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THEATER: William Shakespeare- Was ihr wollt

Diese und andere Fragen zur Liebe hat William Shakespeare in „Was ihr wollt“ aufgegriffen, einem Stück einmal ohne Tod und Schicksal etc. Ergänzt wird Shakespeares Werk „Was ihr wollt“ in der Inszenierung, die am Donnerstag an den Münchner Kammerspielen Premiere hatte, durch Texte der niederländischen Regisseurin Lies Pauwels, in denen alles noch weitergetrieben wird.

So sitzt man zwischen allen Stühlen, nicht nur Shakespeare folgend inhaltlich, sondern – wirklich sehr gelungen – in fast jeder Hinsicht: Textlich: Textvermischung inhaltlich und sprachlich, mal Shakespeare-Englisch, mal (etwa in Songs) modernes Englisch, mal Deutsch. Mal Shakespeare, mal Pauwels. Dann: Man erlebt die höfische Barockwelt des Shakespeare-Stückes zum Teil in der Kostümierung, die SchauspielerInnen tragen aber immer eng anliegende, modern gehaltene (radrennfahrertrikotähnliche) „Sportkleidungen“ darunter. Sportkleidungen, die noch dazu völlig „geschlechtsneutral“ sind. Oder sie tragen allesamt Marilyn-Monroe-Perücken. Sie schminken sich im Hintergrund an und ab. Musikalisch: Man trifft auf barocke Musik genauso wie auf moderne Musik. Gesang trifft auf Schauspiel. Gesang spielt hier ohnehin eine etwas größere Rolle. Und man trifft auf weitere Elemente der modernen Welt: Mikrofone sind durchgehend im Einsatz, Bilder von Roy Lichtenberg kommen auf die Bühne etc.

Die Mikrofone kommen (performanceähnlich) ohnehin fast durchgehend bei Text zum Einsatz, was das Persönliche des jeweils Gesagten verstärkt (Vielleicht kommen sie auch deshalb zum Einsatz, da immer wieder Musik das Spiel im Hintergrund unterlegt. Ein guter Nebeneffekt zumindest.)

So kann man im Grunde sogar sagen: Mit dieser Inszenierung mischt sich Schauspiel mit Performance! Man betritt eine Zwischenwelt von Schauspiel und Performance.

Shakespeare hat es in „Was ihr wollt“ dabei durchaus kompliziert gemacht, das sollte jedoch vom Besuch der Inszenierung in keiner Weise abschrecken! Ja, das Personaltableau und die Verwirrungen der Liebe sind in „Was ihr wollt“ kompliziert. Die Gründe der Verwirrung sind ja etwa zum Einen, dass es verwechselbare Zwillinge gibt (Viola – als Cesario verkleidet – und Sebastian) und zum Anderen natürlich, dass jede(r) seine Liebe irgendwie in eine andere Richtung fühlt. Nichts funktioniert, keine Liebe wird erwidert. Chaos wie ein Wirbelsturm.

Das Interessante dabei ist, dass in dieser Inszenierung wiederum alles – man glaubt es kaum – langsam und deutlich verhandelt wird, nicht im Sturm. Die Gefühlslagen der Beteiligten von „Was ihr wollt“ werden fast langsam entfaltet, sie werden durch Lies Pauwels Texte dazu noch gewissermaßen gestreckt, in die Tiefe gezogen.

Das führt vor allem zu schauspielerisch wunderbaren Leistungen! Schon das Minenspiel der SchauspielerInnen wird wichtig. Christian Löber etwa – Meister des Minenspiels – als Viola/Cesario! Oder Johanna Eiworth mit einem wunderbaren (immer mehr geschrieenen) Monolog. [Dazu übrigens: ich habe in mehreren Theaterstück der letzten Wochen erlebt, dass Kernstücke der Abende mit einer gewissen Verzweiflung zum Publikum geschrieen wurden! Etwa Thomas Hauser gegen Ende in „77 Versuche …“, oder Edmund Telgenkämper am Ende in „Katzelmacher“. Oder andere. Was für ein Zeichen der Zeit! „Wir müssen deutlich werden!“].

Der Shakespeare-Inhalt von „Was ihr wollt“ ist bei alledem zwar erkennbar, aber garnicht so entscheidend. Die niederländische Regisseurin Lies Pauwels – erstmals (hoffentlich nicht das letzte Mal) mit einer Arbeit an den Kammerspielen – schafft es mit ihrer Inszenierung, dem Inhalt von „Was ihr wollt“ zu folgen, ihn aber nicht erzählerisch darzubieten, sondern im Hintergrund zu halten und alles mehr auf die Innenschau der Personen auszurichten.

So kann man sagen: Es ist eine Freude, auf Basis von Shakespeare diese „Grenzwelt“ zwischen Schauspiel und Performance mit allen möglichen Vermischungen und Verwirrungen zu erleben! Es ist ein SchauspielerInnen-Abend, wirklich ein gelungener Abend!

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele.

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THEATER: Festival „Radikal jung“ 2025 – Der Publikumspreis

Den Publikumspreis hat dieses Jahr die Performance von Lulu Obermayer mit Rachel Troy, „Rachel und ich“, erhalten. Es ist eine Produktion des Münchner HochX Theaters und des Live Art München e.V. in Koproduktion mit dem Theater „Sophiensæle“ in Berlin und dem „Theater Rampe“ in Stuttgart.

Ich habe dieses Jahr nicht viele Produktionen des Festivals gesehen, nur die – sehr engagierte – Produktion „Kohlhaas (Glück der Erde, Rücken der Pferde)“ aus Osnabrück, davor „Caligula“ von Albert Camus vom Münchner Volkstheater, sowie die Produktion „Rachel und ich“ von Lulu Obermayer und Rachel Troy. Zu „Caligula“ ist HIER mein Bericht. Die Produktion „Rachel und ich“ war auf Bühne 3 des Münchner Volkstheaters, der im Vergleich zu Bühne 1 und 2 viel kleineren Zusatzbühne, zu sehen.

Rachel und ich“ ist die Erzählung einer Freundschaft, sehr autobiografisch, nicht fiktiv. Rachel Troy und Lulu Obermayer kennen sich seit vielen vielen Jahren, haben sich in ihren Ausbildungsjahren in New York kennengelernt. Lulu Obermeier ist ja Münchnerin, Rachel Troy stammt aus einer jüdischen Familie. Ihre Freundschaft war/ist belastet durch die jüdische Vergangenheit der Familie von Rachel Troy. Damit setzt sich diese Produktion auseinander. Freundschaft mit Blick zurück vor dem Hintergrund persönlicher Vergangenheit und historischer Vergangenheit. Sie haben es nicht erlebt, aber natürlich konnten und können beide in diesem Verhältnis (eine Deutsche, eine Jüdin) die historische Vergangenheit des Zweiten Weltkriegs – zum Beispiel auch in Gesprächen mit ihren Eltern und Großeltern oder Gesprächsversuchen oder eigentlich Gesprächsunterlassungen – nicht ausblenden, nicht vergessen. Erstaunlich in ihren damals jungen Jahren, aber ok.

Ich fand allerdings die sehr engagierte Produktion „Kohlhaas …“ sogar interessanter. Eine Produktion auf großer Bühne, insgesamt viel aufwändiger, wild und inhaltlich mit interessanten, auch gewagten, auf die Spitze getriebenen Ansätzen, schauspielerisch (oder besser: „handlungstechnisch“ – sie schauspielern kaum) überzeugend. Der Gedanke dort ist ja: Der Gerechtigkeitsfanatiker und Rebell Michael Kohlhaas mit Blick auf die heutige Zeit! Eine wilde Übertragung des Dramas von Heinrch Kleist aus dem 17. Jahrhundert in die heutige Zeit. Ein Parforceritt.

„Rachel und ich“ dagegen: Auf kleiner Bühne, ganz schlicht gehalten, nicht extrem, mehr eine Erzählung als eine Produktion. Sie hat mir zu wenig Gedanken über das Entstehen und die Entwicklung der offenbar schnell entstandenen Freundschaft zwischen Lulu und Rachel erlaubt und ich fand zum Thema der fürchterlichen jüdischen Vergangenheit des Zweiten Weltkriegs keine besondere Herangehensweise. Doch: Der Vergangenheit nachspüren – Schuldgefühle – Vorwürfe – Zerwürfnis – Verzeihen, das war die Entwicklung. Treffend sicher, aber eben nicht sehr speziell.

Lulu und Rachel sind ja aus der Generation, die allenfalls noch mit den Großeltern oder Eltern über den zweiten Weltkrieg sprechen kann oder konnte. Daher das große Thema, das immer bleibt: Das Nachwirken von Geschichte in späteren Generationen! Wichtig und interessant, dennoch wundere ich mich doch ein wenig über den Publikumspreis 2025 und frage mich: Wie wird eigentlich die Publikumsbewertung gewichtet, wenn Produktionen auf der sehr kleinen Bühne 3 des Volkstheaters gezeigt werden, während andere Produktionen vor der vielleicht acht- oder zehnfachen Menge des Publikums gezeigt werden?

Nun gut, ich gehe davon aus, dass beide Produktionen noch zu sehen sind, jeder kann sich sein eigenes Bild machen. Ich vermute, dass die mit den Publikumspreis ausgezeichnete Produktion „Rachel und ich“ etwa irgendwann noch einmal im Münchner Theater HochX zu sehen ist. Zuletzt war sie dort im Januar zu sehen. Und „Kohlhaas …“ in Osnabrück etwa?

