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THEATER: Jens Harzer

Er ist derzeit – Achtung, das geht nur für Schnellentschlossene – an mehreren Stellen zu sehen! Jens Harzer. Neben vielen Preisen und Auszeichnungen wurde Jens Harzer ja etwa 2008 und 2011 zum Schauspieler des Jahres gewählt.

2019 bekam Harzer außerdem den berüchtigten Iffland-Ring verliehen. Der Iffland-Ring ist ein Fingerring mit dem Porträt des deutschen Schauspielers, Theaterdirektors und Dramatikers August Wilhelm Iffland  (1759–1814), der am Mannheimer Nationaltheater in der Uraufführung von Friedrich von Schillers Drama „Die Räuber“ Franz Moor spielte. Der diamantbesetzte Eisenring wird von seinem jeweiligen Träger testamentarisch an den seiner Meinung nach „jeweils bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters“ auf Lebenszeit verliehen, wobei die Tradition verlangt, dass dieser männlich ist. 

Von 1996 bis 2019 war Bruno Ganz Träger des Iffland-Rings. Nach Ganz’ Tod gab der österreichische Kulturminister am 22. März 2019 bekannt, dass der deutsche Schauspieler Jens Harzer zum Träger des Rings bestimmt wurde.

So, wo ist Jens Harzer also derzeit zu sehen?

Zum Einen heute Abend, Mittwoch, 27. Januar, im Fernsehen. Im ARD kommt um 20:15 Uhr der wahrscheinlich recht skurrile Spielfilm „Ruhe! Hier stirbt Lothar“ mit Jens Harzer in der Hauptrolle. Neben Corinna Harfouch. HIER der Link zum Film. Der Film ist sicherlich (ich weiß es nicht genau) anschließend in die Mediathek zu finden.

Zum Anderen: Er ist im Stream des Schauspielhauses Bochum seit Sonntag, dem 20. Januar 2021, zusammen mit Sandra Hüller in der Inszenierung „Erinnere dich, Penthesilea“ zu sehen. Es ist nicht die gefeierte Penthesilea-Version von Johan Simons, die auch an den Münchner Kammerspielen lief. Es ist ein besonderes Neuarrangement! Als spielerische Erinnerung an eine Aufführung, wie sie einmal war, und als Erinnerung von Penthesilea und Achilles an ihre gemeinsam Geschichte. Für diesen Stream muss man Karten kaufen. Der Stream ist leider nur noch bis morgen, Donnerstag, den 28. Januar 2021, verfügbar.

Drittens: Noch für wenige Tage – bis zum 31. Januar 2021 – ist Jens Harzer in der wirklich sehenswerten und damals sehr gefeierten Inszenierung von Tschechows „Onkel Wanja“ am Deutschen Theater Berlin zu sehen! Eine wunderbare Inszenierung mit wirklich herrlicher Leistung vor allem von Jens Harzer und Ulrich Matthes. HIER der Link zu dieser Inszenierung.

Es war eine Inszenierung von Jürgen Gosch, Harzer spielte den Arzt Michail Lwowitsch Astrow. Die Inszenierung war ein überragender Erfolg und wurde wiederum von der Jury der Zeitschrift „Theater heute“ zur „Inszenierung des Jahres“ gewählt. Für ihre Rollen des Onkel Wanja und Astrow wurden Ulrich Matthes und Jens Harzer 2008 dann eben auch gemeinsam zu den „Schauspielern des Jahres“ gewählt. Das Stück gehört meines Wissens immer noch zum Repertoire des Deutschen Theaters.

Der sehenswerte Stream ist kostenlos. In typischer Manier des damaligen Regisseurs Jürgen Gosch sieht man ein äußerst karges Bühnenbild, mehr ein „Kasten“, und alle Schauspieler bleiben permanent auf der Bühne!

Übrigens: Das Deutsche Theater bietet in diesem Zusammenhang noch ein besonderes Video an: Ein Video gibt Einblick in die Proben unter anderem von „Die Möwe“, von „Idomeneo“ und von „Onkel Wanja“, alle unter der Regie von Jürgen Gosch. Auch das ist ein wunderbares Video. HIER der Link dazu.

