Hier eine kleine Zusammenfassung meiner letzten Besuche kleinerer, nicht häufig zu sehender Aufführungen an den Münchner Kammerspielen und am Münchner Residenztheater. Und dazu ein paar Anregungen für noch Laufendes auf diesen Bühnen – Aufführungen, zu denen ich gerne zweite – immer lohnende – Besuche einrichten werde, wenn möglich.
Zusammenfassung:
JCOM: Mendele Lohengrin:
An den Münchner Kammerspielen ist es am 8. Februar wieder zu sehen. Jüdische Klezmermusik trifft auf Richard Wagner. Ein Dilemma, Wagner war Antisemit. Erzählt wird die Geschichte eines jüdischen Musikers, der in Wien erstmals Richard Wagners Lohengrin hört und völlig verblüfft ist von dieser umwerfenden Musik! Heinrich York-Steiner schrieb 1898 die Geschichte von Mendele, Stefan Merki liest den Text, Ethel Merhaut singt dazu, das Orchester des Jewish Chamber Orchestra Munich spielt dazu ein Konzert, das hauptsächlich von Klezmermusik getragen ist, aber auch Wagners Lohengrin und anderes anklingen lässt. Was soll Mendele machen? Die umwerfende Musik Wagners verachten wegen seines Antisemitismus? Aufhören mit Musik? Ist Musik von allem losgelöst?
Rania Mleihi: My personal ten years – Wir schaffen das:
An den Münchner Kammerspielen ist es am 8. Februar wieder zu sehen. Sehr persönlich erzählt Rania Mleihi vor allem mit Bildern und Videos auf der Leinwand. Die syrische Theatermacherin Rania Mleihi sitzt davor an einemTisch, wortlos bastelt sie mit Sand. Es ist ihre eigene Biografie vor dem Hintergrund zweier historischer Ereignisse: Angela Merkels „Wir schaffen das“ und dem jüngsten Umbruch in Syrien nach der Flucht von Diktator Bashar al-Assad. Nähe und Ferne, Heimat und Flucht, Familie und Trennung, wann lebt man vor diesem Hintergrund wirklich in Deutschland. Viele spannende Fragen, die m. E. schwer erkennbar Antworten finden, die bleibende Zerrissenheit der geflüchteten Syrerin bleibt hier das Thema.
ManfredZapatka: Lesung „Beton“ von Thomas Bernhard:
Hierzu gibt es leider derzeit keinen weiteren Ausführungstermin. Aber das Residenztheater bringt ja immer wieder gerne etwas von Thomas Bernhard. Zuletzt Minetti, ebenfalls mit Manfred Zapatka. HIER.
Die Lesung aus Thomas Bernhards „Beton“ hat es etwa nur zur Hälfte geschafft, das Residenztheater zu füllen. So viele Fans von Thomas Bernhard gibt es wohl doch nicht, obwohl er immer empfehlenswert ist und bleibt! Seine Theaterstücke! Seine Romane! Er ist und bleibt einzigartig! Er schreibt so subjektiv – auch in „Beton“ natürlich -, fast absurd, aber doch erkennt man sich ständig, wenn man ehrlich ist. Manfred Zapatka liest ihn wunderbar! Die Bernhard’sche Kunst, ständig über banale Dinge zu schreiben und doch mehr zu sagen: Zapatka gelingt es wunderbar, sie in seiner Lesung zu zeigen, was nicht leicht ist!
Wiederholungen, erneute Besuche von Stücken, die ich bereits gesehen habe und gerne ein zweites Mal sehen möchte, sind meist sehr lohnend. Es beginnt morgen, Mittwoch den 04.02., an den Kammerspielen mit Mephisto von Klaus Mann, das zum diesjährigen Theatertreffen in Berlin eingeladen ist. HIER der Link zur Stückeseite.
Für erneut sehenswert halte ich außerdem an den Kammerspielen etwa Wachse oder weiche, Sauhund, Katzelmacher und Wallenstein und am Residenztheater etwa Drei Schwestern, das ebenfalls (2017) zum Berliner Theatertreffen eingeladen war, HIER, Kasimir und Karoline, Warten auf Godot und 77 Versuche, die Welt zu verstehen.
Es ist ein Abend, der den Zuschauer erst einmal orientierungslos macht, auch machen soll. Der bis ins Mark verunsichert. Das ist gelungen! Damit muss man erst einmal – beim Thema „jüdisches (Über)Leben im Nachkriegsdeutschland“ zurecht kommen. „Play Auerbach!“ hatte gestern Abend an den Münchner Kammerspielen eine (vielleicht etwas überladene, aber) exakt zuschlagende Premiere:
Eine Gruppe von „Laienschauspielern“ möchte ein Theaterstück zum 100-jährigen Ende des Zweiten Weltkriegs spielen, eine „Philipp Auerbach Revue“. Nur „Play“, nicht alles wieder aufwühlen. Warum hat man eigentlich von Philipp Auerbach noch nichts gehört? Es gibt in München nicht einmal eine Auerbachstraße (HIER der Link zu einer Initiative für eine Straßenbenennung, verlinkt auch auf der Website der Münchner Kammerspiele). Sein Engagement für die aus den KZ’s befreiten, nach Deutschland/München zurückkommenden Juden war sagenhaft, sein Schicksal war letztlich traurig und jahrelang durch KZ’s schrecklich. Er hat mehrere KZs überlebt, er blieb aber nach dem Zweiten Weltkrieg in München, wohnte in der Holbeinstraße, wurde 1945 von den Amerikanern als „Staatskommissar für rassisch, politisch und religiös Verfolgte“ in München eingesetzt, 1952 beging er Selbstmord – nach einer Verurteilung durch die bayerische Justiz. Seine Worte in einem Abschiedsbrief: „ Ich habe bis zuletzt gekämpft, es war umsonst …“. So wird es vorgelesen.
„Play Auerbach!“ ist Teil eines Projektes an den Münchner Kammerspielenzum jüdischen (Über)Leben nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Grunde macht die Bezeichnung des Projektes „Wohin jetzt?“ etwas unsicher. (HIER der Link zur Projektseite, es gibt Termine im Dezember). Werden wir in unserer Erinnerungskultur mit diesem Titel „Wohinjetzt?“ nicht etwas fehlgeleitet? Geht und ging es denn nur um eine „Ortsfrage“, um das „Wohin jetzt“? Muss es für das jüdische Überleben damals nicht eher heißen „Wie jetzt überhaupt weiter“. Denn wie oder warum sollte man als Jude nach den unvorstellbaren KZ-Erfahrungen („Die Hölle auf Erden“ heißt es in Play Auerbach) überhaupt noch weiterleben. „Wo“ man leben könnte/wollte war natürlich auch die Frage, aber die Frage „Wohin“ verharmlost es schon wieder ein wenig. Auch eine Frage der Orientierung. Philipp Auerbach jedenfalls schaffte es bis 1952. Mit wie gesagt unglaublichem Engagement für die zurückkehrenden „Displaced Persons“. Sehr gut gespielt von Samuel Finzi – er als ein Fremdkörper in der dadurch verwirrten Antisemitismus-Projektgruppe „Play Auerbach“. Auerbach hatte alles gegeben für seine Vision, in Deutschland könnten nach dem Zweiten Weltkrieg Juden und Deutsche doch noch zusammenleben!
Die Inszenierung ist eine Auftragsarbeit des Autors Avishai Milstein, geboren 1964 in Tel Aviv (Regie: Sandra Strunz). Milstein reißt einen insgesamt fast Minute für Minute in die Orientierungslosigkeit/Verunsicherung: Aber genau das will er! Ein ständiger letztlich bissig daherkommender Wechsel, eine fast schwer zu trennende Mischung von „Humor“ und bitterem Ernst. Noch dazu ist das Geschehen auf der Bühne verlegt in das Jahr 2045, 100 Jahre nach Kriegsende! Auch das ist ein Aspekt für Orientierungslosigkeit, Verunsicherung, denn wir wissen wirklich nicht, was sein wird (Michel Friedman etwa sagte kürzlich an selber Stelle im Gespräch mit Harald Lesch: „In zehn Jahren leben wir nicht mehr in einer Demokratie“ …).
Die Gruppe von „Laienschauspielern“ möchte also ein Theaterstück spielen. Vor allem Wiebke Puls zeigt als „Beate“, die Regisseurin der Truppe, dabei großartig fast ein unbekanntes hinreißendes Persiflage-Gesicht. Köstlich! Alle spielen es großartig, nur sie ist in einer lustigen Rolle, alle anderen spielen ernst. Sie sind alle verunsichert, nicht nur die Zuschauer. Es macht seit einiger Zeit immer wieder Freude, das immer besser werdende Ensemble der Münchner Kammerspiele zu sehen! Auch klasse etwa der Gesang von Annika Neugart als Therese Giehse.
Insgesamt: So verunsichert habe ich lange kein Theaterstück verlassen! Aber genau darauf sollte es hinauslaufen! Bitterböse im Grunde und gleichzeitig ummantelt von einer lustigen Rahmenstory. Das Lachen konnte einem an den Lippen gefrieren – nicht nur danach wegen der Kälte draußen, sondern schon während der Aufführung, auch wenn die teilweise Überladung (Auftritt Therese Giehse und Otto Falckenberg etwa …) es nicht immer leicht machte. Lehrreich war es damit allemal und sollte es für jeden sein: „Alles vergessen?“ Wir gehen – und gingen – nicht nur bei der Aufarbeitung/Erinnerung an die Nazigreuel oft an der Sache vorbei, wollen die Realität nicht wirklich unter uns haben. Michel Friedman hatte zum Thema „Lüge“ im Gespräch mit Harald Lesch dementsprechend auch allgemein gesagt: „Wir belügen uns vor allem gerne selbst!“ Das trifft es! Und Orientierungslosigkeit – bei mir die Folge des sehr gelungenen Abends – ist ja Kern der Situation der jüdischen Heimkehrer damals gewesen.
Hier noch ein Foto (Therese Giehse singt):
HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele, die zu vielen weiteren Inhalten führt.
Im Münchner Volkstheater ist sie derzeit zu sehen. Die Idee des bekannten Stückes „Glaube Liebe Hoffnung“ von Ödön von Horvath hat Bonn Park als Basis für seine Inszenierung Glaube Liebe Roboter genommen.
Es ist eine Inszenierung, bei der Manches nicht leicht erkennbar ist. Die ja recht bekannte Geschichte des Originals „Glaube Liebe Hoffnung“ von Ödön von Horvath etwa erkennt man verständlicherweise kaum, sie ist ja überschrieben, sie kommt nur immer wieder bruchstückhaft vor. Aber auch die von Bonn Park in seiner Inszenierung „Glaube Liebe Roboter“ darüber gelegten Gedanken und Ideen erkennt man nicht leicht.
Lange sieht man sich dem chaotischen, erstaunlich „altbacken“ wirkenden (Bühne von Daniela Zorrozua) Labor gegenüber, in dem aus Menschen Roboter gemacht werden. Auch Elisabeth verkauft – wie in Horváths Original „Glaube Liebe Hoffnung“ – ihre Körperteile an das Labor, bei Bonn Park wird sie dann später zu „Elisabot“. Verhandelt wird bei allem das Thema: „Wie sollen wir stehen zur Zukunft? Brauchen wir/wollen wir Fortschritt? Freude? Angst?Unsicherheit? Können wir etwas aufhalten?“ So in etwa. Viele Fragen, viele Reaktionen.
Am Ende wird alles relativ klar, weil sich alle noch einmal emotional mit fast melancholischem Gesang vor dem Publikum gemeinsam ins Zeug legen (Song von Dagobert) und die Zuschauer – ausverkauft – mit einer Art Stimmungsbild (der Jugend vor allem) nach Hause schicken! Es heißt: „Alles ist verzwickt“! Tja, so ist es! Gott sei Dank kann man es nicht nur negativ sehen.
HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Münchner Volkstheaters. Nächste Vorstellung ist am Donnerstag (4.12.).
Es sind zwei Soloabende (gewissermaßen): Zum Einen – zum anderen später – ist es ein Abend an den Münchner Kammerspielen von und alleine mit (und in der Tat solo) Wiebke Puls. Es ist die von ihr selbst entwickelte Bühnenfassung des französischen Romans „Bevor ich es vergesse“ („Avant que j’oublie“) von Anne Pauly, der 2020 als „bestes Buch des Jahres“ mit dem französischen Publikumspreis ausgezeichnet worden ist und der Wiebke Puls so begeistert und dazu animiert hat, ihn auf die Bühne zu bringen. Dazu schreibe ich hier.
Zu „Bevor ich es vergesse“:
„Bevor ich es vergesse“ ist ein Abend, den man jedenfalls dann nicht sofort vergisst, wenn man bereits seinen Vater und/oder die Mutter verloren hat. Dann geht er nämlich nahe, jeder kennt es dann: Wie war er/sie? Was habe ich versäumt? Was bleibt? Wie geht es weiter? Man lebt ja gewissermaßen nach dem Tod der Eltern ein zweites Leben, blickt zurück in das erste Leben, das Leben mit „drei Beinen“ (Wiebke Puls sitzt ganz zu Anfang mit DREI Beinen auf einem Hocker, legt das dritte Bein dann in den Schrank), das so nie wieder sein wird.
Wiebke Puls als „Anne“ (das ist dem persönlichen Bezug des Ich-Romans geschuldet) bekommt nach dem Tod des Vaters – bei der Durchsicht des Schrankes – alle möglichen privaten Dinge des Vaters in die Hände und macht sich Gedanken über ihn, erinnert sich an ihn, an ihre eigene Kindheit mit ihm, an sein Leben, an seine Erzählungen aus seinem Leben, sein Verhalten, seine letzten Tage, an die Beerdigung, den Leichenschmaus, sie nimmt Kontakt auf mit seiner engsten Freundin aus der Schulzeit und und und. Dass es nicht leicht war mit ihm, weiß sie, das spielt aber nicht mehr die entscheidende Rolle.
Die engste Kindheitsfreundin, zu der der Vater später nie wieder Kontakt findet, auch wenn er es will, schreibt in einem Brief an Anne nach dem Tod des Vaters:
Von einer geliebten Person, die uns verlässt, bleibt eine feine, immaterielle Substanz: eine Abwesenheit, die man wie eine Anwesenheit empfinden kann, welche von nun an nichts mehr zu trüben vermag. Doch das mindert nicht den Schmerz, den man bewältigen muss, um seinen eigenen Weg weiterzugehen.
Das fasst es gut zusammen: Die Tatsache, dass man so das Leben seines Vaters, seiner Mutter noch einmal in vielen Gegenständen sieht, sich erinnert, wird – auch im Laufe dieses Abends – zur Tatsache, dass man damit eigentlich sich selbst sieht, seinen Schmerz erkennt, auch seine Versäumnisse. So singt Wiebke Puls auch: „Noch mehr als das (Anm: Mehr als alles …) möchte ich reden mit Papa!“ So ist es, aber es geht eben nicht mehr!
Es ist ein schöner Abend, um auch Wiebke Puls allein auf der Bühne zu erleben, was sich immer lohnt, es ist fast ein „Muss“ für Freunde der Münchner Theaterszene. Auch wie sie in die Rolle des alten Pastors schlüpft! Seit mehr als 20 Jahren ist sie bei den Münchner Kammerspielen. HIER der Link zu einem Podcast auf http://www.nachtkritik.de mit Wiebke Puls.
Manch Einzelheit ist nicht wirklich wichtig, die Gesamtheit macht es aus und der Wandel von Annes Blick auf den verstorbenen Vater über ihre Erinnerung hin zu sich selbst, zu ihrer eigenen Träne, mehr bleibt ihr ja nicht, zu ihrem Schmerz, ihrer Trauer, ihrer Vergebung, ihrem weiteren Leben. Letzteres spielt bei „Bevor ich es vergesse“ allerdings noch keine Rolle.
Der Titel „Bevor ich es vergesse“/Avant que j‘oublie“ ist für mich allerdings etwas fraglich. Was denn „vergessen“? Was will Anne Pauly damit sagen?
Zu „Heartship“, dem zweiten “Soloabend“ werde ich in Kürze schreiben. Das wiederum war kürzlich ein Abend im „Marstallsalon“, der kleinsten Bühne/der Bar des Residenztheaters, über dem Marstalltheater. „Heartship“ ist ein Dialog von zwei Frauen, nicht wirklich solo, aber irgendwie doch auch ein nah erlebter „Soloabend“.
HIER der Link zur Stückeseite von „Bevor ich es vergesse“ auf der Website der Münchner Kammerspiele.
Aus Zeitgründen kurz: Irgendwie war es ein Ereignis, so fühlte es sich an. Gestern Abend war in den Kammerspielen die Premiere von Maxi Schafroths erstem Theaterstück „Wachse oder weiche“. Wer es noch nicht weiß: Es geht darin um die Agrarindustrie (im Allgäu), um die BayWa, um München, um Rendite und Optimierung, um zwei Welten! Es geht um unsere Lebensgefühle auf Stadt und Land.
Ein „Ereignis“ war es, weil es nicht nur so herrlich war, sondern irgendwie ja ein neues Feld für Maxi Schafroth, er wird das Stück an den Kammerspielen im Oktober noch 1 x, im November 3 x und dann monatlich (bis März zunächst) 1 x zeigen, er wird also als eine der „Figuren“ des Stückes einige „Wiederholungen“ erleben, was er – vor allem als Fastenprediger der letzten Jahre am Nockherberg – ja bislang nicht unbedingt gewohnt war. Und er hat es „verdient“ – eine Tür schließt sich, eine andere öffnet sich.
Allzu tief schürfend kann man den Abend „Wachse oder weiche“ allerdings nicht besprechen. Einfach gesagt: Maxi Schafroth, erst 40 Jahre alt, sehr ausdrucksstarker Typ, macht herrlichen „Quatsch“ (Text zusammen mit Martin Valdés-Stauber) und bringt gleichzeitig vieles auf den Punkt! Immer wieder! Das macht es irgendwie auch zum Ereignis: Nicht nur herum schwurbeln, sondern die Dinge so zeigen, wie sie sind, sie damit kritisieren, aber nur durch Humor! Kritik auf Basis von Humor. Humor und viel Musik sogar. So kann man sich an diesem Abend ständig sagen: Ja, so ist es! Es ist aber mehr als „nur“ Kabarett, es geht Richtung Theater, wenn auch, wie gesagt, mit besonders viel „Quatsch“.
Aber man kann sich sagen: „Maxi Schafroth einfach machen lassen!“ Mit seiner Energie, seiner Bissigkeit, seinem Blick, seinem Humor, seiner immer locker und frech wirkenden Art und dann noch mit allen Möglichkeiten der Münchner Kammerspiele! Er wird es hoffentlich öfters machen und hoffentlich noch bissiger! Der Theaterzuschauer soll nicht nur lachen, er kann Kritik sicher besser vertragen als manch Politiker, besser als der bayerische Ministerpräsident, wenn’s um die Fastenpredigt geht ….
Man konnte insgesamt an diesem zweistündigen Abend (eine Pause) jedenfalls ständig lachen! Auch konnte man vor allem von den weiteren Akteuren, Stefan Merki, Martin Weigel, Elias Krischke und Traute Hoess wirklich begeistert sein. Stefan Merki der schweizerische Ökobauer, Maxi Schafroth am Nachbargrundstück, er und seine traditionelle Landwirtschaft, Martin Weigel als der moderne Businessfuchs von der BayWa, Elias Krischke als der Ruhe suchende Städter aus München, Traute Hoess als Frau von Pöschinger mit dem Golfschläger. Allein Maxi Schafroths Bewegungen als der „einfache“ Bauer, sein Gang, der ungelenke „Tanz“ bei der Musik. Immer „vermeintlichübertrieben, aber eben doch nicht übertrieben!“ Die Lieder und und und. Herrlich, standing ovations schon zur Pause, eine musikalische Optimierungs-Zugabe am Ende.
So werden sehr sympathisch und hoch humorvoll Finger in Wunden gelegt, wenn auch wahrscheinlich nicht tief sitzend.
Hier noch ein Foto:
HIER der Link zur Stückeseite auf der Website der Münchner Kammerspiele.
Die Inszenierung „Wallenstein“ von Hausregisseur Jan-Christoph Gockel an den Münchner Kammerspielen könnte gut heißen „Wallenstein plus 3“, so viele Themen werden hier – absolut beeindruckend, aber Genaueres siehe unten – bearbeitet: Basis ist natürlich der Wallenstein von Friedrich Schiller + Nummer 1 on top ist: Kochen/Essen/das Publikum + Dazu kommt als Nummer 2 on top: Das Ensemblemitglied Samuel Koch (der Wallenstein im „Wallenstein“) und sein Assistent ganz persönlich, außerhalb von „Wallenstein“ + Immer wieder kommt auch Nummer 3 on top dazu: Die Recherchen zu Putins Ex-Schergen Prigoschin (Putin/Prigoschins „Wagner Truppe“/Russland/Ukraine). Puh, das ist viel, aber es sind ja auch sieben Stunden mit drei Pausen, zwei kurzen und einer großen Pause, so sind es fünf Stunden echter Spielzeit.
Mir sagte eine Zuschauerin schon in einer der Pausen: „Das ist sicherlich eine der irrsten Wallenstein-Inszenierungen bisher.“ Sie wird Recht haben!
Zunächst: In der deutschen Geschichte geht es für mich damit theatermäßig momentan wieder einen Schritt zurück:
ERSTER SCHRITT: „Nach Mitternacht“ von Irmgard Keun (HIER, am Residenztheater). Zwei Tage kurz vor dem 2. Weltkrieg, im Jahr 1936.
ZWEITER SCHRITT: „Kasimir und Karoline“ von Ödön von Horváth (HIER, auch am Residenztheater). Ein Tag auf dem Oktoberfest in der Zeit der Weltwirtschaftskrise ab 1929.
DRITTER SCHRITT: „Der Untertan“ von Heinrich Mann (HIER, am Cuvillestheater). Die Zeit kurz vor dem 1. Weltkrieg, das Ende der wilhelminischen Kaiserzeit.
VIERTER SCHRITT: Jetzt „Wallenstein“ von Friedrich Schiller, an den Kammerspielen. Der Dreißigjährige Krieg.
Ein erstes Fazit zum „Wallenstein“ ist nun: Theaterherz, was willst du noch irgendwie mehr haben?
Die Inszenierung ist ein Theaterfest, was man dort im Lauf der sieben Stunden auf der Bühne, im Zuschauerraum, vor dem Theater auf der Maximilianstraße per Live-Video, an Szenen und Stimmungen sieht, ist großartig. Alles wird eingesetzt! Livemusik auf der Bühne, eine starke Schlagzeugspielerin (Maria Moling), manch Gesang dazu, manch Mikrofoneinsatz, wunderbare Bühnenbilder, immer wieder wechselnd, Live-Spiel auf der Maximilianstraße und und und. Auch schön zu sehen ist allein der Teil auf der fast komplett leeren riesigen und unglaublich hohen Bühne der Kammerspiele. Dann wieder senkt sich ein riesiger bunter Kronleuchter ….
