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LITERATUR: Andreas Maier – Wäldchestag

Seit ich „Wäldchestag“ von Andreas Maier vor vielen Jahren (2002 erschienen) zum ersten Mal gelesen hatte, habe ich alle weiteren Bücher von Andreas Maier gelesen. Und das sind mittlerweile einige.

Er ist einer meiner Lieblingsautoren geworden. Ich mag unaufgeregte Geschichten, nichts Gestelztes, das einfache Lebens, das dann durch eine irgendwie besondere Sichtweise interessant geschildert wird. Es steckt ja im Grunde immer alles in allem, auch in kleinsten und banalsten Situationen.

Andreas Maier liest sich in diesem Buch „Wäldchestag“ auch ein bisschen wie Thomas Bernhard. Thomas Bernhard hatte ja eine ähnliche Herangehensweise: Nichts passiert, aber Thomas Bernhard konnte darüber höchst vorzüglich schreiben.

Er hat über Thomas Bernhard promoviert. Er schreibt also – früher tatsächlich manchmal an Thomas Bernard erinnernd, mittlerweile mit einem sehr eigenen Stil – köstlich über banale Einzelheiten, die viele LeserInnen wahrscheinlich genau so erlebt haben werden. Jeder geht ja einmal über eine Straße.

Andreas Maier stammt aus der Wetterau in Hessen, der Begriff „Wäldchestag“ kommt von „Wald“, es ist ein jährliches Waldfest in der Nähe von Frankfurt!

Anfangs hatte Andreas Maier in seinem schriftstellerischen Tun noch die Wetterau als Ort des Geschehens seiner Romane verlassen. Der (ebenfalls sehr köstliche) Roman Klausen spielt im norditalienischen Ort Klausen neben der Brennerautobahn. Der spätere Roman Sanssouci spielt in Potsdam.

Im Lauf der Jahre hat sich Andreas Maier schriftstellerisch mehr und mehr in die Wetterau zurückgezogen. In einer Reihe von elf kleinen Büchlein erzählte er in den letzten Jahren über seine dortige Kindheit und Jugend. Ein bisschen auch über sein Studium in Frankfurt. Die Reihe ist noch nicht ganz abgeschlossen.

HIER der Link zur Autorenseite von Andreas Meyer beim Suhrkamp Verlag.

In dem Roman „Wäldchestag“ geht es um den alten Sebastian Adomeit, einen intellektuellen Einzelgänger, der in Niederflorstadt in der Wetterau lebte und nun dort gestorben ist. Alle sind aufgeregt und verärgert, da seine Beerdigung ausgerechnet am Pfingstmontag und die Testamentseröffnung am Pfingstdienstag, dem „Wäldchestag“, stattfinden. In den Gesprächen der Beteiligten, denen man folgt, geht es immer wieder um Gerüchte über den Sonderling Sebastian Adomeit, der als Konsumverweigerer in gewisser Weise immer neben dem üblichen Geschehen im Dorf lebte. Niemand kannte ihn richtig, viele meinen aber, ihn doch gekannt zu haben oder interpretieren ihn. Und man verfolgt das ständige Gerede der Einwohner übereinander, jeder wundert sich Im Grunde immer wieder über den anderen, man versteht ja den „anderen“ nie.

Der Roman ist schon deshalb besonders, weil er von Beginn an bis zum letzten Wort (Seite 315 der Taschenbuchausgabe) in indirekte Rede, im Konjunktiv, geschrieben ist. Wie etwa: „Er habe dann gesagt, er sei müde, und sei gegangen. Zuhause habe er noch ein Bier getrunken“ oder ähnlich. Alles wird erzählt aus Sicht eines Bekannten von Adomeit, dem Antragsteller.

Und das Buch ist besonders, weil es in diesem Buch keinen einzigen Absatz gibt. Es sind drei Kapitel, alle sind aber komplett ohne Absatz durchgeschrieben. Man könnte meinen, das sei beschwerlich. Ist es aber nicht.

Das Buch entwickelte sich auch jetzt wieder bei mir geradezu zu einem „pageturner“, obwohl es wahrlich nur um Banalitäten geht. Man will wissen, was im Testament von Sebastian Adomeit steht. Man erfährt es erst auf den letzten Seiten. Man will wissen, was alles bis zur Testamentseröffnung passiert – oder nicht passiert, wer was denkt usw.

Auch das ist dabei köstlich: In den banalste Szenen und Gespräche werden immer wieder die weisesten Weltanschauungen der verschiedenen Beteiligten geäußert.

Für mich war es also wieder eine Lesefreude!

Hier eine Leseprobe:

Und HIER der Link zur Buchseite von „Wäldchestag“ beim Suhrkamp Verlag.

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MUSIK: Shervin Hadjipour – Baraje

Man hörte in diesen Tagen wieder etwas weniger davon. In den letzten Monaten wurde im Iran recht heftig gegen das islamische Regime und für Frauenrechte, aber auch allgemein für mehr Menschenrechte demonstriert. Auslöser der Demonstrationen war der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini Mitte September.

Die Sittenpolizei hatte sie wegen ihres angeblich „unislamischen Outfits“ festgenommen. Was mit Amini danach geschah, ist unklar. Sie fiel ins Koma und starb am 16. September in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben.

Dann kam es zu Demonstrationen. Und dann veröffentlichte der junge iranische Musiker Schervin Hajipour einen Song, in dem er die Forderungen der hauptsächlich jungen Demonstrierenden musikalisch zusammenfasst.

Den Songtext hat Schervin Hajipour aus Online-Kommentaren von iranischen Demonstranten zusammengesetzt, in denen sie begründen, warum sie auf die Straße gehen. „Für die Sehnsucht nach einem normalen Leben, für Tanzen auf den Straßen, für Küssen ohne Angst, für die verrosteten Köpfe“, lauten Teile des Songs.

Das Lied wurde rasant zur inoffiziellen Hymne der Proteste im Iran. Es wird mittlerweile weltweit gehört. Wenige Tage nach Veröffentlichung wurde der 25-jährige Schervin Hajipour festgenommen. Gegen eine Kaution kam er frei und distanzierte sich auf Instagram von seinem Song. Als Reaktion wurde auf Twitter vorgeschlagen dem Lied eine neue Zeile hinzuzufügen: „Wegen erzwungener Instagram Stories.“

Jeder sollte diesen Song hören, heißt es. Der Text des Liedes:

  • Für das Tanzen auf der Straße
  • Für die Angst sich zu küssen
  • Für meine Schwester, deine Schwester und unseren Schwestern
  • Für den Wechsel alter Werte
  • Für die Scham, für die Armut
  • Für die Sehnsucht nach einem normalen Leben
  • Für ein Kind, das im Müll wühlt und seine Träume
  • Für die korrupte Wirtschaft
  • Für die Luftverschmutzung
  • Für „ValiAsr“ und alle trockenen Bäume
  • Für den Pirouz und sein mögliches Aussterben
  • Für die unschuldigen verbotenen Hunde
  • Für die Wiederholung solcher Momente und Bilder
  • Für das Weinen ohne Ende
  • Für ein lachendes Gesicht
  • Für die Studierenden, für die Zukunft
  • Für das aufgezwungene Paradies
  • Für diejenigen, die im Gefängnis sind
  • Für die afghanischen Kinder
  • Für das wiederholende FÜR
  • Für alle leeren Paroli
  • Für den Schutt der billig gebauten Häuser
  • Für den Seelenfrieden
  • Für die Sonne nach langen Nächten
  • Für Beruhigungspillen und Schlaflosigkeit
  • Für den Mensch, das Heimatland und die Ortschaft
  • Für das Mädchen, das sich wünschte ein Junge zu sein
  • Für die Frau, das Leben, die Freiheit
  • Für Freiheit
  • Für Freiheit
  • Für Freiheit

Baraje heißt „für“ und „wegen“.

Das Original des Liedes ist hier, zwei weitere Versionen siehe unten!

HIER noch der Link zu einem Artikel vom 04.11.2022 auf „Deutschlandfunk“, in dem weitere Musikbeispiele aus dem Iran genannt werden und verlinkt sind. Die Journalistin Natalie Amiri etwa sagte dem „Deutschlandfunk“: „All das, was die Islamische Republik dem Volk in den 43 Jahren ihres Bestehens angetan hat, kommt in dem Lied vor.“

HIER auch noch der Link zu einem Artikel des Bayerischen Rundfunks/Zündfunk ebenfalls zu diesem Lied mit weiteren Beispielen entsprechender iranische Musik.

Auch Coldplay spielte an zwei Abenden – am 29./30. Oktober 2022 – ein Cover dieses Liedes auf einem Konzert in Argentinien, das live in 81 Länder übertragen wurde. Den persischen Text – er ist vielleicht etwas verlängert, es sind ganze Sätze, es ist aber Zeile für Zeile derselbe Inhalt! Vielleicht singt Scherwin Hadjipour aber auch schon ganze Sätze in seiner Originalversion? – sang dabei die iranische Schauspielerin Golshifteh Farahani. Das Lied beginnt im Video bei Minute 1:40.

Die zweite Coverversionen hier: Eine meines Erachtens sehr schön gesungene englischsprachige Version der US-Amerikanerin Rana Mansour, deren Eltern aus dem Iran geflohen waren:

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Alles Gute für das kommende Jahr!

Ich wünsche heute allen einen ruten Gutsch und alles Gute für das Neue Jahr 2032!

