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THEATER: Münchner Kammerspiele – Anti•gone

Es ist Antigone in Leichter Sprache. Die Leichte Sprache ist für Menschen entwickelt, die aufgrund kognitiver Einschränkungen oder aus anderen Gründen mit komplizierter Sprache, die natürlich auch im Theater herrscht, nicht zurecht kommen. Die leichte Sprache folgt ganz bestimmten Regeln. Kurze Sätze, nur Aktivsätze, nur eine Aussage pro Satz und und und und.

So werden denjenigen Menschen, die sich Leichter Sprache bedienen müssen, auch komplizierte Sachverhalte verständlich gemacht. Der Stoff der Antigone wiederum wurde dafür mit dieser Sprache an den Münchner Kammerspielen inszeniert. Sehr kompliziert ist dieser Stoff an sich nicht, die Sprache ist es aber. Die Sprache ist für Betroffene die Barriere, den Stoff in seiner Aussagekraft zu verstehen.

Heraus kam eine Inszenierung, die offenbar unter Mitwirkung vieler entwickelt wurde. Es heißt:

Von und mit: H. Bozorgnia, S. Brandes, J. Eiworth, D. Fell-Hernandez, Nele Jahnke, F. Kakoulakis, J. Kappauf, U. Liagaitė, H.-J. C. Mühlethaler, A. Leichtfuß, N. Mensah-Offei, R. Mleihi, L. Søvsø, S. Winkler

Es entstand in der Tat eine Inszenierung, wie man sie sonst selten sieht. Klare Handlungen, deutliche Sprache, immer verständliche Bilder, immer gut nachvollziehbare Gedankenführung, Sprechpausen, Gestik und und und. Man darf sich nicht sagen, die Inszenierung sei zu einfach. Sie ist zugeschnitten auf Menschen mit diesem Problem.

Man folgt besonders Johanna Kappauf (Beitragsbild) in der Rolle der Antigone und verfolgt ihre schöne Ernsthaftigkeit und Spielfreudigkeit. Sie selber mag neben Frangiskos Kakoulakis (in Vertretung für Dennis Fell-Hernandes, teilweise playback) von Leichter Sprache profitieren. Ich gehe davon aus, dass die übrigen Beteiligten Leichte Sprache im Alltag an sich nicht benötigen. Das Auftreten von Johanna Kappauf und Frangiskos Kakoulakis hatte dabei sogar, schien es, erfrischend mehr Klarheit und Einfachheit in der Aussage, als es bei den anderen Beteiligten erschien. Das zu sehen, war für mich der Effekt dieses Abends. Wenn Johanna Kappauf als Antigone Johanna Eiworth in der Rolle des Herrschers Kreon in den Arm nimmt, nimmt letztlich – nicht nur nach dem Inhalt der Antigone-Erzählung – die Klarheit die Unklarheit in die Arme (siehe das Beitragsbild). Klarheit mag eine besondere Eigenschaft von Menschen mit derartigen Beschränkungen sein.

Auch die Inszenierung selbst blieb dadurch insgesamt, möchte ich sagen, einfacher, klarer. Sehr schön ist der Abschlusssong der Inszenierung, während dessen kleine Seifenblasen auf das Publikum herabschweben. Der Song von Kae Tempest (als Spoken Word) hat zwar mit Großbritannien zu tun – kein Thema der Antigone, eher Shakespeare – er hat aber mit Liebe zu tun – dem großen Thema der Antigone. Eine schöne Abschlussstimmung für diesen insgesamt angenehm ruhigen, entschleunigten Abend!

Als etwas übertrieben empfand ich die Tatsache, dass am Ende dieses schönen Abends dann noch ein Spendenaufruf für die Türkei verlesen wurde. So wurde man kurz noch in ein anderes großes Thema hineingeworfen – das allen (bei riesiger Hilfsbereitschaft) durch all die fürchterlichen Meldungen und Nachrichten der letzten Wochen hinlänglich bekannt ist und sicher Anlass für Spendenüberlegungen war. („Haben denn die Münchner Kammerspiele auch gespendet?“ fragte mich meine Nachbarin).

Mein letzter Eindruck: Die Kostümierung schien mir zu schulmäßig gewollt, übertrieben. Weniger hätte auch dort noch Mehr bedeutet, dachte ich mir. Aber es lohnt sich wegen aller anderen Eindrücke.

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele.

Copyright des Beitragsbildes: Judith Buss

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THEATER: Elias Emmert – Tal der Tränen

Es war eine der Abschlussinszenierungen der Theaterschule der Münchner Kammerspiele, der Otto-Falckenberg-Schule. Eine Inszenierung von Elias Emmert. Die Inszenierung ist nicht mehr zu sehen, sie lief in den vergangenen Tagen nur dreimal. Dennoch hier ein paar kurze Eindrücke:

  1. Falsche Bühne? Zu sehen war die Inszenierung an der kleinsten der drei Bühnen der Münchner Kammerspiele, im Werkraum im „Blauen Haus“. Es wäre meines Erachtens passender und richtig gewesen, diese Inszenierung auf der zweitgrößten Bühne der Kammerspiele, der Therese-Giehse-Halle, zu bringen. Die Minibühne des Werkraum war vollgestellt mit verschiedensten Dingen, von Sofa bis Waschmaschinen, es war schon für die Schauspieler schwierig, sich zu bewegen. Auch wenn das Bühnenbild genau so gewollt war: Ich glaube, man hätte hier gut über einen Wechsel auf die Bühne der Therese-Giehse-Halle reden können. Die größere Bühne hätte der engagierten Inszenierung einfach gut getan! Es könnte ja nicht unbedingt für besonderes künstlerisches Feingefühl der Münchner Kammerspiele für die SchülerInnen der Otto-Falckenberg-Schule sprechen, wenn alle Abschlussinszenierungen immer auf die kleinste Bühne geschickt werden. Feingefühl für den Nachwuchs und für junges Theater! Wie kann man eine so kleine „vollgerümpelte“ Bühne zulassen. Es war – wie gesagt – vom Bühnenbild her zweifellos so düster und chaotisch gewollt (Bühnenbild: Das Dou MOTHER – Olivia von Lüttichau und Camila Lønbirk). War auch gut! Aber mein Eindruck eben: Auf zu kleiner Bühne! Zumal Elias Emmert schon während seiner Ausbildung mehrere Regiearbeiten an den Münchner Kammerspielen, im Werkraum, gebracht hatte. Schade, aber vielleicht kann es ja noch einmal auf der Bühne der Therese-Giehse-Halle gebracht werden!
  2. Vom Anfang und dem Ende der Welt: Es ging in Tal der Tränen wesentlich um die Orestie. Das ewige Morden als Reaktion auf Unrecht, bis sich so etwas wie eine geordnete Rechtsprechung entwickelte. An diesem Kipppunkt standen damals die Geschwister Elektra und Orestes. Schon damals die Überlegung: „Wie kann man die bisherige dramatisch zerstörerische Systematik des Lebens OHNE Gewalt beenden?“ Aber das Ganze hat mittendrin auch Bezug zu unserem aktuellen Leben: So wird auch (eindringlich, fast brutal) auf den Kippunkt eingegangen, an dem wir heute stehen, der Klimakatastrophe! Auch hier stellt sich die Frage: „Wie reagieren?“ „Wie kann man die bisherige dramatisch zerstörerische Systematik des Lebens OHNE Gewalt beenden?“ Meines Erachtens hat man hier eine Inszenierung gesehen, die genau in unsere Zeit passt! Düster, abgründig und mit dem Tenor: Anfang und Ende der Welt! Genau da stehen wir. So kann zeitgemäßes Theater momentan wohl nur aussehen! Auch meine Sitznachbarin sagte nach der Vorstellung: „Super, aber schwer zu ertragen!“ So muss es sein!
  3. Schauspielerisch: Beteiligt sind vier SchauspielerInnen. Überzeugend ist wieder Komi Togbonu, man möchte mehr von ihm sehen! Er hat ungewöhnliche Power in sich! Auch Julia Gräfner (beide sind Ensemblemitglieder der Kammerspiele) überzeugt in ihrer düsteren Rolle! Besonders hervorheben möchte ich aber die beiden jungen Schauspielertalente, die seit 2021 an der Otto-Falckenberg-Schule studieren: Emma Floßmann und Enes Sahin (siehe Beitragsbild). Beide spielen stark! Großartig und man wird hoffentlich von Ihnen hören!

