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THEATER: Constance Debré – Love me tender

Regisseurin Felicitas Brucker hatte in den letzten Jahren mehrfach Inszenierungen an den Münchner Kammerspielen: „Nora“, „Die Freiheit einer Frau“ (wieder am 13.03.), „Baumeister Solness“, „Die Politiker“. Jetzt hat sie den autobiografischen Roman „Love me tender“ der französischen Autorin Constance Debré umgesetzt, der 2020 erschien.

Neben allem Text des Romans: Die drei Schauspielerinnen singen, tanzen, laufen, weinen, schreien … in diesen fast zwei Stunden … alles. Annette Paulmanns erste Worte zeigen dabei den Inhalt des Abends an, es sind Constance Debré’s Worte:

„Warum sollte die Liebe zwischen einer Mutter und einem Sohn nicht genau wie jede andere sein? Warum sollten wir uns nicht trennen können? Warum sollten wir nicht aufhören können einander zu lieben?  Warum müssen wir uns unbedingt lieben, in und außerhalb der Familie, und warum müssen wir uns selbst und anderen immer wieder davon erzählen?“

Darum geht es: Eine Mutter will ihre Freiheit leben, will alles hinter sich lassen, alle gesellschaftlichen Konventionen, gibt alles auf, lebt sexuell fast wahllos lesbisch, nach zwanzig Jahren Ehe. Sie hat aber einen Sohn und von dem gibt es wohl kaum einen „Rückzug“. Doch, es gibt ihn, zunächst erzwungener maßen: Der Vater des Sohnes namens Paul verhindert nämlich immer wieder Pauls Kontakt zur Mutter und sie, die Mutter, verkraftet den fast totalen Verlust des Kontaktes zum Sohn (der noch dazu vom Vater beeinflusst wird) nicht. Natürlich nicht. Die Justiz hilft ihr überhaupt nicht. Aber auch das ist möglich: Will sie vielleicht sogar auch die besondere Bindung zum eigenen Sohn zugunsten ihrer Freiheit aufgeben? Beides vielleicht. Sie steckt in einem Dilemma. Was macht man da? Die eigene Freiheit leben oder sie doch wieder aufgeben, sich den „Regeln“ beugen? Sind die Schmerzen, die mit der gewünschten eigenen Freiheit verbunden sind, zu groß?

An einigen Stellen wirkt die Inszenierung der Bühnenfassung von „Love me tender“ bei diesen schweren Fragen – ganz anders als Felicitas Bruckners bisherige Inszenierungen an den Münchner Kammerspielen – allerdings etwas gewollt und übertrieben, vielleicht auch ist der Roman von Felicitas Brucker zu wenig gekürzt und pointiert worden. Mir ist nicht alles klar geworden. Und was nicht aufkommt: Der Gedanke der Einsicht zB des Vaters oder des Sohnes mit dem Lebensumbruch der Mutter. Das wiederum mag für solche Fälle ein wichtiges Element sein, in der Suche nach Lösungen. Aber es geht eben nicht nur um die Lösung eines Einzelfalles, sondern um Existenzielles: Was bremst die Freiheit aus? Kann Liebe bremsen? Überhaupt: Freiheitsdrang einerseits und Verlust andererseits … und so.

Fazit: Drei herausragende Schauspielerinnen auf dieser so lässigen kleineren Bühne der Münchner Kammerspiele, das hat was, aber dazu etwas viel Aktionismus (Einsatz von Musik, Videowände auf der Bühne, große Liveaufnahmen an der Rückwand, Gesang, Rap, Licht, Nacktheit, Körpereinsatz mal so mal so und und und …), eine ruhigere Erzählweise hätte mir an mancher Stelle geholfen bei den so existenziellen Fragen des Romans. Trotzdem: So geht es auch gut, zumal bei der so starken und überzeugenden Besetzung!

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele.

Hier noch ein Foto:

Copyright der Bilder: Armin Smailovic

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THEATER: Otto-Falckenberg-Schule – Anna, Mascha und Julia

Die Studierenden des 3. Schauspieljahrgangs der Otto Falckenberg Schule, der Schauspielschule der Münchner Kammerspiele, haben sich nun in ihrer in gewisser Weise inhaltlich anspruchsvollen Abschlussinszenierung mit einigen der bekannten Werke Anton Tschechows gleichzeitig beschäftigt. Mit „Onkel Wanja“, „Die Möwe“, „Iwanow“, „Der Kirschgarten“. Auch in diesen Werken geht es bekanntlich um Tschechows fürchterliche, immer unlösbare Frage: Warum lebe ich? Was ist Liebe? Was macht das Leben aus? Warum ist es so schwer, glücklich zu sein? Das haben sie herausdestilliert aus diesen Werken, vor allem mit Blick auf weibliche Personen in den Stücken, damit haben sie letztlich Anton Tschechow dargestellt.

