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THEATER: Kammerspiele – No Theater

Ein Beitrag eher für Münchner:

Am Samstag war wieder eine: Uraufführung des Stückes „Nō Theater“ des japanischen Autors Toshiki Okada in den Münchner Kammerspielen. Ich verlinke hier zur zuerst erschienenen Besprechung auf www.nachtkritik.de, in der man auch ein paar der Einzelheiten zu der alten traditionellen japanischen Form des No Theater lesen kann.

Es geht – grob gesagt – im streng formalisierten Nō Theater darum, dass die Geister verstorbener Menschen in der aktuellen Welt noch Dinge erledigen müssen, um das Leben des Verstorbenen wirklich abschließen zu können. Der verstorbene Mensch befindet sich also noch in einem Übergang. Daher stellt in diesem Stück die Bühne sehr gut passend und beeindruckend eine U-Bahn-Station in Tokio dar, die U-Bahn ist nun einmal gerade in Japan Ort des Übergangs, jeder kommt und geht woanders hin.

Mein Eindruck zum Stück: Die Münchner Kammerspiele schaffen Wunderbares, WENN man sich darauf einlässt. Wieder einmal wurde der Zuschauer durch ein sehr besonderes Stück in einen speziellen, eigenen und dadurch wertvollen Zustand versetzt. Man kann das Theater bereichert verlassen. Allein das Erleben dieses Zustandes ist das Stück wert! Es muss nicht immer das schnell gedachte Konsumergebnis „Es war eine Klasse-Umsetzung des Klassikers xy“ am Ende stehen, um zu überzeugen!

Es wird Ruhe produziert, das Geschehen wird ungewohnt und wohltuend entschleunigt, mit einer gewissen Zartheit und Zurückhaltung – typisch japanisch? – werden schwere aktuelle Probleme der japanischen Gesellschaft angesprochen. Von den Geistern zweier Verstorbener, auf zwei unterschiedlichen U-Bahn-Stationen in Tokio. Perplex beobachtet ein junger Mann (Thomas Hauser) die Lage, wird in die Atmosphäre des Stückes hineingezogen.Wie alle Regiearbeiten Okadas ist „Nō Theater“ dabei geprägt von der Diskrepanz zwischen Bewegung und Sprache. Die Schauspieler tragen meist statisch stehend mit unbewegten Mienen ihren Text vor. „Mal hebt sich ein Fuß, mal greifen Hände in die Luft, mal beugt oder wiegt sich ein Körper sachte“, schreibt zurecht Petra Hallmayer auf http://www.nachtkritik.de. Auch dies sind Elemente des japanischen Nō Theaters.

Inhaltlich: Man wurde mit Problemen konfrontiert, die sicherlich besonders auf der japanischen Gesellschaft lasten. Warum wird es bei uns gezeigt? Nun, etwa weil viele Japaner hier leben und zu uns kommen. Oder einfach aus Interesse an der japanischen Denkweise und Gefühlslage, als immer nötiger werdender Blick über den Tellerrand. Oder auch, weil es sich lohnt zu überlegen, ob es nicht genausogut Probleme unserer Gesellschaft sind (Tenor: Das grenzenlose Treiben des Finanzwesens – „the bubble“ – und der Feminismus zerstören die Zukunft der japanischen Gesellschaft!). Oder, weil es einfach auch interessant ist zu lernen, dass man auch sehr reduziert – mit dem ruhigen Abstand der Geister – Probleme betrachten und angehen kann, nicht hektisch nach Lösungen greifen muss, die die nächsten Fehler beinhalten. Auf einen abschließenden Lösungsvorschlag kommt es angesichts dessen garnicht entscheidend an. Der Anstoß ist es! Getragen wurden die Zuschauer im Übrigen von bizarren und einzigartigen „Klängen“ des auf der Bühne sitzenden japanischen Musikers. Der Musiker, der auch auf der anschließenden Premierenfeier – zusammen mit Jelena Kulic – etwas spielte.

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THEATER: Der Kirschgarten von Anton Tschechow

Der Kirschgarten von Anton Tschechow hatte gestern an den Münchner Kammerspielen Premiere. Vorab: Der Blog ist kein reiner Theaterkritik – Blog, dennoch heute wieder meine Einschätzung. Natürlich, ich wende mich mit dem Blog auch an Leser, die nicht in München leben, das Stück also nicht sehen werden. Ich will auch nicht sagen: „Schaut mal, was ich wieder Tolles gemacht habe!“ Nein, ich will Anregungen geben. Anregungen, sich Themen zu nähern. Ich habe dazu mehr Zeit als viele andere und möchte es nur ein wenig weitergeben.

