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SONSTIGES: Christo und Jeanne-Claude

Eine Empfehlung: Auf ARTE findet sich in der Mediathek bis zum 31.12.2021 eine sehenswerte Dokumentation über Christo und Jeanne-Claude. Anlass der Dokumentation ist natürlich, dass in den gerade vergangenen Tagen in Paris der Arc de Triomphe verhüllt war. Posthum, Jeanne-Claude starb am 18. November 2009, Christo zehn Jahre später, am 31. Mai 2020. Christo hatte die Vorarbeiten zur Verhüllung des Arc de Triomphe noch weitestgehend selber abgeschlossen.

Die jetzt erfolgte Umsetzung dieser Verhüllungsidee betreute dann sein Neffe, der jahrelang mit ihm zusammen gearbeitet hatte.

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Das obige Beitragsbild und die Bilder unten stellte mir mein eigener Neffe zur Verfügung, der nach Paris gefahren war, um diese Verhüllung zu sehen.

Man denkt sich vielleicht oft: „Naja, Christo und Jeanne-Claude, die hatten eben einen Spleen, der sie berühmt gemacht hat. Christo verhüllte einfach weltweit immer irgendwelche Dinge. Im Grunde ein Egozentriker, es ging ihnen doch nur um Design und das gutes Aussehen der Projekte!“ So oder so ähnlich äußerten sich ja auch in der Dokumentation einige Amerikaner auf und nach einer Versammlung, die über ein Projekt von Christo und Jeanne-Claude entscheiden sollten.

Nein, so ist es nicht! Schauen Sie sich den Film an! Ich versuche einmal eine andere Deutung. Die Dokumentation auf ARTE verschaffte mir jedenfalls folgende Gedanken:

Es ging Christo und Jeanne-Claude – bewusst oder unbewusst – um wahre Kunst! Christo – sieht man zu Beginn der Dokumentation – war ein absolut begnadeter Maler oder Zeichner. Seine Eltern hatten das wohl sehr früh erkannt und ihren Sohn ab dem sechsten Lebensjahr intensiv unterstützt. Er hätte sein Leben lang malen können wie ein Rembrandt!

Dennoch begann Christo – sieht man auch in der Dokumentation – schon in jungen Studentenjahren in Paris damit, Verhüllungen vorzunehmen. Er verhüllte eine kleine Statue. Er verhüllte eine nackte Frau. Wickelte beide mit einer dünnen, durchsichtigen Plastikfolie ein. Warum machte er das?

Was ist Kunst? Ist eine „Statue“ nicht schon Kunst? Ist das „Reichstagsgebäude“ nicht Kunst? Ist der „Arc de Triomphe“ nicht Kunst? Hat Christo die Kunst geschändet? Man könnte es so sehen, er hat ja schließlich immer „schöne Gestaltungen“ verhüllt, damit zeitweise zerstört. Schöne Gestaltungen, die unseren Alltag begleiten. Aber genau das wollte Christo nicht: Mit seiner Kunst nur „den Alltag begleiten“!

Das ist mein Hauptgedanke: Kunst ist etwas anderes. Kunst ist nicht „schöne Gestaltung“. Das ist nicht Kunst. Jedenfalls nicht allein das ist Kunst. Christo hatte recht, diese Dinge zu verhüllen! Zugespitzt: Kunst ist erst etwas, was uns aus unserer Welt der Realitäten herausführt in eine Welt, die es nicht gibt. Dann ist es Kunst. Und genau diese Kunst braucht der Mensch! Eine „Statue“ führt uns aber nicht aus unserer Welt heraus. Eine Statue verherrlicht bestenfalls die Realität. Sie selber bleibt Realität. Oder das Reichstagsgebäude, oder der Arc de Triomphe. Realitäten.

Der Mensch und seine Realität sind aber doch so fürchterlich beschränkt. Der Mensch braucht Kunst, um diese plumpe Realität verlassen zu können. Und genau das hat Christo mit seinen Verhüllungen, denke ich mir, getan. Altruistisch für die BeteachterInnen. Er hat „angebliche Kunst“ verhüllt und damit gezeigt, dass diese sehr reellen Gegenstände eben allein längst nicht Kunst sind, nur wegen ihrer Schönheit, dass sie nicht Kunst sein dürfen. Gerade die Verhüllung solcher Gegenstände ist dagegen Kunst. Das ist es! Gerade die Verhüllung versetzt den Betrachter kurzzeitig in den Zustand, sich zu fragen: „Was ist das denn?“ „Wo ist die Realität?“.

Hinzu kommt, dass Betrachter und Betrachterinnen sich nicht nur diese Frage stellen, sondern sich in diesen kurzen Momenten auch besonders fühlen, ein ganz besonderes Erlebnis erleben, beglückt werden: Sie erleben kurz etwas, was eigentlich nicht real ist. Sie fühlen sich vielleicht „ausgehebelt“, irgendwie anders.

Und genau dann handelt es sich um Kunst. Der Betrachter/die Betrachterin kommt geradezu in den Genuss, aus der Realität „herausgeholt“ zu werden. Für einen Moment. Ein Riesenprivileg. Weil er/sie das, was er/sie sieht, nicht versteht.

Das Besondere an den Verhüllungen von Christo und Jeanne-Claude war dann aber noch etwas: Sie nahmen die Verhüllungen so vor, dass diese wiederum selbst hochästhetisch waren, also doch wieder irgendwie mit reellen Kriterien gegriffen werden konnten! Der Mensch schlägt sich also mit den eigenen Waffen! Er kann sich auch nur so schlagen! Genial! Dass Christo und Jeanne-Claude das erkannt haben! Ist jedenfalls meine Überlegung!

Im Laufe der Zeit ging Christo dann noch weiter. Er verhüllte nicht nur die Realität, die sich als „angebliche Kunst“ verkauft, er gestaltete Räume in einer völlig absurden Art und Weise. Er hing einen riesigen Vorhang zwischen zwei Berge. Er stellte hunderte von Schirmen in Japan und in Amerika in die Landschaft. Er wollte einen Fluss in Amerika mit einer Plane überdecken. Er baute die berüchtigten „Gates“ auf den Wegen durch den Central Park, er baute in Norditalien einen Weg über einen See etc. Alles immer nur für wenige Wochen. In der Dokumentation auf ARTE sieht man einen wunderbaren Querschnitt über seine Projekte!

Und immer musste sich der Betrachter/die Betrachterin auch hier bewusst oder unbewusst fragen: „Was soll das denn?“ Und immer stand der Betrachter/die Betrachterin auch hier vor etwas eigentlich nicht Realem. Sein Privileg. Wann kann man etwa schon über das Wasser gehen? Und genau diese Erlebnisse waren es, die den Betrachter/die Betrachterin bereicherten! Durch deren Absurdität, durch diese absurde Entfernung der Realität und dann aber doch wieder durch deren immense ästhetische Schönheit, erlebten die Betrachter/die Betrachterinnen Kunst, erlebten eine Erweiterung der Realität. Jeanne-Claude erklärte genau diese Momente übrigens wunderbar auf der oben erwähnten Versammlung in Amerika, in der einmal über ein weiteres Projekt diskutiert wurde.

Also: Christo und Jeanne-Claude führten uns doch zur Kunst! Zur höchsten Form der Kunst, könnte man sagen. Und die beiden waren unglaublich einzigartig auf der Welt! Sie werden es wohl auch bleiben, ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein anderer Mensch künftig jemals „Verhüllungen“ vornimmt.

Mit diesen Gedanken hat mich jedenfalls die oben angepriesene Dokumentation auf ARTE bereichert.

Gut, wenn Rembrandt einen Obstteller gemalt hat, war und ist das natürlich auch Kunst. Dennoch! Christo hat uns mit seiner Kunst die Gelegenheit gegeben, mit verwirrten (oder beglückten?) Gefühlen endlich kurz einmal von der stumpfen und beschränkten Realität Abschied zu nehmen. Wenn man es „live“ erlebt hat. Ein großes Verdienst.

HIER der Link zur Dokumentation.

Copyright der Bilder: Frederik Ehlers

THEATER: Gabriele Tergit – Effingers

Ich hatte es im letzten Blogbeitrag schon erwähnt: In den Münchner Kammerspielen habe ich nun das Stück „Effingers“ gesehen. Ein Familientableau aus der Zeit 1883-1942. Ich hatte es schon im letzten Blogbeitrag erwähnt, weil ich kurz danach am Münchner Residenztheater ebenfalls ein Stück gesehen hatte, das ein großes Tableau beteiligter Personen bietet. Allerdings aus modernen Zeiten, „Unsere Zeit“ von Simon Stone. Beide Inszenierungen sind große Ensemblearbeiten.

„Effingers“ basiert auf einem Recht monströsen Buch der jüdischen Schriftstellerin Gabriele Tergit, die in der Zeit von 1894-1982 lebte. Die Inszenierung an den Münchner Kammerspielen war die „Welturaufführung“ dieses Stückes. Regie hatte Jan Bosse. Die nächsten Aufführungen von „Effingers“ sind am 1., 16. und 17. November.

