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LITERATUR: Ines Jenewein – Olympiapark München

Mehrfach war ich zuletzt mit dem Münchner Olympiapark beschäftigt. Die Feiern zu “50 Jahre Olympia 1972“ hatten mich ja angezogen. Über die Theaterperformance „Pienes Regenbogen“ hatte ich berichtet. Und ich hatte danach die Erlaubnis erhalten, einen Ausschnitt aus einem seltenen Film zur damaligen “Regenbogenaktion“ auf der Abschlussfeier der Olympischen Spiele, der teils gezeigt wurde, zu bringen.

HIER gehts zum Beitrag “Pienes Regenbogen“. Und HIER gehts zum Blogbeitrag mit dem Filmausschnitt über Pienes Regenbogen.

Und ich weiß: Ich bin ein Fan des Olympiageländes, des Zeltdaches besonders!

Also was liegt näher, als den Bildband “Olympiapark München – Architektur Landschaft Kunst“, der vor wenigen Wochen erschienen ist, anzusehen! Es ist ein Bildband mit über 300 Seiten, Format annähernd DIN A 4, 21 x 28 cm, herausgegeben beim Büro Wilhelm Verlag. HIER der link zur Buchseite auf der Website des Büro Wilhelm Verlages. Danke dem Büro Wilhelm Verlag, der mir den Bildband zur Verfügung stellte!

Die Architekturfotografin Ines Jenewein hat zwischen 2015 und 2022 mit rein architektonischem Blick alle Winkel des Olympiaparks und seiner Bauten angesehen und fotografiert, ein wenig mit älteren Fotos oder – ebenfalls nur an wenigen Stellen – mit Fotos anderer Fotografen kombiniert. Ein ungewohnt architektonischer Blick! Auf den ersten Blick kommt man mit dem Bildband kaum zurecht. Er transportiert nicht sofort Emotionen. Nüchtern und ohne irgendwelche Personen auf den Bildern werden alle möglichen Details der wunderbaren Anlage gezeigt. Bei näherer Beschäftigung mit den Aufnahmen aber kommt man jedem Bild sehr nahe! Man erkennt mehr und mehr auf fast jedem Bild die architektonische Besonderheit! Und es sind meines Erachtens wirklich alles Besonderheiten! Die Fotoaufnahmen werden, je öfter man sie ansieht, umso besser! Allein die Farbgebung! Die dezenten Farben, die Formen, die immer irgendwie “schlanke Klarheit“ der Bauten, nie protzig! So zieht es sich durch den Park und durch den Bildband – wobei auch gezeigt wird, wie sehr der Olympiapark immer wieder auch ein Wechselspiel mit Natureindrücken bietet.

Auffallend ist schließlich insgesamt, dass man letztlich nur sagen kann: Trotz all dieser verschiedenen Blicke und Details bildet die gesamte Anlage des Olympiaparks eine wunderbare Einheit! Eine Einheit durch die dezente Wiederholung all der architektonischen Eigenheiten, durch die oft nur knappe Farbgebung der Elemente, durch die Natur, durch den überall unaufdringlich bleibenden Charakter der Bauten.

Hier ein paar Eindrücke aus dem Bildband (die Bildqualität ist im Bildband besser als hier). Die Aufnahmen sind nicht repräsentativ, insgesamt sind sie in diesem sehr gelungenen Bildband viel vielfältiger!

Foto: Olympiapark München GmbH/Fabian Stoffers
Foto: Olympiapark München GmbH/Fabian Stoffers

Der Bildband schafft es, einen besonderen Gesamteindruck mit vielen vielen Einzelblicken auf die Architektur im Kleinen und im Großen sowie auf Landschaft und – nicht viele – Kunstgegenstände auf dem Gelände zu verschaffen! Die Schönheit und Besonderheit des Olympiageländes, das ja von der UN zum Weltkulturerbe ernannt wurde, steckt in jedem Detail.

Die Bildrechte der hier gebrachten Aufnahmen liegen, soweit nicht besonders aufgeführt, bei Ines Jenewein/Büro Wilhelm Verlag. Ich hoffe ich darf die geschützten Bilder im Rahmen dieser Berichterstattung als „Zitatfotos“ aus dem Bildband „Olympiapark München“ von Ines Jenewein bringen.

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LITERATUR: Byung-Chul Han – VITA CONTEMPLATIVA (oder von der Untätigkeit)

Die Frage ist: „Wie leben wir?“ Es läuft doch einiges schief. Wenn es so weitergeht, zerstören wir die Erde, keine Frage. Die Frage ist auch: “Wie gehen wir an die gewünschte Erreichung eines Endes der Zerstörung der Welt heran?“ Diese Fragen können/müssen natürlich auch philosophisch bearbeitet werden.

Die praktische Umsetzung ist dabei eine andere Frage, ob sich da jemals noch etwas ändert, ist fraglich. Ich habe jedenfalls den neuen philosophischen Essay des in Berlin lebenden deutsch-chinesischen Philosophen Byung-Chul Han “VITA CONTEMPLATIVA“ gelesen, der sich letztlich mit diesen Kernfragen auseinandersetzt.

Im Grunde ist es Philosophie mit starker Tendenz zu Gesellschaftskritik. Philosophie nur „der Philosophie wegen“ ist heutzutage auch kaum angebracht. So wurde Byung-Chul Han auch 2010 mit Die Müdigkeitsgesellschaft bekannt. Er diagnostizierte damals, dass in modernen Gesellschaften nur Effizienz und Vermarktungslogik eines Jeden zählen. Die Folgen seien Sinnlosigkeit, Depression, Müdigkeit. In der Beschleunigung, der Optimierung des Selbst, dem Keine-Zeit-Haben für sich und seine Mitmenschen sieht Han eine gefährliche Entwicklung.