Zur gestrigen Premiere insoweit Folgendes:

Man kennt Theater ja oftmals so, dass dann, wenn alte „Klassiker“ gespielt werden, gerne der Inhalt mehr oder weniger plump auf neue Zeiten übertragen wird, abgeändert wird, eventuell etwas politisiert gebracht wird, etc. Manchmal mit etwas belehrender Attitude. Denn die Situation ist dann doch schnell diejenige, dass der Zuschauer – bequem – einer bestimmten „Belehrung“ folgt. Wie etwa sicherlich schnell bei „Der Kirschgarten“, dem letzten Stück, das Anton Tschechow geschrieben hatte. Ein gerne und oft genommenes Stück, das – denke ich (ich habe nicht sehr viele verschiedene Inszenierungen des Stückes gesehen) – schon oft in derartiger Form behandelt wurde. An den Münchner Kammerspielen wurde es etwa zuletzt vor 10 Jahren aufgeführt. Übrigens war es damals für Brigitte Hobmeier – eine der besonders herausragenden Schauspielerinnen und Schauspieler des Hauses – die erste Rolle an den Kammerspielen, nun ist es die letzte. So erzählt sie im kürzlich erschienenen Interwiew in der Münchener Abendzeitung. Sie hat leider bekanntlich ihren Vertrag bei den Kammerspielen mit Wirkung zum Ende dieser Spielzeit gekündigt. Auch der damalige Regisseur Lars-Ole Walburg hatte die Geschichte – ohne Ablauf oder Namen zu verändern – aktualisiert nach Deutschland verlegt. Thematisch ist das bei diesem Stück natürlich gut machbar, geht es doch im „Kirschgarten“ – grob gesagt – um das immer relevante Thema: Das schöne „Alte“ – der Kirschgarten – muss aufgegeben werden, man steht vor noch unbekanntem „Neuen“. Kann man sich im Leben vom schönen „Alten“, das einen geprägt hat, trennen? Kann man wirklich zu „Neuem“ aufbrechen? Wie verhält man sich im Übergang zwischen Alt und Neu? Das beleuchtete Anton Tschechow anhand der zwölf in seinem Stück dargestellten Personen in der damaligen russischen Lebenssituation.

Der Kirschgarten von Anton Tschechow hatte gestern an den Münchner Kammerspielen also Premiere. Der Regisseur des Stückes, Nicolas Stemann, Hausregisseur der Kammerspiele, ist bislang vor allem bekannt geworden als derjenige, der Elfriede Jelinek mit aktuellen Themen auf die Bühne bringt. Etwa nach den Attentaten von Paris das Stück „Wut“ – auch an den Kammerspielen. Nun wollte er einen Klassiker bringen, er sah es als eine persönliche Herausforderung an. Der Ansatz von Stemann ist: Er verpflanzt das Stück NICHT nach Deutschland oder irgendwohin. Er politisiert NICHT mit aktuellen Themen. Er belässt es – auf sehr zeitloser, völlig karger Bühne – beim allgegenwärtigen Thema! Er belädt die Bühne NICHT in „vielsagender“, die Interpretation dann doch schon deutlich lenkender Weise. Alles bleibt offen. Es kommen nur die Personen zum Tragen! Schön, da die schauspielerischen Leistungen so – das war mein deutlicher Eindruck – noch viel deutlicher werden. Etwa diejenigen von Brigitte Hobmeier, von Peter Brombacher, von Samouil Stojanow, Damian Rebgetz. In Tschechows Stück treten 12 Personen auf, die mit der Situation umgehen, dass der schöne Kirschgarten, den alle als Teil ihrer Vergangenheit kennen, versteigert wird. Stemann besetzt jede Rolle, so sieht man einen wunderbar großen Teil des guten Ensembles der Kammerspiele zusammen auf der Bühne. Nur der hohe, schwere, dunkelrote Vorhang der Bühne spielt in der ersten Hälfte herein. Er geht permanent auf und zu, fährt durch die Bühne. Ein Symbol für Anfang und Ende konnte er sein, dachte ich etwa. Oder für die schöne alte Zeit, der Prunkvorhang. Bis er abstürzt. Ein Schauspieler etwa sagte mir nach der Aufführung, der Vorhang könne auch in verschiedener Hinsicht unsere Zeit zeigen, diese irre Situation, die alles durchschneidet, Trump etc.  Dieser Wandel. Wie verhält man sich! Darauf führt Nicolas Stemann die Inszenierung zurück.

Nochmal: Man bekommt nicht eine bestimmte Meinung serviert, man verlässt das Theater nicht „meinungsgesättigt“, sondern erhält die Anregung, selber zu denken! Das ist auch der Ansatz dieses Blogs: Kunst ist nicht Konsum! So haben sich die Zeiten geändert. Einige Münchner scheinen damit – in Erinnerung an alte Zeiten – immer noch Probleme zu haben.

Auffallend dabei: Die Inszenierung von Stemann fordert viel von den Schauspielern. Jede der Personen des „Kirschgarten“ hat ein anderes Verhältnis zum Untergang des Alten und zeigt sich entsprechend. So auch hier deutlich. Manchmal im Monolog vor dem geschlossenen Vorhang; wunderbar etwa Brigitte Hobmeier und Samouil Stojanow. Jeder Schauspieler zeigt sich dadurch noch dazu irgendwie deutlicher sogar, als in anderen Stücken, war mein Endruck. Schön! Hier würde ich nur sagen: Die ein oder andere Person des „Kirschgarten“ – etwa die von Annette Paulmann oder Julia Riedler dargestellten Personen – könnte sogar noch deutlicher dargestellt werden. Vielleicht muss man das Stück aber auch einfach zweimal ansehen. Es lohnt sich! Thematisch und als Theaterfreund im Sinne des Nachdenkens, nicht Konsumierens.

