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THEATER und LITERATUR: Florian Malzacher – Gesellschaftsspiele (Politisches Theater heute)

Theater und Politik – es sind ja zwei völlig verschiedene Welten. Für die Politik sollte Realität zählen, Politik basiert – in unseren Landen zumindest – auf Repräsentation aller. Da gelten Regeln. Für das Theater zählt Anderes. Alles, was im Grunde – Gott sei Dank – mit Politik nicht vereinbar ist, was von der Realität (mal mehr, mal weniger) wegführt. Es geht um Interpretation, um Ausdruck, Träumerei, Subjektivität, um Erschütterung, Kunst, Freigeist, all das und viel mehr. Aber auch um Kritik auf ihre Art.

Alles, was der Mensch immer wieder braucht, um nicht ausschließlich von der verdammten, gefährlichen sogenannten Realität gesteuert zu werden, das ist doch Kunst. Natürlich hat Theater dabei oft auch eine politische Kraft. Teils ungewollt, teils gewollt und beabsichtigt.

Nur: Wo sind denn die Schnittpunkte von Theater und Politik? Was ist noch Theater, was ist Politik? Darf, sollte oder müsste Theater auch Politik – besser: „Politisches“ – machen? Wann und vor allem wie wird der Zuschauer politischen Überlegungen ausgesetzt? Wann und wie macht Theater denn heutzutage Politik? Leben wir nicht in einer Zeit, in der das Theater viel Politisches bringen muss, weil so viele grundlegende Änderungen anstehen?

Das sogenannte „Politische Theater“ gibt es ja schon lange, im Grunde schon immer. Auch die griechischen Tragödien oder Shakespeare oder oder kann man ja politisch sehen. Ja, wir leben in Zeiten, in denen politisch sehr sehr viel getan werden muss und wir alle aufpassen müssen, wohin der Weg geht.

Eine aktuelle Bestandsaufnahme über HEUTIGE Ansätze politischen Theaters bringt das Buch „Gesellschaftsspiele“ (mit dem Untertitel „politisches Theater heute“) von Florian Malzacher, das ich gelesen habe. Ich habe es gelesen, da z. B. Falk Richter – künftig knstlerischer Leiter und Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen – in seinen Stücken gerne politische Aussagen vermittelt. Oder Christoph Schlingensief, dessen Filmportrait ich kürzlich besprochen habe: Er stand oft genug an einer Schnittstelle zwischen Kunst und Politik. Sein Vorteil war ja, dass seine Aktionen fast immer als Kunstaktionen, nicht als Politik zu interpretieren waren. Das machte ihn freier.

Nun zum Buch von Florian Malzacher, das den Blick auf heutiges politisches Theater schärft.

Es ist keine leichte Lektüre. Schon die Kapitel, die man liest, sind anfangs überschrieben mit Begriffen, mit denen man zum Teil in Bezug auf Theater auf den ersten Blick recht wenig anfangen kann: „Repräsentation“, „Identitätspolitiken“, „Partizipation„. Danach kommen verständlichere Kapitelbezeichnungen: „Kunst und Aktivismus“, „Theater als Versammlung“.

Das Buch bleibt gottseidank nicht bloße Theorie. Es ist theoretisch gehalten, man muss es, schien mir, im Grunde zweimal lesen, es wird aber immer wieder gestützt durch Bezugnahme auf verschiedenste Aufführungen oder Projekte aus der „politischen“ Theaterwelt der letzten Jahre. Teils sehr bekannte Projekte von Christoph Schlingensief, Anta Helena Recke, Gintersdorfer/Klaßen, Rimini Protokoll, Lotte van den Berg, Zentrum für Politische Schönheit, Pussy Riot, Jonas Staal, Public Movement, Milo Rau und andere werden angesprochen.

Zu den einzelnen Kapiteln des Buches:

Repräsentation: Malzacher stellt zunächst die Frage, wer denn auf der „Bühne“ wen repräsentiert? Hierin steckt ja das erste politische Merkmal. Schwarze Schauspieler in einem bayerischen Stück (Mittelreich)? Behinderte (HORA)? Frauen? Androide? Dinge? Die Natur? Welche Auswirkungen hat die Repräsentation auf der Bühne auf den Zuschauer?

Identitätspolitiken: Dieses Kapitel hängt stark mit dem vorhergehenden zusammen. Es werden ja, so Malzacher, immer wieder Identitäten von – meist benachteiligten – Gruppen definiert. Dieses Suchen und Benennen von Gruppenidentitäten kann natürlich zur Spaltung der Gesellschaft führen. Malzacher schreibt:

Ein Theater, das sich selbst als politisch begreift, muss ein Bewusstsein für seine Wirkungen – auch seine Nebenwirkungen – haben. Das bedeutet zunächst einmal ganz simpel: zu versuchen, niemanden auszuschließen, zu benachteiligen, zu beleidigen und das Leiden anderer nicht durch bestimmte Formen der Darstellung zu verniedlichen.

Es bleibt ein Spagat: Unterschiedliche Benachteiligungen zu erkennen, anzuerkennen und zu bekämpfen – und zugleich Spaltungen zu überbrücken in einer Zeit, in der größere Allianzen progressiver Gruppen dringend nötig sind, um sich der immer realer werdenden Bedrohung von rechts entgegenzustellen.

Partizipation: Malzacher schreibt hier:

Wo Theater politisch sein will, muss es sich mit der Frage nach Teilhabe auseinandersetzen …

Teilhabe, „Mitmachtheater“ und – heute sehr aktuell – Immersion, also Eintauchen in eine erstellte Realität – Go in instead of look at. Freiwilligkeit – Unfreiwilligkeit, Aktivismus – Pazifismus, Konfrontation und Fürsorge, das und mehr sind Themen dieses Kapitels

Kunst und Aktivismus: Auch das ist ein weites Feld im Bereich „Politisches Theater“. Aktivismus spielt sich in diesem Bereich weniger auf Theaterbühnen ab. Gemeint sind eher Aktionen wie etwa diejenigen von Christoph Schlingensief oder vom Zentrum für Politische Schönheit. Auch sie müssen genaustens vorbereitet sein und dürfen nicht rein politische Bedeutung erhalten. Es geht oft um kurzfristige Verwirrung des Betrachters.

Theater als Versammlung: An den Münchner Kammerspielen wird in der nächsten Spielzeit ein Stück mit dem Titel „The Assembly“ laufen. Was ist Theater an einer Versammlung? Es sind meist Versammlungen, die eben nicht stattfinden. Die damit andere Stimmen zur Sprache bringen. Malzacher schreibt:

… neue Kollektivität: eine Praxis, bei der Kunst, Theater, Performance, Aktivismus und Politik zusammenkommen… Einerseits sind diese Versammlungen künstlerische Setzungen, andererseits stehen sie in direkter Verbindung mit sozialen und politischen Bewegungen, denen sie ihr künstlerisches Potenzial zur Verfügung stellen.

Bekannt ist vor allem Milo Rau in diesem Bereich. Das Congo Tribunal, General Assembly, die Moskauer Prozesse. Malzacher geht hier aber auch auf viele andere Beispiele dieser Art ein. Es ist ein weites und gern genutztes Feld, Theater und Politik zu verbinden.

Politisches Theater ist also sehr komplex, aber auch sehr aktuell. Das Buch „Gesellschaftsspiele“ kann beim Alexander Verlag in Berlin geordert werden. HIER der Link.


THEATER und LITERATUR: Falk Richter – disconnected

Falk Richter, der Theaterregisseur, der wegen einiger seiner Stücke – meist Stücke, die er selbst geschrieben hat – sehr bekannt (international bekannt) geworden ist. Andererseits ist er wegen rechtlicher Auseinandersetzungen mit der AfD zu seinem Stück FEAR bekannt geworden. Hierzu etwas mehr weiter unten.

Über 35 eigene Theaterstücke hat Falk Richter in etwas über 25 Jahren bisher entwickelt. Er ist ab der kommenden Spielzeit Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen. Die Münchner Kammerspiele schreiben über ihn:

„Autor und Regisseur, 1969 in Hamburg geboren, studierte Theaterregie in Hamburg … Hausregisseur an der Schaubühne Berlin sowie am Maxim Gorki Theater und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Zu seinen wichtigsten Werken zählen u. A. die weltweit gespielten Stücke „Electronic City“, „Unter Eis“, „Trust“ und „Fear“. … Einladungen zum Berliner Theatertreffen und Nominierung für den Mülheimer Dramatiker*innen-Preis … zuletzt 2020 mit „In My Room“. Uraufführung von Elfriede Jelineks „Am Königsweg“ am Deutschen Schauspielhaus Hamburg … wurde er zum Regisseur des Jahres 2018 gewählt. … Professor an der Danish National School for Performing Arts in Kopenhagen.“

Ich habe von ihm auf dem Berliner Theatertreffen 2019 die Inszenierung von Elfriede Jelineks „Am Königsweg“ gesehen. In meinem Blog habe ich aus dieser Inszenierung auch zwei Musikstücke gebracht. „Fade Into You „ von Mazzy Star (HIER) und „Frank‘s Dance Peace“ (HIER), Musik des Theatermusikers Matthias Grübel, der in dieser Inszenierung für die Musik verantwortlich war. Theater, Musik und Tanz sind ja die drei Bereiche, die Falk Richter gerne verbindet, so wie es auch für die kommenden fünf Jahre an den Münchner Kammerspielen angekündigt ist.

Vor knapp zwei Jahren hatte Falk Richter ein Buch veröffentlicht, in dem er seine Auffassung von Theater erklärt. Es heißt „DISCONNECTED“ mit dem Untertitel „Theater Tanz Politik“. Ich habe es gelesen. Freunde der Münchner Kammerspiele werden Interesse an diesem Buch haben, da doch davon ausgegangen werden kann, dass Falk Richter auch weiterhin die dort erklärten Auffassungen vertreten und in gewisser Weise zur Basis seiner Inszenierungen machen wird.

Das Buch erscheint im Alexander Verlag Berlin. HIER ist der Link zur Buchseite des Alexander Verlags.

Falk Richter ist ein politisch und gesellschaftskritisch arbeitender Autor und Theateregisseur. In DISCCONNECTED geht er auf einige seiner Produktionen ein, die allesamt immer auch seine Sicht der Gesellschaft in unseren Sphären – die westliche Welt – widerspiegeln. Es sind vor allem seine Stücke „Trust“, „Das System“, „Unter Eis“, „For the Disconnected Child“, „Safe Places“, „Small Town Bodies“, „Complexity of Belonging“.

Zu seinem Stück FEAR musste er viel Kritik einstecken. Auf Wikipedia heißt es dazu:

“Die Inszenierung von FEAR beschreibt Katharina Röben in der Zeitung Die Welt als „überraschend konkret“, sie setze „reale Akteure in den Fokus“ und ergründe „die Angst hinter Hass und Fremdenfeindlichkeit“. Allerdings verharre sie „in einer exakten Bestandsaufnahme – aktuell, rhythmisch, bekannt“, sie liefere „zwar keine Antworten“, sei „aber herrlich komisch, albern und performativ“. ZEIT – Journalist Daniel Müller empfand das Stück als „hart“ und „eindrücklich“. Rechtswidrig sei es nicht. Es gehe „in Richters Stück um die Frage, wie diese gefährlichen Gedanken wieder aus der Welt zu schaffen sind. Die Gedanken, wohlgemerkt, nicht die Menschen, die sie in die Welt tragen“. Dagegen bezeichnete der Welt – Theaterkritiker Jan Küveler das Stück als „traurige“ und „feige“ Veranstaltung, die nicht an Tabus rühre und lediglich Vorurteile und Klischees bediene. Alexander Kissler diagnostizierte im Onlineangebot der Zeitschrift CICERO, der Abend propagiere „Vernichtung, nicht Diskurs“. Er sei „eine Kampfansage, kein Diskussionsangebot“ sowie eine „intellektuelle Bankrotterklärung“. Peter Laudenbach bilanzierte (HIER) in der Süddeutschen Zeitung, das Stück unterliege der „gleichen Logik wie die rechten Foren und Blogs, deren Teilnehmer einander zu immer schrilleren Ausfällen gegen Demokratie, Presse, Kanzlerin und sonstige Andersdenkende anstacheln: Diskursunfähigkeit als Programm“.

