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THEATER: René Pollesch – Kill your Darlings! Streets of Berladelphia

Die Berliner Festspiele ermöglichen es, noch einmal eine Inszenierung von René Pollesch online zu sehen. Es handelt sich um die Inszenierung „Kill your Darlings! Streets of Berladelphia“, die 2012 zum Berliner Theatertreffen eingeladen war. Eine großartige One-Man-Show mit Fabian Hinrichs. Sehenswert! Sie ist bis zum 27. Mai in der Mediathek der Berliner Festspiele zu finden. Ein vermutlich hochpersönliche Produktion von René Pollesch.

Es ist eine Produktion, die René Polleschs Fantasie zeigt, seine Herangehensweise. Das ist Theater. Nicht die Realität ist Theater, nicht (nur) Kritik oder Widerrede: Die Realität, Kritik und Widerrede, sie gehören eher zum Kabarett. Das nicht Verständliche aber, das allenfalls Spürbare, das überall dazwischenliegt, das zu berühren, zumindest zu versuchen es zu berühren auf einer Bühne, es zeigen zu wollen, das ist Theater. Theater ist im guten Fall immer wieder – immer wieder – der Versuch, etwas Unsichtbares zu zeigen. Nicht die Realität, nicht das Blatt auf der Straße, das sich im Wind bewegt. Es gibt so viel Unsichtbares, was unser Leben bestimmt!

Hier ist der Link zur Mediathek der Berliner Festspiele.

https://mediathek.berlinerfestspiele.de/de/theatertreffen/2012/kill-your-darlings-streets-of-berladelphia

HIER ein Abschiedsbrief von Fabian Hinrichs an Rene Pollesch.

Undhier ein schöner Nachruf aus der SZ – geschrieben vom Dramaturgen Carl Hegemann, der jahrelang mit René Pollesch zusammengearbeitet hatte und in dem auch mehrfach das Stück „Kill Your Darlings“ erwähnt wird:

Copyright des Beitragsbildes: Bildausschnitt aus einem kurzen Video der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Die Bildrechte werden noch genau geklärt und genannt.

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THEATERTREFFEN EXTRA: Irgendwie „FAUST“ von Frank Castorf (Berliner Volksbühne)

Für den Zuschauer ein Erlebnis, aber auch eine Zumutung!

Ich war auf der allerletzten je gespielten Vorstellung von Frank Castorfs „Faust“ – Inszenierung. Es war eine der letzten Inszenierungen von Frank Castorf an der berüchtigten Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Die Theaterwelt war begeistert, dass diese Faust-Inszenierung auf dem Theatertreffen 2018 gezeigt wurde.

HIER ein Trailer. Reinsehen!

Und HIER ein link zur interessanten Besprechung der Inszenierung im Deutschlandradio Kultur.

Und HIER der link zur Website der Volksbühne mit Erklärungen und weiteren Trailern!

Man sagt, diese siebenstündige Inszenierung sei ein „Kunstwerk“. Jetzt verstehe ich es ein wenig: Kunstwerke kapiert man nicht immer, man fühlt nur, dass es ein „Kunsterk“ ist, oder? So war es auch hier! Ich habe ähnliche Stimmen vernommen. Ich habe nach 3 Stunden nichts mehr kapiert! Vom „Faust“ habe ich nichts mehr mitbekommen. Es ist natürlich nicht exakt die Geschichte „Faust“, die in der Inszenierung erzählt wird. Auch, aber wirr und wahnsinnig!!

Frank Castorf spannt ja wieder einmal einen weiten Bogen über viele, viele Themen. Und all die Themen (von Bismarck bis Algerien) werden hoch wortgewandt verarbeitet. Für den Zuschauer eben ein Erlebnis, aber auch eine Zumutung! Ein Parforceritt! In der Ankündigung des Abends hieß es ja auch nicht (im Gegensatz zu den Ankündigungen der anderen Stücke des Theatertreffens) „Faust von Johann Wolfgang Goethe“, sondern nur „Faust“. Typisch Castorf.

(Motto des Blogs ist ja: Theater muss doch nicht gefräßiger Konsum sein. Rausgehen und sich nur sagen: „Ein schöner Abend!“, das wäre doch Theaterzerstörung, Kunstzerstörung, Zeitverschwendung. So viel Zeit haben wir ja nicht! Schön ist, finde ich jedenfalls, wenn Theater anregt. Theater zeigt doch etwas aus der Gesellschaft. Toll ist es natürlich, wenn dann wunderbare Inszenierungen zu sehen sind. Und da gibt es – besonders am Theatertreffen, wo sich die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen deutschsprachiger Bühnen treffen – immer wieder Überraschendes, Vorstellungen sprengendes, wahrlich Großartiges!)

Ein „Kunstwerk“ ist der Faust von Castorf schon, kann man sagen! Allein die Schauspieler! Jeder verausgabt sich, wird auf der Bühne quasi wahnsinnig. Wer die Chance hat, künftig eine Inszenierung von Frank Castorf zu sehen, sollte sie nutzen! Frank Castorf bringt nach der Beendigung seiner 25-jährigen Intendanz an der Volksbühne jetzt pro Jahr noch eine Inszenierung am BE, dem Berliner Ensemble.

Jedes Bühnenbild bei Castorf ist ja ein toller Anblick – Drehbühne wieder – und es ist jedes Mal ein großes Werk, wie Castorf die Menschen auf der Bühne zu seinen Themen irgendwie kunstvoll in den Wahnsinn treibt! Wie immer übrigens bei Castorf war für den Zuschauer ein Großteil des Geschehens auf der Bühne wieder nur auf Videoleinwand zu sehen. Aber auch das war wieder fast durchgehend – besonders durch die schauspielerischen Leistungen, aber auch durch die Filmaufnahmen an sich – ein filmisches Erlebnis!

Andererseits: Frank Castorfs Art, Theater zu machen, ist fast veraltet! Warum? Man will, überlege ich, vielleicht nicht mehr unbedingt sehen, dass der Mensch im Prinzip wahnsinnig wird! Die Zeiten haben sich vielleicht wieder einmal geändert. Wir leben in Zeiten oder es kommen vielleicht Zeiten, in denen es darum geht, gerade nicht wahnsinnig zu werden! Daher: Man betreibt fast schon Theatergeschichte, wenn man Castorfs Inszenierungen anschaut. Er hat die deutsche Theaterlandschaft zwar über 25 Jahre lang geprägt, bald kommt aber Neues. Besser: Es kommt jetzt schon Neues, theatermäßig, wird auch dringend gebraucht!

Also: Diesmal habe ich keinerlei Erkenntnis mitgenommen, außer, dass sich die Zeiten ändern!

Von meinem iPad gesendet – Blog: www.