Sie haben es interessant gemacht, zu sehen ist es noch einmal am 27. Februar. Die Personen der oben genannten Werke sind dabei immer wieder im Gespräch mit Anton Tschechow persönlich, der zusammen mit seiner Schwester Mascha auf der Bühne der Therese-Giehse-Halle erscheint, sich einmischt, gefragt wird und sich auch Gedanken über sein Thema, Leben und Liebe, in seinen Personen macht. Die DarstellerInnen der Personen der Werke Tschechows treten auch teils aus sich heraus, sind dann die SchauspielerInnen und Schauspieler selbst.

Auch der Darsteller von Anton Tschechow (Luis Brunner) tritt aus seiner Rolle heraus und sagt etwa:

Und dann dachte ich mir: gehts in seinen Texten nicht genau darum?
Dass wir alle Menschen mit Wünschen, Ängsten und Sehnsüchten sind und wir können es uns nicht aussuchen, wer wir sind und was wir wollen und wir versuchen krampfhaft unser Leben lang irgendwie das Beste draus zu machen, aber wissen einfach nicht wie?

Mein Eindruck: Diese Befassung der 3. Schauspieljahrgangs der Otto Falckenberg Schule mit Anton Tschechow und seinem großen Thema hat etwas! Sie könnte sogar etwas für Christopher Rüping sein! Ich sehe es vor mir, in einer für ihn so typischen Inszenierung: Auf großer leerer Hauptbühne, mit Livemusik, die gewählte Zusammenstellung der Personen aus Tschechows Werken, … es würde gut passen (Die Inszenierung der Arbeit der Otto-Falckenberg-Schule entstand unter der Regie der schon recht erfahrenen und erfolgreichen Regisseurin/Performerin/Theaterleiterin Lizzy Timmers).

Inhaltlich ist es natürlich – ganz nach Anton Tschechow – recht traurig. Nicht nur Anton Tschechow war schließlich mit sich und seinen Werken nicht zufrieden, auch alle anderen Personen, die hier aus den Werken von Anton Tschechow auf der Bühne erscheinen, scheitern an oder hadern mit ihren Problemen, Sehnsüchten, Situationen, unerfüllten Wünschen, unerfüllter Liebe vor allem, an ihren Zweifeln … Traurig aber wahr! Einfach wahr – wie der riesige Mond, der (auch passend, Bühne Bettina Kirmair) über allem schwebt, fast etwas viel, aber lohnenswert!

HIER der Link zur Stückeseite.

Copyright des Fotos: Judith Buss

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THEATER: Die beiden großen Münchner Theaterhäuser – Kleineres und zweite Besuche

  1. Zusammenfassung:

JCOM: Mendele Lohengrin:

An den Münchner Kammerspielen ist es am 8. Februar wieder zu sehen. Jüdische Klezmermusik trifft auf Richard Wagner. Ein Dilemma, Wagner war Antisemit. Erzählt wird die Geschichte eines jüdischen Musikers, der in Wien erstmals Richard Wagners Lohengrin hört und völlig verblüfft ist von dieser umwerfenden Musik! Heinrich York-Steiner schrieb 1898 die Geschichte von Mendele, Stefan Merki liest den Text, Ethel Merhaut singt dazu, das Orchester des Jewish Chamber Orchestra Munich spielt dazu ein Konzert, das hauptsächlich von Klezmermusik getragen ist, aber auch Wagners Lohengrin und anderes anklingen lässt. Was soll Mendele machen? Die umwerfende Musik Wagners verachten wegen seines Antisemitismus? Aufhören mit Musik? Ist Musik von allem losgelöst?

HIER der link zur Stückeseite.

Rania Mleihi: My personal ten years – Wir schaffen das:

An den Münchner Kammerspielen ist es am 8. Februar wieder zu sehen. Sehr persönlich erzählt Rania Mleihi vor allem mit Bildern und Videos auf der Leinwand. Die syrische Theatermacherin Rania Mleihi sitzt davor an einemTisch, wortlos bastelt sie mit Sand. Es ist ihre eigene Biografie vor dem Hintergrund zweier historischer Ereignisse: Angela Merkels „Wir schaffen das“ und dem jüngsten Umbruch in Syrien nach der Flucht von Diktator Bashar al-Assad. Nähe und Ferne, Heimat und Flucht, Familie und Trennung, wann lebt man vor diesem Hintergrund wirklich in Deutschland. Viele spannende Fragen, die m. E. schwer erkennbar Antworten finden, die bleibende Zerrissenheit der geflüchteten Syrerin bleibt hier das Thema.

HIER der link zur Stückeseite.

Manfred Zapatka: Lesung „Betonvon Thomas Bernhard:

Hierzu gibt es leider derzeit keinen weiteren Ausführungstermin. Aber das Residenztheater bringt ja immer wieder gerne etwas von Thomas Bernhard. Zuletzt Minetti, ebenfalls mit Manfred Zapatka. HIER.

Die Lesung aus Thomas Bernhards „Beton“ hat es etwa nur zur Hälfte geschafft, das Residenztheater zu füllen. So viele Fans von Thomas Bernhard gibt es wohl doch nicht, obwohl er immer empfehlenswert ist und bleibt! Seine Theaterstücke! Seine Romane! Er ist und bleibt einzigartig! Er schreibt so subjektiv – auch in „Beton“ natürlich -, fast absurd, aber doch erkennt man sich ständig, wenn man ehrlich ist. Manfred Zapatka liest ihn wunderbar! Die Bernhard’sche Kunst, ständig über banale Dinge zu schreiben und doch mehr zu sagen: Zapatka gelingt es wunderbar, sie in seiner Lesung zu zeigen, was nicht leicht ist!

