MUSIK: Prince covering Creep (Radiohead)

Creep war ja einer der größten Erfolge von Radiohead. Ich bin auf Radiohead gestoßen, da in diesen Tagen darüber zu lesen war, dass der Gitarrist von Radiohead Ed O’Brien gerade ein erstes Soloalbum herausgebracht hat. EOB heißt es. Ed O’Brien. HIER ein Artikel aus der FAZ.

Ich habe gestöbert und bringe hier eine schöne Coverversion des Songs Creep, gesungen von – Prince. Ein Liveauftritt aus dem Jahre 2008. Die Kombi Prince und Radiohead ist schön! Prince finde ich ohnehin gut. Oft war Prince damals – liest man – nicht mehr auf Konzerten zu sehen. Und gerade war sein vierter Todestag. Am 21. April hatte er sich gejährt!

Hier also seine Version von Creep. Auch hier bringt Prince unter anderem wieder seinen legendären Falsettgesang. Das Video hört sehr abrupt auf. Aber so ist das Leben: Die schönsten Dinge können ganz abrupt enden! Wir können alles nur genießen, wenn es gerade noch da ist – wer weiß, wie lange!

THEATER: Bertolt Brecht – Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui

Am 3. Juni 2020 ist 25-jähriges Jubiläum! Heiner Müllers legendäre Inszenierung von Bertolt Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ mit Martin Wuttke in der Titelrolle. Ab Freitag, dem 09. Mai 2020, zeigt das BERLINER ENSEMBLE eine 3sat-pAufzeichung der Inszenierung vom Theatertreffen 1996!

Bernhard Minetti spielt noch mit – im Alter von 91 Jahren!! In Minute 48 des Streams hat er seinen ersten Auftritt. Wie Martin Wuttke immer wieder Bernhard Minetti imitiert ist wunderbar! Ganz besonders ist auch die Leistung von Martin Wuttke im Anschluss daran, ab Minute 59 des Streams, wie er Adolf Hitler imitiert!! Unbedingt ansehen!

Der Stream ist eine Woche lang, also bis einschließlich 04. Juni Mitternacht verfügbar.

Zitat des BERLINER ENSEMBLES:

„Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui: Die Parabel über den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg des Diktators Ui erzählt von der Dreistigkeit, Skrupellosigkeit und Brutalität eines kriecherischen Aufstrebers und ist gleichzeitig eine nüchterne Analyse derer, die durch ihren Opportunismus diesen Aufstieg ermöglichen. Bertolt Brecht erzählt mit seinem Stück vom Aufstieg des kleinen Gangsters Ui aus Chicago, der sich zum Diktator erhebt. Geschrieben 1941 spielt das Stück im Chicago der 20er Jahre, die Handlung und die Figuren empfand Brecht Al Capones Mafiagesetzen nach.

Die Wirkung der Inszenierung Heiner Müllers war von Anfang an enorm: „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen, bekam Preise, bereiste als Gastspiel die ganze Welt – u.a. nach Mailand, Moskau, Avignon, Mulhouse, Istanbul, Lissabon, Buenos Aires, Sao Paulo, Gunajuato, Chambéry, Villeurbanne, Berkeley, Los Angeles, Bombay, Calcutta, Neu Delhi und Caracas und wurde bis heute über 400 Mal gespielt.

HIER der Link zum Streaming der Inszenierung.

A Winged Victory For The Sullen

Eine Korrektur des vorigen Beitrags hat also ergeben, dass ich hier einen eigenen Beitrag über „A Winged Victory For The Sullen“ bringe. Es war mein Fehler. „A Winged Victory For The Sullen“ ist der Name eines Musikerduos, nicht eines Stückes von Nils Frahm.

Im letzten Blogbeitrag hört man jetzt also ein Stück von Nils Frahm – und hier bringe ich jetzt gesondert den Mitschnitt eines Konzertabends von A Winged Victory For The Sullen. Nils Frahm wirkt mit, das macht es so verwirrend. Auch verwirrend ist, dass das erste Album des Duos aus dem Jahre 2011 einfach „A Winged Victory For The Sullen“ hieß. Daran hatte Nils Frahm auch mitgewirkt.

Gerade in jetzigen Zeiten sollte man sich ohnehin einmal in aller Ruhe dieses Konzert anhören. Tante Corona hat unser Leben komplett aus den Angeln gehoben – wir haben alle einen vor den Latz bekommen – und wir können und sollten Einiges an unserer Lebensweise überdenken! Machen wir ja sowieso nicht!

Im Februar 2020 hatten sie noch einen Auftritt in der Hamburger Elbphilharmonie. Zu lesen ist zu diesem Konzert etwa:

The New York composer Adam Wiltzie and the Californian pianist and composer Dustin O’Halloran got to know each other in Bologna in 2007 and quickly realised that they shared a fondness for Italian food – and for large-scale, quiet, elegiac compositions with just the right proportion of ambient parts. They formed A Winged Victory for the Sullen and released their first (self-titled) album in 2011, and the follow-up »Atomos« in 2014. This November they will be releasing their new record »The Undivided Five«, an album that directs ideas about rituals, higher powers and creative energies into forceful and flowing musical channels.

Im November 2019 brachten sie ihr Album „The Undivided Five“ heraus. Also alles recht aktuell.

Hier also ein Konzertmitschnitt. Der erste Teil – etwa 44 Minuten – ist auf jeden Fall das Album „A Winged Victory For The Sullen“.

MUSIK: Nils Frahm – All Melody

Dieser Beitrag wurde nachträglich komplett geändert. Ursprünglich war hier ein Mitschnitt des Konzerts „A Winged Victory For The Sullen“ von Nils Frahm gepostet. Es bleibt weiterhin bei Nils Frahm, „A Winged Victory For The Sullen“ ist aber – um korrekt zu sein – einen eigenen Beitrag wert, den nächsten Beitrag! Wer das Konzert von A Winged Victory For The Sullen sucht, findet es dort.

A Winged Victory For The Sullen ist nämlich der Name einer Musikergruppe, nicht eines Stückes von Nils Frahm. Nils Frahm hatte nur für A Winged Victory For The Sullen mitgewirkt bei einem Stück.