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MUSIK: Roger Waters – Comfortably Numb 2022

Darf man Roger Waters bringen? Er ist nicht nur bekannt für seine Anti-Israel-Haltung, sondern hat sich kürzlich in einem Brief an die Ehefrau von Staatspräsident Selenski mit Blick auf den Ukraine-Krieg auch noch klar pro-russisch positioniert. Roger Waters, Gründungsmitglied von Pink Floyd, hatte kürzlich eine neue Version des Songs „Comfortably Numb“ veröffentlicht. Klar darf man, finde ich zumindest mit Blick auf seine Ukraineäußerungen. Meinungsfreiheit! Bei Israel sehe ich es anders!

Also hier mit klarer Absage an seine m. E. zu radikale (siehe unten) Israel-Haltung: „Comfortably Numb 2022“ – seine neue Version. Eine Version mit tieferem Sound, sehr düsterem Video und in düsterer Endzeitstimmung. Roger Waters bringt die Version als Opener seiner derzeitigen Tournee „This Is Not A Drill“. Als Tourdaten für Deutschland im Mai 2023 sind folgende Termine geplant:

  • 07. Mai: Barclays Arena, Hamburg
  • 09. Mai: LANXESS arena, Köln
  • 17. Mai: Mercedes-Benz Arena, Berlin
  • 21. Mai: Olympiahalle, München
  • 28. Mai: Festhalle, Frankfurt

Es ist aber nicht klar, ob diese Konzerte so stattfinden werden! Nach seinen oben erwähnten Äußerungen zum Ukrainekrieg, auch zu Musikkollegen (AC/DC) und zu Fragen um Israel/Palästina wird zunehmend eine Absage der obigen Termine überlegt. HIER etwa in München. HIER in Frankfurt. Im hier verlinkten Artikel zu Frankfurt heißt es:

In der Kritik steht der Musiker, weil er seit vielen Jahren die israelfeindliche Bewegung BDS (Boycott, Divestment, Sanctions) unterstützt, die zu einem umfassenden Boykott des Staates Israels aufruft. Schon lange wird Waters vorgeworfen, judenfeindliche Ressentiments zu schüren – etwa indem er bei seinen Konzerten ein Kunststoff-Schwein mit einem Davidstern durch die Halle fliegen ließ. 

HIER ein Artikel in „Rolling Stones“ über die neue Version des Songs mit Links zu den politischen Fragwürdigkeiten.

Schön – wenn auch extrem düster (was ja derzeit als Blick auf die Welt [Krieg, Klima …] auch verständlich ist) – ist die neue Version des Songs aber schon, nicht zuletzt wegen des Gesangssolos von Shanay Johnson gegen Ende des Songs.

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THEATER: L7L – Die Sieben Irren

L7L steht für „Los Siete Locos“, den Titel des Romans „Die Sieben Irren“ des Argentiniers Bernardo Arlt, zu dem es derzeit an den Münchner Kammerspielen eine Inszenierung gibt. L7L ist hier das Logo eines Geheimbundes von sieben „Irren“.

„Die Sieben Irren“ ist ein argentinischer Großstadtroman aus dem Jahre 1929 – in Argentinien ein Klassiker, der mit „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin (etwa gleiche Zeit) verglichen wird. Die Inszenierung in München bringt das Kürzel L7L im Titel der Inszenierung: „L7L – Die Sieben Irren“ heißt sie.

Die Münchner Kammerspiele haben sich der Internationalisierung verschrieben. Um das Programm der Münchner Kammerspiele vor allem verstehen zu können, muss man allerdings im Grunde vielsprachig begabt sein. Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Polnisch (vermute ich) … auch Schriftzeichen anderer Sprachen (Griechisch, kyrillisch …) werden gerne einmal verwendet. Ob das andererseits einer „Öffnung des Theaters“ für Menschen, die nicht so oft ins Theater gehen, gerecht wird, kann ich nicht beurteilen, vielleicht lockt es jüngere Menschen. Es kann aber auch recht ratlos zurücklassen … Trotzdem: Der Ansatz/die Idee der Internationalisierung ist jedenfalls nicht nur wertvoll, interessant, öffnet den Blick, es ist auch hilfreich und notwendig.

Es ergab sich nun jedenfalls, dass der argentinische Romanklassiker „Die Sieben Irren“ von Roberto Arlt aus dem Jahre 1929 an den Münchner Kammerspielen (Therese-Giese-Halle) auf die Bühne gebracht wurde und gebracht wird. Von anderen Aufführungen dieses Romans auf deutschen Bühnen ist mir nichts bekannt. Haben wir hier die Deutschlandpremiere?

Es ist allerdings nun nicht so, dass hier ein[e] deutsche[r]/europäische[r] Regisseur/Regisseurin diesen argentinischen Romans auf die Münchner Bühne bringt. Es ist ein ARGENTINIER, Alejandro Tantanian. Ich erinnere mich kurz an eine Inszenierung der Münchner Kammerspiele von vor einigen Jahren (etwa vor vier Jahren): Der IRANER Koohestani hatte damals den ENGLISCHEN/WESTLICHEN absoluten Klassiker „Macbeth“ von William Shakespeare auf die Bühne der Kammerspiele gebracht. Das war ein voller Clash der Kulturen. Die islamische Welt und die westliche Kultur. Hier nun – im Fall von „L7L – Die Sieben Irren“ – ist der Clash nicht ganz so erheblich. Für einen ARGENTINIER ist der Roman „Die Sieben Irren“ von Roberto Arlt ein Heimspiel, ein Klassiker wie etwa der Roman „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin für einen Deutschen.

Man müsste auch durchaus scharf überlegen, worin Besonderheiten oder Spezialitäten einer argentinischen Inszenierung von „Die Sieben Irren“ liegen könnten. Vielleicht am ehesten im interessanten, fast chaotisch und vielschichtig liebevoll gestalteten Bühnenbild, einer Art „Werkstattsituation“ in der ohnehin werkstattähnlichen Therese-Giese-Halle. Das Bühnenbild wurde von der in ARGENTINIEN geborenen Italienerin Oria Puppo entworfen. Oder im Zusammenspiel von Schauspiel und Film/Video – was an sich nichts Neues ist, hier aber sehr schöne verschiedene Einsätze findet. Nicht nur, dass teilweise eine Handkamera auf der Bühne im Einsatz ist, es sind auch viele großflächige Videoszenen im Hintergrund des Bühnengeschehens oder über der Bühne zu verfolgen, teils auf mehreren kleinen Videoflächen. Auch irgendwie chaotisch, aber immer auch kreativ zugleich.

Etwa, wenn eine Zeit lang nur minimal zeitversetzt eine Probenfassung des Abends hinter dem Bühnengeschehen in Schwarzweißaufnahme stumm auf ganzer Bühnenbreite mitläuft. Man sieht so zwei Fassungen von Szenen, passend zur gewollten Zeitneutralität der Herangehensweise an das Thema in dieser Inszenierung.

Und „schon“ bin ich beim Inhalt des Abends: Es geht zwar im Roman um verrückte Menschen im Grossstadtwirrwarr von Buenos Aires in den Zwanzigerjahren. Vergangenheit in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg. Eine Gruppe, die eine revolutionäre Zelle bildet und einen Umsturz anstrebt. Hier in München an den Kammerspielen wird dagegen in verschiedener Hinsicht versucht, das Entstehen revolutionärer Zellen („faschistischer“ Zellen, was ja zunächst allgemein „Bündnis“ bedeutet) allgemeiner zeitlos zu greifen. Es ist ja immer wieder aktuell, siehe zuletzt „Sturm aufs Kapitol“ oder „Reichsbürger“. Deshalb heißt der Abend hier an den Kammerspielen im Untertitel „Ein Projekt von Alejandro Tantanian und Oria Puppo“. Die Namen der Personen des Romans sind für die Inszenierung auch geändert. Die Frage soll nämlich allgemein lauten: Wie kommt es zu solchen „Bündnissen“?

Es geht im Stück viel um gedemütigte und erniedrigte Menschen. Zusätzlich kommen bei jedem dieser Sieben Irren persönliche Befindlichkeiten dazu. Befindlichkeiten, die natürlich sensibel machen, sich dem Bündnis anzuschließen. Wut, Traurigkeit, Idealismus…

Der Roman bringt dabei viele allgemeine Lebensweisheiten, die nicht sofort politisch in Richtung Umsturz gedeutet werden können. Es sind Lebensweisheiten, auch wenn sie recht düster sind. Ich wollte mir diese Lebensweisheiten und den Text insgesamt bei einer zweiten Vorstellung heute, Mittwoch, 14. Dezember, noch einmal anhören, die Vorstellung fällt leider aus.

So schreibe ich hier zunächst diesen recht allgemein gehaltenen Beitrag und werde ihn nachträglich ergänzen. Wahrscheinlich aber erst nach Neujahr.

HIER noch der Link zu einer Besprechung des Romans in damals neuer Übersetzung seitens des Deutschlandfunks aus 2018.

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele.

Copyright des Beitragsbildes: Judith Buss

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SONSTIGES: Elfriede Jelinek – Der Film

Elfriede Jelinek – Die Sprache von der Leine lassen – so heißt der Film, der derzeit (ACHTUNG – sicher nicht mehr lange!) in ausgewählten Kinos zu sehen ist. Der Film ist natürlich interessant für Theaterfreunde, obwohl Elfriede Jelinek ihre Stücke ja nicht speziell für die Bühne geschrieben hat. Zu ihren Texten gibt es aber immer schon Inszenierungen.

