Eine Ankündigung: Das Deutsche Theater Berlin ist wieder regelmäßig digital zu erleben: Heute, Mittwoch, den 29. September startet deren neue monatliche Rubrik „STREAM DES MONATS“. Der Stream wird immer begleitet von einem Live-Nachgespräch mit den Künstler:innen.
Den Anfang der Reihe macht heute „BREMSSPUREN“ von Nicola Bremer in der Regie von Friederike Drews als Limited Edition digital (das Format, in dem die Regieassistent:innen des Theaters ihr Regiedebüt geben – normalerweise in der Box, in diesem Fall digital).
Zum heutigen Stream: Eine Bühne. Ein Schauspieler. Eine Kamera. Ein one-take. Kein Schnitt. Ein Mensch. Ein Raum. Ein Experiment. Wie gesagt: HEUTE, Mittwoch, 29. September, 20 Uhr mit anschließendem Nachgespräch und danach als Video on Demand noch 24 Stunden verfügbar.Tickets gibt es auf dringeblieben.de.
HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Deutschen Theaters Berlin.
Copyright des Beitragsbildes: Deutsches Theater Berlin
Auf der Website des Münchner Residenztheaters ist es kaum zu finden. Daher hier mein Hinweis: Mit „Dantons Tod“, „Woyzeck“ und „Leonce und Lena“ ist derzeit – alle drei Werke sind im (aktuell bekanntlich lahmgelegten) Repertoire des Münchner Residenztheaters – das dramatische Gesamtwerk Georg Büchners online im Stream zu sehen!
HIER der Link zur Seite auf der Website des Residenztheaters. Das Streaming findet sich unter dem Titel „Resi sendet“.
Dantons Tod läuft schon seit Samstag, den 14. November
Woyzeck ist ab Samstag, den 21. November im Stream zu sehen und
Leonce und Lena» wird ab Samstag, den 28. November zu sehen sein
Alle drei Streams sind – so verstehe ich es – bis zum 30. November aufrufbar
Theaterfreunde wissen: „Dantons Tod“ hatte erst am 30. Oktober 2020 Premiere, inszeniert von Sebastian Baumgarten. „Woyzeck“ ist eine der berüchtigten Inszenierungen von Ulrich Rasche und „Leonce und Lena“ ist eine der eigenwilligen und immer originellen Annäherungen von Thom Luz.
Ergänzend dazu spielt außerdem die Schauspielerin Lisa Stiegler weiterhin «50 Mal Lenz – Ein Versuch» auf Zoom: Pro Vorstellung sind je fünf Zuschauer*innen live per Zoom-Konferenz zur Vorstellung in der Theatergarderobe eingeladen.
Die drei oben genannten Inszenierungen – ich kenne die beiden letzteren – sind wohl sehenswert. Es geht ja auch darum, zu testen, wie man Theatererlebnisse derzeit verkraftet, erfährt. Was man wie aufnimmt. Es hat sich ja alles verändert und man hört von der Erwartung, dass das Theater viele viele Jahre lang nicht mehr so sein wird, wie es war. Wenn es überhaupt jemals weder so sein kann.
Hier ein schöner Hinweis für die Freunde des Theaters: Luk Perceval sollte in dieser Spielzeit zum ersten Mal am Berliner Ensemble arbeiten und zur Spielzeiteröffnung…
… Lion Feuchtwangers „Exil„ inszenieren. Corona verhinderte es. Teile des Ensembles nutzen die Zeit für einen mehrwöchigen Workshop, in dem sie sich dem Text und den Figuren annähern.
Auf dieser Suche wurden sie von mehreren Kameras begleitet und man kann online in Form von kurzen Videos am Entstehungsprozess teilhaben.
Luk Perceval über das Projekt:
„Die Pandemie hat uns gezwungen, über alternative Formen nachzudenken, … ohne dass sich Publikum und Ensemble denselben Raum teilen. Und mit welcher Art von Theater man sich zu den neuen Medien ins Verhältnis setzen möchte. Diese und viele andere Fragen stellen wir uns in Exil / Backstage; ein Experiment, das die Intimität der Kamera mit der Suche nach der Wahrhaftigkeit des Theaters zu verbinden versucht. Vier Wochen lang filmen wir den Workshop mit den Schauspielerinnen und Schauspielern des Berliner Ensembles, in dem wir an einer Adaption von Leon Feuchtwangers Roman Exil arbeiteten, einer Geschichte über deutsche Flüchtlinge, die kurz vor dem Zweiten Weltkrieg in Paris leben. Unsere Suche nach der heutigen Relevanz dieses Romans, und in Erweiterung auch des Theaters, führt zu einer Dokumentarreihe, die dem Publikum Backstage-Einblicke in die Kunst des ‚Nichtwissens‘ des Theaters gibt: die Suche nach dem Sinn, dem Sinn des Textes sowie dem Sinn des Lebens und der Kunst. Ein Weg des Versuchens und Scheiterns, des Scheiterns, des erneuten Scheiterns und des besseren Scheiterns …“
Die einzelnen Folgen sind als fortlaufende Web-Serie ab 5. Oktober 2020 nach und nach auf www.berliner-ensemble.de/exilabrufbar.