Damals, als es noch Konzerte gab … fast eine Schande ist es, dass ich Nils Frahm noch nicht im Blog hatte. Gut, er ist extrem in seiner ruhigen Musik. Trotzdem – ich habe ja durchaus schon Musik aus seiner Richtung im Blog gebracht. Ich mag das Experimentelle, aber auch Poetische und Ruhige sehr. Hier ein schönes Stück von ihm, es ist aber geradezu schwunghaft, fast untypisch für ihn. All Melody. Jedenfalls muss nicht immer alles einen Rhythmus haben!

HIER der Link zu Nils Frahm’s Website. In Hamburg ist er geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin. Auf seiner – neu gestalteten – Website zu stöbern ist interessant! Auch mit Olafur Arnaldson arbeitete er immer wieder zusammen. Von Olafur Arnaldson hatte ich Musik im Blog gebracht (HIER). Auf der Website von Nils Frahm finden sich Links zu Musikstücken, die er mit Olafur Arnaldson komponiert oder gespielt hat.

Eine Verbindung zu meinem Blog gibt es noch:

Nils Frahm hatte unter anderem die Musik zu Marian Rosefeldt’s zwölf Videos beigetragen, die vor wenigen Jahren die Videoausstellung und den Film „Manifesto“ ergaben. Kate Blanchett spielt darin so wunderbar und so herrlich zwölf unterschiedliche Rollen, gedreht an zwei (!) Tagen! HIER der link zu meinem damaligen Beitrag über „Manifesto“.

Es war eine Ausstellung, es gibt Manifesto aber, wie gesagt, auch als Film. Darin geht es um verschiedenste Manifeste von vielfach bekannten ehemaligen oder aktuellen Künstlergruppen oder Kunstrichtungen. Was ist Kunst, ist jeweils das Thema. Futurismus – Dadaismus – Pop Art – Surrealismus und so weiter und so weiter! Es gibt auch ein schönes Buch dazu mit allen Texten und mit Fotos!

Hier also All Melody.

LITERATUR: Eshkol Nevo – Die Wahrheit ist

Wer KINDER-Überraschungseier mag, wird Gefallen an diesem Buch finden! Nicht weil es kindisch wäre! Nein, weil man viele Überraschungserlebnisse hat. Eshkol Nevo, Schriftsteller aus Israel, beantwortet in seinem jüngsten Roman „DIE WAHRHEIT IST“ Fragen über das Schreiben, über sein Leben als Schriftsteller, die Entstehung der Texte, die Personen, über die er schreibt, über viele viele Dinge, die mit dem Schreiben von Büchern in Zusammenhang stehen.

Die Antworten sind Überraschungen. Immer wieder kann man gespannt sein, was er zu einer Frage erzählt.

Meine Bewertung: 8 Punkte (von 10 Punkten). Ich werde demnächst auf 20 Punkte umstellen, dann wird es differenzierter werden. 20 Punkte, das ist doch eine Freude! Ich habe in letzter Zeit zu oft 8 Punkte vergeben. 8 Punkte heißt auf jeden Fall: Schön, dass ich das Buch gelesen habe! Bei 7 und weniger Punkten dagegen hatte ich schon mehr Kritikpunkte gefunden.

Eshkol Nevos Buch „Die Wahrheit ist“ ist ein großes Interview. 111 Fragen werden gestellt und 111 Antworten gegeben! Mal kurze, mal längere. Meist sind es kurze Einblicke in Momente seines Lebens. Das Gute ist: Am Ende hat man nicht Bauchweh, nicht Zahnweh wegen süßer Schokolade, sondern einen autobiografisch zutreffenden Einblick in das Leben des israelischen Schriftstellers Eshkol Nevo. Immer vor dem Hintergrund der Fragen, die sich fast ausschließlich auf das Schreiben von Büchern und das „Drumherum“ (die Personen, Lesungen, die Sprache, die Ideen, die Verläufe der Romane, die Zeiten vor und nach dem Schreiben etc.) beziehen. Es kommt irgendwie das ganze Leben von Eshkol Nevo zur Sprache. Insoweit ist es eine schöne Art, eine Biographie zu schreiben.

Ich habe mir die Mühe gemacht, die Fragen und auch Stichworte zu den Antworten zusammenzustellen. HIER das Dokument. Es lohnt, das Dokument beim Lesen des Buches daneben zu legen oder es sich ab und an anzusehen. Man liest schließlich keine zusammenhängende Geschichte, der man folgt und bei der man immer weiß, an welcher Stelle des Geschehens man steht.

Andererseits: Viele viele Antworten gehen in verschiedensten Zusammenhängen auf eine überschaubare Anzahl von prägenden Themen im Leben von Eshkol Nevo ein. Ausgehend von der aktuellen Situation von Eshkol Nevo: Er sieht sich vor großen Verlusten in seinem Leben, darum geht es.

Das Vergängliche. Das ist immer wieder der „Aufhänger“ für seine Antworten. Die Ehe mit seiner geliebten Frau Dikla steht vor dem Ende. Sein guter Freund Ari, er kämpft mit Krebs gegen den Tod. Seine Tochter Shiva, sie ist ausgezogen. Und Weiteres. Die Antworten stehen immer wieder mit diesen wesentlichen Themen im Zusammenhang. Und mit Ereignissen und Stationen auf seinem Lebensweg. In einer Antwort etwa öffnet sich eine Tür zum Nachbarzimmer (in einem Hotel) und in einer späteren Antwort erst erfährt man, wer reinkommt.

Eshkol Nevo schafft damit etwas: Er schafft es, dass man erkennt, dass sein gesamtes Leben die Grundlage seines Daseins als Schriftsteller ist. Nicht Grundlage seiner Romane, sondern Grundlage seiner Tätigkeit. (Obwohl, Grundlage seiner Romane: Er sagt auch, dass fast alles, was er erlebt, irgendwann einmal in einer Geschichte auftaucht. Was auch ein Problem für ihn ist – und etewa für seine Tochter Shiva, die sich ungefragt in einem Roman wiederfindet) Eshkol Nevo erwähnt – vor allem neben seiner Frau Dikla – seine Eltern, andere Personen, seine Söhne, seine Tochter, Freunde, Zufälle, kuriose Erlebnisse, prägende Erlebnisse, etwas aus seiner Zeit beim Militärdienst, seinen „Berufsweg“ und und und. Die Fragen beantworten sich aus seinem Leben heraus. Eine Überraschung folgt der anderen.