Auch schauspielerisch lässt sich sagen: Was will man mehr! Vor allem mit größter Bühnenpräsenz spielen Annika Neugart, Katharina Bach und Samuel Koch. Diese drei seien hier aus meiner Sicht hervorgehoben, sie tragen diese Inszenierung. Jeder mag es anders sehen, alle Beteiligten sind ja gut! Auch etwa besonders Johanna Eiworth, selbstverständlich gut wie immer Annette Paulmann (auch als Köchin wohl), und köstlich auch André Benndorf als „CEO“ der mit modernem Outfit und herrlicher, satirischer Attitüde etwa erklärt, man sammle Daten über Wallenstein, Questenburg im Schillerschen Wallenstein, Gesandter des Kaisers. Samuel Koch ist als Wallenstein ohnehin schon eine sehr gelungene Besetzung!
Apropos „gelungen“ und „köstlich“: Das Thema Kochen leitet den Abend ungewöhnlich ein. Großartig ist die erste halbe Stunde, weitgehend wortlos beobachtet man die SchauspielerInnen des Stückes beim Kochen, auf der Bühne hinter einer langen Kochzeile stehend, beim Vorbereiten der Speisen, die in der großen Pause 28 TheaterbesucherInnen auf der Bühne an langer Tafel dargeboten werden. Eine Tafel wie zu Königs Zeiten, andererseits in Wallensteins Lager. Ossobuco! Es riecht köstlich im Theaterraum. Besonders sind auch die Filmaufnahmen der Küchenarbeiten auf der Bühne. „Kochen ist Krieg“, heißt es einmal. Und: „Der Krieg ernährt den Krieg“. Sehr eigenwillige schwarz-weiß Filmaufnahmen mit herumgehender Livekamera vom Schnippeln, vom Trennen, Mischen, Rühren, Schneiden, Putzen, Braten, von Blut, Fleisch, vom Durcheinander, von den Messern und und und. Diese Aufnahmen haben mich begeistert.
Man könnte so viel darüber schreiben, alles ist eine wunderbare und in sich immer zusammenpassende Mischung, eine Vermischung von so vielem, und doch bleibt alles selbständig! Klasse gemacht! Wie gesagt, man verfolgt ja quasi VIER Themen. Das ist viel, und alles wird ständig getragen und gestützt von Friedrich Schillers Drama „Wallenstein“. Die Übergänge zwischen den Themen sind manchmal kaum zu merken, Samuel Koch ist plötzlich in einem ganz persönlichen Gespräch mit Nadége Meta Kanku, die gerade noch Wallensteins Tochter war, sie reden ganz persönlich-reell über Samuel Kochs besonderes Leben – auch sein Assistent tritt auf, auch er ist dann wiederum eine Kriegsperson um Wallenstein herum, Buttler. Dann wieder ist Samuel Koch plötzlich der Herzog Wallenstein, in Schillers Sprache, von einem Satz zum nächsten.
Dazwischen immer wieder – auch ein Thema „neben“ Wallensteins Niedergang im Drama – Sergei Okunev, dramaturgischer Mitarbeiter, der von seinen echten Recherchen über das Leben des Putin-Schergen Prigoschin erzählt. Sehr locker, humorvoll, sympathisch, erfrischend erzählt er, zeigt Fotos und Filmchen von Putin und Konsorten, etc. Okunev führt dann wiederum die Livekamera beim Kochen! Alles mischt sich eben!
Es ist allerdings viel und irgendwie auch etwas widersprüchlich, das muss man aushalten. Einerseits das ernste historische Thema „Wallenstein“, das Drama von Friedrich Schiller, das man erwartet, über Wallenstein, einst der treue Gefährte des Kaisers, er will ja den Kaiser stürzen. Dazu andererseits das fast noch ernstere, weil „aktuelle“ Thema „Ukraine/Russland/Putin“, der ja im Flugzeug umgekommene Söldner Prigoshin mit seiner Wagner Truppe. Diese Themen stehen nebeneinander, es gibt sicher auch Parallelen: Wallenstein und Prigoschin führten Söldnertruppen, sie mussten sterben (Wallenstein am Ende, Prigoschin am Anfang des Nachmittags/Abends)! Aber genügt diese Parallele? War alles nicht doch sehr sehr unterschiedlich? War ein Krieg damals auch nur irgendwie vergleichbar mit heutigen Kriegen? Was bringt die Parallele „Wallenstein/Wagner Truppe?“.
Auch etwas unverständlich war mir: Wie sehr wollte Wallenstein damals eigentlich den Krieg gegen seinen Kaiser? Ihn drängen ja hauptsächlich seine Generäle! Er selber zaudert lange. „Nicht labern, handeln“ heißt es ja deutlich lesbar auf der Bühne. Prigoschin starb vielleicht durch Putin, Wallenstein wurde von seinen Generälen umgebracht, nicht durch den Kaiser, wenn ich es recht sehe.
So bleibt am Ende zum Einen die Begeisterung über diese Darstellungen und die Inszenierung, über dieses wahre Theaterfest, aber zum Anderen auch ein wenig das ungute Gefühl und die Frage: Hat man jetzt ein grandioses Fest miterlebt, ein Theaterkunstwerk, das gut zum Theatertreffen eingeladen werden kann, oder hat man ein schweres Thema oder gar zwei schwere, düstere Themen (Wallenstein und Prigoshin/Putin) oder gar drei solcher Themen (Wallenstein und Prigoschin und Söldnertruppen) mitgenommen? Das löst sich am Ende auch nicht einfach – mit einem sehr besonderen Soloauftritt von Katharina Bach – durch den Satz: „Der Mensch ist größer als der Krieg“. Dieser Satz war mir fremd nach dem Nachmittag/Abend.
Hier noch zwei Fotos:
Auf der Maximilianstraße:
Auf der Bühne:
Zu allem ist zu empfehlen das Zusatzheft über Wallenstein-Materialien, Texte und Bilder, die einen tollen Einblick geben. Man kann es im Foyer für fünf Euro kaufen.
Da gibt es zwei Frauen, in „Persona“ von Ingmar Bergman, derzeit am Münchner Volkstheater: Elisabet, die nicht redet, und Alma, die Krankenschwester. Beide halten sich auf ärztliches Anraten hin zusammen in einem einsam gelegenen Sommerhaus am Meer auf.
Die Krankenschwester Alma wird mit der Betreuung der Patientin Elisabet beauftragt. Die Kranke ist die Bühnenschauspielerin Elisabet Vogler, die während einer Aufführung von Elektra aufgehört hat zu sprechen.
Eine Redende, eine Schweigende. Sie sind insoweit unterschiedlich, aber zugleich sind sie gleich, äußerlich ohnehin, sie werden immer gleicher, „Du“ wird zu „Ich“, vielleicht sind sie beide zusammen eine Person. Kaum zu verstehen, was Ingmar Bergman alles dabei dachte. Alma sagt, sie könne aussehen wie Elisabet. Elisabet, die Schweigende, ist von beiden diejenige, die wohl kompromisslos versucht, bei sich zu sein, die alles andere als Schein zu erkennen scheint, die Welt ist für sie wohl nur Verfremdung, sie hat aufgehört mit dem Theater, dem Theater der Welt – könnte man sagen. Für sie ist jedes gesprochene Wort eine Lüge, das reale Leben so etwas wie eine Nichtwahrheit. Sie schweigt, so protestiert sie – könnte sein – gegen das Leben. Aber warum? Alma dagegen redet viel, sie erzählt Elisabet aus ihrem Leben, redet über ihr Innerstes, eine Abtreibung, auch sie meint damit wohl, bei sich zu sein, von sich zu erzählen, Wahres zu erzählen, aber sie protestiert nicht gegen das reale Leben – könnte man sagen. Im Gegenteil, sie braucht für sich wohl das – vielleicht ja „verlogene“ – Leben. Sie fleht Elisabet auch an, etwas zu sagen, wenn sie auch nur etwas zum Wetter sagen würde. Aber Elisabet redet nicht. Es ist dann sogar Alma, die von Elisabets gehasstem Sohn erzählt, von der ungeliebten Schwangerschaft. Wer soll das auch noch verstehen? Das Verhältnis von Elisabet und Alma zueinander verändert sich ja auch noch. Sind sie doch eins? Zwei immer widersprüchliche Teile von einer Person?
In der Inszenierung am Münchner Volkstheater gibt es noch dazu neben den „echten“ Elisabet und Alma eine Verdoppelung von Elisabet und Alma. Doppelungen mit Gesichtsmasken, die weitgehend gleich angezogen sind, gleich wie sie selbst und gleich wie die „richtigen“ Elisabet und Alma, schwach rot und hellblau aber in Plasikanziehsachen. Die „Doppelungen“ von Elisabet und Alma wirken dabei künstlicher, unveränderlich traurig oder zumindest fragend oder entsetzt oder entrüstet oder ratlos oder oder. Oder wirken sie durch die Masken geradezu verallgemeinernd? Alles Interpretationsfrage an diesem Abend. Die Doppelung macht es jedenfalls nicht leichter. Szenen wiederholen sich, schnelle Wechsel zwischen den „echten“ Elisabet und Alma und ihren Doppelungen …
Auch das dazu gut passende Bühnenbild (Bühne: Nadin Schumacher): Es sind drei Teile dieses Sommerhauses, in dem sich Elisabet und Alma aufhalten, in gewisser Weise sind auch das „Doppelungen“. Nichts gibt es „einfach“. Quadratische Räume, fast moderne eckige Räume, die auf der Bühne immer wieder einmal von den beiden Elisabets und/oder den beiden Almas verschoben, gedreht und versetzt werden. Szenen spielen im Inneren der Blöcke hinter den Wänden, werden live gefilmt und groß auf den Wänden gezeigt, auf die der Zuschauer blickt. Auch die Rückwand der Bühne ist Leinwand. Auch das sind im Grunde Doppelungen.
Bei all den Fraglichkeiten, die Ingmar Bergman dem Zuschauer hier auftürmt: Lena Brückner als Alma und Ruth Bosung als Elisabet spielen es sehr sehr glaubhaft, die Wortlosigkeit oder Traurigkeit von Elisabet, die Hilflosigkeit, Ratlosigkeit und Verzweiflung von Alma, das wortlose Verhältnis beider zueinander und und und. Beide sind junge Ensemblemitglieder, sie „spielen“ es aber wie hocherfahrene Schauspielerinnen!
Trotzdem: Man darf nicht erwarten, dass man nach diesem Abend eine gesicherte Interpretation von „Persona“ von Ingmar Bergman wagen kann. Wer kann das schon bei „Persona“? Interessant etwa sind im Programmheft die Zitate:
„Muss das sein? Ist es so wichtig, dass man nicht lügt, die Wahrheit sagt, in ehrlichem Ton spricht? Kann man überleben, ohne hin und wieder zu reden?“
Oder:
„Kann man ein und derselbe Mensch sein und im gleichen Augenblick zwei verschiedene Menschen? Wo bleiben alle guten Vorsätze, die man gefasst hat?“
Oder:
„Nicht scheinen, sondern sein. Bewusst, wach, jeden Augenblick. Zugleich der Abgrund zwischen dem, was du vor den anderen und dem, was du vor dir selber bist. Ständig dieses Schwindelgefühl, und der Hunger, ein Geheimnis preiszugeben.“
Regisseurin Sophie Glaser fügt mit dieser Inszenierung den vielen Fragen, die Ingmar Bergman mit „Persona“ ohnehin schon aufwirft, jedenfalls eher gewissermaßen noch weitere Fragen hinzu, als dass sie eine klare Interpretationshilfe gäbe. Verständlich, konsequent, aber nicht leicht!
HIER der Link zur Stückeseite „Persona“ auf der Website des Münchner Volkstheaters.
