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THEATER: William Shakespeare – Richard II., eine Inszenierung von Claus Peymann

HIER der Link. Es ist eine gerade gegen das Ende hin großartige Inszenierung! Schauspielerisch ganz wunderbar!

Die Aufführung ist ZUM EINEN für jeden/jede, der/die eindrucksvolle schauspielerische Leistung erleben will, ein wahrer Genuss! Michael Maertens spielt den englischen König Richard II. schlicht großartig, es ist fast einer Soloaufführung! Aber auch die anderen SchauspielerInnen: Wunderbar, auch durch die ständigen Nahaufnahmen der Aufzeichnung. Michael Maertens ist heute übrigens („aktuell“) im Ensemble des Wiener Burgtheaters, vor wenigen Jahren spielte er den Jedermann bei den Salzburger Festspielen, die ja gerade wieder (auch „aktuell“) stattfinden.

Wenn allerdings der Regisseur einer Inszenierung auch für die schauspielerische Leistungen an sich ausschlaggebend ist oder sein kann, dann ist diese Inszenierung wohl nicht nur ein großes Werk von Michael Maertens, sondern auch ein großes Werk des kürzlich (auch „aktuell“) verstorbenen Claus Peymann!

ZUM ANDEREN: Dieses Stück von William Shakespeare, das selten auf der Bühne zu sehen ist, hat sogar eine gewisse inhaltliche Aktualität: Ich hatte im Blog einmal über das Buch „Der Tyrann“ von Stephen Greenblatt geschrieben, ein Buch über William Shakespeares „Machtkunde“, HIER der Link. Dort heißt es auf Seite 10 – und man denkt an das heutige Amerika:

“Wie kann es sein, so fragte er (Shakespeare), dass jemand sich von einem Führer angezogen fühlt, der zum Regieren offensichtlich ungeeignet ist, der keine Selbstbeherrschung hat, durch Hinterhältigkeit und Niedertracht brilliert oder sich nicht die Wahrheit schert? Unter welchen Umständen würden Zeichen von Verlogenheit, Rohheit oder Grausamkeit nicht abstoßend, sondern attraktiv, ja erregen sogar glühende Bewunderung? Warum geben sonst stolze Menschen ihre Selbstachtung auf und unterwerfen sich der Unverfrorenheit des Tyrannen, seiner Überzeugung, ungestraft sagen und tun zu können, was er will, seiner spektakulären Schamlosigkeit?

Es passt nicht eins zu eins auf Donald Trump (auch „aktuell“), aber annähernd. Und auch in „Richard II“ greift Shakespeare diese Fragen auf. Für Shakespeare drohte vor allem eine tiefe Spaltung oder Teilung Englands bei einer Machtübernahme nach Richard II. durch Bolingbroke, später Heinrich IV.. Bolingbroke wäre hier Donald Trump, der allerdings sogar gewählt wurde. Eine Folge, wie sie Shakespeare anspricht (Spaltung des Landes), zeigt sich allerdings in den USA noch nicht.

Zu William Shakespeare muss man immer wissen: Er wählte „Historiendramen“, da er nicht direkt in die aktuellen politischen Diskussionen der Zeit um 1590 eingreifen durfte. Bloß nichts Aktuelles, der todbringende Vorwurf des Hochverrates lag damals schnell nahe! Die Zeiten von Shakespeare waren in England hochriskant und hochkontrovers. Der immer schwelende Konflikt von Protestantismus (Königin Elisabeth) gegenüber Katholizismus (Königin Maria) rüttelte lange Zeit heftig an England, die heutige Teilung Irlands ist ja immer noch ein Zeichen davon. Auch gegen die protestantische Königin Elisabeth gab es zu Shakespeares Zeiten natürlich Putschversuche. Königin Elisabeth und Königin Maria (katholisch) waren ja Töchter von Heinrich VIII.

Zu Richard II. sollte man wissen: Er war König von England von 1377 bis 1399, Stichwort „Historiendrama“, wurde dann abgesetzt und ermordet. Darum geht es in Shakespeares „Richard II.“. Nach ihm kamen u.a. Heinrich IV.-VI. und Eduard IV. und V., 1483 kam Richard III. Und so weiter.

Die Inszenierung von Claus Peymann fällt ansonsten noch auf durch ihre klare Sprache, durch das klares so schlichte Bühnenbild und ganz vereinzelt durch eine seltene ganz kurze plötzlicheWendung in einen heutigen Gesprächston hinein, nur einzelne Wörter lang. Sehenswert.

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THEATER: William Shakespeare- Romeo und Julia

Da ist zum Einen die manchmal (nicht oft) erscheinende riesige Videofläche über der Bühne, auf der Livebilder – etwa von Julia in Großaufnahme – eingeblendet werden. Man ist kleinere Videoflächen gewohnt. So kommt man Romeo und Julia kurz sehr nah, ein lohnender Effekt. Es passt sehr gut zum Drama „Romeo und Julia“, sie beide möglichst nah zu sehen, der Liebe ins Auge zu sehen.

Da ist des Weiteren die so groß wirkende Bühne des Residenztheaters, die man hier bis hinter zu den Backsteinmauern sieht. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die SchauspielerInnen durchgehend – leider – besonders laut und deutlich reden – fast „schreien“ – müssen. Vielleicht ist mir das aber auch nur aufgefallen, da ich zuletzt Theaterstücke auf sehr sehr kleinen Bühnen besucht hatte. Vielleicht liegt es aber auch an der oft im Hintergrund mitspielenden Livemusik, auch wenn diese nicht sehr laut ist.

Da ist weiter etwas ganz Prägendes, siehe die Bilder des Beitrags: Zentral auf der Bühne steht eine große weiße bewegliche (drehbare) „Trennwand“, etwa vier Meter hoch, nicht ganz vom linken Bühnenrand bis nicht ganz zum rechten Bühnenrand. Sie dreht sich manchmal. Diese Trennwand dominiert die Inszenierung. Das Material der Trennwand – dicht aneinander gelegte Eisenträger (Aluminiumgestänge?) horizontal und vertikal – hat die Regisseurin (Hausregisseurin Elsa-Sophie Jach) in anderen Inszenierungen schon ähnlich eingesetzt. Die untere Hälfte dieser hohen Wand des Gestänges ist beweglich, das Gestänge – an dem auch herumgeklettert wird – kann sich durch automatische „Auffächerung“ (herausgezogen wie Schubladen) in beide Richtungen zu einer breiten Treppe entwickeln, was sie auch oft tut. Man kann so beide Seiten der Trennwand über diese Treppen hinweg betreten, oben entlanggehen. Trennung und Durchlässigkeit.

Damit ist man dann auch schon im Thema von „Romeo und Julia“: Die Trennung zweier Welten, die zwei verfeindeten Familien – die Familie Capulet und die Familie Montague. Bekanntlich die Feindschaft der Familien einerseits und die Liebe zwischen Romeo (Montague) und Julia (Capulet) andererseits. So versteht man das Bühnenbild sehr gut (Bühnenbild: Marlene Lockemann).

