THEATER: DT Stream – Anton Tschechow, Die Möwe

Der Stream des Monats Februar des Deutschen Theater Berlin – DT „Stream des Monats“- läuft bis morgen, Sonntag, 20. Februar, 20:00 Uhr. Gezeigt wird eine Inszenierung des russischen Klassikers „Die Möwe“ von Anton Tschechow in der Regie von Jürgen Gosch. Das Thema Russland ist ja gerade sehr brenzlig, was man bei der Auswahl des Streams natürlich noch nicht wusste.

Wer schlicht „Weltliteratur auf der Bühne“ erleben möchte, hat hier jedenfalls etwas. Man sieht hier „Die Möwe“ VON Anton Tschechow, nicht etwa „Die Möwe“ NACH Anton Tschechow. Ja, so originalgetreu – wenn auch im Bühnenbild extrem reduziert – sieht man es heute selten. Der Blick auf diese Inszenierung zeigt: Es hat sich in den letzten etwa 14 Jahren Einiges geändert! Die damalige Inszenierung von “Die Möwe“ wurde im Jahre 2009 – 13 Jahre ist das her – zum Theatertreffen in Berlin eingeladen. Sie wurde damals außerdem von der Zeitschrift Theater heute zur Inszenierung des Jahres gekürt! Anton Tschechows „Möwe“ wird in dieser Inszenierung wortgetreu wiedergegeben. Ich fand es mittlerweile ja fast schon altbacken. Aber es war eine gefeierter Inszenierung. Vor allem nach Jürgen Goschs großem vorherigen Erfolg „Onkel Wanja“, der sehr ähnlich inszeniert war. Besetzt war „Onkel Wanja“ wunderbar! Mit Jens Harzer und Ulrich Matthes vor allem, ein Genuss und meines Erachtens schauspielerisch besser als „Die Möwe“. Auch „Onkel Wanja“ war damals eine Inszenierung am Deutschen Theater Berlin, zu sehen war sie im DT Stream vor einigen Monaten.

HIER der link zur Seite des Streams des Monats des Deutschen Theater Berlin.

Und HIER der Link zur Seite der Inszenierung „Die Möwe“ am Deutschen Theater Berlin.

Und hier zu “Die Möwe“ zwei Screenshots:

Die beiden – dunklen – Screenshots oben zeigen es: „Die Möwe“ ist eine für Jürgen Gosch typische Inszenierung: Wie bei “Onkel Wanja“: Kein Schauspieler verlässt während des Abends die Bühne. Alle sitzen hier auf einer langen Bank entlang der Trennwand der großen Bühne, gespielt wird auf einem schmalen Streifen im vorderen Bereich der Bühne.

Anton Tschechows „Die Möwe“ ist – wie bei vielen anderen der damaligen russischen Literaturklassiker (Strindberg, Tolstoi, Dostojewski, Tschechow und und und) – ein Blick auf das damalige Leben in Russland. Immer wieder Blicke auf das Leben „in der Stadt“ und das Leben „in der Provinz“. Auch Anton Tschechows „Die Möwe“ spielt auf dem Land, in der Provinz, auch wenn es hier im Stück auch sehr um das Verhältnis der Beteiligten zur Theaterkunst, um das Wesen und den “Nutzen“ der Theaterkunst geht. Und um Liebe und grundsätzliche Gedanken zum Leben natürlich. Aber, wie gesagt, es sind immer Blicke auf das damalige Leben in Russland. Blicke, die in heutigen Zeiten wenig bringen. Heute bereitet sich der russische Staatspräsident Wladimir Putin gerade darauf vor, in Europa in ein unabhängiges Nachbarland einzumarschieren. Weltpolitik. (Und ich schaue mir ganz unbehelligt ein russisches Stück an! Es liegt natürlich auch daran, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass Wladimir Putin tatsächlich militärisch vorgeht.)

Mein Eindruck aktuell: Russland will in der Weltpolitik wieder mitspielen. Die Frage, die sich ja vielleicht auch Wladimir Putin und seine Mannen (Frauen?) stellen: „Was ist denn Russland?“ Man fürchtet China, China geht einen sehr bewussten aggressiven Weg (staatlich gelenkter Kapitalismus mit globalen Ausdehnungsphantasien), man kennt Amerika, man kennt Europa, deren globales Freiheitsdenken, aber was macht denn Russland in der Weltpolitik noch aus? Welchen Weg in die Zukunft geht Russland? Ist Russland nicht irgendwie veraltet? Da fällt Wladimir Putin offenbar nichts anderes ein, als sich militärisch zu zeigen – geprägt von der Angst, das westliche Freiheitsdenken könnte irgendwann nach Russland überschwappen und Russland hätte seinen Bürgern keinen eigenen Weg in die Zukunft anzubieten. Und so weiter

Heute jedenfalls, im Jahre 2022, speziell in diesen Tagen, geht es um Russland und die Weltpolitik. Da hilft es natürlich wenig, Anton Tschechows „Die Möwe“ zu sehen. Trotzdem. Es muss und darf ja nicht alles immer Aktualitätsbezug haben. Und schließlich hat auch Anton Tschechows “Die Möwe“ etwas mit der russischen Seele zu tun.

Copyright des Beitragsbildes: Matthias Horn

THEATER: DT – Stream des Monats

Mein Tipp: Ich hatte es schon einmal gesehen und empfehle es! Übermorgen, am Freitag, den 15. Oktober um 20.00 Uhr, ist es erneut zu sehen. Es lohnt sich! Ursprünglich war es entwickelt für die Bühne, dann wurde es von Sebastian Hartmann wegen Corona umgearbeitet für das Streaming. Es wurde eine meines Erachtens sehenswerte und bestens gelungene Kombination aus Theater und Film. „LEAR“ heißt das Stück, eine Kombination von „King Lear“ nach William Shakespeare und „Die Politiker“ von Wolfram Lotz.

HIER ist der Link zum Streaming.

Copyright des Beitragsbildes: Video Still, DT Berlin

THEATER: DT – Bremsspuren

Im Stream des Monats des Deutschen Theater Berlin war gestern Abend „Bremsspuren“ von Nicola Bremer zu sehen. Der Stream wird am 19. November wiederholt. In der (bisherigen) Corona-Zeit waren vielfach Streamings zu sehen. Mal waren sie gelungen, mal weniger gelungen. Aus meiner Sicht waren sie meist dann gelungen, wenn man mehr Nähe zu den Schauspielern und Schauspielerinnen vermittelt bekam, als üblich. Dann, auch durch den irgendwie besonderen Einsatz der Kamera(s), waren die Streamings oftmals sehenswert und besonders! Nähe zum Schauspieler, das ist sicherlich ein Vorzug von „Bremsspuren“.

„Bremsspuren“ ist ein Stück, in dem allein der junge Schauspieler Niklas Wetzel zu erleben ist. Nur ganz selten – gegen Ende – hört man außerdem die Stimme von Julia Windischbauer. Mehr nicht. Man erlebt „nur“ Niklas Wetzel. Ich habe ihn schon das ein oder andere Mal erlebt, er hatte seine Schauspielausbildung an der Münchner Falkenbergschule – der Theaterschule der Münchner Kammerspiele – absolviert.

Thema: „Ein Mensch. Ein Raum. Ein Experiment. Einmal so langsam wie möglich durchs eigene Wohnzimmer gehen. Einmal bis zur gegenüberliegenden Wand.“ Das ist in etwa die Idee des Stückes, geschrieben von Nicola Bremer (ausdrücklich für das Streaming, glaube ich). Es geht im Grunde von dieser Idee her gesehen um die Entdeckung der Langsamkeit. Sten Nadolnys Buch „Die Entdeckung der Langsamkeit“ fällt einem ein. „Daniel“ verlässt für ein Jahr das Leben, in dem von uns allen Zeit und Raum laufend vergewaltigt werden, wir Menschen missachten ja im Grunde laufend die wirklichen Dimensionen von Zeit und Raum. „Daniel“ zieht sich in sein Wohnzimmer zurück, er will Zeit und Raum wirklich kennen lernen. Ein leerer meist weißer Kubus auf der Bühne. Drei Wände, vorne offen.

Niklas Wetzel alias „Daniel“ spricht dabei in diesem Stück – ausschließlich wohl per Telefon, man sieht ja niemanden – mit der von ihm heiß begehrten Julia Windischbauer alias „Laura“. Es ist insoweit ein Monolog. Man hört keine Antworten, sondern nur Sprechpausen, in denen man sich die Antworten von Julia Windischbauer alias Laura vorstellen kann.

Daniel erzählt Laura von seinem Projekt, ein Jahr lang sein Zimmer zu durchqueren. Mehr macht er nicht. Sein Projekt, ein Experiment. Er nimmt Zeit und Raum ein Jahr lang wahr. Er erzählt „seiner“ Laura davon, spricht davon, dass er verschiedene Besuche bekam, dass er nicht einsam sei und und und.

Im Grunde aber spricht er mit Laura, da er ihr nahe kommen möchte, er liebt sie. Er ruft sie immer wieder an. So geht es meines Erachtens im Stück leider viel eher um die Beziehung zwischen Daniel und Laura, als um die einsame und so „langsame“ und „eingeschränkte“ Lebenssituation von Daniel. Es geht eigentlich wenig um das interessante „Projekt“ von Daniel: Seine Idee des Erlebens von Zeit und Raum. Diese Idee wird von Daniel immer wieder angesprochen, wird aber nicht vertieft. Dass es Daniel eher um Laura geht, zeigt meines Erachtens auch die Tatsache, dass Daniel nicht etwa ruhiger, „entschleunigter“ wird, sondern im Gegenteil aufgedreht, manchmal geradezu hektisch. Seine Empfindlichkeit ist immer getragen von den Veränderungen seines Verhältnisses zu Laura.