Wer ist Eshkol Nevo? Wikipedia schreibt:

Eshkol Nevo ist in Israel und in Detroit, USA aufgewachsen. Er ist ein Enkel von Levi Eshkol, des dritten israelischen Ministerpräsidenten. Seinen Wehrdienst als Offizier der Israelischen Armee leistete er bis 1993 zur Zeit der ersten Intifada ab. Er studierte an der Universität Tel Aviv Psychologie. Zunächst arbeitete er danach als Werbetexter, bevor er einen Lehrauftrag in kreativem Schreiben an den Universitäten Tel Aviv und Jerusalem erhielt. Sein erster Roman, Vier Häuser und eine Sehnsucht, stand in Israel über eineinhalb Jahre auf der Bestsellerliste.

Ein weiterer Eindruck aber: Die deutsche Sprache ist – ich habe es schon mehrfach gemerkt – nicht gerade schön. Sie wirkt hart, emotionslos, es wird viel erzählt, aber an den Stimmungen der Szenen kommt nicht genug rüber, fand ich manchmal. Ich vermute jedenfalls, dass der Roman (das Interview) „Die Wahrheit ist“ in seiner Originalsprache, dem Hebräischen, schöner, einfühlsamer ist. Ich vermute, dass in der Deutschen Übersetzung die gesamte Stimmungslage der Erzählungen von Eshkol Nevo zu kurz kommt.

Das wiederum sollte nicht davon abhalten, das Buch zu lesen – besonders, wenn man sich selber mit dem Schreiben von Texten beschäftigt. Es sensibilisiert und zeigt, dass so vieles einen Einfluss darauf hat, was man macht. Das ist das Schöne an dem Buch: Eshkol Nevo zeigt, dass man den Einfluss der Dinge nur erkennen muss und dass genau das dann gelingt, wenn man die Dinge schonungslos ehrlich betrachtet. Ein wertvoller Hinweis! Und deswegen heißt der Roman: „Die Wahrheit ist“.

HIER die Seite des dtv Verlags zum Buch mit Leseprobe..

MUSIK: Matthias Grübel aus „Am Königsweg“ von Elfriede Jelinek

Hier noch einmal Musik aus „Am Königsweg“ von Elfriede Jelinek, die Inszenierung von Falk Richter am SchauSpielHaus Hamburg. Etwas ganz Anderes. Es sollte – zusammen mit einem zuckenden Tanz von Frank Willens – mehr den Wahnsinn zeigen, in dem wir leben. „Franks Dance Piece“.

Kleiner Kontrast zum Lied davor aus derselben Inszenierung (Mazzy Star – Fade Into You).

Copyright des Beitragsbildes: Arno Declair

MUSIK: Mazzy Star – Fade Into You

Ich bringe ja gerne Musikstücke aus Theaterinszenierungen. Kürzlich hatte ich den Onlinestream von „Am Königsweg“ von Elfriede Jelinek gesehen. Daher die Musik hier. Siehe unten. Ein Lied, das dort von Julia Wieninger gesungen wird. Sie steht seitlich auf der Bühne und betrachtet und besingt das Geschehen auf der Bühne.

Es war die Inszenierung von Falk Richter, die 2018 zum Berliner Theatertreffen eingeladen war. Dort hattte ich es auch gesehen.

HIER die Stückeseite des SchauSpielHauses Hamburg.

Ok, es ist kein fröhliches Lied! Trotzdem!

Es geht in „Am Königsweg“ ziemlich deutlich – auch ohne Namensnennung – um Donald Trump, den „König“. Und es geht um viel mehr – Elfriede Jelinek eben. Aufsehenerregend – für manche positiv, für manche negativ – war wieder einmal Benny Claessens in der Rolle des „Königs“.

Er provoziert ja das Publikum irgendwie immer wieder. Auch hier wieder – etwa mit einem irren Monolog. Auch er singt im Stück ein Lied, das mir gefallen hat. Mal sehen, vielleicht bringe ich es auch gleich noch.

Falk Richter wird in der kommenden Spielzeit Hausregisseur der Münchner Kammerspiele. HIER die Meldung von ZEIT online. Es ist ja sehr fraglich, wie die immer interessanter gewordene Intendanz von Matthias Lilienthal an den Münchner Kammerspielen im Sommer enden wird. Geplant war etwa eine 24 -Stunden- Aktion. Ob und wie so etwas im Sommer stattfinden kann? Who knows!

Mazzy Star wurde 1989 gegründet. Melancholisch oder auch düster sind sicher einige Stücke der Band. Wikipedia nennt die Musik „gitarrengestimmten Folkpop“.

Vor Kurzem erst, am 26.02.2020, war im SPIEGEL (HIER) zu lesen, dass einer der Begründer von Mazzy Star, David Roback, im Alter von 61 Jahren gestorben ist.

Fade into You erschien 1993 auf dem Album So Tonight That I Might See, dem zweiten Album der Band. Laut Wikipedia ist es das erfolgreichste Lied von Mazzy Star.

Eine Übersetzung des Songtextes lautet:

Ich mag die Hand in Deinem Innern halten
Ich mag nen Atemzug nehmen der wahr ist
Ich schau zu Dir und sehe nichts
Ich schau zu Dir um die Wahrheit zu sehn

Du lebst Dein Leben, Du wandelst in Schatten
Du gehst hinweg hinein ins Schwarz
Eine Art von Nacht in Deiner Finsternis
Färbt Deine Augen mit dem was nicht da ist

Verklingen in Dir
Seltsam das Du´s nie gemerkt hast
Verklingen in Dir
Ich find´s seltsam das Du´s nie gemerkt hast

Das Licht eines Fremden geht langsam auf
Das Herz eines Fremden ohne Zuhaus
Du führst Deine Hände in Deinen Kopf
Und dessen Lächeln bedeckt dann Dein Herz

Verklingen in Dir
Seltsam das Du´s nie gemerkt hast
Verklingen in Dir
Ich find´s seltsam das Du´s nie gemerkt hast

Hier zwei Versionen. Das Original:


Und hier eine Version des Songs gesungen von MileyCyrus! Auch gut.