Hier noch Eindrücke:

„Kohlhaas (Glück der Erde, Rücken der Pferde)“:

Publikumsgespräche offiziell und privat:

Copyrights der Bilder: Beitragsbild: Julian Baumann Bild 1: Uwe Lewandowski Bild 2 und 3: Gabriela Neeb

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THEATER: Kyung-Sung Lee – 77 Versuche, die Welt zu verstehen

Es wird kein „Stück gespielt!“ Es werden Überlegungen präsentiert. Das macht es interessant. Ich habe nicht mitgezählt, aber es werden 77 verschiedene Überlegungen sein, wie der Titel sagt. Allerdings selbst formulierte Überlegungen zum Verhältnis „Die Welt – das Theater“. Hinter allem steht eben Bertolt Brecht, der auch als fremde Stimme („Bot“) und teils in Person von Thomas Hauser zu hören/sehen ist. Es geht um die Sicht auf die Welt speziell aus der Sicht des Theaters.

Eines möchte ich gleich hervorheben: Thomas Hauser, einer der vier Ensemblemitglieder des Stückes, hält gegen Ende einen Monolog, blickt von der dunklen Bühne, am hinteren Rand in der Ecke stehend, auf eine offene Tür, durch die wiederum grelles Licht scheint. Er blickt vom Theater hinaus in die grelle Welt. Dieser – leider sogar zu kurze – Monolog wird von ihm großartig gehalten! Für mich ein Erlebnis, der Kern des Abends, ein Erlebnis, das allein den Besuch wert ist!

Es ist ohnehin eine überzeugende Leistung der vier – insgesamt eher sympathisch auftretenden – Ensemblemitglieder an diesem nicht sehr langen Abend im Marstalltheater, speziell aber von Thomas Hauser. Thomas Hauser hat derzeit noch recht wenig Rollen am Residenztheater, es werden hoffentlich bald mehr! Seine hier oft ratlose, sich vielleicht gewollt „unwohl“ fühlende, eher zweifelnde und im Monolog geradezu verzweifelnde und verzweifelte Art, die Überlegungen zu präsentieren, sticht hervor! Motto: Die Welt ist so anders als das Theater! Melancholie schwingt bei vielen der Überlegungen durchaus mit, kommt gut zum Ausdruck! Die Melancholie lässt aber auch der Hoffnung Platz! Es ist kein negativer Abend. Und passend ist, dass der Abend in keiner Weise überladen wird.

Was macht das Theater mit der Welt? Die Welt ändert sich doch ständig, wird immer unberechenbarer. Ohnehin, die Gegenwart vergeht, Künftiges können wir nicht vorhersehen, nicht lenken! Wird Theater da irgendwie gebraucht? Werden die richtigen Menschen angesprochen? Tragen sich die Überlegungen des Theaters „draußen“ in der Welt herum? Und so weiter. Es sind große Fragen des Theaters, und es sind viele Überlegungen! Viele, die aber allesamt eher spielerisch und fein dargeboten werden, ohne zu schwer zu wirken. Siehe das Beitragsbild. Es werden an den Abenden wohl verschiedene Dinge auf den Boden geschrieben. Es hieß etwa: „Ich habe mehr Gefühl als eine Teesorte!“ … Die Teesorte als unsere Werbewelt …

An dieser Stelle sei aus dem Programmheft zitiert:

Kyung-Sung Lee arbeitet vorwiegend im Stil des «devised theatre» – der Theatertext entsteht im künstlerischen Kollektiv. Er bemüht sich, Schauspie- lerinnen und künstlerisches Team kennenzulernen und sich sowohl ihren gemeinsamen als auch ihren unterschiedlichen Lebensrealitäten anzunähern. Dabei versteht er Theater als einen Raum, der uns lehrt, dass wir im Leben nicht alles wissen können, und dass das Besondere oft in den kleinen Dingen und Momenten liegt. «77 Versuche, die Welt zu verstehen» ist das Ergebnis eines mehrwöchigen Dialogs zwischen südkoreanischen und deutschen Theatermacherinnen, die über ihre Realität, die Gesellschaft, die Welt und Bertolt Brechts Versuch, das Theater in seiner Zeit der Unsicherheit neu zu begreifen, diskutiert haben. Ausgehend von diesen Eindrücken hat Lee gemeinsam mit dem ebenfalls koreanischen Autor Hong-Do Lee eine Szenencollage entwickelt, in denen die Bühne zum (Schutz-)Raum für Versuche wird, die Welt im Theater zu reflektieren. In der Spielzeit 2024/25 verbringt Hong-Do Lee im Rahmen von WELT/BÜHNE – Plattform für internationale Gegenwartsdramatik eine mehrmonatige Schreibresidenz in München.

Hier noch ein Bild:

HIER der Link zum Text „Kleines Organon für dasTheater“ von Bertolt Brecht.

Copyright der Bilder: Birgit Hupfeld

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THEATER: Katzelmacher – nach Rainer Werner Fassbinder

  • Zu Beginn sitzt man vor der mit einer Stoffplane komplett verhangenen Bühne, man erkennt schon, dass nur ein kleinerer Ausschnitt davon das Bühnenbild sein wird. Videoprojektionen bespielen später die hellgraue Stoffplane insgesamt, fast immer wieder gleich. Zehnmal öffnet sich die kleinere Ausschnittsfläche, zeigt „unsere Welt“, schließt sich später wieder. Die kleinere Ausschnittsfläche könnte – so die immer wiederkehrende Videobespielung – ein schweres Eisentor sein, eine Trennwand, die sich hebt und senkt. Das Drumherum wird immer wieder bildlich von schwarzen Flüssigkeiten überschwemmt. Siehe das Beitragsbild oben. Soviel zum Thema „Einwanderung“ … man ist sofort im Thema.
  • Es beginnt dann mit der heilen Welt der Katzen. Man besucht ja das Stück „Katzelmacher“ nach Rainer Werner Fassbinder. Uraufgeführt 1968, ein wortarmes Stück, als Fernsehfilm fast statisch mit einer Kamera gefilmt, schwarz/weiß, über das Niederbayerische und einen der damaligen Arbeitsmigranten, damals waren es Griechen, Türken, Italiener …, das Entstehen von Hass. Heute – man rutscht ja sofort in die heutige Zeit – sind diese wiederum kaum mehr Thema, mit „Migranten“ meint man heute Syrer, Afghanen, Afrikaner … Eine erste Verwirrung! Sind das nicht sehr unterschiedliche Themen, völlig andere Zeiten? Nein, es passt im Grunde so, weil „Katzelmacher“ von Regisseur Emre Akal auf eine „abstraktere“ Ebene gehoben wird. Er zeichnet im Grunde ein zeitloseres Gemälde. Prägnanter allerdings, fast brutaler, zugespitzter als das Fassbinder-Original. Der Text allerdings ist weitgehend – trotz Kürzungen – der Text von Fassbinders „Katzelmacher“, die andere Welt von 1968. Puh! Das Abstrakte dieser sehr besonderen, großartigen Inszenierung, dieses „Gemäldes“, an das man sich dann aber gerade gewöhnt hat, verschwindet dann doch wieder, wenn man die überdeutlichen konkreten Anspielungen an unsere heile Welt in Deutschland und die Kriege „draußen“ im Hintergrund eingespielt sieht, wenn man sieht, wie wir trotz der Ferne dieser Kriege in unserer heilen Welt erschrecken, total erschrecken. Also alles abstrakter, aber dann doch auch wieder konkret. Unsere Träume nkpokale fallen vom Tisch! Puh!
  • Emre Kazal greift mit dem Stück völlig zurecht natürlich in den aktuellen politischen Diskurs über Migranten ein, will aber natürlich dabei nicht alle Aspekte „politisch“ berücksichtigen. Das Stück zeigt, wie Hass automatisch entsteht! Er soll wieder weg, der Ausländer! Eine weit verbreitete Haltung! Was (mich) daran weiter verwirrte: Man denkt ja schnell umfassend politisch, denkt an verschiedenste Aspekte, wird aber fast bedrängt von dem – unschönen – Blick darauf, wie schnell eben Hass gegen das undefiniert „Fremde“ entsteht. Es bleibt also bei Emre Kazal einseitig – man muss das „politische Denken“ ausschalten, aber mit guten Gründen! Wir sind ja nicht in einem Seminar! Emre Kazal (auf Basis von Rainer Werner Fassbinder) will mit Fassbinders Milieufilm aus den Sechzigern auf den Wahnsinn hinweisen, den wir heute immer noch haben, der doch sogar noch schlimmer geworden ist und der eben hinter der gesamten politischen Diskussion liegt. Die schnell entstehende Einstellung gegen „Fremde“. Das „Gemälde“ „Katzelmacher“ als Mahnung! So auch am Ende der „Epilog“ von Emre Kazal!
  • Dass die Inszenierung trotz der inhaltlich also manchmal entstehenden Verwirrung großartig ist, liegt am Regisseur Emre Akal und dem Künstler-Duo Mehmet & Kazim, die sie gestaltet haben. Sie entwerfen in dieser Inszenierung (nicht nur in dieser) eine assoziative künstliche Welt, das „Gemälde“, in der analoge und digitale Mittel zu einer eigenen Illusion verschwimmen. So wird es mehr ein „künstlerisches Gesamtwerk“ als eine „Inszenierung“. Siehe auch die Bilder unten. Sehr eigen, sehr beeindruckend, sehr prägnant, frech fast, so sieht man es selten. Die zehn Szenen, die man sieht, sind sehr verschieden gestaltet, man erkennt aber den „Faden“ der Erzählung von „Katzelmacher“. „Katzelmacher nach Rainer Werner Fassbinder“.
  • Dass die Inszenierung so gelungen ist, liegt auch an den SchauspielerInnen, ich würde sagen, allen voran sehr überzeugend und prägnant Stefan Merki, aber sie spielen das „Gemälde“ letztlich alle klasse! Edmund Telgenkämper, der zurzeit ja an einer ganzen Reihe der Inszenierung mitwirkt, und auch Annika Neugart vor allem mit ihrer kleinen Gesangseinlage möchte ich noch nennen. Es liegt des Weiteren auch an der Kostümierung und der Mischung der digitalen und der realen Welt.

