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THEATER: Münchner Kammerspiele und BUCH: Miranda July, Der erste fiese Typ

Aus dem Roman „Der erste fiese Typ“ von Miranda July ein Theaterstück zu machen, ist ein großer Schritt. Der nicht sehr bekannte Roman wurde in Deutschland im letzten Jahr oft besprochen, siehe etwa die Besprechungen auf ZEIT – online, SPIEGEL – online oder in der FAZ.  Originaltitel „The First Bad Man“. Ein großer Schritt ist es, denn die geschilderte Story ist schrill, modernes Leben, Welten krachen aufeinander. Aber der Hintergrund, um den es geht, ist nicht schrill, er versteckt sich, muss aber unbedingt mit rüberkommen. Denn es geht – was die Story angeht – nicht nur ganz schön zur Sache, es geht sehr entscheidend um diese Gesamtstimmung. Und viele Details machen diesen sehr schnellen, lässigen, modernen Roman aus. Das Entscheidende des Romans ist, wie gesagt, zwischen oder hinter den Zeilen zu finden, in der Entwicklung des Geschehens aus Sicht der Protagonistin Cheryl Glicksmann. (Der Roman wird sogar gegen Ende immer besser). Am Ende des Romans ist man irgendwie trotz des Chaos‘, das um Cheryl herum herrscht,  zufrieden. Gerade das Chaos hat Cheryl schließlich doch Einiges gebracht.

Ich hatte den Roman vor der Premiere am Freitag in der Originalfassung gelesen und mir danach gesagt: „Wenn es gelingt, aus DIESEM Roman ein passendes Theaterstück zu machen, dann Hut ab!“ Das muss man erst einmal rüber bekommen in einer Inszenierung. Aber genau so war nach der Premiere mein Eindruck: Hut ab! Gelungen!

Miranda July hatte es bisher ja abgelehnt gehabt, das Buch als Theaterstück zu bringen. Es war insoweit eine Weltpremiere! Man kann das Theater nach diesem Stück als „etwas glücklicherer Mensch“ verlassen, sagt Willibald Spatz zurecht auf www.nachtkritik.de.

Christopher Rüping, dem jungen Hausregisseur der Münchner Kammerspiele, ist der Schritt vom Buch zum Theaterstück mit der Premiere am Freitag gelungen! Viele, die auf so etwas warteten, könnten eigentlich, finde ich, sagen: „Da ist er! Der erste große Wurf unter Mathias Lilienthal“ – der sich ja der in der Tat der schweren Aufgabe hingibt, München „aufzubrechen“, wirklich aufzubrechen, aus einem wohlhabenden Dornröschenschlaf der Gewohnheiten zu holen. Nicht halb aufbrechen, sondern ganz aufbrechen! Die Müncner sind eben Sturköpfe! (Meines Erachtens gab es aber duchaus schon mehrere „große Würfe“, absolut besondere Stücke: „Caspar Western Friedrich“ etwa, „Krieg und Frieden“ etwa, „Die Selbstmord-Schwestern“ etwa. Aber das sehen nicht sehr viele so.) Gestern ist jedenfalls meines Erachtens einer dieser Würfe gelungen. Würfe, die sich ja auch durch ihre durchgehende absolute Stimmigkeit der gesamten Darbietung und hier der Umsetzung des Buches auszeichnen und einen besonderen Theaterabend schaffen.