Ich konnte diese Anmerkungen ein wenig verstehen, als ich das Buch „Disconnected“ las. Das Buch geht zurück auf drei im Januar 2016 im Rahmen der fünften Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik gehaltene öffentliche Vorträge. Man liest darin im Grunde nicht etwas über künstlerische Aspekte des Theaters heute, sondern Gesellschaftskritik mit meines Erachtens etwas unschönem, zu pauschalem Unterton.

Die Kernaussagen von Falk Richters umfassender Gesellschaftskritik, die sich allein schon im Buchtitel „Disconnected“ widerspiegeln, lauten: Entfremdung des Individuums von sich selbst, vom Gegenüber und von der Gesellschaft – Einsamkeit, Entfremdung, Erschöpfung, Resignation, Überforderung – Unfähigkeit zur Nähe, gesellschaftlicher Druck zur Selbstentfremdung durch Selbstoptimierung – Zurichtung des Menschen durch die Marktverhältnisse!

All das schreibt Falk Richter der gesellschaftlichen Entwicklung der westlichen Welt zu. Starke Worte, die in vielerlei Hinsicht Berechtigung haben. Mir missfielen aber im Buch zwei Aspekte:

– Es ist zu viel und zu negativ: So wirkt es fast kindisch, all diese Aspekte aufzuführen, ohne wirklich ins Detail zu gehen. Das Buch strotzt von – wahrscheinlich locker über einhundert – Fragen zu diesen Aspekten. Antworten können natürlich kaum geliefert werden. Ob und welche Antworten hierzu in den Theaterstücken geliefert werden, kann ich noch nicht beurteilen.

Seine Inszenierungen sind oft Collagen mit vielen Brüchen, es sind nicht durchgehende „Geschichten“. Der Zuschauer wird hin- und hergeschleudert. Falk Richter bevorzugt es dabei, Situationen und Gefühle der Menschen gerade durch Tanz und Bewegung (Anouk van Dijk) darzustellen. Ich fürchte nur, dass man Hass und Zerrissenheit etwa durch Tanz besser darstellen kann, als Tendenzen zu möglichen Antworten auf die vielen aufgeworfenen Fragen und Beobachtungen. So bliebe es dann auch auf der Bühne allein bei der Bestandsaufnahme, der Bemängelung vieler Dinge.

– Der zweite Aspekt, der mir missfiel: Die Erläuterungen von Falk Richter haben insoweit teilweise fast einen aggressiven Unterton. Nicht explizit, aber es wird so viel Unwohlsein gegenüber den aufgegriffenen Aspekten und Personen erzeugt, dass man fast aggressiv werden könnte. Dies scheint auch einer der Gründe zu sein, warum Falk Richter mit seinem Stück FEAR stark kritisiert wurde. Aussagen und Darstellungen gegen Rechtspopulisten der AfD wurden, so die Kritik, mit fast den selben unschönen Mitteln gebracht, die kritisiert werden sollten.

Das Buch „Disconnected“ ist insoweit eine grobe Anhäufung gesellschaftspolitischer Aspekte, die Falk Richter umtreiben. Wir werden sehen, welche Aspekte davon in nächster Zeit von ihm in seinen Produktionen an den Münchner Kammerspielen zur Geltung gebracht werden.

Hoffentlich wird er die Themen etwas sensibler, fantasievoller und nicht so einseitig vorwurfsvoll bringen, wie es im Buch DISCONNECTED geschieht. Hoffentlich auch mit ein bisschen mehr Sinn für Details als es im Buch DISCONNECTED geschieht. Andererseits: Klar, man darf natürlich auch einmal pauschal und gröber arbeiten. Es bleibt spannend an den Kammerspielen – nach der Zeit unter Matthias Lilienthal, die mir gegenüber von mehreren Kennern und Liebhabern der Theaterwelt als „Geschichte“ bezeichnet wird. „Wir haben Geschichte erlebt“, hörte ich.

LITERATUR: Eshkol Nevo – Die Wahrheit ist

Wer KINDER-Überraschungseier mag, wird Gefallen an diesem Buch finden! Nicht weil es kindisch wäre! Nein, weil man viele Überraschungserlebnisse hat. Eshkol Nevo, Schriftsteller aus Israel, beantwortet in seinem jüngsten Roman „DIE WAHRHEIT IST“ Fragen über das Schreiben, über sein Leben als Schriftsteller, die Entstehung der Texte, die Personen, über die er schreibt, über viele viele Dinge, die mit dem Schreiben von Büchern in Zusammenhang stehen.

Die Antworten sind Überraschungen. Immer wieder kann man gespannt sein, was er zu einer Frage erzählt.

Meine Bewertung: 8 Punkte (von 10 Punkten). Ich werde demnächst auf 20 Punkte umstellen, dann wird es differenzierter werden. 20 Punkte, das ist doch eine Freude! Ich habe in letzter Zeit zu oft 8 Punkte vergeben. 8 Punkte heißt auf jeden Fall: Schön, dass ich das Buch gelesen habe! Bei 7 und weniger Punkten dagegen hatte ich schon mehr Kritikpunkte gefunden.

Eshkol Nevos Buch „Die Wahrheit ist“ ist ein großes Interview. 111 Fragen werden gestellt und 111 Antworten gegeben! Mal kurze, mal längere. Meist sind es kurze Einblicke in Momente seines Lebens. Das Gute ist: Am Ende hat man nicht Bauchweh, nicht Zahnweh wegen süßer Schokolade, sondern einen autobiografisch zutreffenden Einblick in das Leben des israelischen Schriftstellers Eshkol Nevo. Immer vor dem Hintergrund der Fragen, die sich fast ausschließlich auf das Schreiben von Büchern und das „Drumherum“ (die Personen, Lesungen, die Sprache, die Ideen, die Verläufe der Romane, die Zeiten vor und nach dem Schreiben etc.) beziehen. Es kommt irgendwie das ganze Leben von Eshkol Nevo zur Sprache. Insoweit ist es eine schöne Art, eine Biographie zu schreiben.

Ich habe mir die Mühe gemacht, die Fragen und auch Stichworte zu den Antworten zusammenzustellen. HIER das Dokument. Es lohnt, das Dokument beim Lesen des Buches daneben zu legen oder es sich ab und an anzusehen. Man liest schließlich keine zusammenhängende Geschichte, der man folgt und bei der man immer weiß, an welcher Stelle des Geschehens man steht.

Andererseits: Viele viele Antworten gehen in verschiedensten Zusammenhängen auf eine überschaubare Anzahl von prägenden Themen im Leben von Eshkol Nevo ein. Ausgehend von der aktuellen Situation von Eshkol Nevo: Er sieht sich vor großen Verlusten in seinem Leben, darum geht es.

Das Vergängliche. Das ist immer wieder der „Aufhänger“ für seine Antworten. Die Ehe mit seiner geliebten Frau Dikla steht vor dem Ende. Sein guter Freund Ari, er kämpft mit Krebs gegen den Tod. Seine Tochter Shiva, sie ist ausgezogen. Und Weiteres. Die Antworten stehen immer wieder mit diesen wesentlichen Themen im Zusammenhang. Und mit Ereignissen und Stationen auf seinem Lebensweg. In einer Antwort etwa öffnet sich eine Tür zum Nachbarzimmer (in einem Hotel) und in einer späteren Antwort erst erfährt man, wer reinkommt.

Eshkol Nevo schafft damit etwas: Er schafft es, dass man erkennt, dass sein gesamtes Leben die Grundlage seines Daseins als Schriftsteller ist. Nicht Grundlage seiner Romane, sondern Grundlage seiner Tätigkeit. (Obwohl, Grundlage seiner Romane: Er sagt auch, dass fast alles, was er erlebt, irgendwann einmal in einer Geschichte auftaucht. Was auch ein Problem für ihn ist – und etewa für seine Tochter Shiva, die sich ungefragt in einem Roman wiederfindet) Eshkol Nevo erwähnt – vor allem neben seiner Frau Dikla – seine Eltern, andere Personen, seine Söhne, seine Tochter, Freunde, Zufälle, kuriose Erlebnisse, prägende Erlebnisse, etwas aus seiner Zeit beim Militärdienst, seinen „Berufsweg“ und und und. Die Fragen beantworten sich aus seinem Leben heraus. Eine Überraschung folgt der anderen.

Wer ist Eshkol Nevo? Wikipedia schreibt:

Eshkol Nevo ist in Israel und in Detroit, USA aufgewachsen. Er ist ein Enkel von Levi Eshkol, des dritten israelischen Ministerpräsidenten. Seinen Wehrdienst als Offizier der Israelischen Armee leistete er bis 1993 zur Zeit der ersten Intifada ab. Er studierte an der Universität Tel Aviv Psychologie. Zunächst arbeitete er danach als Werbetexter, bevor er einen Lehrauftrag in kreativem Schreiben an den Universitäten Tel Aviv und Jerusalem erhielt. Sein erster Roman, Vier Häuser und eine Sehnsucht, stand in Israel über eineinhalb Jahre auf der Bestsellerliste.

Ein weiterer Eindruck aber: Die deutsche Sprache ist – ich habe es schon mehrfach gemerkt – nicht gerade schön. Sie wirkt hart, emotionslos, es wird viel erzählt, aber an den Stimmungen der Szenen kommt nicht genug rüber, fand ich manchmal. Ich vermute jedenfalls, dass der Roman (das Interview) „Die Wahrheit ist“ in seiner Originalsprache, dem Hebräischen, schöner, einfühlsamer ist. Ich vermute, dass in der Deutschen Übersetzung die gesamte Stimmungslage der Erzählungen von Eshkol Nevo zu kurz kommt.

Das wiederum sollte nicht davon abhalten, das Buch zu lesen – besonders, wenn man sich selber mit dem Schreiben von Texten beschäftigt. Es sensibilisiert und zeigt, dass so vieles einen Einfluss darauf hat, was man macht. Das ist das Schöne an dem Buch: Eshkol Nevo zeigt, dass man den Einfluss der Dinge nur erkennen muss und dass genau das dann gelingt, wenn man die Dinge schonungslos ehrlich betrachtet. Ein wertvoller Hinweis! Und deswegen heißt der Roman: „Die Wahrheit ist“.

HIER die Seite des dtv Verlags zum Buch mit Leseprobe..

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LITERATUR: Katya Apekina – Je tiefer das Wasser

Dieser nicht leicht zu verdauende, aber beeindruckende Roman ist in der derzeitigen schwierigen Situation (Corona) möglicherweise eher unpassend. Er zieht runter! – Ich hatte ihn kurz davor gelesen, Glück gehabt!

Man hat derzeit ja genug mit Ausgangsbeschränkungen zu tun, braucht jetzt vielleicht eher etwas Erbauendes, Aufmunterndes. Aber: Es ist ein sehr guter, meines Erachtens lesenswerter Roman!

Meine Bewertung: 8 Punkte von 10 Punkten.

Ich kann ihn empfehlen und würde vorschlagen, ihn sich für eine etwas leichtere Zeit zurückzulegen. Katya Apekina mit ihrem Debutroman „Je tiefer das Wasser“. Sie ist Russin, in Amerika aufgewachsen.

