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SONSTIGES: Christo und Jeanne-Claude

Eine Empfehlung: Auf ARTE findet sich in der Mediathek bis zum 31.12.2021 eine sehenswerte Dokumentation über Christo und Jeanne-Claude. Anlass der Dokumentation ist natürlich, dass in den gerade vergangenen Tagen in Paris der Arc de Triomphe verhüllt war. Posthum, Jeanne-Claude starb am 18. November 2009, Christo zehn Jahre später, am 31. Mai 2020. Christo hatte die Vorarbeiten zur Verhüllung des Arc de Triomphe noch weitestgehend selber abgeschlossen.

Die jetzt erfolgte Umsetzung dieser Verhüllungsidee betreute dann sein Neffe, der jahrelang mit ihm zusammen gearbeitet hatte.

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Das obige Beitragsbild und die Bilder unten stellte mir mein eigener Neffe zur Verfügung, der nach Paris gefahren war, um diese Verhüllung zu sehen.

Man denkt sich vielleicht oft: „Naja, Christo und Jeanne-Claude, die hatten eben einen Spleen, der sie berühmt gemacht hat. Christo verhüllte einfach weltweit immer irgendwelche Dinge. Im Grunde ein Egozentriker, es ging ihnen doch nur um Design und das gutes Aussehen der Projekte!“ So oder so ähnlich äußerten sich ja auch in der Dokumentation einige Amerikaner auf und nach einer Versammlung, die über ein Projekt von Christo und Jeanne-Claude entscheiden sollten.

Nein, so ist es nicht! Schauen Sie sich den Film an! Ich versuche einmal eine andere Deutung. Die Dokumentation auf ARTE verschaffte mir jedenfalls folgende Gedanken:

Es ging Christo und Jeanne-Claude – bewusst oder unbewusst – um wahre Kunst! Christo – sieht man zu Beginn der Dokumentation – war ein absolut begnadeter Maler oder Zeichner. Seine Eltern hatten das wohl sehr früh erkannt und ihren Sohn ab dem sechsten Lebensjahr intensiv unterstützt. Er hätte sein Leben lang malen können wie ein Rembrandt!

Dennoch begann Christo – sieht man auch in der Dokumentation – schon in jungen Studentenjahren in Paris damit, Verhüllungen vorzunehmen. Er verhüllte eine kleine Statue. Er verhüllte eine nackte Frau. Wickelte beide mit einer dünnen, durchsichtigen Plastikfolie ein. Warum machte er das?

Was ist Kunst? Ist eine „Statue“ nicht schon Kunst? Ist das „Reichstagsgebäude“ nicht Kunst? Ist der „Arc de Triomphe“ nicht Kunst? Hat Christo die Kunst geschändet? Man könnte es so sehen, er hat ja schließlich immer „schöne Gestaltungen“ verhüllt, damit zeitweise zerstört. Schöne Gestaltungen, die unseren Alltag begleiten. Aber genau das wollte Christo nicht: Mit seiner Kunst nur „den Alltag begleiten“!

Das ist mein Hauptgedanke: Kunst ist etwas anderes. Kunst ist nicht „schöne Gestaltung“. Das ist nicht Kunst. Jedenfalls nicht allein das ist Kunst. Christo hatte recht, diese Dinge zu verhüllen! Zugespitzt: Kunst ist erst etwas, was uns aus unserer Welt der Realitäten herausführt in eine Welt, die es nicht gibt. Dann ist es Kunst. Und genau diese Kunst braucht der Mensch! Eine „Statue“ führt uns aber nicht aus unserer Welt heraus. Eine Statue verherrlicht bestenfalls die Realität. Sie selber bleibt Realität. Oder das Reichstagsgebäude, oder der Arc de Triomphe. Realitäten.

Der Mensch und seine Realität sind aber doch so fürchterlich beschränkt. Der Mensch braucht Kunst, um diese plumpe Realität verlassen zu können. Und genau das hat Christo mit seinen Verhüllungen, denke ich mir, getan. Altruistisch für die BeteachterInnen. Er hat „angebliche Kunst“ verhüllt und damit gezeigt, dass diese sehr reellen Gegenstände eben allein längst nicht Kunst sind, nur wegen ihrer Schönheit, dass sie nicht Kunst sein dürfen. Gerade die Verhüllung solcher Gegenstände ist dagegen Kunst. Das ist es! Gerade die Verhüllung versetzt den Betrachter kurzzeitig in den Zustand, sich zu fragen: „Was ist das denn?“ „Wo ist die Realität?“.

Hinzu kommt, dass Betrachter und Betrachterinnen sich nicht nur diese Frage stellen, sondern sich in diesen kurzen Momenten auch besonders fühlen, ein ganz besonderes Erlebnis erleben, beglückt werden: Sie erleben kurz etwas, was eigentlich nicht real ist. Sie fühlen sich vielleicht „ausgehebelt“, irgendwie anders.

Und genau dann handelt es sich um Kunst. Der Betrachter/die Betrachterin kommt geradezu in den Genuss, aus der Realität „herausgeholt“ zu werden. Für einen Moment. Ein Riesenprivileg. Weil er/sie das, was er/sie sieht, nicht versteht.

Das Besondere an den Verhüllungen von Christo und Jeanne-Claude war dann aber noch etwas: Sie nahmen die Verhüllungen so vor, dass diese wiederum selbst hochästhetisch waren, also doch wieder irgendwie mit reellen Kriterien gegriffen werden konnten! Der Mensch schlägt sich also mit den eigenen Waffen! Er kann sich auch nur so schlagen! Genial! Dass Christo und Jeanne-Claude das erkannt haben! Ist jedenfalls meine Überlegung!

Im Laufe der Zeit ging Christo dann noch weiter. Er verhüllte nicht nur die Realität, die sich als „angebliche Kunst“ verkauft, er gestaltete Räume in einer völlig absurden Art und Weise. Er hing einen riesigen Vorhang zwischen zwei Berge. Er stellte hunderte von Schirmen in Japan und in Amerika in die Landschaft. Er wollte einen Fluss in Amerika mit einer Plane überdecken. Er baute die berüchtigten „Gates“ auf den Wegen durch den Central Park, er baute in Norditalien einen Weg über einen See etc. Alles immer nur für wenige Wochen. In der Dokumentation auf ARTE sieht man einen wunderbaren Querschnitt über seine Projekte!

Und immer musste sich der Betrachter/die Betrachterin auch hier bewusst oder unbewusst fragen: „Was soll das denn?“ Und immer stand der Betrachter/die Betrachterin auch hier vor etwas eigentlich nicht Realem. Sein Privileg. Wann kann man etwa schon über das Wasser gehen? Und genau diese Erlebnisse waren es, die den Betrachter/die Betrachterin bereicherten! Durch deren Absurdität, durch diese absurde Entfernung der Realität und dann aber doch wieder durch deren immense ästhetische Schönheit, erlebten die Betrachter/die Betrachterinnen Kunst, erlebten eine Erweiterung der Realität. Jeanne-Claude erklärte genau diese Momente übrigens wunderbar auf der oben erwähnten Versammlung in Amerika, in der einmal über ein weiteres Projekt diskutiert wurde.

