Ein Tipp: Online ist momentan die bemerkenswerte Oper „Echo 72. Israel in München“ zu sehen, die seit Kurzem an der Staatsoper Hannover gebracht wird. Es ist keine klassische Oper. Die Geister des Attentats auf die israelischen Sportler während der Münchner Olympiade 1972 werden hervorgeholt.
Es ist eine Auftragsarbeit der Staatsoper Hannover, eine Aufarbeitung. Ich habe es aber selber noch nicht ganz gesehen. Geschrieben wurde die Oper von Michael Wertmüller. Das Libretto ist von Roland Schimmelpfennig (den der Theaterfreund kennt), dem deutschen Schriftsteller und Dramaturg, einem der meistgespielten Gegenwartsdramatiker Deutschlands.
Auch auf dem bekannten Portal für Theaterkritiken http://www.nachtkritik.de wurde darüber geschrieben. HIER. Dort heißt es etwa: „Lydia Steier inszenierte eine überfordernde, erschütternde, großartige Uraufführung“.
Interessant auch die Musik: Das Schweizer Jazz-Trio „Steamboat Switzerland“ kommt auch zum Einsatz. UND: Die Oper ist auf der von der Europäischen Union mit dem Programm Creative Europe unterstützten Plattform OperaVision zu sehen. Wie lange, weiß ich nicht.
Wer KINDER-Überraschungseier mag, wird Gefallen an diesem Buch finden! Nicht weil es kindisch wäre! Nein, weil man viele Überraschungserlebnisse hat. Eshkol Nevo, Schriftsteller aus Israel, beantwortet in seinem jüngsten Roman „DIE WAHRHEIT IST“ Fragen über das Schreiben, über sein Leben als Schriftsteller, die Entstehung der Texte, die Personen, über die er schreibt, über viele viele Dinge, die mit dem Schreiben von Büchern in Zusammenhang stehen.
Die Antworten sind Überraschungen. Immer wieder kann man gespannt sein, was er zu einer Frage erzählt.
Meine Bewertung: 8 Punkte (von 10 Punkten). Ich werde demnächst auf 20 Punkte umstellen, dann wird es differenzierter werden. 20 Punkte, das ist doch eine Freude! Ich habe in letzter Zeit zu oft 8 Punkte vergeben. 8 Punkte heißt auf jeden Fall: Schön, dass ich das Buch gelesen habe! Bei 7 und weniger Punkten dagegen hatte ich schon mehr Kritikpunkte gefunden.
Eshkol Nevos Buch „Die Wahrheit ist“ ist ein großes Interview. 111 Fragen werden gestellt und 111 Antworten gegeben! Mal kurze, mal längere. Meist sind es kurze Einblicke in Momente seines Lebens. Das Gute ist: Am Ende hat man nicht Bauchweh, nicht Zahnweh wegen süßer Schokolade, sondern einen autobiografisch zutreffenden Einblick in das Leben des israelischen Schriftstellers Eshkol Nevo. Immer vor dem Hintergrund der Fragen, die sich fast ausschließlich auf das Schreiben von Büchern und das „Drumherum“ (die Personen, Lesungen, die Sprache, die Ideen, die Verläufe der Romane, die Zeiten vor und nach dem Schreiben etc.) beziehen. Es kommt irgendwie das ganze Leben von Eshkol Nevo zur Sprache. Insoweit ist es eine schöne Art, eine Biographie zu schreiben.
Ich habe mir die Mühe gemacht, die Fragen und auch Stichworte zu den Antworten zusammenzustellen. HIER das Dokument. Es lohnt, das Dokument beim Lesen des Buches daneben zu legen oder es sich ab und an anzusehen. Man liest schließlich keine zusammenhängende Geschichte, der man folgt und bei der man immer weiß, an welcher Stelle des Geschehens man steht.
Andererseits: Viele viele Antworten gehen in verschiedensten Zusammenhängen auf eine überschaubare Anzahl von prägenden Themen im Leben von Eshkol Nevo ein. Ausgehend von der aktuellen Situation von Eshkol Nevo: Er sieht sich vor großen Verlusten in seinem Leben, darum geht es.