HIER der link zur Stückeseite.

2. Anregungen für noch Laufendes:

Wiederholungen, erneute Besuche von Stücken, die ich bereits gesehen habe und gerne ein zweites Mal sehen möchte, sind meist sehr lohnend. Es beginnt morgen, Mittwoch den 04.02., an den Kammerspielen mit Mephisto von Klaus Mann, das zum diesjährigen Theatertreffen in Berlin eingeladen ist. HIER der Link zur Stückeseite.

Für erneut sehenswert halte ich außerdem an den Kammerspielen etwa Wachse oder weiche, Sauhund, Katzelmacher und Wallenstein und am Residenztheater etwa Drei Schwestern, das ebenfalls (2017) zum Berliner Theatertreffen eingeladen war, HIER, Kasimir und Karoline, Warten auf Godot und 77 Versuche, die Welt zu verstehen.

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MUSIK: Moby & Damien Jurado – Almost Home

Über Moby hatte ich schon einmal Folgendes geschrieben:

Neben seiner Karriere als Musiker betrieb Moby (sein Ur-Ur-Großonkel hat die Erzählung „Moby Dick“ geschrieben, daher sein Spitzname Moby!) von 2002 bis 2015 das vegetarische Restaurant TeaNY in New York und in Los Angeles das vegane Restaurant Little Pine, das im Juli 2020 von Investoren übernommen wurde (laut Wikipedia). HIER der Link zur Website des Restaurants. Moby lebt seit seinem 22. Lebensjahr vegan, um Tieren kein Leid zuzufügen. Nicht schlecht! Respekt! Tierrechtsaktivismus nennt er den Sinn seines Lebens und das, was ihn am Morgen aus dem Bett bringt. Weiter sagte Moby, er würde – vor die Wahl gestellt – lieber ein Tierrechtsaktivist, als ein erfolgreicher Musiker sein!

Moby bietet auf einer Internetseite über 200 Titel seiner Musik kostenlos an. HIER.

Und Damien Jurado ist ein US-amerikanischer Musiker, da kann ich nur auf Wikipedia verweisen, HIER.

Der Song:

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THEATER: THEATERTREFFEN 2026

Gratulation! 739 Produktionen wurden gesichtet. Die zehn „bemerkenswertesten“ Produktionen werden wieder wie üblich auf dem Berliner Theatertreffen, das dieses Jahr vom 1. Mai bis zum 17. Mai stattfindet, im Festspielhaus gezeigt werden, drei davon sind außerdem wieder für einen gewissen Zeitraum auf 3sat zu sehen („Starke Stücke“)!

Es sind dieses Mal die folgenden Produktionen:

  • Die Welt im Rücken von Thomas Melle, Produktion am Schauspiel Stuttgart
  • Die Glasmenagerie von Tennessee Williamsv, Produktion am Theater Basel
  • Mephisto von Klaus Mann, Produktion an den Münchner Kammerspielen
  • Serotonin von Michel Houellebecq, Produktion am Hans Otto Theater Potsdam
  • Three times left is right von Julian Hetzel, Produktion des Schauspiel Leipzig und der Wiener Festwochen
  • Wallenstein von Friedrich Schiller, Produktion an den Münchner Kammerspielen
  • A year without summer von Florentina Holzinger, Produktion der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
  • Fräulein Else von Arthur Schnitzler, eine Produktion des Volkstheater Wien
  • Il Gattopardo von Giuseppe Tomasi di Lampedusa, eine Produktion des Schauspielhaus Zürich
  • Der Hauptmann Köpenick von Carl Zuckmayer, eine Produktion am Staatstheater Cottbus

HIER der Link mit allen Details.

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MUSIK: Ludwig Hirsch – Komm großer schwarzer Vogel

Das Lied platzierte sich in den österreichischen Charts, kurz nachdem Ludwig Hirsch sich am 24. November 2011 im Alter von 65 Jahren das Leben genommen hatte. Er hatte Lungenkrebs. Das Lied ist ja ein Lied in Erwartung des Todes …

ICH WÜNSCHE ALLEN EINEN GUTEN RUTSCH INS JAHR 2026!

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WEIHNACHTEN 2025

Wahrscheinlich war es so:

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FILM: Joachim Trier – Sentimental Value

Es ist ein Film des norwegischen Regisseurs und Drehbuchautors Joachim Trier mit Überlänge, ist fast mehr die Beobachtung zweier Personen als ein Handlungsfilm, es könnte fast ein Film von Ingmar Bergmann sein, Vater und Tochter, die Beobachtung und Entwicklung ihres Verhältnisses zueinander. Man fragt sich am Ende fast: Wie wird es weitergehen?