Worum es geht? Die Stimmungslage von Cheryl und ihr Gefühlsleben in der modernen Welt. Man durchlebt im Buch verschiedenste Phasen von Cheryls Leben. Phasen, die ihr anscheinend in großer Ordnung eingeschlafenes Verhältnis zur Liebe, zu ihrer Liebesfähgkeit, zur Erotik, zum Verhalten anderer Personen (vor allem bezüglich Liebe, Erotik etc.), ja zum Leben insgesamt zeigen. In einem sehr modern und lässig geschriebenen Roman. Anders etwa als bei „America“ von T. C. Boyle, von dem eine Umsetzung derzeit auch noch in den Münchner Kammerspielen gebracht wird (siehe den Blogbeitrag vom 6. Juni 2016): Dort gibt vor allem die Handlung schon viel her. Er ist allein dadurch auch schwerfälliger. Cheryl Glicksman, etwas über 40 Jahre alt, lebt alleine. Sie kennt nur ihre Ordnung. Ihr heiß geliebter „Freund in Gedanken“, Phillip, um die 60 Jahre alt, hat eine Beziehung zu einem 16-jährigen Mädchen. Sie ist recht besessen von ihm, kommt aber nicht an ihn heran. Sie steht zwar in Kontakt zu ihm, es geht Phillip aber immer nur um seine erotischen Schritte in Beziehung zum 16 -jährigen Mädchen. Immer wieder kommen bei Cheryl drängende SMS von ihm an – groß an eine der Leinwände geworfen -, in denen es um ihn, Phillip, und seine erotischen Aktionen gegenüber seiner jungen Freundin geht. Bei Cheryl, die sich ein geordnetes Single-Leben eingerichtet hat, zieht dann auch noch Clee ein, die etwa 20-jährige völlig konträre Tochter ihres Chefs. Junk food, TV, Microwelle etc., das ist Clees Leben. Das bringt bei Cheryl alles durcheinander. Sofort sieht sie, dass sie mit ihrer Ordnungsliebe nicht ankommt. Dann kommt Streit, dann kommen intensive körperlich harte Kämpfe mit Clee auf. Wunderbar passend wird alles von Anna Drexler als Clee (und kurze Männerrollen) und Maja Beckmann als Cheryl gespielt. Cheryl und Clee kämpfen dann mehr und mehr nach genau dargestellten Situationen der Selbstverteidigung, minutenlang auch ohne Worte auf der Bühne. Cheryl arbeitet in einer Organisation, die Selbstverteidigungs-DVD’s herausgibt. Durch die geordneten Kämpfe nähern sich beide aber sogar eher einander. Es kommt Bewegung in ihr Verhältnis. Sie mögen sich immer mehr. Es wird Liebe. Cheryl lernt Liebe wieder kennen. Dann bekommt Clee auch noch ein Kind. Cheryl findet dabei große staunende Liebe zu Jack -, so nennt Clee ihr Kind. Sie verliert Clee aber letztlich an eine Freundin von Clee, Rachel. Clee ist ausgezogen. Kurze Enttäuschung. Cheryl behält allerdings das Kind von Clee. Und macht sich im Angesicht des Kindes Gedanken über das Leben! Cheryl kommt so schließlich wieder selber zu Facetten des Lebens, die sie gar nicht mehr oder noch nicht kannte. Das pralle Leben kommt über Cheryl. Sie hat es wieder an der Backe.

Schön und zum ganzen Bild (und zur Inszenierung) wunderbar passend  ist dann etwa der Schluss des Stückes: Cheryl und Clee schweben über der Bühne, es winkt ein „Astronaut“ ins Publikum, irgendwie ein Sinnbild für den erwachsenen Jack – der auch am Ende des Buches erscheint – und uns alle. Die Umsetzung des Buches wird ebenso passend durch die Musik von Brandy Butler und den Einsatz von Videoaufnahmen durch Rebecca Meining ergänzt.

Mein einziger Punkt: Cheryls viele wechselnden Stationen durch all das könnten für den Zuschauer m. E. sogar irgendwie noch etwas deutlicher werden. Schade, dass etwa der durchaus wichtige Moment, in dem Clee und Cheryl sich küssen, ganz hinten auf der tiefen Bühne stattfindet. Fast versteckt. Aber da gibt es nichts zu verstecken.

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MUSIK: Simple Minds – Don’t you (forget about me)

Es geht Richtung Pop, ist aber ein schöner Song: Simple Minds mit Don’t you (forget about me): „Rain keeps falling down!“ Oder wie heißt es am Ende so schön: „La-la-la-laha, la-la-la-laha, laa laa laa, laa laa laa, lala – lala!“

Vor allem ist es wieder einmal unglaublich zu sehen, wie  ein einzelner Mann, Sänger und Mitgründer der Simple Minds Jim Kerr, einer ihn anhimmelnden, tobenden, tosenden, begeisterten, mitkreischenden, mitklatschenden, mitsingenden und wogenden Menschenmenge gegenübersteht, über ihr schwebt – und es ruhig aushält. Wie im richtigen Leben, wir kennen es ja alle!

1985 gelang den Simple Minds mit diesem Song (aus dem Film Der Frühstücksclub) der internationale Durchbruch. Den Namen Simple Minds entlehnte die Band einer Textzeile des David-Bowie-Songs The Jean Genie („He’s So Simple Minded He Can’t Drive His Module“).

