Kategorien
Sonstiges

THEATER: Kammerspiele – Plakataktion

MünchnerInnen aufgepasst! Auf Litfasssäulen etc.! Ein Teil der Verabschiedung von Matthias Lilienthal als Intendant der Münchner Kammerspiele ist eine seit Freitag, den 26.06.2020, laufende Plakataktion. Eine Art Geschenk an die Münchner.

Thema: Das öffentliche Erleben von Kunst und Kultur ist bekanntlich immer noch auf ein Minimum reduziert. Eine gefährliche Situation, die nicht Bestand haben darf! Die Münchner Kammerspiele haben ausgewählte Künstler*innen nach Entwürfen und Motiven von Plakaten zum Thema „WELT OHNE KUNST“ gefragt. Die Ergebnisse sind nunmehr als Open-Air-Ausstellung vom 26. Juni an bis zum Ende der Spielzeit auf bereits gemieteten Plakatflächen der Kammerspiele in ganz München zu sehen.

Abschließen wird die Intendanz von Matthias Lilienthal übrigens wahrscheinlich – Näheres ist noch nicht bekannt – am 17. Juli mit einer Veranstaltung im Olympiastadion mit Team, Ensemble und Zuschauern!

Meine Lieblingsmotive der Plakataktion sind (eigene Fotos, nicht immer beste Qualität):

undefined Gestaltung Gregor Hildebrandt, Professor für Malerei und Grafik an der Münchner Akademie der Bildenden Künste.

undefined Gestaltung Philippe Quesne, ein Szenenbild seiner 2016er Inszenierung Caspar Western Friedrich, einer meiner Lieblingsinszenierungen der vergangenen fünf Jahre. Der Mensch und die Natur war das Thema, das damals sehr poetisch aufgegriffen wurde.

undefined Gestaltung Milo Rau, der leider in den vergangenen 5 Jahren keine Repertoirearbeit an den Kammerspielen machte. Die Kammerspiele wirkten an Koproduktionen mit und Milo Rau hatte Gastaufführungen.

undefined Gestaltung Henrike Naumann, Künstlerin, geb. in der DDR, international ausgestellt, zuletzt im Münchner Haus der Kunst, Möbel als Ausdruck von Zeitgeist sind ihr Schwerpunkt.

undefined Gestaltung Tobias Rehberger, „Ausgeraucht“, Grenzgänger zwischen Kunst, Design und Architektur, ausgezeichnet 2009 mit dem Goldenen Löwen auf der Biennale in Venedig.

undefined Gestaltung im Einvernehmen mit Elfriede Jelinek, der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin (2004), deren Stück „Wut“ ja in den vergangenen Jahren lief. Es war damals eine Arbeit des Regisseurs Nicolas Stemann.

Copyright des Beitragsbildes oben: Judith Buss

Kategorien
Allgemein Sonstiges

SONSTIGES: Das Ende des Zweiten Weltkriegs

Heute vor 75 Jahren – am 8. Mai 1945 – endete mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht der Zweite Weltkrieg. ——————————————————————-

Trotz Corona – trotz z. B. meiner Blogthemen Theater, Literatur oder Musik – was auch immer: Wir sollten uns – alle – an jedem Ort, egal wo – auch hier im Blog – über diesen Tag und die damalige Zeit Gedanken machen.

Unfassbare und unmenschliche Jahre!

Ich empfehle in diesen Tagen die ergreifende, sehr gelobte zweiteilige Dokumentation „Berlin 1945“ in der Mediathek von ARTE HIER ist der Link zu Teil 1. Und HIER ist der Link zum erschütternden Teil 2. Ich selber war tief erschüttert und froh, es gesehen zu haben.

Es gibt Fragen, zu denen wir peu á peu die Antworten vergessen oder nicht mehr finden! Auch ich: Wie gerne hätte ich in diesen Tagen noch mit meinen vor wenigen Jahren verstorbenen Eltern über die Zeiten des Krieges, die Zeiten nach dem Krieg, ihre Eltern und ihre Erlebnisse gesprochen. Wie gerne hätte ich erfahren, wie sie die Zeiten nach dem Krieg überhaupt geschafft und erlebt haben! Was haben sie sich gedacht?

Ich biete hier einen 6-minütigen Auszug aus dem Dresdner Requiem von Rudolf Mauersberger, das 1949 entstand. Auch das vollständige Requiem findet sich auf Youtube. Hier also ein Solo hieraus, die sogenannte Trauermotette, gesungen von Peter Schreier, der damals noch ein Junge vor dem Stimmbruch war. Er war weltbekannter Tenor und starb vor wenigen Monaten, am 25. Dezember 2019.

In der Zeit, in der man sich dieses wunderschöne Solo anhört, sollte man sich ausschließlich den Gedanken an die Zeit während und nach dem 2. Weltkrieg hingeben!! Oder besser: Einmal hören und ansehen und einmal Gedanken machen! Hier:

Gibt es noch Gelegenheit, mit Zeitzeugen darüber zu reden? Nutze/nutzen Sie sie schnell!

Kategorien
Sonstiges

SONSTIGES: Goldener Löwe für den besten nationalen Beitrag auf der Biennale 2019 in Venedig

Der Gewinner des Goldenen Löwen 2019 für den besten nationalen Beitrag auf der Biennale 2019 in Venedig ist seit Mai bekannt. Es ist der Beitrag für Litauen. Da der Beitrag eher eine Performance, kein „stehendes“ Kunstwerk, ist, bringe ich hier in einen kleinen Beitrag.

Er heißt Sun & Sea (Marina) vom Künstlerinnentrio Rugilė Barzdžiukaitė, Vaiva Grainytė und Lina Lapelytė. … Gesundheit …

Worum es geht? Es heißt:

Die Opernperformance „Sun & Sea (Marina)“ auf einem künstlichen Strand übt Kritik am Lebensstil des vielen Reisens, Konsums und Arbeitens.

Nach dem Motto: Wir leben völlig falsch, aber wir machen weiter so. Dem Untergang entgegen, aber wir legen uns in die Sonne! Die Leiterin der Jury, die Direktorin des Berliner Martin-Gropius-Baus Stephanie Rosenthal, sagte:

„Das Libretto war wirklich hervorragend. Es zeigt uns, wo wir im Moment als Gesellschaft stehen: Das geht vom Workaholic zu den Zwillingen, wo einer im 3D-Drucker entstanden ist, bis zu ganz wesentlichen Passagen über Klimawandel. Und das alles verpackt in so einer grotesken Opernsituation, die man von oben sieht, wo man weiße Körper sich in der Sonne aalen sieht auf künstlichem Sand.“ Es handle sich hierbei um „groteskes Theater“, das den momentanen Zustand der Gesellschaft sehr gut zeige.

Das Libretto ist HIER. Man muss es sich ansehen, unbedingt reinlesen, um die Performance zu verstehen.

Hier der weitere Blick in den „Ausstellungsraum“:

Hier ein Video zum Ganzen:

Und HIER die Website zur Performance.

Kategorien
Allgemein Sonstiges

SONSTIGES: Ernst Krenek – Karl V.

Ich habe es mir auf eine Empfehlung hin angesehen, klassische Opern sind ja an sich nicht mein Thema und nicht Thema dieses Blogs. Ernst Krenek‘s „Karl V.“ ist aber keine klassische Oper, es ist ein – heißt es – „Bühnenwerk mit Musik“, hätte also geradezu auch Theaterelemente, sagte man mir.

Das „Bühnenwerk mit Musik“ wird seit Februar 2019 in unregelmäßigen Abständen am Nationaltheater München gezeigt und ist nun erneut – es folgen in Kürze und im Oktober wieder Aufführungen des Stückes (HIER die nächsten Termine) – im Rahmen der Münchner Opernfestspiele zu sehen.

Es wurde kein leichter, aber ein durchaus beeindruckender Abend. Zum einen war mir bislang das Leben von Karl V. kaum bekannt. Zum anderen handelt es sich bei dem Bühnenwerk von Ernst Krenek um ein Werk der Zwölftonmusik. Es gab also auch zwei zentrale Fragen: Wer war eigentlich Karl V.? Und was ist eigentlich Zwölftonmusik genau genommen?

Nun, zunächst zur zweiten Frage: Die Zwölftonmusik. Natürlich denkt man zunächst an Arnold Schönberg, den Begründer der Zwölftonmusik in den Jahren um 1920. Aber es gab eben auch Mitstreiter. Einer davon war – eher am Rande – Ernst Krenek. Karl V. ist die erste „Oper“ in Zwölftonmusik geworden. Eine schöne Erklärung der Methode der Zwölftonmusik gibt anlässlich der Aufführung von „Karl V.“ das Nationaltheater in DIESEM Video. Wie sich die „Oper“ dann anhört? Einen Trailer zu Karl V., in dem man einen kurzen Eindruck von der Musik erhält, gibt es HIER. Schwierig, aber interessant.

Und wer war Karl V.? Es ist ja alles erst wenige Jahrhunderte her! Mein Gott, was sind schon 500 Jahre! Karl lebte 1500 – 1558. Nicht weit weg von Shakespeares Zeiten, der ja die Theaterwelt heute auch noch prägt. Shakespeare lebte 1564 – 1616. HIER ein schönes, erklärendes Video des ZDF zur Bedeutung Karls V. Er war ja ein Weltherrscher, der den katholischen Glauben weltweit verbreiten wollte. Und es war die Zeit Luthers, der Reformation. Alle vom ZDF im obigen Video genannten Elemente finden sich auch in Ernst Kreneks Bühnenwerk „Karl V.“ Dort geht es ja um das Leben von Karl V., darum, dass Karl V. vor seinem Tod gegenüber einem jungen Mönch sein Leben und sein Werk noch einmal Revue passieren lässt und sich rechtfertigt, als eine Übung seiner noch bevorstehenden Rechtfertigung vor dem Jüngsten Gericht. Zusätzlich zu dem, was im Video des ZDF erklärt wird, geht es in Krenek’s Werk auch noch um den Krieg mit Frankreich. Darauf geht das Video garnicht ein.

HIER übrigens noch etwas: Ein Video mit den bekannten Playmobilfiguren zum Inhalt von Krenek’s „Oper“ Karl V. Wieder einmal gut gemacht.

Mit all diesen Videos ist man wirklich bestens vorbereitet. Weitere Informationen mit viel Bildmaterial zur Inszenierung von „Karl V.“ findet man auf der WEBSITE der Bayerischen Staatsoper.

Es ist eine Inszenierung des Spaniers Carlus Padrissa, der weltweit meist Opern inszeniert. Er ist Mitbegründer des Performance-Kollektivs La Fura Dels Baus. HIER die Website des Kollektivs. Auch Marc Molinos, der für das bei der Inszenierung nicht unwichtige Videodesign von „Karl V.“ verantwortlich ist, arbeitet eng mit diesem Kollektiv zusammen. Die Inszenierungen von Carlus Padrissa werden auch schon mal als „visueller Overkill“ bezeichnet. HIER etwa, von BR Klassik.

So war es auch bei „Karl V.“. Teilweise gewaltig schöne Bilder. Fast jedes einzelne Bühnenbild – und es gab wahrlich viele Einzelbilder – wäre es für sich wert gewesen, es länger zu betrachten. Meistens sehr abstrakt gehalten, hoch geschmackvoll, beeindruckend! Nicht nur die riesigen Videos im Hintergrund – oft riesige abstrakte Wandbilder -, nein auch die Gestaltungen auf der Bühne. Sie vergingen fast zu schnell. Dennoch ist für mich fraglich, warum das sein muss. Meines Erachtens leiden sogar Musik und Inhalt darunter, zumal die Zwölftonmusik durchaus anstrengend sein kann. Ich habe teilweise auch nicht die Zusammenhänge zwischen Bühnenbild und Inszenierung und Inhalt erkennen können. Alles gigantisch. Gut, Karl V. dachte auch gigantisch, aber eben zu gigantisch. In seinem Reich sollte die Sonne nie untergehen.

Die Kostümierung der Mitwirkenden und die Erscheinung von Karl V. war mir dabei ein völliges Rätsel. Warum hat Karl V. denn wie ein Punk fünf Hörner auf dem Kopf (siehe das Beitragsbild oben)? Und ich als Theaterfreund würde sagen: Karl V. wurde in seiner Erscheinung zu monoton dargestellt. Er schleicht im Grunde durchgehend als leidender alter Mann über die Bühne.

Also: Wenn man sich für Karl V. und die Zwölftonmusik interessieren will und wenn man den visuellen Overkill von La Fura Dels Baus erleben will, lohnt es sich allemal. Hier noch zwei Bilder der Inszenierung:

©️ des Beitragsbildes oben: Auch Wilfried Hösl

Kategorien
Sonstiges

SONSTIGES: Politik

Ich lese heute, Donnerstag, 23. Mai 2019, etwas in der Süddeutschen Zeitung, was ich interessant finde und daher hier aktuell bringe: Wenige Tage vor der Europawahl! Geht wählen und stimmt für klare Linien! Nehmt euch die Zeit, schaut das Video (im folgenden Absatz) an, denkt darüber nach und klärt, welcher Partei ihr folgen möchtet!

Der erfolgreichste politische Kommentar dieser Woche ist laut der SZ nämlich ein Youtube-Video (auf „YouTube-Video“ klicken und schon ist man drin). Bis heute – Stand: Samstag, 25. Mai 2019 – wurde es über 10 Millionen mal angeklickt! Es trägt den Titel „Die Zerstörung der CDU“. Der Youtuber, der sich Rezo nennt, rechnet darin mit der Regierungspolitik der vergangenen Jahre ab. Locker, unbedarft, wohl ganz gut vorbereitet, nicht unsympathisch, nicht aggressiv, nicht verletzend. Eigentlich geht es ohnehin nicht nur um die CDU, sondern um die Regierungen der letzten 20 Jahre. Er fragt, wie es eigentlich sein könne, dass Wissenschaftler weltweit geschlossen vor dem Klimawandel warnen und der Kohleausstieg trotzdem in die ferne Zukunft verschoben wurde. Warum es die Bundesregierung den USA erlaube, ihre womöglich völkerrechtswidrigen Drohnenangriffe auch von Deutschland aus zu koordinieren. Oder warum Deutschland im internationalen Vergleich so wenig für Bildung ausgibt.

Alle Behauptungen sind mit Quellen aus Medien und Wissenschaft belegt, fast 13Seiten umfasst die Literaturliste zu dem Video. Mehrere Hundert Stunden Recherche durch Rezo und seine Mitarbeiter sollen in das Video geflossen sein. Ich gehe mal davon aus, dass nicht alles zu 100 % stimmen wird. Es werden natürlich berichtigende Antworten kommen. Eine davon (Herr von Altenbockum von der FAZ) findet sich HIER. Er hat Gegenargumente. Allerdings scheint es bockig, gleich wieder alles – am besten unter dem Stichwort „Populismus“ – zurückzuweisen. Vieles an Rezos Darlegungen ist doch auf jeden Fall in der Grundtendenz völlig richtig.

Deutschland und Europa verzetteln sich doch in der Tat immer mehr. Warum werden nicht klare Entscheidungen getroffen? Es gab einmal kluge Männer, die alles etabliert haben, ohne sich zu verzetteln und ohne sich davor kaputt reden zu lassen. Das Grundgesetz ist sicherlich ein ganz ganz großes Werk, es war eine ganz ganz große Entscheidung in schwierigen Zeiten. Warum gibt es nicht auch heute wieder solche großen Entscheidungen? Muss alles ewig ausdiskutiert und kommentiert und zerredet werden? Wo sind die klaren Entscheidungen? Wozu haben wir gewählt? Die Zeiten heute sind mindestens so schwierig wie damals, zu Zeiten des Grundgesetzes 1949. Seht das Video.

Wir brauchen ihn, den großen Wurf, der die Dinge in einigen Bereichen einmal deutlich voranbringt. Vor allem in Umweltfragen. Wir brauchen keine Verzettelung. Wir brauchen keine Diskussion darüber, ob Schulen Strafen aussprechen sollen gegen Kinder und Eltern, weil diese für ihre Zukunft demonstrieren. Wir können auch nicht alles dem freien Lauf der Marktwirtschaft überlassen. Sie ist nicht entschieden genug. Für sie spielt natürlich immer der unternehmerische Gewinn die größte Rolle. Ist ja auch gut, es hängen die Arbeitsplätze davon ab. Die freie Marktwirtschaft ist entscheidend, aber: Wir brauchen politische Klarheit, politische Schritte.

Warum fährt Angela Merkel – ein krasser Vorschlag – nicht nach China und vereinbart einen revolutionären Umweltplan? In die USA bräuchte sie nicht zu fliegen. Sollte sie nicht viel mehr Überzeugungsarbeit leisten? Den Kleinkram ihren Ministern überlassen. Klar, zur Not geht’s auch ohne China, man muss ja auch erst einmal vor der eigenen Haustüre kehren. Aber wirklich kehren! Den Dreck vor der eigenen Haustür nicht immer wieder neu verteilen! Nicht ständig sagen „Ich kehre ihn ja weg!“ und ihn dann doch liegen lassen. Wo sind die ganz großen Persönlichkeiten?

Den Dreck vor der Haustür wirklich wegkehren!! Wählen gehen!

:

Kategorien
Sonstiges

ÜBRIGENS …

Nochmals: Ich habe erfahren, dass die Abonnenten des Blogs per E-Mail immer nur die ERSTE Version des jeweiligen Beitrags erhalten, obwohl ich fast immer nachträglich (manchmal ganz kurz nach Veröffentlichung des Beitrags) noch Korrekturen und Ergänzungen am Beitrag vornehme und der Beitrag dann oft erst mit der ZWEITEN Version lesbar und auch interessanter wird. Ich füge etwa manchmal weitere interessante Links zu einem Beitrag ein.

DAHER: BEI ERHALT DER E-MAIL EINFACH KURZ AUF DIE ÜBERSCHRIFT DES BEITRAGS KLICKEN, DANN KOMMT MAN AUF DIE JEWEILS AKTUELLE FASSUNG DES BEITRAGS. ODER WWW.QOOZ.DE EINGEBEN!

Kategorien
Allgemein Sonstiges

SONSTIGES: Ein Augenblick.

Ein nicht so schlechter Text aus Richard Powers‘ „Die Wurzeln des Lebens“. So kann man es auch sehen. Das Beitragsbild oben ist aus „Caspar Western Friedrich“ von Philippe Quesne, das 2017 an den Kammerspielen gezeigt wurde. Das Verhältnis des Menschen zur Natur.

Der Text:

„Stellen wir uns vor, der Planet wird um Mitternacht geboren, unsere Lebensspanne beträgt genau einen Tag.

Zuerst ist da nichts. 2 Stunden vergehen allein mit Lava und Meteoren. Leben zeigt sich erst gegen drei oder vier Uhr morgens. Und auch da sind es nur die einfachsten selbstreplizierenden Bausteine. Von der Morgendämmerung bis zum Vormittag – eine Million Millionen Jahre Verzweigungen – nichts als simple, schlichte Zellen.

Dann ist da alles. Etwas Unglaubliches geschieht, kurz nach Mittag. Eine Variante dieser einfachen Zellen versklavt einige andere. Zellkerne bekommen Membranen. Zellen entwickeln Organellen. Was anfangs ein Zeltplatz für einen war, entwickelt sich nun zur Stadt.

Der Tag ist zu zwei Drittel um, als die Wege von Pflanzen und Tieren sich trennen. Und trotzdem besteht das Leben immer noch nur aus Einzellern. Es wird schon dunkel, als sich die ersten komplexeren Zellgebilde zeigen. Alle größeren Lebensformen sind Spätankömmlinge, stellen sich erst nach Einbruch der Dunkelheit ein. Neun Uhr abends beschert der Welt Quallen und Würmer. Später in derselben Stunde beginnt das Gewimmel – Rückgrat, Knorpelgewebe, eine Explosion der Körperformen. Von einem Augenblick auf den anderen sprießen überall in der sich immer weiter ausbreitenden Krone neue Äste und Zweige und wachsen in rasendem Tempo.

Um kurz vor zehn ziehen die ersten Pflanzen an Land. Dann Insekten, die sich sogleich in die Lüfte erheben. Augenblicke später kommen Landwirbeltiere aus dem Schlamm am Gezeitensaum gekrochen und bringen auf ihrer Haut und in ihrer Eingeweiden ganze Welten aus älteren Geschöpfen mit. Als es elf schlägt, ist die Zeit der Dinosaurier schon vorbei, und sie übergeben das Kommando für eine Stunde an die Säuger und Vögel.
Irgendwo in diesen letzten sechzig Minuten, hoch oben, fast am oberen Rand des stammesgeschichtlichen Blätterdachs, entwickelt das Leben Bewusstsein. Die Geschöpfe fangen an zu spekulieren. Tiere bringen ihren Kindern bei, was Vergangenheit und Zukunft sind. Tiere lernen, wie sie Rituale abhalten.

Der im anatomischen Sinne moderne Mensch taucht vier Sekunden vor Mitternacht auf. Erste Höhlenmalereien gibt es drei Sekunden darauf. Und im Tausendstel eines Klicks des Minutenzeigers löst das Leben das Geheimnis der DNA und macht sich erstmals ein Bild vom Baum des Lebens. Als die Mitternacht kommt, besteht fast der gesamte Erdball aus Monokulturfeldern, zur Erhaltung und Ernährung einer einzigen Spezies. Und das ist der Moment, in dem sich der Baum des Lebens von neuem verwandelt. Der Augenblick, in dem der mächtige Stamm ins Wanken gerät.“

©️ des Fotos: Martin Argyroglo, Münchner Kammerspiele.

Kategorien
Sonstiges

SONSTIGES: Jahreswechsel

©️ Joseph Beyer, Münchner Kammerspiele. Szene aus WUSS an den Kammerspielen.

Und: Das Folgende aus der Ankündigung von „New Beginnings“, einem 64-Stunden Projekt von Alexander Giesche (HIER zu seiner Person), das im vergangenen Jahr auch an den Münchner Kammerspiele stattfand (HIER der Link zur damaligen Ankündigung auf der Website der Kammerspiele). Beides waren/sind durchaus unübliche Veranstaltungen.

„… Eines an Live-Peepshows aber war radikal anders als im Internet: die Kopräsenz der Kommunizierenden in einem Raum. Und auch im Theater, dem anderen Ort, der den Blick und das Zeigen kultiviert, gibt es diese Kopräsenz einer Gruppe von Menschen. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass in jedem Moment … ganz konkret und unmittelbar eine andere Welt, ein anderer Moment zusammen gestaltet werden könnte.“

Für 2019 also wäre ein mögliches Motto:

OPEN YOUR EYES.

Und zwar immer wieder in den Bereich hinein, der über das Gewohnte hinausgeht. Wenn man immer im Gewohnten bleibt, denke ich, kann man die Augen ja irgendwann gleich verschließen. Aber gerade dann, wenn man im ungewohnten Bereich ist, fängt man an, seine eigene Einstellung zu überdenken. Könnte man sagen.

ALLEN EINEN GUTEN RUTSCH INS NÄCHSTE JAHR!

Kategorien
Sonstiges

SONSTIGES: Advent – Es naut die Blacht …

https://m.youtube.com/watch?v=v1SwcR5Vwis

Advent Advent

Kategorien
Sonstiges

QOOZ – AUS DEM LEBEN

Es wird sich in der kommenden Woche Einiges im Blog ändern. (Am Dienstag, den 11.12.2018, HAT sich Einiges im Blog geändert!). Nicht nur der Name. Der Leser muss allerdings NICHTS tun. NICHTS! Er wird auf die neue Seite geleitet. Der neue Titel des Blogs heißt QOOZ. Es wird sicher sehr schön!

Warum QOOZ? Den Titel habe ich schon lange im Kopf, bin irgendwie drauf gekommen. Quo? Quis? Quid? Qua? Quando? Qualis? Quam-diu? Quomodo? Quid-ni? Quanti? und so weiter … Die Fragewörter der deutschen Sprache beginnen ja (meistens) mit einem „W“. Die W-Wörter. Im Lateinischen beginnen sie (oft) mit einem „Q“, es sind lauter Q‘s, also QOOZ. Da es in diesem Blog ja vor allem zum Theaterwesen im Kern um Fragen geht wie: Wer macht was? Wann? Wo? Wie? …

QOOZ – AUS DEM LEBEN. AB 11. DEZEMBER 2018 – RECHTZEITIG ZU WEIHNACHTEN!

Kategorien
Sonstiges

SONSTIGES: Kasper König

ACHTUNG!  Über den Abend, zu dem ich hier schreibe, ist eine Diskussionen entstanden. Dem einladenden Moderator Kasper König wird vorgeworfen, sich gegenüber den Gästen, vor allem gegenüber Cana Bilir-Meier, herabwürdigend geäußert zu haben. Die Kammerspiele haben daher den Mitschnitt der ganzen Veranstaltung online gestellt. Jeder kann sich ein Bild machen.

HIER  der Link. Akustisch schwer verständlich, aber es geht.

Was ich kurz nach der Veranstaltung geschrieben hatte:

Ich war wieder auf einem dieser Abende, die man kaum versteht. (Ich gebe mir zwanzig Minuten Zeit, um kurz dazu zu schreiben.)

Interessant, was andere, sehr engagierte, schlaue Menschen so drauf haben! Es war ein Abend in der Gesprächsreihe mit Kasper König, einer der „herausragenden Persönlichkeiten der internationalen Kunstwelt und langjähriger Direktor renommierter Ausstellungsorte wie Portikus in Frankfurt a. M. oder Museum Ludwig in Köln“. Alle zwei Monate findet in den Kammerspielen ein solcher Abend statt. „Kasper König &“ heißt die Serie. Kasper König trifft sich in „Kammer 3“ in der Regel mit ausgewählten KünstlerInnen und KuratorInnen zu einem Podiumsgespräch. Auch manchmal unter Teilnahme der ZuschauerInnen (ZuhörerInnen). Dieses Mal ging es sehr lange, war sehr engagiert, kontrovers – unter reger und interessanter Teilnahme von ZuschauerInnen.

Zu Gast waren dieses Mal die jungen KünstlerInnen Cana Bilir-Meier, Henrike Naumann, Wilhelm Klotzek. Es sollte darum gehen, was man in der Kunst mit dem Begriff „Heimat“ anfangen kann. Zu Gast am 17. Dezember ist Michaela Meise. HIER die Ankündigung und Infos zu Michaela Meise. Bereits zu Gast waren Alexandra Pirici, Frances Morris, Thomas Bayrle, Helga Fanderl, Okwui Enwezor, Jeremy Deller, Lisa Endriss, Joanna Warsza.

Ich wusste schon, was mich erwartet: Kasper König redet oft in schier unaufhörlich langen Sätzen und man wird in seinen schön unkonventionellen Sätzen innerhalb weniger Sekunden auf verschiedenste Aspekte zu einem Gesichtspunkt geschleudert. Immer aber mit sehr großem und offenem Weitblick! Im Grunde kann man seine Aussagen garnicht so verstehen, wie er sie meint. Soviel ist in jedem verworrenen Satz drin. Diesmal hatten die drei Gäste ihre Arbeiten zum „Rechtsruck“ der Gesellschaft vorgestellt, bevor Kasper König eigentlich versteckt vor allem die Arbeit von Cana Bilir-Meier kritisierte. Cana Bilir-Meier hatte ihre sehr dokumentarische Arbeit über die islamische Moschee in Freimann und deren Gründung 1969 erklärt. Es ergab sich im Laufe des Abends dann vor allem ein Thema:

Was ist denn überhaupt Kunst?

Kasper Königs Ansicht (glaube ich): Kunst besteht am besten außerhalb der Gesellschaft. Nicht innerhalb der Gesellschaft. Innerhalb der Gesellschaft herrscht ja eine gewisse ständige Selbstbestätigung und ein gewisses Phlegma (meine Worte). Und Kunst könnte ja nur etwas bewirken, wenn es nicht an dieser Selbstbestätigung teilnimmt!  Und „etwas bewirken“ heißt ja, dass die Gesellschaft auch durch Kunst weiterkommt! Kunst schleicht sich gewissermaßen in die Gesellschaft ein und verkauft sich allenfalls als Kunst! Aber der Kunst geht es eigentlich gar nicht darum, Kunst in der Gesellschaft zu sein! Sie will nicht der Bestandteil „Kunst“ in der Gesellschaft sein! Das kann ich gut nachvollziehen!  Soweit ich es verstehe! Ich bin ja kein Philosoph. Kasper König sagte auch, da sei es in München schwer: In München habe man alles, die Berge, die Seen, eine wunderschöne Stadt, etc. Kunst und Kultur solle in München das Schöne am besten nur ergänzen. Das sei dann aber eben eher „Kunst zur Verschönerung des Lebens“ (meine Worte), könnte man sagen. Fand ich interessant. Ich finde, es lohnt sich in der Tat, künftig einmal darauf zu achten, in wieweit das, was ich mir so ansehe, innerhalb oder außerhalb der Gesellschaft steht! Wie weit ist es weg vom  gesellschaftlich Gewohnten! Nun, das nur kurz in meinen Worten. Kasper König wird den Kopf schütteln bei diesen amateurhaften Betrachtungen.

Ein weiterer Aspekt jedenfalls, der auch kurz angesprochen wurde: Wir leben aktuell in Zeiten, in denen wir wieder über alles reden müssen! Reden, diskutieren, hören, überdenken etc. Auch interessant!

©️ des Beitragsbildes: Arne Wesenberg

Kategorien
Sonstiges

SONSTIGES: Ballett – Georges Balanchine – Jewels

„Reich“ ist das Motto des Festivals „Politik im freien Theater“, über das ich zur Zeit viel schreibe – also der Kontrast „Arm und Reich“. Und was mache ich sonst? Ich schaue mir doch glatt auch noch „JEWELS“ am Bayerischen Staatsballett an! Also Wohlstand pur. Keine Frage, es war ein Schritt zurück in alte Zeiten. Choreografie von 1967! Wunderschön, bewundernswert, aber eben veraltet, die Zeiten haben sich geändert. „Aktuelles“ sieht man derzeit auf dem Theaterfestival „Politik im freien Theater“, „alte Zeiten“ sieht man in wunderbarer Schönheit daneben im Ballett „Jewels“.

Der Tanzvisionär George Balanchine, der in St. Petersburg geboren wurde und aufwuchs, dann das New York City Ballet gründete und bis zu seinem Tod 1983 leitete, hatte sich damals – um 1967 herum – von der SCHMUCKAUSLAGE eines Juweliers auf der Fifth Avenue inspirieren lassen! Damals war Reichtum eben noch bewundernswert, heute ist es ja eher problematisch! Wobei: Ich muss sagen, es ist klasse, dass es Reichtum gibt! Was wäre ohne Reichtum? Dann hat Balanchine jedenfalls die drei Teile des Balletts jeweils nach einem Juwel benannt und auch Kostüme, Bühnenbild und Choreographie farblich und stilistisch an die Edelsteine angelehnt. Mit genau dieser Choreografie wird Jewels derzeit in München gezeigt.

Gleichzeitig ist das Ballett eine HOMMAGE an die drei Länder und Balletttraditionen, die seine Biographie stark geprägt hatten: Emeralds (Frankreich), Rubies (Amerika) und Diamonds (Russland). Jewels gilt als erstes abendfüllendes „abstraktes Ballett“´der Tanzgeschichte – also ohne eine Story zu erzählen.

ÜBRIGENS: Das Bayerische Staatstheater ist die einzige Kompanie weltweit, die neben dem New York City Ballet das Bühnenbild von Peter Harvey – er zeichnete schon bei der Uraufführung von Jewels für das Bühnenbild verantwortlich – von 2004 zeigt.

AUCH DIE KOSTÜME folgen den originalen Entwürfen von Balanchines Kostümbildnerin und Oscar-Preisträgerin Barbara Karinska, die sie 1967 für die Uraufführung von Jewels konzipiert hatte. Balanchine würdigte sie mit den Worten: „There is Shakespeare for literature and Madame Karinska for costumes.

Und man merkt es tatsächlich: Es ist aus der DAMALIGEN ZEIT, nicht aus der heutigen Zeit! Zwar höchstkarätig, aber: Der erste Teil, Emeralds, ist tänzerisch fast bieder. Hier aus dem Programmheft:

6EB3C545-52C5-45C7-B985-3C73E83EA7F3

Der zweite Teil, Rubies, sollte das wildere Leben in New York zeigen, aber auch das kommt heute sogar eher bieder und gebremst rüber. Fast amüsant, zu sehen, was damals unter „wildes New York“ gesehen wurde.  Man merkt auch tänzerisch, dass sich die Zeiten geändert haben! Auch hierzu aus dem Programmheft:

A41B947A-4B7E-49E9-8388-C318BD807573

Der dritte Teil, Jewels,  ist eine Hommage an die russische Eleganz der zaristischen Zeit. Wunderschön! Wirklich wunderschön! Und erstaunlicherweise am ehesten zeitlos. Programmheft:

24CD91CE-3AAD-4D9E-AFC8-85AC3F62215E

„Jewels“ ist die einzige Premiere des Bayerischen Staatsballetts in dieser Spielzeit. Wenn man es sich ansieht, muss man eben wissen, dass man nichts Modernes ansieht, sondern etwas, das gute 50 Jahre alt ist und so bleibt. Dann kann man es wunderbar genießen! Es ist ja wieder einmal Höchstleistung! Und man merkt, dass es ein besonderes Werk der Gesamtchoreographie alter Schule ist! Im April kommenden Jahres kommt es mehrfach. Man muss aber wissen: Die Welt hat sich längst weiterentwickelt. Das Ballett wahrscheinlich auch – da maße ich mir aber nicht an, das beurteilen zu können. Für die aktuelle Welt ist dann jedenfalls vielleicht ein Theaterfestival wie „Politik im freien Theater“ hilfreich!

©️ der Fotos: Wilfried Hösl und Sasha Gouliaev, Bayerisches Staatsballett

HIER der Onlineauftritt zum Abend „Jewels“.

Und hier ein Trailer mit Auszügen und Gesprächen zum Abend:

 

Kategorien
Gesehen und gehört Sonstiges

SONSTIGES: Ballett – Portrait Wayne McGregor

(Copyright des Beitragsfotos: Wilfried Hösl, Bay. Staatsballett München)

Ich hatte kürzlich das Privileg, im Nationaltheater das Bayerische Staatsballett mit dem Stück „Portrait Wayne McGregor“ sehen zu können. HIER ein interessanter Einblick, ein „video magazine“ des Bayerischen Staatsballetts.  Ich weiß, das hat mit der harten Welt nichts zu tun! Aber das kann ja auch mal sein! Schön war, dass ich inmitten einer Schulklasse (8. Klasse?) saß, die ein Tanzprojekt vorbereitete. Hehre Ziele und höchstes Anschauungsmaterial!

Ein Tipp übrigens: Auf http://www.staatsoper.tv wird dieses Stück am Samstag, den 23.6.2018 live um 19:30 Uhr übertragen. Ich finde es irre, Körper sprechen zu lassen, Gefühle, Interaktionen, … Und als Video on Demand ist es am Sonntag und Montag vormittag noch zu sehen.

HIER der Weg zu Trailern und zu einer Fotogalerie.

Drei verschiedene Stücke werden gezeigt: „Kairos“, „Sunyata“ und „Borderlands“. Während das erste Stück noch etwas klassischer Natur ist, sind das zweite und das dritte Stück kaum mehr klassisch zu nennen. Umso interessanter. Wayne McGregor scheint bekannt dafür zu sein, dass er vom klassischen Ballett ausgehend Grenzen überschreitet. Auch in alle neuen Medien hinein. Auch in Technologie und Wissenschaft hinein. Er gilt als einer der großen Choreographen dieser Zeit.

Natürlich kenne ich mich mit Ballett viel zu wenig aus. Allein die drei folgenden Textauszüge aus dem Programmbuch zeigen, worum es gehen kann. Das Programmbuch mit einigen schönen lyrischen Texten ist im Shop des Bayerischen Staatsballetts erhältlich. Hier Stichworte und sich dann die Übertragung (oder erst die Trailer) ansehen:

Kairos:

… 2014 für das Ballett Zürich entstanden … Kairos, der richtige Augenblick … es geht um den günstigsten Zeitpunkt für eine Entscheidung, den rechten Augenblick sozusagen … Max Richter Bearbeitung von Antonio Vivaldis die vier Jahreszeiten … Recomposed … endlos aneinandergewebte rhythmisierte Strukturen, die sich harmonisch nicht mehr auflösen wollen … McGregor entwickelt Motive, die aus dem Unisono in Chaos verbreitende Vereinzelungen driften … scharfe Ausführung der Bewegungen… Emotionalität der Musik…

Sunyata:

Kreation für das bayerische Staatsballett… begann er quasi im nichts… buddhistisches Konzept… einen Raum, in dem sich alles gegenseitig bedingt, in dem alles aber auch nichts ist – ein Nichts, in dem das Potenzial zur Kreation steckt… Fixpunkt Musik… Zeitgenössische finnische Komponistin Kaija Saariaho… Orchester und Elektronik…

Borderlands:

2013 kreiert für das San Francisco Ballet … als Medium der Farben bekommt das Licht in Borderlands besonderes Gewicht … die Arbeit ist inspiriert von den Bildern des deutsch-amerikanischen Bauhauskünstlers Josef Albers … Optische Täuschung, das Wundern und Staunen über die Gliedmaßen, die man nicht mehr zuordnen kann … Suche nach dem Gegenüber … dröhnende Synthesizer- Wolken

 

Kategorien
Sonstiges

SONSTIGES: Film – Esbjörn Svensson

Ein Hinweis:

Kürzlich hatte ich im Blog Musik des Esbjörn Svensson Trio eingestellt. Der Jazzpianist Esbjörn Svensson ist ja vor genau zehn Jahren (unglaublich!) bei einem seiner ersten Tauchgänge vor Stockholm in jungen Jahren, im Alter von 44 Jahren, ums Leben gekommen. Für viele Jazzfanatiker bis heute tragisch! Heute, am Donnerstag, den 14. Juni 2018, bringt der bayerische Rundfunk auf BR-Klassik um 23:05 Uhr eine Hommage zum zehnten Todestag von Esbjörn Svensson. Auch online zu hören.

HIER der link zum Podcast der Sendung auf der BR – Homepage!

Das Esbjörn Svensson Trio galt ja schon als ganz große Jazzgruppe der damaligen Zeit. Sie hätten einen „herausragenden Beitrag zur Weiterentwicklung des Jazz“ geleistet. Kann ich nicht beurteilen, aber es gefällt mir.

Ebenfalls hörenswert: Vor kurzem kam tatsächlich noch eine CD von e.s.t. heraus, rechtzeitig vor dem 10. Todestag: e.s.t. Live in London, eine Aufnahme aus dem Mai 2005. HIER hier eine Besprechung der CD auf BR-Klassik.

Das Hamburg-Konzert des Esbjörn-Svensson-Trios „e.s.t. live in Hamburg“ wiederum ist ja 2010 von der britischen Zeitung „The Times“ zum Jazz-Album des Jahrzehnts gekürt worden.

Hier ein Ausschnitt aus der CD „e.s.t. live in Hamburg“:

 

Kategorien
Gelesen und geblättert Sonstiges

SONSTIGES: Kulturelle Teilhabe

Im aktuellen Beitrag über den Ballettabend im Bayerischen Nationaltheater (Anna Karenina, HIER der link) hatte ich geschrieben, auch solche kulturellen Erlebnisse sollten eigentlich nicht nur Wohlhabenden offen stehen. Kunst sollte nicht elitär sein. Um diesen Ansatz nicht ganz verpuffen zu lassen, schlage ich heute noch einmal in diese Kerbe:  HIER der link zu einem engagierten Gespräch vom 27.06.2017 mit dem Intendanten des Schauspiels am Dortmunder Theater, Kay Voges, über kulturelle Teilhabe. Es gälte,

… Wege zu finden, Teilhabe an der Kultur für jedermann zu ermöglichen„,

sagte er in einem Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur. Zu schade: Auf dem letztjährigen Theatertreffen war Borderline Prozession, ein sehr besonderes Stück des Theatermachers Kay Voges, neben Pfusch von Herbert Fritsch das einzige Stück der 10er-Auswahl, das ich nicht sehen konnte.

Kay Voges sagt auch:

Ich könnte mir vorstellen, dass alle Hartz-IV-Empfänger eigentlich eine Freikarte in der Tasche haben müssen und sagen, ich kann, so oft ich möchte ins Theater gehen, ins Konzert gehen, ins Ballett gehen, in die Oper gehen, in die Bücherei gehen, das ist mein Recht. Wenn ich nicht so viel habe, dass ich mir es leisten kann, dann darf ich da auch kostenlos herein.

Oder:

„.. ich glaube, Mündigkeit ist ja so eins der großen Ideale und etwas, was so notwendig ist in Zeiten von schnellen Antworten oder von Populismus, wo nicht mehr eine Differenzierung stattfindet. Und ich glaube, das Theater ist genau der Ort, an dem diese Mündigkeit gelernt werden kann, wo wir nicht ein Klischee oder eine Parole präsentiert bekommen, sondern wo auf einmal Debatten stattfinden, wo verschiedene Perspektiven aufgezählt werden können, wo ich als Zuschauer mich in verschiedene Rollen und in verschiedene Antworten hineinversetzen kann und dadurch Mündigkeit erlernen kann.

Ich finde, das hat Berechtigung. Kunst ist für alle wichtig! Zumindest ein nicht zu kleines Kontingent derartiger Freikarten sollte es geben. Ich muss mich allerdings erst einmal erkundigen, wie es derzeit gehandhabt wird. In München etwa gibt es so etwas wie den München-Pass, der in diese Richtung geht. Man weiß es nur kaum.

Wie läuft es in anderen Städten? Schreibt es mir bitte! Oben rechts auf die Sprechblase klicken.

 

.

Kategorien
Sonstiges

SONSTIGES: Ballett – Anna Karenina von Christian Spuck

Zugegeben, Ballett ist nicht Schwerpunkt dieses Blogs. Aber über den Tellerrand hinaus blicken, ist doch immer interessant. Und in Kürze folgt viel THEATER. Das Theatertreffen 2018 steht bevor! Und Tanz findet sich ja in heutiger Zeit auch immer wieder einmal in Theatern. Wenn auch nicht in derartiger Perfektion wie im Ballett. Anna Karenina von Lew Tolstoi wurde als Ballett im Bayerischen Nationaltheater in München auf die Bühne gebracht. Choreographie Christian Spuck. Was für ein anderes Erlebnis! Es wird in dieser Spielzeit noch einmal und dann in der kommenden Spielzeit das ein oder andere Mal zu sehen sein! Also, wer Interesse hat:

Den Roman Anna Karenina von Lew Tolstoi (man betont Karenina ja auf dem „e“) kann ich ja unbedingt empfehlen. Er gibt einen unglaublich detaillierten, vor allem nicht schwülstigen Einblick in das russische Leben zur damaligen Zeit. Und aus russischer Sicht den Blick auf das damals weltweit noch große Problem des Ehebruchs. Der Eifersucht, der Liebe, des Hasses, der Verzweiflung, der Konkurrenz, des Abgrundes, der gesellschaftlichen Erwartungen. Es endet ja tragisch.

Im Bayerischen Nationaltheater in München hat jetzt also – ich hatte die Chance, hinzugehen – Christian Spuck den 1000-Seiten-Roman als Ballett auf die Bühne gebracht. HIER ein Trailer. Und HIER (das kleinere Video rechts anklicken) ein Video mit Erläuterungen von Christian Spuck und den beiden „Protagonisten“ sowie weiteren Ausschnitten der Inszenierung. Ansehen! In den Videos sieht es fast kitschig aus, ich finde aber, Christian Spuck hat das Gespür, Kitsch zu vermeiden. Es wird Eleganz.

Ballett kann man „mögen oder nicht mögen“, finde ich, es ist nicht so diskursiv wie Theaterabende sein können. Ich hatte mich aber dennoch sehr darauf gefreut, denn:

Ich erinnerte mich: Als junger Student hatte ich tatsächlich (!) längere Zeit den Gedanken, das Gefühl, dass ich am liebsten Balletttänzer wäre! Nicht viele Worte, sondern Tanz, das hatte mir gefallen! Ich hatte ein Jahr in Lausanne studiert, dort erschien beim jährlichen Prix de Lausanne irgendwie auch der Ballettstar John Neumeier, ich glaube als Mitglied der Jury. Oder es gab einen John-Neumeier-Preis für den Nachwuchs. Aber für Ballett muss man ja schon als Kind mit Tanz beginnen. Tja, daraus ist leider nichts geworden. Knapp daneben, ich wurde Rechtsanwalt. Naja, das ist doch ähnlich, es ist eben Ballett mit Worten? Nein, es ist eher Fechten mit Worten, würde ich sagen!

Und es gab noch einen besonderen Grund, hinzugehen: Ich hatte im Blog zu Ostern über Christian Spuck geschrieben. Er hatte mit dem Staatsballett und dem Staatsorchester Zürich das Verdi-Requiem („Messa da Requiem“) als Ballett mit Chor inszeniert. Es wurde zusammen mit einer Dokumentation über Spucks Arbeit auf 3sat gesendet. Ich war damals wahrlich begeistert! Jetzt war er zur Münchner Ballettwoche 2018 eingeladen.

Also bin ich hin. Und, was soll ich sagen: Ich war baff! Es wäre anmaßend, wenn ich jetzt hier eine detaillierte Kritik mit Pros und Contras bringen würde! Aber: Erster Gedanke mit Blick durch das Nationaltheater: Es ist schon ein Privileg, ich möchte sagen: elitär, es zu erleben. Man sollte einmal pro Monat einen Abend für Harz IVler geben! Kunst sollte nicht elitär sein! Allein das extreme Erlebnis, danach aus dem Nationaltheater in einen lauen Frühlingsabend zu treten, Blick auf die Frauenkirche und die Maximilianstraße … . Das sollte eigentlich nicht immer nur Wohlhabenden vorbehalten sein.

Während der Aufführung – und danach – dann der Gedanke: Diese unglaubliche Eleganz des Balletts, diese unglaubliche Schönheit des Bühnenbildes, der gesamten Choreographie, der Kostümierung, der Farben, diese unglaublichen Leistungen der TänzerInnen, die so treffende russische Musik, all das erleben zu können. Alles hatte eine irre Leichtigkeit trotz des so schweren Lebens von Anna Karenina. Gut, sie lebte in feinen Kreisen. Die Musik brachte dabei generell russische Schwere hinein, fand ich. Aber genau das war passend! Allein das Zusammenspiel von Musik (Auswahl Christian Spuck) mit dem Tanz, der Choreographie, dem Russischen. Leichtigkeit und Schwere mischtern sich so den Abend hindurch. Beides in Formvollendung. Die Trailer oben lassen es erahnen.

Und dann noch die Überlegung: Man sitzt da und betrachtet einfach mal so Menschen, die allein mit phantastischen körperlichen Bewegungen, mit Tanz, etwas zum Ausdruck bringen. Das allein macht doch etwas mit einem! Man rutscht komplett weg vom banalen Alltag! Etwa der – für mich – beeindruckendste Tanz von Jonah Cook und Lauretta Summerscales als Kostja (Lewin) und Kitty, dem zweiten verliebten Paar, dem der Roman folgt. Es war der erste Tanz nach der Pause.

Es waren also völlig andere Eindrücke als bei einem Theaterbesuch, zwei Welten. Auch wenn es um die Geschichte eines Romans ging, was ja in beiden Vorführungsformen vorkommt. Beeindruckend allemal!

 

 

 

Kategorien
Sonstiges

SONSTIGES: Tipp vor Ostern

Ich sage ja immer wieder: Wenn wir die Kunst nicht hätten! Und wenn wir nicht Menschen hätten, die außergewöhnliches leisten können! Da gebe ich gerne einen Tipp. Wer vor Ostern etwas Zeit hat, könnte sich dies hier ansehen. Es ist meines Erachtens absolut außergewöhnlich schön! Und es passt zu Ostern: Giuseppe Verdi, Messa da Requiem.
Es ist eine Inszenierung des Opernhauses Zürich aus dem Jahre 2016,  Verdis Oper für Orchester, Chor und Ballett. Es wurde gestern, Samstag, 24. März 2018, auf 3sat gesendet. Es ist jetzt noch wenige Tage auf der Mediathek von 3sat zu finden. Ein außergewöhnliches Erlebnis!! Eindrucksvoll ist auch die gestern im Anschluss gesendete Dokumentation über die Entstehung der Inszenierung. Muss man sich auch ansehen! Es ist eine Choreografie und Inszenierung von Christian Spuck.
Unglaublich schön etwa sind die Sequenzen bei Minute 1:03:40 bis 1:09:00 und 1:20:50 bis 1:23:45.
Man spürt in jeder Bewegung fast den Konflikt von Leben und Tod. Diesen Konflikt, der das Requiem ausmacht. Es geht ja auch nicht um die Höchstleistung an sich, es geht darum, wie sie es schaffen, uns all das nahezubringen!
Hier der Link auf die Mediathek: AUFFÜHRUNG
Hier der Link zur Dokumentation: DOKUMENTATION
Hier der Link zu Wikipedias Beitrag zu Verdis Messa da Requiem: WIKIPEDIA