Eine Ankündigung: Das Deutsche Theater Berlin ist wieder regelmäßig digital zu erleben: Heute, Mittwoch, den 29. September startet deren neue monatliche Rubrik „STREAM DES MONATS“. Der Stream wird immer begleitet von einem Live-Nachgespräch mit den Künstler:innen.
Den Anfang der Reihe macht heute „BREMSSPUREN“ von Nicola Bremer in der Regie von Friederike Drews als Limited Edition digital (das Format, in dem die Regieassistent:innen des Theaters ihr Regiedebüt geben – normalerweise in der Box, in diesem Fall digital).
Zum heutigen Stream: Eine Bühne. Ein Schauspieler. Eine Kamera. Ein one-take. Kein Schnitt. Ein Mensch. Ein Raum. Ein Experiment. Wie gesagt: HEUTE, Mittwoch, 29. September, 20 Uhr mit anschließendem Nachgespräch und danach als Video on Demand noch 24 Stunden verfügbar.Tickets gibt es auf dringeblieben.de.
HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Deutschen Theaters Berlin.
Copyright des Beitragsbildes: Deutsches Theater Berlin
Vor Jahren hatte ich den Roman „Oh Schimmi“ von Teresa Präauer gelesen und im Blog hierüber geschrieben. HIER der damalige Beitrag. Diese verrückte, lustige und ironische Erzählung eines „Taugenichts“ war eine schöne Entdeckung! Deshalb habe ich mir nun ihr neues Buch „Das Glück ist eine Bohne“ besorgt und habe es gelesen. Ich habe aber selten von ein- und dem/derselben Schriftsteller/in so unterschiedliche Bücher gelesen.
„Das Glück ist eine Bohne“ ist – im Gegensatz zur humorvollen Erzählung „Oh Schimmi“ – eine Sammlung vieler kleiner „Beobachtungen“. Es sind 82 kleine Texte von oft nur zwei Seiten, mal vier, mal fünf etc. Allein deshalb liest es sich natürlich leicht, man kann es immer wieder weglegen, ohne den Faden zu verlieren. Es gibt keinen roten Faden, der die einzelnen Texte zusammenhält. Doch, man könnte sagen: Teresa Präauer hat gestöbert und geschrieben. Sie hat in ihren Erinnerungen gestöbert und ebenso in YouTube, im Fernsehen, auf Netflix, im Internet, sie schafft dann aus irgendeiner Beobachtung heraus Verbindungen zu Musikstücken, erwähnt Künstler, erwähnt andere mehr oder weniger bekannte Persönlichkeiten … Das ist der rote Faden. HIER der Link zu einer Leseprobe, gelesen von Teresa Präauer.
Die Sprache der Texte ist leider längst nicht mehr so verrückt und humorvoll wie in der Erzählung „Oh Schimmi“. Teresa Präauer ist eben etwa fünf Jahre älter geworden, 42 Jahre alt ist sie heute. Man spürt es in ihren Beschreibungen, ihrer Sprache. Es mischen sich Sätze ein wie: „Die Angelegenheit ist, bei gleichzeitig repetitiv strukturierter Einfachheit des vorliegenden Textmaterials, komplex.“ (Seite 123). Puh, das ist nicht schön zu lesen. Ich habe selten das offenbar – zumindest im Schreibstil – recht schnell gegangene Älterwerden eines/r SchriftstellerIn so deutlich gemerkt! Das, was sie beschreibt, wirkt längst nicht mehr verrückt, leicht, abstrus und locker, auch nicht so lustig und ironisch wie die Erzählung „Oh Schimmi“. Schade!
Es sind in „Das Glück ist eine Bohne“ auch nicht nur aktuelle „Beobachtungen“. Viele ihrer kurzen Texte knüpfen an – wie gesagt – sehr persönliche Erinnerungen an. Das macht es dem Leser nicht leicht. Teresa Präauer hat dann natürlich ihre Vergangenheit sehr genau vor Augen, aber nur in ihr schwingt die Erinnerung, im Leser nicht.
Fast unangenehm übertrieben ist leider, finde ich, die Erzählung mit dem Titel „Aufgewachsen in Bibliotheken“. Teresa Präauer schildert dort, wie sehr sie im Grunde – was Bücher angeht – prädestiniert sei. Vieles mag stimmen, aber muss man das so herausstellen? Sie sei nicht nur in einer Bibliothek gezeugt worden, ihr Vater sei dort nicht nur Archivar gewesen, ihre Mutter sei nicht nur literaturbegeistert und “Leseratte“ gewesen, Teresa Präauer sei nicht nur in der Bibliothek aufgewachsen, sie habe dann nicht nur auch, als sie größer geworden war, viel Zeit in der Bibliothek verbracht, nein, sie habe sogar lesen können bevor sie sprechen habe können! Und sie habe sogar, bevor sie lesen konnte, „einen guten Satzspiegel von einem weniger guten unterscheiden“ können. Ein Wunderkind!
Und in den vielen kurzen Texten ist es oftmals schwer, sich die Situation jeweils gut vorzustellen, die sie beschreibt. Neben zahlreichen Texten zu Erinnerungen aus ferneren Zeiten bringt sie anfangs etwa Texte zu ihrem einjährigen Aufenthalt in Amerika vor wenigen Jahren. Auch hier enthalten die Texte genaue Beschreibungen von irgendetwas, was sie erlebt hat, oder von irgendwem, den/die man selber ja nicht kennt, oftmals verbunden mit ihren Gedanken dazu. Man fragt sich leider manchmal: Was interessiert mich das? Oft verbindet sie ihre Beschreibungen kurz mit – manchmal recht komplizierten – allgemeineren Gedanken und Interpretation, die man im Grunde nur versteht, wenn man das, worüber sie schreibt, genau vor Augen hätte. Das fehlt leider oft.
Das Buch ist also kein leichter „Schmöker“, man kann sich aber durch viele meist kurze Gedanken, Erinnerungen und Fundstücke aus der medialen Welt treiben lassen, auch das mag gefallen.
Charlie Watts ist vorgestern im Alter von 80 Jahren gestorben. Jeder weiß es mittlerweile. Wir haben uns doch im Grunde bisher gedacht: Die Rolling Stones sind irgendwie unsterblich. Es gab und gibt sie einfach immer, wie Ampeln an der Kreuzung oder die Glühbirne. Mein Leben etwa hatten sie bisher in voller Länge begleitet. Die Rolling Stones wurden 1963 gegründet, ich kam 1661 zur Welt. Jetzt hat es Charlie Watts „erwischt“. Der Schlagzeuger der Rolling Stones, eine Legende! Ab gestern gibt es die Rolling Stones nicht mehr, schreibt man zurecht! Charlie Watts starb – überraschend – in seinem Heimatort (und Geburtsort) London. Ein Anlass, einen schönen Song der Rolling Stones zu bringen! „Wild Horses“.
Man liest, dass die Rolling Stones wohl im September und Oktober Konzerte geben werden und man erwartet, dass es natürlich recht sentimentale Konzerte werden. Wir werden sehen und vielleicht hören.
Charlie Watts war im Grunde Zeit seines Lebens Mitglied der Rolling Stones, auch wenn er das anfangs nicht geplant hatte. Er sagte, er hätte gedacht, vielleicht zwei Jahre lang in der Band zu bleiben. Schon 1963, also kurz nach Gründung der Rolling Stones, wurde er Bandmitglied und blieb es bis zuletzt. Er galt als der Ruhepol, die Stillfigur, als das Rückgrat der Rolling Stones, hielt sich im Hintergrund, mochte eigentlich nie lange Reisen, war eine ruhige Person, spielte immer auf einem sehr einfachen Drum Set. Auf manchen Fotos der Rolling Stones könnte man meinen: Was macht der denn da auf dem Bild?