Und hier die lyrics in Englisch:

I want to hold the hand inside you
I want to take a breath that’s true
I look to you and I see nothing
I look to you to see the truth
You live your life, you go in shadows
You’ll come apart and you’ll go blind
Some kind of night into your darkness
Colors your your eyes with what’s not there

Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew

A stranger’s light comes on slowly
A stranger’s heart without a home
You put your hands into your head
And then its smiles cover your heart

Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew
Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew
I think it’s strange you never knew

Copyright des Beitragsbildes: Arno Declair

THEATER: Theatertreffen 2020 virtuell

Das Berliner Theatertreffen findet in diesem Jahr erstmals im virtuellen Raum statt. Vom 01. bis 09. Mai. Gezeigt werden – neben interessanten Talks und Weiterem – sechs Inszenierungen aus der 10er Auswahl als Mitschnitte on Demand für jeweils 24 Stunden. Live-Nachgespräche mit Produktionsbeteiligten und dem Publikum geben Gelegenheit zum Austausch.

Dazu kommt das TT Kontext-Programm „UnBoxing Stages – digitale Praxis im Theater“. Klingt interessant. Theater im Stream zu sehen, verändert ja das Erlebnis. Ich bemerke es auch. Es fehlt etwas Gewohntes, das Liveerlebnis, die Anspannung des Abends, aber man richtet sein Augenmerk vielleicht etwas anders aus und findet seinen Weg und seine Interessen und Freuden dabei!

Gezeigt werden:

  • Hamlet (William Shakespeare und Hamletmaschine von Heiner Müller) vom Schauspielhaus Bochum (HIER mehr.)
  • Anatomie eines Suizids vom Deutschen SchauSpielHaus Hamburg (HIER mehr)
  • Die Kränkungen der Menschheit, eine Koproduktion der Münchner Kammerspiele, des HAU Berlin, des Theaters Kampnagel Hamburg und des Künstlerhauses Mousonturm Frankfurt (HIER mehr)
  • Süßer Vogel Jugend (Tennessee Williams) vom Schauspiel Leipzig (HIER mehr)
  • Chinchilla Arschloch, waswas vom Künstlerhaus Mousonturm, Schauspiel Frankfurt und Rimini Apparat (HIER mehr)
  • The Vacuum Cleaner von den Münchner Kammerspielen (HIER mehr)

HIER der link zur Seite des Theatertreffens virtuell, auf der die sechs gezeigten Produktionen angekündigt werden.

HIER der link zur Seite des Theatertreffens virtuell, auf der das vollständige Programm von THEATERTREFFEN VIRTUELL gezeigt wird.

Beitragsbild: Wortmarke der Berliner Festspiele

Kategorien
Allgemein

LITERATUR: Katya Apekina – Je tiefer das Wasser

Dieser nicht leicht zu verdauende, aber beeindruckende Roman ist in der derzeitigen schwierigen Situation (Corona) möglicherweise eher unpassend. Er zieht runter! – Ich hatte ihn kurz davor gelesen, Glück gehabt!

Man hat derzeit ja genug mit Ausgangsbeschränkungen zu tun, braucht jetzt vielleicht eher etwas Erbauendes, Aufmunterndes. Aber: Es ist ein sehr guter, meines Erachtens lesenswerter Roman!

Meine Bewertung: 8 Punkte von 10 Punkten.

Ich kann ihn empfehlen und würde vorschlagen, ihn sich für eine etwas leichtere Zeit zurückzulegen. Katya Apekina mit ihrem Debutroman „Je tiefer das Wasser“. Sie ist Russin, in Amerika aufgewachsen.

Es ist eine sehr eigenwillige Story, die auch eigenwillig und gut geschrieben ist. Autobiografisch? Ich weiß es nicht. Aber all das völlig frei zu erfinden, ist sicher schwer. Der Roman ist problembeladenen, die ProtagonistInnen des Romans tragen heftige Probleme mit sich herum, die große Komplikationen verursachen:

Nach dem Suizidversuch ihrer Mutter stranden zwei Schwestern bei ihrem Vater in New York, der sich schon in jungen Jahren von ihnen zurückgezogen hatte. Trennung. Doch damit beginnen erst die Probleme.

Die komplizierte Geschichte ist vor allem aus der Sicht der beiden Schwestern, Edith und Mae, beschrieben. In vielen vielen kurzen Kapitelchen werden die Vorgänge und Gefühle der Mitwirkenden aus allen möglichen Blickwinkeln heraus geschildert. Da kommt schon einmal die Zimmergenossin im Krankenhaus, in dem die Mutter liegt, zu Wort.

Es geht schon damit los, dass der Vater von Edith und Mae vor langer Zeit die um viele Jahre jüngere Tochter eines Bekannten heiratete. Marianne wurde seine Ehefrau, die dann eben Jahre später einen Suizidversuch unternahm.

Der Suizidversuch hängt irgendwie wahrscheinlich auch mit der eigenartigen und zerstörerischen Wirkung des Mannes, Dennis, einem erfolgreichen Schriftsteller und Frauenheld, zusammen. Hinzukommt aber sicherlich auch, dass Marianne wiederum sehr unter dem frühen Tod ihres Vaters, des Bekannten von Dennis, litt und schon früh depressive oder „verrückte“ Züge entwickelte. Züge, die wiederum ihre Tochter Mae intensiv miterlebte.

Hier spielt immer wieder auch im Hintergrund eine Black-Power-Geschichte herein, die (ganz amerikanisch) Ausgangspunkt für alles ist: Dennis fuhr nämlich in jungen Jahren mit seinem Freund Fred zu einer Demonstration und wurde im Grunde von Mariannes Vater, Jackson McLean, vor Gegnern der Anreisenden gerettet. Er, Jackson McLean, wurde aber daraufhin angeklagt und starb bald darauf im Stress.

Marianne ist also die Tochter von Jackson McLean, viele Jahre später gerät nun auch die Tochter von Marianne, Mae, in den irgendwie unerklärlichen Sog des ehemaligen Ehemannes von Marianne, ihres Vaters. Der Vater zieht irgendwie Personen auf sich und zerstört sie damit in gewisser Weise.