Der Song ist mein Lebenssong, Freunde wissen es! Lausanne 1983!

Hier die Lyrics zum Song:

Won’t you come see about me
I’ll be alone, dancing, you know it, baby
Tell me your troubles and doubts
Giving me everything inside and out
Love’s strange, surreal in the dark
Think of the tender things that we were working on
Slow change may pull us apart
When the light gets into your heart, baby
Don’t you forget about me
Don’t, don’t, don’t, don’t
Don’t you forget about me
Will you stand above me
Look my way, never love me
Rain keeps falling
Rain keeps falling
Down, down, down
Will you recognize me
Call my name or walk on by
Rain keeps falling
Rain keeps falling
Don’t you try and pretend
It’s my feeling we’ll win in the end
I won’t harm you or touch your defences
Vanity, insecurity
Don’t you forget about me
I’ll be alone dancing, you know it, baby
Going to take you apart
I’ll put us back together at heart, baby
Don’t you forget about me
Don’t, don’t, don’t, don’t
Don’t you forget about me
As you walk on by
Will you call my name
As you walk on by
Will you call my name
When you walk away
Oh, will you walk away
Will you walk on by
Come on, call my name
Will you call my name..
 

Hier die Liveversion …

Und hier eine im Klang klarere Studioversion:

Und hier Live Aids Wembley Stadion:

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THEATER: Kammerspiele – No Theater

Ein Beitrag eher für Münchner:

Am Samstag war wieder eine: Uraufführung des Stückes „Nō Theater“ des japanischen Autors Toshiki Okada in den Münchner Kammerspielen. Ich verlinke hier zur zuerst erschienenen Besprechung auf www.nachtkritik.de, in der man auch ein paar der Einzelheiten zu der alten traditionellen japanischen Form des No Theater lesen kann.

Es geht – grob gesagt – im streng formalisierten Nō Theater darum, dass die Geister verstorbener Menschen in der aktuellen Welt noch Dinge erledigen müssen, um das Leben des Verstorbenen wirklich abschließen zu können. Der verstorbene Mensch befindet sich also noch in einem Übergang. Daher stellt in diesem Stück die Bühne sehr gut passend und beeindruckend eine U-Bahn-Station in Tokio dar, die U-Bahn ist nun einmal gerade in Japan Ort des Übergangs, jeder kommt und geht woanders hin.

Mein Eindruck zum Stück: Die Münchner Kammerspiele schaffen Wunderbares, WENN man sich darauf einlässt. Wieder einmal wurde der Zuschauer durch ein sehr besonderes Stück in einen speziellen, eigenen und dadurch wertvollen Zustand versetzt. Man kann das Theater bereichert verlassen. Allein das Erleben dieses Zustandes ist das Stück wert! Es muss nicht immer das schnell gedachte Konsumergebnis „Es war eine Klasse-Umsetzung des Klassikers xy“ am Ende stehen, um zu überzeugen!

Es wird Ruhe produziert, das Geschehen wird ungewohnt und wohltuend entschleunigt, mit einer gewissen Zartheit und Zurückhaltung – typisch japanisch? – werden schwere aktuelle Probleme der japanischen Gesellschaft angesprochen. Von den Geistern zweier Verstorbener, auf zwei unterschiedlichen U-Bahn-Stationen in Tokio. Perplex beobachtet ein junger Mann (Thomas Hauser) die Lage, wird in die Atmosphäre des Stückes hineingezogen.Wie alle Regiearbeiten Okadas ist „Nō Theater“ dabei geprägt von der Diskrepanz zwischen Bewegung und Sprache. Die Schauspieler tragen meist statisch stehend mit unbewegten Mienen ihren Text vor. „Mal hebt sich ein Fuß, mal greifen Hände in die Luft, mal beugt oder wiegt sich ein Körper sachte“, schreibt zurecht Petra Hallmayer auf http://www.nachtkritik.de. Auch dies sind Elemente des japanischen Nō Theaters.