Ein ruhiger Film, der durch diese Ruhe, durch die so natürliche Betrachtung der Personen des Films besticht. Es gibt im Grunde nur einen Ort des Geschehens, das schöne alte Haus der Familie, in dem auch die Familiengeschichte steckt. Die Situation der beiden – Vater und Tochter – geht einem nahe, ohne dass man schwermütig das Kino verlassen würde. Ruhige kurze Dialoge, wünscht man sich die nicht öfters im „normalen“ Umgang miteinander?

Auffallend ist auch, dass der Film den Zuschauer in keiner Weise durch irgendwie besondere Filmaufnahmen in die Stimmung holen will, überzeugen will. Er ist – keine Frage – wunderbar gefilmt, wunderbar gespielt, nah an den Personen dran, unaufgeregt, ich kann ihn empfehlen! (Wer weiß, was für übertrieben perfektionierte Filme künftig mit KI auf uns zukommen! Man liest, dass Filmaufnahmen, die zu teuer sind, künftig von KI schnell und billig erzeugt werden können!).

Die „Hauptfiguren“ des Films – Vater und Tochter, siehe das Bild oben – kommen einem nahe, Renate Reinsve und Stellan Skarsgård. Es ist ein „echter“, lebensnaher, persönlich werdender, aber trotzdem zurückhaltender Film, und so hoch prämiert!

Vater und Tochter, es ist ja immer wieder so: Was für ein Verhältnis! Und – so auch in diesem Film – die Familiengeschichte spielt fast immer eine Rolle. Kurz dazu: Die Mutter des „Vaters“ der Geschichte hatte sich früh umgebracht, er, der „Vater“ war damals Kind, beruflich war er dann total fixiert, erfolgreicher Regisseur, war später geschieden von seiner Frau, um die Kinder (zwei Töchter) hatte er sich im Grunde nie gekümmert, war immer weg, bis er nach Jahren – auf der Trauerfeier nach dem Tod seiner Ex-Frau – seine beiden Töchter wiedersieht. Die ältere Tochter ist Theaterschauspielerin, alleinstehend, sie trägt letztlich die Familiengeschichte und all das Schwierige des Verhältnisses zum Vater in sich, ihre Schwester kommt besser damit zurecht. Und der Vater will der älteren Tochter endlich mit einer speziellen Idee näher kommen, auch um mit seinem Leben zurechtzukommen. Und so weiter …

HIER der Trailer.

Zu sehen ist er in München etwa im Theatiner Filmkunst.

Copyright des Beitragsbildes: Casper Tuxen

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THEATER: Avishai Milstein – Play Auerbach!

