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THEATER: 3sat – Starke Stücke

HIER der Link zur Mediathek von 3sat. (Unten finden sich jeweils die Links zu den einzelnen Produktionen)

Gezeigt werden:

  • „Laios“ ab sofort bis 30.08.2024
  • „Macbeth“ ab sofort bis 30.08.2024
  • „Bucket List“ ab sofort bis 01.05.2027 (!).

Im Einzelnen:

LAIOS: Inszenierung am Deutschen Schauspielhaus Hamburg.

„Laios“ ist der zweite Teil des Antiken-Marathons „Anthropolis“ und das Prequel zu „Ödipus“. Wer war Ödipus‘ Vater, König Laios von Theben? Die Geschichte wiederholt sich: Das Schicksal von Vater und Sohn ist gar nicht so unterschiedlich, beider Kindheit ist von Gewalt und Ablehnung geprägt. Laios musste aus Angst um sein Leben schon als Kind Theben verlassen und ins Exil gehen. Als aber Jahre später kein Thronanwärter mehr übrig war, die Zeiten waren blutig, kehrt er in seine Heimatstadt zurück. Zu seiner Königin macht er Iokaste. Eine fast stürmische Love-Story, so scheint es, doch das Paar steht unter keinem guten Stern. Die Weissagung der Seherin Pythia verbietet dem Königspaar Nachkommen zu zeugen. Doch schließlich wird der kleine Ödipus geboren und der Kreislauf der Gewalt startet von Neuem. (Zusammenfassung von 3sat auf deren Website/Mediathek).

HIER der direkte Link zum Stück „Laios“ in der 3sat-Mediathek.

MACBETH: Inszenierung am Schauspielhaus Bochum.

Brutal und skrupellos machen sich er und seine Frau, Lady Macbeth, daran die Prophezeiung wahr werden zu lassen. Alle, die der Königskrone im Weg stehen, werden nach und nach kaltblütig beseitigt. Von Machtwillen zerfressen wird das Fundament auf dem Herrscher und Herrscherin ruhen immer brüchiger, beider Seelenzustand verfinstert sich, die Weissagung stellt sich als Fluch heraus. Die errungene Macht hat Paranoia im Schlepptau. (Zusammenfassung von 3sat auf deren Website/Mediathek).

HIER der direkte Link zum Stück „Macbeth“ in der 3sat-Mediathek.

BUCKET LIST: Inszenierung an der Schaubühne Berlin.

„Ein Mann erwacht eines Tages und alles ist anders. Ein Käfer, wie in „Die Verwandlung“ von Franz Kafka, ist er zwar nicht, aber die Welt um ihn herum könnte ihm fremder nicht sein. In einer dystopischen nahen Zukunft verspricht ein dubioses Start-up namens „Zeitgeist“ die volle Kontrolle über das eigene Gedächtnis, erinnern wird optional. Traumatische Erinnerungen sollen sogar ganz gelöscht werden können. Doch es gibt einen Haken. (Zusammenfassung von 3sat auf deren Website/Mediathek).

HIER der direkte Link zum Stück „Bucket List“ in der 3sat-Mediathek.

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THEATERTREFFEN 2024

690 Inszenierungen wurden gesichtet.

  • 1. Die Vaterlosen, Münchner Kammerspiele, HIER zur Website des Stückes.
  • 2. Riesenhaft in Mittelerde, Schauspielhaus Zürich, HIER zur Website des Stückes.
  • 3. Bucket List, Berliner Schaubühne, HIER zur Website des Stückes.
  • 4. Macbeth, Schauspielhaus Bochum, HIER zur Website des Stückes.
  • 5. Laios, Deutsches SchauSpielHaus Hamburg, HIER zur Website des Stückes.
  • 6. The Silence, Berliner Schaubühne, HIER zur Website des Stückes.
  • 7. Übergewicht, unwichtig: Unform, Staatstheater Nürnberg, HIER zur Website des Stückes.
  • 8. Extral Life, Ruhrtriennale, HIER ein Trailer
  • 9. Nathan der Weise, Salzburger Festspiele, HIER ein Trailer
  • 10. Die Hundekotattacke, Theaterhaus Jena, HIER zur Website des Stückes.

Und HIER schon der Link zur Website des Theatertreffens mit allen Informationen zu den 10 Stücken.

THEATERTREFFEN 2022: Dante Alighieri – Das neue Leben (Schauspielhaus Bochum)

Die Inszenierung aus Bochum heißt im Ganzen: „Das neue Leben – Where do we go from here?“. Frei nach Dante Alighieri, Meat Loaf und Britney Spears führt uns Christopher Rüping mit dieser Inszenierung durch das Jugendwerk von Dante Alighieri „Vita Nova“, mit Teilen von Dantes „Göttlicher Komödie“ und bis hinein zu moderner Musik. Es ist eine Produktion des Schauspielhauses Bochum, die im Rahmen von „Transfer Bochum/Zürich“ entstanden und zum Theatertreffen 2022 eingeladen war.

Ein Todestag:

2021 jährte sich der Todestag von Dante Alighieri zum 700ten mal. Eine Anmerkung: Ich gebe Nachhilfe in Latein und eine Schülerin sagte mir letztens: „Wenn eine Generation 30 Jahre sind, sind schon 20 Generationen 600 Jahre!“ Ja, das Mittelalter, die Zeit bis dahin zurück ist nichts! Ich persönlich erlebte, erlebe aktuell und werde in meinem Leben allein fünf Generationen erleben: Meine Großeltern – meine Eltern – meine eigene Generation – meine Kinder – und möglicherweise einmal meine Enkelkinder. Was sind da 20 oder auch 50 Generationen? 60 Generationen und wir sind bei den Römern!

Die Links:

HIER der Link zur Stückeseite „Das neue Leben“ auf der Website des Schauspielhauses Bochum.

HIER einen Trailer zum Stück.

HIER der Link zur Website des Theatertreffens 2022 mit allen Infos zu allen Stücken und Veranstaltungen und dem weiteren Programm!

Insgesamt zum Abend:

Er konnte dieses Jahr im Rahmen der Eröffnung des Theatertreffens 2022 online im Livestream verfolgt werden. In Bochum ist es Mitte Juni zweimal zu sehen. Ein Fazit: Dieser Abend schaffte es, das Leben ganz groß und gleichzeitig ganz klein zu machen. Ja, das geht! Das Leben ist sehr groß, wenn es auf wahre Liebe trifft – und das Leben ist sehr klein, wenn es auf das Alter trifft. Um beide Aspekte geht es. Und so kann ich mein Gefühl nach diesem Theaterabend beschreiben, so hat man an diesem Abend einen sehr grundsätzlichen Blick auf das Leben werfen können. Aktuelle Frage: Könnte denn etwa ein Mensch wie Wladimir Putin mit solchen Gedanken zum Leben irgendetwas anfangen? Gibt es Liebe in seinem Leben? Das kann nicht sein!