Inhaltlich: Man wurde mit Problemen konfrontiert, die sicherlich besonders auf der japanischen Gesellschaft lasten. Warum wird es bei uns gezeigt? Nun, etwa weil viele Japaner hier leben und zu uns kommen. Oder einfach aus Interesse an der japanischen Denkweise und Gefühlslage, als immer nötiger werdender Blick über den Tellerrand. Oder auch, weil es sich lohnt zu überlegen, ob es nicht genausogut Probleme unserer Gesellschaft sind (Tenor: Das grenzenlose Treiben des Finanzwesens – „the bubble“ – und der Feminismus zerstören die Zukunft der japanischen Gesellschaft!). Oder, weil es einfach auch interessant ist zu lernen, dass man auch sehr reduziert – mit dem ruhigen Abstand der Geister – Probleme betrachten und angehen kann, nicht hektisch nach Lösungen greifen muss, die die nächsten Fehler beinhalten. Auf einen abschließenden Lösungsvorschlag kommt es angesichts dessen garnicht entscheidend an. Der Anstoß ist es! Getragen wurden die Zuschauer im Übrigen von bizarren und einzigartigen „Klängen“ des auf der Bühne sitzenden japanischen Musikers. Der Musiker, der auch auf der anschließenden Premierenfeier – zusammen mit Jelena Kulic – etwas spielte.

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MUSIK: Jahresrückblick 2016

Hier die Liste der in 2016 im Blog gebrachten Musik

musik-im-blog-2016

Musiktipp der Woche

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Neujahrswünsche 2017

Auch noch einmal wegen der fehlenden Facebook- Verknüpfung:

Trotz des guten Rutsches in das Neue Jahr – was hoffentlich allen gelungen ist – hier noch ein paar ganz wesentliche Überlegungen. Es ist schließlich alles andere als „nicht angebracht“ oder „nicht angemessen“, ja eher doch erforderlich, trotz aller kaum oder nur schwer überhörbaren, manchmal geradezu lärmenden, nicht nur leise tönenden Unkenrufe aus nicht unbedingt nahen, mitunter sogar sehr fernliegenden und – wenn man es sich nicht tatenlos ansieht – fast schon – Entschuldigung – nicht gerade ungleichen Ecken (trotz aller Unterschiede), die einen oder die anderen natürlich doch immer ungleichen Modalitäten der nicht angepasst, anders und jedenfalls abweichend Denkenden ohne Umschweife nicht nur hinzunehmen, sondern geradezu zielbewusst ohne Unwillen oder Unmut zu befürworten. Darum geht es doch! Sie nicht nur mit einer Art des immer wieder anzutreffenden gedankenlos untertriebenen Widerwillens bloß scheinbar und eher zufällig zu fördern, ohne sie doch zu fördern und ohne ihnen dabei eine wirkliche Unterstützung nicht zu versagen. Genau! Mit aller nicht aufdringlichen, fast zurückhaltenden, dennoch tiefgreifenden, nicht nur unklar säuselnden Bejahung und ohne die in heutiger Zeit nicht beruhigende, sondern verneinende, unschöne Unkenntnis versteckender Nichtbeachtung. Ja! Schließlich geht es nicht ohne die Anderen. Heutzutage erst recht! Sofern man sich jedenfalls all dem nicht in bloßer Banalität und in unsäglichem Populismus – nicht nur in Amerika, ich denke nicht weniger und überhaupt nicht unkonkret an ein kaum noch existierendes Europa und nicht zuletzt an Bayern– sowie in primitiver Radikalität mit Scheuklappenmodus ohne Hirn und Geist verschreibt und diese Elemente des nicht zu verneinenden Geschehens – auch des Nichtgeschehens – mit nicht falsch einzuschätzender Brutalität des ohnehin nicht gerade Unprimitiven nicht ohne Umschweif entsagt. Oder nicht? Denn wer, wenn nicht wir? Jeder von uns doch irgendwie auf seine Weise! Weil so kann es ja nicht immer bleiben oder weiter werden, warum auch? Das kann ja noch schlimmer werden, jedenfalls würde es nicht besser werden. Und wenn es auch erst morgen oder übermorgen oder zu irgendwie natürlich noch schwer vorhersehbarem Zeitpunkt. Wenn es nicht gerade unpassend, sondern eben nicht unschön weitergehen soll, anders und neu, dann muss oder kann man sich dem Ganzen nicht mangels Interesse irgendwie verschließen, also nicht nicht wirklich öffnen. Finde ich! Nicht nur irgendwie, sondern völlig und ohne negative Verneinung sollte man vorgehen. Courage! Es muss möglich sein, heute oder wann auch immer. Weil mit aller Kraft sollte man nicht übersehen, ja besser sogar: Man sollte ohne jede ohnehin unnötige Versagung doch den Umständen nachstreben, in denen dem herkömmlichen und gewohnten Standard des Lebens in natürlich nicht unangebrachter Form – auch ohne unnötige Konfrontation, aber mit nicht ganz zu übersehender Chuzpe – entgegengetreten wird, oder es jedenfalls versuchen, nicht dagegen es tatenlos unterlassen. Es wird Zeit! In diesem klaren Sinne wünsche ich allen, die bis hierhin gelesen haben und jetzt vielleicht ein wenig an ihrem Verstand zweifeln, ein gutes neues Jahr, das nicht so kompliziert wird, wie dieser Text! We’ll take it easy!

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Facebook

Erneut war Facebook nicht verbunden! Bitte daher die letzten Beiträge auf dem Blog durch Aufruf des Blogs unter http://www.maxkuhlmann.com nachträglich ansehen! Interessant!

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Hinweis

Morgen abend im Deutschlandfunk.

Udo Lindenberg, der Bundesnuschler mit dem permanenten Kussmund, unser nächster Bundespräsident, ist dieses Jahr ja siebzig Jahre alt geworden. Und er hat eine Tournee durch Deutschland abgehalten. Er beginnt seine Tourneen aus Verbundenheit immer in Timmendorf an der Ostsee („Öffentliche Generalprobe“ im Maritim Seehotel). So auch dieses Mal. Deutschlandfunk bringt morgen, Freitag, 15.07.2016 in der Reihe On Stage  um 21.05 Uhr eine Stunde von diesem Konzert. Ein Muss natürlich. Viele wollten ja hingehen und hatten keine Zeit, keine Karten mehr bekommen o. ä. Und manch einer möchte dem erlebten Konzert vielleicht noch einmal nachschwelgen.

Wer den Sender Deutschlandfunk (nicht: Deutschlandradio Kultur) sucht: Einfach auf der Startseite dieses Blogs rechts bei „Blogroll“ den Deutschlandfunk anklicken – dort ganz nach unten scrollen – auf „Frequenzen“ klicken – und weiter gehts.

Ich werde den link zu der morgigen Sendung nachträglich in einem Blogbeitrag bringen, man kann es eventuell einige Monate lang nachhören.

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MUSIK: Genesis – Carpet Crawlers

Auf meiner Musikliste ziemlich weit oben: GenesisThe Carpet Crawlers. Das erst Video ist eine Aufnahme aus einem Konzert in Rom im Jahre 2007. Es passt auch deshalb, da es mich ab kommender Woche für mehrere Wochen nach Italien – südliche Toskana, nicht weit von Rom – verschlägt.

Hier zum Erinnern an die Siebziger-/Achtzigerjahre zwei Versionen des Songs. Zuerst The Carpet Crawlers gesungen von Phil Collins:

Und dann zum Vergleich die fast poetischer gesungene Version des Songs The Carpet Crawlers von Peter Gabriel:

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Facebook

Heute ist aufgefallen, dass der Blog seit Wochen nicht mit Facebook verlinkt ist. Schade, aber alles kann noch gelesen und gehört werden! Für Interessierte: Es sind in letzter Zeit etwas weniger, aber folgende Beiträge erschienen:

Immer wieder die Liebe
Musik der Woche
Nachtrag zu Ulysses von James Joyce
Bloomsday
Buchtipp
Musik der Woche
Gesehenes
Gelesenes
Theaterwelten
Musik der Woche
Musik der Woche
Yehudi Menuhin
Musik der Woche
Hinweis
Musiktipp der Woche
Namen, die genannt werden können
Musiktipp der Woche
Kinofilm: Mein ein, mein alles

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MUSIK: Prince – Purple Ran

Heute ist Prince gestorben.  Sein bürgerlicher Name war Prince Rogers Nelson. Er wurde nur 57 Jahre, hatte in den letzten Wochen an einer Grippe gelitten und kam ins Krankenhaus. Gestorben ist er auf seinem Anwesen in Minnesota. Sein Album „Purple Rain“ von 1984 gilt vielen als eines der besten Alben der Pop-Geschichte. Er sang, spielte Gitarre, Klavier und andere Instrumente. Sein legendäres Lied Purple Rain ist natürlich die Musik der Woche. Hier eine wunderbar lange Version, in der man ihn auch wunderbar sieht.