Es ist eine sehr eigenwillige Story, die auch eigenwillig und gut geschrieben ist. Autobiografisch? Ich weiß es nicht. Aber all das völlig frei zu erfinden, ist sicher schwer. Der Roman ist problembeladenen, die ProtagonistInnen des Romans tragen heftige Probleme mit sich herum, die große Komplikationen verursachen:

Nach dem Suizidversuch ihrer Mutter stranden zwei Schwestern bei ihrem Vater in New York, der sich schon in jungen Jahren von ihnen zurückgezogen hatte. Trennung. Doch damit beginnen erst die Probleme.

Die komplizierte Geschichte ist vor allem aus der Sicht der beiden Schwestern, Edith und Mae, beschrieben. In vielen vielen kurzen Kapitelchen werden die Vorgänge und Gefühle der Mitwirkenden aus allen möglichen Blickwinkeln heraus geschildert. Da kommt schon einmal die Zimmergenossin im Krankenhaus, in dem die Mutter liegt, zu Wort.

Es geht schon damit los, dass der Vater von Edith und Mae vor langer Zeit die um viele Jahre jüngere Tochter eines Bekannten heiratete. Marianne wurde seine Ehefrau, die dann eben Jahre später einen Suizidversuch unternahm.

Der Suizidversuch hängt irgendwie wahrscheinlich auch mit der eigenartigen und zerstörerischen Wirkung des Mannes, Dennis, einem erfolgreichen Schriftsteller und Frauenheld, zusammen. Hinzukommt aber sicherlich auch, dass Marianne wiederum sehr unter dem frühen Tod ihres Vaters, des Bekannten von Dennis, litt und schon früh depressive oder „verrückte“ Züge entwickelte. Züge, die wiederum ihre Tochter Mae intensiv miterlebte.

Hier spielt immer wieder auch im Hintergrund eine Black-Power-Geschichte herein, die (ganz amerikanisch) Ausgangspunkt für alles ist: Dennis fuhr nämlich in jungen Jahren mit seinem Freund Fred zu einer Demonstration und wurde im Grunde von Mariannes Vater, Jackson McLean, vor Gegnern der Anreisenden gerettet. Er, Jackson McLean, wurde aber daraufhin angeklagt und starb bald darauf im Stress.

Marianne ist also die Tochter von Jackson McLean, viele Jahre später gerät nun auch die Tochter von Marianne, Mae, in den irgendwie unerklärlichen Sog des ehemaligen Ehemannes von Marianne, ihres Vaters. Der Vater zieht irgendwie Personen auf sich und zerstört sie damit in gewisser Weise.

Wie gesagt: Sehr gut gemacht ist neben den komplizierten, aber sehr gut geschilderten psychischen Situationen der ProtagonistInnen – davon gibt es wahrlich viele verschiedene! – die Art und Weise, wie die einzelnen Szenen, die sich ergeben oder schon längst ergeben hatten, geschildert werden. Es gibt immer wieder Rückblenden.

Die eigentliche Handlung spielt ohnehin im Jahr 1997, als die Mutter den Suizidversuch unternommen hatte. Diese Zeit wiederum wird aus der Sicht von Edith im Präsens geschildert, ein großer Teil des Romans betrachtet diese Phase allerdings im Rückblick, aus der Sicht von Mae, Jahre später. Ein kleiner Teil des Romans beleuchtet wiederum die Vorgeschichte der Eltern in den sechziger Jahren. Es sind, wie gesagt, immer wieder kurze Kapitelchen mit kurzen Erklärungen der jeweils beteiligten Personen, in jeweils verschiedenen Zeiten. Sehr interessant gemacht.

Die Geschichte erscheint anfangs unverständlich, alles löst sich aber im Lauf der Zeit auf. Insoweit entsteht mehr und mehr der Sog, weiterzulesen.

Um die Übersicht über die Personenkonstellation einzubehalten, habe ich wieder eine Art mind map angelegt. Ich empfehle, sich diese mind map beim Lesen des Buches zur Seite dazuzulegen. HIER das Dokument.

HIER die Seite zum Buch auf der Website des Suhrkamp Verlages mit Informationen auch zu Katya Apekina.

THEATER und LITERATUR: „The Vacuum Cleaner“ und „Ich nannte ihn Krawatte“

DER ROMAN: Es ist die Erzählung über einen „Hikikomori“. Unter anderem zumindest. Ich bin andererseits durch ein Theaterstück auf das Buch gekommen. Es wurde mir dazu empfohlen. DAS THEATERSTÜCK: „The Vacuum Cleaner“ von Toshiki Okada, das an den Münchner Kammerspielen läuft.

„Ich nannte ihn Krawatte“ heißt der ROMAN von Milena Michiko Flašar. Es geht, wie im THEATERSTÜCK, um einen sogenannten „Hikikomori“. „Hikikomori“ werden in Japan Menschen genannt, die sich jahrelang von der Außenwelt abkapseln und – anstatt etwa irgendwann in jungen Jahren von zu Hause auszuziehen – nurmehr in ihren vier Wänden leben. Kein Kontakt zur Außenwelt! Schluss mit Gesellschaft! Es soll etwa eine Million Hikikomori in Japan geben – wobei die Zahlen sehr schwanken.

Die INSZENIERUNG „The Vacuum Cleaner“ wiederum ist zum Theatertreffen 2020 nach Berlin eingeladen, das im Mai stattfindet. Es wurde als eine der „10 bemerkenswertesten Inszenierungen deutschsprachiger Bühnen des vergangenen Jahres“ (die sogenannte „10er-Auswahl“) nach Berlin eingeladen. Das wiederum hatte mich angesichts der unspektakulären Inszenierung übrigens etwas gewundert, aber gut! Ich schreibe hier wenig über die Inszenierung.

HIER vielmehr „nur“ der Link zur Stückeseite, auf die ich schlicht verweise. HIER noch ein Video mit der Begründung der Jury des Berliner Theatertreffens zur Auswahl von „The Vacuum Cleaner!.

Es ist jedenfalls keineswegs eine irgendwie aufwühlende Inszenierung, eher ruhig und überschaubar. So arbeitet Toshiki Okada immer wieder an gesellschaftlichen Erscheinungen aus Japan – zum vierten Mal an den Münchner Kammerspielen. Immer etwas zurückhaltend und wahrscheinlich erkennen wir nicht alle Andeutungen und Anspielungen seiner „japanisch“ leisen und natürlich japanisch vornehmen und zurückhaltenden Arbeiten.

Meine Bewertung des Romans „Ich nannte ihn Krawatte“ jedenfalls, um den es hier im Folgenden gehen soll: 6 von 10 Punkten.

Man hält ein recht schmales „Büchlein“ in der Hand. Ein Büchlein aber – sah ich – mit über einhundert ganz kurzen, kleinen Kapiteln – mal ist es eine Seite, mal sind es eineinhalb Seiten, fast nie mehr. Auch inhaltlich ist es – merkte ich dann – keineswegs nur ein „Büchlein“. Das geschilderte Geschehen ist zwar äußerst überschaubar – hauptsächlich eine Unterhaltung des Hikikomori auf einer Parkbank mit einem Herrn, den er eben „Krawatte“ nannte.

Schlicht also, es werden aber viele viele Eindrücke von beiden „Protagonisten“ erzählt, angesprochen. Zu viele für meinen Geschmack. Fast jedes der Geschehen, die so angesprochen werden, wäre für sich gesehen einen eigenen Roman wert. Es sind im Wesentlichen folgende Geschehen, die angesprochen werden und mit denen der Leser also konfrontiert wird :

  • Der Hikikomori wagt sich tatsächlich von zuhause heraus! Er geht in einen Park, sitzt auf einer Bank. „Krawatte“ sitzt ihm wochenlang gegenüber.
  • „Krawatte“ wiederum hat kürzlich seinen Job verloren und traut sich nicht, es seiner Frau zu gestehen, er tut so, als würde er täglich zur Arbeit gehen.
  • „Krawatte“ ist – liest man dann – Vater eines behinderten Sohnes gewesen. Er verlor seinen Sohn sehr früh – als Säugling starb es schon. Davon erzählt er dem Hikikomori.
  • Der Hikikomori wiederum hatte durch einen Unfall einen Freund fast verloren. Das war der Anlass für ihn, sich aus dem Leben zurückzuziehen, er wollte nicht mehr in das Leben andere „hineingezogen“ werden. Schuldgefühle und Scham.
  • Weiter: Der Hikikomori war – fast noch als Kind – in das eigenwilligste Mädchen der Straße verliebt. Der Hikikomori verlor dieses Mädchen, sie beging Selbstmord, weil sie in der Schule, scheint es, gemobbt wurde.
  • Und weiter: Der Hikikomori traf aus zunächst unerfindlichen Gründen „Krawatte“ nicht mehr im Park an – sieben Wochen lang , bis er erfuhr, dass „Krawatte“ genau an dem Tag, an dem er – auch auf Anraten des Hikikomori – seiner Frau vom Jobverlust erzählen wollte … und so weiter.
  • „Krawattes“ Frau erzählt dem Hikikomori dann später, sie habe ….

Ich will nicht alles verraten. Soviel erfährt man jedenfalls. Puh! Ich muss gestehen: Ich dachte, es ginge in dem Roman hauptsächlich um die Gedanken eines Hikikomori. Aber es geht eher um „Krawatte“:

Es ist gut geschrieben, schön zu lesen, aber eben alles etwas viel. So viele erschütternde Ereignisse in diesem Roman! Wirklich schön sind aber die immer wieder auftauchenden, sensiblen wunderbaren Gedanken zum Leben – das Leben, was ist das schon? Das wiederum sind wohl Gedanken eines Hikikomori! Wegen dieser Gedanken lohnt es!

LITERATUR: Anke Stelling – Schäfchen im Trockenen

Anke Stelling hatte 2019 mit ihrem Roman „Schäfchen im Trockenen“ den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen. Sie stammt aus Ulm und lebt in Berlin. 2015 war ihr Roman „Bodentiefe Fenster“ auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis.

Meine Bewertung für „Schäfchen im Trockenen“: 7 Punkte (von 10)

Am 24. Februar kann man Anke Stelling – HIER ihre Website – an den Münchner Kammerspielen – in Kammer 3 – erleben. In der kleinen Reihe „Episode“ – Gespräche über Filmserien – spricht sie mit Eckehart Kröner (Mitherausgeber und Redakteur der Zeitschrift „Merkur“) über die Netflixserie „The Crown“.

Worum es in „Schäfchen im Trockenen“ geht? Ich würde sagen: Ihr Idealismus, Sturheit, dann der Lebensstandard anderer, entstandene Unterschiede im Freundeskreis, Ehrlichkeit, Familienalltag einer Mutter von vier Kindern.

Die Protagonistin Resi, Mutter von vier Kindern. Sie spricht im Roman „Schäfchen im Trockenen“ mit ihrer 14-jährigen Tochter Bea, der Ältesten. Ihr erklärt sie alles: Das Dilemma mit dem langjährigen Freundeskreis, ihr groß gewordener Abstand zu diesem Freundeskreis, ihre Einstellungen zu vielen Dingen, ihre Lebenssituation, das frühere Verhältnis zu ihren Eltern, ihre Absichten mit ihren eigenen Kindern, etc.

Ja, um den gewachsenen Abstand zum alten Freundeskreis, um die „Unterschiede“ der Leben – alle waren doch mal so gleich! – , darum geht es. Zwei Aufhänger gibt es:

  • Erstens: Resi und ihr Mann hatten als Einzige nicht bei der Baugemeinschaft der Freunde mitgemacht – ein alter WG-Gedanke der Freunde.
  • Zweitens: Resi hat jetzt noch dazu einen Roman veröffentlicht, in dem sie (nach Auffassung der alten Freunde) offenbar viel zu deutlich mit den Freunden abrechnet. Mit der Baugemeinschaft etc.

