Das Zentraltheater hat diesmal richtig aufgedreht! So viel Bühnenbild hatten sie bisher nicht! Aber sie haben es geschafft, auf der ja wirklich kleinen Bühne ohne Umbau gleichzeitig mehrere Spielorte entstehen zu lassen.
In diesem Stück müssen zwangsläufig verschiedene Orte gezeigt werden, anders wird es kaum gehen. Das wurde bühnentechnisch wirklich gut gelöst – auch mit gelungener Aufteilung der Bühne durch eine kleine im hinteren Teil stehende „Trennwand“ (hinter der und durch die immer wieder schnelle Verwandlungen und sofortige Ortswechsel möglich sind) und unter kurzer Einbeziehung des Zuschauerraumes sogar (Kostüm und Bühne von Andrea Uhmann).
Man kennt ja den Film „Schtonk“ (Regie Helmut Dietl), in dem der wohl eher mittellose Fritz Knobel es schafft, über den Reporter Hermann Willié insgesamt 60 gefälschte Tagebücher von Adolf Hitler an das Magazin HHpress zu verkaufen. Die deutsche Geschichte müsse umgeschrieben werden, heißt es dann auf einer Pressekonferenz. Der Film war ja besetzt mit lauter großen Namen, Uwe Ochsenknecht, Götz George, Christiane Hörbiger, Harald Juhnke, Veronica Ferres, Ulrich Mühe.
HIER ein köstlicher fast zehnminütiger Zusammenschnitt des Films. Es gibt einige schöne Trailer zum Film.
Schtonk ist auf der Bühne höchst selten zu sehen! Dem Münchner Zentraltheater ist es vor allem durch herrliche SchauspielerInnen-Leistungen gelungen, diese ja recht rasante und bunte Geschichte quasi etwas „verkürzt“ gut auf die Bühne zu bringen. Die SchauspielerInnen übernehmen dabei jeweils mehrere Rollen, in die sie auch durch Wechsel der Kleidungsstücke (die Trennwand!) und passende sprachliche Änderungen wunderbar hineinrutschen. Franz Xaver Zeller steht in der Rolle des Fälschers Fritz Knobel natürlich im Mittelpunkt, er spielt ihn (und seine anderen Rollen) herrlich, neben Gerd Lohmeyer, Mara Widmann, Chiara Piu und sehr kurz Valentin Schmidt, deren Leistungen man durchweg in diesem kleinen Theater gerade durch die Nähe zur Bühne bestens erleben kann! Immer wieder: Der Spaß am nahen Erlebnis guter schauspielerischer Leistungen im Zentraltheater in der Paul-Heyse-Straße trägt das Erlebnis!
Schön auch, dass die Prägnanz dieser Satire durch manche wörtliche Übernahme des Textes aus den Film so gut beibehalten wird (Hitlers „Blähungen“, das nötige „Umschreiben der Geschichte“, Hitlers Hoffnung auf „Karten für die Olympischen Spiele für Eva“ und und und).
Es ist eine Komödie, man wird kaum mit einem ernsten Hintergrund konfrontiert, abgesehen vielleicht davon, dass in der ein oder anderen Person des Stückes ja doch eine versteckte „Hitler-Begeisterung“ oder „Nazi-Begeisterung“ aufkommt, was in „Schtonk“ natürlich humorvoll und satirisch ausgespielt wird. Das geht aber schnell, ging ja auch 1983 schnell, als das Magazin Stern tatsächlich einmal glaubte Hitler-Tagebücher gefunden zu haben.
Hier noch ein Bild der Aufführung:
HIER der Link zur Website des Zentraltheaters. Die noch kommenden Termine siehe oben im Beitragsbild. Die von mir besuchte Aufführung wurde sogar von einer größeren Schulklasse aus Überlingen am Bodensee besucht!
Parallelen: Beide Bühnenfassungen haben einen köstlichen Roman zur Grundlage, da mussten es die Bühnenfassungen es erst einmal schaffen, den jeweils sehr eigenen Humor und die spezielle Stimmung „rüberzubringen“, um „anzukommen“.
Beide Romane sind wenige Jahre alt. Beide Romane und damit auch beide Bühnenfassungen sind außerdem sehr ähnlicher Machart: Eine Hauptperson wendet sich an den Leser/das Publikum und erzählt ihre Erlebnisse – auf der Bühne szenisch ergänzt und umgesetzt. Ein schönes Duo zweier Theaterbesuche, eine Art „Double Feature“.
