Ein Tipp: Es lohnt sich, den umfangreichen Ausstellungskatalog der 34. Open Art in München zur Hand zu nehmen und zu blättern. Jedenfalls, wenn man ein gewisses Bedürfnis hat, sich kulturell anregen zu lassen. An diesem Samstag, 10. September 2022, und am Sonntag, 11. September 2022, jeweils von 11:00 bis 18:00 Uhr sind in München um die 50 verschiedene Galerien zeitgenössischer Kunst und etwa 30 andere Orte („Institutionen“, Museen, Stiftungen …) geöffnet.
Oder das Programm online durchgehen, geht auch! HIER!
Noch sind Theaterferien, daher hatte auch ich heute, Freitag, 09.09., (Beginn war 18:00 Uhr) Zeit, mir etwas anzusehen. Ich war – wieder einmal – in der kleinen Galerie der Stiftung van de Loo, Gabelsberger Straße, Kunstareal. HIER der link zur Website der Stiftung. Dies nur als Anregung.
Es ist eine kleine Ausstellung, zu sehen sind zeitgenössische Werke u. a. der folgenden Künstler: H.M. Bachmayer, Gunter Damisch:, Franz Hitzler, Asger Jorn, Gustav Kluge, Uwe Lausen, E.R. Nele, Helmut Sturm, HP Zimmer, Aneta Kaizer. Die Galerie hat vor allem Werke der damals sehr avantgardistischen „Gruppe Spur“, Künstler der Jahre 1957 – 1965. Der damalige Gründer der Galerie van de Loo, Otto von de Loo, hatte viel Kontakt zu diesen Künstlern. Ich kannte in meiner Jugendzeit Otto van de Loo als besten Freund meines Vaters gut.
Hier ein Bild mit kurzer Beschreibung der bisherigen Publikationen der Stiftung van de Loo:
Oder auch das gleich online: HIER! Dann ist man gleich auf der Website der Stiftung van de Loo.
Beispiel eines Künstlers der Stiftung van de Loo, der mir gut gefällt: Gustav Kluge. Etwa hier:
Ich glaube, es lässt sich für viele etwas Interessantes finden auf der 34. Open Art! Jedenfalls kommt es mir so vor, als wäre Kunst ohne Worte derzeit passender als das Theater. Bei all den Krisen kann man ja kaum Worte finden.
Das Theater steht im Schatten momentan. Im Schatten des realen Lebens, das so viele riesige Krisen zeitigt! Mal sehen, wie Theater darauf reagieren kann. So reagieren kann, dass man es sehen will, dass man es braucht! Hier etwas Musik. Ein Song von Wanda. Sie haben für den 30. September diesen Jahres ein neues Album angekündigt. Sie haben es angekündigt mit einem ersten Song daraus: „Rocking in Wien“. Ich bringe hier aber einen Song, den es schon etwas länger – nicht lange – gibt.
Deren Musik passt in die Zeit: Hemmungslos, nicht feinfühlig, schreiend; aber an das Leben denkend, positiv denkend – es geht um Liebe – aber das Negative sehend. „Wir sind verloren“! Etwas anderes bleibt uns derzeit auch nicht, scheint es! „Feinfühlig“ zu denken ist derzeit fehl am Platz. Der Titel „Wir sind verloren“ trifft unsere Zeit!
Sie wollen im November/Dezember diesen Jahres sowie im März nächsten Jahres auf Tour durch die Lande ziehen. Hier die Termine:
Auch im vergangenen Jahr fand sie statt, trotz Corona. Und so auch dieses Jahr wieder: Die Kritikerauswahl der Zeitschrift TheaterHeute. Im vergangenen Jahr (Spielzeit 2020/2021) war – wohl weniger beachtet – z. B. Christopher Rüpings Inszenierung „Einfach das Ende der Welt“ zur Inszenierung des Jahres gewählt worden. Hier sind nun die ErgebnissederAuswahl für die Spielzeit 2021/2022:
Theater des Jahres: Schauspielhaus Bochum
Inszenierung des Jahres: humanistää! eine abschaffung der sparten, Volkstheater Wien (noch ein paar Tage lang zu sehen auf 3sat, siehe meinen vorherigen Beitrag, HIER)
Schauspieler des Jahres: Samouil Stoyanov, Volkstheater Wien
Schauspielerin des Jahres: Lina Beckmann, Deutsches Schauspielhaus Hamburg
HIER eine Audiobesprechung der diesjährigen Auswahl. ich werde wahrscheinlich in Kürze auf diese Auswahl zurückkommen.
Die Inszenierung „humanistää!“, eine Inszenierung von Claudia Bauer am Volkstheater Wien, war dieses Jahr schon zum Berliner Theatertreffen (Mai 2022) eingeladen. Nun wurde sie im Rahmen der jährlichen Kritikerauswahl der Theaterzeitschrift TheaterHeute auch zur „Inszenierung des Jahres“ gewählt. Untertitel der Inszenierung: „eine abschaffung der sparten“.
Wer es sehen möchte: ACHTUNG!! Es kann nur noch für wenige Tage auf 3sat im Rahmen der jährlichen Reihe „Starke Stücke“ in der dortigen Mediathek abgerufen werden. Nur noch bis zum 3. September! Also noch wenige Tage! Der Sinn steht fielen zur Zeit wegen Krieg und wegen der viel zu vielen großen Krisen (Corona, Klima, Strom, Gas, Ernährung, Inflation, Globalisierung) nicht so sehr nach Theater, aber vielleicht hilft es auch ein bisschen.
HIER der link zur entsprechenden Seite in der Mediathek von 3sat.
HIER der Link zur Stückeseite von humanistää! auf der Website des Volkstheater Wien.
HIER noch eine köstliche Vorstellung des Spielzeit 2022/2023 des Volkstheater Wien!
Das Stück wird allerdings auch wieder in der Spielzeit 2022/2023 in das Programm genommen. Wer nach Wien fahren will, kann es also auch noch live sehen!