  • Eine Gruppe von „Laienschauspielern“ möchte ein Theaterstück zum 100-jährigen Ende des Zweiten Weltkriegs spielen, eine „Philipp Auerbach Revue“. Nur „Play“, nicht alles wieder aufwühlen. Warum hat man eigentlich von Philipp Auerbach noch nichts gehört? Es gibt in München nicht einmal eine Auerbachstraße (HIER der Link zu einer Initiative für eine Straßenbenennung, verlinkt auch auf der Website der Münchner Kammerspiele). Sein Engagement für die aus den KZ’s befreiten, nach Deutschland/München zurückkommenden Juden war sagenhaft, sein Schicksal war letztlich traurig und jahrelang durch KZ’s schrecklich. Er hat mehrere KZs überlebt, er blieb aber nach dem Zweiten Weltkrieg in München, wohnte in der Holbeinstraße, wurde 1945 von den Amerikanern als „Staatskommissar für rassisch, politisch und religiös Verfolgte“ in München eingesetzt, 1952 beging er Selbstmord – nach einer Verurteilung durch die bayerische Justiz. Seine Worte in einem Abschiedsbrief: „ Ich habe bis zuletzt gekämpft, es war umsonst …“. So wird es vorgelesen.
  • Play Auerbach!“ ist Teil eines Projektes an den Münchner Kammerspielen zum jüdischen (Über)Leben nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Grunde macht die Bezeichnung des Projektes „Wohin jetzt?“ etwas unsicher. (HIER der Link zur Projektseite, es gibt Termine im Dezember). Werden wir in unserer Erinnerungskultur mit diesem Titel „Wohin jetzt?“ nicht etwas fehlgeleitet? Geht und ging es denn nur um eine „Ortsfrage“, um das „Wohin jetzt“? Muss es für das jüdische Überleben damals nicht eher heißen „Wie jetzt überhaupt weiter“. Denn wie oder warum sollte man als Jude nach den unvorstellbaren KZ-Erfahrungen („Die Hölle auf Erden“ heißt es in Play Auerbach) überhaupt noch weiterleben. „Wo“ man leben könnte/wollte war natürlich auch die Frage, aber die Frage „Wohin“ verharmlost es schon wieder ein wenig. Auch eine Frage der Orientierung. Philipp Auerbach jedenfalls schaffte es bis 1952. Mit wie gesagt unglaublichem Engagement für die zurückkehrenden „Displaced Persons“. Sehr gut gespielt von Samuel Finzi – er als ein Fremdkörper in der dadurch verwirrten Antisemitismus-Projektgruppe „Play Auerbach“. Auerbach hatte alles gegeben für seine Vision, in Deutschland könnten nach dem Zweiten Weltkrieg Juden und Deutsche doch noch zusammenleben!
  • Die Inszenierung ist eine Auftragsarbeit des Autors Avishai Milstein, geboren 1964 in Tel Aviv (Regie: Sandra Strunz). Milstein reißt einen insgesamt fast Minute für Minute in die Orientierungslosigkeit/Verunsicherung: Aber genau das will er! Ein ständiger letztlich bissig daherkommender Wechsel, eine fast schwer zu trennende Mischung von „Humor“ und bitterem Ernst. Noch dazu ist das Geschehen auf der Bühne verlegt in das Jahr 2045, 100 Jahre nach Kriegsende! Auch das ist ein Aspekt für Orientierungslosigkeit, Verunsicherung, denn wir wissen wirklich nicht, was sein wird (Michel Friedman etwa sagte kürzlich an selber Stelle im Gespräch mit Harald Lesch: „In zehn Jahren leben wir nicht mehr in einer Demokratie“ …).
  • Die Gruppe von „Laienschauspielern“ möchte also ein Theaterstück spielen. Vor allem Wiebke Puls zeigt als „Beate“, die Regisseurin der Truppe, dabei großartig fast ein unbekanntes hinreißendes Persiflage-Gesicht. Köstlich! Alle spielen es großartig, nur sie ist in einer lustigen Rolle, alle anderen spielen ernst. Sie sind alle verunsichert, nicht nur die Zuschauer. Es macht seit einiger Zeit immer wieder Freude, das immer besser werdende Ensemble der Münchner Kammerspiele zu sehen! Auch klasse etwa der Gesang von Annika Neugart als Therese Giehse.
  • Insgesamt: So verunsichert habe ich lange kein Theaterstück verlassen! Aber genau darauf sollte es hinauslaufen! Bitterböse im Grunde und gleichzeitig ummantelt von einer lustigen Rahmenstory. Das Lachen konnte einem an den Lippen gefrieren – nicht nur danach wegen der Kälte draußen, sondern schon während der Aufführung, auch wenn die teilweise Überladung (Auftritt Therese Giehse und Otto Falckenberg etwa …) es nicht immer leicht machte. Lehrreich war es damit allemal und sollte es für jeden sein: „Alles vergessen?“ Wir gehen – und gingen – nicht nur bei der Aufarbeitung/Erinnerung an die Nazigreuel oft an der Sache vorbei, wollen die Realität nicht wirklich unter uns haben. Michel Friedman hatte zum Thema „Lüge“ im Gespräch mit Harald Lesch dementsprechend auch allgemein gesagt: „Wir belügen uns vor allem gerne selbst!“ Das trifft es! Und Orientierungslosigkeit – bei mir die Folge des sehr gelungenen Abends – ist ja Kern der Situation der jüdischen Heimkehrer damals gewesen.

Hier noch ein Foto (Therese Giehse singt):

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele, die zu vielen weiteren Inhalten führt.

Copyright der Fotos: Julian Baumann

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THEATER: Frei nach Ödön von Horváth – Glaube Liebe Roboter

Es ist eine Inszenierung, bei der Manches nicht leicht erkennbar ist. Die ja recht bekannte Geschichte des Originals „Glaube Liebe Hoffnung“ von Ödön von Horvath etwa erkennt man verständlicherweise kaum, sie ist ja überschrieben, sie kommt nur immer wieder bruchstückhaft vor. Aber auch die von Bonn Park in seiner Inszenierung „Glaube Liebe Roboter“ darüber gelegten Gedanken und Ideen erkennt man nicht leicht.

Lange sieht man sich dem chaotischen, erstaunlich „altbacken“ wirkenden (Bühne von Daniela Zorrozua) Labor gegenüber, in dem aus Menschen Roboter gemacht werden. Auch Elisabeth verkauft – wie in Horváths Original „Glaube Liebe Hoffnung“ – ihre Körperteile an das Labor, bei Bonn Park wird sie dann später zu „Elisabot“. Verhandelt wird bei allem das Thema: „Wie sollen wir stehen zur Zukunft? Brauchen wir/wollen wir Fortschritt? Freude? Angst? Unsicherheit? Können wir etwas aufhalten?“ So in etwa. Viele Fragen, viele Reaktionen.

Am Ende wird alles relativ klar, weil sich alle noch einmal emotional mit fast melancholischem Gesang vor dem Publikum gemeinsam ins Zeug legen (Song von Dagobert) und die Zuschauer – ausverkauft – mit einer Art Stimmungsbild (der Jugend vor allem) nach Hause schicken! Es heißt: „Alles ist verzwickt“! Tja, so ist es! Gott sei Dank kann man es nicht nur negativ sehen.

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Münchner Volkstheaters. Nächste Vorstellung ist am Donnerstag (4.12.).

Hier ein Trailer:

Hier noch ein Foto:

Copyright der Bilder: Arno Declair.

MUSIK: Bruce Springsteen + Tracy Chapman – My Hometown

Bruce Springsteen singt immer schon über den „kleinen Mann“, den „Verlierer“, den „Gestrauchelten“ etc. Und über sein frühes Leben, die einfachen Verhältnisse, in denen er aufwuchs, wie er alles erlebt hat, immer wieder. Seine Musik ist aus seinem Leben. Er steht immer persönlich hinter dem, worüber er singt, er verarbeitet es mit seiner Musik. Hier auch so: „My Hometown“. Unten die lyrics.