Der Abend endet mit den schönen Worten, an das Publikum gerichtet: „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Zuerst die schlechte: Wir werden alle zu Asche vergehen … Und jetzt die Gute: Es bleibt noch Zeit für dich und mich!“ Insoweit ist der Abend eine Eloge an die tief empfundene Liebe, bei aller Vergänglichkeit.

Zu ein paar Einzelheiten des Abends:

  • Die SchauspielerInnen:

Sie wirken bei Christopher Rüping immer wie „auf die Bühne geworfen“. So auch hier. Das wirkt immer entspannt. Sie sollen, meint man, ein Stück entwickeln auf einer bei Christopher Rüping meist weitgehend freien Bühne. Sie sitzen hier zunächst ganz hinten am Ende der riesigen Bühne nebeneinander auf einem bankähnlichen Wandvorsprung, bevor es losgeht, blicken still auf ihre große, fast leere Bühne. (Eine große Ausnahme von diesem “Prinzip“ bildete insoweit der sagenhafte 10-Stunden-Theaterabend „Dionysos Stadt“ von Christopher Rüping an den Münchner Kammerspielen von vor etwa drei Jahren. Dort war die Bühne meist umfassender gestaltet.)

Die vier SchauspielerInnen (am Ende sind es fünf) haben alle eine wunderbare Präsenz auf der Bühne! Damian Rebgetz und William Cooper besonders. Sie beide sind herrlich unterschiedlich, was erfrischend wirkt! Alle vier reden miteinander, sind aber immer Teil einer Person: Dante Alighieri, in seinen Überlegungen über seine einzige Geliebte Beatrice! Am unklarsten einordnen kann man, dachte ich mir, Anna Drexler. Sie spielt oft einen sehr zweifelnden und unsicheren Part, den ich – gerade in Abgrenzung von den anderen Charakteren – schwer einordnen konnte! Ich dachte mir manchmal fast: Sie strahlt irgendwie eine Persönlichkeit aus, die ihrem Part auf der Bühne eigentlich nicht entspricht!

  • Die Entwicklung des Stückes:

Es geht darum, dass Dante Alighieri im Alter von neun Jahren seine große, große Liebe Beatrice erblickt, fortan die “Herrin seines Herzens“. Und diese Liebe ist für ihn so groß, dass er sie niemandem kundtun will. Jahrelang behält er sie für sich. Wenn er sie kundtun würde, seine Liebe, denkt er, wäre sie in der Welt, wäre banal. Für ihn ist die Liebe gerade in ihrer stummen Abstraktheit unfassbar groß. Auch Beatrice wird nie davon erfahren. Die Liebe, er schreibt Sonetten für Beatrice, man hört sie, es wird der Bogen in unsere Zeiten gespannt, man hört Meat Loaf etc. (I would do everything for love). Die Spanne reicht von Musikklängen des Mittelalters bis zu modernsten Beatklängen.

Es kommt der Tod ins Spiel: Eine Freundin von Beatrice stirbt. Der Vater von Beatrice stirbt. Schließlich stirbt Beatrice selbst sehr früh! Und Dante Alighieri hat seine Liebe zu Beatrice nie geäußert! Auf der Bühne überlegen sie gemeinsam: Was ist Liebe? Ist Liebe in Gedanken schon ausreichend?

Dann geht es im „zweiten Teil“ des Abends um das Leben und den Tod insgesamt. Von einem dünnen Stahlarm, der von der hohen Bühnendecke herabragt, wird ein halb abgeblendeter heller Strahler auf die dunkle Bühne gelassen. Er wird leicht über dem Boden gehalten, dreht ganz langsam Kreise. Siehe das Beitragsbild oben! Langsam immer größer werdende Kreise im leichten Nebel: Der halb verdunkelte Kreisel könnte das Leben sein – hell und dunkel – oder gar das Leben und der Tod – immer im Kreis, Leben und Tod sind immer nah beieinander. „Alles fließt“. In mehreren stillen Minuten kann man den Kreisel so beobachten.

Dazu einer der schönsten Momente des Abends: William Cooper tanzt auf der dunklen großen Bühne, leichter Nebel wabert, der Kreisel zieht seine inzwischen größer gewordenen Kreise um ihn herum. William Cooper zeigt uns, was im Leben nur möglich ist: Tanzen. Das Leben leben. Diese Momente sind prägend für die Inszenierung, vielleicht prägend insgesamt für Inszenierungen von Christopher Rüping: An irgendeiner Stelle mischt sich bei ihm gerne „Theater“ mit „Performance“. Die Grenzen verschwimmen fast unmerklich! Hier zwei Fotos dieser Momente:

Im „letzten Teil“ des Abends dann tritt Viviane De Muynck als gealterte Beatrice auf. Was hat das noch mit Liebe zu tun? Nun, sie überlegen gemeinsam, ob dann noch, im Alter, Liebe im Spiel sein kann. Oder ist Liebe nur etwas in jungen Jahren? Viviane De Muynck sagt etwas, was vielleicht für sie rückblickend ihr vergangenes Leben war: Sie sagt, es sei ein Moment der Wachheit gewesen, dann sei sie wieder eingeschlafen.

Hier kommt noch einmal der Gedanke zur Sprache, warum Dante Alighieri gegenüber Beatrice nie äußert hatte, dass er sie liebte! Viviane De Muynck alias Beatrice sagt nur: “Es ist wie es ist! Wir stünden nicht hier, wenn es anders gelaufen wäre!“ „Du hättest nicht über mich geschrieben, es gäbe diese Geschichte nicht“, usw.

  • Insgesamt:

Der Abend gewinnt in seiner zweiten Hälfte ganz entscheidend. Bis zur „Mitte“ hin ist alles teilweise langsam und mit wenig Entwicklung. Dantes „Vita nova“ wird entblättert. Das Grundsätzliche, das hinter allem steckt, öffnet sich in der zweiten Hälfte, aber umso schöner! Der Abend wird plötzlich sehr rund und verständlich! Er wird auch modern (auch durch die coole Musik bei William Coopers Tanz), er enthebt sich wunderbar aus der Geschichte von “Vita nova“. Ein Kritikpunkt vielleicht: Es überlappen sich zuletzt viele Gedanken: Die Liebe, der Tod, das Altern, die Kürze des Lebens, die Reue, etwas nicht getan zu haben … Fast zuviel.

Copyright der Bilder: Daniel Brüggemann, Ostkreuz

THEATER: Berliner Theatertreffen 2022 – Streams

Das Berliner Theatertreffen 2022 nähert sich! Es beginnt am 6. Mai. Es gibt in Kürze wunderbare Streams dazu: Stream 1: Christopher Rüpings Inszenierung „Das neue Leben“, eine Produktion des Schauspielhaus Bochum, wird am 6. Mai im Rahmen des Eröffnungsabends im Livestream einmalig in Echtzeit in der neuen Mediathek der Berliner Festspiele zu sehen sein.   