Das Geschehen um Romeo und Julia wird hier klassisch, nicht etwa stark modernisiert erzählt. Es wird auch umfassend erzählt, mitsamt der Kampfszenen. Die Kostümierung, sie zeigt, dass zumindest eine gewisse Zeitlosigkeit erzielt werden soll: Fast alle Kostüme weisen sich – besonders farblich – durch eine schöne Mischung von modern und klassisch (damalige Zeit) aus (Kostüme: Johanna Stenzel). Da wird auch mal eine moderner anmutende Sonnenbrille getragen (Julias Vater – Oliver Stokowski). Das ist schön gelungen, irgendwie auch von Fantasie getragen.

Inhaltlich: Anfang und Ende. Pia Händler (eigentlich die Amme) und Nicola Mastroberardino (für den Rest des Abends Pater Lorenzo) begrüßen das Publikum als Totengräber. Und Julias letzte Worte sind „tot oder nicht tot“. Es geht eben um die Liebe eingerahmt vom Tod. Liebe extrem. Wobei sich der Zusammenhang von Liebe und Tod doch wohl in heutiger Wirklichkeit Gott sei Dank extrem selten stellt. Am intensivsten erlebt man dann auch Julia (Lea Ruckpaul) und Romeo (Vincent zur Linden), man spürt permanent die Anziehung beider zueinander, sehr gut, manchmal werden sie in ihren Gesprächen von Livemusik begleitet, die fast an Wagners Tannhäuser erinnert. Horngebläse …

Es sind viele Eindrücke, wenn man sich dieses „Klassikers par excellence“ einmal doch noch recht klassisch – dezent modernisiert – annehmen will. Weit modernisierter geht es dagegen etwa zurzeit in der Inszenierung „Romeo und Julia“ am Staatstheater Nürnberg und in der Live-Schalte „Mixtape“ dazu, vom Nürnberger Plärrer, Stadtzentrum, zu. HIER der Link zur Stückeseite der Inszenierung „Romeo und Julia“ von Joanna Praml am Staatstheater Nürnberg und HIER der Link zur Stückeseite von „Mixtape“ von Boris Nikitin ebenfalls am Staatstheater Nürnberg.

Hier noch zwei Fotos der Inszenierung am Residenztheater, der Inszenierung von Elsa-Sophie Jach.

Und hier der Trailer zur Münchner Inszenierung.

HIER der Link zur Stückeseite von „Romeo und Julia“ auf der Website des Residenztheaters.

Copyright der Fotos: Birgit Hupfeld

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THEATER: William Shakespeare – Ein Sommernachtstraum

Es ist eine von Stefan Kimmig in die Gegenwart verlegte Inszenierung des Klassikers. Es geht ja um die vielen Wirren der Liebe, ein zeitloses Thema. Der Regisseur Stephan Kimmig wurde – vor allem mit Inszenierungen anderer Klassiker der Theaterwelt – schon mehrfach zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Auch am Residenztheater hat er mehrfach inszeniert, zuletzt die Stücke „Spiel des Lebens“ und „Die Träume der Abwesenden“ (HIER meine Besprechung). Die nächste Aufführung von „Ein Sommernachtstraum“ ist nun am Freitag, dem 18. Oktober. HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Residenztheaters.

Was hat sich William Shakespeare bei diesem Stück gedacht? Vielleicht hat er sich gedacht: Die Liebe! Ich schreibe ein Stück darüber, wie die letztlich immer unkontrollierbare Liebe alle verwirrt, wie sie uns alle immer wieder verrückt macht. Ich schildere dazu, dachte er sich dann vielleicht, zunächst die reale Welt mit einer bevorstehenden Hochzeit (Theseus und Hippolyta). Und in der realen Welt gibt es dazu noch die von einem Vater für die Tochter vorgesehene Hochzeit (seine Tochter Hermia soll Demetrius heiraten) und demgegenüber aber die Liebe der Tochter zu einem anderen (Hermia liebt Lysander), dazu auch noch die unerwiderte Liebe von Helena (Freundin von Hermia) zu Demetrius. ACHTUNG: Bei Kimmig ist Demetrius eine Demetria und HELena ein HELmut). Dann gibt es natürlich noch Eifersucht. Soweit das wahre Leben eben. Und dann mag er sich gedacht haben: Ich zeige auf dieser Basis, dass durch unserer Gefühlswelt (durch Liebeswahn) eigentlich ein noch größeres Chaos entsteht, ich zeige es aber in einem Wald mit Elfen, in den alle Beteiligten gehen (weil Hermia mit Lysander dorthin fliehen) und in dem sie alle in Träume fallen. Ich zeige, wie die Liebe alle eigentlich noch mehr verwirrt, ins Chaos stürzt, wenn sie nach einem Schlaf aufwachen und sich – veranlasst durch den Elfen „Puck“ und seine Zaubertropfen (Drogen?) – neue wilde Lieben einbilden. Und zu guter Letzt – nachdem fast alles wieder eingerenkt ist – wird es wieder lustig, in der realen Welt, wenn eine Laientruppe von Schauspielern auf der Hochzeit das berühmte antike Stück „Pyramus und Thisbe“ aufführt, in dem ja auch gezeigt wird, wie die Liebe – sogar tödlich – verwirrt.

Das ist fast schon eine Inhaltsangabe von „Ein Sommernachtstraum“, grob jedenfalls, es kommt natürlich noch Einiges hinzu. Etwa der Streit der im Wald herrschenden Elfen Oberon und Titania. Stefan Kimmig versucht nun, dieses Stück in die Moderne zu transferieren. Es geht auch sehr modern los: Die Hochzeit von Theseus und Hippolyta ist … die Fusion zweier Autohäuser! Der Wald ist verlegt in … so etwas wie eine leerstehende Immobilie vielleicht eines Kaufhauses, alles zusammen ist auf einer Drehbühne immer wieder wechselnd zu sehen, Realität und Wahnsinn. Auch die junge Besetzung der Rollen weist auf die coole Szene der Inszenierung hin.

Das ist der Rahmen. So ganz klar erkennbar modern bleibt es allerdings nicht. Das Bühnenbild hilft nicht wirklich dabei, klar in die Moderne zu blicken. Das Bühnenbild wirkt im Laufe der Zeit mehr und mehr abstrakt, das Gewirr von hohen Wänden einer brachliegenden Immobilie bleibt eine eher zeitlose Welt. Schade fast. Da helfen auch die coole Kleidung der Beteiligten und die modern und jung gehaltene Sprache wenig („Powernap“ statt Schlaf etwa).

Großartig ist dabei wieder einmal die laienhafte Darstellung des „Schauspiels im Schauspiel“ am Ende des dreistündigen Abends, die lustige Darstellung der Laientruppe. Großartig dabei und auch davor schon vor allem Florian von Manteuffel in all seinen irren Darstellungsformen, etwas besonders schien mir durchaus auch – wenn auch in kleinerer Rolle – Patrick Isermeyer, ein neues junges Ensemblemitglied, aber alle zusammen spielen es wunderbar und sicher mit viel Spaß!