Drei Generationen:

  • der Bankier Emmanuel Oppner, der die Geschäfte der Geschwister Effinger finanzieren wird, und seine Frau Selma Oppner
  • deren vier Kinder Theodor, Sofie, Klara und Annette
  • dann Karl und Paul Effinger, die zunächst eine Schraubenfabrik gründen und später in die Automobilbranche eintauchen. Sie sind etwa im Alter der Kinder des Bankiers Oppner – also mittlere Generation – und heiraten dessen Töchter Klara und Annette
  • deren Kinder wiederum, die dritte Generation, darunter etwa Lotte (Tochter von Paul Effinger und Klara Oppner) und Marianne (Tochter von Karl Effinger und Anette Oppner)

Es sind weitere Personen im Familientableau. Hier findet man den kompletten Stammbaum des gesamten Tableaus, hilfreich für den Besuch der Inszenierung:

Im Programmheft werden diejenigen Elemente genannt, die das Leben dieser drei Generationen deutlich bestimmten: „Industrialisierung, Jahrhundertwende, der 1. Weltkrieg, die beginnende Frauenbewegung, eine Pandemie, Inflation, Antisemitismus, Nationalsozialismus, Faschismus.“ Vor diesem Hintergrund wird die Familiengeschichte der Effingers aufgeblättert. Große Umbrüche.

Die Bühne ist weitgehend leer, im hinteren Teil steht eine große Plexiglaswand, auf die manchmal Fotos einzelner Personen der drei Generationen projiziert werden. Auch kleine Videos werden dort gezeigt, der obige Stammbaum wird zum Teil mit Kreide drauf geschrieben, Jahreszahlen werden drauf geschrieben. Die Familienmitglieder stellen sich immer wieder zu Gruppenfotos zusammen. All das – zusätzlich zur immer zeitgemäßen Kostümierung der Personen – gibt Orientierung. Ansonsten stehen links und rechts auf der Bühne viele Stühle, oft sitzen die Schauspieler auf diesen schmucklosen Stühlen.

Es ist ein Abend, der nicht zur Fantasie angeregt, es ist eine dokumentarische Schilderung der drei Generationen. Schade, ich bevorzuge Theaterabende, die meine Fantasie anregen. Ich vermute, dass etwas mehr an „freiem Griff“ in die Familienentwicklungen möglich gewesen wäre. Mehr Wagnis, die Charaktere zu zeigen. Weder das Thema, noch die Art der Inszenierung, auch nicht das Bühnenbild, wecken aber Fantasie. All die Elemente, die die damalige Zeit prägten, sind ja hinlänglich bekannt. Der Familienroman von Gabriele Tergit mag beeindruckend sein, es bleibt aber auf der Bühne leider eine rein dokumentarische, nüchterne Arbeit. Sie bietet kaum Gelegenheit für die Schauspieler, sich vielseitig zu zeigen. Gut, man hat die Gelegenheit, viele neue Ensemblemitglieder der Münchner Kammerspiele kennen zu lernen. Allzu viele Gelegenheiten dazu gab es ja in den letzten Jahren nicht.

Edmund Telgenkämper stach für mich heraus. Er hatte meines Erachtens sehr große Bühnenpräsenz. Dazu das Beitragsbild oben.

Fazit: Wer rein historisch an dieser Zeitspanne der riesigen gesellschaftlichen Umbrüche vor den beiden Weltkriegen interessiert ist, nicht etwa irgendwelche Bezüge zum Leben in unserer Zeit erwartet, hat hier Gelegenheit, eine entsprechende Familiengeschichte zu sehen.

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele.

Copyright des Beitragsbildes: Armin Smailovic

THEATER: Simon Stone – Unsere Zeit

Es war ein intensives Theaterwochenende: (JETZT WEITERLESEN!) Am Samstag fast vier Stunden „Effingers“ in den Münchner Kammerspielen und am Sonntag fast sechs Stunden „Unsere Zeit“ im Münchner Residenztheater. Gemeinsamkeiten? Zunächst einmal: Zwei bekannte Regisseure – Jan Bosse (Münchner Kammerspiele) und Simon Stone (Münchner Residenztheater).

Weiter: Beide Stücke sind eine Art „Gesellschaftstableau“, jeweils für eine völlig eigene Zeitspanne und mit völlig unterschiedlichen Herangehensweisen. Weiter: Beide Theater zeigen endlich wieder einmal einen recht großen Teil ihrer Ensembles: Insgesamt 28 Schauspieler und Schauspielerinnen!

Vollkommen unterschiedlich dagegen waren beide Inszenierungen ansonsten, sehr interessant! Zu einem ersten Vergleich vorab: (In diesem Artikel gehe ich ansonsten auf „Unsere Zeit“ vom Münchner Residenztheater näher ein).

Effingers“: Das Stück in den Münchner Kammerspielen schildert die Zeit in Deutschland zwischen 1883 und 1914 – vor dem ersten Weltkrieg. Basierend auf dem sehr umfangreichen Familienroman „Effingers“ von Gabriele Tergit (1894-1982). Das Buch ist eher dokumentarisch – ein historisches Familientableau, drei Generationen. Fazit: Die Inszenierung war mir dadurch zu dokumentarisch und historisch.

Unsere Zeit“: Das Stück am Münchner Residenztheater schildert dagegen (in seiner Art) die heutige Zeit in Deutschland zwischen 2015 und 2021. Nicht basierend auf einem Roman, sondern auf einer Entwicklung von Simon Stone, der mit dieser Inszenierung Menschen an einer Tankstelle zeigt, die er mit dem Gesamtwerk von Ödon von Horvath, mit Textstellen und Gedanken daraus verbindet. Mein Fazit hier: Schauspielerisch durch die Bank wirklich großartig und insgesamt packend!

Weiteres zu „Unsere Zeit“: (Die nächsten Termine sind übrigens schon heute und in den nächsten Tagen!) Die Inszenierung ist eingeteilt in drei Teile. Im dritten Teil, der nicht mehr stringent an ein bestimmtes Jahr oder an bestimmte Jahre der gezeigten Zeitspanne gebunden ist, löst sich alles auf! Eine Tankstelle, wohl in einem kleinen bayerischen Ort, vielleicht an der Autobahn. Dort treffen sich immer wieder Menschen, die sich gegenseitig zum Teil kennen oder sogar verwandt miteinander sind. Wie schon bei Ödon von Horvath: Jeder Mensch hat seine Probleme, seine Vergangenheit, seine Wünsche, seine Hoffnungen, seine Enttäuschungen. Aus teilweise ganz normalen Gesprächen dieser Menschen kann man diese Elemente heraushören. Bestimmte Dinge entwickeln sich auch, aber man weiß längst nicht alles.

Ich erinnere mich übrigens an den für mich besten Film, den ich jemals im Fernsehen gesehen habe: Eine zum Teil preisgekrönte Verfilmung von Ödon von Horvath’s „Kasimir und Karoline“. HIER ein Trailer dazu!

Und ich erinnere mich daran, dass mein Vater einen guten Freund hatte, Traugott Kirschke, der nach jahrelangen Recherchen ein Buch über den damals etwas vergessenen Ödon von Horvath geschrieben hatte. Ich glaube mich zu erinnern, dass für Traugott Krischke dieses Buch viele viele Jahre lang das große Hauptthema war! Ödon von Horvath starb ja schon im Alter von 38 Jahren in Paris durch einen im Sturm herabgefallenen Ast.

Zurück zu „Unserer Zeit“: In den ersten beiden Teilen der Inszenierung – in den ersten etwa vier Stunden – kommt man Stück für Stück den verschiedenen Personen des Stückes näher. Meist durch einfache schnelle Begegnungen des Alltags. Wie im richtigen Leben: Man ahnt nur, dass jeder seine Geschichte hat, seine Motive, seine Wünsche, seine Ängste, seinen Charakter. Jeder spricht ja im Grunde nur Fetzen von all dem, was er meint. Stück für Stück öffnen sich aber so durch kurze Äußerungen, durch schnelle Unterhaltungen (auch einmal durch etwas längere Unterhaltungen) Türspalte zu diesen Personen. Erstaunlicherweise werden einem die Menschen genau dadurch etwas „verständlicher“. Simon Stone greift – wie schon Ödon von Horvath es gerne tat – das allgemeine Leben auf, hier das Leben an einer Tankstelle, und trifft damit auf Menschen und ihre Charaktere! So leben wir. Wir können ja gar nicht anders leben. Kurze Begegnungen. Und doch entwickeln sich wichtige Dinge. Es wird ja auch nicht nur banales Zeug geredet. Jeder äußert irgendwie immer wieder verschiedene wichtige Dinge. Gesellschaftlich oder persönlich.

Andererseits: Es sind insgesamt sehr viele Unterhaltungen zwischen all den Personen. Natürlich ist es daher nicht leicht, allen Details zu folgen. Man ist als Zuschauer allerdings manchmal sehr aufnahmefähig, fand ich, weil man genau diese Art von Unterhaltung kennt, gewohnt ist. Das Anreißen von Themen. Die Unterhaltungen treffen immer wieder Punkte, die persönlich oder gesellschaftlich in unserem modernen Leben einfach Thema sind. Flüchtlingskrise, Kapitalismus, MeToo, Corona, Soziales, München, vieles wird angesprochen. Als Zuschauer hat man es eine Zeit lang trotzdem irgendwie leicht, vielleicht haben wir uns alle durch Gewöhnung eine Technik angeeignet, derartigen Unterhaltungen gut folgen und sie interpretieren zu können.

Der dritte Teil der Inszenierung ist dann die eigentliche Offenlegung der aktuellen Situationen der Beteiligten, ihrer aktuellen „Prägungen“. Alle stecken irgendwie in Problemen, hatten teils fürchterliche Erlebnisse in ihrer Vergangenheit. Tragen jetzt die Erinnerungen daran mit herum. Meist handelt es sich um ihre „Prägung“ durch etwas aus ihrer Vergangenheit, manchmal auch um Prägung durch die gegenwärtige Situation oder durch Wünsche/Ängste etc. für die Zukunft. „Offenlegung“ der Art, wie man sie im Alltag nicht erfährt, auch in den ersten beiden Teilen der Inszenierung im Detail zum Großteil nicht erfahren hatte. Diese Prägungen und Gefühle werden im dritten Teil jeweils durch längere Monologe und Dialoge offengelegt. Es sind teilweise ergreifende Monologe und Dialoge. Etwa die Fluchtschilderungen von Hawal, dem in der Tankstelle arbeitenden Flüchtling. Seine Schuldgefühle. Auch andere Schilderungen! Ergreifend, weil man meinte, diesen Personen ansatzweise schon näher gekommen zu sein.