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THEATER: Shakespeare – Hamlet

Warum? Warum tun wir uns das an? Etwa die – beeindruckende – Aufführung von Shakespeares HAMLET, am Donnerstag, 19.01.2017, war Premiere in den Kammerspielen! Wir verlassen das Theater – und dann? Eine unglaubliche schauspielerische Leistung – mehr geht kaum, ein „Blutbad“ mit 240 Litern Blut auf der Bühne. Eine hochambitionierte Aufführung. Aber Hamlet, Hamlet! Das hat doch jeder schon x-fach gesehen, gelesen, davon gehört. „Sein oder Nichtsein“. Alle sterben am Ende, Hamlet hat alle und sich auf dem Gewissen. Aber was bringt es? Warum? Nur eine Ablenkung – wie Fernsehen? Nein, das wäre schade. Das kann es nicht sein. Nein, auch die Kammerspiele – der junge Hausregisseur Christopher Rüping – wählen ja den Ansatz: Erzählen! Man MUSS Hamlet erzählen. Also die alte Story des Prinzen, dessen Mutter ihren Ehemann, Hamlets Vater, umbringen lässt und sich mit dessen Bruder vermählt! Auch die Liebe – zu Ophelia – kann Hamlet nicht mehr retten. Er muss den Vater rächen! Alles ist nichts wert! Wir brauchen eine neue Welt, sagt er sich. „Geh weg!“ schreit er Ophelia an. Nicht als Zweifler, sondern als rasend Opponierender. Nur er zählt! Der sterbende Hamlet selbst sagt dann zu seinem überlebenden Freund Horatio: Erzähle der Welt meine Geschichte (in Rüpings Inszenierung tritt Horatio in drei Personen auf, die auch die anderen Rollen spielen). Horatio erzählt Hamlets wahnsinnigen Weg. Aber immer wieder die Frage: Warum? Nun, Theater stellt immer einen – erkennbaren oder verborgenen – Bezug zur Gegenwart dar. Es sitzen ja nicht Historiker im Publikum und man blättert ja nicht in einer viele Jahre alten Zeitung, quasi um Vergangenes anzusehen. Nein, es soll uns – die Zuschauer – HEUTE bewegen. Darum geht man doch hin.

Die Aufführung in den Kammerspielen gibt keine Antwort oder Interpretation vor. Sie überlässt es im Grunde jedem Zuschauer, für sich selbst einen Bezug zur Gegenwart herzustellen. Ein schöner Ansatz, Hamlets Weg wahrlich so unglaublich radikal und intensiv zu beschreiben – schauspielerisch, bildlich, textlich, akustisch – dass jeder, der sich Gedanken macht, durch die Intensität geradezu angestoßen ist, sich seinen eigenen Bezug zur Gegenwart herzustellen. Kunst ist Gegenwart!

Ansätze für Interpretationen? Ein Ansatz wäre etwa: Hamlet zerstört die Alte Welt um sich herum – trägt auch immer wieder einen schwarzen Kapuzenpulli -, wie ein Amokläufer, der ein Blutbad anrichtet! Der auch meint, er folge einem „Auftrag“, der sich „auserkoren“ fühlt. Aber Halt! Kann es um Verständnis für Amokläufer gehen? Nein! Andere in den Tod schicken wird bei Hamlet nicht als Lösung gezeigt. Es geht ihm um Rebellion gegen den Mord an seinem Vater, er steigert es zu totaler Ich-Bezogenheit, Selbstüberschätzung und in den Glauben, auserkoren zu sein, den Vater zu rächen. Doch letztlich bringt ihm das selbst den Tod. Hamlet wollte nicht sterben, er war kein Selbstmörder. Das „Nichtsein“ war ihm ja suspekt.

Oder ein anderer Ansatz: Donald Trump! Heute, am 20.01.2017,  wurde er zum amerikanischen Präsidenten ernannt! Nur er zählt! Er wütet gegen all das, was wir gewohnt sind. Hilft es ihm? Wird es ihm schaden?

Und man kann auch da weiterdenken: Soll man ihn verdammen? Wie Hamlet von seiner Mutter und dem Onkel als Staatsgefahr verdammt und nach England in den Tod geschickt wurde, weil er „wahnsinnig“ sei? Und um das Bewährte zu erhalten, um alles zu vertuschen. Nein! Es geht natürlich immer wieder gegen das Alte! Das muss sein! Auch in unserer Zeit. Da müßen wir durch! Nur wer dabei so, wie Hamlet, wütet, schadet sich am Ende selbst.

Oder: Eine kaputte Liebe. Ist hier Wüten angebracht? Zerstören? Man geht auch da oft selber kaputt, wie man an Hamlets Weg sieht. Oder oder oder.