Also: Christo und Jeanne-Claude führten uns doch zur Kunst! Zur höchsten Form der Kunst, könnte man sagen. Und die beiden waren unglaublich einzigartig auf der Welt! Sie werden es wohl auch bleiben, ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein anderer Mensch künftig jemals „Verhüllungen“ vornimmt.

Mit diesen Gedanken hat mich jedenfalls die oben angepriesene Dokumentation auf ARTE bereichert.

Gut, wenn Rembrandt einen Obstteller gemalt hat, war und ist das natürlich auch Kunst. Dennoch! Christo hat uns mit seiner Kunst die Gelegenheit gegeben, mit verwirrten (oder beglückten?) Gefühlen endlich kurz einmal von der stumpfen und beschränkten Realität Abschied zu nehmen. Wenn man es „live“ erlebt hat. Ein großes Verdienst.

HIER der Link zur Dokumentation.

Copyright der Bilder: Frederik Ehlers

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Sonstiges

SONSTIGES: Kasper König

ACHTUNG!  Über den Abend, zu dem ich hier schreibe, ist eine Diskussionen entstanden. Dem einladenden Moderator Kasper König wird vorgeworfen, sich gegenüber den Gästen, vor allem gegenüber Cana Bilir-Meier, herabwürdigend geäußert zu haben. Die Kammerspiele haben daher den Mitschnitt der ganzen Veranstaltung online gestellt. Jeder kann sich ein Bild machen.

HIER  der Link. Akustisch schwer verständlich, aber es geht.

Was ich kurz nach der Veranstaltung geschrieben hatte:

Ich war wieder auf einem dieser Abende, die man kaum versteht. (Ich gebe mir zwanzig Minuten Zeit, um kurz dazu zu schreiben.)

Interessant, was andere, sehr engagierte, schlaue Menschen so drauf haben! Es war ein Abend in der Gesprächsreihe mit Kasper König, einer der „herausragenden Persönlichkeiten der internationalen Kunstwelt und langjähriger Direktor renommierter Ausstellungsorte wie Portikus in Frankfurt a. M. oder Museum Ludwig in Köln“. Alle zwei Monate findet in den Kammerspielen ein solcher Abend statt. „Kasper König &“ heißt die Serie. Kasper König trifft sich in „Kammer 3“ in der Regel mit ausgewählten KünstlerInnen und KuratorInnen zu einem Podiumsgespräch. Auch manchmal unter Teilnahme der ZuschauerInnen (ZuhörerInnen). Dieses Mal ging es sehr lange, war sehr engagiert, kontrovers – unter reger und interessanter Teilnahme von ZuschauerInnen.

Zu Gast waren dieses Mal die jungen KünstlerInnen Cana Bilir-Meier, Henrike Naumann, Wilhelm Klotzek. Es sollte darum gehen, was man in der Kunst mit dem Begriff „Heimat“ anfangen kann. Zu Gast am 17. Dezember ist Michaela Meise. HIER die Ankündigung und Infos zu Michaela Meise. Bereits zu Gast waren Alexandra Pirici, Frances Morris, Thomas Bayrle, Helga Fanderl, Okwui Enwezor, Jeremy Deller, Lisa Endriss, Joanna Warsza.

Ich wusste schon, was mich erwartet: Kasper König redet oft in schier unaufhörlich langen Sätzen und man wird in seinen schön unkonventionellen Sätzen innerhalb weniger Sekunden auf verschiedenste Aspekte zu einem Gesichtspunkt geschleudert. Immer aber mit sehr großem und offenem Weitblick! Im Grunde kann man seine Aussagen garnicht so verstehen, wie er sie meint. Soviel ist in jedem verworrenen Satz drin. Diesmal hatten die drei Gäste ihre Arbeiten zum „Rechtsruck“ der Gesellschaft vorgestellt, bevor Kasper König eigentlich versteckt vor allem die Arbeit von Cana Bilir-Meier kritisierte. Cana Bilir-Meier hatte ihre sehr dokumentarische Arbeit über die islamische Moschee in Freimann und deren Gründung 1969 erklärt. Es ergab sich im Laufe des Abends dann vor allem ein Thema:

Was ist denn überhaupt Kunst?

Kasper Königs Ansicht (glaube ich): Kunst besteht am besten außerhalb der Gesellschaft. Nicht innerhalb der Gesellschaft. Innerhalb der Gesellschaft herrscht ja eine gewisse ständige Selbstbestätigung und ein gewisses Phlegma (meine Worte). Und Kunst könnte ja nur etwas bewirken, wenn es nicht an dieser Selbstbestätigung teilnimmt!  Und „etwas bewirken“ heißt ja, dass die Gesellschaft auch durch Kunst weiterkommt! Kunst schleicht sich gewissermaßen in die Gesellschaft ein und verkauft sich allenfalls als Kunst! Aber der Kunst geht es eigentlich gar nicht darum, Kunst in der Gesellschaft zu sein! Sie will nicht der Bestandteil „Kunst“ in der Gesellschaft sein! Das kann ich gut nachvollziehen!  Soweit ich es verstehe! Ich bin ja kein Philosoph. Kasper König sagte auch, da sei es in München schwer: In München habe man alles, die Berge, die Seen, eine wunderschöne Stadt, etc. Kunst und Kultur solle in München das Schöne am besten nur ergänzen. Das sei dann aber eben eher „Kunst zur Verschönerung des Lebens“ (meine Worte), könnte man sagen. Fand ich interessant. Ich finde, es lohnt sich in der Tat, künftig einmal darauf zu achten, in wieweit das, was ich mir so ansehe, innerhalb oder außerhalb der Gesellschaft steht! Wie weit ist es weg vom  gesellschaftlich Gewohnten! Nun, das nur kurz in meinen Worten. Kasper König wird den Kopf schütteln bei diesen amateurhaften Betrachtungen.

Ein weiterer Aspekt jedenfalls, der auch kurz angesprochen wurde: Wir leben aktuell in Zeiten, in denen wir wieder über alles reden müssen! Reden, diskutieren, hören, überdenken etc. Auch interessant!

©️ des Beitragsbildes: Arne Wesenberg

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Gesehen und gehört

THEATER: Peter Weiß – Marat/Sade

Eine der ersten Premieren der neuen Spielzeit! Marat/Sade von Peter Weiß wird in dieser Spielzeit am Münchner Residenztheater gebracht. Was ist das denn? Hört man selten! Das Stück heißt eigentlich kurz und knackig: „Die Verfolgung und Ermordung von Jean Paul Marat, dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes Charenton unter Anleitung des Herren de Sade“.

Und worum es geht? Es ist ein Drama, das zur Zeit der Französischen Revolution spielt. Es war sogar sehr schnell ein Welterfolg, in den Sechzigerjahren. Im Mittelpunkt stehen Jean Paul Marat und Marquis de Sade mit ihren damals konträren Weltanschauungen und Staatsentwürfen. Während Marat der Gesellschaft (zum Wohle aller, wie er glaubt) Moral und Tugend aufzwingen will, das (arme) Volk vertritt und die Revolution – blutig, wie sie geworden ist – rechtfertigt, resigniert de Sade angesichts der vorgeblichen Natur des Menschen, verlacht Marats sozialistische Ideen und sieht das Heil in der Loslösung des Einzelnen aus der Gesellschaft. Er vertritt den puren Individualismus. Könnte auch auf die heutige Zeit passen.