Zum Stück „Das neue Leben“ kurz: Christopher Rüping begibt sich mit dem entspannten Ensemble auf eine Erkundungsreise durch Dantes Liebeswelt – Dantes 1293 erschienenes Jugendwerk ‚Vita Nova‘ – und die seiner popkulturellen Erb*innen, von Britney Spears bis Meat Loaf.

HIER die Stückeseite auf der Website des Schauspielhaus Bochum – mit Audioeinführung. HIER der link zu einem Trailer. Hier noch ein Foto, für die Verlinkung zur Stückeseite kann man auch das Foto anklicken.

Copyright Jörg Brüggemann/Ostkreuz

Stream 2-4: 3sat bringt auch dieses Jahr wieder drei der 10 für das diesjährige Theatertreffen ausgewählten Inszenierungen im Rahmen der seit Jahren laufenden Reihe „Starke Stücke“. Und zwar:

  • „humanistää! – eine abschaffung der sparten“ vom Volkstheater Wien am Samstag, 21. Mai 2022, 20.15 Uhr

HIER die Stückeseite. HIER der link zu einem Trailer. Hier ein Foto. Auch hier: Für die Verlinkung zur Stückeseite einfach anklicken.

Copyright Nikolaus Ostermann / Volkstheater Wien
  • „Ein Mann seiner Klasse“ vom Staatstheater Hannover am Samstag, 7. Mai 2022, 20.15 Uhr

HIER die Stückeseite. HIER der link zu einem Trailer. Hier ein Foto (Auch hier: Für die Verlinkung zur Stückeseite einfach anklicken!):

Copyright Katrin Ribbe
  • und „Die Jungfrau von Orleans“ vom Nationaltheater Mannheim am Samstag, 14. Mai 2022, 20.15 Uhr.
    HIER die Stückeseite. HIER der Link zu einem Trailer. Hier ein Foto (anklicken!):
Copyright: Christian Kleiner

Aber: Alle drei „Starken Stücke“ stehen dann ab Freitag, 6. Mai 2022 ohnehin weiterhin in der 3satMediathek für 120 Tage zum Abruf bereit!

THEATER: Genaueres zum Theatertreffen 2022

Hier alle Links! Und im Überblick die wesentlichen Details zur diesjährigen 10er-Auswahl für das Theatertreffen 2022, das vom 6. bis zum 22. Mai in Berlin stattfinden wird.

Die 10 ausgewählten Produktionen in der Reihenfolge ihrer Nennung in der heutigen Pressekonferenz der Berliner Festspiele:

  • »Die Jungfrau von Orleans«. Tragödie nach Friedrich Schiller. Bearbeitung von Joanna Bednarczyk. Regie von Ewelina Marciniak. Inszenierung am Nationaltheater Mannheim. HIER der link zur Produktion
  • »Der Tartuffe oder Kapital und Ideologie« von Soeren Voima nach Molière und nach »Kapital und Ideologie«. Regie von Thomas Piketty. Inszenierung des Staatsschauspiel Dresden. HIER der link zur Produktion
  • »Like Lovers Do (Memoiren der Medusa)« von Sivan Ben Yishai. Regie und Choreografie von Pinar Karabulut. Inszenierung der Münchner Kammerspiele HIER der link zur Produktion
  • All right. Good night“, Ein Stück über Verschwinden und Verlust von Helgard Haug. Eine Produktion von Rimini Apparat in Koproduktion mit dem HAU Hebbel am Ufer (Berlin), dem Volkstheater (Wien), The Factory (Manchester), dem Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt am Main), und dem PACT Zollverein (Essen) HIER der link zur Produktion
  • »Doughnuts« von Toshiki Okada. Regie von Toshiki Okada. Inszenierung des Thalia Theater Hamburg. HIER der link zur Produktion
  • »Das neue Leben. Where do we go from here«. Frei nach Dante Alighieri, Meat Loaf und Britney Spears. Regie von Christopher Rüping. Inszenierung des Schauspielhaus Bochum. HIER der link zur Produktion
  • »Die Ruhe«. Eine Performance-Installation von SIGNA Konzept. Regie von Signa Köstler. Inszenierung des Deutschen Schauspielhauses Hamburg. HIER der link zur Produktion
  • »Slippery Slope. Almost a Musical« von Yael Ronen, Shlomi Shaban und Riah Knight, Itai Reicher. Regie von Yael Ronen. Inszenierung des Maxim Gorki Theater Berlin. HIER der link zur Produktion
  • »humanistää! eine abschaffung der sparten« nach Ernst Jandl. Regie von Claudia Bauer. Inszenierung des Volkstheater Wien. HIER der link zur Produktion
  • »Ein Mann seiner Klasse«. Nach dem Roman von Christian Baron. Regie von Lukas Holzhausen. Inszenierung des Schauspiel Hannover. HIER der link zur Produktion

HIER die Seite der Berliner Festspiele zu den Inszenierungen der diesjährigen 10er-Auswahl.


THEATER: Theatertreffen 2022

BREAKING NEWS – BREAKING NEWS – BREAKING NEWS: Vor wenigen Minuten wurden die „10 bemerkenswerten Theateraufführungen des vergangenen Jahres“ für das im Mai stattfindende Theatertreffen 2022 in Berlin bekanntgegeben. Die sogenannte “10er- Auswahl“. Die Pressekonferenz ist momentan noch live online zu verfolgen (bei Zugang).

WANN FINDET DAS THEATERTREFFEN 2022 GENAU STATT? Das Theatertreffen 2022 findet in der Zeit vom 06. Mai bis zum 22. Mai in Berlin statt.

WER HAT DIE 10 STÜCKE AUSGEWÄHLT? Die Jury setzte sich dieses Jahr wie folgt zusammen: HIER.

UND WELCHE 10 STÜCKE WURDEN DIESES MAL AUSGEWÄHLT? Ausgewählt wurden dieses Mal die folgenden zehn Stücke:

  • Die Jungfrau von Orleans von Friedrich Schiller, Inszenierung am Nationaltheater Mannheim
  • Tartuffe nach Moliere, Inszenierung am Staatsschauspiel Dresden
  • Like Lovers Do, Inszenierung an den Münchner Kammerspielen
  • All right. Good night, Inszenierung u.a. am HAU Berlin
  • Doughnuts, Inszenierung am Thalia Theater Hamburg
  • Das neue Leben, Inszenierung am Schauspiel Bochum
  • Die Ruhe, Inszenierung (Performance) am Deutschen SchauspielHaus Hamburg
  • Slippery Slope – Almost A Musical, Inszenierung am Maxim Gorki Theater Berlin
  • humanistää – über die Abschaffung der Sparten, Inszenierung am Volkstheater Wien
  • Ein Mann seiner Klasse, Inszenierung am Schauspiel Hannover

HIER der link zur Theatertreffen-Seite.

