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BALLETT: Sol León & Paul Lightfoot – Schmetterling

Mehr als 60 Uraufführungen hatten beide seit 1989 gemeinsam als Choreografenduo am NDT kreiert, immer stehend für zeitgenössisches, nicht klassisch geprägtes Ballett, wie das NDT insgesamt. Sol Leon

und Paul Lightfoot:


Zwei ihrer Produktionen sind Silent Screen und Schmetterling, die ab März vergangenen Jahres mehrfach am Bayerischen Staatsballett gemeinsam gezeigt wurden. Ich schreibe hier im Blog im Grunde immer über Dinge, die der Leser/die Leserin noch sehen kann. Für den Abend „Schmetterling“ (beide oben genannte Produktionen zusammen erscheinen unter diesem Titel) sehe ich leider in dieser Spielzeit keinen weiteren Termin! Aber ich höre, es wird in der kommenden Spielzeit (Januar und Februar 2025) weitere Termine des Abends „Schmetterling“ geben.

Und demnächst – vom 12. bis 20. April – ist ohnehin die Münchner Ballettfestwoche 2024, so kann mein Beitrag auch eine Anregung für eine der dortigen Produktionen geben. Ich etwa werde in der Münchner Ballettfestwoche die sehr expressive, gestalterisch sicher fast extreme Produktion „Triptych“ der belgische Compagnie Peeping Tom sehen, auch das war eine Produktion für das NDT. Erstmals ist die Companie Peeping Tom am Bayerischen Staatsballett.

HIER der Link zur Website der Münchner Ballettfestwoche 2024. Es heißt dort zur Produktion „Triptych“: „… unglaublichen Vielfalt an Ausdrucksformen und extrem präzisen Abläufen, die bis hin zur Akrobatik reichen.“

Silent Screen und Schmetterling sind durchaus ältere Produktionen, „Silent Screen“ hatte seine Uraufführung im April 2005, „Schmetterling“ hatte Uraufführung im November 2010. Ein kurzes Fazit: Sehr ausdrucksstarkes, erzählerisches, emotionales Tanztheater, wie so oft beim NDT auf dunkler Bühne, mit teils interessanten Videoeinspielungen im Hintergrund, die teils wiederum den emotionalen Charakter des Abends unterstützen und die „Erzählungen“ untermauern. Erzählerisch ist es allerdings geradezu anstrengend – meinte man doch, man müsse eine „Geschichte“, die „erzählt“ wurde, genau erkennen – was kaum möglich ist. Das erste Stück (Silent Screen) nahm Bezug auf Stummfilme – wie Ballett ohne Worte – das zweite (Schmetterling) bezog sich auf die wundersame Natur des Schmetterlings, auf seine Vergänglichkeit, Zartheit, Schönheit, und auf den Lauf des Lebens. Wie so oft beim NDT auch: Hochklassiges Tanztheater (hier durch Ensemblemitglieder des Bayerischen Staatsballetts), das musikalisch noch dazu durch zwei Größen der Ballettmusik und eben deren – ich möchte sagen – manchmal fast sphärische, rein klangliche Musik (oft Pianoklänge) geprägt wird: Philip Glass und Max Richter, die ja öfters Musik für Ballettproduktionen schreiben.

HIER ist übrigens der Link zur Seite der kommenden Produktion „Triptych“ der Gruppe Peeping Tom auf der Website des Bayerischen Staatsballetts. Auch das wird extrem erzählerisches Tanztheater, in drei Teilen. Siehe den Link.

Und am 24. und 25. April bietet wiederum das Nederlands Dans Theater (NDT) ein weiteres Onlinestreaming. HIER ist der Link zu diesem Streamingangebot auf der Website des NDT. Drei Produktionen kann man an diesen beiden Tagen im Streaming sehen, unter anderem – am zweiten Tag – die Produktion In The Dutch Mountains des auch hier in Deutschland ja sehr bekannten (wenn auch teils unrühmlich bekannten) Choreografen Marco Goecke.

Hier noch zwei Bilder der Produktion „Schmetterling“:

Copyrights: Titelbild © CARLOS QUEZADA, beide Bilder unten: © WILFRIED HÖSL,

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OPER: Haus der Kunst – Hanjo

Die einaktige Oper Hanjo ist Teil des Ja, Mai Festivals 2023 der Bayerischen Staatsoper. Ein „Festival für frühes und zeitgenössisches Musiktheater“. Die zweite Ausgabe des Ja, Mai Festivals nimmt Synergien zwischen Musiktheater, Tanz und bildender Kunst in den Blick. „Warum brauchen wir Theater“, ist zusätzlich eine der Fragen, die über dem Festival stehen.

Es gibt zwei Produktionen. Zum Einen die Opernproduktion Hanjo, die im Haus der Kunst mit Tanz gezeigt wird. Und als Zweites eine direkte Konfrontation von Oper und Theater auf der Bühne in Il Ritorno/Das Jahr magischen Denkens.

Thematisch kreist das Festival in diesem Jahr speziell um den Themenkomplex „Erwartung“ und setzt sich mit Motiven wie dem Warten, dem Vergehen von Zeit, der Frage nach dem Loslassen oder Festhalten auseinander.

Das Festival läuft noch bis Ende Mai, HIER der Link zur sehr umfangreichen Festivalseite auf der Website der Bayerischen Staatsoper.

Eine der beiden Produktionen des Festivals ist also die Oper Hanjo, die im lang gestreckten hohen Raum des Westflügels im Haus der Kunst gezeigt wird. HIER der Link zu einem Video „Behind the scenes“, einer sehr aufschlussreichen Erläuterung des Regisseurs Sidi Larbi Cherkaoui. Im Video werden auch (eher gegen Ende) Szenen der Aufführung gezeigt. Das Publikum ist geteilt, sitzt an den beiden Längsseiten des großen hohen Raumes.

HIER der Link zur Produktionsseite von Hanjo.

Es ist eine sehr internationale Produktion. Der Komponist der Oper: Der Japaner Toshio Hosokawa. Gestaltung des Bühnenraumes: Rirkrit Tiravanija, geboren in Kanada. Er lebt und arbeitet in Bangkok, Berlin und New York. Von ihm sind derzeit im Haus der Kunst auch mehrere seiner Aktionen und Produktionen zu sehen. HIER der Link. Regie: Sidi Larbi Cherkaoui, geboren in Antwerpen, flämisch-marokkanischer Abstammung. Tanz: Die Eastman Dance Company aus Antwerpen, auch HIER der Link, eine von Cherkaoui gegründete Tanzgruppe. Eine Produktion nach dem gleichnamigen japanischen Nō-Theaterstück von Yukio Mishima. Übersetzung des Libretto ins Englische von Donald Keene.

Der Komponist Toshio Hosokawa fand den Stoff zu seiner zweiten Oper Hanjo in einem Stück des japanischen Dichters Yukio Mishima aus den 1950er Jahren, in Form des No-Theaters geschrieben, das seinerseits auf eine Vorlage aus dem 14. Jahrhundert zurückgeht: Hanako, ein Mädchen (eine Geisha), das jahrelang am Bahnhof auf einen Mann (Yoshio) wartet, lebt im Hause einer Malerin, die sie liebt. Als Yoshio eines Tages wieder bei Hanako erscheint, kommt es zur Entscheidung. 

Das Warten, das Nichtstun, das ist Hanakos Leben geworden. Durch das Warten ist sie sich selbst offenbar näher gekommen. Das Warten macht sie schön, sagt die Künstlerin, die die Liebhaberin von Hanako ist. Die Gesichter aller Menschen sind dagegen tot, sagt Hanako selbst. Soll es damit etwa auch heißen: Wir machen uns alle verrückt im Aktivismus? Im Prinzip geht es um die Vereinsamung von Hanako. Hanako lebt nur durch ihr Warten. Hanako wird einmal von der Künstlerin gefragt: Was ist eigentlich, wenn der, auf den Du wartest, auch wartet?

Die Wirklichkeit verändert sich für Hanako durch ihr Warten. Traum wird ihre Wirklichkeit. So sagt Hanako dann auch, als Yoshio zurückkommt, er sei nicht der, auf den sie gewartet habe. Sie wartet weiter. Kommt der Mensch ohne Handeln aus? Findet er gerade dabei zu sich? Das Stück ist inhaltlich vielschichtig. Die Künstlerin wiederum liebt ja Hanako und und und.

Die Inszenierung wirkte für mich allerdings sehr „inszeniert“. Ich mag es lockerer, ungezwungener. Die „Bühne auf der Bühne“, ein Konstrukt aus Plexiglas, auf dem meist gesungen wurde, wurde immer wieder herumgedreht und bewegt. Auch andere Gegenstände – alle aus Plexiglas – wurden immer wieder bewegt. Eine Bank, Stufen.

Die Choreografie von Musik, Tanz und Gesang mag dabei sehr gut zueinander passen. Viel darüber liest man im umfangreichen Angebot auf der Website zur Produktion und im Programmbuch. Ich hatte allerdings japanische, „sanftere“ Musik erwartet. Mir erschien die Musik eher hart. Auch der Tanz, der ja die Gefühlswelt darstellen sollte: Um die etwas erhobene Bühne herum tanzen die Mitglieder der Eastman Dance Company meisterlich, aber eben komplizierter, als ich es für diese Produktion erwartet hatte. Fast alle mit Bart übrigens, passend zu dem erwarteten Yoshio, der ja auch Bart trägt.

Mein Fazit: Eine dramatische Geschichte, die für mich etwas überinszeniert war. Man darf eben keine Erwartungen haben …

Copyright des Beitragsbildes: Wilfried Hösl

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SONSTIGES: Ernst Krenek – Karl V.

Ich habe es mir auf eine Empfehlung hin angesehen, klassische Opern sind ja an sich nicht mein Thema und nicht Thema dieses Blogs. Ernst Krenek‘s „Karl V.“ ist aber keine klassische Oper, es ist ein – heißt es – „Bühnenwerk mit Musik“, hätte also geradezu auch Theaterelemente, sagte man mir.

Das „Bühnenwerk mit Musik“ wird seit Februar 2019 in unregelmäßigen Abständen am Nationaltheater München gezeigt und ist nun erneut – es folgen in Kürze und im Oktober wieder Aufführungen des Stückes (HIER die nächsten Termine) – im Rahmen der Münchner Opernfestspiele zu sehen.

Es wurde kein leichter, aber ein durchaus beeindruckender Abend. Zum einen war mir bislang das Leben von Karl V. kaum bekannt. Zum anderen handelt es sich bei dem Bühnenwerk von Ernst Krenek um ein Werk der Zwölftonmusik. Es gab also auch zwei zentrale Fragen: Wer war eigentlich Karl V.? Und was ist eigentlich Zwölftonmusik genau genommen?

Nun, zunächst zur zweiten Frage: Die Zwölftonmusik. Natürlich denkt man zunächst an Arnold Schönberg, den Begründer der Zwölftonmusik in den Jahren um 1920. Aber es gab eben auch Mitstreiter. Einer davon war – eher am Rande – Ernst Krenek. Karl V. ist die erste „Oper“ in Zwölftonmusik geworden. Eine schöne Erklärung der Methode der Zwölftonmusik gibt anlässlich der Aufführung von „Karl V.“ das Nationaltheater in DIESEM Video. Wie sich die „Oper“ dann anhört? Einen Trailer zu Karl V., in dem man einen kurzen Eindruck von der Musik erhält, gibt es HIER. Schwierig, aber interessant.

Und wer war Karl V.? Es ist ja alles erst wenige Jahrhunderte her! Mein Gott, was sind schon 500 Jahre! Karl lebte 1500 – 1558. Nicht weit weg von Shakespeares Zeiten, der ja die Theaterwelt heute auch noch prägt. Shakespeare lebte 1564 – 1616. HIER ein schönes, erklärendes Video des ZDF zur Bedeutung Karls V. Er war ja ein Weltherrscher, der den katholischen Glauben weltweit verbreiten wollte. Und es war die Zeit Luthers, der Reformation. Alle vom ZDF im obigen Video genannten Elemente finden sich auch in Ernst Kreneks Bühnenwerk „Karl V.“ Dort geht es ja um das Leben von Karl V., darum, dass Karl V. vor seinem Tod gegenüber einem jungen Mönch sein Leben und sein Werk noch einmal Revue passieren lässt und sich rechtfertigt, als eine Übung seiner noch bevorstehenden Rechtfertigung vor dem Jüngsten Gericht. Zusätzlich zu dem, was im Video des ZDF erklärt wird, geht es in Krenek’s Werk auch noch um den Krieg mit Frankreich. Darauf geht das Video garnicht ein.

HIER übrigens noch etwas: Ein Video mit den bekannten Playmobilfiguren zum Inhalt von Krenek’s „Oper“ Karl V. Wieder einmal gut gemacht.

Mit all diesen Videos ist man wirklich bestens vorbereitet. Weitere Informationen mit viel Bildmaterial zur Inszenierung von „Karl V.“ findet man auf der WEBSITE der Bayerischen Staatsoper.

Es ist eine Inszenierung des Spaniers Carlus Padrissa, der weltweit meist Opern inszeniert. Er ist Mitbegründer des Performance-Kollektivs La Fura Dels Baus. HIER die Website des Kollektivs. Auch Marc Molinos, der für das bei der Inszenierung nicht unwichtige Videodesign von „Karl V.“ verantwortlich ist, arbeitet eng mit diesem Kollektiv zusammen. Die Inszenierungen von Carlus Padrissa werden auch schon mal als „visueller Overkill“ bezeichnet. HIER etwa, von BR Klassik.

So war es auch bei „Karl V.“. Teilweise gewaltig schöne Bilder. Fast jedes einzelne Bühnenbild – und es gab wahrlich viele Einzelbilder – wäre es für sich wert gewesen, es länger zu betrachten. Meistens sehr abstrakt gehalten, hoch geschmackvoll, beeindruckend! Nicht nur die riesigen Videos im Hintergrund – oft riesige abstrakte Wandbilder -, nein auch die Gestaltungen auf der Bühne. Sie vergingen fast zu schnell. Dennoch ist für mich fraglich, warum das sein muss. Meines Erachtens leiden sogar Musik und Inhalt darunter, zumal die Zwölftonmusik durchaus anstrengend sein kann. Ich habe teilweise auch nicht die Zusammenhänge zwischen Bühnenbild und Inszenierung und Inhalt erkennen können. Alles gigantisch. Gut, Karl V. dachte auch gigantisch, aber eben zu gigantisch. In seinem Reich sollte die Sonne nie untergehen.

Die Kostümierung der Mitwirkenden und die Erscheinung von Karl V. war mir dabei ein völliges Rätsel. Warum hat Karl V. denn wie ein Punk fünf Hörner auf dem Kopf (siehe das Beitragsbild oben)? Und ich als Theaterfreund würde sagen: Karl V. wurde in seiner Erscheinung zu monoton dargestellt. Er schleicht im Grunde durchgehend als leidender alter Mann über die Bühne.

Also: Wenn man sich für Karl V. und die Zwölftonmusik interessieren will und wenn man den visuellen Overkill von La Fura Dels Baus erleben will, lohnt es sich allemal. Hier noch zwei Bilder der Inszenierung:

©️ des Beitragsbildes oben: Auch Wilfried Hösl