Der Essay „VITA CONTEMPLATIVA (oder von der Untätigkeit)“ wird – ein kurzer Überblick – auf der Umschlaginnenseite beschrieben. Es geht diesmal nicht um Müdigkeit, sondern um den Verlust der Fähigkeit des Menschen zur Untätigkeit. Hier die kurze Zusammenfassung:

118 Seiten, kleines Format, sechs Kapitel – das lässt sich machen, um sich einmal mit diesen Fragen auseinander zu setzen. Die Kapitel lauten:

  • Ansichten der Untätigkeit
  • Eine Marginalie zu Zhuangzi
  • Vom Handeln zum Sein
  • Der absolute Seinsmangel
  • Das Pathos des Handelns
  • Die Kommende Gesellschaft

Natürlich handelt der Mensch, der Mensch ist handelndes Wesen. Das will auch Byun-Chul Han nicht bestreiten. Es geht um die Ergänzung des Handelns. Ergänzung durch ein kontemplatives Element, das wir aus dem Auge verlieren. Kontemplation, damit ist nicht etwa Freizeit gemeint! Kontemplation ist mehr! Das handelnde Element beschränkt den Menschen auf ein funktionierendes Subjekt. Auch Freizeit dient ja letztlich nur dem Funktionieren, dient dem handelnden Subjekt mit seinem ständigen Gedanken an ein “um zu …“. Erst wenn aber dieser Gedanke “um zu …“ fehlt, entfaltet sich wirklich Freiheit!

Byun-Chul Han entwickelt – muss man sagen – hierbei nicht etwa eine eigenständige Philosophie der Untätigkeit, sondern zeigt im Grunde eher auf, dass sich viele viele Philosophen, Künstler etc. bereits mit diesen Themen beschäftigt haben. Er hangelt sich von Philosoph zu Philosoph, von Kultur zu Kultur, und erklärt deren Sichtweisen zu diesen Fragen eher, als dass er eine eigenständige Philosophie entwickelt. Er verbindet letztlich die gefundenen Aussagen. Ein kleiner Schwerpunkt seiner Untersuchung ist dabei sogar die „Gegenposition“, die früher von Hannah Arendt in ihrem Buch „Vita activa“ vertreten wurde. Der Mensch werde erst durch Handeln im öffentlichen Raum („polis“) zum Individuum. Das mag richtig sein, schließt aber im Grunde daneben das Element der „vita contemplativa“ nicht aus. Individuum zu werden einerseits und das Sein überhaupt angemessen erkennen zu können andererseits, es sind zwei paar Stiefel!

Ansonsten: Adorno, Benjamin, Schiller, Plutarch, Anaxagoras, Homer, Klee, Rilke, Proust, von Aquin, Kleist, Nietzsche, Heidegger, Handke, Kierkegaard, Musil, Cezanne, Luhmann, sie und viele viele mehr werden herangezogen, weil sie alle wohl auch irgendwo das spürten, was Byun-Chul Han mit seinem Essay erklären möchte: Das so wesentliche Element der vita contemplativa, das seiner Ansicht nach übrigens durch die digitale Welt und durch Künstliche Intelligenz mehr und mehr verschwindet. KI kennt nichts „Kontemplatives“, KI kennt nur “an und aus“, sagt er.

Immer wieder schwingt dabei – kurz aber jeweils nur – auch der Hinweis darauf mit, dass wir uns vor allem der Rettung der Natur verschließen, wenn das kontemplative Element verschwunden ist. Hier kommt Gesellschaftskritik durch. Und vielleicht die Absicht von Byung-Chul Han, alles mit einem Weg zur Rettung der Natur zu verbinden. Die Welt und die Natur brauchen das kontemplative Element.

Auch hierzu ein Auszug, Seite 51:

Byung-Chul Han hatte über Heidegger promoviert. Die hier oben gebrachte kurze Darstellung über Heideggers Denken passt gut, ist aber nicht repräsentativ für dieses Buch. Es geht viel allgemeiner aus verschiedenen Blickwinkeln um das kontemplative Element, um das Erkennen des „Seins“. Durch Kontemplation gibt man sein egoistisches „Selbst“ auf, dann kommt das Sein der Welt zum Vorschein. Das Nichtvollziehen von Dingen wird wichtig, nicht das ständige Eingreifen! Heideggers Schrift “Ethik der Scheu“ wird erwähnt.

Insgesamt ein sehr wertvoller Gedanke, den Byun-Chul Han aufgreift, vertieft und erläutert. Der Ansatz ist elementar und deswegen lohnt es sich, den gerade erschienenen Essay zu lesen. ich empfehle dann allerdings, ihn zweimal zu lesen!

HIER der Link zum Wikipediaeintrag über Byung-Chul Han und HIER der Link zur persönlichen Website von Byun-Chul Han.

Und HIER der link zur Internetsite zum Buch VITA CONTEMPLATIVA auf der Website des Ullstein Verlages.

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THEATER: Sarah Kane – 4.48 Psychose

Es ist erstaunlich, dass das Stück 4.48 Psychose von Sara Kane doch immer wieder auf die Bühnen gebracht wird. Zuletzt etwa am Deutschen Theater Berlin in einer der typischen Inszenierungen von Ulrich Rasche (HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Deutschen Theater Berlin und HIER ein Trailer).

Oder am Theater Dortmund in einer gänzlich anderen Inszenierung von Kay Voges, die allerdings schon ein paar Jahre her ist (HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Theater Dortmund und HIER ein Trailer). Auch sie scheint typisch für Kay Voges. Oder – auch vor ein paar Jahren – in einer Inszenierung von Katie Mitchell am Deutschen SchauSpielHaus Hamburg (HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Deutschen SchauSpielHaus Hamburg und HIER ein Trailer).

Jetzt bringt das Metropoltheater am nördlichen Rand Münchens – in Freimann – das Stück in einer Inszenierung von Jochen Schölch. Es ist eine Wiederaufnahme, Premiere des Stückes war dort im Oktober 2021. Weitere Ausführungstermine bis zum August sind mir allerdings nicht bekannt.

HIER der Link zur Stückeseite 4.48 Psychose auf der Website des Metropoltheater.

Es ist – wie gesagt – erstaunlich, dass dieses Stück immer wieder gebracht wird, da es doch letztlich schwer verständlich ist. Das Stück hat keinen Inhalt, es sind Worte, Texte, Gedanken von Sarah Kane, die sich wenige Monate nach Vollendung des Textes 4.48 Psychose das Leben nahm. Sie hatte den Text noch an den Verlag geschickt – zur Veröffentlichung nach ihrem Tode.

Autobiografische Worte, die Sarah Kane während kurzer klarer Momente in ihrer Depression (um 4 Uhr 48 jeweils) schreiben konnte. Niemand wird sie je ganz verstehen. Wir nennen es „Depression“, doch auch das ist schon eine hilflose Bezeichnung. Wir wissen nicht, was man fühlt und denkt und sieht in einer „Depression“. Wahrscheinlich sind Depressionen auch sehr unterschiedlich.