Die alte Frage zu diesem Stück bleibt: Ist es Tragödie oder Komödie? In diesem Fall war es deutlich wieder eher eine Komödie. Schade, dass – mein Eindruck – nicht durchgehend klar die moderne Welt zu erkennen war, gedacht war es so. Interessant ist dazu etwa im Programmheft der kleine Artikel „Im Taumel der Nacht“ über das moderne nächtliche Geschehen in Clubs: Der Autor spricht von dortigem (gewollten);Kontrollverlust, Überladung von Sinnesreizungen, dadurch aber auch einer gewissen Selbstpositionierung etc. …. Aber auch das Wort „Drogen“ kommt öfters im Programmheft vor.

Im Stück heißt es an einer Stelle:

Es blüht die Phantasie, und sie erkennen mehr als der kühlere Verstand begreift. Die Irren und Verliebten bestehen ganz und gar aus Einbildung. Die sehen mehr Teufel und Engel als die Hölle und der Himmel fasst; Es ist verrückt…wie die Phantasie dem Form verleiht“.

Das fasst es ganz gut zusammen. Man verlässt das Theater eben mit dem verwirrenden und zeitlos geltenden Unwohlsein, was Liebeswahn alles anrichten kann. Den Kampf der Liebe führen wir ja immer!

Copyright des Beitragsbildes: Sandra Then


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THEATER: Forced Entertainment- Complete Works, Table Top Shakespeare

2017 waren sie mit dem ebenfalls höchst skurrilen, aber auch hintergründigen „Stück“ Real Magic zum Theatertreffen Berlin eingeladen gewesen. Mit „Real Magic“ sind sie damals auch an den Münchner Kammerspielen aufgetreten. Wer sich an diesen Abend erinnert, weiß: Gesagt wurden eigentlich nur etwa drei Sätze, immer wieder … in einer Endlosschleife, die sich ständig leicht veränderte …

Zum 40. Geburtstag der Theatergruppe „Forced Entertainment“ haben sie nun alle 36 Shakespeare-Stücke auf einem Küchentisch nachgestellt. Man kann alle Stücke ansehen, in einer Studio-Version und in einer Live-Version. Es heißt: „Complete Works – Table Top Shakespeare“.

HIER ist der Link zu der Reihe der Shakespeare-Stücke.

Man kennt ja die Inhalte der bekanntesten Shakespeare-Stücke. Dennoch: Die Darstellungen auf dem Küchentisch machen Spaß. Sie erklären alles mit eigenen Worten, fast so, als würden sie einen Autounfall schildern. Die heroische Dramatik wird aufgelöst. Das tut den Schilderungen gut. Dennoch ist es nicht simpel, obwohl die Gegenstände so simpel sind und obwohl die Situation an einem schlichten Holztisch so simpel ist. Ja, der Widerspruch zwischen dem, was man sieht, und dem, was erzählt wird, ist herrlich. Man meint fast, man kommt so Shakespeare ein bisschen näher. Wohl auch durch die eigenen Worte, in denen die „Plots“ erzählt werden. Und: es gelingt, den Alltagsgegenständen durch die Art und Weise, wie sie eingesetzt werden, jeweils das Leben einzuhauchen, das sie repräsentieren. Man spürt mehr und mehr die Figur, die jeweils in diesen ansich nichtssagenden Haushaltsgegenständen steckt. Auch ein wichtiger Teil der Darbietungen, wie man auch dem einführenden Video zu dieser Reihe entnehmen kann. Ich muss mich aber auch noch etwas hineinarbeiten.

Man muss natürlich dem Englischen gut zu hören! Aber man kann ja auch einmal ein wenig „zurückspulen“. Die englische Zeitung The Guardian hatte übrigens geschrieben, man solle mit „Hamlet“ anfangen, hatte ich gelesen. Ja, die Erzählung des Hamlet ist es wert! Fast melancholisch und mit Liebe für die Gegenstände, die sie einsetzt, erzählt Terry O’Connor den „Hamlet“.

Also: William Shakespeare volle Kanne, aber völlig undramatisch aus der Küche erzählt. Sie erklären in Interviews, was sie darin sehen.

HIER der Link zur Website von Forced Entertainment.

Es heißt übrigens auf der Startseite von „Complete Works“: „Please consider making a small donation to Forced Entertainment in support of this work.“

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THEATER: „Starke Stücke“ online – Ein Sommernachtstraum

Einfach großartig! Es ist ein wahres Theaterfest! Schauspielerisch grandiose Leistungen durchgehend von Anfang bis zum Ende der zweieinhalbstündigen Inszenierung – von allen Schauspielern und Schauspielerinnen. Geschaffen von Antú Romero Nunes.

Die Inszenierung von Antú Romero Nunes von William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ ist momentan als eines der drei „Starken Stücke“ des diesjährigen Berliner Theatertreffens in der 3 sat Mediathek zu sehen. Ich empfehle es dringend!

Ich habe es mir zweimal angesehen, so schön (überspitzt und humorvoll) ist es inszeniert! HIER der Link zum Streaming von „Ein Sommernachtstraum“. Es ist eine Inszenierung des Theater Basel, die dort auch in der kommenden Spielzeit zu sehen sein wird. HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Theater Basel.

Antú Romero Nunes geht ja gerne (nicht übertrieben, aber dennoch) humorvoll an die alten Klassiker heran. So auch hier. Natürlich könnte man sagen: „Ach Gott, schon wieder Ein Sommernachtstraum!“ Man könnte auch sagen: „Oh Gott, die Geschichte von Ein Sommernachtstraum ist so kompliziert!“ Aber nein: Nunes – seit 2020 Regisseur am Theater Basel – schafft es, dass sich diese Äußerungen nicht stellen. Er zieht die Komödie von William Shakespeare dabei nicht etwa durchgängig in die moderne Zeit! Nur kurz blitzt immer wieder der Zusammenhang zum „Heute“ auf. Das wiederum aber bleibt immer herrlich verwoben mit der alten Geschichte vom „Sommernachtstraum“. Sogar der Klimawandel und Corona finden passend kurz (und traurig) in ein paar Worten ihren Platz.

Ganz grob zur Geschichte von „Ein Sommernachtstraum“ (man sollte sie kennen, am besten kurz durchlesen HIER auf Wikipedia):

Hochzeitsvorbereitung des Herrscherpaares Theseus und Hypolita am Hof von Athen, Handwerker bereiten für die Hochzeit ein Theaterstück vor (die Geschichte von Pyramus und Thisbe), ein Adliger (Egeus) möchte dann seine Tochter Hermia mit Demetrius verheiraten, Hermia liebt aber den Edelmann Lysander. Helena dagegen, die beste Freundin von Hermia, liebt Demetrius! Soweit so gut, wie im richtigen Leben!

Theseus soll oder will über den Streit bestimmen. Dann aber kommt die Welt der Elfen hinzu: Elfenkönig Oberon und die Fee Titania sind im Streit. Oberon beauftragt seinen Hoffreund Puck damit, Zaubertropfen zu holen, von dem Oberon weiß, die Tropfen einer Blume. Wenn sie in die Augen geträufelt werden, entsteht Liebesraserei. Das möchte er Titania antun. Und er möchte Demetrius und Helena damit zusammenbringen. So nimmt die Geschichte ihren Lauf. Denn mit diesen Zaubertropfen greift der Elfenkönig Oberon – teils gewollt, teils ungewollt – in das (oben geschilderte) Geschehen der realen Welt ein. Und so weiter. Der Traum.