Fazit: Wenn man mitverfolgt, dass derzeit leider bundesweit Kulturetats zu erheblichen Kürzungen führen, kann man nur dankbar sein, wenn Inszenierungen wie diese entstehen. Daher: Hingehen und den Kammerspielen die Bude einrennen (im positiven Sinne)!

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele.

Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Spielfilm Katzelmacher:

Hier noch zwei Fotos der Inszenierung:

Copyright der Bilder: Gabriela Neeb

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THEATER: Samuel Beckett – Warten auf Godot

Samuel Beckett konnte die Frage, wer denn Godot sei, selber nicht beantworten, sagte er, sonst hätte er das Stück „nicht geschrieben“. So kann man nur rätseln, auf wen oder was hier gewartet wird und was man in diesem Stück überhaupt sieht, das gilt auch für diese Inszenierung. Einen Handlungsstrang gibt es nicht im Geringsten, man erlebt – absolut wortgetreu dem Text folgend – nur Absurdes, braucht Fantasie und Interpretationsfreude. Für die Vorstellung am Residenztheater kann sich beispielsweise jeder für sich etwa folgende Interpretationen „mitnehmen“:

  • Die historische Deutung: Samuel Beckett hat Warten auf Godot kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben. Bezüge zum millionenfachen Schicksal der Juden sind auch kurz in der Inszenierung von Claudia Bauer (auf der Videowand im Hintergrund) zu finden. Die historische Frage: Wie kann man mit diesen Tatsachen, mit diesen gigantischen Verbrechen, dieser Schuld, umgehen für das weitere Leben? Estragon etwa vergisst einfach … spricht mehrfach vom Selbstmord …
  • Es gibt eine Yin-Yang-These: Wladimir ist ein Idealist, sein Freund Estragon hat dagegen eher resigniert und ist – wie gesagt – vergesslich. Beide stellen somit die Gegenpole Geist und Körper dar oder, mit den Begriffen aus der chinesischen Philosophie, die Prinzipien Yin und Yang.
  • Eine sozialistische These dagegen besagt, dass „Warten auf Godot“ ein Drama über Armut, Hunger, Elend und Sklaverei, über das Verhältnis von Herr und Sklave ist. Schließlich treten ja (als im Grunde einzige weitere Personen) Pozzo und sein Sklave Lucky im Stück auf. Hiermit würde aber doch m. E. zu einseitig auf die beiden Personen Pozzo und Lucky abgestellt, obwohl diese in beiden Hälften des Stückes auftreten.
  • Eine andere, die existenzialistische These, drängt sich vielleicht am ehesten auf: Nicht das Warten auf Godot, eine bestimmte Person, ist das Thema des Stücks, sondern das Warten an sich, das Leben ein Wartezustand. Warten auf etwas, ohne wissen zu können, auf was wir warten. Das absurde Theater, das sinnlose Sich-Ablenken, wie es Wladimir und Estragon ja immer wieder – mit meist nicht einmal vorhandenen Dingen – tun, deren Ratlosigkeit.
  • Eine christliche These wiederum sagt schlicht, Warten auf Godot sei mit der Suche nach Gott gleichzusetzen. Wer auf Godot wartet, stellt die Glaubensfrage.
  • Oder eine zivilisationskritische Interpretation: Die Einschätzung der modernen westlichen Zivilisation, dass alles einen Sinn und einen Zweck haben muss, wird auf den Kopf gestellt.
  • Auch eine nihilistische These gibt es: Beckett zeige die Welt nach der Atombombe. Im Programmheft heißt es etwa: „Die Welt – eine tote Hose im leeren Zirkus des Universums …“
  • Oder auch eine sprachkritische Betrachtung, die zur Interpretation führt, Sprache verselbstständige sich. Es findet keine Kommunikation statt. Die Figuren wollen nichts mitteilen oder ausdrücken.

Es ist schwer, ja es war immer schon unlösbar, dem Stück selbst eine bestimmte besonders treffende Interpretation zuzuschreiben, was an der Inhaltlosigkeit, an den nicht gerade leichten „Konversationen“, Äußerungen und Handlungen der Beteiligten liegt. Auch Claudia Bauer versucht nun natürlich mit ihrer Inszenierung – im engen Rahmen, den Samuel Becketts testamentarische Vorgaben für Aufführungen dieses Stückes machen – in gewisser Weise eine mögliche Interpretation. Prägend ist bei ihr die Zirkusmusik, die fast durchgehend den Abend im Hintergrund mal lauter, mal leiser begleitet. Das Spiel. Prägend ist bei ihr damit nicht das Tragische, sondern eher das Spielerische, das Zeitvertreiben der beiden wartenden Landstreicher. Auch diese Interpretation macht es nicht einfach, dem Stück etwas zu entnehmen. Man muss viel darüber nachdenken. Warum das Clowneske?

Das Bühnenbild ist dabei völlig zeit- und orientierungslos gehalten – wie das „Geschehen“. Das unterstreicht das Theoriehafte des Stückes, das absolut Absurde. Aber hierzu gilt: „Geschmeidigkeit geht anders!“ Die „Spielfläche“ ist eine große eckige, schräg abfallende Plattform, eine „unschöne“ Bühne auf der Bühne. Alle Beteiligten fallen auch mindestens einmal von dieser „Bühne auf der Bühne“, wollen aber wieder zurück, sie ist ja ihre „Welt“. Unter der „Bühne auf der Bühne“ kommt oft das Gewirr der tragenden Metallstangen zum Vorschein. Das ist theaterhaft – wie auch zu Beginn und am Ende Wladimir und Estragon vor dem Schminkspiegel – aber auch nicht gerade schön. Über der „Bühne auf der Bühne“ befinden sich – auch das alles andere als „schön“ – Reihen von Neonröhren, parallel ausgerichtet, auch sie hängen insgesamt schräg. Mehr gibt es natürlich nicht (der Baum natürlich noch, und die riesige Videowand hinten manchmal). Aber „Schönheit“ spielt natürlich überhaupt keine Rolle bei „Warten auf Godot“.

Claudia Bauer mag sich bei alledem über die engen Vorgaben von Samuel Beckett „geärgert“ haben, denn diese Vorgaben werden immer wieder auf der riesigen Leinwand im Hintergrund von Samuel Beckett persönlich (mit verfremdeter Stimme und verfremdetem Mund) eingespielt, fast hilflos folgen die beiden Landstreicher diesen Anweisungen, rennen auf der Bühne (wieder eher clownesk) hin und her, schaffen es kaum.

Ein Fazit: Claudia Bauer drängt im Grunde bei aller unschönen „Schrägheit“, auf die man blickt und die man erlebt, mit verschiedenen Elementen hauptsächlich wohl zu einer „lustigen“ Interpretation: Das clowneske Verhalten von Estragon und Wladimir, deren Kleidung, das Zirkushafte immer wieder, die Musik. All das führt dann aber dazu, dass die „schwereren“, die tragischen, philosophischen Aspekte dieses so unverständlichen Stückes etwas in den Hintergrund treten. Sie finden zwar auch irgendwie ohne besondere Betonung alle ihren Platz, das aber verwirrt dann vor der „Zirkuswelt“ eher (was aber auch am Stück selbst liegt). Im Ergebnis verlässt man damit aber das Theater doch recht ratlos. Man muss eben darüber nachdenken, reden.

HIER der Link zur Stücke Seite auf der Website des Münchner Residenztheaters.

Copyright des Beitragsbildes: Birgit Hupfeld

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Sonstiges

SONSTIGES: Michel Friedman – Gespräche

Ich habe nun erst zum ersten Mal einem der Gesprächsabende von Michel Friedman an den Münchner Kammerspielen beigewohnt! Es war das Gespräch mit dem Makrosoziologen Heinz Bude, der von 2000 bis 2023 eine Professur für Makrosoziologie an der Universität Kassel innehatte.

Michel Friedman ist ja äußerst gesprächsfreudig, kritisch, scharfsinnig, sehr klug und thematisch immer im Dienste der Allgemeinheit. Er fordert seine Gesprächspartner! Ganz grundsätzlich gilt ja: Wir müssen reden! Wir müssen Gesprächskultur üben! Wir müssen uns mehr denn je auseinandersetzen mit den Themen! Nicht nur rein politisch, auch philosophisch. Dazu trägt Michel Friedman extrem bei, nicht nur derzeit an den Münchner Kammerspielen, er hatte auch eine Gesprächsreihe am Berliner Ensemble, auch an der Frankfurter Oper, er hat Runden immer wieder an anderen Orten und und und.

