MUSIK: Mazzy Star – Fade Into You

Ich bringe ja gerne Musikstücke aus Theaterinszenierungen. Kürzlich hatte ich den Onlinestream von „Am Königsweg“ von Elfriede Jelinek gesehen. Daher die Musik hier. Siehe unten. Ein Lied, das dort von Julia Wieninger gesungen wird. Sie steht seitlich auf der Bühne und betrachtet und besingt das Geschehen auf der Bühne.

Es war die Inszenierung von Falk Richter, die 2018 zum Berliner Theatertreffen eingeladen war. Dort hattte ich es auch gesehen.

HIER die Stückeseite des SchauSpielHauses Hamburg.

Ok, es ist kein fröhliches Lied! Trotzdem!

Es geht in „Am Königsweg“ ziemlich deutlich – auch ohne Namensnennung – um Donald Trump, den „König“. Und es geht um viel mehr – Elfriede Jelinek eben. Aufsehenerregend – für manche positiv, für manche negativ – war wieder einmal Benny Claessens in der Rolle des „Königs“.

Er provoziert ja das Publikum irgendwie immer wieder. Auch hier wieder – etwa mit einem irren Monolog. Auch er singt im Stück ein Lied, das mir gefallen hat. Mal sehen, vielleicht bringe ich es auch gleich noch.

Falk Richter wird in der kommenden Spielzeit Hausregisseur der Münchner Kammerspiele. HIER die Meldung von ZEIT online. Es ist ja sehr fraglich, wie die immer interessanter gewordene Intendanz von Matthias Lilienthal an den Münchner Kammerspielen im Sommer enden wird. Geplant war etwa eine 24 -Stunden- Aktion. Ob und wie so etwas im Sommer stattfinden kann? Who knows!

Mazzy Star wurde 1989 gegründet. Melancholisch oder auch düster sind sicher einige Stücke der Band. Wikipedia nennt die Musik „gitarrengestimmten Folkpop“.

Vor Kurzem erst, am 26.02.2020, war im SPIEGEL (HIER) zu lesen, dass einer der Begründer von Mazzy Star, David Roback, im Alter von 61 Jahren gestorben ist.

Fade into You erschien 1993 auf dem Album So Tonight That I Might See, dem zweiten Album der Band. Laut Wikipedia ist es das erfolgreichste Lied von Mazzy Star.

Eine Übersetzung des Songtextes lautet:

Ich mag die Hand in Deinem Innern halten
Ich mag nen Atemzug nehmen der wahr ist
Ich schau zu Dir und sehe nichts
Ich schau zu Dir um die Wahrheit zu sehn

Du lebst Dein Leben, Du wandelst in Schatten
Du gehst hinweg hinein ins Schwarz
Eine Art von Nacht in Deiner Finsternis
Färbt Deine Augen mit dem was nicht da ist

Verklingen in Dir
Seltsam das Du´s nie gemerkt hast
Verklingen in Dir
Ich find´s seltsam das Du´s nie gemerkt hast

Das Licht eines Fremden geht langsam auf
Das Herz eines Fremden ohne Zuhaus
Du führst Deine Hände in Deinen Kopf
Und dessen Lächeln bedeckt dann Dein Herz

Verklingen in Dir
Seltsam das Du´s nie gemerkt hast
Verklingen in Dir
Ich find´s seltsam das Du´s nie gemerkt hast

Hier zwei Versionen. Das Original:


Und hier eine Version des Songs gesungen von MileyCyrus! Auch gut.

Und hier die lyrics in Englisch:

I want to hold the hand inside you
I want to take a breath that’s true
I look to you and I see nothing
I look to you to see the truth
You live your life, you go in shadows
You’ll come apart and you’ll go blind
Some kind of night into your darkness
Colors your your eyes with what’s not there

Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew

A stranger’s light comes on slowly
A stranger’s heart without a home
You put your hands into your head
And then its smiles cover your heart

Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew
Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew
I think it’s strange you never knew

Copyright des Beitragsbildes: Arno Declair

THEATER: Theatertreffen 2020 virtuell

Das Berliner Theatertreffen findet in diesem Jahr erstmals im virtuellen Raum statt. Vom 01. bis 09. Mai. Gezeigt werden – neben interessanten Talks und Weiterem – sechs Inszenierungen aus der 10er Auswahl als Mitschnitte on Demand für jeweils 24 Stunden. Live-Nachgespräche mit Produktionsbeteiligten und dem Publikum geben Gelegenheit zum Austausch.

Dazu kommt das TT Kontext-Programm „UnBoxing Stages – digitale Praxis im Theater“. Klingt interessant. Theater im Stream zu sehen, verändert ja das Erlebnis. Ich bemerke es auch. Es fehlt etwas Gewohntes, das Liveerlebnis, die Anspannung des Abends, aber man richtet sein Augenmerk vielleicht etwas anders aus und findet seinen Weg und seine Interessen und Freuden dabei!

Gezeigt werden:

  • Hamlet (William Shakespeare und Hamletmaschine von Heiner Müller) vom Schauspielhaus Bochum (HIER mehr.)
  • Anatomie eines Suizids vom Deutschen SchauSpielHaus Hamburg (HIER mehr)
  • Die Kränkungen der Menschheit, eine Koproduktion der Münchner Kammerspiele, des HAU Berlin, des Theaters Kampnagel Hamburg und des Künstlerhauses Mousonturm Frankfurt (HIER mehr)
  • Süßer Vogel Jugend (Tennessee Williams) vom Schauspiel Leipzig (HIER mehr)
  • Chinchilla Arschloch, waswas vom Künstlerhaus Mousonturm, Schauspiel Frankfurt und Rimini Apparat (HIER mehr)
  • The Vacuum Cleaner von den Münchner Kammerspielen (HIER mehr)

HIER der link zur Seite des Theatertreffens virtuell, auf der die sechs gezeigten Produktionen angekündigt werden.

HIER der link zur Seite des Theatertreffens virtuell, auf der das vollständige Programm von THEATERTREFFEN VIRTUELL gezeigt wird.

Beitragsbild: Wortmarke der Berliner Festspiele

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LITERATUR: Katya Apekina – Je tiefer das Wasser

Dieser nicht leicht zu verdauende, aber beeindruckende Roman ist in der derzeitigen schwierigen Situation (Corona) möglicherweise eher unpassend. Er zieht runter! – Ich hatte ihn kurz davor gelesen, Glück gehabt!