Das Stück endet insoweit sehr treffend mit dem Schriftzug: „Weiter, weiter!“

Copyright des Beitragsbildes: Thomas Aurin, Kammerspiele

 

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Gelesen und geblättert

LITERATUR: Albert Camus und Kamel Daoud

Zwei Bücher, die denselben Vorgang zum Anlass ihrer Erzählung nehmen, ihn und seine Folgen aber aus völlig unterschiedlichen Perspektiven erzählen: Albert Camus schrieb „Der Fremde„, in dem der Franzose Meursault am Strand in Algerien einfach einen „Araber“ erschießt, Kamel Daoud beschrieb dazu jetzt in seinem vor allem in Frankreich äußerst erfolgreichen Buch die Sichtweise des Bruders des „Arabers“ in „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung„. Kamel Daoud hat am 27.09.2016 in den Münchner Kammerspielen aus dem Buch gelesen und darüber diskutiert und am 29.09.2016 war in den Kammerspielen die Premiere des Stückes „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“. Hierzu heißt es – dem internationalen Ansatz des Theaters entsprechend – im Programm: Der aus dem Iran kommende international renommierte Regisseur Amir Reza Koohestani verlässt für seine erste Produktion an den Kammerspielen die rein postkoloniale Perspektive und sucht über sie hinausgehend allgemeine Prinzipien von Unterdrückung, Wiederaneignung und Selbstbehauptung darzustellen. Mit Hilfe von SchauspielerInnen mit iranischen, libanesischen, lettischen, bulgarischen, schweizerischen und deutschen Wurzeln setzt er Daouds Roman in ein multiperspektivisches Sprachpanorama. Mal sehen.

Während Camus existentialistisch und nüchtern die Nichtigkeit selbst des Todes eines „Arabers“ beschreibt, greift Daoud in sehr subjektiver Sprache die Befindlichkeiten der Mutter und des Bruders des „Arabers“ auf. Daouds Buch stellt in nicht einfacher, aber sehr lesenswerter Form dar, wie der Tod des „Arabers“ das Leben seiner Mutter und des Bruders zerstört hat, er kommt dabei aber immer wieder auch auf die Befindlichkeit der Algerier vor und nach dem Unabhängigkeitskrieg. Aber nicht nur das. Er findet schöne Gedanken bei alledem.

Zum Theaterstück:

Die Kritiken zum Stück sind zu Recht durchgehend positiv! SZ, Deutschlandfunk, FAZ, Frankfurter Rundschau etc. Ein schönes Theaterereignis. Dank einer klasse Umsetzung des Buches auf die Bühne durch den Regisseur Amir Reza Koojestani. Er spielt ständig mit verschiedenen Ebenen, thematisch und zeitlich. Man wird hin und her getragen. Unabhängig davon, denke ich, wird das Buch „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“ von Kamel Daoud überinterpretiert. Vielleicht wundert sich Kamel Daoud selber darüber. Die Umsetzung des Buches durch Koohestani jedenfalls vermeidet Gott sei Dank eine derartige Überinterpretation. Petra Hallmeyer schreibt in http://www.nachtkritik.de dazu etwa: „In einer Collage zeitlich versetzter Szenen erzählt er (Koohestani) mit stilisierten, starken Bildern die Geschichte von Musas Bruder Harun (die Schreibweise der Namen weicht von der Vorlage ab) und dessen Mutter. Wir begegnen Harun als Kind, als jungem und altem Mann. Wir sehen Meursault (Gundars Āboliņš), der die Leiche Musas brutal mit dem Fuß in eine Grube stößt, aus der ein geköpfter Mann auftaucht. Unter der kreisrunden Scheibe des Mondes tritt der Tote seinem Mörder gegenüber und erklärt ihm beharrlich unzählige Male ´’Du hast mich erschossen‘.“

Und so weiter.

Wie stehen beide Bücher zu einander? Camus zeigt einen existenzialistischen Menschen, dem letztlich alles egal ist. Alles. Anfangs schon die Tatsache, dass seine Mutter stirbt. Dann tötet er sogar einen „Araber“ am Strand. Wegen der Sonne. Egal sind ihm auch Religionen etc. Alles ohne Regung. Eigenlich perfekt fürchterlich und schrecklich nüchtern geschrieben. Seiner Haltung tritt aber das gesellschaftliche System entgegen: Er kommt ins Gefängnis, es gibt einen Prozess – auch das ist ihm egal, er findet es eher „interessant“ – und er wird zum Tode verurteilt. Den Gegensatz Existenzialismus – „gesellschaftliche Funktionsfähigkeit“ zeigt Camus damit auf. Das gesellschaftliche System gewinnt. Kamel Daoud greift dieses Geschehen auf, zeigt es aber von einer äußerst emotionalen, lebensnahen Seite der Mutter und des Bruders des getöteten Arabers. Auch der Bruder tötet sogar jemanden, einen Franzosen. Er tötet aber nicht als Existenzialist, als gefühlsloser, philosophischer Mensch, sondern in völliger emotionaler Verstrickung, um einen Ausweg zu finden. Damit wird Camus‘ Geschehen von Kamel Daoud komplett auf den Kopf gestellt. Auch die Erschießung des Franzosen ist ein Mord. In seinem Fall hat der Bruder des ursprünglich getöteten Arabers aber das Glück, dass das gesellschaftliche Leben NICHT mit einer Bestrafung reagiert. Es herrschte – bis einen Tag vor der Ermordung des Franzosen – der algerische Unabhängigkeitskampf gegen Frankreich, da war Töten ein anderes Thema. Der Bruder des ursprünglich getöteten Arabers wird daher nicht bestraft. Die Subjektivität gewinnt bei Daoud. In der von Daoud dargestellten lebensbestimmenden Subjektivität zeigt sich durchaus ein Unterschied zwischen westlicher und arabischer Welt. Themen wie Islam, Fremde, Kolonialismus, Orient – Okzident etc. spielen aber nur nebenbei herein. Aber sie spielen etwas herein. Die Subjektivität ist davon getragen. Schon das ist interessant. Hier beginnt aber oft, denke ich, die Überinterpretation. Es geht Daoud, vermute ich, eigentlich nicht um politische Aussagen, sondern eher um die subjektiven Empfindungen der Familie des erschossenen Arabers. Etwa in wunderbaren Worten, wenn es um eine Definition von Liebe geht! Es ist m. E. kein Protestbuch! Eher ein Buch, das dem schmerzlosen Existenzialismus von Camus den Realismus und die sehr schmerzhafte Subjektivität von Daoud gegenüberstellt.