Ich kenne leider nur zwei Inszenierungen zu ihren Texten: „Am Königsweg“ (Inszenierung am SchauspielHaus Hamburg, HIER ein Trailer) und „Wut“ (Inszenierung an den Münchner Kammerspielen). Einar Schleef war wohl ihr Lieblingsregisseur. An weitere Inszenierungen ihrer Texte an den Münchner Kammerspielen (etwa die Werke Rechnitz, Die Straße, die Stadt, der Überfall, Das schweigende Mädchen) kann ich mich irgendwie nicht mehr erinnern, obwohl sie an den Münchner Kammerspielen liefern.

In diesem Beitrag bringe ich einige Links, die es ermöglichen, Elfriede Jelinek vielleicht ein wenig zu verstehen. Schwer genug!

HIER etwa ein Gespräch mit Elfriede Jelinek nach dem Tod von Einar Schleef.

Und hier bei dieser Gelegenheit zunächst ein schöner Song aus der Inszenierung „Am Königsweg“, gesungen von Benny Claessens: Die Inszenierung vom SchauspielHaus Hamburg, war ja eingeladen zum Berliner Theatertreffen. Ausschnitte von „Am Königsweg“ sieht man über den Link unten zum „weiteren Porträt“. Claessens kann wahrlich nicht singen, aber trotzdem:

Den Film „Elfriede Jelinek“ hatte ich mir am vergangenen Sonntagmittag im Münchner Theatiner Filmtheater angesehen, das einem schon wegen seiner Kleinheit, seiner – gewissermaßen -„Zurückgezogenheit“ und seines ausgewählten Programmes immer wieder gefallen kann! HIER der Link zur Website des Kinos.

Die Regisseurin und Autorin des Films „Elfriede Jelinek – Die Sprache von der Leine lassen“, Claudia Müller, sagt in einem Gespräch über ihren Film (HIER das Gespräch), sie möchte den Zuschauer hungrig zurücklassen mit der Idee: „Ich möchte etwas von Elfriede Jelinek lesen“. So ist es auch! Man kann Elfriede Jelinek nach diesem Film natürlich in keiner Weise vollständig – wenn überhaupt – verstehen. Auch ich werde mir sicherlich demnächst ein Buch von Elfriede Jelinek zur Hand nehmen.

In zumeist auffallend ruhiger Art und Weise versucht der Film jedenfalls, der Person Elfriede Jelinek näher zu kommen. „Auffallend ruhig“ deshalb, weil die mir bekannten Inszenierungen ihrer Texte auf der Bühne zu recht unverständlichem Chaos und zu Wildheit neigten. Die Steiermark, ihre Heimat. Elfriede Jelinek ist ansich ja bekannt dafür, dass sie alles andere als Ruhe gibt, doch der Film schafft oft Ruhe und damit Konzentration auf sie und ihre Texte. Im Film werden Ausschnitte aus ihren Texten von SchauspielerInnen wie Ilse Ritter, Sandra Hüller, Stefanie Reinsperger etc. zitiert. Der Film versucht nicht, das Leben von Elfriede Jelinek chronologisch abzuarbeiten, es sind jede Menge Zeitsprünge enthalten. Es beginnt mit der Verleihung des Literaturnobelpreises im Jahre 2004. Deutlich wird dann doch erst einmal gezeigt, dass ihre Kindheit und Jugend, in der sie von ihrer Mutter wohl übermäßig zu allen möglichen Kunstleistungen verpflichtet wurde, sehr prägend für ihr weiteres Leben waren und ihr diesen doch distanzierten Blick auf das Leben gegeben haben müssen. Die Sprache war – sagt sie – noch das einzige Feld, das für sie frei war.

Das Besondere ist dabei, wie sie Worte wählt, welche Worte sie wählt, wie sie sich ausdrückt! Sie hat – erlebt man auch im Film – eine unglaubliche Distanz zum normalen Leben, beschreibt es aber in vielen Einzelheiten und Tendenzen, ist also gleichzeitig dicht dran am Leben. Das ist bemerkenswert. Der Film zeigt auch, dass sie oft/meist politisch agierte. Vor allem zeigt er ihre Auseinandersetzung mit der an Österreich klebenden faschistischen Vergangenheit. Stichworte sind Haider, Waldheim, Rechnitz. Bevor der Film diese politische Ausrichtung wieder verlässt.

Elfriede Jelinek hat sich nach Erhalt des Literaturnobelpreises aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Schon an der Verleihung des Literaturnobelpreises in Schweden konnte sie nicht teilnehmen. Vor allem wollte sie vermeiden, über ihre eigenen Stücke zu reden und sie damit zu schwächen, wie sie meint. Zumindest hat sie zu dem Film „Elfriede Jelinek“ – nachdem sie ihn gesehen hatte – auf Wunsch der Regisseurin in einem Brief Stellung genommen – und sie hat auch hier wieder sehr besondere Worte gefunden. Der Brief wurde in der ZEIT und im STANDARD veröffentlicht.

HIER ist der Link zu diesem Brief.

HIER wird der Brief von Stefanie Reinsperger gelesen.

HIER ist noch ein Trailer zum Film.

Und HIER ist ein interessantes weiteres neueres „Porträt“ von Elfriede Jelinek (aus 2021) zu sehen.

An Elfriede Jelinek rauscht ihre Welt vorbei, die sie skeptisch/pessimistisch betrachtet, und sie findet zu alledem besondere, ganz besondere Worte! Nicht an Fiktionen, an ihren Realitäten arbeitete sie sich ab. Amerika, Österreich, Tourismus, Faschismus, Pornographie, vieles vieles mehr. Sie formuliert und benennt die Dinge so, wie sie kaum jemand formuliert.

HIER noch der Wikipediaeintrag zu Elfriede Jelinek, der ihre unglaubliche frühere Schaffenskraft zeigt.

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ANKÜNDIGUNG: „Vögel“ am Sonntag im Streaming

DAS ERFOLGREICHE STÜCK „VÖGEL“ VON WAJDI MOUAWAD IST JA KÜRZLICH VOM METROPOLTHEATER ZUNÄCHST AUSGESETZT WORDEN WEGEN ANGEBLICH ANTISEMITISCHER ÄUSSERUNGEN! ICH WEIß NICHT, WELCHE ÄUSSERUNGEN INSGESAMT GEMEINT SIND, MIR WAR NICHTS AUFGEFALLEN.

Die jüdische Großmutter sagt einmal: “Scheiß KZ“ (oder ähnlich). Das kann ja wohl nicht antisemitisch sein. Auch die Erzählung inhaltlich: Ein jüdischer Soldat rettet im Libanonkrieg ein palästinensisches Baby, das Palästinenserkind wächst bei den Juden auf, auch dessen Kind meint, jüdisch zu sein, bis alles auffliegt. Ich weiß nicht, was daran antisemitisch war. Eine weitere Stelle wird genannt: Die Aussage „Wenn Traumata Spuren in den Genen hinterließen, die wir unseren Kindern vererben, glaubst du, unser Volk ließe dann heute ein anderes die Unterdrückung erleiden, die es selbst erlitten hat?“ Ist das gleich antisemitisch? Doch nur dann, wenn die Antwort „Ja“ käme, oder? Verstehe ich nicht ganz.

An diesem Sonntag, zweiter Advent, 4. Dezember 2022, bringt das Schauspiel Köln ausnahmsweise von 16.00 Uhr bis 00.00 Uhr ein Streaming dieses Stückes. HIER der Link zur Stückeseite am Schauspiel Köln.

Schon 2019 wurde das Stück „Vögel“ am Schauspiel Köln inszeniert. Für das Streaming am Sonntag gibt es eine besondere Fassung:

Für die digitale Umsetzung des Stückes am Sonntag hat sich der damalige Regisseur Stefan Bachmann den Kameramann Andreas Deinert an die Seite geholt (Deinert arbeitet als Bühnen-Live-Kameramann und Videodesigner u. a. für Frank Castorf). Er verwendet für das Streaming von „Vögel“ verschiedene Split Screens, um Szenen narrativ zuzuspitzen und gleichzeitig den subjektiven Blick der Zuschauer*innen vom Bühnenraum ins Digitale zu übertragen.

Ansehen und urteilen! Textlich dürfte das Metropoltheater in München ja nichts anderes gebracht haben.

HIER der Link zu meiner damaligen Besprechung der Inszenierung „Vögel“ am Metropoltheater.

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THEATER: Jan-Christoph Gockel, Komi Togbonou – Wir Schwarzen müssen zusammenhalten, eine Erwiderung

Ich habe es mir erst jetzt angesehen, die Premiere war schon im März 2021! Ein „kleineres“ Stück im Werkraum, der kleinsten Bühne der Münchner Kammerspiele. Es wird wieder gebracht am 12. und 13. Dezember.

Entwickelt von togoischen Künstler*innen und einem Team der Münchner Kammerspiele, eine „internationale Stückeentwicklung“, heißt es, mit Liveschaltung nach Togo, ein „doku-fiktionales Mash-up aus Schauspiel, Puppenspiel, Comic und Film, die Zeitreise einer futuristischen Geisterjägerin“, heißt es weiter im Programm.

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele. Dort finden sich auch zwei kürzere Videos zum Stück.