Hier noch ein Foto der trotz aller Fragen interessanten Inszenierung. Auch Elisabets Ehemann erscheint und Alma wird – auch für ihn – plötzlich zu Elisabet:
Es ist eine so klare, übersichtliche Geschichte, die Ödön von Horváth da geschrieben hat, sie ist aber dennoch nicht leicht zu „greifen“. Dann etwa, wenn man sieht, wann und unter welchen (politischen) Umständen er „Kasimir und Karoline“ geschrieben hat. Das muss doch Auswirkungen gehabt haben.
Deshalb: Ging es Ödön von Horváth in „Kasimir und Karoline“ um die Liebe? Oder ging es ihm um das Wirtschaftliche (Weltwirtschaftskrise)? Oder um den Charakter der Menschen? Oder einfach um Irrungen und Sehnsüchte auf dem Oktoberfest (die „Wiesnbraut“)? Alles zusammen eher, wie sich alles gegenseitig beeinflusst! Im Programmheft der Inszenierung kann man gut Einiges über Gedanken zu „Kasmir und Karoline“ nachlesen, was auch fast nötig, jedenfalls hilfreich ist! Folgendes dazu:
Zunächst zum Inhalt
Man kennt den Inhalt ja grob: Kasimir verliert seinen Job, Karoline möchte auf die Wiesn. Kasimir geht mit. Kasimir ist durch den Verlust seines Jobs völlig verunsichert, er zweifelt an allem, auch an Karoline, er beleidigt sie auch. Karoline, die sich eigentlich nur amüsieren wollte (nur ein „Eis essen“ wollte, sagt sie immer), stört sich an Kasimirs Verhalten, gerät selber in den Strudel des Amusements und trennt sich von Kasimir. Später – immer noch auf dem Oktoberfest – möchte Kasimir sich bei ihr entschuldigen, auch Karoline möchte sich einmal wieder an Kasimir wenden. Es klappt aber nicht mehr. „Tot ist tot!“. Und so weiter. Und alles, weil Kasimir den Job verloren hat! Kerngedanke etwa: Wirtschaftliche Probleme können den Menschen und seine Liebe zerstören, die ihm doch allein Halt gäbe. Überhaupt des Menschen Gesinnung kann durch wirtschaftliche Einflüsse nur leiden! Das wäre ein Fazit.
Regie von Barbara Frey
Es ist nicht Barbara Freys erste Inszenierung am Münchner Residenztheater, aber lange ist es her, 20 Jahre! Barbara Frey hat ja wahrlich jede Menge Erfahrung, hat irrsinnig viel inszeniert, im Grunde hat sie schon jeden Klassiker der Theaterwelt irgendwann und an irgendeinem der großen deutschsprachigen Theaterhäuser inszeniert. Sie war etwa 10 Jahre lang Intendantin am Schauspielhaus Zürich und zuletzt (Spielzeiten 2021-2023) Leiterin der Ruhrtriennale. Was für ein Theaterleben!
Nun hat sie am Münchner Residenztheater also Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“ inszeniert. Es mag eine für sie vielleicht typisch eher ruhige, in nichts „überdrallerte“ Inszenierung sein, sie setzt (soweit ich das beurteilen kann) selten auf große Effekte. Da kommt ihr Ödön von Horváth vielleicht sehr entgegen, ihm waren die Worte und sogar die Pausen zwischen den Sätzen, zwischen den Menschen, wichtig. Dementsprechend gestaltet sieht man jetzt auch am Residenztheater ihre ruhige, geradezu langatmige Inszenierung des „Kasimir und Karoline“. Man sollte sich auf jeden Fall auf einen Abend zum genauen Hinhören einstellen, nicht auf Effekte. Ist auch der schönere Ansatz fürs Theater, denke ich.
Wie anders war da übrigens – ein Blick zurück – die Inszenierung von „Kasimir und Karoline“, die 2011 auch am Münchner Residenztheater gezeigt worden war! Es war eine damals recht umstrittene, wilde Inszenierung von Frank Castorf, mit Birgit Minichmayr und Nicholas Ofczarek. Ich hatte sie – leider, bei den SchauspielerInnen – nicht sehen können. Hier aber ein Trailer:
Also jetzt die Inszenierung von Barbara Frey gewissermaßen als ein Gegenstück dazu. Und Barbara Frey folgt damit insgesamt dem Denken von Ödön von Horváth – auch wenn es damit für den Zuschauer durchgehend an diesem Abend sehr ruhig zugeht! Stellen Sie sich eben auf einen Abend des genauen Hinhörens ein, auf Horváth’s Worte kommt es an, auf nichts anderes.
Die Zeitumstände 1932
Ödön von Horvath lebte so kurz! Im Alter von 37 Jahren schon, im Jahre 1938, wurde er bekanntlich in Paris von einem herabfallenden Ast erschlagen! Er war von Wien über Mailand und Zürich nur kurz für ein Treffen nach Paris gereist.
Ein Wahrsager soll Horváth prophezeit haben, dass ihm in den ersten Tagen des Juni 1938 auf einer Reise „das bedeutendste Ereignis seines Lebens“ bevorstünde. Daraufhin benutzte der abergläubische Horváth angeblich u. a. keine Fahrstühle mehr. Am Tag seines Unfalltods lehnte er das Angebot von Freunden, ihn mit dem Auto ins Hotel zurückzubringen, mit der Begründung ab, dass dies zu gefährlich sei. Stattdessen machte er sich zu Fuß auf den Weg … im Juni 1938.
1938 hatte Horváth schon jede Menge produziert gehabt, sein „Kasimir und Karoline“ hatte im November 1932 Uraufführung, kurz danach, im Folgejahr 1933, sollte sein „Glaube Liebe Hoffnung“ zur Uraufführung kommen, wurde aber untersagt, es hatte dann 1936 unter dem Titel „Liebe, Pflicht und Hoffnung“ Uraufführung …
Ganz kurz nach der Uraufführung von „Kasimir und Karoline“, am 30. Januar 1933, wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt, es war der Beginn der schrecklichen Zeit der Naziherrschaft. Horváth wurde im März 1933 in „Schutzhaft“ genommen, er verließ Deutschland zunächst nach Österreich, sein Haus in Murnau wurde auch 1933 durchsucht. Weit vor all diesen Ereignissen, im Jahre 1916 schon, war er übrigens kurz am Münchner Wilhelmsgymnasium gewesen, an dem ich selber mein Abitur gemacht habe! Wegen schlechter Leistungen musste er allerdings sehr bald auf ein „Realgymnasium“ wechseln.
Und: Da war 1932 die Weltwirtschaftskrise! Das war für Ödön von Horváth sicher auch einer der ausschlaggebenden Umstände, die ihn zu „Kasimir und Karoline“ geleitet haben. Siehe oben zum Inhalt. Liebe bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten, bei Verlust des Jobs (Kasimir), die Liebe und die Sehnsucht (Karolines Sehnsucht) nach Besserem, nach sozialem Aufstieg, der Verlust von Halt, von Sicherheit im Leben bei Verlust von Job und Liebe (Kasimir). Überhaupt: Die wirtschaftlichen Verhältnisse und der Charakter, das „Zu-kriminellen-Taten-verleitet-werden“ (die anderen), auch ein Gesichtspunkt (Kasimir betont demgegenüber immer wieder, dass er doch anständig ist). Im Grunde sind bei diesem Stück am Ende jedenfalls alle für sich irgendwie Verlierer. Das ist das Stück.
Das Bühnenbild, die Kostümierung:
Das Bühnenbild stammt von Martin Zehetgruber, Kostüme von Esther Geremus. Vor dem Hintergrund der oben geschilderten Zusammenhänge könnte man sagen: Bühnenbild und Kostümierung waren fast zu schön! Man sitzt ja eineinhalb Stunden lang wie „eingelullt“ oder „sediert“ vor der ansprechenden, fast schicken Bühnenwelt, selbst die drei wirklich riesigen Bierkrüge auf der Bühne sind ja fast schick, die Kleidung gepflegt, farblich abgestimmt, die Drehbühne modern. (Es gab übrigens auf dem Oktoberfest 1932 in der Tat noch keine Bierbänke, es gab Stühle). Die Weltwirtschaftskrise steckt damit letztlich allein im schlampigen Hemd, das Kasimir (Simon Zagermann) trägt. Aber andererseits, das ist Ödön von Horvath eben, das muss man zugestehen: Es soll ja bei ihm alles stilisiert sein, nicht realistisch. Dann eben so! Aber gleich so schön stilisiert? Hm, diese „Sedierung“ durch Bühne und Kostüm kann auch von der Prägnanz der Horváth’schen Aussagen um Wirtschaft, Charakter und Liebe in „Kasimir und Karoline“ ablenken. Fast einzig nicht stilisiert ist übrigens das Zeichen HB auf den Bierkrügen! Aber: Beeindruckend schön als Andeutung des Oktoberfestes ist das Bühnenbild!
Horváths „Gebrauchsanweisung“ für seine Stücke:
Wichtig bei Ödön von Horvath ist die „Gebrauchsanweisung“, die er kurz nach der Premiere von „Kasimir und Karoline“ für alle seine Stücke geschrieben hat. Mit dem Obersatz „Das dramatische Grundmotiv aller meiner Stücke ist der ewige Kampf zwischen Bewußtsein und Unterbewußtsein.“
HIER die Gebrauchsanweisung, die auch im Programmheft abgedruckt ist. Barbara Frey hält sich sehr genau daran! (An Eines nicht: „Vor einem Vorhang“ soll nach Ödön von Horváth am besten gespielt werden, der Vorhang fährt hier erst am Ende langsam herunter). So führt aber die strenge Horváth’sche Herangehensweise von Barbara Frey in der Tat dazu, dass man wunderbar auf den Text achtet, wie von Horváth gewünscht, nicht etwa auf irgendetwas „Realistisches“. Man erlebt es wie eine dezent schauspielerisch unterstützte Lesung von „Kasimir und Karoline“, was zur Verdeutlichung des Stückes beiträgt! Man braucht nur Ruhe bei sich und Geduld!
Zu den SchauspielerInnen:
Dazu ganz subjektiv: Anna Drexler und Simon Zagermann sind fast meine Favoriten des derzeitigen Ensembles des Residenztheaters. Seltsamerweise aber konnte mich gerade dieses Duo, auf das ich mich gefreut hatte, hier nicht überzeugen. Es war für mich irgendwie unpassend, dass sie beide im Stück als Kasimir und Karoline verliebt gewesen sein sollen, ein Paar waren. Als würden sie einfach nicht zusammenpassen. Ihre Liebe wird ja auch nie gezeigt, sie kommt allenfalls zwischen den Zeilen zum Ausdruck, bei der selbstsicheren Anna Drexler/Karoline mehr als beim verzweifelnden Simon Zagermann/Kasimir. Sie stehen jedenfalls von Beginn an jeder allein für sich. Und ansonsten: Man spielt es sehr stilisiert. Stilisierter, als es kürzlich das THEATER_PERLACH in „A Matz bist scho“ nach Horváths „Kasimir und Karoline“ zeigte (mein Bericht HIER), was auch gut war.
Meine Empfehlung:
Hingehen, aber zur gedanklichen Unterstützung das Programmheft lesen (auch die Horváth’sche „Gebrauchsanweisung“ darin), dann kann ein Schuh draus werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass es an einem etwas zu sehr vorbei plätschert, es ist ja, wie gesagt, nicht so, dass Handlung die Prägnanz des Stückes fördert. Aber auch da wieder: Gerade das kann gefallen, die Ruhe, es ist hier ja extra so angelegt!
Eine wunderbare Verfilmung von „Kasimir und Karoline“ gibt es übrigens, die ich unbedingt empfehle! Ich hatte die Verfilmung kürzlich schon im Beitrag zu „A Matz bist scho“ erwähnt. HIER der Trailer zum Film, man wird ihn sicher als Download oder zum Kauf/ zur Leihe noch finden. Es ist für mich filmisch einer der besten Fernsehfilme, die ich kenne. Am besten ist Beides zusammen: Hingehen ins Residenztheater UND den Film ansehen!