Man hat derzeit ja genug mit Ausgangsbeschränkungen zu tun, braucht jetzt vielleicht eher etwas Erbauendes, Aufmunterndes. Aber: Es ist ein sehr guter, meines Erachtens lesenswerter Roman!

Meine Bewertung: 8 Punkte von 10 Punkten.

Ich kann ihn empfehlen und würde vorschlagen, ihn sich für eine etwas leichtere Zeit zurückzulegen. Katya Apekina mit ihrem Debutroman „Je tiefer das Wasser“. Sie ist Russin, in Amerika aufgewachsen.

Es ist eine sehr eigenwillige Story, die auch eigenwillig und gut geschrieben ist. Autobiografisch? Ich weiß es nicht. Aber all das völlig frei zu erfinden, ist sicher schwer. Der Roman ist problembeladenen, die ProtagonistInnen des Romans tragen heftige Probleme mit sich herum, die große Komplikationen verursachen:

Nach dem Suizidversuch ihrer Mutter stranden zwei Schwestern bei ihrem Vater in New York, der sich schon in jungen Jahren von ihnen zurückgezogen hatte. Trennung. Doch damit beginnen erst die Probleme.

Die komplizierte Geschichte ist vor allem aus der Sicht der beiden Schwestern, Edith und Mae, beschrieben. In vielen vielen kurzen Kapitelchen werden die Vorgänge und Gefühle der Mitwirkenden aus allen möglichen Blickwinkeln heraus geschildert. Da kommt schon einmal die Zimmergenossin im Krankenhaus, in dem die Mutter liegt, zu Wort.

Es geht schon damit los, dass der Vater von Edith und Mae vor langer Zeit die um viele Jahre jüngere Tochter eines Bekannten heiratete. Marianne wurde seine Ehefrau, die dann eben Jahre später einen Suizidversuch unternahm.

Der Suizidversuch hängt irgendwie wahrscheinlich auch mit der eigenartigen und zerstörerischen Wirkung des Mannes, Dennis, einem erfolgreichen Schriftsteller und Frauenheld, zusammen. Hinzukommt aber sicherlich auch, dass Marianne wiederum sehr unter dem frühen Tod ihres Vaters, des Bekannten von Dennis, litt und schon früh depressive oder „verrückte“ Züge entwickelte. Züge, die wiederum ihre Tochter Mae intensiv miterlebte.

Hier spielt immer wieder auch im Hintergrund eine Black-Power-Geschichte herein, die (ganz amerikanisch) Ausgangspunkt für alles ist: Dennis fuhr nämlich in jungen Jahren mit seinem Freund Fred zu einer Demonstration und wurde im Grunde von Mariannes Vater, Jackson McLean, vor Gegnern der Anreisenden gerettet. Er, Jackson McLean, wurde aber daraufhin angeklagt und starb bald darauf im Stress.

Marianne ist also die Tochter von Jackson McLean, viele Jahre später gerät nun auch die Tochter von Marianne, Mae, in den irgendwie unerklärlichen Sog des ehemaligen Ehemannes von Marianne, ihres Vaters. Der Vater zieht irgendwie Personen auf sich und zerstört sie damit in gewisser Weise.

Wie gesagt: Sehr gut gemacht ist neben den komplizierten, aber sehr gut geschilderten psychischen Situationen der ProtagonistInnen – davon gibt es wahrlich viele verschiedene! – die Art und Weise, wie die einzelnen Szenen, die sich ergeben oder schon längst ergeben hatten, geschildert werden. Es gibt immer wieder Rückblenden.

Die eigentliche Handlung spielt ohnehin im Jahr 1997, als die Mutter den Suizidversuch unternommen hatte. Diese Zeit wiederum wird aus der Sicht von Edith im Präsens geschildert, ein großer Teil des Romans betrachtet diese Phase allerdings im Rückblick, aus der Sicht von Mae, Jahre später. Ein kleiner Teil des Romans beleuchtet wiederum die Vorgeschichte der Eltern in den sechziger Jahren. Es sind, wie gesagt, immer wieder kurze Kapitelchen mit kurzen Erklärungen der jeweils beteiligten Personen, in jeweils verschiedenen Zeiten. Sehr interessant gemacht.

Die Geschichte erscheint anfangs unverständlich, alles löst sich aber im Lauf der Zeit auf. Insoweit entsteht mehr und mehr der Sog, weiterzulesen.

Um die Übersicht über die Personenkonstellation einzubehalten, habe ich wieder eine Art mind map angelegt. Ich empfehle, sich diese mind map beim Lesen des Buches zur Seite dazuzulegen. HIER das Dokument.

HIER die Seite zum Buch auf der Website des Suhrkamp Verlages mit Informationen auch zu Katya Apekina.

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THEATER ONLINE

Auch das Deutsche Theater Berlin ist jetzt dabei, bietet Inszenierungen – sogenannte „DT Klassiker“ – im Stream! Los geht es heute, Dienstag, den 7. April 2020 mit Kinder der Sonne von Maxim Gorki in der Regie von Stephan Kimmig. Ab 18.00 Uhr bis Mittwoch 12.00 Uhr.

Das Angebot läuft unter dem Label „HEIMSPIEL“.

Dann geht es weiter Donnerstags und Dienstags zunächst mit:

  • Donnerstag 09. April 18.00 Uhr bis 11. April 12.00 Uhr: Philotas von Gotthold Ephraim Lessing, Regie: Friedo Solter
  • Dienstag 14. April 18.00 bis 15. April 12.00: Marat/Sade von Peter Weiß, Regie Stefan Pucher
  • Donnerstag 16. April 18.00 bis 17. April 12.00: Die Weber von Gerhart Hauptmann, Regie: Michael Thalheimer

HIER der link zur Seite des Streamingangebotes des DT Berlin.

THEATER ONLINE: TIPP

Vielleicht kann der/die ein oder andere einen Theatertipp vertragen. Das Angebot ist ja sehr groß: Wer Interesse und Freude an hervorstechenden schauspielerischen Leistungen hat, findet hier wahrlich etwas! Schauspielerisch ist die Inszenierung wunderbar, sie funktioniert meines Erachtens gerade deswegen online.

Aber auch sonst – ich mag es, nicht mit „Effekten“ überladen zu werden – ist es eine sehr schöne Inszenierung! Ansehen!

Der kaukasische Kreidekreis“ von Bertolt Brecht, gebracht am Berliner Ensemble. Eine Inszenierung von Michael Thalheimer. Die Inszenierung hatte 2017 zur Eröffnung der Intendanz von Oliver Reese dort Premiere. Die „Geschichte“ des Stückes ist klar und „übersichtlich“, es ist einfach gut umgesetzt.