Eine Version aus zwei Welten: Bruce Springsteen spielt Purple Rain:

Und hier Prince:

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THEATER: Josef Bierbichler – Mittelreich

Hier ein Blogbeitrag eher für Münchner. Als Anregung für Erlebnisse in München. Gerne werden ähnliche Gastbeiträge aus anderen Städten aufgenommen. Kurze Berichte von Erlebtem:

Mittelreich von Josef Bierbichler in den Kammerspielen/Schauspielhaus: Ein Dorf am Starnberger See im Spiegel der Generationen, Erinnerungsfragmente. Der Seewirt, dem Zweiten Weltkrieg entronnen, übernimmt das Erbe des Vaters. Die Welt verändert sich zu dem, was man modernes Leben nennen wird, und doch bleibt alles überschattet von den Erfahrungen, die sich dem Leben eingeprägt haben. Eine neue Generation wächst heran, die aus der Vergangenheit ausbrechen will und doch verstrickt bleibt. Am Grab des Seewirts erklingt Brahms´ „Ein deutsches Requiem“, das die Lebenden trösten soll. Ausgehend von der Aufführung dieses Requiems inszeniert die Regisseurin Anna-Sophie Mahler Bierbichlers Roman, ein Musiktheater. Sehr, sehr gute schauspielerische Leistung!

La Sonnambula von Vincenzo Bellini in den Kammerspielen/“Opernhaus“: Ständig ausverkauft, Restkarten! Ein wunderbare Inszenierung des Opernstoffes. Die Geschichte der Schlafwandlerin Amina wird unpompös und immer wieder mit der schönen Belcanto-Musik näher gebracht. Eine besonders gut zusammen passende Besetzung! Lohnt sich auf jeden Fall!

Gurnemaz Schlaflos nach Richard Wagners Parsifal in den … Kammerspielen/“Opernhaus“; Als Gegenüber eines großen Opernsängers (Viktor van Halem) und eines Schauspielers (Gundars Abonis) inszeniert, ebenfalls eine besonders unpompöse Szene (Hotelszene) und Einblicke in die Oper. Gurnemaz kann man nicht mehr sehen, es lief nur zwei Mal.

War and Peace nach Krieg und Frieden von Leo Tolstoi in den … Kammerspielen/ Schauspielhaus; Ein Zusammentreffen von Schauspiel und Performance 8siehe Blogbeitrag). Meines Erachtens noch nicht vollends gelungen. Es ist eine klasse Annäherung an das Mammutwerk Krieg und Frieden von Leo Tolstoi, aber welche Ausssage hat die Performance? Es ist m. E. noch zu wenig diskursfordernd, obwohl gerade das der Ansatz ist! Die Gedanken zu Krieg und Frieden. Mehrere Zuschauer werden mit einbezogen.

Reihe „Episode“ in den … Kammerspielen: Die Folge Sportpalastwalzer der TV-Serie Der Alte wurde angesehen und besprochen mit Dominik Graf und dem Filmkritiker Bert Rebhandl. Interessant, Der Alte löste den Fall NICHT! Nächstes Mal House of Cards am 25. April.

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THEATER: Rimini Protokoll, Gob Squad, SheShePop

In München leuchtet derzeit die Performancewelt. Zur Irritation der Münchner holt der neue Intendant Matthias Lilienthal einige der besten deutschsprachigen Performancekollektive, Rimini Protokoll, Gob Squad oder SheShePop  an die Kammerspiele. Gestern war wieder eine Premiere: Eine Annäherung an das Mammutwerk Krieg und Frieden von Leo Tolstoi. Es hieß War an Peace. Keine Frage: Das geht zu Lasten des guten Ensembles der Kammerspiele, denn eine Performance lebt nicht von Schauspiel! Aber es bleibt eine jedenfalls für diese Spielzeit interessante Erfahrung! Man mag hoffen, dass Matthias Lilienthal in den kommenden Spielzeiten das wertvolle Ensemble der Kammerspiele wieder mehr schätzt. Auch um es nicht zu vergraulen. Man sieht sie fast garnicht mehr! Aber für diese Spielzeit kann man sich sagen: Theater mit Performances zu kombinieren ist ein für München auf jeden Fall interessanter Versuch, der einige aus dämmerigen Schlummerschlaf aufrütteln kann. Frage: Wo liegt der Unterschied zwischen Theaterschauspiel und Performance?

Performance als Kunstrichtung gibt es seit den 60er-Jahren, beeinflusst u. a. durch den Dadaismus (siehe Blogbeitrag). Performance ist häufig ortsgebunden, kann jedoch überall, zu jeder Zeit und ohne zeitliche Begrenzung stattfinden. Dabei kommen vier Grundelemente ins Spiel: Zeit, Raum, der Körper des Künstlers und eine Beziehung zwischen dem Künstler und dem Zuschauer. Es wird nicht „ein Stück aufgeführt“, sondern die Entwicklung im Ablauf einer Performance ist ein wesentliches Element. Nicht selten sind Performances offene künstlerische Versuchsanordnungen ohne Ablaufkonzept.

Rimini Protokoll (zeigte kürzlich Qualitätskontrolle, das Leben einer Querschnittsgelähmten) schreibt: Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Weiterentwicklung der Mittel des Theaters, um ungewöhnliche Sichtweisen auf unsere Wirklichkeit zu ermöglichen.

Für Gob Squad (zeigt derzeit War and Peace von Leo Tolstoi) wird eine Grenze überschritten, wenn sie mit Schauspielern zusammenarbeiten, wie jetzt bei War and Peace. Sie arbeiten nicht mit einem Regisseur.  Jeder auf der Bühne ist Miturheber der Performance. Es geht um Selbstreflexion der Akteure zu einem bestimmten Thema, evtl. unter Einbezug des Publikums, der Passanten etc.

SheShePop (zeigt derzeit 50 Grades of Shame) schreibt: Wir sind keine Darstellerinnen. Vielmehr stellen wir uns selbst und gegenseitig Aufgaben und lösen sie auf offener Bühne. Aus dem eigenen Erfahrungshorizont entwickeln sich unterschiedliche Perspektiven auf eine Frage. Das wird mitunter als autobiografisches Theater gedeutet. Tatsächlich ist der Bezug zum eigenen Leben eine Methode, nicht das Thema. Durch Verdichtung entsteht aus dem persönlichen Material eine erkennbare künstlerische Strategie und eine ins Beispielhafte stilisierte Position. Das Eigene ist dabei das Fremde, Monströse. Das gilt neuerdings auch umgekehrt: In einigen unserer neueren Shows bearbeiten wir bekannte monströse Texte aus dem literarischen Kanon mit eben dieser autobiografischen Methode.

So näherte sich auch das Konzeptkollektiv Gob Squad dem Thema Krieg und Frieden und dem Buch Krieg und Frieden von Leo Tolstoi. Es bleibt spannend und mag jedem ein Anreiz sein, sich einmal über den Tellerrand hinaus mit Performances und damit der sehr subjektiven, fast autobiografischen Befassung von Performern mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen.

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Kurzer Hinweis

Ich hatte kürzlich geschrieben, dass mir die 10. Symphonie von Schostakowitsch so empfohlen wurde. Heute abend um 20.03 Uhr wird sie vom Deutschlandradio Kultur live aus der Berliner Philharmonie übertragen, dirigiert von Mariss Jansons. Nach der Pause. Sicherlich beeindruckend.

Es heißt online im Deutschladradio Kultur zur Übertragung: Seit langem pflegt Mariss Jansons eine enge Beziehung zu den Berliner Philharmonikern. Oft stand die Musik von Dmitrij Schostakowitsch auf den gemeinsamen Programmen, nie aber die 10. Sinfonie, eines der Hauptwerke des Komponisten. Mit dem lettischen Dirigenten kann man eine gewissenhafte und im besten Sinne „authentische“ Interpretation erwarten: Schon als Kind kam Jansons mit Schostakowitschs Musik und ihren Widmungsträgern in Berührung. Die Auseinandersetzung mit dem Schicksal Russlands, die in diesem Werk mit Händen zu greifen ist, kann Jansons unmittelbar nachvollziehen. Eine andere Perspektive eröffnet das Cellokonzert von Henri Dutilleux, das in die lyrische Welt von Charles Baudelaire eintaucht – und das für den russischen Jahrhundertcellisten Mstislaw Rostropowitsch geschrieben wurde.

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Kurzer Hinweis

Für die Massen an Interessierten: Heute abend 21.05, Snarky Puppy (Musiktipp der Woche) Fortsetzung des Livemitschnitts auf Deutschlandradio.

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LITERATUR: Andreas Maier

Andreas Maiers Debutroman, im Suhrkamp Verlag 2002 erschienen, hatte ich vor Jahren gelesen. Es ist heute noch ein besonderes Buch für mich. Eine unaufgeregte, schlichte Welt der Wetterau bei Frankfurt wird mit Maiers einfacher, in keiner Weise gedrechselter oder gestelzter Sprache geschildert. Köstliches einfach aus dem Leben! Die Story: Sebastian Adomeit, Naturkundler und Ornithologe, wird zu Grabe getragen. Über sein Vermögen kursieren wilde Gerüchte, und Skandalöses munkelt man auch über seine Beziehung zur Schwester, die er vor vielen Jahren wegen eines unehelichen Kindes aus dem Haus gejagt haben soll. Adomeit hat seinen Tod so inszeniert, dass die Beerdigung ausgerechnet  am Pfingstsonntag stattfindet. Die angereiste Verwandtschaft und all die Sensationshungrigen im Dorf müssen sich aber zwei Tage gedulden, denn auch für die Testamentseröffnung ist vom Verstorbenen ein unpassender Termin festgelegt worden: der Pfingstdienstag, an dem man im Frankfurter Raum traditionell im Wald zusammensitzt und Wäldchestag feiert. Andreas Maier lässt seinen Erzähler berichten, was er in Kneipen, auf dem Friedhof, bei den Gesprächen zwischen den Einheimischen und Fremden aufschnappt, was ihm gebeichtet oder vertraulich als todsicher wahr hintertragen wird. So entsteht eine tollkühn erzählte Geschichte über einen gebeutelten Kerl, der der Welt auf beeindruckende Weise eine Nase dreht.

ÜBRIGENS: Auch in Der Spieler von Dostojewski (vgl. Blogbeitrag) geht es ja um den Nachlass einer Person. Alle erwarten diesen Nachlass.

 

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Wäldchestag

 

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MUSIK: Dimitri Schostakovitsch

Heute eimal ein gewagter Sprung in die Klassik. Ich bin kein Klassikspezialist. Aber ich nähere mich eben den Dingen. Natürlich kann man sagen: Es gibt wahrlich andere Probleme! Aber ich versuche, den Bogen zur Gegenwart zu ziehen. Mal sehen. Also habe ich mich ein wenig Dimitri Schostakovitsch gewidmet, einem der bedeutendsten russischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Er ist erst 1975 gestorben! Auf BR-Klassik wurde vergangene Woche wieder einmal ein Konzert des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, dirigiert von Mariss Jansons, live aus der Münchner Philharmonie übertragen. Noch dazu seine wohl bekannnteste Symphonie, auf die mich meine Frau, Sandra, schon mehrfach aufmerksam gemacht hatte: Die 7. Symphonie, genannt die „Leningrader Symphonie„. Es geht um die Belagerung und Aushungerung Leningrads durch die Nazis im Frühjahr 1941. Schostakovitsch hatte fast die gesamte Zeit in Leningrad verbracht. Es heißt auch: Wann war die Entstehungsgeschichte eines großen symphonischen Werkes je so schicksalhaft in die tragischen Ereignisse der Weltgeschichte verflochten wie im Falle der Leningrader? Ich habe sie mir in Ruhe auf Kopfhörer angehört: wirklich sehr beeindruckend! Auch die 10. Symphonie wurde mir einmal empfohlen. Auch sie ist sehr beeindruckend! Der Bogen zur Gegenwart: Schostakovitsch hatte das Leningrader Drama aufgegriffen, war also damals sehr aktuell. Das zu wissen, verschafft einem fast die Gelegenheit, die Symphonie zu verstehen. Die Zeit vor der Belagerung, die Belagerung selbst … Schostakovitsch stand immer zwischen Stalinismus und der Kritik daran, wurde mal verächtet, mal wieder hoch geschätzt von Stalin. Und auch heute hat Musik eben oftmals aktuelle Bezüge. Darum geht es eben. Ich empfehle die Leningrader Symphonie!

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