Der Song hier ist eine Studioaufnahme aus Tokio, von wann sie ist, weiß ich leider nicht. Die Bandmitglieder sehen nicht mehr blutjung aus, es wird vielleicht vor zehn, fünfzehn Jahren gewesen sein! Das Schöne an der Aufnahme ist, finde ich, dass man die einzelnen Bandmitglieder – Mick Jagger, Charlie Watts, Keith Richards und Ron Wood – in dieser sehr ruhigen Aufnahme abseits einer riesigen Showbühne einmal deutlich und ausführlich sieht.
Ich füge unten wieder eine zweite Version des Songs an: „Wild Horses“ von den Rolling Stones mit Florence and the Maschine, live. Eine schöne Version! Warum? Hier kommt die raue Stimme von Mick Jagger in einen völlig anderen Zusammenhang. Es hat kaum mehr mit Rock n‘ Roll zu tun, wenn Florence diesen Song mit ihrer glasklaren Stimme mitsingt. In meinen Augen treffen hier zwei völlig verschiedene Welten wunderbar aufeinander! Man meint fast, dass sich Mick Jagger am Anfang befremdet fühlt, als Florence auf ihn zugeht. Ganz verkrampft wirkt er. Dieses Befremdetsein löst sich im Laufe des Songs ein wenig, nach dem Song gibt Mick Jagger aber bezeichenderweise Florence wieder nur einen Handkuss! Nach dem Motto: Da kam jemand aus einer anderen Welt als meiner Rolling-Stones-Welt zu mir!
Man kennt vielleicht Daniel Masons Debütroman „Der Klavierstimmer Ihrer Majestät“ (Deutsche Fassung 2003). Dort geht es um einen Klavierstimmer, der zu Zeiten der dortigen britischen Kolonialherrschaft nach Burma, in das heutige Myanmar, reist. Es geht wohl auch um Liebe. Ich kannte den Roman nicht. Ich kannte auch Daniel Mason nicht. Aber ich hatte kürzlich Geburtstag und habe seinen aktuellen Roman „Wintersoldat“ geschenkt bekommen.
Daniel Mason ist Amerikaner und ich finde, man erkennt manchmal an der Art und Weise, wie ein Buch geschrieben ist, dass der Autor Amerikaner ist. So auch bei diesem Roman. Natürlich erkennt man das nicht bei allen amerikanischen Autoren, bei Paul Auster beispielsweise wenig (kürzlich gelesen: Sein autobiografischer Roman „Winterjournal“), bei Richard Powell wenig (ich mochte den fantastischen und anrührenden Roman „Der Klang der Zeit“ ganz besonders!), bei Louis Begley wenig (ich kenne von ihm „Erinnerungen an eine Ehe“ und „Schiffbruch“). Es gibt natürlich fantastische amerikanische Autoren. William Faulkner etwa („Licht im August“!). Oder Ernest Hemingway und seine Short Stories. (Er hatte übrigens Anfang Juli diesen Jahres seinen 60. Todestag. Und ich meinen 60. Geburtstag!) Oder oder oder. Die Liste der wirklich beeindruckenden amerikanischen Schriftsteller ist sehr lang!
Daniel Mason ist rein sprachlich gesehen dagegen nicht irgendwie auffallend. Ich möchte behaupten, vor allem viele europäische Schriftsteller schreiben oftmals irgendwie variantenreicher, im Stil einfallsreicher oder empfindsamer. Der Roman „Wintersoldat“ von Daniel Mason scheint mir eine Erscheinung relativ moderner amerikanischer Literatur zu sein: Der Roman ist eine sehr genaue und dadurch sehr intensive Schilderung der Entwicklung eines tragischen Lebens in sehr schwerer Zeit! Die Zeit des 1. Weltkrieges! Die Schilderung des Lebens des jungen Arztes Lucius wird – das mögen die Amerikaner ja – bald mehr und mehr zu einem „page turner“, also zu einem Buch, das man nicht weglegen möchte, sondern bei dem man Seite für Seite weiter lesen möchte, um den jeweiligen weiteren Verlauf und den Ausgang der Geschichte zu erfahren.
Beeindruckend ist auf jeden Fall die unglaublich genaue und facettenreiche Schilderung der fürchterlichen damaligen Umstände an der russisch/österreichischen Frontlinie während des ersten Weltkrieges. Die Kriegszustände! Lucius ist Lazarettarzt hinter der Frontlinie. Ebenso beeindruckend ist die unglaublich genaue und facettenreich Schilderung der medizinischen Möglichkeiten der damaligen Lazarettärzte hinter der Frontlinie. Mason schildert immer wieder grauenhafte Entstellungen und Verletzungen viele Soldaten. Insoweit ist der Roman sogar nicht einmal mehr zeitgemäß, Kriege würden heutzutage doch – meint man – eher mit dem sofortigen Tod des Soldaten enden, als mit fürchterlichen Erfrierungs- oder Schussverletzungen oder mit Entstellungen durch Granaten und Bomben. Heutzutage leidet die Zivilbevölkerung viel mehr! Insoweit ist dieser Roman eher ein historischer Roman.
Auch, scheint mir, ist etwas typisch für moderne amerikanische Literatur: Natürlich mischt sich neben all diesen fürchterlichen Schilderungen der damaligen Lebensumstände das Thema der großen Liebe in den Roman! Das Thema der großen Liebe bestimmt letztlich den Verlauf des Romans! Und insoweit wählte Daniel Mason wohl wieder die Technik, die er auch bei seinem Debütroman angewandt hatte. Das Thema der Liebe hält den Roman am Laufen!
Ich muss gestehen: Der Titel „Wintersoldat“ hat mir dabei nicht sehr gefallen. Was ist denn ein Wintersoldat? Gut, im Laufe des Romans wird es klar. Es ist ein völlig traumatisierter, ansonsten wohl unverletzter Soldat, der im tiefsten Winter ins Lazarett kommt. Er prägt den Roman auch in gewisser Weise. Ihn aber gleich „Wintersoldat“ zu nennen, scheint mir fast kitschig.
Also: Wer einen historisch recht interessanten und sehr detailreich geschriebenen Roman zum 1. Weltkrieg lesen möchte, den er nach einer gewissen Zeit auch nicht mehr weglegen möchte – im Urlaub etwa, der möge sich den mit diesen Vorgaben durchaus guten Roman „Wintersoldat“ von Daniel Mason nehmen.
Waren Sie in München schon im Kristelli? Wahrscheinlich nicht, es hatte ja erst vor wenigen Tagen, am 7. August 2021, eröffnet! Wenn Sie hingehen: Es wird jedenfalls ein besonderer Abend! Das Kristelli ist ein Zelt, das der „Zauberer“ Alexander Krist vorerst bis Ende 2022 von der Stadt München gemietet hat. Es liegt am Rand des Olympiaparks, in der Schwere-Reiter-Straße. Alexander Krist hat sich diesen Traum erfüllt und Sie können sich nunmehr dort seine Show „The World’s Greatest Magic“ ansehen.
„Zauberei“ – das Wort klingt veraltet. Man denkt zurück an seine eigene Kindheit, mein Vater zeigte einen Zaubertrick, ließ eine Münze verschwinden und zauberte sie hinter meinem Ohr wieder hervor. Ein kleiner Zaubertrick. Wenn sie aber nun im Kristelli sitzen und der Show „The World’s Greatest Magic“ von Alexander Krist – für etwa eineinhalb Stunden – folgen, tauchen Sie in eine ganze Welt ein, eine Welt der Illusionen, die sie sich einfach nicht erklären können. Sie sitzen ratlos da und können nur den Kopf schütteln. Sie versuchen garnicht herauszufinden, wie das alles passiert. Sie finden ja nicht die Lösung.
Sie werden im übrigen ein kleines Tischen neben ihrem Stuhl sehen, auf dem für Sie eine Flasche Wasser steht. Man wird Ihnen als Begrüßung ein Glas Sekt anbieten.
