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THEATER: Otto-Falckenberg-Schule – Anna, Mascha und Julia

Die Studierenden des 3. Schauspieljahrgangs der Otto Falckenberg Schule, der Schauspielschule der Münchner Kammerspiele, haben sich nun in ihrer in gewisser Weise inhaltlich anspruchsvollen Abschlussinszenierung mit einigen der bekannten Werke Anton Tschechows gleichzeitig beschäftigt. Mit „Onkel Wanja“, „Die Möwe“, „Iwanow“, „Der Kirschgarten“. Auch in diesen Werken geht es bekanntlich um Tschechows fürchterliche, immer unlösbare Frage: Warum lebe ich? Was ist Liebe? Was macht das Leben aus? Warum ist es so schwer, glücklich zu sein? Das haben sie herausdestilliert aus diesen Werken, vor allem mit Blick auf weibliche Personen in den Stücken, damit haben sie letztlich Anton Tschechow dargestellt.

Sie haben es interessant gemacht, zu sehen ist es noch einmal am 27. Februar. Die Personen der oben genannten Werke sind dabei immer wieder im Gespräch mit Anton Tschechow persönlich, der zusammen mit seiner Schwester Mascha auf der Bühne der Therese-Giehse-Halle erscheint, sich einmischt, gefragt wird und sich auch Gedanken über sein Thema, Leben und Liebe, in seinen Personen macht. Die DarstellerInnen der Personen der Werke Tschechows treten auch teils aus sich heraus, sind dann die SchauspielerInnen und Schauspieler selbst.

Auch der Darsteller von Anton Tschechow (Luis Brunner) tritt aus seiner Rolle heraus und sagt etwa:

Und dann dachte ich mir: gehts in seinen Texten nicht genau darum?
Dass wir alle Menschen mit Wünschen, Ängsten und Sehnsüchten sind und wir können es uns nicht aussuchen, wer wir sind und was wir wollen und wir versuchen krampfhaft unser Leben lang irgendwie das Beste draus zu machen, aber wissen einfach nicht wie?

Mein Eindruck: Diese Befassung der 3. Schauspieljahrgangs der Otto Falckenberg Schule mit Anton Tschechow und seinem großen Thema hat etwas! Sie könnte sogar etwas für Christopher Rüping sein! Ich sehe es vor mir, in einer für ihn so typischen Inszenierung: Auf großer leerer Hauptbühne, mit Livemusik, die gewählte Zusammenstellung der Personen aus Tschechows Werken, … es würde gut passen (Die Inszenierung der Arbeit der Otto-Falckenberg-Schule entstand unter der Regie der schon recht erfahrenen und erfolgreichen Regisseurin/Performerin/Theaterleiterin Lizzy Timmers).

Inhaltlich ist es natürlich – ganz nach Anton Tschechow – recht traurig. Nicht nur Anton Tschechow war schließlich mit sich und seinen Werken nicht zufrieden, auch alle anderen Personen, die hier aus den Werken von Anton Tschechow auf der Bühne erscheinen, scheitern an oder hadern mit ihren Problemen, Sehnsüchten, Situationen, unerfüllten Wünschen, unerfüllter Liebe vor allem, an ihren Zweifeln … Traurig aber wahr! Einfach wahr – wie der riesige Mond, der (auch passend, Bühne Bettina Kirmair) über allem schwebt, fast etwas viel, aber lohnenswert!

HIER der Link zur Stückeseite.

Copyright des Fotos: Judith Buss

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THEATER: Elias Emmert – Tal der Tränen

Es war eine der Abschlussinszenierungen der Theaterschule der Münchner Kammerspiele, der Otto-Falckenberg-Schule. Eine Inszenierung von Elias Emmert. Die Inszenierung ist nicht mehr zu sehen, sie lief in den vergangenen Tagen nur dreimal. Dennoch hier ein paar kurze Eindrücke:

  1. Falsche Bühne? Zu sehen war die Inszenierung an der kleinsten der drei Bühnen der Münchner Kammerspiele, im Werkraum im „Blauen Haus“. Es wäre meines Erachtens passender und richtig gewesen, diese Inszenierung auf der zweitgrößten Bühne der Kammerspiele, der Therese-Giehse-Halle, zu bringen. Die Minibühne des Werkraum war vollgestellt mit verschiedensten Dingen, von Sofa bis Waschmaschinen, es war schon für die Schauspieler schwierig, sich zu bewegen. Auch wenn das Bühnenbild genau so gewollt war: Ich glaube, man hätte hier gut über einen Wechsel auf die Bühne der Therese-Giehse-Halle reden können. Die größere Bühne hätte der engagierten Inszenierung einfach gut getan! Es könnte ja nicht unbedingt für besonderes künstlerisches Feingefühl der Münchner Kammerspiele für die SchülerInnen der Otto-Falckenberg-Schule sprechen, wenn alle Abschlussinszenierungen immer auf die kleinste Bühne geschickt werden. Feingefühl für den Nachwuchs und für junges Theater! Wie kann man eine so kleine „vollgerümpelte“ Bühne zulassen. Es war – wie gesagt – vom Bühnenbild her zweifellos so düster und chaotisch gewollt (Bühnenbild: Das Dou MOTHER – Olivia von Lüttichau und Camila Lønbirk). War auch gut! Aber mein Eindruck eben: Auf zu kleiner Bühne! Zumal Elias Emmert schon während seiner Ausbildung mehrere Regiearbeiten an den Münchner Kammerspielen, im Werkraum, gebracht hatte. Schade, aber vielleicht kann es ja noch einmal auf der Bühne der Therese-Giehse-Halle gebracht werden!
  2. Vom Anfang und dem Ende der Welt: Es ging in Tal der Tränen wesentlich um die Orestie. Das ewige Morden als Reaktion auf Unrecht, bis sich so etwas wie eine geordnete Rechtsprechung entwickelte. An diesem Kipppunkt standen damals die Geschwister Elektra und Orestes. Schon damals die Überlegung: „Wie kann man die bisherige dramatisch zerstörerische Systematik des Lebens OHNE Gewalt beenden?“ Aber das Ganze hat mittendrin auch Bezug zu unserem aktuellen Leben: So wird auch (eindringlich, fast brutal) auf den Kippunkt eingegangen, an dem wir heute stehen, der Klimakatastrophe! Auch hier stellt sich die Frage: „Wie reagieren?“ „Wie kann man die bisherige dramatisch zerstörerische Systematik des Lebens OHNE Gewalt beenden?“ Meines Erachtens hat man hier eine Inszenierung gesehen, die genau in unsere Zeit passt! Düster, abgründig und mit dem Tenor: Anfang und Ende der Welt! Genau da stehen wir. So kann zeitgemäßes Theater momentan wohl nur aussehen! Auch meine Sitznachbarin sagte nach der Vorstellung: „Super, aber schwer zu ertragen!“ So muss es sein!
  3. Schauspielerisch: Beteiligt sind vier SchauspielerInnen. Überzeugend ist wieder Komi Togbonu, man möchte mehr von ihm sehen! Er hat ungewöhnliche Power in sich! Auch Julia Gräfner (beide sind Ensemblemitglieder der Kammerspiele) überzeugt in ihrer düsteren Rolle! Besonders hervorheben möchte ich aber die beiden jungen Schauspielertalente, die seit 2021 an der Otto-Falckenberg-Schule studieren: Emma Floßmann und Enes Sahin (siehe Beitragsbild). Beide spielen stark! Großartig und man wird hoffentlich von Ihnen hören!

HIER der Link zur Stückeseite.

Copyright des Beitragsbildes: Julia Windischbauer