Sarah Kane wurde nur 28 Jahre alt. Hier ein Foto:

© Kathrin Ribbe

4:48 Uhr bedeutet dabei wohl kaum “Momente der Gesundheit“. Sie nannte es „Momente der Klarheit“. Und „Klarheit“ beschreibt sie so: „Um 4 Uhr 48, wenn die Verzweiflung mich überkommt …“. Es ist immer ein Entsetzen über die Welt dabei, das sie eben um 4 Uhr 48 für etwa eine Stunde wenigstens formulieren konnte. Es geht auch um einen gewissen Betrug, den die Welt immer wieder mit sich begeht. Das erkannte sie und verzweifelte wohl auch daran.

Depression heißt Zorn“.

Oder:

Meine Gedanken fliehen mit einem Mörderlächeln. Hinterlassen Angst und Verstimmung, die aufheulen in meiner Seele“.

Und so weiter, all das sind nur Bruchstücke ihrer Empfindungen. vielleicht ist es die Verzweiflung, sich selbst in der Wirklichkeit unserer Welt nicht wirklich finden zu können.

Sarah Kane hat keine Rollenverteilung für ihr Stück vorgenommen. Das ganze Stück kann von einer einzigen Person gespielt werden (SchauSpielHaus Hamburg), kann aber auch von vielen gespielt werden (Deutsches Theater Berlin). Hier im Metropoltheater sind es zwei Personen: Die Patientin und ein Arzt, Judith Toth und Thomas Meinhardt.

Sie spielen es auf der dunklen Bühne „hinter Glas“. Wohl, weil die Patientin Sarah Kane sich abgetrennt sieht von der Welt. Sie und die Welt. Ab und zu kommt der Arzt aus der “Welt“ hinein in ihren Kubus. Die Patientin Sarah Kern spiegelt sich durch das gelungene Bühnenbild – siehe oben – oftmals vielfach in den Glaswänden, berührt sie, bringt sie in Bewegung (es ist ja Plastik), will von “draußen“ etwas sehen. Auch die Stimme „verändert“ sich: Es werden Sequenzen Play-back gesprochen.

© Metropoltheater/Fotograf: Jean-Marc Turmes

Beide, Judith Toth und Thomas Meinhardt, spielen überzeugend. Vor allem bei Judith Toth – es ist ja im Grunde “ihr“ Stück – merkt man: Sie hat das, was sie spielt, verinnerlicht – soweit das geht. Jochen Schlöch sagte ja im anschließenden Publikumsgespräch: Wir wissen nicht, was eine Person im “depressiven“ Zustand denkt.

Sarah Kane hat versucht, es uns etwas näher zu bringen, etwas davon in unsere “Welt“ zu transportieren. Das macht das Stück interessant. Man sollte den Text danach in Ruhe lesen!

© des Beitragsbildes: Metropoltheater/Fotograf: Jean-Marc Turmes

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MUSIK: Nick Cave & Warren Ellis – THE ROAD

Er ist gerade auf Tour. Morgen, 29.06., tritt er in der Waldbühne in Berlin auf! Aber es gibt noch genug andere Gelegenheiten: Verona – Anfang Juli, Luxemburg – Anfang August, Rastatt – Anfang August, Vilnius – Mitte August, London und Paris – Ende August … alles schöne Reisen! HIER alle Daten!

THE ROAD: Kurz und ruhig. Es könnte die Schlussszene eines Films sein: Er oder sie sieht etwas – blickt lange hin – dreht sich dann langsam um – und geht weg – geht und geht – entfernt sich von der Kamera …


HIER noch einmal der Link zur Website von Nick Cave.

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THEATER: Goethes „Werther“ zweifach

Zweifach Goethes Werther: Der Erste online, jeder kann es live am Sonntag, den 26.06., 17.00 Uhr, verfolgen! “werther.live“ ist ein Stück, das im Rahmen des am Freitag beginnenden Festivals „radikal jung“ am Münchner Volkstheater gezeigt wird. Der zweite Ansatz heißt schlicht “Werther“ und hat schon morgen, Mittwoch, 22.06., 20.00 Uhr, am Münchner Residenztheater Premiere

Zu den beiden Annäherungen an Werthers Liebesleiden:

  • Das digitale Theaterstück „werther.live“ auf dem Festival radikal jung hatte schon große Resonanz. Es wurde mit dem Deutschen Multimediapreis 2020 ausgezeichnet und wurde beim nachtkritik-Theatertreffen 2021 unter die zehn besten Stücke des Jahres gewählt. „werther.live“ war außerdem nominiert für das Theatertreffen der Berliner Festspiele und ist eingeladen zum 38. Heidelberger Stückemarkt. Es gastiert auch digital u.a. beim Schauspiel Köln, Schauspielhaus Hamburg, Deutsches Nationaltheater Weimar, sowie auf den Festivals PERSPECTIVES und Arena.
  • Übrigens mit Vorgespräch um 16:15 Uhr mit C. Bernd Sucher zur Produktion und zum Werk von Cosmea Spelleken und Nachgespräch um 19:00 Uhr mit Regisseurin Cosmea Spelleken und Leonard Wölfl (technische Produktion).
  • Finde ich ja sehr interessant: Wie spielt sich tragische Liebe heutzutage online ab?
  • Wikipedia schreibt über Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ Folgendes: Es gilt als Schlüsselroman desSturm und Drang. Es entwickelte sich „zum ersten Bestseller der deutschen Literatur“, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und war Mitauslöser der sogenannten Lesesucht. Dass Goethes Buch ein Welterfolg werden würde, war auch für ihn nicht vorhersehbar. Später schrieb er in seiner Autobiografie Dichtung und Wahrheit: „Die Wirkung dieses Büchleins war groß, ja ungeheuer, und vorzüglich deshalb, weil es genau in die rechte Zeit traf.“
  • HIER die Stückeseite von „werther.live“ im Rahmen des Programms des in diesen Tagen beginnenden Festivals „Radikal jung“.
  • HIER die Website des Festivals „radikal jung“.
  • Und „Werther“ am Residenztheater, der wird also etwas herkömmlicher insoweit, als es auf der Bühne stattfindet. Aber wahrscheinlich wird es auch nur ein bisschen herkömmlicher. Der Untertitel heißt: „Ein theatralischer Leichtsinn von Johann Wolfgang Goethe mit Texten von Karoline von Günderrode“. Es ist also auf jeden Fall eine Mischung mit Texten von Goethes Werther und Texten von Karoline von Günderrode!
  • HIER die Stückeseite von “Werther“ auf der Website des Münchner Residenztheaters.

