MUSIK: Johannes Brahms

Der Blog greift Kulturthemen auf, die mir begegnen: Derartiges dann weiterzugeben, ist heute mit Internet ein Leichtes: Das Stück Mittelreich von Josef Bierbichler (siehe letzten Blogbeitrag) ist derzeit an den Kammerspielen zu sehen. Es ist geprägt von dem Requiem „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms. Im Roman wird dieses Stück bei der Beerdigung des alten Seewirtes gespielt. Im Theater gesungen vom „Jungen Vokalensemble München“. Es wird a capella am 29.04.2016 in der Uni Augsburg und am 30.04.2016 in der LMU München (Große Aula, 19.00 Uhr) gesungen werden. Ein imposantes Stück.

Zwar ein durchaus schweres, trauriges Stück. Es sollte aber, so Brahms, etwas Stabilisierendes haben. Es sollte nicht (nur) die Trauer um eine(n) Verstorbene(n) ausdrücken , sondern vor allem den Hinterbliebenen Trost geben.

Choir singers holding musical score stock photo

Hier eine Aufführung des WDR – Synphonieorchesters:

Kategorien
Allgemein Gesehen und gehört

THEATER: Josef Bierbichler – Mittelreich

Hier ein Blogbeitrag eher für Münchner. Als Anregung für Erlebnisse in München. Gerne werden ähnliche Gastbeiträge aus anderen Städten aufgenommen. Kurze Berichte von Erlebtem:

Mittelreich von Josef Bierbichler in den Kammerspielen/Schauspielhaus: Ein Dorf am Starnberger See im Spiegel der Generationen, Erinnerungsfragmente. Der Seewirt, dem Zweiten Weltkrieg entronnen, übernimmt das Erbe des Vaters. Die Welt verändert sich zu dem, was man modernes Leben nennen wird, und doch bleibt alles überschattet von den Erfahrungen, die sich dem Leben eingeprägt haben. Eine neue Generation wächst heran, die aus der Vergangenheit ausbrechen will und doch verstrickt bleibt. Am Grab des Seewirts erklingt Brahms´ „Ein deutsches Requiem“, das die Lebenden trösten soll. Ausgehend von der Aufführung dieses Requiems inszeniert die Regisseurin Anna-Sophie Mahler Bierbichlers Roman, ein Musiktheater. Sehr, sehr gute schauspielerische Leistung!

La Sonnambula von Vincenzo Bellini in den Kammerspielen/“Opernhaus“: Ständig ausverkauft, Restkarten! Ein wunderbare Inszenierung des Opernstoffes. Die Geschichte der Schlafwandlerin Amina wird unpompös und immer wieder mit der schönen Belcanto-Musik näher gebracht. Eine besonders gut zusammen passende Besetzung! Lohnt sich auf jeden Fall!

Gurnemaz Schlaflos nach Richard Wagners Parsifal in den … Kammerspielen/“Opernhaus“; Als Gegenüber eines großen Opernsängers (Viktor van Halem) und eines Schauspielers (Gundars Abonis) inszeniert, ebenfalls eine besonders unpompöse Szene (Hotelszene) und Einblicke in die Oper. Gurnemaz kann man nicht mehr sehen, es lief nur zwei Mal.

War and Peace nach Krieg und Frieden von Leo Tolstoi in den … Kammerspielen/ Schauspielhaus; Ein Zusammentreffen von Schauspiel und Performance 8siehe Blogbeitrag). Meines Erachtens noch nicht vollends gelungen. Es ist eine klasse Annäherung an das Mammutwerk Krieg und Frieden von Leo Tolstoi, aber welche Ausssage hat die Performance? Es ist m. E. noch zu wenig diskursfordernd, obwohl gerade das der Ansatz ist! Die Gedanken zu Krieg und Frieden. Mehrere Zuschauer werden mit einbezogen.

Reihe „Episode“ in den … Kammerspielen: Die Folge Sportpalastwalzer der TV-Serie Der Alte wurde angesehen und besprochen mit Dominik Graf und dem Filmkritiker Bert Rebhandl. Interessant, Der Alte löste den Fall NICHT! Nächstes Mal House of Cards am 25. April.

Bildergebnis für kammerspiele münchen

 

Kategorien
Allgemein Gesehen und gehört

THEATER: Rimini Protokoll, Gob Squad, SheShePop

In München leuchtet derzeit die Performancewelt. Zur Irritation der Münchner holt der neue Intendant Matthias Lilienthal einige der besten deutschsprachigen Performancekollektive, Rimini Protokoll, Gob Squad oder SheShePop  an die Kammerspiele. Gestern war wieder eine Premiere: Eine Annäherung an das Mammutwerk Krieg und Frieden von Leo Tolstoi. Es hieß War an Peace. Keine Frage: Das geht zu Lasten des guten Ensembles der Kammerspiele, denn eine Performance lebt nicht von Schauspiel! Aber es bleibt eine jedenfalls für diese Spielzeit interessante Erfahrung! Man mag hoffen, dass Matthias Lilienthal in den kommenden Spielzeiten das wertvolle Ensemble der Kammerspiele wieder mehr schätzt. Auch um es nicht zu vergraulen. Man sieht sie fast garnicht mehr! Aber für diese Spielzeit kann man sich sagen: Theater mit Performances zu kombinieren ist ein für München auf jeden Fall interessanter Versuch, der einige aus dämmerigen Schlummerschlaf aufrütteln kann. Frage: Wo liegt der Unterschied zwischen Theaterschauspiel und Performance?

Performance als Kunstrichtung gibt es seit den 60er-Jahren, beeinflusst u. a. durch den Dadaismus (siehe Blogbeitrag). Performance ist häufig ortsgebunden, kann jedoch überall, zu jeder Zeit und ohne zeitliche Begrenzung stattfinden. Dabei kommen vier Grundelemente ins Spiel: Zeit, Raum, der Körper des Künstlers und eine Beziehung zwischen dem Künstler und dem Zuschauer. Es wird nicht „ein Stück aufgeführt“, sondern die Entwicklung im Ablauf einer Performance ist ein wesentliches Element. Nicht selten sind Performances offene künstlerische Versuchsanordnungen ohne Ablaufkonzept.

Rimini Protokoll (zeigte kürzlich Qualitätskontrolle, das Leben einer Querschnittsgelähmten) schreibt: Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Weiterentwicklung der Mittel des Theaters, um ungewöhnliche Sichtweisen auf unsere Wirklichkeit zu ermöglichen.

Für Gob Squad (zeigt derzeit War and Peace von Leo Tolstoi) wird eine Grenze überschritten, wenn sie mit Schauspielern zusammenarbeiten, wie jetzt bei War and Peace. Sie arbeiten nicht mit einem Regisseur.  Jeder auf der Bühne ist Miturheber der Performance. Es geht um Selbstreflexion der Akteure zu einem bestimmten Thema, evtl. unter Einbezug des Publikums, der Passanten etc.

SheShePop (zeigt derzeit 50 Grades of Shame) schreibt: Wir sind keine Darstellerinnen. Vielmehr stellen wir uns selbst und gegenseitig Aufgaben und lösen sie auf offener Bühne. Aus dem eigenen Erfahrungshorizont entwickeln sich unterschiedliche Perspektiven auf eine Frage. Das wird mitunter als autobiografisches Theater gedeutet. Tatsächlich ist der Bezug zum eigenen Leben eine Methode, nicht das Thema. Durch Verdichtung entsteht aus dem persönlichen Material eine erkennbare künstlerische Strategie und eine ins Beispielhafte stilisierte Position. Das Eigene ist dabei das Fremde, Monströse. Das gilt neuerdings auch umgekehrt: In einigen unserer neueren Shows bearbeiten wir bekannte monströse Texte aus dem literarischen Kanon mit eben dieser autobiografischen Methode.

So näherte sich auch das Konzeptkollektiv Gob Squad dem Thema Krieg und Frieden und dem Buch Krieg und Frieden von Leo Tolstoi. Es bleibt spannend und mag jedem ein Anreiz sein, sich einmal über den Tellerrand hinaus mit Performances und damit der sehr subjektiven, fast autobiografischen Befassung von Performern mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen.

Bildergebnis für kammerspiele münchen

 

 

MUSIK: Omran al Bukaii – I am crying for Sham

Es war in einem der vorigen Blogbeiträge bereits kurz erwähnt: Der Musiktipp der Woche ist dieses Mal ernst. I am crying for Sham von Omran Al-bukaii. Am Ende des heutigen Videos findet sich ein Hinweis auf seine Facebook-Seite. Das Lied ist politisch. Ein syrisches Lied. Der Text des Liedes ist übersetzt und enthält hoffentlich keine für uns unerkennbaren Spitzen, durch die sich jemand auf den Schlips getreten fühlen könnte. Man kann ihn auch mehrfach hören, um ein besseres Gefühl für die Musik zu bekommen. Besondere Übertreibungen enthält er wohl nicht. Hier:

Musiktipp der kommenden Woche

Kategorien
Gelesen und geblättert

LITERATUR: Du musst Dein Leben ändern

Rainer Maria Rilke hat es nach mehrfachem … geschafft, dass sich zum dritten Mal ein Blogbeitrag mit ihm auseinandersetzt. Genauer: Mit seinem Sonett Archaischer Torso des Apoll. Es fand bereits im ersten Blogbeitrag Erwähnung, dass sich Peter Sloterdjik in seinem 2011 erschienenen Buch Du musst Dein Leben ändern mit den berühmten zwei letzten Sätzen des Sonetts auseinandersetzt. Oft kommt man zu dem Schluss, dass das Sonett dem Wesen der Kunst nahe kommt (Stichworte: Unvollkommenheit; Jede Stelle ist gleichwertig; etc.). So gesehen ist es m. E. wunderbar mit Gültigkeit für das ganze Leben.  Sloterdijk dagegen schreibt zu dem Sonett sehr pragmatisch Folgendes:  Gib deine Anhänglichkeit an bequeme Lebensweisen auf – zeige dich im Gymnasium (gymnos, nackt), beweise, dass dir der Unterschied zwischen Vollkommenem und Unvollkommenem nicht gleichgültig ist, führe uns vor, dass Leistung – Exzellenz (areté, virtù) – für dich nicht Fremdworte geblieben sind, gib zu, dass für dich Motive zu neuen Anstrengungen existieren! Vor allem:  Gewähre dem Verdacht, der Sport sei eine Sache für die Dümmsten, nur soviel Raum, wie ihm zukommt, mißbrauche ihn nicht als Vorwand zum Weiterdriften in deiner gewohnten Verwahrlosung, mißtraue dem Philister in dir, der meint, du seiest, wie du bist, schon ziemlich in Ordnung! Höre die Stimme aus dem Stein, widersetze dich nicht dem Apell zur Form! Ergreife die Gelegenheit, mit einem Gott zu trainieren! Naja, er sieht es etwas profan.

Bildergebnis für apollo torso

Kategorien
Gelesen und geblättert

LITERATUR: Du musst Dein Leben ändern

Das Gedicht von Rainer Maria Rilke „Archaischer Torso des Apoll“ ist berühmt. Vor allem über die letzten zwei Sätze wurde tonnenweise geschrieben. Sie lauten: „Denn da ist keine Stelle/die Dich nicht sieht. Du musst Dein Leben ändern.“ Es geht hier nicht darum, zu sagen: „Ich kenne das Gedicht auch!“ Eher: Es gab einfach einen Menschen, Rainer Maria Rilke, der es geschafft hat, mit unserer begrenzten Sprache etwas in Worte zu fassen, was das Wesen der Kunst und eigentlich das Wesen von allem berührt. Das ist doch großartig. Und es kann uns helfen zu sehen: „Was ist Kunst?“ So wird es oft interpretiert. Ist doch schön, wenn wir in unserem kurzen Leben zur Kunst Zugang haben. Und: Wenn Kunst auch das Politische, Technische, Ökonomische etc. mitbeeinflussen kann.

Erstaunlich ist am Gedicht: Rilke war 1905/1096 Sekretär von Rodin. Er beschreibt einen Torso ohne Kopf, ohne Arme, ohne Beine. Und trotzdem ist es nicht nur ein Stein. Der Torso – so Rilke – sieht uns! Er glüht und glänzt und blendet und flimmert und „bricht aus wie ein Stern“ und sieht Dich an jeder Stelle.

Und dann dieser Imperativ: Du MUSST Dein Leben ändern. Also jeder muss sein Leben ändern. Jeder. Muss. Nicht etwa: Sollte, könnte, darf etc. Jeder muss. Es ist nicht eine Empfehlung, es ist so. Es geht nicht, zu sagen: „So ist es. So muss es sein.“ Dann würde man ja beim Torso schnell sagen: „Da fehlt der Kopf, da fehlen Arme und Beine, es ist ein kaputter Stein.“ Aber alles ist unvollständig. Das Leben und auch die Kunst. Und trotzdem wirkt alles. Und wir müssen es akzeptieren. Und daher sieht Dich „jede Stelle“. Im Leben und in der Kunst. Nicht nur die Augen oder so. Und, folgert man etwa, bei der Kunst ist eben „jede Stelle“ gleichwertig! Jede flimmert auf Dich.

Das sind wenige Sätze zum Gedicht/Sonett. Weiteres lässt sich am besten googlen. Lohnt sich, um diesen und weiteren Gedanken dazu näher zu kommen.

Bildergebnis für apollo torso

 

 

 

Kategorien
Gesehen und gehört Sonstiges

Vorschau

Es wird als Nächstes nochmals um Rilkes Vers „Du musst Dein Leben ändern“ und um den interessanten Maler/Schriftsteller Henri Michaux gehen, der sicherlich auch Karel Appel (siehe Blogbeitrag) kannte. Und mehr. Sobald Zeit dafür ist.

Little hiker with binoculars stock photo

 

Kategorien
Gelesen und geblättert

LITERATUR: Du musst Dein Leben ändern

Heute etwas Schöngeistiges. Angesichts der Zeiten momentan hat man fast ein schlechtes Gewissen, so schöngeistig daherzukommen. Aber es wird sich im Blog wieder ändern.  Ich habe z. B. schon einen alles andere als schöngeistigen Musiktippp für die nächste Woche in peto.

Also: In meiner Wohnung liegt ein Buch herum. Von Peter Sloterdijk, Titel Du musst Dein Leben ändern. Sloterdjik ist zurzeit heftig angegriffen. Ich weiß noch nicht genau, warum. Jedenfalls: Ich habe das Buch nie zu Ende gelesen, werde es jetzt wieder aufgreifen. Interessiert mich. Der Titel des Buches stammt vom bekanntesten Vers von Rainer Maria Rilke. Das Gedicht Archaischer Torso des Apollo. Er beschreibt die erstaunliche Strahlkraft des steinernen, kopflosen und gliederlosen Torso des Apollo. Es endet dann plötzlich mit dem Satz: Du musst Dein Leben ändern. An dieser Stelle völlig unverständlich und viele Kenner haben über diesen berühmten Satz nachgedacht und geschrieben. Hier das Gedicht („Sonett“):

Ganz grob gesagt: Es geht nicht um irgendeine Lebensweisheit (etwa: „Mach mehr Sport!“), sagt man.Es geht um Kunst. Was Kunst mit uns macht oder so. Wenn wir dazu bereit sind oder so. Das Leben ist einfach ständige Veränderung. Nicht nur ein „Zustand“. Sloterdijk schreibt wohl einiges dazu. Ich werde diesen Blogbeitrag ergänzen, wenn ich ihn verstehe.

HIER die Suhrkampseite zum Buch

Bildergebnis für apollo torso

Kategorien
Gelesen und geblättert

LITERATUR: Buchtipps

Wer A sagt, kann auch oft B sagen: Hier wurde kürzlich das Buch Wäldchestag von Andreas Maier empfohlen. Er hat weitere schöne Erzählungen (Romane?) geschrieben. Ich empfehle noch Klausen, Kirillow und Sanssouci. Wer an etwas skurrilen Personen, an nicht zuviel wirrer Handlung, köstlichen Beschreibungen, recht einfacher Sprache und durchaus an Hintergrundgedanken zum Geschehen interessiert ist, dem kann all das gut gefallen:

Education books stock photo

Es geht grob gesagt um Folgendes: (Texte vom Suhrkamp-Verlag)

Kirillow:

Kirillow

Franz Kober und Julian Nagel sind mehr als Freunde, fast schon Wahlbrüder. Eingeschrieben an der Uni Frankfurt, studieren sie jedoch weniger ein bestimmtes Fachgebiet als vielmehr die prinzipielle Frage, wie falsches und wahres Leben voneinander zu unterscheiden sind. Unversehens verstrickt uns Andreas Maier mit Kirillow in das Beziehungs- und Redegeflecht der beiden jungen Männer und ihrer Clique, die ständig in Bewegung sind: auf der Suche nach Erleuchtung, einem Lebensziel, einem Partner, Anerkennung, mehr Alkohol und mehr Würstchen und einem Schlafplatz für den Rest der Nacht. Ebenso unterhaltend wie bestechend wirkt die Komik, mit der Maier den Ernst der Krankheit Jugend zum Gegenstand seines Erzählens macht.

Klausen:

Klausen

»Klausen ist ein Tatort.« Was wirklich in diesem Südtiroler Ferienidyll für vor allem deutsche Touristen passiert ist, darüber gehen die Meinungen leidenschaftlich auseinander. Man erzählt von einem Überfall, gar einem gezielten Schuß aus dem Hinterhalt. Wer ist das Opfer, wer der Täter? Darüber gibt es zunächst nur abenteuerliche Spekulationen. Erste Verdächtigungen gehen naturgemäß in Richtung der Pakistani und der Albaner auf der Ploderburg, aber bald geraten Hintermänner in den Blick, deren Grundstücksspekulationen die Vorgänge halbwegs plausibel zu machen scheinen. Jedoch werden nicht der einschlägig vorbestrafte Laner und sein Kontrahent Zurner verhaftet, sondern Gasser und seineSaufkumpane. Was beginnt wie eine Provinzposse, wächst sich aus: Ist Klausen gar Umschlagplatz eines internationalen Drogenkartells? Wie sich Öffentlichkeit bildet, wie eine Verwirrung die nächste stiftet, bis alle Gewißheiten (oder was wir dafür halten) immer wahnhaftere Züge annehmen und schrill auf unser Handeln zurückwirken, das komponiert Andreas Maier zu einer bitterbösen Komödie über dieses vielleicht doch nicht so weltabgelegene Klausen.

Sanssouci:

Sanssouci

„Wäldchestag“ in Potsdam: ein skrupelloses Zwillingspaar, ein orthodoxer Mönch, eine sadistische Vegetarierin und ihre Opfer, ein Fernsehredakteur und der Bürgermeister: Sie alle stolpern übereinander, fallen sich in den Arm oder gehen sich aus dem Weg nach dem Unfalltod des Regisseurs Max Hornung, der als Wessi Potsdam mit der Fernsehserie „Oststadt“ verewigt und in Empörung und Dankbarkeit gespalten hat. Tatsächlich hat die Stadt auch einen realen doppelten Boden: ein Gangsystem unter dem Schloßpark, in dem man sich zu Zeitvertreib, Quälereien und Okkultismus trifft.

Copyright des Beitragsbildes: Jürgen Bauer, Suhrkamp

 

 

 

MUSIK: Benjamine Clementine

Benjamin Clementine bringt diesen Song „Cornerstone„. Er scheint wütend zu sein. Er schreit etwas heraus. Ich kenne den Text (noch) nicht. Aber es könnte ein Text eines Flüchtling sein, der an der Grenze steht und klagt. Über die harten Bedingungen. Sie wollen nicht sterben, warum bauen wir ihnen z. B. nicht vorübergehend Städte, etwa im Norden  Syriens oder mit unserer finanziellen Hilfe in Nachbarländern wie der Türkei? Bis der Krieg vorbei ist. Und warum hilft die Weltgemeinschaft nicht mehr? Fragen, die natürlich leicht gestellt sind. Gemeinsame Lösungen scheinen schwer zu sein. Statt dessen legen einzelne Staaten Wert darauf, uns abzuschotten.

 

 

Kategorien
Gelesen und geblättert Sonstiges

SONSTIGES: Das Berliner Stadtschloss

Man kann ab und an über den Baufortschritt des Berliner Stadtschlosses lesen. Es soll voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2019 eröffnet werden. Frage: Was war es ehemals für ein Bau? Viel Geschichte! Eine Zusammenfassung:

Beginn 1442: Es wurde 1442 im Auftrag der Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg auf der Spreeinsel in Alt-Cölln im heutigen Ortsteil Mitte erbaut. Als Residenz der Hohenzollern.  Das Schloss bzw. sein ältester Flügel war schon da, als Brandenburg also noch Kurfürstentum (im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation) war. Die Auflösung des Heiligen Römischen Reiches war 1806.

1640-1713: Die Stadterweiterungen der Kurfürsten (der „Große Kurfürst“ Friedrich Wilhelm I., 1640-88, und Friedrich III.) und des Königs (Friedrich I. in Preußen, 1688-1713), machten das Schloss zur Mitte der Stadt und des Landes. „Das Schloss lag nicht in Berlin – Berlin war das Schloss“, sagt Wolf-Jobst Siedler.

1702-1871: Das Schloss wurde 1702 zur königlich-preußischen und ab 1871 zur kaiserlichen Residenz im Deutschen Kaiserreich. Seit der Zeit der Weimarer Republik beherbergte es das Kunstgewerbemuseum Berlin und andere Institutionen, im Schlüterhof fanden Konzerte statt. 1950 beschloss die SED, das zum größten Teil ausgebrannte Gebäude vollständig zu beseitigen und den Marx-Engels-Platz anzulegen. Diese Vernichtung von Kulturgut wurde weltweit öffentlich kritisiert. Ab 1973 entstand auf dem Gelände des Schlosses der modernistische Palast der Republik, der wiederum zwischen 2006 und 2009 abgerissen wurde. Jetzt wird das Stadtschloss wieder aufgebaut.

Man kann sich dazu „rückwärts“ die Deutsche Geschichte vergegenwärtigen, als kleine Erinnerungshilfe:

1989: Fall der Mauer, Wiedervereinigung, 1950 – 1960: Nachkriegszeit, 1938 – 1942: II. Weltkrieg, 1918 – 1938: Weimarer Republik, 1914 – 1918: I. Weltkrieg

1871 – 1918: Deutsches Kaiserreich

Die Kaiser waren:
1871 – 1888 Kaiser Wilhelm I., Krönung zum Kaiser im Spiegelsaal von Versailles
1888 Kaiser Friedrich III.
1888 – 1918 Kaiser Wilhelm II.
Das ist nicht lange her! Mein Großvater war 1899 geboren.
1871 – 1890 war Otto von Bismarck der Reichskanzler

1870/1871: Deutsch-Französischer Krieg

1867 – 1871: Norddeutscher Bund. Die zunehmenden Spannungen zwischen den deutschen Führungsmächten Österreich und Preußen hatten sich im offenen Machtkampf entladen. Preußen siegte, so dass der Norddeutsche Bund unter preußischer Vorherrschaft gebildet wurde.

1815 – 1866: Deutscher Bund. Ein vom Kaisertum Österreich und dem Königreich Preußen dominierter Staatenbund mit 38 Staaten. Während der Revolution 1848–1849 bildete sich mit der Frankfurter Nationalversammlung das erste deutsche Parlament, das jedoch nur ein Jahr überdauerte. Der Deutsche Bund bestand bis 1866.

1814–1815: Der Wiener Kongress restaurierte weitgehend die alten monarchischen Herrschaftsverhältnisse zum Deutschen Bund, nach der Niederlage Napoleons 1815

Zeit vor Napoleon: Man liest in Wikipedia: Nach dem mit hohen Todesopfern und verbundenen Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), der sowohl durch konfessionelle als auch durch habsburgisch-französische Gegensätze ausgelöst worden war, hatte der römisch-deutsche Kaiser infolge der Regelungen des Westfälischen Friedens und des ihm folgenden Jüngsten Reichsabschieds eine geschwächte, eher auf die Repräsentation des Reichs beschränkte Machtstellung. Die Reichsfürsten gingen dagegen gestärkt aus diesem Konflikt hervor, hatten sie mit dem Frieden sogar das Recht erhalten, mit auswärtigen Mächten Verträge abzuschließen. Das Reich wurde dadurch de facto zu einem Staatenbund, de jure blieb es bis zum Ende 1806 ein monarchisch geführtes und ständisch geprägtes Herrschaftsgebilde, in denen die einzelnen Reichsglieder jedoch weitgehend unabhängig agierten. Ab 1663 erörterten Kaiser und Reichsfürsten ihre politischen Angelegenheiten im Reichstag durch ihre Gesandten permanent.

Der politische Aufstieg Preußens im 18. Jahrhundert führte zum Konflikt mit dem Hause Habsburg. Im 17./18. Jahrhundert entwickelte sich nach französischem Vorbild der Absolutismus, der jedoch anders als dort nicht die königliche Zentralgewalt, sondern einzelne Fürstentümer zu bürokratisch organisierten, frühmodernen Staaten werden ließ. Manche Herrscher, insbesondere König Friedrich II. von Preußen, aber partiell auch seine kaiserlichen Rivalen Maria Theresia, Franz I. und Joseph II., öffneten sich dem philosophischen Zeitgeist. Dieser Zustand währte bis 1806, als Napoleon Mitteleuropa eroberte und das schwache Reichsgebilde zum Einsturz brachte. Der letzte Kaiser des nur noch formell bestehenden Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Franz II., der erst 1804 auch Kaiser des durch ihn gegründeten österreichischen Vielvölkerstaates geworden war, legte die Reichskrone nieder. Damit erlosch das Reich.

Das Foto zeigt den aktuellen Bauzustand. Die Fassade steht fast.

Linden-2

 

MUSIK: Amy Winehouse – Back to Black

Heute Amy Winehouse, Back to Black. Ein schönes Lied. Geboren am 14. September 1983 in London, gestorben am 23. Juli 2011 in London. Sie starb nach einer bitteren Drogenabhängigkeit an einer Alkoholvergiftung mit 4,16 Promille im Blut. Amy war zufällig auch der Vorname des Musiktipps Amy MacDonald.

Musiktipp der WocheP

Kategorien
Gelesen und geblättert Sonstiges

SONSTIGES: Skylla und Charybdis

So läuft das zurzeit: Gestern abend … ich war „überraschenderweise“ in den Kammerspielen, Lange Nacht der neuen (deutschsprachigen) Dramatik (war gut, fünf Stücke wurden vom gesamten Ensemble gelesen und teilweise gespielt) … in der Pause habe ich dann ein Büchlein  von Frank Wedekind gekauft, Frühlings Erwachen … weil ich demnächst wiederum (vielleicht) in den Kammerspielen das Stück 50 Grades of Shame ansehen möchte, das auf Wedekinds Frühlings Erwachen beruht … und im Text von Wedekind heißt es dann: „Ich glaube, das ist eine Charybdis, aus der sich jeder stürzt, der sich aus der Skylla …. emporgerungen … ich war früher am humanistischen Gymnasium … also fragte ich mich kurz: Was war das nochmal mit Skylla und Charybdis? … ich habe nachgelesen, man liest ja manchmal „Zwischen Skylla und Charybdis„: In Homers Odyssee haust das Ungeheuer Skylla auf dem größeren von zwei sich gegenüberstehenden Felsen der Meerenge und Charybdis unterhalb des kleineren Felsens, auf dem ein großer Feigenbaum steht. Sie (Charybdis) saugt dreimal am Tag das Meerwasser ein, um es danach brüllend wieder auszustoßen. Schiffe, die in den Sog geraten, sind verloren, nicht einmal der Meeresgott Poseidon vermag diese Schiffe zu retten. Auf den Rat von Kirke meidet Odysseus die Charybdis, gerät dabei aber unweigerlich so nahe an Skylla heran, dass sie sechs der Gefährten tötet und frisst. Auf der Rückfahrt von der Insel des Helios kommen die übrigen Gefährten wegen der verbotenen Tötung von Helios‘ Rindern bei einem Sturm ums Leben, sodass Odysseus auf dem zertrümmerten Schiff die Meerenge allein passieren muss. Als Charybdis das Schiff einsaugt, klammert er sich am Feigenbaum fest, bis es wieder ausgespien wird, und rudert auf den Trümmern mit den Händen davon.

Tja, so ist das Leben. Mal sehen, wohin mich Wedekind noch treibt in meiner Odyssee.

http://www.sigmabooks.gr/images/mapEurope_Argonauts_small_tasks/mapEurope_Argonauts_small_tasks_19Scylla_ge.jpg

 

 

Kategorien
Gelesen und geblättert Sonstiges

SONSTIGES: 100 Jahre VOGUE

Etwas Zeitgeschichte: Die Zeitschrift VOGUE feiert 2016 ihr 100jähriges! Es gibt eine Ausstellung in der National Portrait Gallery in London, die ich leider nicht sehen kann. Sie läuft vom 11. Februar bis 22. März 2016. Man sieht 100 Jahre Mode, 100 Jahre Fotografie, 100 Jahre Stilgeschichte, 100 Jahre schöne Frauen! Und gleichzeitig wird in der wöchentlichen New York Times Beilage der SZ ein Artikel veröffentlicht, dass es im Gaza-Streifen ein paar wenige Frauen gewagt haben, FAHRRAD ZU FAHREN. Sie wurden laut dem Bericht von einem Muslim“verabscheuungswürdig und hässlich“ bezeichnet. Schön übrigens die kleinen „Verbindungen“: Virginia Woolf (siehe meinen kürzlich erschienenen Blogbeitrag Wer hat Angst vor Virginia Woolf) war regelmäßig Autorin in der britischen VOGUE-Ausgabe. Und in der Februarausgabe der britischen VOGUE ist die Schauspielerin Dakota Johnson auf dem Cover, die in 50 Grades of Grey mitspielt. In München werde ich demnächst 50 Grades of Shame in den Kammerspielen von She She Pop ansehen.

Bildergebnis für vogue 100 a century of style

 

 

 

Bildergebnis für vogue 100 a century of style

 

Kategorien
Allgemein Gesehen und gehört Sonstiges

Kurzer Hinweis

Ich hatte kürzlich geschrieben, dass mir die 10. Symphonie von Schostakowitsch so empfohlen wurde. Heute abend um 20.03 Uhr wird sie vom Deutschlandradio Kultur live aus der Berliner Philharmonie übertragen, dirigiert von Mariss Jansons. Nach der Pause. Sicherlich beeindruckend.

Es heißt online im Deutschladradio Kultur zur Übertragung: Seit langem pflegt Mariss Jansons eine enge Beziehung zu den Berliner Philharmonikern. Oft stand die Musik von Dmitrij Schostakowitsch auf den gemeinsamen Programmen, nie aber die 10. Sinfonie, eines der Hauptwerke des Komponisten. Mit dem lettischen Dirigenten kann man eine gewissenhafte und im besten Sinne „authentische“ Interpretation erwarten: Schon als Kind kam Jansons mit Schostakowitschs Musik und ihren Widmungsträgern in Berührung. Die Auseinandersetzung mit dem Schicksal Russlands, die in diesem Werk mit Händen zu greifen ist, kann Jansons unmittelbar nachvollziehen. Eine andere Perspektive eröffnet das Cellokonzert von Henri Dutilleux, das in die lyrische Welt von Charles Baudelaire eintaucht – und das für den russischen Jahrhundertcellisten Mstislaw Rostropowitsch geschrieben wurde.

