“ ist der zweite Teil des Antiken-Marathons „Anthropolis“ und das Prequel zu „Ödipus“. Wer war Ödipus‘ Vater, König Laios von Theben? Die Geschichte wiederholt sich: Das Schicksal von Vater und Sohn ist gar nicht so unterschiedlich, beider Kindheit ist von Gewalt und Ablehnung geprägt. Laios musste aus Angst um sein Leben schon als Kind Theben verlassen und ins Exil gehen. Als aber Jahre später kein Thronanwärter mehr übrig war, die Zeiten waren blutig, kehrt er in seine Heimatstadt zurück. Zu seiner Königin macht er Iokaste. Eine fast stürmische Love-Story, so scheint es, doch das Paar steht unter keinem guten Stern. Die Weissagung der Seherin Pythia verbietet dem Königspaar Nachkommen zu zeugen. Doch schließlich wird der kleine Ödipus geboren und der Kreislauf der Gewalt startet von Neuem. (Zusammenfassung von 3sat auf deren Website/Mediathek).
HIER der direkte Link zum Stück „Laios“ in der 3sat-Mediathek.
MACBETH: Inszenierung am Schauspielhaus Bochum.
Brutal und skrupellos machen sich er und seine Frau, Lady Macbeth, daran die Prophezeiung wahr werden zu lassen. Alle, die der Königskrone im Weg stehen, werden nach und nach kaltblütig beseitigt. Von Machtwillen zerfressen wird das Fundament auf dem Herrscher und Herrscherin ruhen immer brüchiger, beider Seelenzustand verfinstert sich, die Weissagung stellt sich als Fluch heraus. Die errungene Macht hat Paranoia im Schlepptau. (Zusammenfassung von 3sat auf deren Website/Mediathek).
HIER der direkte Link zum Stück „Macbeth“ in der 3sat-Mediathek.
BUCKET LIST: Inszenierung an der Schaubühne Berlin.
„Ein Mann erwacht eines Tages und alles ist anders. Ein Käfer, wie in „Die Verwandlung“ von Franz Kafka, ist er zwar nicht, aber die Welt um ihn herum könnte ihm fremder nicht sein. In einer dystopischen nahen Zukunft verspricht ein dubioses Start-up namens „Zeitgeist“ die volle Kontrolle über das eigene Gedächtnis, erinnern wird optional. Traumatische Erinnerungen sollen sogar ganz gelöscht werden können. Doch es gibt einen Haken. (Zusammenfassung von 3sat auf deren Website/Mediathek).
HIER der direkte Link zum Stück „Bucket List“ in der 3sat-Mediathek.
Die 10er-Auswahl für das Theatertreffen 2024! Das Theatertreffen 2024 findet vom 02. bis zum 19. Mai in Berlin statt. In diesen Minuten wird gerade das Ergebnis bekannt gegeben! Hier sehen Sie – der Blog wird europaweit das erste Medium sein, das es meldet – die Liste der 10 „bemerkenswertesten Inszenierungen des vergangenen Jahres“, die dann in Berlin zu sehen sind.
690 Inszenierungen wurden gesichtet.
HIER der Link zum Livestream der Pressekonferenz zur Bekanntgabe der 10er-Auswahl mit den Begründungen. Das Livestream hat heute, Freitag, 26. Januar, um 11:00 Uhr begonnen.
Ein Nachtrag zur gestrigen Pressekonferenz für das Theatertreffen 2023: Ich habe selten einer so seltsamen Veranstaltung beigewohnt, wie dem Streaming der gestrigen Pressekonferenz:
Es begann mit den Worten des neuen Intendanten des Berliner Theatertreffens Matthias Pees. Er bedankte sich bei ungefähr 30 verschiedenen Adressen. Ich fragte mich, wen diese vielen Danksagungen auf dieser Pressekonferenz interessierten. Eine solch umfassende Danksagung könnte vor Publikum Sinn machen. Nicht vor etwa 30 Pressevertretern, keine der Danksagungen wird in der Presse jemals Erwähnung finden. Hatte er nichts anderes zu sagen? Und wahrscheinlich wird eine solche Danksagung im Rahmen der einführenden oder abschließenden Worte des Theatertreffens im Mai erneut erfolgen – auch mehr Sinn machen. Das wird so genügen. Warum auch hier?
Weiter: Matthias Pees war nicht imstande, auch nur ein freies Wort zu sprechen. Er hatte den festen Text auf Papier vor sich liegen und blickte im Grunde nur emotionslos auf sein Papier. Er hätte auch ein Polizeibericht vorlesen können. Thema der einführenden Worte von Matthias Pees hätte doch eher sein können: Wie war aus seiner Sicht – und aus Sicht der Jury – das Theaterjahr 2022/23 bis heute? Aber nein.
Und: Auch alle anderen Redner dieser Veranstaltung – zunächst die Jurymitglieder – lasen ihre sorgsam vorbereiteten Texte – die jeweilige Begründung der Auswahl – brav vom Papier ab. Ebenso die polnische Kulturmanagerin Joanna Nuckowska und die Ukrainerin Olega Apchel, Mitglieder des neuen „internationalen Leitungsteams“: Auch sie lasen ihre Erläuterungen der neuen Elemente des Theatertreffens – einer Reihe von die Stücke begleitenden „Treffen“ auf dem Theatertreffen – nur vom Blatt ab.
Oder: Klar, sie lasen in polnischer Sprache, völlig in Ordnung. Die Simultanübersetzung aber, die zu hören war, war dabei alles andere als glücklich gewählt. Sie vermittelte einen extrem gelangweilten Eindruck vom gesprochenen Text. Noch dazu völlig emotionslos, noch emotionsloser, als der Text ohnehin schon gesprochen oder gelesen wurde.
Nun: Ich jedenfalls habe auch die wirren Erläuterungen zu den einzelnen neuen Formaten, den „Treffen“, überhaupt nicht verstanden. So hat auch keiner oder keine der PressevertreterInnen auch nur eine einzige Frage zu diesen neuen Formaten gestellt.
Dann noch: Das Leitungsteam wird genannt „internationales Leitungsteam“. Andererseits wurde immer vom künftig „transnationalen“ Charakter des Theatertreffens gesprochen. Wo der Unterschied zwischen „international“ und „transnational“ liegt, liegen soll, ist mir nicht ganz klar geworden. Auch wurde überhaupt nicht angesprochen, ob es jährlich bei der Kooperation Deutschland/Polen bleiben wird, oder ob jedes Jahr – etwa wie bei der Frankfurter Buchmesse – ein neues Partnerland gesucht werden wird.
Weiter: Auch die Kameraführung des Streamings der Pressekonferenz warf Fragen auf: Als zu Beginn die zehn Jurymitglieder kurz persönlich vorgestellt wurden, schwenkte die Kamera nicht ein einziges Mal zu der jeweils genannten Person. Als hätte die Kameraführung auch gar nicht gewusst, wen sie hätte einblenden sollen.
Ich fragte mich auch: Warum waren die Pressevertreter überhaupt live erschienen? Man hätte alles online ansehen können, hätte sich die Texte geben lassen können. Vor allem nutzten die circa 30 Pressevertreter die Möglichkeit, irgendwelche Fragen zu stellen, nicht im Geringsten aus! Sie saßen alle stumm und fast hörig da, wie in der Sowjetunion. Es kam zu zwei (!) kleinen Fragen, mehr nicht. Und diese Fragen wurden auch noch unvollständig beantwortet.