Der Part, in dem die Handwerker für die Hochzeit von Theseus und Hypolita das Stück Pyramus und Thisbe üben, steht eigentlich recht kurz mitten drin im Text von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Antú Romero Nunes nimmt diesen Part heraus und rahmt damit ganz wunderbar und humorvoll diesen Abend ein. Das Theaterstück von der tödlichen Liebe von Pyramus und Thisbe wird erst vorbereitet und geübt (am Anfang 20 min.) und dann gespielt (am Ende 20 min.). Beides sehenswert! Die Laientruppe sind hier ein Lehrerkollegium vom Schultheater – eines der wenigen Mittel, mit denen Antú Romero Nunes das Stück in die heutige Zeit holt. Dazwischen der Traum, die Elfen im Wald, die Zaubertropfen, Liebesraserei, Verwechselungen, zu viele Tropfen.

Wie gesagt: Vor allem schauspielerisch einfach wunderbar!

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Theater Basel.

Das Jewish Chamber Orchestra bringt übrigens am 22. Juni im Cuvillestheater eine Version des „Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn. HIER der Link: Es ist „Schauspielmusik Ein Sommernachtstraum op. 61 (1842)“.

Copyright des Beitragsbildes: Ingo Höhn

THEATER: DT – Stream des Monats

Mein Tipp: Ich hatte es schon einmal gesehen und empfehle es! Übermorgen, am Freitag, den 15. Oktober um 20.00 Uhr, ist es erneut zu sehen. Es lohnt sich! Ursprünglich war es entwickelt für die Bühne, dann wurde es von Sebastian Hartmann wegen Corona umgearbeitet für das Streaming. Es wurde eine meines Erachtens sehenswerte und bestens gelungene Kombination aus Theater und Film. „LEAR“ heißt das Stück, eine Kombination von „King Lear“ nach William Shakespeare und „Die Politiker“ von Wolfram Lotz.

HIER ist der Link zum Streaming.

Copyright des Beitragsbildes: Video Still, DT Berlin

THEATER: Forced Entertainment – Complete Works: Table Top Shakespeare

Ich mag schon lange die britische Performergruppe Forced Entertainment. Aus Sheffield. Es gibt sie – unter der Leitung von Tim Etchells – schon seit mehr als 35 Jahren! Sie touren mit ihren skurrilen „Projekten“ seit vielen Jahren um die ganze Welt. Beim Berliner Theatertreffen waren sie vor wenigen Jahren mit REAL MAGIC eingeladen, waren vor wenigen Jahren einmal an den Münchner Kammerspielen zu sehen und „schenkten“ zuletzt dem Initiator des SPIELART Festivals in München zu dessen Jubiläum drei ihrer berüchtigten „durational performances“, die teilweise 24 Stunden lang dauern.

Jetzt wagen sie sich – eigentlich völlig untypisch – erstmals an Theaterklassiker heran. Noch dazu an William Shakespeare. Und noch dazu an sämtliche seiner Werke! Ab morgen, dem 17.09.2020, bringen sie online wochenlang – jeweils an vier Tagen pro Woche – sämtliche Werke von William Shakespeare in eigenwilligen Fassungen. So geht es durch bis zum 15. 11. 2020, beginnend jeweils um 20.00 Uhr! Es sind 36 Abende, hinzu kommt jede Woche ein Abend für „discussion“. Macbeth ist das erste Stück.

Mithilfe von Küchengegenständen erklären sie die Inhalte aller Stücke von William Shakespeare. An einem blanken Holztisch sitzend spielt und erklärt jeweils ein Mitglied der Gruppe eines der Stücke. Mit eigenen Worten natürlich.

Es werden für Forced Entertainment untypische Abende sein, denke ich. Ich kenne sie eher so, dass sie zum Denken anregen, etwas betroffen machen. Trotzdem: Esmag sich lohnen – man sollte gut Englisch können -, sich das ein oder andere Werk von William Shakespeare auf diese Weise zeigen zu lassen. Ich bin gespannt.

HIER der Link zur Projektseite, auf der die Termine der Reihe „William Shakespeare: Complete Works“ zu finden sind.

Und HIER der Link zum ersten Abend des Projektes.

THEATER: William Shakespeare – König Lear

Es läuft seit Kurzem an den Münchner Kammerspielen, man liest begeisterte Kommentare. Ist auch oft ausverkauft. Meins war es nicht! Der alte „König Lear“ von William Shakespeare, Textbearbeitung von Thomas Melle, Inszenierung von Stefan Pucher.

Premiere am 28.09.2019, ich werde es noch ein zweites Mal ansehen. Eine zweite Chance. Für mich war es bisher – kurz gesagt – eher eine modernisierte „König Lear Klamaukfassung“. Es mögen ernsthafte Überlegungen hinter der Textfassung von Thomas Melle stehen: Femininismus etwa. Für mich wurden sie zu wenig pointiert (das Programmheft erwähnt Einiges). Es geht aber nicht darum, alles ernst zu sehen, auf keinen Fall. Ich mag es einfach schlichter. Aber so sind unsere Zeiten: Alles schnell schnell, alles bunt dargestellt, viel Brimborium, bloß nicht schlicht.

Allerdings: Es liegt auch an der inhaltlich im Grunde schon fürchterlich aufgeladenen Story von William Shakespeares König Lear. Auch Thomas Melles inhaltliche Veränderungen helfen da wenig. Entschlackt hat er es inhaltlich kaum. Aber für mich ist es eben eher Klamauk, etwa die Shakespearefigur „Tom of Bedlar“, der Bettler, als der sich der verfolgte Edgar ausgibt. Bei Stefan Pucher schwebt er als „Major Tom“ aus dem Bühnenhimmel herab, mit E-Gitarre. Naja.

Für mich ist es generell fraglich, warum man sich König Lear überhaupt noch ansieht – die „Tragödie“ von William Shakespeare über den alten König Lear, der sich zurückziehen will. Es geht ja zurück auf eine uralte englische Sage über „King Leir“, einen britischen König aus der vorrömischen (!) Zeit.

Zum Inhalt der Tragödie: Es sind zwei Handlungsstränge.

Erster Handlungsstrang: König Lear will sich zurückziehen, das Land auf seine drei Töchter aufteilen. Die beiden älteren Töchter erfüllen den Wunsch des Königs nach Liebesbezeugung. Die Jüngste, Cordelia, verweigert sich – ich sage mal – herumzuschleimen. Sie bekommt nichts, die anderen beiden bekommen alles. Cordelia wird nach Frankreich verheiratet.

