Schrecklich für jeden Betroffenen, für Angehörige und Augenzeugen, keine Frage! „Erschütternde Bilder“ sagten sie, die vor Ort waren oder nach der Tat den ganzen Abend lang darüber berichtet hatten! MEINE ANSICHT ABER: Sind die Bilder von Aleppo weniger erschütternd?? Ist das für die Einwohner unfassbar grauenhafte Geschehen in Aleppo nicht das eigentliche Grauen? Sind wir da annähernd erschüttert?? Tun wir da etwas?? Sitzen da alle Politiker trauernd nebeneinander, wie jetzt nach Berlin? Tja, das eigene Hemd ist uns wieder einmal am nächsten. Obwohl uns auch etwa Syrien und Aleppo betreffen und in den vergangenen Jahrzehnten jedenfalls betroffen haben. Heutzutage ist es eher auffallend, wenn der Westen – verständlicherweise – trauert, aber andererseits nichts gegen das unendlich größere Elend woanders auf der Welt getan wird. Es hat etwas Verlogenes. Man blickt lieber weg, wenn es darum geht, dass der Westen die unfassbaren Gräueltaten in anderen Teilen der Welt jedenfalls mitbegründet hat. Wir leben von der Globalisierung, betrauern aber nur unser eigenes Leid. Irgendwie ein bisschen schief.
Jeder Münchner kennt es. Der Block mit der Säulenreihe an der Prinzregentenstraße. An Schlichtheit und Kühle ist es nicht zu übertreffen. Und meist weiß man auch: Es ist ein Hitlerbau. Hier steht Münchner Geschichte in pompöser Vollendung. Es wurde von 1933 bis 1937 unter persönlicher Anteilnahme Adolf Hitlers nach Plänen von Paul Ludwig Troost in monumentalem Neoklassizismus als Haus der Deutschen Kunst errichtet. In der NS-Kulturpolitik war das Gebäude als der maßgebliche Ausstellungsbau des Deutschen Reiches vorgesehen. Die ab 1936 für Berlin geplante Kunsthalle sollte ausdrücklich nicht in Konkurrenz zum Haus der Deutschen Kunst stehen. Damit sollte auch die Rolle Münchens als führende Kunststadt Deutschlands wieder hergestellt werden, die sich im NS-Ehrentitel „Hauptstadt der deutschen Kunst für München niederschlug. Und weiter: Meist war man auch schon drinnen. Das Haus hat keine eigene Sammlung, es organisiert und zeigt aber interessante Ausstellungen zeitgenössischer und moderner Kunst. Es ist zweifelsohne eines der bedeutenden Museen Münchens. Jetzt soll es von David Chipperfield zaghaft renoviert werden. Eine umfassende Ausschreibung gab es nicht, daher bat die SZ Münchner Architekturstudenten, Entwürfe zu erarbeiten. Sie können im nachfolgenden link angesehen werden. Sehr interessant, finde ich. Schließlich „trifft alt auf neu“. Die junge Generation legt Hand an das Alte. Aber meine Kritik: Die Entwürfe sind oftmals fast zu herkömmlich. Wo ist der große Wurf? Ich finde am besten den Entwurf der Tieferlegung durch Anhebung des Vorplatzes ( Entwurf von Franziska Gareis und Anja Kopp, Bild 24) und die Verlegung der Tunneleinfahrt ostwärts (Entwurf von Wes Boven, Bild 26), sodass ein Platz vor dem Haus der Kunst entsteht und das HdK erheblich angenehmer, aber nicht geändert wird.
Hier der link zu den insgesamt interessanten Entwürfen Münchner Studenten:
Bei vielen Dingen wägt man gerne genau ab, was man denn kaufen soll. Aber an der Fischtheke? Fisch? Egal! Dabei ist es ganz einfach! Ich empfehle die einfach gehaltene App „Einkaufsberater Fisch“ von Greenpeace. Ich habe sie mir heruntergeladen. Ganz schnell weiß man, welchen Fisch man noch kaufen darf. Es geht nur mit guter Information! Gerade Weihnachten ist ja für viele eine willkommene Gelegenheit, im Kreise der Familie ein schönes Fischessen zu geben.
Die SZ hatte am vorletzten Wochenende der Fischerei vier Seiten gewidmet („Buch zwei“). Man kann den dortigen Angaben hoffentlich Glauben schenken. Die FAO, Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, stellte demnach schon 2012 fest, dass nur noch 13 % der Fischbestände in den Weltmeeren groß genug sind, um sich problemlos zu regenerieren. Und die Aquakulturen – die Zuchtanlagen – sind auch oftmals für Mensch und Tier (wegen Antibiotika und Tierhaltung) und für die Natur (völlige Überfüllung mit Exkrementen) sehr mies. Die Zuchtanlagen müssen teilweise wegen Umweltzerstörung alle drei/vier Jahre den Standort wechseln.
„Noch empfehlenswert“ sind laut der App von Greenpeace nur noch: Hering, Karpfen (schön für Weihnachten!), der afrikanische Wels und generell eher einheimische Süßwasserfische. Alle anderen Arten sind nur in – mehr oder weniger großen – Ausnahmefällen empfehlenswert.
Generell gilt einfach: Gerne Fisch, aber man muss beim Einkaufen genau hinsehen! Es kommt immer auf das Fanggebiet und sogar auf den lateinischen Namen, also die genaue Fischart, an, die angeboten wird. Karpfen ist nicht gleich Karpfen!
Gütesiegel ist auch nicht gleich Gütesiegel! Am verlässlichsten sind die Siegel von MSC/ASC (Marine Stewartship Council und Aquaculture Stewartship Council), GLOBAL G.A.P . und FOTS (Friends of the Sea)!
Also: Einfach die App herunterladen und sich mit der App an der Theke informieren, bevor man kauft. Sonst heißt es: „Wie, Du kaufst Fisch ohne die App?“
Die Verfilmung des vielleicht schönsten Buches von Siegfried Lenz, „Schweigeminute“, kommt heute abend um 20.15 Uhr im ZDF. Sehenswert. Innerhalb von fünf Monaten wurden mehr als 250 000 Exemplare des Buches verkauft. Der Verlag freute sich: „Bislang hat sich kein Buch von Siegfried Lenz in so kurzer Zeit so gut verkauft, nicht einmal die „Deutschstunde“ (siehe meinen früheren Blogbeitrag).Es ist die Liebesgeschichte eines Schülers und seiner Lehrerin, die nur ein paar Wochen dauerte. Anlässlich der Gedenkfeier für die verstorbene Geliebte erinnert sich der Achtzehnjährige an die gemeinsamen Erlebnisse mit ihr.“Wir haben meinem Freund Siegfried Lenz für ein poetisches Buch zu danken. Vielleicht ist es sein schönstes„, hatte Marcel Reich-Ranicki gesagt.
Zum Blogbeitrag „Stephan Lessenich“ hier ein kleiner Nachtrag. Auf der derzeit stattfindenden Frankfurter Buchmesse wurde er von der SZ interviewt.
Frage des SZ-Redakteurs Jens Bisky etwa: Für wie wahrscheinlich halten Sie es denn, dass Menschen gegen ihre alltäglichen Interessen Strukturen verändern, von denen sie spürbar profitieren?
Die Wahrscheinlichkeit ist gering. Aber wir haben in den letzten anderthalb Jahren erlebt, welche Konsequenzen unsere Externalisierungsgesellschaft hat. Flucht und Migration werden uns weiter beschäftigen. Da wir Probleme produzieren, die auf uns zurückschlagen, wäre es im Sinne der Vernunft und der vorausschauenden Einsicht, vom globalen Norden aus umzusteuern. Das wäre im wohlverstandenen langfristigen Eigeninteresse. Langfristige Interessen sind freilich immer schwer anzusprechen und umzusetzen. Ich glaube, die Veränderung wird ohnehin vom globalen Süden ausgehen. Dort gibt es politische Bewegungen, dort gibt es Sozialmilieus, die für eine andere Weltwirtschaftsordnung streiten. Wir täten gut daran, diesen Kampf zu unterstützen.
Wieder hatte ich Zeit, mich einem Thema zu widmen: So, wie sich Umweltzerstörung wahrlich nicht mehr als Gespinst wegdiskutieren lässt, lässt sich auch ein anderes globales Phänomen – das allerdings noch ein Schattendasein führt – nicht wegdiskutieren. Und so, wie die Umweltprobleme zu uns kommen, werden uns auch Probleme aus dem anderen Phänomen einholen. Die Flüchtlingskrise ist ein Element davon.
Es geht darum: Die wohlhabende Welt lebt auf Kosten der armen Welt. „Neben uns die Sinflut“ war ein sehr interessantes Gespräch der Journalistin Franziska Augstein (Süddeutsche Zeitung) mit dem Soziologen Stephan Lessenich über sein neues Buch „Neben uns die Sinflut“. Es fand wieder statt in den sehr global denkenden Kammerspielen. Zum Inhalt des Buches und des Gespräches: Wer zahlt den Preis für unseren westlichen Wohlstand in der globalisierten und zunehmend kapitalisierten Welt? Dem Westen – dem reichen Norden – geht es gut, weil es den meisten Menschen anderswo – im armen Süden – schlecht geht. Augen auf! Wir „externalisieren“ möglichst viel von dem, was den Wohlstand stört. Etwa Umweltprobleme. Wir machen andere Länder platt und sagen: Naja, dort herrschen ja katastrophale Zustände. Aber wir wissen es alle: Wir holen uns etwa die Rohstoffe aus den armen Ländern, um selber gut leben zu können. Etwa Silizium für unsere Handys, Bauxit für die Aluminiumherstellung etc. Wir lassen oft auch schmutzig und zur Not völlig umweltschädlich in den armen Ländern produzieren – um selber schön leben zu können. Armut, Schmutz, Sozoialprobleme, Abfall, Ungerechtigkeit etc. werden systematisch ausgelagert, der westliche Anteil an dieser Praxis wird verdrängt. Auch nach Lessenichs Auffassung wird das künftig mehr und mehr zurückschlagen. In seiner neusten Publikation bietet der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Soziologie Stephan Lessenich eine Analyse dieser Abhängigkeits- und Ausbeutungsverhältnisse der globalisierten Wirtschaft. Aber was kann man machen? Eine schwere Frage. Ich meine: Erst einmal aufklären und Bewusstsein schaffen: Angesprochen wurde auch: Politisch werden, individuell handeln … Die Diskssion war ein Beitrag zu diesen Ansätzen. Das Buch ist sehr lesenswert und zeigt viele Beispiele.
Teresa Präauer ist eine junge, 37-jährige österreichische Schriftstellerin. In der ZEIT war kürzlich ein längerer Bericht über sie und ihr neues Buch „Oh Schimmi“ zu lesen. Sie ist bildende Künstlerin und Schriftstellerin, „von Realismus“ – schreibt die ZEIT – „hält sie wenig“. Gerade das ist reizvoll. Es muss nicht immer alles wahr, authentisch, autobiografisch, historisch oder schön recherchiert sein. Die ZEIT schreibt weiter: „Verrückt, verstörend, sehr komisch und auch tragisch, ein virtuoser Sprachexzess mitten aus unserer Gegenwart – und doch tatsächlich das absolute Gegenprogramm zur gängigen Literatur von heute.“
Schimmi heißt Jimmy. Er lebt mit seiner – halbseidenen – Mutter (er sagt manchmal „Motter“) in einem nicht näher verorteten Hochhausturm, soll immerzu Tierfilme gucken, liebt Süßes, das ihm aus Krankheitsgründen verboten ist, und wählt Abzocke-Sexnummern aus dem TV (Zindy: „Ruf mich an!“), bis die Mama das Handy einzieht. Das Apartment darf er, behindert, wie er ist, nicht verlassen, also startet er eher bemitleidenswerte Ausbruchsversuche, die früher oder später grandios scheitern. Eine Asiatin namens Maguro hat er aus dem Nagelstudio entführt und hält sie unter seinem Bett gefesselt, ernährt sie mit Marshmallows und Cola. Besessen ist Schimmi („Isch bin ein Multitalent!„) von Konsum und Sex und von Ninni, die in einem anderen Hochhausturm in Sichtweite lebt. Man erfährt Einiges aus seiner Sicht über seine Lebenssituation. Über seinen Vater und den Stiefvater etwa. Das schöne Ende des ZEIT – Artikels (von Alexander Camann): „Es ist ein ironischer Spiegel, den Präauer unserer Epoche vorhält, zwischen autistischer Not und phrasenhafter Großkotzigkeit.“
Copyright des Beitragsbildes: Thomas Langdon, Wallstein Verlag
Hier ein Foto aus dem Buch als kleine Leseprobe, die den Schreibstil dieses angenehm verrückten und doch realistischen Buches zeigt: Schimmi kommt gerade in die Diskothek XXL und findet sich – natürlich völlig zu unrecht – wahnsinnig cool. Etwas später fliegt er wieder heraus.
Ein Gedanke zur globalen Entwicklung: Die indischstämmige in Französisch schreibende Schriftstellerin Shumona Sinha hat für Mathias Lilienthal – ganz im Sinne seines internationalen Ansatzes – einen Artikel im aktuellen Programmheft der Münchner Kammerspiele geschrieben. Interessant! Hieraus zitiere ich weiter unten.
Shumona Sinha wurde 1973 in Kalkutta geboren, lebt in Paris, hat Literaturwissenschaft an der Sorbonne studiert. Mit ihrem Roman „Erschlagt die Armen!“ hatte sie besonders in Fankreich für Furore und Skandalisierungen gesorgt und es auf die Shortlist des renommierten französischen Prix Renaudot geschafft. Neben „Erschlagt die Armen!“ (2011) erschienen von ihr bisher „Calcutta“ (2013) sowie ihr Erstlingsroman „Fenêtre sur l’Abîme“. 2001 war sie als Migrantin nach Frankreich gekommen, wo sie zunächst – wie die Protagonistin in „Erschlagt die Armen!“ – als Dolmetscherin in einer Asylbehörde arbeitete. Es war eine Tätigkeit, die sie nach Erscheinen ihres Romans gezwungen wurde einzustellen. Die Entlassung aus der Behörde führte zu erhitzten Gemütern in der französischen Öffentlichkeit. Eine polarisierende Debatte war damit in der Welt: Was heißt es, das Leid Schutzsuchender verwalten, reglementieren und kartografieren zu müssen? Und was bedeutet es für die Antragstellenden, ihr Leid zu Markte zu tragen, um Asyl zu erhalten? Sie konnte diese Themen anstoßen, da sie intime Kenntnisse über den bürokratischen Apparat in der „Abteilung Migration“ erhalten hatte.
Für die Kammerspiele schreibt sie in diesem Sinne über das Erfordernis, unsere soziokulturellen Umgangsformen zu überdenken, nach neuen humanistischen Lösungen zu suchen. Ein sehr weites Feld, aber, denke ich, richtig und wichtig. Man sollte es – auch meines Erachtens – nicht aus dem Auge verlieren, wenn es um die globalen Krisenherde, Flüchtlingsströme und sonstigen Entwicklungen geht. Die Fenster und Türen zu schließen und einfach so weiter zu machen, wie bisher, wäre ja schön, aber es ist keine Lösung in der globalisierten Welt. Und nur nach altem Muster irgendwelches abwehrendes oder schnell integrierendes Werkzeug anzuwenden, ist auch nicht genug. Andererseits: Bei allem sollte natürlich, denke ich, darauf geachtet werden, dass die wertvolle, weltweit bewunderte deutsche „Marke“ – Fleiß, Erfolg, Korrektheit, Bildung, Sozialstaat, Wohlstand, Export etc. – nicht verwässert. Nicht leicht, aber darum muss gekämpft werden. Und darum, die Lebensbedingungen anderer in der Welt nicht auszubeuten, sondern zu verbessern.
Shumona Sinha schreibt am Ende des Aufsatzes also:
„Der entfesselte Kapitalismus hat mit seinem Werkzeug, der Globalisierung, den Planeten zerstückelt und aus dem Gleichgewicht gebracht, die Menschen überschreiten die roten Linien auf die gleiche Weise, wie es das Geld und die Waren tun – nichts und niemand wird diese Bewegung aufhalten. Wir können nur hoffen, dass es uns gelingt, diesen Kreislauf zu durchbrechen, indem wir nach neuen soziokulturellen Umgangsformen, nach neuen humanistischen Lösungen auf politischer und wirtschaftlicher Ebene suchen, um nebeneinander zu leben, um zusammen zu leben, in einer Illusion von Harmonie.“
Zwei Bücher, die denselben Vorgang zum Anlass ihrer Erzählung nehmen, ihn und seine Folgen aber aus völlig unterschiedlichen Perspektiven erzählen: Albert Camus schrieb „Der Fremde„, in dem der Franzose Meursault am Strand in Algerien einfach einen „Araber“ erschießt, Kamel Daoud beschrieb dazu jetzt in seinem vor allem in Frankreich äußerst erfolgreichen Buch die Sichtweise des Bruders des „Arabers“ in „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung„. Kamel Daoud hat am 27.09.2016 in den Münchner Kammerspielen aus dem Buch gelesen und darüber diskutiert und am 29.09.2016 war in den Kammerspielen die Premiere des Stückes „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“. Hierzu heißt es – dem internationalen Ansatz des Theaters entsprechend – im Programm: Der aus dem Iran kommende international renommierte Regisseur Amir Reza Koohestani verlässt für seine erste Produktion an den Kammerspielen die rein postkoloniale Perspektive und sucht über sie hinausgehend allgemeine Prinzipien von Unterdrückung, Wiederaneignung und Selbstbehauptung darzustellen. Mit Hilfe von SchauspielerInnen mit iranischen, libanesischen, lettischen, bulgarischen, schweizerischen und deutschen Wurzeln setzt er Daouds Roman in ein multiperspektivisches Sprachpanorama. Mal sehen.
Während Camus existentialistisch und nüchtern die Nichtigkeit selbst des Todes eines „Arabers“ beschreibt, greift Daoud in sehr subjektiver Sprache die Befindlichkeiten der Mutter und des Bruders des „Arabers“ auf. Daouds Buch stellt in nicht einfacher, aber sehr lesenswerter Form dar, wie der Tod des „Arabers“ das Leben seiner Mutter und des Bruders zerstört hat, er kommt dabei aber immer wieder auch auf die Befindlichkeit der Algerier vor und nach dem Unabhängigkeitskrieg. Aber nicht nur das. Er findet schöne Gedanken bei alledem.
Zum Theaterstück:
Die Kritiken zum Stück sind zu Recht durchgehend positiv! SZ, Deutschlandfunk, FAZ, Frankfurter Rundschau etc. Ein schönes Theaterereignis. Dank einer klasse Umsetzung des Buches auf die Bühne durch den Regisseur Amir Reza Koojestani. Er spielt ständig mit verschiedenen Ebenen, thematisch und zeitlich. Man wird hin und her getragen. Unabhängig davon, denke ich, wird das Buch „Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung“ von Kamel Daoud überinterpretiert. Vielleicht wundert sich Kamel Daoud selber darüber. Die Umsetzung des Buches durch Koohestani jedenfalls vermeidet Gott sei Dank eine derartige Überinterpretation. Petra Hallmeyer schreibt in http://www.nachtkritik.de dazu etwa: „In einer Collage zeitlich versetzter Szenen erzählt er (Koohestani) mit stilisierten, starken Bildern die Geschichte von Musas Bruder Harun (die Schreibweise der Namen weicht von der Vorlage ab) und dessen Mutter. Wir begegnen Harun als Kind, als jungem und altem Mann. Wir sehen Meursault (Gundars Āboliņš), der die Leiche Musas brutal mit dem Fuß in eine Grube stößt, aus der ein geköpfter Mann auftaucht. Unter der kreisrunden Scheibe des Mondes tritt der Tote seinem Mörder gegenüber und erklärt ihm beharrlich unzählige Male ´’Du hast mich erschossen‘.“
Und so weiter.
Wie stehen beide Bücher zu einander? Camus zeigt einen existenzialistischen Menschen, dem letztlich alles egal ist. Alles. Anfangs schon die Tatsache, dass seine Mutter stirbt. Dann tötet er sogar einen „Araber“ am Strand. Wegen der Sonne. Egal sind ihm auch Religionen etc. Alles ohne Regung. Eigenlich perfekt fürchterlich und schrecklich nüchtern geschrieben. Seiner Haltung tritt aber das gesellschaftliche System entgegen: Er kommt ins Gefängnis, es gibt einen Prozess – auch das ist ihm egal, er findet es eher „interessant“ – und er wird zum Tode verurteilt. Den Gegensatz Existenzialismus – „gesellschaftliche Funktionsfähigkeit“ zeigt Camus damit auf. Das gesellschaftliche System gewinnt. Kamel Daoud greift dieses Geschehen auf, zeigt es aber von einer äußerst emotionalen, lebensnahen Seite der Mutter und des Bruders des getöteten Arabers. Auch der Bruder tötet sogar jemanden, einen Franzosen. Er tötet aber nicht als Existenzialist, als gefühlsloser, philosophischer Mensch, sondern in völliger emotionaler Verstrickung, um einen Ausweg zu finden. Damit wird Camus‘ Geschehen von Kamel Daoud komplett auf den Kopf gestellt. Auch die Erschießung des Franzosen ist ein Mord. In seinem Fall hat der Bruder des ursprünglich getöteten Arabers aber das Glück, dass das gesellschaftliche Leben NICHT mit einer Bestrafung reagiert. Es herrschte – bis einen Tag vor der Ermordung des Franzosen – der algerische Unabhängigkeitskampf gegen Frankreich, da war Töten ein anderes Thema. Der Bruder des ursprünglich getöteten Arabers wird daher nicht bestraft. Die Subjektivität gewinnt bei Daoud. In der von Daoud dargestellten lebensbestimmenden Subjektivität zeigt sich durchaus ein Unterschied zwischen westlicher und arabischer Welt. Themen wie Islam, Fremde, Kolonialismus, Orient – Okzident etc. spielen aber nur nebenbei herein. Aber sie spielen etwas herein. Die Subjektivität ist davon getragen. Schon das ist interessant. Hier beginnt aber oft, denke ich, die Überinterpretation. Es geht Daoud, vermute ich, eigentlich nicht um politische Aussagen, sondern eher um die subjektiven Empfindungen der Familie des erschossenen Arabers. Etwa in wunderbaren Worten, wenn es um eine Definition von Liebe geht! Es ist m. E. kein Protestbuch! Eher ein Buch, das dem schmerzlosen Existenzialismus von Camus den Realismus und die sehr schmerzhafte Subjektivität von Daoud gegenüberstellt.
Natürlich wird es den vielen armen Menschen aus all den Ländern, aus denen man – will man sein Leben retten – nur fliehen kann, nicht unbegrenzt möglich sein, nach Europa zu kommen (Mein Gedanke übrigens: Warum schnappt sich die Weltgemeinschaft nicht „einfach“ jeweils einen (entlegenen) Teil der Länder, in denen brutale Kriege geführt werden, und beschützt die Flüchtlinge, die dorthin fliehen, mit militärischen Mitteln? „Internationale Ruhezonen“ gewissermaßen als „Strafe“ für Krieg.) Es wird jedenfalls humanitäre Lösungen brauchen, wird ja nicht aufhören. Ob es allein mit dem Türkei-Abkommen geht, werden wir sehen.
Eine andere Frage ist, wie wir mit denjenigen, die jetzt bei uns sind, umgehen. Es sind viele Jugendliche, die hier völlig allein sind. Und dann kommen wir und sagen möglichst schnell: „Ihr müsst Euch integrieren!“ Ich halte allein das für eine ziemliche Zumutung. M. E. geht es um humanitäre Hilfe gestrandeter junger Menschen, nicht gleich volle Kanne um „Integration“. So ein junger Flüchtling muss sich ja denken: „Was ist hier denn los?“ Schon im zweiten Buch für „Deutsch als Fremdsprache“ kommt die volle Dröhnung: Man schaue sich bitte nur einmal die folgende Themenliste an, die den Inhalt des Deutschbuches widerspiegelt! Unfassbar! Das geht, finde ich, auch anders.
Das Berliner Maxim- Gorki-Theater und die Berliner Volksbühne sind gleichberechtigt von der Zeitschrift „Theater heute“ zum „Theater des Jahres“ gekürt worden. Wer mir zu dort gesehenen Stücken ein paar Zeilen schreibt, wird hier veröffentlicht. Einfach den grauen Kommentar-Button rechts oben anklicken. Chris Dercon, der kommende Intendant der Berliner Volksbühne, ist ja sehr in der Kritik. Die Auszeichnung gebührt dem scheidenden Leiter der Berliner Volksbühne Frank Castorf.
HIER die Links zu den Theatern und zu Theater heute:
Ich habe mit Mut und viel Zeit ein zweites Buch des Philosophen Slavoj Zizek gelesen. Der neue Klassenkampf – Die wahren Gründe für Flucht und Terror. Slavoj Zizek ist ein Tausendsassa der modernen Zeit, der zwischen Politik und Philosophie argumentiert. Auf Youtube kann man einiges von ihm ansehen. Es ist eben interessant zu sehen, was ein schlauer Mensch mit einem interessanten Blick auf die Dinge über aktuelle globale Entwicklungen denkt. Besser, als einfach mal schnell das Burkaverbot auszurufen, denke ich.
Er ist nicht leicht zu verstehen, ich habe wieder versucht, es auf kurze Punkte zu bringen. Es ist damit natürlich vereinfacht dargestellt. Er argumentiert gut, aber einiges bleibt offen. Letztlich hängt aus seiner Sicht alles am globalisierten Kapitalismus, nicht an den unterschiedlichen Kulturen. Der globalisierte Kapitalismus fördert einen neuen globalen Klassenkampf. Interessanter Gedanke. Hinter der Maske der kulturellen Vielfalt schwelt der brutale globale Kapitalismus.
Sein Resumee vorweg (letztes Kapitel):
Wir brauchen eine organisierte EU-weite humanitäre Behandlung der Flüchtlingswelle durch das Militär (Krisenfall!) mit klaren Richtlinien. Dann volle Toleranz innerhalb der Richtlinien. Und: „Wir sollten die derzeit vorherrschende linksliberale humanitäre Haltung verwerfen.“ Denn Toleranz außerhalb von klaren Richtlinien oder ohne Richtlinien zu zeigen, fördert nur den Nationalismus. Es geht um Universalismus statt Nationalismus. Man muss global den gleichen Kampf zu kämpfen lernen. Nationale Souveränität muss neu definiert werden. Es wird in der Welt künftig immer wieder große Fluchtbewegungen/Völkerwanderungen geben. („Migrationen im großen Stil sind unsere Zukunft“). Die Hauptursache für Flucht liegt im globalen Kapitalismus. Die globale Kaptalismus muss radikal geändert werden. Letztlich ist es etwas Kommunistisches, was wir brauchen. Wer kann was ändern? „Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben.“ Braucht es eine große Katastrophe, um etwas zu ändern? Das wäre obszön. „Wir müssen den Klassenkampf wieder auf die Tagesordnung bringen.“ Nötig ist die globale Solidarität mit den Ausgebeuteten und Unterdrückten. Klassenkampf wird oft mit Kulturkampf verwechselt. Wir müssen „die Basis unserer Gesellschaft weltweit umstellen“. Aber wie? Wahrscheinlich eine Utopie, sagte selber.
HIER eine Zusammenfassung der Argumentation:Slavoj Zizek 3
Ein vielleicht weit verbreitetes Phänomen des hilflosen Zusehens, des Aufnehmens einseitiger, letztlich nichts erklärender Informationen ist mir während meines Aufenthaltes in Italien aufgefallen. HIER der Text dazu: 13 E la nave va
Eine Anregung brachte mich auf den Roman Deutschstundedes Nobelpreisträgers Siegfried Lenz. Das Werk erschien 1968 und kann als Literaturklassiker angesehen werden. Es befasst sich mit einem Szenario, das sich während und nach dem II. Weltkrieg abspielt. Das Szenario geht auf die Aussage „Wir haben doch nur unsere Pflicht getan“ ein. Es ist die Ich-Erzählung eines Jungen, der – anlässlich eines Deutschaufsatzes zum Thema „Die Freuden der Pflicht“ – aus seiner Kindheit das Geschehen um das „Malverbot“ für einen Künstler schildert. Der Maler lebte auf einem Hof an der Nordsee; der Vater des Jungen, damaliger Polizeiposten der Gegend, hatte – auf dem Nachbarhof lebend – den Auftrag, die Einhaltung des Verbotes zu überwachen. Der Hintergrund: Emil Nolde hatte während des II. Weltkrieges Malverbot bekommen (Im Roman heißt der Maler „Max Ludwig Nansen“, die Anfangsbuchstaben M und L klingen wie „Em El“, fast also „Emil“ und Nolde hieß mit bürgerlichem Namen Jansen).
Am Beispiel des Vaters prangert Siegfried Lenz die unreflektierte Autoritätsgläubigkeit eines Mitläufers im Nationalsozialismus an. Aber auch der Künstler M. L. Nansen ist nicht wirklich frei: Er kann nicht anders, als trotz des Verbots weiter zu malen und auch „unsichtbare Bilder“ entstehen zu lassen. Unfrei ist auch der Junge, der es für seine Aufgabe hält, die Bilder des Malers vor der Zerstörung zu retten. „Deutschstunde“ ist ein Plädoyer für das Gewissen, die Eigenverantwortung und die kritische Hinterfragung von Autoritäten. Ein immer aktuelles Thema. Eine umfangreiche Urlaubslektüre, eine recht konventionelle, aber sehr schöne, sehr genaue Beschreibung aller Einzelheiten, das Land, die Personen, die Geschehnisse, die Gefühlslagen. Schön zu lesen.
Wirklich sehr empfehlenswert ist seine deutlich kürzere, großartige Erzählung Die Schweigeminute!
Es geht immer wieder auch um die Liebe, wer braucht sie nicht? Allein in den letzten Tagen traf ich auf folgende Darstellungen:
Münchner Kammerspiele : Premiere „Hot Pepper, Air Conditioner and The Farewell Speech“
Hier geht es unter anderem um die Unfähigkeit, in der Arbeitswelt eines Unternehmens Nähe zu bewerkstelligen, die verkrampfte Unfähigkeit, sich dort ehrlich und privat auszudrücken. Der japanische Regisseur und Autor Toshiki Okada bringt „Hot Pepper, Air Conditioner and The Farewell Speech“, das schon an vielen Orten Erfolg hatte, auf die Bühne der Kammerspiele. In dem Stück (eine kleine, sehr gelungene Trilogie) geht es zunächst um das Leiden der Leiharbeiter eines Unternehmens, die den Abschied einer Kollegin planen, aber Angst um ihren eigenen Job haben (Hot Pepper), die Klage einer Mitarbeiterin über die Klimaanlage, die ein Arbeitskollege – völlig unfähig, hilflos, aber urkomisch und tragisch – zu einem Annäherungsversuch nutzen will (Air Conditioner) und schließlich um die fast traurige, auch hilflose Abschiedsrede der Leiharbeiterin (The Farewell Speech) vor den Kollegen. Das Stück ist noch mehrfach zu sehen, aber kurzfristig!
Filmfestes München BEAT BEAT HEART von Luise Brinkmann
Der schöne Abschlussfilm einer Studentin der IFS Internationale Filmschule Köln. Alles improvisiert, gut und sehr glaubhaft gelungen! Ein Aspekt: Der Glaube an die romantische Liebe, Kerstin denkt an ihren Ex-Freund Thomas, auf dessen Rückkehr sie immer noch hofft. Ein anderer Aspekt: Statt ihm steht Kerstins Mutter Charlotte vor der Tür, Mitte 50, jüngst von ihrem Partner getrennt. Sie zieht in Kerstins WG ein und lässt sich von einer weiteren Mitbewohnerin dazu inspirieren, sich eine Dating-App zum Kennenlernen neuer Herrschaften hochzuladen. Alle Versuche scheitern. Weiterer Aspekt: Kerstin verliebt sich wieder, bekommt Ärger mit der bisherigen Freundin des Begehrten. Weiterer Aspekt: Die Mitbewohnerin, die zwar Sex will, aber keine Beziehung. Weil das nur zu Komplikationen führen würde. Alles in kleinem ruhigen Rahmen erzählt, ohne „Action“. Und durch die konsequente Improvisation sehr glaubhaft, humorvoll. Der Film ist im Rahmen des Filmfestes München noch zu sehen am Mittwoch (HFF) und am Freitag (ARRI Kino). Es wird sich danach herausstellen, ob er auch ins Kino kommt.
Demnächst:
Dieses Jahr erscheint (hoffentlich) noch meine Erzählung „Das Frühlingsfest„, in der es um eine Gruppe Jugendlicher geht, deren unterschiedliche Beziehungssschwierigkeiten unter anderem dargestellt werden. Neben anderen Ereignissen. Man kann die Erzählung auch hier im Blog lesen! Siehe oben im Header des Blogs.
Und: Dieses Jahr erscheint hoffentlich auch noch ein kleines Buch „Momente“ mit einer Auswahl meiner Gedichte – auch die Liebe wird mehrfach Thema sein – und Fotografien dazu von Gregor Kuhlmann. Ich gebe Bescheid, wenn es – in Kürze – soweit ist.
Hier sind noch ein paar grundlegende Angaben zum Wahnsinnswerk Ulysses von James Joyce:
Das Leben von James Joyce:
Geboren wurde er am 2. Februar 1882 in Rathgar, heute ein Stadtteil von Dublin. Er lebte 1882 – 1905 in Dublin, 1905 – 1914 in Triest, 1915 – 1920 in Paris und Triest und 1920 – 1941 in Paris und Zürich. Er starb am 13. Januar 1941 in Zürich
Warum im Ulysses der 16. Juni 1904?
Am 16. Juni 1904 traf Joyce seine spätere Lebensgefährtin Nora Barnacle zum ersten Mal.
Stream of consciousness:
Das Stilelement des so genannten „stream of consciousness“ (Bewusstseinsstrom) wird zum ersten Mal ZENTRALES Gestaltungselement eines Romans. Eine Erzähltechnik, die scheinbar in ungeordneter Folge Bewusstseinsinhalte einer oder mehrerer Figuren wiedergibt und den Leser umso mehr einbezieht. Es gibt keinen Erzähler, es gibt nur unmittelbar die Personen. Die Technik wurde von Leo Tolstoi für seinen Roman Anna Karenina erfunden. Beispiel auch Virginia Wolfe, Die Wellen.
Je nachdem, mit welcher Person Joyce den Bewusstseinsstrom synchronisiert, passt sich der Text der jeweiligen Person an. Handelt oder denkt etwa Stephen Dedalus, der Intellektuelle, so hebt sich das Sprachniveau, lateinische Zitate werden eingefügt, der Satzbau wird kompliziert. Fokussiert sich die Aufmerksamkeit auf drei Mädchen, so nimmt der Text die Gestalt einer spätviktorianischen Liebes-Schmonzette an. Im 14. Kapitel („Die Rinder des Sonnengottes“) wird etwa das Wachstum eines Kindes im Mutterleib sprachlich symbolisiert, indem der Text sich vom Altsächsischen bis zur modernen hiberno-englischen Umgangssprache entwickelt. Mit Hilfe wechselnder Sprachstile vollzieht der Text gleichsam die Ontogenese der englischen Sprache bis hin zu moderner irisch-englischer Umgangssprache. Mit der Geburt des Kindes erblickt gleichzeitig die Gossensprache das Licht der Welt.
Das siebte Kapitel („Äolus“) ist vollständig in Form kurzer Zeitungsartikel verfasst.
Das letzte Kapitel, der berühmte Schlussmonolog von Blooms Frau Molly, „Penelope“ genannt, besteht aus acht langen Sätzen ohne Interpunktionszeichen, die den Leser Mollys Bewusstseinsstrom miterleben lassen.
Entstehung des Romans:
Die vollständige Erstausgabe erschien 1922, verlegt durch Sylvia Beach, Besitzerin der Buchhandlung Shakespeare and Company in Paris, gekürzt um Passagen, die als obszön galten. Die erste vollständige und von Joyce autorisierte deutsche Übersetzung durch Georg Goyert erschien 1927.
Bezug zur Odyssee:
Parallel zu Homers Versepos „Die Odyssee“ gliedert sich Ulysses in drei große Teile: Telemachie, Odyssee, Nostos. Diesen sind die 18 Episoden aus dem Epos auch thematisch zugeordnet.
Das Gorman-Gilbert-Schema:
Der Roman besitzt keine Kapitelüberschriften. Der Autor hat befreundeten Personen Schemata überlassen, die jedem Kapitel ein Organ, eine wissenschaftliche Disziplin, eine Farbe, ein Symbol, eine Technik zuordnen und die jeweiligen Protagonisten der Handlung mythischen und literarischen Personen zuordnet. Die bekannteste und umfangreichste Version dieses „Schlüssels zum Roman“ ist das so genannte Gorman-Gilbert-Schema.
Die Hörspiel CD:
23 CDs, es sprechen vor allem Dietmar Bär, Manfred Zapatka und der berüchtigte Monolog seiner Frau Molly wird gesprochen von Birgit Minichmayer.Oft wird – auch im Hintergrund – Musik eingespielt.
In den Münchner Kammerspielen soll es in der kommenden Spielzeit ein James Joyce Projekt geben.
Der Roman endet mit dem Wort „Ja“. Er beginnt im Englischen mit einem „S“ und endet mit einem „s“.
Heute ist der berüchtigte Bloomsday. Der Bloomsday ist ein alljährlich am 16. Juni feierlich begangener Gedenktag, der sich auf den Ulysses, das Hauptwerk des irischen Schriftstellers James Joyce, bezieht.Es ist der einzige Roman weltweit, der zelebriert wird.Für mich handelt es sich bei diesem Buch, dem am wenigsten gelesenen Klassiker des 20. Jahrhnderts, geradezu um eines der Weltwunder!
Namensgeber ist die Hauptfigur des Romans, Leopold Bloom. Der Roman spielt in Dublin und beschreibt die Ereignisse eines einzigen Tages, des 16. Juni 1904. Am Bloomsday suchen Fans und Freunde, Leser (und Nicht-Leser) des Romans die „realen“ Orte des fiktiven Geschehens auf, an denen dessen Hauptpersonen – der Anzeigenakquisiteur Leopold Bloom und seine Frau Molly, der junge Lehrer und Schriftsteller Stephen Dedalus und andere Romanfiguren – bestimmte Dinge tun oder erleben (wie Zitronenseife in Sweny’s Shop erwerben oder ein Gorgonzolabrot bei Davy Byrne verspeisen). Annähernd verstehen kann man den Roman trotz seiner sehr einfachen Handlung nur dann, wenn man die kommentierte, von Hans Wollschläger übersetzte Fassung liest, die im Suhrkamp-Verlag herausgebracht wurde. Es ist unglaublich, was in diesem Roman steckt. James Joyce lebte meist in Paris, Zürich und Triest und schilderte doch mit unglaublicher Detailkenntnis (Sonneneinstrahlung auf einem Gehweg um eine bestimmte Uhrzeit) den Tag in Dublin. In der James Joyce Foundation in Zürich werden seit Jahrzehnten Lese- und Diskussionsgruppen zum Roman veranstaltet.
Sehr hörenswert ist die aus 21 CDs bestehende Hörspielfassung des Romans! Sie galt nach ihrem Erscheinen als die beste Hörspielfassung aller Zeiten.