Die eine der beiden Erzählungen schildert die Welt des Schauspielschülers Joachim Meyerhoff in „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke!“, noch zu sehen am Metropoltheater. Es geht um die Otto-Falckenberg-Schule, die Schauspielschule der Münchner Kammerspiele. Die andere Erzählung erzählt aus der Sicht des „besten Freundes eines Eigentümers eines Medienhauses“ mit Hauptsitz in Berlin, in Benjamin von Stuckrad-Barre‘s „Noch wach?“, noch zu sehen am Münchner Zentraltheater, man denkt an den Springer-Verlag, an die BILD-Zeitung.
Hinter beiden Romanen stecken persönliche Erfahrungen. Joachim Meyerhoff hatte im Alter von 20 Jahren seine Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule absolviert, Benjamin Stuckradt-Barre hat in seinem turbulenten Leben seine Einblicke in die Medienwelt vor allem bei einer Musikzeitschrift (Zeitschrift Rolling Stone), im Fernsehen (zunächst für die Harald Schmidt Show, dann für Einiges mehr), aber auch in einigen anderen Medienbereichen gewonnen. Also:
Zunächst zu Joachim Meyerhoffs „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke!“:
Es ist eine Wiederaufnahme am Metropoltheater in München-Freimann. Der Roman erschien 2016 – als dritter Teil einer auf vier Romane angelegten Erzählung von Meyerhoffs Vergangenheit. Man hat meist davon gehört, wenn nicht es gar gelesen: Meyerhoff erzählt autobiografisch, sicher aber auch fiktional skurril von seinem Wechsel nach München, wo er – aus dem hohen Norden kommend – in die Schauspielausbildung an der Münchner Falkenberg-Schule „hineinschlitterte“.
Skurril ist der Roman nicht deswegen, weil Joachim Meyerhoff aus dem hohen Norden kommt, „culture clash“, sondern weil er für die Jahre der Schauspielausbildung bei seinen Großeltern in Nymphenburg wohnte. Skurril empfindet er dann nicht nur seine Großeltern, sondern gleich auch die Schauspielausbildung. Und so überspitzt, wie das Buch wohl ist (ich habe es noch nicht gelesen), ist auch die Inszenierung. Der Witz liegt wahrlich in der Zuspitzung der Umstände, denen sich der 20 Jahre junge Joachim Meyerhoff – sehr gut und passend und sympathisch dargestellt von James Newton – ausgesetzt sieht. Ein ständiges Hin und Her, die Schauspielschule einerseits und die Großeltern in ihrem edlen, skurrilen und vom Alkohol begleiteten Lebenswandel, beides wird auch auf der Bühne ständig gewechselt. Lucca Züchner etwa spielt ständig wechselnd die Großmutter und im nächsten Moment die ebenso skurrile Schauspiellehrerin.
Das Zugespitzte darf einem hier aber nicht zu weit gehen, die Szenen der Schauspielschule als auch die Szenen der Großeltern darf man nicht ernst nehmen (Ich glaube allerdings, man hätte die durchgehende Zuspitzung auch verstanden, wenn sie nicht so überdeutlich auf die Bühne transportiert worden wäre, wie es etwa Lucca Züchner und Thorsten Krohn als Joachims Großeltern, tun. Aber es mag am Roman liegen, der es natürlich gerade darauf anlegt!).
Nun gut, es bleibt eine köstliche Schilderung der absurden Jahre von Joachim Meyerhoff in München, vielleicht etwas zu sehr veralbert, bevor es für Meyerhoff als Schauspieler in den Norden und ans Burgtheater in Wien ging. Störend ist dementsprechend fast der sehr realistische Teil gegen Ende, in dem eben noch erwähnt wird, wie erfolgreich Joachim Meyerhoff dann wirklich noch wurde, entgegen aller ursprünglichen Hindernisse. Aber auch das wird der Roman sein.
An den Münchner Kammerspielen stellt Joachim Meyerhoff am 19. Juni übrigens seinen neuen Roman vor. Er kann ja sehr witzig schreiben.
Hier noch ein Foto der Bühnenfassung am Metropoltheater:
Von „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ gibt es ab heute, 07.06.2025, bis zur Sommerpause noch fünf Termine, HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Metropoltheaters in Freimann.