Es lassen sich ohnehin auf der Website des Berliner Ensembles unter der Rubrik „BE at home“ sehr viele interessante Videos finden.
Am 3. Juni 2020 ist 25-jähriges Jubiläum! Heiner Müllers legendäre Inszenierung von Bertolt Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ mit Martin Wuttke in der Titelrolle. Ab Freitag, dem 09. Mai 2020, zeigt das BERLINER ENSEMBLE eine 3sat-pAufzeichung der Inszenierung vom Theatertreffen 1996!
Bernhard Minetti spielt noch mit – im Alter von 91 Jahren!! In Minute 48 des Streams hat er seinen ersten Auftritt. Wie Martin Wuttke immer wieder Bernhard Minetti imitiert ist wunderbar! Ganz besonders ist auch die Leistung von Martin Wuttke im Anschluss daran, ab Minute 59 des Streams, wie er Adolf Hitler imitiert!! Unbedingt ansehen!
Der Stream ist eine Woche lang, also bis einschließlich 04. Juni Mitternacht verfügbar.
Zitat des BERLINER ENSEMBLES:
„Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui: Die Parabel über den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg des Diktators Ui erzählt von der Dreistigkeit, Skrupellosigkeit und Brutalität eines kriecherischen Aufstrebers und ist gleichzeitig eine nüchterne Analyse derer, die durch ihren Opportunismus diesen Aufstieg ermöglichen. Bertolt Brecht erzählt mit seinem Stück vom Aufstieg des kleinen Gangsters Ui aus Chicago, der sich zum Diktator erhebt. Geschrieben 1941 spielt das Stück im Chicago der 20er Jahre, die Handlung und die Figuren empfand Brecht Al Capones Mafiagesetzen nach.
Die Wirkung der Inszenierung Heiner Müllers war von Anfang an enorm: „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen, bekam Preise, bereiste als Gastspiel die ganze Welt – u.a. nach Mailand, Moskau, Avignon, Mulhouse, Istanbul, Lissabon, Buenos Aires, Sao Paulo, Gunajuato, Chambéry, Villeurbanne, Berkeley, Los Angeles, Bombay, Calcutta, Neu Delhi und Caracas und wurde bis heute über 400 Mal gespielt.
Auch das Deutsche Theater Berlin ist jetzt dabei, bietet Inszenierungen – sogenannte „DT Klassiker“ – im Stream! Los geht es heute, Dienstag, den 7. April 2020 mit Kinder der Sonne von Maxim Gorki in der Regie von Stephan Kimmig. Ab 18.00 Uhr bis Mittwoch 12.00 Uhr.
Das Angebot läuft unter dem Label „HEIMSPIEL“.
Dann geht es weiter Donnerstags und Dienstags zunächst mit:
Donnerstag 09. April 18.00 Uhr bis 11. April 12.00 Uhr: Philotas von Gotthold Ephraim Lessing, Regie: Friedo Solter
Dienstag 14. April 18.00 bis 15. April 12.00: Marat/Sade von Peter Weiß, Regie Stefan Pucher
Donnerstag 16. April 18.00 bis 17. April 12.00: Die Weber von Gerhart Hauptmann, Regie: Michael Thalheimer
HIER der link zur Seite des Streamingangebotes des DT Berlin.
Vielleicht kann der/die ein oder andere einen Theatertipp vertragen. Das Angebot ist ja sehr groß: Wer Interesse und Freude an hervorstechenden schauspielerischen Leistungen hat, findet hier wahrlich etwas! Schauspielerisch ist die Inszenierung wunderbar, sie funktioniert meines Erachtens gerade deswegen online.
Aber auch sonst – ich mag es, nicht mit „Effekten“ überladen zu werden – ist es eine sehr schöne Inszenierung! Ansehen!
„Der kaukasische Kreidekreis“ von Bertolt Brecht, gebracht am Berliner Ensemble. Eine Inszenierung von Michael Thalheimer. Die Inszenierung hatte 2017 zur Eröffnung der Intendanz von Oliver Reese dort Premiere. Die „Geschichte“ des Stückes ist klar und „übersichtlich“, es ist einfach gut umgesetzt.
Aus dem aktuellen Programm des Berliner Ensembles. Es ist noch bis Freitag online als Streaming zu sehen. Das Berliner Ensemble stellt jede Woche für eine ganze Woche ein Stück online zur Verfügung. Mehr nicht. Diese Vorgehensweise hat mir ganz gut gefallen, weil man nicht täglich mit neuen Angeboten überschüttet wird.