„Schäfchen im Trockenen“ heißt der Roman dabei wohl deswegen, weil Resi an ihren Freunden beklagt – nicht nur das -, dass sie trotz all der früheren idealistischen Pläne und der Idee der Gleichheit aller jetzt nur noch dem Gefühl folgen: „Wir bringen unsere Schäfchen ins Trockene!“. Sie kritisiert es nicht nur, vielleicht beneidet sie es auch. Das bleibt etwas offen, sie sagt selber sinngemäß: „Nichts ist eindeutig“.

Resi hat eine andere Lebenseinstellung erhalten, als ihre Freunde. Es muss nicht alles nach „Standard“ laufen. Die in der Jugend erdachte Gleichheit hat sich nicht verwirklicht. Man driftet auseinander. Das will sie ihrer Tochter klarmachen, will ehrlich sein, Erfahrungen weitergeben. Sie ist ja irgendwie übrig geblieben. Auch sich selber gegenüber will sie ehrlich sein. Oft redet sie in diesem Zusammenhang auch über ihre Eltern, die ihr viel zu viel vom Leben verschwiegen hätten.

Es hat sich eben im Lauf der Jahre „die Spreu vom Weizen getrennt“. Resi lebt finanziell mit Ihrem Mann und den vier Kindern am – naja – eher unteren Rand des Möglichen. Auch über Sven, ihren Mann, redet sie. Jetzt muss die Familie auch noch die schöne Wohnung in Berlin Prenzlauer Berg verlassen, nach Marzahn rausziehen. Keine teure Urlaubsreise etc. im Gegensatz zu ihrem alten Freundeskreis und den Klassenkameraden von Bea. Die normalen Themen. Die Freunde von Resi haben zum Teil reich geerbt und sich eben auf ein eher standardmäßiges Familienleben eingerichtet. Schäfchen im Trockenen! Resi hat sie nicht im Trockenen, die „Schäfchen“, also ihr Leben, sie muss kämpfen.

Über diese Distanz, diese Ungleichheiten, ihre Ursachen, das Verhalten der Freunde, all das, darüber denkt sie nach. Überlagert wird alles ständig vom unaufhaltsamen banalen Alltagsleben einer Mutter mit vier Kindern.

Die Sprache:

Die Sprache des Romans ist literarisch nicht „hochwertig“, eher der Situation von Resi und ihrer Familie angepasst, das passt auch gut. Viele kurze Gespräche, klare kurze Überlegungen. Es ist eine einfache, natürliche Sprache. Das macht den Roman glaubwürdig, schließlich wird Resi immer wieder unterbrochen vom stressigen Alltag ihres Familienlebens. Wie es eben so ist, wie wir es wirklich kennen! Gesehen und erlebt von der Mutter! Die Sprache folgt ihren – modernen – Alltagsgedanken.

Insgesamt ist es ein fast amüsanter Blick auf die Tatsache, dass sich Leben unterschiedlich entwickeln und dass sich die entstandenen Unterschiede gerade im Freundeskreis bemerkbar machen. Freundschaft hin oder her. Idealismus hin oder her. Resi ist stolz auf ihre „Hartnäckigkeit“ – oder zweifelt sie? Es geht um die ständige Verschränkung von Idealismus einerseits und finanziellem Lebensstandard andererseits.

Sieben Punkte vergebe ich, weil einerseits das Alltagsleben von Resi und ihre Probleme, ihre Gedanken, schön verpackt sind, es ist leicht zu lesen, es mir aber etwas zu uneindeutig blieb. Aber das sagt Resi andererseits schon in den ersten Sätzen des Romans zur Tochter: „Es gibt keine Eindeutigkeit.“

Während des Lesens habe ich wieder eine Word-Übersicht zu den erscheinenden Personen erstellt. HIER der Link. Mit WORD öffnen und ansehen!

HIER der Link zur Seite des Buches auf der Website des Verbrecher Verlags.

Und HIER eine Rezensionsübersicht auf http://www.perlentaucher.de.

LITERATUR, THEATER und MUSIK: John Steinbeck – Früchte des Zorns

Ich habe wieder einmal einen Klassiker gelesen. „Früchte des Zorns“ von John Steinbeck. Er hat 1962 – nicht nur dafür – den Literaturnobelpreis bekommen. UND: Am Schauspielhaus Zürich gibt es derzeit eine Inszenierung von Christopher Rüping zu diesem Buch. „Früchte des Zorns“. UND: Ein Song zum Roman folgt unten.

Meine Bewertung des Romans: 6 von 10.

ZUM THEATER:

Christopher Rüping war zuletzt Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen, hatte dort etwa die wunderbare 10-Stunden-Inszenierung „Dionysos“ auf die Bühne gebracht. HIER mein damaliger Beitrag dazu. Derzeit ist er Hausregisseur am Schauspielhaus Zürich, wird aber im Januar nächsten Jahres an den Münchner Kammerspielen Bertolt Brechts „Im Dickicht der Städte“ inszenieren.

HIER der Link zur Website des Schauspielhauses Zürich, zur Stückeseite der Inszenierung „Früchte des Zorns“. Die Inszenierung wird in der Presse sehr gelobt.

ZUM BUCH:

John Ernst Steinbeck, geboren am 27. Februar 1902 in Kalifornien und gestorben am 20. Dezember 1968 in New York. Einer der meistgelesenen US-amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. 1943 war er Kriegsberichterstatter im Zweiten Weltkrieg, 1940 erhielt er den Pulitzerpreis für den Roman „Früchte des Zorns“ und 1962 den Literaturnobelpreis.

„Früchte des Zorns“ ist ein trostloses Buch. Geschildert wird, wie eine große Familie aus dem Süden Amerikas mit einem schrottigen Lastwagen nach Kalifornien fahren will und sich bis dorthin durchschlägt. Eine lange, aufwändige Tour, die genau geschildert wird. Einige aus der Familie gehen verloren, sterben, gehen alleine weiter. Die Familie der Joads. Großeltern, Eltern, Kinder, Enkelkinder, ein befreundeter Priester, ein Onkel. Als Farmerfamilie im Süden Amerikas gab es einfach nichts mehr zu verdienen. Große Firmen kamen auf, Maschinen übernahmen die landwirtschaftliche Handarbeit, Land wurde aufgekauft.

Die Familie der Joads fällt immer mehr auseinander. Auch das Ende des Romans ist trostlos. Der lange Weg der Familie Joad wird äußerst genau geschildert. Man liest das Buch fast wie das Drehbuch eines Films. Man sieht jede Szene genau vor sich. Von der Schreibweise her nicht irgendwie auffallend, sehr realistisch, fast nüchtern beschreibend, nicht emotionalisierend, auch nicht etwa speziell die ein oder andere Person der Familie in den Vordergrund rückend. Wegen der nicht gerade prickelnden Schreibweise gebe ich auch „nur“ die Sechs Punkte auf meiner Skala.

Wie sie Zelte aufschlagen, wie sie fahren, wie sie im Lastwagen liegen, wie die Mutter kocht, wie man mit ihnen umgeht, ihre Sorgen, ihr permanenter Kampf gegen die Armut, die Tochter wird schwanger, sie reden, wie sie ihre Würde behalten wollen, alles.

Das Drama nimmt seinen Lauf, weil zur damaligen Zeit wohl Tausende von Farmerfamilien aus dem Süden in den Norden gefahren sind, um Arbeit zu finden. Als Obstpflücker, als Baumwollpflücker. Um zu überleben. Sie waren aber im Norden nicht willkommen, die „Okies“ aus Oakland etwa.

Noch dazu haben die Farmer im Norden Amerikas die Situation wohl komplett ausgenutzt. So der Roman. „Viele Zureisende“ bedeutete ja, dass ihnen Arbeit für einen Hungerlohn gegeben werden konnte. Jeder nahm ja Arbeit an. Hunger wird auch immer wieder geschildert, die Ausweglosigkeit.

Hier ein Blick ins Buch:

Ein Roman gegen brutalen Kapitalismus. Und ein Roman mit Bezug zu allen Zeiten: Vielen Menschen geht es schlecht – wir dürfen den Blick nicht abwenden.

Und HIER die Seite zum Buch auf der Website des dtv Verlags.

ZUR MUSIK:

Bruce Springsteen hat einen Song geschrieben: The Ghost of Tom Joad. Hier die Lyrics:

Men walkin‘ ‚long the railroad tracks – Goin‘ someplace there’s no goin‘ back – Highway patrol choppers comin‘ up over the ridge – Hot soup on a campfire under the bridge – Shelter line stretchin‘ ‚round the corner – Welcome to the new world order – Families sleepin‘ in their cars in the Southwest – No home no job no peace no rest – The highway is alive tonight – But nobody’s kiddin‘ nobody about where it goes – I’m sittin‘ down here in the campfire light – Searchin‘ for the ghost of Tom Joad – He pulls a prayer book out of his sleeping bag – Preacher lights up a butt and takes a drag – Waitin‘ for when the last shall be first and the first shall be last – In a cardboard box ’neath the underpass – Got a one-way ticket to the promised land – You got a hole in your belly and gun in your hand – Sleeping on a pillow of solid rock – Bathin‘ in the city aqueduct – The highway is alive tonight – Where it’s headed everybody knows – I’m sittin‘ down here in the campfire light – Waitin‘ on the ghost of Tom Joad – Now Tom said „Mom, wherever there’s a cop beatin‘ a guy – Wherever a hungry newborn baby cries – Where there’s a fight ‚gainst the blood and hatred in the air – Look for me Mom I’ll be there – Wherever there’s somebody fightin‘ for a place to stand – Or decent job or a helpin‘ hand – Wherever somebody’s strugglin‘ to be free – Look in their eyes Mom you’ll see me.“ – Well the highway is alive tonight – But nobody’s kiddin‘ nobody about where it goes – I’m sittin‘ down here in the campfire light – With the ghost of old Tom Joad

Hier ein Lifeversion, Bruce Springsteen und Tom Morello. Nach 30 Sekunden des Videos geht der Song los. Er gibt – auch von den lyrics – die Athmosphäre des Romans gut wieder! Es gibt auch eine gute Version von Tom Morello mit Roger Waters:

THEATER und LITERATUR: Alexander Schimmelbusch – Hochdeutschland

Man kann es lesen und es läuft derzeit in den Münchner Kammerspielen: „Hochdeutschland“ von Alexander Schimmelbusch. Zum Buch: Rüde und frech geschrieben, eine politische Utopie, keine schöne Literatur, ein verrücktes Gedankenspiel. So kann man es vielleicht beschreiben.

Meine Bewertung des Buches (1 – 10): (5)

Man kann lachen und merkt, dass es eigentlich einen wichtigen Gedanken enthält. Literarisch ist es wahrlich nicht besonders, daher gebe ich nur fünf Punkte.

Es geht um einen steinreichen Investmentbanker, Victor, der in Frankfurt lebt, letztlich – nachdem er wieder einmal bei Vapiano gegessen hat – seinen Beruf hinschmeißt und eine politische Idee entwickelt, die gegen die sich immer mehr vergrößernde Wohlstandsschere gerichtet ist.

Copyright: Gabriela Neeb

Alexander Schimmelbusch selbst war fünf Jahre lang Investmentbanker. Er kennt die Szene bestens. Und er wird in seiner Schilderung kaum übertreiben. Ich kenne auch einen Investmentbanker, der sich nach wenigen Jahren harter Arbeit in einer Frankfurter Investmentbank auf einen wunderschönen, wahrscheinlich millionenschweren riesigen Bauernhof am Tegernsee zurückziehen konnte. Schön für ihn! Bestens renoviert, edel ….

