Er ist ja irgendwie ein bemerkenswerter Künstler. Der Österreicher Hubert von Goisern. Geboren in Goisern mit Namen Hubert Achleitner. Die Website von Hubert von Goisern ist HIER. Auch seine Biografie kann man hier finden. Viel gereist, immer interessante Aktivitäten. Und 2023 war er wieder auf Tour.
Ich hatte schon vor Jahren hier im Blog seinen Song „Weit weit weg“ gebracht. HIER. Gesungen war der Song mit seiner musikalischen Partnerin Zabine. Hier nun „Da Juchitzer“!
Es gibt einige Versionen vom Da Juchitzer. Die vielleicht beste Version: Aus dem Live-Doppelalbum „Wia die Zeit vergeht“, Mitschnitt eines Konzerts von 1994 im Circus Krone in München. Es war das letzte Konzert seiner damaligen Band „Die Alpinkatzen“.
In meiner Musikauswahl muss natürlich auch einmal „The Köln Concert“ von Keith Jarrett erscheinen! Wer kennt die Aufnahme nicht, vor allem den ersten Teil. Hier ist die Originalversion, damals als LP bekannt. Die Aufnahme war lange Zeit auf YouTube nicht zu finden, jetzt habe ich sie gefunden!
Erst zu Keith Jarrett (1.), dann unten noch zu Trajal Harrell (2.):
1. Zu Keith Jarrett:
So sah er damals aus (Kölner Konzert und Foto sind von 1975):
Photographer uncredited and unknown.
Wikipedia schreibt allgemein zu Keith Jarretts Köln Concert:
Keith Jarrett … hat vor allem durch seine frühen Solo-Konzerte maßgeblich die Vorstellung vieler Menschen von zeitgenössischer Improvisation beeinflusst. … Die Platte mit ihrem markanten weißen Cover war in vielen Haushalten zu sehen und „zierte die Plattenschränke jener Zeit wie die Poster von Che Guevara in Studentenbuden ein Jahrzehnt zuvor.“ [2] Sie ist nach wie vor Jarretts bekannteste Plattenaufnahme.
Und die schöne Geschichte zu den schwierigen Umständen des Kölner Konzerts am 24. Januar 1975 in der Kölner Oper:
Die Einspielung des Köln Concert fand unter extrem widrigen Umständen statt. Der Musiker hatte die Nacht zuvor fast nicht geschlafen, da er seit dem frühen Morgen mit seinem Produzenten Manfred Eicher im klapprigen R4 von einem Konzert in der Schweiz angereist war. Der eigentlich ausgesuchte Bösendorfer-290-Imperial-Konzertflügel war verwechselt worden, es stand ein Bösendorfer-Stutzflügel bereit, der nur für die Probenarbeit verwendet wurde, verstimmt war und bei dem die Pedale und einige Tasten klemmten. Sein Essen vor dem Konzert kam erst eine Viertelstunde vor der Rückkehr ins Opernhaus.
Nur auf ausdrückliche Bitten der lokalen achtzehnjährigen Veranstalterin Vera Brandes war Jarrett bereit, doch aufzutreten.[4][5] Brandes konnte zwar in letzter Minute einen hochwertigen Flügel einer benachbarten Musikschule akquirieren, dieser hätte jedoch durch den notwendigen Transport bei niedrigen Temperaturen im Regen über den Neumarkt arg gelitten, so dass letztlich doch der Stutzflügel zum Einsatz kam.[6] Das Team hatte die Live-Aufnahme bereits streichen wollen, als sich die Tontechniker darauf einigten, das mit rund 1400 Zuhörern ausverkaufte Kölner Konzert schließlich doch für interne Zwecke mitzuschneiden: Keith Jarrett passte das musikalische Geschehen dem Instrument an und beschränkte sich weitgehend auf die mittleren und tiefen Tonlagen, wobei er wiederholende Muster bevorzugte.
HIER erzählt Keith Jarrett Jahre später über die Schwierigkeiten in Köln.
Zu Improvisationen und Solokonzerten sagt er:
„Es ist immer wieder, als würde ich nackt auf die Bühne treten. Das Wichtigste bei einem Solokonzert ist die erste Note, die ich spiele, oder die ersten vier Noten. Wenn sie genug Spannung haben, folgt der Rest des Konzerts daraus fast selbstverständlich. Solokonzerte sind so ziemlich die enthüllendste psychologische Selbstanalyse, die ich mir vorstellen kann.“
2. Zu Trajal Harrell:
Manche kenne ihn aus Münchner Zeiten in den Kammerspielen in der Zeit von Matthias Lilienthal. Er macht sehr schöne Tanzproduktionen mit Musik. Immer wieder liest man positiv über seine Produktion „The Köln Concert“, die schon 2020 Uraufführung hatte. Es ist eine Produktion, die am Schauspielhaus Zürich entstand. HIER der Link. Und HIER die schöne Besprechung der Produktion auf nachtkritik.de. Er hat mit dieser Produktion heute noch Gastspielaufführungen, zuletzt am 02.08.2023 auf dem „Vienna International Dance Festival“ „ImpulsTanz“.
Trajal Harrell ist Hausregisseur am Schauspielhaus Zürich und leitet eine Tanzkompanie, das „Schauspielhaus Zürich Dance Ensemble“. Mit diesem hat er auch The Köln Concert produziert. Er mischt ja immer Tanz mit dem Posing von Models.
Hier noch ein Video zu dieser Produktion, beginnend mit Gesang von Joni Mitchell, die Trajal Harrell für diese Produktion auch einsetzt.