Aus dem aktuellen Programm des Berliner Ensembles. Es ist noch bis Freitag online als Streaming zu sehen. Das Berliner Ensemble stellt jede Woche für eine ganze Woche ein Stück online zur Verfügung. Mehr nicht. Diese Vorgehensweise hat mir ganz gut gefallen, weil man nicht täglich mit neuen Angeboten überschüttet wird.

Das Angebot an Inszenierungen und Performance, die man derzeit online im Stream oder Live sehen kann, ist ja sehr schnell gewachsen. Jetzt steht man schon vor der Aufgabe, dass auszuwählen, was einem wirklich gefällt. Zu viel Angebot und die Tatsache, dass man ja jederzeit an- und ausschalten kann, verdirbt ja manchmal fast die Lust und Konzentration auf einen Theaterabend. Man muss lernen, damit umzugehen! Auf was will man Wert legen? Das Liveerlebnis mit all seinen Facetten im Theater ist online reduziert, aber manchmal sehr wertvoll!

Man sollte sich – denke ich – vorher gut überlegen, mit welchem Angebot man sich auseinandersetzen will. Und dann sollte man auch konsequent bleiben, dranbleiben, nicht „switchen“! Das sind erste Erfahrungen. Es geht noch weiter: Nicht jede Inszenierung, die man live im Theater sehen konnte, „funktioniert“ auch in gleicher Weise online, also beeindruckt nicht in gleicher Weise. Es fehlt ja der „Geruch“ des Liverelebnisses. Es gibt meines Erachtens Inszenierungen, die online sehr gut funktionieren und andere, die online weniger gut funktionieren. Jeder wird seine Erfahrungen machen.

HIER der link zu „BE on demand“ mit dem Streaming.

HIER der link zur Stückeseite des BERLINER ENSEMBLES.

Copyright des Beitragsbildes: Matthias Horn

THEATER ONLINE TIPP und MUSIK: Philippe Quesne – Caspar Western Friedrich

Das Streamingangebot deutschsprachiger Bühnen – auch Oper etc. – hat ja schnell große Ausmaße angenommen. Man sieht die Angebote gebündelt gut bei www.nachtkritik.de. HIER der link. Ein Streamingangebot möchte ich hervorheben.

Meine Empfehlung: Morgen, Samstag, 28. März 2020, ab 18:00 Uhr kann es für 24 Stunden gestreamt werden: “Caspar Western Friedrich“ von den Münchner Kammerspielen. Schon aus aktuellem Anlass.

Es war eine Arbeit des für Bühnenbilder berüchtigten Kanadiers (?) Philippe Quesne, sie hatte Uraufführung an den Münchner Kammerspielen, Januar 2016.

Ein wunderschöner Theatermoment beginnt mit Minute 50 des Streaming. Dazu auch die Musik, „Goodbye Precious Falling“ von Quickspace. Ansehen und anhören!! Ich stelle den Song unten ein.

Das Stück ist im Grunde von unglaublicher Aktualität: Es zeichnet sich zum Einen dadurch aus, dass der Mensch nicht sich selbst, sondern die Natur betrachtet. Wie Caspar David Friedrich auf seinen Gemälden und wie die Cowboys im Wilden Westen. Und wie wir alle derzeit erzwungenermaßen weltweit fassungslos das bedrohliche Coronavirus erleben, eine brutale Naturerscheinung.

Die SchauspielerInnen des Stückes sieht man auch meist von hinten. Sie stehen auf der Bühne und betrachten fassungslos die Natur. Errichten etwas – das ist der Unterschied zum aktuellen Stillstand. Auch das ist aber durchaus bezeichnend in seiner Aktualität: Wir müssen uns derzeit voneinander abwenden! Umso schöner wäre es, wenn wir in dieser Situation tatsächlich unser Verhältnis zur Natur etwas überdenken.

Das „Stück“ ist leider in München nicht sehr gut angekommen. Das Münchner Theaterpublikum folgte wohl auch der heftigen Kritik am Programm der Münchner Kammerspiele seitens der Medien (vor allem der Süddeutschen Zeitung – HIER die insoweit deutliche Besprechung von Christine Dössel, SZ im Januar 2016). Man hatte leider viel zu wenig Verständnis für den so speziellen, aber athmosphärisch wunderschönen Ansatz des Stückes, viel zu wenig Verständnis für das von Matthias Lilienthal damals (es war seine erste Spielzeit in München) zusammengestellte Programm der Kammerspiele – es war oftmals überraschend, keine Frage.

Die Aufzeichnung der hier gezeigten Aufführung muss etwas später gewesen sein, Peter Brombacher liest am Ende Worte der Enttäuschung des Ensembles über das angekündigte Ende der Intendanz von Matthias Lilienthal vor, Minute 1:30:00 des Streaming.

Auch Caspar Western Friedrich war alles andere als Sprechtheater. Es ist aber ein Stück der totalen Entschleunigung. Auch das hochaktuell!

Ich empfehle das schöne, malerische und wortkarge Stück. Ich habe es mehrfach gesehen und hoffe, dass das Streaming einiges von der Atmosphäre transportieren kann. Einfach wirken lassen, darum geht es.

HIER der link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele.

Hier Quickspace mit Goodbye Precious Falling:

Copyright des Beitragsbildes: Martin Argyroglo

THEATER: Berliner Schaubühne online

Auch die Berliner Schaubühne öffnet jetzt ihr Videoarchiv! HIER der link zur Schaubühne!

THEATER: Streaming der Münchner Kammerspiele

Auch die Münchner Kammerspiele bieten jetzt Theater Online! Sie stellen jeden Tag den internen Mitschnitt einer Inszenierung aus dem Spielplan online. 24 Stunden lang! Ein wunderbares Angebot!

Es beginnt mit „No Sex“ von Toshiki Okada.

Es folgen:

HIER der link zur Website der Münchner Kammerspiele.

THEATER: Streaming auf nachtkritik.de

Der Online-Stream von „Tyrannis“ von Ersan Mondtag ist leider schon wieder beendet. Nachtkritik.de bietet aber weitere Streams interessanter Theaterinszenierungen an!

Ab heute 18.00 Uhr kann man auf nachtkritik.de im „Digitalen Spielplan“ die „monumentale“ Inszenierung des „Ljod – das Eis“ von Vladimir Sorokin von Jan-Christof Gockel sehen. Heute zeigen sie die ersten beiden Folgen. Folgen 3 bis 6 erscheinen dann bis Samstag! Manch einer hat ja jetzt viel Zeit!

In der ab 2002 erschienenen Trilogie „Ljod – Das Eis“, „Bro“ und „23.000“ erzählt der russische Autor Vladimir Sorokin die Story einer Geheimgesellschaft vermeintlich Auserwählter, die sich grausam ihren Weg durch das 20. Jahrhundert bahnt mit dem Ziel, die Erde von ihrem Übel zu befreien: Von den Menschen – diesen Fehlschöpfungen, die sich gegenseitig bekriegen und ihre Umwelt zerstören, weil sie nicht die Sprache des Herzens sprechen.

Dazu passend meine Überlegung: Corona wird gut sein für die Welt! Wir müssen da durch, es wird viele schlimm treffen! Fürchterlich! Aber wir merken hoffentlich, dass alles fragil ist, dass wir uns anders um die Menschheit kümmern müssen! Dass wir in so vielen Dingen auf die Bremse treten müssten! Können wir das? Man sagt ja schon: „Die Welt wird eine andere sein!“ Hoffentlich eine irgendwie bessere! Es gäbe viele, viele Ansätze, wir rennen alle in die falsche Richtung, in so vielerlei Hinsicht rennen wir immer schneller gegen die Wand! Wir brauchen Politiker, die das aufhalten!! In vielen Belangen werden wir, denke ich, nur mit Regulierungen auskommen. Mensch und Tier – Mensch und Natur – Mensch und Mensch – alles ziemlich desolat! Nur mit Überzeugung und Freiwilligkeit wird nicht viel gehen! Zu fürchten ist nur: Der Mensch sagt sich lieber: „Mein Gott, Corona stört unsere schöne Welt“ – und macht so weiter wie bisher. Ich hoffe, es gibt gravierend Anderes.

HIER der link zur Website von nachtkritik.de. Direkt zum Stream kann ich noch nicht verlinken (Mittwoch nachmittag).

THEATER: Streaming auf nachtkritik.de

Das Leben hört ja nicht ganz auf! Wir müssen uns ja irgendetwas erhalten! Etwa das Interesse für Kultur. Für das Theater etwa. Weil die meisten Theater nicht mehr spielen können – auch das diesjährige Theatertreffen wurde abgesagt -, stellt nachtkritik.de einen digitalen Spielplan aus Livestreams und Aufzeichnungen von Inszenierungen zusammen.

Eine schöne Idee! Heute, am 16. März, und morgen, am 17. März, wird ein Mitschnitt von Ersan Mondtags „Tyrannis“ gezeigt. Es lief am Staatstheater Kassel und war zum Berliner Theatertreffen 2016 eingeladen. Auch zu Radikal Jung 2016. Statt Fernsehen wäre das doch eine Alternative!

Hier das Streaming:

MUSIK: Fever Ray – Keep The Streets Empty For Me

Hier ein Song, der elf Jahre alt ist: „Keep The Streets Empty For Me“ von „Fever Ray“. Recht düster, aber mir gefällt er. „Keep the streets empty“ ist ja zurzeit fürchtrelicherweise fast schon wieder realistisch!

Hinter „Fever Ray“ steht die Schwedin Karin Elisabeth Dreijer, im April 1975 geboren, sie lebt in Stockholm. Es war ein Soloprojekt, davor war sie mit ihrem Bruder in einer Band. Eine wilde Person! HIER ihr Facebook-Account. HIER ihre Website.

Im August 2018 gab Dreijer überraschend das Ende ihrer damaligen Tour bekannt. Sie erklärte den Schritt mit dem Wiederauftreten einer Angststörung und von Panikattacken, an denen sie seit mehreren Jahren leide. Von der Zeit danach lese ich nichts.

THEATER: René Pollesch – It’s so easy, was schwer zu machen ist.

René Pollesch hatte an den Münchner Kammerspielen mit seiner neuesten Inszenierung „Passing – its so easy, was schwer zu machen ist“ Uraufführung. Eine riesige Spinne auf der Bühne, um sie dreht sich alles. Es ist ein Theoriewulst ohne eine bestimmte Handlung – nicht ganz zeitgemäß, aber irgendwie gewinnendes Theater.

An Drahtseilen auf- und abfahrend, nicht bedrohlich, nicht ekelhaft – wie einst Tarantula, die im Hintergrund in Filmausschnitten längere Zeit zu sehen ist – ,ihr Inneres kann bestiegen werden, sie sitzen teils im Inneren.

Auf www.nachtkritik.de ist die Spinne beschrieben als „Porsche Cayenne-gleiche Spinne“. In der Tat, nicht schwarz, nicht behaart, fast schick, modern, wie das Interieur eines hochklassigen PKW – orangefarben, schwarz, silberne Metallzusätze. Auf dem Weg zu Künstlicher Intelligenz.

Nicht nur mit der Spinne greift René Pollesch im Grunde zunächst einmal in eine Zeit zurück, die nicht mehr existiert. Blicke in die Zeit der 70er-Jahre sind es. Auch die SchauspielerInnen sind – in amerikanischem Style – in dieser Zeit – der Zeit der Tarantulafilme, der B-Movies – gekleidet. Und Filmausschnitte alter Streifen eben – schwarzweiß – sieht man. Auch Tarantula. Andererseits die „moderne“ Spinne auf der Bühne, das ist der Widerspruch an diesem Abend, mit dem man umgehen muss.

Verbunden sind beide „Zeiten“ durch zeitlose Themen, über die alle – ohne erkennbare Orientierung – reden. Inhaltlich kann man den Abend kaum genauer beschreiben, geschweige denn zusammenfassen. Man beobachtet eine Gruppe von Menschen (sechs Personen), wie sie sich letztlich Gedanken macht zu diesen Themen – Text, Theorie, Sprache, René Pollesch eben, ein wenig Kapitalismuskritik, Bertolt Brecht, das Theater ( … das Theater müsste ein Flugblatt sein, dann könnten es auch die sehen, die am Boden liegen …), das Leben.

Es hat mit Themen zu tun, die wohl nach René Polleschs Ansicht zeitlos und auch jetzt zeitgemäß sind. „Passing“ heiße „… durchgehen als …„, eines der Themen, über die geredet wird. Sinngemäß: „Wir wollen nicht sein, was wir sind – das können wir garnicht -, wir wollen „durchgehen als …„“. Passing eben. Wie Schauspieler. Oder sinngemäß: „Im Grunde wollen wir, dass immer nur etwas „nebenan“ geschehe, nicht unmittelbar mit uns„: Und alle sagen etwas dazu.