Dann gibt es den zweiten Handlungsstrang: Graf Gloucester – bei Thomas Melle Gräfin Gloucester, gespielt von Wiebke Puls. Sie hat den ehelichen Sohn Edgar und den unehelichen Sohn Edmund (ich merke es mir so, dass das „un“ im Namen Edmund für „un“ehelich steht). Edmund – bei Pucher gespielt von Thomas Hauser – will Edgar – bei Pucher gespielt von Christian Löber – ausbooten: Er verfasst einen Brief, angeblich von Edgar, wonach dieser seinen Vater – bei Pucher eben seine Mutter – entmündigen will, und Edmund veranlasst Edgar sogar, zu fliehen. Klare Sache, der ist doch schuldig.

Dann geht es aber erst los mit den Verstrickungen in der Shakespearefassung. Die Handlungsstränge verschlingen sich, Gloucester etwa verteidigt King Lear gegenüber den beiden älteren Töchtern. Und genau da frage ich mich: Warum schaue ich mir das an? Klar, das Thema des immer verworrener werdenden Vaters – bei Pucher gespielt von Thomas Schmauser – oder: Das Thema des Vaters, der nicht loslassen kann und über den sich die Nachkommen nur noch aufregen. Aber sonst? Feminismus wird, wie gesagt, zum Thema, lese ich im Programmheft, ich habe es kaum bemerkt.

Schauspielerisch:

Mal wieder eine „Ensemblearbeit“, wie es ja lange Zeit in München die große Schar der gediegeneren Münchner Theaterfreunde gefordert hatte, lange Zeit unterstützt vor allem von der Süddeutschen Zeitung. Schön fand ich daran Eines: Das Duo Samouil Stoyanov und Thomas Schmauser zusammen auf der Bühne. Beide zusammen strahlen einen herrlich verrückten Wahnsinn aus, siehe das Bild oben, gerade durch ihr gemeinsames Auftreten.

Samouil Stoyanov ist ein Kammerspiele-Hase. Von ihm kennt man es: Er kann – unter anderem – wunderbar Rollen spielen, die irgendwann im Verlaufe eines Stückes ausrasten. Dann wird er laut und deutlich! Etwa im Kirschgarten. Und Thomas Schmauser: Er ist ja wieder zurück an den Kammerspielen, war zwei Jahre lang am Residenztheater. Er ist zwar nicht im Alter eines alten König Lear, aber dennoch: Er spielt auch bei König Lear wieder einmal überzeugend! Da ist allerdings die Rolle schon sehr auf zunehmenden Wahnsinn angelegt. Beide zusammen jedenfalls, herrlich, das wäre es einmal: Ein Abend die beiden alleine in Becketts „Endspiel“!

Die Inszenierung:

Wie gesagt, sie war nicht Meins. Eine Drehbühne, ein zweistöckiges barackenähnliches Gebilde darauf, ein Neonschriftzug auf der Baracke („The End“), Videoeinspielungen aus dem Hintergrund. Genau das könnte man bei fast allen Inszenierungen von Frank Castorf sagen. Also nicht gerade irgendwie überraschend. Im Hintergrund etwas von Himmel oder Weltall. Allerdings: Ich mag im Grunde ja Videoeinspielungen ganz gerne, man erlebt die SchauspielerInnen dann so hautnah und intensiv.

Ich werde es noch einmal sehen, mal sehen, was mir noch auffällt.

Copyright Beitragsbild: Arno Declair

THEATER: Erste Premieren 2019/2020

Die Spielzeit 2019/2020 beginnt jetzt auch in Bayern. Bei den Münchner Kammerspielen sind es drei Premieren, die die Spielzeit einleiten. (Das Residenztheater München legt etwas später los. Auch dazu werde ich gerne Einiges schreiben.)

In den Münchner Kammerspielen ging/geht es wie folgt los:

Die Kränkungen der Menschheit, Inszenierung von Anta Helena Recke

König Lear Von William Shakespeare, übersetzt und bearbeitet von Thomas Melle, Inszenierung von Stefan Pucher

These Teens Will Safe The Future, Inszenierung von Verena Regensburger.

Ich habe die ersten beiden Premieren mitverfolgt und werde am Montag das dritte Stück sehen, die Performance „These Teens …. Danach werde ich mit etwas mehr Zeit dazu schreiben.

Ein kurzes Fazit zu den ersten beiden oben genannten Stücken:

„Die Kränkungen der Menschheit“ hat mir besser gefallen. Reduzierter und um einen Kern kreisend. „König Lear“ war mir um zu viele Effekte angereichert.

Später mehr.

THEATER: William Shakespeare – Richard III.

Ich hatte mich das ja schon einmal gefragt: Warum tut man sich das an, William Shakespeare! Warum schaut man sich diese verschiedenen unangenehmen Tyrannentypen immer wieder an? Diese „historischen“ Tragödien von Shakespeare sind doch weit weg von der heutigen Welt. Solche Typen gibt es doch wirklich nicht mehr!

Ich würde sogar noch weitergehen: Warum gelten sie eigentlich als so hehres europäisches Kulturgut? Ist das Teil unserer Geschichte? Shakespeare greift ja eigentlich immer wieder auf die Geschichte Großbritanniens zurück, nicht Europas – die Geschichte Schottlands, Englands, Wales, Irlands. Und gerade die Briten fühlen sich ja nicht unbedingt als Europäer. Stichwort Brexit. Ich will auf keinen Fall etwa „deutsches Theater“ – überhaupt nicht – ich bin für absolute Öffnung. Aber Shakespeare gilt bei alledem irgendwie als ein unumstößlicher Monolith im Theaterwesen. Deswegen frage ich mich: Warum?

Ich weiß, mit einer solchen Bemerkungen wische ich mal schnell weltweite Literaturgeschichte beiseite. Shakespeare gilt immerhin als der bedeutendste Autor der Weltliteratur. Was Deutschland angeht, liest man ja sogar bei Wikipedia:

Zu den Besonderheiten der deutschen Shakespeare-Rezeption seit der Romantik gehört die Auffassung, die Deutschen hätten eine besondere Affinität zu Shakespeare, sein Werk stehe der deutschen Seele näher als der englischen. Die Beschäftigung mit Shakespeare und die bis ins Politische reichende Popularisierung seines Werkes fand in der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft, die im Jahr 1864 eher von Enthusiasten als von Fachphilologen gegründet wurde, ihre institutionelle Verankerung. Sie ist die älteste Shakespeare-Gesellschaft der Welt und bedeutend älter als die englische.

So mag es sein. Eine ganze Reihe von Shakespeare Tragödien geht aber zurück auf die sogenannten damaligen „Rosenkriege“ in Großbritannien. Kriege zwischen den beiden britischen Herrscherlinien der Zeit des 15. Jahrhunderts, zwischen dem Hause Lancaster und dem Hause York. Shakespeare selbst lebte ja Ende 16. und Anfang 17. Jahrhundert. Er versteckte sich in gewisser Weise vor Angriffen, indem er sich insoweit als „Historiendramatiker“ ausgab. Er konnte und wollte ja nicht direkt das aktuell herrschende Königshaus kritisieren. Da gibt es von William Shakespeare also eine York-Tetralogie und eine Lancaster-Tetralogie. Teil der York-Tetralogie ist die Tragödie „Richard III.“

„Richard III.“ habe ich mir nun am Münchner Residenztheater angesehen. Eine völlig andere Inszenierung von Richard III. kann man übrigens derzeit am Schauspiel Frankfurt sehen. Sie muss sehr interessant sein und erhält geradezu großartige Kritiken. Ich vermute, die Frankfurter Inszenierung (von Jan Bosse) wird zum Theatertreffen 2019 ausgewählt werden. Das stellt sich in wenigen Tagen (am 30. Januar) heraus.