Die lyrics auf Deutsch:

Ich war 8 Jahre alt und rannte mit einem Groschen in der Hand
zur Bushaltestelle, um eine Zeitung für meinen alten Herrn zu holen.
Dann setzte er mich auf seinen Schoß
hinters Steuer von diesem großen alten Buick,
als wir durch die Stadt fuhren.
Er zauste meine Haare und sagte:
Schau‘ Dich gut um.
Das ist Deine Heimatstadt.

1965 kochte die Spannung an meiner Highschool hoch.
Es gab eine Menge Kämpfe zwischen Schwarzen und Weißen.
Du konntest nichts dagegen tun.
Eines Samstag abends standen dann
diese zwei Autos bei einer Strassenlaterne.
Auf dem Rücksitz lag eine Knarre.
Ein Wort gab das andere,
bis eine Schrotladung losging.
Zeiten voller Unruhen und Kummer waren über meine Heimatstadt gekommen.
Meine Heimatstadt.

Jetzt sind in der Hauptstraße die Fenster weiß übertüncht
und die Läden (stehen) leer.
Es scheint, als sei da keiner mehr, wolle auch keiner mehr hin.
Die Textilfabrik jenseits der Bahnlinie machen sie auch dicht.
Der Vorarbeiter sagt, diese Arbeitsplätze sind weg, Jungs,
und sie kommen auch nicht mehr zurück
Zu Eurer Heimatstadt.

Letzte Nacht, als Kate und ich im Bett lagen,
haben wir übers Weggehen gesprochen. (oder: darüber gesprochen, wie wir da ‚rauskommen)
Alles packen und vielleicht nach Süden ziehen.
Ich bin jetzt 35, wir haben selber einen Jungen.
Letzte Nacht hab‘ ich ihn ins Auto gesetzt, hinters Steuer. Und ich hab ihm gesagt:
Sohn, schau‘ Dich gut um.
Das ist Deine Heimatstadt.

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Sonstiges

SONSTIGES: Michel Friedman/Harald Lesch – „Lüge“

Die Reihe lebt davon, dass Michel Friedman zum jeweiligen Thema sehr präzise und teilweise sehr schwierige Fragen aufwirft. Es ist immer interessant, die guten Fragen, die Versuche der Antworten der eingeladenen interessanten Gäste und Gästinnen und die Entwicklung der Gespräche solch „kluger Köpfe“ zu erleben.

Kurzer Eindruck heute: Im Falle von Harald Lesch und dem Thema „Lüge“ schien das Gespräch insgesamt erstaunlicherweise nicht sehr gelungen – es war aber trotzdem interessant! Harald Lesch, der ja wunderbar intelligent wissenschaftliche Dinge erklären kann, war m. E. an mancher Stelle von den tief gehenden interessanten und zugegebenermaßen fast zu schwierigen – erst persönlichen, dann zunehmend politischen – Fragen von Michel Friedman überfordert. Für Harald Lesch war es fast unlösbar (Frage etwa: „Werden wir in 8 oder 10 Jahren in Deutschland noch in einer Demokratie leben?“). Schade, Harald Lesch merkte kaum mehr, dass Michel Friedmann doch sehr präzise Fragen stellte, und „entkam“ mehrfach nur mit irgendwie nicht sehr treffenden Antworten – was man von ihm wahrlich nicht erwartet hätte. Michel Friedman selbst kam gegen Ende des Gespräches immer mehr darauf, dass es ihm eher – auch politisch – um das Thema „Wir belügen uns alle selber“ ging. Wir beruhigen uns damit, das Grundgesetz sei stabil. Wir beruhigen uns damit, die AfD im Griff zu haben. Wir beruhigen uns damit, dass unserer Demokratie nichts passieren kann. Michel Friedman dagegen glaubt – allein schon, um gegen diesen dystopischeren Glauben aktiv zu bleiben – „Wir leben in zehn Jahren nicht mehr in einer Demokratie!“. Interessanter Gedanke!

Harald Lesch, für den es wahrlich schwer war, konnte mit den Fragen an mancher Stelle in aller gebotenen Kürze nicht besonders fein umgehen, er „kämpfte“ sich eher mit dem Degen als mit dem Florett gegen Friedman ab, aber gut, das Thema „Lüge“ war auch schwer in den Griff zu kriegen, merkte man insgesamt.

Fazit: Es schien nicht ganz gelungen, war aber trotzdem wieder interessant!

Copyright des Fotos: Gerald von Foris

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MUSIK: Blues Brothers – Everybody Needs Somebody

1980 erschienen:

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MUSIK: Pink Floyd – Mother

HIER der Link zur interessanten Seite http://www.thewallanalysis.com mit allem zur Geschichte „The Wall“.

The Wall belegte in zahlreichen Ländern Platz eins der Charts. Es zählt mit über 33 Millionen verkauften Exemplaren zu den weltweit erfolgreichsten Alben und ist das meistverkaufte Doppelalbum der Musikgeschichte.