Verbunden wird diese Offenlegung zudem im dritten Teil noch mit einer Rückschau auf schreckliche Ereignisse an der Tankstelle. Eine wiederum sehr brutale „Lösung“, ein Amoklauf einer der Personen, die zuvor an der Tankstelle zu sehen waren. Das war an sich fast nicht nötig für diese Inszenierung, fand ich! Brutal und erschütternd, verstörend, weil es ein wenig zu sehr aus dem „Nichts“ kam. Im dritten Teil der Inszenierung kommen also geballt teils sehr schwere Schicksale der Beteiligten auf einen zu.

Jedenfalls ist es eine schauspielerisch von jeder Person wirklich hervorragende Inszenierung! Ähnlich hatten ja einige der Schauspieler und Schauspielerinnen schon in der letzten großartigen Inszenierung von Simon Stone, in „Drei Schwestern“, überzeugt. Auch dort wählte Simon Stone ja den Ansatz: Alltagsgespräche, Alltagssituationen! Aber auch inhaltlich gefiel mir die Inszenierung „Unsere Zeit“.

Fazit: „Alltag“ (die ersten zwei Teile der Inszenierung „Unsere Zeit“) bietet uns leider kaum die Möglichkeit, Schicksale und Sehnsüchte etc. der Person, auf die wir so treffen, wirklich genau zu erkennen. Wann „kennt“ man schon eine Person, mit der man kommuniziert?

Copyright des Beitragsbildes: Birgit Hupfeld

LITERATUR: Juli Zeh – Über Menschen

Nicht zum ersten Mal habe ich ein Buch von Juli Zeh gelesen. Dieses Mal hat es mich nicht voll begeistert. Das mag anderen anders gehen, daher schreibe ich hier natürlich darüber. Das Thema trifft ja den Zeitgeist, die „Stadtflucht“. Das Buch hat im Kern wahrscheinlich einige autobiografische Elemente. Wie im Buch, so auch im Juli Zehs Leben: Eine Person – Dora – verlässt die Großstadt und zieht aufs Land in den in Brandenburg gelegenen, verlassen und vergessenen Ort „Bracken“ – einen „Wohnplatz“ der Gemeinde „Gleiwitz“.

Juli Zeh lebt seit Jahren in Barnewitz, einem Dorf im Havelland in Brandenburg, zuvor hatte sie über viele Jahre in Leipzig gelebt. 

Etwas ganz Persönliches dazu von mir:

Der Ort -> Barnewitz ist wahrlich nicht weit entfernt von -> Rhinow, dem Ort, in dem meine Familie mütterlicherseits in frühen Jahren ein schönes Häuschen hatte. Ich hatte es nach der Wende noch besucht. Rhinow wiederum liegt neben den -> „Rhinower Bergen“, auf denen wiederum der Flugpionier -> Otto Lilienthal damals, Ende des 19. Jahrhundert, täglich seine Flugübungen machte. Otto Lilienthal stürzte dort am 9. August 1896 ab – bei -> Stölln nahe Rhinow (in der Nähe von Barnewitz also, neben Berlin) – und starb dann auf dem Weg nach -> Berlin bzw. in Berlin. Mein Urgroßvater erlebte diesen Absturz ganz persönlich! Und er war es, der nach dem Absturz als Arzt Otto Lilienthal auf dem Weg nach Berlin begleitete. Ja, mein Urgroßvater!

Zurück zum Roman:

Juli Zeh mag diesen Roman recht schnell geschrieben haben. Er enthält meines Erachtens daher auch rein stilistisch gesehen nicht irgendeine Besonderheit, er schildert inhaltlich einfach den Ablauf gewisser Dinge. Dinge des modernen Lebens in unseren Sphären. Alles, was geschieht, entspricht dabei leider immer wieder irgendwie einem „Klischee“, das wäre mein größter Kritikpunkt. Dem Klischee über Stadtflucht. Dem Klischee über einen vergessenen Ort, der an nichts angebunden ist. Dem Klischee über die Menschen, die dort leben. Dem Klischee über die Menschen, die in Großstädten leben. Dem Klischee, wie man in welcher Situation denken oder handeln wird. Und so weiter. Immer wieder Klischees, Klischees. Ich fühlte mich leider beim Lesen dieses Buches durchgängig so, als würde ich etwas lesen, was nach allgemeiner Einschätzung „nicht anders sein kann“. Viel von diesen Klischees trifft ja zu!

Ich selber mag es aber, wenn ich etwas lese, im Grunde lieber etwas „abseitig“, nicht so erwartbar, so herkömmlich. Andererseits mag ich es, wenn ganz einfache Dinge des Lebens beschrieben werden. Aber dabei freue ich mich immer nur, wenn – allein etwa durch den Schreibstil – etwas Besonderes daraus herausgeholt wird. Dann bereichert mich das Buch.

Ja, es mag so sein, dass einfach alles so ist, wie Juli Zeh es beschreibt. Der Roman ist insoweit die gute und sicherlich weitgehend treffende Schilderung einer gesellschaftlichen Situation. Auf dem Buchdeckel heißt es dementsprechend (Zitat Denis Scheck, SWR Fernsehen): „Ein Buch, das einem die Augen öffnet für unsere bundesrepublikanische Wirklichkeit.“ So kann man es auch formulieren. Es wird so sein. Und wenn man lesen möchte, wie es ist, aus dem wilden Berlin in einen vergessenen Ort zu ziehen: Hier hat man ein gutes Lesewerk.


Juli Zeh beschreibt dabei alles wieder sehr gut, keine Frage! Man liest es flüssig und schnell, die Geschichte entwickelt einen Zug. Man hat alles gut vor Augen! „Dora“, die Hauptperson des Romans, neuerdings getrennt von ihrem in Berlin/Kreuzberg lebenden Lebenspartner (oder Ehemann) „Robert“, kommt im Laufe des Romans tatsächlich einzelnen zunächst eigenartig wirkenden Menschen, die auf dem Land um sie herum leben, näher. Aber auch etwa Robert: Man liest etwas, was man kennt. Robert ist zunächst immer mehr „ökologisch unterwegs“, fast besessen von jedem Detail, von seiner ökologischen Überzeugung. Dann kam Corona hinzu, auch das wird zu seiner Berufung! Und alle anderen, die nicht seiner Überzeugung sind, sind insoweit Trottel, sollten lieber seinen Vorgaben folgen. Das hält Dora dann nicht mehr aus. Man kennt es. Aber auch hier: Es wird geschildert, aber man erhält meines Erachtens dazu leider keine weiterführenden Gedanken.

Zum Ort Bracken: Das schwule Pärchen im Ort, der „Dorfnazi“ auf dem Nachbargrundstück – das bezeichenderweise durch eine Mauer von ihrem Grundstück getrennt ist, auch andere Bewohner lernt Dora kennen. Vieles verwundert, stört und irritiert sie, aber es entstehen Beziehungen, über ihre persönliche emotionale „Mauer“ hinweg gewissermaßen, die diesen Roman prägen. Insoweit hat dieser Roman übrigens Ähnlichkeiten zu ihrem vorherigen Roman „Unter Leuten“. Das ist jedenfalls der Weg dieses Romans: Man zieht in eine „fremde Welt“, an der einen zunächst vieles stört oder verwundert, und kommt dann doch zwangsläufig dieser Welt näher. Das ist auch der positive Aspekt dieses Romans. Hinter jedem Klischee steckt mehr und jede Welt ist berechtigt.

HIER ein Link zu einem Filmbeitrag der Sendung ASPEKTE über den Roman.

THEATER: DT – Bremsspuren

Im Stream des Monats des Deutschen Theater Berlin war gestern Abend „Bremsspuren“ von Nicola Bremer zu sehen. Der Stream wird am 19. November wiederholt. In der (bisherigen) Corona-Zeit waren vielfach Streamings zu sehen. Mal waren sie gelungen, mal weniger gelungen. Aus meiner Sicht waren sie meist dann gelungen, wenn man mehr Nähe zu den Schauspielern und Schauspielerinnen vermittelt bekam, als üblich. Dann, auch durch den irgendwie besonderen Einsatz der Kamera(s), waren die Streamings oftmals sehenswert und besonders! Nähe zum Schauspieler, das ist sicherlich ein Vorzug von „Bremsspuren“.

„Bremsspuren“ ist ein Stück, in dem allein der junge Schauspieler Niklas Wetzel zu erleben ist. Nur ganz selten – gegen Ende – hört man außerdem die Stimme von Julia Windischbauer. Mehr nicht. Man erlebt „nur“ Niklas Wetzel. Ich habe ihn schon das ein oder andere Mal erlebt, er hatte seine Schauspielausbildung an der Münchner Falkenbergschule – der Theaterschule der Münchner Kammerspiele – absolviert.

Thema: „Ein Mensch. Ein Raum. Ein Experiment. Einmal so langsam wie möglich durchs eigene Wohnzimmer gehen. Einmal bis zur gegenüberliegenden Wand.“ Das ist in etwa die Idee des Stückes, geschrieben von Nicola Bremer (ausdrücklich für das Streaming, glaube ich). Es geht im Grunde von dieser Idee her gesehen um die Entdeckung der Langsamkeit. Sten Nadolnys Buch „Die Entdeckung der Langsamkeit“ fällt einem ein. „Daniel“ verlässt für ein Jahr das Leben, in dem von uns allen Zeit und Raum laufend vergewaltigt werden, wir Menschen missachten ja im Grunde laufend die wirklichen Dimensionen von Zeit und Raum. „Daniel“ zieht sich in sein Wohnzimmer zurück, er will Zeit und Raum wirklich kennen lernen. Ein leerer meist weißer Kubus auf der Bühne. Drei Wände, vorne offen.