HIER der Link zur Stückeseite.

Copyright des Beitragsbildes: Julia Windischbauer

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THEATER: Volkstheater- Feeling Faust

Man weiß ja, dass an deutschen Schulen Goethes „Faust“ nicht mehr zur Pflichtlektüre gehört. Diese Tatsache greifen die durchweg jungen SchauspielerInnen der Besetzung im derzeit am Münchner Volkstheater zu sehenden Stück „Feeling Faust“ zunächst in einer gestellten Diskussionsrunde auf. Etwa eine halbe Stunde lang wird im vorderen Teil der sehr großen neuen Bühne vor einer grünen Studiowand über den Faust geredet.

Ein kurzer Bericht:

Erfrischend pointiert wird zunächst also in junger, bieder gekleideter Runde (sie spielen dabei die ältere Generation) über Sinn und Zweck von Goethes „Faust“ geredet. Mein Eindruck: Im Gegensatz zum weiteren Verlauf des Abends hätten sich die beteiligten SchauspielerInnen in dieser Diskussionsrunde darstellerische noch deutlich zurückhalten können, es ging ja um das, was sie sagten. So aber, wie es gebracht wurde, wirkte es hier noch teilweise allein durch die Gestiken der Beteiligten etwas zu aufgesetzt, dadurch fast komödiantisch. Aber es zeigte in gewisser Weise eben den Irrsinn solcher Diskussionen.

Die Studiowand wird nach gut einer halben Stunde zu Seite geschoben, ganz nach dem Faustschen Motto: „Hinaus in die Welt“. Es öffnet sich die riesige neue Bühne des Münchner Volkstheater, sicherlich allein durch ihre Größe nicht leicht zu bespielen. Der Besetzung von „Feeling Faust“ gelingt es gut, die Bühne im weiteren Verlauf nicht zu groß wirken zu lassen.

Es entstehen zunehmend Bilder unseres modernen Lebens. Eindrücke einer typischen Jelinek-Inszenierung werden es, zeitnah, politisch, kritisch, chaotisch, mit Sprüngen in den Aussagen. So wird es ein Stück über die Gegenwart insgesamt, über moderne Lebensweisen, Kommunikation, über Extreme, auch über Gefühlswelten. Mitlaufende Videobilder verstärken die Eindrücke der aktuellen Weltlage, aber auch andere Aussagen, etwa wenn – eben Faust – über die Liebe gesungen wird.

Hervorragend ist mittendrin der – etwa viertelstündige – Monolog von Steffen Link als der große Alleskönner Johann Wolfgang Goethe. In unglaublicher Selbstverliebtheit und im Wissen darum, dass er ja ein Weltstar geworden ist und alles Mögliche erfunden hat (Farbenlehre etc.) spricht er herablassend mit dem Publikum. Herrlich satirisch, als würden wir Goethe alle ja eigentlich noch unterschätzen, oder im Grunde überschätzen? Johann Wolfgang Goethe – unser größtes Kulturgut?

So ist es ein ironischer, im Gegensatz zu Elfriede Jelinek aber tendenziell eher humoristischer, immer wieder in extremen Situationen abschweifender Abend über das Chaos im modernen Leben. Man hat den Eindruck: Die Liebe oder die Gefühle insgesamt gehen in diesem Chaos jedenfalls unter! Genau da steckt viel Kritik drin, ohne aber noch weiter sehr konkret zu werden. Man kann ja auch nicht alles bringen. Allerdings blieb für mich die Frage offen: War es ein humorvoller Blick auf die Welt oder war es Kritik?

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Münchner Volkstheaters.

Copyright des Beitragsbildes: Gabriela Neeb

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MUSIK: CERCLE – Monolink

Ich möchte mir nicht anmaßen, etwas über Monolink zu sagen. CERCLE schon eher. CERCLE organisiert für Musiker, hauptsächlich DJs, Liveauftritte, die (jeweils montags) auf Facebook gebracht werden. Es sind Konzerte an ganz speziellen, „sorgsam ausgewählten“ Orten auf der Welt. Ich bin nun auf den Auftritt von Monolink gestoßen, ein „Konzert“ (wieder ohne Publikum), das auf einer der Inseln der Malediven gegeben wurde.

HIER zumindest der Link zu einer kurzen Biografie und Beschreibung von Monolink. Der Musiker hinter Monolink heißt Steffen Linck, er ist geboren in Hamburg, lebt offenbar in Berlin. Als DJ, Singer und Songwriter ist er offenbar erfolgreich.

Das Konzert von Monolink von den Malediven lässt sich meines Erachtens als Begleitmusik über die gesamte Zeit (etwa eindreiviertel Stunden) mitlaufen. Schöne Musik.

HIER noch einmal der Link zur Reihe „CERCLE – Timeless Music“. CERCLE veranstaltet jedes Jahr (im Mai) ein „CERCLE Festival“, dieses Mal – glaube ich – irgendwo in Frankreich. Ich werde dranbleiben.

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MUSIK: TUNE – Alvin Curran

Am vergangenen Samstag im Haus der Kunst: Ein weiterer Nachmittag (17.00-19.00) der Reihe TUNE. Es sind interessante „Soundresidencies“, Experimente mit dem Umgang mit Musik und Sound, gemeint als Ergänzungen zu den laufenden Ausstellungen des Haus der Kunst in München. Auf der Website des Haus der Kunst heißt es dazu:

TUNE … zwischen den Feldern Sound, Musik und visuelle Kunst angesiedelt … genre-, epochen- und stilübergreifend … klangliche Beiträge, die im Dialog mit dem aktuellen Programm des Haus der Kunst stehen.

Dieses Mal gab Alvin Curran einen Beitrag. Es hieß zu seiner Soundresidency:

TUNE rückt Alvin Currans Lebenswerk in den Fokus. Zu hören und zu sehen sind im Rahmen seiner Residency zwei Liveauftritte, eine Filmvorführung und ein Künstler*innengespräch. … Komponist, Performer, Improvisator und Mitbegründer des revolutionären Kollektivs Musica Elettronica Viva (MEV). Sein musikalischer Werdegang begann Mitte der 1960er-Jahre in Rom … entwickelte er … radikale Ideen einer „unwillkürlichen“ Musik … revolutionierte damit die Bedingungen, unter denen sie entsteht und zur Aufführung gelangt … entdeckte er Musik in allen Gegenständen und allen Menschen … komponierte er für die Avantgarde-Theaterszene in Rom … arbeitete an Solo-Stücken für Synthesizer und Stimme, auf Kassette aufgenommene Sounds und gefundene Objekte … erschloss er neue Räume für die Musik … schuf Konzerte für Seen, Häfen, Parks, Gebäude, Steinbrüche und Höhlen.

Man konnte es in der Tat nicht „Musik“ nennen. Das aber wiederum war das Erfreuliche: Weg von musikalischen Gewohnheiten – hin zu den absurden Grenzen des Sounds.

Seine Soundresidency bestand aus zwei Teilen:

Erster Teil: When There is No More Music to Write, and Other Roman Stories … Film des Künstlers und Filmemachers Eric Baudelaire … in Zusammenarbeit mit Alvin Curran entstanden. Film und Sound. Der Film zeichnet das Bild einer Zeit in Italien, die von den Erschütterungen revolutionärer politischer Strömungen geprägt war. Dieses Zeitgeschehen wird wiederum bestimmender Faktor für Currans Zugang zur „Musik“. 

Zweiter Teil: Seine Performance Endangered Species, an der auch Musiker*innen der Hochschule für Musik und Theater München beteiligt waren. Etwas wie John Cage. Besonders bei diesem zweiten Teil könnte man sagen: Es war die konsequente und extreme Zerstörung von Musik, die Reduktion von Musik auf rein emotional gefundene Sounds. Interessant aber, weil das eigene Hörverhalten ständig überrumpelt wurde. Man merkte, wie man an Gewohnheiten hängt, versuchte ständig, auch nur irgendeine Tonfolge zu entdecken, die einem irgendwie Halt gab. Es geht eben viel mehr mit Musik und Sound, als man gewohnt ist. Insoweit verschaffte dieser Auftritt wieder ein gesteigertes Gefühl von Freiheit: Weg mit Gewohntem, weg von jeder Art „kommerzieller“ Musik.

Die Reihe TUNE wird fortgesetzt, HIER der Link zur Seite von TUNE.

HIER eine winzige Probe:

Und hier:

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THEATER: Theatertreffen 2023 – Die Pressekonferenz, ein Desaster

Ein Nachtrag zur gestrigen Pressekonferenz für das Theatertreffen 2023: Ich habe selten einer so seltsamen Veranstaltung beigewohnt, wie dem Streaming der gestrigen Pressekonferenz:

  • Es begann mit den Worten des neuen Intendanten des Berliner Theatertreffens Matthias Pees. Er bedankte sich bei ungefähr 30 verschiedenen Adressen. Ich fragte mich, wen diese vielen Danksagungen auf dieser Pressekonferenz interessierten. Eine solch umfassende Danksagung könnte vor Publikum Sinn machen. Nicht vor etwa 30 Pressevertretern, keine der Danksagungen wird in der Presse jemals Erwähnung finden. Hatte er nichts anderes zu sagen? Und wahrscheinlich wird eine solche Danksagung im Rahmen der einführenden oder abschließenden Worte des Theatertreffens im Mai erneut erfolgen – auch mehr Sinn machen. Das wird so genügen. Warum auch hier?
  • Weiter: Matthias Pees war nicht imstande, auch nur ein freies Wort zu sprechen. Er hatte den festen Text auf Papier vor sich liegen und blickte im Grunde nur emotionslos auf sein Papier. Er hätte auch ein Polizeibericht vorlesen können. Thema der einführenden Worte von Matthias Pees hätte doch eher sein können: Wie war aus seiner Sicht – und aus Sicht der Jury – das Theaterjahr 2022/23 bis heute? Aber nein.
  • Und: Auch alle anderen Redner dieser Veranstaltung – zunächst die Jurymitglieder – lasen ihre sorgsam vorbereiteten Texte – die jeweilige Begründung der Auswahl – brav vom Papier ab. Ebenso die polnische Kulturmanagerin Joanna Nuckowska und die Ukrainerin Olega Apchel, Mitglieder des neuen „internationalen Leitungsteams“: Auch sie lasen ihre Erläuterungen der neuen Elemente des Theatertreffens – einer Reihe von die Stücke begleitenden „Treffen“ auf dem Theatertreffen – nur vom Blatt ab.
  • Oder: Klar, sie lasen in polnischer Sprache, völlig in Ordnung. Die Simultanübersetzung aber, die zu hören war, war dabei alles andere als glücklich gewählt. Sie vermittelte einen extrem gelangweilten Eindruck vom gesprochenen Text. Noch dazu völlig emotionslos, noch emotionsloser, als der Text ohnehin schon gesprochen oder gelesen wurde.
  • Nun: Ich jedenfalls habe auch die wirren Erläuterungen zu den einzelnen neuen Formaten, den „Treffen“, überhaupt nicht verstanden. So hat auch keiner oder keine der PressevertreterInnen auch nur eine einzige Frage zu diesen neuen Formaten gestellt.
  • Dann noch: Das Leitungsteam wird genannt „internationales Leitungsteam“. Andererseits wurde immer vom künftig „transnationalen“ Charakter des Theatertreffens gesprochen. Wo der Unterschied zwischen „international“ und „transnational“ liegt, liegen soll, ist mir nicht ganz klar geworden. Auch wurde überhaupt nicht angesprochen, ob es jährlich bei der Kooperation Deutschland/Polen bleiben wird, oder ob jedes Jahr – etwa wie bei der Frankfurter Buchmesse – ein neues Partnerland gesucht werden wird.
  • Weiter: Auch die Kameraführung des Streamings der Pressekonferenz warf Fragen auf: Als zu Beginn die zehn Jurymitglieder kurz persönlich vorgestellt wurden, schwenkte die Kamera nicht ein einziges Mal zu der jeweils genannten Person. Als hätte die Kameraführung auch gar nicht gewusst, wen sie hätte einblenden sollen.
  • Ich fragte mich auch: Warum waren die Pressevertreter überhaupt live erschienen? Man hätte alles online ansehen können, hätte sich die Texte geben lassen können. Vor allem nutzten die circa 30 Pressevertreter die Möglichkeit, irgendwelche Fragen zu stellen, nicht im Geringsten aus! Sie saßen alle stumm und fast hörig da, wie in der Sowjetunion. Es kam zu zwei (!) kleinen Fragen, mehr nicht. Und diese Fragen wurden auch noch unvollständig beantwortet.
  • So: Eine Pressevertreterin stellte die verständliche Frage, warum das Stück „Nora“ (Münchner Kammerspiele) in die 10er-Auswahl kam, ohne das Begleitstück „Die Freiheit einer Frau“ auch zu bringen. Schließlich handelt es sich bei diesen beiden Stücken um ein Double Feature an den Münchner Kammerspielen. Die Antwort des Jurymitglieds Sabine Leucht war eine Farce. Das Stück „Die Freiheit einer Frau“ würde nichts zum Stück „Nora“ „beigtragen“. Was ist das denn für eine Begründung? Sollte das zweite Stück der Double Feature etwas zum ersten Stück beitragen? Ganz im Gegenteil! Dieses Double Feature – ich habe es gesehen – lebt gerade durch den Kontrast der beiden Stücke, jedes Stück hat dabei eine eigene Bedeutung für das jeweils andere Stück! Sie leben zusammen! Aber nein, eine Nachfrage der Pressevertreterin zu dieser seltsamen Antwort gab es nicht. In der Süddeutschen Zeitung (Peter Laudenbach) heißt es dazu heute zurecht: „Werden in Zukunft einfach die besten Szenen eines Abends eingeladen…?“.

Was für eine Pressekonferenz! Theaterbegeisterung geht anders! Man hat vor dieser Pressekonferenz auch offenbar überhaupt nicht nachgedacht! Matthias Pees bedankte sich am Ende noch beim Leitungsteam und bei den Jurymitgliedern …

Copyright des Beitragsbildes: Adam Janisch


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THEATER: Das Theatertreffen 2023

IN DIESEN MINUTEN werden die zehn Theaterstücke bekanntgegeben, die für das Berliner Theaterreffen 2023 als die „bemerkenswertesten Theaterstücke“ deutschsprachiger Bühnen des vergangenen Jahres ausgewählt wurden (die berüchtigte „10er-Auswahl“)!!

Die (fürchterlich förmliche – alles wird abgelesen!) Pressekonferenz mit der Vorstellung der einzelnen Theaterstücke läuft gerade, HIER der Link zum Livestream, es geht bis ca. 12.30 Uhr. HIER DIE WAHRSCHEINLICH ERSTE MELDUNG IN DEN MEDIEN DAZU:

Ausgewählt wurden in diesem Jahr die folgenden zehn Inszenierungen (mit Verlinkungen zu den Stückeseiten und zu den Jurybegründungen):

  1. Die Eingeborenen der Maria Blut, Burgtheater Wien. Die Begründung der Jury HIER.
  2. Ein Sommernachtstraum, Schauspiel Bern. Die Begründung der Jury HIER.
  3. Der Bus nach Dachau, Schauspielhaus Bochum. Die Begründung der Jury HIER.
  4. Nora, Münchner Kammerspiele. Die Begründung der Jury HIER.
  5. Orphelia‘s got talent, Volksbühne Berlin. die Begründung der Jury HIER.
  6. Zwiegespräch, Burgtheater Wien. Die Begründung der Jury HIER.
  7. Der Einzige und sein Eigentum, Deutsches Theater Berlin. Die Begründung der Jury HIER.
  8. Kinder der Sonne, Schauspielhaus Bochum. Die Begründung der Jury HIER.
  9. Das Vermächtnis, Residenztheater München. Die Begründung der Jury HIER.
  10. Hamlet, Anhaltisches Theater Dessau. Die Begründung der Jury HIER.

HIER der Link zur gerade veröffentlichten Darstellung der 10er-Auswahl auf der Website des Theatertreffens mit allen weiteren Informationen und links!

Mein erster Eindruck: Es war eine niederschmetternd förmliche Veranstaltung! Auch die anschließende Fragerunde: Das hätte auch in der Sowjetunion so laufen können.

Das Theatertreffen 2023 findet dieses Jahr vom 12. bis zum 28. Mai statt, natürlich wieder in Berlin.

Ein Bild der Jury des Theatertreffens, der Götter auf dem Olymp – Zeus, Hera und weitere:

Jury des Theatertreffens Berlin 2023, bestehend aus: Eva Behrendt, Janis El-Bira, Valeria Heintges, Sabine Leucht, Petra Paterno, Katrin Ullmann und Sascha Westphal, im Martin-Gropius-Bau, Foto: Stefan Wieland

Auch die Leser von http://www.nachtkritik.de können jährlich ihre 10er-Auswahl treffen. Das Ergebnis 2023 Wurde vor etwa einer Woche, am 19. Januar 2023, bekannt gegeben. Es kam ein völlig anderes Ergebnis heraus. HIER der Link zur Zusammenstellung der Zehnerauswahl der Leser von http://www.nachtkritik.de.

Copyright des Beitragsbildes: Adam Janisch

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THEATER: Morgen Vormittag!

NICHT VERPASSEN! Morgen, am Donnerstag, den 26. Januar 2023, etwa 20 Minuten nach 11:00 Uhr den Blog aufrufen! Ich werde eine ganz aktuelle Meldung für Theaterfreunde bringen!

Copyright des Beitragsbildes: Adam Janisch

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THEATER: Joël Pommerat – Die Wiedervereinigung der beiden Koreas

Es hätte auch heißen können: „Ein Abend der Liebe“. Es geht nicht um Korea – nicht um Nordkorea und Südkorea -, es geht um die Liebe und jede Minute des insgesamt zweieinhalbstündigen Abends hätte auch zwei Minuten verdient gehabt. Der Abend hätte so auch 5 Stunden dauern können.

Am Metropoltheater in München wird derzeit – noch fast täglich – das Stück des französischen Autos Joël Pommerat „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ gebracht. Ein sehr kluges und sehr feinfühliges Stück über die Liebe. Keine Romanze, es wird auch nicht etwa ein bestimmtes Einzelthema zur Liebe dargestellt, es sind lauter verschiedene Aspekte um die Liebe, die in fast 20 Szenen dargestellt werden.

Natürlich betrifft das Thema Liebe auch Sie, liebe/r Leser/in! Meine Empfehlung: Hingehen, ein auch Sie betreffender Theaterabend! [Ein Tipp für Münchner: Das Metropoltheater ist von München-Zentrum aus mit der U-Bahn (Station Freimann) sehr bequem zu erreichen!]

Denn was ist denn die Liebe? Sie ist ja fast nie in purer Gestalt zu erleben, jeder hat sie, sucht sie, aber sie wird ständig beeinflusst, wird enttäuscht, verfälscht, nicht gesehen, wird anerkannt, geleugnet, verändert sich, hat höchst persönliche Hintergründe, kann nicht geäußert werden, wird nicht erwidert, hat Vergangenheit und und und. Sie sind es, diese Aspekte, die um die Liebe kreisen und die pure Liebe immer „stören“, „beeinflussen“. Und um diese „Wirren“ um die Liebe herum geht es in Pommerats Stück. Die Szenen enden manchmal recht abrupt, lassen damit den Zuschauer mit einem kurzen Eindruck alleine! Es wäre manches Mal interessant gewesen, wenn die Szenen „gedehnt“ worden wären. Hinter jeder der verschiedenen Szenen steckt ja immer eine ganze Welt, stecken mehrere Welten, weil jeder der Beteiligten ja seine eigene Welt mitbringt. Man spürt aber auch in diesen kurzen Szenen diese Welten, die in allem stecken.

Dazu, dass man viel spürt in den Szenen, tragen alle SchauspielerInnen durchweg überzeugend bei! 5 Schauspielerinnen und 4 Schauspieler spielen in den Szenen insgesamt 27 Frauen und 24 Männer.

Das Stück „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ beginnt mit einer Frau, die dem Publikum erklärt, dass sie sich scheiden lässt. Und das Stück endet mit einer Frau, die sich auf der Bühne langsam tanzend im Kreise dreht, während um sie herum (in Gestalt aller SchauspielerInnen des Abend) die Wirren der Liebe kreisen – könnte man sagen.

Die Inszenierung hält sich gestalterisch zurück, der Text und die Personen wirken. Eine schwarze Bühne, die SchauspielerInnen, vielleicht ein/zwei Gegenstände, das ist es fast schon. Die Szenen werden immer kurz unterbrochen durch angespielte Musik von Asaf Avidan. Fast melancholische, langsame, nicht fröhliche Musik. Auch das passt: Es sind viele Szenen, die einen eher traurig machen können. Liebe hat eben so oft – fast immer – etwas mit Missverständnis zu tun, mit Unverständnis, Verwirrung, so steckt aus meiner Sicht hinter vielen der Szenen – aber fast versteckt, nicht vordergründig – eher Traurigkeit als Fröhlichkeit.

Joël Pommerat, geboren 1963 in Frankreich, wird auf deutschen Bühnen recht selten gespielt. Vor allem die größeren deutschen Bühnen haben ihn bisher nicht gebracht, soweit ich sehe. Das Burgtheater in Wien brachte einmal „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“. In Frankreich hat er Erfolge seit vielen Jahren, beginnend Mitte der Neunziger.

HIER der Link zum Wikipedia Eintrag zu Joël Pommerat.

HIER ein Gespräch mit dem Hausregisseur des Metropoltheaters Jochen Schölch, der auch „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ inszenierte.

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Metropoltheaters.

Copyright des Beitragsbildes: Metropoltheater München / Fotograf: Jean-Marc Turmes

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LITERATUR: Andreas Maier – Wäldchestag

Seit ich „Wäldchestag“ von Andreas Maier vor vielen Jahren (2002 erschienen) zum ersten Mal gelesen hatte, habe ich alle weiteren Bücher von Andreas Maier gelesen. Und das sind mittlerweile einige.

Er ist einer meiner Lieblingsautoren geworden. Ich mag unaufgeregte Geschichten, nichts Gestelztes, das einfache Lebens, das dann durch eine irgendwie besondere Sichtweise interessant geschildert wird. Es steckt ja im Grunde immer alles in allem, auch in kleinsten und banalsten Situationen.

Andreas Maier liest sich in diesem Buch „Wäldchestag“ auch ein bisschen wie Thomas Bernhard. Thomas Bernhard hatte ja eine ähnliche Herangehensweise: Nichts passiert, aber Thomas Bernhard konnte darüber höchst vorzüglich schreiben.

Er hat über Thomas Bernhard promoviert. Er schreibt also – früher tatsächlich manchmal an Thomas Bernard erinnernd, mittlerweile mit einem sehr eigenen Stil – köstlich über banale Einzelheiten, die viele LeserInnen wahrscheinlich genau so erlebt haben werden. Jeder geht ja einmal über eine Straße.

Andreas Maier stammt aus der Wetterau in Hessen, der Begriff „Wäldchestag“ kommt von „Wald“, es ist ein jährliches Waldfest in der Nähe von Frankfurt!

Anfangs hatte Andreas Maier in seinem schriftstellerischen Tun noch die Wetterau als Ort des Geschehens seiner Romane verlassen. Der (ebenfalls sehr köstliche) Roman Klausen spielt im norditalienischen Ort Klausen neben der Brennerautobahn. Der spätere Roman Sanssouci spielt in Potsdam.

Im Lauf der Jahre hat sich Andreas Maier schriftstellerisch mehr und mehr in die Wetterau zurückgezogen. In einer Reihe von elf kleinen Büchlein erzählte er in den letzten Jahren über seine dortige Kindheit und Jugend. Ein bisschen auch über sein Studium in Frankfurt. Die Reihe ist noch nicht ganz abgeschlossen.

HIER der Link zur Autorenseite von Andreas Meyer beim Suhrkamp Verlag.

In dem Roman „Wäldchestag“ geht es um den alten Sebastian Adomeit, einen intellektuellen Einzelgänger, der in Niederflorstadt in der Wetterau lebte und nun dort gestorben ist. Alle sind aufgeregt und verärgert, da seine Beerdigung ausgerechnet am Pfingstmontag und die Testamentseröffnung am Pfingstdienstag, dem „Wäldchestag“, stattfinden. In den Gesprächen der Beteiligten, denen man folgt, geht es immer wieder um Gerüchte über den Sonderling Sebastian Adomeit, der als Konsumverweigerer in gewisser Weise immer neben dem üblichen Geschehen im Dorf lebte. Niemand kannte ihn richtig, viele meinen aber, ihn doch gekannt zu haben oder interpretieren ihn. Und man verfolgt das ständige Gerede der Einwohner übereinander, jeder wundert sich Im Grunde immer wieder über den anderen, man versteht ja den „anderen“ nie.

Der Roman ist schon deshalb besonders, weil er von Beginn an bis zum letzten Wort (Seite 315 der Taschenbuchausgabe) in indirekte Rede, im Konjunktiv, geschrieben ist. Wie etwa: „Er habe dann gesagt, er sei müde, und sei gegangen. Zuhause habe er noch ein Bier getrunken“ oder ähnlich. Alles wird erzählt aus Sicht eines Bekannten von Adomeit, dem Antragsteller.

Und das Buch ist besonders, weil es in diesem Buch keinen einzigen Absatz gibt. Es sind drei Kapitel, alle sind aber komplett ohne Absatz durchgeschrieben. Man könnte meinen, das sei beschwerlich. Ist es aber nicht.

Das Buch entwickelte sich auch jetzt wieder bei mir geradezu zu einem „pageturner“, obwohl es wahrlich nur um Banalitäten geht. Man will wissen, was im Testament von Sebastian Adomeit steht. Man erfährt es erst auf den letzten Seiten. Man will wissen, was alles bis zur Testamentseröffnung passiert – oder nicht passiert, wer was denkt usw.

Auch das ist dabei köstlich: In den banalste Szenen und Gespräche werden immer wieder die weisesten Weltanschauungen der verschiedenen Beteiligten geäußert.

Für mich war es also wieder eine Lesefreude!

Hier eine Leseprobe:

Und HIER der Link zur Buchseite von „Wäldchestag“ beim Suhrkamp Verlag.

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MUSIK: Shervin Hadjipour – Baraje

Man hörte in diesen Tagen wieder etwas weniger davon. In den letzten Monaten wurde im Iran recht heftig gegen das islamische Regime und für Frauenrechte, aber auch allgemein für mehr Menschenrechte demonstriert. Auslöser der Demonstrationen war der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini Mitte September.

Die Sittenpolizei hatte sie wegen ihres angeblich „unislamischen Outfits“ festgenommen. Was mit Amini danach geschah, ist unklar. Sie fiel ins Koma und starb am 16. September in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben.

Dann kam es zu Demonstrationen. Und dann veröffentlichte der junge iranische Musiker Schervin Hajipour einen Song, in dem er die Forderungen der hauptsächlich jungen Demonstrierenden musikalisch zusammenfasst.

Den Songtext hat Schervin Hajipour aus Online-Kommentaren von iranischen Demonstranten zusammengesetzt, in denen sie begründen, warum sie auf die Straße gehen. „Für die Sehnsucht nach einem normalen Leben, für Tanzen auf den Straßen, für Küssen ohne Angst, für die verrosteten Köpfe“, lauten Teile des Songs.

Das Lied wurde rasant zur inoffiziellen Hymne der Proteste im Iran. Es wird mittlerweile weltweit gehört. Wenige Tage nach Veröffentlichung wurde der 25-jährige Schervin Hajipour festgenommen. Gegen eine Kaution kam er frei und distanzierte sich auf Instagram von seinem Song. Als Reaktion wurde auf Twitter vorgeschlagen dem Lied eine neue Zeile hinzuzufügen: „Wegen erzwungener Instagram Stories.“

Jeder sollte diesen Song hören, heißt es. Der Text des Liedes:

  • Für das Tanzen auf der Straße
  • Für die Angst sich zu küssen
  • Für meine Schwester, deine Schwester und unseren Schwestern
  • Für den Wechsel alter Werte
  • Für die Scham, für die Armut
  • Für die Sehnsucht nach einem normalen Leben
  • Für ein Kind, das im Müll wühlt und seine Träume
  • Für die korrupte Wirtschaft
  • Für die Luftverschmutzung
  • Für „ValiAsr“ und alle trockenen Bäume
  • Für den Pirouz und sein mögliches Aussterben
  • Für die unschuldigen verbotenen Hunde
  • Für die Wiederholung solcher Momente und Bilder
  • Für das Weinen ohne Ende
  • Für ein lachendes Gesicht
  • Für die Studierenden, für die Zukunft
  • Für das aufgezwungene Paradies
  • Für diejenigen, die im Gefängnis sind
  • Für die afghanischen Kinder
  • Für das wiederholende FÜR
  • Für alle leeren Paroli
  • Für den Schutt der billig gebauten Häuser
  • Für den Seelenfrieden
  • Für die Sonne nach langen Nächten
  • Für Beruhigungspillen und Schlaflosigkeit
  • Für den Mensch, das Heimatland und die Ortschaft
  • Für das Mädchen, das sich wünschte ein Junge zu sein
  • Für die Frau, das Leben, die Freiheit
  • Für Freiheit
  • Für Freiheit
  • Für Freiheit

Baraje heißt „für“ und „wegen“.

Das Original des Liedes ist hier, zwei weitere Versionen siehe unten!

HIER noch der Link zu einem Artikel vom 04.11.2022 auf „Deutschlandfunk“, in dem weitere Musikbeispiele aus dem Iran genannt werden und verlinkt sind. Die Journalistin Natalie Amiri etwa sagte dem „Deutschlandfunk“: „All das, was die Islamische Republik dem Volk in den 43 Jahren ihres Bestehens angetan hat, kommt in dem Lied vor.“

HIER auch noch der Link zu einem Artikel des Bayerischen Rundfunks/Zündfunk ebenfalls zu diesem Lied mit weiteren Beispielen entsprechender iranische Musik.

Auch Coldplay spielte an zwei Abenden – am 29./30. Oktober 2022 – ein Cover dieses Liedes auf einem Konzert in Argentinien, das live in 81 Länder übertragen wurde. Den persischen Text – er ist vielleicht etwas verlängert, es sind ganze Sätze, es ist aber Zeile für Zeile derselbe Inhalt! Vielleicht singt Scherwin Hadjipour aber auch schon ganze Sätze in seiner Originalversion? – sang dabei die iranische Schauspielerin Golshifteh Farahani. Das Lied beginnt im Video bei Minute 1:40.

Die zweite Coverversionen hier: Eine meines Erachtens sehr schön gesungene englischsprachige Version der US-Amerikanerin Rana Mansour, deren Eltern aus dem Iran geflohen waren:

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Alles Gute für das kommende Jahr!

Ich wünsche heute allen einen ruten Gutsch und alles Gute für das Neue Jahr 2032!

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SONSTIGES: Weihnachten mit Niki Lauda

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MUSIK: Roger Waters – Comfortably Numb 2022

Darf man Roger Waters bringen? Er ist nicht nur bekannt für seine Anti-Israel-Haltung, sondern hat sich kürzlich in einem Brief an die Ehefrau von Staatspräsident Selenski mit Blick auf den Ukraine-Krieg auch noch klar pro-russisch positioniert. Roger Waters, Gründungsmitglied von Pink Floyd, hatte kürzlich eine neue Version des Songs „Comfortably Numb“ veröffentlicht. Klar darf man, finde ich zumindest mit Blick auf seine Ukraineäußerungen. Meinungsfreiheit! Bei Israel sehe ich es anders!

Also hier mit klarer Absage an seine m. E. zu radikale (siehe unten) Israel-Haltung: „Comfortably Numb 2022“ – seine neue Version. Eine Version mit tieferem Sound, sehr düsterem Video und in düsterer Endzeitstimmung. Roger Waters bringt die Version als Opener seiner derzeitigen Tournee „This Is Not A Drill“. Als Tourdaten für Deutschland im Mai 2023 sind folgende Termine geplant:

  • 07. Mai: Barclays Arena, Hamburg
  • 09. Mai: LANXESS arena, Köln
  • 17. Mai: Mercedes-Benz Arena, Berlin
  • 21. Mai: Olympiahalle, München
  • 28. Mai: Festhalle, Frankfurt

Es ist aber nicht klar, ob diese Konzerte so stattfinden werden! Nach seinen oben erwähnten Äußerungen zum Ukrainekrieg, auch zu Musikkollegen (AC/DC) und zu Fragen um Israel/Palästina wird zunehmend eine Absage der obigen Termine überlegt. HIER etwa in München. HIER in Frankfurt. Im hier verlinkten Artikel zu Frankfurt heißt es:

In der Kritik steht der Musiker, weil er seit vielen Jahren die israelfeindliche Bewegung BDS (Boycott, Divestment, Sanctions) unterstützt, die zu einem umfassenden Boykott des Staates Israels aufruft. Schon lange wird Waters vorgeworfen, judenfeindliche Ressentiments zu schüren – etwa indem er bei seinen Konzerten ein Kunststoff-Schwein mit einem Davidstern durch die Halle fliegen ließ. 

HIER ein Artikel in „Rolling Stones“ über die neue Version des Songs mit Links zu den politischen Fragwürdigkeiten.

Schön – wenn auch extrem düster (was ja derzeit als Blick auf die Welt [Krieg, Klima …] auch verständlich ist) – ist die neue Version des Songs aber schon, nicht zuletzt wegen des Gesangssolos von Shanay Johnson gegen Ende des Songs.

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THEATER: L7L – Die Sieben Irren

L7L steht für „Los Siete Locos“, den Titel des Romans „Die Sieben Irren“ des Argentiniers Bernardo Arlt, zu dem es derzeit an den Münchner Kammerspielen eine Inszenierung gibt. L7L ist hier das Logo eines Geheimbundes von sieben „Irren“.

„Die Sieben Irren“ ist ein argentinischer Großstadtroman aus dem Jahre 1929 – in Argentinien ein Klassiker, der mit „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin (etwa gleiche Zeit) verglichen wird. Die Inszenierung in München bringt das Kürzel L7L im Titel der Inszenierung: „L7L – Die Sieben Irren“ heißt sie.

Die Münchner Kammerspiele haben sich der Internationalisierung verschrieben. Um das Programm der Münchner Kammerspiele vor allem verstehen zu können, muss man allerdings im Grunde vielsprachig begabt sein. Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Polnisch (vermute ich) … auch Schriftzeichen anderer Sprachen (Griechisch, kyrillisch …) werden gerne einmal verwendet. Ob das andererseits einer „Öffnung des Theaters“ für Menschen, die nicht so oft ins Theater gehen, gerecht wird, kann ich nicht beurteilen, vielleicht lockt es jüngere Menschen. Es kann aber auch recht ratlos zurücklassen … Trotzdem: Der Ansatz/die Idee der Internationalisierung ist jedenfalls nicht nur wertvoll, interessant, öffnet den Blick, es ist auch hilfreich und notwendig.

Es ergab sich nun jedenfalls, dass der argentinische Romanklassiker „Die Sieben Irren“ von Roberto Arlt aus dem Jahre 1929 an den Münchner Kammerspielen (Therese-Giese-Halle) auf die Bühne gebracht wurde und gebracht wird. Von anderen Aufführungen dieses Romans auf deutschen Bühnen ist mir nichts bekannt. Haben wir hier die Deutschlandpremiere?

Es ist allerdings nun nicht so, dass hier ein[e] deutsche[r]/europäische[r] Regisseur/Regisseurin diesen argentinischen Romans auf die Münchner Bühne bringt. Es ist ein ARGENTINIER, Alejandro Tantanian. Ich erinnere mich kurz an eine Inszenierung der Münchner Kammerspiele von vor einigen Jahren (etwa vor vier Jahren): Der IRANER Koohestani hatte damals den ENGLISCHEN/WESTLICHEN absoluten Klassiker „Macbeth“ von William Shakespeare auf die Bühne der Kammerspiele gebracht. Das war ein voller Clash der Kulturen. Die islamische Welt und die westliche Kultur. Hier nun – im Fall von „L7L – Die Sieben Irren“ – ist der Clash nicht ganz so erheblich. Für einen ARGENTINIER ist der Roman „Die Sieben Irren“ von Roberto Arlt ein Heimspiel, ein Klassiker wie etwa der Roman „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin für einen Deutschen.

Man müsste auch durchaus scharf überlegen, worin Besonderheiten oder Spezialitäten einer argentinischen Inszenierung von „Die Sieben Irren“ liegen könnten. Vielleicht am ehesten im interessanten, fast chaotisch und vielschichtig liebevoll gestalteten Bühnenbild, einer Art „Werkstattsituation“ in der ohnehin werkstattähnlichen Therese-Giese-Halle. Das Bühnenbild wurde von der in ARGENTINIEN geborenen Italienerin Oria Puppo entworfen. Oder im Zusammenspiel von Schauspiel und Film/Video – was an sich nichts Neues ist, hier aber sehr schöne verschiedene Einsätze findet. Nicht nur, dass teilweise eine Handkamera auf der Bühne im Einsatz ist, es sind auch viele großflächige Videoszenen im Hintergrund des Bühnengeschehens oder über der Bühne zu verfolgen, teils auf mehreren kleinen Videoflächen. Auch irgendwie chaotisch, aber immer auch kreativ zugleich.

Etwa, wenn eine Zeit lang nur minimal zeitversetzt eine Probenfassung des Abends hinter dem Bühnengeschehen in Schwarzweißaufnahme stumm auf ganzer Bühnenbreite mitläuft. Man sieht so zwei Fassungen von Szenen, passend zur gewollten Zeitneutralität der Herangehensweise an das Thema in dieser Inszenierung.

Und „schon“ bin ich beim Inhalt des Abends: Es geht zwar im Roman um verrückte Menschen im Grossstadtwirrwarr von Buenos Aires in den Zwanzigerjahren. Vergangenheit in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg. Eine Gruppe, die eine revolutionäre Zelle bildet und einen Umsturz anstrebt. Hier in München an den Kammerspielen wird dagegen in verschiedener Hinsicht versucht, das Entstehen revolutionärer Zellen („faschistischer“ Zellen, was ja zunächst allgemein „Bündnis“ bedeutet) allgemeiner zeitlos zu greifen. Es ist ja immer wieder aktuell, siehe zuletzt „Sturm aufs Kapitol“ oder „Reichsbürger“. Deshalb heißt der Abend hier an den Kammerspielen im Untertitel „Ein Projekt von Alejandro Tantanian und Oria Puppo“. Die Namen der Personen des Romans sind für die Inszenierung auch geändert. Die Frage soll nämlich allgemein lauten: Wie kommt es zu solchen „Bündnissen“?

Es geht im Stück viel um gedemütigte und erniedrigte Menschen. Zusätzlich kommen bei jedem dieser Sieben Irren persönliche Befindlichkeiten dazu. Befindlichkeiten, die natürlich sensibel machen, sich dem Bündnis anzuschließen. Wut, Traurigkeit, Idealismus…

Der Roman bringt dabei viele allgemeine Lebensweisheiten, die nicht sofort politisch in Richtung Umsturz gedeutet werden können. Es sind Lebensweisheiten, auch wenn sie recht düster sind. Ich wollte mir diese Lebensweisheiten und den Text insgesamt bei einer zweiten Vorstellung heute, Mittwoch, 14. Dezember, noch einmal anhören, die Vorstellung fällt leider aus.

So schreibe ich hier zunächst diesen recht allgemein gehaltenen Beitrag und werde ihn nachträglich ergänzen. Wahrscheinlich aber erst nach Neujahr.

HIER noch der Link zu einer Besprechung des Romans in damals neuer Übersetzung seitens des Deutschlandfunks aus 2018.

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele.

Copyright des Beitragsbildes: Judith Buss

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Sonstiges

SONSTIGES: Elfriede Jelinek – Der Film

Elfriede Jelinek – Die Sprache von der Leine lassen – so heißt der Film, der derzeit (ACHTUNG – sicher nicht mehr lange!) in ausgewählten Kinos zu sehen ist. Der Film ist natürlich interessant für Theaterfreunde, obwohl Elfriede Jelinek ihre Stücke ja nicht speziell für die Bühne geschrieben hat. Zu ihren Texten gibt es aber immer schon Inszenierungen.

Ich kenne leider nur zwei Inszenierungen zu ihren Texten: „Am Königsweg“ (Inszenierung am SchauspielHaus Hamburg, HIER ein Trailer) und „Wut“ (Inszenierung an den Münchner Kammerspielen). Einar Schleef war wohl ihr Lieblingsregisseur. An weitere Inszenierungen ihrer Texte an den Münchner Kammerspielen (etwa die Werke Rechnitz, Die Straße, die Stadt, der Überfall, Das schweigende Mädchen) kann ich mich irgendwie nicht mehr erinnern, obwohl sie an den Münchner Kammerspielen liefern.

In diesem Beitrag bringe ich einige Links, die es ermöglichen, Elfriede Jelinek vielleicht ein wenig zu verstehen. Schwer genug!

HIER etwa ein Gespräch mit Elfriede Jelinek nach dem Tod von Einar Schleef.

Und hier bei dieser Gelegenheit zunächst ein schöner Song aus der Inszenierung „Am Königsweg“, gesungen von Benny Claessens: Die Inszenierung vom SchauspielHaus Hamburg, war ja eingeladen zum Berliner Theatertreffen. Ausschnitte von „Am Königsweg“ sieht man über den Link unten zum „weiteren Porträt“. Claessens kann wahrlich nicht singen, aber trotzdem:

Den Film „Elfriede Jelinek“ hatte ich mir am vergangenen Sonntagmittag im Münchner Theatiner Filmtheater angesehen, das einem schon wegen seiner Kleinheit, seiner – gewissermaßen -„Zurückgezogenheit“ und seines ausgewählten Programmes immer wieder gefallen kann! HIER der Link zur Website des Kinos.

Die Regisseurin und Autorin des Films „Elfriede Jelinek – Die Sprache von der Leine lassen“, Claudia Müller, sagt in einem Gespräch über ihren Film (HIER das Gespräch), sie möchte den Zuschauer hungrig zurücklassen mit der Idee: „Ich möchte etwas von Elfriede Jelinek lesen“. So ist es auch! Man kann Elfriede Jelinek nach diesem Film natürlich in keiner Weise vollständig – wenn überhaupt – verstehen. Auch ich werde mir sicherlich demnächst ein Buch von Elfriede Jelinek zur Hand nehmen.

In zumeist auffallend ruhiger Art und Weise versucht der Film jedenfalls, der Person Elfriede Jelinek näher zu kommen. „Auffallend ruhig“ deshalb, weil die mir bekannten Inszenierungen ihrer Texte auf der Bühne zu recht unverständlichem Chaos und zu Wildheit neigten. Die Steiermark, ihre Heimat. Elfriede Jelinek ist ansich ja bekannt dafür, dass sie alles andere als Ruhe gibt, doch der Film schafft oft Ruhe und damit Konzentration auf sie und ihre Texte. Im Film werden Ausschnitte aus ihren Texten von SchauspielerInnen wie Ilse Ritter, Sandra Hüller, Stefanie Reinsperger etc. zitiert. Der Film versucht nicht, das Leben von Elfriede Jelinek chronologisch abzuarbeiten, es sind jede Menge Zeitsprünge enthalten. Es beginnt mit der Verleihung des Literaturnobelpreises im Jahre 2004. Deutlich wird dann doch erst einmal gezeigt, dass ihre Kindheit und Jugend, in der sie von ihrer Mutter wohl übermäßig zu allen möglichen Kunstleistungen verpflichtet wurde, sehr prägend für ihr weiteres Leben waren und ihr diesen doch distanzierten Blick auf das Leben gegeben haben müssen. Die Sprache war – sagt sie – noch das einzige Feld, das für sie frei war.

Das Besondere ist dabei, wie sie Worte wählt, welche Worte sie wählt, wie sie sich ausdrückt! Sie hat – erlebt man auch im Film – eine unglaubliche Distanz zum normalen Leben, beschreibt es aber in vielen Einzelheiten und Tendenzen, ist also gleichzeitig dicht dran am Leben. Das ist bemerkenswert. Der Film zeigt auch, dass sie oft/meist politisch agierte. Vor allem zeigt er ihre Auseinandersetzung mit der an Österreich klebenden faschistischen Vergangenheit. Stichworte sind Haider, Waldheim, Rechnitz. Bevor der Film diese politische Ausrichtung wieder verlässt.

Elfriede Jelinek hat sich nach Erhalt des Literaturnobelpreises aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Schon an der Verleihung des Literaturnobelpreises in Schweden konnte sie nicht teilnehmen. Vor allem wollte sie vermeiden, über ihre eigenen Stücke zu reden und sie damit zu schwächen, wie sie meint. Zumindest hat sie zu dem Film „Elfriede Jelinek“ – nachdem sie ihn gesehen hatte – auf Wunsch der Regisseurin in einem Brief Stellung genommen – und sie hat auch hier wieder sehr besondere Worte gefunden. Der Brief wurde in der ZEIT und im STANDARD veröffentlicht.

HIER ist der Link zu diesem Brief.

HIER wird der Brief von Stefanie Reinsperger gelesen.

HIER ist noch ein Trailer zum Film.

Und HIER ist ein interessantes weiteres neueres „Porträt“ von Elfriede Jelinek (aus 2021) zu sehen.

An Elfriede Jelinek rauscht ihre Welt vorbei, die sie skeptisch/pessimistisch betrachtet, und sie findet zu alledem besondere, ganz besondere Worte! Nicht an Fiktionen, an ihren Realitäten arbeitete sie sich ab. Amerika, Österreich, Tourismus, Faschismus, Pornographie, vieles vieles mehr. Sie formuliert und benennt die Dinge so, wie sie kaum jemand formuliert.

HIER noch der Wikipediaeintrag zu Elfriede Jelinek, der ihre unglaubliche frühere Schaffenskraft zeigt.

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ANKÜNDIGUNG: „Vögel“ am Sonntag im Streaming

DAS ERFOLGREICHE STÜCK „VÖGEL“ VON WAJDI MOUAWAD IST JA KÜRZLICH VOM METROPOLTHEATER ZUNÄCHST AUSGESETZT WORDEN WEGEN ANGEBLICH ANTISEMITISCHER ÄUSSERUNGEN! ICH WEIß NICHT, WELCHE ÄUSSERUNGEN INSGESAMT GEMEINT SIND, MIR WAR NICHTS AUFGEFALLEN.

Die jüdische Großmutter sagt einmal: “Scheiß KZ“ (oder ähnlich). Das kann ja wohl nicht antisemitisch sein. Auch die Erzählung inhaltlich: Ein jüdischer Soldat rettet im Libanonkrieg ein palästinensisches Baby, das Palästinenserkind wächst bei den Juden auf, auch dessen Kind meint, jüdisch zu sein, bis alles auffliegt. Ich weiß nicht, was daran antisemitisch war. Eine weitere Stelle wird genannt: Die Aussage „Wenn Traumata Spuren in den Genen hinterließen, die wir unseren Kindern vererben, glaubst du, unser Volk ließe dann heute ein anderes die Unterdrückung erleiden, die es selbst erlitten hat?“ Ist das gleich antisemitisch? Doch nur dann, wenn die Antwort „Ja“ käme, oder? Verstehe ich nicht ganz.

An diesem Sonntag, zweiter Advent, 4. Dezember 2022, bringt das Schauspiel Köln ausnahmsweise von 16.00 Uhr bis 00.00 Uhr ein Streaming dieses Stückes. HIER der Link zur Stückeseite am Schauspiel Köln.

Schon 2019 wurde das Stück „Vögel“ am Schauspiel Köln inszeniert. Für das Streaming am Sonntag gibt es eine besondere Fassung:

Für die digitale Umsetzung des Stückes am Sonntag hat sich der damalige Regisseur Stefan Bachmann den Kameramann Andreas Deinert an die Seite geholt (Deinert arbeitet als Bühnen-Live-Kameramann und Videodesigner u. a. für Frank Castorf). Er verwendet für das Streaming von „Vögel“ verschiedene Split Screens, um Szenen narrativ zuzuspitzen und gleichzeitig den subjektiven Blick der Zuschauer*innen vom Bühnenraum ins Digitale zu übertragen.

Ansehen und urteilen! Textlich dürfte das Metropoltheater in München ja nichts anderes gebracht haben.

HIER der Link zu meiner damaligen Besprechung der Inszenierung „Vögel“ am Metropoltheater.