Wie gesagt: Sehr gut gemacht ist neben den komplizierten, aber sehr gut geschilderten psychischen Situationen der ProtagonistInnen – davon gibt es wahrlich viele verschiedene! – die Art und Weise, wie die einzelnen Szenen, die sich ergeben oder schon längst ergeben hatten, geschildert werden. Es gibt immer wieder Rückblenden.

Die eigentliche Handlung spielt ohnehin im Jahr 1997, als die Mutter den Suizidversuch unternommen hatte. Diese Zeit wiederum wird aus der Sicht von Edith im Präsens geschildert, ein großer Teil des Romans betrachtet diese Phase allerdings im Rückblick, aus der Sicht von Mae, Jahre später. Ein kleiner Teil des Romans beleuchtet wiederum die Vorgeschichte der Eltern in den sechziger Jahren. Es sind, wie gesagt, immer wieder kurze Kapitelchen mit kurzen Erklärungen der jeweils beteiligten Personen, in jeweils verschiedenen Zeiten. Sehr interessant gemacht.

Die Geschichte erscheint anfangs unverständlich, alles löst sich aber im Lauf der Zeit auf. Insoweit entsteht mehr und mehr der Sog, weiterzulesen.

Um die Übersicht über die Personenkonstellation einzubehalten, habe ich wieder eine Art mind map angelegt. Ich empfehle, sich diese mind map beim Lesen des Buches zur Seite dazuzulegen. HIER das Dokument.

HIER die Seite zum Buch auf der Website des Suhrkamp Verlages mit Informationen auch zu Katya Apekina.

Kategorien
Allgemein

THEATER ONLINE

Auch das Deutsche Theater Berlin ist jetzt dabei, bietet Inszenierungen – sogenannte „DT Klassiker“ – im Stream! Los geht es heute, Dienstag, den 7. April 2020 mit Kinder der Sonne von Maxim Gorki in der Regie von Stephan Kimmig. Ab 18.00 Uhr bis Mittwoch 12.00 Uhr.

Das Angebot läuft unter dem Label „HEIMSPIEL“.

Dann geht es weiter Donnerstags und Dienstags zunächst mit:

  • Donnerstag 09. April 18.00 Uhr bis 11. April 12.00 Uhr: Philotas von Gotthold Ephraim Lessing, Regie: Friedo Solter
  • Dienstag 14. April 18.00 bis 15. April 12.00: Marat/Sade von Peter Weiß, Regie Stefan Pucher
  • Donnerstag 16. April 18.00 bis 17. April 12.00: Die Weber von Gerhart Hauptmann, Regie: Michael Thalheimer

HIER der link zur Seite des Streamingangebotes des DT Berlin.

THEATER ONLINE: TIPP

Vielleicht kann der/die ein oder andere einen Theatertipp vertragen. Das Angebot ist ja sehr groß: Wer Interesse und Freude an hervorstechenden schauspielerischen Leistungen hat, findet hier wahrlich etwas! Schauspielerisch ist die Inszenierung wunderbar, sie funktioniert meines Erachtens gerade deswegen online.

Aber auch sonst – ich mag es, nicht mit „Effekten“ überladen zu werden – ist es eine sehr schöne Inszenierung! Ansehen!

Der kaukasische Kreidekreis“ von Bertolt Brecht, gebracht am Berliner Ensemble. Eine Inszenierung von Michael Thalheimer. Die Inszenierung hatte 2017 zur Eröffnung der Intendanz von Oliver Reese dort Premiere. Die „Geschichte“ des Stückes ist klar und „übersichtlich“, es ist einfach gut umgesetzt.

Aus dem aktuellen Programm des Berliner Ensembles. Es ist noch bis Freitag online als Streaming zu sehen. Das Berliner Ensemble stellt jede Woche für eine ganze Woche ein Stück online zur Verfügung. Mehr nicht. Diese Vorgehensweise hat mir ganz gut gefallen, weil man nicht täglich mit neuen Angeboten überschüttet wird.

Das Angebot an Inszenierungen und Performance, die man derzeit online im Stream oder Live sehen kann, ist ja sehr schnell gewachsen. Jetzt steht man schon vor der Aufgabe, dass auszuwählen, was einem wirklich gefällt. Zu viel Angebot und die Tatsache, dass man ja jederzeit an- und ausschalten kann, verdirbt ja manchmal fast die Lust und Konzentration auf einen Theaterabend. Man muss lernen, damit umzugehen! Auf was will man Wert legen? Das Liveerlebnis mit all seinen Facetten im Theater ist online reduziert, aber manchmal sehr wertvoll!

Man sollte sich – denke ich – vorher gut überlegen, mit welchem Angebot man sich auseinandersetzen will. Und dann sollte man auch konsequent bleiben, dranbleiben, nicht „switchen“! Das sind erste Erfahrungen. Es geht noch weiter: Nicht jede Inszenierung, die man live im Theater sehen konnte, „funktioniert“ auch in gleicher Weise online, also beeindruckt nicht in gleicher Weise. Es fehlt ja der „Geruch“ des Liverelebnisses. Es gibt meines Erachtens Inszenierungen, die online sehr gut funktionieren und andere, die online weniger gut funktionieren. Jeder wird seine Erfahrungen machen.

HIER der link zu „BE on demand“ mit dem Streaming.

HIER der link zur Stückeseite des BERLINER ENSEMBLES.

Copyright des Beitragsbildes: Matthias Horn

THEATER ONLINE TIPP und MUSIK: Philippe Quesne – Caspar Western Friedrich

Das Streamingangebot deutschsprachiger Bühnen – auch Oper etc. – hat ja schnell große Ausmaße angenommen. Man sieht die Angebote gebündelt gut bei www.nachtkritik.de. HIER der link. Ein Streamingangebot möchte ich hervorheben.

Meine Empfehlung: Morgen, Samstag, 28. März 2020, ab 18:00 Uhr kann es für 24 Stunden gestreamt werden: “Caspar Western Friedrich“ von den Münchner Kammerspielen. Schon aus aktuellem Anlass.

Es war eine Arbeit des für Bühnenbilder berüchtigten Kanadiers (?) Philippe Quesne, sie hatte Uraufführung an den Münchner Kammerspielen, Januar 2016.