Das Vergängliche. Das ist immer wieder der „Aufhänger“ für seine Antworten. Die Ehe mit seiner geliebten Frau Dikla steht vor dem Ende. Sein guter Freund Ari, er kämpft mit Krebs gegen den Tod. Seine Tochter Shiva, sie ist ausgezogen. Und Weiteres. Die Antworten stehen immer wieder mit diesen wesentlichen Themen im Zusammenhang. Und mit Ereignissen und Stationen auf seinem Lebensweg. In einer Antwort etwa öffnet sich eine Tür zum Nachbarzimmer (in einem Hotel) und in einer späteren Antwort erst erfährt man, wer reinkommt.
Eshkol Nevo schafft damit etwas: Er schafft es, dass man erkennt, dass sein gesamtes Leben die Grundlage seines Daseins als Schriftsteller ist. Nicht Grundlage seiner Romane, sondern Grundlage seiner Tätigkeit. (Obwohl, Grundlage seiner Romane: Er sagt auch, dass fast alles, was er erlebt, irgendwann einmal in einer Geschichte auftaucht. Was auch ein Problem für ihn ist – und etewa für seine Tochter Shiva, die sich ungefragt in einem Roman wiederfindet) Eshkol Nevo erwähnt – vor allem neben seiner Frau Dikla – seine Eltern, andere Personen, seine Söhne, seine Tochter, Freunde, Zufälle, kuriose Erlebnisse, prägende Erlebnisse, etwas aus seiner Zeit beim Militärdienst, seinen „Berufsweg“ und und und. Die Fragen beantworten sich aus seinem Leben heraus. Eine Überraschung folgt der anderen.
Wer ist Eshkol Nevo? Wikipedia schreibt:
Eshkol Nevo ist in Israel und in Detroit, USA aufgewachsen. Er ist ein Enkel von Levi Eshkol, des dritten israelischen Ministerpräsidenten. Seinen Wehrdienst als Offizier der Israelischen Armee leistete er bis 1993 zur Zeit der ersten Intifada ab. Er studierte an der Universität Tel Aviv Psychologie. Zunächst arbeitete er danach als Werbetexter, bevor er einen Lehrauftrag in kreativem Schreiben an den Universitäten Tel Aviv und Jerusalem erhielt. Sein erster Roman, Vier Häuser und eine Sehnsucht, stand in Israel über eineinhalb Jahre auf der Bestsellerliste.
Ein weiterer Eindruck aber: Die deutsche Sprache ist – ich habe es schon mehrfach gemerkt – nicht gerade schön. Sie wirkt hart, emotionslos, es wird viel erzählt, aber an den Stimmungen der Szenen kommt nicht genug rüber, fand ich manchmal. Ich vermute jedenfalls, dass der Roman (das Interview) „Die Wahrheit ist“ in seiner Originalsprache, dem Hebräischen, schöner, einfühlsamer ist. Ich vermute, dass in der Deutschen Übersetzung die gesamte Stimmungslage der Erzählungen von Eshkol Nevo zu kurz kommt.
Das wiederum sollte nicht davon abhalten, das Buch zu lesen – besonders, wenn man sich selber mit dem Schreiben von Texten beschäftigt. Es sensibilisiert und zeigt, dass so vieles einen Einfluss darauf hat, was man macht. Das ist das Schöne an dem Buch: Eshkol Nevo zeigt, dass man den Einfluss der Dinge nur erkennen muss und dass genau das dann gelingt, wenn man die Dinge schonungslos ehrlich betrachtet. Ein wertvoller Hinweis! Und deswegen heißt der Roman: „Die Wahrheit ist“.
HIER die Seite des dtv Verlags zum Buch mit Leseprobe..
Warum macht eine Frau das? Sich selbst in die Luft sprengen und weit mehr als zehn Kinder mit in den Tod reißen! Sie waren gerade auf einer Geburtstagsfeier. Sie war Palästinenserin und hat sich in Tel Aviv in die Luft gejagt.
Das ist die Ausgangslage des Romans „Die Attentäterin“ des Algeriers Jasmina Khadra (sein Künstlername). Der Ehemann der Attentäterin kommt nicht damit zurecht, dass seine Frau das getan hat. Er bezweifelt sogar lange, dass sie es überhaupt getan haben könnte. Warum auch? Er möchte dann den Gründen näher kommen. Einer der bedeutenden iranischen Theatermacher, Amir Reza Koohestani, hat aus dem Roman eine Theaterfassung entwickelt, die am vergangenen Freitag Premiere an den Münchner Kammerspielen hatte. Es war ein anderer Theaterabend, als meine vorherigen, die viel mehr auch „Blicke in die Vergangenheit“ waren (Lion Feuchtwanger – „Wartesaal“, Bertolt Brecht – „Trommeln in der Nacht“, Der Abend „1968“ über die Studentenunruhen 1968, Maxim Gorki – „Kinder der Sonne“ am Residenztheater, „Oradour“ im HochX, „Les Miserables“, die Castorf-Inszenierung am Berliner Ensemble etc., ). „Die Attentäterin“ ist leider immer wieder aktuell. Hier mit der Besonderheit, dass es eine Frau ist, die den Selbstmord begeht.