So: Eine Pressevertreterin stellte die verständliche Frage, warum das Stück „Nora“ (Münchner Kammerspiele) in die 10er-Auswahl kam, ohne das Begleitstück „Die Freiheit einer Frau“ auch zu bringen. Schließlich handelt es sich bei diesen beiden Stücken um ein Double Feature an den Münchner Kammerspielen. Die Antwort des Jurymitglieds Sabine Leucht war eine Farce. Das Stück „Die Freiheit einer Frau“ würde nichts zum Stück „Nora“ „beigtragen“. Was ist das denn für eine Begründung? Sollte das zweite Stück der Double Feature etwas zum ersten Stück beitragen? Ganz im Gegenteil! Dieses Double Feature – ich habe es gesehen – lebt gerade durch den Kontrast der beiden Stücke, jedes Stück hat dabei eine eigene Bedeutung für das jeweils andere Stück! Sie leben zusammen! Aber nein, eine Nachfrage der Pressevertreterin zu dieser seltsamen Antwort gab es nicht. In der Süddeutschen Zeitung (Peter Laudenbach) heißt es dazu heute zurecht: „Werden in Zukunft einfach die besten Szenen eines Abends eingeladen…?“.
Was für eine Pressekonferenz! Theaterbegeisterung geht anders! Man hat vor dieser Pressekonferenz auch offenbar überhaupt nicht nachgedacht! Matthias Pees bedankte sich am Ende noch beim Leitungsteam und bei den Jurymitgliedern …
IN DIESEN MINUTEN werden die zehn Theaterstücke bekanntgegeben, die für das Berliner Theaterreffen 2023 als die „bemerkenswertesten Theaterstücke“ deutschsprachiger Bühnen des vergangenen Jahres ausgewählt wurden (die berüchtigte „10er-Auswahl“)!!
Die (fürchterlich förmliche – alles wird abgelesen!) Pressekonferenz mit der Vorstellung der einzelnen Theaterstücke läuft gerade, HIER der Link zum Livestream, es geht bis ca. 12.30 Uhr. HIER DIE WAHRSCHEINLICH ERSTE MELDUNG IN DEN MEDIEN DAZU:
Ausgewählt wurden in diesem Jahr die folgenden zehn Inszenierungen (mit Verlinkungen zu den Stückeseiten und zu den Jurybegründungen):
Die Eingeborenen der Maria Blut, Burgtheater Wien. Die Begründung der Jury HIER.
HIER der Link zur gerade veröffentlichten Darstellung der 10er-Auswahl auf der Website des Theatertreffens mit allen weiteren Informationen und links!
Mein erster Eindruck: Es war eine niederschmetternd förmliche Veranstaltung! Auch die anschließende Fragerunde: Das hätte auch in der Sowjetunion so laufen können.
Das Theatertreffen 2023 findet dieses Jahr vom 12. bis zum 28. Mai statt, natürlich wieder in Berlin.
Ein Bild der Jury des Theatertreffens, der Götter auf dem Olymp – Zeus, Hera und weitere:
Jury des Theatertreffens Berlin 2023, bestehend aus: Eva Behrendt, Janis El-Bira, Valeria Heintges, Sabine Leucht, Petra Paterno, Katrin Ullmann und Sascha Westphal, im Martin-Gropius-Bau, Foto: Stefan Wieland
Auch die Leser von http://www.nachtkritik.de können jährlich ihre 10er-Auswahl treffen. Das Ergebnis 2023 Wurde vor etwa einer Woche, am 19. Januar 2023, bekannt gegeben. Es kam ein völlig anderes Ergebnis heraus. HIER der Link zur Zusammenstellung der Zehnerauswahl der Leser von http://www.nachtkritik.de.
Der Stream des Monats Februar des Deutschen Theater Berlin – DT „Stream des Monats“- läuft bis morgen, Sonntag, 20. Februar, 20:00 Uhr. Gezeigt wird eine Inszenierung des russischen Klassikers „Die Möwe“ von Anton Tschechow in der Regie von Jürgen Gosch. Das Thema Russland ist ja gerade sehr brenzlig, was man bei der Auswahl des Streams natürlich noch nicht wusste.
Wer schlicht „Weltliteratur auf der Bühne“ erleben möchte, hat hier jedenfalls etwas. Man sieht hier „Die Möwe“ VON Anton Tschechow, nicht etwa „Die Möwe“ NACH Anton Tschechow. Ja, so originalgetreu – wenn auch im Bühnenbild extrem reduziert – sieht man es heute selten. Der Blick auf diese Inszenierung zeigt: Es hat sich in den letzten etwa 14 Jahren Einiges geändert! Die damalige Inszenierung von “Die Möwe“ wurde im Jahre 2009 – 13 Jahre ist das her – zum Theatertreffen in Berlin eingeladen. Sie wurde damals außerdem von der Zeitschrift Theater heute zur Inszenierung des Jahres gekürt! Anton Tschechows „Möwe“ wird in dieser Inszenierung wortgetreu wiedergegeben. Ich fand es mittlerweile ja fast schon altbacken. Aber es war eine gefeierter Inszenierung. Vor allem nach Jürgen Goschs großem vorherigen Erfolg „Onkel Wanja“, der sehr ähnlich inszeniert war. Besetzt war „Onkel Wanja“ wunderbar! Mit Jens Harzer und Ulrich Matthes vor allem, ein Genuss und meines Erachtens schauspielerisch besser als „Die Möwe“. Auch „Onkel Wanja“ war damals eine Inszenierung am Deutschen Theater Berlin, zu sehen war sie im DT Stream vor einigen Monaten.
HIER der link zur Seite des Streams des Monats des Deutschen Theater Berlin.
Und HIER der Link zur Seite der Inszenierung „Die Möwe“ am Deutschen Theater Berlin.
Und hier zu “Die Möwe“ zwei Screenshots:
Die beiden – dunklen – Screenshots oben zeigen es: „Die Möwe“ ist eine für Jürgen Gosch typische Inszenierung: Wie bei “Onkel Wanja“: Kein Schauspieler verlässt während des Abends die Bühne. Alle sitzen hier auf einer langen Bank entlang der Trennwand der großen Bühne, gespielt wird auf einem schmalen Streifen im vorderen Bereich der Bühne.
Anton Tschechows „Die Möwe“ ist – wie bei vielen anderen der damaligen russischen Literaturklassiker (Strindberg, Tolstoi, Dostojewski, Tschechow und und und) – ein Blick auf das damalige Leben in Russland. Immer wieder Blicke auf das Leben „in der Stadt“ und das Leben „in der Provinz“. Auch Anton Tschechows „Die Möwe“ spielt auf dem Land, in der Provinz, auch wenn es hier im Stück auch sehr um das Verhältnis der Beteiligten zur Theaterkunst, um das Wesen und den “Nutzen“ der Theaterkunst geht. Und um Liebe und grundsätzliche Gedanken zum Leben natürlich. Aber, wie gesagt, es sind immer Blicke auf das damalige Leben in Russland. Blicke, die in heutigen Zeiten wenig bringen. Heute bereitet sich der russische Staatspräsident Wladimir Putin gerade darauf vor, in Europa in ein unabhängiges Nachbarland einzumarschieren. Weltpolitik. (Und ich schaue mir ganz unbehelligt ein russisches Stück an! Es liegt natürlich auch daran, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass Wladimir Putin tatsächlich militärisch vorgeht.)