THEATER: Theatertreffen 2020 virtuell

Das Berliner Theatertreffen findet in diesem Jahr erstmals im virtuellen Raum statt. Vom 01. bis 09. Mai. Gezeigt werden – neben interessanten Talks und Weiterem – sechs Inszenierungen aus der 10er Auswahl als Mitschnitte on Demand für jeweils 24 Stunden. Live-Nachgespräche mit Produktionsbeteiligten und dem Publikum geben Gelegenheit zum Austausch.

Dazu kommt das TT Kontext-Programm „UnBoxing Stages – digitale Praxis im Theater“. Klingt interessant. Theater im Stream zu sehen, verändert ja das Erlebnis. Ich bemerke es auch. Es fehlt etwas Gewohntes, das Liveerlebnis, die Anspannung des Abends, aber man richtet sein Augenmerk vielleicht etwas anders aus und findet seinen Weg und seine Interessen und Freuden dabei!

Gezeigt werden:

  • Hamlet (William Shakespeare und Hamletmaschine von Heiner Müller) vom Schauspielhaus Bochum (HIER mehr.)
  • Anatomie eines Suizids vom Deutschen SchauSpielHaus Hamburg (HIER mehr)
  • Die Kränkungen der Menschheit, eine Koproduktion der Münchner Kammerspiele, des HAU Berlin, des Theaters Kampnagel Hamburg und des Künstlerhauses Mousonturm Frankfurt (HIER mehr)
  • Süßer Vogel Jugend (Tennessee Williams) vom Schauspiel Leipzig (HIER mehr)
  • Chinchilla Arschloch, waswas vom Künstlerhaus Mousonturm, Schauspiel Frankfurt und Rimini Apparat (HIER mehr)
  • The Vacuum Cleaner von den Münchner Kammerspielen (HIER mehr)

HIER der link zur Seite des Theatertreffens virtuell, auf der die sechs gezeigten Produktionen angekündigt werden.

HIER der link zur Seite des Theatertreffens virtuell, auf der das vollständige Programm von THEATERTREFFEN VIRTUELL gezeigt wird.

Beitragsbild: Wortmarke der Berliner Festspiele

THEATER: Streaming auf nachtkritik.de

Das Leben hört ja nicht ganz auf! Wir müssen uns ja irgendetwas erhalten! Etwa das Interesse für Kultur. Für das Theater etwa. Weil die meisten Theater nicht mehr spielen können – auch das diesjährige Theatertreffen wurde abgesagt -, stellt nachtkritik.de einen digitalen Spielplan aus Livestreams und Aufzeichnungen von Inszenierungen zusammen.

Eine schöne Idee! Heute, am 16. März, und morgen, am 17. März, wird ein Mitschnitt von Ersan Mondtags „Tyrannis“ gezeigt. Es lief am Staatstheater Kassel und war zum Berliner Theatertreffen 2016 eingeladen. Auch zu Radikal Jung 2016. Statt Fernsehen wäre das doch eine Alternative!

Hier das Streaming:

THEATER: Theatertreffen 2020

BRANDAKTUELL: Die 10er – Auswahl für das Theatertreffen 2020 in Berlin wurde gerade bekanntgegeben: HIER der link zur offiziellen Seite!!

Nominiert für eine Einladung zum 57. Theatertreffen sind:

– „Anatomie eines Suizids“ von Alice Birch 
Regie Katie Mitchell | Deutsches Schauspielhaus Hamburg

– „Chinchilla Arschloch, waswas. Nachrichten aus dem Zwischenhirn“ von Rimini Protokoll (Helgard Haug)
Konzept, Text und Regie Helgard Haug | Eine Produktion von Schauspiel Frankfurt, Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt) und Rimini Protokoll in Koproduktion mit Westdeutscher Rundfunk und HAU Hebbel am Ufer (Berlin)

– „Der Mensch erscheint im Holozän“ Ein Visual Poem nach Max Frisch
Regie Alexander Giesche | Schauspielhaus Zürich

– „Der Menschenfeind“ von Molière
Regie Anne Lenk | Deutsches Theater Berlin

– „Die Kränkungen der Menschheit“ 
Regie Anta Helena Recke | Eine Produktion von Anta Helena Recke mit den Münchner Kammerspielen in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer (Berlin), Kampnagel (Hamburg) und Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt)

– „Eine göttliche Komödie. Dante < > Pasolini“ von Federico Bellini
Regie Antonio Latella | Bayerisches Staatsschauspiel / Residenztheater, München (Intendanz Martin Kušej)

– „Hamlet“ von William Shakespeare 
mit Auszügen aus „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller
Regie Johan Simons | Schauspielhaus Bochum 

– „Süßer Vogel Jugend“ von Tennessee Williams
Regie Claudia Bauer| Schauspiel Leipzig

– „TANZ. Eine sylphidische Träumerei in Stunts“ 
Konzept, Performance und Choreografie Florentina Holzinger |  
Eine Produktion von Florentina Holzinger in Koproduktion mit Spirit und Tanzquartier Wien, SPRING Festival (Utrecht), Productiehuis Theater Rotterdam, Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt), Arsenic (Lausanne), Münchner Kammerspiele, Take Me Somewhere Festival (Glasgow), Beursschouwburg (Brüssel), deSingel (Antwerpen), SOPHIENSÆLE (Berlin), Frascati Producties (Amsterdam), Theater im Pumpenhaus (Münster), asphalt Festival (Düsseldorf)

– „The Vacuum Cleaner“ von Toshiki Okada 
Regie Toshiki Okada | Münchner Kammerspiele

THEATERTREFFEN EXTRA: PeterLicht – „Tartuffe oder das Schwein der Weisen“ nach Moliére

Auch dieses Stück habe ich auf dem Theatertreffen 2019 gesehen. Es wurde auch ausgewählt. Ich schreibe wenig darüber, da es ohnehin nicht mehr zu sehen ist (nur noch vorübergehend auf 3sat). Im übrigen hat es mir überhaupt nicht gefallen.

Was war daran denn bemerkenswert? HIER der Link zu 3sat. Man möge sich selbst ein Bild machen.

In der Ankündigung heißt es: „… PeterLichts radikale Neudichtung von Molierès „Tartuffe“ in rasante Komik …“. Wie kann man nur so etwas von diesem Stück behaupten? Radikalrasante Komik! So humorlos bin ich doch garnicht!

PeterLicht kannte ich nicht. Er ist in der Theaterszene durchaus bekannt (gewesen). Ein Indie-Pop Musiker und Autor, heißt es auf Wikipedia. Er war vor Jahren auch mehrfach an den Münchner Kammerspielen. Und hat mit ein paar Büchern schöne Preise gewonnen. Unter anderem den Publikumspreis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs. Vielleicht ist seine Zeit aber längst abgelaufen.