Niklas Wetzel alias „Daniel“ spricht dabei in diesem Stück – ausschließlich wohl per Telefon, man sieht ja niemanden – mit der von ihm heiß begehrten Julia Windischbauer alias „Laura“. Es ist insoweit ein Monolog. Man hört keine Antworten, sondern nur Sprechpausen, in denen man sich die Antworten von Julia Windischbauer alias Laura vorstellen kann.

Daniel erzählt Laura von seinem Projekt, ein Jahr lang sein Zimmer zu durchqueren. Mehr macht er nicht. Sein Projekt, ein Experiment. Er nimmt Zeit und Raum ein Jahr lang wahr. Er erzählt „seiner“ Laura davon, spricht davon, dass er verschiedene Besuche bekam, dass er nicht einsam sei und und und.

Im Grunde aber spricht er mit Laura, da er ihr nahe kommen möchte, er liebt sie. Er ruft sie immer wieder an. So geht es meines Erachtens im Stück leider viel eher um die Beziehung zwischen Daniel und Laura, als um die einsame und so „langsame“ und „eingeschränkte“ Lebenssituation von Daniel. Es geht eigentlich wenig um das interessante „Projekt“ von Daniel: Seine Idee des Erlebens von Zeit und Raum. Diese Idee wird von Daniel immer wieder angesprochen, wird aber nicht vertieft. Dass es Daniel eher um Laura geht, zeigt meines Erachtens auch die Tatsache, dass Daniel nicht etwa ruhiger, „entschleunigter“ wird, sondern im Gegenteil aufgedreht, manchmal geradezu hektisch. Seine Empfindlichkeit ist immer getragen von den Veränderungen seines Verhältnisses zu Laura.

Die interessante Idee des Stückes bleibt somit meines Erachtens zu sehr in dem Versuch stecken, die Idee des „Projektes“ von Daniel wirklich zu vertiefen. Das Stück gleitet ab in die Darstellung der Beziehung zwischen Daniel und Laura. Vielleicht allerdings geht es darum: Die Beziehung von Daniel zu Laura scheitert vollständig, da Daniel durch sein Projekt der „Entdeckung der Langsamkeit“ überhaupt keine Nähe mehr ermöglicht. Er hat sich dem Leben entzogen, kann nur noch zuhören, was Laura vom Leben erzählt.

HIER der Link zur Website des Deutschen Theater Berlin und seinem Angebot Stream des Monats. Der Stream im kommenden Monat wird klasse! Filmisch sehr besonders! LEAR – ein Werk aus KÖNIG LEAR (Shakespeare) und DIE POLITIKER (W. Lotz).

Copyright des Beitragsbildes: Screenshot des Deutschen Theater Berlin

THEATER: Deutsches Theater Berlin – Stream des Monats

Eine Ankündigung: Das Deutsche Theater Berlin ist wieder regelmäßig digital zu erleben: Heute, Mittwoch, den 29. September startet deren neue monatliche Rubrik „STREAM DES MONATS“. Der Stream wird immer begleitet von einem Live-Nachgespräch mit den Künstler:innen.

Den Anfang der Reihe macht heute „BREMSSPUREN“ von Nicola Bremer in der Regie von Friederike Drews als Limited Edition digital (das Format, in dem die Regieassistent:innen des Theaters ihr Regiedebüt geben – normalerweise in der Box, in diesem Fall digital).

Zum heutigen Stream: Eine Bühne. Ein Schauspieler. Eine Kamera. Ein one-take. Kein Schnitt. Ein Mensch. Ein Raum. Ein Experiment. Wie gesagt: HEUTE, Mittwoch, 29. September, 20 Uhr mit anschließendem Nachgespräch und danach als Video on Demand noch 24 Stunden verfügbar.Tickets gibt es auf dringeblieben.de.

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Deutschen Theaters Berlin.

Copyright des Beitragsbildes: Deutsches Theater Berlin

LITERATUR: Teresa Präauer – Das Glück ist eine Bohne

Vor Jahren hatte ich den Roman „Oh Schimmi“ von Teresa Präauer gelesen und im Blog hierüber geschrieben. HIER der damalige Beitrag. Diese verrückte, lustige und ironische Erzählung eines „Taugenichts“ war eine schöne Entdeckung! Deshalb habe ich mir nun ihr neues Buch „Das Glück ist eine Bohne“ besorgt und habe es gelesen. Ich habe aber selten von ein- und dem/derselben Schriftsteller/in so unterschiedliche Bücher gelesen. 



„Das Glück ist eine Bohne“ ist – im Gegensatz zur humorvollen Erzählung „Oh Schimmi“ – eine Sammlung vieler kleiner „Beobachtungen“. Es sind 82 kleine Texte von oft nur zwei Seiten, mal vier, mal fünf etc. Allein deshalb liest es sich natürlich leicht, man kann es immer wieder weglegen, ohne den Faden zu verlieren. Es gibt keinen roten Faden, der die einzelnen Texte zusammenhält. Doch, man könnte sagen: Teresa Präauer hat gestöbert und geschrieben. Sie hat in ihren Erinnerungen gestöbert und ebenso in YouTube, im Fernsehen, auf Netflix, im Internet, sie schafft dann aus irgendeiner Beobachtung heraus Verbindungen zu Musikstücken, erwähnt Künstler, erwähnt andere mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten … Das ist der rote Faden. HIER der Link zu einer Leseprobe, gelesen von Teresa Präauer.

Die Sprache der Texte ist leider längst nicht mehr so verrückt und humorvoll wie in der Erzählung „Oh Schimmi“. Teresa Präauer ist eben etwa fünf Jahre älter geworden, 42 Jahre alt ist sie heute. Man spürt es in ihren Beschreibungen, ihrer Sprache. Es mischen sich Sätze ein wie: „Die Angelegenheit ist, bei gleichzeitig repetitiv strukturierter Einfachheit des vorliegenden Textmaterials, komplex.“ (Seite 123). Puh, das ist nicht schön zu lesen. Ich habe selten das offenbar – zumindest im Schreibstil – recht schnell gegangene Älterwerden eines/r SchriftstellerIn so deutlich gemerkt! Das, was sie beschreibt, wirkt längst nicht mehr verrückt, leicht, abstrus und locker, auch nicht so lustig und ironisch wie die Erzählung „Oh Schimmi“. Schade! 

Es sind in „Das Glück ist eine Bohne“ auch nicht nur aktuelle „Beobachtungen“. Viele ihrer kurzen Texte knüpfen an – wie gesagt – sehr persönliche Erinnerungen an. Das macht es dem Leser nicht leicht. Teresa Präauer hat dann natürlich ihre Vergangenheit sehr genau vor Augen, aber nur in ihr schwingt die Erinnerung, im Leser nicht.

Fast unangenehm übertrieben ist leider, finde ich, die Erzählung mit dem Titel „Aufgewachsen in Bibliotheken“. Teresa Präauer schildert dort, wie sehr sie im Grunde – was Bücher angeht – prädestiniert sei. Vieles mag stimmen, aber muss man das so herausstellen? Sie sei nicht nur in einer Bibliothek gezeugt worden, ihr Vater sei dort nicht nur Archivar gewesen, ihre Mutter sei nicht nur literaturbegeistert und “Leseratte“ gewesen, Teresa Präauer sei nicht nur in der Bibliothek aufgewachsen, sie habe dann nicht nur auch, als sie größer geworden war, viel Zeit in der Bibliothek verbracht, nein, sie habe sogar lesen können bevor sie sprechen habe können! Und sie habe sogar, bevor sie lesen konnte, „einen guten Satzspiegel von einem weniger guten unterscheiden“ können. Ein Wunderkind!

Und in den vielen kurzen Texten ist es oftmals schwer, sich die Situation jeweils gut vorzustellen, die sie beschreibt. Neben zahlreichen Texten zu Erinnerungen aus ferneren Zeiten bringt sie anfangs etwa Texte zu ihrem einjährigen Aufenthalt in Amerika vor wenigen Jahren. Auch hier enthalten die Texte genaue Beschreibungen von irgendetwas, was sie erlebt hat, oder von irgendwem, den/die man selber ja nicht kennt, oftmals verbunden mit ihren Gedanken dazu. Man fragt sich leider manchmal: Was interessiert mich das? Oft verbindet sie ihre Beschreibungen kurz mit – manchmal recht komplizierten – allgemeineren Gedanken und Interpretation, die man im Grunde nur versteht, wenn man das, worüber sie schreibt, genau vor Augen hätte. Das fehlt leider oft.


Das Buch ist also kein leichter „Schmöker“, man kann sich aber durch viele meist kurze Gedanken, Erinnerungen und Fundstücke aus der medialen Welt treiben lassen, auch das mag gefallen.

MUSIK: Rolling Stones – Wild Horses


Charlie Watts ist vorgestern im Alter von 80 Jahren gestorben. Jeder weiß es mittlerweile. Wir haben uns doch im Grunde bisher gedacht: Die Rolling Stones sind irgendwie unsterblich. Es gab und gibt sie einfach immer, wie Ampeln an der Kreuzung oder die Glühbirne. Mein Leben etwa hatten sie bisher in voller Länge begleitet. Die Rolling Stones wurden 1963 gegründet, ich kam 1661 zur Welt. Jetzt hat es Charlie Watts „erwischt“. Der Schlagzeuger der Rolling Stones, eine Legende! Ab gestern gibt es die Rolling Stones nicht mehr, schreibt man zurecht! Charlie Watts starb – überraschend – in seinem Heimatort (und Geburtsort) London. Ein Anlass, einen schönen Song der Rolling Stones zu bringen! „Wild Horses“.