Sie war eine so besondere und auch so hübsche Frau! Sie legte sich eigentlich immer quer, war alles andere als angepasst. Und sie hatte ein so verdammt schweres Leben! Siehe kurz dazu unten! Zuletzt, vor etwas mehr als einem Jahr, hatte sich etwa ihr Sohn Shane umgebracht! Heute gab ihre Familie bekannt: Sinead O‘Connor ist – im Alter von nur 56 Jahren – gestorben.
Ihr Welterfolg war „Nothing Compares 2U“. Ich hatte den – von Prince geschriebenen – Song hier bereits gebracht. Hier ist er nun noch einmal in einer tollen Liveversion aus ihren jüngeren Jahren. Allein, dass sie dort barfuß singt! Es muss auf einem Konzert in Chile gewesen sein, von dem ich schon einen Song von Peter Gabriel gebracht hatte, „Biko“. Wenn ich eine Frau (geworden) wäre, wäre ich gerne sie gewesen, in diesem Moment, mit diesem Song, auf diesem Konzert, so wie sie es bringt. Hier Sinead O‘Connor:
2021 zog sich die weltbekannte irische Sängerin aus dem Musikgeschäft zurück. Den Schritt begründete sie damals damit, sie sei älter und müder geworden. Im selben Jahr erschienen ihre Memoiren, „Rememberings“. In ihnen erzählt sie unter anderem von Misshandlungen in ihrer Kindheit. Im Januar 2022 starb dann einer von Sinead O’Connors drei Söhnen, Shane – mit 17 Jahren. Laut der Sängerin beging er Selbstmord. Vielleicht hat sie das nicht überwunden! Sie sagte über ihn: Er war die Liebe meines Lebens, das Licht meiner Seele. Wir waren eine Seele in zwei Hälften. Er war der einzige Mensch, der mich jemals bedingungslos geliebt hat.“
Das Haus der Kunst in München geht ja seit einiger Zeit unter der Leitung des künstlerischen Direktors Andrea Lissoni interessante Wege. Es ist längst nicht mehr nur Ausstellungsfläche für bildende Kunst, es geht hin zu einem „Kunstzentrum“, wie es heißt. Musik spielt dabei eine große Rolle. Oder sagen wir besser: Sounds, Töne, Grenzbereiche der Musik.
So hatte ich schon mehrfach über die Veranstaltungsreihe TUNE im Haus der Kunst geschrieben. HIER etwa. In so genannten „Sound Residencies“ erkunden hier Künstler die Grenzen von Musik, die Einflüsse und die Wirkungen von Tönen. Teilweise sind es – schwer zu erkennen – „akustische Antworten auf die Ausstellungen im Haus der Kunst“, wie es auch heißt. Die Reihe geht bereits ins dritte Jahr, der nächste Termin ist am 6. Oktober. HIER der Link zur Veranstaltungsseite TUNE.
Und jetzt: Zum zweiten Mal gibt es an diesem Wochenende die Performancereihe ECHOES. HIER der Link zur Veranstaltungsseite von ECHOES auf der Website des Hauses der Kunst. Es begann gestern abend, Freitag, 21. Juli, und setzt sich fort mit Veranstaltungen heute und morgen, Samstag/Sonntag, 22. und 23. Juli. Bei ECHOES spielt die Stimme eine entscheidende Rolle, bei TUNE der Sound. Hier das verbleibende Programm von ECHOES:
Beide Reihen entwickeln sich zu einem Treffen von vor allem jungen Menschen. Was mir auffällt: Es geht hier auf keinen Fall um „Musikgeschmack“. Man geht danach nicht raus und sagt sich: „Die Musik hat mir gefallen“ oder „Die Musik hat mir nicht gefallen.“ Die Kategorien „Gefallen“ oder „Geschmack“ spielen hier ansich keine Rolle. Es kann bei diesen Veranstaltungen kaum geteilte Meinungen geben, das prägt die Atmosphäre, man hat eben etwas erlebt, fertig. Insoweit ist es unweigerlich eine Art Gemeinschaftserlebnis, wobei es jeder natürlich anders erlebt. (Ist ja selten heute, man grenzt sich ja ständig vom Anderen ab. Der Andere hat immer unrecht und so.)
Man wird also bei ECHOES einfach auf lockere Art und Weise (im großen Westflügel des Hauses der Kunst) eine Erfahrung sammeln. Eine Erfahrung aus dem Grenzbereich von Musik und Tönen und Stimmen. Musik ist ja im Grunde immer von Grenzen gefangen, Stil, Rhythmus, Text, etc. Umso mehr ist es wert, all diese Grenzen einmal abzulegen, in gewisser Weise zu sprengen.
Gestern waren es zwei Veranstaltungen:
Zum Einen die Auseinandersetzung mit Housemusik der späten 80er/frühen 90er Jahre, eine Performance von Luis Garay, Slim Soledad und Nicolas Brummer.
Zum Anderen ein Konzert von Lyra Pramuk, in dem sie ihre eigene Stimme (ohne Text) meist mit synthetischen Klängen so verbindet, dass beides weitgehend verschmilzt.
Hier ein Foto des künstlerischen Direktors Andrea Lissoni:
Copyright: Maximilian Geuter
Nachtrag: Hier eine Impression von Samstag Abend, DEBIT:
DEBIT’s neues Album The Long Count kann auf SoundCloud gehört werden. HIER.
