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Ballett: Duato/Skeels/Eyal

Die großen Häuser des klassischen Balletts geben dem modernen Ballett schon lange seinen Raum, zumal man hierzu sagenhafte Inszenierungen sehen kann. So gibt es zurzeit wieder am Bayerischen Staatsballett einen Abend modernen Balletts.

Ich hatte kürzlich über das wahrlich faszinierende Gastspiel von Peeping Tom am Bayerischen Staatsballett geschrieben. Es war tänzerisch und besonders von der Gesamtchoreografie her ein ganz erstaunliches Gesamtkunstwerk. HIER der Link. Jetzt hatte ich Gelegenheit, auch Duato/Skeels/Eyal am Bayerischen Staatsballett zu sehen. Ende Juni und im November wird es wieder gezeigt. HIER der Link zur Seite der Produktion „Duato/Skeels/Eyal“ auf der Website des Bayerischen Staatsballetts mit interessanten Trailern und Videos.

Hier ein Trailer:

Wieder einmal spürt man die Vielfalt und gleichzeitig Hochklassigkeit des modernen Balletts. Mehr Vielfalt wohl als beim klassischen Ballett (ich bin kein Spezialist für klassisches Ballett), das doch deutlicher an bestimmte Varianten/Methoden des Tanzes gebunden zu sein scheint. Man wird an diesem Abend in drei Welten hineingezogen. Vor der Vielfalt der Möglichkeiten, mit denen nicht Sprache, sondern Körper, Bewegung und Choreografie es schaffen, verschiedenste Ausdrücke zu erzeugen und Geschichten zu erzählen, gepaart mit absolut hochgradiger Ballettkunst, kann man wieder einmal nur den Hut ziehen. Das ist es, was mir am modernen Ballett gefällt. So war auch mein Eindruck am Abend Duato/Skeels/Eyal. Es sind, wie gesagt, drei Teile, Teil zwei und Teil drei besonders waren großartig!

Teil eins des Abends (White Darkness von Nacho Duato) war noch am ehesten geprägt von einer gewissen Bindung an das klassische Ballett durch seine doch recht stark Mann-Frau-zentrierte Darstellung. Fast etwas plakativ ging es Nacho Duato um den Drogentod einer seiner Schwestern. Man hatte den Eindruck, die Tänzer waren sehr stark in der Rolle, die Tänzerinnen zu führen. Diese eher klassische Herangehensweise ist bei Duato gut nachvollziehbar, er pendelte in seinem Leben teils zwischen klassischem Ballett und modernem Ballett. Seine erste Choreografie hatte er am NDT!

Etwas einseitig wirkte White Darkness daher fast im Vergleich zu den anderen beiden Teilen, die auch jünger sind. White Darkness ist eine Choreografie aus dem Jahre 2001, während Chasm von Andrew Skeels seine Uraufführung am Bay. Nationaltheater im April 2024 und Autodance von Sharon Eyal seine Uraufführung in 2018 hatten. Die Einseitigkeit scheint der Hintergrundgeschichte der Choreografie geschuldet, dem Tod einer der Schwestern von Nacho Duato. Weißer Sand rieselt mehrfach auf die Bühne, im Schlussbild „vergeht“ eine Tänzerin im rieselnden weißen Schnee – der Droge! Starke Bilder, Duato ist ein Fan der Lichteffekte. Teil zwei und Teil drei des Abends sind dagegen ganz besonders sehenswert. Die Pausen zu Teil zwei und drei lohnen sich.

Ein Foto zu Teil 1:

Copyright: Nicholas MacKay

In Teil zwei (Chasm von Andrew Skeels) ist ein Science Fiction Szenario. Der Zuschauer wird durch eine beeindruckende Choreografie in absolut ferne Zukunft geführt. Der Mensch lebt nach totaler Zerstörung der Erde in einer anderen Welt, hat sich auf eine andere Lebensform zurückziehen müssen, lebt in Höhlen, ist mittlerweile körperlich angepasst. Er muss und will wegen weiterer Änderungen der Lebensgrundlagen die Höhle verlassen und findet – über „Rituale“ – den Ausgang durch einen Riss. Das letzte Stückchen Hoffnung. Es wird eine insgesamt bedrückende Atmosphäre geschaffen durch Tanz, Bewegung und Choreografie. Eine Atmosphäre, die fremd ist und Bestürzung hinterlässt.

Ein Foto zu Teil 2:

Copyright: W. Hösl

Zu Teil drei (Autodance von Sharon Eyal) wird dem Zuschauer empfohlen, wegen der lauten Musik Ohrstöpsel zu verwenden. Gerade ohne Ohrstöpsel war es absolut beeindruckend! Clubkultur vermischt sich mit phantastischem Ballett. Man fühlte sich bei den harten Rhythmen der „Musik“ einerseits ins Münchner P 1 versetzt (Musik: Ori Lichtik), sehr modern, zeitlos. Die israelische Choreografin Sharon Eyal ist bekannt für rave-artige, extatische Gruppenstücke. Großartige oft schrittartige Bewegungen der Tänzer und Tänzerinnen zeigen Kontrolle und Extase zugleich, der Zuschauer wird der Möglichkeit einer genauen Interpretation und Orientierung dessen, was er sieht, entzogen. Auch hier entsteht eine fantastische Atmosphäre durch die tosende Musik (eher ein rhythmisches lautes Stakkato) einerseits und die körperlich so brillanten Bewegungen, die teils fast in Widerspruch stehen zum heftigen Club-Rhythmus, ruhiger, nicht ausgelassen und wirr sind Allein die Gangbewegungen, von denen alles ausgeht, zunächst einzeln, dann mehr und mehr in der Gruppe. Man merkte, dass es tänzerisch schlicht hochklassig war!

Ein Foto zu Teil 3:

Copyright: Nicholas MacKay

Copyright des Beitragsbildes: Nicholas MacKay

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TANZ: Nederlands Dans Theater

Gestern also live online „In/with/in“ des Nederlands Dans Theater (NDT) in Den Haag. Vom ersten Teil (Choreografie von Marco Goecke) hatte ich noch keine Aufnahmen gemacht, von Teil zwei (Choreografie von Imre van Opstal & Marne van Opstal) und Teil drei (Choreografie von Tao Ye) habe ich schließlich Screenshots gemacht.


Es war tänzerisch und choreografisch – aber auch vor allem in Hinblick auf die Belichtung und die Kostümierung! – beeindruckend.

Teil eins:

Marco Goeckes Choreografie war am ehesten beunruhigend. Marco Goecke arbeitet immer wieder mit durchgehend völlig zerhackten, schnellen Bewegungen der Tänzer und Tänzerinnen, die oft in deutlichem Kontrast zur Musik (etwa dem „runden“ und ruhigen, fast melancholischen Song „Try to remember“ von Harry Belafonte – HIER) stehen. Schwierig. Es war eine – auch durch die schwarze Kostümierung und dunkle Bühne – recht martialisch wirkende Performance.

Teil zwei:

Hier ein paar Impressionen:

Teil drei:

Auch hier ein paar Impressionen:

Es gab zurecht begeisterten Applaus, Standing Ovations, für das hochklassige Ensemble des NDT und für die dreiteilige Darbietung des Abends, vor allem für Teil zwei und Teil drei!

HIER der Link zur Website des NDT mit vielen Informationen und dem weiteren Spielplan.

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TANZ: Nederlands Dans Theater

Ein Tipp für morgen, Freitag, den 22. September, oder übermorgen, Samstag, den 23. September: Schon mehrfach habe ich Online-Streamings des interessanten Nederlands Dans Theater (NDT) hier im Blog angekündigt. Es ist wieder soweit, morgen und übermorgen gibt es ein Online-Streaming der aktuellen Premiere „In/with/in“ zu sehen. Zeitgenössischer Tanz at its best!

Zum NDT heißt es allgemein:

Nederlands Dans Theater (NDT) is an internationally recognized contemporary dance company dedicated to creation, research, and talent development. Each season NDT collaborates with upcoming and renowned choreographers and artists from around the world in its commitment to being a creation house for diverse voices, ideas and approaches in dance. The company consists of NDT 1 and NDT 2 (for talented emerging artists) and is based in The Hague, the Netherlands. It tours worldwide to perform in Europe, America, Asia and Australia for 150,000 visitors annually, connecting to a large range of audiences and communities in the Netherlands and all over the world.

HIER der Link, über den man speziell die Tickets für das Online-Streaming des NDT von In/with/in kaufen kann.

Der erste Teil des Abends wird vom bekannten Choreografen Marco Goecke verantwortet, der ja im vergangenen Jahr in Hannover im Rahmen der sogenannten „Hundekotaffäre“ entlassen wurde. In diesem Teil kommt übrigens das Lied „Try To Remember“ von Harry Belafonte zum Einsatz. Auch das habe ich bereits im Blog gebracht. Hier ein Trailer zum ersten Teil:

Der zweite, mittlere Teil des Abends („Triptychon“) stammt vom Choreografen-Duo „Imre van Opstal & Marne van Opstal“. Hier ein Trailer:


Der dritte Teil des Abends ist choreografiert von Tao Ye, neu am NDT. Hier der Trailer:

Auf der Website des NDT kann man auch das Programmheft mit weiteren Videos online einsehen. HIER.

Ich jedenfalls mag zeitgenössischen Tanz. Bin gespannt.

Copyright des Beitragsbildes: Sacha Grootjans

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BALLETT: Nederlands Dans Theater – Live Stream

Etwas für Freunde des Tanzes: Das Nederlands Dans Theater – NDT – aus Den Haag bietet morgen, Samstag, den 13. Mai, um 20.15 einen Livestream der neuen Produktion Raw are the roots an. In Raw are the roots sieht man zum Einen eine Produktion des deutschen Choreografen Felix Landerer und zum Anderen eine Produktion des Choreografen-Duos Sharon Eyal en Gai Behar. „Weltpremiere“ beider Produktion war vorgestern, am 11. Mai.

HIER der Link zur Produktionsseite von Raw are the roots auf der Website des NDT. Von dieser Seite aus können die Tickets für das Live-Streaming gekauft werden. Dort finden sich auch kleinere weitere Videos „Behind the scenes“ und der Link zum digitalen Programmbuch der Produktion.
Hier noch zwei Fotos:

Copyright der Fotos: Rahi Rezvani

Hier zwei Trailer:


UND ÜBRIGENS: das Berliner Theatertreffen 2023 beginnt heute! Drei „Starke Stücke“ des Festivals sind ab heute in der Mediathek von 3sat zu sehen!

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„Il Ritorno“, „NDT“, „Radikal jung“, Theatertreffen und und und im Mai

Der Mai wird interessante Dinge bringen. Hier ein Überblick über die Dinge, die ich sehen werde – als Anregung für die Leser. Wahrscheinlich sollte man sich frühzeitig um Karten kümmern, da die meisten Dinge nur für kurze Zeit oder gar nur ein Mal zu sehen sind.

Ich stelle hier vor allem die jeweiligen Links ein:

Zuerst wird im Residenztheater am 02. Mai die Inszenierung „Antigone“ gebracht.

Es könnte interessant werden. Es ist eine Inszenierung von „Antigone“ von Sophokles – der altbekannte Stoff – unter Verwendung von «Die drei Leben der Antigone» des slowakischen Philosophen Slavoj Žižek. Mal sehen. Das Setting ist eine Zusammenkunft in einem unterirdischen Konferenzraum und (vor der Pause) der Flur davor!

HIER die Stückeseite auf der Website des Münchner Residenztheaters.

Dann: Am Münchner Volkstheater findet noch bis zum 05. Mai das Festival „Radikal für jung“ statt – unter anderem mit den Stücken „Dschinns“ und „Odyssee“, die ich sehen werde.

HIER die Stückeseite von Dschinns und HIER die Stückeseite von Odyssee.

HIER die Website des Fesivals der jungen Regie.

Dann gibt es – das könnte besonders werden – in einer Kooperation der Bay. Staatsoper und dem Haus der Kunst ab dem 05. Mai die Oper „Hanjo“ zu sehen.

Im Mai veranstaltet die bayerische Staatsoper nämlich das Festival Ja, Mai, ein Festival für frühes und zeitgenössisches Musiktheater. HIER geht es zur Festivalseite auf der Website der Bayerischen Staatsoper.

In diesem Zusammenhang werden zwei interessante Aufführungen gezeigt: HANJO ist die erste. HIER ist die Stückeseite von Hanjo. Es wird vielleicht interessant, weil es eben eine Kooperation der Bayerischen Staatsoper mit dem Haus der Kunst ist, die Aufführungen finden im Haus der Kunst statt! Der Bühnenraum der vom No-Theater inspirierten Oper des zeitgenössischen Komponisten Toshio Hosokawa wird von Rirkrit Tiravanija gestaltet, einem bildenden Künstler.

Dann gibt es – vielleicht wird das sehr besonders – von der Bay. Staatsoper im Cuvillestheater ab dem 07. Mai die Inszenierung „Il Ritorno/Das Jahr magischen Denkens“.

Es ist die zweite Aufführung im Rahmen des Festivals Ja, Mai. HIER geht es zur Stückeseite.

Die Inszenierung könnte ein Highlight des Monats Mai werden. Ich war auf einer Vorbesprechung. Die Produktion beschäftigt sich mit einer der frühesten Opern überhaupt: Claudio Monteverdis Il ritorno d’Ulisse in patria. Zusätzlich wird das Schauspiel von der (2021 verstorbenen) US-amerikanischen Schriftstellerin Joan Didion – basierend auf ihren Memoiren – aufgeführt. Verantwortlich für die szenische Umsetzung von Il ritorno/Das Jahr des magischen Denkens ist der Theaterregisseur Christopher Rüping. Christopher Rüping hatte in München schon unter anderem mit seiner zehnstündigen Produktion „Dionysos Stadt“ für Furore gesorgt, er ist jetzt erstmals Regisseur einer Oper. Es geht aber nicht einfach um die Oper. Auf der Bühne wird man eine Gegenüberstellung sehen von Oper und Theater. Zum Thema „Erwartung“, dem Thema von Ja, Mai.

Zu beachten ist auch: Zum Theatertreffen in Berlin stehen vom 12. Mai bis zum 8. September 2023 wieder drei der 10 ausgewählten Inszenierungen in der Mediathek zur Verfügung.

Die Inszenierungen „Die Eingeborenen von Maria Blut“, „Ein Sommernachtstraum“ und „Kinder der Sonne“, sind dieses Jahr von 3sat im Rahmen der Reihe „Starke Stücke“ zu sehen – in der 3sat Mediathek und in der Mediathek der Berliner Festspiele. Zusätzlich kann man weitere ausgewählte Veranstaltungen sowie Texte und Archivmaterial ansehen.

HIER der Link zur Mediathek der Berliner Festspiele, der Veranstalterin des Theatertreffens.

In der Zeitschrift „Theater heute“ (HIER der Link zur Website), Ausgabe April, ist ein Gespräch zwischen Burgtheater-Dramaturg Alexander Kerlin und der Historikerin Lucile Dreidemy zu den historischen Hintergründen von Maria Lazars Roman «Die Eingeborenen von Maria Blut» (der vollständige Abdruck der Bühnenfassung liegt dem Heft übrigens bei). HIER der Link zu diesem frei verfügbaren Text des Gesprächs.

Auch interessant kann sein am 11. und 13. Mai ein Live-Streaming von „Raw are the roots“ des Nederlands Dans Theater.

Das NDT bietet interessante Tanzdarbietungen: Zu „Raw are the roots“ heißt es auf der Website des NDT: „NDT 1 performs two very different approaches to dance. In this double bill, you will see two world premieres by Felix Landerer and choreographer duo Sharon Eyal & Gai Behar. On Thursday May 11 or Saturday May 13, we offer the opportunity to watch Raw are the rootslive from the comfort of your own sofa. Buy your ticket now for €15!

HIER die Stückeseite auf der Website des NDT.

Etwas außergewöhnlich ist auch an den Münchner Kammerspielen am 30. Mai die Möglichkeit, an der „offenen Probe“ des Stückes „Die Vaterlosen“ teilnehmen zu können.

Kurz vor der Premiere (sie ist am 02.06.) kann man eine offene Probe das Stückes „Die Vaterlosen“ nach Anton Tschechows „Der Vater“ besuchen. Sicher interessant, ist ja nicht üblich.

HIER der Link auf der Website der Münchner Kammerspiele zur Ankündigung der offenen Probe.

Also: Ich freue mich auf den Mai!

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SONSTIGES HEUTE: Nederlands Dans Theater – MIST

ACHTUNG: Ein wahrscheinlich sehr schöner Tipp für heute Abend, Samstag, 8. Januar 2022! Es dauert etwa 1 Stunde und 10 Minuten. Es steht anschließend nicht zum Download zur Verfügung. Ein besonderes Streaming des Nederlands Dans Theater. HIER der Link. Tanz und Bewegung in Nebelschwaden. Man liest: Das Nederlands Dans Theater „zählt zur Crême de la Crême des zeitgenössischen Tanztheaters“ (SZ heute).

Tanz, Bewegung, Rauch, Nebel! Für mich hat es etwas zu tun mit: Der Mensch einerseits und schlicht die ständig vergehende Zeit andererseits. Der Nebel, der sich ständig bewegt, ständig um einen herum kreist und ständig vergeht, ist die immer ungreifbare Zeit.

ACHTUNG: Das Streaming beginnt genau um 20:00 Uhr. Man sollte sich unbedingt rechtzeitig davor das Ticket besorgen und einloggen. Es steht anschließend nicht zum Download zur Verfügung.

HIER der Link zur Seite des Nederlands Dans Theater mit vielen weiteren interessanten Informationen zum heutigen Abend und zur Performance.

Hier ein Trailer:

Hier ein Interview mit dem Choreografen Damien Jalet:

Und hier noch Bilder:

Copyright aller Bilder: Rahi Rezvani

Videos aus YouTube.

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THEATER: Cristina D’Alberto – Anthologie/Blütenlese

Wie bewegt man sich, wenn man seine Geschichte durch Bewegung erzählen will? Wie würde ich mich etwa bewegen, wenn ich in – sagen wir – zehn Minuten mein „Jahr 2020“ darstellen sollte. Eine schöne Aufgabe für Silvester!

Für Cristina D’Alberto wäre es sicherlich eine durchaus gängige Vorstellung. Sie ist Choreografin und Performerin, kommt aus der Tanzszene. Geboren ist sie in Turin, hat einige Jahre in Florenz gelebt und lebt seit 2015 in – oder bei – München.

HIER ihre schöne schlichte Website, auf der man viele Details ihres interessanten und intensiven jungen Tanzlebens sehen kann. Sie ist einige Jahre um die Welt getourt und ist hier in München unter anderem Dozentin an der „Iwanson international dance school“.

Sie ist auch die Choreografin des Abends, den ich nun im Schwere Reiter gesehen habe. Eine so schön unspektakuläre freie Spielstätte. Aktuell wird gegenüber der Halle am Leonrodplatz eine neue Spielstätte gebaut, die das Schwere Reiter ab Herbst 2021 beherbergen soll.

Sara, Robert, Lotta, Hillel sind die Vornamen der ProtagonistInnen des Abends in Cristina D’Albertos Tanzperformance „Anthologie/Blütenlese“. Es sind aber auch die Vornamen der MünchnerInnen, die für dieses Projekt interviewt wurden. Es sind ihre Lebensgeschichten, die hier ohne Worte auf die Bühne kamen. Schon das Bühnenbild zeigt, dass es sich um eine sensible Herangehensweise an vier verschiedene Leben handelt.

Von oben würde man vier in vier Richtungen offene Räume sehen, die durch ein zentral auf der Bühne stehendes Kreuz entstehen. Vier zweimannhohe Trennwände, doppelwandig. schlanke Metallrahmen mit leicht durchsichtiger Gaze, zu besagtem Kreuz zusammengestellt, in sanften Farben bespannt. Man kann so fast allen vier TänzerInnen zusehen – die Zuschauer sitzen um die „Bühne“ herum -. Die TänzerInnen halten sich wechselnd jeweils immer in einem der vier „Räume“ auf – man kann von allen etwas erkennen, sofern nicht ruhige Videoaufnahmen von sich bewegenden Naturbildern – Mustern fast nur – auf die Gazeflächen projiziert werden. Das Kreuz wird später aufgelöst, die vier „Lebensgeschichten“ kommen so zusammen.

Natürlich erkennt man nicht konkrete Lebenssituationen, es geht ja nicht um Pantomimik. Die Situationen werden durch Tanz ausgedrückt. Man kann sich treiben lassen, man erkennt, dass eben jedes Leben seinen eigenen Ausdruck finden kann und muss. Man wird angeregt, sich zu den Bewegungen etwas zu denken, sich irgendwie Passendes vorzustellen. Im Programm heißt es, so stehe der Ausdruck durch Tanz im Kontrast zum glitzernden Bild, das man heutzutage so oft von sich ins Internet stellt. Im Kontrast zur Vereinheitlichung auch. Auffallend vielleicht: Es war vielleicht mehr Schmerz, waren mehr Probleme als Freude, die durch die Bewegungen dargestellt werden konnte und musste. Aber auch das hatte in der Darstellung Angenehmes, nicht Leidendes. Angenehm, weil es individuell war. Fast schon ungewöhnlich ohnehin, nicht an Vereinheitlichung zu denken. Deshalb hatte es sich gelohnt.

Copyrght des Beitragsbildes: Gabriela Neeb

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Gesehen und gehört

THEATER: Ligia Lewis – minor matter

Wer es noch sehen will: minor matter, choreographiert von der in Berlin lebenden Ligia Lewis. Heute Abend, Freitag, 08.06.2018, in München, an den Kammerspielen. Danach am 6./7. Juli. in der Nähe von Rimini, auf dem Santarcangelo Festival. Auch eine schöne Reise … wenn man Zeit hätte! HIER ein Video der Performance.

Was der Mensch so alles ausdrücken will! In totaler Freiheit! Aber er kommt nie ans Ziel! Dennoch drängt er ständig nach etwas! Auch das Zuschauen ist ja schon ein ähnlicher Akt. Man kann ja nicht alles selber machen! Wie offen wir doch sind. Ich dachte mir noch: In der strengen muslimischen Welt wäre so eine Performance undenkbar!

„minor matter“ ist der zweite Teil einer von drei Tänzer*innen performten Trilogie (BLUE, RED, WHITE), die mit „blackness“ und der „Blackbox“ – hier der Kammer 3 der Kammerspiele -spielt.

Im Stück minor matter nutzt Ligia Lewis die Farbe rot, um Gedanken, die sich zwischen Liebe und Wut bewegen, eine Gestalt zu geben. Ansätze barocker Musik wandeln sich zu exzessiven Beat-Rhythmen, harten Rhythmen, harten Bewegungen, modernen Rauschetönen. Die Tänzer*innen verausgaben sich dabei, ihre Körper entziehen der Bühne alles Geheimnisvolle und erforschen sie als pure Materie – als Schwärze. „In „minor matter“ bewegen sich Klänge durch musikalische Epochen, um schließlich eine Poetik intimer Gegenwärtigkeit zu erreichen“, heißt es so schön in der Ankündigung des HAU in Berlin, wo es auch kam und – glaube ich – nochmal kommt (Tanz im August)..

Ich mag es ja, wenn körperlich überraschende Ausdrücke geschaffen werden. Wenn Körper anderes zeigen, als wir es gewohnt sind. Wir erleben Körper ja eher als langweilig, monoton, gebräuchlich, ungelenk, schwerfällig. In der kommenden Woche bin ich auch wieder in einer wunderbaren Ballettvorführung im Nationaltheater.

Etwas wie innere Befreiung, Abhängigkeit, Eingrenzung, Gefühle zwischen Liebe und Wut, Hässlichkeit und Optimismus, alte Musik und exzessive neue Klänge, heftiger Sound. So etwa, ich weiß es nicht besser. Morgen gibt es im Anschluss ein Publikumsgespräch. Gemeinsamkeit, Schwere, man kann viel entdecken. Exzessiv, einfallsreich. Sie haben unter anderem 2017 als „outstanding production“ den New York Dance & Performance Award „Bessie“ erhalten.

HIER die Website von Ligia Lewis. HIER der link zur Seite der Kammerspiele.

Copyright des Beitragsbildes: Martha Glenn

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SONSTIGES: Tipp vor Ostern

Ich sage ja immer wieder: Wenn wir die Kunst nicht hätten! Und wenn wir nicht Menschen hätten, die außergewöhnliches leisten können! Da gebe ich gerne einen Tipp. Wer vor Ostern etwas Zeit hat, könnte sich dies hier ansehen. Es ist meines Erachtens absolut außergewöhnlich schön! Und es passt zu Ostern: Giuseppe Verdi, Messa da Requiem.
Es ist eine Inszenierung des Opernhauses Zürich aus dem Jahre 2016,  Verdis Oper für Orchester, Chor und Ballett. Es wurde gestern, Samstag, 24. März 2018, auf 3sat gesendet. Es ist jetzt noch wenige Tage auf der Mediathek von 3sat zu finden. Ein außergewöhnliches Erlebnis!! Eindrucksvoll ist auch die gestern im Anschluss gesendete Dokumentation über die Entstehung der Inszenierung. Muss man sich auch ansehen! Es ist eine Choreografie und Inszenierung von Christian Spuck.
Unglaublich schön etwa sind die Sequenzen bei Minute 1:03:40 bis 1:09:00 und 1:20:50 bis 1:23:45.
Man spürt in jeder Bewegung fast den Konflikt von Leben und Tod. Diesen Konflikt, der das Requiem ausmacht. Es geht ja auch nicht um die Höchstleistung an sich, es geht darum, wie sie es schaffen, uns all das nahezubringen!
Hier der Link auf die Mediathek: AUFFÜHRUNG
Hier der Link zur Dokumentation: DOKUMENTATION
Hier der Link zu Wikipedias Beitrag zu Verdis Messa da Requiem: WIKIPEDIA