Hier wieder eine sagenhafte Aufnahme. Heute vor vier Jahren, am 16. August 2016, ist sie im nicht sehr hohen Alter von 76 Jahren gestorben: Aretha Franklin, the “Queen of Soul“. Sie hat ein unglaubliches Leben hinter sich: 1955, im Alter von zwölf Jahren, bekam sie zum Beispiel ihren ersten Sohn Clarence, den zweiten Sohn Edward 1957 mit vierzehn Jahren.
Die Aufnahme sieht nach Musikgeschichte aus. Sie ist aus dem Jahre 2015. Es war eine Veranstaltung, an der Barack Obama teilnahm. Auch er war offenbar gerührt, der vielleicht beste Präsident, den die Vereinigten Staaten je hatten. Aretha Franklin wusste seit 2010, dass sie Bauchspeicheldrüsenkrebs hatte.
Sie hat es tatsächlich noch einmal in meinen Blog geschafft! Lou Doillon! Congratulation and a big hug! What a great success! Je t’embrasse – muss ich ganz französisch sagen! Sie hat es geschafft mit dem Song „I C U“! Das sind großartige Glücksmomente: Meine herzliche Umarmung natürlich und auch die (wiederholte) Aufnahme in den Blog!
Es klang nach einer anregenden Kombination: Einerseits: In einer Bar in München (Nähe Goetheplatz) – in der „Bar Gabányi“. Andererseits: Dort Klassik, ein Abend zu Puccinis „La Bohème“. Und der Barbesitzer Stefan Gabányi sogar involviert. Also eine vielleicht skurrile Kombination! Ich also hin!
Es ist – wieder (wie kürzlich die Olympia-Aktion, HIER) – eine vom Kulturreferat der Stadt München geförderte Aktion, eine kleine Reihe von insgesamt vier Konzerten zu Puccinis La Bohème: „La Bohème 2022“, an vier verschiedenen Orten, verteilt über mehrere Monate bis Ende des Jahres.
In der Bar Gabányi war nun Konzert II an der Reihe. Konzert III wird am 15. November im Schwere Reiter (am Leonrodplatz) stattfinden und Konzert IV am 2. Dezember am Köśk (Nähe Schwantalerhöhe). Immer gespielt vom „Ensemble für sykretische Musik“ . Zwei Violinen, eine Viola, ein Violoncello, zwei Synthesizer, ein Klavier.
HIER der Link zur Website des Ensembles für sykretische Musik und damit gleichzeitig zu den umfassenden Erläuterungen zur Konzertreihe La Bohème 2022. Und HIER der Link zur Website der Bar Gabányi.
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In Puccinis La Bohème geht es um vier verarmte Künstler. Schaunard/Musiker, Colline/Philosoph, Marcello/Maler und Rodolfo/Dichter. Jedem dieser Künstler ist jetzt in der Konzertreihe La Bohème 2022 ein Konzertabend gewidmet. Es geht im Grunde um das prekäre Leben von Künstlern heute! Auch das ist ein köstlicher Widerspruch: Allein das Thema (Prekariat) und dann das Konzert dazu in einer schönen Whiskybar!
Diesmal war der Philosoph Colline im Blickfeld. Stefan Gabányi hat zur Musik einen Text vorgelesen. Es war ein (fast) philosophischer Text von Erich Maria Remarque über Schnaps. Erich Maria Remarque, Schnapsliebhaber, hatte in seinem Artikel „Über das Mixen kostbarer Schnäpse“ 1924 in einer Zeitschrift in Hannover mit vielen Worten den feinen und schwierigen Charakter von Schnaps dargelegt und den richtigen Umgang mit Schnaps beschrieben.
Auf die Musik möchte ich nicht sehr genau eingehen, der Leser dieser Zeilen kann es ja leider nicht mehr „nachhören“! (Teil IV der Reihe im Dezember im Köšk bringt allerdings Videoausschnitte der vorhergehenden Aufführungen.) Nur so viel: Es gab erst den Auftritt von Klavier, Synthesizer und Streichquartett und danach ein kleines Konzert der vier Streicher/der Streicherin alleine. Die vier Streicher/die Streicherin spielten das Streichquartett „Werden – Sein – Vergehen“ von Anton Webern. HIER das Streichquartett auf Youtube.
Wunderbar spielte – das doch noch zur Musik – das Streichquartett des Ensembles für sykretische Musik in diesem kleinen Kreis. Anton Weberns Streichquartett ist ein schwerfälliges (sensibles) und wahrscheinlich schwieriges Stück. Beim Auftritt davor (Klavier, Synthesizer etc.) habe ich dagegen die angekündigte „Fahrt durch die Gedankenwelt des Philosophen und Phantasten Colline“ nicht ganz verstanden. Zu Beginn wurde zumindest ein Video über die Gedanken Collines zur ihn letztlich störenden Welt gezeigt.
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Stefan Gabányi wiederum: Er war viele Jahre Barkeeper und Whisky-Experte im Schumann’s, ist Herausgeber des Buches Schumanns Whisk(e)y-Lexikon. Seit 2012 hat er seine eigenen Bar. Die „Bar für verständnisvolle Trinker“, sagt er. Die Bar Gabányi ist im Souterrain, gemütlich dunkel gehalten, persönlich eingerichtet, mit einer kleinen Bühne, auf der alle paar Wochen ein kleines Konzert stattfindet. HIER das Bühnenprogramm (das Programm ab Oktober folgt in Kürze, heißt es). Man kann auch draußen sitzen, auf der Treppe zum Souterrain liegen kleine Kissen für Sitzgelegenheiten. Mit feiner, nicht überteuerter Karte der Drinks und knapper Speisekarte, Würstl im Saft etwa, Ölsardinen, auch Sandwiches. Also: Unspektakulär ausgehen – nicht schick, aber sehr persönlich – und dabei etwas Besonderes trinken, dazu evtl. etwas Schlichtes essen, das geht hier gut!
!Copyright Hans Gabanyi
Das war also der Abend: Musikalisches in kleinem Rahmen, danach einen schönen Drink zu sich nehmen und über den Tresen hinweg den Blick auf die wieselflink hantierende junge Barkeeperin haben (wie zielsicher, konzentriert und schnell – fast ohne hinzusehen – sie jeweils die richtigen Flaschen und Zutaten zum Mixen der verschiedenen Drinks gezogen hatte!): Das hatte dann doch nicht so richtig viel Prekäres an sich!! Was aber nicht die schwierige Lage vieler vieler Kulturschaffender in diesen Zeiten verharmlosen soll!