Kurze Eindrücke:

Zum Thema: Die deutsche Kolonialzeit und das deutsche/bayerische Verhalten bis heute. Die Einführung des Bieres in Togo! Ein bayrisches Unternehmen („Marox“) und seine Geschäfte in Togo! Franz Josef Strauß auf Wildjagd in Togo! Jahre davor die Kolonialzeit mit Massenmorden! Herero etc. Gegen Ende des Abends wird die schöne Marionette von Franz Josef Strauß immer kleiner, bis sie in der Hand von Komi Togbonou verschwindet.

Ästhetisch ist es kein „Ereignis“. Ein schlampiges, völlig chaotisches Bühnenbild. Eine geziegelte Mauer, die die Bühne halb abtrennt, ein langer Tisch, Stühle, Computer, ein Mischpult, Akten, eine Öffnung in der hinteren Bühnenwand, alles Mögliche! Dazu eine Leinwand vorne und eine Leinwand hinten (Togo live!). Auch die Kostümierung ist wild bis lustig! Ein Eishockeyspieler aus Rosenheim (Sponsor „Marox“, das Unternehmen, das in Togo gute Geschäfte macht) neben Komi Togbonou in Kolonialherrentracht und dem pseudoutopischen Zukunftsdress der „Zeitreisenden“. Aber es war passend so an diesem Abend. Es ist ein relativ humorvoller und wilder Abend zu ernstem Thema: Deutschland und seine Kolonialzeit in Togo.

Beeindruckend ist die Puppengestalt von Franz Josef Strauß. Es geht ja vor allem um Franz Josef Strauß, der zur 100-jährigen „Freundschaft“ zwischen Bayern und Togo eben sagte: „Wir Schwarzen müssen zusammenhalten!“. Auch das hier sagte er: „… möchte ich zum Ausdruck bringen … „aftalabofta!“ Da hat er einfach recht! Siehe das Video hier. Einen kurzen Ausschnitt daraus hört man auch in der Inszenierung.

Überzeugend spielt übrigens vor allem auch Nancy Mensah-Offei, die „Zeitreisende“.

SCHNELLES FAZIT: Man merkt: Es ist – bei allem „Wahnsinn“ des kleinen Abends – eine insgesamt „runde Sache“ geworden. Schön, dass man nicht immer alles bitterernst anpackt, auch wenn man die Ernsthaftigkeit des Themas deutlich erkennt! Vielleicht erwischt einen ein solches Thema dann viel eher!

Copyright des Beitragsbildes: Thomas Aurin

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THEATER: Nuran David Calis – Das Erbe

Am Mittwoch, den 23.11. 2022, war Premiere an den Münchner Kammerspielen. Genau 30 Jahre nach den rassistischen Brandanschlägen auf die Wohnhäuser von mehreren aus der Türkei eingewanderten Familien in Mölln. Nuran David Calis nimmt dies zum Anlass, im Grunde sehr krass über die Erinnerungskultur in Deutschland nachzudenken und ein Stück zu entwickeln. Das Stück „Das Erbe“, das jetzt an den Münchner Kammerspielen seine Uraufführung hatte.

Die Inszenierung ist Teil des derzeit an den Münchner Kammerspielen laufenden „Erinnerungsfestivals“ – „Erinnerung als Arbeit an der Gegenwart“. An rund 50 Tagen will man mit Aufführungen und Aktionen verschiedenster Art „zur Erinnerungsarbeit beitragen“. HIER der Link zur Seite des Erinnerungsfestivals auf der Website der Münchner Kammerspiele.

Der Ansatz dieses Stückes sollte sein: Warum beschäftigen wir uns so wenig mit den Gefühlen der betroffenen türkischen Einwanderer, wenn es um rassistische Gewalt gegen sie geht. Warum beschäftigen wir uns mehr mit den Tätern, als den Opfern? Wie erleben/erlebten türkische Einwanderer derartige rassistische Angriffe? Wie erleben Sie Deutschland? Gute Fragen! „Deren Geschichten müssen angehört werden“, heißt es auch zurecht ganz am Schluss – bevor man nach dem Applaus auf der großen Leinwand auch sehr zurecht die Namen vieler Opfer rassistische Gewaltangriffe sieht!

Der Ansatz ist gut. Mit dem Stück „Das Erbe“ – „Eine Tragödie in drei Akten von Nuran David Calis“ – wurde etwas versucht, es blieb aber fragwürdig. Vielleicht sollte es gerade deswegen angesehen werden. Bilden Sie sich eine eigene Meinung!

Das Stück ist meines Erachtens aber fragwürdig, weil:

Zum Ersten: Ist Theater der richtige Platz für eine intensive Beschäftigung mit Erinnerungskultur? Wird Theater damit nicht zu politisch? Zu realistisch? Natürlich darf Theater und muss Theater manchmal politisch werden. Schon Shakespeare war politisch. Ich persönlich mag es aber, wenn man im Theater politisch nicht zu sehr bedrängt wird. Für politische Thematisierungen gehe ich im Grunde nicht gerne ins Theater. Aber andererseits: Augen auf! Im Grunde ist das Theater doch für alles offen!

Fragwürdig zum Zweiten: Nuran David Calis‘ Stück enthält – aus der Sicht der in Istanbul lebenden Tochter einer reichen türkischen Einwandererfamilie – unglaublich krasse und direkte Vorwürfe gegen das „Scheißland“ Deutschland und auch gegen eine nicht erfolgte Integration. Wir würden sie irgendwann ohnehin alle vergessen. Wir lassen sie ja ohnehin an nichts teilnehmen. Wahlrecht? Nein! Steile Thesen, viele Vorwürfe, ohne Gegenrede! Aber auch hier: Man kann und sollte darüber nachdenken! Kennen wir die Einstellungen und Gefühlslage unserer türkischen Mitbürger wirklich? Kennen wir sie? Wollen wir sie kennen?

Fragwürdig zum Dritten: Die Familie kommt (1992) wegen der Beerdigung des Vaters und wegen der Testamentseröffnung in Deutschland zusammen. Die Familie ist steinreich – der gerade verstorbene Vater führte ein milliardenschweres Unternehmen, die private Villa ist 20 Millionen € wert -. In sehr ausladenden Filmsequenzen werden immer wieder auf großer Leinwand hochelegante und schicke Porträtaufnahmen der Familienmitglieder gezeigt. Porträtaufnahmen vor moderner Kunst. Soll das das Bild einer doch so gelungenen Karriere in Deutschland zeigen? Schick, elegant, reich? Soll das die doch so „gelungene Integration“ der türkischen Familie zeigen? Auch das Bühnengeschehen ist sehr ästhetisch gehalten. Hier etwa:

Fragwürdig zum Vierten: Es geht im Stück nicht nur um Erinnerung an die Opfer rassistische Gewalt in Deutschland. Es geht plötzlich in dieser relativ kurzen Inszenierung (1 Stunde 40 min) um viel mehr Themen – die offenbar das Thema der Erinnerungskultur als „Plot“ einrahmen sollten: Ein Familienstreit, die Rolle des erfolglosen Sohnes, eine lesbische Tochter, eine sterbenskranke Mutter, eben der gestorbene erfolgreiche Vater, ein DDR Flüchtling, Migration, Verantwortung gegenüber der Familie und und und. Viele Themen, die allesamt im Grunde viel zu kurz behandelt werden. Klingt nach Familienepos, konnte aber in dieser kurzen Zeit nicht gelingen!

Es war also ein fraglicher Abend, ein Abend zum totalen Scheitern von Integration, der im guten Ansatz stecken bleibt. Vielleicht eine viel zu kurz geratene Kurzfassung eines Familienepos. aber eben auch ein Grund, es sich anzusehen. Es gibt im Dezember verschiedene Aufführungstermine.

Copyright der Bilder: Krafft Angerer

Das Erbe von Nuran David Calis Uraufführung Regie & Choreographie: Pınar Karabulut Bühne: Aleksandra Pavlović Kostüme: Sara Giancane Musik: Daniel Murena Licht: Stephan Mariani Video: Su Steinmassl Dramaturgie: Mehdi Moradpou Mit: Elmira Bahrami, Zeynep Bozbay, Sema Poyraz, Edith Saldanha, Mehmet Sözer

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THEATER: Saša Stanišić – Herkunft

Nach einer kleinen Krankheitsphase schreibe ich noch über zwei Theaterbesuche, die ich kürzlich (kurz, bevor mich die Erkältungswelle erwischt hat) erleben konnte: „Herkunft“ von Saša Stanišić und „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ von Bertolt Brecht – zwei Inszenierungen am Münchner Volkstheater. Oben ein Bild des neuen Gebäudes des Volkstheaters.

Für „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ sehe ich im Programm weitere Vorstellungstermine, für „Herkunft“ nicht.

HIER der Link zur Website des Münchner Volkstheaters. Ich hatte erstmals Gelegenheit, diesen imposanten Neubau zu besuchen!

Zunächst über „Herkunft“ von Saša Stanišić: HIER speziell der Link zur Stückeseite von „Herkunft“ auf der Website des Münchner Volkstheaters.

Was ist „Herkunft“? Was zählt sie? Den Roman „Herkunft“ von Saša Stanišić auf die Bühne zu bringen ist nicht leicht. Es wurde verschiedentlich versucht und stellte sich immer wieder als schwierig dar. Der sehr persönliche Roman „Herkunft“ passt kaum auf die Bühne, meint man. Er wurde schon mehrfach inszeniert, beispielsweise HIER, im Herbst 2021, an Nationaltheater Mannheim, oder HIER, im Sommer 2021, am Thalia Theater Hamburg. Seit Herbst 2020 gibt/gab es nun auch am Münchner Volkstheater die Inszenierung von „Herkunft“.