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Gelesen und geblättert

THEATER: Theater des Jahres

Das Berliner Maxim- Gorki-Theater und die Berliner Volksbühne sind gleichberechtigt von der Zeitschrift „Theater heute“ zum „Theater des Jahres“ gekürt worden. Wer mir zu dort gesehenen Stücken ein paar Zeilen schreibt, wird hier veröffentlicht. Einfach den grauen Kommentar-Button rechts oben anklicken. Chris Dercon, der kommende Intendant der Berliner Volksbühne, ist ja sehr in der Kritik. Die Auszeichnung gebührt dem scheidenden Leiter der Berliner Volksbühne Frank Castorf.

HIER die Links zu den Theatern und zu Theater heute:

http://www.gorki.de

https://www.volksbuehne-berlin.de

http://www.theaterheute.de

http://www.theaterheute.de/images/theaterheute.jpg

 

 

 

 

 

 

 

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Gesehen und gehört

THEATER: Theaterwelten

Nach hinten schauen und zurückblicken ist immer mal angebracht und hilfreich. Aber auch nach vorne sehen, auf Neues zugehen, Entwicklungen aufgreifen, dazu Stellung beziehen, das ist mindestens genauso wichtig. Und dazu hilft das ein oder andere Theater auch. Manche  Theater verändern sich derzeit. Wie so vieles momentan. Extreme Veränderungen erlebt derzeit das Publikum der Münchner Kammerspiele. Was hier – an den Kammerspielen – passiere, sei „ein Stück Theatergeschichte“, sagte kürzlich Phillipp Ruch, Gründer des Berliner Zentrums für politische Schönheit. Die letzten beiden Aufführungen der Kammerspiele zeigten wieder einmal den Gegensatz: Am Sonntag  war die absolut klassischer Aufführung der Maria Stewart von Friedrich Schiller. Die Geschichte der zaudernden englischen Königin Elisabeth und der gefangenen schottischen Königin Maria Stewart. Es wirkte schon fast unzeitgemäß. Macht und Recht, ein Dauerthema. Man konnte sich aber fast verhohnepiepelt vorkommen. Alte Sprache, karge Bühne, starr stehende Schauspieler, kein Gegenwartsbezug etc.  Hat auch was, aber trotzdem! Warum? Am Montag war dann eine Aufführung nach dem Roman  America von T. C. Boyle. Die tragische Geschichte von mexikanischen Einwanderern und amerikanischer Abschottung. Es war die sehr aufwühlende umfangreiche Erzählung des Romans von T. C. Boyle in vielen wunderbaren Bildern, wunderbaren Szenen, mit guten schauspielerischen Leistungen, mit Film, Bildern, Monologen, Dialogen, Aktualität (Ausschnitte von Reden von Donald Trump wurden eingespielt), wechselnder Bühne etc. Wer hingehen kann: Ich empfehle beides, besonders Amerika von T. C. Boyle.

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Gelesen und geblättert Sonstiges