Hier noch ein Foto:
HIER der Link zur Stückeseite von „Kasimir und Karoline“ auf der Website des Residenztheaters.
Das Zentraltheater hat diesmal richtig aufgedreht! So viel Bühnenbild hatten sie bisher nicht! Aber sie haben es geschafft, auf der ja wirklich kleinen Bühne ohne Umbau gleichzeitig mehrere Spielorte entstehen zu lassen.
In diesem Stück müssen zwangsläufig verschiedene Orte gezeigt werden, anders wird es kaum gehen. Das wurde bühnentechnisch wirklich gut gelöst – auch mit gelungener Aufteilung der Bühne durch eine kleine im hinteren Teil stehende „Trennwand“ (hinter der und durch die immer wieder schnelle Verwandlungen und sofortige Ortswechsel möglich sind) und unter kurzer Einbeziehung des Zuschauerraumes sogar (Kostüm und Bühne von Andrea Uhmann).
Man kennt ja den Film „Schtonk“ (Regie Helmut Dietl), in dem der wohl eher mittellose Fritz Knobel es schafft, über den Reporter Hermann Willié insgesamt 60 gefälschte Tagebücher von Adolf Hitler an das Magazin HHpress zu verkaufen. Die deutsche Geschichte müsse umgeschrieben werden, heißt es dann auf einer Pressekonferenz. Der Film war ja besetzt mit lauter großen Namen, Uwe Ochsenknecht, Götz George, Christiane Hörbiger, Harald Juhnke, Veronica Ferres, Ulrich Mühe.
HIER ein köstlicher fast zehnminütiger Zusammenschnitt des Films. Es gibt einige schöne Trailer zum Film.
Schtonk ist auf der Bühne höchst selten zu sehen! Dem Münchner Zentraltheater ist es vor allem durch herrliche SchauspielerInnen-Leistungen gelungen, diese ja recht rasante und bunte Geschichte quasi etwas „verkürzt“ gut auf die Bühne zu bringen. Die SchauspielerInnen übernehmen dabei jeweils mehrere Rollen, in die sie auch durch Wechsel der Kleidungsstücke (die Trennwand!) und passende sprachliche Änderungen wunderbar hineinrutschen. Franz Xaver Zeller steht in der Rolle des Fälschers Fritz Knobel natürlich im Mittelpunkt, er spielt ihn (und seine anderen Rollen) herrlich, neben Gerd Lohmeyer, Mara Widmann, Chiara Piu und sehr kurz Valentin Schmidt, deren Leistungen man durchweg in diesem kleinen Theater gerade durch die Nähe zur Bühne bestens erleben kann! Immer wieder: Der Spaß am nahen Erlebnis guter schauspielerischer Leistungen im Zentraltheater in der Paul-Heyse-Straße trägt das Erlebnis!
Schön auch, dass die Prägnanz dieser Satire durch manche wörtliche Übernahme des Textes aus den Film so gut beibehalten wird (Hitlers „Blähungen“, das nötige „Umschreiben der Geschichte“, Hitlers Hoffnung auf „Karten für die Olympischen Spiele für Eva“ und und und).
Es ist eine Komödie, man wird kaum mit einem ernsten Hintergrund konfrontiert, abgesehen vielleicht davon, dass in der ein oder anderen Person des Stückes ja doch eine versteckte „Hitler-Begeisterung“ oder „Nazi-Begeisterung“ aufkommt, was in „Schtonk“ natürlich humorvoll und satirisch ausgespielt wird. Das geht aber schnell, ging ja auch 1983 schnell, als das Magazin Stern tatsächlich einmal glaubte Hitler-Tagebücher gefunden zu haben.
Hier noch ein Bild der Aufführung:
HIER der Link zur Website des Zentraltheaters. Die noch kommenden Termine siehe oben im Beitragsbild. Die von mir besuchte Aufführung wurde sogar von einer größeren Schulklasse aus Überlingen am Bodensee besucht!
In München sind in diesen Wochen zwei (wahrscheinlich) völlig unterschiedliche Versionen des schönen Stückes „Kasimir und Karoline“ von Ödön von Horváth zu sehen. Durch Unterschiede sieht man besser! Genauer gesagt: Die erste Version (THEATER_PERLACH unter dem Titel „A Matz bist scho“) hatte vorgestern, Mittwoch, den 17. September, Premiere, ich habe sie gesehen, die zweite Version (Münchner Residenztheater unter dem Titel „Kasimir und Karoline“) hat in der kommenden Woche, am 24. September, Premiere. Ich werde sie auch sehen.
Die Version des THEATER_PERLACH ist kurzfristiger zu sehen. Deren leider recht wenigen Termine (auch gestern Abend, am 18.09.2025) sind oben im Bild zu sehen.
Schon die Spielstätten beider Versionen sind extrem unterschiedlich! Die Version des THEATER_PERLACH wird an einem Spielort gebracht, der das glatte Gegenteil ist zum Münchner Residenztheater in seiner feinen Atmosphäre. Gezeigt wird die Version des THEATER_PERLACH nämlich im MUCCA im sich fast selbst überlassenen Areal an der Schwere-Reiter-Straße/Ecke Dachauer Straße, das mit heruntergekommenen Industriehallen bebaut ist, von verschiedensten Initiativen kurz- oder langfristig kreativ genutzt wird und von der Stadt München zum „Kreativquartier“ entwickelt werden soll. Das Residenztheater ist da ein klein wenig anders.
Vom THEATER_PERLACH hört man nicht oft. Es ist eine private Initiative, sie bringen pro Jahr eine Inszenierung auf die Bühne, es ist aber nicht etwa eine „Laientruppe“, nein, das Ensemble besteht aus jungen ausgebildeten Schauspielern und Schauspielerinnen, die sich vor allem mit der Unterstützung von Ferdinand Leopolder als „Produzent“ und Andrea Funk meist als „Regisseurin“ sehr engagiert der Theatersache annehmen. So sieht Theaterbegeisterung aus! Man muss hoffen, dass die städtische Förderung nicht versiegt, sie ist geringer geworden, hört man! Eine feste Spielstätte hat das THEATER_PERLACH nicht. Umso mehr lohnt es sich, jetzt zum MUCCA zu gehen!
Ödön von Horváths Stück „Kasimir und Karoline“ kennt man ja, es passt zur jetzt beginnenden Wiesn! Wie man sich (absichtlich) verliert auf der Wiesn, sich selbst und eben auch (unabsichtlich) den Freund/die Freundin, Kasimir etwa die Karoline! Eine „Ballade vom arbeitslosen Chauffeur Kasimir und seiner Braut“ nennt Ödön von Horváth seine Geschichte von Kasimir, der, arbeitslos geworden, auf dem Oktoberfest seine Braut Karoline für immer verliert. Das Oktoberfest, also die „gewählte“ Gaudi, und die „ungewählte“ Realität mischen sich fatalerweise bei Horváth. Aufs Oktoberfest geht man ja eigentlich auch heute noch, um sich für kurze Zeit in eine andere Welt zu versetzen, um sich von der Realität zu entfernen, sie einfach auszublenden! Die Realität kommt ja am Tag danach wieder ins Spiel! Aber die Trennung Wiesn/Realität geht eben nicht immer, vor allem eben nicht bei Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“.
Karoline ist bei Ödön von Horváth die „Wiesnbraut“. Sie will auf der Wiesn auch natürlich Amusement, aber im Amusement will sie doch auch das „bessere Milieu“, will höher hinaus und verliert dabei ihren Kasimir, weil sie eben doch im Amusement gleichzeitig die (schwierige) Realität vor Augen hat. Kasimir fragt Karoline noch: „Was willst Du denn durch diese Herrschaften dort erreichen?“ „Eine höhere gesellschaftliche Stufe und so“, antwortet sie.
Die Inszenierung des THEATER_PERLACH ist an mancher Stelle wortgetreu Ödön von Horváth, was auch kaum anders geht bei diesem Stück. Es heißt in der Ankündigung „frei nach Ödön von Horváth“, passt auch alles bestens zusammen. Man sitzt in der hohen Halle des MUCCA an drei Seiten um die Bühnenfläche herum, jeder sieht (fast) jeden, wie auf der Wiesn. In der Mitte der etwas höher gelegten Bühnenfläche steht ein Baumstamm, geschmückt mit langen Bändern, die auch immer wieder wie beim Schäfflertanz benutzt werden. Über 50 Bierkrüge werden an die Spiegelwand im Hintergrund gehängt, es gibt immer wieder kürzere musikalische und tänzerische bayerische „Einlagen“, wie im Originalstück manch Lied gesungen, manch Wiesnmusik angespielt wird, dafür gibt es einen Musiker mit Ziehharmonika, auch die Kostümierung ist schön farbenfroh, es sind aber nicht etwa alle in Tracht! Die Wiesn, sie wird hier eher dezent angedeutet.
Die jungen Schauspieler und Schauspielerinnen spielen es wirklich gut! Es wird dabei nicht der noch weit schickere heutige Wiesnkult dargestellt, nein, man bleibt eher in der Horváth’schen Zeit oder zeitlos. Nicht zwanghaft bleibt man dort, aber doch eher eben in Horváths Zeit, nicht deutlich in der heutigen extremeren Wiesn-Welt. Sie spielen es auch allesamt nicht übertrieben, Kasimir mit seiner Melancholie und seinem Unverständnis sehr gut, der Schürzinger sehr gut, der Rauch und der Speer schön besetzt, Karoline auch gut, es wird von allen gut gespielt! Es ist nicht leicht, alle Personen des Stückes über den Horváth’schen Text hinaus prägnant auf die Bühne zu bringen. Wie sie alle in etwas hineinschlittern! Der ein oder anderen Person des Stückes hätte mit Text und Darstellung vielleicht noch mehr Deutlichkeit gut getan, aber das ist eine Frage der Inszenierung. So basiert der Abend trotz der guten Einlagen sehr auf dem Text, den Dialogen! Auch das geht aber kaum anders bei diesem Stück. Im Orignaltext von „Kasimir und Karoline“ stecken die Charaktere des Stückes im Grunde ja herrlich hinter den meist kurzen banalen Sätzen und kurzen Unterhaltungen in seinen 117 „Szenen“. Schwer auf der Bühne. Ich fand es aber insgesamt gut gelungen, gerne mehr vom THEATER_PERLACH mit den jungen SchauspielerInnen!
Eine schlicht wunderbare Verfilmung von „Kasimir und Karoline“ gibt es übrigens, die ich unbedingt empfehle! HIER der Trailer, man wird es sicher als Download oder zum Kauf/ zur Leihe noch finden. Es ist für mich filmisch einer der besten Fernsehfilme, die ich kenne. Am besten ist beides: Hin ins MUCCA UND den Film ansehen! Vielleicht demnächst auch noch „Kasimir und Karoline“ im Residenztheater sehen. Unterschiede sind immer gut!
Von der Zeitschrift DIE DEUTSCHE BÜHNE (Herausgeber: Deutscher Bühnenverein) gibt es in diesem Jahr erstmals online kostenfrei als PDFein SONDERHEFT zu den Premieren derSpielzeit 2025/2026an deutschsprachigen Theatern (auch Oper/Ballett). Mehr (bundesweite) Übersicht geht nicht!
Achtung, die Premierentermine sind in der Übersicht kaum erkennbar genannt, aber sie sind drin! Etwas schade etwa für München: Es sind nur öffentliche Häuser genannt, auch die nicht vollständig (Volkstheater etwa nicht), und es sind die Bühnen des freien Theaters (HochX, Zentraltheater, PATHOS Theater u.v.m.) nicht genannt.
Das Heft kann auch als Print Version erworben werden! HIER der Link zur Bestellmöglichkeit (auch der anderen Ausgaben von DIE DEUTSCHE BÜHNE).