Dann werden Sie in dieser sehr lockeren Atmosphäre humorvoll von Alexander Krist in diese unerklärliche Welt geführt. Sie werden nicht den Eindruck haben: „Das ist ja völlig übertrieben, da wird ein Riesenbrimborium gemacht“. Nein! Es wird kein Brimborium gemacht. Dazu scheint Alexander Krist zu bescheiden. Er zeigt, was er kann. Einen Ausschnitt zumindest. Und Sie verstehen es nicht. Es ist ihm auf jeden Fall nicht nötig, durch Showeffekte zu überzeugen.
Etwa: Sie werden bei Betreten des Zeltes uneinsehbar für Dritte auf einem kleinen Zettel einen persönlichen Herzenswunsch notieren, den Zettel in einer Kugel verschließen, die Kugel wird auf einer Rollbahn durch den Zuschauerraum geführt und mit allen anderen Kugeln in einer für alle sichtbaren Box gesammelt. Und lassen Sie sich überraschen …
Oder: Alexander Krist hält einen völlig verdrehten Rubik-Würfel in der Hand, wirft ihn kurz in die Luft, fängt ihn auf und: Lassen Sie sich überraschen … . (Diese Szene habe ich jedenfalls so vor Augen – meine Tochter, die mich begleitet hatte, kann sich daran nicht erinnern. Auch schon typisch. Was war wirklich und was nicht? Man kommt ganz durcheinander.) Es sind jedenfalls nicht nur kleine Zaubertricks. Eine unerklärliche Welt entsteht. Eingepackt in eine Welt der Nostalgie, in die Alexander Krist das Publikum durch Verweise auf die 70er und 80er Jahre führt. „Zurück in die Zukunft“ etwa, ein bekannter Film aus dieser Zeit, ist einer der Aufhänger.
Oder: Ein kleiner Junge aus dem Publikum verdreht den Rubik-Würfel auf der Bühne, gibt ihn Alexander Krist, der wiederum dreht sich um, hält den Würfel hinten am Rücken und… lassen Sie sich überraschen.
Am Ende applaudiert man und merkt: So ein bisschen „Applaus“ – was ist das schon. Es wird der Sache nicht gerecht. Der Applaus hält sich auch fast in Grenzen, ist fast zögerlich, vielleicht weil man merkt, dass es mit ein bisschen „Applaus“ nicht getan ist. Man sitzt da und versteht alles nicht mehr. Gut, es werden Tricks gewesen sein. Tricks, die, wie Alexander Krist sagt, viel viel Arbeit, Phantasie, Wille und Freude an der Sache abverlangen. Das gilt ja für uns alle in vielen Belangen, schon daher ist der Abend einfach ein Gewinn.
Dieser Song war Steven Biko gewidmet. Der Song heißt „Biko“. Peter Gabriel hat ihn 1980 geschrieben. Steven Biko ist vor fast genau 44 Jahren gestorben, am 12. September 1977. Er war in den Siebzigerjahren einer der großen Freiheitskämpfer gegen die Apartheidspolitik in Südafrika. Alles hängt miteinander zusammen, alles. Der Tod von Steven Biko hat auch heute noch Bedeutung.
Bedeutung für unsere heutigen Probleme. Er, Steven Biko, stand auf, er wollte Dinge ändern. Das müssen wir heute dringend auch – die Umwelt. Wir rasen auf Katastrophen in den kommenden Jahren zu. Es braucht vielleicht mehr einzelne Menschen, die aufstehen. Ein Beispiel dafür war sicherlich Biko.
Peter Gabriel hat den Song 1988 auf dem am besten für den Song geeigneten Konzert gespielt: Auf dem legendären Konzert im Londoner Wembleystadion 1988 zum 70. Geburtstag von Nelson Mandela. Ich bringe hier sogar drei Versionen des Songs! Alle drei sind beeindruckende Livemitschnitte.
Zum Einen die Aufnahme aus dem Wembleystadion 1988, akustisch schlecht, aber emotional am tiefsten, man spürt das Thema, man spürt eine Art Gemeinschaftsgefühl der Zuschauer, bilde ich mir fast ein. Peter Gabriel brüllt den Text manchmal fast. Wie er am Schluss noch einmal den Namen „Steven Biko“ sagt! Er wird dort angekündigt von Jim Kerr, dem Sänger der Simple Minds – die den Song auch oft gespielt haben, siehe YouTube. Dann – die zweite Version – live von einem Konzert in Chile, einige Jahre später. Eine schöne Aufnahme, man sieht dort auch Sting in jungen Jahren. Schön ist dort auch die Kombination mit den chilenischen Flötenspielern, besonders zu Beginn und am Ende. Nein, auch mittendrin prägen die Flötenspieler eine gewisse melancholische Stimmung des Liedes. Ich mag ja Melancholie. Und drittens, wieder viele Jahre später, akustisch die beste Version. Sie ist langsamer, Peter Gabriel mit stark veränderter, aber seiner wunderbaren rauchigen Stimme. Er selber ist gealtert, sehr verändert! Aber nicht nur akustisch, auch von der ganzen filmischen Aufnahme her gesehen ist diese dritte Version einfach moderner, sehr fein!
Vieles ist interessant an diesem Song und an diesen drei Aufnahmen:
Peter Gabriel selbst: 1988 in Wembley als junger Mann, in Chile schon etwas älter. Auf beiden Aufnahmen spürt man aber, wie ernst es für Peter Gabriel mit diesen Song ist. Es war ihm sicherlich nicht nur irgendein ein Song. Man spürt ohnehin, denke ich, wenn man auch diese Aufnahmen sieht, dass Peter Gabriel doch ein sehr besonderer Mensch ist! Ein genialer Musiker allemal. Politisch immer sehr engagiert! Was für ein Leben. Was für eine Energie, die er – wie eben die großen Künstler – um die ganze Welt verbreitet. Auf YouTube gibt es noch einige weitere, teilweise sehr gute Livemitschnitte des Songs „Biko“. Peter Gabriel sieht immer anders aus, es sind Aufnahmen aus den verschiedensten Altersstufen. Mein Gott, wie man altert! Wie das Leben verfliegt!
Das Beitragsbild oben: Steve Biko auf einem Glasfenster in einer Kirche in Heerlen, Niederlande!
Der Songtext von „Biko“ ist eher dokumentarisch – kurz, aber dokumentarisch. Sogar der Raum, in dem Biko 1977 von der Polizei festgehalten, gefoltert und getötet wurde, Raum 691, „business as usual“, wird im Song erwähnt. Biko wurde dann nackt und bewusstlos mit einem PKW in ein Nachbarland gebracht. Und auch das sehen wir noch heute so: Regimegegner werden getötet, werden festgenommen etc. Siehe Russland, siehe Herrn Lukaschenko in der Ukraine, etc. Man hatte in Südafrika lange Zeit abgestritten, dass Steven Biko ermordet wurde. Es steht heute aber fest, Aussagen Beteiligter haben die Sachen geklärt. Zitat Wikipedia (was ja hoffentlich stimmt): „Anfang 1997 gaben fünf frühere Beamte der South African Police vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission zu, an Bikos Tötung, die von deutschsprachigen Medien als Mord eingestuft wird, beteiligt gewesen zu sein. Nach Intervention der Familie Bikos wurde keine Amnestie gewährt.“
Mir scheint ohnehin: Damals konnte noch eine einzelne Person die Welt bewegen und Änderungen herbeiführen, sie jedenfalls einleiten. Nelson Mandela wurde dann schließlich der erste dunkelhäutige Staatspräsident Südafrikas. Wo sind diese Personen heute? Ist es einzelnen Personen heute überhaupt noch möglich, Dinge zu einer Änderung zu bringen? Haben wir uns durch die Komplexität aller Dinge auf der Welt in eine Sackgasse geführt? Alles wird zerredet, es gibt zu jedem Argument ein Gegenargument. Ich denke natürlich an das Thema Umwelt. Gut, die großen Themen sind global geworden, Naturschutzfragen, soziale Fragen, … alles ist miteinander verwoben. Hier könnte man vieles schreiben. Schön wäre es aber doch auch, wenn Musiker wieder einmal weltweit aufstehen für derartige Themen. Und so weiter. NACHTRAG: Heute, am 11. August, lese ich, dass viele berühmte Musiker weltweit Konzerte für den Umweltschutz planen. Wer wann und wo, weiß ich noch nicht.