Der Autor Peter Weiß hat damals (1964) drei Zeitebenen gebaut:

  • Der Zeitpunkt des Todes von Jean Paul Marat (1793)
  • Der Zeitpunkt, zu dem Marquis de Sade sein Theaterstück über Marats Ermordung im Irrenhaus spielen lässt (wenige Jahre später)
  • Der Zeitpunkt, zu dem das Stück aktuell gezeigt wird.

Man erlebt hier alle drei Ebenen. 

  • Die Ermordung von Jean Paul Marat ist der Inhalt des Theaterstückes. Er wurde in einer Badewanne ermordet. Ständig sitzt oder liegt er in der blutgefüllten Wanne, schmerzerfüllt wegen seiner Hautkrankheit. Von der Attentäterin Charlotte Corday (Lilith Hässle) wird er – der Realität entsprechend – letztlich ermordet. Der Nationalismus unter Napoleon zieht damit auf! Auch Nationalismus und Abschottung sind ja fürchterlich aktuell!
  • Marquis de Sade (Charlotte Schwab) sitzt meistens seitlich an der Bühnenwand oder mischt sich ein. Zentral sind seine Diskussionen mit Jean Paul Marat (Nils Strunk) über die unterschiedlichen Weltanschauungen:  De Sade glaubt nur an sich, alles andere lohne sich nicht, und Marat glaubt an die Sache. De Sade sagt etwa:  „Ich pfeife auf diese Nation, so wie ich auf alle anderen Nationen pfeife, ich pfeife auf diese Bewegungen von Massen, die im Kreis laufen. Ich pfeife auf alle guten Absichten, die sich nur in Sackgassen verlieren. Ich pfeife auf alle Opfer, die für irgendeine Sache gebracht werden. Ich glaube nur an mich selbst.“ Das  ist doch heutzutage starker Tobak!  Dieser totaler Rückzug in den Individualismus geht doch heute nicht!
  • Nils Strunk als Jean Paul Marat wendet sich außerdem direkt an das Publikum und stellt aktuelle Bezüge her. Unterstützt durch ständige kleine Kommentare eines Ensemblemitglieds, das in den hinteren Reihen unter den Zuschauern sitzt.

Nun, ich würde selber gerne einmal Regisseur eines Theaterstücks sein. Aber wer lässt mich das schon machen? Oder wer lässt mich mitmachen! Ich würde mehr zuspitzen. Und ich würde das Publikum eher verstören wollen. Ich würde mich mehr in ein Thema hineinsteigern! Denn auch hier fand ich: Es war etwas gebremst. Was wird letztlich ausgesagt? Es ist ja politisches Theater! Und es werden ja sogar aktuelle Bezüge hergestellt! Söders Wahlplakate, das PAG etc. spricht Marat/Nils Strunk gegenüber dem Publikum an. Und genau dafür blieb es meines Erachtens etwas zu unklar. Gut, man kann über radikalen Individualismus nachdenken und über sozialistische Ideen. Letztere verlieren hier ja gnadenlos, sie werden „ermordet“, die sozialistischen Gedanken. Das halte ich schon für fragwürdig. Da hätte man den Konflikt zwischen Individualismus und sozialistischen Ideen doch mehr in den Brennpunkt holen können! Schauspielerisch von allen gut, aber eben „im Stück“ verhaftet. Aber da kommt meine Zuneigung der Performance gegenüber durch.

Was die Inszenierung angeht, muss ich sagen: Es war irgendwie ein bisschen ein Frank Castorf-Verschnitt. Ein halbherziger Castorf-Verschnitt. Es fanden sich einfach viele Elemente, die für eine Castorf-Inszenierung seit Jahren einfach typisch sind: Die Drehbühne, einige „schräge“ Gestalten, undefinierbare, durch dünne Wände getrennte Räume (fast in französischem blau-weiß-rot gehalten), ein Zauberer mit Zylinder, in Strapsen und mit kniehohen Lederstiefeln, der immer wieder zum Publikum spricht, Gittertüren, die die Durchgänge durch die sich drehenden Wände ergaben, all das (und mehr) sind zweifellos Castorf-ähnliche Elemente. Generell die Art der Inszenierung, fast die Spielweise der Schauspieler war in einer Linie mit Castorf. Jedenfalls waren es bühnentechnisch Denic-ähnliche Elemente. Denic ist es ja, der seit Jahren für die Castorfschen Inszenierungen die Bühnenbilder schafft. Es fehlte nur die bei Frank Castorf typische Videoleinwand! Und die fehlte vielleicht wirklich am ehesten. Die Regisseurin Tina Lanik (die das Residenztheater demnächst verlassen wird) hat hier meines Erachtens zu wenig auf Eigenes und Freches und wirklich Überraschendes zurückgegriffen. Das Stück hätte es hergegeben.

Ein anderer Eindruck übrigens: Die schöne Bühne des Residenztheaters wirkte durch die vielen sich bewegenden Wandkonstruktionen seltsam klein! Schade!

Ein weiterer Eindruck: Wieder einmal gibt das Programmheft eine fast radikalere Darstellung des Themas, als die Darstellung auf der Bühne.  Etwa Auszüge aus dem Buch von Micah White, „Die Zukunft der Rebellion. Eine Anleitung“, Berlin 2018. White schreibt im „The Guardian“ viel über Proteste, von Occupy (er ist Mitgründer gewesen) bis zu Trump. HIER der Link zu White im The Guardian.

So, jetzt habe ich einiges beschrieben, ohne besonders auf Inhaltliches einzugehen. Dazu kann man es sich ja ansehen, dann kann man sich Gedanken machen. Aktuell geht es ja in unseren Zeiten immer wieder um Individualismus/Sozialismus/Nationalismus/Abschottung/„irre Politiker“ etc.

HIER die Onlineseite des Residenztheaters zum Stück.

Oder man schaut sich einfach meine nächste (erste) Inszenierung an.

©️ des Beitragsfotos: Mathias Horn

THEATER: Johann Wolfgang von Goethe – Faust

Heute ist es ein Beitrag mit ziemlich vielen links. Manche sind wunderbar! Schwerpunkt auch: Bühnenbildner Aleksandar Denic. Tja, ich habe ihn also wieder einmal gesehen, unseren großen Faust von Johann Wolfgang von Goethe.