Nun zu Benjamin von Stuckrad-Barre‘s „Noch wach?“:
Mit anderem Humor, bissig-frech, rasant, ein Sittengemälde aus unserem modernen Leben, soll heißen aus dem Leben eines „Medienhauses“ und der „Medienmenschen“, geschrieben so, wie man spricht, mit gutem Blick für das Verhalten und die heutigen Sprech- und Handlungsweisen der Beteiligten, eigentlich von uns allen heute: So schrieb Benjamin von Stuckrad-Barre 2023 den Roman „Noch wach?“. Es geht um Machtmissbrauch, Machtstrukturen, #Meetoo, der „beste Freund eines Eigentümers eines Medienhauses in Berlin“ gerät in eine sich entwickelnde #Meetoo-Aktion vieler Mitarbeiterinnen an diesem Medienhaus. Beginnend mit der Weinstein-Affäre in Amerika. Dieses Buch habe ich gelesen, ganz köstlich!
Es wird nicht leicht sein, diese rasante Geschichte, die im Buch – bei diesem ernsten Thema (ernster als bei Joachim Meyerhoff ) – von einer großen Portion Bissigkeit und Humor in jeder Zeile lebt, auf die Bühne zu holen. Es ist gelungen, an dieser so kleinen Bühne! Vor allem Benjamin Berger als der „Ich-Erzähler“ des Romans schafft das herrlich! Wieder einmal ist es auch herrlich, in einem so kleinen Theater so gute schauspielerische Leistung so nah erleben zu können! Eine Theaterfreude! Wobei: Jede(r) spricht fast jede(n) in der Erzählung des Geschehens, was manchmal nicht leicht zu verstehen ist, das Buch hilft! Und das Publikum davor und danach so hautnah und angenehm zu erleben, das hat für den Theaterfreund auch etwas.
Das Bühnenbild ist natürlich reduziert, aber auch für die Verhältnisse gut gemacht! Yana Robin La Baume – nicht zum ersten Mal am Zentraltheater – würde ich neben Benjamin Berger noch hervorheben wollen, ohne die übrigen Schauspielerinnen daneben schwächen zu wollen.
Sie schaffen es in einer ebenso rasanten Inszenierung von Beginn an, die Geschehnisse frech und zeitgemäß auf die Bühne zu bringen, so rasant, dass es fast anstrengend wird. Sowohl im Buch, als auch auf der Bühne ist dann nur festzustellen, dass gegen Ende der Geschichte – in der Bühnenfassung mit Pause – der Humor leider etwas abnimmt und eher die Entwicklung der Geschichte relevant wird. Da gewinnt die Schnelligkeit auf der Bühne die Oberhand über den Humor der ersten Hälfte.
Das Stück ist am Münchner Zentraltheater noch zweimal zu sehen, am 01.07. und am 02.07.. Es lohnt sich, es ist eine Geschichte zu Verhältnissen, die so oder ähnlich bei uns möglicherweise oft unter den Tisch gekehrt werden.
Seit seiner Entstehung dehnt sich das All aus. Mit immer größerer Geschwindigkeit. Alles entfernt sich voneinander. Es wird immer dunkler und kälter. … Alle Materie verschwindet. Nichts, was denken kann, wird übrig sein. Nur ein paar Photonen und Elementarteilchen in der endlosen Dunkelheit.
Und da sitze ich im kleinen Zentraltheater in München, in Deutschland, in Europa, auf einem Kontinent der Erdkugel, irgendwo im Weltall, abends, die Sonne ist „untergegangen“, beziehungsweise die Erde, unser Planet, hat sich gedreht. Erste Reihe, kleiner Raum, kleine Bühne, Holzklappstühle, vielleicht sind es 10 Stuhlreihen á 12 Plätze? Die Bühne: Etwa 15 m x 8 m Fläche. Der schwarze Bühnenboden ist etwas erhöht, er steht auf etwa 30 cm hohen Stahlträgern, Teile des Bühnenbodens fehlen, es sind zwei Ebenen, die Wand im Hintergrund ist bespannt mit einem dunklen Tuch mit Sternen-ähnlichen silbernen Punkten. Da sitze ich. Es soll um Liebe gehen. Der Abend beginnt, es ist dunkel, man erahnt zwei Personen auf dem Bühnenboden stehend. Michaela Weingartner und Franz-Xaver Zeller. Beide haben vor Jahren eine Schauspielausbildung an der Schauspielschule Zerboni gemacht, etwa 2014 – 2016. Die Schauspielschule Zerboni und das Zentraltheater teilen sich die Räumlichkeiten in der Paul-Heyse-Straße 28. Ich mag das kleine Theater. Man ist mitten drin. „Wasserstoffbrennen“ von Leon Engler hatte hier im Mai 2017 Premiere, jetzt die Wiederaufnahme mit derselben Besetzung! Michaela Weingartner sagte mir nach der Vorführung: Durch das eigene Älterwerden versteht man den Text wieder anders/besser! Auch heute Abend, am Mittwoch, 12. März, läuft es, es ist aber wohl ausverkauft. Michaela Weingartner ist mittlerweile vor allem als Kommissarin in den „Rosenheim Cops“ zu sehen, Franz-Xaver Zeller ist derzeit schauspielerisch in London tätig.