Ich bin gespannt auf die beiden weiteren Konzerte der Reihe La Bohème 2022 gegen Jahresende (November und Dezember) und freue mich auf weitere Besuche in der Bar Gabányi und dort auf das vielleicht ein oder andere Konzert (auch vor Jahresende).
Mehrfach war ich zuletzt mit dem Münchner Olympiapark beschäftigt. Die Feiern zu “50 Jahre Olympia 1972“ hatten mich ja angezogen. Über die Theaterperformance „Pienes Regenbogen“ hatte ich berichtet. Und ich hatte danach die Erlaubnis erhalten, einen Ausschnitt aus einem seltenen Film zur damaligen “Regenbogenaktion“ auf der Abschlussfeier der Olympischen Spiele, der teils gezeigt wurde, zu bringen.
HIERgehts zum Beitrag “Pienes Regenbogen“. Und HIER gehts zum Blogbeitrag mit dem Filmausschnitt über Pienes Regenbogen.
Und ich weiß: Ich bin ein Fan des Olympiageländes, des Zeltdaches besonders!
Also was liegt näher, als den Bildband “Olympiapark München – Architektur Landschaft Kunst“, der vor wenigen Wochen erschienen ist, anzusehen! Es ist ein Bildband mit über 300 Seiten, Format annähernd DIN A 4, 21 x 28 cm, herausgegeben beim Büro Wilhelm Verlag. HIER der link zur Buchseite auf der Website des Büro Wilhelm Verlages. Danke dem Büro Wilhelm Verlag, der mir den Bildband zur Verfügung stellte!
Die Architekturfotografin Ines Jenewein hat zwischen 2015 und 2022 mit rein architektonischem Blick alle Winkel des Olympiaparks und seiner Bauten angesehen und fotografiert, ein wenig mit älteren Fotos oder – ebenfalls nur an wenigen Stellen – mit Fotos anderer Fotografen kombiniert. Ein ungewohnt architektonischer Blick! Auf den ersten Blick kommt man mit dem Bildband kaum zurecht. Er transportiert nicht sofort Emotionen. Nüchtern und ohne irgendwelche Personen auf den Bildern werden alle möglichen Details der wunderbaren Anlage gezeigt. Bei näherer Beschäftigung mit den Aufnahmen aber kommt man jedem Bild sehr nahe! Man erkennt mehr und mehr auf fast jedem Bild die architektonische Besonderheit! Und es sind meines Erachtens wirklich alles Besonderheiten! Die Fotoaufnahmen werden, je öfter man sie ansieht, umso besser! Allein die Farbgebung! Die dezenten Farben, die Formen, die immer irgendwie “schlanke Klarheit“ der Bauten, nie protzig! So zieht es sich durch den Park und durch den Bildband – wobei auch gezeigt wird, wie sehr der Olympiapark immer wieder auch ein Wechselspiel mit Natureindrücken bietet.
Auffallend ist schließlich insgesamt, dass man letztlich nur sagen kann: Trotz all dieser verschiedenen Blicke und Details bildet die gesamte Anlage des Olympiaparks eine wunderbare Einheit! Eine Einheit durch die dezente Wiederholung all der architektonischen Eigenheiten, durch die oft nur knappe Farbgebung der Elemente, durch die Natur, durch den überall unaufdringlich bleibenden Charakter der Bauten.
Hier ein paar Eindrücke aus dem Bildband (die Bildqualität ist im Bildband besser als hier). Die Aufnahmen sind nicht repräsentativ, insgesamt sind sie in diesem sehr gelungenen Bildband viel vielfältiger!
Foto: Olympiapark München GmbH/Fabian StoffersFoto: Olympiapark München GmbH/Fabian Stoffers
Der Bildband schafft es, einen besonderen Gesamteindruck mit vielen vielen Einzelblicken auf die Architektur im Kleinen und im Großen sowie auf Landschaft und – nicht viele – Kunstgegenstände auf dem Gelände zu verschaffen! Die Schönheit und Besonderheit des Olympiageländes, das ja von der UN zum Weltkulturerbe ernannt wurde, steckt in jedem Detail.
Die Bildrechte der hier gebrachten Aufnahmen liegen, soweit nicht besonders aufgeführt, bei Ines Jenewein/Büro Wilhelm Verlag. Ich hoffe ich darf die geschützten Bilder im Rahmen dieser Berichterstattung als „Zitatfotos“ aus dem Bildband „Olympiapark München“ von Ines Jenewein bringen.
Ich kann mit Einverständnis des Rechteinhabers (Schamoni Film GmbH danke!) einen Auszug aus dem Film „Otto Piene, Olympia Regenbogen, 1972“ bringen! Aufnahmen der „Regenbogenaktion“, die zur Abschlussfeier der Olympischen Spiele von 1972 in München anstelle eines Feuerwerks lief!
Im Rahmen meines Berichtes über die Theaterperformance „Pienes Regenbogen“ (Münchner Kulturreferat und Münchner Kammerspiele) hatte ich vor kurzem geschrieben, dass ich angefragt habe, ob ich etwas aus diesem Film im Blog bringen darf. Es lohnt sich, einen Ausschnitt aus der Dokumentation „Otto Piene, Olympia Regenbogen, 1972“ anzusehen!
Die Originaldokumentation über die damalige Regenbogenaktion ist 18 Minuten lang, der hier zu sehende Ausschnitt etwas über drei Minuten. Danke meinem Sohn Gregor (www.locolor.de), der geschnitten hat!
Die Schamoni Film & Medien GmbH: Die Mitglieder der Familie Schamoni hatten die Kino- und Fernsehlandschaft der Bundesrepublik Deutschland über Jahrzehnte geprägt. Es begann mit Vater Victor Schamoni sen. (1901-1942), später auch mit dessen Ehefrau Maria Schamoni, und setzte sich fort mit den filmischen Aktivitäten ihrer vier Söhne Victor jun. (1932-1975), Peter, (1934-2011), Thomas (1936-2014) und Ulrich (1939-1998).