The 70s. retro boom box stock photo

 

 

 

Kategorien
Gesehen und gehört

LITERATUR: Thomas Bernhard, eine Biografie und „Die Auslöschung“ als Theaterstück

Manfred Mittermayer hat eine Biografie zu Thomas Bernhard (vgl. Buchtipp), dem großen „Übertreibungskünstler“, geschrieben. Schon 2006 hatte er eine kürzere Biografie gebracht, jetzt eine umfassende. Eine Besprechung dieser Biografie kam am 07. Februar 2016 im Deutschlandfunk. Erschienen ist die Biografie im Suhrkamp – Verlag.

Hier das Podcast: Thomas Bernhard Biografie

Und HIER  der Link zur Seite des Residenzverlags zur Biografie.

UND: Bernhards Prosawerk „Auslöschung“ wird in Wien als Theaterstück gebracht. Auch dazu eine Besprechung aus dem Deutschlandfunk, vom 26. Februar 2016. Es heißt online beim Deutschlandfunk: Die Uraufführung der kritischen Erzählung vom katholischen Nazistaat Österreich am Theater in der Josefstadt in Wien begeisterte Kritiker und Publikum.

Hier das Podcast: Thomas Bernhard „Auslöschung“

The 70s. retro boom box stock photo

Der österreichische Roman- und Theaterautor Thomas Bernhard, aufgenommen im Juni 1976. (picture alliance / dpa / Votava)

Kategorien
Gelesen und geblättert Sonstiges

LITERATUR: Schriftsteller aus Prag und Böhmen

Ich war am Wochenende in Prag eingeladen. Für den Blog überlege ich: Welche bekannten Schriftsteller lebten eigentlich in Prag und Böhmen? Eine ganz grobe Annäherung:

Karl Kraus, geboren am 28. April 1874 nicht in Prag, sondern in Jičín, Böhmen, gestorben am 12. Juni 1936 in Wien, Die letzten Tage der Menschheit, Die dritte Walpurgisnacht etc.
Rainer Maria Rilke, geboren am 04. Dezember 1875 in Prag; gestorben am 29. Dezember 1926 in Valmont bei Montreux, Schweiz. Wikipedia schreibt: Mit seiner in den „Neuen Gedichten“ vollendeten, von der bildenden Kunst beeinflussten Dinglyrik gilt er als bedeutender Dichter der literarischen Moderne. Aus Rilkes Werk sind etliche Erzählungen, ein Roman und Aufsätze zu Kunst und Kultur sowie zahlreiche Übersetzungen von Literatur und Lyrik bekannt.
Franz Kafka, geboren am 3. Juli 1883 in Prag , gestorben am 3. Juni 1924 in Klosterneuburg . Die Verwandlung, In der Strafkolonie, Forschungen eines Hundes, Das Schloss, Der Prozess, Die Verwandlung etc.
Max Brod, geboren am 27. Mai 1884 in Prag , gestorben am 20. Dezember 1968 in Tel Aviv . War mit Franz Kafka eng befreundet und wurde nach dessen Tod zum Nachlassverwalter von dessen Gesamtwerk.
Egon Erwin Kisch, geboren am 29. April 1885 in Prag , gestorben am 31. März 1948 ebenda.Einer der bedeutendsten Reporter in der Geschichte des Journalismus. Auch als „der rasende Reporter“ bekannt
Franz Werfel, geboren am 10. September 1890 in Prag , gestorben am 26. August 1945 in Beverly Hills . Schrieb Lyrik, Dramen, Erzählungen, Novellen, Essays. Wikipedia schreibt: Seine Popularität beruht vor allem auf seinen erzählenden Werken und Theaterstücken, über die aber Werfel selbst seine Lyrik setzte. Mit seinem Roman Verdi. Roman der Oper (1924) wurde Werfel zu einem Protagonisten der Verdi-Renaissance in Deutschland. Besonders bekannt wurden sein historischer Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh (1933/47) und Das Lied von Bernadette (1941)
Jaroslav Hašek, geboren am 30. April 1883 in Prag, gestorben am 03. Januar 1923 in Lipnice, Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk
Milan Kundera,am 01. April 1929 nicht in Prag, sondern in Brünn geboren, Das Buch der lächerlichen Liebe, Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins.
Natürlich habe ich mich bei Wikipedia teilweise etwas schlau gemacht.
Bildergebnis für prag