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THEATER: Caren Jeß – Heartship

Die intime und nahe Atmosphäre im Marstall Salon (mit bis zu 40 ZuschauerInnen) lässt dieses „Duett“ durchaus als Solo erscheinen. „Heartship“ ist die erste Produktion im Marstall Salon gewesen. Sara und Ann sind grundverschieden, es entsteht aber eine besondere Nähe zwischen beiden. Letztlich erzählt Ann, sie habe ihr Verhältnis zueinander einmal „Heartship“ genannt. Es kommen ja einige Begriffe in Betracht: Friendship, situationship, relationship, polyfidelity, Bekanntschaft, Beziehung, Romanze, Liebe, Affaire, Seitensprung und und und. Jedes Verhältnis ist dabei anders, nichts passt, es gibt zu wenig Begriffe, da kommt Ann eben auf „Heartship“. Das ist – es gibt noch einen anderen Zusammenhang – die Idee des Titels.

Inhaltlich ist das Verhältnis der beiden zueinander – wie gesagt – von großer Unterschiedlichkeit der beiden geprägt. Das ist „Heartship“ inhaltlich: Sara ist die unkonventionelle Selbstoptimiererin, die Probleme am liebsten gegen die Wand schmettert, ohnehin überall in der Gesellschaft zuviel „Druck“ sieht, und Ann ist die Frau mit vertuschten Problemen, die sie nicht los wird, die sie nur verdrängt: Eine frühe Vergewaltigung, jetzt wieder ein Kollege, der ihr zu nahe kommt, schon länger ihre „Selbstverletzungen“. Sie müsse selber damit zurecht kommen, ist ihre Losung. Aber darüber reden beide im Laufe der Zeit, ohnehin hält Ann (in einer Bar namens „Heartship“!) gerne Reden über das nötige Ende das Patriarchats.

Der Text von Caren Jeß (eine Auftragsarbeit des Residenztheaters) will viel, er schafft es aber m. E. nicht ganz, er bleibt zu unpräzise, ist eben auch sehr schnell in der Darstellung der Entwicklung des Verhältnisses beider zueinander. Aber man kann nicht alles haben! „Heartship“ ist jedenfalls – ohne viel „Bühneneinsatz“ – eine kurze Kontroverse vor allem zum Thema: Wie gehe ich mit Problemen aus der „feministischen Ecke“ um? Vergewaltigung, Annäherung, Bedrängung … . Kann ich es mit „Selbstbefreiung“ o. ä. schaffen? Dazu kommen Saras Gedanken zu Patriarchat, Druck an allen Ecken im Leben etc.

In der Kürze der Zeit bleibt es eine „Story“, es sind ja auch große Themen – auf der schönen kleinen Bühnenfläche und dem Cafe/der Bar des Marstall Salons.

HIER der Link zur Stückeseite von „Heartship“ auf der Website des Residenztheaters.

Copyright des Beitragsbildes: Adrienne Meister

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THEATER: Anne Pauly – Bevor ich es vergesse

Zu „Bevor ich es vergesse“:

„Bevor ich es vergesse“ ist ein Abend, den man jedenfalls dann nicht sofort vergisst, wenn man bereits seinen Vater und/oder die Mutter verloren hat. Dann geht er nämlich nahe, jeder kennt es dann: Wie war er/sie? Was habe ich versäumt? Was bleibt? Wie geht es weiter? Man lebt ja gewissermaßen nach dem Tod der Eltern ein zweites Leben, blickt zurück in das erste Leben, das Leben mit „drei Beinen“ (Wiebke Puls sitzt ganz zu Anfang mit DREI Beinen auf einem Hocker, legt das dritte Bein dann in den Schrank), das so nie wieder sein wird.

Wiebke Puls als „Anne“ (das ist dem persönlichen Bezug des Ich-Romans geschuldet) bekommt nach dem Tod des Vaters – bei der Durchsicht des Schrankes – alle möglichen privaten Dinge des Vaters in die Hände und macht sich Gedanken über ihn, erinnert sich an ihn, an ihre eigene Kindheit mit ihm, an sein Leben, an seine Erzählungen aus seinem Leben, sein Verhalten, seine letzten Tage, an die Beerdigung, den Leichenschmaus, sie nimmt Kontakt auf mit seiner engsten Freundin aus der Schulzeit und und und. Dass es nicht leicht war mit ihm, weiß sie, das spielt aber nicht mehr die entscheidende Rolle.

Die engste Kindheitsfreundin, zu der der Vater später nie wieder Kontakt findet, auch wenn er es will, schreibt in einem Brief an Anne nach dem Tod des Vaters:

Das fasst es gut zusammen: Die Tatsache, dass man so das Leben seines Vaters, seiner Mutter noch einmal in vielen Gegenständen sieht, sich erinnert, wird – auch im Laufe dieses Abends – zur Tatsache, dass man damit eigentlich sich selbst sieht, seinen Schmerz erkennt, auch seine Versäumnisse. So singt Wiebke Puls auch: „Noch mehr als das (Anm: Mehr als alles …) möchte ich reden mit Papa!“ So ist es, aber es geht eben nicht mehr!