Hier außerdem eine Impression von Sonntag, Kiani del Valle und Hamill Industries:
Gegründet wurde „Einstürzende Neubauten“ von Blixa Bargeld schon 1980! Es gibt sie aber immer noch! Sie arbeiten gerade an einem neuen Album, das noch dieses Jahr erscheinen soll. Die Gruppe hatte in früheren Jahren teilweise auch – lese ich – mit Theater zu tun!
Sie beteiligte sich – lese ich weiter (schade, habe ich nicht erlebt) – an Theater- und Hörspielprojekten, 1986 bei Peter Zadek im Hamburger Schauspielhaus, 1987 bei einer Hörspielinszenierung des Fatzer-Fragments von Bertold Brecht Heiner Müllers für den Rundfunk der DDR, 1990 bei der Hamletmaschine von Heiner Müller, 1994 bei Faust von Werner Schwab sowie 2000 am Schauspielhaus Bochum bei John Gabriel Borgman von Henrik Ibsen in der Regie von Leander Haußmann. Dann wohl leider nicht mehr. Schade, sie sind so schön schräg. Andererseits schwer anzuhören!
Es ist kaum zu glauben: Die Aufnahme ist bald 50 Jahre her, 47 Jahre alt genau genommen. Sie entstand 1976 in Montreux. Geboren ist Nina Simone am 21. Februar 1933, beim Montreux-Konzert war sie also 43 Jahre alt.Nina Simone ist am 21. April 2003, also im Alter von 70 Jahren, vor fast genau 20 Jahren, gestorben.
Sie nannte sich übrigens mit Nachnamen „Simone“, da sie ein Fan der Schauspielerin Simone Signoret war.
Diese Aufnahme hier (der Song „Stars“) erscheint mir als besonders. Es gibt auch eine längere interessante Videoversion dazu auf YouTube, hier aber die kürzere. Und ACHTUNG:
Das Konzert von Nina Simone vom Jazz-Festival Montreux 1976 ist noch bis zum 30. Mai 2023 auf ARTE.tv in voller Länge zu sehen!HIERder Link!
Zwei große Themen prägten vielleicht das Leben von Nina Simone: Sie war zum Einen eine prägende Figur der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den 70er-Jahren. Und sie war vielleicht insgesamt eine eher komplizierte Person, hatte ein schwieriges Leben, viele Krisen, war mehrfach verheiratet und und und. Zuletzt lebte sie in Südfrankreich.
Bestehend aus der Sängerin Hannah Reid (* 30.12.1989), dem Gitarristen Dan Rothman (* 23.09.1989) und dem Schlagzeuger/Keyborder Dominic Major (* 23.02.1991). Mehr kann ich kaum sagen. Man nennt sie „britische Indie-Pop-Band“. Der Song America stammt vom aktuellsten Album der Band, Californian Soil, erschienen in 2021.
Hier die Lyrics:
And I hope that you find it, all that you need I hope that you stay young and wild and free You′ll have America And I hope that you’re better than all of your friends I hope that they hold you until the end You can have America, hmm
But all of our time chasing America But she never had a home for me All of our time chasing a dream, hmm, hmm, hmm A dream that meant nothing to me
And see where I found you where they all lay All of the greats, they are here to stay Here in America And I hope that you find it, all that you are I hope that it sets you apart In the heart of America, hmm, hmm
But all of our time chasing America But she never had a home for me, hmm, hmm, hmm All of our time chasing a dream, hmm, hmm, hmm A dream that meant nothing to me
And all the parties, they fade And yes, my looks, they′ll go away I’ll just be left here in America But she never had a home for me
HIER der Link zur offiziellen Website von London Grammar.
Theater und Musik. Wie im Beitrag zuvor. Heute: Ich war ja kürzlich im Münchner Metropoltheater, hatte mir das Stück „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ angesehen. HIER mein Beitrag dazu. Es ging um Liebe, um die Unmöglichkeit der Liebe. Es sind immer zwei Welten, wie die beiden Koreas. Die ca. 20 verschiedene Szenen zu diesem Thema waren immer wieder unterbrochen durch Musik von Asaf Avidan.
Auch Asaf Avidan hat Lieder zu diesem Thema geschrieben. Hier eines davon.
Den Album-Titel Different Pulses wählte Asaf Avidan auch wegen des das Album durchziehenden Grundthemas: Der Suche nach Liebe, Frieden und/oder Sicherheit in dem Wissen, diese nie zu finden, weil es immer verschiedene Impulse/Pulsschläge gibt, die sich nie ganz synchronisieren lassen.
HIER der Link zur offiziellen Website von Asaf Avidan.
Der Song „Salt Coast“ von Kae Tempest bildet den Abschluss des Abends Anti•gone, über den ich kürzlich geschrieben hatte. HIER der Beitrag.Er passte stimmungsmäßig – kleine Seifenbläschen schwebten auf das Publikum herab – zu diesem Abend. Jetzt noch der Song.
Kae Tempest sei eine „Ausnahmeerscheinung“, heißt es. Jung ist sie, die Britin, 1985 geboren, nonbinär, sie hieß zuerst Kate Tempest, änderte es dann in Kae Tempest und wechselte von „she“ zu „they“, trägt statt langer Haare jetzt kurze Haare. Kae Tempest sind (!) im Grunde Lyrikerin, die ihre Texte sehr eigen als „Spoken Word“ mit Musik verbinden.
