Teil drei meines Residenztheater-Dreierpacks: Bertolt Brechts Dreigroschenoper am Residenztheater.
Wenn man die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht sehen will, sieht man sie, die Dreigroschenoper. Jetzt am Residenztheater. Da gibt es keine Fortschreibung, keine Neubearbeitung des Textes, keinen aktuellen Bezug, kein „frei nach .. “. Das ist in diesem Fall schon rechtlich ausgeschlossen, aber im Grunde auch nicht möglich.
Man sieht die berühmte Schurkenoper oder Bettleroper von Bertolt Brecht. Man muss sie einmal gesehen haben, diese Geschichte der Unterwelt aus Brechts Augen. Dargeboten wird sie natürlich mit Livemusik, mit den mehr oder weniger bekannten Liedern dazu, es ist eine Art Operette, eben das Brecht’sche „Musiktheater“. Wobei Bertolt Brecht selbst sagte, es hieße „Dreigroschenoper“ nicht etwa, weil es ÜBER Bettler gehe, sondern weil es eine Oper FÜR Bettler sei.
Aber es geht ja in der Tat um Bettler, es spielt in der Gaunerwelt/Bettlerwelt von London/Soho. Der Herr über ein Netzwerk von Bettlern, Jonathan Peachum, der sich eher als gerissener Unternehmer sieht, um Geld von denen zu bekommen, die es haben, geht gegen den gerissensten Schurken Londons, Macheath, genannt Mackie Messer, vor, da Letzterer die Tochter der Peachums (Polly) geheiratet hat. Mackie Messer wiederum ist aber sogar mit dem Polizeichef Brown befreundet.
Die Inszenierung am Residenztheater:
Es ist eine durchaus beeindruckende Inszenierung, ja, sie verschafft den Eindruck der dortigen Welt. Dreieinhalb Stunden dauert sie, in denen man gerne einem Musiktheater zusieht, das nicht zum aktuellen Nachdenken anregt, nein, keinen aktuellen sozialen Sprengstoff beinhaltet oder auch nur streifen würde, nein, es ist einfach ein Klassiker. Immer wieder einmal humorvoll gespielt, insgesamt nicht trüb, sondern eher leicht, hier am Residenztheater vor allem mit einem Bühnenbild, das einen sofort in die Gaunerwelt führt.
Schauspielerisch ist es von allen Mitwirkenden sehr gelungen! Lukas Rüppel beginnt mit herrlicher Gelassenheit, humorvoll als Bänkelsänger (später auch mehrfach etwa als Mond), mit Ironie auf den Lippen, der ein wenig durch den Abend führt, Moritz Treuenfels als lässiger und hintertriebener Mackie Messer, der besorgte Oliver Stokowski als Jonathan Jeremiah Peachum, Cathrin Störmer als Celia Peachum, seine eher ordentliche Frau, Isabell Antonia Höckel einnehmend als Polly Peachum, Tochter der Peachums, Max Rothbart als drahtiger Brown, oberster Polizeichef von London, Liliane Amuat als Lucy, dessen Tochter, Vassilissa Reznikoff mit sehr viel „Brechtausdruck“ auf der Bühne als Spelunken-Jenny – um die wesentlichsten Figuren zu nennen. Der ansich so heruntergekommene „Brechtausdruck“ des Milieus der Dreigroschenoper weicht trotz allem fast irgendwie ein klein wenig, nur ein klein wenig zurück, obwohl das Bühnenbild so gut das Milieu repräsentiert. Denn das über den ganzen Abend unveränderte Bühnenbild passt von A – Z zum Milieu und zur Geschichte. Vielleicht ist nur die eine oder andere Figur fast zu makellos.
Das Bühnenbild (Inszenierung und Bühne Philipp Stölzl) besteht aus einer hohen Wand von braunen Teekisten, vielleicht auch Obst- oder Gemüsekisten, die erklettert werden, auf mehreren Ebenen schmale Spielebenen schaffen, über allem – auf dritter Ebene – spielt das „Orchester“. Auch der Orchestergraben wird in gewisser Weise zur Spielebene. Viele Ebenen sind es somit, es geht hoch und runter – sozial gedacht: Eben ein Bertolt Brecht.
Ich kann hier aus Zeitgründen leider nicht weiter auf die Brecht’sche Gedankenwelt zu seiner Dreigroschenoper eingehen. Das Programmheft und die Website führen weiter. Es ist eine „old story“, trotzdem: Hingehen, ansehen, es ist eine gelungen runde Sache, die man nicht schnell „abhakt“.
Fotos:


Copyright der Fotos: Sandra Then
HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Münchner Residenztheaters.