Im Münchener Residenztheater gibt es eine Inszenierung von Martin Kusej, die seit 2014 läuft. Am 1. November, also in der nächsten Spielzeit, wird sie zum 60. Mal gezeigt. Zuletzt war es natürlich angebracht, ihn zu zeigen, in München lief bis Ende Juli ein übertriebenes Faust Festival. Ich halte den Faust – Hype ja für fragwürdig. Unten komme ich drauf zurück. Jedenfalls empfehle ich, sich VOR dem Besuch der Inszenierung auf der umfangreichen Faust – Website des Residenztheaters in Ruhe umzusehen (HIER der Link) und dort am besten den gesamten Text der Inszenierung herunterzuladen und zu lesen (er wird komplett als PDF zur Verfügung gestellt). Der Regisseur – und derzeitige Intendant des Residenztheaters Martin Kusej (er geht zum Wiener Burgtheater) – hat nämlich Textpassagen aus Faust II und Faust I gemischt. So entstand ein neues Textgebilde. In der Aufführung kann man dem Text kaum folgen.

Über zwei Aspekte schreibe ich hier: Zum Einen sage ich etwas zum Bühnenbild. Zum Anderen bringe ich ein paar Gedanken zum Faust.

Also zum Bühnenbild:

Ein bisschen namedropping: Ich bin auf die Faust-Inszenierung von Martin Kusej auch deshalb gekommen, weil Aleksandar Denic wieder einmal das Bühnenbild gemacht hat. Aleksandar Denic hat jahrelang in der Volksbühne (und anderswo) mit Frank Castorf zusammengearbeitet. Die Bühnenbilder von Aleksandar Denic sind berüchtigt, sie haben die Arbeiten von Frank Castorf wesentlich geprägt. Sie sind sehr eigen, sind sich aber andererseits auch meist recht ähnlich, soweit ich sie kenne. Hier ein Bild von Aleksandar Denic:

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© Bojana Denić

Ich habe jetzt Denics Bühnenbilder gesehen in Les Miserables (XXL-Version) von Frank Castorf am Berliner Ensemble (HIER mein Blogbeitrag), in Faust von Frank Castorf am Berliner Theatertreffen 2018 (HIER mein Blogbeitrag) uns jetzt in Faust von Martin Kusej am Residenztheater. Schade, im Rahmen der Salzburger Festspiele 2018 bringt Frank Castorf im August wiederum zusammen mit Aleksandar Denic „Hunger“ von Knut Hansum. Ich kann aber leider nicht hinfahren. HIER der link zur Seite zur Inszenierung von „Hunger“ bei den Salzburger Festspielen. Und HIER eine erste kurze Besprechung von „Hunger“ im Deutschlandfunk Kultur.

Übrigens: Auf der Website zu „Hunger“ ist eine Bildergalerie. Sehr schön! Das sieht nach einer gelungenen Inszenierung aus! Und so sieht wieder einmal das Bühnenbild von Denic in Salzburg aus:

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© Salzburger Festspiele / Matthias Horn

Aber interessant und bei Denic eher ungewohnt: Andere Szenen sind topmoderner Alltag. Siehe Bildergalerie.

Das Bühnenbild im Residenztheater war ein wenig ruhiger, als von Denic gewohnt. Wieder eine Drehbühne, wieder ein zweistöckiges Gebilde darauf, wieder düstere Stimmung. Irgendwie kaputte Welt. Oben hinter hohem Maschendraht ein Kran und eine „Kampffläche“ für Boxer etc., unten verschiedene dunkle Räume, rückseitig helle Räume.

Unglaublich übrigens, was für eine Arbeit drin steckt, ein solches Bühnenbild auf das Parkett zu bringen! HIER ein eindrucksvolles Video zum Aufbau der Bühne! (Wer wenig Zeit hat – also alle: Nach 1 min 35 sec wird es im Video interessant.)

Aber es war, schien mir, ein wenig an München angepasst: Etwas ordentlicher, etwas übersichtlicher. Auf Videoleinwände wurde sogar – für mich erstmals bei Denic – verzichtet. Und teils der gern gesehene weiße leere Raum.

Meine Gedanken zum Faust:

Erste Überlegung: Ich weiß ja nicht! Da tun wir Deutschen immer so, als sei der Faust das Maß aller Dinge. Als würde dort das ganze Leben drin stecken. Ist aber ziemlich egozentrisch! Meines Erachtens ist der Faust veraltet. Auch wenn man ständig meint, er wäre immer wieder aktuell. Deswegen war für mich auch dieses wahnsinnig groß aufgezogene Faustfestival in München, das monatelang lief, fragwürdig. Es ist einfach mittlerweile anders, es geht zwar allen um Selbstentwicklung, aber nicht so einseitig, wie im Faust gebracht! Gut, manche wollen das Leben voll auskosten, etwa übrigens Benjamin von Stuckradt-Barre, siehe meine kürzlich gebrachte Besprechung von „Panikherz“ HIER. Aber da waren viele Drogen im Spiel.

Zweite Überlegung: Eigenartig, es gibt, glaube ich, Theateraufführungen, die großartig sein können, bei denen aber der Funke zum Publikum einfach nicht überspringt. Zu komplex vielleicht. So kam es mir bei der Faust-Inszenierung im Residenztheater vor. An sich war es eine – finde ich – gute Inszenierung, aber irgendwie begeistert schien mir das Publikum im ausverkauften Haus nicht zu sein. Vielleicht konnte man den Text gar nicht verarbeiten. Der Text war ja schwierig. Schon das Lesen des Faust erfordert ja höchste Konzentration.

Dritte Überlegung: Irgendwie hat mich das Schicksal von Faust nicht gepackt. Matthias Wölbern mag den Faust sehr gut gespielt haben, die Interpretation des Faust, die er spielen sollte, war aber meines Erachtens eben nicht mehr zeitgemäß. Die Versuche (auch durch das Bühnenbild), das Geschehen zeitgemäß darzustellen, waren meines Erachtens nicht wirklich modern oder cool. Das alte Thema: Der Mann, der noch einmal jung sein möchte und sich verlieben möchte. Der sich in das Leben hinein wirft. Im Pakt mit Mephisto. Für den die Zeit nicht still stehen darf. Sicher, so leben wir. Aber diese krankhafte Ichbezogenheit hat heute einfach andere Ausprägungen, Ursachen und Folgen. Feinsinniger komplexer, individueller. Es endet nicht einfach mit dem Tod einer Person. Insoweit war es inhaltlich nicht großartig.

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Gesehen und gehört Sonstiges

SONSTIGES: Sarah Sze

Eine kleine Anregung:

Die amerikanische Künstlerin Sarah Sze hat für das HAUS DER KUNST die Installation Centrifuge gemacht. Sie steht in der Mittelhalle des Museums. Kleinste Objekte werden filigran zu einem Mosaik organisiert, das „alle gängigen Kategorien durchkreuzt“. Von überall werden Einzelteile beleuchtet. Feinarbeit. Minilichtquellen, Miniteilchen, Minifilmchen, alle Farben. Szes Konstellationen von Objekten, Bildern und Skizzen „sträuben sich gegen definitive Interpretationen“ heißt es so schön. Man steht davor und denkt an alles. Von fern ist es ein Verhau, je näher man aber kommt, umso interessanter wird es. Man sieht etwa irgendwelche bewegte Bilder auf Papierfetzen … wie das Gehirn kommt es einem vor.