„Salt Coast“ ist ein Song – released im Februar 2022 – aus dem dann im April 2022 erschienenen Album The Line Is a Curve. Es ist ein Song – bzw. Text – über Großbritannien, über die heutige Welt der „Britishness“, über den Stolz, ein Brite zu sein. Kae Tempest selbst sagten dazu im Frühjahr 2022:
„My love song to this complex, devastating, deeply beautiful island Salt Coast is out now. This song means the world to me. Hope you feel it.“
Sie findet viele Worte! Die alles andere als einfachen und kurzen Lyrics von „Salt Coast“ (das Video ist am Ende des Beitrags!):
Salzküste, übler Wind
Salt coast, foul wind
Alte Geister, Altblech
Old ghosts, scrap tin
Blätter, Regen
Leaves, rain
Blätter, Regen
Leaves, rain
Salzküste, übler Wind
Salt coast, foul wind
Alte Geister, Altblech
Old ghosts, scrap tin
Blätter, Regen
Leaves, rain
Blätter, Regen
Leaves, rain
Alle verkleidet und nirgendwo hin
All dressed up with nowhere to go
Ich liebe deine am Ärmel ziehende Nervosität
I love your sleeve-pulling nervousness
Ich liebe die Art, wie du an deinen Rändern zu Kreide zerbröckelt
I love the way you crumble into chalk at your edges
Ich liebe die Art, wie du in einen endlosen Himmel eintauchst
I love the way you fade into a sky that is as endless
Als Ihre Bereitschaft, es zu versuchen
As your willingness to try
Mach weiter so und es wird besser
Keep going and it will get better
Ich liebe die Art, wie du dich bemühst, klar zu werden
I love the way you push to get clear
Ich liebe die Art, wie du tanzt, um stark zu werden
I love the way you dance to get strong
Alt
Ancient
Glatter Lehm, felsig, nasser Sand, moosbewachsen
Slick clay, rock-formed, wet sand, moss-borne
Was kam vorher
What camе before
Und was kommt danach
And what will come aftеr
Unter den geordneten Warteschlangen, der schlechten Laune, den schönen Aussichten
Beneath the orderly queues, the bad moods, the nice views
Die Habenichtse und Habeauchse, die Nachtschichten in flachen Schuhen
The have-nots and have-toos, the night shifts in flat shoes
Die weggeworfenen Masken, die leeren Tuben
The discarded masks, the empty tubes
Die Erkältung, die Grippe, die Roten
The colds, the flus, the reds
Der Blues, das Buy-to-let, das Play-to-lose
The blues, the buy-to-let, the play-to-lose
Das weiße Ass, die graue Gans, der Michelin-Stern, das Fast Food
The white ace, the grey goose, the Michelin-starred, the fast food
Die glatten Lügen, die seltsame Wahrheit
The straight lies, the strange truth
Ich kann das tiefe Krächzen deines fröhlichen Lachens hören
I can hear the deep rasp of your laughter, joyful
Unter den unterdrückten Ressentiments
Beneath the stifled resentments
Und Mikroaggressionen
And micro-aggressions
Alles Teil des Gewebes
All part of the fabric
Die Spannung ist so eng gewebt, dass sie sich ihrer Dimension widersetzt
The tension woven so tight it defies its dimension
Das sehen-aber-nicht-fühlen
The see-but-don’t-feel
Das wissen-aber-nicht-erwähnen
The know-but-don’t-mention
Da bist du ja
There you are
hedonistisch, selbstzerstörerisch, unsicher
hedonistic, self-destructive, insecure
Versuche, von den Fehlern wegzukommen, die du zuvor gemacht hast
Trying to get away from the mistakes you’ve made before
Salzküste, übler Wind
The see-but-don’t-feel
Alte Geister, Altblech
Old ghosts, scrap tin
Blätter, Regen
Leaves, rain
Blätter, Regen
Leaves, rain
Alte Geister, Altblech
Old ghosts, scrap tin
Salzküste, übler Wind
Salt coast, foul wind
Blätter, Regen
Leaves, rain
Blätter, Regen
Leaves, rain
Aufbruch in den Wandel
Veering into change
Ich schätze deine Bemühungen
I appreciate your efforts
Anerkennung deines Privilegs
Acknowledging your privilege
Aber anfällig für Rückschritte
But prone to back-stepping
Sicher, unsere Zukunft wird nicht an unserer Vergangenheit gemessen
Sure, it’s not by our past that our future will be measured
Genau in dem Moment, in dem wir zerzaust hineinfallen
It’s by the very moment that we’re slumping in, dishevelled
Sechs Stunden in einer TV-Show, die nach Pizza schmeckt
Six hours in to some TV show that tastes like the feeling of pizza
Ich weiß, wonach du greifst
I know what you reach for
Alle verkleidet und nirgendwo hin
All dressed up with nowhere to go
Auf einer Bank sitzen und darauf warten, dass sich ein Weg öffnet
Benched, waiting for a path to open up
Warten auf etwas, das dich alt genug machen könnte
Waiting for a thing that might make you old enough
Um in die Kneipe zu kommen
To get into the pub
Wo Menschen auf die verlorene Jugend trinken
Where people drink to lost youth
Ich sehe dich, wie du den Kies in deiner Luft max kratzt
I see you, scraping the gravel in your air max
So schön, so chaotisch, so geerdet
So beautiful, so chaotic, so grounded
Heim
Home
Beton und Lehm
Concrete and loam
Ziegelmehl und Kredite
Brick-dust and loans
Holzboden
Wood-floors
Bildschirmtüren
Screen-doors
Und einen eigenen Ort
And a place of your own
Zahl es für den Rest Ihres Lebens ab, aber wer fragt danach? Pay it off the rest of your life, but who’s asking?