SONSTIGES: Skylla und Charybdis

So läuft das zurzeit: Gestern abend … ich war „überraschenderweise“ in den Kammerspielen, Lange Nacht der neuen (deutschsprachigen) Dramatik (war gut, fünf Stücke wurden vom gesamten Ensemble gelesen und teilweise gespielt) … in der Pause habe ich dann ein Büchlein  von Frank Wedekind gekauft, Frühlings Erwachen … weil ich demnächst wiederum (vielleicht) in den Kammerspielen das Stück 50 Grades of Shame ansehen möchte, das auf Wedekinds Frühlings Erwachen beruht … und im Text von Wedekind heißt es dann: „Ich glaube, das ist eine Charybdis, aus der sich jeder stürzt, der sich aus der Skylla …. emporgerungen … ich war früher am humanistischen Gymnasium … also fragte ich mich kurz: Was war das nochmal mit Skylla und Charybdis? … ich habe nachgelesen, man liest ja manchmal „Zwischen Skylla und Charybdis„: In Homers Odyssee haust das Ungeheuer Skylla auf dem größeren von zwei sich gegenüberstehenden Felsen der Meerenge und Charybdis unterhalb des kleineren Felsens, auf dem ein großer Feigenbaum steht. Sie (Charybdis) saugt dreimal am Tag das Meerwasser ein, um es danach brüllend wieder auszustoßen. Schiffe, die in den Sog geraten, sind verloren, nicht einmal der Meeresgott Poseidon vermag diese Schiffe zu retten. Auf den Rat von Kirke meidet Odysseus die Charybdis, gerät dabei aber unweigerlich so nahe an Skylla heran, dass sie sechs der Gefährten tötet und frisst. Auf der Rückfahrt von der Insel des Helios kommen die übrigen Gefährten wegen der verbotenen Tötung von Helios‘ Rindern bei einem Sturm ums Leben, sodass Odysseus auf dem zertrümmerten Schiff die Meerenge allein passieren muss. Als Charybdis das Schiff einsaugt, klammert er sich am Feigenbaum fest, bis es wieder ausgespien wird, und rudert auf den Trümmern mit den Händen davon.

Tja, so ist das Leben. Mal sehen, wohin mich Wedekind noch treibt in meiner Odyssee.

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LITERATUR: Thomas Bernhard, eine Biografie und „Die Auslöschung“ als Theaterstück

Manfred Mittermayer hat eine Biografie zu Thomas Bernhard (vgl. Buchtipp), dem großen „Übertreibungskünstler“, geschrieben. Schon 2006 hatte er eine kürzere Biografie gebracht, jetzt eine umfassende. Eine Besprechung dieser Biografie kam am 07. Februar 2016 im Deutschlandfunk. Erschienen ist die Biografie im Suhrkamp – Verlag.

Hier das Podcast: Thomas Bernhard Biografie

Und HIER  der Link zur Seite des Residenzverlags zur Biografie.

UND: Bernhards Prosawerk „Auslöschung“ wird in Wien als Theaterstück gebracht. Auch dazu eine Besprechung aus dem Deutschlandfunk, vom 26. Februar 2016. Es heißt online beim Deutschlandfunk: Die Uraufführung der kritischen Erzählung vom katholischen Nazistaat Österreich am Theater in der Josefstadt in Wien begeisterte Kritiker und Publikum.

Hier das Podcast: Thomas Bernhard „Auslöschung“

The 70s. retro boom box stock photo

Der österreichische Roman- und Theaterautor Thomas Bernhard, aufgenommen im Juni 1976. (picture alliance / dpa / Votava)

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THEATER: Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

Ein Kontrastprogramm zum „wortlosen“ Stück Caspar Western Friedrich von Philippe Quesne in den Kammerspielen: Das bekannte Beziehungsdrama Wer hat Angst vor Virginia Woolf von Edward Albee im Residenztheater. Es läuft dort seit Herbst 2014, wurde 1962 in New York uraufgeführt. Zwei Ehepaare, die an einem Abend unter Alkohol gnadenlos ihre extremen Scheinwelten aufdecken. Und ebenso extrem wird es gespielt – vor einem übrigens langweiligen Bühnenbild. Man liest im Spielplan: Bereits in seinen Inszenierungen Die bitteren Tränen der Petra von Kant (Fassbinder) und Hedda Gabler (Henrik Ibsen) widmet sich Martin Kušej den düsteren Beziehungsspielen des gehobenen Bürgertums. Sein Interesse gilt den Schaukämpfen der modernen Gefühlswelt, deren Verletzungen sich tief in die Seelen und Herzen seiner Protagonisten wühlen, bis ins Mark. Mit Wer hat Angst vor Virginia Woolf wird dem Zuschauer allerdings eine zugespitzte Szene vorgehalten, die sich in der Realität niemals so drastisch abspielen wird. Bei Caspar Western Friedrich dagegen sitzt man vor einem Thema, das jeden betrifft – Mensch und Natur. Und gerade durch die „Wortlosigkeit“ hat jeder Gelegenheit, auf sich selber zu schauen. Auch wenn die Schauspieler weit mehr können, ich finde den Ansatz von Quesne gut. Neuartiger, modern und schon deswegen gut! Meine schlaue Überlegung: Gibt es nicht eigentlich zwei unterschiedliche „Ebenen“ auf der Welt, auf denen wir alle jonglieren? Eine „Scheinebene“ unserer Beziehung zu anderen Menschen und allen Dingen – immer mit Lüge und Selbstbetrug verbunden – und eine andere Ebene der wahrhaftigen Wahrnehmung unserer Stellung zu allem in der jeweiligen Zeit, vor allem in der aktuellen Zeit? Dann war Wer hat Angst vor Virginia Woolf der ersten Ebene zuzuordnen und Caspar Western Friedrich der zweiten Ebene. Die Welt ändert sich momentan rapide und ich denke, die „zweite Ebene“ ist es wert, eine überwiegende Berücksichtigung zu finden. Genau das tun die Kammerspiele derzeit!