Ein wunderschöner Theatermoment beginnt mit Minute 50 des Streaming. Dazu auch die Musik, „Goodbye Precious Falling“ von Quickspace. Ansehen und anhören!! Ich stelle den Song unten ein.

Das Stück ist im Grunde von unglaublicher Aktualität: Es zeichnet sich zum Einen dadurch aus, dass der Mensch nicht sich selbst, sondern die Natur betrachtet. Wie Caspar David Friedrich auf seinen Gemälden und wie die Cowboys im Wilden Westen. Und wie wir alle derzeit erzwungenermaßen weltweit fassungslos das bedrohliche Coronavirus erleben, eine brutale Naturerscheinung.

Die SchauspielerInnen des Stückes sieht man auch meist von hinten. Sie stehen auf der Bühne und betrachten fassungslos die Natur. Errichten etwas – das ist der Unterschied zum aktuellen Stillstand. Auch das ist aber durchaus bezeichnend in seiner Aktualität: Wir müssen uns derzeit voneinander abwenden! Umso schöner wäre es, wenn wir in dieser Situation tatsächlich unser Verhältnis zur Natur etwas überdenken.

Das „Stück“ ist leider in München nicht sehr gut angekommen. Das Münchner Theaterpublikum folgte wohl auch der heftigen Kritik am Programm der Münchner Kammerspiele seitens der Medien (vor allem der Süddeutschen Zeitung – HIER die insoweit deutliche Besprechung von Christine Dössel, SZ im Januar 2016). Man hatte leider viel zu wenig Verständnis für den so speziellen, aber athmosphärisch wunderschönen Ansatz des Stückes, viel zu wenig Verständnis für das von Matthias Lilienthal damals (es war seine erste Spielzeit in München) zusammengestellte Programm der Kammerspiele – es war oftmals überraschend, keine Frage.

Die Aufzeichnung der hier gezeigten Aufführung muss etwas später gewesen sein, Peter Brombacher liest am Ende Worte der Enttäuschung des Ensembles über das angekündigte Ende der Intendanz von Matthias Lilienthal vor, Minute 1:30:00 des Streaming.

Auch Caspar Western Friedrich war alles andere als Sprechtheater. Es ist aber ein Stück der totalen Entschleunigung. Auch das hochaktuell!

Ich empfehle das schöne, malerische und wortkarge Stück. Ich habe es mehrfach gesehen und hoffe, dass das Streaming einiges von der Atmosphäre transportieren kann. Einfach wirken lassen, darum geht es.

HIER der link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele.

Hier Quickspace mit Goodbye Precious Falling:

Copyright des Beitragsbildes: Martin Argyroglo

THEATER: Berliner Schaubühne online

Auch die Berliner Schaubühne öffnet jetzt ihr Videoarchiv! HIER der link zur Schaubühne!

THEATER: Streaming auf nachtkritik.de

Der Online-Stream von „Tyrannis“ von Ersan Mondtag ist leider schon wieder beendet. Nachtkritik.de bietet aber weitere Streams interessanter Theaterinszenierungen an!

Ab heute 18.00 Uhr kann man auf nachtkritik.de im „Digitalen Spielplan“ die „monumentale“ Inszenierung des „Ljod – das Eis“ von Vladimir Sorokin von Jan-Christof Gockel sehen. Heute zeigen sie die ersten beiden Folgen. Folgen 3 bis 6 erscheinen dann bis Samstag! Manch einer hat ja jetzt viel Zeit!

In der ab 2002 erschienenen Trilogie „Ljod – Das Eis“, „Bro“ und „23.000“ erzählt der russische Autor Vladimir Sorokin die Story einer Geheimgesellschaft vermeintlich Auserwählter, die sich grausam ihren Weg durch das 20. Jahrhundert bahnt mit dem Ziel, die Erde von ihrem Übel zu befreien: Von den Menschen – diesen Fehlschöpfungen, die sich gegenseitig bekriegen und ihre Umwelt zerstören, weil sie nicht die Sprache des Herzens sprechen.

Dazu passend meine Überlegung: Corona wird gut sein für die Welt! Wir müssen da durch, es wird viele schlimm treffen! Fürchterlich! Aber wir merken hoffentlich, dass alles fragil ist, dass wir uns anders um die Menschheit kümmern müssen! Dass wir in so vielen Dingen auf die Bremse treten müssten! Können wir das? Man sagt ja schon: „Die Welt wird eine andere sein!“ Hoffentlich eine irgendwie bessere! Es gäbe viele, viele Ansätze, wir rennen alle in die falsche Richtung, in so vielerlei Hinsicht rennen wir immer schneller gegen die Wand! Wir brauchen Politiker, die das aufhalten!! In vielen Belangen werden wir, denke ich, nur mit Regulierungen auskommen. Mensch und Tier – Mensch und Natur – Mensch und Mensch – alles ziemlich desolat! Nur mit Überzeugung und Freiwilligkeit wird nicht viel gehen! Zu fürchten ist nur: Der Mensch sagt sich lieber: „Mein Gott, Corona stört unsere schöne Welt“ – und macht so weiter wie bisher. Ich hoffe, es gibt gravierend Anderes.

HIER der link zur Website von nachtkritik.de. Direkt zum Stream kann ich noch nicht verlinken (Mittwoch nachmittag).

MUSIK: Fever Ray – Keep The Streets Empty For Me

Hier ein Song, der elf Jahre alt ist: „Keep The Streets Empty For Me“ von „Fever Ray“. Recht düster, aber mir gefällt er. „Keep the streets empty“ ist ja zurzeit fürchtrelicherweise fast schon wieder realistisch!

Hinter „Fever Ray“ steht die Schwedin Karin Elisabeth Dreijer, im April 1975 geboren, sie lebt in Stockholm. Es war ein Soloprojekt, davor war sie mit ihrem Bruder in einer Band. Eine wilde Person! HIER ihr Facebook-Account. HIER ihre Website.

Im August 2018 gab Dreijer überraschend das Ende ihrer damaligen Tour bekannt. Sie erklärte den Schritt mit dem Wiederauftreten einer Angststörung und von Panikattacken, an denen sie seit mehreren Jahren leide. Von der Zeit danach lese ich nichts.