Unruhig, die feuchte Nacht naht
Restless, the damp night approaching
Zu lange auf den Beinen
Too long on your feet
Hitze destillieren
Distilling the heat
Jetzt willst du frei sein
Now you want to be free
Von der Belastung dessen, was in deinem Namen getan wurde
From the strain of what’s done in your name
Jeder einzelne Zentimeter von dir ist jemandes Anspruch
Every single inch of you is somebody’s claim
Der bekannte Refrain
The familiar refrain
Von ihrer Herrlichkeit und deiner Schande
Of their glory and your shame
Sie wollen einfach nur in Bewegung bleiben, die enthaltene Energie
You just want to keep moving, the energy contained
Schwappt heraus und macht dir Ärger
Is spilling out and making trouble for you
Nichts ist das gleiche Nothing is the same
Du bist unter der Last des Leidens und Gehorchens herausgekommen
You got out from underneath the weight of suffer and obey
Die Tyrannei und der Hass von Britannia regiert die Wellen
The tyranny and hate of Britannia Rules the Waves
Und jetzt schwingst du deine Hüften, während du die Gasse hinunter stolzierst
And now you swing your hips as you go strutting down the lane
Ich möchte mir nicht anmaßen, etwas über Monolink zu sagen. CERCLE schon eher. CERCLE organisiert für Musiker, hauptsächlich DJs, Liveauftritte, die (jeweils montags) auf Facebook gebracht werden. Es sind Konzerte an ganz speziellen, „sorgsam ausgewählten“ Orten auf der Welt. Ich bin nun auf den Auftritt von Monolink gestoßen, ein „Konzert“ (wieder ohne Publikum), das auf einer der Inseln der Malediven gegeben wurde.
HIER zumindest der Link zu einer kurzen Biografie und Beschreibung von Monolink. Der Musiker hinter Monolink heißt Steffen Linck, er ist geboren in Hamburg, lebt offenbar in Berlin. Als DJ, Singer und Songwriter ist er offenbar erfolgreich.
Das Konzert von Monolink von den Malediven lässt sich meines Erachtens als Begleitmusik über die gesamte Zeit (etwa eindreiviertel Stunden) mitlaufen. Schöne Musik.
HIER noch einmal der Link zur Reihe „CERCLE – Timeless Music“. CERCLE veranstaltet jedes Jahr (im Mai) ein „CERCLE Festival“, dieses Mal – glaube ich – irgendwo in Frankreich. Ich werde dranbleiben.
Am vergangenen Samstag im Haus der Kunst: Ein weiterer Nachmittag (17.00-19.00) der Reihe TUNE. Es sind interessante „Soundresidencies“, Experimente mit dem Umgang mit Musik und Sound, gemeint als Ergänzungen zu den laufenden Ausstellungen des Haus der Kunst in München. Auf der Website des Haus der Kunst heißt es dazu:
TUNE … zwischen den Feldern Sound, Musik und visuelle Kunst angesiedelt … genre-, epochen- und stilübergreifend … klangliche Beiträge, die im Dialog mit dem aktuellen Programm des Haus der Kunst stehen.
Dieses Mal gab Alvin Curran einen Beitrag. Es hieß zu seiner Soundresidency:
TUNE rückt Alvin Currans Lebenswerk in den Fokus. Zu hören und zu sehen sind im Rahmen seiner Residency zwei Liveauftritte, eine Filmvorführung und ein Künstler*innengespräch. … Komponist, Performer, Improvisator und Mitbegründer des revolutionären Kollektivs Musica Elettronica Viva (MEV). Sein musikalischer Werdegang begann Mitte der 1960er-Jahre in Rom … entwickelte er … radikale Ideen einer „unwillkürlichen“ Musik … revolutionierte damit die Bedingungen, unter denen sie entsteht und zur Aufführung gelangt … entdeckte er Musik in allen Gegenständen und allen Menschen … komponierte er für die Avantgarde-Theaterszene in Rom … arbeitete an Solo-Stücken für Synthesizer und Stimme, auf Kassette aufgenommene Sounds und gefundene Objekte … erschloss er neue Räume für die Musik … schuf Konzerte für Seen, Häfen, Parks, Gebäude, Steinbrüche und Höhlen.
Man konnte es in der Tat nicht „Musik“ nennen. Das aber wiederum war das Erfreuliche: Weg von musikalischen Gewohnheiten – hin zu den absurden Grenzen des Sounds.
Seine Soundresidency bestand aus zwei Teilen:
Erster Teil: When There is No More Music to Write, and Other Roman Stories … Film des Künstlers und Filmemachers Eric Baudelaire … in Zusammenarbeit mit Alvin Curran entstanden. Film und Sound. Der Film zeichnet das Bild einer Zeit in Italien, die von den Erschütterungen revolutionärer politischer Strömungen geprägt war. Dieses Zeitgeschehen wird wiederum bestimmender Faktor für Currans Zugang zur „Musik“.
Zweiter Teil: Seine Performance Endangered Species, an der auch Musiker*innen der Hochschule für Musik und Theater München beteiligt waren. Etwas wie John Cage. Besonders bei diesem zweiten Teil könnte man sagen: Es war die konsequente und extreme Zerstörung von Musik, die Reduktion von Musik auf rein emotional gefundene Sounds. Interessant aber, weil das eigene Hörverhalten ständig überrumpelt wurde. Man merkte, wie man an Gewohnheiten hängt, versuchte ständig, auch nur irgendeine Tonfolge zu entdecken, die einem irgendwie Halt gab. Es geht eben viel mehr mit Musik und Sound, als man gewohnt ist. Insoweit verschaffte dieser Auftritt wieder ein gesteigertes Gefühl von Freiheit: Weg mit Gewohntem, weg von jeder Art „kommerzieller“ Musik.
Die Reihe TUNE wird fortgesetzt, HIER der Link zur Seite von TUNE.
Man hörte in diesen Tagen wieder etwas weniger davon. In den letzten Monaten wurde im Iran recht heftig gegen das islamische Regime und für Frauenrechte, aber auch allgemein für mehr Menschenrechte demonstriert. Auslöser der Demonstrationen war der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini Mitte September.
Die Sittenpolizei hatte sie wegen ihres angeblich „unislamischen Outfits“ festgenommen. Was mit Amini danach geschah, ist unklar. Sie fiel ins Koma und starb am 16. September in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben.
Dann kam es zu Demonstrationen. Und dann veröffentlichte der junge iranische Musiker Schervin Hajipour einen Song, in dem er die Forderungen der hauptsächlich jungen Demonstrierenden musikalisch zusammenfasst.
Den Songtext hat Schervin Hajipour aus Online-Kommentaren von iranischen Demonstranten zusammengesetzt, in denen sie begründen, warum sie auf die Straße gehen. „Für die Sehnsucht nach einem normalen Leben, für Tanzen auf den Straßen, für Küssen ohne Angst, für die verrosteten Köpfe“, lauten Teile des Songs.
Das Lied wurde rasant zur inoffiziellen Hymne der Proteste im Iran. Es wird mittlerweile weltweit gehört. Wenige Tage nach Veröffentlichung wurde der 25-jährige Schervin Hajipour festgenommen. Gegen eine Kaution kam er frei und distanzierte sich auf Instagram von seinem Song. Als Reaktion wurde auf Twitter vorgeschlagen dem Lied eine neue Zeile hinzuzufügen: „Wegen erzwungener Instagram Stories.“
Jeder sollte diesen Song hören, heißt es. Der Text des Liedes:
Für das Tanzen auf der Straße
Für die Angst sich zu küssen
Für meine Schwester, deine Schwester und unseren Schwestern
Für den Wechsel alter Werte
Für die Scham, für die Armut
Für die Sehnsucht nach einem normalen Leben
Für ein Kind, das im Müll wühlt und seine Träume
Für die korrupte Wirtschaft
Für die Luftverschmutzung
Für „ValiAsr“ und alle trockenen Bäume
Für den Pirouz und sein mögliches Aussterben
Für die unschuldigen verbotenen Hunde
Für die Wiederholung solcher Momente und Bilder
Für das Weinen ohne Ende
Für ein lachendes Gesicht
Für die Studierenden, für die Zukunft
Für das aufgezwungene Paradies
Für diejenigen, die im Gefängnis sind
Für die afghanischen Kinder
Für das wiederholende FÜR
Für alle leeren Paroli
Für den Schutt der billig gebauten Häuser
Für den Seelenfrieden
Für die Sonne nach langen Nächten
Für Beruhigungspillen und Schlaflosigkeit
Für den Mensch, das Heimatland und die Ortschaft
Für das Mädchen, das sich wünschte ein Junge zu sein
Für die Frau, das Leben, die Freiheit
Für Freiheit
Für Freiheit
Für Freiheit
Baraje heißt „für“ und „wegen“.
Das Original des Liedes ist hier, zwei weitere Versionen siehe unten!
HIER noch der Link zu einem Artikel vom 04.11.2022 auf „Deutschlandfunk“, in dem weitere Musikbeispiele aus dem Iran genannt werden und verlinkt sind. Die Journalistin Natalie Amiri etwa sagte dem „Deutschlandfunk“: „All das, was die Islamische Republik dem Volk in den 43 Jahren ihres Bestehens angetan hat, kommt in dem Lied vor.“
HIER auch noch der Link zu einem Artikel des Bayerischen Rundfunks/Zündfunk ebenfalls zu diesem Lied mit weiteren Beispielen entsprechender iranische Musik.
Auch Coldplay spielte an zwei Abenden – am 29./30. Oktober 2022 – ein Cover dieses Liedes auf einem Konzert in Argentinien, das live in 81 Länder übertragen wurde. Den persischen Text – er ist vielleicht etwas verlängert, es sind ganze Sätze, es ist aber Zeile für Zeile derselbe Inhalt! Vielleicht singt Scherwin Hadjipour aber auch schon ganze Sätze in seiner Originalversion? – sang dabei die iranische Schauspielerin Golshifteh Farahani. Das Lied beginnt im Video bei Minute 1:40.
Die zweite Coverversionen hier: Eine meines Erachtens sehr schön gesungene englischsprachige Version der US-Amerikanerin Rana Mansour, deren Eltern aus dem Iran geflohen waren:
Darf man Roger Waters bringen? Er ist nicht nur bekannt für seine Anti-Israel-Haltung, sondern hat sich kürzlich in einem Brief an die Ehefrau von Staatspräsident Selenski mit Blick auf den Ukraine-Krieg auch noch klar pro-russisch positioniert. Roger Waters, Gründungsmitglied von Pink Floyd, hatte kürzlich eine neue Version des Songs „Comfortably Numb“ veröffentlicht.Klar darf man, finde ich zumindest mit Blick auf seine Ukraineäußerungen. Meinungsfreiheit! Bei Israel sehe ich es anders!