©️ des Beitragesbildes: Andreas Pohlmann

 

 

 

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SONSTIGES/Vorschau

Speziell für Münchenfreunde: Die Münchner – scheint es – warten seit Beginn der Intendanz von Matthias Lilienthal auf das gewohnt hervorragende konventionelle Theater der Kammerspiele. Es gibt durchaus herkömmliche Stücke (Der Spieler, Der Kaufmann von Venedig, Jagdszenen in Niederbayern, Susn etc.), aber Matthias Lilienthal, ehemals freier Journalist, Dramaturg, künstlerischer Direktor und zuletzt Chef des Berliner HAU (Hebbel am Ufer, Berlin), legt sehr viel Wert auf unkonventionelle, aktuelle, internationale, junge Projekte. Das ist ein neuer Schwerpunkt des Theaters, die Bühnen in „Kammer 2“ und „Kammer 3“ sind auf dem Weg, brisant und neu für München zu werden. Es sind hochinteressante Themen und Performances, die gezeigt werden und die vor allem das Befinden unserer Gesellschaft aufgreifen. Gut so! München wird dadurch offener, weltstädtischer. München kann Neues immer gebrauchen.
Ein schönes Beispiel (eine Vorschau): Am Mittwoch, 17.02.2016 bis Dienstag, 23.02.2016: 
EUROPOLY – Performances und Filme über das neue alte Europa, ein Festival des Goethe-Instituts und der Münchner Kammerspiele. 
Zitat: „The FILMS will be launched weekly, starting December 2015, celebrating their worldwide premiers online. … The PERFORMANCES will be developed in the LAB until being shown live during the

EUROPOLY festival at the Münchner Kammerspiele, 17-23 February 2016. To find out more about EUROPOLY click here.

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THEATER: Caspar Western Friedrich

Wir und die Natur. Es war alles einmal anders, vor garnicht allzu langer Zeit. Das zeigt uns der Abend der Premiere von Caspar Western Friedrich an den Münchner Kammerspielen: Caspar Western Friedrich, eine Performance oder Inszenierung von Philippe Quesne.

Caspar Western Friedrich hinterfragt – anhand des „Westerns“ und anhand „Caspar David Friedrich“ – den Platz des Menschen in der Welt. Ausgehend von unserem Fernsehwissen über den Western und ausgehend von der bildhaften Reflexion der Natur durch Caspar David Friedrich stellt die Inszenierung unsere Verbindung zur Natur dar. Zwischen dem Willen sie zu beherrschen – der Western – und dem Wunsch sie zu beschützen, zu betrachten – Caspar David Friedrich. Zwischen Eroberung und Kontemplation, zwischen Ausbeutung und Ökologie.

Ein modernes Thema, auf das der Zuschauer durch Philippe Quesne sehr eigenwillig gestoßen wird. Sehr sensibel, wortkarg, wunderschön! Wahrlich kein Sprechtheater. Eher eine Stimmungslage, ein Bild. Die Schauspieler spielen nicht ein Stück, sie räumen um, sie schauen, gehen herum, musizieren, lesen das an die Wand Projezierte, erzählen ein wenig. Für Phillipe Quesne ist der Spagat zwischen Caspar David Friedrich und dem Western ein logischer: In beiden Welten ist die Natur allumfassend und der Mensch ist in ihr verloren, der „lonesome rider“ wie der Mönch am Meer.

Philippe Quesne konzipiert Arbeiten, die, heißt es, auf einer starken Verbindung zwischen Raum, Bühnenbild und Körpern basieren. Seine multidisziplinaren Performances seien international auf Festivals zu sehen. Seit 2014 leitet er das Theater Nanterre – Amandiers in Paris.

Ein, fand ich, in der Tat beeindruckender Abend, an dem der Mensch der Natur gegenübersteht. Man muss sich auf die Sensibilität einstellen, mit der Philipp Quesne dieses Thema angeht. Und mit der man auf sich zurückgeworfen wird. Die Schlichtheit des Abends überzeugt dann sehr. Sie tut gut. Es ist kein theatraler Kampf der Charaktere, kein Theaterstück. Die Münchner hatten mit diesem Stück ein Problem! Leider! Sie haben es nicht verstanden, es fehlte ihnen das „Theatrale“. Aber es passt so, wie es ist: Es ist ein langsames, ruhiges Herantasten an das Verhältnis des Menschen zur Natur – wie es heute nicht mehr ist. Getragen von wunderbaren Bildern und schöner Musik. Früher stand der einsame Mönch vor der gewaltigen Natur (Caspar David Friedrich) und der einsame Cowboy vor der gewaltigen Natur. Und die Cowboys packen die Natur in ein Museum. Stehen andererseits staunend vor der Natur. Und somit auch vor sich.

©️  des Beitragsbildes: Martin Argyroglo

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SONSTIGES: Die Ausrichtung des Blogs

In den ersten Wochen der Beschäftigung mit meinem kleinen Blog machte ich mir natürlich auch Gedanken darüber, was der Blog künftig enthalten wird. Der Ansatz könnte sein: Ich habe zweifellos Zeit, mich mit kulturellen Angeboten zu befassen und möchte – wenn möglich – Zusammenhänge aufzeigen. Kultur ist mehr als nur Konsum. Es geht nicht darum, meinen Kulturkonsum zu beschreiben, sondern es geht um die Befassung mit den Themen, die kulturell aufgegriffen werden. Es geht also darum, Themen klarzumachen. Das wird nicht immer gelingen, aber hoffentlich manchmal. Es geht ja meistens um Themen, die uns alle betreffen. Die Kultur greift immer wieder Themen auf, schildert Gedanken zu Themen. Die Kultur gibt uns damit Gelegeheiten, die Gegenwart zu erfassen. Es ist eben nicht immer nur eine politische, eine technische, eine wissenschaftliche, eine wirtschaftliche  Befassung mit den Themen der Zeit möglich oder nötig oder hilfreich. Ganz im Gegenteil.