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MUSK: Rolling Stones – Out of Time

Ich hatte das Video vom Auftritt der Rolling Stones von voriger Woche in München (Europatour) schon neben anderen Ankündigungen im letzten Beitrag gebracht. Der Song: „Out of Time“. Hier ist der Song noch einmal gesondert, und zwar zusammen mit der früheren Studioaufnahme des Songs zum Vergleich.

Die Studioaufnahme wurde 1966 im Album “Aftermath“ veröffentlicht, vor mehr als schlappen 50 Jahren! Wie gesagt: Mick Jagger ist jetzt fast 79 Jahre alt!! Die damalige Studioversion ist übrigens eine Nuance langsamer – obwohl doch eigentlich das Alter langsamer macht. Und sie ist natürlich insgesamt “sauberer“, als die Liveversion. Der Text des Songs hier:

You don’t know what’s going on
You’ve been away for far too long
You can’t come back and think you are still mine
You’re out of touch my baby
My poor discarded baby
I said, baby, baby, baby, you’re out of time
Well, baby, baby, baby, you’re out of time
I said, baby, baby, baby, you’re out of time
You are left out, out of there without a doubt
‚Cause baby, baby, baby, you’re out of time

The girl who wants to run away
Discovers that she’s hand her day
It’s no good your thinking that you are still mine
You’re out of touch my baby
My poor, unfaithful baby
I said, baby, baby, baby, you’re out of time
Well, baby, baby, baby, you’re out of time
I said, baby, baby, baby, you’re out of time
Yes, you are left out, out of there without a doubt
‚Cause baby, baby, baby, you’re out of time

You don’t know you were a clever girl (clever girl)
Giving up your social whirl (social whirl)
But you can’t come back and be the first in line, oh no
You’re obsolete, my baby
My poor old fashioned baby
I said, baby, baby, baby, you’re out of time
Well, baby, baby, baby, you’re out of time
I said, baby, baby, baby, you’re out of time
Yes you are left out, out of there without a doubt
‚Cause baby, baby, baby, you’re out of time

Sing a song
Baby, baby, baby, you’re out of time
I said, baby, baby, baby, you’re out of time

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MUSIK: David Gilmore & David Bowie – Comfortably Numb

Hier drei Versionen des Pink Floyd – Klassikers „Comfortably Numb“. Zuerst eine Kombiversion gesungen von David Gilmore und von David Bowie. Sie singen den Titel – begleitet von Richard Wright – in einer sehr speziellen Version, David Bowie singt seinen Part fast wie einen eigenständigen Song – “dramatischer“.

Beide gaben das Konzert vor fast genau 16 Jahren in der Royal Albert Hall. Die insgesamt drei Konzerte in der Royal Albert Hall fanden statt am 29., 30. und 31. Mai 2006. Und unten noch eine andere Version.

Also noch eine andere Version? Von der Cover-Queen Miley Cyrus. Sie singt mit ihrer rauchigen, tiefen und wahrlich guten Stimme mit ihrem typischen Timbre wieder einmal eine Coverversion leider „etwas“ verkürzt. Aus 8 Minuten mach knapp 3 Minuten! Aber gut!

Und HIER der Link zu meinem Beitrag über David Gilmores neue Version des Songs – Comfortably Numb 2022“ – eine düstere Version. Aber auch gut, vor allem gegen Ende!

Und hier noch eine Version dieses tollen Klassikers. Eine Live Version aus dem Jahre 2016 aus Pompeji:

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THEATER: Wolfram Lotz – HEILIGE SCHRIFT I

Wolfram Lotz ist wieder an den Münchner Kammerspielen. Er, immer noch ein „junger Autor“ (Jahrgang 1981), bekannt durch seine frechen und zum Teil zwar durchaus oberflächlichen, aber auch witzigen Werke „Die lächerliche Finsternis“ und „Die Politiker“. An zahlreichen Theatern wurde er bereits inszeniert. „Die Politiker“ etwa wurden in der vergangenen Spielzeit (Juli 2021) auch an den Münchner Kammerspielen inszeniert (HIER der Link zur Stückeseite; HIER meine Besprechung dazu) und sind noch im Repertoire.

Ende April 2022 ist gerade das neueste Buch von Wolfram Lotz erschienen, „HEILIGE SCHRIFT I“. Es sollte erst nicht erscheinen, Lotz selbst hatte es gelöscht, vernichtet. Es waren ja nur banale Tagebücher eines Jahres. Sie erschienen dennoch, es fand sich eine Version. Und an den Münchner Kammerspielen war jetzt schon deren Uraufführung auf deutscher Theaterbühne. Der Hausregisseur Falk Richter hat das Stück wunderbar treffend entwickelt und inszeniert.

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele. HIER der link zur Seite des Buches beim Fischer Verlag.

Dafür, dass es sich bei diesem Mammutwerk von über 900 Seiten um die (wiederum mit Humor und Ironie gemischte) Beschreibung aller möglichen Unwichtigkeiten handelt, ist die Inszenierung sehr ideenreich gelungen! Ich empfand sie als ein Theaterereignis, das ich empfehlen kann. Nicht wegen des Inhalts von „HEILIGE SCHRIFT I“, sondern wegen der gelungenen Gesamtgestaltung des Abends.

Inhaltlich: Es ist im Grunde ein Schreibexperiment von Wolfram Lotz gewesen. Daher auch „Heilige Schrift“. „Beschreiben von allem“ als Selbstfindungsversuch. Wie komme ich dem Leben nahe? Wolfram Lotz hat sich im Jahre 2017 ein Jahr lang nach Frankreich (Elsass) zurückgezogen und begonnen, über alles, was er sah und erlebte, zu schreiben. Ohne Ziel einfach zu schreiben. Er meinte damit in der Tat: Dadurch, dass er alles beschreibt und über alles schreibt, ja, dadurch käme er den Dingen und damit wirklich sich selber näher.

Es lassen sich ja die verschiedensten Zugänge zum Leben finden. Man kann auf das Innere schauen (siehe etwa die Inszenierung „Das Neue Leben“ von Christopher Rüping nach Dante Alighieri, HIER) oder man kann auf das Zwischenmenschliche schauen (siehe all die Familientragödien des klassischen Altertums, etwa in Dionysos Stadt, HIER) oder auf seine eigenen Gedanken und Gefühle und Abschweifungen im Anblick des Alltags (etwa im Werk „Ulysses“ von James Joyce, einfach ein Tag in Dublin), oder einfach auf alle möglichen Dinge um einen herum, auf Banalitäten (siehe etwa im Werk „Das Leben – Eine Gebrauchsanweisung“ von George Perec) oder sich abstrakt Gedanken machen … oder oder oder. Wolfram Lotz schaut auf alle Banalitäten seines Jahres 2017 in Frankreich. Von der Toilette bis zum ICE.

Die Gestaltung des Abends: Falk Richter hat einen überzeugenden dreiteiligen Abend gestaltet, einen schönen Zugang zu diesem eigenartigen Buch gefunden. Einen deutlich anderen Zugang, als zu den Werken, die er zuletzt in München inszeniert hatte. All seine letzten Inszenierungen (etwa “Heldenplatz“ – HIER der link zur Stückeseite der Münchner Kammerspiele) waren politisch oder gesellschaftlich ernst, eher überladen. Diese Art gesellschaftskritischer Herangehensweise entfällt hier erfrischenderweise! Ernst geht hier nicht.

Und: Hier wird der Zuschauer/Besucher (-in) hin und her geworfen, er/sie wird gefordert und gleichzeitig kommt das Buch von Wolfram Lotz in seinen Auszügen eben sehr einfallsreich zur Geltung! Eine klasse, spielerisch leichte Umsetzung!

  • Der erste Teil von „HEILIGE SCHRIFT I“: Der Besucher hört für etwa eine Viertelstunde per Kopfhörer vor den Theaterräumen sitzend/stehend/gehend Auszüge aus dem Buch „HEILIGE SCHRIFT I“. Eine Einstimmung.
  • Der zweite Teil: Man betritt mehrere kleine Vorräume der Bühne, hat ein Handy mit auf den Weg bekommen, mit dem man QR-Codes scannen kann und überall weitere Texte hören kann. Auch einmal bloß den Wetterbericht eines Tages im Herbst 2017, der auf einem Bildschirm flattert. Es sind simple, zum Teil privat wirkende Räume, dann aber ist es auch ein Raum, in dem eine Sitzreihe eines ICE Zuges zum Hinsetzen einlädt. Oder der Schminkraum eines Theaters. Die SchauspielerInnen sitzen verteilt in den Räumen, reden miteinander, gehen auch umher, zitieren aus dem Buch „HEILIGE SCHRIFT I“, immer mit einem kleinen Tagebüchlein in der Hand, lesen einzelnen Zuschauern Texte aus HEILIGE SCHRIFT I vor. Man kann sich den Theaterraum auch auf Tablets als augmented reality ansehen, sieht Wald, sieht Landschaften am Fenster des ICE-Zuges vorbeiziehen. Vieles mehr. Insgesamt eine anregende und ja “erfreuliche“ Lage, den SchauspielerInnen so nahe zu sein und im Grunde Teil der Inszenierung zu sein. “Immersive Installation“
  • Der dritte Teil: Wechsel! Man begibt sich auf eine kleine Zuschauertribüne im recht großen Bühnenraum, wird wieder Zuschauer, findet sich in seiner doch so gewohnten passiven Rolle wieder. Schon das gesamte Bühnenbild ist dabei überzeugend! Weiterhin sehr vielfältig, aber auch einfach! Schön fast. Siehe das Beitragsbild. Frank Walter Steinmeier und Peter Maffay treten (vor allem letzterer) verblüffend gut auf!

Klicken Sie auf das Bild, Sie hören den Song!

Akustisch und angesichts der Menge der „Gedanken“ ist im dritten Teil dem Text aus „HEILIGE SCHRIFT I“ nicht immer gut zu folgen, daher empfiehlt sich etwas: „HEILIGE SCHRIFT I – Der Marathon“, eine siebenstündige Lesung des Ensembles, die an den Münchner Kammerspielen am 11.06.2022 zu erleben sein wird! HIER der Link zur Ankündigung dieser Veranstaltung.

Das Buch „HEILIGE SCHRIFT I„ ist kein „Muss“, es hat aber Humor und Ironie. Manchmal ein wenig in Richtung Thomas Bernhard, der ja auch genug Banalitäten kannte (allerdings bösartiger war).

Copyright der Bilder: Maurice Korbel

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MUSIK: Mazzy Star/Miley Cyrus – Fade Into You

Vor längerer Zeit hatte ich den Song „Fade into You“ von Mazzy Star im Blog gebracht. HIER! Jetzt habe ich eine andere Version des Songs gefunden, eine Version von Miley Cyrus, der alten Cover Queen. Eine Version, die ich auch hier “festhalten“ möchte. Ich habe sie jetzt auch in den “alten“ Beitrag eingebunden. Sie kann also dort auch gehört werden. Und hier unten ist sie solo.

Die Version von Miley Cyrus besticht durch die Schlichtheit des Auftritts. Denn:

Eine schwarze weite Bühne – alles ist dunkel – nur Licht auf Miley Cyrus – sie bis zu den Schuhen schwarz gekleidet, trägt ein schwarzes T-Shirt (oder besser: Body), einen schwarzen Blaser, – ist wahrlich knapp gekleidet – hat schwarzen Nagellack auf den Fingernägeln – schwarze Stilettos an den Füßen, am Ende ihrer langen Beine – steht vor einem schwarzen Mikrophonständer – singt in ein schwarzes Mikrophon mit schwarzem Kabel – von Miley Cyrus ist im Grunde nichts zu sehen außer ein paar Hautpartien: das Gesicht und ihre langen Beine – die einzigen Farbkleckse: Ihre glitzernden hellblauen Lidschatten! – naja, man sieht Miley schon – sie steht auf schwarzem Bühnenboden – neben Miley Cyrus spielt (- natürlich auch im Dunkel -) eine unverstärkte Gitarre in der Hand – der Gitarrist – mit dunkler Kappe – auch er schwarz gekleidet – ihn sieht man noch weniger – spielt seine dunkle Gitarre – trägt ein schwarzes Hemd – schwarze Hose – steht neben Miley Cyrus in einem schwachen, dünnen Lichtkegel – neben beiden jeweils ein schwarzer Barhocker – unbenutzt – zusätzlich zum Sound der Gitarre kein weiterer Begleitsound – nur die Stimme von Miley Cyrus und die Gitarre – mehr nicht! Schade nur: Der Song ist kurz, kürzer als das Original! Aber nicht schlecht! Dennoch: Die Ursprungsversion von Mazzy Star ist noch besser! Gefühlvoller, trauriger!

HIER noch einmal der Link zur damaligen Songseite, jetzt mit der Ergänzung.

Die lyrics:

I want to hold the hand inside you
I want to take a breath that’s true
I look to you and I see nothing
I look to you to see the truth
You live your life, you go in shadows
You’ll come apart and you’ll go blind
Some kind of night into your darkness
Colors your your eyes with what’s not there

Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew

A stranger’s light comes on slowly
A stranger’s heart without a home
You put your hands into your head
And then its smiles cover your heart

Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew
Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew
I think it’s strange you never knew

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THEATER: Resi für alle – Ist mein Mikro an?

„Resi für alle“ hat mit 17 jungen Schülerinnen das Stück „Ist mein Mikro an?“ erarbeitet. „Resi für alle“ ist ein breit angelegtes Programm des Münchner Residenztheaters für alle möglichen kreativen Aktivitäten von Menschen – theaterinteressierten Laien – jeden Alters.

HIER der link zur generellen Seite “Resi für alle“ mit Unterrubriken.

In dem Stück „Ist mein Mikro an?“ treten im Marstalltheater, der Werkstattbühne des Residenztheaters, 17 junge Schülerinnen auf und stürzen auf eindringliche Art und Weise auf den Zuschauer ein: Die bevorstehende Klimakatastrophe! Eigentlich kann jeder Zuschauer nur betroffen sein! Jeder sollte es sich anschauen! Das größte Menschheitsproblem! Natürlich haben Sie recht, die jungen Mädchen! Sie klagen hemmungslos an! Ihre Sorgen, ihre Meinungen … Es ist ein Stück, das eigentlich im Fernsehen gezeigt werden müsste. Nicht, etwa weil es künstlerisch so wertvoll wäre. Nein, es ist die Art, der Inhalt, ihre Vorwürfe. Es sind bekannte Argumente, Fridays for Future, Greta Thunberg! Der Autor des Stückes, Jordan Tannahill, hat sich für das Stück «Ist mein Mikro an?» von den Reden Greta Thunbergs inspirieren lassen. Dementsprechend krass, deutlich, eindeutig werden die Sorgen der jungen Generation und deren Kritik der älteren Generationen dargestellt.

Mehr kann ich momentan nicht über das Stück schreiben. Ansehen – das Thema ist wichtig genug! Sie machen es gut und sehr eindringlich, die jungen Mädchen! Dauer: 1 Stunde.

Hier ein Trailer:

Hier noch ein Bild. Man kann das Bild anklicken und wird zur Stückeseite geleitet!

Copyright der Bilder: Adrienne Meister

Auch HIER geht’s zur Stückeseite auf der Website des Residenztheaters.

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MUSIK: Die Toten Hosen – Nur zu Besuch

Heute vor zehn Jahren …

Ich habe drei (erwachsene) Kinder – zwei Söhne, eine Tochter – und bin mein Leben lang selber Sohn. Sohn meines Vaters und meiner Mutter. Mein Vater, er starb vor zehn Jahren sehr überraschend, in der Nacht zu seinem 85. Geburtstag. Ob absichtlich oder unabsichtlich – wir (ich und meine beiden Geschwister) wissen es nicht! Unsere Mutter war nur wenige Monate zuvor gestorben, für unseren Vater war damit „alles aus“ – wie er sofort gesagt hatte. Heute vor genau zehn Jahren! Ihm gebührt dieser Song, er hat mir ein gutes Leben verschaffen können, er hat uns alles ermöglicht! Danke Dir Papa! Du bist immer in meinem Herzen!

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Und hier noch eine Liveversion. Auch schön:

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SONSTIGES: The Fe.Mail Trail – ein Nick Cave Abend von & mit Katharina Bach

Hier eine kurze Besprechung meines Besuches bei The Fe.Mail.Trail, einem „Nick Cave Abend von und mit Katharina Bach und aka Bitchboy“ der in das Repertoire der Münchner Kammerspiele aufgenommen wurde und den ich am Freitag, den 4. Februar 2022, gesehen hatte.

Katharina Bach ist seit 2020 Mitglied des Ensembles der Münchner Kammerspiele. Davor – von 2014-2020 – war sie Mitglied des Ensembles des Schauspiel Frankfurt. Dort, am Schauspiel Frankfurt, lief bereits ihr Nick Cave Abend. Er wurde nun in das Programm der Münchner Kammerspiele übernommen. Der Abend wird sehr gelobt. Von mir leider nicht.

Es mag an meiner Erwartungshaltung gelegen haben. Ich erwartete viele der schönen und eher sehr ruhigen Songs des Australiers Nick Cave. Etwa diesen HIER. Denkste! Der Abend kam daher wie ein kleineres Rockkonzert. Von Beginn an laut, nicht etwa zart und sensibel, wie ich eigentlich Nick Cave kenne. Und so fand ich leider viele Dinge, die mir nicht gefallen hatten. Anderen mag der Abend sehr gefallen, das liest man ja etwa HIER, in einer fast überschwängliche Besprechung des Abends vom Münchner Merkur.

So sah ich trotz der wirklich erstaunlich guten Stimme von Katharina Bach viele Dinge einfach negativ. Viele Details, siehe nachfolgend. Kann ja auch mal passieren, Entschuldigung, liebe Münchner Kammerspiele!