Auf dem Cover des SONDERHEFTES (siehe das Beitragsbild oben): „Der zerbrochne Krug“, das in der vergangenen Spielzeit 2025/26 die meisten Premieren verzeichnet. Gezeigt ist die Inszenierung von Elsa-Sophie Jach am Schauspiel Leipzig mit Teresa Schergaut und Sonja Isemer. Foto: Rolf Arnold
Mehrfach aktuell: Ein (später) Tipp für meine wahren TheaterfreundInnen. In der 3sat-Mediathek ist noch bis zum 16.08. eine Inszenierung von Claus Peymann zu sehen, der am 16.07. verstorbenen ist. Gezeigt wird seine Inszenierung von William Shakespeares „Richard II.“, es war eine Aufführung des Berliner Ensembles, die 2001 zum Berliner Theatertreffen eingeladen war.
HIER der Link. Es ist eine gerade gegen das Ende hin großartige Inszenierung! Schauspielerisch ganz wunderbar!
Die Aufführung ist ZUM EINEN für jeden/jede, der/die eindrucksvolle schauspielerische Leistung erleben will, ein wahrer Genuss! Michael Maertens spielt den englischen König Richard II. schlicht großartig, es ist fast einer Soloaufführung! Aber auch die anderen SchauspielerInnen: Wunderbar, auch durch die ständigen Nahaufnahmen der Aufzeichnung. Michael Maertens ist heute übrigens („aktuell“) im Ensemble des Wiener Burgtheaters, vor wenigen Jahren spielte er den Jedermann bei den Salzburger Festspielen, die ja gerade wieder (auch „aktuell“) stattfinden.
Wenn allerdings der Regisseur einer Inszenierung auch für die schauspielerische Leistungen an sich ausschlaggebend ist oder sein kann, dann ist diese Inszenierung wohl nicht nur ein großes Werk von Michael Maertens, sondern auch ein großes Werk des kürzlich (auch„aktuell“) verstorbenen Claus Peymann!
ZUM ANDEREN: Dieses Stück von William Shakespeare, das selten auf der Bühne zu sehen ist, hat sogar eine gewisse inhaltliche Aktualität: Ich hatte im Blog einmal über das Buch „Der Tyrann“ von Stephen Greenblatt geschrieben, ein Buch über William Shakespeares „Machtkunde“, HIER der Link. Dort heißt es auf Seite 10 – und man denkt an das heutige Amerika:
“Wie kann es sein, so fragte er (Shakespeare), dass jemand sich von einem Führer angezogen fühlt, der zum Regieren offensichtlich ungeeignet ist, der keine Selbstbeherrschung hat, durch Hinterhältigkeit und Niedertracht brilliert oder sich nicht die Wahrheit schert? Unter welchen Umständen würden Zeichen von Verlogenheit, Rohheit oder Grausamkeit nicht abstoßend, sondern attraktiv, ja erregen sogar glühende Bewunderung? Warum geben sonst stolze Menschen ihre Selbstachtung auf und unterwerfen sich der Unverfrorenheit des Tyrannen, seiner Überzeugung, ungestraft sagen und tun zu können, was er will, seiner spektakulären Schamlosigkeit?
Es passt nicht eins zu eins auf Donald Trump (auch„aktuell“), aber annähernd. Und auch in „Richard II“ greift Shakespeare diese Fragen auf. Für Shakespeare drohte vor allem eine tiefe Spaltung oder Teilung Englands bei einer Machtübernahme nach Richard II. durch Bolingbroke, später Heinrich IV.. Bolingbroke wäre hier Donald Trump, der allerdings sogar gewählt wurde. Eine Folge, wie sie Shakespeare anspricht (Spaltung des Landes), zeigt sich allerdings in den USA noch nicht.
Zu William Shakespeare muss man immer wissen: Er wählte „Historiendramen“, da er nicht direkt in die aktuellen politischen Diskussionen der Zeit um 1590 eingreifen durfte. Bloß nichts Aktuelles, der todbringende Vorwurf des Hochverrates lag damals schnell nahe! Die Zeiten von Shakespeare waren in England hochriskant und hochkontrovers. Der immer schwelende Konflikt von Protestantismus (Königin Elisabeth) gegenüber Katholizismus (Königin Maria) rüttelte lange Zeit heftig an England, die heutige Teilung Irlands ist ja immer noch ein Zeichen davon. Auch gegen die protestantische Königin Elisabeth gab es zu Shakespeares Zeiten natürlich Putschversuche. Königin Elisabeth und Königin Maria (katholisch) waren ja Töchter von Heinrich VIII.
Zu Richard II. sollte man wissen: Er war König von England von 1377 bis 1399, Stichwort „Historiendrama“, wurde dann abgesetzt und ermordet. Darum geht es in Shakespeares „Richard II.“. Nach ihm kamen u.a. Heinrich IV.-VI. und Eduard IV. und V., 1483 kam Richard III. Und so weiter.
Die Inszenierung von Claus Peymann fällt ansonsten noch auf durch ihre klare Sprache, durch das klares so schlichte Bühnenbild und ganz vereinzelt durch eine seltene ganz kurze plötzlicheWendung in einen heutigen Gesprächston hinein, nur einzelne Wörter lang. Sehenswert.
Im Juni fand am Münchner Residenztheater zum 3. Mal das Festival WELT/BÜHNE – Plattform für internationale Gegenwartsdramatik statt. Asiimwe Deborah Kawe’s Stück „Das gelobte Land“ war Teil des Festivals.
„Das gelobte Land“eröffnete das Festival und ist immer noch zu sehen. Entstanden war es unter anderem in einer „Schreibresidenz“ des Residenztheaters (Zeit – Raum – Finanzen) für Asiimwe Deborah Kawe.
Worum ging/geht es im jährlichen Festival WELT/BÜHNE? Um internationales Theater, das gesellschaftspolitische Veränderungen („tektonische Verschiebungen“) in verschiedenen Kulturen der Welt aufgreift. Asiimwe Deborah Kawe stammt aus Uganda, HIER ihr kurzes Porträt, ihr Stück wurde inszeniert vom ungarischen Regisseur Jakab Tanóczi, HIER sein kurzes Porträt.
Ich habe dieses Stück erst jetzt gesehen. Im Oktober wird es wieder zu sehen sein. Es geht um Migration, ein fast weltweites Problem, das längst zu den oben genannten „gesellschaftspolitischen Veränderungen“ geführt hat. Es hat zu einem überall scharfen Blick auf Migration, auf Immigration, geführt und ist längst mehr als eine vielleicht unterschwellige „tektonische Verschiebung“. Das Thema ist vor allem aber unglaublich zweischneidig: Einerseits werden überall scharfe politische Schritte gefordert (es muss ja verständlicherweise irgendwie Grenzen geben), andererseits aber geht es immer um letztlich harte unerkennbare Einzelschicksale. Wer von uns kann sich schon – was auf ImmigrantInnen nicht selten zutreffen wird – vorstellen, sein Leben allein – ohne jede „Verbindung zurück“ – im Ausland einer anderen Kultur zu verbringen und dort dann auch noch nicht gewollt zu sein? Es ist allein schon hart, wenn das Leben nur aus einem „Sich-durchbeißen“ besteht.
„Das gelobte Land“ ist die durchaus überzeugende und packende Erzählung von 15 Jahren des Lebensweges von Achen (auszusprechen wie „Adschehn“), einer ausgebildeten jungen Krankenpflegerin aus Uganda, die zunächst für ein kurzzeitiges Universitätsseminar in die USA kam, dort aber dann in der Tat aufenthaltsrechtlich unregistriert, steuerlich aber legal, weitere 15 Jahre lang lebte.
Asiimwe Deborah Kawe zeigt in ihrem Stück damit sogar einen Einzelfall, in dem es im Grunde „die Falsche“ trifft. Denn Achen machte sich als Krankenpflegerin immer verdient um die Gesellschaft, in der sie sich durchbiss – bis … Achtung Spoiler!! …:
… nach fünfzehn Jahren die Polizei kommt (Hinweis der Nachbarschaft, der alten Bekannten Kat) und Achen aus dem mühsam von ihr aufgebauten Leben reißt.
Ja, die generelle Stimmung schlug auch gegen Achen zu. Nicht nur in den USA, genauso in Europa wendet sich mittlerweile die „Stimmung im Lande“ schnell grundsätzlich auch gegen gesellschaftlich „verdiente“ Kräfte. Das spielt keine Rolle mehr. Insoweit sind es doch tiefe „tektonische Verschiebungen“ in der Gesellschaft, die hier aufgegriffen werden.
Die Inszenierung umfasst insgesamt eine Zeitspanne von 15 Jahren, Achens Zeit in den USA. Es ist geschickt und gut gemacht, wie diese Zeitspanne mit vielen Ortswechseln dargestellt wird! Es spielt sich auf der Bühne alles in und vor einem Motel in Amerika ab, in zwei von deren Zimmern hinein man durch große Fensterfronten blickt und die man manchmal parallel beachten muss. Das klare Bühnenbild von Botond Devich spielt durch diese Motel-Welt aber nicht übertrieben, sondern nur zurückhaltend mit einer „Amerikanisierung“ des Stückes. Nur kleinere weitere Details führen gedanklich ab und an zu den USA.
Meist ganz leise, kaum hörbar, wabert Musik im Hintergrund, auch das passt gut zur mitschwingenden „Bedrohungslage“ um Achen.
Die Erzählweise insgesamt hält einen immer „wach“: Immer wieder werden die verschiedenen Ebenen der beteiligten Personen verschränkt, alles wird von einer Journalistin, die mit Achen redet, beobachtet. Es entsteht so eine sehr plastische, gut nachvollziehbare Schilderung des schwierigen Weges von Achen. Eine überzeugende schauspielerische Leistung ist es vor allem von Isabell Antonia Höckel, die Achen spielt. Sie zeigt eine tapfere Achen, die auf der Straße landet, dann aber doch als Pflegerin arbeitet. Anfangs sehr besorgt, gibt sie gegen Ende sogar eher den Eindruck, sorgenfrei zu leben, sie hat Liebe erfahren, was für sie so viel wert ist, eine zufällige Wiederbegegnung, und bekommt zwei Kinder.
Fast zu undramatisch erlebt man am Ende dann allerdings zum Einen den mittlerweile erfolgten Stimmungsumschwung in der politischen und gesellschaftlichen Situation gegenüber Immigranten/innen, den Kern des Stückes, und zum Anderen speziell Achens Schicksal damit, die sich dagegen natürlich nicht im Geringsten wehren kann. Eigentlich schauen alle zu.
Es bleibt daher der Eindruck einer Sicht auf die Willkür und gestiegene „Blindheit“ der allgemeinen Stimmung gegen alle ImmigrantInnen, getragen von einer guten Inszenierung im Marstalltheater.
Hier noch ein Foto:
HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Residenztheaters.
Franz Xaver Kroetz war viele Jahre lang sehr produktiv mit Herz und Hirn für das Nicht-Privilegierte, nicht für das Konventionelle, Gediegene. Theater, Film, Fernsehen, Literatur, Autor, Regisseur, Schauspieler … Und wer kennt ihn nicht in seiner (komödiantischeren) Rolle als „Baby Schimmerlos“ in Helmut Dietls damaliger Fernsehserie „Kir Royal“, in der so köstlich und bissigdie Münchner Schickeria aufs Korn genommen wurde.
In den letzten Jahren war es ruhig um ihn, jetzt war er wieder aktiv! Nicht provokant, nicht mit Blick auf die Gesellschaft, sondern schlicht bayerisch, menschlich. Er ist ja Münchner und Bayer. Er schrieb – als „Auftragsarbeit“ für das Residenztheater, wie er im Interview mit der SZ gleich betonte – eine neue Fassung der „Gschichtn vom Brandner Kaspar“. Auch auf ihn bezieht sich damit wohl der Spruch über dem Eingang des Residenztheaters: „Da waar i wieda amoi“. Der Satz, mit dem die Kroetzsche Neufassung der „Gschichtn vom Brandner Kaspar“ beginnt.