Als Nächstes soll am Zentraltheater Benjamin Stuckrad-Barre’s „Noch wach?“ kommen.
Es geht bei „Wasserstoffbrennen“ um die lebenslange Liebe (war es Liebe?) von Nico und Mascha, erzählt in 17 Teilen, alles nicht leicht verständlich irgendwie. Es ist ja angelegt auf diese Mischung von ganz nüchternen Schilderungen physikalischer, astrologischer Gegebenheiten mit Schilderungen aus dem Leben von Nico und Mascha. Also die Frage: „Was soll das alles?“ Es mag unzählig viele Universen geben, heißt es etwa. Was soll alles?
Ich habe den Text danach gelesen und muss sagen: Auf der Bühne ist mir der Ausdruck dieser Wahnsinnsfrage „Was soll das alles“ etwas zu schnell vorbeigesaust. Schade, es war gut gespielt/erzählt, aber teils sehr schnell. Vor allem doch durchgehend in diesem Tempo. Vor allem bei Franz-Xaver Zeller dachte ich das ein oder andere Mal: „Nicht so schnell bitte, ich komme durcheinander.“ Aber man kann nicht alles haben!
Es endet mit der Feststellung: „Die Asche wird im Erdreich verteilt. Und dreißigtausend Jahre später stößt ein winziger Partikel von Nico auf einen winzigen Partikel von Mascha.“ Hm, möglich, aber ernüchternd. Aber was sind schon dreißigtausend Jahre, wir wissen es nicht. Jedenfalls gab es Gott sei Dank nach der Vorstellung noch ein kaltes Buffet des Theaters und ein geselliges Beisammensein. Das war hier auf der Erde! Was wir so machen!
Den Film „Harold und Maude“ kennt jeder, der in den Siebzigern (oder später) Filme gesehen hat. Man weiß auch, worum es geht: Der junge Harold (aus bestem Hause) verliebt sich in die alte verrückte Dame Maude. Die Musik des Films kennt man auch: Der bekannte Soundtrack von Cat Stevens.
Harold und Maude ist derzeit – für kurze Zeit noch – am Münchner Zentraltheater als Theaterstück zu sehen. Ich hatte schon kürzlich über das Münchner Zentraltheater in der Paul-Heyse-Straße geschrieben. Die kleine Bühne des Zentraltheaters ermöglicht es, die schauspielerischen Leistungen unmittelbarer zu erleben, als es an den großen Theater je möglich ist. Auch dieses Mal war es wieder ein sehr gelungener Abend.
Das liegt zum einen an der so schöne Geschichte von Harold und Maude. Harold mag das vornehme Leben seiner Familie ja nicht, will sich ständig abgrenzen, sich von seiner Mutter lösen. Er inszeniert Selbstmorde – vor allem, wenn es darum geht, dass er verheiratet werden soll. Er besucht Beerdigungen von Menschen, die er nicht kennt. So trifft er Maude. Er lernt sie mehr und mehr kennen und lieben. Es ist ja so: Harold antwortet auf das Leben, das er nicht mag, mit seinem Hang zum Tod, weiß offenbar keinen anderen Ausweg, Maude hat sicher in ihrem Leben auch gesehen, dass sie das Leben nicht unbedingt immer lieben kann (sie hat eine Nummer aus dem KZ am Arm), sie liebt aber das Leben. Das ist ihre Antwort, indem sie völlig eigen nur „ihr Ding macht“, alles andere nicht so wichtig nimmt. Harold will Maude schließlich sogar heiraten.