Man liest, dass die Rolling Stones wohl im September und Oktober Konzerte geben werden und man erwartet, dass es natürlich recht sentimentale Konzerte werden. Wir werden sehen und vielleicht hören.

Charlie Watts war im Grunde Zeit seines Lebens Mitglied der Rolling Stones, auch wenn er das anfangs nicht geplant hatte. Er sagte, er hätte gedacht, vielleicht zwei Jahre lang in der Band zu bleiben. Schon 1963, also kurz nach Gründung der Rolling Stones, wurde er Bandmitglied und blieb es bis zuletzt. Er galt als der Ruhepol, die Stillfigur, als das Rückgrat der Rolling Stones, hielt sich im Hintergrund, mochte eigentlich nie lange Reisen, war eine ruhige Person, spielte immer auf einem sehr einfachen Drum Set. Auf manchen Fotos der Rolling Stones könnte man meinen: Was macht der denn da auf dem Bild?

Der Song hier ist eine Studioaufnahme aus Tokio, von wann sie ist, weiß ich leider nicht. Die Bandmitglieder sehen nicht mehr blutjung aus, es wird vielleicht vor zehn, fünfzehn Jahren gewesen sein! Das Schöne an der Aufnahme ist, finde ich, dass man die einzelnen Bandmitglieder – Mick Jagger, Charlie Watts, Keith Richards und Ron Wood – in dieser sehr ruhigen Aufnahme abseits einer riesigen Showbühne einmal deutlich und ausführlich sieht.

Ich füge unten wieder eine zweite Version des Songs an: „Wild Horses“ von den Rolling Stones mit Florence and the Maschine, live. Eine schöne Version! Warum? Hier kommt die raue Stimme von Mick Jagger in einen völlig anderen Zusammenhang. Es hat kaum mehr mit Rock n‘ Roll zu tun, wenn Florence diesen Song mit ihrer glasklaren Stimme mitsingt. In meinen Augen treffen hier zwei völlig verschiedene Welten wunderbar aufeinander! Man meint fast, dass sich Mick Jagger am Anfang befremdet fühlt, als Florence auf ihn zugeht. Ganz verkrampft wirkt er. Dieses Befremdetsein löst sich im Laufe des Songs ein wenig, nach dem Song gibt Mick Jagger aber bezeichenderweise Florence wieder nur einen Handkuss! Nach dem Motto: Da kam jemand aus einer anderen Welt als meiner Rolling-Stones-Welt zu mir!

LITERATUR: Daniel Mason – Wintersoldat

Man kennt vielleicht Daniel Masons Debütroman „Der Klavierstimmer Ihrer Majestät“ (Deutsche Fassung 2003). Dort geht es um einen Klavierstimmer, der zu Zeiten der dortigen britischen Kolonialherrschaft nach Burma, in das heutige Myanmar, reist. Es geht wohl auch um Liebe. Ich kannte den Roman nicht. Ich kannte auch Daniel Mason nicht. Aber ich hatte kürzlich Geburtstag und habe seinen aktuellen Roman „Wintersoldat“ geschenkt bekommen.

Daniel Mason ist Amerikaner und ich finde, man erkennt manchmal an der Art und Weise, wie ein Buch geschrieben ist, dass der Autor Amerikaner ist. So auch bei diesem Roman. Natürlich erkennt man das nicht bei allen amerikanischen Autoren, bei Paul Auster beispielsweise wenig (kürzlich gelesen: Sein autobiografischer Roman „Winterjournal“), bei Richard Powell wenig (ich mochte den fantastischen und anrührenden Roman „Der Klang der Zeit“ ganz besonders!), bei Louis Begley wenig (ich kenne von ihm „Erinnerungen an eine Ehe“ und „Schiffbruch“). Es gibt natürlich fantastische amerikanische Autoren. William Faulkner etwa („Licht im August“!). Oder Ernest Hemingway und seine Short Stories. (Er hatte übrigens Anfang Juli diesen Jahres seinen 60. Todestag. Und ich meinen 60. Geburtstag!) Oder oder oder. Die Liste der wirklich beeindruckenden amerikanischen Schriftsteller ist sehr lang!

Daniel Mason ist rein sprachlich gesehen dagegen nicht irgendwie auffallend. Ich möchte behaupten, vor allem viele europäische Schriftsteller schreiben oftmals irgendwie variantenreicher, im Stil einfallsreicher oder empfindsamer. Der Roman „Wintersoldat“ von Daniel Mason scheint mir eine Erscheinung relativ moderner amerikanischer Literatur zu sein: Der Roman ist eine sehr genaue und dadurch sehr intensive Schilderung der Entwicklung eines tragischen Lebens in sehr schwerer Zeit! Die Zeit des 1. Weltkrieges! Die Schilderung des Lebens des jungen Arztes Lucius wird – das mögen die Amerikaner ja – bald mehr und mehr zu einem „page turner“, also zu einem Buch, das man nicht weglegen möchte, sondern bei dem man Seite für Seite weiter lesen möchte, um den jeweiligen weiteren Verlauf und den Ausgang der Geschichte zu erfahren.

Beeindruckend ist auf jeden Fall die unglaublich genaue und facettenreiche Schilderung der fürchterlichen damaligen Umstände an der russisch/österreichischen Frontlinie während des ersten Weltkrieges. Die Kriegszustände! Lucius ist Lazarettarzt hinter der Frontlinie. Ebenso beeindruckend ist die unglaublich genaue und facettenreich Schilderung der medizinischen Möglichkeiten der damaligen Lazarettärzte hinter der Frontlinie. Mason schildert immer wieder grauenhafte Entstellungen und Verletzungen viele Soldaten. Insoweit ist der Roman sogar nicht einmal mehr zeitgemäß, Kriege würden heutzutage doch – meint man – eher mit dem sofortigen Tod des Soldaten enden, als mit fürchterlichen Erfrierungs- oder Schussverletzungen oder mit Entstellungen durch Granaten und Bomben. Heutzutage leidet die Zivilbevölkerung viel mehr! Insoweit ist dieser Roman eher ein historischer Roman.

Auch, scheint mir, ist etwas typisch für moderne amerikanische Literatur: Natürlich mischt sich neben all diesen fürchterlichen Schilderungen der damaligen Lebensumstände das Thema der großen Liebe in den Roman! Das Thema der großen Liebe bestimmt letztlich den Verlauf des Romans! Und insoweit wählte Daniel Mason wohl wieder die Technik, die er auch bei seinem Debütroman angewandt hatte. Das Thema der Liebe hält den Roman am Laufen!

Ich muss gestehen: Der Titel „Wintersoldat“ hat mir dabei nicht sehr gefallen. Was ist denn ein Wintersoldat? Gut, im Laufe des Romans wird es klar. Es ist ein völlig traumatisierter, ansonsten wohl unverletzter Soldat, der im tiefsten Winter ins Lazarett kommt. Er prägt den Roman auch in gewisser Weise. Ihn aber gleich „Wintersoldat“ zu nennen, scheint mir fast kitschig.

Also: Wer einen historisch recht interessanten und sehr detailreich geschriebenen Roman zum 1. Weltkrieg lesen möchte, den er nach einer gewissen Zeit auch nicht mehr weglegen möchte – im Urlaub etwa, der möge sich den mit diesen Vorgaben durchaus guten Roman „Wintersoldat“ von Daniel Mason nehmen.

MUSIK: Peter Gabriel – Biko


Dieser Song war Steven Biko gewidmet. Der Song heißt „Biko“. Peter Gabriel hat ihn 1980 geschrieben. Steven Biko ist vor fast genau 44 Jahren gestorben, am 12. September 1977. Er war in den Siebzigerjahren einer der großen Freiheitskämpfer gegen die Apartheidspolitik in Südafrika. Alles hängt miteinander zusammen, alles. Der Tod von Steven Biko hat auch heute noch Bedeutung.

Bedeutung für unsere heutigen Probleme. Er, Steven Biko, stand auf, er wollte Dinge ändern. Das müssen wir heute dringend auch – die Umwelt. Wir rasen auf Katastrophen in den kommenden Jahren zu. Es braucht vielleicht mehr einzelne Menschen, die aufstehen. Ein Beispiel dafür war sicherlich Biko.

Peter Gabriel hat den Song 1988 auf dem am besten für den Song geeigneten Konzert gespielt: Auf dem legendären Konzert im Londoner Wembleystadion 1988 zum 70. Geburtstag von Nelson Mandela. Ich bringe hier sogar drei Versionen des Songs! Alle drei sind beeindruckende Livemitschnitte.

Zum Einen die Aufnahme aus dem Wembleystadion 1988, akustisch schlecht, aber emotional am tiefsten, man spürt das Thema, man spürt eine Art Gemeinschaftsgefühl der Zuschauer, bilde ich mir fast ein. Peter Gabriel brüllt den Text manchmal fast. Wie er am Schluss noch einmal den Namen „Steven Biko“ sagt! Er wird dort angekündigt von Jim Kerr, dem Sänger der Simple Minds – die den Song auch oft gespielt haben, siehe YouTube. Dann – die zweite Version – live von einem Konzert in Chile, einige Jahre später. Eine schöne Aufnahme, man sieht dort auch Sting in jungen Jahren. Schön ist dort auch die Kombination mit den chilenischen Flötenspielern, besonders zu Beginn und am Ende. Nein, auch mittendrin prägen die Flötenspieler eine gewisse melancholische Stimmung des Liedes. Ich mag ja Melancholie. Und drittens, wieder viele Jahre später, akustisch die beste Version. Sie ist langsamer, Peter Gabriel mit stark veränderter, aber seiner wunderbaren rauchigen Stimme. Er selber ist gealtert, sehr verändert! Aber nicht nur akustisch, auch von der ganzen filmischen Aufnahme her gesehen ist diese dritte Version einfach moderner, sehr fein!