Das Angebot an Inszenierungen und Performance, die man derzeit online im Stream oder Live sehen kann, ist ja sehr schnell gewachsen. Jetzt steht man schon vor der Aufgabe, dass auszuwählen, was einem wirklich gefällt. Zu viel Angebot und die Tatsache, dass man ja jederzeit an- und ausschalten kann, verdirbt ja manchmal fast die Lust und Konzentration auf einen Theaterabend. Man muss lernen, damit umzugehen! Auf was will man Wert legen? Das Liveerlebnis mit all seinen Facetten im Theater ist online reduziert, aber manchmal sehr wertvoll!
Man sollte sich – denke ich – vorher gut überlegen, mit welchem Angebot man sich auseinandersetzen will. Und dann sollte man auch konsequent bleiben, dranbleiben, nicht „switchen“! Das sind erste Erfahrungen. Es geht noch weiter: Nicht jede Inszenierung, die man live im Theater sehen konnte, „funktioniert“ auch in gleicher Weise online, also beeindruckt nicht in gleicher Weise. Es fehlt ja der „Geruch“ des Liverelebnisses. Es gibt meines Erachtens Inszenierungen, die online sehr gut funktionieren und andere, die online weniger gut funktionieren. Jeder wird seine Erfahrungen machen.
HIER der link zu „BE on demand“ mit dem Streaming.
HIER der link zur Stückeseite des BERLINER ENSEMBLES.
Das Streamingangebot deutschsprachiger Bühnen – auch Oper etc. – hat ja schnell große Ausmaße angenommen. Man sieht die Angebote gebündelt gut bei www.nachtkritik.de. HIER der link. Ein Streamingangebot möchte ich hervorheben.
Meine Empfehlung: Morgen, Samstag, 28. März 2020, ab 18:00 Uhr kann es für 24 Stunden gestreamt werden: “Caspar Western Friedrich“ von den Münchner Kammerspielen. Schon aus aktuellem Anlass.
Es war eine Arbeit des für Bühnenbilder berüchtigten Kanadiers (?) Philippe Quesne, sie hatte Uraufführung an den Münchner Kammerspielen, Januar 2016.
Ein wunderschöner Theatermoment beginnt mit Minute 50 des Streaming. Dazu auch die Musik, „Goodbye Precious Falling“ von Quickspace. Ansehen und anhören!! Ich stelle den Song unten ein.
Das Stück ist im Grunde von unglaublicher Aktualität: Es zeichnet sich zum Einen dadurch aus, dass der Mensch nicht sich selbst, sondern die Natur betrachtet. Wie Caspar David Friedrich auf seinen Gemälden und wie die Cowboys im Wilden Westen. Und wie wir alle derzeit erzwungenermaßen weltweit fassungslos das bedrohliche Coronavirus erleben, eine brutale Naturerscheinung.
Die SchauspielerInnen des Stückes sieht man auch meist von hinten. Sie stehen auf der Bühne und betrachten fassungslos die Natur. Errichten etwas – das ist der Unterschied zum aktuellen Stillstand. Auch das ist aber durchaus bezeichnend in seiner Aktualität: Wir müssen uns derzeit voneinander abwenden! Umso schöner wäre es, wenn wir in dieser Situation tatsächlich unser Verhältnis zur Natur etwas überdenken.
Das „Stück“ ist leider in München nicht sehr gut angekommen. Das Münchner Theaterpublikum folgte wohl auch der heftigen Kritik am Programm der Münchner Kammerspiele seitens der Medien (vor allem der Süddeutschen Zeitung – HIER die insoweit deutliche Besprechung von Christine Dössel, SZ im Januar 2016). Man hatte leider viel zu wenig Verständnis für den so speziellen, aber athmosphärisch wunderschönen Ansatz des Stückes, viel zu wenig Verständnis für das von Matthias Lilienthal damals (es war seine erste Spielzeit in München) zusammengestellte Programm der Kammerspiele – es war oftmals überraschend, keine Frage.
Die Aufzeichnung der hier gezeigten Aufführung muss etwas später gewesen sein, Peter Brombacher liest am Ende Worte der Enttäuschung des Ensembles über das angekündigte Ende der Intendanz von Matthias Lilienthal vor, Minute 1:30:00 des Streaming.
Auch Caspar Western Friedrich war alles andere als Sprechtheater. Es ist aber ein Stück der totalen Entschleunigung. Auch das hochaktuell!
Ich empfehle das schöne, malerische und wortkarge Stück. Ich habe es mehrfach gesehen und hoffe, dass das Streaming einiges von der Atmosphäre transportieren kann. Einfach wirken lassen, darum geht es.
HIER der link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele.