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Gesehen und gehört

THEATER: Politik im Freien Theater

Mein Theaterwahnsinn geht weiter! In Kürze beginnt das Festival „Politik im Freien Theater“, erstmals in München, vom 1. bis 11. November! Ich werde einige Stücke sehen und sicher darüber schreiben. HIER der Link zur Veranstaltungsseite!  Ein umfangreiches Programm!

MUSIK: Bob Dylan – Knocking on Heaven’s Door

Ich hatte es vor langer Zeit schon einmal gebracht, Bob DylansKnocking on Heavens Door“. Hier aber eine andere Version, Bob Dylan spielt das Lied  zusammen mit Mark Knopfler von den Dire Straits. Bob Dylan hieß ja übrigens mit richtigem Namen Robert Zimmermann!

Ich bringe es aus aktuellem Anlass: Es kommt in einer wunderbaren Theateraufführung (Münchner Kammerspiele) zur Geltung, über die ich in den nächsten Tagen (morgen?) schreiben werde! „#Genesis“.

Hier der Song:

LITERATUR: Juli Zeh – Unter Leuten

Bekannt ist Juli Zeh seit Jahren, hier die Rezension eines ihrer aktuelleren Werke: „Unter Leuten“. Ich hatte bisher noch kein Buch von Ihr gelesen. Ich lese derzeit  noch einen zweiten Roman von ihr. Auch darüber werde ich in Kürze berichten.

Fazit vorweg:  

Es geht aktuell und politisch los (Windkraftanlagen sollen in schöner Landschaft in der Nähe des Dorfes „Unterleuten“ in Brandenburg gebaut werden), man bekommt interessant und spannend geschrieben die Befindlichkeiten der Bewohner des kleinen Dörfchens mit, die sich angesichts der Planung der Windkraftanlage in der näheren Umgebung auftun. Die Beziehungsgeflechte, die Zeiten der ehemaligen DDR, das aktuelle Leben, alles hängt mit allem zusammen.

Je mehr man aber liest, umso mehr geht es um die einzelnen Schicksale und die Verstrickungen der dort lebenden Menschen, nicht mehr um das politische Thema. Das ist etwas schade, zumal man den Roman letztlich mit dem Gedanken verlässt: „Viele der geschilderten privaten Schicksale gehen letztlich doch ausgelöst durch den Plan der Windkraftanlagen desaströs den Bach hinunter“. Sehr brisant, genau so mag es sein! Wer mag schon Windräder in seiner Nähe? Andererseits brauchen wir sie ja. Davon hätte ich gerne noch mehr gelesen, aber so, wie Juli Zeh es angeht, ist es eben auf der Ebene der persönlichen Schicksale zu Ende gedacht!

Zur Autorin:

Sie ist zweifelsohne eine der extrem erfolgreichen SchriftstellerInnen der letzten Jahre. Zwei Bücher werde ich dann also von ihr gelesen haben (Futur II!): Zum Einen den Roman „Unter Leuten“, erschienen 2016, und zum Anderen ihr aktuellstes Buch, „Neujahr“, erschienen 2018, ein deutlich kürzerer Roman. Bekannt sind von ihr ja auch vor allem die Romane „Schilf“, erschienen 2007, und „Nullzeit“, erschienen 2012. Irre, was sie schon alles geschrieben hat. Der Roman „Unter Leuten“ ist deutlich umfangreicher, als der aktuelle Roman „Neujahr“. Siehe schon die Blogfotos.

Sie ist promovierte Juristin. Man liest ja derzeit, dass sie auf Vorschlag der brandenburgischen SPD-Landtagsfraktion Richterin am Brandenburger Verfassungsgericht werden soll. Sie scheint also äußerst vielseitig zu sein. So schreibt sie auch. Sie scheint Praktikerin zu sein! Nicht vergeistigt! Völlig anders als etwa Andreas Maier (siehe meinen vorherigen Blogbeitrag zur Literatur). Sie kann Situationen gut beschreiben, sehr vielfältig, nicht wiederholend, nicht einseitig, interessant, immer wieder mit verstecktem Witz, überraschenden kleinen Wendungen. Das ist ihre Gäbe, finde ich: Plötzlich findet sie wunderbare Worte für irgendwelche Begebenheiten und dann geht es weiter. Man stößt immer wieder auch etwa auf schöne Gedanken zu unserem aktuellen Leben. Und immer wieder reißt sie mit den geschilderten Situationen aktuelle Themen an.

Zum Roman:

Der Roman „Unter Leuten“ hat meines Erachtens zwei sehr unterschiedliche Teile: Im „ersten Teil“ – circa zwei Drittel des Buches – geht es fast „politisch“ zu. Aktuelles Thema eben: Die Errichtung einer Windkraftanlage auf dem Land. Keiner will sie haben, die Rotoren. Fast niemand, denn Investoren wären interessiert.  Fast parallel blickt man auf die Konstellation West/Ost! Auch das durch die genauen Schilderungen mit schöner Prägnanz! Sehr schön wird geschildert, wie der Plan, die Windkraftanlage in der Nähe des kleinen ostdeutschen Dorfes zu errichten, das ganze Dorf in Aufruhr bringt. Wie sich so etwas entwickelt, wer was dabei denkt, welche Allianzen sich auftun, welche Lebensmodelle bestehen, welche Vermutungen angestellt werden und und und .

Im zweiten Teil des Romanes merkt man aber, dass es Juli Zeh nicht mehr darum geht, diese politisch hochkontroverse Konstellation aufzuzeigen, zu entwickeln und zu vertiefen, sondern darum, persönliche Schicksale, die sich im ersten Teil des Romans auftaten, konsequent weiter zu schildern. Der Roman bekommt einen anderen Drall: Man hat es kaum mehr mit der Windkraftanlage zu tun. Auch hier gilt zwar: Sie schildert die weiteren Situationen und Entwicklungen und Beziehungsgeflechte immer sehr gut, nah am Leben, fand ich! Und immer wieder mit Witz und interessanten Darstellungen zu unserem aktuellen Leben. Ich will nicht zu viel verraten, es wird ziemlich krass, aber glaubhaft! Aber schade: Das Thema der Windkraftanlagen in schöner Landschaft verliert man aus dem Auge!

Also:

– Man braucht Zeit.

– Man wird aber letztlich durch den Roman getrieben, weil er die gesamte Situation und die Geschichte immer weiter gut schildert!

– Auch wenn er gegen Ende hin nicht mehr die politische Brisanz des großen Themas hat. Und auch, wenn er mir persönlich etwas zu „praktisch“, zu real wurde!

HIER die Website des Verlags zum Buch mit weiteren Rezensionen etc.

 

MUSIK: Matthew Dear – Calling

Man glaubt es kaum, aber das könnte ich sein, nur etwas anders: Er hat einen Bart, hat andere Haare, ist etwas jünger, hat eine andere Nase, trägt eine Musikerhemd, Kopfhörer auf dem Kopf, in ein Mikrofon singend, am Mischpult stehend,  hat auch eine ganz andere Stimme, dunkler irgendwie. Er ist irgendwie insgesamt anders. Aber sonst … Gut, es ist Matthew Dear in seinem Studio.  Er singt das Lied Calling.  Vielleicht singt er ja auch ein klein bisschen besser als ich – wenn man wirklich genau hin hört. Ich kenne ihn sonst nicht, kann also nicht allzu viel über ihn sagen, aber ich will ja auch nicht dauernd über mich schreiben. Daher HIER der Link zu Wikipedia – also zu SEINER Wikipedia-Seite.

 

LITERATUR: Andreas Maier – Was wir waren

Jetzt kann ich endlich einmal wieder etwas von Andreas Maier bringen! Ich mag ja seine Bücher sehr! Welches habe ich nicht gelesen? Er hat etwas von Thomas Bernhard, in einer gewissen Art der Beobachtung der Dinge und der Art, darüber zu schreiben. Da bin ich nicht der einzige, der das sagt. Das weiß er auch – also, dass es so ist, nicht, dass ich das so sehe. Er hat über Thomas Bernhard promoviert, hieß es irgendwo.

Wunderbar und empfehlenswert sind seine Bücher! Beginnend mit Kirillow, Wäldchestag (!), Klausen (!), Sanssouci, die allesamt eigenartige Erzählungen waren. Skurril, treffend und einfach geschrieben, nie überdrallert. Bis hin zu seiner neueren Reihe über seine Herkunft, sein Leben in der Wetterau. Einfach die Wetterau im Hessischen. Friedberg in der Wetterau. Das Zimmer, Das Haus, Die Straße, Der Ort, Der Kreis, Die Universität. Betrachtungen seines Lebens, immer etwas von außen, rückblickend betrachtet. Es ist „unsere Zeit“, die er damit betrachtet, und er schafft es, mit seiner betont einfachen Sprache anhand einfachster Situationen Wahrheiten dazu zu formulieren. Auch über Großes oder das große Ganze wird nachgedacht. Über „das Fremde“ etwa. Aber auch das schreibt er einfach, wenn auch wunderbar treffend und damit tatsächlich tiefgehend.  Wenn „Fremde“ am Wirtshaus an der offenen Tür vorbeigehen oder gar in das Wirtshaus hineinkommen … Man kann eben Apfelwein trinken oder Apfelwein trinken und sich Gedanken machen oder den Wirt beobachten. Man kann sich auch rückblickend sehen, wie man damals beim Wirt Apfelwein getrunken hatte und man kann sich darüber jetzt Gedanken machen. Etwa darüber Gedanken machen, was der Wirt damals für einen bedeutete!  Wie alles so war in diesem Leben damals!

Generell: Wenn man ein Buch liest, taucht man doch in eine bestimmte Stimmung ein. Jedes (gute) Buch schafft und transportiert doch eine bestimmte Stimmung, eine Atmosphäre. Ich lege ein Buch weg und nehme es wieder zur Hand, um weiterzulesen, und dann weiß ich schon, dass ich wieder in eine Stimmung eintauche! Oft ist ja gar nicht das geschilderte Geschehen das, was interessiert, sondern man will nur wieder in diese Stimmung eintauchen. Und am Ende, wenn man das Buch fertig gelesen hat, trägt man vielleicht auch diese Stimmung ein bisschen in sich. Ein Gefühl ist das dann, nicht nur ein Wissen über das Geschehen, das geschildert wurde.

Vielleicht ist es im Grunde schwerer, eine solche Stimmung zu schaffen, wenn in dem Buch „nur“ lauter kleine Kolumnen zusammengefasst sind. So in dem neuen Buch von Andreas Maier, „Was wir waren“. Es ist eine kleine Sammlung von Kolumnen, die Andreas Maier in den vergangenen Jahren für die Wiener Zeitschrift Volltext geschrieben hatte.

Aber auch in diesen kleinen Band wird eine Stimmung transportiert! Das machen die Gegenstände seiner Beobachtungen und seine Sprache. Nichts ist gekünstelt, banalste Dinge werden gesehen. Aber auch oder gerade in den banalsten Dingen ist ja alles drin! Bilder seiner Jugend, die Wetterau, der Wirt, Bornheim, die „Bindernagelsche Buchhandlung“ in Friedberg, die Tochter des Buchhändlers, eine Lesereise nach Freiburg, Friedberg in der Wetterau, Sachsenhausen in der Wetterau (?), die Bierkneipe „Die Dunkel“, Apfelwein, der Mensch, und und und.

Noch schöner fand ich seine ersten Bücher (siehe oben), aber auch die Bücher der letzten Jahre sind allesamt köstlich. Etwa auch der Band über Udo Jürgens nach dessen Tod. Auch dieses hier.

Ganz aktuell also sein kleiner Band Was wir waren“. Zu diesem Buch muss man ihn aber fast schon kennen! Oder es als Einstieg nehmen und ein weiteres lesen. Etwa „Klausen“!

HIER  die Suhrkamp-Seite zum Buch mit Leseprobe!

MUSIK: Deep Purple – Child in Time

Hier mal wieder ein Stückchen Musik. Deep Purple, Child in Time. Das ist auch schon wieder eine Weile her.

Wie ich darauf komme? Ich habe gelesen, dass dieses Stück derzeit am Burgtheater in Wien zu hören ist. Und zwar bei einem derzeit übermäßig gelobten Stück, bei „Glaube, Liebe, Hoffnung“ von Ödon von Horvath. HIER der Link zur Onlineseite des Stückes in Wien. Man ist ganz begeistert von Andrea Wenzl. Und in einer der besten Szenen des Abends, so ein Kommentar, wird dieses Stück von Deep Purple gebracht.

Ich wusste gar nicht mehr, welches Lied das überhaupt ist. Aber natürlich kannte ich es von früher, von damals! Lang ist es her! Hier:

THEATER: Christopher Rüping – Dionysos Stadt

Nils Kahnwald, Ensemblemitglied an den Münchner Kammerspielen, hat zu Beginn des Theatermarathons in einführenden Worten an das Publikum von einem Sonnenaufgang erzählt.

Es entsteht so etwas wie eine Klammer um den Tag, den Abend (von 13 Uhr bis 23 Uhr). Nils Kahnwald stellt sich vor, dass der Mensch in 3000 Jahren – nach der Zerstörung der Erde – wieder aus Höhlen kriecht, endlich ohne Eigenschaften wie Gewinnsucht, Gier etc., nur in Demut, und erstmals wieder einen Sonnenaufgang beobachtet. Nach 700 Jahren. Und ganz am Ende des langen Tages sitzt man in den Kammerspielen und ganz langsam geht eine große Sonne auf. Alle – die Schauspieler und die Zuschauer – schauen minutenlang gebannt bei lauter werdender Musik zu.  Man ist richtig eingewickelt in den Anblick dieser riesigen, aufsteigenden Sonne und die dröhnende, irgendwie schöne Musik. Und vielleicht fühlt man da ja diese Demut. Nils Kahnwald sagte zu Beginn auch, es käme am Ende das Schönste, was er im Theater je gesehen habe. Ist subjektiv natürlich und hebt die Spannung natürlich!

Ich habe aber jetzt schon zweimal an den Münchner Kammerspielen „Dionysos Stadt“ von Christopher Rüping gesehen. Wie bei den Dionysien werden drei Tragödien und ein heiteres Nachspiel, das „Satyrnspiel“, das das aktuelle Leben aufgreift, gebracht, eine Tetralogie. Ein 10-Stunden-Theatermarathon, der zurzeit an jeweils einem Wochenende pro Monat läuft. HIER der Link zur Onlineseite zum Stück.

Es ist natürlich ein besonderer Tag. Warum besonders? Es gibt mehrere Gründe: Worum es geht – kleine Momente – nochmal kleine Momente – Lerninhalte und der Mensch – die Schauspieler und Schauspielerinnen – die Gesamtheit – das Gemeinschaftsgefühl – fehlende Bedrängnis – die Schlichtheit – kleine Fragen:

1. Die Antike: Es geht bei „Dionysos Stadt“ nicht nur um die Erzählung der antiken Stoffe, Rüping spannt – fast unmerklich – einen weiteren Bogen hin zu Fragen, die jedenfalls immer leicht mitschwingen.  Das hat ja auch die Antike ausgemacht damals. Der Mensch! Der Mensch zwischen Schicksal und Selbstbestimmung, oftmals zerstörerischer Selbstbestimmung. Der Mensch sah sich ja lange in der Gewalt von Göttern, Zeus etc. Und gegen den Willen von Zeus hat dann Prometheus den Menschen davon befreit, so die Sage, er gab den Menschen das Feuer. Der Mensch geht seither seinen eigenen Weg, wurde fähig (oder verdammt dazu), Wissenschaft und Technik immer weiter zu entwickeln. „Und dann kam ich, Nils Kahnwald“, sagt Nils Kahnwald  im Stück an entsprechender Stelle, als der Mensch von den Göttern befreit war.

2. Es gab dann einen kleinen Moment gegen Ende des Theatertages, der plötzlich alles enthielt. Trotz dieses langen Theatertages und -abendes hatte man offenbar die Kraft, solch kleine Momente zu erkennen! Im Satyrnspiel, dem vierten Teil: Einzelne SchauspielerInnen blieben plötzlich regungslos auf dem kleinen Fußballfeld stehen, das man sah, unterbrachen ihr Fußballspiel, standen nur im Weg und blickten stumm in den Himmel. Um sie herum wurde weitergekickt, vorne auf dem kleinen Kunstrasenfeld auf der Bühne. Nils Kahnwald wiederum, er erzählte dazu die Geschichte des Kopfstoßes von Zinédine Zidane beim Endspiel der Fußballweltmeisterschaft 2006. Das war ja auch ein kleiner Moment. Er rezitiert den Text von Jean-Philippe Toussaint (La Melancholie de Zidane) zu diesen berühmten Sekunden. Es habe etwas für Zinedine Zidane Unausweichliches gehabt, der Kopfstoß. Etwas, was sich schon während des Spiels angekündigt habe. Etwas, das mit Melancholie zu tun habe, weil er seine Karriere nie anders hätte beenden können. Schicksal und Selbstbestimmung!

3. Der Abend hatte mehrere solcher Momente. Momente, die im Grunde das Mitschwingende hervorbrachten: Etwa wenn Benjamin Radjaipour mittendrin – während der Orestie, dem dritten Teil –  wieder als Prometheus erscheint und über die Bühne und durch die Zuschauerreihen geht. Mit seinen zu einer Pistole geformten Fingern simuliert er Kopfschüsse! Nach dem Motto: Ihr seid doch alle dem Untergang ausgeliefert! Und er selbst ist schuld (Teil 1, die Prometheussage). Erst sucht der Mensch Kriege (Teil 2 des Abends, Troja), dann sind es Familientragödien (Teil 3 des Abends, die Orestie) und immer so weiter, mittlerweile Kriege UND Familientragödien. Oder wenn Udo Jürgens mit „Griechischer Wein“ ertönt. Klingt banal, ist aber gut. Oder wenn Agamemnon aus Troja zurückkehrt, am Tisch sitzt, isst und mit Klytaimnestra redet. Mit Videokamera auf einer große Leinwand projeziert.

4. Es ist bei alledem ein positiver Theatermarathon und nebenbei auch ein  lehrreiches Erlebnis! Es sind vier Erzählungen, die völlig unterschiedlich gebracht werden: Wie gesagt: Die Erzählung 1: Die Prometheus-Geschichte (das Menschwerden) – eine Sage des Ursprungs der Menschheit. Der Mensch am Beginn des Weges zu Wissenschaft und Technik – Pause – Erzählung 2: Die Geschichte des Trojakrieges (und der Troerinnen) – eine wortgewaltige und musikalisch/mediale „Trojashow“ – Große Pause – Erzählung 3: Die Orestie – eine wunderbar humorvolle Darstellung der Familientragödie um Klytamnestra, Orestes, Elektra, Helena, Agamemmnon, Aigisthos etc. in modernes Leben gepackt – Pause wieder – Und zum Abschluss Teil 4: Eine leise Darstellung aus dem modernen Leben. Und immer wieder aufflackernd geht es um das Thema Menschsein insgesamt!

5. Ich möchte alle mitwirkenden SchauspielerInnen nennen: Maja Beckmann, Peter Brombacher, Majd Feddah, Nils Kahnwald, Gro Swantje Kohlhof, Wiebke Mollenhauer, Benjamin Radjaipour und Livemusik von Matze Pröllochs. Es sind für diesen langen Theatertag erstaunlich und erfrischend wenige Schauspieler! Bemerkenswert ihre Leistungen! Jeder Schauspieler und jede Schauspielern ist bemerkenswert überzeugend. Jeder und jede hat große Auftritte, ich frage mich auch, wie Sie sich all diese Texte merken können!

6. Meines Erachtens sehr prägend für diesen Tag ist auch, dass alle SchauspielerInnen ohne die geringste Einschränkung gerade in der GESAMTHEIT komplett überzeugen! Oft sieht man ja Stücke, bei denen vielleicht ein oder zwei SchauspielerInnen unter den anderen besonders überzeugen! So soll es ja zum Beispiel derzeit am Burgtheater in Wien bei der Inszenierung von Horvaths Glaube, Liebe, Hoffnung sein. Man schwärmt dort derzeit besonders vom Auftritt von Andrea Wenzl. Das Besondere bei Dionysos Stadt ist, dass alle durchgehend gemeinsam und jeder/jede für sich wunderbar spielen! Es ist die Gesamtheit der SchauspielerInnen, die einen geradezu durch diesen Abend zieht! Man ist eigentlich ständig bei Ihnen und – so ging es wohl fast allen Zuschauern – spürt nicht den Wunsch, vorzeitig zu gehen – bei 10 Stunden! Man merkt bei jedem und jeder SchauspielerIn durchgehend, dass er/sie sich mit dem Theatermarathon und dem Thema offenbar unglaublich identifiziert, wirklich nichts wirkte aufgesetzt, es schien ihnen Spaß zu machen!

7. Eine Art Gemeinschaftsgefühl entsteht fast im Lauf der Stunden. Mehr als sonst jedenfalls. Zwischen den Zuschauern untereinander und auch zwischen den Zuschauern und den Schauspielern.

8. Dieser lange Theatertag hatte bei mir jedenfalls die Wirkung, dass ich mich nicht ein einziges Mal auch nur irgendwie bedrängt fühlte. Bedrängt etwa von einer Art Wunsch der SchauspielerInnen, dem Publikum etwas klarmachen zu wollen. Kommt ja auch vor!

9. Besondes die ersten beiden Teile der Tetralogie – nein, auch der vierte Teil – bestechen durch Klarheit und Einfachheit! Trojas Geschichte ist durchaus kompliziert, aber die Herangehensweise von Christopher Rüping ist schlicht. Ein Merkmal der Inszenierungen von Christopher Rüping. Auch „Der erste fiese Typ“ – seine vorherige Münchner Inszenierung – besticht dadurch! Nichts ist überladen! Nichts ist verwirrend oder kompliziert durch unnötiges Geschehen. Man ermüdet nicht durch Komplexität der bildlichen Darstellung oder überbordende Details! Man fliegt mit. Einfaches Bühnenbild, Prometheus im Gitterkäfig über der Bühne hängend, wenige Schauspieler, die Schauspieler selbst nicht theatralisch, sondern schlicht und gut! Sehr gut! Glasplatten werden zu Scherben geschlagen – das ist das zerstörte Troja. Nur der dritte Teil, die Orestie, fällt insoweit aus dem Rahmen. Es ist üppiger, aber das muss dort so sein, es wird schließlich eine Hochzeitsfeier gezeigt. Aber auch das ist sehr gut gelungen!

10. Danach kann man sich kleine Fragen stellen, wenn man das Theater verlässt. Nils Kahnwald raisonniert ja am Anfang auch, man denke vielleicht später irgendwann noch an den Abend (Er sagt: … an ihn!) Wo stehen wir Menschen? Zwischen Schicksalsvorgaben von außen einerseits und eigener Selbstbestimmung andererseits zum Beispiel. Aber können wir denn überhaupt irgendetwas selbst bestimmen? Oder ist alles letztlich vorgegeben? Machen wir alles kaputt? Früher, in der Antike, dachte man, die Götter bestimmen vieles. Davon befreite sich der Mensch also. Und? Führte die Selbsbestimmung des Menschen seither nicht immer wieder ins Desaster? Troja und die Orestie waren in der Antike jedenfalls die ersten Desaster. Erstaunlich modern.

Viele Dinge haben diesen Theatertag also zu einem absolut gelungenen Tag gemacht! Standing Ovations am Ende.

©️ des Beitragsbildes: Julian Baumann

 

THEATER: Milo Rau – Lam Gods

Naja, ich laufe nicht nur fröhlich durch die Welt, denke ich mir manchmal. So antworte ich auch manchmal, wenn ich gefragt werde, wie es mir geht. Das ist doch ein bisschen ehrlicher, als immer mit „gut!“ zu antworten, denke ich. Mir fallen immer wieder Dinge auf, an denen ich mich reibe. Aber mit positiver Grundstimmung! Auch politisch. Daher finde ich Theater ja so gut, wenn es an unseren Ansichten rüttelt.

Am  belgischen Nationaltheater, dem NT Gent, bringt etwa der junge Milo Rau, einer der aufregendsten Regisseure unserer Zeit, zurzeit das Stück „Lam Gods“. Ich hatte schon mehrfach über Milo Rau geschrieben. HIER etwa. Das Stück Lam Gods ist das erste Stück von Milo Rau am NT Gent, an dem er jetzt Intendant ist.  Es geht zurück auf einen weltberühmten Altar In der Genter St.-Bavo-Kathedrale. HIER die Seite zum Stück auf der Website des NT Gent.

Und HIER eine Kritik zum Stück von Christine Dössel, um die geht es mir.

Es scheint wieder ein sehr beeindruckendes Stück zu sein! Milo Rau hat ja ein Manifest zum „Stadttheater der Zukunft“ geschrieben, will das Theater mehr in die Realität holen. Gleichlautend zur hier verlinkten Kritik von Christine Dössel erschien ihre Kritik in München in der Süddeutschen Zeitung. Da hatte ich sie kürzlich gelesen.

Warum ich es jetzt hier bringe? Naja, nicht gerade Begeisterung über die Süddeutsche Zeitung ist es! Ich reibe mich wieder! Aber nicht wund reiben! Das würde meine kleine Meinung nur überbetonen! Christine Dössel ist seit Jahren Theaterkritikerin bei der Süddeutschen Zeitung. Sie schreibt interessante Kritiken. In München hat sie aber nicht unerheblich dazu beigetragen, dass man den Münchner Kammerspielen vorwarf, sie seien in eine „Krise“ geraten. Christine Dössel  argumentierte immer, „Sprechtheater“ alter Schule sei an den Münchner Kammerspielen nicht mehr vertreten und das Ensemble werde nicht ausreichend eingesetzt. Und die Münchner glauben ja an ihre „Süddeutsche“ wie an eine Institution.

Und nun ihre Begeisterung für Milo Raus Stück in der obigen Kritik aus Belgien! Beides –  die Begeisterung über das Stück im NT Gent und ihre standhafte Kritik in München – passt m. E. nicht gut zusammen. Da wird mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen!

Milo Rau setzt neben zwei Ensemblemitgliedern viele, viele Laienschauspieler ein. Das wird er, wie ich ihn kenne, künftig auch in seinen weiteren Stücken tun.

Da Christine Dössel mit ihrer Stimmungsmache gegen die Münchner Kammerspiele mit dazu beitrug, dass die Münchner Theaterfreunde immer unsicherer und unoffener auf die Kammerspiele blickten, habe ich einen – natürlich kurz gehaltenen –  Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung geschrieben.

Ich finde ohnehin, dass Journalisten doch sehr wenig der Kritik ausgesetzt sind. Sie arbeiten im Grunde irrsinnig kritiklos! Ob das so gut ist! Es gibt ja auch hervorragende  Journalisten,  keine Frage! Auch in der Politik ist es aber meines Erachtens auch einmal eine Frage wert, ob nicht die Medien zur Politikverdrossenheit beitragen! Wenn man viele der Fernsehdiskussionen sieht. Dort wird nicht gerade eine sorgfältige Diskussionskultur gepflegt! Und das wäre doch auch Aufgabe der Journalisten.

Mein kurzer Leserbrief an die SZ also: Er wurde meines Wissens natürlich nicht abgedruckt. Enthält offenbar zuviel Kritik an der Zeitung, nur Kritik an der Sache wird wohl abgedruckt. Daher bringe ich ihn einfach hier, er soll ruhig gelesen werden. Ich habe ihn jetzt fast schon vorweggenommen. Ich hatte geschrieben:

„Grandios gelungen“, „genial ausgeklügelt“ und „theatrales Kunstwerk“ nennt Christine Dössel die erste Arbeit von Milo Rau am belgischen Nationaltheater Gent, dem NT Gent, „Genter Altar“ oder „Lam Gods“. Man bekommt Lust hinzufahren. Aber eine Ensemblearbeit ist diese Arbeit nicht! Genau das aber hat Christine Dössel doch oft genug in den letzten Jahren an den Münchner Kammerspielen kritisiert. Milo Rau setzt (zur Begeisterung von Christine Dössel) ein: Kinder, einen Theatermitarbeiter, einen Bauern, eine todkranke Frau, einen afghanischen Flüchtling, ein gecastetes Genter Ehepaar, eine Genter Mutter, Tiere, eine Theaterputzfrau und und! In München hieß es dagegen „Krise der Münchner Kammerspiele“, weil drei SchauspielerInnen das Theater gewechselt hatten! Bis die CSU dieser recht banalen Stimmung folgte. Wird da nicht mit zweierlei Maß gemessen? Kann man das dem Leser und vor allem dem Münchner Theatergänger guten Gewissens verkaufen? Mit spürbarem Wohlwollen schreibt Christine Dössel etwa auch über das NTGent unter Milo Rau, 41 Gastspiele seien in der jetzigen Spielzeit geplant! Ob das genug Sprechtheater wird? (Nachtrag: Und ob das viel für das Ensemble des NT Gent bringt?) Es wird mit zweierlei Maß gemessen, ohne dass man erkennen könnte, warum. Das ist nicht schön.
Und  HIER abschließend noch ein Link: der Link zu nachtkritik.de und dem Manifest „Stadttheater der Zukunft“ von Milo Rau und anderen. Am Ende der langen Vorbemerkung ist das Manifest abgedruckt.

©️ des Beitragsbildes: Michiel Devijver

 

THEATER: Trajal Harrell – Morning in Byzantium

Was könnte sie von dem Abend halten? Was könnte sie mitnehmen? Zum Beispiel die  alleinstehende Mutter, geschieden, ein Kind im Haushalt, sie arbeitet täglich an der Kasse im Supermarkt, ihre Mutter ist krank, ihr selber geht es vielleicht momentan auch nicht besonders gut, die schlechte Luft den ganzen Tag, der Junge ist schlecht in der Schule, schafft er die sechste Klasse? Vielleicht gibt es noch finanzielle Probleme, das Geld ist auf jeden Fall knapp, die Spülmaschine ist defekt. So ist das Leben! Genau so! So ist der Alltag! Es  könnte sein, dassl sie sagt: „Naja, der Abend von Trajal Harrell an den Münchner Kammerspielen“ – hinten in der schönen Kammer 2 – „ist eine andere Welt, die Welt, die nicht realistisch ist. Fast elitär, schöngeistig, sensibel, ästhetisch, abgehoben, das hilft mir nicht!“ Das  könnte sie sagen! Und irgendwie hätte sie jedenfalls zum großen Teil auch recht!  Ihr Alltag ist einfach anders!

Sie wird diesen Abend wahrscheinlich auch nicht sehen. Schade, obwohl er doch vielleicht auch für sie irgendwie schön wäre! Es geht ja allgemein um das Leben!  Und das hat sie ja auch an der Backe! Vielleicht könnte sie doch etwas mitnehmen.  Nur ein Gefühl. Sie muss sich vielleicht nicht unbedingt Trojas Geschichte (dazu komme ich aber in Kürze, am Wochenende schaue ich mir in den Kammerspielen – noch einmal – die 10 Stunden „Dionysos Stadt“ an) oder Shakespeare antun. Der Abend von Trajal Harrell hätte sie aber vielleicht irgendwie beeinflusst!

Es ist ein Abend allgemein über das Leben! Es wird keine Geschichte erzählt. Der Gärtner, der eine Rose und das Leben betrachtet. Mehr nicht. Er sieht alles um die Rose herum! Oder in der Rose drin! Man sieht keine Rose, aber man liest vom Gärtner und der Rose. Das Schöne, das Hässliche, das Langsame und Grazile, das Wankende, das Kranke, das Entstellte, das Gemeinsame, das Abgeschiedene, er sieht es alles. Manchmal wird er mitgerissen, manchmal nicht. Manchmal tanzt er, manchmal nicht. Es könnte auch ein sehr persönlicher Abend von Trajal Harell sein. Zart und sensibel schreiten die mitwirkenden Schauspieler (Irae Diessa, Marie Goyette, Trajal Harrell, Thomas Hauser, Walter Hess, Max Krause, Jelena Kuljić, Stefan Merki, Songhay Toldon, Ondrej Vidla) bedächtig und eingehüllt meist in wunderschöne Tücher auf Zehenspitzen über die Bühne.  Zart und ruhig wird auch das Entstellte dargestellt.

Begleitet meist von ruhigen Pianotönen. Schon das ist eine sehr eigene Herangehensweise.  Jeder, der geht und sich bewegt, wirkt dadurch leicht, verletzlich, sensibel, schön. Der Gärtner könnte aber sagen: Bei aller Schönheit ist auch alles schrecklich! Nur was soll er machen? Es gibt eine positive Antwort, sie zeigt sich am Ende, meint man. Dazu ändert sich die Musik auch deutlich! Und vielleicht könnte auch die alleinstehende Mutter immer wieder einmal  – für Sekunden – eine positive Antwort finden! Eine Antwort, die nicht im zweifelnden (verzweifelnden) Zurückschauen besteht, wie bei Orpheus und Eurydike. Orpheus hat Zweifel, ob ihm seine geliebte Eurydike folgt. Es dreht sich um und die Zweifel rauben ihm alles!  Es geht an diesem Abend vielleicht auch darum, dass man im Lauf des Lebens doch merkt, dass alles irgendwann zu Ende sein kann. Wie soll man da reagieren? Zurückschauen? Im Begleittext heißt es: „… für den Protagonisten (Anm.: Walter Hess) des Abends, der bereits so viel erfahren und gesehen hat und nun lustvoll den dritten Frühling seines Lebens beginnt. Vorstellung, Wirklichkeit, Erinnerung.„ Also Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit.

Die alleinstehende Mutter müsste sich allerdings sehr von ihrem Alltag lösen, an dem sie vielleicht immer wieder einmal verzweifelt, wenn sie sich auf diesen Abend einlassen will! Man müsste sie einladen!

HIER der Link zur Onlineseite der Münchner Kammerspiele zum Abend „Morning in Byzantium“.

©️ des Beitragsbildes: Orpheas Emirzas

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Gesehen und gehört

THEATER: Peter Weiß – Marat/Sade

Eine der ersten Premieren der neuen Spielzeit! Marat/Sade von Peter Weiß wird in dieser Spielzeit am Münchner Residenztheater gebracht. Was ist das denn? Hört man selten! Das Stück heißt eigentlich kurz und knackig: „Die Verfolgung und Ermordung von Jean Paul Marat, dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes Charenton unter Anleitung des Herren de Sade“.

Und worum es geht? Es ist ein Drama, das zur Zeit der Französischen Revolution spielt. Es war sogar sehr schnell ein Welterfolg, in den Sechzigerjahren. Im Mittelpunkt stehen Jean Paul Marat und Marquis de Sade mit ihren damals konträren Weltanschauungen und Staatsentwürfen. Während Marat der Gesellschaft (zum Wohle aller, wie er glaubt) Moral und Tugend aufzwingen will, das (arme) Volk vertritt und die Revolution – blutig, wie sie geworden ist – rechtfertigt, resigniert de Sade angesichts der vorgeblichen Natur des Menschen, verlacht Marats sozialistische Ideen und sieht das Heil in der Loslösung des Einzelnen aus der Gesellschaft. Er vertritt den puren Individualismus. Könnte auch auf die heutige Zeit passen.

Der Autor Peter Weiß hat damals (1964) drei Zeitebenen gebaut:

  • Der Zeitpunkt des Todes von Jean Paul Marat (1793)
  • Der Zeitpunkt, zu dem Marquis de Sade sein Theaterstück über Marats Ermordung im Irrenhaus spielen lässt (wenige Jahre später)
  • Der Zeitpunkt, zu dem das Stück aktuell gezeigt wird.

Man erlebt hier alle drei Ebenen. 

  • Die Ermordung von Jean Paul Marat ist der Inhalt des Theaterstückes. Er wurde in einer Badewanne ermordet. Ständig sitzt oder liegt er in der blutgefüllten Wanne, schmerzerfüllt wegen seiner Hautkrankheit. Von der Attentäterin Charlotte Corday (Lilith Hässle) wird er – der Realität entsprechend – letztlich ermordet. Der Nationalismus unter Napoleon zieht damit auf! Auch Nationalismus und Abschottung sind ja fürchterlich aktuell!
  • Marquis de Sade (Charlotte Schwab) sitzt meistens seitlich an der Bühnenwand oder mischt sich ein. Zentral sind seine Diskussionen mit Jean Paul Marat (Nils Strunk) über die unterschiedlichen Weltanschauungen:  De Sade glaubt nur an sich, alles andere lohne sich nicht, und Marat glaubt an die Sache. De Sade sagt etwa:  „Ich pfeife auf diese Nation, so wie ich auf alle anderen Nationen pfeife, ich pfeife auf diese Bewegungen von Massen, die im Kreis laufen. Ich pfeife auf alle guten Absichten, die sich nur in Sackgassen verlieren. Ich pfeife auf alle Opfer, die für irgendeine Sache gebracht werden. Ich glaube nur an mich selbst.“ Das  ist doch heutzutage starker Tobak!  Dieser totaler Rückzug in den Individualismus geht doch heute nicht!
  • Nils Strunk als Jean Paul Marat wendet sich außerdem direkt an das Publikum und stellt aktuelle Bezüge her. Unterstützt durch ständige kleine Kommentare eines Ensemblemitglieds, das in den hinteren Reihen unter den Zuschauern sitzt.

Nun, ich würde selber gerne einmal Regisseur eines Theaterstücks sein. Aber wer lässt mich das schon machen? Oder wer lässt mich mitmachen! Ich würde mehr zuspitzen. Und ich würde das Publikum eher verstören wollen. Ich würde mich mehr in ein Thema hineinsteigern! Denn auch hier fand ich: Es war etwas gebremst. Was wird letztlich ausgesagt? Es ist ja politisches Theater! Und es werden ja sogar aktuelle Bezüge hergestellt! Söders Wahlplakate, das PAG etc. spricht Marat/Nils Strunk gegenüber dem Publikum an. Und genau dafür blieb es meines Erachtens etwas zu unklar. Gut, man kann über radikalen Individualismus nachdenken und über sozialistische Ideen. Letztere verlieren hier ja gnadenlos, sie werden „ermordet“, die sozialistischen Gedanken. Das halte ich schon für fragwürdig. Da hätte man den Konflikt zwischen Individualismus und sozialistischen Ideen doch mehr in den Brennpunkt holen können! Schauspielerisch von allen gut, aber eben „im Stück“ verhaftet. Aber da kommt meine Zuneigung der Performance gegenüber durch.

Was die Inszenierung angeht, muss ich sagen: Es war irgendwie ein bisschen ein Frank Castorf-Verschnitt. Ein halbherziger Castorf-Verschnitt. Es fanden sich einfach viele Elemente, die für eine Castorf-Inszenierung seit Jahren einfach typisch sind: Die Drehbühne, einige „schräge“ Gestalten, undefinierbare, durch dünne Wände getrennte Räume (fast in französischem blau-weiß-rot gehalten), ein Zauberer mit Zylinder, in Strapsen und mit kniehohen Lederstiefeln, der immer wieder zum Publikum spricht, Gittertüren, die die Durchgänge durch die sich drehenden Wände ergaben, all das (und mehr) sind zweifellos Castorf-ähnliche Elemente. Generell die Art der Inszenierung, fast die Spielweise der Schauspieler war in einer Linie mit Castorf. Jedenfalls waren es bühnentechnisch Denic-ähnliche Elemente. Denic ist es ja, der seit Jahren für die Castorfschen Inszenierungen die Bühnenbilder schafft. Es fehlte nur die bei Frank Castorf typische Videoleinwand! Und die fehlte vielleicht wirklich am ehesten. Die Regisseurin Tina Lanik (die das Residenztheater demnächst verlassen wird) hat hier meines Erachtens zu wenig auf Eigenes und Freches und wirklich Überraschendes zurückgegriffen. Das Stück hätte es hergegeben.

Ein anderer Eindruck übrigens: Die schöne Bühne des Residenztheaters wirkte durch die vielen sich bewegenden Wandkonstruktionen seltsam klein! Schade!

Ein weiterer Eindruck: Wieder einmal gibt das Programmheft eine fast radikalere Darstellung des Themas, als die Darstellung auf der Bühne.  Etwa Auszüge aus dem Buch von Micah White, „Die Zukunft der Rebellion. Eine Anleitung“, Berlin 2018. White schreibt im „The Guardian“ viel über Proteste, von Occupy (er ist Mitgründer gewesen) bis zu Trump. HIER der Link zu White im The Guardian.

So, jetzt habe ich einiges beschrieben, ohne besonders auf Inhaltliches einzugehen. Dazu kann man es sich ja ansehen, dann kann man sich Gedanken machen. Aktuell geht es ja in unseren Zeiten immer wieder um Individualismus/Sozialismus/Nationalismus/Abschottung/„irre Politiker“ etc.

HIER die Onlineseite des Residenztheaters zum Stück.

Oder man schaut sich einfach meine nächste (erste) Inszenierung an.

©️ des Beitragsfotos: Mathias Horn

THEATER: Vor dem Auftritt

Die Theatersaison rückt näher, der Blick wird wieder geschärft.  Es geht auch in München in Kürze wieder los.  Die Leser werden es merken. Gestern gab es  schon einmal eine Ausstellung der Fotografin Cordula Treml, gezeigt werden Aufnahmen  von SchauspielerInnen in den Minuten VOR ihren Auftritten.  Ich hatte im Vorfeld  einige Fragen an Cordula Treml, die Antworten dazu werde ich in Kürze in einem weiteren Beitrag hier bringen.

Die teilweise wunderbaren Fotografien können in verschiedenen Größen auch käuflich erworben werden. Gestern, am 13. September 2018, war die Vernissage, die Ausstellung läuft noch bis Freitag, den 21. September 2018. Sie ist zu sehen im Schauraum 1899 in der Landwehrstraße 67 in München.

Die SchauspielerInnen: Man sieht sie immer „nur“ auf der Bühne. Nie aber kurz vor oder kurz nach ihren Auftritten. Erst wiederum etwas später nach ihren Auftritten erlebe ich sie oft in den Kantinen der Theater. Doch das sind ja schon wieder ganz andere Momente. Fröhlichere Momente. Als wären sie dann wieder in ihr eigenes Leben zurückgekehrt.

Bei Cordula Treml geht es um die Momente kurz VOR einem Auftritt. Genau so interessieren mich die Momente der SchauspielerInnen kurz NACH ihren Auftritten. Auch dazu gibt es Fotografien. Ich  bemühe mich derzeit, auch Zugang zu diesen Aufnahmen zu erhalten und werde dann darüber schreiben. Die Schauspielerin und Fotografin Margarita Broich aus Berlin (bis vor kurzem war sie liiert mit dem bekannten Schauspieler Martin Wuttke) hat die Momente unmittelbar NACH den Auftritten in Fotografien erfasst. Und es gibt eine Menge interessanter Aufnahmen von SchauspielerInnen IM UMFELD ihrer Auftritte vom Münchner Fotografen Johannes Seyerlein. Auch Portraitaufnahmen. Auch zu ihm habe ich Kontakt aufgenommen. Mal sehen, inwieweit ich all diese Momente im Blog bringen kann. SchauspielerInnen neben der Bühne gewissermaßen! Vielleicht  kann ich etwas auf einer Extraseite machen. Es würde meine Theaterberichte so gut ergänzen.

Zur Ausstellung „Vor dem Auftritt“:

Schon die hier (oben und unten) gebrachten Bilder zeigen, dass besondere Situationen erfasst sind, wenn SchauspielerInnen kurz vor ihren Auftritten „erwischt“ werden. Fast alle der von Cordula Treml gebrachten Fotografien zeigen SchauspielerInnen, die sehr konzentriert, in sich gekehrt, ja fast durchgehend traurig erscheinen. Siehe das Bild oben! Möglicherweise ergibt sich ja eine gewisse Traurigkeit, wenn man fremde Schicksale auf der Bühne verkörpern will. Wer verinnerlicht schon gerne fremde Schicksale und fremde Einstellungen, SchauspielerInnen tun es! Jedes Schicksal ist auch für sich genommen irgendwie traurig! Traurig im weitesten Sinne, nicht gleich zum Weinen traurig. Vielleicht hat es auch etwas mit Demut zu tun.  Vielleicht sehen es aber junge SchauspielerInnen von heute wiederum etwas anders! Performance, Selbstverwirklichung etc! Die „Schauspielerei“ hat sich sicherlich geändert.  Es ist eben längst nicht mehr alles „Sprechtheater“.  Vielleicht wollen junge SchauspielerInnen heute viel mehr von ihrer eigenen Persönlichkeit auf die Bühne mitnehmen.

Im Katalog zur Ausstellung sind im Gegensatz zur Ausstellung selbst zu fast jedem Foto kurze Aussagen zu den Momenten vor dem Auftritt enthalten.  Michael Maertens vom Wiener Burgtheater bringt es auf den Punkt:

Ich hasse Maske. Ich brauche Maske.

Ich bin in der Maske ängstlicher als auf der Bühne. Ich will mich ja immer so gerne verstecken. Es geht in der Maske nicht. Aber auf der Bühne habe ich dann Maske und kann mich wunderbar verstecken. Dank der Maske.„

In der Maske sitzen somit zwei Personen, und genau das werden die SchauspielerInnen merken: Sie sitzen dort persönlich – vor dem Spiegel – und werden Stück für Stück verwandelt in eine andere Person. Auf der Bühne wiederum erscheint dann nur diese andere Person. Wie gesagt: Vielleicht legen junge SchauspielerInnen heute ihre eigene Person nicht mehr in der Maske ab, sondern nehmen Sie mit auf die Bühne.

Der Katalog  zur Ausstellung kann käuflich erworben werden (Euro 24), er enthält alle Aufnahmen. Wer Interesse hat, kann sich auch bei mir melden, ich würde Anfragen weiterleiten.

HIER  die Website von Cordula Treml.

Und hier noch zwei Aufnahmen (Oben: Bettina Stucky. Unten links: Sophie von Kessel. Unten rechts: Eva Meckbach). Da steckt doch auch eine gewisse Traurigkeit drin, nicht nur Anspannung, oder?

©️ aller Aufnahmen:  Cordula Treml

 

LITERATUR: Maria Duenas – Wenn ich jetzt nicht gehe

Bevor die Theatersaison wieder beginnt: Ich habe mir dieses Buch angetan, ohne irgendeine Rezension im Internet dazu zu finden.  Auch nicht auf http://www.perlentaucher.de. Dann schreibe ich eben eine. Ich bin auf das Buch gekommen, da ich in letzter Zeit mehrfach etwas von spanischen Autoren gelesen hatte und da der Insel Verlag es mir – danke! – als Rezensionsbuch  zur Verfügung gestellt hatte.

Im Klappentext des Buches heißt es:

Maria Duenas, geboren 1964, lehrte in Murcia englische Literatur, bis ihr Debütroman 2009 alle Rekorde brach. Mittlerweile ist ihr Werk in 35 Sprachen übersetzt, mehrfach ausgezeichnet und in eine Fernsehserie verwandelt. „Wenn ich jetzt nicht gehe“ ist ihr dritter Roman und war 2015 das meistverkaufte Buch Spaniens.

Also eine extrem erfolgreiche Schriftstellerin! Mein Gesamteindruck: Etwas kitschig, etwas umfangreich die Handlung, bei den Personen und ihren verschiedensten Beziehungen untereinander (über die Kontinente hinweg) bin ich fast durcheinander gekommen. Von der Idee her aber ganz interessant.  Vielleicht soll es ja geradezu lehrreich sein. Während ich es gelesen hatte, dachte ich schon, dass es sich wie ein Drehbuch liest. Und tatsächlich: Auch dieses Buch soll zu einer Serie verfilmt werden.  Die Idee hinter dieser Geschichte: Ein Mann (Mauro Larrea) steht wieder auf!  Nach dem Motto:  Hingefallen, Staub abwischen und wieder aufstehen! Er hat sehr klein angefangen, wurde sehr reich, hat plötzlich alles verloren und sich dann komplett auf ein neues Leben eingestellt.  Reisen von Mexiko nach Kuba und Spanien prägten seinen weiteren Weg. Auch dieser weitere Weg führte letztlich wieder zum Erfolg,  wenn auch auf einem völlig anderen Gebiet, als demjenigen, den er früher gewohnt war.  Also: Sich immer wieder mit Überzeugung auf Neues einlassen! Er war früher Bergarbeiter und Bergbauunternehmer und dann kam Neues.  Das ganze wird natürlich noch geschmückt von seiner Leidenschaft zu einer Frau und einer sich letztlich noch erfüllenden Liebe.

Man kann diese Geschichte erzählen, aber ein besonderer Lesereiz ist es meines Erachtens nicht! Literarisch gesehen nicht auffallend! Da finde ich einige andere Schriftsteller deutlich gewitzter und interessanter.

 

MUSIK: Tash Sultana – Jungle

Zugegeben: Ich habe gerade von ihr erstmals gelesen: Tash Sultana. Was Wikipedia über sie schreibt? Tash Sultana sei am 18. Juni 1995 in Melbourne geboren, heiße eigentlich Natasha Sultana, sei eine australisch- maltesische „Singer-Songwriterin, Multiinstrumentalistin, Beatboxing- und Looping-Künstlerin“. Das ist doch was. Sie bezeichne ihre Musik als nicht-Genre-basiert. Ihr Sound stelle eine Mischung aus Electronic Indie, Folk, Jazz, Reggae, Rock und Soul dar.

Zu Beginn ihrer Musikkarriere habe sich Tash Sultana, lese ich, mit Straßenauftritten einen Namen in der lokalen Musikszene gemacht. Bekanntheit habe sie im April 2016 erlangt, als ein Repost des von ihr im Oktober 2015 auf Facebook hochgeladenen Videos einer Liveversion ihres Songs „Jungle“ (siehe unten) innerhalb weniger Tage mehr als eine Million Aufrufe erreichte. Weitere Aufnahmen von Livesessions in ihrem Wohn- oder Kinderzimmer, den von ihr benannten „Live Bedroom Recordings“, die sie auf YouTube verbreitete, erhielten danach große Resonanz.

Wer mich gut kennt, könnte merken, dass der Song unten irgendwie mein Rhythmus ist oder – in jüngeren Jahren immer war. Betonung auf 2, nicht auf 1! Aber in meinen jungen Jahren, den wirklich jungen Jahren, war Trash Sultana ja noch nicht einmal geboren!

Tja, wieder knapp zu spät, um sie zu entdecken, sie ist schon bekannt! Aber ich konnte schlecht durch Melbourne laufen und sie als Straßenmusikantin entdecken. Ich war nie in Melbourne!

Diesen Song widme ich Hajü Staudt, der meinen Blog gerne las, wie er mir mehrmals gesagt hatte. Er ist vor wenigen Wochen völlig überraschend und viel zu früh an einem Herzinfarkt verstorben! An einem Montag morgen. Zwei Tage davor hatte er es mir noch gesagt, dass er den Blog und so.

Trash Sultana kommt nächstes Jahr für zwei Konzerte nach Deutschland: Am 26.07.2019 nach Köln und am 27.07.2019 nach Berlin! 

HIER ihre Website.

Hier also ihr Song Jungle von den Live Bedroom Recordings:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

MUSIK: Rachel’s – Systems/Layers

Gleich noch etwas sehr Ruhiges, zum Entspannen, ist immer noch gut. Ich bin gerade in der ruhigen Ecke. Dann wird es bald wieder lebhafter. Rachel’s heißt die Band, Warm Body heißt das Stück. Eine schöne Mischung aus fast psychedelischen Klängen (Streichinstrumente, Gitarre, Piano, Elektro) und Drums. Aus dem Album Systems/Layers. Die Drums setzen nicht sofort ein, aber gerade die Kombination Streicher und Piano mit den Drums gefällt mir. Der Gründer Jason Noble ist dem verstorbenen Esbjörn Svensson (HIER) ähnlich! Und die Musik hat etwas von Ari Ben Meyers, der ja z. B. letztens (er hat aber schon wieder andere Sachen gemacht) die Musik zum beeindruckenden Theaterstück „Die Räuber“ von Schiller im Residenztheater  (HIER mein damaliger Wahnsinnsbeitrag dazu) gemacht hat – mit Streichern und E-Gitarre und Drums.

HIER die Website der Band.

Ein Video von Warm Body gibt es nicht mehr. Daher hier das Video zum full album Systems/Layers:

MUSIK: Max Richter – Dream 13 (minus even)

Ich stoße momentan auf sehr ruhige Musik. Aber das ist auch eine interessante Ecke! Heute Max Richter mit Dream 13 aus dem Album „Sleep“. Ein schönes, sicher sehr persönliches Video! HIER seine Website. Er lebt in Berlin. Ist Komponist, macht auch Filmmusik. Er hat etwa die Filmmusik zu dem sehr beeindruckenden Film Waltz with Bashir über den Einmarsch der Israeli im Libanon 1982 gemacht. Ein Dokumentarfilm als Zeichentrickfilm! Er hat auch schon mit Wayne McGregor zusammengearbeitet (siehe meinen Beitrag über Wayne McGregor). In Zusammenarbeit mit Wayne McGregor und dem Künstler Julian Opie schrieb er die Musik zu dem Ballettstück „Infra“, das 2008 in London uraufgeführt wurde.

MUSIK: Olafur Arnalds – Happiness Does Not Wait

Olafur Arnalds (geb. am 03. 11. 1986) ist ein isländischer Musiker aus der bekannten Metropole Mosfellsbaer. Wer kennt ihn nicht, diesen pulsierenden Moloch. Arnalds war Mitglied mehrerer Bands und ist seit 2007 hauptsächlich als Solomusiker tätig. Ruhige Kompositionen macht er, ist ja auch mal gut! Er macht auch Filmmusik, hat auch mit Nils Frahm zusammengearbeitet. Auch übrigens mit dem Ballettchoreografen Wayne McGregor, über den ich auch schon einmal geschrieben hatte („Portrait Wayne McGregor“).

Am 5. bis 8. Oktober tourt er ein wenig durch Deutschland (Hamburg; Dortmund, Wiesbaden, Ludwigsburg):

HIER seine Website.

Copyright des Bildes: Von z3To – 2118435587, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7498907

Hier das Stück Happiness Does Not Wait:

MUSIK: Lou Doillon – Where To Start

Ich hatte Lou Doillon ganz zu Beginn des Blogs einmal gebracht. Vor zweieinhalb Jahren. Da viele sie wahrscheinlich nicht kennen, bringe ich sie hier noch einmal, mit dem Song Where To Start: Das kann nicht schaden. Sie ist die Tochter von Jane Birkin und mütterlicherseits die Schwester von Charlotte Gainsburg. Wie man eben so geboren wird. Ich bin auch der Sohn meiner Eltern und der Bruder meiner Geschwister! Man hört leider in den letzten Jahren wenig von ihr. „Where To Start“ ist der erste Song ihres wunderbaren Albums „Lay Low“. Unten folgen die Lyrics.

Lyrics:

 

Let’s just pretend for a little while
That all there is here and now
And you and I
Hey, oh
Let’s turn our backs
To all the reasons why we shouldn’t
Let us lay low, in each other’s stare
Hey, ohIn the morning lights
While the world gets busy
We lay low, we lay low
Hey, ohAnd I know it wasn’t wise
To look straight back into your eyes
And I don’t need you to tell me so
Hey, ohAnd I don’t want to think, no
I don’t want to know
You tell me when it’s my time to go
Hey, oh
In the morning lights
While the world gets busy
We lay low, we lay lowIn the morning lights
While the world gets busy
We lay low, we lay low
Hey, ohLet’s just pretend for a little while
That all there is here and now
And you and I
Hey, oh
Let’s turn our backs
To all the reasons why we shouldn’t
Let us lay low, in each other’s stare
Hey, ohIn the morning lights
While the world gets busy
We lay low, we lay lowIn the morning lights
While the world gets busy
We lay low, we lay low
Hey, oh – Hey, oh – Hey, oh – Hey, oh