Es war bedeutungsschwanger zu lesen: Die Installation … bringt das Wahrnehmungsfeld der Mittelhalle zum Explodieren … verformt sich dynamisch nach außen in den umliegenden Raum (bewegte Bilder oder Schemen werden in der Tat von der Installation ausgehend an alle Wände der riesigen Halle projeziert. Man fragt sich: Wo kommen die denn her?) … schafft ein intimes, fesselndes Feld, worin sich Schwerkraft, Maßstab und Zeit zu verwandeln scheinen …. erinnert an subatomare Teilchen, die sich in einem Quantenfeld verwandeln und entwickeln … deuten auf eine Unbestimmtheit hin.

Und schöne Worte der Künstlerin:

„Die innere Skulptur von Centrifuge scheint in einem unbestimmbaren Zustand zwischen Wachstum und Zerfall gefangen. Wenn sich der Betrachter nähert, fühlt er sich im Inneren in eine Mikrodimension versetzt, während die Skulptur, die sich in den größeren Raum der Halle ausdehnt, gleichzeitig eine Makrodimension eröffnet. Sie fungiert als Schauplatz von Aktivität und ist zugleich ein Projektor, der die Decke beleuchtet und dem Raum die Offenheit eines Palazzos oder städtischen Platzes verleiht.“

Tja, die Kunst. Was soll man da sagen.

 

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Gesehen und gehört

THEATER: Rinks und lechts

Hier einige links zu den Internetauftritten bekannter deutschsprachiger Theater: Es lohnt sich, einmal reinzusehen. Ich hatte mir die Mühe gemacht, sie einmal anzusehen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie man die Internetauftritte der beiden großen Münchner Bühnen – der Münchner Kammerspiele (Stadttheater) und des Residenztheaters (Staatstheater) – im Vergleich beurteilen kann. Abgesehen davon: Man bekommt einen ganz guten Eindruck von der deutschsprachigen Theaterlandschaft. Es sind schöne Internetauftritte dabei! Mein Ergebnis: München ist und bleibt eben leider – finde ich – wieder einmal konservativer als andere! Obwohl die Stadt München seit 1948 – eine Ausnahme: Erich Kiesl (CSU) von 1978 bis 1984 – von der SPD regiert wird!

Ich werde die Liste gelegentlich ergänzen und im Blog sichtbar positionieren.

Basel: THEATER BASEL

Berlin: BERLINER ENSEMBLE

Berlin: HEBBEL AM UFER

Berlin: MAXIM GORKI THEATER

Berlin: SOPHIENSAELE

Berlin: VOLKSBÜHNE AM ROSA – LUXEMBURG – PLATZ

Bern: THEATER BERN

Bremen: THEATER BREMEN

Frankfurt: SCHAUSPIEL FRANKFURT

Hamburg: THALIA THEATER

Köln: SCHAUSPIEL KÖLN

Leipzig: SCHAUSPIEL LEIPZIG

Mainz: STAATSTHEATER MAINZ

München: RESIDENZTHEATER

München: MÜNCHNER KAMMERSPIELE

Stuttgart: STAATSTHEATER STUTTGART

Wien: BURGTHEATER

Zürich: SCHAUSPIELHAUS ZÜRICH

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Allgemein Gesehen und gehört

THEATER: Mittelreich – Inszenierung mit schwarzen Schauspielern

Ein Stück tief bayerischer und deutscher Geschichte. Blick auf drei Generationen der bayerischen Wirtsfamilie des „Seewirt in Seedorf“ (eigentlich das Gasthaus Zum Fischmeister in Ambach am Starnberger See). Das ist Inhalt des sehr persönlichen Romans Mittelreich von Josef Bierbichler und der Musiktheater-Inszenierung dazu von Anna Sophie Mahler an den Münchner Kammerspielen. Die Weltkriege, die Nachkriegsjahre, Flüchtlinge, persönliche Schicksale.
Und jetzt dieselbe Inszenierung, gespielt von schwarzen Schauspielern (und Musikern). Dunkelhäutige Schauspieler und Musiker zu dieser bayerischen Erzählung! Zu sehen ist diese Kopie noch einmal am Samstag, den 21.10.2017. Das Original von Mittelreich in der Inszenierung von Anna Sophie Mahler ist dann am 03.11.2017 wieder zu sehen.
Interessant, wie kontrovers und engagiert sofort über die „Kopie“ – Inszenierung von Mittelreich von Anta Helena Recke geschrieben und gesprochen wird. Etwa zu lesen bei www.nachtkritik.de. Es war eine hoch detailgetreue Kopie der Inszenierung des Bierbichler-Romans, die 2016 sogar zum Berliner Theaterftreffen eingeladen war. Nur eine einzige Änderung: Anta Helena Recke, selber dunkelhäutig, besetzte die Rollen durchgehend mit dunkelhäutigen Schauspielern. Appropriation Art. Schon das Erstellen der Kopie wird demnach als ein neues Kunstwerk gesehen. Im Theaterbetrieb ein fast unbekannter Ansatz. Es geht der Appropriation Art allerdings nicht nur um das Erstellen der Kopie, sondern um einen Effekt, der dadurch zusätzlich eintritt. Hier durch die Art der Besetzung der Rollen für diese Kopie. Ziel einer Appropriation ist es, durch das Erstellen der Kopie einen anderen, sonst nicht auffallenden Aspekt sichtbar oder erfahrbar zu machen.
Mein Erlebnis: Es hat sich gelohnt! Irgendwie war es befreiend, erleichternd, zu sehen, dass es in dieser Inszenierung mehr um das Erlebte geht, nicht um das Deutsche daran. Das Deutsche daran verschwindet, verlässt jedenfalls das Zentrum der Erzählung! Man wurde sich im übrigen der Tatsache bewusst, dass man als Zuschauer solch ein Stück – oder jedes Stück? – gleich in einem (unsichtbaren) Kontext sieht. Und genau der wurde hier aufgehoben! Genau das war – für mich – der Aspekt, der sichtbar wurde. Der reine Vorgang der Appropriation – der Aneignung – wiederum ist dabei m. E. gut gelungen, man sah die so guten Schauspieler der Originalinszenierung vor sich: Annette Paulmann, Steven Scharf, Jochen Noch, Stefan Merki, Damian Rebgetz, Thomas Hauser. Besonders gelungen waren dabei die Kopien von Steven Scharf, Jochen Noch und Damian Rebgetz! Hinzu kam dieser besondere Effekt, das Stück anders zu sehen. Den sofort vorhandenen Kontext abzugeben, den man hereininterpretriert. Die eigene, mitschwingende Prägung der eigenen Sichtweise aufzugeben. Es fehlte einem ja die Möglichkeit, sich durchgehend am Deutschen und Bayerischen zu orientieren. Man konnte sich aber selber überprüfen: Was fehlte einem, was kam zum Vorschein? Natürlich schwang auch mit, dass man  dunkelhäutige Menschen – die Schauspieler – hier etwas anders als üblich erlebte. Ob man sie zu selten so erlebt, wird diskutiert, siehe oben. Aber das war, denke ich, nicht der Hauptzweck.
Man kann natürlich viel zerlegen in der Diskussion zu dieser Inszenierung. Ist es schon Rassismus, wenn man über Rassismus redet? Ist es Rassismus, wenn man andeutet, dass es Rassismus gibt? Ist es schon eine Vertiefung der Unterscheidung von Schwarz und Weiß, wenn man diesen Unterschied auch nur irgendwie hervorhebt? Geht es überhaupt um schwarz und weiß? Ich glaube nicht! Es hätten ja auch Japaner sein können! Sie würde sich tatsächlich wünschen, so Anta Helena Recke in einem Interview, „dass die Intendanten dieses Landes mich jetzt mindestens zwei, drei Jahre lang an ihre Theater einladen und Stücke kopieren lassen. Nicht unbedingt immer nur mit Schwarzen, sondern auch mit extrem dicken Frauen oder asiatischen Deutschen, es gibt viele Möglichkeiten der Sichtbarmachung.“ Abschließen würde sie den Arbeitszyklus am liebsten mit einem Tatort„Der Tatort ist für Deutschland, was ‚Mittelreich‘ für Theater-München ist. Wenn Sonntag um 20.15 Uhr eine Schwarzkopie von mir von einem Tatort läuft, dann kann ich damit aufhören.“
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Gesehen und gehört Sonstiges