Treffende Sätze aus dem Roman „Hochdeutschland“ sind etwa:

„Es war ein altes System, das durch zu viele Hände gegangen war, das immer wieder repariert und modifiziert worden war und nach den Tuningmaßnahmen durch den Neoliberalismus nicht mehr als Volkswagen, sondern als Zuhälter-Mercedes mit Diffusor und Flügeltüren daherkam.
Victor bezog sich auf den Neoliberalismus im umgangssprachlichen Sinne, also auf die radikale Heilslehre von der Entsolidarisierung, die in den letzten zwei Jahrzehnten lustvoll einen tiefen Keil in die Gesellschaften des Westens getrieben hatte.“

Alexander Schimmelbuschs Idee: Vermögensobergrenze für Reiche, volles Leistungsprinzip, aber dann Wohlstand für alle durch eine „unternehmerische Regierung“, die Deutschlands Position auf dem Weltmarkt sichert. In gewisser Weise ein Chinamodell: Der Staat schützt den unternehmerischen Erfolg Deutschlands weltweit durch Staatsbeteiligungen, der Staat muss sich um die Zukunft kümmern. So auch schon der letzte „Deal“ von Victor, sein Treffen mit dem Finanzminister. Die Idee entwickelt sich dann zur politischen Partei, die sogar die Regierung stellt. Usw.

Amüsant geschrieben, voll beladen mit Klischees (die aber irgendwie wahrscheinlich auch alle zutreffen), natürlich nicht politisch voll durchdacht. Allein die Vermögensobergrenze von € 25 Mio. ist ja letztlich völlig illusorisch.

Dem Buch entsprechend ist die Inszenierung an den Kammerspielen „aus Schaum gemacht“. Siehe das Bild oben. Die SchauspielerInnen waten in einer tiefen Schaummasse, die über die Bühne verteilt ist. Schauspielerisch keine Glanzleistung, es ist eher eine rednerische Erzählung des Buches, Erzählung eines Teils des Buches, abwechselnd durch die fünf SchauspielerInnen. Kaum Interaktionen.

Den Kern des Buches verstehe ich aber gut: Er hat etwas sehr Realistisches: Einerseits soll Deutschland weiterhin auf dem Weltmarkt eine Rolle spielen, damit unser Wohlstand weiterhin gesichert ist. Andererseits geht es unbedingt um das soziale Denken in Deutschland. Die Reichen müssen nicht noch reicher werden. Es geht um die, die NICHT reich sind. Usw. Insoweit lesenswert, ansehenswert.

HIER der link zur Seite des Stückes an den Münchner Kammerspielen, mit Video und vielen Fotoaufnahmen.

HIER der link zur Seite des Buches beim Rowohlt Verlag.

LITERATUR: Inger Maria Mahlke: Archipel

Das Buch ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Inger Maria Mahlke hat mit ihrem Roman „Archipel“ den Deutschen Buchpreis 2018 erhalten. Der Preis wird jährlich zur Frankfurter Buchmesse vom Börsenverein des Buchhandels vergeben. HIER die damalige Begründung der Jury.

Meine Bewertung (1-10): 📚📚📚📚📚📚📚📚📚 (9)

Für den Deutschen Buchpreis 2019 gibt es bereits die Longlist. Am 17. September wird die Shortlist bekannt gegeben. Die Preisverleihung 2019 findet dann am 14. Oktober statt. HIER ist die Seite zum Deutschen Buchpreis mit allen Informationen, auch zur Longlist, und mit einem Archiv.

Meine Eindrücke zusammengefasst: Ein sehr interessanter, eigener Schreibstil – wunderbare Beschreibungen einfacher Szenen – langsam Lesen! – schwieriges Thema im Hintergrund, wer kennt schon die Geschichte Spaniens und speziell Teneriffas gut? Darum geht es aber. Folgendes:

Erstens: Alltagsszenen werden geschildert, immer wieder einfache Alltagsszenen, wie wir nun einmal leben. Aus Teneriffa, von heute zurück bis 1919. In kleinen Kapiteln werden immer wieder Blicke auf die Beteiligten Personen und ihre Zustände geworfen. Keine außergewöhnlichen Handlungen, es ist normales Leben, aber wirklich sehr schön erzählt, sehr eigen. Die Wortwahl, der Satzbau, alles etwas besonders. Deswegen: Langsam Lesen! Ein kleiner „Nachteil“: Man hat viele viele Einzelszenen schön beschriebene vor sich, aber nicht einen abgeschlossenen Handlungsstrang. Das macht es etwas schwieriger, dem Buch zu folgen. Ich habe es zweimal gelesen.

Zweitens: Bei diesen Alltagsszenen schwingt alles mit. Und genau so erzählt Inger Maria Mahlke: Inger Maria Mahlke verbindet verschiedene nicht oft zu findende Eigenheiten im Schreib- und Erzählstil. Diese Verbindung schafft – finde ich – einen literarisch gelungenen Roman: Man spürt alle Entwicklungen im Grunde nur hinter den Alltagsszenen, zwischen den Zeilen, in Andeutungen. Das Persönliche und das Politische, ebenso andere Details der Erzählung.

Ein Beispiel bringe ich: Ein Quietschen wird erwähnt und im Grunde zeigen sich darin viele Geschichten:

Erst als Eliseo den Laut hört, ein langgezogenes Quietschen, wird ihm bewusst, dass er es bereits eine Weile kennt. Die Angeln des Gartentors, jedes Mal, wenn er in den Club geht, zu Mittag wieder nach Hause kommt, abends zu seinem Spaziergang aufbricht, das Tor im Dunkeln hinter sich zuzieht. Jedes Mal, wenn Merche, nein, Eulalia, mit Strickjacke und vor der Brust verschränkten Armen Brot holen geht, der Postbote die Post bringt, ein langgezogenes Quietschen, und doch ist Eliseo sicher, es vorher nicht bewusst wahrgenommen zu haben.

Drittens: Man verfolgt viele Jahre eines Familienstammes zurück, ausgehend von Ana und Felipe mit der Tochter Rosa, zurück auf deren Eltern, zurück zum Teil wiederum auf deren Eltern, auch auf ein paar andere Personen in deren Umfeld. Teils ist es nicht leicht, sicher ein Bild von den Personen zu machen, weil man manchmal fast durcheinander kommt. Vergangenheit, Entwicklungen, Erinnerungen, Aktuelles, usw., alles spielt rein. 

Viertens: Es geht – auch das meist nur angedeutet – speziell um die Geschichte Spaniens und Teneriffas. Es wird Sinn machen, sich davor oder daneben einen kurzen Überblick darüber zu verschaffen. Etwa HIER. Es geht um Teneriffa im 20. Jahrhundert. Ich lese auf Wikipedia das, was im Buch zum Tragen kommt: 

„Die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts waren geprägt von einer fortschreitenden politischen Radikalisierung. 1936 startete der General Franco von Teneriffa aus seinen Putsch gegen die Republik.Der Spanische Bürgerkrieg erreichte Teneriffa nicht; die wirtschaftliche Isolierung unter der Diktatur wirkte sich aber aus. Das einzige Exportgut waren seinerzeit Bananen für das Festland.“

Besonders, wie gesagt, finde ich die Verbindung der Alltagsszenen mit den Eindrücken, um die es eigentlich geht. Mir hat das Langsam Lesen geholfen, das mir auch den immer wieder so schön eigenen Schreibstl deutlich machte. 

HIER ein chart über die familiären Beziehungen der beteiligten Personen untereinander, wie ich es oft mache (lässt sich auf meinem IPad nicht gut öffnen, wohl weil es eine Word-Datei ist). Es lohnt sich, das Chart daneben zu legen:

Einige Rezensionen zu dem Roman liest man im Übrigen auf http://www.perlentaucher.de, HIER.

HIER der Link zur Website des Rowohlt Verlages zum Buch.

LITERATUR: Andreas Maier – Die Familie

Andreas Maier hat den siebten Teil seiner auf elf Teile angelegten Familiensaga herausgebracht. Es geht um Autobiografisches, er ist aufgewachsen im Hessischen, in der Wetterau, in Friedberg. Ich hatte bereits das ein oder andere Mal von ihm geschrieben.

Meine Bewertung (1-10): 📚📚📚📚📚📚(6)

Bisher waren es in der Familiensaga die Titel: „Das Zimmer“, „Das Haus“, „Die Straße“, „Der Ort“, „Der Kreis“ und „Die Universität“. Jetzt ist der Romanteil „Die Familie“ erschienen. Es sollen noch die Teile „Die Städte“, „Die Heimat“, „Der Teufel“ und „Der liebe Gott“ folgen.

Im Grunde habe ich alles von Andreas Maier gelesen. Er schreibt einfach, mit leichter Anlehnung an Thomas Bernhard (er hat über Thomas Bernhard promoviert), schildert unspektakuläre Dinge, fein beobachtend, teils sarkastisch, trocken, bitter, aber auch humorvoll. Früher nicht autobiografisch, seit einiger Zeit autobiografisch. Ich sage es immer wieder: Lesenswert sind besonders, finde ich, seine ersten Werke: Wäldchestag, Klausen, Kirillow, Sanssouci etc. Jedes für sich schildert köstliche Begebenheiten („Klausen“ etwa: Der Bau der Brücke der Brennerautobahn über Klausen hinweg) und Personen mit einfachen und umso treffenderen Worten. Doch auch alle seine späteren Werke habe ich genossen. Da ist der jetzige Roman „Die Familie“ fast ein wenig eine Ausnahme: In diesem erstaunlich knappen Buch wird so viel geschildert, wofür sich Andreas Maier eigentlich, meine ich, mehr Raum gibt. Das Buch „Die Familie“ enttäuscht insoweit fast ein wenig, wenn man Andreas Maier’s trockenen und bissigen, immer auch humorvollen Schreibstil sucht. Daher nur sechs Punkte.

HIER die Seite zu Andreas Maier beim Suhrkamp Verlag. Und HIER zehn Seiten aus dem Roman „Die Familie“, gelesen von Andreas Maier.

Zum Inhalt: Im Folgenden zeichne ich ein wenig deutlicher, als sonst, den Verlauf des Romans nach – Achtung! Es geht wieder um die kleine Welt in Friedberg und letztlich um den Konflikt mit der „großen weiten Welt“, die immer wieder Bedeutung erlangt. Natürlich bleibt das lokale kleine Idyll in Friedberg nicht für immer das Idyll. Am Anfang war für ihn, für Andreas Maier, zwar noch alles schön begrenzt: Der große Garten, die (unter anderem) immer wieder waschende und kochende Mutter, der arbeitende Vater, CDU-Mitglied, die vom Vater ausgehobene Grube im Garten, das Zelt. Eine verfallene Mühle auf einem Teil des riesigen Grundstücks. Allenfalls der Blick des kleinen Andreas in die Sterne brachte eine erste Ahnung von Größerem.

Dann, in den ersten Jugendjahren, kam – der damaligen Zeit entsprechend – linkes Gedankengut im „Kinderplanet“ auf, es war von den Eltern nicht gerne gesehen, dass Andreas immer wieder dorthin ging. Ebenso war der Eingriff der Schule in die Erziehung der Kinder nicht gerne gesehen, „funktionale Miterzieher“ nannte die Mutter die Lehrer. Dann liest man vom amerikanischen Freund und spätere Ehemann von Andreas’ immer komplizierter werdender Schwester (es gibt doch einen älteren Bruder), von ihren meist unverständlichen USA-Reisen und Umzügen dorthin mit ihrem Mann und ihren Kindern, von ihren Aufenthalten dort und ihren Aufenthalten in anderen Ländern.

Die Mutter sagte nur: Was haben wir bloß falsch gemacht?

Dann liest man von „Türken“, die angeblich kurz in der Mühle gewohnt hatten (neben dem Haus, in dem Andreas aufwuchs), von „Rumänen“, die gegenüber wohnten, von Bülent, dem türkischen Freund von Andreas, von Dörte, der dänischen Ehefrau von Onkel Heinz, die offenbar Heinz sehr zu seinem Nachteil – finden die Eltern – verändert hat. Alles Dinge und Personen, die das „verwunschene“ Familienidyll in Friedberg nach Ansicht der Eltern störten. Friedberg und die Einflüsse der großen weiten Welt …. Schön wiederum, so war es doch bei vielen von uns! Und ich kann mich auch erinnern: Für Eltern war es damals alles viel suspekter, als es heute erscheint.