Zum Stück: Es war eine zurückhaltende, textlastige Inszenierung. Politisches Theater. Eine derart zurückhaltende Inszenierung zeigt Koohestani ja auch im Stück „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“ nach dem gleichnamigen Roman von Kamel Daoud. Auch diese Inszenierung läuft noch in den Kammerspielen (Freitag, 6. April).
Der Zuschauer verfolgt die Suche des Ehemanns nach einer Erklärung. Man folgt ihm auch nach Palästina zu ihrer Familie. In der Inszenierung sieht der Zuschauer immer wieder auf der Rückwand der Bühne schwarz-weiß und übergroß ein, zwei oder mehrere Gesichter der sprechenden Personen. Nur die Gesichter. Die Personen sitzen meist an einem lang gezogenen Tisch. Es geht um die Gespräche und um die Reaktionen der Personen. Und um „die Situation“ zwischen Israel und Palästina. Sehr intensiv. Wir in Deutschland sind sicherlich nicht in der Lage zu sagen, warum eine Frau so etwas tut. Sicherlich sind Jasmina Khadra und Amir Reza Koohestani um einiges näher dran. Die Attentäterin habe doch jeden Luxus gehabt, sagte einmal etwa der israelische Kommissar. Eine vordergründige Überlegung. Stand eine Terrororganisation dahinter? Auch eine Überlegung. Gespielt wird der Kommissar übrigens von Samouil Stojanov, der wie immer eine fantastische Bühnenpräsenz hat. Ihm müsste man mal einen ganzen Abend geben, auf dem er solo spielen, „brüllen“ und tanzen kann. Beide letztgenannten Dinge sind bei ihm sehr beeindruckend. Auch in „Die Attentäterin“ brüllt er den Ehemann am Tisch an, insgesamt seien bis heute 2300 palästinensische Minderjährige durch Selbstmordattentate umgekommen, während es 145 Minderjährige aus Israel seien. Und alles geht immer weiter. Der Abend endet auch damit, (ACHTUNG: Nicht weiterlesen, wer das Stück sehen will!) dass eine israelische Bombe die palästinensische Familie auslöscht. So verlängert sich ganz einfach die Kette der sinnlosen Massaker. Man bekommt auch keine fertige Lösung dafür, warum die Attentäterin sich und – angeblich – viele Kinder in die Luft gesprengt hat. Sie sagt – nach ihrem Tod – etwa einmal: „Was nützt unser Glück, wenn wir es nicht teilen können?“ Teilen mit wem? Mit allen, die dort unten leiden? Und dann selbst Leid zufügen? Ich verstehe es nicht ganz. Aber der psychische Druck auf bestimmte Menschen – wie die Attentäterin – muss extrem sein! Andererseits erlebt man die Attentäterin – in der Inszenierung taucht sie nach ihrem Tod mehrfach auf und spricht zu ihrem Ehemann – nicht als mit Druck oder gar Hass belastete Person. Ganz und gar nicht. Sie wird fast als die „gute Seele“ des Stückes gezeigt … was ich irgendwie auch nicht verstanden habe. Es bleiben viele Ansätze. Auch generell die Rolle arabischen Frauen in der Gesellschaft mag ein Aspekt sein. Ob die Frauenrolle gar Motiv für den Suizid und Mord sein kann, bleibt offen, das zu beantworten war nicht Intention des Abends. Man muss jedenfalls als Zuschauer dem Text genau folgen, um die verschiedenen Überlegungen und Nuancen gut zu erkennen. Aber das macht den Abend wertvoll. So kommt die „Situation“, die wir nur von Schlagzeilen kennen (Israel/Palästina und die Selbstmordanschläge), hier auf die Bühne! „In „Die Attentäterin“ versuchen wir, eine Schlagzeile in ein Drama zu verwandeln„, sagt Koohestani im Programmheft. Ohne Partei zu ergreifen übrigens. Sonst wäre so ein Abend auch sinnlos.
HIER die Besprechung des Deutschlandfunks (als Audio abhörbar).
Eine israelische Sängerin – Noga Erez – jung – 2017 ihr Debutalbum – ich weiß nicht viel über sie. Sie mag Israel, aber nicht die Politik Israels. Am 08. und 09. Juni ist sie in München! Ihre Website ist HIER.
Israelische Medien feiern sie als Stimme einer Generation junger Israelis, die sich nicht mit Premier Benjamin Netanyahu und seiner konservativ-orthodoxen Sicherheits- und Siedlungspolitik identifizieren können. Einer Generation junger Israelis, die von Gewalt und Terrorangst genug haben und sich nach Frieden in ihrem geteilten Land sehnen. Frustrationen und Ängste kann man auch in ihrer Musik hören. Hier der Song Black Friday, mit fast vorwurfsvoller junger Power, aber nicht nur Protest! Es hat durch den Hintergrundsound und auch durch die Bühnenbeleuchtung etwas von einem U-Boot. „Schiffe versenken“.
Ein kürzlich gelesenes Buch sei erwähnt: Von Zeruya Shalevder Roman Schmerz. Bekannt geworden ist Zeruya Shalev davor durch den Roman „Liebesleben“, den ersten Teil einer Trilogie über das moderne Liebesleben. Shalev ist eine israelitische Schriftstellerin, geboren im Kibbuz am See Genezareth in Galiläa. Shalevs durchaus intensive Erzählungen spielen auch in Israel.
Ich würde das Buch „Schmerz“ mit der Note 2-3 unter „gute Bücher“ einordnen. Ein interessanter Schreibstil. Thematisch geht es darum, dass eine Frau nach vielen Jahren der Ehe ihre große Jugendliebe wiedertrifft und merkt, dass sie zu ihm muss. Es ist eine Familiengeschichte, in der Ordnung und Chaos nebeneinanderstehen, alles gerät ja aus den Fugen. Sie verheimlicht ihre Treffen mit der großen Liebe, macht sich aber natürlich Gedanken. Dass Iris – die Protagonistin – vor langer Zeit nicht nur physisch bei einem Attentat, sondern auch psychisch durch das unverständliche Scheitern dieser Jugendliebe verletzt wurde, wirkt bei ihr noch immer nach. Sowohl in der Familie, als auch in Bezug auf die Jugendliebe. Es kommt dann hinzu, dass sie ihre Tochter in Gefahr wähnt und sich darauf konzentriert, ihr zu helfen. In diesem Kontext geht es in „Schmerz“ um ihre Befürchtungen, Fürsorge, Kontrolle und eben um die große Liebe, die alles verändern würde.
Nach elf Jahren ist ein neuer Roman von Jonathan Safran Foer erschienen. HIER BIN ICH. Ich setze ihn ins Verhältnis zu etwas wie „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz (siehe früherer Blogbeitrag). Man sieht daran nämlich wunderbar deutlich, wie sich die Zeiten einfach verändern! Auch bei Foer geht es – unter anderem – um Generationen. Die Kinder, die Eltern, die Großeltern, ein Onkel, dessen Familie. Und durchgängig geht es hier um das Jüdische und die Einstellungen der Personen zum jüdischen Leben und den Traditionen.. Manchmal geradezu schwer verständlich, wenn man sich nicht gerade gut auskennt. Aber wie anders sich jeder verhält – im Vergleich zu früheren Zeiten – und wie anders Foer es auch beschreibt! Modernes Leben. Vordergründig geht es bei Jonathan Foer um einen jüdisch-amerikanischen Schriftsteller, der mit Frau und den Kindern in Washington DC lebt. Es wird fast der Alltag geschildert, kein besonderer Handlungsstrang, auch anders als früher. Julia und Jacob Bloch haben durchaus Probleme: Jacobs hochbetagter Großvater soll ins Altersheim, will aber nicht, ihr ältester Sohn droht von der Schule zu fliegen, dabei wollen sie in ein paar Wochen seine Bar Mizwa (Mannwerdung) feiern. Geplant ist ein großes Familienfest, zu dem auch die Verwandtschaft aus Israel anreist, was die angespannte Stimmung im Hause Bloch weiter anheizt. Die Verwandschaft kommt auch. Und dann macht Julia eine Entdeckung, die alles