Das Zentraltheater hat diesmal richtig aufgedreht! So viel Bühnenbild hatten sie bisher nicht! Aber sie haben es geschafft, auf der ja wirklich kleinen Bühne ohne Umbau gleichzeitig mehrere Spielorte entstehen zu lassen.
In diesem Stück müssen zwangsläufig verschiedene Orte gezeigt werden, anders wird es kaum gehen. Das wurde bühnentechnisch wirklich gut gelöst – auch mit gelungener Aufteilung der Bühne durch eine kleine im hinteren Teil stehende „Trennwand“ (hinter der und durch die immer wieder schnelle Verwandlungen und sofortige Ortswechsel möglich sind) und unter kurzer Einbeziehung des Zuschauerraumes sogar (Kostüm und Bühne von Andrea Uhmann).
Man kennt ja den Film „Schtonk“ (Regie Helmut Dietl), in dem der wohl eher mittellose Fritz Knobel es schafft, über den Reporter Hermann Willié insgesamt 60 gefälschte Tagebücher von Adolf Hitler an das Magazin HHpress zu verkaufen. Die deutsche Geschichte müsse umgeschrieben werden, heißt es dann auf einer Pressekonferenz. Der Film war ja besetzt mit lauter großen Namen, Uwe Ochsenknecht, Götz George, Christiane Hörbiger, Harald Juhnke, Veronica Ferres, Ulrich Mühe.
HIER ein köstlicher fast zehnminütiger Zusammenschnitt des Films. Es gibt einige schöne Trailer zum Film.
Schtonk ist auf der Bühne höchst selten zu sehen! Dem Münchner Zentraltheater ist es vor allem durch herrliche SchauspielerInnen-Leistungen gelungen, diese ja recht rasante und bunte Geschichte quasi etwas „verkürzt“ gut auf die Bühne zu bringen. Die SchauspielerInnen übernehmen dabei jeweils mehrere Rollen, in die sie auch durch Wechsel der Kleidungsstücke (die Trennwand!) und passende sprachliche Änderungen wunderbar hineinrutschen. Franz Xaver Zeller steht in der Rolle des Fälschers Fritz Knobel natürlich im Mittelpunkt, er spielt ihn (und seine anderen Rollen) herrlich, neben Gerd Lohmeyer, Mara Widmann, Chiara Piu und sehr kurz Valentin Schmidt, deren Leistungen man durchweg in diesem kleinen Theater gerade durch die Nähe zur Bühne bestens erleben kann! Immer wieder: Der Spaß am nahen Erlebnis guter schauspielerischer Leistungen im Zentraltheater in der Paul-Heyse-Straße trägt das Erlebnis!
Schön auch, dass die Prägnanz dieser Satire durch manche wörtliche Übernahme des Textes aus den Film so gut beibehalten wird (Hitlers „Blähungen“, das nötige „Umschreiben der Geschichte“, Hitlers Hoffnung auf „Karten für die Olympischen Spiele für Eva“ und und und).
Es ist eine Komödie, man wird kaum mit einem ernsten Hintergrund konfrontiert, abgesehen vielleicht davon, dass in der ein oder anderen Person des Stückes ja doch eine versteckte „Hitler-Begeisterung“ oder „Nazi-Begeisterung“ aufkommt, was in „Schtonk“ natürlich humorvoll und satirisch ausgespielt wird. Das geht aber schnell, ging ja auch 1983 schnell, als das Magazin Stern tatsächlich einmal glaubte Hitler-Tagebücher gefunden zu haben.
Hier noch ein Bild der Aufführung:

HIER der Link zur Website des Zentraltheaters. Die noch kommenden Termine siehe oben im Beitragsbild. Die von mir besuchte Aufführung wurde sogar von einer größeren Schulklasse aus Überlingen am Bodensee besucht!
Copyright des Fotos: Lea Mahler