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SONSTIGES: Michel Friedman – Gespräche

Ich habe nun erst zum ersten Mal einem der Gesprächsabende von Michel Friedman an den Münchner Kammerspielen beigewohnt! Es war das Gespräch mit dem Makrosoziologen Heinz Bude, der von 2000 bis 2023 eine Professur für Makrosoziologie an der Universität Kassel innehatte.

Michel Friedman ist ja äußerst gesprächsfreudig, kritisch, scharfsinnig, sehr klug und thematisch immer im Dienste der Allgemeinheit. Er fordert seine Gesprächspartner! Ganz grundsätzlich gilt ja: Wir müssen reden! Wir müssen Gesprächskultur üben! Wir müssen uns mehr denn je auseinandersetzen mit den Themen! Nicht nur rein politisch, auch philosophisch. Dazu trägt Michel Friedman extrem bei, nicht nur derzeit an den Münchner Kammerspielen, er hatte auch eine Gesprächsreihe am Berliner Ensemble, auch an der Frankfurter Oper, er hat Runden immer wieder an anderen Orten und und und.

Ich möchte hier nicht den Inhalt des Gespräches mit Heinz Bude wiedergeben. Es war sehr vielfältig, kontrovers, lässt sich nicht kurz zusammenfassen. Es ging philosophisch zu, anfangs fast schon zu philosophisch, bis hin zu Camus, es wurde politisch und es wurde auch rein menschlich/persönlich. Wobei die große Prämisse von Michel Friedman immer ist: Nicht persönliche Eindrücke mit der sachlichen Argumentation vermischen! Nur sachlich diskutieren, das ist für Michel Friedman Diskussion! Natürlich, er pflegt die langen Sätze, die nicht immer ganz leicht zu verstehen sind, aber es wird diskutiert am Thema.

Ich kann es jedenfalls empfehlen, sich die Gespräche des intelligenten Michel Friedman an den Münchner Kammerspielen (oder wo auch immer) anzuhören. An den Münchner Kammerspielen wird er in dieser Spielzeit in den nächsten Monaten weiterhin jeweils ein Gespräch führen. HIER der Link zu den Terminen.

Meine Überlegung: Schön wäre es, wenn man diese Gespräche auch online nachhören könnte. Auf der Website von Michel Friedman (HIER) konnte man seine Gespräche am Berliner Ensemble hören (mir gelingt es allerdings nicht mehr, die Gespräche aufzurufen), als Anregung.

Und es wäre schön, wenn man nicht nur das „gepflegte Publikum“ erreichen könnte, wo ist die Jugend, die es erleben muss, wie diskutiert werden kann, wo sind die Mitbürger, die täglich Probleme haben? Aber gut, man kann nicht alles haben!

Es verbleibt jedenfalls hoher Respekt für Michel Friedman!

Die nächsten Gespräche an den Münchner Kammerspielen:

Mit Natalie Amiri über das Thema „Macht“ 29.04.2025 , 20.00 Uhr

Mit Alena Buyx über das Thema „Vertrauen“ 21.05.2025 , 20.00 Uhr

Mit Ronen Steinke über das Thema „Gerechtigkeit“ 06.06.2025 , 20.00 Uhr

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SONSTIGES: Kasper König

ACHTUNG!  Über den Abend, zu dem ich hier schreibe, ist eine Diskussionen entstanden. Dem einladenden Moderator Kasper König wird vorgeworfen, sich gegenüber den Gästen, vor allem gegenüber Cana Bilir-Meier, herabwürdigend geäußert zu haben. Die Kammerspiele haben daher den Mitschnitt der ganzen Veranstaltung online gestellt. Jeder kann sich ein Bild machen.

HIER  der Link. Akustisch schwer verständlich, aber es geht.

Was ich kurz nach der Veranstaltung geschrieben hatte:

Ich war wieder auf einem dieser Abende, die man kaum versteht. (Ich gebe mir zwanzig Minuten Zeit, um kurz dazu zu schreiben.)

Interessant, was andere, sehr engagierte, schlaue Menschen so drauf haben! Es war ein Abend in der Gesprächsreihe mit Kasper König, einer der „herausragenden Persönlichkeiten der internationalen Kunstwelt und langjähriger Direktor renommierter Ausstellungsorte wie Portikus in Frankfurt a. M. oder Museum Ludwig in Köln“. Alle zwei Monate findet in den Kammerspielen ein solcher Abend statt. „Kasper König &“ heißt die Serie. Kasper König trifft sich in „Kammer 3“ in der Regel mit ausgewählten KünstlerInnen und KuratorInnen zu einem Podiumsgespräch. Auch manchmal unter Teilnahme der ZuschauerInnen (ZuhörerInnen). Dieses Mal ging es sehr lange, war sehr engagiert, kontrovers – unter reger und interessanter Teilnahme von ZuschauerInnen.

Zu Gast waren dieses Mal die jungen KünstlerInnen Cana Bilir-Meier, Henrike Naumann, Wilhelm Klotzek. Es sollte darum gehen, was man in der Kunst mit dem Begriff „Heimat“ anfangen kann. Zu Gast am 17. Dezember ist Michaela Meise. HIER die Ankündigung und Infos zu Michaela Meise. Bereits zu Gast waren Alexandra Pirici, Frances Morris, Thomas Bayrle, Helga Fanderl, Okwui Enwezor, Jeremy Deller, Lisa Endriss, Joanna Warsza.

Ich wusste schon, was mich erwartet: Kasper König redet oft in schier unaufhörlich langen Sätzen und man wird in seinen schön unkonventionellen Sätzen innerhalb weniger Sekunden auf verschiedenste Aspekte zu einem Gesichtspunkt geschleudert. Immer aber mit sehr großem und offenem Weitblick! Im Grunde kann man seine Aussagen garnicht so verstehen, wie er sie meint. Soviel ist in jedem verworrenen Satz drin. Diesmal hatten die drei Gäste ihre Arbeiten zum „Rechtsruck“ der Gesellschaft vorgestellt, bevor Kasper König eigentlich versteckt vor allem die Arbeit von Cana Bilir-Meier kritisierte. Cana Bilir-Meier hatte ihre sehr dokumentarische Arbeit über die islamische Moschee in Freimann und deren Gründung 1969 erklärt. Es ergab sich im Laufe des Abends dann vor allem ein Thema:

Was ist denn überhaupt Kunst?

Kasper Königs Ansicht (glaube ich): Kunst besteht am besten außerhalb der Gesellschaft. Nicht innerhalb der Gesellschaft. Innerhalb der Gesellschaft herrscht ja eine gewisse ständige Selbstbestätigung und ein gewisses Phlegma (meine Worte). Und Kunst könnte ja nur etwas bewirken, wenn es nicht an dieser Selbstbestätigung teilnimmt!  Und „etwas bewirken“ heißt ja, dass die Gesellschaft auch durch Kunst weiterkommt! Kunst schleicht sich gewissermaßen in die Gesellschaft ein und verkauft sich allenfalls als Kunst! Aber der Kunst geht es eigentlich gar nicht darum, Kunst in der Gesellschaft zu sein! Sie will nicht der Bestandteil „Kunst“ in der Gesellschaft sein! Das kann ich gut nachvollziehen!  Soweit ich es verstehe! Ich bin ja kein Philosoph. Kasper König sagte auch, da sei es in München schwer: In München habe man alles, die Berge, die Seen, eine wunderschöne Stadt, etc. Kunst und Kultur solle in München das Schöne am besten nur ergänzen. Das sei dann aber eben eher „Kunst zur Verschönerung des Lebens“ (meine Worte), könnte man sagen. Fand ich interessant. Ich finde, es lohnt sich in der Tat, künftig einmal darauf zu achten, in wieweit das, was ich mir so ansehe, innerhalb oder außerhalb der Gesellschaft steht! Wie weit ist es weg vom  gesellschaftlich Gewohnten! Nun, das nur kurz in meinen Worten. Kasper König wird den Kopf schütteln bei diesen amateurhaften Betrachtungen.

Ein weiterer Aspekt jedenfalls, der auch kurz angesprochen wurde: Wir leben aktuell in Zeiten, in denen wir wieder über alles reden müssen! Reden, diskutieren, hören, überdenken etc. Auch interessant!

©️ des Beitragsbildes: Arne Wesenberg