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THEATER: Die Gewehre der Frau Carrar/Würgendes Blei

Regie hat die Thüringerin Luise Voigt (HIER mehr über sie), die – meines Wissens – erstmals am Residenztheater inszeniert. Die Fortschreibung des Brecht‘schen Teils – eine Auftragsarbeit des Residenztheaters – stammt von Björn SC Deigener (mehr zu ihm auf der Stückeseite auf der Website des Residenztheaters, siehe am Ende des Textes).

Die Arbeit wird an der schönen kleinen Bühne des Residenztheaters, im Marstalltheater, gebracht. Die Bühne wird, vor allem im ersten Teil, sogar noch verkleinert, denn alles spielt sich in einem kleinen holzvertäfelten Raum mit Tisch und Stühlen (mehr fast nicht) allein auf der vorderen Hälfte der Bühne ab, siehe das Foto unten. Enge Atmosphäre, passend zum Thema.

Das Brecht’sche Thema: Frau Carrar ist überzeugte Pazifistin, sie will ihre beiden Söhne nicht in den Krieg gegen Franco ziehen lassen. Geht ihre Rechnung auf? Unterstützt sie damit nicht Franco? Muss man sich denn nicht verteidigen, wenn man angegriffen wird, auch wenn man noch so pazifistisch denkt? Stichwort Ukraine. Einer der beiden Söhne von Frau Carrar wird dann getötet und so wird alles anders (ich will nicht spoilern).

Die Inszenierung des ersten Teils des Abends, des Brecht’schen Teils, ist „Bertolt Brecht pur“. Das Bühnenbild, die Kostümierung, die Farbwahl (wirklich alles ist – fast emotionslos – in matt beigefarbenem Holz und in schwarz gehalten) lassen allesamt schon fast keinen anderen Schluss zu. Auch schauspielerisch ist es zurückhaltend – aber sehr gut! Nicht sofort einleuchtend ist es daher aber, warum die Inszenierung insoweit als „bemerkenswert“ bezeichnet wird. Bemerkenswert kann im Grunde nur die freie Kombination mit der „Fortschreibung“ des Brecht‘schen Teils genannt werden. Und bemerkenswert macht die Inszenierung die Tatsache, dass man Brechts Stück in der Tat (so auch die Theatertreffen – Jurorin) als „das Stück der Stunde“ bezeichnen muss.

Letzterer Aspekt („das Stück der Stunde“) überzeugt mich am ehesten. Die Fortschreibung des Brecht’schen Teils wiederum weniger, sie ist – mein Eindruck – im Ansatz und der Herangehensweise an eine Fortschreibung gut, driftet dann allerdings (etwa mit einem Monolog eines Maschinengewehrs) doch etwas flach ab.

Fazit: Zurecht kann man das kleine, nicht sehr oft gespielte Brecht’schen Drama „Die Gewehre der Frau Carrar“ momentan sehr gut passend auf die Bühne bringen. Denn was bleibt einem anderes übrig, als sich zu verteidigen, wenn man angegriffen wird – sehenden Auges, dass es viele Menschenleben kosten wird! Pazifismus wird dann sinnlos, wenn der Krieg erst einmal begonnen hat! Schlimm genug!

Hier noch ein Bild:

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Münchner Residenztheaters.

Copyright der Bilder: Sandra Then

Von maxkuhlmann

Geboren am 04.08.1961 in Göttingen, aufgewachsen in München, gelebt in München, Lausanne, London, Köln, München, ehemals Rechtsanwalt, Dr. jur., seit 2010 freischaffend in kulturellen Interessensgebieten tätig.

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