HIER die Seite zur aktuellen Inszenierung von Richard III. am Münchner Residenztheater. Und HIER die Seite des Schauspiels Frankfurt zur aktuellen Inszenierung von Richard III.

Zur Inszenierung am Münchner Residenztheater: Es ist eine Inszenierung von Michael Thalheimer. Michael Thalheimer scheint derzeit auch auf einem Shakespeare-Trip zu sein. In Berlin hatte ich ja kürzlich Shakespeares „Macbeth“ angesehen und auch dort ist es eine Inszenierung von Michael Thalheimer. HIER der Link zu meinem damaligen Beitrag.

Am Münchner Residenztheater sieht man das Stück Richard III. relativ „originalgetreu“. So war es ja auch am Berliner Ensemble, obwohl die dortige Fassung ja VON Heiner Müller und „nur“ NACH William Shakespeare war. Das merkt man dort allerdings nicht besonders deutlich. Recht puristisch, aber originalgetreu. Das ist die Linie von Michael Thalheimer.

Eine solche weitgehend originalgetreue Inszenierung hilft natürlich, wenn man etwa die komplizierte Story von Richard III. verfolgen will. Hier die Zusammenfassung der Story aus dem Programmheft:

Auch hier am Residenztheater war das Bühnenbild – wie in Berlin – äußerst reduziert. Schwarze Holzpaneelen bis hoch unter die Decke rahmen die dunkle Bühne. Wenig Licht. Der Bühnenboden ist bedeckt von massenweise schwarzen Kieselsteinen (Styropor), durch die die Schauspieler waten (siehe Beitragsbild oben). Den ganzen Abend hindurch wummert ganz leise bedrohliche „Musik“ – eigentlich mehr „Töne“ als „Musik“ – im Hintergrund.

Norman Hacker spielt den verkrüppelten Richard III. Und er wird wirklich hässlich gespielt. Fies, machtgeil, mörderisch, arrogant, skrupellos, egomanisch, wahnsinnig. Man verlässt das Theater und hat einem Wahnsinnigen zugesehen! Alle Mitwirkenden spielen in dieser Thalheimer-Inszenierung um den noch dazu hässlichen Richard III. herum. Am besten haben mir die kleineren Rollen gefallen. Die Rolle von Thomas Schmauser: Herzog von Buckingham. Und die von Marcel Heupermann, Catesby, beide waren Richards Helfer.

Stephen Greenblatts Buch „Der Tyrann“ geht übrigens ganz besonders auf Richard III. ein. Sehr interessant. So kann man Richard III. besser verstehen. Greenblatt zeigt zum Beispiel an einzelnen Textstellen in Shakespeares Tragödie „Richard III.“, dass es die in Richards Leben komplett fehlende Liebe – Mutterliebe, Selbstliebe, erotische Liebe – war, die ihn dazu trieb, an die Macht zu stürzen. Genau hier kann man etwas aus der Tragödie „Richard III.“ ziehen, finde ich: Vielleicht bestehen bei Menschen, die nach Macht streben, manchmal – oder sogar oft – verdeckt sehr persönliche Defizite oder Gründe, so zu handeln, wie sie handeln.

Mit einem angenehmen Gefühl kann man Richard III. und das Geschehen um ihn herum jedenfalls kaum betrachten. Die wummernde leise Musik im Hintergrund tut ihr übriges. Man kann sich also durchaus fragen: Warum das? Man sieht die Geschichte des unangenehmen „Prinzen“ Richard, der sich zur Königsfigur hindurchmordet und schließlich doch scheitert. Und dann?

Nun, Steven Greenblatt schreibt in seinem Buch “Der Tyrann“, dass wir Zuschauer immer schon Richard irgendwie verteidigt haben: „Etwas in uns genießt jede Minute seines schrecklichen Aufstiegs zu Macht.“ „Wieder und wieder… sind wir bezaubert.“ Wenn das ein Aspekt ist, kam er in der Inszenierung von Michael Thalheimer sicherlich etwas kurz. Schade. So ein Bezug zu uns Zuschauern heute fehlte mir ein wenig.

HIER der Bühnenaufbau im Zeitraffer.

©️ des Beitragsbildes: Matthias Horn

Redaktion des Programmheftes: Sebastian Huber

 

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THEATER: Macbeth-Trilogie, Teil IV

Vorweg etwas: Es kommt mir schon ganz komisch vor, dass ich derzeit so viele Posts bringen. Es liegt einfach daran, dass ich – anstatt abends den Fernsehknopf zu drücken – 200 m weiter zu den Kammerspielen, 500 m zum Residenztheater oder mit dem Fahrrad ein Stückchen fahre, um mir ein Theaterstück anzusehen. Oder etwas lese oder so. Ein Blog treibt einen ja auch dazu, die Dinge weiterzuverfolgen. Und wenn ich schreibe, schreibe ich recht schnell. Also keine Angst.

Anfang Dezember hatte ich an den Münchner Kammerspielen schon einmal „Macbeth“ angesehen. HIER mein damaliger kurzer Bericht. Ich hatte damals angekündigt, noch einmal darauf zurückzukommen im Rahmen meiner großen Shakespeare-Tour. Ich habe jetzt in letzter Zeit also gesehen: „Macbeth“ von Heiner Müller am Berliner Ensemble, „Macbeth“ von William Shakespeare am Münchner Residenztheater, jetzt noch einmal „Macbeth“ von Amir Reza Koohestani an den Münchner Kammerspielen und kürzlich „Richard III.“ von William Shakespeare auch am Münchner Residenztheater (auch darüber schreibe ich bei Gelegenheit noch). Zusätzlich hatte ich das Buch „Der Tyrann“ vom großen Shakespeare-Kenner Stephen Greenblatt gelesen, in dem es um die Tyrannengestalten in Shakespeare‘s Dramen geht.

Nun also abschließend zu „Macbeth“ NACH William Shakespeare VON Amir Reza Koohestani an den Münchner Kammerspielen:

Amir Reza Koohestani ist Iraner. Man stelle sich nur vor, ein deutscher Regisseur würde sich einen persischen Klassiker vornehmen und dem persischen Publikum präsentieren. Genau so ist es doch wohl, wenn sich Amir Reza Koohestani dieses europäischen Klassikers von William Shakespeare annimmt. Zwei Welten prallen aufeinander. Diesen Abend nur „Macbeth“ zu nennen, täuscht dann natürlich. Es greift an sich zu kurz. Treffender wäre es – von der ganzen Inszenierung her – sicher gewesen, diesen Abend etwa „Macbeth iranisch/deutsch“ zu nennen. Das ist es ja, was man an diesem Abend sieht: Die Konfrontation des europäischen „Klassikers“ mit dem Versuch, ihn aus persischen Augen zu verstehen. Das ist das Thema des Abends.