Aber es sollte ja alles so sein:

Bühnenbild: Eine höfische Holzfassade mit vielen Fenstern, Türen und Balkonen. Wie bei Romeo und Julia. Nicht bemerkenswert.

Kostüm: Aufgepluderte bunte Hofklamotten, mittelalterliche Püppchenklamotten, Clownsklamotten (fast) und blonde Haare dazu, was wohl besonders harmlos wirken sollte. Albern. Nicht bemerkenswert.

Schauspielleistung: Hektisch, zerfahren und viel zu schnell im Text. Ich konnte es Gottseidank auf 3sat noch einmal sehen. Nicht bemerkenswert. Wie schon einmal bemerkt: Offenbar meinen manche Regisseure und Theater, es müsste einfach viel geboten werden, es müsste ganz schnelles, einfach viel und verwirrendes Zeug und aufgekratztes Gerede gebracht werden!

Inhaltlich: Es ging in der ersten „Hälfte“ etwa ständig um das Wort „geil“. Das Neue, das Andere sei doch „geil“. Das Wort „geil“ ist aber, finde ich, völlig veraltet. War das „radikal“? Und dann ging es eine Zeit lang um Lutschbonbons. War das „radikal“? Und dann kamen ständig irgendwelche Wortspiele. Das „Geile im Ungeilen oder das Ungeile im Geilen“ und ähnlich. War das „radikal“ oder „rasant komisch“? Oder es ging um Nasenhaarextensions. „Radikal“ oder „rasant komisch“?

Es ist, fand ich, enttäuschend und fragwürdig, dass die Jury des Theatertreffens dieses Stück als besonders „bemerkenswert“ angesehen hat. Bei mir bleibt, wenn ich die beiden Inszenierungen von „Erniedrigte und Beleidigte“ und von „Tartuffe und das Schwein des Weisen“ sehe, der Eindruck hängen, dass die Jury zu konservativ denkt. „Wenn alles o. k. ist, warum soll es dann nicht so bleiben?“, wird an einer Stelle im „Tartuffe oder das Schwein des Weisen“ gesagt. So denkt man vielleicht.

Für mich ist aber eher das bemerkenswert, was den Zuschauer aufrüttelt, in besonderer Art und Weise zu Gedanken angeregt. Das war bei „Tartuffe oder das Schwein des Weisen“ wahrlich nicht der Fall.

THEATERTREFFEN EXTRA: Erniedrigte und Beleidigte – nach Fjodor M. Dostojewski

Beim ersten der hier besprochenen Stücke (vom „Stückemarkt“) ging es – utopisch, gelungen und teils poetisch – um das Verhältnis des Menschen zur Natur. Estado Vegetal von Manuela Infante. H I E R zum Bericht im Blog.

Beim zweiten der besprochenen Stücke ging es – komplizierter, wie beim Psychologen – um den Menschen selbst. Gewissermaßen um das Innere des Menschen. Persona von Ingmar Bergmann. H I E R zum Bericht im Blog.

Beim dritten Stück, über das sich jetzt schreibe, geht es um die Menschen untereinander. Um Liebschaften, Sehnsüchte, Abneigungen, Wünsche, Täuschung etc. Gefühle immer um das Thema Liebe herum. Erniedrigte und Beleidigte von Fjodr M. Dostojewski.

Ich schreibe gerne über das Stück, da es am Staatsschauspiel Dresden noch zu sehen sein wird. Vielleicht geht jemand hin. Ich schreibe ungern über Dinge, die kein Mensch mehr ansehen kann.

Ein entscheidendes Element des Stückes erkennt man gar nicht. Die SchauspielerInnen improvisieren jeden Abend insoweit, als sie die Teile des Stückes jeweils spontan zusammensetzen, ordnen. Es ist keine fortlaufende Handlung, es gibt Rückblenden, es gibt Vorgezogenes. Um das zu erkennen, muss man allerdings den Roman gut kennen.

Eine andere Besonderheit erkennt man gut: Die SchauspielerInnen malen während des zweieinhalbstündigen Stückes im Hintergrund ein riesiges Gemälde. Schwarz und Weiß. Warum sie dies tun, blieb mir allerdings etwas verschlossen.

Man kann dem Stück ohnehin inhaltlich schwer folgen, wenn man den Roman nicht kennt. Worum es geht? A liebt B. B liebt aber C. Der Vater von C möchte aber, dass C die D heiratet. Sie, D, ist vermögend, er hat Schulden. Dann gibt es noch das Waisenkind E und ihren Großvater G. Verbindung: E’s Vater ist … der oben genannte Vater von C! A kennt E. Die Mutter von E ist gestorben. E wächst woanders auf. Und weitere Personen gibt es. Das muss man erst einmal verstehen.

Mir ist nicht ganz klar geworden, warum dieses Stück als eines der „bemerkenswerten“ des vergangenen Jahres zum Theatertreffen ausgewählt worden ist. Ohne Frage: Schauspielerische Höchstleistungen sind zu sehen. Das sieht man auch gut in der Aufnahme des Stückes, die auf 3sat noch zu sehen ist (siehe unten). Allein auch die körperlichen Anstrengungen in diesem langen Stück, in dem eigentlich alle ständig wie wild über die große weitgehend leere Bühne laufen. Es wird auch nur hektisch und laut kommuniziert.

Ohne Frage auch: Es ist eine Inszenierung, die – so wie sie gemacht ist – in jeder Hinsicht stimmig ist. Es gibt keine Brüche. Keine Schwächen, kein Auf und Ab. Alles passt zusammen. Das ist das Gefühl, mit dem ich den Abend verlassen konnte. Das Gesamtbild war ein in sich gelungenes Gesamtbild, inhaltlich war ich aber verwirrt.

Denn: Was ist an der Inszenierung so „bemerkenswert“?

  • Schauspielerisch war es von jedem/jeder überzeugend, aber nicht unbedingt, fand ich, bemerkenswert.
  • Nachteilig war, wie gesagt, dass man dem Inhalt kaum folgen konnte. Da wird man als Zuschauer schnell überfordert.
  • Allein die gute Idee der spontanen Anordnung der Teile des Stückes durch die SchauspielerInnen auf der Bühne als „bemerkenswert“ anzusehen, wird es nicht gewesen sein.
  • Das Malen eines großen Bildes im Hintergrund der weiten Bühne ist auch nicht ganz neu.
  • Die Gesamtherangehensweise an diesen Roman von Dostojewski mag es eher gewesen sein. Man muss den Roman ja inhaltlich irgendwie packen, wenn man ihn auf die Bühne bringen will. Das permanente wirre und hektische Durcheinander der verschiedenen Interessen der in verschiedenen Beziehungen zueinander stehenden Personen war die Herangehensweise. Sie war aber auch erschwerend. Man konnte kaum unterschiedliche Charaktere erkennen. Alle Personen waren im Grunde gleichartig dargestellt, hektisch, total aufgedreht, überdreht, verwirrend und verwirrt.
  • Es ist auch ein Stück, aus dem man – ich jedenfalls – nichts „mitnimmt“. Man hat eine Interpretation eines recht selten gelesenen Dostojewski-Romans auf der Bühne gesehen. Es ging um Liebschaften etc. in St. Petersburg um vielleicht 1850. Man identifiziert sich aber nicht – oder wohl kaum – mit einer der Personen. Gut: Man hat einen Eindruck vom Roman, das war’s.