  • Seltsam, mein Eindruck bei den allerersten Tönen des Konzertes war schon: Die Musik ist laut, sie ist schlecht abgestimmt. Irgendwie stimmte meines Erachtens das Lautstärkeverhältnis zwischen der Instrumentalmusik von aka Bitchboy und dem Gesang von Katharina Bach nicht. Ich jedenfalls hätte gerne die Stimme von Katharina Bach deutlicher gehört.
  • Ein nächster Punkt, der mir im Laufe des Abends auffiel: Katharina Bach hatte offenbar sehr viel Freude auf der Bühne. Sie genoss es sichtlich. Folge war aber, dass sie sich zu ihren Songs fast wie Mick Jagger bewegte. Fast durchgehend mit Bewegungen, die ich bei Nick Cave überhaupt nicht erwartet hätte. Katharina Bach hob etwa sehr gerne ihre Arme in die Höhe, schwang sich, begann zu laufen, kletterte herum. Meines Erachtens alles Bewegungen, die nicht zu einem ruhigen Nick Cave passen. Es machte Katharina Bach allerdings sicherlich Spaß, als wäre sie eine große Rocksängerin, nicht die Reproduzentin von Nick-Cave-Songs.
  • Schade auch, so fand ich weiter: Katharina Bach erwähnte Nick Cave überhaupt nicht, auch kein Bild von Nick Cave etwa wurde gezeigt. Obwohl doch alle Songs von ihm stammen. Schade! Eine gewisse Demut gegenüber der großen Leistung von Nick Cave hätte dem Abend gut getan! Es war eben ein Abend, als wollte Katharina Bach im Mittelpunkt stehen!
  • Was mir sogar auch auffiel: Trotz der vielen Bühnenbewegungen landete Katharina Bach immer wieder genau in der Mitte der Bühne! Warum hat sie die Songs nicht einfach einmal etwa vom Bühnenrand aus gesungen! So stand mehr und mehr Katharina Bach im Mittelpunkt des Abends. Wie der Star des Abends. Auch das hätte ich nicht erwartet.
  • Weiter: Der Konzertabend begann auf dem vorderen Teil der Bühne, was etwas eng wirkte. Die Trennwand und eine weitere Trennwand wurden bald im Laufe des Abends hochgezogen, dann sah man Gott sei Dank die große Bühne. Dennoch, auch hier: Ich fand das Bühnenbild nicht beeindruckend, überhaupt nicht ideenreich. Es war wie ein „Spielplatz mit Klettergerüst“, mehr nicht. Das Gerüst stand im hinteren Teil der Bühne. Dementsprechend betrat Katharina Bach das „Klettergerüst“ auch mehrmals an diesem Abend, sang kurz von dort.
  • Weiter: Katharina Bach bewegte sich zu jedem Taktschlag mit, wenn sie sang, schwang permanent im Rhythmus leicht oder mal stärker mit. Auch das wirkte wie auf einem großen Rockkonzert. Wenn es nicht sogar etwas unprofessionell wirkte. Wie schön wäre es gewesen, wenn Katharina Bach einfach einmal ruhig dagestanden wäre mit ihrer schönen Stimme! Cool geht anders – und ich mag coole Abende im Theater sehr gerne!

Wahrscheinlich habe ich irgendetwas an diesem Abend nicht verstanden, die „Story“ des Abends etwa, alles zusammen „sammelte“ ich leider diese obigen allesamt negativen Eindrücke. Für mich war es leider kein Nick-Cave-Abend, es war für mich ein ideenloser Katharina-Bach-Abend! Nichts aber gegen Katharina Bach! See you next time Katharina Bach!

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MUSIK: Elvis Presley – Unchained Melody

Auf meiner tour d‘horizon durch die Musikwelt meiner Zeit darf natürlich Elvis Presley nicht fehlen. Ich bringe hier einen Song aus seinem allerletzten Konzert ever – Unchained Melody. Er gab sein letztes Konzert am 06. Juni 1977 in Rapid City, South Dakota, fast genau in der Mitte der Vereinigten Staaten.

Ich weiß es noch genau. Ich war damals gerade – wie jedes Jahr im Sommer – auf Sylt, Sommerferien mit der Familie, mit den Eltern und meinen beiden Geschwistern, bei Brummelhoops. Es war schönes Wetter, unsere Wohnung in Kampen. Ich war zwei Wochen zuvor, am 04. August, sechzehn Jahre alt geworden. Am Morgen des 16. August 1977 hörte ich es dann im Radio: Elvis Presley war gestorben! Im Alter von nur 42 Jahren! Ich weiß auch noch, dass ich damals dachte: Was für ein Schlag! Was für ein Einschnitt in unserer Welt! Ich war nicht gerade ein Elvis-Presley-Fan, trotzdem: Es erschien mir sofort als ein ganz besonderes Ereignis.

Wie verändert sieht Elvis Presley auf diesem letzten Konzert aus, hier im Video! Er ist aufgeschwemmt, dick, ungesund, er wirkt auf diesem Video älter als 42 Jahre, er wirkt, als wäre er 50 Jahre alt! Auf anderen Videos, die man zu diesem letzten Konzert auf YouTube finden kann, wirkt er auch fast etwas verwirrt. Er war ein anderer Mensch geworden als derjenige, der er noch wenige Jahre zuvor gewesen war.

Das Erstaunliche aber – man kann es auch auf diesem Video hören: Seine damals immer noch so kräftig wirkende Stimme! Seine power! Man hat fast den Eindruck, er konnte seine unglaublich kraftvolle Stimme gar nicht bändigen! Das wiederum sieht man in diesem Video geradezu! Man hört es auf diesem Video auch durchgängig, besonders zum Beispiel ab Minute 2:16!

Trotzdem, etwa zwei Monate nach diesem Konzert wurde er von seiner Lebensgefährtin tot in seinem Haus in Memphis, Tennessee, gefunden. Im Badezimmer. Jahrelang wurde untersucht und spekuliert, woran er starb. War es ein natürlicher Tod? Waren es zu viele Tabletten, die er schluckte? Die letzte Obduktion ergab dann, er sei an seinem langjährigen chronischen Darmleiden gestorben.

Hier der Song Unchained Melody live, der ja auch wieder – was ich ja mag – etwas Melancholisches hat. Es geht ja auch um eine beendete Liebe. Elvis Presley hat diesen Song nicht selber geschrieben, der Song wurde etwa um 1940 von einer an sich unbekannten Person geschrieben und wurde weltweit gespielt.

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THEATER: „Der Sprung vom Elfenbeinturm“ nach (oder für) Gisela Elsner

Es war, wie gesagt, ein Abend, der sehr im Kontrast stand zum vergangenen Abend mit der Inszenierung von “Dekalog“ am Residenztheater. Es war alles andere als herkömmlich. Insgesamt ist es gut gemacht, aber wahrlich nicht leicht verständlich. Man kann aber jedenfalls Freude haben an der sehr eigenwilligen Behandlung der Thematik, der Kostümierung, der Bühne und den SchauspielerInnen. An den Leistungen der SchauspielerInnen! So entwickelt sich ein konsequenter Abend!

Regie hatte erneut Pinar Karabulut. Sie hat ja derzeit an den Kammerspielen noch Regie bei “Like Lovers Do“. Pinar Karabulut bevorzugt sehr farbenfrohe, sehr eigenwillige, sehr abstrakt wirkende, sehr phantasievolle Darstellungen. Der Abend hat dementsprechend den Untertitel: „Ein Abend gegen deine spießbürgerlichen Phantasien, deine Lebenslügen und deine Kompromisse – nach Texten von Gisela Elsner“.