Der Roman von Saša Stanišić war ein großer Erfolg, wurde 2019 mit dem Deutschen Buchpreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Es ist im Grunde ein trauriges, ernüchterndes Buch. Es geht nicht darum, was Herkunft ist – darum auch, es geht vielmehr mehr um das VERSCHWINDEN von Herkunft, das Verschwinden von Vergangenheit. Immer wieder geht es auch um das Sterben, um den Tod. Man könnte sagen: Saša Stanišić, geboren in Višegrad, Bosnien-Herzegowina, stößt mit diesem Buch Türen zu seiner eigenen Vergangenheit auf und muss immer wieder sehen, dass eigentlich alles verschwindet, verschwunden ist, sich aufgelöst hat – wie der Staat Jugoslawien. An einer Stelle – im Buch jedenfalls – sagt er auch sinngemäß: Man lebt nicht für die Vergangenheit, sondern für die Zukunft! Eine Art Fazit nach seiner Reise in die Auflösung. Saša Stanišic war noch im ehemaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien (unter Tito) geboren, 1978, er musste früh seine Heimat verlassen, landete 1992 in Heidelberg, lebt heute in Hamburg. Alle Orte und all die Zeitspannen spielen im Roman und auf der Bühne eine Rolle. In Oskoruša besuchte Saša Stanišic dann 2009 – darüber schreibt er besonders – erstmals seine Großmutter, die – zusammen mit ihrer Erinnerung und ihrer Vergangenheit – durch ihre Demenz ebenfalls mehr und mehr aus dem Leben verschwand. Alles verschwindet, was bleibt? Der Roman besteht aus Sequenzen, einzelnen Bildern, Erinnerungen, es ist keine zusammenhängende Geschichte.

Die Inszenierung am Münchner Volkstheater geht mit diese „Zerrupftheit“ schön um. Die durchweg jungen und so gut spielenden Schauspielerinnen und Schauspieler des Ensembles (Jakob Immervoll, Jan Meeno Jürgens, Jonathan Müller, Pola Jane O‘Mara, Nina Steils, Anne Stein) sind alle zusammen Saša Stanišic, schlüpfen auch – eher dezent – in die anderen Rollen, die Rolle der Großmutter von Saša Stanišic vor allem. Man erlebt die SchauspielerInnen als eine sehr gelungene Einheit. Man erlebt in der Bühnenfassung auch einige der Zeitensprünge gemäß dem Roman, aber sie werden schön zusammengehalten. Das Bühnenbild schafft es ebenfalls, nicht weiter zu verwirren. Alles ist zeitneutral gestaltet, nüchtern und klar auf der dunklen Bühne, verschiedene Funktionsgegenstände, eine rollbare Treppe, Overheadprojektoren, andere nicht zeitgebundene Dinge.

Buch und Inszenierung (Regie Felix Hafner) sind wortintensiv, es geht eben um die gedrängten persönlichen Eindrücke von Saša Stanišic. „Herkunft“ jeder Art war wohl immer schon das prägende Element im Leben von Saša Stanišic, es begann mit den verschiedenen ethnischen Herkünften im damaligen Jugoslawien. Herkunft war der Auslöser der Balkankriege (deren Zusammenhänge werden schön knapp und hilfreich im Programmheft des Abends zusammengefasst). Daneben durchzieht den Roman und vor allem die Inszenierung die prägende Frage nach familiärer Herkunft. Der Besuch der Großmutter, das Verschwinden des Großvaters, das Verschwinden der Vergangenheit. Das Verschwinden jeglicher Herkunft. All dem spürt Stanišic nach, auch wenn es – außer dem Verschwinden von allem – natürlich kein Ergebnis seiner Überlegungen gibt.

Eine schöne Inszenierung, es ist gelungen, dieses schwierige Buch – was fast unmöglich scheint – auf die Bühne zu bringen, auch wenn ein deutlicher Schwerpunkt, ein prägender Hauptgedanke oder Ähnliches (die Traurigkeit des Verschwindens von allem etwa) an diesem Abend nicht richtig greifbar wird. Aber auch der Roman liefert einen solch deutlichen Schwerpunkt der Erkenntnisse nicht. Das wäre ein „Plus“ der Inszenierung gewesen. So gesehen ist man vielleicht etwas zu vorsichtig geblieben!

Copyright des Beitragsbildes: Münchner Volkstheater, KÖ

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MUSIK: Stereo Express – Monfragüe

Diese Musik muss man laut hören! Bloß nicht leise hören! Nur wenn die Musik laut mit guten Lautsprechern gespielt wird, kommt ihre Wirkung zur Geltung! „Leise“ ist es ein Geklimper, das man nicht hören will – „laut“ kommen die Emotionen der Musik dazu!

Es geht mir nicht darum, mich mit möglichst lauter Musik zu verwirren. Es geht mir immer um das Musikerlebnis! Was wäre unsere Welt ohne Musik? Musik ist eine im Grunde vollkommen unterschätzte eigene Dimension eines Erlebnisses. Was wird bei uns durch Musik angerührt?

In diesem Fall geht es um eines der Konzerte, die regelmäßig von „Cercle“ an sehr besonderen Orten auf der Welt organisiert werden. Ich hatte bereits einmal ein derartiges Konzert von Cercle im Blog gebracht. BLAZE. Nicht nur hörens-, sondern besonders sehenswert ist das Konzert von Blaze in voller Länge, fast eineinhalb Stunden, das auch in meinem Beitrag zu finden ist. HIER. Auf über 3000 m Höhe in den französischen Alpen.

Wer hinter Cercle steht, konnte ich nicht ermitteln. Cercle hat eine eigene, sehr ästhetische Website (Link unten) und ist auf Facebook (Link auch unten) sehr aktiv. Mit vielen Followern. Man liest über Cercle folgendes:

„Cercle produces unique experiences, by organizing, filming and broadcasting concerts in carefully selected locations around the world Our prime goal is to showcase cultural heritage sites and landmarks through the prism of electronic music and video. Each show is different and the live events happen on Mondays.“

Wenn, dann also jeweils montags gibt es auf Facebook einen der von Cercle organisierten Live-Events. In der Tat sind die Locations, besondere Naturlagen, an denen die Musik dann gespielt wird, immer extrem besonders.

Stereo Express ist dieses Mal dran, es war ein wiederum sehr besonderes Live-Event von vor etwa einem Monat (Spätsommer 2022). Stereo Express ist im spanischen Nationalpark Monfragüe aufgetreten. Der Nationalpark liegt westlich von Madrid, in Richtung zur Grenze zu Portugal.

Sound Express ist das Projekt eines DJs und Produzenten von elektronischer Musik. HIER dessen Website. Zum Auftritt „Monfragüe“ liest man, dass Sound Express diese Musik dafür geschrieben hat, um in diesen schwierigen Zeiten ein wenig Hoffnung durchklingen zu lassen.

HIER die Website von Cercle.

HIER die interessante Facebookseite von Cercle (die Facebook-Seite wird sich nur für diejenigen öffnen, die selber bei Facebook angemeldet sind). Cercle bringt auf Facebook etwa monatlich ein Live-Konzert ihrer besonderen Art.

HIER die Website von Stereo Express.

MIT DIESEN LINKS TAUCHT MAN IN DIE WELT DER ELEKTRONISCHEN MUSIK EIN! Ich werde sicherlich darauf zurückkommen.

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Ankündigung: Synkretische Musik

Eine Ankündigung, weil es nur einmal kommt: Zuletzt war ich ja im Konzert II der Reihe LA BOHÈME 2022 in der Bar Gabanyi. HIER mein damaliger Beitrag. Mich erreichte jetzt wieder folgende Mail: Es ist eine Reihe sehr eigenwilliger Konzerte – „synkretische“ (gemischte, unreine) Musik … Man schrieb mir:

LA BOHÈME 2022 Konzert III // Ensemble für Synkretische Musik // 15. November // Schwere Reiter, München

Der Konzertzyklus LA BOHÈME 2022 des Ensembles für Synkretische Musik geht weiter!

Konzert III im Schwere Reiter am 15. November um 20h

In der dekonstruierten Neuinterpretation von Puccinis Werk setzt sich das Ensemble unter der Leitung von Gertrud Schilde und Carl Oesterhelt mit der fragilen Lebenswirklichkeit der Künstler*innen auseinander. Gemeinsam mit dem Dramaturgen Matthias Günther und dem Künstler Eugene Taran folgen sie im dritten Konzert den Gedanken des Malers Marcello zur kuratierten Welt des Kunstbetriebs und der Erfahrungen der Künstlerin/des Künstlers darin.

„So, jetzt reicht es mir aber! Es ist genug.“ Die bodenlose Realität hat den Maler Marcello in eine sinnlose Identitätskrise gestürzt. Wer ist er? Ein Star, dem das glamouröse Leben abhanden gekommen ist? Ein Künstler, dessen Existenz verblasst? Oder doch nur ein Handwerker, dem es an zahlender Kundschaft mangelt? Er fragt sich: Was erwarte ich? Will ich von meiner Kunst leben? Will ich berühmt sein? Oder ist das alles eh wurscht, und es geht schlicht und einfach ums Überleben? 


Mit dem Zyklus von vier Konzerten La Bohème 2022 inszeniert und reflektiert das Ensemble für Synkretische Musik mit seiner flexiblen und schlanken, vom Streichquartett ausgehenden Formation unter Einbezug von Musik, Sprache und Videokunst die Ohnmächtigkeit und Unsichtbarkeit analog arbeitender Künstler*innen. 