Mein Eindruck war auch: die Inszenierung war wie eine der längst bekannten Inszenierungen von Frank Castorf – nur ohne das bei Castorf auf einer Drehbühne stehende alte Gebäude mit Neonschriftzug. Frank Castorf ohne Drehbühne. Das war die Machart. Einen Unterschied zu Frank Castorf gab es ansonsten vielleicht noch: Frank Castorf mischt gerne verschiedene Vorlagen miteinander und macht etwas sehr Eigenes daraus. Sebastian Hartmann dagegen, der Regisseur dieser Inszenierung, bleibt weitgehend bei Dostojewskis Roman „Erniedrigte und Beleidigte„. Das allein ist aber auch nicht so „bemerkenswert“.

Die Schauspielerinnen verhalten sich auch im Grunde alle so, wie sie es bei einer Castorfschen Aufführung machen würden. Auch das ist wahrlich nicht „bemerkenswert“.

Es mag einige interessante Äußerungen der Personen zum Leben und zu ihrer Lebenseinstellung – und zur Kunst – gegeben haben, diese Äußerungen gehen aber in der Hektik unter. Auch die Einschübe von Texten aus der „Hamburger Poetikvorlesung“ von Wolfram Lotz gingen für mich meist in der Hektik verloren. Sie wurden auch meist im Laufschritt und mit unglaublichem Sprechtempo vorgetragen.

Alles war inhaltlich und textlich eben eine Nummer zu viel. Wie sollte man das alles verarbeiten? Aber so sind die Zeiten heute wohl! Es muss immer viel geboten werden, es muss immer hektisch sein. Man muss beeindrucken! Man muss Aufmerksamkeit erzeugen, unabhängig davon, dass man sich im Grunde gar nicht mehr versteht! Diesen Nerv hat die Inszenierung getroffen, das schon. Aber ist das „bemerkenswert“. Vielleicht, es war eben so gesehen Fjodr M. Dostojewski nach heutiger Machart.

In diesem Zusammenhang fragte ich mich aber (wieder), ob die Jury des Berliner Theatertreffens nicht zu konservativ an die Dinge herangeht. War das wirklich einer der bemerkenswertesten Höhepunkte der deutschsprachigen Theaterszene des vergangenen Jahres? Vielleicht war die Jury ja froh, in dieser Inszenierung viele Dinge zu finden, die man bereits kennt! Stichwort Castorf. Alte Hüte neu aufgelegt.

Links:

HIER der Zugang zum kompletten Roman „Erniedrigte und Beleidigte“ von Fjodr M. Dostojewski.

HIER der link zur Seite des Stückes auf der Website des Staatsschauspiels Dresden.

HIER der Link zur kompletten Inszenierung. Auch dieses Inszenierung kann derzeit noch komplett in der Mediathek von 3sat angesehen werden. 3sat bringt jedes Jahr drei „Starke Stücke“ vom Theatertreffen.

Und HIER ein Trailer des Staatsschauspiels Dresden zum Stück.

©️ des Beitragsbildes: Sebastian Hoppe

THEATERTREFFEN EXTRA: Ingmar Bergmann – Persona

Ich hatte bisher erst über EIN Stück des Theatertreffens 2019 geschrieben: Über „Estado Vegetal“ von Manuela Infante. HIER mein Beitrag dazu, den ich mittlerweile ergänzt habe. Das Stück hat den Inszenierungsauftrag des Stückemarktes auf dem Theatertreffen 2019 gewonnen und wird im kommenden Jahr in Bochum von Simon Stone inszeniert werden.

Jetzt komme ich zu meiner zweiten Besprechung: „Persona“ von Ingmar Bergmann. Erst – bei „Estado Vegetal“ – ging es (sehr überzeugend) um den Menschen und die Natur, jetzt geht es (sehr diffizil) um den Menschen selbst. Ingmar Bergmann hatte das Stück im Krankenhaus geschrieben. Er hatte eine Lungenentzündung. 1965 wurde der Film „Persona“ gedreht, zum ersten Mal mit Liv Ullmann.

Die Theaterinszenierung der Regisseurin Anna Bergmann mit der deutschen Schauspielerin Corinna Harfouch und der Schwedin Karin Lithman ist eine Koproduktion des Stadttheaters Malmö und des Deutschen Theaters BerlinHIER zur Stückeseite „Persona“ auf der Website des Deutschen Theaters.

Inhaltlich: Die Schauspielerin Elisabet Vogler hört in der letzten Vorstellung der „Elektra“ plötzlich auf zu reden. Sie bringt die Aufführung dann zwar zu Ende, redet danach aber nicht mehr. So liegt sie im Krankenhaus. Die Krankenschwester Alma pflegt sie dort. Schließlich zieht Alma auf ärztlichen Rat hin mit Elisabet Vogler ans Meer, um sie weiter zu pflegen. Es geht um das Verhältnis der beiden zueinander. Es geht aber auch um die Entwicklung beider Personen selbst (letztlich werden beide Personen jeweils Teile einer einzigen Person sein …).

Reden wird nur Alma. Das Verhältnis zwischen Alma und Elisabet hat viele Facetten. Sie sind natürlich nicht alle so zu verstehen, wie Ingmar Bergmann sie verstanden haben wird. Meine Eindrücke:

  • Die Schauspielerin Elisabeth Vogler will keine „Rollen“ mehr spielen. Allerdings geht es ihr nicht nur um die Beendigung ihrer Theaterrollen, sondern im Endeffekt will sie wohl keine „Rollen“ im Leben mehr spielen. Mir scheint, sie meint: Das „Rollenspiel“ im Leben sagt nichts darüber aus, wie man ist. Es verwirrt eher. Mit keiner Rolle und mit keiner Erklärung kann man sich selbst gerecht werden.
  • Die Pflegerin Alma dagegen hält es kaum aus, dass Elisabet Vogler nicht mehr redet. „Sag doch bitte irgendetwas“ sagt sie. Das zeigt einen Konflikt, den vielleicht auch Ingmar Bergmann gesehen hat: Man muss sich verständigen. Wir brauchen es, gehört zu werden und reden zu können. Wir brauchen ein Gegenüber. Einerseits brauchen wir es. Andererseits schwingt immer mit, dass das Reden an sich nur an uns selbst vorbei führt. Wir brauchen das Gegenüber, aber wir halten uns dann ja immer in verfälschenden Rollen auf, die wir spielen. Kann man jemals jemanden erkennen? Kann man sich erkennen? Durch einen Wegfall der Rollen vielleicht. Vielleicht ist das der Zweck des Schweigens von Elisabet Vogler.
  • Spiegelung: Es geht in diesem Stück auf jeden Fall auch um Spiegelung. Schon das Bühnenbild: Eine dünne Wasserfläche auf dem Boden, im Hintergrund blickt man auf in Muschelform angeordnete krumme Spiegel. Alles spiegelt sich. Und beide – Schwester Alma und Elisabeth Vogler – werden sich im Verlaufe des Stückes im Aussehen immer ähnlicher. Elisabet Vogler schminkt sich und Alma anfangs auch identisch. Beide Schauspielerinnen tauschen übrigens auch ihre Rollen der Alma und der Elisabet je nach Schauspielort.
  • Schwester Alma kommt offenbar gerade dadurch, dass Elisabet Vogler nicht mehr redet, endlich auf ihre eigene Persönlichkeit zurück. Durch das Wegfallen der „Rollen“ – die beide ja weiter spielen könnten – entsteht wohl für Schwester Alma der wahre Spiegel, also entsteht die Möglichkeit, sich selber zu erkennen. Schwester Alma erkennt endlich ihre Person. Sie erzählt von hochpersönlichen Erinnerungen – einer Abtreibung, einer sexuelle Szene am Strand. Dinge, die sie wohl wirklich bewegen. Wie beim Psychiater.
  • Es kommen bei Schwester Alma Zuneigung auf, Liebe, Ärger, Wut, Traurigkeit, Erinnerungen. Alles dadurch, dass die „Rollen“ weggefallen sind, die sonst so gespielt werden. Wie beim Psychiater.
  • Ich hatte erstaunlicherweise wenig Bezug zu den beiden Schauspielerinnen. Corinna Harfouch spielte meines Erachtens ihren Part teilweise etwas zu deutlich, etwas zu übertrieben. Und Karin Lithman etwas zu farblos manchmal. Aber sie muss sich ja auch sehr zurückhalten, spricht ja auch nicht.
  • Es geht auch um die Liebe des Kindes zur Mutter, fehlende „Mütterlichkeit“, wie Schwester Alma einmal feststellt. Die Angst der Mutter vor der Geburt des Kindes, erzählt sie, und die Tatsache, dass die Mutter das Kind dann eigentlich nicht will.
  • Am Ende zieht sich Elisabet Vogler zurück, sie setzt sich in die Zuschauerränge. Wie ein Psychiater.

Es ist eine nicht leicht zu verstehende Inszenierung, was allerdings am sicher sehr persönlichen Inhalt liegt, den Ingmar Bergmann geschaffen hat. Die Theaterinszenierung bringt fast identisch den Originaltext von Ingmar Bergmann. Auch der Film wird nicht einfach sein. Ich habe ihn nicht gesehen. Eine Sitzung beim Psychiater (oder Psychologen). Das Bühnenbild passt ideal dazu, aber so wirklich „bemerkenswert“ – das Kriterium des Theatertreffens – war es vielleicht nicht.

Das Stück ist derzeit noch – ACHTUNG! NICHT LANGE! – in voller Länge auf 3sat zu sehen. HIER der Link.

©️ des Beitragsbildes: Arno Declair

THEATERTREFFEN EXTRA: Gesehenes und nicht Gesehenes

So, das Theatertreffen. Ich werde losschreiben, wie eine Serie, ohne Ende, mehrere Folgen, Episoden. Man mag heutzutage ja Serien. Es wird immer weiter gehen. Also, so sieht es aus:

  • 418 Inszenierungen in 65 deutschsprachigen Städten wurden im vergangenen Jahr teils mehrfach von den Juroren besucht.
  • 744 Voten gingen für die Auswahl des Theatertreffens ein.
  • 39 Inszenierungen wurden daraus wiederum für die „10er-Auswahl“ vorgeschlagen.
  • Zehn Inszenierungen wurden daraus schließlich zur 10er-Auswahl ausgewählt.
  • Drei Inszenierungen davon hatte ich schon in München gesehen. „Dionysos Stadt“ von Christopher Rüping (Kammerspiele), „Oratorium“ (Produktion von SheShePop) und „Girl From the Fog Machine Factory“ (Produktion von Thom Luz und Bernetta).
  • Eine weitere der ausgewählten Inszenierungen – „Das Internat“ von Ersan Montag – kann aus zeitlichen Gründen in Berlin nicht gezeigt werden. Es ließ sich in ganz Berlin keine freie Bühne für den mehrtägigen Auf- und Abbau finden.
  • Weiter: Bis jetzt habe ich hier in Berlin zwei weitere Inszenierungen gesehen: „Die Erniedrigten und Beleidigten“ (Staatsschauspiel Dresden) und „Tartuffe oder das Schwein der Weisen“(Theater Basel).
  • Es folgen für mich noch zwei weitere Inszenierungen: „Persona“ (Deutsches Theater Berlin) und „Das große Heft“ (Staatsschauspiel Dresden).
  • Dann habe ich also „Unendlicher Spaß“ (Produktion von Torsten Lensing) und vor allem leider „Hotel Strindberg“ ( Burgtheater Wien) nicht gesehen. Nun gut, mal sehen.

Ein Zwischenruf zum Bisherigen, ein erster kurzer Rückblick:

Nach zwei der Inszenierungen frage ich mich ein wenig: Was will das Theatertreffen? Will es wirklich die 10 „bemerkenswerten“ Inszenierungen des jeweils vergangenen Jahres zeigen? Was ist „bemerkenswert“? „Bemerkenswert“ müsste doch, finde ich, etwas Auffallendes sein. Etwas Ungewohntes. Neuartiges. Nicht Herkömmliches. Da gibt es doch sicher viel.

Ich hatte Zweifel daran, ob wirklich schlicht „Bemerkenswertes“ gezeigt wird. Die bisher hier gesehenen beiden Inszenierungen „Erniedrigte und Beleidigte“ und „Tartuffe und das Schwein der Weisen“ haben mich enttäuscht. Sie steckten meines Erachtens zu sehr im Rahmen des „Herkömmlichen“, des Gewohnten. Recht gut, aber im Gewohnten. Was war da bemerkenswert? „Progressiv“ ist anders! Aber das Theatertreffen schreibt sich ja auch nicht auf die Fahne, speziell progressiv zu sein. Andererseits will es sicherlich nicht in Konservatismus abgleiten.

Ok, man kann andererseits auch zugeben: Es mischt sich, ein paar der gezeigten Inszenierungen (andere als „Erniedrigte und Beleidigte“ und „Tartuffe und das Schwein der Weisen“) sprengen zwar nicht völlig den Rahmen, sind aber jedenfalls einfach rundum gelungen: „Dionysos Stadt“ (die zehnstündige Reise durch die Antike) und „Girl From the Fog Machine Factory“ (es geht um Nebel, und irgendwie um viel mehr) etwa. Beide Stücke sind sehenswert, beide sind irgendwie aus meiner Sicht bemerkenswert.