Es ist ein schöner Abend, um auch Wiebke Puls allein auf der Bühne zu erleben, was sich immer lohnt, es ist fast ein „Muss“ für Freunde der Münchner Theaterszene. Auch wie sie in die Rolle des alten Pastors schlüpft! Seit mehr als 20 Jahren ist sie bei den Münchner Kammerspielen. HIER der Link zu einem Podcast auf http://www.nachtkritik.de mit Wiebke Puls.

Manch Einzelheit ist nicht wirklich wichtig, die Gesamtheit macht es aus und der Wandel von Annes Blick auf den verstorbenen Vater über ihre Erinnerung hin zu sich selbst, zu ihrer eigenen Träne, mehr bleibt ihr ja nicht, zu ihrem Schmerz, ihrer Trauer, ihrer Vergebung, ihrem weiteren Leben. Letzteres spielt bei „Bevor ich es vergesse“ allerdings noch keine Rolle.

Der Titel „Bevor ich es vergesse“/Avant que j‘oublie“ ist für mich allerdings etwas fraglich. Was denn „vergessen“? Was will Anne Pauly damit sagen?

Zu „Heartship“, dem zweiten “Soloabend“ werde ich in Kürze schreiben. Das wiederum war kürzlich ein Abend im „Marstallsalon“, der kleinsten Bühne/der Bar des Residenztheaters, über dem Marstalltheater. „Heartship“ ist ein Dialog von zwei Frauen, nicht wirklich solo, aber irgendwie doch auch ein nah erlebter „Soloabend“.

HIER der Link zur Stückeseite von „Bevor ich es vergesse“ auf der Website der Münchner Kammerspiele.

Copyright des Beitragsbildes: Armin Smailovic


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THEATER: Maxi Schafroth – Wachse oder weiche

Ein „Ereignis“ war es, weil es nicht nur so herrlich war, sondern irgendwie ja ein neues Feld für Maxi Schafroth, er wird das Stück an den Kammerspielen im Oktober noch 1 x, im November 3 x und dann monatlich (bis März zunächst) 1 x zeigen, er wird also als eine der „Figuren“ des Stückes einige „Wiederholungen“ erleben, was er – vor allem als Fastenprediger der letzten Jahre am Nockherberg – ja bislang nicht unbedingt gewohnt war. Und er hat es „verdient“ – eine Tür schließt sich, eine andere öffnet sich.

Allzu tief schürfend kann man den Abend „Wachse oder weiche“ allerdings nicht besprechen. Einfach gesagt: Maxi Schafroth, erst 40 Jahre alt, sehr ausdrucksstarker Typ, macht herrlichen „Quatsch“ (Text zusammen mit Martin Valdés-Stauber) und bringt gleichzeitig vieles auf den Punkt! Immer wieder! Das macht es irgendwie auch zum Ereignis: Nicht nur herum schwurbeln, sondern die Dinge so zeigen, wie sie sind, sie damit kritisieren, aber nur durch Humor! Kritik auf Basis von Humor. Humor und viel Musik sogar. So kann man sich an diesem Abend ständig sagen: Ja, so ist es! Es ist aber mehr als „nur“ Kabarett, es geht Richtung Theater, wenn auch, wie gesagt, mit besonders viel „Quatsch“.

Aber man kann sich sagen: „Maxi Schafroth einfach machen lassen!“ Mit seiner Energie, seiner Bissigkeit, seinem Blick, seinem Humor, seiner immer locker und frech wirkenden Art und dann noch mit allen Möglichkeiten der Münchner Kammerspiele! Er wird es hoffentlich öfters machen und hoffentlich noch bissiger! Der Theaterzuschauer soll nicht nur lachen, er kann Kritik sicher besser vertragen als manch Politiker, besser als der bayerische Ministerpräsident, wenn’s um die Fastenpredigt geht ….

Man konnte insgesamt an diesem zweistündigen Abend (eine Pause) jedenfalls ständig lachen! Auch konnte man vor allem von den weiteren Akteuren, Stefan Merki, Martin Weigel, Elias Krischke und Traute Hoess wirklich begeistert sein. Stefan Merki der schweizerische Ökobauer, Maxi Schafroth am Nachbargrundstück, er und seine traditionelle Landwirtschaft, Martin Weigel als der moderne Businessfuchs von der BayWa, Elias Krischke als der Ruhe suchende Städter aus München, Traute Hoess als Frau von Pöschinger mit dem Golfschläger. Allein Maxi Schafroths Bewegungen als der „einfache“ Bauer, sein Gang, der ungelenke „Tanz“ bei der Musik. Immer „vermeintlich übertrieben, aber eben doch nicht übertrieben!“ Die Lieder und und und. Herrlich, standing ovations schon zur Pause, eine musikalische Optimierungs-Zugabe am Ende.

So werden sehr sympathisch und hoch humorvoll Finger in Wunden gelegt, wenn auch wahrscheinlich nicht tief sitzend.

Hier noch ein Foto:

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele.

Copyright der Bilder: Julian Baumann