Also hier mit klarer Absage an seine m. E. zu radikale (siehe unten) Israel-Haltung: „Comfortably Numb 2022“ – seine neue Version. Eine Version mit tieferem Sound, sehr düsterem Video und in düsterer Endzeitstimmung. Roger Waters bringt die Version als Opener seiner derzeitigen Tournee „This Is Not A Drill“. Als Tourdaten für Deutschland im Mai 2023 sind folgende Termine geplant:
07. Mai: Barclays Arena, Hamburg
09. Mai: LANXESS arena, Köln
17. Mai: Mercedes-Benz Arena, Berlin
21. Mai: Olympiahalle, München
28. Mai: Festhalle, Frankfurt
Es ist aber nicht klar, ob diese Konzerte so stattfinden werden! Nach seinen oben erwähnten Äußerungen zum Ukrainekrieg, auch zu Musikkollegen (AC/DC) und zu Fragen um Israel/Palästina wird zunehmend eine Absage der obigen Termine überlegt. HIER etwa in München. HIER in Frankfurt. Im hier verlinkten Artikel zu Frankfurt heißt es:
In der Kritik steht der Musiker, weil er seit vielen Jahren die israelfeindliche Bewegung BDS (Boycott, Divestment, Sanctions) unterstützt, die zu einem umfassenden Boykott des Staates Israels aufruft. Schon lange wird Waters vorgeworfen, judenfeindliche Ressentiments zu schüren – etwa indem er bei seinen Konzerten ein Kunststoff-Schwein mit einem Davidstern durch die Halle fliegen ließ.
HIER ein Artikel in „Rolling Stones“ über die neue Version des Songs mit Links zu den politischen Fragwürdigkeiten.
Schön – wenn auch extrem düster (was ja derzeit als Blick auf die Welt [Krieg, Klima …] auch verständlich ist) – ist die neue Version des Songs aber schon, nicht zuletzt wegen des Gesangssolos von Shanay Johnson gegen Ende des Songs.
Diese Musik muss man laut hören! Bloß nicht leise hören! Nur wenn die Musik laut mit guten Lautsprechern gespielt wird, kommt ihre Wirkung zur Geltung! „Leise“ ist es ein Geklimper, das man nicht hören will – „laut“ kommen die Emotionender Musik dazu!
Es geht mir nicht darum, mich mit möglichst lauter Musik zu verwirren. Es geht mir immer um das Musikerlebnis! Was wäre unsere Welt ohne Musik? Musik ist eine im Grunde vollkommen unterschätzte eigene Dimension eines Erlebnisses. Was wird bei uns durch Musik angerührt?
In diesem Fall geht es um eines der Konzerte, die regelmäßig von „Cercle“ an sehr besonderen Orten auf der Welt organisiert werden. Ich hatte bereits einmal ein derartiges Konzert von Cercle im Blog gebracht. BLAZE. Nicht nur hörens-, sondern besonders sehenswert ist das Konzert von Blaze in voller Länge, fast eineinhalb Stunden, das auch in meinem Beitrag zu finden ist. HIER. Auf über 3000 m Höhe in den französischen Alpen.
Wer hinter Cercle steht, konnte ich nicht ermitteln. Cercle hat eine eigene, sehr ästhetische Website (Link unten) und ist auf Facebook (Link auch unten) sehr aktiv. Mit vielen Followern. Man liest über Cercle folgendes:
„Cercle produces unique experiences, by organizing, filming and broadcasting concerts in carefully selected locations around the world Our prime goal is to showcase cultural heritage sites and landmarks through the prism of electronic music and video. Each show is different and the live events happen on Mondays.“
Wenn, dann also jeweils montags gibt es auf Facebook einen der von Cercle organisierten Live-Events. In der Tat sind die Locations, besondere Naturlagen, an denen die Musik dann gespielt wird, immer extrem besonders.
Stereo Express ist dieses Mal dran, es war ein wiederum sehr besonderes Live-Event von vor etwa einem Monat (Spätsommer 2022). Stereo Express ist im spanischen Nationalpark Monfragüe aufgetreten. Der Nationalpark liegt westlich von Madrid, in Richtung zur Grenze zu Portugal.
Sound Express ist das Projekt eines DJs und Produzenten von elektronischer Musik. HIER dessen Website. Zum Auftritt „Monfragüe“ liest man, dass Sound Express diese Musik dafür geschrieben hat, um in diesen schwierigen Zeiten ein wenig Hoffnung durchklingen zu lassen.
HIER die interessante Facebookseite von Cercle (die Facebook-Seite wird sich nur für diejenigen öffnen, die selber bei Facebook angemeldet sind). Cercle bringt auf Facebook etwa monatlich ein Live-Konzert ihrer besonderen Art.
Eine Ankündigung, weil es nur einmal kommt: Zuletzt war ich ja im Konzert II der Reihe LA BOHÈME 2022 in der Bar Gabanyi. HIER mein damaliger Beitrag. Mich erreichte jetzt wieder folgende Mail: Es ist eine Reihe sehr eigenwilliger Konzerte – „synkretische“ (gemischte, unreine) Musik … Man schrieb mir:
LA BOHÈME 2022 Konzert III // Ensemble für Synkretische Musik // 15. November // Schwere Reiter, München
Der Konzertzyklus LA BOHÈME 2022 des Ensembles für Synkretische Musik geht weiter!