Amir Reza Koohestani zieht „Macbeth“ deshalb an diesem Abend zunächst einmal auf eine Metaebene: Er zeigt, wie ein Regisseur, gespielt von Christian Löber (siehe das Foto oben), die Aufführung von Macbeth in letzten Zügen mit einigen Schauspielern vorbereitet. Die von ihm vorgesehene Schauspielerin für Macbeth‘s Ehefrau, Lady Macbeth, fällt kurz von der Premiere aus. Der Regisseur, der auch den Macbeth spielen würde, setzt kurzfristig seine persische Frau für diese Rolle ein, die von der persischen Schauspielerin, Journalistin, Regisseurin, Schriftstellerin Mahin Sadri gespielt wird. Und so beginnen die Probleme. Sie tastet sich natürlich an Shakespeare so heran, dass sie den Text erst einmal auf Farsi liest und spricht. Wie soll sie ihn sonst verstehen. Christian Löber als Regisseur hat schon damit seine Probleme. Aber auch später, wenn Mahin Sadri den Text spricht, hat er damit Probleme. Sie betone falsch.

Aber es kommen noch weitere Ebenen hinzu. Es ist eine kluge, und insgesamt nicht leicht zu verstehende Inszenierung. Man muss Shakespeare‘s Macbeth gut kennen, nur Stück für Stück wird die Geschichte in bestimmten Einzelheiten weiter erzählt. Im Grunde kommt hinzu, dass auch der Regisseur und Protagonist seines eigenen Stückes „Macbeth“, wie gesagt gespielt von Christian Löber, immer mehr Unverständnis für Shakespeare’s „Macbeth“ zeigt. Er wird völlig verwirrt. Andererseits geht er in seinem Projekt „Macbeth“ auf und hat ständig einzelne Szenen vor Augen. Er schaut in den Spiegel und sieht Macbeth!

Und es kommt hinzu, dass sich auch für ihn die Ebenen – das Private und seine künstlerische Tätigkeit – immer mehr verweben. So wird er einmal von seiner Frau gefragt: „Bist du ein Mann?“ Die Frau meint es als Textstelle von Shakespeare, gesprochen von Lady Macbeth. Der Mann fasst es als private Äußerung auf und reagiert etwas angesäuert zurück. Oder er redet anfangs mit einem Schauspielerkollegen – Stefan Merki – auf dem Pissoir über das Verhältnis von Macbeth zu seinem Freund Banquo, den er schließlich umbringen wird. „Was würdest Du denn machen, Dein bester Freund!“ fragt der Kollege und bedrängt Christian Löber geradezu. Oder er wird einmal fast neben der Bühne, glaube ich verstanden zu haben, ans Telefon gerufen mit dem Hinweis, Macbeth sei am Apparat. Und alles ist ja immer der Versuch des Iraners Amir Reza Koohestani, Shakespeare’s „Macbeth“ zu verstehen.

Die Inszenierung ist klug, teilweise humorvoll, teilweise ernst. Übrigens schön begleitet von dem starken, lauten Gesang einiger Shakespeareworte durch die polnische Musikerin Polly Lapkovskaja. Es zeigen sich insgesamt die immensen Schwierigkeiten, die sich ergeben, wenn ein iranischer Regisseur einen europäischen Klassiker auf die Bühne bringen will. Wie gesagt: Wie wäre es umgekehrt? Man könnte nur Fettnäpfchen erwischen! Aber es lohnt sich doch, sich mit fremden Klassikern – aus iranischer Sicht – auseinanderzusetzen. Auch wenn man an diesem Abend das Theater verlässt und sich sagen kann: Shakespeare verwirrt alle! Und alle scheitern irgendwie an Shakespeare‘s Macbeth.

Was ich übrigens dementsprechend davon halte, Shakespeare immer weiter als europäischen „Klassiker“ zu verstehen, werde ich noch etwas deutlicher, glaube ich, schreiben, wenn ich über „Richard III.“ schreibe.

©️ des Beitragsbildes: Thomas Aurin, Münchner Kammerspiele

THEATER, LITERATUR: Stephen Greenblatt – Der Tyrann (Shakespeares Machtkunde)

Etwas für den Theaterfreund, der William Shakespeare‘s Stücke mag:

Für mich war es aktuell Übermaß! Im Übermaß habe ich Inszenierungen von Dramen von William Shakespeare gesehen. Die Darbietung des klassischen Theaterstoffs ist ja nicht die Art von Theater, die ich bevorzuge. Trotzdem: Ich wollte sehen, wie man in verschiedenen Inszenierungen mit einem solchen Klassiker umgeht! Dreimal „Macbeth“. Natürlich habe ich auch schon beispielsweise „Hamlet“ oder „Otello“ gesehen. Beides übrigens an den Kammerspielen. Das ist allerdings schon lange (Otello) bzw. etwas länger (Hamlet) her.

Es geht aber noch weiter: Im Januar werde ich am Münchner Residenztheater auch noch William Shakespeare’s „Richard II.“ sehen.

Und dann: Dann habe ich auch noch das aktuelle Buch des großen Shakespeare-Spezialisten Stephen Greenblatt, „Der Tyrann“, gelesen. Immer diese Unkenntnis, dachte ich mir wieder.  Dagegen wollte ich etwas tun. Stephen Greenblatt ist ja einer der großen Shakespeare-Kenner, er schreibt – das wusste ich – gut lesbar, nicht  wissenschaftlich, eher spannend. Wirklich gut ist übrigens ein weiteres Shakespeare-Buch von ihm: „Will in der Welt“!

Der Siedler – Verlag schreibt zum Buch „Der Tyrann“:

Wie kann es sein, dass eine große Nation in die Hände eines Tyrannen fällt? Warum akzeptieren die Menschen die Lügen eines Mannes, der ihrem Land so offensichtlich schadet? Und gibt es eine Chance, den Tyrannen zu stoppen, ehe es zu spät ist? In seinen Dramen –  von „Richard III.“ bis „Julius Caesar“ – hat sich William Shakespeare immer wieder mit diesen Fragen beschäftigt und vom Aufstieg der Tyrannen, von ihrer Herrschaft und ihrem Niedergang erzählt. Stephen Greenblatt, einer der renommiertesten Shakespeare-Experten unsere Zeit… „

Ich hatte mir erhofft, dass mir als Shakespeare-Laien die Tyrannentypen, die William Shakespeare immer wieder in den Mittelpunkt seiner Dramen stellt, etwas nähergebracht werden, dass Zusammenhänge aufgezeigt werden, die man vielleicht auch heute findet.