Ja, er war wieder einmal da, nach der Premiere stand er – auf Bitten der SchauspielerInnen – kurz auf (war es Reihe 8?) und winkte ins Publikum. Der „Brandner Kaspar“ ist natürlich weder ihm – Franz Xaver Kroetz – noch dem „Münchner an sich“ oder dem „Bayer an sich“ unbekannt. Ganz im Gegenteil: Franz Xaver Kroetz spielte den Kaspar schon in einer Verfilmung aus dem Jahre 2008. Und der Münchner weiß: Der „Brandner Kaspar“ (von Franz von Kobell aus dem Jahre 1871) lief früher schon jahrelang (bis vor knapp 25 Jahren) legendär am Münchner Residenztheater, dann lief er für etwa 20 Jahre am Münchner Volkstheater und jetzt kehrt er ans Residenztheater zurück.
Man erlebt hier aber nichts „Kroetz-Provokantes“, Gesellschaftskritisches. Nein, Gott sei Dank nicht, jede tiefe Änderung des „Brandner Kaspar“ würde ihn nur verfälschen. Diese Geschichte ist, wie sie ist. Man erlebte aber eine textliche Neufassung des „Brandner Kaspar“ von Franz Xaver Kroetz und dazu die neue Inszenierung von Philipp Stölzl. Beides ist absolut gelungen! Auf WhatsApp hatte ich einen Tag nach der Premiere von Mittwochabend geschrieben: „Gestern Premiere Brandner Kaspar am Residenztheater, muss man sich als bayerisches Kulturgut ansehen! Neufassung von Franz Xaver Kroetz, sehr gut!
Warum „sehr gut“?
Die „textliche Umschreibung“, die Franz Xaver Kroetz – ausgehend vom Original – vorgenommen hat, ist immer wieder schön hintersinnig, ansonsten: Der Brandner Kaspar hat Frau und Tochter verloren, nicht seine zwei Söhne, etc.. Der Brandner Kaspar bleibt aber der Brandner Kaspar, leicht modernisiert bleibt er ein bayerisches Kulturgut!
Der Brandner Kaspar wird hier jedenfalls nicht so dunkel/düster erzählt, wie es frühere Fassungen wohl etwas mehr waren, sondern amüsanter, heiterer. Aber: Das Besondere ist ja, der Brandner Kaspar hat bei allem Humor für jeden Menschen immer auch etwas Ernstes: „Was passiert denn nach dem Tod?“ ist ja die Frage!
Der „Boanlkramer“, also der Tod, wird dabei gespielt von Florian von Manteuffel, der Brandner Kaspar von Günther Maria Halmer. Auch letzterer seit Längerem wieder einmal auf der Bühne des Residenztheaters! Er spielt den Brandner Kaspar ganz souverän, mit allen Höhen und Tiefen, herrlich melancholisch. Eine Idealbesetzung für dieses Bayerische Kulturgut! Noch prägender für diese Inszenierung ist meines Erachtens aber sogar – ohne Günther Maria Halmers schöne Leistung damit auch nur irgendwie schmälern zu wollen – Florian von Manteuffel als der „Boanlkramer“. Er verschafft dem Boanlkramer etwas Trottliges, Neben-sich-Stehendes, Chaotisches, trotz seines ernsten Auftrags von Petrus. Er spielt den Boanlkramer so, dass man schmunzelnd meinen kann: Der Boanlkramer zweifelt fast an sich selbst! Der Boanlkramer von Florian von Manteuffel ist das Salz in der Suppe. Und es bleibt trotzdem die Kobell‘sche kurze Erzählung vom „Brandner Kaspar!
Die Inszenierung insgesamt ist nicht zuuu urbayerisch, zu derb bayerisch geworden. Natürlich ist sie bayerisch, schon die Sprache, es soll ja ein „Volksstück“ bleiben, inszeniert mit eher einfachen Mitteln, kein moderner Technikkram, Livekamera oder so etwas. Aber irgendwie wird man nicht „erschlagen“ vom Bayerischen. Trotz des bayerischen Bühnenbildes, trotz des großen bayerischen Holzfensters, durch das man bei geöffneten riesigen Holzfensterläden (die natürlich bemalt sind mit einer bayerischen Berglandschaft) alles sieht, trotz der musikalischen Einlagen. Gitarre, Bass, Quetschkommode, Gesang. Gerade die musikalische Begleitung und die Einlagen zwischen den Akten des Stückes sind eher fein, nicht derb, manchmal begleiten sie die Szenen ganz zart mit einem einzigen (melancholischen) Ton. Es passt alles gut zusammen.
Es endete dann am Premierenabend fast seltsam – aber auch bezeichnend: Als man das Residenztheater nach der Vorstellung – mehr als üblich zusammen mit ZuschauerInnen in Lederhosen bzw. Dirndl – verließ, sah man: Der wirkliche Himmel über München sah in dem Moment genauso aus wie der so idealisierte Himmel, den man doch gerade noch auf der Bühne gesehen hatte! Der Himmel, in dem der Petrus sitzt und – gemäß seiner genauen Buchführung übrigens, wie man dann wieder weiß – uns alle irgendwann empfängt, auch den Brandner Kaspar. So sah es am Mittwoch um etwa 21:30 Uhr vor dem Residenztheater aus:
Vielleicht ist es wieder der Beginn einer jahrelangen Reihe von Vorstellungen des Brandner Kaspar am Residenztheater. So müsste es eigentlich sein, es ist ein Stück, eine Inszenierung, die jeder sehen muss, es ist heiter und auch ernst, es betrifft jeden von uns – der Tod und das Leben, Himmel und Erde. Ein Lebensgefühl eben, wenn man mal nicht das (meist ja unerfreuliche) gesellschaftliche Alltagsgeschehen um einen herum sehen und hören will, nicht daran denken möchte.
HIER der Link Stückeseite des Brandner Kaspar auf der Website des Münchner Residenztheaters.
Hier noch ein Foto der Inszenierung:
Copyright der Bilder von der Inszenierung: Sandra Then
Es ist eine in mehrerer Hinsicht durchaus „groß“ angelegte Inszenierung. William Shakespeares „Romeo und Julia“ am Münchner Residenztheater. „Groß“ etwa in solcher Hinsicht:
Da ist zum Einen die manchmal (nicht oft) erscheinende riesige Videofläche über der Bühne, auf der Livebilder – etwa von Julia in Großaufnahme – eingeblendet werden. Man ist kleinere Videoflächen gewohnt. So kommt man Romeo und Julia kurz sehr nah, ein lohnender Effekt. Es passt sehr gut zum Drama „Romeo und Julia“, sie beide möglichst nah zu sehen, der Liebe ins Auge zu sehen.
Da ist des Weiteren die so groß wirkende Bühne des Residenztheaters, die man hier bis hinter zu den Backsteinmauern sieht. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die SchauspielerInnen durchgehend – leider – besonders laut und deutlich reden – fast „schreien“ – müssen. Vielleicht ist mir das aber auch nur aufgefallen, da ich zuletzt Theaterstücke auf sehr sehr kleinen Bühnen besucht hatte. Vielleicht liegt es aber auch an der oft im Hintergrund mitspielenden Livemusik, auch wenn diese nicht sehr laut ist.
Da ist weiter etwas ganz Prägendes, siehe die Bilder des Beitrags: Zentral auf der Bühne steht eine große weiße bewegliche (drehbare) „Trennwand“, etwa vier Meter hoch, nicht ganz vom linken Bühnenrand bis nicht ganz zum rechten Bühnenrand. Sie dreht sich manchmal. Diese Trennwand dominiert die Inszenierung. Das Material der Trennwand – dicht aneinander gelegte Eisenträger (Aluminiumgestänge?) horizontal und vertikal – hat die Regisseurin (Hausregisseurin Elsa-Sophie Jach) in anderen Inszenierungen schon ähnlich eingesetzt. Die untere Hälfte dieser hohen Wand des Gestänges ist beweglich, das Gestänge – an dem auch herumgeklettert wird – kann sich durch automatische „Auffächerung“ (herausgezogen wie Schubladen) in beide Richtungen zu einer breiten Treppe entwickeln, was sie auch oft tut. Man kann so beide Seiten der Trennwand über diese Treppen hinweg betreten, oben entlanggehen. Trennung und Durchlässigkeit.
Damit ist man dann auch schon im Thema von „Romeo und Julia“: Die Trennung zweier Welten, die zwei verfeindeten Familien – die Familie Capulet und die Familie Montague. Bekanntlich die Feindschaft der Familien einerseits und die Liebe zwischen Romeo (Montague) und Julia (Capulet) andererseits. So versteht man das Bühnenbild sehr gut (Bühnenbild: Marlene Lockemann).
Das Geschehen um Romeo und Julia wird hier klassisch, nicht etwa stark modernisiert erzählt. Es wird auch umfassend erzählt, mitsamt der Kampfszenen. Die Kostümierung, sie zeigt, dass zumindest eine gewisse Zeitlosigkeit erzielt werden soll: Fast alle Kostüme weisen sich – besonders farblich – durch eine schöne Mischung von modern und klassisch (damalige Zeit) aus (Kostüme: Johanna Stenzel). Da wird auch mal eine moderner anmutende Sonnenbrille getragen (Julias Vater – Oliver Stokowski). Das ist schön gelungen, irgendwie auch von Fantasie getragen.
Inhaltlich: Anfang und Ende. Pia Händler (eigentlich die Amme) und Nicola Mastroberardino (für den Rest des Abends Pater Lorenzo) begrüßen das Publikum als Totengräber. Und Julias letzte Worte sind „tot oder nicht tot“. Es geht eben um die Liebe eingerahmt vom Tod. Liebe extrem. Wobei sich der Zusammenhang von Liebe und Tod doch wohl in heutiger Wirklichkeit Gott sei Dank extrem selten stellt. Am intensivsten erlebt man dann auch Julia (Lea Ruckpaul) und Romeo (Vincent zur Linden), man spürt permanent die Anziehung beider zueinander, sehr gut, manchmal werden sie in ihren Gesprächen von Livemusik begleitet, die fast an Wagners Tannhäuser erinnert. Horngebläse …
Es sind viele Eindrücke, wenn man sich dieses „Klassikers par excellence“ einmal doch noch recht klassisch – dezent modernisiert – annehmen will. Weit modernisierter geht es dagegen etwa zurzeit in der Inszenierung „Romeo und Julia“ am Staatstheater Nürnberg und in der Live-Schalte „Mixtape“ dazu, vom Nürnberger Plärrer, Stadtzentrum, zu. HIER der Link zur Stückeseite der Inszenierung „Romeo und Julia“ von Joanna Praml am Staatstheater Nürnberg und HIER der Link zur Stückeseite von „Mixtape“ von Boris Nikitin ebenfalls am Staatstheater Nürnberg.
Hier noch zwei Fotos der Inszenierung am Residenztheater, der Inszenierung von Elsa-Sophie Jach.
Und hier der Trailer zur Münchner Inszenierung.
HIER der Link zur Stückeseite von „Romeo und Julia“ auf der Website des Residenztheaters.
In der vergangenen Woche war Premiere von „Sauhund“ an den Münchner Kammerspielen, basierend auf Lion Christs gleichnamigem Debut-Roman, der 2023 erschien. Es geht um München in den 80er Jahren, das damals besonders schillernde Szenenleben Münchens, Homosexualität und AIDS in dieser Zeit.