Wirklich sehr überzeugend spielen Connor Krause (HIER) Harold und Carla Becker (HIER) Maude. Es wird nicht leicht sein, die Gefühlslagen beider so überzeugend auf die Bühne zu bringen! Die Zuneigung und Liebe, die sie zueinander entwickeln. Die Distanziertheit, die Harold zunächst dem Leben gegenüber aufweist, seine Ratlosigkeit. Die Unbekümmertheit, die Maude gegenüber dem Leben aufweist. Ihre „Verrücktheit“. Yana Robin la Baume dagegen spielt alle weiteren, meist kurz erscheinenden Personen des Stückes: Harolds Mutter, die von der Mutter ausgesuchten Heiratskandidatinnen, einen Pastor, einen Polizisten … Sie hat insoweit nicht die Möglichkeit, mit einer einzigen Rolle zu überzeugen. Sie stürzt schnell immer wieder in eine der anderen Rollen und bringt diese jeweils pointiert (mir zu pointiert) auf die Bühne. Es besteht andererseits auch wiederum eine gewisse Balance zwischen der übertriebenen Pointiertheit der Personen, die um Harold und Maude herum erscheinen und Harold und Maude selbst. Über Harold und Maude selbst heißt es: „ … melancholische Poesie und Zärtlichkeit …“. Das zeigen die anderen Personen des Stückes eben gerade nicht.
Man kann diesen schönen Abend mit tief schürfenden Gedanken über sein Leben verlassen. Harold und Maude – ein leichtes Stück mit Tiefgang.
Hier einer der Songs von Cat Stevens mit Ausschnitten aus dem Kultfilm “Harold und Maude“:
Hier noch schöne Ausschnitte aus dem Film:
HIER ist der Link zur Website des Münchner Zentraltheaters. Das Stück läuft noch am 19. und am 20. April.
Es ist ein fast „winziges“ Theater, hat aber wahrlich Vorzüge! Das Zentraltheater in der Münchner Paul-Heyse-Straße. Am Donnerstag, 31.01.2024, hatte die Inszenierung von „Der stumme Diener“ von Harold Pinter Premiere. Premiere für insgesamt bisher leider nur recht wenige Termine (05.-07. Februar). Also spontan sein! Ob es Folgetermine geben wird, ist nicht klar.
Winzig, aber sympathisch. Man kann sich im eher dunkel, aber angenehm gestalteten Vorraum des Theaters nicht erwehren, begnügt sich mit Wein, Wasser oder Bier. Mehr gibt es – außer am Premierenabend – nicht. Schöne Mäßigung statt Übersättigung mit allem! (Falls man doch noch etwas möchte: Ich habe einen Tipp für danach, siehe unten!)
Hier, am Zentraltheater, sieht man die schauspielerischen Leistungen mit anderen Augen, nicht aus der Ferne auf die weite Bühne eines der großen Häuser blickend. Die Nähe zur Bühne und damit zu den Schauspielern und zum Stück ist einer der besonderen Vorzüge des Münchner Zentraltheaters. Bei der aktuellen Inszenierung von „Der stumme Diener“ hat dies den schönen Effekt, dass man auf diese Weise zwei Schauspieler erlebt, die man etwa vom Münchner Residenztheater kennt! Bijan Zamani und Götz Schulte. „Der stumme Diener“ ist ein Stück nur für diese beiden Schauspieler.
Es ist ja ein Stück, das ausschließlich durch die Art und Weise, wie es von beiden Schauspielern dargeboten wird, lebt! Die Bühnenbilder – das Stück wird derzeit etwa auch am Schauspielhaus Bochum gebracht – sind meist ähnlich. Schauspielerisch zu überzeugen, das gelingt – sieht man eben aus nächster Nähe – den beiden Schauspielern Bijan Zamani und Götz Schulte wunderbar. Mit ihrer großen Erfahrung kommt Humorvolles genauso wie Ernstes, kommen die Stimmungslagen, die Spannungen zwischen beiden, herrlich zum Tragen. Es sind ja beim etwa einstündigen Stück „Der stumme Diener“ zwei im Grunde ganz verschiedene Charaktere, die seit Jahren als Auftragskiller immer wieder dasselbe miteinander erleben, sie ziehen es immer nach ganz festem Schema durch. Nur diesmal eben nicht. Der Eine der beiden, Ben (Götz Schulte), ist schon etwas länger im Geschäft als der Andere, Gus (Bijan Zamani), der sich immer wieder Gedanken über alles macht.