HIER ist der Link zur Website der Schamoni Film & Medien GmbH, auf der man auch einen guten Überblick über die wesentlichen von den Schamonis produzierten Filme erhält.
Produzent des Filmes „Otto Piene, Olympia Regenbogen, 1972“ war Peter Schamoni.
Wer in den – immer wieder beeindruckenden – Räumen im Haus der Kunst München mit einer Performance in sehr besonderer Weise Ruhe und Stille und Langsamkeit und Gelassenheit und Zeit und Akustik UND die persönlichen Erfahrungen des Künstlers, die seine Klangperformance geprägt und ausgelöst haben, erleben möchte, hat heute Abend noch die Gelegenheit: Eine Performance von JJJJJerome Ellis. Heute, Sonntag, 24. Juli 2022, 20.00, Dauer etwa 1 Stunde. Ein Zusammenspiel von Saxophon, Klavier, Synthesizer, Hackbrett und Stimme in einer der schönen Hallen des Hauses der Kunst.
HIER der Link zur Ankündigung der Performance auf der Website des Haus der Kunst. Wer es nicht mehr geschafft hat, zu spät liest oder Ähnliches, kann über diesen Link wenigstens ein bisschen hinein hören.
TUNE ist eine Reihe von kurzen “Sound Residencies“ im Haus der Kunst. Jeden Monat erhält ein Künstler/eine Künstlerin im Haus der Kunst Gelegenheit, seine Arbeit und seine sehr spezielle Herangehensweise an Sounds darzustellen. HIER der Link zur Seite des Programms TUNE auf der Website des Haus der Kunst.
Was JJJJJerome Ellis spielt, kann man kaum Musik nennen, es sind Töne, Klänge, die in die Stille fallen. Es sind keine Musikstücke, die man hört. JJJJJerome Ellis sagt, seine Kompositionen sind wie Springbrunnen, ohne Ende und ohne Anfang, fließend, sprudelnd. Man kann lange davor stehen, man kann kurz davor stehen. Sie entwickeln eine sehr besondere Qualität.
Vor allem haben seine Kompositionen sehr persönliche Ausgangssituationen: ZUM EINEN: JJJJJerome Ellis ist Stotterer, der die Momente des beginnenden Stotterns durch Innehalten des Redens umgeht. Es entstehen Sprechpausen. So entsteht immer wieder eine Ruhe, Stille, aber auch ein besonderes Bewusstsein und eine Beziehung zu ihm und von ihm zum Gesprächspartner, zur Umgebung… JJJJJerome Ellis hat dadurch gelernt, das Besondere dieser Ruhemomente mit Sounds deutlich zu machen und generell die sehr besondere Qualität von Stille zu erkennen. Man merkt seinen Kompositionen von Beginn an an, dass gewissermaßen hinter jedem Ton die Stille steckt. Ohne Stille kein Ton! Rhythmus und Takt würde diese Beziehung zwischen Stille und Ton überdecken. Man würde nur noch einem Musikstück zuhören. Das Fehlen von Rhythmus und Takt legt die Töne frei, der Klang fällt in die Stille, ohne in ein Musikstück eingebunden zu sein. JJJJJerome Ellis ist in seiner Herangehensweise übrigens nicht weit entfernt von dem Thema, das ich letztlich mit dem Buch VITA CONTEMPLATIVA vorgestellt hatte. HIER der Beitrag.
ZUM ZWEITEN: In der Performance im Haus der Kunst geht es speziell darum, dass die Vorfahren von JJJJJerome Ellis Sklaven waren. Er greift Berichte über die Flucht eines (mehrerer?) Sklaven in West Virginia auf. An diese Flucht erinnert JJJJJerome Ellis mit seiner Komposition. Der Sklave (die Sklaven) werden von ihm nachträglich durch die Komposition sehr speziell geehrt, gewürdigt. Er „singt“ (besser: “gibt sie dazu“) mit melancholischer Stimme nur die Namen von „einer Handvoll“ Pflanzen, die wohl auf den Wegen des/der Sklaven auf ihrer Flucht zu finden waren. So hört man sehr besondere Sounds und ist sich des Grundes der Sounds bewusst.
Sehr schön, sehr besonders und wunderbar!
Hier ein Foto vom Abend:
Die nächsten Veranstaltungen der Reihe TUNE:
Emir Timur Tokdemir und Tove Agelii: Emiranda: 23–26.9.22
Die Frage ist: „Wie leben wir?“ Es läuft doch einiges schief. Wenn es so weitergeht, zerstören wir die Erde, keine Frage. Die Frage ist auch: “Wie gehen wir an die gewünschte Erreichung eines Endes der Zerstörung der Welt heran?“ Diese Fragen können/müssen natürlich auch philosophisch bearbeitet werden.
Die praktische Umsetzung ist dabei eine andere Frage, ob sich da jemals noch etwas ändert, ist fraglich. Ich habe jedenfalls den neuen philosophischen Essay des in Berlin lebenden deutsch-chinesischen Philosophen Byung-Chul Han “VITA CONTEMPLATIVA“ gelesen, der sich letztlich mit diesen Kernfragen auseinandersetzt.
Im Grunde ist es Philosophie mit starker Tendenz zu Gesellschaftskritik. Philosophie nur „der Philosophie wegen“ ist heutzutage auch kaum angebracht. So wurde Byung-Chul Han auch 2010 mit Die Müdigkeitsgesellschaft bekannt. Er diagnostizierte damals, dass in modernen Gesellschaften nur Effizienz und Vermarktungslogik eines Jeden zählen. Die Folgen seien Sinnlosigkeit, Depression, Müdigkeit. In der Beschleunigung, der Optimierung des Selbst, dem Keine-Zeit-Haben für sich und seine Mitmenschen sieht Han eine gefährliche Entwicklung.
Der Essay „VITA CONTEMPLATIVA (oder von der Untätigkeit)“ wird – ein kurzer Überblick – auf der Umschlaginnenseite beschrieben. Es geht diesmal nicht um Müdigkeit, sondern um den Verlust der Fähigkeit des Menschen zur Untätigkeit. Hier die kurze Zusammenfassung:
118 Seiten, kleines Format, sechs Kapitel – das lässt sich machen, um sich einmal mit diesen Fragen auseinander zu setzen. Die Kapitel lauten:
Ansichten der Untätigkeit
Eine Marginalie zu Zhuangzi
Vom Handeln zum Sein
Der absolute Seinsmangel
Das Pathos des Handelns
Die Kommende Gesellschaft
Natürlich handelt der Mensch, der Mensch ist handelndes Wesen. Das will auch Byun-Chul Han nicht bestreiten. Es geht um die Ergänzung des Handelns. Ergänzung durch ein kontemplatives Element, das wir aus dem Auge verlieren. Kontemplation, damit ist nicht etwa Freizeit gemeint! Kontemplation ist mehr! Das handelnde Element beschränkt den Menschen auf ein funktionierendes Subjekt. Auch Freizeit dient ja letztlich nur dem Funktionieren, dient dem handelnden Subjekt mit seinem ständigen Gedanken an ein “um zu …“. Erst wenn aber dieser Gedanke “um zu …“ fehlt, entfaltet sich wirklich Freiheit!
Byun-Chul Han entwickelt – muss man sagen – hierbei nicht etwa eine eigenständige Philosophie der Untätigkeit, sondern zeigt im Grunde eher auf, dass sich viele viele Philosophen, Künstler etc. bereits mit diesen Themen beschäftigt haben. Er hangelt sich von Philosoph zu Philosoph, von Kultur zu Kultur, und erklärt deren Sichtweisen zu diesen Fragen eher, als dass er eine eigenständige Philosophie entwickelt. Er verbindet letztlich die gefundenen Aussagen. Ein kleiner Schwerpunkt seiner Untersuchung ist dabei sogar die „Gegenposition“, die früher von Hannah Arendt in ihrem Buch „Vita activa“ vertreten wurde. Der Mensch werde erst durch Handeln im öffentlichen Raum („polis“) zum Individuum. Das mag richtig sein, schließt aber im Grunde daneben das Element der „vita contemplativa“ nicht aus. Individuum zu werden einerseits und das Sein überhaupt angemessen erkennen zu können andererseits, es sind zwei paar Stiefel!
Ansonsten: Adorno, Benjamin, Schiller, Plutarch, Anaxagoras, Homer, Klee, Rilke, Proust, von Aquin, Kleist, Nietzsche, Heidegger, Handke, Kierkegaard, Musil, Cezanne, Luhmann, sie und viele viele mehr werden herangezogen, weil sie alle wohl auch irgendwo das spürten, was Byun-Chul Han mit seinem Essay erklären möchte: Das so wesentliche Element der vita contemplativa, das seiner Ansicht nach übrigens durch die digitale Welt und durch Künstliche Intelligenz mehr und mehr verschwindet. KI kennt nichts „Kontemplatives“, KI kennt nur “an und aus“, sagt er.
Immer wieder schwingt dabei – kurz aber jeweils nur – auch der Hinweis darauf mit, dass wir uns vor allem der Rettung der Natur verschließen, wenn das kontemplative Element verschwunden ist. Hier kommt Gesellschaftskritik durch. Und vielleicht die Absicht von Byung-Chul Han, alles mit einem Weg zur Rettung der Natur zu verbinden. Die Welt und die Natur brauchen das kontemplative Element.
Auch hierzu ein Auszug, Seite 51:
Byung-Chul Han hatte über Heidegger promoviert. Die hier oben gebrachte kurze Darstellung über Heideggers Denken passt gut, ist aber nicht repräsentativ für dieses Buch. Es geht viel allgemeiner aus verschiedenen Blickwinkeln um das kontemplative Element, um das Erkennen des „Seins“. Durch Kontemplation gibt man sein egoistisches „Selbst“ auf, dann kommt das Sein der Welt zum Vorschein. Das Nichtvollziehen von Dingen wird wichtig, nicht das ständige Eingreifen! Heideggers Schrift “Ethik der Scheu“ wird erwähnt.
Insgesamt ein sehr wertvoller Gedanke, den Byun-Chul Han aufgreift, vertieft und erläutert. Der Ansatz ist elementar und deswegen lohnt es sich, den gerade erschienenen Essay zu lesen. ich empfehle dann allerdings, ihn zweimal zu lesen!
HIER der Link zum Wikipediaeintrag über Byung-Chul Han und HIER der Link zur persönlichen Website von Byun-Chul Han.
Und HIER der link zur Internetsite zum Buch VITA CONTEMPLATIVA auf der Website des Ullstein Verlages.
Die Münchner Olympiade 1972 hat sich zum 50. Mal gejährt, 1972 -> 2022. Es gab eine Woche Feierlichkeiten auf dem Münchner Olympiagelände, diesem sagenhaften Gelände! Es gibt weiterhin eine sehenswerte Ausstellung zum Olympiagelände in der Pinakothek der Moderne! HIER der Link.
Die spektakulärste Kunstaktion der Olympischen Spiele 1972 sollte zur Abschlussfeier ein 440 Meter langer Ballonschlauch in Regenbogenfarben werden, der – beleuchtet – am dunklen Himmel über dem Olympiastadion schweben sollte. Zwei Tonnen hauchdünnes Polyethylen.
Ich war auf der Veranstaltung “Pienes Regenbogen“, die als Kooperation des Münchner Kulturreferats mit den Münchner Kammerspielen entstanden ist!
Otto Piene war der Künstler, der die damalige Aktion verantwortete. Otto Piene – man kennt ihn nicht oft, vermute ich. Ich kannte ihn nicht. Ich bin ihm nachgegangen, ein toller zeitgenössischer Künstler, finde ich, der übrigens am 17. Juli 2014, also in wenigen Tagen (Bericht geschrieben am 14. Juli 2022) vor acht Jahren, gestorben ist.