Handlung? Ein Film wurde gedreht. Im Abspann heißt es aber nicht „Ende“, sondern „Fertig!“. Der Regisseur – Thomas Schmauser – regt sich auf, versteht es nicht. Auch die Anderen – Kathrin Angerer, Kinan Hmeidan, Kamel Najma, Benjamin Radjaipour, Damian Rebgetz – überlegen, sind verwirrt. Und schon ist man im ersten Thema: Was ist schon jemals „zu Ende“? Und „Fertig“: „Fertig“ als abgeschlossen, „fertig“ als erschöpft, am Ende, oder was? Und sie reden.

Was überzeugt und Spaß macht, sind die SchauspielerInnen: Kathrin Angerer – die herrlich Harmlose, Unbedarfte. Benjamin Radjaipour – der junge Schlaue, Thomas Schmauser – der aufgeregte Regisseur/Filmproduzent. Diese Drei spielen wunderbar! Sie machen den Abend zu einem doch noch gelungenen Abend! Damian Rebgetz – amerikanischer Cop der 70er Jahre – ist als Einziger nicht genau einzuordnen, hatte vielleicht auch am ehesten Schwierigkeiten damit. Und Kinan Hmeidan und Kamel Najma – meist in ihrer Muttersprache redend.

Realitäten und Gedanken ändern sich. Entsprechend ändern sich Blicke. Man merkt es ja immer wieder am Theater. Und wie ist es bei René Pollesch, Ikone der Theaterwelt der letzten 30 Jahre? Ganz zeitgemäß sind seine Themen in „Passing“ nicht, fand ich, es gibt Brennenderes. Gut, Theater muss nicht „zeitgemäß“ sein, muss nicht immer die Finger in die Wunde legen! Aber wenn man René Polleschs Herangehensweise etwa mit Milo Rau, Forced Entertainment, vielen anderen vergleicht: René Polleschs Abend hatte dann etwas Altbackenes, etwas die zurzeit brennende Welt Verharmlosendes. Muss auch mal sein, könnte man sagen!

Kleine „Abschweifungen“ zur Realität noch: Wir stecken in ihr fest, so ist es! Darum geht es! Noch dazu ist es ja so: Der Mensch findet keine guten Lösungen für die Realität! Er bemüht sich, aber meist geht es schief. Unfähig sind wir! Man sieht es weltweit! Hier und da gibt es eine gute Lösung, aber im Grunde: „Fehlanzeige“!

Es geht daher darum, Alternativen zur Realität zu erkennen, das ist unsere einzige Chance! Und gerade die Kunst – dazu gehört die Theaterkunst – ermöglicht es, solche Alternativen zur Realität aufzuzeigen, aufzuspüren! Und die Realität zu kritisieren! Zu zeigen, wie man die Dinge auch sehen kann, wie man sich in ihr verhalten könnte, sie verändern könnte, sie sich wünschen kann …. jede Kunst schafft subjektive Möglichkeiten, uns von der Fessel der Realität zu lösen … was immer dringend nötig ist, immer gut tut.

Nur den Blick auf die letztlich in die Irre führende Realität gerichtet, verlören wir unser Kritikbewusstsein, bekämen einen Tunnelblick, würden Alternativen nicht erkennen, würden Toleranz verlieren, würden uns und die Realität für das Wahre halten, würden an der Realität scheitern, verzweifeln! Wir würden übersehen, auf welch verschiedene Arten wir die Realität sehen und gestalten könnten. Wir würden uns und die Realität mehr und mehr verkennen! Man stelle sich vor, es gäbe nur die Realität – was auch immer die Realität ist, jeder hat ja seine eigene Realität.

Fazit: Ein recht amüsanter Theaterabend, nicht aufregend, etwas weltfremd. HIER der link zur Stückeseite.

Copyright des Beitragsbildes: Thomas Aurin

THEATER und LITERATUR: „The Vacuum Cleaner“ und „Ich nannte ihn Krawatte“

DER ROMAN: Es ist die Erzählung über einen „Hikikomori“. Unter anderem zumindest. Ich bin andererseits durch ein Theaterstück auf das Buch gekommen. Es wurde mir dazu empfohlen. DAS THEATERSTÜCK: „The Vacuum Cleaner“ von Toshiki Okada, das an den Münchner Kammerspielen läuft.

„Ich nannte ihn Krawatte“ heißt der ROMAN von Milena Michiko Flašar. Es geht, wie im THEATERSTÜCK, um einen sogenannten „Hikikomori“. „Hikikomori“ werden in Japan Menschen genannt, die sich jahrelang von der Außenwelt abkapseln und – anstatt etwa irgendwann in jungen Jahren von zu Hause auszuziehen – nurmehr in ihren vier Wänden leben. Kein Kontakt zur Außenwelt! Schluss mit Gesellschaft! Es soll etwa eine Million Hikikomori in Japan geben – wobei die Zahlen sehr schwanken.

Die INSZENIERUNG „The Vacuum Cleaner“ wiederum ist zum Theatertreffen 2020 nach Berlin eingeladen, das im Mai stattfindet. Es wurde als eine der „10 bemerkenswertesten Inszenierungen deutschsprachiger Bühnen des vergangenen Jahres“ (die sogenannte „10er-Auswahl“) nach Berlin eingeladen. Das wiederum hatte mich angesichts der unspektakulären Inszenierung übrigens etwas gewundert, aber gut! Ich schreibe hier wenig über die Inszenierung.

HIER vielmehr „nur“ der Link zur Stückeseite, auf die ich schlicht verweise. HIER noch ein Video mit der Begründung der Jury des Berliner Theatertreffens zur Auswahl von „The Vacuum Cleaner!.

Es ist jedenfalls keineswegs eine irgendwie aufwühlende Inszenierung, eher ruhig und überschaubar. So arbeitet Toshiki Okada immer wieder an gesellschaftlichen Erscheinungen aus Japan – zum vierten Mal an den Münchner Kammerspielen. Immer etwas zurückhaltend und wahrscheinlich erkennen wir nicht alle Andeutungen und Anspielungen seiner „japanisch“ leisen und natürlich japanisch vornehmen und zurückhaltenden Arbeiten.

Meine Bewertung des Romans „Ich nannte ihn Krawatte“ jedenfalls, um den es hier im Folgenden gehen soll: 6 von 10 Punkten.