Theater sollte sich jedenfalls immer wieder entwickeln. Auch Spiegel der Gesellschaft kann es sein. „Oratorium“ von SheShePop, auch eines der ausgewählten Stücke, ist ein solches Spiegelbild: Politisch und gesellschaftskritisch.

Andere Inszenierungen werde ich noch, wie oben gesagt, sehen. Und etwas dazu schreiben. Und …

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Allgemein

THEATER: Aktuelles

Sehr schade: Zum Theatertreffen 2019, dass vom 3. bis 20. Mai in Berlin stattfinden wird, war unter anderem die Inszenierung „Das Internat“ von Ersan Mondtag ausgewählt worden. Das Stück wurde am Theater Dortmund gezeigt. Nun wurde bekannt, dass dieses Stück in Berlin leider nicht gezeigt werden kann.

Das Stück braucht drei Tage Vorbereitung für den Aufbau, den Tag der Aufführung und einen Tag für den Abbau. Offenbar hat sich in ganz Berlin kein Spielort finden lassen, an dem eine fünftägige Besetzung des Spielraumes möglich gewesen wäre. Das ist die Begründung. HIER der Link zu einem Gespräch mit Kay Voges, dem Intendanten des Schauspiels Dortmund. Es ist ja kaum zu glauben, dass in ganz Berlin kein Ort zu finden war! Aber das Gespräch mit Kay Voges zeigt recht glaubhaft, dass es wohl so war.

Ich bringe hier zumindest die Seite der damaligen Inszenierung auf der Website des Theater Dortmund: HIER.

HIER einen kleinen Trailer zur Inszenierung, der sich auf YouTube findet.

Und HIER ein kurzes Video zur Begründung, warum „Das Internat“ von Ersan Mondtag zum Theatertreffen 2019 eingeladen wurde.

THEATER: Berliner Theatertreffen 2019

Es wurden 418 Inszenierungen in 65 deutschsprachigen Städten besucht. 744 Voten gingen ein und die einzelnen Juror*innen haben jeweils zwischen 94 und 121 Inszenierungen gesehen. Insgesamt wurden 39 Inszenierungen vorgeschlagen und diskutiert.

HIER der Link zur 10er-Auswahl 2019. Die zehn bemerkenswertesten Theaterstücke deutschsprachiger Bühnen des vergangenen Jahres, die in Berlin im Mai gezeigt werden, stehen fest.

THEATERTREFFEN EXTRA: Mittelreich nach Josef Bierbichler und nach Anna-Sophie Mahler (Münchner Kammerspiele)

Ich hatte es schon in München gesehen. Mittelreich. Die bayerische Familiensaga, die Erzählung von Josef Bierbichler, die jetzt auch im Kino läuft („Zwei Herren im Anzug“): Mit schwarzer Besetzung, komplett identisch inszeniert wie die im Jahr zuvor gebrachte Inszenierung mit der Ensemblebesetzung der Kammerspiele. Appropriation Art, Inszenierung von Anta-Helena Recke. Es sei die „wichtigste“ Einladung zum diesjährigen Theatertreffen, höre ich im Podcast des Theatertreffen-Blogs TT BLOG 18. Der übrigens zu jedem der gezeigten Stücke und zu allen möglichen Aspekten des Theatertreffens 2018 etwas bringt.

HIER mein damaliger wichtiger Blogbeitrag. Wie könnte man nur zurecht kommen, ohne ihn gelesen zu haben??

Copyright des Beitragsbildes: Judith Buss, Kammerspiele

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Gesehen und gehört

THEATERTREFFEN EXTRA: Elfriede Jelinek – Am Königsweg (Schauspielhaus Hamburg)

Also Elfriede Jelinek, österreichische Trägerin des Literaturnobelpreises! Seit vielen Jahren werden ihre Bücher immer wieder auf die Bühnen gebracht. So in München derzeit (noch) „Wut“, zu sehen am DIENSTAG! 22. Mai, 19.00 Uhr. HIER die Website der Kammerspiele zum Stück, mit Trailern.

Oder auch in Hamburg „Am Königsweg„, die Inszenierung von Falk Richter. Es sind meist extrem wüste Inszenierungen. Reinsetzen, vorbeiziehen lassen und ein paar Ansätze mitnehmen. HIER der Trailer aus Hamburg. Es ist zu viel meist, denke ich. Hier ein paar Bilder:

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Dieses mal gibt es sogar – sieht gar nicht so aus! – ganz ruhige Momente, wenn Ilse Ritter vom Stuhl aus oder vom Balkon aus als Elfriede Jelinek selbst das Wort ergreift. Motto: „Ich werde alt, habe nichts mehr zu sagen, meine Worte werden verschwinden. Also: „Wir lernen ja eh nicht dazu„, siehe Donald Trump. Es ist zu einem großen Teil ein Anti-Trump- Text. (Manchmal liest man nicht „Text“, sondern „Textfläche“, passt besser). Trump wird aber nicht namentlich genannt, man redet abstrakt ständig vom „König“. Der macht, was er will. Obwohl er ja gewählt wurde. Er führt sich auf wie wildgeworden. Wahrheit ist nicht mehr relevant. Tenor der Inszenierung: „Wir sind alle blind„. Siehe das Bild oben.  Und: „Wir meinen dauernd, etwas Neues zu schaffen, aber es ist immer das Alte! Weil nur das kennen wir ja und wir können ja nur etwas schaffen, das wir kennen! Das führt nicht auf einen guten Weg! Und was wahr ist, erkennen wir auch nicht mehr.

Am beeindruckendsten fand ich – nicht nur ich – Benny Claessens. Er ist die zentrale Figur der Inszenierung! Kritikerstimmen sind hingerissen. Er teilt ja das Publikum seit Jahren in begeisterte Fans und angewiderte Lächler, weil er extrem ist. Ein Berserker, der irgendwie auch seinen Charme hat. Er schimpft – brüllt – etwa mit irrer Power auf das Publikum ein. „Grandios“, „versetzte in Verzückung“ etc. liest man. HIER ein Interview mit ihm.

Und wie er über die Bühne geht! Mit einer ganz bestimmten unauffälligen Geste! Eine kleine Bewegung! Arroganz? Wurstigkeit? „Ihr könnt mich mal“? Oder nur Teil seiner Rolle in Am Königsweg? Der undemokratische König sagt heute ja auch: „Ihr könnt mich mal!“ Die Bühne gehört bei diesem Stück jedenfalls – emotional – hauptsächlich ihm. Er verabschiedet sich mit dem T-Shirt-Aufdruck: „Stop being poor“. Passt irgendwie, Trump und Co. werden es immer als „selbstgemacht“ ansehen, wenn man arm ist. Also hör auf damit!“