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THEATER: Breakfast Club

Diesen Sonntag war wieder der BREAKFAST CLUB der Münchner Kammerspiele im Conviva, im“Blauen Haus“-  auch der Kantine der Kammerspiele. Ein Frühstück bei Croissants und Kaffee mit Informationen von Schauspielern, Regisseuren, Mitarbeitern der Kammerspiele etc. über das Kommende. Der junge Opernhaus-Gründer David Marton (er arbeitet an der Kombination Oper/Theater und wird in den Kammerspielen ein „Opernhaus“ einrichten) stellte das kommende Stück LA SONNAMBULA vor,  Yuka Yanagihara sang daraus eine Arie. Der junge Philippe Quesne erzählte vom kommenden Stück CASPAR WESTERN FRIEDRICH (ihn interessiert das Verhältnis Mensch – Natur) und der Schauspieler Peter Brombacher las aus Briefen von Caspar David Friedrich. Der ebenfalls junge Franz Rogowski begleitete die kleine Lesung musikalisch mit Western-Soundeinlagen auf der Mundharmonika. Er arbeitete außerdem mit einer interessanten App, mit der Musik aufeinandergelegt werden kann.  Außerdem wurden die Gastspiele der nächsten Wochen kurz vorgestellt. Interessant für ein Frühstück an einem trüben Sonntag. Vor allem merkt man hier, an den Münchner Kammerspielen, das Engagement und die Freude junger Menschen, die ihre Ideen mit kulturellen Angeboten transportieren wollen.

Breakfast Club Kammerspiele

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THEATER: Der Spieler von F. Dostojewski

Eine interessante Inszenierung in den Kammerspielen, die sich sehr mit dem klaren Thema des Romans auseinandersetzt: Geld und Liebe. Viel Liebe, aber alle warten hier erst auf Geld, Reichtum. Genauer: Auf den Tod der reichen Tante in Russland.  Der Roman stellt das Dilemma „Geld und Liebe“ bekanntlich speziell durch die „Roulettebrille“ dar. Das Thema wird man heute – vor allem abseits der Rouletteburgen – anders behandeln. Die Inszenierung ist intensiv, fast anstrengend. Man sollte den Roman danach lesen oder über die Inszenierung reden. Nur konsumieren ist hier zu wenig. Die Inszenierung hat m. E. einen Nachteil: Es spielen die falschen Schauspieler die falschen Rollen. Einzig Thomas Schmauser, der sich verausgabt, kommt erkennbar rüber. Es fällt ansonsten schwer, den einzelnen Schauspielern die verkörperten Personen abzunehmen. Und an ihnen die Beziehungen zu den anderen Personen zu erkennen. Etwa Anna Drexler,  sie spielt leider wieder einmal eine unsichere Person, die sie allzu oft spielt. Man erkennt nicht die Person, die F. Dostojewski hier meinte und die sie verkörpern will. Das Buch ist sicherlich auch kein literarischer Höhepunkt, Dostojreski hat ihn ganz schnell geschrieben, unter Fristdruck.

©️ des Beitragsbildes: David Baltzer

Der Spieler Kammerspiele

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Einleitung

Ich werde an dieser Stelle über meine zahlreichen Besuche an den Münchener Kammerspielen (Kammern 1, 2 und 3), dem Residenztheater (inkl. Marstall- und Cuvilliés-Theater) und den immer wieder interessanten Berliner Theatern schreiben. Derzeit seltener besuche ich andere Theater. Theater als Form, „Extremform“ gerne, Dinge aufzuzeigen, über die wir nachdenken sollten. Nicht nur als „Event“, als „Bespaßung“.

Da ich nun einmal meine Zeit in großem Maße kulturellen „Angeboten“ widme, kommen außerdem durchaus andere Ereignisse hinzu. Mal Ballett, mal Musik, mal Politik, mal andere Berichte aus der Theaterwelt, Berichte vom Berliner Theatertreffen etc.

Im Rundfunk höre ich gerne ausgewählte Sendungen des Deutschlandradios und von Deutschlandfunk Kultur. Auch darüber beabsichtige ich zu schreiben.

Des weiteren widme ich mich gerne der Literatur, soweit die Zeit bleibt. Auch hierzu der ein oder andere Kommentar.

Und – da ich (trotz „junger Jahre“ – naja) viel Zeit habe – ich gebe mich immer wieder dem Schreiben hin. Gedichte, Kurzgeschichten, ein Roman entsteht, etc. Hiervon könnte auch einiges an dieser Stelle erscheinen.

Mal sehen, was ansonsten noch hinzukommt.