Und hier ist der Song, alle drei Versionen sind hörens- und sehenswert.
Ich ergänze hier eine vierte Version. „Biko – a Song around the world“. Auch die sollte man sich unbedingt ansehen! Widerstand gegen Freiheitsberaubung war Biko und diese Idee gilt in der ganzen Welt, sagt Peter Gabriel damit.
Wolfram Lotz mag einmal nachts im Bett gelegen haben und es mag sein, dass er nicht einschlafen konnte. Er hat vielleicht ständig über ein und dasselbe Thema nachgedacht, immer wieder, über „die Politiker“. Diese eine Nacht ist dann wahrscheinlich sein Text „Die Politiker“ geworden. Und dieser Text wurde dann – nicht zum ersten Mal auf deutscher Bühne – zur Inszenierung an den Münchner Kammerspielen, die kürzlich Premiere hatte. Die Inszenierung ist gegen Ende Juli und, denke ich, in der folgenden Spielzeit weiterhin zu sehen.
Vorab: Dieser Theaterbesuch war natürlich ein doppeltes Ereignis:
Es ging nicht nur um das Erleben einer Inszenierung, es war auch nach langer Zeit das Erlebnis eines Theaterbesuch an sich. Vor der Bühne zu sitzen – zu warten – Menschen zu beobachten – zu wissen, dass eine ganz bestimmte Anzahl von Menschen im Theater sitzt – die Inszenierung live zu erleben – „hautnah“ zu erleben, wie die SchauspielerInnen auf der Bühne agieren – eine ganz bestimmte Inszenierung zu verfolgen – am Ende zu applaudieren – zu merken, dass die SchauspielerInnen für diesen Abend genau mich (und die anderen ZuschauerInnen) „brauchen“ und andersherum ich (und die anderen ZuschauerInnen) die SchauspielerInnen „brauche“! All das wird irgendwie live viel deutlicher, als im Streaming, oder es wird live überhaupt erst möglich.
Gut, es gab in den vergangenen Monaten teilweise wunderbare Streamings von Theaterinszenierungen, keine Frage, auch Streaming – also Theater online – kann besondere Effekte hervorrufen. Manche Streamings „funktionierten“ sehr gut, haben Atmosphäre oder irgendetwas anderes transportiert, manche Streamings „ funktionierten“ aus meiner Sicht dagegen weit weniger. So ist das nun einmal. Theater hat meines Erachtens nichts mit „Erfolg“ oder mit ständigem „Gelingen“ zu tun. Es ist jedes Mal ein Versuch.
Und nun zur Inszenierung von „Die Politiker“:
Wie gesagt, jemand durchlebt eine einzige Nacht und kreist immer wieder um ein Thema: Die Politiker. Die beiden Wörter „die Politiker“ hört man an diesem Abend (ohne Übertreibung) zwischen 700 und vielleicht 1000 mal. Wenn nicht sogar viel öfter, weil sie teilweise auch parallel von den drei SchauspielerInnen gesprochen oder gemurmelt werden. Meine Rechnung: Die Inszenierung dauert 70 Minuten, allein pro Minute hört man durchschnittlich mindestens zehnmal die Worte „die Politiker“, macht schon 700 mal. In den englischsprachigen Surtitles heißt es nur manchmal „politica“ und manchmal „politicians“. Etwas viel – als wäre Wolfram Lotz in einer fürchterlichen Gedankenschleife gesteckt, die ihn nicht irgendwie voran gebracht hätte. Es ist ja nicht so, dass man der Bezeichnung „die Politiker“ durch den Text von Wolfram Lotz auch nur irgendwie näher kommen würde. Das ist auch gar nicht beabsichtigt. Es gibt nicht „die Politiker“.
Die recht junge Regisseurin Felicitas Brucker – eine von insgesamt 30 RegisseurInnen, die auf der Website der Kammerspiele genannt werden! – lässt für diesen Text drei Personen auf der Bühne erscheinen. Katharina Bach, Svetlana Belesova und Thomas Schmauser. Alle drei agieren weitestgehend in eigens für Sie bestehenden kleinen Kästen, „videoanimierten“ Zimmern, die klein und eng wirken. Vor allem Thomas Schmauser und ganz besonders Katharina Bach verausgaben sich – und überzeugen dadurch – geradezu. Alle drei reden und reden und reden. Sie reden meist parallel, über Licht und Ton wird jeweils der Fokus auf eines der Zimmer gelegt. Eine aufgeregte Aneinanderreihung von Gedanken, Elfriede Jelinek lässt grüßen! Katharina Bach spielt die „explosivste“ Person des Trios.
Die Inszenierung endet dann mit dem Satz: „Alle Dinge sind allein!“ Und genau das spiegelt die Stimmungslage des gesamten Textes von Wolfram Lotz und der Inszenierung (und schon des Bühnenbildes) wider: Wir reden von „die Politiker“, können sie aber gar nicht greifen. Wir stürzen immer wieder nur herab auf unser Alleinsein. Der völlig unbestimmte Begriff „Die Politiker“ ist Projektionsfläche für die recht hilflose Situation der SchauspielerInnen. Alle drei SchauspielerInnen suchen im Grunde Auswege aus ihrer Einsamkeit, ihrer Isolation. Suizid? Gewalt? Schreiben statt schreien? Oder wollen sie mehr Verantwortung der Politiker?
Getragen wird das Gedankenkonvolut des Textes meines Erachtens dann auch noch davon, dass es bei den undefinierten „Politikern“ um Personen irgendwo „oben“ geht, während alle anderen Menschen „unten“ sind. Das mag primär ein verständlicher Gedanke sein, Schlussfolgerungen aus dieser sehr unschönen Situation zeigen sich aber im wilden Gedankenkonvolut des Textes nur unscharf. Um Einiges zu unscharf, fand ich. Eine gewisse Schärfe der Gedanken vermag dem rasanten Tempo der Gedankenwechsel zum Opfer gefallen sein. Die Überlegung „weniger ist mehr“ gilt für den Text von Wolfram Lotz leider nicht unbedingt!
The Cure – nicht: Curevac – steht oft fürden Begriff „Gothic Rock“, obwohl sich The Cure – lese ich – dieser Zuordnung eher widersetzte. Manchmal ging es, glaube ich, bei The Cure auch in Richtung Rock und sogar Pop. Letzteres vielleicht auch mit „Pictures Of You“, dem Song hier. Die Band wurde schon 1976 – noch unter anderem Namen – gegründet. Sie existiert noch heute. „Pictures Of You“ ist eine Auskoppelung aus dem 1989 erschienenen sehr erfolgreichen Album „Disintegration“.
Ein Jahr nach „ Disintegration“, 1990, trat die Band als eine der ersten internationalen Bands nach dem Mauerfall in der ehemaligen DDR auf – mit zwei Open-Air Konzerten in Dresden und Leipzig.
Zum 30. Geburtstag des Albums Disintegration – also 2019 – wiederum spielten The Cure an vier Abenden im Sydney Opera House das Album in voller Länge inklusive aller bisher nur als Demos existierenden Songs der damaligen Aufnahme-Session.
Es ist ein langer Songtext. Eine wohl nie zustande gekommene große Liebe wird besungen. Hier:
I’ve been looking so long at these pictures of you That I almost believe that they’re real I’ve been living so long with my pictures of you That I almost believe that the pictures are All I can feel
Remembering You standing quiet in the rain As I ran to your heart to be near And we kissed as the sky fell in Holding you close How I always held close in your fear Remembering You running soft through the night You were bigger and brighter and wider than snow And screamed at the make-believe Screamed at the sky And you finally found all your courage To let it all go
But I never see anything
If only I’d thought of the right words I could have held on to your heart If only I’d thought of the right words I wouldn’t be breaking apart All my pictures of you
Looking so long at these pictures of you But I never hold on to your heart Looking so long for the words to be true But always just breaking apart My pictures of you
There was nothing in the world That I ever wanted more Than to feel you deep in my heart There was nothing in the world That I ever wanted more Than to never feel the breaking apart All my pictures of you.
The Cure hat eine lange Geschichte, HIER Wikipedias Eintrag zu The Cure.
Und HIER der Link zu offiziellen Website von The Cure.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte in ihrer Literaturbeilage in diesem Frühjahr das Buch „ Die Welt gegenüber“ von Eva Schmidt in die Liste der Vorstellung der „wichtigsten Romane des Frühjahres“ aufgenommen. HIER der kurze Beitrag der FAZ. Eva Schmidts davor erschienener Roman „Ein langes Jahr“ gelangte 2016 auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Sie ist Österreicherin, lebt in Bregenz.
Wer etwas Unspektakuläres lesen möchte, im Urlaub etwa, keinen Krimi, normales Leben, akkurat beobachtet und geschildert, der mag an diesem Buch Gefallen finden. Es scheint eine Spezialität von Eva Schmidt zu sein, das Unspektakuläre zu beachten und genau zu beschreiben. Schon ihr erfolgreicher Roman „Ein langes Jahr“ wird davon geprägt.
In „Die Welt gegenüber“ schildert Eva Schmidt in zwölf voneinander völlig getrennten kleinen Episoden einfach Begebenheiten aus einzelnen Leben. „Einfache Begebenheiten“ ist nicht ganz treffend, es sind mitunter sehr spezielle Vorgänge, die geschildert werden. Man versteht die Begebenheiten meist nicht ganz, Eva Schmidt schreibt zwar nicht durchgehend aus der Rolle einer entfernten Beobachterin, die die Dinge selber nicht ganz verstehen würde. Nein, es wird auch mit eben diesem kurzen Blick auf teils alltägliche Gegebenheiten geschildert, was sich die betroffene(n) Person(en) denkt/denken, in welcher Situation sie ist/sie sind. Hinter jeder Geschichte steckt ja ein ganzer Kosmos. So ist es eben, in jeder Sekunde, bei jedem Menschen ist es ja so. Aber es bleiben Ausschnitte. Vor allem bleibt das „Ende“ der geschilderten kurzen Entwicklungen meist offen. Es gibt eben kein „Ende“.
Dass das „Ende“ der Kurzgeschichten offen bleibt, verstört ein wenig, da sich während der einzelnen Schilderungen Spannung aufbaut! Es scheint ständig auf etwas zuzulaufen, oft bleibt aber das, was man vielleicht erahnt, aus. Wie so oft. Man will beim Lesen der einzelnen Geschichten mehr und mehr wissen, was sich ergibt. Am Ende bleibt aber man oft ratlos.
Der Schreibstil von Eva Schmidt ist unspektakulär. Sie wählt die Alltagssprache. Nichts Gedrechseltes, aber auch – mir etwas zu sehr – auch ohne irgendeine Besonderheit in der Darstellung. Das kann aber durchaus gefallen! Sie schildert sehr genau und mit einfachen Worten die Begebenheiten so, wie man sie meist als Außenstehender oder eine(r) der Beteiligten sieht. Immer wieder sind die Schilderungen allerdings auch getragen von den subjektiven Absichten oder Ansichten, den Gedanken, der betroffenen Personen. „Blicke von innen“, sind es dann, aber auch die sind eher nüchtern geschildert, manchmal auch direkt aus der Ich-Perspektive heraus. Auffallend ist, dass in fast jeder Geschichte jedenfalls kurz oder auch länger der Tod erwähnt wird. Er ist sogar prägend für eine Geschichte („Vielleicht nach Skagen“). Ein Friedhof, ein gestorbener Lebenspartner, Suizidgedanken …
Nun, es ist ein angenehmes „Sommerbuch“, wenn auch literarisch „harmlos“, man kann sich Stück für Stück die einzelnen Episoden vornehmen.
Wer kennt sie nicht. Wenigstens ein paar Jahre lang war sie in Deutschland zu hören. Bekannt wurde sie in Deutschland im April 1980 durch einen Auftritt in der damaligen TV – Sendung „Rockpalast Nacht“. Geboren wurde sie 1950 auf der ehemals britischen Insel St. Kitts, in deren Hauptstadt Basseterre. St. Kitts ist mittlerweile unabhängig.
Bekannt war mir damals – 80er-Jahre – Joan Armatrading vor allem durch ihren Song „Drop the Pilot“ und „Me Myself I“. Sie war als erste Britin und insgesamt dreimal für den US Grammy nominiert. Und sie hatte einmal sogar Platz 1 der US Billboard Blues Charts erreicht. Alle möglichen Stilrichtungen hatte sie berührt. R&B, Rock, Folk, Blues, Reggae.
Ich bringe hier den Song „It could have been better“ mit einem schönen Video. Der Tanz der beiden – herrlich! Und wie er – der Tanz – gegen Ende ausgelassener, schwungvoller – aber weiterhin absolut elegant – wird! HIER ihre offizielle Website.
Starke Stücke Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/6348 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter Quellenangabe: "obs/3sat/ZDF/3sat Grafik"
Das hier macht Sinn, der Leser kann etwas davon haben, dann schreibe ich gerne: Wie jedes Jahr, bringt 3sat auch dieses Jahr drei „Starke Stücke“ der 10-er Auswahl des Berliner Theatertreffens im Fernsehen und stellt sie für einige Zeit in die Mediathek. Die drei ausgewählten Stücke sind bis September in der Mediathek zu sehen!
Es handelt sich dieses Jahr um folgende drei Inszenierungen:
„Maria Stuart“ von William Shakespeare, eine Inszenierung von Anne Lenk
„Graf Öderland“ von Max Frisch, eine Inszenierung von Stefan Bachmann
“Automatenbuffet“ von Anna Gmeyner, eine Inszenierung von Barbara Frey
Ich habe sie gesehen („Maria Stuart“ von Anne Lenk kannte ich bereits, ich habe darüber HIER geschrieben), das Theatertreffen 2021 ist ja gerade zu Ende gegangen. Auf Folgendes kann ich den geneigten Theaterfreund hinweisen:
Was mir grundsätzlich an den diesjährigen drei „Starken Stücken“ im Vergleich zu den übrigen Inszenierungen der 10er-Auswahl auffiel: Sie waren „klassischer“ oder „herkömmlicher“ strukturiert, als die übrigen Stücke. Ja, es waren (vielleicht mit den Augen des Senders gesehen im Blick auf eine größere Zuschauerzahl) Inszenierungen klassischer Art: Anders waren die übrigen Stücke der 10er-Auswahl! Bei „Maria Stuart“ wird fast nur Originaltext gesprochen. Bei „Graf Öderland“ wird schlichtweg der – eigentlich unverständliche – Inhalt der „Moritat“ von Max Frisch erzählt. Und bei „Automatenbuffet“ erfolgt eine Erzählung, die vielleicht am ehesten anders nicht erzählt werden kann.
Entsprechend dem „klassischen“ Theater waren die drei Inszenierungen, die nun noch auf 3sat zu sehen sehen sind, vor allem eingebunden in – ich möchte sagen – „strenge“ Bühnenbilder, die in gewisser Weise viel vorgeben. Mir kam es dadurch teilweise vor, als hätte man „altes Theater“ gesehen. Ganz anders zum Beispiel war es bei „Der Zauberberg“ oder bei „Einfach das Ende der Welt“ mit ihren weitgehend leeren Bühnen. Anders auch bei den in diesem Jahr ausgewählten Performancearbeiten „NAME HER“, „Scores That Shaped Our Frienship“ und „Show Me A Good Time“. Anders im Grunde auch bei „Medea*“, auch wenn dort die Bühne nicht wirklich leer war! Nur „Reich des Todes“ habe ich nicht gesehen!
Die leeren Bühnen der vorgenannten Stücke haben m. E. durchaus einen Effekt: Sie geben den SchauspielerInnen mehr Betonung und genau das tut in unseren derzeitigen Streamingzeiten gut! Bei den drei „klassischen“ Stücken, die nun auf 3sat noch zu sehen sind, dachte ich mir dagegen immer wieder: „Man müsste diese Stücke eigentlich in Präsenz sehen!“ Ja, sicherlich, das Präsenztheater fehlt! Es ist und bleibt in jedem Fall ein himmelweiter Unterschied, die SchauspielerInnen live auf der Bühne zu erleben! Streamingtheater funktioniert aber meines Erachtens in bestimmten Fällen auch. In den Fällen nämlich, in denen aus dem Streamingangebot heraus etwas „Neues“ entsteht. Deutlich wurde dies bei „Der Zauberberg“, ein Kunstwerk insgesamt. Erkennbar wurde es ansatzweise auch in den Stücken „Medea*“ und „Einfach das Ende der Welt“. Auch dort konnte ich dem Streamingangebot etwas Besonderes abgewinnen. Es entstand eine Nähe zu den SchauspielerInnen, es war dort aus irgendeinem Grund heraus nicht so sehr erforderlich, das Stück in Präsenz zu sehen. Anders aber meines Erachtens in den drei Stücken, die, wie gesagt, nun bis September auf 3sat zu sehen sind:
„Automatenbüffet“:
Copyright: Mathias Horn
Wie gesagt: Bei „Automatenbüffet“ erschien mir die „Strenge“ des Bühnenbildes noch verständlich, da das Stück deutlich in der zurückliegenden strengen Zeit zwischen den Weltkriegen spielt. Alles sollte funktionieren und seine Ordnung haben. Die Gefühlswelt konnte sich nicht besonders durchsetzen. Die überbürgerliche Welt. Projekte werden entwickelt. Es geht um Geld. Und mitten drin spielt sich ein wenig Gefühlsleben ab. Eine Ehe zerbricht, der Mann hat sich in eine junge Frau verliebt, will mit ihr Leben, die Frau lässt sich von einem jungen Mann „einnehmen“, überschreibt ihm fast ihr gesamtes Vermögen, und so weiter. Das Stück bleibt leider oberflächlich. Zu v unterschiedliche Gedankenrichtungen werden kurz angestoßen. Geld und Projekte, Liebe, keine Liebe, Trennung, Scheitern, Suche nach dem eigenen Leben. Was will das Stück sagen? Es bleibt eine kleine Erzählung aus früherer Zeit.
HIER die Seite des Theatertreffens zu diesem Stück. Mit der Möglichkeit am Ende der Seite, das Programm Heft downzuloaden.
„Maria Stuart“:
Copyright: Arno Declair
„Maria Stuart“ war allein geprägt durch die Idee des Bühnenbildes, jeder Person auf der „Bühne“ einen eigenen abgetrennten Kasten, eine „Schublade“ zu geben, Interaktionen zwischen den Beteiligten finden nicht statt. Siehe das Foto. Es zählte nur das Wort. Das Wort entlang des Dramas von William Shakespeare. Zwei Königinnen, Moral und Politik, Macht und Gefühl, Elisabeth hin und hergerissen, Versuche der Einflussnahme Dritter auf die Macht. Nun ja, nicht gerade „aktuell“ im Ansatz.
HIER wieder die Seite des Theatertreffens zu diesem Stück. Mit der Möglichkeit am Ende der Seite, das Programm Heft downzuloaden.
Und „Graf Öderland“:
Copyright: Birgit Hupfeld
Bei „Graf Öderland“ spielt sich alles in einer Art Röhre ab, einem Trichter, der übermanngroß schräg auf der Bühne liegt. Siehe auch hier das Foto. Ich habe viel überlegt, kann aber den Sinn des Stückes schlichtweg nicht erkennen. Irgendwie geht es um Revolution und Widerstand gegen die Ordnung. Ein Staatsanwalt verschwindet und wird zu Graf Öderland, ursprünglich eine Märchenfigur, er zieht mit der Axt durch die Lande und ermordet (zusammen mit Gefährten) andere Menschen. Max Frisch liebte dieses Stück besonders, es sagte ihm sehr viel, es hatte aber nie Erfolg!
Auch HIER die Seite des Theatertreffens zu diesem Stück mit der Möglichkeit, am Ende der Seite das Programmheft downzuloaden.
„Einfach das Ende der Welt“ nach Jean-Luc Lagarce war gestern zu sehen. Es ist eine der zehn Inszenierungen, die zum Berliner Theatertreffen 2021 „eingeladen“ wurden. Eine Inszenierung von Christopher Rüping am Schauspielhaus Zürich. Ich schreibe nicht gerne über Dinge, die die Leser des Blogs nicht mehr sehen können. Aber vielleicht ist dieses Stück am Schauspielhaus Zürich irgendwann noch zu sehen. Ich weiß es momentan nicht.
Ein „moderner Klassiker“ wird das Buch von Jean-Luc Lagarce genannt. Es gibt auch eine Verfilmung, vor einigen Jahren in Cannes ausgezeichnet mit dem Großen Preis der Jury. Und hier die Inszenierung. Sie hat mich nicht begeistert. Die große leere Bühne war dabei sehr erfrischend, wohltuend. Die zunächst sehr ausführlich gezeigte Einrichtung der Familienwohnung des Heimkehrers (beim Heimkehrer Louis Erinnerungen erweckend) wird in einer viertelstündigen Pause komplett weggeräumt. Trotzdem.
Das Thema: Nach zwölf Jahren Abwesenheit kehrt der erfolgreiche Sohn (Louis) einer Familie aus einfachen Verhältnissen zu seiner Familie zurück. Der Grund: Er ist unheilbar krank (AIDS) und wird demnächst sterben. Er möchte offenbar zurück zu seiner Familie. Die Inszenierung zeigt aber im Grunde nur, dass sich alle nichts mehr zu sagen haben. Sie können nicht einmal mehr irgendwie sinnvoll miteinander reden.
Dahinter steht – generell gehalten – vielleicht die Frage: Kann man in seinem Leben noch einmal etwas „aufwärmen“, was man einmal aufgegeben hatte? Dem Heimkehrer Louis gelingt es nicht. Er hört sich alte Vorwürfe an, mehr nicht. Er hatte sich eben zwölf Jahre zuvor ziemlich wortlos in sein eigenes Leben begeben, alle anderen, seine beiden Geschwister, seine Mutter, blieben zurück und blieben zusammen. Sein Bruder ist mittlerweile verheiratet, hat zwei Kinder. Er selber, Louis, lebte ein schillerndes Leben als (schwuler) erfolgreicher Schriftsteller, er verwirklichte sich, die übrigen Familienmitglieder blieben pflichtbewusst zusammen und lebten ein viel biedereres Leben. Freude am Leben mag bei ihm gewesen sein, weniger bei seinen Familienmitgliedern. Es ist aber nicht unbedingt Neid, was hochkommt, es ist einfach absolute Sprachlosigkeit, man versteht sich überhaupt nicht mehr! Die Inszenierung zeigt im Grunde diese völlige Sprachlosigkeit, gespielt von durchweg guten SchauspielerInnen! Das schon!
Und nun, kurz vor seinem Tod, möchte Louis also wieder zur Familie zurückkehren. Er möchte einmal umarmt werden, keiner tut es. Er sagt, er interessiere sich für seine Familie! Reaktionen darauf gibt es nicht … er spricht Kindheitserinnerungen an. Keiner versteht ihn, darum geht es keinem mehr. Die Dialoge sind dabei meines Erachtens zu dünn geraten. Es mag auch daran liegen, dass es dem Heimkehrer Louis (gut gespielt von Benjamin Lillie) nur kurz gelingt, seiner Familie zu sagen, dass er in Kürze sterben wird. In der Romanvorlage gelingt es ihm sogar überhaupt nicht. Hier noch eine Aufnahme der Inszenierung:
HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Schauspielhauses Zürich.
Nun gut, dies war der erste Teil der 10er-Auswahl des diesjährigen Theatertreffens. Es geht weiter.
Das Theatertreffen 2021 beginnt übermorgen – Donnerstag den 13. Mai – und dauert 12 Tage – bis Montag den 24. Mai. Alles ist online zu sehen und das gesamte Programm ist in diesem Jahr kostenfrei zugänglich. Der Theaterfreund/ die Theaterfreundin kann sich also ab Donnerstag jede Menge interessante Dinge ansehen. Hier zur Vereinfachung ein schneller Überblick über die besonderen Streamings der „10er-Auswahl“:
Donnerstag, 13.05., 20,.00 Uhr: „Einfach das Ende der Welt“ nach Jean-Luc Lagace, Inszenierung von Christopher Rüping, Schauspielhaus Zürich, HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Theatertreffens 2021 (nur im Livestream)
Freitag, 14. Mai, 12.00 Uhr – 00.00 Uhr: „Show Me a Good Time“ von Gob Squad, Premiere am HAU Hebbel am Ufer, HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Theatertreffens 2021 (nur im Livestream)
Samstag, 15.5., 20.00 Uhr, „Maria Stuart“ von Shakespeare, Inszenierung von Anne Lenk, Deutsches Theater Berlin, HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Theatertreffens 2021 (dann in der ZDFmediathek bis 11. September 2021)
Sonntag, 16. Mai 20:00 Uhr: „Automatenbuffet“ von Barbara Frey, Burgtheater Wien, HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Theatertreffens 2021 (dann in der ZDFmediathek bis 11. September 2021)
Montag, 17. Mai 20:00 Uhr: „Graf Öderland“ von Max Frisch, Inszenierung von Stephan Bachmann, HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Theatertreffens 2021 (dann in der ZDFmediathek bis 11. September 2021)
Dienstag, 18. Mai ——
Mittwoch, 19. Mai ——-
Donnerstag, 20. Mai 20.00 Uhr: „Medea*“ nach Sophokles, Inszenierung von Leonie Böhm, Schauspielhaus Zürich, HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Theatertreffens 2021 (nur im Livestream)
Freitag, 21. Mai 18:30 Uhr: „Reich des Todes“, Inszenierung von Karin Beier, Deutsches SchauSpielHaus Hamburg, HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Theatertreffens 2021 (nur im Livestream)
Samstag, 22. Mai, 20:00 Uhr: „Der Zauberberg“, Inszenierung von Sebastian Hartmann, Deutsches Theater Berlin, HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Theatertreffens 2021 (nur im Livestream)
Sonntag, 23. Mai, 18:00 Uhr bis 01:30 Uhr: „NAME HER, Eine Suche nach den Frauen“, Inszenierung von Marie Schleef, Ballhaus Ost, HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Theatertreffens 2021 (nur im Livestream)
Montag, 24. Mai Abschlussveranstaltung
Daneben gibt es einige weitere Streamings, ich rate zu einem Blick in das gesamte Programm, HIER!
Es gibt ja den Witz: Treffen sich zwei Planeten, sagt der eine zum anderen: „Hallo, wie geht es dir?“. Sagt der andere: „Nicht so gut, ich habe die Menschen …“ und kratzt sich. Sagt der andere wieder: „Naja, halt durch … das vergeht …“ Das ist die Grundstimmung der Inszenierung „Lear“ von Sebastian Hartmann, die vor wenigen Tagen – am 01. Mai – im Lifestream als einmaliges Event zu sehen war. Eine Inszenierung des Deutschen Theaters Berlin über den Menschen und die Welt, die er hinterlässt.
Die Bühnenfassung der Inszenierung, die aus bekannten Gründen seit Langem nicht zur Aufführung kommen konnte, lieferte das Grundmaterial für dieses Lifestreaming. Sebastian Hartmann hat aus deren „Material“ und Szenen Neues geschaffen. Schon in der Bühnenfassung kombinierte Sebastian Hartmann in einer düsteren Version “King Lear“ von William Shakespeare mit „Die Politiker“ von Wolfram Lotz. Entstanden ist nunmehr also eine besondere Streaming-Fassung. Ob sie noch einmal zu sehen sein wird, weiß ich nicht.
Es ist eine Mischung aus Theater und Film, was genau, kann man kaum sagen. Man kann aber fast meinen, es entwickelt sich derzeit – notgedrungen – ein neues Genre. Die Grenzen zwischen Theater und Film verwischen. Die Kombination bringt Neues hervor. Was man sieht, ist in diesem Fall wahrlich keine „Theateraufführung“, es ist natürlich kein reines Theatererlebnis. Es ist aber auch wahrlich kein „Film“, kein reines Filmerlebnis. Ein Hybrid. Sicherlich in diesem Fall auch getragen und geprägt von der besonderen Technik der Filmaufnahmen: Viele der Szenen sind durch doppelte Filmaufnahmen verzerrt oder besser gesagt: übereinander gelegt, Emotionen erzeugend, siehe das Foto weiter unten.
Doch auch die schauspielerischen Einsätze sind meines Erachtens durch diese Hybridform verändert. Die SchauspielerInnen kommen dem Zuschauer durch viele Aufnahmen deutlich näher! Auch das ist natürlich momentan nichts Neues, öfters werden Kameras während eine Aufführung über die Bühne geführt. Abgesehen davon aber, dass sie, die SchauspielerInnen, immer wieder durch lange Nahaufnahmen genau zu sehen waren und abgesehen davon, dass sie sich ohnehin fast durchgehend in Zeitlupentempo bewegten: Es wirkte, als würden sie nicht als Schauspieler agieren, sondern – natürlich – als „eigene Personen“ mit ihrem künstlerischen Engagement. Auch das ist natürlich an sich keineswegs etwas Neues, Schauspieler sind Künstler. Dennoch. In einer derartigen Kombination von Theater und Film wurde es irgendwie noch auffallender. Besonders vielleicht auch dadurch, dass die sehr eigenen filmischen Aufnahmen, dass die Langsamkeit der Inszenierung insgesamt und dass die – sich gegen Ende fast durchgehend wiederholende – dräuende Musik im Hintergrund alles, gerade die Ausdrücke der SchauspielerInnen sehr emotional machte, Emotionen forcierte. Fast bedrängend. Bedrängend auch durch die Düsternis des Themas.
Das Thema, das Sebastian Hartmann den beiden Werken „King Lear“ und „Die Politiker“ auferlegt, ist düster. Es geht anfangs kurz erkennbar um einen der beiden bekannten wesentlichen Handlungsstränge des „King Lear“, nämlich um den sterbenden König Lear, der sein Reich, seine Ländereien, unter seinen drei Töchtern aufteilt. Aus dem Buch „Die Politiker“ von Wolfram Lotz konnte ich nichts besonders erkennen, ich kenne das Buch nicht. Die Politiker reden, reden, reden, das scheint zum Ausdruck zu kommen. In Sebastian Hartmanns Inszenierung geht es nun aber nicht um einen König, sondern um den Menschen! Im Grunde darum: Was ein alter, schwacher und kranker Mann – der Vorfahre – den Kindern hinterlässt, nämlich eine kaputte Welt! Oder weiter gefasst: Was alle früheren Generationen des Menschen allgemein den nachfolgenden, künftigen Generationen hinterlassen haben und hinterlassen werden. Eben eine kaputte Welt!
„Es wird alles furchtbar, und auch das ist erst der Anfang“, so düster ist der Tenor der Inszenierung! Düstere Bilder, ein Krankenbett, düstere Musik, langsame Bewegungen, ein sterbender Mann im Bett – filmisch und persönlich meist gedoppelt durch Markwart Müller-Elmau und Michael Gerber – so stellt sich der Großteil der Inszenierung dar. Hier:
Videostill Stream, Copyright DT
Auch der Tod (Cordelia Wege) kommt zu Wort. Er redet mit dem Menschen: Du meintest, du kannst die Welt gestalten, Du warst hochnäsig … und so weiter. Im Grunde eine Abrechnung vor allem mit dem alten weißen Mann. Es bleibt am Ende aber kein depressives, kein desolates Gefühl zurück. Es bleibt offen. Das ist gut so. Im Hintergrund der fast leeren Bühne (die Bühne und die „Hinterräume“ des Deutschen Theater Berlin, auch Außenaufnahmen, werden in dieser Filmfassung miteinbezogen), steht ein riesiges, aus vielen schmalen Lamellen bestehendes, sich manchmal langsam drehendes Windrad. Das Rad des Lebens, siehe das Beitragsbild oben, optisch beeindruckend.
Die Inszenierung ist nicht leicht. Texte werden zunehmend schwieriger. Es ist keine Erzählung, es sind zunehmend Worte, die – fast mystisch – mehr und mehr aneinander gereiht werden. Das machte es nicht leicht, auch inhaltlich kompliziert. Und es wurde leider durch eine gewisse Wiederholung fast langatmig. Sofern man beim Thema „der Mensch und die Natur“ und „der Mensch und der Krieg“ und „der Mensch und seine Handlungsweise“ überhaupt von „langatmig“ reden darf.
Copyright des Beitragsbildes: VideoStill Stream DT
Bill Evans war ein ganz Großer des Jazz! Er gilt als einer der einflussreichsten Pianisten des Modern Jazz und war stilbildend für eine ganze Generation von Musikern. Viele Jahre lang spielte er jeweils zusammen mit zwei weiteren Musikern im Trio. Piano, Bass und Schlagzeug.
Geboren war er am 16. August 1929, gestorben ist er am 15. September 1980.
Die Aufnahme, die ich hier bringe, ist ein Solostück. „Peace Peace“. Es mag kein für ihn besonders typisches Stück sein. Ich bin kein absoluter Jazzkenner. Bill Evans brachte jedenfalls – geprägt vom Impressionismus – viel „Sensibilität“ in den Jazz und prägte ihn offenbar damit. Das ist auch in diesem Stück zu hören. „Peace Peace“ passt ohnehin gut in die Sammlung meiner Stücke auf dem Blog. Man müsste sicherlich über Bill Evans viel schreiben. Ich möchte es mir aber nicht anmaßen, ich kenne zu wenig von ihm. Bekannt wurde er etwa durch seine anfängliche Mitwirkung bei Miles Davies 1958/59.
Noch zwei Dinge möchte ich erwähnen: Begonnen hatte alles zusammen mit seinem Bruder, sie gingen dann aber getrennte Wege. Dennoch: Dessen Selbstmord 1979 war offenbar für Bill Evans der „Anfang vom Ende“. Und: Es scheint sogar ein Problem gewesen zu sein, dass Bill Evans als Jazzmusiker nicht dunkelhäutig war, sondern weiße Hautfarbe hatte!
Ich bringe hier also einfach dieses Stück. An Jazzmusik hatte ich bisher im Blog nur das Esbjörn Svensson Trio mit „Viaticum“ gebracht. Hier Bill Evans:
Für die Theaterfreunde unter uns gibt es in Kürze einige Gelegenheiten, schöne Dinge zu sehen. Ich möchte sie hier besonders ankündigen, damit sie nicht verpasst werden und man sich dann etwa ärgern muss. Man muss sich ja derzeit ohnehin schon über Einiges ärgern.
Berliner Theatertreffen 2021:
Zum einen bieten das Berliner Theatertreffen 2021 und – auch dieses Jahr wieder – 3sat in diesem Jahr aus gegebenem Anlass insgesamt alle Aufführungen, die eingeladen wurden, als Streaming an. Alle zehn Inszenierungen der berüchtigten 10er-Auswahl sind so zu sehen, was ja sonst nicht möglich ist. Das diesjährige Streamingangebot geht allerdings noch weit darüber hinaus. Es lohnt sich, das Programm genau durchzusehen. Es ist so viel, ich verlinke HIER auf den Kalender des Theatertreffens 2021. Das Theatertreffen beginnt am 13. Mai 2021 und endet am 24. Mai 2021. Ich werde sicherlich über einige Inszenierungen und Streamings schreiben.
KingLear und Die Politiker:
Meine zweite Ankündigung: Er, Sebastian Hartmann, wurde zum diesjährigen Theatertreffen in Berlin mit seiner Inszenierung “Der Zauberberg“ von Thomas Mann eingeladen. Siehe oben. Die Inszenierung wird, wie gesagt, im Rahmen des Theaterteffens in Berlin als Streaming zu sehen sein. Es ist eine Inszenierung des Deutschen Theaters Berlin. Sebastian Hartmann hatte aber in letzter Zeit (vor Corona) am Deutschen Theater Berlin auch eine weitere Inszenierung: Eine Art Kombination aus „King Lear“ von William Shakespeare und „Die Politiker“ von Wolfram Lotz. HIER der Link zur Stückeseite dieser Inszenierung auf der Website des Deutschen Theaters Berlin. Die Szenen und Bilder, die Sebastian Hartmann mit dieser Inszenierung vor knapp zwei Jahren aufrief, erscheinen heute, in pandemischen Zeiten, „irritierender und gegenwärtiger denn je“, heißt es in der Ankündigung des Deutschen Theaters Berlin zum Streaming, das jetzt am 01. Mai um 20.00 Uhr zu sehen ist! Der Livestream wird einmalig ausgestrahlt. Angesichts der momentanen Unmöglichkeit, analog zu spielen, begegnen der Regisseur und das Ensemble der Inszenierung einmalig neu und transformieren sie in einen Livestream. HIER der Link zur Seite dieses besonderen Streamings. Und HIER der Link zu einem Gespräch mit Sebastian Hartmann über diese Livepremiere am 1. Mai. Sebastian Hartmann findet meines Erachtens immer wieder zu dem, was er sagen will, wunderbare Worte. Nicht aufdringlich, nicht eingebildet, nicht auf Überzeugung anderer angelegt, sehr durchdacht. Ich werde sicher über meine Eindrücke vom Streaming schreiben.
Ich habe schon vor langer Zeit hier im Blog das Original von Bob Dylan gebracht: „Knockin‘ on Heaven’s Door“. Hier folgt nun eine Version des Songs von Tracy Chapman, sie gefällt mir auch. 44 Millionen „Tonträger“ hat sie bisher verkauft, auch nicht so schlecht, mehr als ich!
Sie ist 1964 geboren und wurde ja 1988 schlagartig fast weltweit bekannt. Es war ihr Auftritt beim „Nelson Mandela 70th Birthday Tribute Concert“ zum 70. Geburtstag des südafrikanischen Freiheitskämpfers am 11. Juni 1988 im Wembley-Stadion in London. Sie hatte dort sogar gleich zwei Auftritte. Da Stevie Wonder wegen technischer Probleme seinen Auftritt abbrechen musste, wurde sie vom Veranstalter gebeten, ein zweites Mal auf die Bühne zu gehen, um die entstandene Pause zu überbrücken.
Hier also ihre Version von Knockin‘ on Heaven’s Door. Diese Version endet übrigens nach Minute 4:40, dann folgt fast 3 Minuten lang Applaus. Es war offenbar ihr letzter Song des Abends.
Und: Tracy Chapman führte Ben E. Kings „Stand By Me“ in einer der letzten Episoden der Late Show von David Letterman im April 2015 auf. Auch diese Version bringe ich hier. Ich finde ihre Stimme dort fast noch besser! Sie hat noch das unverwechselbare Timbre in der Stmme, aber irgendwie noch etwas ruhiger, melancholischer. Man mag sagen, Tracy Chapman ist etwas schnulzig. Nein gut, sei’s drum. Ich finde ihre Stimme trotzdem interessant. Und zwischen beiden Aufnahmen liegen wahrscheinlich gute 25 Jahre!