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BALLETT: Pierre Lacotte – La Sylphide

„La Sylphide“ hatte Uraufführung in der ersten Choreografie von Filippo Taglioni schon im Jahre 1832! Und es wurde in dieser Version vor fast exakt 185 Jahren (!), am 14. Juli 1840, schon in München gezeigt, am damaligen „Königlichen Hof- und Nationaltheater“, dem heutigen Nationaltheater. Andererseits: Wirklich lang ist das nicht her!

Im 19. und 20. Jhdt. stand „La Sylphide“ immer wieder auf dem Programm des Bayerischen Staatsballetts und nun, seit November 2024, wird es dort wieder – in der etwas späteren Fassung von Pierre Lacotte von 1972, die aber bewusst ganz eng am „Original“ von Taglioni festhält – gezeigt. Das Stück gilt in der Ballettwelt als der „Durchbruch“ des Spitzentanzes, mit nicht enden wollendem Applaus am Ende.

Weitere Aufführungen von „La Sylphide“ sind am Bayerischen Staatsballett ab November 2025 zu sehen.

Durch und durch klassisch ist nicht nur der Tanz, ist nicht nur die Kostümierung, das Bühnenbild, die Musik, die Choreografie, die „Geschichte“, die erzählt wird, nein, alles, auch das Recht deutlich werdende damalige Rollenverständnis von Mann und Frau.

Der Inhalt von „La Sylphide“ insgesamt wird in der Inszenierung von Pierre Lacotte sehr deutlich: Man könnte zusammengefasst sagen, es ist inhaltlich der Spruch: „Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“. Denn der junge James will zuviel! Das ist immer gefährlich, auch heute noch! Er steht kurz vor der Hochzeit mit Effie, da träumt er plötzlich vom so wundervollen eleganten Wesen „La Sylphide“, wie von einer „Traumfrau“. Er denkt immer wieder an sie, die Hochzeit mit Effie fällt aus, James will „La Sylphide“, die wieder erscheint, unsichtbar für die Anderen, an sich binden, dieses elegante Wesen, sie stirbt aber letztlich durch „Berührung“ gewissermaßen, und … Effie ist dann für James verloren, sie heiratet James‘ besten Freund Gurn, der Effie ohnehin offenbar immer schon mehr liebte … Tja, so kann es gehen. Fraglich bleibt allerdings ein wenig, ob James von sich aus plötzlich „mehr“ wollte – dann gilt der Spruch oben – oder ob er verwirrt, umgarnt wurde von „La Sylphide“ (aber letztlich will er sie ja für sich „fangen“). Das Thema ist jedenfalls zeitlos.

Sich mit der erzählten Geschichte von „La Sylphide“ auseinanderzusetzen, hatte allerdings keinen besonderen Reiz für mich. Es war eher der Tanz. Besonders nach der Pause merkte man die fast eigentümliche Eleganz des Spitzentanzes, die eigenartige Besonderheit, die der Spitzentanz für das Ballettwesen sicher hat. Es ist höchste Kunst, die man sieht, höchster Ausdruck, es sieht so schwerelos und leicht aus – nach der Pause vor allem im Tanz der „La Sylphide“ und der zahlreichen Sylphen, wo es doch genau das Gegenteil ist! Man sollte sich dem besonderen Ausdruck des Spitzentanzes, der Eleganz bei höchster Anstrengung und Konzentration, dem Träumerischen der Sylphenwelt, hingeben, wenn man diese Aufführung besucht!

Vor allem vom Solisten António Casalinho als James – mit seiner phantastischen Sprungkraft – und der Solistin Margarita Fernandes als La Sylphide konnte man so in der Tat mit ihrem so klassischen Tanz begeistert sein. Besonders sie erhielten den oben schon genannten nicht enden wollenden Schlussapplaus.

Von der Musik war ich weniger angetan. Ich hatte nach der Aufführung die Musik überspitzt so beschrieben: „Irgendetwas zwischen Nationalhymne und Oktoberfestmusik“! Es war die Musik der „Originalversion“, komponiert von Jean-Madeleine Schneitzhoeffer. Nun gut, überspitzt formuliert bitte!

Insgesamt war es aber auch für mich ein schöner „Blick zurück in die Zeiten des romantischen Balletts“, ein Blick in wahrscheinlich eines der Grundelemente einer jeden Ballettausbildung, die zu wirklichen Höchstleistungen führen soll … und auch führen kann, wie man sah. Ein Meilenstein für den Ballettfreund!

Hier noch zwei Bilder der Aufführung:

HIER link zur Produktionsseite „La Sylphide“ des Bayerischen Staatsballetts.

Copyright der Fotos: Katja Lotter

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BALLETT: Sol Leon & Paul Lightfood – Sphären.03

Worum ging es bisher bei der Reihe „Sphären“ des Bayerischen Staatsballetts? (Ob sich dann künftig unter der Bezeichnung „Konstellationen“ auch an der Projektidee etwas ändern wird, weiß ich noch nicht.) Auf der Website/im Programmbuch zur diesjährigen Ausgabe „Sphären.03“ heißt es jedenfalls (zusammengefasst):

Auf Einladung Laurent Hilaires (Anm.: Ballettdirektor des Bayer. Staatsballetts) fungieren bei „Sphären“ arrivierte Choreograph:innen als Kurator:innen: Sie wählen Tanzschaffende einer jüngeren Generation aus, die in München eine Arbeit einstudieren oder neu kreieren sollen. Nach den beiden von Marco Goecke und Angelin Preljocaj kuratierten Abenden wurde für die dritte Ausgabe das Choreographen-Duo Sol León & Paul Lightfoot mit der kuratorischen Aufgabe betraut. 

Vorab aber sei einmal ganz grundsätzlich zum Thema „Luxus dieser Art“ gesagt: Man sollte sich selber gegenüber ehrlich sein: Es ist ein Privileg, ja, auf jeden Fall, ein Privileg, einen Ballettabend erleben zu dürfen – in den edlen Räumen des Prinzregententheaters etwa, zusehen zu dürfen, wie diese jungen Menschen so phantastisch hingebungsvoll, akrobatisch, modernes Ballett zeigen, sich so bewegen können, und sich vorstellen zu können, mit welchem Einsatz ein solches Stück entsteht, wie hart geübt wird, mit wieviel Herzblut und Leidenschaft daran gearbeitet wird, wie es choreografiert wird, inszeniert wird, geprobt wird, präsentiert wird, in welch einer Umgebung! Hier für drei Aufführungen! Wie viele Menschen mehr arbeiten an so einem Ergebnis, als an einem Gemälde etwa. Am Montag den 30. Juni war die dritte und letzte, wieder ausverkaufte Vorstellung 2025. Wahrscheinlich endete sie wieder mit standing ovations. Eventuell wird das Gesamtprogramm woanders noch gebracht? Wohl kaum. Hier ein Foto, das die jungen TänzerInnen des Ensembles des Bayerischen Staatsballetts nach der Vorführung zeigt. Vielfalt strahlt einem entgegen.

Es ist natürlich ein Genuss, aber „Genuss“ allein wäre zu wenig, wäre fast herablassend. Es muss m. E. Bewunderung dabeisein, auch das Bewusstsein, dass es wahrlich nicht alltäglich ist, es muss hoher Respekt dabeisein und viel Dankbarkeit. Viele Menschen können es nicht sehen, haben keine Zeit, kein Geld, keine Berührung damit usw.

Da ist der Ausspruch von Paul Lightfoot, der im Programmbuch zu seinem Stück „Subject to Change“ zu lesen ist, hoch gegriffen: „Das Leben durch die Kunst sehen“ liest man von ihm. Im Grunde ein schöner Gedanke, ohne Kunst ist das Leben in der Tat etwas anderes, Kunst ist für unser Denken so wichtig, führt weg vom elenden blinden Realismus. Aber wie viele Menschen leben doch wohl ein Leben ohne Kunst! So hat gerade ein solcher Ballettabend natürlich leider etwas elitäres. Ihn dann auch noch auf bloßen „Genuss“ zu reduzieren, wäre wiederum fast arrogant. Aber das will ich niemandem unterstellen. Ich gönne jedem alles.

Das renommierte Choreographie-Duo Sol León & Paul Lightfoot (siehe das Beitragsbild oben) jedenfalls, seit knapp 40 Jahren im Ballett tätig, hat nun also für „Sphären.03“ drei jüngere Teams nach München eingeladen, um ihre choreographische Kunst zu präsentieren. Es waren die Choreographen Pau Aran Gimeno, Dimo Milev und das Duo Eliana Stragapede & Borna Babić. Die beiden letztgenannten sind die jüngsten, geboren 1996 bzw. 1994. Zusätzlich haben Sol León & Paul Lightfoot selbst zwei ihrer eigenen Stücke ins Repertoire aufgenommen. So waren es fünf Stücke „modernes“ Ballett! Die beiden Stücke des Choreographie-Duos Sol León & Paul Lightfoot („Shutters Shut“ und „Subject to Change“) sollen übrigens im Rahmen der nächsten Folge („Konstellationen“ 2026) noch einmal gezeigt werden.

Zu den drei eingeladenen Teams:

Die Dimo Milev zum Einen und Eliana Stragapede & Borna Babić zum Anderen haben neue Stücke kreiert, Pau Aran Gimeno wiederum hat ein bestehendes Werk mit den Tänzer:innen des Bayerischen Staatsballetts einstudiert. 

Zu allen fünf Teilen:

Es waren völlig unterschiedliche, sehr aussagestarke Stücke. Es wurde jeweils etwas völlig eigenes erzählt. Das Problem war natürlich: Konnte man die Inhalte richtig erkennen? Muss man ja nicht immer, aber man versucht es ja ständig! 

Man konnte angesichts der „Modernität“ (in Abgrenzung von „klassischem“ Ballett) der fünf Choreographien – einschließlich der Musik – an das renommierte und oft so extravagante NDT, das Nederlands Dans Theater, denken, über das ich hier auch schon mehrfach berichtet habe. Fast alle der oben genannten Choreographen – vor allem auch Sol León und Paul Lightfoot – haben ihre schon lange bestehenden Verbindungen zum NDT. Nur Pau Aran Gimeno m. E. offenbar nicht.

Mein Gedanke war dann aber: Wie es das Nederlands Dans Theater manchmal macht, wäre es so gut, wenn man auch hier, seitens des Bayerischen Staatsballetts, diese Stücke im Nachgang noch online anbieten würde! Zumindest von dieser Reihe, in der leider immer nur wenige Aufführungen gegeben werden. Ich würde sie mehrfach ansehen und immer mehr erkennen! Die körperlichen Ausdrücke und damit die Leistungen und die Stücke insgesamt würden mehr und mehr Bedeutung erlangen! 

Hier noch Fotos:

Vom Teil „In Fragments“ habe ich kein Foto.

Copyright der Fotos: Katja Lotter; das obige Foto der gesamten Gruppe der TänzerInnen ist eine Eigenaufnahme.

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BALLETT: Nederlands Dans Theater online

Es sind „Wiederaufnahmen“. WANN? Am 07. März ist von 00:01 Uhr bis 23:59 Uhr CET I wonder where the dreams I don’t remember go (2020) von Yoann Bourgeois zu sehen. Am 08. März sind von 00:01 Uhr bis 23:59 Uhr CET Bedroom Folk (2015) von Sharon Eyal und Gai Behar und The Big Crying (2021) zu sehen.

Zum dritten Mal hintereinander hat das NDT den Preis für das beste Online Event des „Tanz Magazine“ erhalten: “Top contemporary choreography continues to come from The Hague – in the best streaming quality. Captured by six cameras, the finest dance art is broadcast to an international audience.”

Die Tickets für das Streaming können HIER erworben werden.

Ein Foto (Screenshot) von I wonder where the dreams I don’t remember go:

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Ein Foto (Screenshot) von „Bedroom Folk“:

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Und hier ein Foto von The Big Crying:

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HIER gehts zur Website des NDT. HIER der direkte Link zu NDT online.

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Ballett: Duato/Skeels/Eyal

Die großen Häuser des klassischen Balletts geben dem modernen Ballett schon lange seinen Raum, zumal man hierzu sagenhafte Inszenierungen sehen kann. So gibt es zurzeit wieder am Bayerischen Staatsballett einen Abend modernen Balletts.

Ich hatte kürzlich über das wahrlich faszinierende Gastspiel von Peeping Tom am Bayerischen Staatsballett geschrieben. Es war tänzerisch und besonders von der Gesamtchoreografie her ein ganz erstaunliches Gesamtkunstwerk. HIER der Link. Jetzt hatte ich Gelegenheit, auch Duato/Skeels/Eyal am Bayerischen Staatsballett zu sehen. Ende Juni und im November wird es wieder gezeigt. HIER der Link zur Seite der Produktion „Duato/Skeels/Eyal“ auf der Website des Bayerischen Staatsballetts mit interessanten Trailern und Videos.

Hier ein Trailer:

Wieder einmal spürt man die Vielfalt und gleichzeitig Hochklassigkeit des modernen Balletts. Mehr Vielfalt wohl als beim klassischen Ballett (ich bin kein Spezialist für klassisches Ballett), das doch deutlicher an bestimmte Varianten/Methoden des Tanzes gebunden zu sein scheint. Man wird an diesem Abend in drei Welten hineingezogen. Vor der Vielfalt der Möglichkeiten, mit denen nicht Sprache, sondern Körper, Bewegung und Choreografie es schaffen, verschiedenste Ausdrücke zu erzeugen und Geschichten zu erzählen, gepaart mit absolut hochgradiger Ballettkunst, kann man wieder einmal nur den Hut ziehen. Das ist es, was mir am modernen Ballett gefällt. So war auch mein Eindruck am Abend Duato/Skeels/Eyal. Es sind, wie gesagt, drei Teile, Teil zwei und Teil drei besonders waren großartig!

Teil eins des Abends (White Darkness von Nacho Duato) war noch am ehesten geprägt von einer gewissen Bindung an das klassische Ballett durch seine doch recht stark Mann-Frau-zentrierte Darstellung. Fast etwas plakativ ging es Nacho Duato um den Drogentod einer seiner Schwestern. Man hatte den Eindruck, die Tänzer waren sehr stark in der Rolle, die Tänzerinnen zu führen. Diese eher klassische Herangehensweise ist bei Duato gut nachvollziehbar, er pendelte in seinem Leben teils zwischen klassischem Ballett und modernem Ballett. Seine erste Choreografie hatte er am NDT!

Etwas einseitig wirkte White Darkness daher fast im Vergleich zu den anderen beiden Teilen, die auch jünger sind. White Darkness ist eine Choreografie aus dem Jahre 2001, während Chasm von Andrew Skeels seine Uraufführung am Bay. Nationaltheater im April 2024 und Autodance von Sharon Eyal seine Uraufführung in 2018 hatten. Die Einseitigkeit scheint der Hintergrundgeschichte der Choreografie geschuldet, dem Tod einer der Schwestern von Nacho Duato. Weißer Sand rieselt mehrfach auf die Bühne, im Schlussbild „vergeht“ eine Tänzerin im rieselnden weißen Schnee – der Droge! Starke Bilder, Duato ist ein Fan der Lichteffekte. Teil zwei und Teil drei des Abends sind dagegen ganz besonders sehenswert. Die Pausen zu Teil zwei und drei lohnen sich.

Ein Foto zu Teil 1:

Copyright: Nicholas MacKay

In Teil zwei (Chasm von Andrew Skeels) ist ein Science Fiction Szenario. Der Zuschauer wird durch eine beeindruckende Choreografie in absolut ferne Zukunft geführt. Der Mensch lebt nach totaler Zerstörung der Erde in einer anderen Welt, hat sich auf eine andere Lebensform zurückziehen müssen, lebt in Höhlen, ist mittlerweile körperlich angepasst. Er muss und will wegen weiterer Änderungen der Lebensgrundlagen die Höhle verlassen und findet – über „Rituale“ – den Ausgang durch einen Riss. Das letzte Stückchen Hoffnung. Es wird eine insgesamt bedrückende Atmosphäre geschaffen durch Tanz, Bewegung und Choreografie. Eine Atmosphäre, die fremd ist und Bestürzung hinterlässt.

Ein Foto zu Teil 2:

Copyright: W. Hösl

Zu Teil drei (Autodance von Sharon Eyal) wird dem Zuschauer empfohlen, wegen der lauten Musik Ohrstöpsel zu verwenden. Gerade ohne Ohrstöpsel war es absolut beeindruckend! Clubkultur vermischt sich mit phantastischem Ballett. Man fühlte sich bei den harten Rhythmen der „Musik“ einerseits ins Münchner P 1 versetzt (Musik: Ori Lichtik), sehr modern, zeitlos. Die israelische Choreografin Sharon Eyal ist bekannt für rave-artige, extatische Gruppenstücke. Großartige oft schrittartige Bewegungen der Tänzer und Tänzerinnen zeigen Kontrolle und Extase zugleich, der Zuschauer wird der Möglichkeit einer genauen Interpretation und Orientierung dessen, was er sieht, entzogen. Auch hier entsteht eine fantastische Atmosphäre durch die tosende Musik (eher ein rhythmisches lautes Stakkato) einerseits und die körperlich so brillanten Bewegungen, die teils fast in Widerspruch stehen zum heftigen Club-Rhythmus, ruhiger, nicht ausgelassen und wirr sind Allein die Gangbewegungen, von denen alles ausgeht, zunächst einzeln, dann mehr und mehr in der Gruppe. Man merkte, dass es tänzerisch schlicht hochklassig war!

Ein Foto zu Teil 3:

Copyright: Nicholas MacKay

Copyright des Beitragsbildes: Nicholas MacKay

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BALLETT: Sol León & Paul Lightfoot – Schmetterling

Mehr als 60 Uraufführungen hatten beide seit 1989 gemeinsam als Choreografenduo am NDT kreiert, immer stehend für zeitgenössisches, nicht klassisch geprägtes Ballett, wie das NDT insgesamt. Sol Leon

und Paul Lightfoot:


Zwei ihrer Produktionen sind Silent Screen und Schmetterling, die ab März vergangenen Jahres mehrfach am Bayerischen Staatsballett gemeinsam gezeigt wurden. Ich schreibe hier im Blog im Grunde immer über Dinge, die der Leser/die Leserin noch sehen kann. Für den Abend „Schmetterling“ (beide oben genannte Produktionen zusammen erscheinen unter diesem Titel) sehe ich leider in dieser Spielzeit keinen weiteren Termin! Aber ich höre, es wird in der kommenden Spielzeit (Januar und Februar 2025) weitere Termine des Abends „Schmetterling“ geben.

Und demnächst – vom 12. bis 20. April – ist ohnehin die Münchner Ballettfestwoche 2024, so kann mein Beitrag auch eine Anregung für eine der dortigen Produktionen geben. Ich etwa werde in der Münchner Ballettfestwoche die sehr expressive, gestalterisch sicher fast extreme Produktion „Triptych“ der belgische Compagnie Peeping Tom sehen, auch das war eine Produktion für das NDT. Erstmals ist die Companie Peeping Tom am Bayerischen Staatsballett.

HIER der Link zur Website der Münchner Ballettfestwoche 2024. Es heißt dort zur Produktion „Triptych“: „… unglaublichen Vielfalt an Ausdrucksformen und extrem präzisen Abläufen, die bis hin zur Akrobatik reichen.“

Silent Screen und Schmetterling sind durchaus ältere Produktionen, „Silent Screen“ hatte seine Uraufführung im April 2005, „Schmetterling“ hatte Uraufführung im November 2010. Ein kurzes Fazit: Sehr ausdrucksstarkes, erzählerisches, emotionales Tanztheater, wie so oft beim NDT auf dunkler Bühne, mit teils interessanten Videoeinspielungen im Hintergrund, die teils wiederum den emotionalen Charakter des Abends unterstützen und die „Erzählungen“ untermauern. Erzählerisch ist es allerdings geradezu anstrengend – meinte man doch, man müsse eine „Geschichte“, die „erzählt“ wurde, genau erkennen – was kaum möglich ist. Das erste Stück (Silent Screen) nahm Bezug auf Stummfilme – wie Ballett ohne Worte – das zweite (Schmetterling) bezog sich auf die wundersame Natur des Schmetterlings, auf seine Vergänglichkeit, Zartheit, Schönheit, und auf den Lauf des Lebens. Wie so oft beim NDT auch: Hochklassiges Tanztheater (hier durch Ensemblemitglieder des Bayerischen Staatsballetts), das musikalisch noch dazu durch zwei Größen der Ballettmusik und eben deren – ich möchte sagen – manchmal fast sphärische, rein klangliche Musik (oft Pianoklänge) geprägt wird: Philip Glass und Max Richter, die ja öfters Musik für Ballettproduktionen schreiben.

HIER ist übrigens der Link zur Seite der kommenden Produktion „Triptych“ der Gruppe Peeping Tom auf der Website des Bayerischen Staatsballetts. Auch das wird extrem erzählerisches Tanztheater, in drei Teilen. Siehe den Link.

Und am 24. und 25. April bietet wiederum das Nederlands Dans Theater (NDT) ein weiteres Onlinestreaming. HIER ist der Link zu diesem Streamingangebot auf der Website des NDT. Drei Produktionen kann man an diesen beiden Tagen im Streaming sehen, unter anderem – am zweiten Tag – die Produktion In The Dutch Mountains des auch hier in Deutschland ja sehr bekannten (wenn auch teils unrühmlich bekannten) Choreografen Marco Goecke.

Hier noch zwei Bilder der Produktion „Schmetterling“:

Copyrights: Titelbild © CARLOS QUEZADA, beide Bilder unten: © WILFRIED HÖSL,

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BALLETT: Nederlands Dans Theater – Live Stream

Etwas für Freunde des Tanzes: Das Nederlands Dans Theater – NDT – aus Den Haag bietet morgen, Samstag, den 13. Mai, um 20.15 einen Livestream der neuen Produktion Raw are the roots an. In Raw are the roots sieht man zum Einen eine Produktion des deutschen Choreografen Felix Landerer und zum Anderen eine Produktion des Choreografen-Duos Sharon Eyal en Gai Behar. „Weltpremiere“ beider Produktion war vorgestern, am 11. Mai.

HIER der Link zur Produktionsseite von Raw are the roots auf der Website des NDT. Von dieser Seite aus können die Tickets für das Live-Streaming gekauft werden. Dort finden sich auch kleinere weitere Videos „Behind the scenes“ und der Link zum digitalen Programmbuch der Produktion.
Hier noch zwei Fotos:

Copyright der Fotos: Rahi Rezvani

Hier zwei Trailer:


UND ÜBRIGENS: das Berliner Theatertreffen 2023 beginnt heute! Drei „Starke Stücke“ des Festivals sind ab heute in der Mediathek von 3sat zu sehen!

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SONSTIGES: Bay. Staatsballett -John Neumeiers “Ein Sommernachtstraum“

Im Grunde ist es ein Experiment: Kommunikation und Ausdruck bestehen für mich – in Kulturfragen – vorwiegend aus Texten und Worten: Theater … Literatur … Schreiben … Schriftliches. Gut, es gibt die bildende Kunst, „stumme“ Kunst. Aber Ballett – Ausdruck durch Körperbewegung, ohne Worte? Ist das Kommunikation oder “nur“ Eleganz? Selten versuche ich es, umso interessanter ist es! Denn natürlich ist Ballett Kommunikation und Ausdruck, vielleicht sogar eine weit unbegrenztere Möglichkeit des Ausdrucks, denn dem Ausdruck durch Worte sind schließlich sehr schnell Grenzen in der Wortwahl gesetzt.

Über John Neumeiers Inszenierung von “Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare eine „Kritik“ oder „Besprechung“ zu schreiben, hat dabei wahrlich nichts mit der Besprechung von etwas „Neuem“ zu tun. Die Inszenierung, die jetzt vom Bayerischen Staatsballett in München nach gut vier Jahren Pause wieder in das Programm aufgenommen worden ist, hatte im Jahre 1977 (!) in Hamburg Premiere! Allein in Hamburg hatte die Inszenierung bis heute deutlich mehr als 300 Aufführungen. Sie wurde im Prinzip weltweit aufgeführt. Ein Ballettklassiker.

Weitere Termine in München – bis zum Sommer – findet man HIER, über den link zur Stückeseite auf der Website des Bayerischen Staatsballetts.

Aber es ist in der Tat wunderbar, diese Inszenierung jetzt – mit minimalen Anpassungen durch John Neumeier im Lauf der vielen Jahre – gesehen zu haben. Während der Coronazeit der letzten beiden Jahre hat John Neumeier zu dieser Inszenierung sogar eine DVD aufgenommen, die seit fast genau einem Jahr im Handel erhältlich ist. So ginge es also auch.

DVD

Tippen Sie auf das Bild der DVD und sie werden verlinkt – auf eine Besprechung zur DVD!

Ehrlich gesagt: Viele Informationen zu John Neumeier und zur Inszenierung „Ein Sommernachtstraum“ habe ich aus dem Programmheft und aus dem Internet. „Programmheft“ ist untertrieben, es ist ein „Programmbuch“! Wobei: John Neumeier ist mir natürlich ein Begriff, er verbrachte einen Großteil seines Lebens in Deutschland, Hamburg vor allem. Er zählt zweifelsohne zu den größten derzeit lebenden Ballettchoreografen der Welt. Die Inszenierung „Ein Sommernachtstraum“ scheint auch gerade all das zu verkörpern, was ihn seit Jahrzehnten auszeichnet! „Ein Sommernachtstraum“ ist eine seiner bekanntesten und irgendwie vielleicht – vermute ich mal – “vollständigsten“ Inszenierungen! „Die Kameliendame“ ist seine wohl bekannteste Choreografie. Seit mehr als vier Jahrzehnten ist John Neumeier Ballettdirektor und Intendant des Hamburg Ballett. 1963 kam er nach Deutschland, geboren war er in den USA. Auch die Studienzeit verbrachte er in den USA.

Unsere Wege haben sich vor mehreren Jahrzehnten einmal gekreuzt! Ich hatte als junger Student in den achtziger Jahren ein Jahr meines Studiums in Lausanne verbracht. Dort gab und gibt es jährlich den „Prix de Lausanne“ für Nachwuchstalente im Ballett. Ich hatte ihn besucht und wer leitete ihn damals? John Neumeier!

Und wen holte John Neumeier dann als 14-jähriges Talent aus Lausanne in sein Ensemble nach Hamburg? Maria Baranova – sie, die jetzt wiederum hier in München im „Sommernachtstraum“ im Wechsel mit Ksenia Ryzhkova die tragenden Rollen der Hippolyta und der Titania spielt.

Nachfolgend eine Inhaltsangabe von William Shakespeares “Ein Sommernachtstraum“. Kurz gesagt: Während im Altertum der Liebesgott Armor Pfeile verschossen und damit Liebe ausgelöst hatte, geht es im Sommernachtstraum um Tropfen, die aus einer Blume in die Augen Schlafender getröpfelt werden und bei den Beteiligten Wirrungen auslösen. Wobei es sich bei den Wirrungen in der Inszenierung von John Neumeier im Grunde komplett um einen riesigen Traum von Hippolyta kurz vor ihrer Hochzeit handelt.

Es geht John Neumeier dabei (wie immer, wie man liest) nicht um eine „Nacherzählung“ von Shakespeare auf der Ballettbühne. Er will nicht nur erzählerisches Ballett machen, er will die Stimmung transportieren, Charaktere herausarbeiten. Wahrlich beeindruckend sind insoweit viele einzelne Szenen der Inszenierung. Immer getragen von einer immensen Eleganz. Etwa jeweils die Szenen in der Welt der Elfen!

Hier ein Ausschnitt aus einem längeren Text von Iris Bührle über die Inszenierung von John Neumeier. Iris Bührle, die vor wenigen Jahren über die Umwandlung von literarischen Werken in Choreografie promoviert hat, ist freie Journalistin und Autorin z. B. der Tänzerbiografie Robert Tewsley:

Auszug des Beitrags von Julia Bührle „John Neumeiers Ein Sommernachtstraum“ aus dem Programmheft des Bayerischen Staatsballetts zu „Ein Sommernachtstraum“, Spielzeit 2013/14.

Gut, ich bin es gewöhnt und mag es, Theater mit kritischem Blick, mit gewissen skeptischen Anregungen oder persönlichen Überlegungen zu verlassen. Das fällt mir beim Ballett schwerer. Kann Kritik und Skepsis – so gehe ich eher durch die Welt – durch Bewegungen Ausdruck finden? Ich werde es weiter erproben und der Sache näher kommen!

Weitere Links jedenfalls:

HIER ein Video mit Ausschnitten der Inszenierung „Ein Sommernachtstraum“ von John Neumeier.

HIER ein Trailer zu “Ein Sommernachtstraum“ von John Neumeier

HIER ein Portrait von John Neumeier, eine schöne interessante 43-minütige Dokumentation!

HIER noch einmal der Artikel „John Neumeiers ‚Ein Sommernachtstraum‘ als Film“ der Deutschen Welle vom 22.6.2021.

HIER die Website der „Stiftung John Neumeier“.

Copyright des Beitragsbildes: Katja Lotter

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SONSTIGES: Dawson/Ratmanski/Goecke – Passagen

Am Ende des zweiten Teils des Ballettabends “Passagen“ – dem Teil zu Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ – sieht man im Hintergrund am riesigen Multimediascreen die Nationalfarben der Ukraine, gelb und blau. Modest Mussorgski war bekanntlich Russe. Und am Ende der dreiteiligen Vorstellung steht Antonio Casalinho am vorderen Rand der dunklen Bühne und hält eine weiße Taube zum Publikum – siehe das Beitragsbild oben.

„Passagen“ ist ein Abend des Bayerischen Staatsballetts, der kürzlich Premiere hatte. Es sind drei Teile – von drei Choreographen – und es ist ein Thema: Mit „Passagen“ sind Übergänge gemeint, Übergänge von einem Zustand in den nächsten. παντα ρει – panta rei – alles fließt. Alles ändert sich immer!

Auch innerhalb ein und derselben Person ändert sich alles immer: Drei verschiedene Ansätze werden gezeigt: Teil eins (Choreografie von David Dawson) „Affairs of Heart“ greift tänzerisch den Wandel seelischer Zustände des Herzens auf. Teil zwei (Choreografie von Alexej Ratmanski) „Bilder einer Ausstellung“ greift tänzerisch auch einen Übergang auf, den seelischen, athmosphärischen Übergang beim Gang durch eine Ausstellung, von Bild zu Bild. Teil drei (Choreografie von Marco Goecke) „Sweet Bones’ Melody“ wiederum setzt mehr auf schnelle Gestik mit Händen und Füßen, weniger auf schönen Tanz.

All das kann man natürlich als “Laie“ nicht irgendwie deutlich erkennen. Ballett ist eine völlig eigene Welt des Ausdrucks! Als Zuschauer kann man und muss man natürlich auch nichts Spezielles erkennen. Jeder hat einfach seine eigenen Assoziationen. Es lässt sich ohnehin nur feststellen: Man – ich jedenfalls – versucht als Zuschauer eigentlich, das im Grunde tiefer nicht nachvollziehbare Bühnengeschehen ständig wenigstens zum Teil mit „herkömmlichen“ Begriffen und Erlebnissen zu interpretieren. Man sucht geradezu Dinge, Aspekte auf der Bühne, mit denen man „umgehen“ kann. Choreographisches, Freude, Leid, irgendetwas, das man irgendwie fassen und „bezeichnen“ kann. Die tänzerischen Leistungen sind ja ohnehin großartig! Andererseits muss man erkennen: Der Körper gibt Ausdruck in einer vollkommen anderen Dimension! Das spüren und erleben natürlich ganz genau die Tänzer und Tänzerinnen für sich! Auf diese Diskrepanz muss man sich unbedingt einlassen! Und das, was sich zwischen dem Geschehen auf der Bühne einerseits und dem Zuschauer andererseits ergibt, ist ja wiederum ein „Übergang“, könnte man sagen – ein Übergang nicht „innerhalb“ einer Person (das Thema dieses Abends), sondern ein Übergang zwischen Personen, ein Übergang der Kommunikation.

Man erlebt dabei drei sehr unterschiedliche Teile: Der erste Teil ist weiche, warme, abgerundete, eher klassische Ballettkunst! Auch die Musik: Warm, zart, langsam, leicht. Der zweite Teil ist schon „härter“, belebter, mehr Choreografie, immer noch eher klassisch, mehr Positionswechsel auf der Bühne. Auch die Musik: Schwer, wechselhafter, eben „Bilder einer Ausstellung“! Der dritte Teil ist hart, abgehakt, extrem schnell, besonders, dadurch sehr beeindruckend, kein klassischer Tanz. Auch den ersten Teil fand ich sehr beeindruckend!

Teils standing ovations am Ende.

Klicken Sie auf die Bilder zur Verlinkung auf die jeweiligen Choreografen:

Affairs of the Heart:

Copyright: W. Hösl

Bilder einer Ausstellung:

Copyright: W. Hösl

Sweet Bones‘ Dance:

Copyright: C. Quezada

HIER eine sehr ausführliche Besprechung des Abends „Passagen“ vom 27.3.2022 aus der Zeitschrift „Ballett Journal“. Der Artikel lautet: „Tänzchen mit Täubchen“, mit dem Untertitel: „Passagen vereint beim bayerischen Staatsballett ein tolles neues Stück von David Dawson, einen peinlich inszeniert den Auftritt von Alexei Ratmansky und das übliche gezappelt von Marco Goecke.“

Klicken Sie nun noch auf das erste Bild unten: Sie werden auf ein schönes Video verlinkt, das Vorbereitungen des Abends „Passagen“ darstellt. Klicken Sie auf das zweite Bild unten: Sie werden auf die Stückeseite zu „Passagen“ auf der Website des Bayerischen Staatsballetts verlinkt. Klicken Sie auf das dritte Bild unten: Sie werden auf Bilder der Ensemblemitglieder des bayerischen Staatsballetts verlinkt.

Copyright des Beitragsbildes oben: C. Quezada

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SONSTIGES: Ballett – Georges Balanchine – Jewels

„Reich“ ist das Motto des Festivals „Politik im freien Theater“, über das ich zur Zeit viel schreibe – also der Kontrast „Arm und Reich“. Und was mache ich sonst? Ich schaue mir doch glatt auch noch „JEWELS“ am Bayerischen Staatsballett an! Also Wohlstand pur. Keine Frage, es war ein Schritt zurück in alte Zeiten. Choreografie von 1967! Wunderschön, bewundernswert, aber eben veraltet, die Zeiten haben sich geändert. „Aktuelles“ sieht man derzeit auf dem Theaterfestival „Politik im freien Theater“, „alte Zeiten“ sieht man in wunderbarer Schönheit daneben im Ballett „Jewels“.

Der Tanzvisionär George Balanchine, der in St. Petersburg geboren wurde und aufwuchs, dann das New York City Ballet gründete und bis zu seinem Tod 1983 leitete, hatte sich damals – um 1967 herum – von der SCHMUCKAUSLAGE eines Juweliers auf der Fifth Avenue inspirieren lassen! Damals war Reichtum eben noch bewundernswert, heute ist es ja eher problematisch! Wobei: Ich muss sagen, es ist klasse, dass es Reichtum gibt! Was wäre ohne Reichtum? Dann hat Balanchine jedenfalls die drei Teile des Balletts jeweils nach einem Juwel benannt und auch Kostüme, Bühnenbild und Choreographie farblich und stilistisch an die Edelsteine angelehnt. Mit genau dieser Choreografie wird Jewels derzeit in München gezeigt.

Gleichzeitig ist das Ballett eine HOMMAGE an die drei Länder und Balletttraditionen, die seine Biographie stark geprägt hatten: Emeralds (Frankreich), Rubies (Amerika) und Diamonds (Russland). Jewels gilt als erstes abendfüllendes „abstraktes Ballett“´der Tanzgeschichte – also ohne eine Story zu erzählen.

ÜBRIGENS: Das Bayerische Staatstheater ist die einzige Kompanie weltweit, die neben dem New York City Ballet das Bühnenbild von Peter Harvey – er zeichnete schon bei der Uraufführung von Jewels für das Bühnenbild verantwortlich – von 2004 zeigt.

AUCH DIE KOSTÜME folgen den originalen Entwürfen von Balanchines Kostümbildnerin und Oscar-Preisträgerin Barbara Karinska, die sie 1967 für die Uraufführung von Jewels konzipiert hatte. Balanchine würdigte sie mit den Worten: „There is Shakespeare for literature and Madame Karinska for costumes.

Und man merkt es tatsächlich: Es ist aus der DAMALIGEN ZEIT, nicht aus der heutigen Zeit! Zwar höchstkarätig, aber: Der erste Teil, Emeralds, ist tänzerisch fast bieder. Hier aus dem Programmheft:

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Der zweite Teil, Rubies, sollte das wildere Leben in New York zeigen, aber auch das kommt heute sogar eher bieder und gebremst rüber. Fast amüsant, zu sehen, was damals unter „wildes New York“ gesehen wurde.  Man merkt auch tänzerisch, dass sich die Zeiten geändert haben! Auch hierzu aus dem Programmheft:

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Der dritte Teil, Jewels,  ist eine Hommage an die russische Eleganz der zaristischen Zeit. Wunderschön! Wirklich wunderschön! Und erstaunlicherweise am ehesten zeitlos. Programmheft:

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„Jewels“ ist die einzige Premiere des Bayerischen Staatsballetts in dieser Spielzeit. Wenn man es sich ansieht, muss man eben wissen, dass man nichts Modernes ansieht, sondern etwas, das gute 50 Jahre alt ist und so bleibt. Dann kann man es wunderbar genießen! Es ist ja wieder einmal Höchstleistung! Und man merkt, dass es ein besonderes Werk der Gesamtchoreographie alter Schule ist! Im April kommenden Jahres kommt es mehrfach. Man muss aber wissen: Die Welt hat sich längst weiterentwickelt. Das Ballett wahrscheinlich auch – da maße ich mir aber nicht an, das beurteilen zu können. Für die aktuelle Welt ist dann jedenfalls vielleicht ein Theaterfestival wie „Politik im freien Theater“ hilfreich!

©️ der Fotos: Wilfried Hösl und Sasha Gouliaev, Bayerisches Staatsballett

HIER der Onlineauftritt zum Abend „Jewels“.

Und hier ein Trailer mit Auszügen und Gesprächen zum Abend:

 

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SONSTIGES: Ballett – Portrait Wayne McGregor

(Copyright des Beitragsfotos: Wilfried Hösl, Bay. Staatsballett München)

Ich hatte kürzlich das Privileg, im Nationaltheater das Bayerische Staatsballett mit dem Stück „Portrait Wayne McGregor“ sehen zu können. HIER ein interessanter Einblick, ein „video magazine“ des Bayerischen Staatsballetts.  Ich weiß, das hat mit der harten Welt nichts zu tun! Aber das kann ja auch mal sein! Schön war, dass ich inmitten einer Schulklasse (8. Klasse?) saß, die ein Tanzprojekt vorbereitete. Hehre Ziele und höchstes Anschauungsmaterial!

Ein Tipp übrigens: Auf http://www.staatsoper.tv wird dieses Stück am Samstag, den 23.6.2018 live um 19:30 Uhr übertragen. Ich finde es irre, Körper sprechen zu lassen, Gefühle, Interaktionen, … Und als Video on Demand ist es am Sonntag und Montag vormittag noch zu sehen.

HIER der Weg zu Trailern und zu einer Fotogalerie.

Drei verschiedene Stücke werden gezeigt: „Kairos“, „Sunyata“ und „Borderlands“. Während das erste Stück noch etwas klassischer Natur ist, sind das zweite und das dritte Stück kaum mehr klassisch zu nennen. Umso interessanter. Wayne McGregor scheint bekannt dafür zu sein, dass er vom klassischen Ballett ausgehend Grenzen überschreitet. Auch in alle neuen Medien hinein. Auch in Technologie und Wissenschaft hinein. Er gilt als einer der großen Choreographen dieser Zeit.

Natürlich kenne ich mich mit Ballett viel zu wenig aus. Allein die drei folgenden Textauszüge aus dem Programmbuch zeigen, worum es gehen kann. Das Programmbuch mit einigen schönen lyrischen Texten ist im Shop des Bayerischen Staatsballetts erhältlich. Hier Stichworte und sich dann die Übertragung (oder erst die Trailer) ansehen:

Kairos:

… 2014 für das Ballett Zürich entstanden … Kairos, der richtige Augenblick … es geht um den günstigsten Zeitpunkt für eine Entscheidung, den rechten Augenblick sozusagen … Max Richter Bearbeitung von Antonio Vivaldis die vier Jahreszeiten … Recomposed … endlos aneinandergewebte rhythmisierte Strukturen, die sich harmonisch nicht mehr auflösen wollen … McGregor entwickelt Motive, die aus dem Unisono in Chaos verbreitende Vereinzelungen driften … scharfe Ausführung der Bewegungen… Emotionalität der Musik…

Sunyata:

Kreation für das bayerische Staatsballett… begann er quasi im nichts… buddhistisches Konzept… einen Raum, in dem sich alles gegenseitig bedingt, in dem alles aber auch nichts ist – ein Nichts, in dem das Potenzial zur Kreation steckt… Fixpunkt Musik… Zeitgenössische finnische Komponistin Kaija Saariaho… Orchester und Elektronik…

Borderlands:

2013 kreiert für das San Francisco Ballet … als Medium der Farben bekommt das Licht in Borderlands besonderes Gewicht … die Arbeit ist inspiriert von den Bildern des deutsch-amerikanischen Bauhauskünstlers Josef Albers … Optische Täuschung, das Wundern und Staunen über die Gliedmaßen, die man nicht mehr zuordnen kann … Suche nach dem Gegenüber … dröhnende Synthesizer- Wolken

 

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SONSTIGES: Ballett – Anna Karenina von Christian Spuck

Zugegeben, Ballett ist nicht Schwerpunkt dieses Blogs. Aber über den Tellerrand hinaus blicken, ist doch immer interessant. Und in Kürze folgt viel THEATER. Das Theatertreffen 2018 steht bevor! Und Tanz findet sich ja in heutiger Zeit auch immer wieder einmal in Theatern. Wenn auch nicht in derartiger Perfektion wie im Ballett. Anna Karenina von Lew Tolstoi wurde als Ballett im Bayerischen Nationaltheater in München auf die Bühne gebracht. Choreographie Christian Spuck. Was für ein anderes Erlebnis! Es wird in dieser Spielzeit noch einmal und dann in der kommenden Spielzeit das ein oder andere Mal zu sehen sein! Also, wer Interesse hat:

Den Roman Anna Karenina von Lew Tolstoi (man betont Karenina ja auf dem „e“) kann ich ja unbedingt empfehlen. Er gibt einen unglaublich detaillierten, vor allem nicht schwülstigen Einblick in das russische Leben zur damaligen Zeit. Und aus russischer Sicht den Blick auf das damals weltweit noch große Problem des Ehebruchs. Der Eifersucht, der Liebe, des Hasses, der Verzweiflung, der Konkurrenz, des Abgrundes, der gesellschaftlichen Erwartungen. Es endet ja tragisch.

Im Bayerischen Nationaltheater in München hat jetzt also – ich hatte die Chance, hinzugehen – Christian Spuck den 1000-Seiten-Roman als Ballett auf die Bühne gebracht. HIER ein Trailer. Und HIER (das kleinere Video rechts anklicken) ein Video mit Erläuterungen von Christian Spuck und den beiden „Protagonisten“ sowie weiteren Ausschnitten der Inszenierung. Ansehen! In den Videos sieht es fast kitschig aus, ich finde aber, Christian Spuck hat das Gespür, Kitsch zu vermeiden. Es wird Eleganz.

Ballett kann man „mögen oder nicht mögen“, finde ich, es ist nicht so diskursiv wie Theaterabende sein können. Ich hatte mich aber dennoch sehr darauf gefreut, denn:

Ich erinnerte mich: Als junger Student hatte ich tatsächlich (!) längere Zeit den Gedanken, das Gefühl, dass ich am liebsten Balletttänzer wäre! Nicht viele Worte, sondern Tanz, das hatte mir gefallen! Ich hatte ein Jahr in Lausanne studiert, dort erschien beim jährlichen Prix de Lausanne irgendwie auch der Ballettstar John Neumeier, ich glaube als Mitglied der Jury. Oder es gab einen John-Neumeier-Preis für den Nachwuchs. Aber für Ballett muss man ja schon als Kind mit Tanz beginnen. Tja, daraus ist leider nichts geworden. Knapp daneben, ich wurde Rechtsanwalt. Naja, das ist doch ähnlich, es ist eben Ballett mit Worten? Nein, es ist eher Fechten mit Worten, würde ich sagen!

Und es gab noch einen besonderen Grund, hinzugehen: Ich hatte im Blog zu Ostern über Christian Spuck geschrieben. Er hatte mit dem Staatsballett und dem Staatsorchester Zürich das Verdi-Requiem („Messa da Requiem“) als Ballett mit Chor inszeniert. Es wurde zusammen mit einer Dokumentation über Spucks Arbeit auf 3sat gesendet. Ich war damals wahrlich begeistert! Jetzt war er zur Münchner Ballettwoche 2018 eingeladen.

Also bin ich hin. Und, was soll ich sagen: Ich war baff! Es wäre anmaßend, wenn ich jetzt hier eine detaillierte Kritik mit Pros und Contras bringen würde! Aber: Erster Gedanke mit Blick durch das Nationaltheater: Es ist schon ein Privileg, ich möchte sagen: elitär, es zu erleben. Man sollte einmal pro Monat einen Abend für Harz IVler geben! Kunst sollte nicht elitär sein! Allein das extreme Erlebnis, danach aus dem Nationaltheater in einen lauen Frühlingsabend zu treten, Blick auf die Frauenkirche und die Maximilianstraße … . Das sollte eigentlich nicht immer nur Wohlhabenden vorbehalten sein.

Während der Aufführung – und danach – dann der Gedanke: Diese unglaubliche Eleganz des Balletts, diese unglaubliche Schönheit des Bühnenbildes, der gesamten Choreographie, der Kostümierung, der Farben, diese unglaublichen Leistungen der TänzerInnen, die so treffende russische Musik, all das erleben zu können. Alles hatte eine irre Leichtigkeit trotz des so schweren Lebens von Anna Karenina. Gut, sie lebte in feinen Kreisen. Die Musik brachte dabei generell russische Schwere hinein, fand ich. Aber genau das war passend! Allein das Zusammenspiel von Musik (Auswahl Christian Spuck) mit dem Tanz, der Choreographie, dem Russischen. Leichtigkeit und Schwere mischtern sich so den Abend hindurch. Beides in Formvollendung. Die Trailer oben lassen es erahnen.

Und dann noch die Überlegung: Man sitzt da und betrachtet einfach mal so Menschen, die allein mit phantastischen körperlichen Bewegungen, mit Tanz, etwas zum Ausdruck bringen. Das allein macht doch etwas mit einem! Man rutscht komplett weg vom banalen Alltag! Etwa der – für mich – beeindruckendste Tanz von Jonah Cook und Lauretta Summerscales als Kostja (Lewin) und Kitty, dem zweiten verliebten Paar, dem der Roman folgt. Es war der erste Tanz nach der Pause.

Es waren also völlig andere Eindrücke als bei einem Theaterbesuch, zwei Welten. Auch wenn es um die Geschichte eines Romans ging, was ja in beiden Vorführungsformen vorkommt. Beeindruckend allemal!

 

 

 

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SONSTIGES: Tipp vor Ostern

Ich sage ja immer wieder: Wenn wir die Kunst nicht hätten! Und wenn wir nicht Menschen hätten, die außergewöhnliches leisten können! Da gebe ich gerne einen Tipp. Wer vor Ostern etwas Zeit hat, könnte sich dies hier ansehen. Es ist meines Erachtens absolut außergewöhnlich schön! Und es passt zu Ostern: Giuseppe Verdi, Messa da Requiem.
Es ist eine Inszenierung des Opernhauses Zürich aus dem Jahre 2016,  Verdis Oper für Orchester, Chor und Ballett. Es wurde gestern, Samstag, 24. März 2018, auf 3sat gesendet. Es ist jetzt noch wenige Tage auf der Mediathek von 3sat zu finden. Ein außergewöhnliches Erlebnis!! Eindrucksvoll ist auch die gestern im Anschluss gesendete Dokumentation über die Entstehung der Inszenierung. Muss man sich auch ansehen! Es ist eine Choreografie und Inszenierung von Christian Spuck.
Unglaublich schön etwa sind die Sequenzen bei Minute 1:03:40 bis 1:09:00 und 1:20:50 bis 1:23:45.
Man spürt in jeder Bewegung fast den Konflikt von Leben und Tod. Diesen Konflikt, der das Requiem ausmacht. Es geht ja auch nicht um die Höchstleistung an sich, es geht darum, wie sie es schaffen, uns all das nahezubringen!
Hier der Link auf die Mediathek: AUFFÜHRUNG
Hier der Link zur Dokumentation: DOKUMENTATION
Hier der Link zu Wikipedias Beitrag zu Verdis Messa da Requiem: WIKIPEDIA