infrage stellt, ihre Ehe, ihre gemeinsamen Werte, die Zukunft der Familie … Während sich die häusliche Krise zuspitzt, ereignet sich noch dazu ein globales Desaster: Ein katastrophales Erdbeben im Nahen Osten führt zu einem gewaltigen internationalen politischen Konflikt, der auch die Familie Bloch im Kern trifft. Mit auffallender und besonderer Schlagfertigkeit kommunizieren alle miteinander. Alle ständig mit eigener Beschäftigung. Wie es eben heute ist. Das macht Spass, liest man nicht so oft. Wie anders ist da eine ruhige und intensive Schilderung etwa in „Deutschstunde“! Ein mit vielen feinen Beobachtungen geschilderter Kern ist – wie gesagt – das Auseinanderbrechen von Jacobs und Julias Ehe. Und all die Erzählebenen dienen im Grunde dazu, die Identität des Autors/ Erzählers zu schärfen, der ewig unentschlossen, abschweifend, überlegend, zweifelnd seine Selbstbestimmung anstrebt. Inwiefern das gelingt, bleibt aber offen. Aber es ist sehr vielseitig, anspruchsvoll geschrieben! Es geht um die totale Konzentration auf das eigene Ich. Unsere Zeit! Man hat nur am Ende nicht etwa eine „Geschichte“ und das Verhältnis der Personen dazu vor Augen. Irgendwie anders, als man es gewohnt ist Wieder einmal anders.
Unser Leben. Es prägt sich durch sich selbst. Ich werde in wenigen Wochen ein Buch veröffentlchen. Es wird eine kleine Auswahl von mir geschriebener Gedichte und von Fotografien enthalten und wird – um Prägendes zu fassen – die Begriffe „Lebensstationen“, „Liebesdramen“, „Alltagsgeschichten“ und „Stimmungslagen“ aufgreifen. Als Kategorien, in die die gezeigten Gedichte und Fotografien eingeteilt werden konnten. Denn auch in diesen Kategorien entstehen ja für uns alle einmal – oder auch manchmal oder gar oft oder sogar ständig – Eindrücke und Gefühle, die wir schnell hinnehmen und verarbeiten. Meist rauschen sie an uns vorbei, täglich und unaufhörlich, diese kleinen Situationen, diese Dramen, diese Geschichten, diese Stimmungen. Aber sie können alle – mehr oder weniger, mal kurzzeitig, mal langfristig, mal sofort oder mal erst später, auch viel später – unser Leben mitbestimmen.
Die Gedichte und die Fotografien in dem Buch werden kleine Gelegenheiten schaffen, um einige vorbeigezogene Momente und Eindrücke zu erkennen. „Erkennen“ besagt natürlich, dass jeder Mensch sie anders erkennt – genau so, wie es eben seiner Person und seinen Erfahrungen entspricht. Die aufgegriffenen Momente sind wahrscheinlich fast jedem von uns schon einmal begegnet, daher wird es den Titel“Aus jedem Leben“ bekommen.
Die gezeigten Fotografien stehen auf den ersten Blick meist nur in entfernter Beziehung zu dem dann zuvor gebrachten Gedicht. Gerade dann aber, wenn man Gedicht und Fotografie Zeit gibt, werden sich doch Zusammenhänge auftun. Absichtlich erfassen die Fotografien und die Gedichte übrigens völlig unspektakuläre Situationen.
Die Fotografien haben noch eine Besonderheit: Sie sind allesamt an einem einzigen Ort entstanden. An einem Ort, der uns doch zumeist so fern und unbekannt, geradezu bedrohlich wirkt, beunruhigt. Aber auch dieser Ort birgt das alltägliche Leben in allen Schattierungen. Israel: Tel Aviv, Haifa, Jerusalem, Mesada … es sind Zentren der christlichen, der jüdischen und der islamischen Religion, schwierig, aber auch mit jedem Leben erfüllt.
Leider treffen diese Religionen immer wieder in Feindschaft aufeinander. Daher schließt das Buch vielleicht mit ein paar Worten zu dem Besuch, der mich und meine beiden Söhne im vergangenen Jahr nach Israel führte.
Ich werde in diesem Blog Bescheid geben, wenn das Buch veröffentlicht ist. Und ich werde hier im Blog künftig das ein oder andere Gedicht daraus bringen.