„Der Sprung vom Elfenbeinturm“ ist nicht im Geringsten die Erzählung einer „Geschichte“ – bei „Dekalog“ am Residenztheater waren es ja 10 recht nachvollziehbar erzählte „Geschichten“ oder „Situationen“. „Der Sprung vom Elfenbeinturm“ ist eher eine sehr verrückt gestaltete Revue von Gedanken der 1992 in München durch ihren Freitod gestorbenen Autorin Gisela Elsner. Gisela Elsner war überzeugte Kommunistin, Feministin, Gesellschaftskritikerin der Zeit des Nachkriegsdeutschland. Drei fast absurde Teile hat der Abend, mit Bezug zu den immer kritischen, vielleicht auch satirischen Romanen „Fliegeralarm“, „Heiligblut“ und „Berührungsverbot“. Verzerrt und fast überlagert werden diese drei Teile und damit die Blicke auf Gisela Elsner allerdings von der so verspielten Regiearbeit von Pinar Karabulut. Aber es passt irgendwie!

Sehr gelungen ist meines Erachtens vor allem der eingespielte fast eine halbe Stunde lange Film im dritten Teil, in dem die Zusammenkunft verschiedener Personen in einer Wohnung für eine Sexparty gezeigt wird. Filmisch und schauspielerisch sehr besonders und wunderbar! Schauspielerisch sehr gut!

Mein Fazit: Gelungen, konsequent überzeichnend, leider stark überfrachtet mit vielen verschiedenen Gedanken. Elfriede-Jelinek-ähnlich! Man käme Gisela Elsner im Nachgang wohl besser durch das Lesen ihrer Werke näher – oder indem man sich den Abend noch einmal ansieht. Auch wenn nicht alles überzeugt. Etwas langatmig ist etwa der lange Monolog von Stefan Merki zu „Schrauben“, in dem man sich doch fragen konnte: Warum? Trotzdem.

Hier noch zwei Bilder:

Copyright der Bilder: Emma Szabó

Und HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele.

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MUSIK: Roger Waters – Lockdown Sessions (Mother)


Roger Waters, Mitgründer von Pink Floyd, hat die Coronazeit dazu genutzt, sogenannte „Lockdown Sessions“ aufzunehmen. Songs, in denen die Musiker getrennt voneinander spielen, alles fließt aber zusammen. Ich bringe hier den Song „Mother“, den auch Pink Floyd gebracht hatte, an dem aber Roger Waters die Rechte hat.

Roger Waters hatte sich ja schon 1985 von Pink Floyd getrennt. Pink Floyd machte dann ohne ihn weiter, Roger Waters hatte aber, wie gesagt, Rechte an einigen Songs. Zum Beispiel am kompletten Album „The Wall.

Die Lieder von Roger Waters Sind meist sehr melancholisch. Und offenbar sehr persönlich. So hat er etwa nie den Tod seines Vaters gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wirklich verdaut. Grundlage aller seiner Texte ist auch die „Entfremdung des Menschen durch ökonomische Zwänge und Desinformation“ (Wikipedia). 

Hier:

Es gibt eine Live-Version mit Sinead O‘Connor und Roger Waters. Hier:

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MUSIK: Moby – The Perfect Life (Live at The Fonda)

Gerade hatte ich von Moby „Why Does My Heart Feel So Bad“ gebracht. Jetzt habe ich etwas mehr nach Moby gesucht und das hier gefunden: „The Perfect Life“. Es stellt einfach gute Laune her, während ich ja oft eher etwas melancholisch angehauchte Songs bringe. Aber gute Laune muss ja auch mal sein! Ein schöner Ausgleich in meiner Sammlung! Und wieder sieht man, wie faszinierend und besonders Liveauftritte sind!

Text: „Oh, the perfect life is all we need“. Stimmt ja irgendwie, ist nur nicht immer so leicht. Hier also „The Perfect Life“ in einer besonders langen Liveversion:

Das Lied hat er dann auf dem Konzert noch einmal gesungen, mehr als reine Vokalversion. Hier:

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THEATER: Paper Tiger – Heart Chamber Fragments

In der jetzt so genannten „Therese-Giehse-Halle“ der Münchner Kammerspiele, vormals Kammer 2, war gestern Premiere des Stückes „Heart Chamber Fragments“, ein Performanceabend der chinesischen Truppe Paper Tigers. Auch Ensemblemitglieder der Münchner Kammerspiele wirken mit. Viel Tanz und Bewegung, basierend offenbar auf drei Texten: Jean-Luc Nancys Der Eindringling, Franz Kafkas Der Bau und Tao Yuanmings Der Pfirsichblütenquell

Wie diese drei Texte zusammenpassen, erschließt sich mir nicht ganz. Im ersten Text geht es um eine Herztransplantation, im zweiten und dritten Text geht es irgendwie eher um das Unbewusste, Träumerische. Dass es darum geht und wie diese drei Texte zusammenpassen sollen, entnehme ich vor allem dem Programmheft. Der Performance selbst kann ich es selten entnehmen.

Der Vorteil der Performance: Teilweise schöne Bilder durch den Tanz, die Bewegungen, und die Gesamtdarstellung. Manchmal wenigstens. Der Nachteil meines Erachtens: Emotionen spielen keine Rolle, alles wird ganz nüchtern, extrem nüchtern, dargestellt. Nur ein- oder zweimal blitzen – extrem allerdings – Emotionen auf. Einmal weint einer der Beteiligten heftig und einmal wütet ein anderer Beteiligter heftig. Dies sind dann meines Erachtens auch sofort ergreifende Szenen, die der Performance gut taten! Mehr davon hätte auch gut getan. So bleibt es aber insgesamt eine schwer verständliche Tanzperformance.

Zwei Dinge waren für mich noch auffallend: warum werden die gesprochenen Texte oder auch andere Texte an der Rückwand in Chinesisch wiedergegeben? Und: Man hat zu viel an Choreografie gespürt, finde ich. Jede Bewegung war irgendwie exakt geplant.

Ein Wort noch zur „Therese-Giehse-Halle“: Nichts gegen Therese Giehse, aber die Spielhalle der Kammerspiele gleich nach ihrem Namen zu benennen, halte ich für etwas verwegen. Was ist denn, wenn der oder die Nachfolger*In der jetzigen Intendantin Barbara Mundel die Halle wieder anders nennen möchte! Ist das dann ein Akt gegen Therese Giehse?

HIER der Link zur Stückeseite. Heute Abend und am kommenden Dienstagabend ist es wieder zu sehen.

Copyright des Beitragsbildes: Judith Buss