Ich möchte hier nicht den Inhalt des Gespräches mit Heinz Bude wiedergeben. Es war sehr vielfältig, kontrovers, lässt sich nicht kurz zusammenfassen. Es ging philosophisch zu, anfangs fast schon zu philosophisch, bis hin zu Camus, es wurde politisch und es wurde auch rein menschlich/persönlich. Wobei die große Prämisse von Michel Friedman immer ist: Nicht persönliche Eindrücke mit der sachlichen Argumentation vermischen! Nur sachlich diskutieren, das ist für Michel Friedman Diskussion! Natürlich, er pflegt die langen Sätze, die nicht immer ganz leicht zu verstehen sind, aber es wird diskutiert am Thema.

Ich kann es jedenfalls empfehlen, sich die Gespräche des intelligenten Michel Friedman an den Münchner Kammerspielen (oder wo auch immer) anzuhören. An den Münchner Kammerspielen wird er in dieser Spielzeit in den nächsten Monaten weiterhin jeweils ein Gespräch führen. HIER der Link zu den Terminen.

Meine Überlegung: Schön wäre es, wenn man diese Gespräche auch online nachhören könnte. Auf der Website von Michel Friedman (HIER) konnte man seine Gespräche am Berliner Ensemble hören (mir gelingt es allerdings nicht mehr, die Gespräche aufzurufen), als Anregung.

Und es wäre schön, wenn man nicht nur das „gepflegte Publikum“ erreichen könnte, wo ist die Jugend, die es erleben muss, wie diskutiert werden kann, wo sind die Mitbürger, die täglich Probleme haben? Aber gut, man kann nicht alles haben!

Es verbleibt jedenfalls hoher Respekt für Michel Friedman!

Die nächsten Gespräche an den Münchner Kammerspielen:

Mit Natalie Amiri über das Thema „Macht“ 29.04.2025 , 20.00 Uhr

Mit Alena Buyx über das Thema „Vertrauen“ 21.05.2025 , 20.00 Uhr

Mit Ronen Steinke über das Thema „Gerechtigkeit“ 06.06.2025 , 20.00 Uhr

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THEATER: Leon Engler – Wasserstoffbrennen

Und da sitze ich im kleinen Zentraltheater in München, in Deutschland, in Europa, auf einem Kontinent der Erdkugel, irgendwo im Weltall, abends, die Sonne ist „untergegangen“, beziehungsweise die Erde, unser Planet, hat sich gedreht. Erste Reihe, kleiner Raum, kleine Bühne, Holzklappstühle, vielleicht sind es 10 Stuhlreihen á 12 Plätze? Die Bühne: Etwa 15 m x 8 m Fläche. Der schwarze Bühnenboden ist etwas erhöht, er steht auf etwa 30 cm hohen Stahlträgern, Teile des Bühnenbodens fehlen, es sind zwei Ebenen, die Wand im Hintergrund ist bespannt mit einem dunklen Tuch mit Sternen-ähnlichen silbernen Punkten. Da sitze ich. Es soll um Liebe gehen. Der Abend beginnt, es ist dunkel, man erahnt zwei Personen auf dem Bühnenboden stehend. Michaela Weingartner und Franz-Xaver Zeller. Beide haben vor Jahren eine Schauspielausbildung an der Schauspielschule Zerboni gemacht, etwa 2014 – 2016. Die Schauspielschule Zerboni und das Zentraltheater teilen sich die Räumlichkeiten in der Paul-Heyse-Straße 28. Ich mag das kleine Theater. Man ist mitten drin. „Wasserstoffbrennen“ von Leon Engler hatte hier im Mai 2017 Premiere, jetzt die Wiederaufnahme mit derselben Besetzung! Michaela Weingartner sagte mir nach der Vorführung: Durch das eigene Älterwerden versteht man den Text wieder anders/besser! Auch heute Abend, am Mittwoch, 12. März, läuft es, es ist aber wohl ausverkauft. Michaela Weingartner ist mittlerweile vor allem als Kommissarin in den „Rosenheim Cops“ zu sehen, Franz-Xaver Zeller ist derzeit schauspielerisch in London tätig.

Als Nächstes soll am Zentraltheater Benjamin Stuckrad-Barre’s „Noch wach?“ kommen.

Es geht bei „Wasserstoffbrennen“ um die lebenslange Liebe (war es Liebe?) von Nico und Mascha, erzählt in 17 Teilen, alles nicht leicht verständlich irgendwie. Es ist ja angelegt auf diese Mischung von ganz nüchternen Schilderungen physikalischer, astrologischer Gegebenheiten mit Schilderungen aus dem Leben von Nico und Mascha. Also die Frage: „Was soll das alles?“ Es mag unzählig viele Universen geben, heißt es etwa. Was soll alles?

Ich habe den Text danach gelesen und muss sagen: Auf der Bühne ist mir der Ausdruck dieser Wahnsinnsfrage „Was soll das alles“ etwas zu schnell vorbeigesaust. Schade, es war gut gespielt/erzählt, aber teils sehr schnell. Vor allem doch durchgehend in diesem Tempo. Vor allem bei Franz-Xaver Zeller dachte ich das ein oder andere Mal: „Nicht so schnell bitte, ich komme durcheinander.“ Aber man kann nicht alles haben!

Es endet mit der Feststellung: „Die Asche wird im Erdreich verteilt. Und dreißigtausend Jahre später stößt ein winziger Partikel von Nico auf einen winzigen Partikel von Mascha.“ Hm, möglich, aber ernüchternd. Aber was sind schon dreißigtausend Jahre, wir wissen es nicht. Jedenfalls gab es Gott sei Dank nach der Vorstellung noch ein kaltes Buffet des Theaters und ein geselliges Beisammensein. Das war hier auf der Erde! Was wir so machen!

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THEATER: Klaus Mann – Mephisto

Es ist ja fast bestürzend: So, wie das „Singspiel“ am Münchner Nockherberg zur aktuellen politischen Lage kann man bis zur Pause des dreieinhalbstündigen Abends diesen „Mephisto“ sehen und verstehen. Bissig, aktuell und verschiedene Betroffene und deren unterschiedliche Verhaltensweisen zeigend. Man müsste am Text vor der Pause fast nichts ändern, man müsste die Aufführung nur mit aktuellen Personen (nicht nur mit Politikern) besetzen, vielleicht etwas kürzen, fertig, schon wäre man in der heutigen Zeit und einer ihrer großen Problemlagen, nicht nur in Deutschland!

Nach der Pause ändert sich die Ausgangslage: Hendrik Höfgen in Klaus Manns Roman „Mephisto“ ist dann gänzlich in die Maschinerie der Nazis integriert, er wechselt nach Berlin, hat nazikonforme Erfolge, rechtfertigt sich, sieht keinen anderen Weg, verliert Freunde, andere verhalten sich anders, sogar Adolf Hitler tritt auf und und und. Das ist dann nicht mehr „aktuelles Singspiel“ – soweit sind wir noch nicht -, sondern dann ist es die Zeit des Romans „Mephisto“ von Klaus Mann, erschienen 1936.

Neben dieser erschreckenden verdeckten Aktualität der ersten Hälfte (Thema: Unser auch heutiges Verhalten im „Rechtsruck“) sticht hervor, dass es sich hier insgesamt um eine rundum gelungene Inszenierung handelt. Man sieht ja immer wieder gerne Inszenierungen, die schon durch besondere Elemente oder Personen hervorstechen. Besonders schön ist es aber dann, wenn man merkt: Hier stimmt einfach alles! Das war mein Eindruck.

Alle Einzelheiten betonen etwas: Die Schauspieler/innen, deren Zusammensetzung, das Bühnenbild, das Licht, der Text, die Verbindung zur heutigen Zeit etwa durch das Schlagzeugspiel live, Kleinigkeiten wie der mehrfache Einsatz des roten Bühnenvorhangs und Theateranweisungen aus dem Off …, etwas Humor, alles fließt zusammen und trägt zu einem gelungenen Gesamtbild bei.

Die Schauspieler/innen: Die Schauspieler (Thomas Schmauser, Edmund Telgenkämper, Bless Amada, Erwin Aljukic, Martin Weigel und Elias Krischke) spielen etwas auffälliger als die Schauspielerinnen (Linda Pöppel, Maren Solty und Johanna Eiworth). Das liegt sicherlich auch an den bedeutenderen, vielseitigeren Rollen dieser Personen im Roman. Daher: Immer wieder wunderbar anzusehen Thomas Schmauser, er muss allenfalls aufpassen, mein Eindruck, dass seine Rollen nicht zu ähnlich bleiben! Zuletzt ist er als Baumeister Sollnes und hier als Hendrik Höfgen gar nicht einmal so deutlich unterschiedlich! Wirklich hervorragend auch wieder Edmund Telgenkämper in drei völlig verschiedenen Rollen, ebenso Erwin Aljukic in sehr verschiedenen Rollen. Er spielt Adolf Hitler, Gottfried Benn und und. Sehr gut und auch das passt so gut, dass gerade er diese Rolle spielt! Und sehr gut und beeindruckend die Gastbesetzung Bless Amada vom Wiener Burgtheater (Beitragsbild oben),

Das Lichtdesign: Auch das ist durchaus auffallend an diesem Abend! Immer wieder durchqueren etwa breite helle Lichtsäulen den dunklen Zuschauerraum und fokussieren eine Person auf der Bühne. Ein Element, das verspielt zusätzlich an die Nazizeit denken lässt! Lichtsäulen!

Die Bühne wird geprägt von zwölf etwa zweieinhalb Meter hohen, etwa zwei Meter breiten mobilen, beleuchtbaren „Schachteln“, die durch viel Bewegung immer wieder in neue Position gebracht werden und Räume schaffen!

Der Text, also die Bühnenfassung von Emilia Henrich, Jette Steckel (Regisseurin) und Johanna Höhmann, legt es auf eine leichte Verbindung der damaligen Zeit mit der heutigen Zeit an. Etwa wenn von den unzufriedenen jungen Menschen in Niederbayern gesprochen wird.

Fazit: Meines Erachtens könnte die Inszenierung durchaus (durch die Aktualität, durch das Zusammenwirken aller Elemente) bei der Auswahl zum Theatertreffen 2025/2026 eine Rolle spielen! Schade ist nur: Dieses Stück müssten diejenigen sehen, die hinsichtlich des Rechtsruckes (wir wissen ja nicht, was uns noch bevorsteht) sensibilisiert werden müssen! Ich vermute, dass die Zuschauer der Kammerspiele insoweit nicht sensibilisiert werden müssen, sie werden es schon sein. Das Stück müsste etwa für Schulen gezeigt werden. Oder warum nicht einmal im Fernsehen frei für „jedermann“? Oder als Streamingangebot! Sind wir dazu nicht verpflichtet? Die Kammerspiele, Theater der Stadt!

Das traditionelle Nockherberg-Singspiel 2025 ist übrigens heute Abend, am Mittwoch, 12. März, im Fernsehen zu sehen, der „Mephisto“ von Klaus Mann ist noch öfter an den Münchner Kammerspiele zu sehen! Die nächste Aufführung an den Kammerspielen ist am 18. März.

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele.

Hier noch zwei Fotos der Inszenierung:

Copyright der Fotos: Armin Smailovic

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THEATER: Michel Friedman – Fremd

Am Ende schreibe ich: Hingehen! Wegen Michel Friedman, wegen Katharina Bach und wegen der Verhinderung von Ausgrenzung!

Auf den ersten Blick mag Michel Friedman ja oft in gewisser Weise arrogant wirken. Seine etwas hängenden Augenlider wirken schnell herablassend, sein immer tief gebräuntes Gesicht, seine meist scharfen und fordernden Worte, sein immer sehr „offiziell“ wirkendes perfektes Äußeres, die glatte Frisur, all diese Äußerlichkeiten tragen vielleicht immer wieder dazu bei, ihn als arrogant zu bezeichnen. Aber: In dem von ihm verfassten beeindruckenden, extrem persönlichen Text „Fremd“, der gerade durch seine fast stakkatoartige Aneinanderreihung der Erinnerungen so überzeugend ist, kommt viel zum Vorschein, es zeigt sich ein Bild, das diesem ersten Eindruck der Arroganz deutlich entgegensteht! In diesem Text blickt man in seine Persönlichkeit, erfährt viel von seiner Vergangenheit, viel von seinem Leben, seiner Prägung schon von Kindheit an, von seinem Leben für und mit Vater und Mutter – „Papa“ und „Mama“. Wie es eben so ist : Man bleibt immer das Kind, das ist auch bei Michel Friedman so, sonst hätte er diesen Text nicht geschrieben.

Natürlich spielt das „Jüdischsein“ ansich eine riesige Rolle. Michel Friedmann war schließlich Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und bekleidete einige andere Ämter jüdischer Organisationen. Aber es ist mehr, es ist das ganz persönliche Leben: Seine Beziehung zu seinen Eltern, deren Erleben von Auschwitz, Michels Gefühl, von Kindheit an deren Lebenstraurigkeit auffangen zu müssen, sein Gefühl zu erkennen, dass ihm vor allem in Deutschland doch immer nur Abneigung gegenübersteht, dass er keine Hilfe bekommt, auch von seinen Eltern keine Hilfe bekommen kann, das ist viel mehr als das „bloße“ Bewusstsein, jüdisch zu sein. Man erkennt ein schweres Leben, von Kindheit an, eine extrem schwere Prägung ohne „fröhliches Leben“, aber zu leben heiße „weitermachen“, sagt er in „Fremd“. Und weitergemacht hat er ja immer, mit extrem viel Erfolg, mit herben Niederschlägen, aber immer weiter.

Es mischen sich in „Fremd“ auch sehr stark die Gedanken über seine eigene (jüdische) Fremdheit und über die Fremdheit seiner Eltern gegenüber Dritten auf der einen Seite mit seinen vielen Gedanken über seine Fremdheit gegenüber sich selbst auf der anderen Seite. „Wer bin ich“ heißt es mehrfach! Seine persönliche Orientierungslosigkeit, dieses Bedürfnis, zu klären, was er mit seinem Leben bei dieser Kindheit und dieser Ausgrenzung in Deutschland machen soll, hängt mit der fürchterlichen Vergangenheit seiner Eltern, Großeltern und anderer Familienmitglieder und seinen Kindheitsprägungen zusammen.

Seine Eltern wurden von Oskar Schindler aus Auschwitz gerettet, wollten dann aber tatsächlich doch wieder mit ihrem Sohn Michel (geboren 1956 in Paris) in Deutschland leben. Michel kann das nie verstehen, aber er kann sich auch als Jugendlicher und junge Erwachsener verständlicherweise nie von seinen Eltern lösen. Sein Schicksal hängt am fürchterlichen Schicksal seiner Eltern und weiterer Familienmitglieder.

Der Text „Fremd“ (der so gesehen auch „Verloren“ oder „Orientierungslos“ heißen könnte) ist so gesehen notwendig, um Michel Friedmann zu verstehen, weil er zeigt, wie sehr auch sein persönliches Leben doch letztlich (über seine Eltern) von der Nazizeit geprägt ist. Ganz verstehen wird man auch Michel Friedman nie, aber trotzdem. Und der Text ist notwendig, um zu verhindern, dass man Menschen schlicht in Kategorien steckt. Jede Kategorisierung führt im Grunde zu Ausgrenzung, bei Juden, bei Ausländern, bei queeren Menschen, und und und. Es steckt in jedem so viel Persönliches!

Katharina Bach bringt den Text völlig reduziert vor dem schwarzen eisernen Vorhang der Bühne, siehe oben. Sie schafft es, dass ihre Präsenz nicht über dem Text steht und dass man andererseits ihre hervorragende Leistung erkennt. Nur etwas: Die im Text mehrfach gestellte Frage „Wer bin ich“ habe ich persönlich bei Katharina Bach irgendwie nicht wahrgenommen, sie ging für mich unter. Schade, aber das wiederum ist nur ein kleiner Aspekt. Einige Textstellen hätten aber so gesehen (für mich) durchaus noch mehr Zeit und Ruhe gebraucht. Man muss aber sagen: Hingehen! Wegen Michel Friedman, wegen Katharina Bach und wegen der Verhinderung von Ausgrenzung!

„Fremd“ ist derzeit doppelt in Berlin zu sehen: Am 16. März ist „Fremd“ in einer Inszenierung der Regisseurin Lena Brasch am Berliner Maxim Gorki Theater zu sehen, mit der Geigerin Rahel Rilling und der Schauspielerin Vidina Popov. HIER der Link zum Maxim Gorki Theater. Und das BE Berliner Ensemble hat derzeit auch eine inszenierte Lesung von „Fremd“ im Programm. Sibel Kekilli, aus Fernsehen und Film längst bestens bekannt, gibt hier ihr Theaterdebüt. HIER der Link zur Stücke Seite auf der Website des Berliner Ensemble. Auch dort wird es sich lohnen!

Ein Trailer zu „Fremd“ an den Münchner Kammerspielen:

Copyright des Beitragsbildes: Sima Dehgani

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BALLETT: Nederlands Dans Theater online

Es sind „Wiederaufnahmen“. WANN? Am 07. März ist von 00:01 Uhr bis 23:59 Uhr CET I wonder where the dreams I don’t remember go (2020) von Yoann Bourgeois zu sehen. Am 08. März sind von 00:01 Uhr bis 23:59 Uhr CET Bedroom Folk (2015) von Sharon Eyal und Gai Behar und The Big Crying (2021) zu sehen.

Zum dritten Mal hintereinander hat das NDT den Preis für das beste Online Event des „Tanz Magazine“ erhalten: “Top contemporary choreography continues to come from The Hague – in the best streaming quality. Captured by six cameras, the finest dance art is broadcast to an international audience.”

Die Tickets für das Streaming können HIER erworben werden.

Ein Foto (Screenshot) von I wonder where the dreams I don’t remember go:

Screenshot

Ein Foto (Screenshot) von „Bedroom Folk“:

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Und hier ein Foto von The Big Crying:

Screenshot

HIER gehts zur Website des NDT. HIER der direkte Link zu NDT online.

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Allgemein

THEATER: Albert Camus – Caligula

Aber nein. So schlicht politisch ist es nicht. Hier eine Vorbemerkung:

Es ist nämlich zweischneidig: Wollte Albert Camus mit „Caligula“ wirklich „politisch angetrieben“ über einen wahnsinnig werdenden und immer brutaler und willkürlicher handelnden Alleinherrscher schreiben oder wollte er nicht eher „philosophisch angetrieben“ das Thema der „Absurdität des Lebens“ angehen? Doch, wollte er! Albert Camus Stück „Caligula“ gehört ja zu Albert Camus früher Trilogie des Absurden – „Caligula“, „Der Fremde“ und „Der Mythos des Sisyphos“.

Die Frage „Was will Albert Camus mit ‚Caligula‘ zeigen?“ muss man also durchaus im Auge haben, wenn man sich mit dem Stück beschäftigt. Allzu schnell ist es nämlich passiert, dass man das Theater verlässt und meint, man habe ein rein „politisch angetriebenes“ Stück über einen wahnsinnig werden Alleinherrscher der Antike gesehen. Hat man, aber mit philosophischem Hintergrund: Es ging Albert Camus um die philosophische Frage „Wie kommt der Mensch angesichts der Absurdität des Lebens zu seinem Glück?“ Die Absurdität des Lebens, Camus wollte am Beispiel des wahnsinnigen römischen Herrschers Caligula wohl den Irrweg bei dieser Frage aufzeigen. Caligula sucht ja sein Glück! Er nutzt dazu seine totale Alleinherrschaft aus. Ja, da kann man doch wieder die heutige Zeit erkennen. Ein Donald Trump und ein Elon Musk haben sicher letztlich auch hoch egozentrische Motive bei ihrem Wahnsinn! Da geht Albert Camus aber philosophischer heran: Die Absurdität des Lebens besteht schließlich – so Albert Camus – darin, dass es keinen vorgegebenen Sinn des Lebens gibt, der Mensch will und muss aber an einen Sinn glauben. Jeder Mensch will – philosophisch gesehen – auf seine Weise glücklich werden.

Sehr interessant zum Thema „Absurdität und Glück“ bei Albert Camus ist übrigens ein kleines Büchlein, das ich aus diesem Anlass gelesen habe: Thomas Berger, Albert Camus – Absurdität und Glück. Ein kleiner Essay, eine große Hilfe:

Die Sinnlosigkeit des Lebens nützt – so zeigt es also Albert Camus – der Alleinherrscher Caligula in diesem Zusammenhang besonders radikal aus, er machte, was er wollte, wollte seine absolute Freiheit spüren, sein Glück, das demnach stark darauf basiert, dass das Leben insgesamt, auch das Leben anderer nichts wert ist. Er ließ (nach dem Tod seiner geliebten Schwester Drusilla, dem letzten vieler persönlicher Schicksalsschläge) aufgrund seiner Machtstellung Freund und Feind ermorden, verbannte, verfolgte, quälte, wurde immer wahnsinniger, immer hemmungsloser.

Am Ende aber war auch er nicht glücklich, muss er feststellen, er wurde – wie man in der Inszenierung sieht – umgebracht! „Die Menschen sterben und sind nicht glücklich“. Also: Caligulas Versuch, die völlige Sinnlosigkeit des Lebens ungehemmt auszuleben, nur seinem Wunsch zu folgen, den Mond zu wollen, und völlig rücksichtslos immer wahnsinniger zu handeln, um Freiheit auf dem Weg zum Glück zu erfahren, machte ihn nicht glücklich! Das scheint eine Schlussfolgerung von Albert Camus zu sein: Nihilismus macht nicht glücklich! Vor allem nicht, wenn es radikal zulasten anderer geht! Albert Camus sagte zwar, man müsse die Welt „ablehnen“, um „frei“ werden zu können, aber nicht so, wie Caligula es machte. Auch da wieder ein Gedanke an Donald Trump und Co. Albert Camus war ein extremer Gemeinschaftsdenker – auch europaweit – mit vielen kommunistischen Überlegungen, ganz im Gegenteil zu Donald Trump und Co. Aber, siehe unten, schnell wird das gesamte Publikum mit guter Stimmung reingezogen, was fast beängstigend war vor diesem Hintergrund des Stückes.

Zur Inszenierung:

Zunächst: Die sehr große Bühne des Münchner Volkstheaters war angenehm durch große helle Holzwände auf etwa ein Drittel im vorderen Teil begrenzt. Zeitlos. Man sieht Anspielungen auf die antike Zeit und Anspielungen auf die moderne Zeit: Das Ensemble spielt in antiker Kleidung. Später kommen plötzlich moderne Songs, zum Beispiel „Angels“ von Robbie Williams, hinzu. Ausgelassene Stimmung, die SchauspielerInnen gehen teils durch die Ränge. Noch dazu wird das Publikum zum lauten Mitsingen animiert, was es auch tut! So wird wunderbar gezeigt, wie schnell man sich vereinnahmen lässt!

Das junge Ensemble spielt wirklich gut! Besonders Steffen Link spielt Caligula in seinem Wahn, in seiner Verrücktheit, auf seiner – falschen – Suche nach einem Ausweg aus der gegebenen Absurdität des Lebens großartig!

Im Programmheft heißt es: „Die Willkürherrschaft hat heutzutage wieder Hochkonjunktur. Wir erleben ein Comeback der Autokratie.“ Das ist der politische Ansatz. Sehr wertvoll! Bei Albert Camus kommt dann noch das Philosophische hinzu: Nihilismus ist nicht die Lösung!

Diese (leider nicht klar erkennbare) Kombination von Politischem und Philosophischem macht das Stück aktuell! Es lohnt sich!

Hier noch ein Foto:

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Münchner Volkstheaters – mit Trailern.

Copyright der Bilder: Arno Declair



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THEATER: BREAKING NEWS

Eine hervorragende Wahl!

Foto: epd / IMAGO / Hans Scherhaufer

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THEATER: Die Gewehre der Frau Carrar/Würgendes Blei

Regie hat die Thüringerin Luise Voigt (HIER mehr über sie), die – meines Wissens – erstmals am Residenztheater inszeniert. Die Fortschreibung des Brecht‘schen Teils – eine Auftragsarbeit des Residenztheaters – stammt von Björn SC Deigener (mehr zu ihm auf der Stückeseite auf der Website des Residenztheaters, siehe am Ende des Textes).

Die Arbeit wird an der schönen kleinen Bühne des Residenztheaters, im Marstalltheater, gebracht. Die Bühne wird, vor allem im ersten Teil, sogar noch verkleinert, denn alles spielt sich in einem kleinen holzvertäfelten Raum mit Tisch und Stühlen (mehr fast nicht) allein auf der vorderen Hälfte der Bühne ab, siehe das Foto unten. Enge Atmosphäre, passend zum Thema.

Das Brecht’sche Thema: Frau Carrar ist überzeugte Pazifistin, sie will ihre beiden Söhne nicht in den Krieg gegen Franco ziehen lassen. Geht ihre Rechnung auf? Unterstützt sie damit nicht Franco? Muss man sich denn nicht verteidigen, wenn man angegriffen wird, auch wenn man noch so pazifistisch denkt? Stichwort Ukraine. Einer der beiden Söhne von Frau Carrar wird dann getötet und so wird alles anders (ich will nicht spoilern).

Die Inszenierung des ersten Teils des Abends, des Brecht’schen Teils, ist „Bertolt Brecht pur“. Das Bühnenbild, die Kostümierung, die Farbwahl (wirklich alles ist – fast emotionslos – in matt beigefarbenem Holz und in schwarz gehalten) lassen allesamt schon fast keinen anderen Schluss zu. Auch schauspielerisch ist es zurückhaltend – aber sehr gut! Nicht sofort einleuchtend ist es daher aber, warum die Inszenierung insoweit als „bemerkenswert“ bezeichnet wird. Bemerkenswert kann im Grunde nur die freie Kombination mit der „Fortschreibung“ des Brecht‘schen Teils genannt werden. Und bemerkenswert macht die Inszenierung die Tatsache, dass man Brechts Stück in der Tat (so auch die Theatertreffen – Jurorin) als „das Stück der Stunde“ bezeichnen muss.

Letzterer Aspekt („das Stück der Stunde“) überzeugt mich am ehesten. Die Fortschreibung des Brecht’schen Teils wiederum weniger, sie ist – mein Eindruck – im Ansatz und der Herangehensweise an eine Fortschreibung gut, driftet dann allerdings (etwa mit einem Monolog eines Maschinengewehrs) doch etwas flach ab.

Fazit: Zurecht kann man das kleine, nicht sehr oft gespielte Brecht’schen Drama „Die Gewehre der Frau Carrar“ momentan sehr gut passend auf die Bühne bringen. Denn was bleibt einem anderes übrig, als sich zu verteidigen, wenn man angegriffen wird – sehenden Auges, dass es viele Menschenleben kosten wird! Pazifismus wird dann sinnlos, wenn der Krieg erst einmal begonnen hat! Schlimm genug!

Hier noch ein Bild:

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Münchner Residenztheaters.

Copyright der Bilder: Sandra Then

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THEATER: Daniel Kehlmann – Lichtspiel

Damit trifft er – der Roman – vielleicht ungewollt den Zahn der Zeit: Wir leben in einer Zeit, in der sich Fakten und Fiktionen leider immer mehr vermischen! So sind wir immer wieder Betrugsversuchen ausgesetzt: „Papa, ich habe eine neue Telefonnummer, ruf mich mal an!“ oder „Ihr Sohn braucht eine Kaution, er sitzt in Untersuchungshaft!“, fast jeder wird es so oder ähnlich schon erlebt haben. Auch bei Meldungen im Netz werden uns immer wieder falsche Dinge vorgesetzt! KI wird künftig dafür sorgen, dass wir sogar bei Stimmen nicht mehr klar unterscheiden können zwischen „echt“ und „unecht“, usw. Selbst die Demokratie ist damit gefährdet. Können wir Wahlergebnissen trauen?

In dieser Hinsicht – die Vermischung – ist auch der Roman „Lichtspiel“ von Daniel Kehlmann zu sehen. Es geht im Roman um das Leben des Regisseurs G. W. Pabst, eines der tatsächlich erfolgreichsten Regisseure in der Nazizeit. Man liest und denkt sich: Ich erfahre hier seinen Lebensweg! Sein Lebensweg ist ja aus heutiger Sicht politisch sehr interessant – siehe unten! Man erkennt im Roman aber nicht immer genau, was Fiktion ist! Daniel Kehlmanns Roman „Lichtspiel“ ist, auch wenn er sich in Vielem an den Lebensgeschichten des historischen G. W. Pabst und seiner Familie orientiert, teils ein Werk der Fiktion, so gab es etwa keinen Sohn mit Namen Jakob.

Dieser Gefahr entkommt auch die Inszenierung des Romans am Münchner Volkstheater (Regie Christian Stückl) trotz eines deutlichen Hinweises an der Garderobe nicht. Im Gegenteil: Die Inszenierung zeigt sich erst recht fast „dokumentarisch“: Im Hintergrund werden immer wieder Originalbilder der damaligen Zeit gezeigt. Auch das Bühnenbild mit der nüchternen, kühlen weißen Neonbeleuchtung durch eine riesige Lampe über dem Geschehen hat Dokumentationscharakter. Auch die Tatsache, dass während des Stückes fast durchgehend zwei Personen dabei stehen und zuhören und dem Geschehen – wie die Dokumentaristen – zusehen, hat etwas Dokumentarisches.

Zum Inhalt: Es geht also in der Tat um G. W. Pabst, einen der Größten des Kinos, vielleicht der größte Regisseur seiner Epoche: Er floh vor den Gräueln des neuen Deutschlands nach Hollywood, hatte dort aber keinen Erfolg. Aber sein Erfolg war ihm das Wichtigste! Es trieb ihn freiwillig zurück in die Hände der Nazis, der Propagandaminister wollte das Filmgenie haben und versprach ihm viel Freiheit für sein Schaffen. So konnte er seine Filme machen! Das wollte er! Das Naziregime nahm er nicht ernst, er hielt alles für recht harmlos! Aber während G. W. Pabst noch glaubte, dass er sich weiter nur der „Diktatur der Kunst“ fügen werde, war er schon den ersten Schritt in die rettungslose Verstrickung gegangen.

Ein hochaktuelles Thema! Denn die AfD hat wahrscheinlich massenweise Unterstützer, die die Partei mit ihren rechtsextremen Mitgliedern aus Bequemlichkeit wählen oder nur ihre eigene private Situation vor Augen haben, den Rechtsruck nicht ernst nehmen. „Raus aus Europa“, „Ausländer raus“, „Windräder abbauen“ usw.! Die AfD kann alles sagen – und wenn es noch so undurchdacht ist! Nur völlig unüberlegt kann man das dann selber für gut heißen!

Man kann sich die Inszenierung am Münchner Volkstheater durchaus so ansehen, dass man rein abstrakt die Entwicklung einer Person verfolgt, die hauptsächlich den eigenen Werdegang, den eigenen Vorteil, den eigenen Erfolg im Auge hatte, nicht aber den damaligen immensen Rechtsruck und die Nazigräuel. „Wehret den Anfängen!“ galt für diesen Mann nicht, er beugte sich seinem Erflgsstreben, und das ist auch heute die Gefahr! Die Frage ist nur: Wie kommen wir zu einer auf breiter Basis vernünftigen Auseinandersetzung mit den politischen Themen der Zeit? Die Medien kommen diesem Ziel nicht nahe, finde ich!

Schauspielerisch ist es übrigens ein guter Abend! Das junge Ensemble überzeugt, zieht die Zuschauer hinein in die Geschichte.

Hier noch ein Foto:

HIER der Link zur Stückeseite von „Lichtspiel“ auf der Website des Münchner Volkstheaters.

Copyright der Fotos: Arno Declair

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THEATER: Henrik Ibsen – Baumeister Solness

Das mag ein Grund dafür sein, warum seine Stücke immer wieder gerne auf Theaterbühne zu sehen sind.

Ein Einschub vorab: Herrlich als Vergleich (wie sich die Zeiten ändern!) ist eine auf YouTube komplett zu sehende TV-Fassung einer Inszenierung des „Baumeister Solness“ aus dem Jahre 1984 mit Hans-Michael Rehberg und Barbara Sykowa, einer Inszenierung von Peter Zadek (am Residenztheater). HIER.

„Die Wildente“ und „Baumeister Solness“, beides Stücke von Henrik Ibsen, sind derzeit in München zu sehen. Hier nun (nach der „Wildente“ vom Residenztheater, HIER mein vor kurzem erschienener Bericht dazu) meine Eindrücke zu „Baumeister Solness“, das derzeit an den Münchner Kammerspielen gebracht wird.

Bei beiden genannten Stücken spielen zunächst einmal erfolgreiche Unternehmer und ihre Vergangenheit eine entscheidende Rolle:

  • Bei der „Wildente“ entwickelt sich das Geschehen daran, dass der erfolgreiche Unternehmer Werle eine uneheliche Tochter hat, Hedwig, die mit Werles Hilfe in einfachen Verhältnissen aufwächst, und alles wird den Beteiligten erst spät bekannt. Er trug jahrelang dieses Geheimnis mit sich.
  • Auch den erfolgreichen „Baumeister Solness“ holt seine Vergangenheit ein, sogar doppelt: Erstens: Er hatte – zehn Jahre ist es her – ein kleines junges Mädchen, Hilde, geküsst und ihr ein Königreich in zehn Jahren versprochen. Jetzt kommt sie. Zweitens: Er hat seinen großen Erfolg als Architekt in gewisser Weise nur auf Kosten seiner beiden durch ein Feuer verstorbenen Kinder erreicht. Er trägt seitdem ein Schuldgefühl mit sich.

Zur Handlung des „Baumeister Solness“ kurz: Hilde sucht den Baumeister auf. Damals, vor zehn Jahren, hatte sie ihn bewundert, als dieser auf die Kirchturmspitze geklettert war. Der Kirchturm war sein neuestes Bauwerk. Jetzt kommt seine Vergangenheit hoch. Sein Versprechen an Hilde einerseits. Und er hatte andererseits zwei Kinder, beide sind im Säuglingsalter infolge eines Feuers gestorben und er hat genau diesem Feuer seinen ganzen immensen Erfolg als Baumeister zu verdanken. Seine Frau Alina leidet heute noch unter dem Tod der Kinder. Und so weiter.

Wieder stellte sich mir die Frage: Was wollte Henrik Ibsen mit diesem Stück sagen? Es sind so viele Aspekte. Es kommt ja hinzu, dass „Gerhild Steinbuch und Ensemble“ den Ursprungstext des „Baumeister Solness“ drehen, ausweiten: Nicht der Baumeister Solness (Thomas Schmauser) steht im Mittelpunkt, sondern Hilde (Annika Neugart) und Alina (Katharina Bach) sind es, sie stehen hier viel eher im Mittelpunkt. Baumeister Solness irrt eigentlich nur hilflos umher. Hilde und Alina erhalten dementsprechend gegen Ende der Inszenierung sogar noch recht extreme Monologe (Texte von Gerhild Steinbuch und Ensemble). Schwer verständliche Monologe. Und selbst der junge Mitarbeiter von Baumeister Solness, Knut Bravik (Elias Krischke) und sein Vater (Edmund Telgenkämper) bekommen hier etwas mehr Bedeutung.

Das macht es nicht leicht, allem zu folgen. Der fast verwirrte Baumeister Solness sieht sich in seiner Schuld, seinem Zweifel, seiner Angst vor der Jugend, die ja auch Erfolg haben will, und er sieht um sich herum alle Personen mit ihren Problemen. Seine fast wahnsinnige Frau Alina … seinen Mitarbeiter Bravik, der irgendwie seinem Vater gefallen will … dessen Vater, der im Sterben liegt und eben noch den Erfolg des Sohnes erleben will … Hilde vor allem, die sein damaliges Versprechen eines Königsreiches 10 Jahre lang nicht vergessen konnte …

Das Ganze wird zwar getragen vom wunderbaren Ensemble. Alles in allem war es mir aber zu viel. So vielfältig erschien mir Einiges dann nicht mehr ganz stimmig. Auch das vom Original abweichende Ende übrigens, das sich nicht unbedingt entwickelte.

Überzeugen konnte mich die etwas ruhigere Präsenz von Annika Neugart und Edmund Telgenkämper, schwieriger waren dagegen die immer wieder fast Richtung Wahnsinn tendierenden Baumeister Solness und seine Frau Alina in Person von Thomas Schmauser und Katharina Bach. Hinzu kam ja noch ein recht konfuses Bühnenbild auf der Drehbühne, die Kamera teilweise auf der Bühne und – für mich auch nicht ganz verständlich – Solnessens Buchhalterin Kaja in Männerrolle gespielt (Konstantin Schumann). Alles etwas viel.

Tja, was wollte Henrik Ibsen also mit diesem Stück sagen? Diese Frage war für mich durch diese Inszenierung noch schwieriger zu beantworten. Das Leben, jeder hat sein Schicksal … Ich hörte aber durchaus begeisterte Stimmen zu dieser Inszenierung! Da erkannte man an diesem Abend vielleicht eher ein Theaterfest. Und: Nicht alles beantworten zu können, das macht ja Theater aus!

Hier noch ein Bild aus der Inszenierung:

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele.

Copyright der Bilder: Gabriela Neeb

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THEATER: Lot Vekemans – BLIND

Es ist die Inszenierung eines der neuesten Texte der niederländischen Dramatikerin Lot Vekemans, Regie hat Matthias Rippert.

Lot Vekemans ist ja für ihre Texte bekannt. Ein paar Zusammenhänge vorab:

  • Zu sehen war in München vor Jahren die Inszenierung des Textes „Judas“ von Lot Vekemans mit Steven Scharf (auf der Leiter).
  • Am Münchner Metropoltheater war außerdem vor wenigen Jahren eine Inszenierung des Textes „Schwester von“ von Lot Vekemans zu sehen, es ging um die Schwester von Antigone, Ismene. Ein Monolog ans Publikum.
  • Juliane Köhler spielte am Residenztheater schon Lot Vekemans Text „Niemand wartet auf Dich“, auch das eine direkten Ansprache des Publikums, auch das eine deutschsprachige Erstaufführung.
  • Und: Juliane Köhler ist übrigens in Göttingen geboren. Ich auch.

Das Thema nun von BLIND: Ein Stück zweier Personen. Ein „alter“ allein und abgeschottet lebender Vater (Richard) und seine Tochter (Helen). Die Tochter hat ihren Vater jahrelang nicht besucht, nun kommt sie sporadisch, der Vater hat seine Haushälterin grundlos entlassen. Wenn man dem wahrlich schroffen – zu schroffen – Verhalten der Tochter gegenüber ihrem Vater folgt, kann man nur sagen: Dieses Verhältnis ist zerrüttet. Das Verhältnis zweier Generationen ist vielleicht gemeint und das ja zurecht. Helen nennt ja manchmal – zumindest kurz – die Themen heutiger Zeit. Der Vater erscheint zwar fast liebevoll gegenüber seiner Tochter, sie aber akzeptiert einfach nicht all die altersbedingten „Schrulligkeiten“ des Vaters, sie reibt sich an ihnen, wohl schon immer. Für sie sind es sogar mehr als „Schrulligkeiten“, sie macht ihrem Vater Vorwürfe, die auf sein Leben zurückgehen.

Seine Rechthaberei, seine Einstellung zu Helens dunkelhäutigem Ehemann, seine Weltfremdheit, sein Selbstmitleid, seine – so sieht es Helen – lebenslange Interesselosigkeit gegenüber der eigenen Tochter, seine ihr entgegensetzten Ansichten zu den aktuellen Themen über Gleichberechtigung, Naturschutz, soziales Denken, sein fehlendes Engagement für solche Themen und und und.

Wie gesagt: Juliane Köhler spielt Helen äußerst schroff. Sie zeigt damit keinerlei Nachdenklichkeit. Ich weiß nicht, ob sich ein so „grauenhaftes“ tief verwurzelt verbittertes Verhältnis zwischen Vater und Tochter noch je ändern könnte. Die Tochter Helen äußert Kritik und Unverständnis, ja eben fast Abneigung gegenüber dem Vater, sie besucht ihn immer ungern. Kritik ist zwar oft der Schlüssel zur Verbesserung, auch und gerade die Kritik der neuen Generation an der alten Generation. Ein guter Gedanke. Aber:

Achtung: Ab hier wird gespoilert!

Man muss sich hier im Grunde wundern, dass das Verhältnis der beiden im Verlauf des Stückes tatsächlich doch noch „die Kurve kriegt“. Es beginnt mit der Bemerkung des Vaters: „Ich wünschte, wir könnten neu anfangen.

Dann wird es fast etwas zu leicht: Wir müssen immer nach vorne blicken … heißt es als gute Lösung. Auch das verständlich, aber es bleibt damit vielleicht ein etwas zu versöhnliches, hilfloses, fast kitschig pauschales Ende. So wird der Zuschauer doch zu leicht aus dem Theater entlassen. Nun gut, man kann nicht alles auf die Bühne bringen.

Hier noch ein Bild aus der Inszenierung:

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Residenztheaters.

Copyright der Bilder: Sandra Then

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THEATER: Robert Icke- Die Ärztin

Der britische Autor und Regisseur Robert Icke hat Arthur Schnitzlers „Professor Bernhardi“ unter dem Titel „Die Ärztin“ in die Gegenwart geholt. Interessanter Ansatz: Wie sähe heute die Situation von Professor Bernhardi aus? Das Stück „Die Ärztin“ ist derzeit in einer Inszenierung von Miloš Lolić am Münchner Residenztheater zu sehen.

Robert Icke hat für dieses Stück – entstanden 2019 – einige Auszeichnungen erhalten. Bei den Evening Standard Theatre Awards 2019 als bester Regisseur, die damalige Hauptdarstellerin Juliet Stevenson wurde mit dem Critics Circle Theatre Award als beste Schauspielerin ausgezeichnet, beide erhielten Nominierungen für den wichtigsten britischen Theaterpreis, den Laurence Olivier Award 2020.

Robert Icke zeigt also die Situation heute. Ein realistisch gehaltenes Stück, dementsprechend reell ist das Bühnenbild. Ein schlicht und betont karg gehaltener Raum, keine Einrichtung. Der Raum ist mal Vorzimmer, mal Besprechungsraum, mal Privatwohnung. Zum Fantasieren oder zum gedanklichen Sich-treiben-lassen soll die Bühne nicht anregen. Auch die Kostümierung: Schlicht Arztkittel.

Robert Icke geht es dabei keineswegs um den in Arthur Schnitzlers Stück zentralen Konflikt „Judentum – Christentum“ im Wien um 1900, auch nicht nur um das bei Arthur Schnitzler mitschwingende Thema der „Repräsentation der Konfessionen“ im Klinikkollegium eines Krankenhauses. Das war Wien um 1900. Nein, in Robert Ickes Bearbeitung entwickelt sich – ausgehend von derselben Situation in einem renommierten Krankenhaus – die heute schnell so vielschichtige Konfliktlage um „die Ärztin“. Er – Nein! Hier „sie“, die Ärztin Dr. Ruth Wolff – kann dabei nur zusehen, wie sich in Politik, Medien, Wirtschaft und sogar im Privatleben alles zunehmend gegen sie richtet. Was heute eben alles schnell mitschwingt und „ausgeschlachtet“ wird! Schon der Begriff „Affentheater“, den Ruth gegenüber dem dunkelhäutigen Priester verwendet, wird zum Problem! Es beginnt alles mit einem kleinen, dann größer werdenden shitstorm in den „Sozialen Medien“.

Möglichst viele Parallelen zu Arthur Schnitzlers „Professor Bernhardi“ bleiben dabei durchaus erhalten, auch etwa die Politik mischt sich in den „Konflikt“ ein. Das ist die heutige Welt, alles unterliegt schnell einer Dynamik, der kaum mehr auskommt, wer einmal „an den Haken“ gekommen ist. Robert Icke zeigt, dass es heute eben vor allem für fast alles kleine oder große Interessengruppen gibt, die schnell ihre Interessen „einbringen“ wollen, weil sie sie verletzt sehen. Was früher ein schwerfälliger fürchterlicher Tanker war, Antisemitismus, sind heute zig verschiedene wendige Interessen, denen man schnell gegenüber steht. Da hilft auch nicht die mehrfach wiederholte Aussage der Ärztin, sie teile die Menschen nicht nach Gruppen ein. Ein Zeichen unserer Zeit? Sehen wir nur Gruppen? Nutzen wir die Chancen, genau unsere Interessen zu vertreten, sie öffentlich zu machen, medial wirksam anzubringen, aus „Klein“ dann „Groß“ zu machen, auch wenn es Opfer kostet?

Feminismus, Antisemitismus, Abtreibung, Kolonialismus, Wirtschaftsinteressen, Gleichstellung, Geschlechterfragen, und und und, all diesen Fragen sieht sich Ruth ja plötzlich gegenüber. Dass dabei die Wahrheit und die Diskussionskultur manchmal auf der Strecke bleibt und eher überlegt wird, wie etwas bei anderen „ankommt“, kommt bei Robert Icke auch zum Ausdruck.

Schauspielerisch fand ich das Stück nicht außergewöhnlich. Vor allem bei der Ärztin Dr. Ruth Wolff (Lisa Wagner) hatte ich immer wieder überlegt, warum sie sich doch recht arztuntypisch gibt. Allein eine Aussage wie: „Es ist vorbei, wenn es eine Leiche gibt, keine Sekunde früher“ erschien mir doch arztuntypisch. Es ist vielleicht ein wenig das Manko des Stückes: Es wirkt von Beginn an etwas übertrieben, dass aus dem sehr verständlichen Verhalten der Ärztin (sie wusste ja nicht einmal, ob die Patientin den Priester sehen wollte) ein solches Problem entsteht, das sogar zum Entzug der Approbation der Ärztin führt.

Hier noch ein Bild aus der Inszenierung:

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Residenztheaters.

Copyright der Bilder: Birgit Hupfeld