THEATER: René Pollesch – It’s so easy, was schwer zu machen ist.

René Pollesch hatte an den Münchner Kammerspielen mit seiner neuesten Inszenierung „Passing – its so easy, was schwer zu machen ist“ Uraufführung. Eine riesige Spinne auf der Bühne, um sie dreht sich alles. Es ist ein Theoriewulst ohne eine bestimmte Handlung – nicht ganz zeitgemäß, aber irgendwie gewinnendes Theater.

An Drahtseilen auf- und abfahrend, nicht bedrohlich, nicht ekelhaft – wie einst Tarantula, die im Hintergrund in Filmausschnitten längere Zeit zu sehen ist – ,ihr Inneres kann bestiegen werden, sie sitzen teils im Inneren.

Auf www.nachtkritik.de ist die Spinne beschrieben als „Porsche Cayenne-gleiche Spinne“. In der Tat, nicht schwarz, nicht behaart, fast schick, modern, wie das Interieur eines hochklassigen PKW – orangefarben, schwarz, silberne Metallzusätze. Auf dem Weg zu Künstlicher Intelligenz.

Nicht nur mit der Spinne greift René Pollesch im Grunde zunächst einmal in eine Zeit zurück, die nicht mehr existiert. Blicke in die Zeit der 70er-Jahre sind es. Auch die SchauspielerInnen sind – in amerikanischem Style – in dieser Zeit – der Zeit der Tarantulafilme, der B-Movies – gekleidet. Und Filmausschnitte alter Streifen eben – schwarzweiß – sieht man. Auch Tarantula. Andererseits die „moderne“ Spinne auf der Bühne, das ist der Widerspruch an diesem Abend, mit dem man umgehen muss.

Verbunden sind beide „Zeiten“ durch zeitlose Themen, über die alle – ohne erkennbare Orientierung – reden. Inhaltlich kann man den Abend kaum genauer beschreiben, geschweige denn zusammenfassen. Man beobachtet eine Gruppe von Menschen (sechs Personen), wie sie sich letztlich Gedanken macht zu diesen Themen – Text, Theorie, Sprache, René Pollesch eben, ein wenig Kapitalismuskritik, Bertolt Brecht, das Theater ( … das Theater müsste ein Flugblatt sein, dann könnten es auch die sehen, die am Boden liegen …), das Leben.

Es hat mit Themen zu tun, die wohl nach René Polleschs Ansicht zeitlos und auch jetzt zeitgemäß sind. „Passing“ heiße „… durchgehen als …„, eines der Themen, über die geredet wird. Sinngemäß: „Wir wollen nicht sein, was wir sind – das können wir garnicht -, wir wollen „durchgehen als …„“. Passing eben. Wie Schauspieler. Oder sinngemäß: „Im Grunde wollen wir, dass immer nur etwas „nebenan“ geschehe, nicht unmittelbar mit uns„: Und alle sagen etwas dazu.

Handlung? Ein Film wurde gedreht. Im Abspann heißt es aber nicht „Ende“, sondern „Fertig!“. Der Regisseur – Thomas Schmauser – regt sich auf, versteht es nicht. Auch die Anderen – Kathrin Angerer, Kinan Hmeidan, Kamel Najma, Benjamin Radjaipour, Damian Rebgetz – überlegen, sind verwirrt. Und schon ist man im ersten Thema: Was ist schon jemals „zu Ende“? Und „Fertig“: „Fertig“ als abgeschlossen, „fertig“ als erschöpft, am Ende, oder was? Und sie reden.

Was überzeugt und Spaß macht, sind die SchauspielerInnen: Kathrin Angerer – die herrlich Harmlose, Unbedarfte. Benjamin Radjaipour – der junge Schlaue, Thomas Schmauser – der aufgeregte Regisseur/Filmproduzent. Diese Drei spielen wunderbar! Sie machen den Abend zu einem doch noch gelungenen Abend! Damian Rebgetz – amerikanischer Cop der 70er Jahre – ist als Einziger nicht genau einzuordnen, hatte vielleicht auch am ehesten Schwierigkeiten damit. Und Kinan Hmeidan und Kamel Najma – meist in ihrer Muttersprache redend.

Realitäten und Gedanken ändern sich. Entsprechend ändern sich Blicke. Man merkt es ja immer wieder am Theater. Und wie ist es bei René Pollesch, Ikone der Theaterwelt der letzten 30 Jahre? Ganz zeitgemäß sind seine Themen in „Passing“ nicht, fand ich, es gibt Brennenderes. Gut, Theater muss nicht „zeitgemäß“ sein, muss nicht immer die Finger in die Wunde legen! Aber wenn man René Polleschs Herangehensweise etwa mit Milo Rau, Forced Entertainment, vielen anderen vergleicht: René Polleschs Abend hatte dann etwas Altbackenes, etwas die zurzeit brennende Welt Verharmlosendes. Muss auch mal sein, könnte man sagen!

Kleine „Abschweifungen“ zur Realität noch: Wir stecken in ihr fest, so ist es! Darum geht es! Noch dazu ist es ja so: Der Mensch findet keine guten Lösungen für die Realität! Er bemüht sich, aber meist geht es schief. Unfähig sind wir! Man sieht es weltweit! Hier und da gibt es eine gute Lösung, aber im Grunde: „Fehlanzeige“!

Es geht daher darum, Alternativen zur Realität zu erkennen, das ist unsere einzige Chance! Und gerade die Kunst – dazu gehört die Theaterkunst – ermöglicht es, solche Alternativen zur Realität aufzuzeigen, aufzuspüren! Und die Realität zu kritisieren! Zu zeigen, wie man die Dinge auch sehen kann, wie man sich in ihr verhalten könnte, sie verändern könnte, sie sich wünschen kann …. jede Kunst schafft subjektive Möglichkeiten, uns von der Fessel der Realität zu lösen … was immer dringend nötig ist, immer gut tut.