Und am Ende holt ihn, Andreas Maier, die vergangene Welt komplett ein: Die Nazivergangenheit der Familie. Das Idyll, das Andreas Maier in allen bisherigen Teilen seiner elfteiligen autobiografischen Familiensaga beschreibt, bricht zusammen. Alles, das ganze bisherige Leben der Familie, sei ja dann nur eine „Form des Schweigens“ gewesen. Da wird Andreas Maier fast etwas ernster, als es gewohnt ist. Wer Andreas Maier kennt, müsste sich eigentlich sagen: Auch das müsste irgendwie eine gewisse Leichtigkeit behalten. Das fällt fast schwer. In diesem Fall kann man das Buch nämlich auch so sehen, dass durchgehend etwas Schweres mitschwingt: Die Grube wie ein Grab, die Judenverfolgung, Friedberg wird „judenfrei“, ein Friedhof, etc. Andererseits: So ging es ja irgendwie fast allen deutschen Familien. Es war eben so.

Und dann folgt noch ein Epilog: Das Motto: Alles löst sich ohnehin auf. Alles wird letztlich gut, könnte man meinen, es lässt sich ohnehin nicht mehr so richtig nachvollziehen. Es bleibe nur „Schwarzweißaufnahmen“. Diese Feststellungen beziehen sich konkret auf ein Gerichtsverfahren, das sich durch den Roman zieht, sie könnten sich aber auch auf das Thema der Nazizeit beziehen.

Zum Schreibstil: Einiges habe ich oben ja schon erwähnt. Auffallend ist diesmal der ständige Wechsel zwischen Präsens und Vergangenheitsform in der Erzählung der Gegebenheiten. Das liest sich aber gut!

Mein Fazit: Es ist nicht eines der besten Bücher von Andreas Maier.

THEATER und LITERATUR: Viginie Despentes – Vernon Subutex

Ich hatte schon einmal darüber geschrieben: Über die Premiere von „Das Leben des Vernon Subutex“, inszeniert von Stefan Pucher, an den Münchner Kammerspielen. HIER mein damaliger Bericht. Ich fand es damals nicht überzeugend, hatte allerdings das Buch dazu noch nicht gelesen. Das habe ich jetzt nachgeholt und habe mir das Stück in den Kammerspielen wieder angeschaut. Heute geht es um Beides.

Meine Bewertung der Bücher (1 – 10): 📚📚📚📚📚📚📚📚📚 (9)

Es sind drei Bücher. Subutex 1 – 3. Geschrieben von der Französin Virginie Despentes, die früher unter anderem in Peepshows arbeitete. Sie erhält viele Auszeichnungen für Ihre Werke. Sie schreibt unverblümt und verdammt ehrlich, in klarer und derber Sprache, Umgangston in den Gesprächen. Den Milieus entsprechend, über die sie schreibt. Und nichts wirkt gekünstelt. Das mag ich, daher die neun Bewertungspunkte. HIER der Link zu ihrer Seite bei Wikipedia. 1200 Seiten. Die Süddeutsche Zeitung schrieb einmal zurecht etwas wie: „Man will jede Seite lesen“.

Ich habe es gewagt, die drei Bücher auf Französisch zu lesen. Französisch hatte ich vor vielen Jahren in einem Studiumsjahr in Lausanne gelernt. Es wurde immer besser: Für Buch 1 hatte ich noch die deutsche Ausgabe daneben liegen. Für Buch 2 hatte ich die Seite des Onlinewörterbuchs http://www.leo.org parat. Buch 3 konnte ich schon fast wie die deutsche Ausgabe lesen. Nachzuschauen waren allerdings immer wieder die derben Wörter der Umgangssprache.

Ein deutliche Eindruck, den ich vor allem beim Vergleich der deutschen und der französischen Ausgabe von Band 1 gewonnen hatte: Seltsamerweise liest sich die deutsche Übersetzung rüder, uncharmanter, derber, fieser. Das ganze ist natürlich inhaltlich und vom Schreibstil her rüde, uncharmant und derb. So soll es aber auch sein, das ist es, was man erlebt und liest, wenn man den „Vernon Subutex“ liest. Aber in der französischen Originalausgabe hat alles eine gewisse Eleganz. Es wirkt in keinem Satz irgendwie plump. Im Deutschen wirkt es einfach plump. Ein Beispiel? Das deutsche „ficken“ heißt „baiser“ auf französisch. Ist doch irgendwie galanter, finde ich. Also: Wer kann, sollte es unbedingt auf Französisch lesen!!

INHALTLICH: Vernon Subutex, seines Zeichens Plattenhändler aus Paris, ist ohne Dach über dem Kopf. Sein Plattenladen hat Bankrott gemacht. Er kommt zunächst bei FreundInnen unter, bevor er auf Parkbänken landet. Bei einer Freundin stößt er auf brisante Tonbandaufnahmen/Videos des gestorbenen Musikers Alex Bleach. Bleach erklärt, dass es der Produzent Dopalet war, der den Tod der Ex-Pornodarstellerin Vodka Santana verursacht hatte. Dopalet will an die Aufnahmen kommen, sie aus dem Verkehr ziehen. Die Tochter von Vodka Santana, Aïcha, rächt sich kurios an Dopalet. Und so weiter. Bei alledem entsteht ein Kult um Vernon Subutex, der immer noch als begnadeter DJ wirkt. Es eskaliert.

Also: Ein erfolgloser Drehbuchautor mit Amok-Phantasien (Xavier). Eine ehemalige Drogendealerin, die zum Internet-Troll umgeschult hat (La Hyäne). Eine Professorentochter, die zum Islam konvertiert (Aïcha) und ihr darüber verzweifelnder Vater (Selim). Ein drogensüchtiger Popstar (Alex Bleach) und sein Manager (Max). Ein koksender Trader (Kiko), eine obdachlose Hundeliebhaberin (Olga) mit großem Gerechtigkeitssinn und eine ehemalige Pornodarstellerin (Pamela Kant). Ein rechtsradikaler H&M-Verkäufer (Noël) und sein Kumpel (Loïc), eine einsame Staatsbeamtin (Emilie), ein krankhafter Frauenschläger (Patrice) und eine Kellnerin mit Talent zum Tätowieren (Celeste). Sie alle und mehr bevölkern das Leben des Vernon Subutex. Sie alle träumen von einem anderen besseren Leben, auf ganz unterschiedliche Weise. 

SCHREIBSTIL: Einfach und einfach gut. Der Schreibstil und der Ton der Gespräche passen exakt zum Milieu, in dem alles spielt. Bei alledem erwischt man sich etwa auf jeder zehnten Seite dabei, von einem Thema zu lesen, das einen selber betrifft, eine Meinung zu hören, zu der man im Grunde auch etwas sagen kann, weil man sie kennt. Das liegt daran, dass Virginie Despentes viele Facetten unseres modernen Lebens schildert. Aus der Sicht von „unten“ – das Milieu des Buches – und immer wieder auch politisch. Lesen!

DAS THEATERSTÜCK: Wie gesagt, ich hatte schon darüber geschrieben. Damals dachte ich: „Das kann es doch nicht gewesen sein.“ Daher habe ich es gelesen und dann noch einmal angesehen. Und ich muss sagen: Die Inszenierung geht am Milieu vorbei, ist viel zahmer als das Buch, viel zu zahm. Aber es war eben eine Inszenierung von Stefan Pucher. Und Stefan Pucher bringt selten extrem Aufwühlendes. Er glättet mehr. So auch hier.

Gut, er versucht, den Ablauf der langen Geschichte um Vernon Subutex in dreieinhalb Stunden auf die Bühne zu bringen. Doch das Milieu und das Kulthafte der Erzählung gehen dabei meines Erachtens leider verloren. Auch die vielen sehr gelungenen Videoeinspielungen zeigen irgendwie ein anderes Milieu, als dasjenige, das Virginie Despentes schildert.

Hier eine Aufnahme der Inszenierung:

©️ Arno Declair

Und hier noch eine:

Arno Declair

Schön ist wie immer der professionelle und coole Gesang von Jelena Kuliç, die Vernon Subutex spielt. Und schön kann es sein – wer darauf Wert legt – fast alle Ensemblemitglieder der Kammerspiele auf der Bühne zu sehen. Zur Bühne noch: Sie erschien mir bei dieser Inszenierung unpassend eng und klein. Warum nicht so groß, wie die Ideen der Personen im Buch, so groß wie Paris, so groß wie die Themen, über die geredet wird, warum so eng?

Die Inszenierung wird auch in der kommenden Spielzeit zu sehen sein. HIER der Link zur Seite des Stückes auf der Website der Kammerspiele. Mit einem Video zur Inszenierung.

Auf Spotify gibt es eine Playlist mit allen Songs, die von Virginie Despentes in den Büchern erwähnt werden. HIER der Link.

LITERATUR: Benedict Wells – Vom Ende der Einsamkeit

Meine Bewertung (1-10): 📚📚📚📚📚(5)

Es wurde mir sehr empfohlen, dieses Buch. Manche scheinen es besser zu finden, als ich. Mein Eindruck:

INHALT: Es geht im wesentlichen um das Leben des Ich-Erzählers Jules. Aber auch um das Leben seiner beiden Geschwister Liz und Marty, obwohl die Geschwister nach dem Tod der Eltern Jahre lang sehr getrennt voneinander leben. Sie verlieren früh in der Kindheit durch einen Unfall beide Eltern. Jules und seine Geschwister kommen ins Internat. Man verfolgt im Grunde das Leben des Ich-Erzählers bis zum frühen Tod seiner Frau Alva. Alva, die Jules schon im Internat kennen lernte. Immer wieder blendet Jules zurück in seine Vergangenheit. Zu verschiedenen Momenten, die ihn immer noch beschäftigen. Eingerahmt ist das Ganze von einem Motorradunfall von Jules, der bereits am Anfang der Geschichte erwähnt wird. Seine Geschwister fragen sich und ihn, ob es sogar ein Selbstmordversuch war, was Jules verneint.

STIL: Er hat mir nicht so gefallen. Die Geschichte ist interessant, man will weiterlesen, man will wissen, was mit wem passiert. Keine Frage. Insoweit ist es eine interessante Sommerlektüre. Für den Urlaub. Es gleitet nur immer wieder meines Erachtens in etwas zu gekünstelte Aussagen oder Gespräche an den entscheidenden Stellen. Das kann man dann natürlich „literarisch“ nennen. Ich lese aber ungern solch etwas gekünstelte Texte.

Es mischen sich die durchgehend sehr realistischen – vielleicht autobiografischen – Vorgänge in Jules Leben leider immer wieder mit etwas zu gekünstelter Sprache, fand ich. Und sofern es nicht etwas zu gekünstelt ist, ist es meines Erachtens sprachlich nicht gerade galant. Spannend, aber nicht galant oder im Stil aufregend geschrieben.

Also „Lesegenuss“ würde ich es nicht nennen. Eine interessante gute Urlaubslektüre. Man will zu Ende lesen.

HIER ein Link zur Besprechung des Buches auf der erstaunlich umfangreichen Website von Dieter Wunderlich.

THEATER UND LITERATUR: C. Bernd Sucher – Suchers Welt

Ich hatte ja kürzlich geschrieben, dass ich die sonntägliche Erläuterung von C. Bernd Sucher zu James Joyce in der Reihe „Suchers Leidenschaften“ mitverfolgt hatte. HIER mein Beitrag. Bei der Gelegenheit bin ich auf zwei relativ neue Büchlein von C. Bernd Sucher gestoßen: 49 leidenschaftliche Empfehlungen von C. Bernd Sucher zum Genre „Theater“ und 49 leidenschaftliche Empfehlungen von ihm zum Genre „Literatur“.