Hier ein Video zu einer anderen groß angelegten Ausstellung zu Otto Piene in Berlin aus dem Jahre 2014 („Otto Piene – More Sky“). Eine für den 18. Juli 2014 geplante Veranstaltung der Ausstellung an der Neuen Nationalgalerie wurde zu seinen Ehren durchgeführt – einen Tag nach seinem Tod. Auf dem Video ist – ziemlich am Anfang – eine seltene Aufnahme des Regenbogens (noch bei Tageslicht) zu sehen. Ich habe eine Anfrage gestellt, ob ich den schönen „Regenbogenfilm“ von 1972 hier veröffentlichen kann, der am Ende der jetzigen Feierveranstaltung gezeigt wurde. Mal sehen.
Die Olympischen Spiele von 1972 in München waren idealistisch schön durchdacht. Es ging nicht um Gigantismus. Der Regenbogen etwa sollte ein Gegenentwurf zum monströsen Lichtdom aus 36 Falkscheinwerfern sein, der die Schlussfeier der Spiele 1936 in Berlin illuminiert hatte. 60.000 Zuschauer wurden erwartet, 100 Millionen an den Fernsehgeräten. Statt des üblichen Abschlussfeuerwerkes sollte dieser Regenbogen die Idee der Freiheit, des alle Verbindenden und der Hoffnung vermitteln!
Dann das Attentat am 5. September 1972, fünf Tage vor dem Ende der Olympiade. Alle israelischen Geiseln, fünf palästinensische Terroristen und ein Polizist waren tot. In einer hastig zusammengerufenen Versammlung am Morgen danach (siehe das Beitragsbild oben) musste die Entscheidung fallen, ob die Regenbogenaktion trotz des ungeheuerlichen Endes der Geiselnahme durchgeführt werden sollte! Die Theaterperformance „Pienes Regenbogen“ rekonstruierte den Verlauf dieser Versammlung anhand der Aufzeichnungen von Otto Pienes Mitarbeiter Jürgen Claus. Die Namen der gestorbenen israelischen Geiseln wurden vorgelesen.
Die später offene Diskussion endete jetzt mit einer Abstimmung unter den anwesenden Zuschauern. Damals, 1972, wurde – glaube ich – zwischen den fünf beteiligten Personen abgestimmt. Fast alle der Zuschauer bei dieser Veranstaltung stimmten am Ende nun für eine Durchführung der Regenbogenaktion. Tatsächlich wurde sie auch 1972 im Rahmen der Abschlussfeier der Olympischen Spiele durchgeführt. Das Licht im Olympiastadion erlosch für einen Moment, als der Regenbogen am dunklen Himmel beleuchtet über dem See schwebte.
Schauspielerisch übrigens überzeugte – wieder einmal – Christian Löber, langjähriges Mitglied (er ist aber noch jung) des Ensembles der Münchner Kammerspiele, hier in der Person von Otto Piene. Er überzeugt zuverlässig eigentlich immer! Bei den anderen drei Schauspielern und der Schauspielerin war mein Eindruck: Etwas zu wenig haben sie die brutale Erschütterung der Olympischen Spiele wiedergegeben, die doch auf dieser Versammlung sicherlich prägend war! Da hätte noch mehr von dem damaligen Entsetzen rüberkommen können! Das fürchterliche Ende der Geiselnahme war gerade einmal wenige Stunden her!
Dennoch: Die schön ausgewählte kleine „Theaterperformance“ hat die Zuschauer insgesamt auf wunderbare Art und Weise zurückgeholt in den Kern und die Stimmung der Olympischen Spiele 1972 in München!
Einiges zu Otto Piene kann man ansonsten z. B. sehen auf der Website von Artnet. HIER der Link.
Eine wunderbare Reihe von Filmen zu jedem einzelnen Tag der Olympischen Spiele 72 in München bietet derzeit (Juli 2022) der Bayerische Rundfunk. HIER der Link.
Es ist erstaunlich, dass das Stück 4.48 Psychose von Sara Kane doch immer wieder auf die Bühnen gebracht wird. Zuletzt etwa am Deutschen Theater Berlin in einer der typischen Inszenierungen von Ulrich Rasche (HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Deutschen Theater Berlin und HIER ein Trailer).
Oder am Theater Dortmund in einer gänzlich anderen Inszenierung von Kay Voges, die allerdings schon ein paar Jahre her ist (HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Theater Dortmund und HIER ein Trailer). Auch sie scheint typisch für Kay Voges. Oder – auch vor ein paar Jahren – in einer Inszenierung von Katie Mitchell am Deutschen SchauSpielHaus Hamburg (HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Deutschen SchauSpielHaus Hamburg und HIER ein Trailer).
Jetzt bringt das Metropoltheater am nördlichen Rand Münchens – in Freimann – das Stück in einer Inszenierung von Jochen Schölch. Es ist eine Wiederaufnahme, Premiere des Stückes war dort im Oktober 2021. Weitere Ausführungstermine bis zum August sind mir allerdings nicht bekannt.
HIER der Link zur Stückeseite 4.48 Psychose auf der Website des Metropoltheater.
Es ist – wie gesagt – erstaunlich, dass dieses Stück immer wieder gebracht wird, da es doch letztlich schwer verständlich ist. Das Stück hat keinen Inhalt, es sind Worte, Texte, Gedanken von Sarah Kane, die sich wenige Monate nach Vollendung des Textes 4.48 Psychose das Leben nahm. Sie hatte den Text noch an den Verlag geschickt – zur Veröffentlichung nach ihrem Tode.
Autobiografische Worte, die Sarah Kane während kurzer klarer Momente in ihrer Depression (um 4 Uhr 48 jeweils) schreiben konnte. Niemand wird sie je ganz verstehen. Wir nennen es „Depression“, doch auch das ist schon eine hilflose Bezeichnung. Wir wissen nicht, was man fühlt und denkt und sieht in einer „Depression“. Wahrscheinlich sind Depressionen auch sehr unterschiedlich.
4:48 Uhr bedeutet dabei wohl kaum “Momente der Gesundheit“. Sie nannte es „Momente der Klarheit“. Und „Klarheit“ beschreibt sie so: „Um 4 Uhr 48, wenn die Verzweiflung mich überkommt …“. Es ist immer ein Entsetzen über die Welt dabei, das sie eben um 4 Uhr 48 für etwa eine Stunde wenigstens formulieren konnte. Es geht auch um einen gewissen Betrug, den die Welt immer wieder mit sich begeht. Das erkannte sie und verzweifelte wohl auch daran.
„Depression heißt Zorn“.
Oder:
„Meine Gedanken fliehen mit einem Mörderlächeln. Hinterlassen Angst und Verstimmung, die aufheulen in meiner Seele“.
Und so weiter, all das sind nur Bruchstücke ihrer Empfindungen. vielleicht ist es die Verzweiflung, sich selbst in der Wirklichkeit unserer Welt nicht wirklich finden zu können.
Sarah Kane hat keine Rollenverteilung für ihr Stück vorgenommen. Das ganze Stück kann von einer einzigen Person gespielt werden (SchauSpielHaus Hamburg), kann aber auch von vielen gespielt werden (Deutsches Theater Berlin). Hier im Metropoltheater sind es zwei Personen: Die Patientin und ein Arzt, Judith Toth und Thomas Meinhardt.
Sie spielen es auf der dunklen Bühne „hinter Glas“. Wohl, weil die Patientin Sarah Kane sich abgetrennt sieht von der Welt. Sie und die Welt. Ab und zu kommt der Arzt aus der “Welt“ hinein in ihren Kubus. Die Patientin Sarah Kern spiegelt sich durch das gelungene Bühnenbild – siehe oben – oftmals vielfach in den Glaswänden, berührt sie, bringt sie in Bewegung (es ist ja Plastik), will von “draußen“ etwas sehen. Auch die Stimme „verändert“ sich: Es werden Sequenzen Play-back gesprochen.
Beide, Judith Toth und Thomas Meinhardt, spielen überzeugend. Vor allem bei Judith Toth – es ist ja im Grunde “ihr“ Stück – merkt man: Sie hat das, was sie spielt, verinnerlicht – soweit das geht. Jochen Schlöch sagte ja im anschließenden Publikumsgespräch: Wir wissen nicht, was eine Person im “depressiven“ Zustand denkt.
Sarah Kane hat versucht, es uns etwas näher zu bringen, etwas davon in unsere “Welt“ zu transportieren. Das macht das Stück interessant. Man sollte den Text danach in Ruhe lesen!
Er ist gerade auf Tour. Morgen, 29.06., tritt er in der Waldbühne in Berlin auf! Aber es gibt noch genug andere Gelegenheiten: Verona – Anfang Juli, Luxemburg – Anfang August, Rastatt – Anfang August, Vilnius – Mitte August, London und Paris – Ende August … alles schöne Reisen! HIER alle Daten!
THE ROAD: Kurz und ruhig. Es könnte die Schlussszene eines Films sein: Er oder sie sieht etwas – blickt lange hin – dreht sich dann langsam um – und geht weg – geht und geht – entfernt sich von der Kamera …
HIER noch einmal der Link zur Website von Nick Cave.
Zweifach Goethes Werther: Der Erste online, jeder kann es live am Sonntag, den 26.06., 17.00 Uhr, verfolgen! “werther.live“ ist ein Stück, das im Rahmen des am Freitag beginnenden Festivals „radikal jung“ am Münchner Volkstheater gezeigt wird. Der zweite Ansatz heißt schlicht “Werther“ und hat schon morgen, Mittwoch, 22.06., 20.00 Uhr, am Münchner Residenztheater Premiere
Zu den beiden Annäherungen an Werthers Liebesleiden:
Das digitale Theaterstück „werther.live“ auf dem Festival radikal jung hatte schon große Resonanz. Es wurde mit dem Deutschen Multimediapreis 2020 ausgezeichnet und wurde beim nachtkritik-Theatertreffen 2021 unter die zehn besten Stücke des Jahres gewählt. „werther.live“ war außerdem nominiert für das Theatertreffen der Berliner Festspiele und ist eingeladen zum 38. Heidelberger Stückemarkt. Es gastiert auch digital u.a. beim Schauspiel Köln, Schauspielhaus Hamburg, Deutsches Nationaltheater Weimar, sowie auf den Festivals PERSPECTIVES und Arena.
Übrigens mit Vorgespräch um 16:15 Uhr mit C. Bernd Sucher zur Produktion und zum Werk von Cosmea Spelleken und Nachgespräch um 19:00 Uhr mit Regisseurin Cosmea Spelleken und Leonard Wölfl (technische Produktion).
Finde ich ja sehr interessant: Wie spielt sich tragische Liebe heutzutage online ab?
Wikipedia schreibt über Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ Folgendes: Es gilt als Schlüsselroman desSturm und Drang. Es entwickelte sich „zum ersten Bestseller der deutschen Literatur“, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und war Mitauslöser der sogenannten Lesesucht. Dass Goethes Buch ein Welterfolg werden würde, war auch für ihn nicht vorhersehbar. Später schrieb er in seiner Autobiografie Dichtung und Wahrheit: „Die Wirkung dieses Büchleins war groß, ja ungeheuer, und vorzüglich deshalb, weil es genau in die rechte Zeit traf.“
HIER die Stückeseite von „werther.live“ im Rahmen des Programms des in diesen Tagen beginnenden Festivals „Radikal jung“.
Und „Werther“ am Residenztheater, der wird also etwas herkömmlicher insoweit, als es auf der Bühne stattfindet. Aber wahrscheinlich wird es auch nur ein bisschen herkömmlicher. Der Untertitel heißt: „Ein theatralischer Leichtsinn von Johann Wolfgang Goethe mit Texten von Karoline von Günderrode“. Es ist also auf jeden Fall eine Mischung mit Texten von Goethes Werther und Texten von Karoline von Günderrode!
HIER die Stückeseite von “Werther“ auf der Website des Münchner Residenztheaters.
Ich hatte das Video vom Auftritt der Rolling Stones von voriger Woche in München (Europatour) schon neben anderen Ankündigungen im letzten Beitrag gebracht. Der Song: „Out of Time“. Hier ist der Song noch einmal gesondert, und zwar zusammen mit der früheren Studioaufnahme des Songs zum Vergleich.
Die Studioaufnahme wurde 1966 im Album “Aftermath“ veröffentlicht, vor mehr als schlappen 50 Jahren! Wie gesagt: Mick Jagger ist jetzt fast 79 Jahre alt!! Die damalige Studioversion ist übrigens eine Nuance langsamer – obwohl doch eigentlich das Alter langsamer macht. Und sie ist natürlich insgesamt “sauberer“, als die Liveversion. Der Text des Songs hier:
You don’t know what’s going on You’ve been away for far too long You can’t come back and think you are still mine You’re out of touch my baby My poor discarded baby I said, baby, baby, baby, you’re out of time Well, baby, baby, baby, you’re out of time I said, baby, baby, baby, you’re out of time You are left out, out of there without a doubt ‚Cause baby, baby, baby, you’re out of time
The girl who wants to run away Discovers that she’s hand her day It’s no good your thinking that you are still mine You’re out of touch my baby My poor, unfaithful baby I said, baby, baby, baby, you’re out of time Well, baby, baby, baby, you’re out of time I said, baby, baby, baby, you’re out of time Yes, you are left out, out of there without a doubt ‚Cause baby, baby, baby, you’re out of time
You don’t know you were a clever girl (clever girl) Giving up your social whirl (social whirl) But you can’t come back and be the first in line, oh no You’re obsolete, my baby My poor old fashioned baby I said, baby, baby, baby, you’re out of time Well, baby, baby, baby, you’re out of time I said, baby, baby, baby, you’re out of time Yes you are left out, out of there without a doubt ‚Cause baby, baby, baby, you’re out of time
Sing a song Baby, baby, baby, you’re out of time I said, baby, baby, baby, you’re out of time
Hier ein paar Tipps für die nächsten Wochen: Dinge, die mir aufgefallen sind und mich interessieren würden – wenn man nur alles machen könnte … Man muss ja nicht immer arbeiten! Und Corona erlaubt ja auch wieder die ein oder andere Aktivität!
Metropoltheater München: Das verborgen im nördlichen Randgebiet Münchens liegende Metropoltheater hat seit dem 9. Juni wieder das Stück „4.48 Psychose“ von Sarah Kane in sein Programm genommen. Vom 1. bis zum 4. Juli kommt es beispielsweise wieder. HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Metropoltheaters. Das Bild anklicken!
Filmfest München 2022: Auf dem Filmfest München 2022, das am 23. Juni startet, gibt es in der Reihe „Neues Deutsches Kino“ einen Dokumentation über Elfriede Jelineks künstlerischen Umgang mit Sprache. Mit den Stimmen von Ilse Ritter, Sandra Hüller, Stefanie Reinsperger, Sophie Rois, Maren Kroymann, Martin Wuttke! HIER geht es zur Website des Filmfestes insgesamt. Und HIER der Link zur Filmseite. Bei der Gelegenheit: Auch interessant wird die Filmpremiere meines Sohnes (Produzent) mit dem schönen Film “Wut auf Kuba“ in der Reihe „Neues Deutsches Kino“, mehrfach nominiert. HIER der link. Das Bild anklicken!
Copyright: Filmfest München/ Plan C
Münchner Kammerspiele: Vor etwa zwei Jahren oder drei Jahren war es ein Riesenerfolg an den Münchner Kammerspielen: Das 10-Stunden-Theaterevent der Antike „Dionysos Stadt“, eine Inszenierung von Christopher Rüping. Ein absolutes Muss für jeden Theaterfreund! Für zwei Vorstellungen kommt dieses Stück noch einmal an die Kammerspiele: Am 2. Juli und am 3. Juli! Noch gibt es ein paar Karten. HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele. Auch hier gilt: Das Foto anklicken!
Copyright Julian Baumann
Münchner Residenztheater:
Auch das Münchner Residenztheater hat seine Wiederaufnahme: MARS von Fritz Zorn. HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Residenztheaters. Das Besondere ist der Spielort: Es findet im Freien neben dem Marstalltheater statt. Die nächsten Termine (neben heute) sind der 24. und der 27. Juni. Das Bild anklicken!
Max Mayer. Copyright: Sandra Then
DieRolling Stones auf Europatour
Sie waren vor ein paar Tagen in München, touren derzeit durch Europa und sind noch einmal Ende des Monats in Deutschland, in Gelsenkirchen, am 27. Juli. Amsterdam, Bern, Mailand, London, Brüssel, Wien, Paris, Lyon … das sind die nächsten Stationen. Hoffentlich haben sie ein InterRail-Ticket, die Rolling Stones. Aber ACHTUNG! neueste Meldung von heute, 14. Juni: Mick Jagger hat Corona und musste das Konzert in Amsterdam schon absagen!
Was man so auf YouTube sieht, ist das Münchner Publikum der Rolling Stones jedenfalls deutlich älter geworden, aber trotzdem. HIER der Link zur offiziellen Website der Rolling Stones. Und hier ein Video vom Münchner Auftritt der Stones vor wenigen Tagen. Man kann mehrere Songs hintereinander ansehen, sind aber nicht alle vom Münchner Konzert! Mick Jagger ist unfassbare 78 Jahre alt! Unfassbar!!
Deutsches Theater Berlin
Und Berlin: Vor kurzem hatte das Stück „Auslöschung. Ein Zerfall“ am Deutschen Theater Berlin Premiere! „Auslöschung“ war das letzte Prosawerk von Thomas Bernhard! HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Deutschen Theaters Berlin. Eine Inszenierung von Karin Henkel. es wird wieder gebracht am 26. Juni und am 3. Juli. Schade, ich habe an beiden Tagen keine Zeit. Thomas Bernhard und das deutsche Theater Berlin sind eigentlich eine wunderbare Kombination! Das Bild anklicken!
Bernd Moss, Linn Reusse, Daniel Zillmann. Copyright: Thomas Aurin
Wunderbar auch die Videoreihe „Monologe auf Mallorca“, in denen man Thomas Bernhard erlebt. Hier Teil 1 der fünfteilige „Serie“:
Das sind so ein paar Anregungen. Vielleicht füge ich noch das eine oder andere in den nächsten Tagen hinzu.