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THEATER: Festival Radikal jung – Odyssee

Es ist eine Produktion des Schauspielhaus Düsseldorf, eine Produktion, die zum Festival Radikal jung eingeladen wurde, das morgen, am 05.05.2023, endet. Eine Produktion des ukrainischen Dramatikers Pavlo Arie frei nach Homer. Auch der Regisseur der Produktion ist Ukrainer: Stas Zhyrkow.

Selbst das Schauspielhaus Düsseldorf schreibt dazu: Die Neudichtung des ukrainischen Dramatikers Pavlo Arie müsste eigentlich »Penelope« heißen. Ja, es geht um die ukrainischen Frauen und deren – wahre – Erlebnisse seit Kriegsbeginn. Um Penelope’s Situation, nicht um Odysseus‘ Erlebnisse. Berührend, zugleich künstlerisch gut gemacht, eindrucksvoll! Standing Ovations des bewegten Publikums am Ende im vollbesetzten Münchner Volkstheater.

HIER die Stückeseite auf der Website des Schauspielhaus ist Düsseldorf. Man findet dort interessante Links zu weiteren Gesprächen und und und.

Die Ängste und Hoffnungen und die traurigen oder grausamen Erlebnisse der Frauen im Ukrainekrieg – Frauen, die in Düsseldorf landeten – mit ihren Kindern meist – ohne ihre Ehemänner oder andere Familienmitglieder – ihre Sehnsüchte und Ungewissheiten – ihr Warten. Sehr eindringlich, sehr direkt, das Publikum sehr direkt adressierend und künstlerisch interessant, so erfährt man davon!

Die Erzählung mit sieben Frauen und zwei Jungen aus der Ukraine und sieben Düsseldorferinnen verwebt – nicht äußerst tiefgründig, aber als Motiv – Homers Odyssee mit den wahren Geschichten der Spieler*innen. Eingeblendet werden im Laufe des Abends auf einem Laufband die Kapitel:

  • 1 // WARTEN
  • 2 // 24. FEBRUAR 2022 – Fortgehen oder bleiben
  • 3 // DIE EIFERSUCHT DER PENELOPE
  • 4 // ODYSSEE INS EXIL Teil 1 – DAS WOHLERGEHEN DER KINDER
  • 5 // TELEMACHIE I – Penelope ist verliebt
  • 6 // DIE ZWEIFEL DER PENELOPE
  • 8 // ODYSSEE INS EXIL TEIL 2 – Zwischen Skylla und Charybdis
  • 9 // DIE ANKLAGE DER PENELOPE
  • 10 // PENELOPE IM KRIEG
  • 11 // TELEMACHIE II – Penelope hat Liebeskummer
  • 12 // PENELOPE WARTET 10 JAHRE
  • 13 // ODYSSEE INS EXIL TEIL 3 – Die Ängste der Kinder
  • 14 // DAS VERSTUMMEN DER FRAUEN
  • SZENE 14.1. FRAUEN ALS OPFER DES KRIEGES
  • 15 // TELEMACHIE III – Penelope wird verlassen
  • 16 // PENELOPE WARTET 20 JAHRE
  • 17 // DIE SUCHE DER PENELOPE
  • 18 // PENELOPE AM ENDE DES WARTENS
  • 19 // DREI ABSCHIEDE DER PENELOPE

Es ist ein vielleicht noch direkterer Angang an das aktuelle Thema der aus der Ukraine flüchtenden Frauen, als es vor kurzem an den Münchner Kammerspielen in Green Corridors zu sehen war (HIER mein damaliger Beitrag). Beides war interessant und hilfreich! In Green Corridors kam (auch wichtig) das Nationalgefühl der UkrainerInnen noch hinzu. Bei Odyssee geht es mehr um Einzelschicksale, daneben auch in einem zweiten „Strang“ um das Thema „Erste Liebe“ der jungen Generation, den Weg in die Zukunft zeigend.

Das Warten und die Ungewissheit der Penélope werden ja auch Gegenstand des Stückes Il ritorno/Das Jahr magischen Denkens sein, das ich gegen Ende Mai an der Bayerischen Staatsoper (Cuvillestheater) sehen werden. Als Teil des kleinen Festivals Ja, Mai der bayerischen Staatsoper zum Thema „Erwartung“.

Il Ritorno ist eine der ersten Opern, von Monteverdi. Theater und Oper werden sich auf der Bühne direkt gegenüberstehen. Auch das wahrscheinlich ein interessanter – wieder ein anderer – Blick auf dieses Thema, zumal es gekoppelt ist mit dem Buch „Das Jahr magischen Denkens“ von Joan Didion, die darüber schrieb, dass sie nach dem Tod ihres Mannes im Grunde nicht davon loskam, seine Rückkehr erwartete.

Das Stück Odyssee ist demnächst noch mehrfach in Düsseldorf zu sehen. HIER ein Trailer.

Hier noch zwei Aufnahmen aus der Produktion:

  1. Musikalisch geradezu beeindruckend waren sie:

2. Und:

Copyright der Aufnahmen: Sandra Then

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Gesehen und gehört

THEATERTREFFEN EXTRA: Die Odyssee – nach Homer (Thalia Theater Hamburg)

Noch ein paar Tage lang kann man auf 3sat Die Odyssee – Eine Irrfahrt nach Homer, Inszenierung am Thalia Theater in Hamburg von Antu Romero Nunes, sehen. In der Mediathek kann man sie abrufen. Wer einen feinen, lustigen Theaterabend haben möchte, sollte es sich ansehen.

In der Ankündigung auf 3sat heißt es zurecht: „Einer der lustigsten Theaterabende seit langem, da sind sich Publikum und Kritiker einig.“

Die Söhne von Odysseus, Telegonos und Telemachos, treffen sich zur Beerdigung des Vaters. Es geht nur wenig um die Irrfahrten des Vaters. Es sind eher die Dialoge der Brüder, die sich nicht kannten. Sporadisch tauchen aber immer wieder Anspielungen an die Odyssee auf. Auch wenn nur der Name Achill fällt. Oder wenn sie den Kriegerhelm von Odysseus aus dem Sarg holen. Oder wenn die Söhne das heldenhafte Kriegsgeschrei des Vaters nachahmen. Sie sprechen übrigens in einer Kunstsprache!

Die beiden Söhne gehen unterschiedlich mit ihrer Situation um. Jeder staunt immer wieder über den anderen. Jeder lässt sich vom anderen mitreißen. Telegonos, mit Zauberfähigkeiten ausgestattet, sieht alles etwas unbedarft. Telemachos dagegen sieht alles um Einiges ernster. Es geht irgendwie darum: Die Odyssee könnte im Rückblick Quatsch sein – es wird aus damaliger Sicht aber alles auch unglaublich heroisch gewesen sein. Im Hintergrund der Bühne hängt auch ein großes Bild des grimmig dreinblickenden Kirk Douglas, Darsteller von Odysseus. Und genauso das Leben: Es könnte alles Quatsch sein – es ist aber nun einmal da.

Dieses Hin und Her der Gefühle zwischen Ernst und Quatsch spielt sich zwischen Telegonos und Telemachos am Sarg von Odysseus ab. Es ist eigenartig kindlich humorvoll und andererseits erwachsen ernst und demütig. Zeitlos ist es und verglichen wird es ansatzweise mit „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett. Nur im Kern einfach humorvoller. Ich habe auch lange nicht mehr an einem Theaterabend trotz des schweren Titels „Die Odyssee“ so oft schmunzeln oder auflachen können.

Copyright des Blogbildes: Armin Smailovic, Thalia Theater

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Gelesen und geblättert Sonstiges

SONSTIGES: Skylla und Charybdis

So läuft das zurzeit: Gestern abend … ich war „überraschenderweise“ in den Kammerspielen, Lange Nacht der neuen (deutschsprachigen) Dramatik (war gut, fünf Stücke wurden vom gesamten Ensemble gelesen und teilweise gespielt) … in der Pause habe ich dann ein Büchlein  von Frank Wedekind gekauft, Frühlings Erwachen … weil ich demnächst wiederum (vielleicht) in den Kammerspielen das Stück 50 Grades of Shame ansehen möchte, das auf Wedekinds Frühlings Erwachen beruht … und im Text von Wedekind heißt es dann: „Ich glaube, das ist eine Charybdis, aus der sich jeder stürzt, der sich aus der Skylla …. emporgerungen … ich war früher am humanistischen Gymnasium … also fragte ich mich kurz: Was war das nochmal mit Skylla und Charybdis? … ich habe nachgelesen, man liest ja manchmal „Zwischen Skylla und Charybdis„: In Homers Odyssee haust das Ungeheuer Skylla auf dem größeren von zwei sich gegenüberstehenden Felsen der Meerenge und Charybdis unterhalb des kleineren Felsens, auf dem ein großer Feigenbaum steht. Sie (Charybdis) saugt dreimal am Tag das Meerwasser ein, um es danach brüllend wieder auszustoßen. Schiffe, die in den Sog geraten, sind verloren, nicht einmal der Meeresgott Poseidon vermag diese Schiffe zu retten. Auf den Rat von Kirke meidet Odysseus die Charybdis, gerät dabei aber unweigerlich so nahe an Skylla heran, dass sie sechs der Gefährten tötet und frisst. Auf der Rückfahrt von der Insel des Helios kommen die übrigen Gefährten wegen der verbotenen Tötung von Helios‘ Rindern bei einem Sturm ums Leben, sodass Odysseus auf dem zertrümmerten Schiff die Meerenge allein passieren muss. Als Charybdis das Schiff einsaugt, klammert er sich am Feigenbaum fest, bis es wieder ausgespien wird, und rudert auf den Trümmern mit den Händen davon.

Tja, so ist das Leben. Mal sehen, wohin mich Wedekind noch treibt in meiner Odyssee.

http://www.sigmabooks.gr/images/mapEurope_Argonauts_small_tasks/mapEurope_Argonauts_small_tasks_19Scylla_ge.jpg