Mein Eindruck aktuell: Russland will in der Weltpolitik wieder mitspielen. Die Frage, die sich ja vielleicht auch Wladimir Putin und seine Mannen (Frauen?) stellen: „Was ist denn Russland?“ Man fürchtet China, China geht einen sehr bewussten aggressiven Weg (staatlich gelenkter Kapitalismus mit globalen Ausdehnungsphantasien), man kennt Amerika, man kennt Europa, deren globales Freiheitsdenken, aber was macht denn Russland in der Weltpolitik noch aus? Welchen Weg in die Zukunft geht Russland? Ist Russland nicht irgendwie veraltet? Da fällt Wladimir Putin offenbar nichts anderes ein, als sich militärisch zu zeigen – geprägt von der Angst, das westliche Freiheitsdenken könnte irgendwann nach Russland überschwappen und Russland hätte seinen Bürgern keinen eigenen Weg in die Zukunft anzubieten. Und so weiter
Heute jedenfalls, im Jahre 2022, speziell in diesen Tagen, geht es um Russland und die Weltpolitik. Da hilft es natürlich wenig, Anton Tschechows „Die Möwe“ zu sehen. Trotzdem. Es muss und darf ja nicht alles immer Aktualitätsbezug haben. Und schließlich hat auch Anton Tschechows “Die Möwe“ etwas mit der russischen Seele zu tun.
Hier alle Links! Und im Überblick die wesentlichen Details zur diesjährigen 10er-Auswahl für das Theatertreffen 2022, das vom 6. bis zum 22. Mai in Berlin stattfinden wird.
Die 10 ausgewählten Produktionen in der Reihenfolge ihrer Nennung in der heutigen Pressekonferenz der Berliner Festspiele:
»Die Jungfrau von Orleans«. Tragödie nach Friedrich Schiller. Bearbeitung von Joanna Bednarczyk. Regie von EwelinaMarciniak. Inszenierung am Nationaltheater Mannheim. HIER der link zur Produktion
»Der Tartuffe oder Kapital und Ideologie« von Soeren Voima nach Molière und nach »Kapital und Ideologie«. Regie von Thomas Piketty. Inszenierung des Staatsschauspiel Dresden. HIER der link zur Produktion
»Like Lovers Do (Memoiren der Medusa)« von Sivan Ben Yishai. Regie und Choreografie von PinarKarabulut. Inszenierung der Münchner Kammerspiele HIER der link zur Produktion
„All right. Good night“, Ein Stück über Verschwinden und Verlust von Helgard Haug. Eine Produktion von Rimini Apparat in Koproduktion mit dem HAU Hebbel am Ufer (Berlin), dem Volkstheater (Wien), The Factory (Manchester), dem Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt am Main), und dem PACT Zollverein (Essen) HIER der link zur Produktion
»Doughnuts« von Toshiki Okada. Regie von Toshiki Okada. Inszenierung des Thalia Theater Hamburg. HIER der link zur Produktion
»Das neue Leben. Where do we go from here«. Frei nach Dante Alighieri, Meat Loaf und Britney Spears. Regie von ChristopherRüping. Inszenierung des Schauspielhaus Bochum. HIER der link zur Produktion
»Die Ruhe«. Eine Performance-Installation von SIGNA Konzept. Regie von Signa Köstler. Inszenierung des Deutschen Schauspielhauses Hamburg. HIER der link zur Produktion
»Slippery Slope. Almost a Musical« von Yael Ronen, Shlomi Shaban und Riah Knight, Itai Reicher. Regie von YaelRonen. Inszenierung des Maxim Gorki Theater Berlin. HIER der link zur Produktion
»humanistää! eine abschaffung der sparten« nach Ernst Jandl. Regie von ClaudiaBauer. Inszenierung des Volkstheater Wien. HIER der link zur Produktion
»Ein Mann seiner Klasse«. Nach dem Roman von Christian Baron. Regie von Lukas Holzhausen. Inszenierung des Schauspiel Hannover. HIER der link zur Produktion
HIER die Seite der Berliner Festspiele zu den Inszenierungen der diesjährigen 10er-Auswahl.
BREAKING NEWS – BREAKING NEWS – BREAKING NEWS: Vor wenigen Minuten wurden die „10 bemerkenswerten Theateraufführungen des vergangenen Jahres“ für das im Mai stattfindende Theatertreffen 2022 in Berlinbekanntgegeben. Die sogenannte “10er- Auswahl“. Die Pressekonferenz ist momentan noch live online zu verfolgen (bei Zugang).
WANN FINDET DAS THEATERTREFFEN 2022 GENAU STATT? Das Theatertreffen 2022 findet in der Zeit vom 06. Mai bis zum 22. Mai in Berlin statt.
WER HAT DIE 10 STÜCKE AUSGEWÄHLT? Die Jury setzte sich dieses Jahr wie folgt zusammen: HIER.
UND WELCHE 10 STÜCKE WURDEN DIESES MAL AUSGEWÄHLT? Ausgewählt wurden dieses Mal die folgenden zehn Stücke:
Die Jungfrau von Orleans von Friedrich Schiller, Inszenierung am Nationaltheater Mannheim
Tartuffe nach Moliere, Inszenierung am Staatsschauspiel Dresden
Like Lovers Do, Inszenierung an den Münchner Kammerspielen
All right. Good night, Inszenierung u.a. am HAU Berlin
Doughnuts, Inszenierung am Thalia Theater Hamburg
Das neue Leben, Inszenierung am Schauspiel Bochum
Die Ruhe, Inszenierung (Performance) am Deutschen SchauspielHaus Hamburg
Slippery Slope – Almost A Musical, Inszenierung am Maxim Gorki Theater Berlin
humanistää – über die Abschaffung der Sparten, Inszenierung am Volkstheater Wien
Ein Mann seiner Klasse, Inszenierung am Schauspiel Hannover
Starke Stücke Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/6348 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/3sat/ZDF/3sat Grafik"
Das hier macht Sinn, der Leser kann etwas davon haben, dann schreibe ich gerne: Wie jedes Jahr, bringt 3sat auch dieses Jahr drei „Starke Stücke“ der 10-er Auswahl des Berliner Theatertreffens im Fernsehen und stellt sie für einige Zeit in die Mediathek. Die drei ausgewählten Stücke sind bis September in der Mediathek zu sehen!