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KONZERT III – DI 15. NOVEMBER 20H – SCHWERE REITER

DIE GEDANKEN DES MALERS MARCELLO
Ensemble für Synkretische Musik & Eugene Taran

Programm
Carl Oesterhelt Musik / Matthias Günther Text: Etudes sur La Bohème III – Coups de pinceau pour violon seul et cordes für Solovioline, Stimme, Streichsptett & Video (UA) // Eniott Schneider: Marcel Duchamp – Myth of the World of Things for Percussion and Strings (UA) / Wolfgang HeisigRingparabel für Streichseptett und Schlagzeug (1993) // Franghiz Ali-Zadeh:Oasis for String Quartet and Tape (1998)

Mit Eugene Taran, Video-Künstler // Gertrud Schilde, Violine // Stefan Blum, Percussion

Ensemble für Synkretische Musik Gertrud Schilde, Jörg Widmoser, Markus Henschel, Kelvin Hawthorne, Andreas Höricht, Emil Bekir, Aniko Zeke, Maximilian Fraas, Stefan Blum

Dienstag, 15. November 2022 / 20 Uhr
Schwere Reiter Dachauer Str. 114a, 80636 München

Tickets 17€ / erm. 10€ / Reservierung schwerereiter.de/spielplan

Künstlerische Leitung der Reihe: Gertrud Schilde und Carl Oesterhelt.
Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen des Sonderprogramms NEUSTART KULTUR.

SAVE THE DATE
Die Gedanken des Dichters Rodolfo, das vierte und letzte Konzert der Reihe, findet am 2. Dez 2022 um 19 Uhr im Köşk, Schrenkstr. 8 statt. Ein Improvisations-Remix der bislang gespielten Werke und das anarchische Musicircus (1967) von John Cage lassen die Konzertreihe noch einmal erleben.

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THEATER: Wajdi Mouawad – Vögel

Im schönen Metropoltheater in München-Freimann ist derzeit eine sehr gelungene Aufführung von „Vögel“ von Wajdi Mouawad zu sehen. Im November wird es noch zwölfmal gezeigt. Ob es weitere Termine zu Beginn des kommenden Jahres geben wird, ist mir noch nicht bekannt.

ACHTUNG: DAS STÜCK IST KÜRZLICH (20.11.2022) ABGESETZT WORDEN WEGEN ANGEBLICH ANTISEMITISCHER ÄUSSERUNGEN! Ich weiß nicht, welche Äußerungen insgesamt gemeint sind, mir war nichts aufgefallen, aber okay. Die jüdische Großmutter sagt einmal: “Scheiß KZ“. Das kann ja wohl nicht antisemitisch sein. Auch die Erzählung inhaltlich: Ein jüdischer Soldat rettet im Libanonkrieg ein palästinensisches Baby, das Palästinenserkind wächst bei den Juden auf, auch dessen Kind meint, jüdisch zu sein, bis alles auffliegt. Ich weiß nicht, was daran antisemitisch war. Eine weitere Stelle wird genannt: Die Aussage „Wenn Traumata Spuren in den Genen hinterließen, die wir unseren Kindern vererben, glaubst du, unser Volk ließe dann heute ein anderes die Unterdrückung erleiden, die es selbst erlitten hat?“ Ist das gleich antisemitisch? Doch nur dann, wenn die Antwort „Ja“ käme, oder? Verstehe ich nicht ganz.

Wajdi Mouawad, geboren 1968 ist ein sehr produktiver und sehr erfolgreicher libanesisch-kanadischer Schriftsteller, Schauspieler und Regisseur. Er schreibt auf Französisch, lebte früher auch in Frankreich und in Québec und lebt mittlerweile wieder in Frankreich. „Vögel“, seine erfolgreiche aktuellste Arbeit, wurde 2017 im La Colline in Paris in seiner eigenen Inszenierung uraufgeführt, die deutsche Erstaufführung fand 2018 am Staatstheater Stuttgart statt (HIER eine Besprechung der Stuttgarter Uraufführung). Die Wurzeln seines Schreibens über politische und religiöse Identitätskonflikte sieht Mouawad in einem Erlebnis, zu dem er in seinen Arbeiten immer wieder zurückkehrt: Es war ein Attentat einer christlichen Miliz auf einen Bus mit wehrlosen palästinensischen Zivilisten, das er erlebte. „Bei allem, was ich schreibe, geht es nur darum.“

So auch letztlich wohl in “Vögel“. Es ist ein Stück zum Einen über die Sinnlosigkeit von Grenzen – Grenzen in Form von Identitätsabgrenzungen. Zum Anderen aber ist es auch ein Stück über die Kraft des Gewohnten, das uns ja ständig die gelebten Grenzen – falsche oder nicht falsche – bestätigt, auch wenn sie sinnlos sind. Kann man sich jemals von solchen Grenzen lösen? Zerreißen einen die Grenzen, obwohl man ihre „Falschheit“ erkennt? Wie geht man damit um? Gewinnt immer die Gewöhnung?

All das – vor allem der Aspekt der Sinnlosigkeit von Grenzen (nicht nur von „falschen“ Grenzen) einerseits und die Kraft der Gewöhnung an solche Grenzen andererseits – wird in „Vögel“ deutlich durch einer Liebesbeziehung zwischen dem angeblich jüdischen Eitan (er wuchs in einer jüdischen Familie auf) und der arabischstämmigen Amerikanerin Wahida. Sie lernen sich in New York in einer Bibliothek kennen. Wahida lebt in New York und schreibt dort ausgerechnet an einer Doktorarbeit über ein Thema, das auch von Identitätsgrenzen – in einer anderen Zeit und einer anderen Kultur – zeugt. Wir konfrontieren uns mit dem Fremden, haben aber oft Probleme damit. Wir definieren uns andererseits über das „Andere“. Wahida schreibt über einen vor mehr als 500 Jahren zum Christentum bekehrten Weisen, der Papst Leo X. als Geschenk überreicht worden war.

Die Eltern von Eitan (der Vater – überzeugend gespielt von Michele Cuciuffo – glaubt, jüdisch zu sein) lehnen jedenfalls die arabischstämmige Wahida ab. Eitan bekommt Zweifel an seiner Abstammung und möchte mehr erfahren. Er reist zusammen mit Wahida nach Israel zu seiner Großmutter. Die Geschichte entwickelt sich weiter, Eitan wird durch ein Attentat schwer verletzt, ich möchte nicht zu viel verraten. Alle Mitglieder von Eitans Familie kommen schließlich zusammen, eine verborgene Wahrheit kommt ans Tageslicht.

In der Regie von Jochen Schölch erlebt man eine schlicht gehaltene Aufführung, die sich angenehm und sehr fokussiert auf das gesprochene Wort und das Spiel der SchauspielerInnen konzentriert. Ein langer Tisch, Stühle, mehr bietet die Bühne nicht. Das wiederum ist passend, die schlichte und für alle Beteiligten bedeutende Entwicklung der Geschichte, die Macht der lange verborgenen Wahrheit einerseits und der gelebten und gewohnten „Wirklichkeit“ andererseits ist das Entscheidende.

Die Inszenierung von Jochen Schölch bleibt übrigens im Deutschen einsprachig, wohingegen das Stück schon an mehreren deutschen Bühnen mehrsprachig aufgeführt wurde. Die Mehrsprachigkeit könnte natürlich nochmals Grenzen zwischen den beteiligten Kulturen verdeutlichen, es funktioniert aber auch so. Auch in der hier gewählten Einsprachigkeit ist der Abend beeindruckend, berührend, was an den schauspielerischen Leistungen liegt.

HIER eine Besprechung des Stückes von Deutschlandfunk Kultur, in der es ebenfalls um die Mehrsprachigkeit geht. Damals (2019) wurde das Stück an 14 Bühnen gleichzeitig gespielt. HIER noch eine Besprechung des Stückes in einer Inszenierung am Schauspiel Köln (2019).

Alle Schauspieler und Schauspielerinnen spielen von Beginn an überzeugend, ganz besonders möchte man neben Michele Cuciuffo (als Vater von Eitan) übrigens die beiden „Youngster“ Leonhard Dick und Magdalena Laubisch in den Hauptrollen Eitan und Wahida hervorheben.

HIER ein Gespräch mit Leonard Dick und Magdalena Laubisch über das Stück.

HIER noch der Link zur Stückeseite von „Vögel“ auf der Website des Metropoltheaters.

Ein bewegendes Stück, das viele Anregungen in sich trägt, um persönlich über das gezeigte konkrete Geschehen hinaus über die behandelten Themen – berührt vom Gesehenen – nachzudenken.

Eine Inszenierung von „Vögel“ ist übrigens derzeit auch am Berliner Ensemble zu sehen! Jetzt am Samstag, 05.11., beispielsweise! HIER der Link.

Copyright des Beitragsbildes: Jean-Marc Turmes

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MUSIK: TUNE – Caterina Barbieri

Das Haus der Kunst bringt unter der Leitung von Andrea Lissoni längst nicht mehr nur Ausstellungen. Seit über einem Jahr zum Beispiel findet jährlich einmal pro Monat eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe TUNE statt. HIER der Link zu einer Übersicht der bisherigen TUNE-Veranstaltungen mit kurzen Videos. Ich hatte zuletzt über den Auftritt von JJJJ Jerome berichtet (HIER).