Man hält ein recht schmales „Büchlein“ in der Hand. Ein Büchlein aber – sah ich – mit über einhundert ganz kurzen, kleinen Kapiteln – mal ist es eine Seite, mal sind es eineinhalb Seiten, fast nie mehr. Auch inhaltlich ist es – merkte ich dann – keineswegs nur ein „Büchlein“. Das geschilderte Geschehen ist zwar äußerst überschaubar – hauptsächlich eine Unterhaltung des Hikikomori auf einer Parkbank mit einem Herrn, den er eben „Krawatte“ nannte.

Schlicht also, es werden aber viele viele Eindrücke von beiden „Protagonisten“ erzählt, angesprochen. Zu viele für meinen Geschmack. Fast jedes der Geschehen, die so angesprochen werden, wäre für sich gesehen einen eigenen Roman wert. Es sind im Wesentlichen folgende Geschehen, die angesprochen werden und mit denen der Leser also konfrontiert wird :

  • Der Hikikomori wagt sich tatsächlich von zuhause heraus! Er geht in einen Park, sitzt auf einer Bank. „Krawatte“ sitzt ihm wochenlang gegenüber.
  • „Krawatte“ wiederum hat kürzlich seinen Job verloren und traut sich nicht, es seiner Frau zu gestehen, er tut so, als würde er täglich zur Arbeit gehen.
  • „Krawatte“ ist – liest man dann – Vater eines behinderten Sohnes gewesen. Er verlor seinen Sohn sehr früh – als Säugling starb es schon. Davon erzählt er dem Hikikomori.
  • Der Hikikomori wiederum hatte durch einen Unfall einen Freund fast verloren. Das war der Anlass für ihn, sich aus dem Leben zurückzuziehen, er wollte nicht mehr in das Leben andere „hineingezogen“ werden. Schuldgefühle und Scham.
  • Weiter: Der Hikikomori war – fast noch als Kind – in das eigenwilligste Mädchen der Straße verliebt. Der Hikikomori verlor dieses Mädchen, sie beging Selbstmord, weil sie in der Schule, scheint es, gemobbt wurde.
  • Und weiter: Der Hikikomori traf aus zunächst unerfindlichen Gründen „Krawatte“ nicht mehr im Park an – sieben Wochen lang , bis er erfuhr, dass „Krawatte“ genau an dem Tag, an dem er – auch auf Anraten des Hikikomori – seiner Frau vom Jobverlust erzählen wollte … und so weiter.
  • „Krawattes“ Frau erzählt dem Hikikomori dann später, sie habe ….

Ich will nicht alles verraten. Soviel erfährt man jedenfalls. Puh! Ich muss gestehen: Ich dachte, es ginge in dem Roman hauptsächlich um die Gedanken eines Hikikomori. Aber es geht eher um „Krawatte“:

Es ist gut geschrieben, schön zu lesen, aber eben alles etwas viel. So viele erschütternde Ereignisse in diesem Roman! Wirklich schön sind aber die immer wieder auftauchenden, sensiblen wunderbaren Gedanken zum Leben – das Leben, was ist das schon? Das wiederum sind wohl Gedanken eines Hikikomori! Wegen dieser Gedanken lohnt es!

MUSIK: The Rolling Stones – Sympathy for the Devil

Einer meiner Lieblingssongs der Rolling Stones – das muss jetzt auch mal sein. In meine Musiksammlung gehören sie.

Unten der Song. Hier erst einmal die Lyrics:

Please allow me to introduce myself
I’m a man of wealth and taste
I’ve been around for a long, long year
Stole many a man’s soul and fate
I was ‚round when Jesus Christ
Had his moments of doubt and pain
Made damn sure that Pilate
Washed his hands and sealed his fate

Pleased to meet you
Hope you guess my name, oh yeah
But what’s puzzling you
Is the nature of my game
I stuck around St. Petersburg
When I saw it was a time for a change
Killed the Czar and his ministers
Anastasia screamed in vain
I rode a tank
Held a General’s rank
When the Blitzkrieg raged
And the bodies stank

Pleased to meet you
Hope you guess my name, oh yeah
What’s puzzling you
Is the nature of my game, oh yeah
I watched the glee
While your kings and queens
Fought for ten decades
For the Gods they made
I shouted out
„Who killed the Kennedys?“
Well after all
It was you and me
Let me please introduce myself
I’m a man of wealth and taste
And I laid traps for troubadours
Who get killed before they reached Bombay

Pleased to meet you
Hope you guess my name, oh yeah
But what’s puzzling you
Is the nature of my game, oh yeah
Pleased to meet you
Hope you guess my name, oh yeah
But what’s confusing you
Is just the nature of my game, ooh yeah
Just as every cop is a criminal
And all the sinners saints
As heads is tails just call me Lucifer
I’m in need of some restraint

So if you meet me, have some courtesy
Have some sympathy and some taste
Use all your well learned politics
Or I’ll lay your soul to waste, mmm yeah
Pleased to meet you
Hope you guess my name, mmm yeah
But what’s puzzling you
Is the nature of my game, get down
Woo hoo, ah yeah, get on down, oh yeah
Tell me, baby, what’s my name?
Tell me, honey, baby guess my name
Tell me, baby, what’s my name?
I’ll ya one time you’re to blame
What’s my name?
Tell me, baby, what’s my name?
Tell me, sweetie, what’s my name?

Es gibt natürlich auch Coverversionen des Songs. Eine von The Neptunes fand ich gut. Sie unterscheidet sich im Grunde nur leicht vom Original, ist einfach moderner. Auch andere Versionen gibt es natürlich, etwa von Motörhead. Aber die Version von The Neptunes bringe ich ganz unten noch.

Hier erst einmal das Original:

ANKÜNDIGUNG: Georg Büchner – Woyzeck

Tipp für die Theaterfreunde des Blogs: Als „HÖRSPIEL DES MONATS“ bringt der Deutschlandfunk (nicht Deutschlandfunk Kultur!) am Samstag, den 7. März 2020, um 20:05 Uhr das Hörspiel „Woyzeck“.

Gesprochen u.a. von Markus Meyer nach dem gleichnamigen Theaterstück von Georg Büchner. Markus Meyer ist derzeit Mitglied des Ensembles des Wiener Burgtheaters. Kann doch interessant sein, diesen Klassiker als Hörspiel zu verfolgen, nur dem Text intensiv zu folgen.

Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste in Frankfurt am Main zeichnet jeden Monat ein Hörspiel aus den Produktionen der ARD-Anstalten aus. Die Entscheidung über das HÖRSPIEL DES MONATS trifft eine Jury, die jeweils für ein Jahr unter der Schirmherrschaft einer ARD-Anstalt arbeitet. Am Ende des Jahres wählt die Jury dann aus den zwölf Hörspielen des Monats das HÖRSPIEL DES JAHRES.

Woyzeck, der aus Liebe – oder eher weil er an der Gesellschaft zerbricht – seine Geliebte ermordet.

HIER der link zur Website der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste mit der Begründung der Auswahl und einem Archiv aller bisherigen Auswahlen.

Das Blogbild entstammt übrigens einer Woyzeck-Inszenierung des Akademietheaters in Wien. Sie hatte im April 2019 Premiere, müsste noch laufen, Näheres finde ich allerdings nicht. Es ist eine Inszenierung von Johan Simons, mit Steven Scharf und Anna Drexler etwa, beide waren ja zuvor auch im Ensemble der Münchner Kammerspiele. HIER ein Trailer.

Copyright des Beitragsbildes: Reinhard Werner

THEATER: Bertolt Brecht – Im Dickicht der Städte

Kämpfen war in den letzten Wochen – mit verschiedenen Schwerpunkten – das Motto an den Münchner Kammerspielen: Es geht uns ja eigentlich täglich um einen Kampf – den Kampf gegen große und kleine Widrigkeiten, den täglichen Kampf der Selbstbehauptung.

Es begann mit dem kleinen Festival „Friendly Confrontations“, vor etwa zwei Wochen. Man konnte unter anderem einen dokumentarischen Film sehen, in dem gezeigt wurde, wie Boxsportler des TSV 1860 München in ein Trainingslager nach Ghana fuhren. Danach konnte man einen Abend lang Boxduelle verschiedener Gewichtsklassen zwischen Boxsportlern des TSV 1860 München und denjenigen einer ghanaischen Auswahl – wohl der Nationalmannschaft – ansehen. Richtige Boxkämpfe – im Theater, in Kammer 2 der Münchner Kammerspiele.

Dahinter stand sportliche Freundschaft zwischen Boxern verschiedener Nationen. Kampf und Freundschaft. Kampf muss nicht immer gehässig sein. Hier ein eigenhändig geschossenes Bild:

Kurze Zeit später das Bochumer Gastspiel der „Penthesilea“ von Heinrich von Kleist in den Kammerspielen. Eine Inszenierung des Klassikers von Johan Simons. HIER mein Bericht dazu. Auch dort ging es um Kampf. Penthesilea muss Achill besiegen, sie liebt ihn. Und Achill liebt Penthesilea. Kampf und Liebe.

Und jetzt Premiere von Bertolt Brechts sehr frühem Stück „Im Dickicht der Städte“. Eine Inszenierung von Christopher Rüping, der mittlerweile – er war ja mehrere Jahre lang an den Münchner Kammerspielen – Hausregisseur am Schauspielhaus Zürich ist.

Noch früher hatte Bertolt Brecht „Trommeln in der Nacht“ geschrieben, das Christopher Rüping ebenfalls inszeniert hatte. Und auch jetzt wieder geht es ums Kämpfen. Man hörte immer wieder auch bei dieser Inszenierung den Gong für die Einleitung einer weiteren „Runde“. Bertolt Brecht schildert einen „Kampf“ zwischen einem Holzhändler (Shlink) und einem kleinen Angestellten einer Buchhandlung (Garga). Der Holzhändler fordert den Kampf – man weiß gar nicht warum. Des Kämpfens willen? Der Selbstbehauptung willen? Er gibt alles auf, schenkt es Garga. Alles kommt ins Wanken. Schwer zu verstehen, was Bertolt Brecht dabei dachte. Kampf und Soziales sicher auch. Auch Kampf gegen Einsamkeit, Kampf gegen Aussichtslosigkeit. Kampf jedes/r einzelnen.

Bertolt Brecht Stück ist insgesamt äußerst schwer verständlich. Ich könnte es dreimal lesen, würde es nur bruchstückhaft verstehen. Hieraus eine Inszenierung zu machen, ist erstaunlich. Christopher Rüpings Inszenierung folgt zwar dem Verlauf des von Bertolt Brecht geschriebenen Stückes. Vor allem viele soziale Aspekte aber, die Bertolt Brecht in seinem Stück brachte und die ihm wahrscheinlich wichtig waren, verschwinden bei der Inszenierung von Christopher Rüping. Rüping holt Bertolt Brecht Stück in die mittlerweile völlig veränderte Gegenwart, legt den Schwerpunkt eher auf die Isolierung jedes einzelnen Menschen.

Beginnend schon vor der Aufführung, wenn sich im Foyer des Theaters Schauspieler/innen in einer riesigen durchsichtigen Plastikkugel aufhalten und nur auf ihr Handy starren. Sie hören nichts, sehen niemanden an. Die chaotische Bühne ist nur mit Rollkisten für Requisiten vollgestellt. Das Ensemble leistet durchgehend wieder Erstaunliches in dieser sehr freien Inszenierung. Jede/r spielt jede/n, es werden verschiedene Sprachen gesprochen. Das Dickicht von Großstädten, auch so holt Christopher Rüping das Stück in die Gegenwart.

Und jeder kämpft irgendwie um Liebe, ohne zum Ziel zu gelangen, ohne auch zur Liebe fähig zu sein, ohne auf Gegenliebe zu stoßen … Schwerpunkt dieser Inszenierung: Liebe und Anerkennung, nicht – wie eher bei Brecht – Soziales. Ich habe das Stück erst im Nachhinein gelesen und werde mir die Aufführung ein weiteres Mal ansehen. Erst dann, glaube ich, kann ich mehr beurteilen. Erst dann werde ich mehr darüber schreiben können.

Es wird sich empfehlen, Bertolt Brechts Stück „Im Dickicht der Städte „ vorab gelesen zu haben, auch wenn Brecht einen wohl anderen Schwerpunkt im Auge hatte. Und auch, wenn es schwer fallen wird, Brechts Originalstück zu verstehen.

Sehen kann man diese Inszenierung im März an vier Terminen. Ein Theaterabend fürs irgendwie freie Theater, nicht klassisch, nicht umwerfend. Vielleicht auch an Bertolt Brechts Original vorbei. Aber es heißt ja auch: „Im Dickicht der Städte“ NACH Bertolt Brecht. Es hätte auch heißen können: „Im Dickicht der Städte HEUTE“

HIER der link zur Stückeseite.

Copyright des Beitragsbildes: Julian Baumann

THEATER: Heinrich von Kleist – Penthesilea

Von ganz oben hängen hinten an der Rückwand der Bühne und an den Seitenwänden tiefschwarze Vorhänge herab. Vorne ist der Bühnenboden – vielleicht in einem Meter Breite – grell von unten beleuchtet, ein Plexiglasboden vielleicht. Ein grelles dünnes Lichtband. Und zwei Personen: Penthesilea und Achill. Mehr nicht.

Ein Gastspiel des Schauspielhauses Bochum. Inszenierung von Johann Simons. Klingt ja interessant. Schauspieler sind noch dazu die renommierten Sandra Hüller (als Penthesilea ) und Jens Harzer (als Achill). Starbesetzung. „Penthesilea“ von Heinrich von Kleist, Textfassung von Vasko Boenisch.

Ein alter Stoff? Nun: Es ist doch immer wieder erstaunlich, was die „alten“ Griechen schon an Konflikten in ihren Mythen, Erzählungen, Dramen etc. kreiert oder beschrieben hatten. Erwähnt wird Penthesilea etwa in der Aithiops, einem Epos, das einem gewissen Arktinos von Milet um 750 v. Chr. zugeschriebenen wird. Und um 20 v. Chr. wird sie kurz in der Aeneis von Vergil erwähnt. Heinrich von Kleist hat in seinem Drama „Penthesilea“ den Mythos um Penthesilea allerdings stark verändert. Dennoch, der geschilderte, behandelte Konflikt um Penthesilea bleibt: Liebe und Kampf.

Die Zeit des griechischen Altertums, sie ist andererseits nicht lange her: Meine beiden Großväter etwa, die ich noch persönlich kannte, waren Ende des 19. Jahrhunderts geboren! Ich kannte sie. 1899 war der eine von ihnen geboren, 1883 der andere. Heinrich von Kleist starb auch im 19. Jahrhundert, wenige Jahre davor. Er brachte ja seine Freundin und dann sich selbst im Jahre 1811 um. Heute leben wir im 21. Jahrhundert. So schnell vergeht die Zeit.

Und etwas weiter zurückgeblickt ins Mittelalter und ins Altertum sind es dann auch nur nur wenige Generationen. Wenige Generationen! Noch im Mittelalter „überlegte“ man etwa, ob nicht Latein, das „alte“ Latein, die große europäische Sprache werden könnte oder müsste. Es wurde Englisch, aber man sieht: Es liegt alles nah beieinander!

Und Henrich von Kleist – auch die Griechen – werden im Grunde ihres Herzens oft auch so gefühlt haben, wie wir es heute tun. Der Mensch hat sich ja nicht völlig verändert. Er und seine Gefühlswelt jedenfalls. Die Lebensweise schon. Heinrich von Kleist hatte eben die Gabe, diese Gefühlswelten in seinen Werken darzustellen.

Zum Abend an den Kammerspielen: Zwei Aufführungen von „Penthesilea“ von Heinrich von Kleist gab es an den Kammerspielen. Das Stück läuft weiterhin im Schauspielhaus Bochum. Der Spielplan des Schauspielhauses Bochum ist ja im Blog rechts oben in der Rubrik „Websites und Spielpläne von Theatern“ leicht zu finden. Sandra Hüller spielt derzeit übrigens in Bochum auch in der zum Berliner Theatertreffen 2020 eingeladenen (!) Inszenierung von Shakespeares Hamlet von Johan Simons. Sie spielt die Rolle des Hamlet.

Und: Am Schauspielhaus Bochum gibt es die Reihe „Johans Happy Hour“. Johan Simons im Gespräch mit SchauspielerInnen/RegisseurInnen der Produktionen. Am 17.2.2020 führt er dort ein Gespräch mit Sandra Hüller.

Und noch etwas: In der neuen Ausgabe von DIE DEUTSCHE BÜHNE gibt es ein Interview mit Sandra Hüller. Sie ist also in aller Munde – nicht erst seit dem großen Filmerfolg „Toni Erdmann“.

„Penthesilea“ von Heinrich von Kleist, die Amazonenkönigin, die sich vor Trojas Toren Achill als Liebschaft auserwählt. Die Amazonen wählten ja immer wieder Männer aus, um mit ihnen lustvoll auf dem so genannten Rosenfest Nachkommen zur Erhaltung des Geschlechtes der Amazonen zu zeugen. Auch Achill liebt Penthesilea. Es ist der Wahnsinn zwischen Liebe und Kampf, sowohl auf Seiten von Penthesilea, als auch auf Seiten von Achill. Heinrich von Kleist verdeutlichte dieses Duo „Liebe und Kampf“ noch.

Steckt hinter diesem „Duo“ nicht sogar der Gedanke: Liebe hat immer etwas mit Kampf zu tun! Liebe ist Kampf, wenn auch ganz versteckt. Eine Überlegung für Sigmund Freud. Mit Liebe wird der Geliebte oder die Geliebte irgendwie niedergerungen, könnte man sagen! Ein weites Feld! Kämpft nicht jeder Mensch gegen sein Gegenüber? Vor allem in der Liebe? Er oder sie ist es ja, die „Recht haben“ will. Genau so lässt sich jedenfalls Penthesileas Geschichte von Heinrich von Kleist komplett lesen.

Die Inszenierung von Johann Simons wagt sich allerdings nicht an solche Überlegungen heran. Auch nicht die Textfassung von Vasko Boenisch. Leider. Man verfolgt bei dieser Inszenierung eher das äußere Geschehen um Penthesilea und Achill. Das ist schade. Dem wunderbaren Text von Heinrich von Kleist wird so meines Erachtens zuviel Sensibilität genommen. Auch Sandra Hüller und Jens Harzer können dem nichts entgegensetzen. So großartig ihre Arbeit am Text ist – es fehlte meines Erachtens – jedenfalls an diesem Abend – eine irgendwie erregende Sensibilität. Es fehlte vielleicht das eigentliche Thema von Heinrich von Kleists „Penthesilea“. Das Zusammenwirken von Sandra Hüller und Jens Harzer – Träger des berüchtigten Iffland-Ringes – auf der Bühne strahlte meines Erachtens zu wenig den Aspekt der Liebe aus. Vielleicht war alles auch nur zu textlastig.

Insoweit war der begeisterte Applaus eher der großen Textleistung von Sandra Hüller und Jens Harzer geschuldet – oder allein ihren Namen. Mit Hamlet scheint Sandra Hüller derzeit am Schauspielhaus Bochum mehr zu überzeugen.

HIER der link zur Stückeseite. Und HIER ein Trailer zu „Penthesilea“.

Copyright des Beitragsbildes: Monika Rittershaus