Nur den Blick auf die letztlich in die Irre führende Realität gerichtet, verlören wir unser Kritikbewusstsein, bekämen einen Tunnelblick, würden Alternativen nicht erkennen, würden Toleranz verlieren, würden uns und die Realität für das Wahre halten, würden an der Realität scheitern, verzweifeln! Wir würden übersehen, auf welch verschiedene Arten wir die Realität sehen und gestalten könnten. Wir würden uns und die Realität mehr und mehr verkennen! Man stelle sich vor, es gäbe nur die Realität – was auch immer die Realität ist, jeder hat ja seine eigene Realität.

Fazit: Ein recht amüsanter Theaterabend, nicht aufregend, etwas weltfremd. HIER der link zur Stückeseite.

Copyright des Beitragsbildes: Thomas Aurin

THEATER und LITERATUR: „The Vacuum Cleaner“ und „Ich nannte ihn Krawatte“

DER ROMAN: Es ist die Erzählung über einen „Hikikomori“. Unter anderem zumindest. Ich bin andererseits durch ein Theaterstück auf das Buch gekommen. Es wurde mir dazu empfohlen. DAS THEATERSTÜCK: „The Vacuum Cleaner“ von Toshiki Okada, das an den Münchner Kammerspielen läuft.

„Ich nannte ihn Krawatte“ heißt der ROMAN von Milena Michiko Flašar. Es geht, wie im THEATERSTÜCK, um einen sogenannten „Hikikomori“. „Hikikomori“ werden in Japan Menschen genannt, die sich jahrelang von der Außenwelt abkapseln und – anstatt etwa irgendwann in jungen Jahren von zu Hause auszuziehen – nurmehr in ihren vier Wänden leben. Kein Kontakt zur Außenwelt! Schluss mit Gesellschaft! Es soll etwa eine Million Hikikomori in Japan geben – wobei die Zahlen sehr schwanken.

Die INSZENIERUNG „The Vacuum Cleaner“ wiederum ist zum Theatertreffen 2020 nach Berlin eingeladen, das im Mai stattfindet. Es wurde als eine der „10 bemerkenswertesten Inszenierungen deutschsprachiger Bühnen des vergangenen Jahres“ (die sogenannte „10er-Auswahl“) nach Berlin eingeladen. Das wiederum hatte mich angesichts der unspektakulären Inszenierung übrigens etwas gewundert, aber gut! Ich schreibe hier wenig über die Inszenierung.

HIER vielmehr „nur“ der Link zur Stückeseite, auf die ich schlicht verweise. HIER noch ein Video mit der Begründung der Jury des Berliner Theatertreffens zur Auswahl von „The Vacuum Cleaner!.

Es ist jedenfalls keineswegs eine irgendwie aufwühlende Inszenierung, eher ruhig und überschaubar. So arbeitet Toshiki Okada immer wieder an gesellschaftlichen Erscheinungen aus Japan – zum vierten Mal an den Münchner Kammerspielen. Immer etwas zurückhaltend und wahrscheinlich erkennen wir nicht alle Andeutungen und Anspielungen seiner „japanisch“ leisen und natürlich japanisch vornehmen und zurückhaltenden Arbeiten.

Meine Bewertung des Romans „Ich nannte ihn Krawatte“ jedenfalls, um den es hier im Folgenden gehen soll: 6 von 10 Punkten.

Man hält ein recht schmales „Büchlein“ in der Hand. Ein Büchlein aber – sah ich – mit über einhundert ganz kurzen, kleinen Kapiteln – mal ist es eine Seite, mal sind es eineinhalb Seiten, fast nie mehr. Auch inhaltlich ist es – merkte ich dann – keineswegs nur ein „Büchlein“. Das geschilderte Geschehen ist zwar äußerst überschaubar – hauptsächlich eine Unterhaltung des Hikikomori auf einer Parkbank mit einem Herrn, den er eben „Krawatte“ nannte.

Schlicht also, es werden aber viele viele Eindrücke von beiden „Protagonisten“ erzählt, angesprochen. Zu viele für meinen Geschmack. Fast jedes der Geschehen, die so angesprochen werden, wäre für sich gesehen einen eigenen Roman wert. Es sind im Wesentlichen folgende Geschehen, die angesprochen werden und mit denen der Leser also konfrontiert wird :

  • Der Hikikomori wagt sich tatsächlich von zuhause heraus! Er geht in einen Park, sitzt auf einer Bank. „Krawatte“ sitzt ihm wochenlang gegenüber.
  • „Krawatte“ wiederum hat kürzlich seinen Job verloren und traut sich nicht, es seiner Frau zu gestehen, er tut so, als würde er täglich zur Arbeit gehen.
  • „Krawatte“ ist – liest man dann – Vater eines behinderten Sohnes gewesen. Er verlor seinen Sohn sehr früh – als Säugling starb es schon. Davon erzählt er dem Hikikomori.
  • Der Hikikomori wiederum hatte durch einen Unfall einen Freund fast verloren. Das war der Anlass für ihn, sich aus dem Leben zurückzuziehen, er wollte nicht mehr in das Leben andere „hineingezogen“ werden. Schuldgefühle und Scham.
  • Weiter: Der Hikikomori war – fast noch als Kind – in das eigenwilligste Mädchen der Straße verliebt. Der Hikikomori verlor dieses Mädchen, sie beging Selbstmord, weil sie in der Schule, scheint es, gemobbt wurde.
  • Und weiter: Der Hikikomori traf aus zunächst unerfindlichen Gründen „Krawatte“ nicht mehr im Park an – sieben Wochen lang , bis er erfuhr, dass „Krawatte“ genau an dem Tag, an dem er – auch auf Anraten des Hikikomori – seiner Frau vom Jobverlust erzählen wollte … und so weiter.
  • „Krawattes“ Frau erzählt dem Hikikomori dann später, sie habe ….

Ich will nicht alles verraten. Soviel erfährt man jedenfalls. Puh! Ich muss gestehen: Ich dachte, es ginge in dem Roman hauptsächlich um die Gedanken eines Hikikomori. Aber es geht eher um „Krawatte“:

Es ist gut geschrieben, schön zu lesen, aber eben alles etwas viel. So viele erschütternde Ereignisse in diesem Roman! Wirklich schön sind aber die immer wieder auftauchenden, sensiblen wunderbaren Gedanken zum Leben – das Leben, was ist das schon? Das wiederum sind wohl Gedanken eines Hikikomori! Wegen dieser Gedanken lohnt es!