Es ist wieder eine Empfehlung! Feinfühlig schildert der Roman mit einer „einfachen“ Story, wie der in Wolfratshausen lebende homosexuelle junge Flori damals nach München wechselte, die Freiheit suchte, sein Leben suchte. Er „geriet“ – oder besser: „wollte“ – in die Homosexuellenszene, die damals in München so blühte. Er ging aber zunächst in der Großstadt unter und es wurde auch für ihn eine Konfrontation mit AIDS, ein Thema, dem sich die Stadt München und das Land Bayern damals besonders radikal „entgegenstellten“. „Sauhund“ ist aber kein politischer Roman, es ist keine politische Inszenierung. Der „kleine“ Werdegang von Flori aus Wolfratshausen wird geschildert, aber genau daran kann man viel erkennen.
Denn es geht nicht nur um AIDS in den achtziger Jahren! Es geht eben in dieser schönen Geschichte wie gesagt auch darum, wie der junge Homosexuelle aus Wolfratshausen, der Flori, sein Leben sucht, sich selbst sucht. Diese „Lebenssuche“ bleibt vielleicht, auch wenn sich das Thema AIDS im Laufe der Jahre entschärft haben mag, besonders für Homosexuelle ein besonderes Thema! Dafür schafft „Sauhund“ ein Bewusstsein auch für heute, das schaffen die drei SchauspielerInnen wirklich wunderbar.
Es ist eine ruhige Inszenierung, nichts Aufbrausendes, mit schönem Lokalkolorit in den Dialogen vor allem, in den Alltagssituationen und mit Floris mitschwingendem Bezug zu seiner Herkunft, seiner Mutter, der Freundin Theresa, seinem ersten Freund Gregor, auch wenn er sich ja von ihnen durch seinen Wechsel nach München und durch sein Leben in München distanziert. Man kann Flori in seiner verwirrenden Lage emotional gut folgen!
Passend zu Ruhe der Bühnenfassung werden alle im Roman erscheinenden Figuren von nur drei SchauspielerInnen dargestellt, nicht mehr: Von Annette Paulmann, Elias Krischke und Edmund Telgenkemper. Es ist ein Genuss, dieses Trio so zusammen zu sehen, ein großartiges Trio! Die Erfahrenen, Annette Paulmann – in ihr so gut passenden Paraderollen – und Edmund Telgenkemper – wandelungsfähig wie immer – geben den auftreten Personen ganz erstaunlich sofort ihre Farbe, ihren Charakter – sie müssen fast nur auf der Bühne erscheinen, müssen garnichts sagen. Der Neuere im Ensemble, Elias Krischke als Flori, braucht und hat dagegen mehr Zeit, seinen Flori zu entwickeln, was eben am Roman liegt. Auch das macht er aber großartig!
Es passt auch schon die Kostümierung: Nicht übertrieben, eher dezent an die damalige Zeit erinnernd (Kostüme: Jaqueline Elaine Koch), Alltagskleidung der 80er-Jahre.
Das Politische in dieser Zeit in Bayern und München, der krasse Umgang mit AIDS, kommt zur Geltung, bleibt aber – wiederum passend – klar im Hintergrund. Auf Videoleinwänden sind im Hintergrund Fotos und Videos zu sehen, die das Thema berühren. Gauweiler und Seehofer sind nicht zu sehen, dafür Münchner Demonstrationen. Man hat es vielleicht vergessen oder in der damaligen Gegenwart garnicht genau beachtet, wie das Thema AIDS hier anfangs behandelt wurde. „Wegsperren“ …! Dies hier noch einmal im Hintergrund angedeutet zu sehen und am Flori „hautnah“ das Thema (ohne konkrete Konfrontation mit dem Politischen) zu erleben, ist ein Verdienst des Stückes auch für den heutigen Umgang mit AIDS. Wir erkennen eben die Gegenwart immer erst im Nachhinein.
Insgesamt und vor allem: Schauspielerisch ist „Sauhund“ eine wahre Freude!
Hier noch ein Bild der Inszenierung:
Copyright der Fotos: Armin Smailovic
HIER der Link zur Stückeseite von „Sauhund“ auf der Website der Münchner Kammerspiele.
Parallelen: Beide Bühnenfassungen haben einen köstlichen Roman zur Grundlage, da mussten es die Bühnenfassungen es erst einmal schaffen, den jeweils sehr eigenen Humor und die spezielle Stimmung „rüberzubringen“, um „anzukommen“.
Beide Romane sind wenige Jahre alt. Beide Romane und damit auch beide Bühnenfassungen sind außerdem sehr ähnlicher Machart: Eine Hauptperson wendet sich an den Leser/das Publikum und erzählt ihre Erlebnisse – auf der Bühne szenisch ergänzt und umgesetzt. Ein schönes Duo zweier Theaterbesuche, eine Art „Double Feature“.
Die eine der beiden Erzählungen schildert die Welt des Schauspielschülers Joachim Meyerhoff in „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke!“, noch zu sehen am Metropoltheater. Es geht um die Otto-Falckenberg-Schule, die Schauspielschule der Münchner Kammerspiele. Die andere Erzählung erzählt aus der Sicht des „besten Freundes eines Eigentümers eines Medienhauses“ mit Hauptsitz in Berlin, in Benjamin von Stuckrad-Barre‘s „Noch wach?“, noch zu sehen am Münchner Zentraltheater, man denkt an den Springer-Verlag, an die BILD-Zeitung.
Hinter beiden Romanen stecken persönliche Erfahrungen. Joachim Meyerhoff hatte im Alter von 20 Jahren seine Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule absolviert, Benjamin Stuckradt-Barre hat in seinem turbulenten Leben seine Einblicke in die Medienwelt vor allem bei einer Musikzeitschrift (Zeitschrift Rolling Stone), im Fernsehen (zunächst für die Harald Schmidt Show, dann für Einiges mehr), aber auch in einigen anderen Medienbereichen gewonnen. Also:
Zunächst zu Joachim Meyerhoffs „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke!“:
Es ist eine Wiederaufnahme am Metropoltheater in München-Freimann. Der Roman erschien 2016 – als dritter Teil einer auf vier Romane angelegten Erzählung von Meyerhoffs Vergangenheit. Man hat meist davon gehört, wenn nicht es gar gelesen: Meyerhoff erzählt autobiografisch, sicher aber auch fiktional skurril von seinem Wechsel nach München, wo er – aus dem hohen Norden kommend – in die Schauspielausbildung an der Münchner Falkenberg-Schule „hineinschlitterte“.
Skurril ist der Roman nicht deswegen, weil Joachim Meyerhoff aus dem hohen Norden kommt, „culture clash“, sondern weil er für die Jahre der Schauspielausbildung bei seinen Großeltern in Nymphenburg wohnte. Skurril empfindet er dann nicht nur seine Großeltern, sondern gleich auch die Schauspielausbildung. Und so überspitzt, wie das Buch wohl ist (ich habe es noch nicht gelesen), ist auch die Inszenierung. Der Witz liegt wahrlich in der Zuspitzung der Umstände, denen sich der 20 Jahre junge Joachim Meyerhoff – sehr gut und passend und sympathisch dargestellt von James Newton – ausgesetzt sieht. Ein ständiges Hin und Her, die Schauspielschule einerseits und die Großeltern in ihrem edlen, skurrilen und vom Alkohol begleiteten Lebenswandel, beides wird auch auf der Bühne ständig gewechselt. Lucca Züchner etwa spielt ständig wechselnd die Großmutter und im nächsten Moment die ebenso skurrile Schauspiellehrerin.
Das Zugespitzte darf einem hier aber nicht zu weit gehen, die Szenen der Schauspielschule als auch die Szenen der Großeltern darf man nicht ernst nehmen (Ich glaube allerdings, man hätte die durchgehende Zuspitzung auch verstanden, wenn sie nicht so überdeutlich auf die Bühne transportiert worden wäre, wie es etwa Lucca Züchner und Thorsten Krohn als Joachims Großeltern, tun. Aber es mag am Roman liegen, der es natürlich gerade darauf anlegt!).
Nun gut, es bleibt eine köstliche Schilderung der absurden Jahre von Joachim Meyerhoff in München, vielleicht etwas zu sehr veralbert, bevor es für Meyerhoff als Schauspieler in den Norden und ans Burgtheater in Wien ging. Störend ist dementsprechend fast der sehr realistische Teil gegen Ende, in dem eben noch erwähnt wird, wie erfolgreich Joachim Meyerhoff dann wirklich noch wurde, entgegen aller ursprünglichen Hindernisse. Aber auch das wird der Roman sein.
An den Münchner Kammerspielen stellt Joachim Meyerhoff am 19. Juni übrigens seinen neuen Roman vor. Er kann ja sehr witzig schreiben.
Hier noch ein Foto der Bühnenfassung am Metropoltheater:
Von „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ gibt es ab heute, 07.06.2025, bis zur Sommerpause noch fünf Termine, HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Metropoltheaters in Freimann.
Nun zu Benjamin von Stuckrad-Barre‘s „Noch wach?“:
Mit anderem Humor, bissig-frech, rasant, ein Sittengemälde aus unserem modernen Leben, soll heißen aus dem Leben eines „Medienhauses“ und der „Medienmenschen“, geschrieben so, wie man spricht, mit gutem Blick für das Verhalten und die heutigen Sprech- und Handlungsweisen der Beteiligten, eigentlich von uns allen heute: So schrieb Benjamin von Stuckrad-Barre 2023 den Roman „Noch wach?“. Es geht um Machtmissbrauch, Machtstrukturen, #Meetoo, der „beste Freund eines Eigentümers eines Medienhauses in Berlin“ gerät in eine sich entwickelnde #Meetoo-Aktion vieler Mitarbeiterinnen an diesem Medienhaus. Beginnend mit der Weinstein-Affäre in Amerika. Dieses Buch habe ich gelesen, ganz köstlich!
Es wird nicht leicht sein, diese rasante Geschichte, die im Buch – bei diesem ernsten Thema (ernster als bei Joachim Meyerhoff ) – von einer großen Portion Bissigkeit und Humor in jeder Zeile lebt, auf die Bühne zu holen. Es ist gelungen, an dieser so kleinen Bühne! Vor allem Benjamin Berger als der „Ich-Erzähler“ des Romans schafft das herrlich! Wieder einmal ist es auch herrlich, in einem so kleinen Theater so gute schauspielerische Leistung so nah erleben zu können! Eine Theaterfreude! Wobei: Jede(r) spricht fast jede(n) in der Erzählung des Geschehens, was manchmal nicht leicht zu verstehen ist, das Buch hilft! Und das Publikum davor und danach so hautnah und angenehm zu erleben, das hat für den Theaterfreund auch etwas.
Das Bühnenbild ist natürlich reduziert, aber auch für die Verhältnisse gut gemacht! Yana Robin La Baume – nicht zum ersten Mal am Zentraltheater – würde ich neben Benjamin Berger noch hervorheben wollen, ohne die übrigen Schauspielerinnen daneben schwächen zu wollen.
Sie schaffen es in einer ebenso rasanten Inszenierung von Beginn an, die Geschehnisse frech und zeitgemäß auf die Bühne zu bringen, so rasant, dass es fast anstrengend wird. Sowohl im Buch, als auch auf der Bühne ist dann nur festzustellen, dass gegen Ende der Geschichte – in der Bühnenfassung mit Pause – der Humor leider etwas abnimmt und eher die Entwicklung der Geschichte relevant wird. Da gewinnt die Schnelligkeit auf der Bühne die Oberhand über den Humor der ersten Hälfte.
Das Stück ist am Münchner Zentraltheater noch zweimal zu sehen, am 01.07. und am 02.07.. Es lohnt sich, es ist eine Geschichte zu Verhältnissen, die so oder ähnlich bei uns möglicherweise oft unter den Tisch gekehrt werden.