Es handelt sich dieses Jahr um folgende drei Inszenierungen:
„Maria Stuart“ von William Shakespeare, eine Inszenierung von Anne Lenk
„Graf Öderland“ von Max Frisch, eine Inszenierung von Stefan Bachmann
“Automatenbuffet“ von Anna Gmeyner, eine Inszenierung von Barbara Frey
Ich habe sie gesehen („Maria Stuart“ von Anne Lenk kannte ich bereits, ich habe darüber HIER geschrieben), das Theatertreffen 2021 ist ja gerade zu Ende gegangen. Auf Folgendes kann ich den geneigten Theaterfreund hinweisen:
Was mir grundsätzlich an den diesjährigen drei „Starken Stücken“ im Vergleich zu den übrigen Inszenierungen der 10er-Auswahl auffiel: Sie waren „klassischer“ oder „herkömmlicher“ strukturiert, als die übrigen Stücke. Ja, es waren (vielleicht mit den Augen des Senders gesehen im Blick auf eine größere Zuschauerzahl) Inszenierungen klassischer Art: Anders waren die übrigen Stücke der 10er-Auswahl! Bei „Maria Stuart“ wird fast nur Originaltext gesprochen. Bei „Graf Öderland“ wird schlichtweg der – eigentlich unverständliche – Inhalt der „Moritat“ von Max Frisch erzählt. Und bei „Automatenbuffet“ erfolgt eine Erzählung, die vielleicht am ehesten anders nicht erzählt werden kann.
Entsprechend dem „klassischen“ Theater waren die drei Inszenierungen, die nun noch auf 3sat zu sehen sehen sind, vor allem eingebunden in – ich möchte sagen – „strenge“ Bühnenbilder, die in gewisser Weise viel vorgeben. Mir kam es dadurch teilweise vor, als hätte man „altes Theater“ gesehen. Ganz anders zum Beispiel war es bei „Der Zauberberg“ oder bei „Einfach das Ende der Welt“ mit ihren weitgehend leeren Bühnen. Anders auch bei den in diesem Jahr ausgewählten Performancearbeiten „NAME HER“, „Scores That Shaped Our Frienship“ und „Show Me A Good Time“. Anders im Grunde auch bei „Medea*“, auch wenn dort die Bühne nicht wirklich leer war! Nur „Reich des Todes“ habe ich nicht gesehen!
Die leeren Bühnen der vorgenannten Stücke haben m. E. durchaus einen Effekt: Sie geben den SchauspielerInnen mehr Betonung und genau das tut in unseren derzeitigen Streamingzeiten gut! Bei den drei „klassischen“ Stücken, die nun auf 3sat noch zu sehen sind, dachte ich mir dagegen immer wieder: „Man müsste diese Stücke eigentlich in Präsenz sehen!“ Ja, sicherlich, das Präsenztheater fehlt! Es ist und bleibt in jedem Fall ein himmelweiter Unterschied, die SchauspielerInnen live auf der Bühne zu erleben! Streamingtheater funktioniert aber meines Erachtens in bestimmten Fällen auch. In den Fällen nämlich, in denen aus dem Streamingangebot heraus etwas „Neues“ entsteht. Deutlich wurde dies bei „Der Zauberberg“, ein Kunstwerk insgesamt. Erkennbar wurde es ansatzweise auch in den Stücken „Medea*“ und „Einfach das Ende der Welt“. Auch dort konnte ich dem Streamingangebot etwas Besonderes abgewinnen. Es entstand eine Nähe zu den SchauspielerInnen, es war dort aus irgendeinem Grund heraus nicht so sehr erforderlich, das Stück in Präsenz zu sehen. Anders aber meines Erachtens in den drei Stücken, die, wie gesagt, nun bis September auf 3sat zu sehen sind:
„Automatenbüffet“:
Copyright: Mathias Horn
Wie gesagt: Bei „Automatenbüffet“ erschien mir die „Strenge“ des Bühnenbildes noch verständlich, da das Stück deutlich in der zurückliegenden strengen Zeit zwischen den Weltkriegen spielt. Alles sollte funktionieren und seine Ordnung haben. Die Gefühlswelt konnte sich nicht besonders durchsetzen. Die überbürgerliche Welt. Projekte werden entwickelt. Es geht um Geld. Und mitten drin spielt sich ein wenig Gefühlsleben ab. Eine Ehe zerbricht, der Mann hat sich in eine junge Frau verliebt, will mit ihr Leben, die Frau lässt sich von einem jungen Mann „einnehmen“, überschreibt ihm fast ihr gesamtes Vermögen, und so weiter. Das Stück bleibt leider oberflächlich. Zu v unterschiedliche Gedankenrichtungen werden kurz angestoßen. Geld und Projekte, Liebe, keine Liebe, Trennung, Scheitern, Suche nach dem eigenen Leben. Was will das Stück sagen? Es bleibt eine kleine Erzählung aus früherer Zeit.
HIER die Seite des Theatertreffens zu diesem Stück. Mit der Möglichkeit am Ende der Seite, das Programm Heft downzuloaden.
„Maria Stuart“:
Copyright: Arno Declair
„Maria Stuart“ war allein geprägt durch die Idee des Bühnenbildes, jeder Person auf der „Bühne“ einen eigenen abgetrennten Kasten, eine „Schublade“ zu geben, Interaktionen zwischen den Beteiligten finden nicht statt. Siehe das Foto. Es zählte nur das Wort. Das Wort entlang des Dramas von William Shakespeare. Zwei Königinnen, Moral und Politik, Macht und Gefühl, Elisabeth hin und hergerissen, Versuche der Einflussnahme Dritter auf die Macht. Nun ja, nicht gerade „aktuell“ im Ansatz.
HIER wieder die Seite des Theatertreffens zu diesem Stück. Mit der Möglichkeit am Ende der Seite, das Programm Heft downzuloaden.
Und „Graf Öderland“:
Copyright: Birgit Hupfeld
Bei „Graf Öderland“ spielt sich alles in einer Art Röhre ab, einem Trichter, der übermanngroß schräg auf der Bühne liegt. Siehe auch hier das Foto. Ich habe viel überlegt, kann aber den Sinn des Stückes schlichtweg nicht erkennen. Irgendwie geht es um Revolution und Widerstand gegen die Ordnung. Ein Staatsanwalt verschwindet und wird zu Graf Öderland, ursprünglich eine Märchenfigur, er zieht mit der Axt durch die Lande und ermordet (zusammen mit Gefährten) andere Menschen. Max Frisch liebte dieses Stück besonders, es sagte ihm sehr viel, es hatte aber nie Erfolg!
Auch HIER die Seite des Theatertreffens zu diesem Stück mit der Möglichkeit, am Ende der Seite das Programmheft downzuloaden.
„Einfach das Ende der Welt“ nach Jean-Luc Lagarce war gestern zu sehen. Es ist eine der zehn Inszenierungen, die zum Berliner Theatertreffen 2021 „eingeladen“ wurden. Eine Inszenierung von Christopher Rüping am Schauspielhaus Zürich. Ich schreibe nicht gerne über Dinge, die die Leser des Blogs nicht mehr sehen können. Aber vielleicht ist dieses Stück am Schauspielhaus Zürich irgendwann noch zu sehen. Ich weiß es momentan nicht.
Ein „moderner Klassiker“ wird das Buch von Jean-Luc Lagarce genannt. Es gibt auch eine Verfilmung, vor einigen Jahren in Cannes ausgezeichnet mit dem Großen Preis der Jury. Und hier die Inszenierung. Sie hat mich nicht begeistert. Die große leere Bühne war dabei sehr erfrischend, wohltuend. Die zunächst sehr ausführlich gezeigte Einrichtung der Familienwohnung des Heimkehrers (beim Heimkehrer Louis Erinnerungen erweckend) wird in einer viertelstündigen Pause komplett weggeräumt. Trotzdem.
Das Thema: Nach zwölf Jahren Abwesenheit kehrt der erfolgreiche Sohn (Louis) einer Familie aus einfachen Verhältnissen zu seiner Familie zurück. Der Grund: Er ist unheilbar krank (AIDS) und wird demnächst sterben. Er möchte offenbar zurück zu seiner Familie. Die Inszenierung zeigt aber im Grunde nur, dass sich alle nichts mehr zu sagen haben. Sie können nicht einmal mehr irgendwie sinnvoll miteinander reden.
Dahinter steht – generell gehalten – vielleicht die Frage: Kann man in seinem Leben noch einmal etwas „aufwärmen“, was man einmal aufgegeben hatte? Dem Heimkehrer Louis gelingt es nicht. Er hört sich alte Vorwürfe an, mehr nicht. Er hatte sich eben zwölf Jahre zuvor ziemlich wortlos in sein eigenes Leben begeben, alle anderen, seine beiden Geschwister, seine Mutter, blieben zurück und blieben zusammen. Sein Bruder ist mittlerweile verheiratet, hat zwei Kinder. Er selber, Louis, lebte ein schillerndes Leben als (schwuler) erfolgreicher Schriftsteller, er verwirklichte sich, die übrigen Familienmitglieder blieben pflichtbewusst zusammen und lebten ein viel biedereres Leben. Freude am Leben mag bei ihm gewesen sein, weniger bei seinen Familienmitgliedern. Es ist aber nicht unbedingt Neid, was hochkommt, es ist einfach absolute Sprachlosigkeit, man versteht sich überhaupt nicht mehr! Die Inszenierung zeigt im Grunde diese völlige Sprachlosigkeit, gespielt von durchweg guten SchauspielerInnen! Das schon!
Und nun, kurz vor seinem Tod, möchte Louis also wieder zur Familie zurückkehren. Er möchte einmal umarmt werden, keiner tut es. Er sagt, er interessiere sich für seine Familie! Reaktionen darauf gibt es nicht … er spricht Kindheitserinnerungen an. Keiner versteht ihn, darum geht es keinem mehr. Die Dialoge sind dabei meines Erachtens zu dünn geraten. Es mag auch daran liegen, dass es dem Heimkehrer Louis (gut gespielt von Benjamin Lillie) nur kurz gelingt, seiner Familie zu sagen, dass er in Kürze sterben wird. In der Romanvorlage gelingt es ihm sogar überhaupt nicht. Hier noch eine Aufnahme der Inszenierung:
HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Schauspielhauses Zürich.
Nun gut, dies war der erste Teil der 10er-Auswahl des diesjährigen Theatertreffens. Es geht weiter.
Für die Theaterfreunde unter uns gibt es in Kürze einige Gelegenheiten, schöne Dinge zu sehen. Ich möchte sie hier besonders ankündigen, damit sie nicht verpasst werden und man sich dann etwa ärgern muss. Man muss sich ja derzeit ohnehin schon über Einiges ärgern.
Berliner Theatertreffen 2021:
Zum einen bieten das Berliner Theatertreffen 2021 und – auch dieses Jahr wieder – 3sat in diesem Jahr aus gegebenem Anlass insgesamt alle Aufführungen, die eingeladen wurden, als Streaming an. Alle zehn Inszenierungen der berüchtigten 10er-Auswahl sind so zu sehen, was ja sonst nicht möglich ist. Das diesjährige Streamingangebot geht allerdings noch weit darüber hinaus. Es lohnt sich, das Programm genau durchzusehen. Es ist so viel, ich verlinke HIER auf den Kalender des Theatertreffens 2021. Das Theatertreffen beginnt am 13. Mai 2021 und endet am 24. Mai 2021. Ich werde sicherlich über einige Inszenierungen und Streamings schreiben.
KingLear und Die Politiker:
Meine zweite Ankündigung: Er, Sebastian Hartmann, wurde zum diesjährigen Theatertreffen in Berlin mit seiner Inszenierung “Der Zauberberg“ von Thomas Mann eingeladen. Siehe oben. Die Inszenierung wird, wie gesagt, im Rahmen des Theaterteffens in Berlin als Streaming zu sehen sein. Es ist eine Inszenierung des Deutschen Theaters Berlin. Sebastian Hartmann hatte aber in letzter Zeit (vor Corona) am Deutschen Theater Berlin auch eine weitere Inszenierung: Eine Art Kombination aus „King Lear“ von William Shakespeare und „Die Politiker“ von Wolfram Lotz. HIER der Link zur Stückeseite dieser Inszenierung auf der Website des Deutschen Theaters Berlin. Die Szenen und Bilder, die Sebastian Hartmann mit dieser Inszenierung vor knapp zwei Jahren aufrief, erscheinen heute, in pandemischen Zeiten, „irritierender und gegenwärtiger denn je“, heißt es in der Ankündigung des Deutschen Theaters Berlin zum Streaming, das jetzt am 01. Mai um 20.00 Uhr zu sehen ist! Der Livestream wird einmalig ausgestrahlt. Angesichts der momentanen Unmöglichkeit, analog zu spielen, begegnen der Regisseur und das Ensemble der Inszenierung einmalig neu und transformieren sie in einen Livestream. HIER der Link zur Seite dieses besonderen Streamings. Und HIER der Link zu einem Gespräch mit Sebastian Hartmann über diese Livepremiere am 1. Mai. Sebastian Hartmann findet meines Erachtens immer wieder zu dem, was er sagen will, wunderbare Worte. Nicht aufdringlich, nicht eingebildet, nicht auf Überzeugung anderer angelegt, sehr durchdacht. Ich werde sicher über meine Eindrücke vom Streaming schreiben.
Die zehn zum Theatertreffen 2021 nominierten Inszenierungen deutschsprachiger Theater werden vom 13. bis 24. Mai 2021 als Livestream aus dem jeweils produzierenden Theater oder als Aufzeichnung – u. a. in Zusammenarbeit mit dem Medienpartner 3sat – präsentiert. Einzelheiten zur Terminierung werden Ende April bekannt gegeben.
Ich konnte von dieser Auswahl bisher „Der Zauberberg“ in der Inszenierung von Sebastian Hartmann (Deutsches Theater Berlin) (HIER), „Einfach das Ende der Welt“ in der Inszenierung von Christopher Rüping (Schauspielhaus Zürich) (HIER dazu ein einführender Link) sowie „Medea*“ in der Inszenierung von Leonie Böhm (Schauspielhaus Zürich) (HIER) sehen.
Jetzt hatte ich noch die Gelegenheit, eine vierte der für 2021 ausgewählten Inszenierungen zu sehen: „Maria Stuart“ von Friedrich Schiller in der Inszenierung von Anne Lenk (Deutsches Theater Berlin).
Es ist ein Klassiker par exellence, aus der Zeit der Weimarer Klassik. Das absolutistische Denken steckte den Menschen in den Knochen, Gefühle sollten aber hinzukommen. Zwar nicht im Sinne des weit heftigeren damaligen „Sturm und Drang“, sondern ausgewogener, der ausgewogenen Klassik entsprechender. Königin Elisabeth ist insoweit in diesem Drama bekanntlich davon hin und hergerissen, wie sie mit ihrer Schwester Maria Stuart, die in England festgenommen wurde, umgehen soll. Soll sie das gerichtliche Todesurteil vollstrecken?
Die Inszenierung von Anne Lenk bleibt klassisch. Das Bühnenbild ist durchaus eigenwillig, eine durchaus interessante Idee, sie ändert aber nichts an der inhaltlichen klassischen Wirkung des Dramas von Friedrich Schiller. Zwar wird damit ein Recht eigenwilliger singulärer Auftritt aller SchauspielerInnen ermöglicht, es entsteht der Eindruck, jeder Akteur und jede Akteurin handle in seinen/ihren Grenzen. Es bleibt aber geradezu puristisch die klassische Erzählung. Klassik meets Klassik. Wie oben im Beitragsbild zu sehen ist, treten alle SchauspielerInnen jeweils in jeweils eigenen rot gefärbten Kästen auf, sie agieren allesamt getrennt voneinander. Vor allem Julia Windischbauer als Elisabeth, Königin von England, und Franziska Machens als Maria Stuart, festgenommene Königin von Schottland.
Damit allein – mit dem Bühnenbild – werden allerdings keineswegs besondere neue Aspekte des Dramas beleuchtet, es wird keine neue Sichtweise des Dramas gezeigt, es wird (anders als etwa in der Inszenierung „Medea* von Leonie Böhm) das klassische Drama – meist dem Originaltext treu – gespielt. Im Grunde wird dadurch nur der klassische Text des Dramas wichtiger. Und die argumentativen Handlungen der einzelnen Personen – die zaudernde Königin Elisabeth soll ja bei ihrer Entscheidung beeinflusst werden – werden dadurch ein wenig klarer beleuchtet. Das schon. Mehr nicht.
Die Jury des Berliner Theatertreffens formulierte in ihrer Begründung zur Auswahl dieser Inszenierung darüber hinaus zwar, es sei ein „an schauspielerischen Feinheiten reicher Abend“. Mein Eindruck dazu allerdings war, dass den Schauspieler und Schauspielerinnen doch – abgesehen vom Text – in ihren Kästen eigentlich sogar weniger Gelegenheit gegeben war, „schauspielerische Feinheiten“ zu zeigen.
Nun, das mag man auch anders empfinden. Je nach Interesse, sich in die Positionen der verschiedenen AkteurInnen hineinzuversetzen. Insoweit lohnt es sich dann doch, diese zum Theatertreffen 2021 ausgewählte Inszenierung spätestens im Mai online anzusehen.
HIER der Link zur Stückeseite von „Maria Stuart“ auf der Website des Deutschen Theaters Berlin.
Medea: „Ich war von Liebe überwältigt … ich bin in tiefster Seele gekränkt … ich werde von Grund aus vernichtet … ich fühl garnichts mehr … hin ist das Vertrauen … ich kann das nicht begreifen … ich hab Angst … die Welt ist aus den Fugen … alles ist weggebrochen … ich geb auf … ich hab Angst vor Gewalt“. Dass sie dann ihre beiden Kinder tötet, ist nicht gesichert. Es ist die Erzählung des Mythos durch Euripides, andere sagen, die Korinther hätten die Kinder getötet und hätten Euripides Geld dafür gegeben, sein Drama eben anders zu schreiben, nicht von der Tat der Korinther zu berichten.
Ich gehe einmal davon aus, dass viele der sicherlich zigMillionen Leser dieses Blogs – verteilt über das weite Rund der Erde, vor ihren Bildschirmen sitzend und ständig auf bessere Zeiten und weitere Blogbeiträge hoffend – Theaterfreunde sind und den Namen Leonie Böhm kennen. Sie hat am Schauspielhaus Zürich „Medea*“ inszeniert, dort ist sie aktuell eine der HausregisseurInnen. Es war letzte Woche im Livestream zu sehen. Die Inszenierung wurde zum Theatertreffen Berlin 2021 eingeladen, das im Mai wieder stattfinden soll. Wie die Inszenierungen dort wiederum zu sehen sein werden, wird noch bekanntgegeben werden. Online? Präsenz? Wir werden sehen.
Es geht – wieder einmal bei Leonie Böhm – nicht um die Darstellung der bekannten Geschehnisse um Medea. Leonie Böhm verfolgt auch hier wieder wenige tragende Gedanken zwischen den Zeilen eines Dramas.„Ich benutze die Klassiker und die Stücke immer dazu, um eine bestimmte Fragestellung zu untersuchen“, sagt sie in einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur. Oft – nicht immer – sind es feministische Ansätze, die sie verfolgt. Eine ihrer ersten Arbeiten hieß etwa „Nathan die Weise“ nach Lessing. Oder zuletzt an den Münchner Kammerspielen: „Die Räuberinnen“ nach Schiller. „Und bei Medea hat mich sehr stark die Frage interessiert: Wie kommt man eigentlich aus einer Ohnmachtssituation und aus einer Ungerechtigkeitssituation wieder in die eigene Handlungsmacht?“ Das Feministische spielte bei ihrer Inszenierung Medea keine Rolle. Medea ist ja eine Frau! Sie hätte eher den Spieß umdrehen können, hätte den männlichen „Medeus“ daraus machen können.
Es ist ja eine in gewisser Weise immer wieder aktuelle Situation: Eine Frau, die von ihrem geliebten Mann betrogen und verlassen wird. Oder andersherum: Ein Mann, der von seiner geliebten Frau verlassen wird! Es wird höchst selten zur Ermordung der eigenen Kinder kommen, kann aber sicherlich zu Ohnmacht und Depression führen. Liebe kann unermesslich sein, die Enttäuschung dann auch! Euripides sah diese Unausweichlichkeit! Also: Wie kommt man da wieder raus? Muss es Rache sein? Diese Frage beschäftigte Leonie Böhm.
Im Gegensatz zur Tragödie von Euripides treten bei Leonie Böhm nur zwei Personen auf: Die Schauspielerin Maja Beckmann – Medea – und der Musiker Johannes Rieder, er stellt quasi den antiken „Chor“ dar, der Medea beobachtet, mit ihr spricht, im Hintergrund bleibt, musiziert, selten eingreift. Die Bühne ist – siehe Beitragsbild – komplett mit weißen Tüchern verhangen. Man fühlt sich – zeitlos – wie im Inneren von Medea, vom Wahnsinn eingesperrt. Erst gegen Ende der Inszenierung fallen alle weißen Tücher in sich zusammen. Musikalisch wiederum schön begleitet von Johannes Rieder und seinem rauhen Summen einer ruhigen Melodie am Klavier, scheint Medea dann aus ihrem Wahnsinn herauszukommen. Überhaupt wird die Inszenierung meines Erachtens geprägt von der zurückhaltenden Musik von Johannes Rieder, auch von ihm als Beobachter des Geschehens. Er zupft an der Gitarre, spielt ein wenig am Klavier. Er war es für mich, der die Inszenierung mit seiner Musik und seinen wenigen Worten prägte. Er mit seiner Erscheinung. Obwohl natürlich Maja Beckmann als Medea im Grunde im Mittelpunkt steht.
Auch wenn Leonie Böhm versucht, mit dieser Inszenierung herauszuarbeiten, wie Medea doch aus ihrem Wahnsinn herauskommen könnte (hätte können): Es wird irgendwie leider nicht ganz deutlich. Natürlich will Leonie Böhm keine Lösung präsentieren, darum geht es nicht. Natürlich kann alles offen bleiben. Es geht um Befindlichkeit. Medea hat ja bei Leonie Böhm vor allem Angst vor dem, was sie tun wird. Es ist ihr wenigstens bewusst, was sie tun wird, sie äußert es schon zu Beginn der Inszenierung. Sich dessen bewusst zu sein, ist schon das Thema für Leonie Böhm. Es geht um Medeas Einstellung. Darum, zu zeigen, dass Medea sich in ihrer Situation doch mit sich selbst beschäftigen kann (hätte können), nicht nur eine rasende unkontrollierte Furie war. „Du brauchst Mut, Deinen Platz zu finden“, sagt sie. Oder: „Das bin ich, das ist das Leben.“ Darum geht es Leonie Böhm wohl. Seinen Platz finden. Medea, die erkennt, in welcher Situation sie ist. Die Inszenierung endet so auch nicht im wahnsinnigen Kindermord, es geht eben nicht um das Gesamtgeschehen selbst.
Es wird auf der Bühne aber dennoch alles vielleicht nicht deutlich genug, ergänzende Erklärungen etwa in der guten Podcast-Einführung des Dramaturgen Bendix Fesefeldt (am Ende der Stückeseite zu Medea* HIER) und im Programmheft (ein Gespräch mit Leonie Böhm) bringen einem die Thematik im Grunde erst wirklich näher. Schade, die schöne Inszenierung erscheint daher nicht ganz ausgereift.
Wer Interesse an den Inszenierungen hat, die zum Berliner Theatertreffen 2021 ausgewählt wurden, könnte sich am Donnerstag, den 18. März, um 20:00 Uhr im Streaming (im Rahmen des „Streamy Thursday“) die Inszenierung Medea* von Leonie Böhm ansehen, die am Schauspielhaus Zürich entstanden ist. Karten vorab besorgen!
Ich werde es ansehen und im Blog über meine Eindrücke berichten. Auch „Der Zauberberg“, den ich letztens gesehen habe und über den ich dann auch geschrieben hatte (siehe den Beitrag zuletzt) ist ja eine der Inszenierungen, die zum Theatertreffen 2021 ausgewählt wurden.
HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Schauspielhauses Zürich.
HIER Der Link zu meinem Beitrag über die Inszenierung von “Der Zauberberg“.
Das fiebrig lodernde Geheimnis des Lebens und der Verwesung, darum geht es! Sebastian Hartmann inszenierte bereits vor zehn Jahren Thomas Manns „Der Zauberberg“, er war damals Intendant des Schauspiels Leipzig. Er hat sich nun am Deutschen Theater Berlin erneut an dieses monumentale Werk gemacht. Er wagt sich ja übrigens auch (auch am Deutschen Theater Berlin) an einen anderen Jahrhundertroman, den „Ulysses“ von James Joyce. Die Inszenierung von „Der Zauberberg “ ist zum Theatertreffen 2021 in Berlin eingeladen. In welcher Form auch immer das Theatertreffen in diesem Jahr stattfinden wird.
Es ist nicht einfach die Erzählung des Romans „Der Zauberberg“ auf der Bühne, Hartmann greift allein die Kerngedanken des Werkes auf. Umso erstaunlicher ist es, wie er diese abstrakte Gedankenwelt auf die Bühne bringt! Eine insoweit meines Erachtens absolut gelungene Inszenierung! Wie man so etwas schafft? Es geht um nicht weniger als um Themen wie die Zeit, der Mensch, der Körper, auch die Liebe und schließlich der Krieg. Wenn man sich diesen nicht gerade alltäglichen Gedanken länger hingeben will, hier ist eine wunderbare Gelegenheit!
All dies entspringt der Gedankenwelt von Hans Castorp, der nach einem heftigen Wintersturm, der ihn auf einer Wanderung erwischt, in den Schweizer Bergen in einen tiefen Traum fällt. Traumbilder durchziehen auch die Inszenierung. Etwa:
Copyright: Video Still von Tilo Baumgärtel
Hans Castorp wollte für drei Wochen nach Davos, um seinen Vetter Joachim zu besuchen, er blieb schließlich sieben Jahre lang dort im Sanatorium. „Ich bin der Welt abhandengekommen“, sagt er im Buch und auf der Bühne. Die Zeit steht still, für sieben Jahre lang steht sie still. Bis der zweite Weltkrieg beginnt, der „Donnerschlag“, der auch Hans Castorp an die Front holt.
Markwart Müller-Elmau spielt Hans Castorp wunderbar! Mit akustischen schweren Schneestapfern betritt er langsam und schwerfällig barfuß die weiße fast leere Bühne. Er bleibt während dieser Inszenierung die Person, die sich über alles wundert, tief versunken ist. Allein sein Gesichtsausdruck, sein Blick, erklärt die Stimmung des ganzen Romans! Ein großartiger Theatermoment ist die Szene, in der Marquart Müller-Elmau – hier im Rollstuhl sitzend – Linda Pöppel ratlos zuhört, wie sie schluchzend, immer verzweifelter werdend – vor dem Hintergrund des aufkommenden Kriegs – über die Dinge des Daseins klagt! Auch Markwart Müller-Elmau beginnt – dräuende Livemusik im Hintergrund- vom Wahnsinn des Krieges zu reden. Beide mit ihren weiß geschminkten Gesichtern. Schwarze Flocken rieseln auf die Bühne, die große, fast leere Bühne. Wirklich großartig von beiden, wirklich großartig!
Auch die Kostümierung ist zu erwähnen: Adriana Braga Peretzki steckte alle SchauspielerInnen in weiße Bodysuits, übergroß und zumeist pummelig. Verbogene, kränkliche Körper. Es ist dadurch keine der im Roman erscheinenden Personen erkennbar, es geht einfach um den Menschen. Siehe das Beitragsbild oben.
Zu sagen, Thema der Inszenierung ist die Frage „Was ist die Zeit“, greift allerdings meines Erachtens sogar zu kurz. Sicherlich ist diese Frage ein Kern der Inszenierung: Es fallen eben Äußerungen wie: „… das fiebrig lodernde Geheimnis des Lebens und der Verwesung“. Linda Pöppel bringt diese Äußerung in der genannten Szene mit Markwart Müller-Elmau. Darum geht es Thomas Mann! Dies ist eigentlich meines Erachtens eine der Kernbemerkungen dieses Romans, wollte man ihn beschreiben! Die Zeit, der Verfall, die Verwesung, die Veränderung. Nichts bleibt wie es ist. Und: „Was ist das Leben? Was ist der Körper? Was hat es damit auf sich? Das Sein und das Eigentlich-nicht-sein-Können. Wie verhält es sich?“ Was ist Vergangenheit, was sind Gefühle? Alles keine leichten Fragen, alles Fragen, die sich Thomas Mann (in seiner sicherlich elitären Lebensweise) stellte und die ihn zu diesem Roman brachten. Fragen, die sich Hans Castorp in seinem siebenjährigen Stillstand stellen. Fragen, die in dieser Inszenierung insgesamt wunderbar dargestellt werden! Natürlich gibt es keine Antworten!
