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THEATER: Lot Vekemans – BLIND

Es ist die Inszenierung eines der neuesten Texte der niederländischen Dramatikerin Lot Vekemans, Regie hat Matthias Rippert.

Lot Vekemans ist ja für ihre Texte bekannt. Ein paar Zusammenhänge vorab:

  • Zu sehen war in München vor Jahren die Inszenierung des Textes „Judas“ von Lot Vekemans mit Steven Scharf (auf der Leiter).
  • Am Münchner Metropoltheater war außerdem vor wenigen Jahren eine Inszenierung des Textes „Schwester von“ von Lot Vekemans zu sehen, es ging um die Schwester von Antigone, Ismene. Ein Monolog ans Publikum.
  • Juliane Köhler spielte am Residenztheater schon Lot Vekemans Text „Niemand wartet auf Dich“, auch das eine direkten Ansprache des Publikums, auch das eine deutschsprachige Erstaufführung.
  • Und: Juliane Köhler ist übrigens in Göttingen geboren. Ich auch.

Das Thema nun von BLIND: Ein Stück zweier Personen. Ein „alter“ allein und abgeschottet lebender Vater (Richard) und seine Tochter (Helen). Die Tochter hat ihren Vater jahrelang nicht besucht, nun kommt sie sporadisch, der Vater hat seine Haushälterin grundlos entlassen. Wenn man dem wahrlich schroffen – zu schroffen – Verhalten der Tochter gegenüber ihrem Vater folgt, kann man nur sagen: Dieses Verhältnis ist zerrüttet. Das Verhältnis zweier Generationen ist vielleicht gemeint und das ja zurecht. Helen nennt ja manchmal – zumindest kurz – die Themen heutiger Zeit. Der Vater erscheint zwar fast liebevoll gegenüber seiner Tochter, sie aber akzeptiert einfach nicht all die altersbedingten „Schrulligkeiten“ des Vaters, sie reibt sich an ihnen, wohl schon immer. Für sie sind es sogar mehr als „Schrulligkeiten“, sie macht ihrem Vater Vorwürfe, die auf sein Leben zurückgehen.

Seine Rechthaberei, seine Einstellung zu Helens dunkelhäutigem Ehemann, seine Weltfremdheit, sein Selbstmitleid, seine – so sieht es Helen – lebenslange Interesselosigkeit gegenüber der eigenen Tochter, seine ihr entgegensetzten Ansichten zu den aktuellen Themen über Gleichberechtigung, Naturschutz, soziales Denken, sein fehlendes Engagement für solche Themen und und und.

Wie gesagt: Juliane Köhler spielt Helen äußerst schroff. Sie zeigt damit keinerlei Nachdenklichkeit. Ich weiß nicht, ob sich ein so „grauenhaftes“ tief verwurzelt verbittertes Verhältnis zwischen Vater und Tochter noch je ändern könnte. Die Tochter Helen äußert Kritik und Unverständnis, ja eben fast Abneigung gegenüber dem Vater, sie besucht ihn immer ungern. Kritik ist zwar oft der Schlüssel zur Verbesserung, auch und gerade die Kritik der neuen Generation an der alten Generation. Ein guter Gedanke. Aber:

Achtung: Ab hier wird gespoilert!

Man muss sich hier im Grunde wundern, dass das Verhältnis der beiden im Verlauf des Stückes tatsächlich doch noch „die Kurve kriegt“. Es beginnt mit der Bemerkung des Vaters: „Ich wünschte, wir könnten neu anfangen.

Dann wird es fast etwas zu leicht: Wir müssen immer nach vorne blicken … heißt es als gute Lösung. Auch das verständlich, aber es bleibt damit vielleicht ein etwas zu versöhnliches, hilfloses, fast kitschig pauschales Ende. So wird der Zuschauer doch zu leicht aus dem Theater entlassen. Nun gut, man kann nicht alles auf die Bühne bringen.

Hier noch ein Bild aus der Inszenierung:

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Residenztheaters.

Copyright der Bilder: Sandra Then

Von maxkuhlmann

Geboren am 04.08.1961 in Göttingen, aufgewachsen in München, gelebt in München, Lausanne, London, Köln, München, ehemals Rechtsanwalt, Dr. jur., seit 2010 freischaffend in kulturellen Interessensgebieten tätig.

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