Vielen Dank an C. Bernd Sucher für die Exemplare! Beide Büchlein passen natürlich wunderbar in diesen Blog. Die Auflistung der Theaterempfehlungen siehe unten. Ich habe mir die Mühe gemacht, zu den Theatermenschen, über die C. Bernd Sucher schreibt, kleine Videos herauszusuchen (mal kürzere, mal längere, meist YouTube) und zu verlinken. Verlinken darf man ja. So kann man sich einen kleinen weiteren Eindruck verschaffen. Siehe unten.

Die Auflistung der Literaturempfehlungen von C. Bernd Sucher ist dagegen hier:

Eins ist klar: Es sind in beiden Fällen klassische Empfehlungen: Große Stars der Theaterwelt und große Stars der Literaturwelt. Ich selber hätte den ein oder anderen etwas progressiveren Menschen der Theaterwelt und das ein oder andere etwas progressivere Werk der Literaturwelt aufgenommen, aber dennoch. Um sich einen kleinen „Überblick“ zu verschaffen („Überblick“ insoweit, als mit C. Bernd Sucher ein großer Kenner der Materien schreibt), findet man eine schöne Auswahl in beiden Bereichen, Theater und Literatur.

Das Schöne ist auch: Es sind zwar sehr persönliche Auswahlen, aber sie ergehen sich in keinster Weise in rein persönlichen und subjektiven Statements zu den ausgewählten Menschen und Werken. Die Beschreibungen sind immer wieder informativ und interessant, getragen allerdings von großem Interesse, Vorlieben und Gefallen! Es sind ja „leidenschaftliche“ Empfehlungen. C. Bernd Sucher findet auch immer wieder Worte, die nicht übertrieben klingen, nicht abschrecken. Soweit ich die beschriebenen Personen oder Werke kenne, kann ich fast immer sagen: Treffend beschrieben, schöne Charakteristika formuliert!

Was die literarischen Werke angeht: C. Bernd Sucher schreibt nicht über die Inhalte der Werke, nicht über den Schreibstil. Er schreibt „um die Bücher herum“, schildert Umstände, wie sie entstanden sind, schildert Personen und Gegebenheiten, zitiert dann vielleicht kurz einmal raus, stellt sie in Beziehung zu anderen Werken des Autors etc. Er stellt sie immer wieder in einen interessanten Zusammenhang.

Was die Beschreibung der Personen der Theaterwelt anbelangt, fällt mir auf, dass er immer schnell auf den Kern kommt. Man bekommt ein Gefühl für das, was die Person wirklich ausmacht. Es werden Begegnungen geschildert, es wird der Lebensweg der Person dargestellt, werden besondere Erlebnisse oder Lebenseinschnitte der Person geschildert, Beziehungen zu bestimmten Theaterstücken oder Autoren genannt, Äußerungen gebracht etc. Und auch hier: Treffend und gut beschreibend, wenn ich das so vermessen sagen darf. Es sind ja immer kurze Texte. Sie kommen eben direkt auf interessante Punkte, es wird nicht um den heißen Brei herum geschrieben.

Hier, wie gesagt, sind die Links zur Theaterauswahl, schöne Videos zum Teil. Man muss die Menschen ja sehen.

HIER der link zur Seite des Buches „Literatur“ beim Droemer Knaur Verlag.

HIER der link zur Seite des Buches „Theater“ beim Droemer Knaur Verlag.

LITERATUR: Suchers Leidenschaften – James Joyce

Für Anhänger von James Joyce rückt wieder ein Jahrestag näher: Der 16. Juni. Es ist für sie der „Bloomsday“. Viele werden es wissen: Der Tag geht zurück auf das Werk „Ulysses“ von James Joyce. Im Wahnsinnswerk Ulysses – ich würde sogar sagen: Es ist eine Art Weltwunder der Literatur, wie kann man so etwas schreiben! – geht es um einen einzigen Tag und vor allem um Leopold Bloom. Es geht um den 16. Juni. Leopold Bloom geht durch Dublin.

Es passiert nichts und doch geht es um alles: Es geht um die ganze Welt. In der Einleitung zur kommentierten Ausgabe des „Ulysses“ (übersetzt von Hans Wollschläger, Suhrkamp Verlag) heißt es:

Schließlich ist Ulysses auch der Roman der ganzen Welt; er spannt den Bogen von Homers Odyssee am Anfang der abendländischen Literatur bis zum Leben des Dubliner Bürgers zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in dessen Tagesablauf sich die Abenteuer des mythischen Helden Odysseus spiegeln.

Hier ein Beispiel: So sieht eine Seite – die allererste Doppelseite – der sagenhaften kommentierten Ausgabe des Ulysses aus, um den Text herum sind die Anmerkungen. „Stattlich und feist …“

Es ist ein Werk der Weltliteratur, allerdings das – sagt man immer – am seltensten gelesene Werk. Es gibt aber einen Kreis von überzeugten Anhängern von James Joyce und vor allem von seinem Werk “Ulysses“. Etwa in den „reading groups“ der Zürich James Joyce Foundation. HIER der Link zu den nächsten Terminen der „reading groups“. Und HIER der Link zur Startseite der Website der Zürich James Joyce Foundation.

Gestern, Sonntag, der 2. Juni 2019, hatte C. Bernd Sucher im Rahmen seiner seit Jahren bestehenden Reihe „Suchers Leidenschaften“ am Vormittag im Gartensaal des Münchner Prinzregententheaters über James Joyce gesprochen. Nicht nur über den „Ullysses“, sondern über den Menschen James Joyce sowie über seine Werke. Wie und wann er seine spätere Frau kennen lernte, seine Bewunderung für Henrik Ibsen, dass er Wörter erfunden hat, wo er gelebt hat (Paris, Zürich, Triest) humorvolle Bemerkungen und vieles mehr. Vom Schauspieler Thomas Loibl (Residenztheater) wurden Auszüge aus den Werken von James Joyce vorgelesen, die Schauspielstudentin Luiza Candido de Oliveira Monteiro brachte andere Zitate.

Man kann James Joyce natürlich nicht in eineinhalb Stunden wirklich erfassen, es gab aber einen schönen Überblick und eben Einblicke in die Werke von James Joyce. Er schrieb auch Gedichte. C. Bernd Sucher konnte letztlich empfehlen, sich zunächst einmal „Ein Portrait des Künstlers als junger Mann“ von James Joyce mit in den Urlaub zu nehmen. Um dann auf das fast völlig unverständliche Werk „Finnegans Wake“ zu kommen.

Man könnte natürlich seitenweise über die Werke von James Joyce schreiben. Ich empfehle, sich eines zu schnappen und anzufangen. Ich empfehle sogar die kommentierte Ausgabe des „Ulysses“. Es gibt Menschen, die den genauen Fußweg von Leopold Bloom in Dublin kennen und nachgehen. Wo sich Leopold Bloom am 16. Juni 1904 aufgehalten und welchen Weg er durch Dublin genommen hatte, kann man übrigens auch den Karten in der kommentierten Suhrkamp-Fassung des Ulysses entnehmen:

Noch eine Empfehlung: Es gibt eine Hörspielfassung des Ulysses, 23 CDs. Sie ist 2012 erschienen und galt damals als eine der besten CDs, die es bis dahin gab. Es ist in der Tat eine wunderbare Lesung, untermalt ein wenig von Musik und anderen Tönen. Leopold Bloom wird gelesen von Dietmar Bär und Molly Bloom von Birgit Minichmayr. HIER der Link zum Angebot von Amazon. Bitte aber nicht bei Amazon kaufen, lokale Buchhändler unterstützen. Wirklich eine Hörerlebnis!

Und noch ein Hinweis: C. Bernd Suchers Erklärungen zu James Joyce kann man ähnlich auch als Hörbuch herunterladen oder als CD kaufen: HIER der Link zum Angebot von Amazon. Aber wie gesagt …

Die Lesung endete sehr schön mit der Schlusspassage des Ulysses. Über mehr als 60 Seiten erstreckt sich der ohne Punkt und Komma geschriebene Monolog der Frau von Leopold Bloom (in der Hörspielfassung wunderbar gelesen von Birgit Minichmayr). Er endet mit:

… ja und wie er mich geküsst hat unter der maurischen Mauer und ich hab gedacht na schön er so gut wie jeder andere und hab ihn mit den Augen gebeten er soll doch noch mal fragen ja und dann hat er mich gefragt ob ich will ja sag ja meine Bergblume und ich hab ihm zuerst die Arme um den Hals gelegt und ihn zu mir niedergezogen dass er meine Brüste fühlen konnte wie sie dufteten ja und das Herz ging ihm wie verrückt und ich hab ja gesagt ja ich will Ja.

LITERATUR: Saša Stanišić – Herkunft

Ich hatte vor Jahren einen Roman von Saša Stanišić gelesen und fand ihn sehr gut: „Vor dem Fest“ hieß er. Saša Stanišić hatte – ich glaube 2016 – dafür den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten. Jetzt habe ich sein neuestes Werk gelesen. „Herkunft“ heißt es.

Meine Bewertung (1 – 10): 📚📚📚📚📚📚 (6)

Saša Stanišić schreibt an einer Stelle: „Bin das ich? Sohn meiner Eltern, Enkelsohn meiner Großeltern, Urenkel meiner Urgroßeltern, Kind Jugoslawiens, geflüchtet vor einem Krieg, zufällig nach Deutschland. Vater, Schriftsteller, Figur. Bin das alles ich?“ Genau darum geht es. Saša Stanišić erzählt von seiner Herkunft. Nicht nur von der jugoslawischen Heimat, seinem Geburtsort, nein, vielmehr von seinen Erinnerungen, seinen Vorfahren, seinem Lebensweg, dem Lebensweg der Vorfahren. Das ist für ihn Herkunft.

Saša Stanišić schreibt in vielen kleinen Kapiteln über all das. Er schreibt immer wieder über Erlebnisse und Erinnerungen, über Personen seiner Zeit in Jugoslawien und in Deutschland.

Inhaltlich: Geboren ist er am 7. März 1978 („Ich bin in einem Land geboren, das ist nicht mehr gibt.“) – die Flucht der Mutter mit den Kindern vor dem Krieg in Jugoslawien nach Deutschland 1992 („1991 waren Zugehörigkeiten ein Zündstoff geworden.“) – der Vater kam ein halbes Jahr später nach, die Großeltern kamen 1995 nach Deutschland – sie lebten zunächst in einem Flüchtlingslager in der Nähe von Heidelberg – die Eltern mussten Deutschland 1998 wieder verlassen, wanderten nach Florida aus – seine Fahrt in sein Heimatdörfchen Višegrad 2009 – Besuch eines Friedhofes in Oskoruša – Besuch der Ruine des Hauses seiner Urgroßeltern – zunehmend geht es im Verlauf des Buches um den Tod seiner Großmutter – der Besuch der Großmutter in Višegrad 2018 – die Großmutter stirbt im November 2018 – Saša Stanišić lebt aktuell in Hamburg. Das ist der Rahmen für viele kleine Erzählungen.

Es geht hin und her in den Jahren, hin und her zwischen den Personen. Manchmal nicht leicht, ich habe das Buch mehrfach durchblättern müssen, um einen Überblick zu bekommen. Ich rate dazu an, sich die Personen und Jahreszahlen im Text immer wieder kenntlich zu machen, zu markieren, dann geht das Buch auf. Saša Stanišić kommt augenscheinlich – und verständlicherweise – selber nicht leicht damit zurecht, in Deutschland/Hamburg zu leben und eine völlig andere Herkunft zu haben. Geboren in einem Land, das es nicht mehr gibt.