Und hinzu kommt Thomas Manns Gedanke: Warum führen wir Krieg? Auch dieser Gedanke wird in der Inszenierung deutlich: Warum Krieg, warum nicht Liebe? Eine Frage, die Thomas Mann zu seiner Zeit natürlich – der Roman erschien 1924 – sehr aktuell beschäftigte. Marquart Müller-Elmau schildert gegen Ende der Inszenierung ratlos und verzweifelt Szenen von der Front. Junge Menschen sterben, werden durch Bomben zerrissen. Oder ist es gar er selbst, der zerrissen wird? Und hier fallen Äußerungen wie: „Worüber sind wir so ausgelassen lustig – weil es nun abwärts geht? Wer sind wir? Was ist das, Krieg? Ich kann mir auch andere Bilder erträumen: Mit der Geliebten am Strande lustwandelnd … Wird auch aus diesem Weltfest des Todes die Liebe steigen?“
Warum hat der Mensch Brutalität in sich? Die Brutalität des Daseins, die wohl im Menschen steckt, fiel wohl für Hans Castrop deswegen weg, weil für ihn sieben Jahre lang die Zeit still stand. Der Stillstand der Zeit als alleinige Rettung vom Wahnsinn. Dann ging sie weiter, die Zeit, mit dem Zweiten Weltkrieg.
Das Lifestreaming zeichnete sich übrigens noch dadurch aus, dass auf der Bühne mit sechs Kameras gearbeitet wurde. Es entstand eine besondere Streamingversion der Inszenierung, die man so auf der Bühne nicht sehen wird. Bildüberblendungen, Gänge hinter die Bühne, Nahaufnahmen, und und. Auch dies schien mir für diese Inszenierung bestens zu passen. Ich hatte schon Inszenierungen gesehen, in denen es etwas eigentümlich wirkte, auf der Bühne teilzunehmen. Hier erschien es mir hoch selbstverständlich und sehr gelungen, künstlerisch wohl sehr durchdacht.
HIER geht es zur Stückeseite auf der Website des Deutschen Theaters Berlin.
Gestern war es wieder soweit: Die KritikerInnenjury des Berliner Theatertreffens hat ihre Auswahl der zehn bemerkenswerten Inszenierungen für das Theatertreffen 2021 bekannt gegeben – in welcher Form auch immer das Theatertreffen in diesem Jahr stattfinden wird.
Es wurden 285 Inszenierungen in 60 Städten analog oder digital besucht. 531 Voten gingen ein und insgesamt wurden 26 Inszenierungen vorgeschlagen und diskutiert.
Ausgewählt wurden: „Automatenbüffet“ (HIER ein Trailer), „Der Zauberberg“ (HIER ein Trailer), „Einfach das Ende der Welt“, (HIER Kurzvideos aller DarstellerInnen) „Graf Öderland“ (HIER der Trailer), „Maria Stuart“ (HIER ein Trailer), „Medea*“, „NAME HER. Eine Suche nach den Frauen+“, „Reich des Todes“ (Trailer HIER), „Scores That Shaped Our Friendship“ und „Show Me A Good Time“ (Trailer HIER).
Für alle weiteren Informationen zu diesen Stücken verlinke ich kurzerhand auf die Seite des Berliner Theatertreffens. HIER! Das Theatertreffen 2021 wird im Mai stattfinden.
Es rückt wieder näher: Das Berliner Theatertreffen. Es findet statt vom 7. Mai bis 23. Mai 2021. Von der Jury werden Premieren, die im Zeitraum vom 27. Januar 2020 bis Ende Januar 2021 stattfanden, berücksichtigt. Vormerken: 9. Februar 2021!
Die Entscheidung über die berüchtigte 10er-Auswahl – den „Oskar“ der deutschsprachigen Theaterwelt – wird nämlich in Kürze, am 9. Februar 2021, bekannt gegeben.
In welcher Form das Theatertreffen 2021 dann im Mai stattfinden wird – online oder mit Präsenz – wird sich noch herausstellen. Vielleicht hört man etwas in der Pressekonferenz am 9. Februar 2021.
Ich hatte kürzlich hier im Blog angekündigt: „Der Mensch erscheint im Holozän“ nach Max Frischs Roman, eine Inszenierung von Alexander Giesche, Schauspielhaus Zürich. Sie war am Samstag auf 3sat zu sehen. 3sat hat die Inszenierung als eines der drei diesjährigen „Starken Stücke“ gebracht, die sie jedes Jahr vom Theatertreffen Berlin auswählen. Es ist bis März 2021 in der Mediathek von 3sat zu finden.
Eine Inszenierung, die von Alexander Giesche als „Visual Poem“ bezeichnet wird. Es ist keine Inszenierung des Romans, es sind „Bilder“ zum Thema des Romans: Der Mensch – die Natur – die Technik. Mir hat es gut gefallen. Die Schauspieler treten etwas zurück, die Bilder sind es, die berühren, das Verhältnis der beiden Schauspieler – Karin Pfammatter und Maxmilian Reichert – zu den Dingen auf der Bühne: Der Natur, der Technik. Es ist nur eine Anlehnung an den Roman.
Zum Roman heißt es auf 3sat:
„Der Mensch erscheint im Holozän“ von Max Frisch ist eine Erzählung über das Vergessen und Vergehen. Mit dem Verlust des Gedächtnisses verschwindet auch der Mensch, verliert sich und die Kontrolle über das eigene Leben.
Ein Gefühl der Heimat bleibt, die vertraute Umgebung, die Natur, die Berge, der Schnee, wie das Licht ins Tal fällt zu verschiedenen Jahreszeiten. In einem durch ein Unwetter von der Außenwelt abgeschlossenen Bergdorf kämpft Herr Geiser gegen den fortschreitenden Verlust seines Gedächtnisses. Mit Hilfe kleiner Zettel, die er in seinem Haus verteilt, baut er sich eine Wissensdatenbank auf. Die Isolation macht Herrn Geisers zurückgezogenes Leben noch einsamer. Hinzu kommt die Sorge, dass durch den andauernden Regen der ganze Berg ins Rutschen geraten könnte.
Es wird in diesem Visual Poem unter anderem ein Lied eingespielt, das ich hier wieder als Musikbeitrag bringen möchte. „Try To Remember“ von Harry Belafonte. In diesem Lied geht es ja irgendwie um den Menschen und sein Altern, das Unaufhaltsame. Passend zum Romaninhalt. Der Text des Liedes ist folgender:
Try to remember the kind of September When life was slow and oh so mellow Try to remember the kind of September When grass was green and grain was yellow
Try to remember the kind of September When you were young and callow fellow Try to remember and if you remember Then follow Follow
Try to remember when life was so tender That no-one wept except the willow Try to remember when life was so tender That dreams were kept beside your pillow
Try to remember when life was so tender That love was an ember about to billow Try to remember and if you remember Then follow Follow
Deep in December it’s nice to remember Although you know the snow will follow Deep in December it’s nice to remember Without a hurt, the heart is hollowDeep in December It’s nice to remember
The fire of September that made you mellow Deep in December our hearts should remember and follow Follow