Konzert III im Schwere Reiter am 15. November um 20h.
In der dekonstruierten Neuinterpretation von Puccinis Werk setzt sich das Ensemble unter der Leitung von Gertrud Schilde und Carl Oesterhelt mit der fragilen Lebenswirklichkeit der Künstler*innen auseinander. Gemeinsam mit dem Dramaturgen Matthias Günther und dem Künstler Eugene Taran folgen sie im dritten Konzert den Gedanken des Malers Marcello zur kuratierten Welt des Kunstbetriebs und der Erfahrungen der Künstlerin/des Künstlers darin.
„So, jetzt reicht es mir aber! Es ist genug.“ Die bodenlose Realität hat den Maler Marcello in eine sinnlose Identitätskrise gestürzt. Wer ist er? Ein Star, dem das glamouröse Leben abhanden gekommen ist? Ein Künstler, dessen Existenz verblasst? Oder doch nur ein Handwerker, dem es an zahlender Kundschaft mangelt? Er fragt sich: Was erwarte ich? Will ich von meiner Kunst leben? Will ich berühmt sein? Oder ist das alles eh wurscht, und es geht schlicht und einfach ums Überleben?
Mit dem Zyklus von vier Konzerten La Bohème 2022 inszeniert und reflektiert das Ensemble für Synkretische Musik mit seiner flexiblen und schlanken, vom Streichquartett ausgehenden Formation unter Einbezug von Musik, Sprache und Videokunst die Ohnmächtigkeit und Unsichtbarkeit analog arbeitender Künstler*innen.
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KONZERT III – DI 15. NOVEMBER 20H – SCHWERE REITER
DIE GEDANKEN DES MALERS MARCELLO Ensemble für Synkretische Musik & Eugene Taran
Programm Carl Oesterhelt Musik / Matthias Günther Text: Etudes sur La Bohème III – Coups de pinceau pour violon seul et cordes für Solovioline, Stimme, Streichsptett & Video (UA) // Eniott Schneider: Marcel Duchamp – Myth of the World of Things for Percussion and Strings (UA) / Wolfgang Heisig: Ringparabel für Streichseptett und Schlagzeug (1993) // Franghiz Ali-Zadeh:Oasis for String Quartet and Tape (1998)
Mit Eugene Taran, Video-Künstler // Gertrud Schilde, Violine // Stefan Blum, Percussion
Ensemble für Synkretische Musik Gertrud Schilde, Jörg Widmoser, Markus Henschel, Kelvin Hawthorne, Andreas Höricht, Emil Bekir, Aniko Zeke, Maximilian Fraas, Stefan Blum
Dienstag, 15. November 2022 / 20 Uhr Schwere Reiter Dachauer Str. 114a, 80636 München
Künstlerische Leitung der Reihe: Gertrud Schilde und Carl Oesterhelt. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen des Sonderprogramms NEUSTART KULTUR.
SAVE THE DATE Die Gedanken des Dichters Rodolfo, das vierte und letzte Konzert der Reihe, findet am 2. Dez 2022 um 19 Uhr im Köşk, Schrenkstr. 8 statt. Ein Improvisations-Remix der bislang gespielten Werke und das anarchische Musicircus (1967) von John Cage lassen die Konzertreihe noch einmal erleben.
Das Haus der Kunst bringt unter der Leitung von Andrea Lissoni längst nicht mehr nur Ausstellungen. Seit über einem Jahr zum Beispielfindet jährlich einmal pro Monat eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe TUNE statt. HIER der Link zu einer Übersicht der bisherigen TUNE-Veranstaltungen mit kurzen Videos. Ich hatte zuletzt über den Auftritt von JJJJ Jerome berichtet (HIER).
Die Veranstaltungen sind sogenannte „Sound Residencies“. Es sind nicht einfach Musikveranstaltungen. Es sind bemerkenswerte Veranstaltungen für Sound-Entwicklungen, die eine bestimmte Atmosphäre schaffen, Gefühle kreieren, den Hörer besonders tangieren.
HIER der Link zur Homepage von TUNE auf der Website des Hauses der Kunst.
Gestern, am 28.10., war im Rahmen der Reihe TUNES die italienische Musikerin und Komponistin Caterina Barbieri zu Gast im Haus der Kunst. Auch dieser Abend – etwa eine Stunde – war bemerkenswert. Wieder einmal war man in der Situation, dass man nicht Musik hörte, sondern sich von Tönen, Klängen, Sound und der daneben gegebenen Videoperformance in eine besondere Welt versetzt sah. Rhythmus – sofern überhaupt gegeben – störte dabei fast. Hier ein Eindruck:
Und das hier:
Wie gesagt, es geht bei TUNE nicht um Musik im herkömmlichen Sinne. Es geht um Klang, um Klangräume, Klangwelten, um das Klangerlebnis, das den Hörer in andere Welten führt. Ich finde es immer interessant, die eigenen Gewohnheiten zu verlassen und neue Welten zu entdecken. Man liest von einem gewissen Zusammenhang dieser Performances zu den aktuellen Ausstellungen. Diesen Zusammenhang habe ich noch nicht erkennen können. Macht nichts, wäre fast schon zu sehr „gebunden“ an ein Thema.
Und: Der Sound von Caterina Barbieri hört sich manchmal fast so an, wie es heutzutage wahrscheinlich in einer Diskothek klingen mag. Aber eben nur fast, nur ansatzweise. Es ist doch anders!