Die Veranstaltungen sind sogenannte „Sound Residencies“. Es sind nicht einfach Musikveranstaltungen. Es sind bemerkenswerte Veranstaltungen für Sound-Entwicklungen, die eine bestimmte Atmosphäre schaffen, Gefühle kreieren, den Hörer besonders tangieren.

HIER der Link zur Homepage von TUNE auf der Website des Hauses der Kunst.

Gestern, am 28.10., war im Rahmen der Reihe TUNES die italienische Musikerin und Komponistin Caterina Barbieri zu Gast im Haus der Kunst. Auch dieser Abend – etwa eine Stunde – war bemerkenswert. Wieder einmal war man in der Situation, dass man nicht Musik hörte, sondern sich von Tönen, Klängen, Sound und der daneben gegebenen Videoperformance in eine besondere Welt versetzt sah. Rhythmus – sofern überhaupt gegeben – störte dabei fast. Hier ein Eindruck:

Und das hier:

Wie gesagt, es geht bei TUNE nicht um Musik im herkömmlichen Sinne. Es geht um Klang, um Klangräume, Klangwelten, um das Klangerlebnis, das den Hörer in andere Welten führt. Ich finde es immer interessant, die eigenen Gewohnheiten zu verlassen und neue Welten zu entdecken. Man liest von einem gewissen Zusammenhang dieser Performances zu den aktuellen Ausstellungen. Diesen Zusammenhang habe ich noch nicht erkennen können. Macht nichts, wäre fast schon zu sehr „gebunden“ an ein Thema.

Und: Der Sound von Caterina Barbieri hört sich manchmal fast so an, wie es heutzutage wahrscheinlich in einer Diskothek klingen mag. Aber eben nur fast, nur ansatzweise. Es ist doch anders!

Copyright des Beitragsbildes: Jim C Nedd

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THEATER: Anna Smolar – Hungry Ghosts

Hungry Ghosts ist die erste Inszenierung der polnisch-französischen Regisseurin Anna Smolar in Deutschland, es wird an den Münchner Kammerspielen gezeigt. Die Premiere von “Hungry Ghosts“ war am vergangenen Samstag, 22.10.2022.

Anna Smolar

Foto: Leszek Zych

hat sich dazu ein Thema genommen, das sie auch persönlich wohl betraf: Es geht um das verborgene Einwirken von Erlebnissen früherer Generationen (des eigenen Familienstammes, der Eltern, Großeltern etc.) auf das Leben der Nachfahren. Bei manchen Menschen zeigen sich im Laufe des Lebens durchaus geradezu körperliche Erscheinungen, die – so die Theorie der Wissenschaft – auf Bestandteile der nicht selbst erlebten Vergangenheit des Familienstammes (etwa alte Traumata) zurückzuführen sind. Anna Smolar greift in ihren bisherigen Inszenierungen gerne auf wissenschaftliche Themen zurück.

Ein ähnlicher Aspekt ist derzeit übrigens auch Thema am Münchner Residenztheater – dort mit dem sehr gelungenen fünfstündigen Abend „Die Träume der Abwesenden“. Ich fand (HIER mein Beitrag dazu mit weiteren Links) den dortigen Ansatz damals auch schön: Wir leben im Grunde die „Träume der Abwesenden“ – also der Verstorbenen. Ja, wer weiß?

Aber am Residenztheater ist es nur ein „ähnlicher“ Ansatz, nicht der gleiche Ansatz wie bei Anna Smolar. „Träume“ (Residenztheater) sind nicht immer „Traumata“ (Kammerspiele), auch wenn es bei den „Träumen“ im Residenztheater um die schreckliche jüdische Vergangenheit einer Großfamilie geht. Bei Anna Smolar an den Kammerspielen geht es also um Traumata, um das Eingebranntsein der Vergangenheit in die Gene späterer Generationen – „Epigenetik“ nennt sich die Wissenschaft dazu. These: Auch nicht erlebte Vergangenheit kann krank machen. Man trägt alles in den Genen.

Im „heutigen Leben“, das bei Hungry Ghosts zunächst sehr harmlos gezeigt wird, wird „ein Theaterstück geprobt“, eine Komödie. Langsam schiebt sich aber eben die Vergangenheit der SchauspielerInnen in die Gegenwart hinein. Die Hauptdarstellerin kann nicht weiterspielen, sie leidet plötzlich an Kopfschmerzen und verliert ihren Humor. Mehrere Schicksale der Vergangenheit kommen ans Tageslicht. Es mündet schließlich in einen langen Monolog („Jackies Monolog“), der von Mira Marcinov zu diesem Stück beigetragen wurde. All die Schicksale der Vergangenheit behindern den weiteren Lauf der „Entwicklung der Komödie“, die hier gespielt werden soll. Die Proben werden ein Desaster.

Das Thema des Abends (Epigenetik) hat mit „Jackies Monolog“ seinen Höhepunkt, in dem über Ereignisse – mehrere Selbstmorde – der Vorgenerationen berichtet wird (Onkel Pavel, die Großmutter, die Mutter fast). So etwas kann sich dann offenbar in die Gene weiterer Generationen einbrennen!

Es bleibt aber insgesamt eine relativ einfache Darstellungsweise. Die gesprochenen Texte sind zusammen mit dem Ensemble entwickelt, daher nicht sehr tiefschürfend. Das einfache Bühnenbild – im Grunde rollbare Trennwände, die mit Türen und Fenstern eine Perspektive und Räume vorspiegeln – ist der Tatsache geschuldet, dass ja die „Übung eines Theaterstückes“ gespielt wird.

So ist es letztlich ein eher amüsanter Abend, bei dem sich Slapstick mit tiefgehenden Vergangenheitsproblemen vereinen, die, wie gesagt, der „Epigenetik“ zugeordnet werden. Und als Zuschauer wurde man zumindest vom Thema der „Epigenetik“ angestupst und konnte danach überlegen: „Was könnte wohl in meinen Genen eingebrannt sein?“

HIER der Link zur Stückeseite von „Hungry Ghosts“ auf der Website der Münchner Kammerspiele.hier der Link zur Stücke Seite auf der Website der Münchner Kammerspiele.

Und HIER der Link zur Stückeseite von „Die Träume der Abwesenden“ auf der Website des Münchner Residenztheaters.

Copyright des Beitragsbildes: Maurice Korbel

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LITERATUR: Zu Risiken und Nebenwirkungen …

Der Mensch muss höllisch aufpassen. Für die heute junge und für nachfolgende Generationen wird es eine Riesenlast und eine Riesenaufgabe sein! Es sind zwei Entwicklungen. Das Eine: Täglich verschwindet eine große Anzahl von Tierarten, täglich verschwindet eine große Anzahl von Pflanzenarten, Gletscher verschwinden, die Umwelt wird unwiederbringlich zerstört! Eine schleichende Entwicklung. Das ist „nur“ das Eine.

Daneben – und da sind der momentane Krieg und die Inflation fast nur Nebensachen von (hoffentlich) begrenzter Dauer – arbeitet der Mensch mit rasender Geschwindigkeit an einer weiteren vielleicht unwiederbringlichen Zerstörung. Er arbeitet auf allen möglichen, wahrscheinlich unglaublich vielen Gebieten an künstlicher Intelligenz (KI): Eine – bei allen Vorteilen von KI – ebenfalls schleichende, fast unkontrollierbare und auch höchst gefährliche Entwicklung! Der Mensch arbeitet daran, sich selbst ad absurdum zu führen, Selbstkontrolle in immer mehr Bereichen abzugeben!

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HIER übrigens ein interessanter Artikel (aus 2020, aktualisiert im Juni 2022) zum täglichen Aussterben von Tier- und Pflanzenarten.

HIER ein weiterer interessanter Artikel zum täglichen Aussterben von Tier- und Pflanzenarten (Stand Juli 2022). Hierin heißt es:

„Die Rote Liste bedrohter Tiere und Pflanzen wächst und wächst. Die Arten sterben schneller, als die Rote Liste aktualisiert werden kann. Experten schätzen, dass pro Tag bis zu 150 Pflanzen- und Tierarten von der Erde verschwinden. Die Weltnaturschutzunion IUCN erfasst mehr vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten als jemals zurvor: mehr als 41.000 (Stand: Juli 2022). Und das, obwohl sich der Artenschutz seit Jahrzehnten um den Erhalt der Biodiversität bemüht.“

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Ich habe mich nun ein wenig dem Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) genähert. Zuerst habe ich zwei Bücher zum Thema gelesen. Das eine Buch zur KI war: Richard David Prechts „Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“. Das andere Buch zur KI war: Matthias Pfeffers „Menschliches Denken und künstliche Intelligenz“.

Dann hatte ich noch zufällig ein Gespräch mit einer Informatikerin, die bei der Stadt München arbeitet. Sie sagte: Wir sehen nicht, was sich alles rasend schnell entwickelt! Wenn man ernst nimmt, was man hört und liest, muss man sagen: Der Mensch ist nicht „nur“ dabei, unaufhaltsam unsere Erde zu zerstören – er ist dabei, sich selbst kaputt zu machen! Zu den beiden Büchern hier meine Anmerkungen:

„Ressentiments“ gegen die Herangehensweisen beider Bücher:

Es handelt sich bei beiden Büchern vordergründig um philosophische Betrachtungen zum Thema “Künstliche Intelligenz und Mensch“. Die Titel beider Bücher legen den philosophischen Ansatz nahe. Etwas irreführend. Beim Lesen der Bücher wird klar, dass sie sich gesellschaftskritisch, fast politisch mit KI befassen. In beiden Büchern geht es um die aktuellen Entwicklungen, um die gefährlichen Veränderungen gesellschaftlicher Parameter und menschlicher Grundeigenheiten!

Der Konflikt “Künstliche Intelligenz und der Mensch“ (wie “Mensch und Maschine“) bietet natürlich einen unglaublichen Fundus von Argumentations- und Darstellungsmöglichkeiten. Auch philosophisch/gesellschaftskritisch lässt sich das Thema – fast gefährlich – dramatisch, prägnant, extrem eindrücklich und vielfältig darstellen! Beide Bücher haben mich vor diesem Hintergrund irritiert zurückgelassen. Man hat in beiden Büchern ausführlich schreckliche Entwicklungen diskutiert, hat aber keine Lösung! Es kann einem fast übel werden, wenn man alles liest. Weil die Frage „Was kann man tun?“ neben allen richtigen und wichtigen philosophischen und gesellschaftskritischen, fast politischen Erkenntnissen letztlich unbeantwortet bleibt. Sie bleibt unbeantwortet, weil es nicht möglich zu sein scheint, konkrete Antworten zu finden! Die Dinge entwickeln sich einfach.

Ein interessantes Beispiel dafür, wo uns KI hinführen wird: Ein Podcast der Münchner Kammerspiele:

https://www.dieneuesituation.de/artikel/11561-die-digitale-seele

Zu Richard David Prechts “Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens“:

Eines ist klar: Richard David Precht kann schreiben und Gedanken formulieren! Zunächst geht er darauf ein, dass der Mensch nicht nur ein Wesen „logischen Denkens“ ist – so, wie es die KI mit ihren “Ja/nein“- Algorithmen ist. Der Mensch ist mehr. Er ist emotional, sensitiv, hat Zweifel, Glauben, Motive, Moral, ist unlogisch, hat Werte, Vergangenheit, Persönlichkeit, ist gemeinschaftsbezogen, er weiß von seiner Existenz und und und. Alles Dinge, die Künstliche Intelligenz nicht hat! KI kennt nicht einmal gut und böse! Aber der Mensch arbeitet fieberhaft daran, rein „logisches“ algorithmisches Denken in alle seine Lebensbereiche hineinwirken zu lassen, sich davon mehr und mehr dominieren zu lassen.

Besonders, da diese Algorithmen – immer rasanter und umfassender – „selbstlernend“ sein werden, sich also durch immer mehr Zugriff auf immer mehr Informationen komplex ständig weiterentwickeln werden, besteht diese große Gefahr, dass die Algorithmen – die wir ja alle nicht vor unseren Augen sehen – unkontrollierbar (so auch Matthias Pfeffer) unser Leben in mehr und mehr Bereichen bestimmen werden. Der Mensch wird – so Precht – zum „Haustier allmächtiger Maschinen“.

Precht schreibt auch: „Die explosionsartige Vermehrung von Codes schafft eine Lebenswelt, in der mehr Menschen tun, was Computer ihnen sagen, als dass Menschen Computern sagen, was sie zu tun haben.“ Selbst die Demokratie wird gefährdet. (Ein schönes Beispiel aus dem Buch von Matthias Pfeffer wiederum: Tage vor dem „Sturm auf das Kapitol“ in Washington verbreiteten sich im Internet im Umfeld derjenigen Leute, die sich auf den “Sturm auf das Kapitol“ vorbereiteten, massiv Werbung für Waffen!). Die freie Willensentscheidung des Menschen wird gefährdet. Technik wird – blind für die Einschränkungen, die sich damit für den Menschen ergeben – zum neuen Gott erhoben. “Explosionsartig“!

Richard David Precht beendet seine Überlegungen mit vagen Ansätzen zum weiteren Vorgehen: Er schreibt: „Wir müssen, mit einem Wort, lernen, intelligenter mit Computern umzugehen, ihre Stärken und Schwächen besser einzuschätzen, ihre sinnvollen Einsatzfelder abzustecken und ihre Chancen und Gefahren klarer zu sehen.“ Der oft (m. E. zurecht) kapitalismuskritische Richard David Precht stellt auch immer wieder auf die Zusammenhänge zwischen dem ungebremsten weltweiten Trieb zur Entwicklung unkontrollierbarer Künstlicher Intelligenz einerseits und den fatalen Wirkungen des grenzenlosen Kapitalismus/Neokapitalismus andererseits ab! Es sind ja – in der westlichen Welt vor allem – die Unternehmen, die an allem arbeiten.

Zu Matthias Pfeffers „Menschliches Denken und Künstliche Intelligenz“:

Das Buch von Matthias Pfeffer ist ähnlich angelegt, allerdings umfassender, sehr kenntnisreich in allen denkbaren Richtungen, in vielen Dingen journalistischer. Was auch gut ist! Dieses Buch gibt insgesamt einen fast noch erschreckenderen Eindruck von den Gefahren der künstlichen Intelligenz, getragen von vielen vielen Bezügen zu Einzelbeispielen, zu Äußerungen von Fachleuten, von Politikern, von Philosophen, von Künstlern, Technikgurus, KI-Entwicklern und und und. Es sind auch hier philosophische (zu allgemeine) Ansätze und genauso gut (drastische) gesellschaftskritische Beobachtungen!

Mein Eindruck wäre zwar: Im Buch von Matthias Pfeffer werden so viele Meinungen anderer Personen herangezogen, dass man manchmal gar nicht weiß, ob diese Anmerkungen nicht geradezu argumentativ „instrumentalisiert“ sind. Ein Philosoph des Mittelalters etwa konnte ja sicherlich noch nicht an KI denken. Trotzdem: Das Thema KI ist bei Pfeffer im Grunde breiter angelegt, was seine Berechtigung hat. Wir müssen uns den Entwicklungen aus vielen Blickwinkeln heraus stellen. Gesichtserkennung? Das ist das Mindeste. Wir werden von einer sich selber rasant ständig weiterentwickelnden KI immer mehr dominiert werden. Geben wir damit nicht komplett unseren Datenschutz auf? Der Begriff „Datenschutz“ ist mir da schon zu eng! Es geht um den Schutz aller möglichen persönlichen Merkmale des Menschen, um seine Verhaltensweisen, Anlagen etc, mit denen KI hantiert. “Merkmalsschutz“ müsste man sagen.

Auch Matthias Pfeffer schließt das Buch (Untertitel: „Eine Aufforderung“) mit einer Reihe von Vorschlägen zur „Eindämmung“ der riesigen Gefahren von KI. Er bringt detailliertere Vorschläge als diejenigen von Richard David Precht. Es bleibt allerdings leider auch hier schwer vorstellbar, dass diese sinnvollen, „naturgegeben“ notwendigen Vorschläge irgendwie realisiert werden könnten. Es bräuchte dazu fast schon weltweite politische Initiativen. Daneben stellt Matthias Pfeffer immer wieder auf „Vernunft“ ab – ein hohes Gut des menschlichen Denkens – und auf „vernünftigen“ Umgang mit KI. Das klingt schön, wird aber wahrscheinlich kein Gehör finden.

Aber jedes Teilchen ist ein Teilchen eines großen Puzzles. Man kann von keinem der beiden Bücher alles erwarten!

Fazit:

Die Entwicklung von KI birgt in einigen Bereichen riesige Chancen in sich. Vielleicht auch die Chance, gerade mit ihr die globalen Probleme, die Umweltzerstörung in den Griff zu bekommen. KI wird rasant weiter entwickelt werden, keine Frage. Die beiden Autoren Richard David Precht und Matthias Pfeffer sind allerdings vor allem von den riesigen Gefahren, die von ungebremster KI insgesamt für die Selbstbestimmtheit des Menschen ausgehen, überzeugt. (Auch etwa eine Frage: Was ist denn dann noch die Wahrheit? Es kommt ja nur darauf an, welche Daten eingegeben werden, mit denen die KI dann “Lösungen“ erarbeitet. Daher sind beide Bücher lesenswert, um dafür ein Gefühl zu bekommen. Die Hinweise auf die Gefahren von KI gehen bei den Äußerungen, die aus allen möglichen Fachrichtungen zur KI gemacht werden, meist unter, dort werden die Vorteile der KI betont. Das kann so nicht bleiben!

… auch wenn man nach dem Lesen der beiden Bücher eine große Portion Hilflosigkeit spüren mag, weil man nicht erkennen kann, ob und wie alles überhaupt irgendwie noch in den Griff zu kriegen ist ….

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Hier noch sehr interessante links zum Thema „ Künstliche Intelligenz aus EU-Sicht“:

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Eine Ankündigung

Hier eine Ankündigung ohne besondere weitere Anmerkungen: Es wird sicher interessant, es geht um Werner Herzog. Ich gehe hin (Ein Dank an die Münchner Kammerspiele!). Es ist die Veranstaltung am 30. Oktober in den Münchner Kammerspielen: „Halluzinationen – Werner Herzogs innere und äußere Landschaften.“ Ein Abend VON und MIT Werner Herzog mit Musik, Filmen und Lesungen aus seinen Büchern und Texten anlässlich seines 80. Geburtstags.

HIER der Link zur Ankündigung auf der Website der Münchner Kammerspiele.

HIER der Link zur Website von Werner Herzog.

Und HIER der Link zum Beitrag über Werner Herzog auf Wikipedia.

Noch gibt es wohl Karten.