Der britische Theaterautor und Regisseur Harold Pinter, gestorben 2008, schrieb 1957 dieses kurze Gangsterdrama, das gleichzeitig Krimi und Komödie ist. Es geht darum, wie die Wirklichkeit plötzlich außer Kontrolle geraten kann, wenn es einmal nicht so läuft, wie es doch immer läuft. Und wie zerbrechlich dann menschliche Beziehungen werden können. Die Beiden werden ja überrascht von völlig unverständlichen „Eingriffen“ von außen in ihre gewohnte Welt. Sie werden beide auf ihre Art nervös und am Ende …
Und hier mein Tipp: Danach (das Stück „Der stumme Diener“ ist ja, wie gesagt, relativ kurz) kann man noch gut für einen Drink in die – ebenfalls etwas „versteckte“ – Bar Gabanji gehen! Sie ist vom Zentraltheater zu Fuß 5 Minuten entfernt, am Beethovenplatz 2. Auch sie ist eher klein. HIER der Link zur Bar Gabanji. Betrieben wird die Bar – ein verstecktes Juwel – im Souterrain mit exzellenten Drinks seit Jahren vom ehemaligen Whiskyexperten der Bar Schumanns. Die Bar hatte „vor Corona“ sogar kleine „Hauskonzerte“ etwa einmal pro Monat für Musiker verschiedenster Musikrichtungen gegeben, sie tut es momentan leider nicht mehr. Ich weiß noch nicht, warum.
Nach dem Zentraltheater jedenfalls auch noch dort hingehen und schon hat man zweifach einen wunderbaren Abend erlebt!
Seit 2017 gibt es in München – Nähe Hauptbahnhof, Paul-Heyse-Straße 28 – das kleine Zentraltheater. Es wird NICHT geführt von der renommierten Münchner Schauspielschule Zerboni, die im selben Gebäude sitzt, sondern ist davon unabhängig! Derzeit (siehe die Termine oben auf dem Plakat) läuft dort das Stück „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“, nach Peter Høegs gleichnamigemerfolgreichen Romanaus dem Jahr 1992.
Man konnte im Zentraltheater bei „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ eine Aufführung verfolgen, bei der vor allem auf die schauspielerische Leistung Wert gelegt wird. So gibt es im Grunde für diese Inszenierung auf leerer Bühne nur die Schauspielerin Dagny Dewath und den Schauspieler Thomas Birnstiel. Weißer Bühnenboden – der Schnee eben. Der Erfolgsroman „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ wird allein von Ihnen beiden erzählt/gespielt. Thomas Birnstiel schlüpft dabei in mehrere Rollen, während Dagny Dewath durchgehend Fräulein Smilla spielt, die dem Grund des Todes des Jungen Jesaja nachspürt. Sie ist Grönländerin, Jesaja war auch Grönländer, sie kannten sich, wohnten im selben Haus.
Es ist ein Wissenschaftsthriller, da es letztlich – findet Smilla heraus – um wissenschaftliche Expeditionen nach Grönland und dortige Funde und Tode geht.
Natürlich können nicht alle Einzelheiten des Thrillers, der auch verfilmt wurde, in der Inszenierung wiedergegeben werden. Ich kenne das Buch nicht, habe aber den Eindruck, dass durchaus öfters gekürzt werden musste. Auch wenn ja die Verfilmung die Grundlage der Inszenierung ist. Dennoch: Schauspielerisch ist die Inszenierung von beiden sehr überzeugend! Inhaltlich ist es möglicherweise etwas kurz geraten, mir hat sich nicht alles erschlossen.
Unverständlich blieb für mich leider das Plakat zu dieser Inszenierung, auf dem Helmut Kohl zu sehen ist. Nun gut, sehr schön ist es jedenfalls, gute schauspielerische Leistungen so nah in diesem kleinen Theater erleben zu können. Ein Grund, es zu besuchen – in der Hoffnung, dass vielleicht sogar auch junge Auszubildende der Schauspielschule Zerboni ihre Chance bekommen!
Hier noch ein Trailer zur Verfilmung des Romans in Produktion von Bernd Eichinger: