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THEATER: Albert Camus – Caligula

Aber nein. So schlicht politisch ist es nicht. Hier eine Vorbemerkung:

Es ist nämlich zweischneidig: Wollte Albert Camus mit „Caligula“ wirklich „politisch angetrieben“ über einen wahnsinnig werdenden und immer brutaler und willkürlicher handelnden Alleinherrscher schreiben oder wollte er nicht eher „philosophisch angetrieben“ das Thema der „Absurdität des Lebens“ angehen? Doch, wollte er! Albert Camus Stück „Caligula“ gehört ja zu Albert Camus früher Trilogie des Absurden – „Caligula“, „Der Fremde“ und „Der Mythos des Sisyphos“.

Die Frage „Was will Albert Camus mit ‚Caligula‘ zeigen?“ muss man also durchaus im Auge haben, wenn man sich mit dem Stück beschäftigt. Allzu schnell ist es nämlich passiert, dass man das Theater verlässt und meint, man habe ein rein „politisch angetriebenes“ Stück über einen wahnsinnig werden Alleinherrscher der Antike gesehen. Hat man, aber mit philosophischem Hintergrund: Es ging Albert Camus um die philosophische Frage „Wie kommt der Mensch angesichts der Absurdität des Lebens zu seinem Glück?“ Die Absurdität des Lebens, Camus wollte am Beispiel des wahnsinnigen römischen Herrschers Caligula wohl den Irrweg bei dieser Frage aufzeigen. Caligula sucht ja sein Glück! Er nutzt dazu seine totale Alleinherrschaft aus. Ja, da kann man doch wieder die heutige Zeit erkennen. Ein Donald Trump und ein Elon Musk haben sicher letztlich auch hoch egozentrische Motive bei ihrem Wahnsinn! Da geht Albert Camus aber philosophischer heran: Die Absurdität des Lebens besteht schließlich – so Albert Camus – darin, dass es keinen vorgegebenen Sinn des Lebens gibt, der Mensch will und muss aber an einen Sinn glauben. Jeder Mensch will – philosophisch gesehen – auf seine Weise glücklich werden.

Sehr interessant zum Thema „Absurdität und Glück“ bei Albert Camus ist übrigens ein kleines Büchlein, das ich aus diesem Anlass gelesen habe: Thomas Berger, Albert Camus – Absurdität und Glück. Ein kleiner Essay, eine große Hilfe:

Die Sinnlosigkeit des Lebens nützt – so zeigt es also Albert Camus – der Alleinherrscher Caligula in diesem Zusammenhang besonders radikal aus, er machte, was er wollte, wollte seine absolute Freiheit spüren, sein Glück, das demnach stark darauf basiert, dass das Leben insgesamt, auch das Leben anderer nichts wert ist. Er ließ (nach dem Tod seiner geliebten Schwester Drusilla, dem letzten vieler persönlicher Schicksalsschläge) aufgrund seiner Machtstellung Freund und Feind ermorden, verbannte, verfolgte, quälte, wurde immer wahnsinniger, immer hemmungsloser.

Am Ende aber war auch er nicht glücklich, muss er feststellen, er wurde – wie man in der Inszenierung sieht – umgebracht! „Die Menschen sterben und sind nicht glücklich“. Also: Caligulas Versuch, die völlige Sinnlosigkeit des Lebens ungehemmt auszuleben, nur seinem Wunsch zu folgen, den Mond zu wollen, und völlig rücksichtslos immer wahnsinniger zu handeln, um Freiheit auf dem Weg zum Glück zu erfahren, machte ihn nicht glücklich! Das scheint eine Schlussfolgerung von Albert Camus zu sein: Nihilismus macht nicht glücklich! Vor allem nicht, wenn es radikal zulasten anderer geht! Albert Camus sagte zwar, man müsse die Welt „ablehnen“, um „frei“ werden zu können, aber nicht so, wie Caligula es machte. Auch da wieder ein Gedanke an Donald Trump und Co. Albert Camus war ein extremer Gemeinschaftsdenker – auch europaweit – mit vielen kommunistischen Überlegungen, ganz im Gegenteil zu Donald Trump und Co. Aber, siehe unten, schnell wird das gesamte Publikum mit guter Stimmung reingezogen, was fast beängstigend war vor diesem Hintergrund des Stückes.

Zur Inszenierung:

Zunächst: Die sehr große Bühne des Münchner Volkstheaters war angenehm durch große helle Holzwände auf etwa ein Drittel im vorderen Teil begrenzt. Zeitlos. Man sieht Anspielungen auf die antike Zeit und Anspielungen auf die moderne Zeit: Das Ensemble spielt in antiker Kleidung. Später kommen plötzlich moderne Songs, zum Beispiel „Angels“ von Robbie Williams, hinzu. Ausgelassene Stimmung, die SchauspielerInnen gehen teils durch die Ränge. Noch dazu wird das Publikum zum lauten Mitsingen animiert, was es auch tut! So wird wunderbar gezeigt, wie schnell man sich vereinnahmen lässt!

Das junge Ensemble spielt wirklich gut! Besonders Steffen Link spielt Caligula in seinem Wahn, in seiner Verrücktheit, auf seiner – falschen – Suche nach einem Ausweg aus der gegebenen Absurdität des Lebens großartig!

Im Programmheft heißt es: „Die Willkürherrschaft hat heutzutage wieder Hochkonjunktur. Wir erleben ein Comeback der Autokratie.“ Das ist der politische Ansatz. Sehr wertvoll! Bei Albert Camus kommt dann noch das Philosophische hinzu: Nihilismus ist nicht die Lösung!

Diese (leider nicht klar erkennbare) Kombination von Politischem und Philosophischem macht das Stück aktuell! Es lohnt sich!

Hier noch ein Foto:

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Münchner Volkstheaters – mit Trailern.

Copyright der Bilder: Arno Declair