Der Stil des Buches: Saša Stanišić erzählt von absolut höchstpersönlichen Erlebnissen, Erinnerungen, dennoch ist das Buch nicht getragen von Emotionen. Ganz im Gegenteil: Es ist geprägt von einer nüchternen, melancholischen und irgendwie auch fast traurigen Schreibweise. Kurz gehaltene Aussagen. Nach dem Motto fast: „In was bin ich da nur reingeraten?“ Gerade das macht es aber aus. Es schwingt auch immer eine Art Traurigkeit über den Verlust Jugoslawiens mit. Manchmal allerdings etwas kompliziert geschrieben, dachte ich. Aber Stanišić kann schreiben!

Ich habe mir, wie so oft, der Übersichtlichkeit halber eine Übersicht dazu erstellt. Alles auf einen Blick. Hier kann man sie herunterladen und zum Lesen dazunehmen:

Das Buch hat dann leider am Ende einen Teil, den ich nicht mochte: Der Leser wird angehalten, sich Stück für Stück selber zu entscheiden, wie und wo er weiter lesen will. Jeder findet damit sein eigenes Ende. Warum er das macht, erschließt sich mir nicht. Interessant ist daran allerdings, dass sich Wirklichkeit und Phantasie vermischen. Es geht in diesem letzten Teil des Buches um die Frage: Wie endete das Leben der Großmutter?

Sechs Punkte vergebe ich nur, da ich das Gefühl hatte, dass ich beim ersten Durchlesen viel zu viel überlesen hatte. Ich hatte die zeitliche Orientierung verloren und bin über viele schöne Beschreibungen irgendwie hinweggehuscht.

HIER ein interessantes Gespräch auf ARD mit Saša Stanišić über sein Buch „Herkunft“.

HIER liest Saša Stanišić aus seinem Buch „Herkunft“. Man lernt ihn und ein wenig (10 Minuten) aus seinem Werk „Herkunft“ kennen.

HIER die Seite des Luchterhand Verlag es zu Saša Stanišić’s Buch „Herkunft“.

LITERATUR: Virginie Despentes – Das Leben des Vernon Subutex

Ich werde in nächster Zeit viele kleine Berichte schreiben, da ich derzeit das Berliner Theatertreffen mitverfolge. Ich werde schnell schreiben, ohne große Überarbeitung. Hier zunächst einmal ein Bericht über das Buch, das ich zuletzt noch gelesen hatte. Virginie Despentes – Vernon Subutex.

Meine Bewertung (1 – 10): 📚📚📚📚📚📚📚📚 (8)

Also: Ich bin auf das Buch „Vernon Subutex“ gestoßen, da ich in den Kammerspielen vor kurzem das Stück „Das Leben des Vernon Subutex“, inszeniert von Stefan Pucher, gesehen hatte. Die Inszenierung hat mich nicht begeistert, war eher langweilig, halbherzig. Siehe meinen damaligen Beitrag – einfach im Suchfeld oben „Subutex“ eingeben. Das Buch ist völlig anders! Wobei: Es sind DREI Bände. Ich habe erst den ersten Band gelesen., werde mich aber auch an den nächsten Band machen. Zumal die Inszenierung an den Münchner Kammerspielen, so hört man, eher auf dem Inhalt des zweiten und dritten Bandes beruht.

Da ich einmal etwas Französisches lesen wollte – ich konnte früher einmal ganz gut französisch – habe ich mir die französische Originalfassung genommen. Daneben lag aber immer die deutsche Fassung. Es war nicht einfach, da es absolut in Umgangssprache geschrieben ist. Aber nicht verdrechselt im Stil, sondern einfach und klar und direkt und frech und vulgär.

Vernon Subutex hat mit seinem Plattenladen pleite gemacht. Kein Geld, keine Wohnung, er kommt bei Freunden unter, landet schließlich auf der Straße. Was man liest, sind seine zahlreichen Treffen mit Bekannten, bei denen er zunächst wohnt, bevor er auf der Straße landet und weitere Personen trifft. Er trifft viele Personen. Insoweit war sicher auch die Inszenierung an den Kammerspielen wahrlich als Ensemble-Arbeit geplant. 13 Mitglieder des Ensembles spielen mit.

Geschildert wird die absolut untere Schicht in Frankreich, Paris. Drogen, Sex, Musik, Obdachlose, Gewalt, Rechtsradikale, alles. Aber einfach lesenswert. Eine Milieustudie ohne jede Zurückhaltung. Virginie Despentes war früher Prostituierte, sie kennt sich aus. Und das Schöne dabei ist, dass immer wieder – auch zwischen den Zeilen – das heutige Leben in vielen Aspekten durchscheint. Mit ganz plötzlichen kleinen Aussagen zu reichen Menschen, zu Politikern, etc. Und allein durch die so direkte und völlig unverfälschte Art der Schilderung der Personen des Romans.

Wer Französisch kann: Lesenswert ist vor allem die französische Fassung. Die deutsche Fassung ist zwar eine fast wörtliche Übersetzung, aber erstaunlicherweise merkt man einen Unterschied: Irgendwie klingt alles trotz dieser unglaublichen Direktheit und Klarheit und Derbheit gerade im Französischen etwas angenehmer. Etwas ironischer vielleicht. Es hat dort immer irgendwie einen etwas edleren Unterton oder Nebenklang. Im Deutschen klingt alles einfach nur platt und derb. Ich finde, in der deutschen Fassung stört man sich eher an der Derbheit der Schilderung und der Sprache, im Französischen hat alles einen irgendwie erträglicheren Charakter.

Schon der Titel der Bücher: Im Französischen heißt es einfach „Vernon Subutex“. Im Deutschen gleich komplizierter und m. E. verfälschend „Das Leben des Vernon Subutex“. Es geht garnicht um das ganze Leben des Vernon Subutex, nun gut.

So kam auch die Inszenierung von Stefan Pucher meines Erachtens in keinster Weise an das Buch heran. Ich werde sie mir aber noch einmal ansehen.

HIER ein Link zu einem netten Beitrag aus der Süddeutschen Zeitung über Menschen in München, deren Herz an Vinylplatten hängt – als Sammler, Verkäufer, DJ und Plattenspielerbauer.

Soviel zunächst, ich ergänze diesen Beitrag auch noch etwas.

LITERATUR: Max Frisch – Biedermann und die Brandstifter

Ich helfe derzeit einem Schüler, seine Hochschulberechtigung zu bekommen. Wir üben auch für seinen Abschluss im Fach Deutsch. In diesem Zusammenhang war „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch zu lesen und zu „verstehen“. Ich wusste nicht mehr, wie allgemeingültig und zeitlos Max Frisch’s Buch ist. Wir stecken auch heute drin.

Es ist eine Parabel, also keine „Erzählung“, kein „Roman“ (mit der Entwicklung bestimmter Beziehungen, bestimmter Personen). Es ist als Parabel angelegt, als Beschreibung einer Situation, in der die auftretenden Personen, die Texte, die Symbole, die Szenen etc. im Endeeffekt Beispielcarakter haben. Beispielcharakter auch für die heutige Zeit.

Viele kennen das Buch von früher. Es lohnt sich, ist ziemlich erschreckend. Max Frisch hat es mit diesem Buch geschafft aufzuzeigen, wie wir immer wieder reagieren! Worum es noch einmal geht? Es geht um den Unternehmer Biedermann (Produktion von Haaröl), dem es nicht gelingt, die beiden Brandstifter Schmitz und Eisenring, die sein so erfolgreiches und angenehmes Leben gefährden, aus dem Haus zu bekommen. Er ist unfähig und schaufelt sich sein eigenes Grab! Den einen Brandstifter, Herrn Schmitz, hat er sogar freiwillig in sein Haus unter das Dach aufgenommen. Beide lädt er zum Essen ein.

Es geht darum, wie Biedermann mit der Gefahr, die er deutlich erkennt, umgeht. Ich empfehle dieses Buch – oder zumindest den Film hier, in dem das Stück wortgetreu komplett anzusehen ist. Hier:

Was mir klar wurde, man kann das Buch in der Tat so lesen, den Film so sehen: Wie gehen wir HEUTE mit erkennbaren Gefahren um? Etwa mit der drohenden Klimakatastrophe und der unaufhörlichen Umweltzerstörung. Wir sehen sie kommen, sie kommt immer näher, sie „wohnt“ schon bei uns – wie die Brandstifter, aber wir sind aufgrund unseres eigenartigen Verhaltens nicht fähig, sie wirklich in Schranken zu weisen. Ganz im Gegenteil! Wir helfen ihr sogar, voranzukommen. So, wie Herr Biedermann den Brandstiftern hilft, ihnen sogar Streichhölzer reicht. Es wird schon nichts passieren. Am Ende steht er vor seinem abgebrannten Haus.

Es gibt viele verschiedene Interpretationen des Stückes „Biedermann und die Brandstifter“. Das Buch wird auch deshalb in der Schule gerne gelesen. Ich kann nur einige Aspekte herausgreifen, die zeigen, dass wir HEUTE mit der Klimakatastrophe und Umweltkatastrophe so umgehen, wie es Herr Biedermann mit den Brandstiftern tat. „Biedermann und die Brandstifter“ entstand in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, in den fünfziger Jahren. Es gibt Interpretationen, wonach das Stück auch etwa zeigen würde, wie Adolf Hitler stark werden konnte. Er kam näher aber wir konnten nicht damit umgehen. So wie die Klimaveränderungen HEUTE.

  • Es geht im Grunde auch um Verlogenheit. Die Verlogenheit oder zumindest Unfähigkeit des Herrn Biedermann. Um die Diskrepanz zwischen dem, was er tut und dem, was er redet. Die Unfähigkeit liegt darin, dass er gar nicht so sein kann, wie er redet. Biedermann ist Unternehmer (Eine Nebenhandlung zeigt, dass er seinen langjährigen Mitarbeiter Knecht – der sich schließlich umbringt – entlässt). Biedermann ist rücksichtslos. Wie wir insgesamt mit der Umwelt rücksichtslos sind, wenn es um das Unternehmerische geht. Einerseits rücksichtslos und andererseits – wenn es darum geht, Umweltbelange doch einmal zu berücksichtigen – auch verlogen. Reduzieren wir etwa unseren CO2-Ausstoß? Nein!
  • Wir sehen auch HEUTE, wie die Gefahr unaufhaltsam näherrückt! Aber wir sind nicht fähig, sie einzuschränken. Denn es bleibt halbherzig, was wir tun. Biedermann auch: Er versucht etwa, die Brandstifter durch gespielte „Menschlichkeit“ zu vereinnahmen. Wer so „menschlich“ ist, kann doch nicht Opfer der Brandstifter werden! Aber es ist eben nur halbherzig! Es ist gespielte Menschlichkeit. Biedermann ist Opfer seiner eigenen Phrasen. Auch hier kann man Parallelen zur aufkommenden Klimakatastrophe erkennen. Wir reagieren mit Phrasen – Hauptsache, der Wohlstand bleibt erhalten. Wirklich deutlich und entschieden wird gegen die drohende Klimakatastrophe nicht vorgegangen. Wichtiger ist, dass der Wohlstand erhalten bleibt.
  • Auch unser Umgang mit der Umwelt ist ein „Spiel mit dem Feuer“. Auch insoweit passt „Biedermann und die Brandstifter“ bestens.
  • Die ganze Symbolik von „Biedermann und die Brandstifter“ passt auch HEUTE: Biedermann fühlt sich einerseits wohl, andererseits hat er Angst. Die immer wieder schlagen die Uhr zeigt, dass seine Zeit abläuft. Eine Kranzbestellung nach dem Tod des ehemaligen Mitarbeiters Knechtling wird falsch ausgeführt: Als wäre Biedermann gestorben! Die Brandstifter lächeln über das Verhalten Biedermanns. Und und und.