Vieles ist interessant an diesem Song und an diesen drei Aufnahmen:

  • Peter Gabriel selbst: 1988 in Wembley als junger Mann, in Chile schon etwas älter. Auf beiden Aufnahmen spürt man aber, wie ernst es für Peter Gabriel mit diesen Song ist. Es war ihm sicherlich nicht nur irgendein ein Song. Man spürt ohnehin, denke ich, wenn man auch diese Aufnahmen sieht, dass Peter Gabriel doch ein sehr besonderer Mensch ist! Ein genialer Musiker allemal. Politisch immer sehr engagiert! Was für ein Leben. Was für eine Energie, die er – wie eben die großen Künstler – um die ganze Welt verbreitet. Auf YouTube gibt es noch einige weitere, teilweise sehr gute Livemitschnitte des Songs „Biko“. Peter Gabriel sieht immer anders aus, es sind Aufnahmen aus den verschiedensten Altersstufen. Mein Gott, wie man altert! Wie das Leben verfliegt!
  • Das Beitragsbild oben: Steve Biko auf einem Glasfenster in einer Kirche in Heerlen, Niederlande!
  • Der Songtext von „Biko“ ist eher dokumentarisch – kurz, aber dokumentarisch. Sogar der Raum, in dem Biko 1977 von der Polizei festgehalten, gefoltert und getötet wurde, Raum 691, „business as usual“, wird im Song erwähnt. Biko wurde dann nackt und bewusstlos mit einem PKW in ein Nachbarland gebracht. Und auch das sehen wir noch heute so: Regimegegner werden getötet, werden festgenommen etc. Siehe Russland, siehe Herrn Lukaschenko in der Ukraine, etc. Man hatte in Südafrika lange Zeit abgestritten, dass Steven Biko ermordet wurde. Es steht heute aber fest, Aussagen Beteiligter haben die Sachen geklärt. Zitat Wikipedia (was ja hoffentlich stimmt): „Anfang 1997 gaben fünf frühere Beamte der South African Police vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission zu, an Bikos Tötung, die von deutschsprachigen Medien als Mord eingestuft wird, beteiligt gewesen zu sein. Nach Intervention der Familie Bikos wurde keine Amnestie gewährt.
  • Mir scheint ohnehin: Damals konnte noch eine einzelne Person die Welt bewegen und Änderungen herbeiführen, sie jedenfalls einleiten. Nelson Mandela wurde dann schließlich der erste dunkelhäutige Staatspräsident Südafrikas. Wo sind diese Personen heute? Ist es einzelnen Personen heute überhaupt noch möglich, Dinge zu einer Änderung zu bringen? Haben wir uns durch die Komplexität aller Dinge auf der Welt in eine Sackgasse geführt? Alles wird zerredet, es gibt zu jedem Argument ein Gegenargument. Ich denke natürlich an das Thema Umwelt. Gut, die großen Themen sind global geworden, Naturschutzfragen, soziale Fragen, … alles ist miteinander verwoben. Hier könnte man vieles schreiben. Schön wäre es aber doch auch, wenn Musiker wieder einmal weltweit aufstehen für derartige Themen. Und so weiter. NACHTRAG: Heute, am 11. August, lese ich, dass viele berühmte Musiker weltweit Konzerte für den Umweltschutz planen. Wer wann und wo, weiß ich noch nicht.

HIER der Link zur Website von Peter Gabriel.

Und hier ist der Song, alle drei Versionen sind hörens- und sehenswert.

Ich ergänze hier eine vierte Version. „Biko – a Song around the world“. Auch die sollte man sich unbedingt ansehen! Widerstand gegen Freiheitsberaubung war Biko und diese Idee gilt in der ganzen Welt, sagt Peter Gabriel damit.

THEATER: Wolfram Lotz – Die Politiker

Wolfram Lotz mag einmal nachts im Bett gelegen haben und es mag sein, dass er nicht einschlafen konnte. Er hat vielleicht ständig über ein und dasselbe Thema nachgedacht, immer wieder, über „die Politiker“. Diese eine Nacht ist dann wahrscheinlich sein Text „Die Politiker“ geworden. Und dieser Text wurde dann – nicht zum ersten Mal auf deutscher Bühne – zur Inszenierung an den Münchner Kammerspielen, die kürzlich Premiere hatte. Die Inszenierung ist gegen Ende Juli und, denke ich, in der folgenden Spielzeit weiterhin zu sehen.


Vorab: Dieser Theaterbesuch war natürlich ein doppeltes Ereignis:

Es ging nicht nur um das Erleben einer Inszenierung, es war auch nach langer Zeit das Erlebnis eines Theaterbesuch an sich. Vor der Bühne zu sitzen – zu warten – Menschen zu beobachten – zu wissen, dass eine ganz bestimmte Anzahl von Menschen im Theater sitzt – die Inszenierung live zu erleben – „hautnah“ zu erleben, wie die SchauspielerInnen auf der Bühne agieren – eine ganz bestimmte Inszenierung zu verfolgen – am Ende zu applaudieren – zu merken, dass die SchauspielerInnen für diesen Abend genau mich (und die anderen ZuschauerInnen) „brauchen“ und andersherum ich (und die anderen ZuschauerInnen) die SchauspielerInnen „brauche“! All das wird irgendwie live viel deutlicher, als im Streaming, oder es wird live überhaupt erst möglich.

Gut, es gab in den vergangenen Monaten teilweise wunderbare Streamings von Theaterinszenierungen, keine Frage, auch Streaming – also Theater online – kann besondere Effekte hervorrufen. Manche Streamings „funktionierten“ sehr gut, haben Atmosphäre oder irgendetwas anderes transportiert, manche Streamings „ funktionierten“ aus meiner Sicht dagegen weit weniger. So ist das nun einmal. Theater hat meines Erachtens nichts mit „Erfolg“ oder mit ständigem „Gelingen“ zu tun. Es ist jedes Mal ein Versuch.

Und nun zur Inszenierung von „Die Politiker“:

Wie gesagt, jemand durchlebt eine einzige Nacht und kreist immer wieder um ein Thema: Die Politiker. Die beiden Wörter „die Politiker“ hört man an diesem Abend (ohne Übertreibung) zwischen 700 und vielleicht 1000 mal. Wenn nicht sogar viel öfter, weil sie teilweise auch parallel von den drei SchauspielerInnen gesprochen oder gemurmelt werden. Meine Rechnung: Die Inszenierung dauert 70 Minuten, allein pro Minute hört man durchschnittlich mindestens zehnmal die Worte „die Politiker“, macht schon 700 mal. In den englischsprachigen Surtitles heißt es nur manchmal „politica“ und manchmal „politicians“. Etwas viel – als wäre Wolfram Lotz in einer fürchterlichen Gedankenschleife gesteckt, die ihn nicht irgendwie voran gebracht hätte. Es ist ja nicht so, dass man der Bezeichnung „die Politiker“ durch den Text von Wolfram Lotz auch nur irgendwie näher kommen würde. Das ist auch gar nicht beabsichtigt. Es gibt nicht „die Politiker“.

Die recht junge Regisseurin Felicitas Brucker – eine von insgesamt 30 RegisseurInnen, die auf der Website der Kammerspiele genannt werden! – lässt für diesen Text drei Personen auf der Bühne erscheinen. Katharina Bach, Svetlana Belesova und Thomas Schmauser. Alle drei agieren weitestgehend in eigens für Sie bestehenden kleinen Kästen, „videoanimierten“ Zimmern, die klein und eng wirken. Vor allem Thomas Schmauser und ganz besonders Katharina Bach verausgaben sich – und überzeugen dadurch – geradezu. Alle drei reden und reden und reden. Sie reden meist parallel, über Licht und Ton wird jeweils der Fokus auf eines der Zimmer gelegt. Eine aufgeregte Aneinanderreihung von Gedanken, Elfriede Jelinek lässt grüßen! Katharina Bach spielt die „explosivste“ Person des Trios.

Die Inszenierung endet dann mit dem Satz: „Alle Dinge sind allein!“ Und genau das spiegelt die Stimmungslage des gesamten Textes von Wolfram Lotz und der Inszenierung (und schon des Bühnenbildes) wider: Wir reden von „die Politiker“, können sie aber gar nicht greifen. Wir stürzen immer wieder nur herab auf unser Alleinsein. Der völlig unbestimmte Begriff „Die Politiker“ ist Projektionsfläche für die recht hilflose Situation der SchauspielerInnen. Alle drei SchauspielerInnen suchen im Grunde Auswege aus ihrer Einsamkeit, ihrer Isolation. Suizid? Gewalt? Schreiben statt schreien? Oder wollen sie mehr Verantwortung der Politiker?

Getragen wird das Gedankenkonvolut des Textes meines Erachtens dann auch noch davon, dass es bei den undefinierten „Politikern“ um Personen irgendwo „oben“ geht, während alle anderen Menschen „unten“ sind. Das mag primär ein verständlicher Gedanke sein, Schlussfolgerungen aus dieser sehr unschönen Situation zeigen sich aber im wilden Gedankenkonvolut des Textes nur unscharf. Um Einiges zu unscharf, fand ich. Eine gewisse Schärfe der Gedanken vermag dem rasanten Tempo der Gedankenwechsel zum Opfer gefallen sein. Die Überlegung „weniger ist mehr“ gilt für den Text von Wolfram Lotz leider nicht unbedingt!

Thomas Schmauser und Katharina Bach

Copyright der Fotos: Judith Buss


MUSIK: The Cure – Pictures Of You

The Cure – nicht: Curevac – steht oft für den Begriff „Gothic Rock“, obwohl sich The Cure – lese ich – dieser Zuordnung eher widersetzte. Manchmal ging es, glaube ich, bei The Cure auch in Richtung Rock und sogar Pop. Letzteres vielleicht auch mit „Pictures Of You“, dem Song hier. Die Band wurde schon 1976 – noch unter anderem Namen – gegründet. Sie existiert noch heute. „Pictures Of You“ ist eine Auskoppelung aus dem 1989 erschienenen sehr erfolgreichen Album „Disintegration“.

Ein Jahr nach „ Disintegration“, 1990, trat die Band als eine der ersten internationalen Bands nach dem Mauerfall in der ehemaligen DDR auf – mit zwei Open-Air Konzerten in Dresden und Leipzig.

Zum 30. Geburtstag des Albums Disintegration – also 2019 – wiederum spielten The Cure an vier Abenden im Sydney Opera House das Album in voller Länge inklusive aller bisher nur als Demos existierenden Songs der damaligen Aufnahme-Session.

Es ist ein langer Songtext. Eine wohl nie zustande gekommene große Liebe wird besungen. Hier:

I’ve been looking so long at these pictures of you
That I almost believe that they’re real
I’ve been living so long with my pictures of you
That I almost believe that the pictures are
All I can feel

Remembering
You standing quiet in the rain
As I ran to your heart to be near
And we kissed as the sky fell in
Holding you close
How I always held close in your fear
Remembering
You running soft through the night
You were bigger and brighter and wider than snow
And screamed at the make-believe
Screamed at the sky
And you finally found all your courage
To let it all go


But I never see anything

If only I’d thought of the right words
I could have held on to your heart
If only I’d thought of the right words
I wouldn’t be breaking apart
All my pictures of you

Looking so long at these pictures of you
But I never hold on to your heart
Looking so long for the words to be true
But always just breaking apart
My pictures of you

There was nothing in the world
That I ever wanted more
Than to feel you deep in my heart
There was nothing in the world
That I ever wanted more
Than to never feel the breaking apart
All my pictures of you.

The Cure hat eine lange Geschichte, HIER Wikipedias Eintrag zu The Cure.


Und HIER der Link zu offiziellen Website von The Cure.

LITERATUR: Eva Schmidt – Die Welt gegenüber

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte in ihrer Literaturbeilage in diesem Frühjahr das Buch „ Die Welt gegenüber“ von Eva Schmidt in die Liste der Vorstellung der „wichtigsten Romane des Frühjahres“ aufgenommen. HIER der kurze Beitrag der FAZ. Eva Schmidts davor erschienener Roman „Ein langes Jahr“ gelangte 2016 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Sie ist Österreicherin, lebt in Bregenz.

Wer etwas Unspektakuläres lesen möchte, im Urlaub etwa, keinen Krimi, normales Leben, akkurat beobachtet und geschildert, der mag an diesem Buch Gefallen finden. Es scheint eine Spezialität von Eva Schmidt zu sein, das Unspektakuläre zu beachten und genau zu beschreiben. Schon ihr erfolgreicher Roman „Ein langes Jahr“ wird davon geprägt.

In „Die Welt gegenüber“ schildert Eva Schmidt in zwölf voneinander völlig getrennten kleinen Episoden einfach Begebenheiten aus einzelnen Leben. „Einfache Begebenheiten“ ist nicht ganz treffend, es sind mitunter sehr spezielle Vorgänge, die geschildert werden. Man versteht die Begebenheiten meist nicht ganz, Eva Schmidt schreibt zwar nicht durchgehend aus der Rolle einer entfernten Beobachterin, die die Dinge selber nicht ganz verstehen würde. Nein, es wird auch mit eben diesem kurzen Blick auf teils alltägliche Gegebenheiten geschildert, was sich die betroffene(n) Person(en) denkt/denken, in welcher Situation sie ist/sie sind. Hinter jeder Geschichte steckt ja ein ganzer Kosmos. So ist es eben, in jeder Sekunde, bei jedem Menschen ist es ja so. Aber es bleiben Ausschnitte. Vor allem bleibt das „Ende“ der geschilderten kurzen Entwicklungen meist offen. Es gibt eben kein „Ende“.

Dass das „Ende“ der Kurzgeschichten offen bleibt, verstört ein wenig, da sich während der einzelnen Schilderungen Spannung aufbaut! Es scheint ständig auf etwas zuzulaufen, oft bleibt aber das, was man vielleicht erahnt, aus. Wie so oft. Man will beim Lesen der einzelnen Geschichten mehr und mehr wissen, was sich ergibt. Am Ende bleibt aber man oft ratlos.

Der Schreibstil von Eva Schmidt ist unspektakulär. Sie wählt die Alltagssprache. Nichts Gedrechseltes, aber auch – mir etwas zu sehr – auch ohne irgendeine Besonderheit in der Darstellung. Das kann aber durchaus gefallen! Sie schildert sehr genau und mit einfachen Worten die Begebenheiten so, wie man sie meist als Außenstehender oder eine(r) der Beteiligten sieht. Immer wieder sind die Schilderungen allerdings auch getragen von den subjektiven Absichten oder Ansichten, den Gedanken, der betroffenen Personen. „Blicke von innen“, sind es dann, aber auch die sind eher nüchtern geschildert, manchmal auch direkt aus der Ich-Perspektive heraus. Auffallend ist, dass in fast jeder Geschichte jedenfalls kurz oder auch länger der Tod erwähnt wird. Er ist sogar prägend für eine Geschichte („Vielleicht nach Skagen“). Ein Friedhof, ein gestorbener Lebenspartner, Suizidgedanken …

Nun, es ist ein angenehmes „Sommerbuch“, wenn auch literarisch „harmlos“, man kann sich Stück für Stück die einzelnen Episoden vornehmen.

MUSIK: Joan Armatrading – It could have been better

Wer kennt sie nicht. Wenigstens ein paar Jahre lang war sie in Deutschland zu hören. Bekannt wurde sie in Deutschland im April 1980 durch einen Auftritt in der damaligen TV – Sendung „Rockpalast Nacht“. Geboren wurde sie 1950 auf der ehemals britischen Insel St. Kitts, in deren Hauptstadt Basseterre. St. Kitts ist mittlerweile unabhängig.

Bekannt war mir damals – 80er-Jahre – Joan Armatrading vor allem durch ihren Song „Drop the Pilot“ und „Me Myself I“. Sie war als erste Britin und insgesamt dreimal für den US Grammy nominiert. Und sie hatte einmal sogar Platz 1 der US Billboard Blues Charts erreicht. Alle möglichen Stilrichtungen hatte sie berührt. R&B, Rock, Folk, Blues, Reggae.

Ich bringe hier den Song „It could have been better“ mit einem schönen Video. Der Tanz der beiden – herrlich! Und wie er – der Tanz – gegen Ende ausgelassener, schwungvoller – aber weiterhin absolut elegant – wird! HIER ihre offizielle Website.

THEATERTREFFEN 2021/TEIL 2: Starke Stücke auf 3sat

Das hier macht Sinn, der Leser kann etwas davon haben, dann schreibe ich gerne: Wie jedes Jahr, bringt 3sat auch dieses Jahr drei „Starke Stücke“ der 10-er Auswahl des Berliner Theatertreffens im Fernsehen und stellt sie für einige Zeit in die Mediathek. Die drei ausgewählten Stücke sind bis September in der Mediathek zu sehen!

Es handelt sich dieses Jahr um folgende drei Inszenierungen:

  • „Maria Stuart“ von William Shakespeare, eine Inszenierung von Anne Lenk
  • „Graf Öderland“ von Max Frisch, eine Inszenierung von Stefan Bachmann
  • “Automatenbuffet“ von Anna Gmeyner, eine Inszenierung von Barbara Frey

Ich habe sie gesehen („Maria Stuart“ von Anne Lenk kannte ich bereits, ich habe darüber HIER geschrieben), das Theatertreffen 2021 ist ja gerade zu Ende gegangen. Auf Folgendes kann ich den geneigten Theaterfreund hinweisen:

Was mir grundsätzlich an den diesjährigen drei „Starken Stücken“ im Vergleich zu den übrigen Inszenierungen der 10er-Auswahl auffiel: Sie waren „klassischer“ oder „herkömmlicher“ strukturiert, als die übrigen Stücke. Ja, es waren (vielleicht mit den Augen des Senders gesehen im Blick auf eine größere Zuschauerzahl) Inszenierungen klassischer Art: Anders waren die übrigen Stücke der 10er-Auswahl! Bei „Maria Stuart“ wird fast nur Originaltext gesprochen. Bei „Graf Öderland“ wird schlichtweg der – eigentlich unverständliche – Inhalt der „Moritat“ von Max Frisch erzählt. Und bei „Automatenbuffet“ erfolgt eine Erzählung, die vielleicht am ehesten anders nicht erzählt werden kann.

Entsprechend dem „klassischen“ Theater waren die drei Inszenierungen, die nun noch auf 3sat zu sehen sehen sind, vor allem eingebunden in – ich möchte sagen – „strenge“ Bühnenbilder, die in gewisser Weise viel vorgeben. Mir kam es dadurch teilweise vor, als hätte man „altes Theater“ gesehen. Ganz anders zum Beispiel war es bei „Der Zauberberg“ oder bei „Einfach das Ende der Welt“ mit ihren weitgehend leeren Bühnen. Anders auch bei den in diesem Jahr ausgewählten Performancearbeiten „NAME HER“, „Scores That Shaped Our Frienship“ und „Show Me A Good Time“. Anders im Grunde auch bei „Medea*“, auch wenn dort die Bühne nicht wirklich leer war! Nur „Reich des Todes“ habe ich nicht gesehen!

Die leeren Bühnen der vorgenannten Stücke haben m. E. durchaus einen Effekt: Sie geben den SchauspielerInnen mehr Betonung und genau das tut in unseren derzeitigen Streamingzeiten gut! Bei den drei „klassischen“ Stücken, die nun auf 3sat noch zu sehen sind, dachte ich mir dagegen immer wieder: „Man müsste diese Stücke eigentlich in Präsenz sehen!“ Ja, sicherlich, das Präsenztheater fehlt! Es ist und bleibt in jedem Fall ein himmelweiter Unterschied, die SchauspielerInnen live auf der Bühne zu erleben! Streamingtheater funktioniert aber meines Erachtens in bestimmten Fällen auch. In den Fällen nämlich, in denen aus dem Streamingangebot heraus etwas „Neues“ entsteht. Deutlich wurde dies bei „Der Zauberberg“, ein Kunstwerk insgesamt. Erkennbar wurde es ansatzweise auch in den Stücken „Medea*“ und „Einfach das Ende der Welt“. Auch dort konnte ich dem Streamingangebot etwas Besonderes abgewinnen. Es entstand eine Nähe zu den SchauspielerInnen, es war dort aus irgendeinem Grund heraus nicht so sehr erforderlich, das Stück in Präsenz zu sehen. Anders aber meines Erachtens in den drei Stücken, die, wie gesagt, nun bis September auf 3sat zu sehen sind:

„Automatenbüffet“:

Copyright: Mathias Horn

Wie gesagt: Bei „Automatenbüffet“ erschien mir die „Strenge“ des Bühnenbildes noch verständlich, da das Stück deutlich in der zurückliegenden strengen Zeit zwischen den Weltkriegen spielt. Alles sollte funktionieren und seine Ordnung haben. Die Gefühlswelt konnte sich nicht besonders durchsetzen. Die überbürgerliche Welt. Projekte werden entwickelt. Es geht um Geld. Und mitten drin spielt sich ein wenig Gefühlsleben ab. Eine Ehe zerbricht, der Mann hat sich in eine junge Frau verliebt, will mit ihr Leben, die Frau lässt sich von einem jungen Mann „einnehmen“, überschreibt ihm fast ihr gesamtes Vermögen, und so weiter. Das Stück bleibt leider oberflächlich. Zu v unterschiedliche Gedankenrichtungen werden kurz angestoßen. Geld und Projekte, Liebe, keine Liebe, Trennung, Scheitern, Suche nach dem eigenen Leben. Was will das Stück sagen? Es bleibt eine kleine Erzählung aus früherer Zeit.

HIER die Seite des Theatertreffens zu diesem Stück. Mit der Möglichkeit am Ende der Seite, das Programm Heft downzuloaden.

„Maria Stuart“:

Copyright: Arno Declair

„Maria Stuart“ war allein geprägt durch die Idee des Bühnenbildes, jeder Person auf der „Bühne“ einen eigenen abgetrennten Kasten, eine „Schublade“ zu geben, Interaktionen zwischen den Beteiligten finden nicht statt. Siehe das Foto. Es zählte nur das Wort. Das Wort entlang des Dramas von William Shakespeare. Zwei Königinnen, Moral und Politik, Macht und Gefühl, Elisabeth hin und hergerissen, Versuche der Einflussnahme Dritter auf die Macht. Nun ja, nicht gerade „aktuell“ im Ansatz.

HIER wieder die Seite des Theatertreffens zu diesem Stück. Mit der Möglichkeit am Ende der Seite, das Programm Heft downzuloaden.


Und „Graf Öderland“:

Copyright: Birgit Hupfeld

Bei „Graf Öderland“ spielt sich alles in einer Art Röhre ab, einem Trichter, der übermanngroß schräg auf der Bühne liegt. Siehe auch hier das Foto. Ich habe viel überlegt, kann aber den Sinn des Stückes schlichtweg nicht erkennen. Irgendwie geht es um Revolution und Widerstand gegen die Ordnung. Ein Staatsanwalt verschwindet und wird zu Graf Öderland, ursprünglich eine Märchenfigur, er zieht mit der Axt durch die Lande und ermordet (zusammen mit Gefährten) andere Menschen. Max Frisch liebte dieses Stück besonders, es sagte ihm sehr viel, es hatte aber nie Erfolg!

Auch HIER die Seite des Theatertreffens zu diesem Stück mit der Möglichkeit, am Ende der Seite das Programmheft downzuloaden.

MUSIK: Bill Evans – Peace Peace

Bill Evans war ein ganz Großer des Jazz! Er gilt als einer der einflussreichsten Pianisten des Modern Jazz und war stilbildend für eine ganze Generation von Musikern. Viele Jahre lang spielte er jeweils zusammen mit zwei weiteren Musikern im Trio. Piano, Bass und Schlagzeug.

Geboren war er am 16. August 1929, gestorben ist er am 15. September 1980.

Die Aufnahme, die ich hier bringe, ist ein Solostück. „Peace Peace“. Es mag kein für ihn besonders typisches Stück sein. Ich bin kein absoluter Jazzkenner. Bill Evans brachte jedenfalls – geprägt vom Impressionismus – viel „Sensibilität“ in den Jazz und prägte ihn offenbar damit. Das ist auch in diesem Stück zu hören. „Peace Peace“ passt ohnehin gut in die Sammlung meiner Stücke auf dem Blog. Man müsste sicherlich über Bill Evans viel schreiben. Ich möchte es mir aber nicht anmaßen, ich kenne zu wenig von ihm. Bekannt wurde er etwa durch seine anfängliche Mitwirkung bei Miles Davies 1958/59.

Noch zwei Dinge möchte ich erwähnen: Begonnen hatte alles zusammen mit seinem Bruder, sie gingen dann aber getrennte Wege. Dennoch: Dessen Selbstmord 1979 war offenbar für Bill Evans der „Anfang vom Ende“. Und: Es scheint sogar ein Problem gewesen zu sein, dass Bill Evans als Jazzmusiker nicht dunkelhäutig war, sondern weiße Hautfarbe hatte!

Ich bringe hier also einfach dieses Stück. An Jazzmusik hatte ich bisher im Blog nur das Esbjörn Svensson Trio mit „Viaticum“ gebracht. Hier Bill Evans:


THEATER: Zwei Ankündigungen!

Für die Theaterfreunde unter uns gibt es in Kürze einige Gelegenheiten, schöne Dinge zu sehen. Ich möchte sie hier besonders ankündigen, damit sie nicht verpasst werden und man sich dann etwa ärgern muss. Man muss sich ja derzeit ohnehin schon über Einiges ärgern.

Berliner Theatertreffen 2021:

Zum einen bieten das Berliner Theatertreffen 2021 und – auch dieses Jahr wieder – 3sat in diesem Jahr aus gegebenem Anlass insgesamt alle Aufführungen, die eingeladen wurden, als Streaming an. Alle zehn Inszenierungen der berüchtigten 10er-Auswahl sind so zu sehen, was ja sonst nicht möglich ist. Das diesjährige Streamingangebot geht allerdings noch weit darüber hinaus. Es lohnt sich, das Programm genau durchzusehen. Es ist so viel, ich verlinke HIER auf den Kalender des Theatertreffens 2021. Das Theatertreffen beginnt am 13. Mai 2021 und endet am 24. Mai 2021. Ich werde sicherlich über einige Inszenierungen und Streamings schreiben.

King Lear und Die Politiker:

Meine zweite Ankündigung: Er, Sebastian Hartmann, wurde zum diesjährigen Theatertreffen in Berlin mit seiner Inszenierung “Der Zauberberg“ von Thomas Mann eingeladen. Siehe oben. Die Inszenierung wird, wie gesagt, im Rahmen des Theaterteffens in Berlin als Streaming zu sehen sein. Es ist eine Inszenierung des Deutschen Theaters Berlin. Sebastian Hartmann hatte aber in letzter Zeit (vor Corona) am Deutschen Theater Berlin auch eine weitere Inszenierung: Eine Art Kombination aus „King Lear“ von William Shakespeare und „Die Politiker“ von Wolfram Lotz. HIER der Link zur Stückeseite dieser Inszenierung auf der Website des Deutschen Theaters Berlin. Die Szenen und Bilder, die Sebastian Hartmann mit dieser Inszenierung vor knapp zwei Jahren aufrief, erscheinen heute, in pandemischen Zeiten, „irritierender und gegenwärtiger denn je“, heißt es in der Ankündigung des Deutschen Theaters Berlin zum Streaming, das jetzt am 01. Mai um 20.00 Uhr zu sehen ist! Der Livestream wird einmalig ausgestrahlt. Angesichts der momentanen Unmöglichkeit, analog zu spielen, begegnen der Regisseur und das Ensemble der Inszenierung einmalig neu und transformieren sie in einen Livestream. HIER der Link zur Seite dieses besonderen Streamings. Und HIER der Link zu einem Gespräch mit Sebastian Hartmann über diese Livepremiere am 1. Mai. Sebastian Hartmann findet meines Erachtens immer wieder zu dem, was er sagen will, wunderbare Worte. Nicht aufdringlich, nicht eingebildet, nicht auf Überzeugung anderer angelegt, sehr durchdacht. Ich werde sicher über meine Eindrücke vom Streaming schreiben.