Nun, wer William Shakespeare’s Dramen eher gut kennt, für den wird sich dieses Buch auf jeden Fall lohnen! Stephen Greenblatt geht auf die Tyrannentypen in vielen seiner Dramen ein. Mit seinem klitzekleinen Wissensvorsprung! Der Tyrann in König Lear, in Macbeth, in Richard III., in Richard II., in Heinrich VI., in Coriolan etc. Stephen Greenblatt erzählt immer wieder von Details aus diesen Dramen, bringt Zitate aus den Werken, geht auf den gesamten Verlauf der Dramen ein. Es wird aber gut sein, wenn man Details kennt, dann wird man immer wieder „Aha-Erlebnisse“ haben. Stephen Greenblatt geht Kapitel für Kapitel auf wohl alle wesentlichen Aspekte ein, die für Tyrannen in Shakespeare’s Augen entscheidend waren:

„Parteipolitik“, „Populismus“, „Charakter“, „Ermöglicher“,  „Triumph der Tyrannei“,  „Anstifter“, „Wahnsinn“, „Fall und Wiederaufstieg“, „Aufhaltsamer Aufstieg“, so heißen die wesentlichen Kapitel. Interessant allemal.

Zwei Dinge habe ich im Zusammenhang mit diesem Buch erst einmal gelernt:

Die „Rosenkriege“: Als Rosenkriege (Wars of the Roses) werden die mit Unterbrechungen von 1455 bis 1485 geführten Kämpfe zwischen den beiden rivalisierenden englischen Adelshäusern York und Lancaster bezeichnet. Darum geht es bei manchen der „Tyrannendramen“ (so nenne ich sie mal) von William Shakespeare.

Denn: William Shakespeare hatte um diese Rosenkriege herum sogenannte „Historiendramen“ geschrieben: Er hat eine „Lancaster-Tetralogie“ (einmal Richard II., zwei Teile Heinrich IV. und einmal Heinrich V.) und eine „York-Tetralogie“ (drei Teile Heinrich VI. und einmal Richard III.) geschrieben.

Macbeth gehört zwar nicht zu diesen beiden Tetralogien. Es geht aber auch hier um einen „Tyrannen“. „Tyrann“, weil er machtgierig mordet. Stephen Greenblatt geht auf Macbeth ausführlich im Kapitel „Die Anstifter“ ein. Anstifterin des ursprünglich königstreuen Macbeth sind ja Lady Macbeth und irgendwelche Hexen (oder seine Wahnvorstellungen). Macbeth will nicht unmannhaft erscheinen und fängt an zu töten, weil er dann doch König werden will und tötet immer weiter, aus Angst, er könnte seine Macht verlieren. Selbst seinen Freund Banquo tötet er. Und letztlich zeigt sich, dass er überhaupt nicht zum König geeignet ist. Greenblatt zeigt, dass Shakespeare nicht Gesellschaftsphänomene aufzeigen wollte, sondern dass es ihm um die Einzelschicksale der relevanten Typen ging. Die Mutter, die Ehefrau, Geschwister, Wahnvorstellungen, Ehrgeiz, Neid, Unfähigkeit, Charakter, es sind fast immer sehr individuelle Ursachen, mit denen Shakespeare umging. Das einfache Volk spielt kaum eine Rolle, kommt allenfalls sporadisch vor. Bei Macbeth etwa in der Rolle eines Dieners.

Stephen Greenblatt schreibt eng an den Dramen entlang, einfach gehalten und gut lesbar. Man sollte eines der Bücher von Stephen Greenblatt kennen, wenn man Shakespeare-Freund ist. Für „Der Tyrann“, wie gesagt, sollte man William Shakespeare oder am besten sogar die Zusammenhänge der „Rosenkriege“ etwas kennen.

Eines muss ich allerdings noch sagen: Mit „Machtkunde zum 21. Jahrhundert“ –  so der Untertitel des Buches – hat dieses Buch nichts zu tun! Stephen Greenblatt sagt zwar in den abschließenden „Danksagungen“, er wollte dieses Buch angesichts der aktuellen politischen Situation (Trump etc.) schreiben, doch davon merkt man im Buch herzlich wenig! Es würde auch etwas weit gehen, zum Beispiel Donald Trump als Tyrannen zu sehen. Auch wenn auch bei Donald Trmp leider viel (zu viel) Egozentrik eine Rolle spielt.

Auch die Frage, die der Siedler-Verlag in der Beschreibung des Buches stellt (siehe oben): Warum akzeptieren die Menschen die Lügen eines Mannes, der ihrem Land so offensichtlich schadet? spielt im Buch fast keine Rolle!

HIER die Seite des Siedler-Verlags zum Buch. Vielen Dank dem Siedler-Verlag für die Zurverfügungstellung des Buches.

THEATER, LITERATUR: Verrannt!

Jetzt habe ich mich irgendwie verrannt! Ich habe in letzter Zeit zuviel gemacht und komme jetzt mit dem Blog nicht mehr nach. Aber bitte: Ich habe einfach mehr Zeit für diese Dinge, als wahrscheinlich (fast) alle anderen. Und das will ich ja nur „teilen“, wie es so schön heißt. Gut, als Rentner könnte man es ebenso handhaben.

Also, da war zuletzt:

– „Macbeth“ von den Münchner Kammerspielen hatte ich gesehen. Da muss ich noch etwas drüber schreiben.

– „Macbeth“ hatte ich kürzlich auch am Münchner Residenztheater gesehen. Auch darüber will ich noch schreiben. Über Macbeth am Berliner Ensemble hatte ich ja Gottseidank schon geschrieben (HIER).

– Das Buch „Der Tyrann“ von Stephen Greenblatt über William Shakespeare’s Tyrannengestalten lese ich zu meiner Macbeth-Trilogie gerade noch. Ist natürlich auch einen kleinen Beitrag wert. Es ist schon fürchterlich, wenn man versucht, die Dinge etwas besser zu verstehen.

– Dann hatte ich den Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ von Oskar Wilde gelesen, weil ich kürzlich die Performance „Creation“ nach diesem Roman gesehen hatte (HIER der Bericht). Auch über dieses Buch sollte noch etwas kommen.

–  Gestern hatte ich dann an den Kammerspielen wieder etwas gesehen: „Die Wiederholung“ von Milo Rau. Auch darüber würde ich ja gerne etwas schreiben. Gerade an diesem Stück zeigte sich wieder einmal: Nur konsumieren geht nicht! Ich muss mir Gedanken darüber machen, darüber reden, es steht ja alles immer in einem Zusammenhang!

– Morgen werde ich die Premiere von „Kill the Audience“ an den Kammerspielen sehen. Das ergibt auch wieder einen kleinen Beitrag.

– Und irgendwie habe ich sogar den Eindruck, da fehlt noch etwas.

Und das ist ja nicht unbedingt alles! Ich gebe fast jeden Tag ein wenig Nachhilfe, ich lese noch etwas anderes („4 3 2 1“ von Paul Auster ist es gerade, auch kein schmales Heftchen), ich schreibe manchmal etwas (wenig zurzeit) und so weiter. Alles nicht so einfach. Gut, ich wohne ca. 200 Meter entfernt von den Kammerspielen und zum Residenztheater sind es vielleicht 800 Meter.  Und da ist dann noch ein wenig Politik (die Partei mut in Bayern). Eigentlich alles viel zu viel. Da hat man es ja fast leichter, wenn man einfach arbeitet!

Und der Blog wird neu! Vielleicht morgen!