Noch etwas: Auch Ulrich Matthes, der in der oben genannten schönen Inszenierung „Onkel Wanja“ phantastisch den Onkel Wanja spielt, ist derzeit auch an anderer Stelle sehr schön zu sehen! 3sat bringt in der Mediathek derzeit noch zwei der drei jährlichen „Starken Stücke“ aus dem Theatertreffen. Ulrich Matthes spielt in Molieres „Der Menschenfeind“ in der Inszenierung von Anne Lenk den Alcestes. Diese Inszenierung wurde ja im vergangenen Jahr zum Theatertreffen in Berlin eingeladen.

Copyright des Fotos: dpa/ Christian Charisius

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SONSTIGES: Ferdinand von Schirach – Feinde

Ferdinand von Schirach hat weltweit Erfolg mit seinen Büchern. Er war früher Strafverteidiger und schreibt seit Jahren durch die Schilderung juristischer Straffälle in immer neuen Varianten über das Verhältnis des Menschen zum bei uns bestehenden Rechtsstaat. Immer wieder läuft es auf die Frage hinaus: Wie empfindet der Leser die geschilderte Rechtsentscheidung?

Diesem Muster, in dem wieder das Rechtsgefühl des Lesers angesprochen wird, folgt auch die Verfilmung des Buches „Feinde“ von Ferdinand von Schirach. Sie wurde am Wochenende im ARD gezeigt und ist weiterhin dort in der Mediathek abrufbar. Das Besondere an diesem „Experiment“ – wie es genannt wurde – ist, dass derselbe Fall aus zwei verschiedenen Blickwinkeln heraus komplett – quasi zweimal – gezeigt wird. Man sah am Wochenende in der Ausstrahlung im ARD daher bis Mitternacht zwei Fassungen desselben Falles. Einmal gesehen aus dem Blickwinkel des ermittelnden Polizeikommissars und einmal gesehen aus dem Blickwinkel des Rechtsanwaltes, der den Angeklagten vor Gericht verteidigte. Zwischen diesen beiden Fassungen sah man außerdem noch Rückblicke auf tatsächlich geschehene ähnliche Entführungsfälle (etwa die Entführung des Sohnes der Familie Metzler oder die Entführung von Dr. Oetker) und Ausschnitte aus Interviews mit betroffenen Personen, Hinterbliebenen etc.

Ich habe es mir angesehen. Es lässt sich trefflich über den Abend diskutieren. Das ist natürlich sehr sinnvoll und von Ferdinand von Schirach ja auch bezweckt. „Darf die Polizei zur Rettung eines entführten Mädchens unter Zeitdruck Druck auf die verdächtige Person ausüben, sie sogar (hier) mit Waterboarding zu einem Geständnis bringen?“ ist die Frage.

Mein Eindruck: So interessant und richtig eine solche Fragestellung ist (man sollte immer wieder über das jeweils bestehende Rechtssystem kritisch nachdenken, gerade durch die Schilderung von extremen Fällen), meines Erachtens war diese Verfilmung nicht sehr gelungen. Ich habe folgende Kritikpunkte für mich gesehen:

  • Klaus Maria Brandauer spielte den Rechtsanwalt. Er spielte ihn meines Erachtens unnötigerweise ständig leicht süffisant. So tritt ein Anwalt in einem solchen Fall wohl eher nicht auf.
  • Es gab meines Erachtens auch kleine logische Fragezeichen. Etwa: Warum fragte der Polizeibeamte nicht den Anwalt, ob er selber Kinder habe? Auch die Tatsache, dass das entführte Mädchen sterben musste, ist etwas fraglich. Das hat natürlich die Betroffenheit der Zuschauer sehr gesteigert, passierte aber auf einem fürchterlichen Zufall. Die Rechtsfrage – Freispruch oder Verurteilung? – wäre die gleiche gewesen, wenn das Mädchen nach dem erpressten Geständnis lebend wiedergefunden worden wäre.
  • Die Verfilmung und die Geschichte bediente außerdem leider immer wieder einfache Klischees. Besonders das Leben des Rechtsanwalts und das Verhältnis zu seiner Frau. Das mag der Erzählung des Films nicht geschadet haben, es stellt nur die Qualität der Verfilmung infrage.
  • Vor allem fragte ich mich: Was wollte der Film? Es dürfte bei uns jedermann klar sein, dass der Einsatz von Waterboardingmethoden zur Erzwingung eines Geständnisses – noch dazu von einer Person, deren Schuld noch überhaupt nicht geklärt war -, völlig ausgeschlossen ist. Natürlich ist das dann so erzwungene Geständnis gerichtlich nicht verwertbar.
  • Der Zuschauer wurde daher eher mit der Frage konfrontiert: Kann es nicht doch eine Ausnahme geben, wenn es sich um eine so fürchterliche Entführung eines jungen Mädchens handelt? Der Zuschauer wurde ausführlich damit konfrontiert, wie schrecklich so etwas sein kann. Der Zuschauer wusste insoweit sogar mehr, als der handelnde Polizeibeamte. Auch das war etwas fraglich. Dennoch dürfte allen klar sein: Waterboarding zur Erzwingung eines Geständnisses wird nicht zulässig sein. Natürlich führt das zu fürchterlichen Ergebnissen: Der Angeklagte und letztlich Schuldige musste nämlich freigesprochen werden!
  • Es wurden dann ausgewählte Zuschauer (Jurastudenten, Eltern…) gebeten, nach Ansehen des Films (den sie vorab gesehen hatten) die Frage zu beantworten: „Ist der Freispruch gerecht?“ Mich irritierte das Wort „gerecht“ in dieser Frage. Zielte die Frage darauf ab zu erfahren, ob man das Urteil dem Rechtssystem entsprechend empfand? Oder zielte die Frage nicht auf das Rechtssystem, sondern auf das Empfinden ab, dass eine solch grauenhafte Tat doch wohl nicht zu einem Freispruch führen könne. Was bedeutete das Wort „gerecht“ in dieser Frage? Letzteres war wahrscheinlich beabsichtigt. Allein die Betroffenheit der Befragten war angesprochen! Die Mehrheit der Befragten antwortete auch, der Freispruch sei nicht „gerecht“. Nur die Juristen sahen es mehrheitlich anders. Unausgesprochen blieb aber die Frage, ob diese Personen dann auch Waterboarding zur Erzwingung eines erhofften Geständnisses tatsächlich zulassen würden – also sogar den Einsatz von Waterboarding in einer solchen Situation als „gerecht“ im Sinne des Rechtsstaates ansähen – oder ob sie bei der Beantwortung der Frage nach „gerecht“ nicht schlicht – nachvollziehbar – ihrer Empfindung folgten, ihrer Betroffenheit, dass so etwas doch nicht „gerecht“ sein könne im Sinne von „menschlich“. Ja, meines Erachtens wurde der klaren Rechtslage mit dem Filmabend „nur“ eine extreme „Mitleidskomponente“ oder besser „Mitfühlenskomponente“ gegenübergestellt. Es ging nicht um das Rechtsgefühl, sondern um Empfindung. Natürlich hat man Empfindungen bei einem so fürchterlichen Fall. Aber das Rechtssystem kann leider nichts gegen solche Empfindungen tun! Das Rechtssystem erscheint insoweit wirklich „unmenschlich“. Das zeigte ja im Ergebnis auch die Verfilmung, in der der Beschuldigte freigesprochen wurde. Aber das Rechtssystem kann nicht anders! Die dahinter stehende Frage (und die Befragung der Zuschauer) führte dabei etwas in die Irre, sie führte nur auf die natürlich angebrachte starke Betroffenheit der Zuschauer.

Wer mir Kommentare zu diesem Fall schicken möchte, bitte gerne. Vielleicht muss ich es anders sehen, vielleicht habe ich etwas übersehen?

Copyright des Fotos: ARD Degeto/Moovie GmbH/Stephan Rabold

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Sonstiges

SONSTIGES: Schnell gedacht

Schnelle Blogbeiträge, spontane Gedanken, aktuell, generell, nicht aktuell, speziell, mal sehen. Kommentare sind willkommen, ich antworte auch nicht, versprochen! Vielleicht mache ich es künftig öfters so.

Wir haben die Bundestagswahl überstanden. Eine meiner Überlegungen:

Die Medien (vor allem das Fernsehen):

Haben nicht auch die Medien eine Mitschuld an Politikverdrossenheit? Ich sehe das Aufkommen der AfD auch als Folge einer Verdrossenheit. 2/3 Protestwähler! Aber es gibt ja unabhängig davon einige, die sagen, es müsse sich ohnehin Einiges ändern. Man sollte z. B. durchaus kritisch mit den Medien umgehen. Viele Medienvertreter, auch oder gerade in den Talkshows, die uns Tag für Tag durch die politischen Themen führen, werden erstaunlicherweise nie kritisiert. Von wem auch? Von sich selbst?

Sie haben irre Einfluss auf die öffentliche Diskussion. So auch etwa jetzt nach der Bundestagswahl. Ich finde, einige der Journalisten sind offenbar zunehmend eingebildet. Sie lenken die Politiker, die sie befragen, letztlich in eine bestimmte Richtung. Und gute Diskussionskultur? Naja! Mich wundert es, dass kein Parteivertreter einmal gegen diese teilweise wundersamen Fragen der Journalisten angeht, d.h. eine Antwort verweigert, kontert o.ä. Beispielsweise das Thema der Koalitionsverhandlungen: Es werden uns jetzt automatisch die schwierigen Kontroversen zwischen den Grünen, der FDP und der Union aufgezeigt. Das ist schön und gut, aber es wird m. E. vergessen und einfach überspielt, dass die Politiker Respekt haben können und müssen vor der getroffenen Wahl der Bürger. Dass sie sich bemühen müssen, einen Kompromiss für eine Mehrheit zu finden. Dass sie das vielleicht auch sehen, aber einfach nicht ausdrücken können. Genau das müsste aber auch einmal zum Ausdruck gebracht werden. Die Politiker werden sofort in die Befragung zu den so gravierenden Unterschieden der Parteien getrieben! Und im übrigen heißt es: Kampf gegen die AfD, obwohl man sieht, dass fast Zweidrittel der AfD-Wähler Protestwähler waren. Auch das kann zu Politikverdrossenheit führen. Mit Verschulden der fragenden Journalisten! Es wird nur vermittelt, dass schwere und kompromisslose Koalitionsverhandlungen zu führen sind. „Wie soll das denn gutgehen„, heißt es! Vor der Wahl hieß es eher noch: „Naja, groß sind die Unterschiede der (großen) Parteien garnicht! So ein langweiliger Wahlkampf

Politikverdrossenheit wird auch durch die Medien gefördert, ist mein Eindruck! Ich kann diese Talkshows und Interviews manchmal kaum ertragen!

Das tolle Foto für den Blogbeitrag ist übrigens von Gregor Kuhlmann, mehr dazu HIER.

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Gelesen und geblättert

LITERATUR: Schweigeminute

Die Verfilmung des vielleicht schönsten Buches von Siegfried Lenz, „Schweigeminute“, kommt heute abend um 20.15 Uhr im ZDF. Sehenswert. Innerhalb von fünf Monaten wurden mehr als 250 000 Exemplare des Buches verkauft. Der Verlag freute sich: „Bislang hat sich kein Buch von Siegfried Lenz in so kurzer Zeit so gut verkauft, nicht einmal die „Deutschstunde“ (siehe meinen früheren Blogbeitrag).Es ist die Liebesgeschichte eines Schülers und seiner Lehrerin, die nur ein paar Wochen dauerte. Anlässlich der Gedenkfeier für die verstorbene Geliebte erinnert sich der Achtzehnjährige an die gemeinsamen Erlebnisse mit ihr.“Wir haben meinem Freund Siegfried Lenz für ein poetisches Buch zu danken. Vielleicht ist es sein schönstes„, hatte Marcel Reich-Ranicki gesagt.

Schweigeminute - Sommerausgabe