SONSTIGES: Reality

Ich befinde mich immer ganz gerne zwischen gut und böse, zwischen schön und nicht schön, ernst und nicht ernst. Man sollte doch seine Position nicht allzu ernst nehmen. So ist es ja auch immer wieder im Theater. Immer wieder Neues ausprobieren, kritisch sein, Bekanntes nicht automatisch für  gut befinden, etwas versuchen. Die Münchner Kammerspiele machen das ganz schön, brauchen vielleicht aber sogar eine noch schärfere Ausrichtung, klarere Konturen, um verstanden zu werden. Sie wollen jedenfalls nicht gefällig sein. Und das in München! Und ab und zu hier im Blog ein Stück Musik, damit nicht doch alles zu ernst wird.

Ich bin letztens auf das obige Foto gestoßen (Hoffentlich kann ich es so verwenden, aber es war schon in Facebook). Es zeigt viel vom Leben, es zeigt eigentlich alles vom Leben! Es zeigt eigentlich überhaupt das Leben. Was jeder Mensch ganz grundsätzlich mit sich trägt, daher bringe ich es hier. THERE’S SOMETHING TERRIBLE ABOUT REALITY AND I DON’T KNOW WHAT. NOBODY TELLS ME. Sie, dieses schöne Mädchen – ihr zarter Blick – ihre Traurigkeit – aber zugleich ihre Schönheit – aber sie stellt fest: SOMETHING TERRIBLE ABOUT REALITY – sie weiß aber nicht, was es ist! – und niemand kann ihr helfen – warum sagt es niemand – weiß es jemand? Etwa die Umwelt als ganz „reelles“ Beispiel: Da droht etwas zu kommen, Klimawandel etc., aber wir wissen es nicht ganz genau. Aber es ist doch alles so schön! So soll es doch bleiben! Aber Schönheit alleine ist eingebildet. Das könnten wir uns in der westlichen Welt etwa auch ab und zu sagen. Schönheit ist bequem. Aber plötzlich bemerkt sie ihre Traurigkeit. Jetzt ist sie am Leben dran. Die Umwelt ist ja nur ein Thema. Man könnte ganz grundsätzlich viel darüber philosophieren (ich bin kein Philosoph).  Soviel in einem Bild und einer Aussage! Schön!

 

 

 

 

 

#T

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THEATER: GefahrBar

hier nur ein schönes Bild, siehe oben. Es gefällt mir, daher ist es hier zu sehen. Man muss es sich vergrößern, um den Text lesen zu können. Das wird hoffentlich gelingen. Ein Bild, in Postkartenformat, mit dem die gestrige GefahrBar in den Kammerspielen angekündigt war. Die GefahrBar ist ein kleiner Abend an den Kammerspielen, an dem ausschließlich Absurdes mit Gästen (meist Ensemblemitglieder) und Musik geboten wird, es findet etwa alle zwei Monate einmal statt. Mehr nicht. Es kommt nur zur Aufführung, was höchstens acht Stunden alt ist. Wenn man einfach einmal etwas hören/sehen will, das absolut keinen Sinn macht. Das muss ja auch mal sein. Dieses ständige Erforschen von Sinn und Bedeutung und Ursache und Konsequenz und Folge und Analyse und Ernsthaftigkeit und und und kann ja nicht alles sein! Ein Stück etwa war gestern: Eine Art Vortrag über die Entwicklung und die einzelnen Strömungen innerhalb des Fäkalismus. Auch wenn es den geben sollte, der Vortrag war natürlich höchst absurd in seiner Ernsthaftigkeit.

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THEATER: Theatertreffen Berlin 2017 – Peter Richter, 89/90

  1. Wer es sehen will, kann es sich am: Schauspielhaus Leipzig anschauen. Oder noch ein paar Taghe lang HIER in der 3Sat-Mediathek. Ausgehend vom Roman 89/90 von Peter Richter. Regie Claudia Bauer. Eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2017. Sehr begehrt. Die Wendejahre 1989/1990 aus Sicht einer Gruppe jugendlicher DDR – Bürger:
  2. Tenor: „Wir haben durch die Wende komplett den Boden unter den Füßen verloren. Nicht Ost, nicht West.“ Und vieles kam hoch, was in der DDR nie aufgearbeitet worden ist.
  3. Im Programmheft heißt es: „Bereits 1945 war es schon einmal so abgelaufen: Einige Nazis und Kriegsverbrecher wurden benannt, verurteilt oder vertrieben – das Böse schien damit verbannt, und nun sollte Mit der „Stunde Null“ alles Gute bei uns blühen und gedeihen. Die DDR hatte diese absurde Idee tatsächlich zur Grundlage ihrer „antifaschistischen“ Gesinnung und Moral gemacht. Unter völliger Verkennung der sozialpsychologischen und charakterlichen Zusammenhänge wurde stets gelehrt, daß in Ostdeutschland der Nationalsozialismus per Gesetz auf Stumpf und Stiel vernichtet sei. Die sogenannte „Entnazifizierung“ wie auch die Proklamation des Endes der Stalinismusära sollten vor allem vertuschen, daß die große Mehrzahl der Deutschen damals und heute begeisterte Täter oder wenigstens bereitwillige Mitläufer waren. Der einzelne wollte unbedingt geschont bleiben – und in der Tat, wie schon gehabt: wieder wollte kaum jemand wirklich etwas gewußt haben oder gar verantwortlich und schuldig mitbeteiligt gewesen sein.
  4. In anschließenden Gesprächen mit Zuschauern, die selbst oder deren Familie in der DDR gelebt haben, heißt es einheitlich: „Genau so war es! So ist es noch heute! Sehr gut, so etwas einmal zu zeigen!“
  5. Mein Eindruck: Inhaltlich wertvoll, aber in der Umsetzung zu bieder, fast historisch, dokumentarisch, bedrängend, ohne zweite Ebenen, platt und direkt. Manche Idee aber gut! Helmut Kohl als Birne darzustellen ist aber nicht sehr originell.

 

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THEATER: Theatertreffen Berlin 2017 – Thom Luz, Traurige Zauberer

Das Stück, das im Staatstheater Mainz läuft, wurde auch nach Berlin eingeladen. Es geht um das, was uns verborgen ist. Zunächst: Im Programmheft findet sich dieser Text, den ich persönlich (mancheiner wird es nachvollziehen können) sehr gut verstehe. Ein schönes Bild:

Die „normale“ Identität ist von Anfang an eine mutierbare und transformierbare Entität; sie ist immer bereit sich aus dem Staub zu machen oder Adieu zu sagen. Zumeist fließt das Leben dahin wie ein Fluss. Die zu diesem Leben gehörenden Veränderungen und Metamorphosen, die infolge von Zufällen oder Schwierigkeiten auftreten oder einfach mit dem natürlichen Gang der Dinge zusammenhängen, tauchen auf wie die Spuren und Falten einer beständigen, fast logischen Vollendung, die bis zum Tod führt.

Manchmal jedoch verlässt der Fluss sein Bett, ohne dass es einen geologischen Grund oder eine unterirdische Verwerfung gäbe, um diese Überschwemmung oder jene Abweichung zu erklären. Die plötzlich abweichende oder umgeleitete Form dieses Lebens hat eine explosive Plastizität, die sich bis dahin unter der polierten Erscheinung des Subjekts verbirgt wie vergrabener Sprengstoff unter der Pfirsichhaut des Seins zum Tode. Eine neue, noch nie dagewesene Person tritt zur alten dazu und nimmt schließlich den ganzen Platz ein. Ein neues Wesen kommt zum zweiten Mal auf die Welt, aus einer tiefen Spalte, die sich in der Biographie aufgetan hat.

(Catherine Malabou)

So. Und zum Stück noch: Es ist eine „Einladung, eine Welt kennen zu lernen, die man so vielleicht noch nicht kennt„, so der Autor und Regisseur des Stückes, der junge Schweizer Thom Luz. Es ist kein „problembezogenes“ Stück, wie etwa Five Easy Pieces oder Der Schimmelreiter. Es ist einfach – könnte ich sagen – „lebensbewusst“. Wer es sich leisten kann – ich meine zeitlich und emotional und von seiner ganzen Lebenssituation her! Es entstand wohl schlicht aus Thom Luz‘ persönlichen thematischen Vorlieben heraus: Das Leben und all das eigentlich uns Verborgene, versunkene Vergangenheiten, Unwirkliches, das Verschwinden, Nebel, Unfassbares, die Welten hinter der vorderen Welt, Traum, Scheintod, Tod, das sind ein paar der Begriffe und Vorlieben von Thom Luz. Ihn interessieren, sagt er, Menschen, die in einer verschwindenden oder verschwundenen Vergangenheit leben. Daher das Stück „Traurige Zauberer“. Ein schöner und widersprüchlicher Titel (schon das …au…  …au… der Wörter). „Lukullisch“ nennt ihn Thom Luz auch. Und: Erst kam der Titel, dann der Inhalt. Zauberer passen ja in diese Themenwelt.

Inhaltlich ist es entsprechend schwer zu fassen. Es mag an der ungünstigen Akustik und der fehlenden Unmittelbarkeit der Aufführung gelegen haben (ich habe es im Rahmen des Public Viewing im SONY-Center am Potsdamer Platz auf einer Großleinwand gesehen) Ich hatte es in vielerlei Hinsicht einfach nicht verstanden! Gott sei Dank lief es bzw. läuft es (noch für wenige Tage) in der MEDIATHEK von 3Sat! Ich habe es mir dort noch einmal angesehen. Sehr hilfreich ist vor allem das ebenfalls dort zu findende Interview mit Thom Luz. Es ist ein völlig bizarrer Inhalt. Man blickt auf die riesige schwarze Bühne, seitlich ein paar Gerüste, Requsiten.Viel Platz. Es scheint der Raum hinter einer Bühne zu sein. Zwei Zauberer scheinen sich auf ihren Auftritt vorzubereiten. Dann merkt man, das es um eine Schiffsreise geht. Später merkt man, dass das Schiff sogar untergegangen ist, alle Passagiere gestorben sind. Was auf der Bühne passiert, verwundert alle. Auch die Schauspieler zeigen ihr Unverständnis über das Wenige, stehen oft staunend auf der Bühne, blicken auf all das Eigenartige, was sich hier in aller Ruhe ereignet. Bizarre Musik trägt das Stück. Es sind lange Blicke in Verschwundenes, in Spiegel, sich Ergebendes. Und so weiter. Da könnte ich noch einiges schreiben, aber man muss es dazu ja gesehen haben!

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THEATER: Theatertreffen Berlin 2017 – Forced Entertainment , Real Magic

Forced Entertainment (HIER), die Performance Gruppe aus Sheffield, wurde 1994 gegründet. Das „Stück“ Real Magic wurde als eines der zehn „bemerkenswertesten Stücke“ des Jahres zum Theatertreffen eingeladen. Das Stück wird in Berlin am HAU (Hebbel am Ufer) gezeigt. Als erste Kompanie erhielt Forced Entertaiment übrigens im März 2016 den „International Ibsen Award“, einen der renommiertesten Theaterpreise weltweit (den es aber erst seit 2007 gibt). Der Preis wurde bisher nur an einzelne Protagonisten der Theaterwelt wie Heiner Goebbels, Peter Handke oder Ariane Mnouchkine verliehen. Soviel zur Stellung von Forced Entertainment in der Theaterwelt. Mit Real Magic scheint es – sagt der künstlerische Leiter der Truppe, Tim Etchell -, als seien sie „zum ersten Mal auf zuvor unerreichte Weise zu dem vorgestoßen, was sie mit Forced Entertainment eigentlich wollen„, und als hätten sie hier ihr „Anliegen endlich auf den Punkt gebracht„.

Eine Schleife der permanenten Wiederholung ist es. Immer wieder die gleiche Szene. Gut 50 mal. Es könnte auch Straßentheater sein, das man sich endlos anschaut. Ganz einfach. Es amüsiert, man lacht, es wird immer absurder und zeigt immer mehr die Tatsache, dass alle drei Darsteller gefangen sind. Und dann geht man weiter. Fürchterlich gefangen lässt man sie dann zurück, in der immer gleichen Szene. Sie versuchen es ständig, kommen aber nicht heraus aus der Situation. Alle drei spielen ihren Part – als ModeratorIn, als KandidatIn oder als der denkende Richard – in immer etwas anderer Verfassung. Mal angestrengt, mal lässig, mal stolz (dass der Andere es nicht erraten hat), mal wichtigtuerisch, mal traurig (dass der Andere es nicht erraten hat), mal hektisch und so weiter und so weiter. Es hilft nichts! Sie sind alle drei gefangen in einer vollig illusorischen Szene, Sie stehen vor einer unlösbaren Aufgabe, ohne es so zu sehen: „Richard is now thinking of a word. ….. Are you ready? What is the word Richard is thinking of?“, fragt der Moderator. „You have three chances!“.  Die Szene einer TV-Show, die immer wieder dargestellt wird. Immer mit dem Moderator, einem Kandidaten und Richard. Mehr nicht.

Gefangen, absurd, ein ständiges Versuchen, eine unlösbare Aufgabe, dennoch sind alle drei ständig emotional voll dabei. Eine endlose Vergeblichkeit. Es werden immer die gleichen Antworten. Das Lösungswort wird der Kandidatin sogar einmal vom „Denkenden“  auf dem großen Schild, das der Denkende immer bei sich hat, gezeigt. Die Kandidatin bleibt aber bei ihren drei falschen Antworten. Natürlich liegt der Vergleich mit dem Leben, mit der Welt nahe. Tim Etchell nennt den Kapitalismus, die Globalisierung, Fremdenfeindlichkeit. Auch Beckett wird von Tim Etchell genannt. Ich selber dachte an persönliche Gefangenheit. An die Unmöglichkeit, jemand anderen jemals zu verstehen. Schwer genug! Aber es war mehr, das wäre zu banal gedacht. Es berührt das ganze Leben, die Welt, das Sein. Große Worte, aber sie kommen wahrlich mit dieser einen banalen Szene diesen Punkten nahe. Ohne ein Theaterstück. Wieder können wir nur sagen: Take it easy!

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THEATER: Theatertreffen Berlin 2017 – Explorer/Prometheus unbound

Eine fast erschreckende Darbietung im Rahmen des umfangreichen Programms des Theatertreffens. EXPLORER/Prometheus unbound: Zum ersten Mal bin ich in diesem Maße einigen Möglichkeiten heutiger 3 D Technik ausgesetzt. Es beginnt mit einer Liebesgeschichte. Allerdings schon die wird in der „Motion Capture 3D-Technik“ gezeigt. D. h. die performenden „Schauspieler“ werden mit Sonden am Körper ausgestattet und ihre Bewegungen werden in eine Virtual Reality Show implantiert: Sie spielen die virtuellen Personen, die der Zuschauer sieht. Manchmal sieht man auch die „echten“ Schauspieler. Es kommt dann hinzu, dass die virtuelle Realität alles, was undenkbar ist, zulässt. Sprünge durch Wände, Stürze auf einsame Inseln, abstrakte Räume, Verschwinden und abstruse Verformungen der Körper und und und. Gesteigert durch mehr und mehr laute Musik und abstrakte Videodarstellungen. Wo menschlich echte Emotionen sind? Weg!! Wahrlich erschreckend. Wo führt das hin? Wie leer man sich da fühlt! Im Grunde kann man nur hoffen, dass die Darbietung eine Form der Kritik an diesen Möglichkeiten darstellen soll.

In der Ankündigung der Veranstaltung hieß es:

1994. Das Jahr, in dem das World Wide Web explodiert. Das Jahr des großen Versprechens. The point of no return. Neue Schichten der Realität werden erkundet. TUNE IN für die Liebesgeschichte von Bridget und Deacon im virtuellen Paradies. TURN ON die Cybershow. BOOT UP. JACK IN. DROP OUT. EXPLORE. Die erfolgreich durch die Niederlande tourende Arbeit „Explorer / Prometheus unbound“ ist aller Wahrscheinlichkeit nach die erste Theaterproduktion, die die Motion Capture 3D-Technik auf der Bühne einsetzt. Sie ist aus einer Zusammenarbeit des Performancekollektivs Urland (Rotterdam) und CREW – der Organisation des Virtual Reality-Pioniers und Künstlers Eric Joris (Brüssel) – entstanden. Mit CREWs technologischem Instrumentarium und Kenntnissen über immersive Technologien, taucht Urland auf sehr eigene Art in den Cyberspace ein.

MUSIK: Bob Dylan

Bob Dylan hat in Stockholm nun doch den Literaturnobelpreis – auf seinen Wunsch unter Ausschluss der Öffentlichkeit! – entgegengenommen. Letzte Woche, am Samstag; den 01.04.2017, überreichte die Jury dem Musiker die Auszeichnung für seine Songliteratur. Am Abend gab er dort noch ein schon länger geplantes Konzert.

Er wird übrigens jetzt im April im Rahmen seiner Tournee für fünf Konzerte in Deutschland zu Gast sein! In Hamburg (11. April), Lingen (12. April), Düsseldorf (13. April), Frankfurt (25. April) und Hannover (26. April). Auf seiner „Never Ending Tour“.

Hier der Song „Knocking On Heavens Door„. Sprachlich ist das schon klasse! Das harte Knocking (hartes „kn“, hartes „ock“) – man hört es fast Klopfen – und das weiche Heavens Door (weiches „h“, weiches „d“, weiches „ea“, weiches „oo“). Man hat geradezu ein Bild vor Augen. Also ganz ehrlich, ich hätte es nicht besser gekonnt!

Der Song passt auch zum letzten Blogpost (siehe vorherigen Blogbeitrag): Der „Weg in den Tod“ und Betrachtungen dazu. In der Form eines „Installationstheaters“ an den Münchner Kammerspielen, wo derzeit das Stück „Die Selbstmord-Schwestern“ von Jeffrey Eugendes „gebracht“ wird bzw. Anlass für die Installation ist. Aber das wusste Bob Dylan damals höchstwahrscheinlich noch nicht. Weder dass das Stück gebracht wird, noch dass ich im Blog darüber schreibe.

Um das Preisgeld für den Literaturnobelpreis – acht Millionen schwedischen Kronen (rund 838.000 Euro)! – behalten zu dürfen, muss Bob Dylan innerhalb eines halben Jahres nach der Feier die traditionelle Nobelvorlesung halten. Die kann er auch als Video einreichen, bis zum 10. Juni bleibt ihm Zeit. Eine aufgenommene Version kann dann auch zu einem späteren Zeitpunkt gesendet werden.

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Gelesen und geblättert Sonstiges

SONSTIGES: Roger Willemsen †

Er starb am Rosenmontag! Unten bringe ich ein Zitat von ihm, das mein Thema der „Bedeutung der Kunst“ aufgreift (siehe dazu oben: Was siehst Du in diesem Blog?). Kunst hilft uns, uns zu entgrenzen und damit zu erkennen und zu verändern. Aber Achtung: Kunstbetrachtung und Kunsterstellung passieren in einem „System“! In unserem System! Und damit wird alles schon genormt. Dann hilft es wenig, wenn wir uns erkennen. Uns wird damit ja nicht geholfen, das System zu überdenken. Da passt der Dada – Gedanke gut: Man muss das System eigentlich beseitigen, um die Kunst wirklich „freilegen“ zu können und ihr dieses Erkenntnispotential zu verschaffen. Das heißt nicht Anarchie, es zeigt nur die dauernde Gefahr, finde ich, dass man – ohne es zu merken – Kunst durch unsere „Systembrille“ betrachtet und sich doch gewöhnt. Das wäre immer wieder schade – für uns und die Kunst in uns.

Bildergebnis für roger willemsen