Die interessante Idee des Stückes bleibt somit meines Erachtens zu sehr in dem Versuch stecken, die Idee des „Projektes“ von Daniel wirklich zu vertiefen. Das Stück gleitet ab in die Darstellung der Beziehung zwischen Daniel und Laura. Vielleicht allerdings geht es darum: Die Beziehung von Daniel zu Laura scheitert vollständig, da Daniel durch sein Projekt der „Entdeckung der Langsamkeit“ überhaupt keine Nähe mehr ermöglicht. Er hat sich dem Leben entzogen, kann nur noch zuhören, was Laura vom Leben erzählt.

HIER der Link zur Website des Deutschen Theater Berlin und seinem Angebot Stream des Monats. Der Stream im kommenden Monat wird klasse! Filmisch sehr besonders! LEAR – ein Werk aus KÖNIG LEAR (Shakespeare) und DIE POLITIKER (W. Lotz).

Copyright des Beitragsbildes: Screenshot des Deutschen Theater Berlin

THEATER: Deutsches Theater Berlin – Stream des Monats

Eine Ankündigung: Das Deutsche Theater Berlin ist wieder regelmäßig digital zu erleben: Heute, Mittwoch, den 29. September startet deren neue monatliche Rubrik „STREAM DES MONATS“. Der Stream wird immer begleitet von einem Live-Nachgespräch mit den Künstler:innen.

Den Anfang der Reihe macht heute „BREMSSPUREN“ von Nicola Bremer in der Regie von Friederike Drews als Limited Edition digital (das Format, in dem die Regieassistent:innen des Theaters ihr Regiedebüt geben – normalerweise in der Box, in diesem Fall digital).

Zum heutigen Stream: Eine Bühne. Ein Schauspieler. Eine Kamera. Ein one-take. Kein Schnitt. Ein Mensch. Ein Raum. Ein Experiment. Wie gesagt: HEUTE, Mittwoch, 29. September, 20 Uhr mit anschließendem Nachgespräch und danach als Video on Demand noch 24 Stunden verfügbar.Tickets gibt es auf dringeblieben.de.

HIER der Link zur Stückeseite auf der Website des Deutschen Theaters Berlin.

Copyright des Beitragsbildes: Deutsches Theater Berlin

THEATER: Zwei Ankündigungen!

Für die Theaterfreunde unter uns gibt es in Kürze einige Gelegenheiten, schöne Dinge zu sehen. Ich möchte sie hier besonders ankündigen, damit sie nicht verpasst werden und man sich dann etwa ärgern muss. Man muss sich ja derzeit ohnehin schon über Einiges ärgern.

Berliner Theatertreffen 2021:

Zum einen bieten das Berliner Theatertreffen 2021 und – auch dieses Jahr wieder – 3sat in diesem Jahr aus gegebenem Anlass insgesamt alle Aufführungen, die eingeladen wurden, als Streaming an. Alle zehn Inszenierungen der berüchtigten 10er-Auswahl sind so zu sehen, was ja sonst nicht möglich ist. Das diesjährige Streamingangebot geht allerdings noch weit darüber hinaus. Es lohnt sich, das Programm genau durchzusehen. Es ist so viel, ich verlinke HIER auf den Kalender des Theatertreffens 2021. Das Theatertreffen beginnt am 13. Mai 2021 und endet am 24. Mai 2021. Ich werde sicherlich über einige Inszenierungen und Streamings schreiben.

King Lear und Die Politiker:

Meine zweite Ankündigung: Er, Sebastian Hartmann, wurde zum diesjährigen Theatertreffen in Berlin mit seiner Inszenierung “Der Zauberberg“ von Thomas Mann eingeladen. Siehe oben. Die Inszenierung wird, wie gesagt, im Rahmen des Theaterteffens in Berlin als Streaming zu sehen sein. Es ist eine Inszenierung des Deutschen Theaters Berlin. Sebastian Hartmann hatte aber in letzter Zeit (vor Corona) am Deutschen Theater Berlin auch eine weitere Inszenierung: Eine Art Kombination aus „King Lear“ von William Shakespeare und „Die Politiker“ von Wolfram Lotz. HIER der Link zur Stückeseite dieser Inszenierung auf der Website des Deutschen Theaters Berlin. Die Szenen und Bilder, die Sebastian Hartmann mit dieser Inszenierung vor knapp zwei Jahren aufrief, erscheinen heute, in pandemischen Zeiten, „irritierender und gegenwärtiger denn je“, heißt es in der Ankündigung des Deutschen Theaters Berlin zum Streaming, das jetzt am 01. Mai um 20.00 Uhr zu sehen ist! Der Livestream wird einmalig ausgestrahlt. Angesichts der momentanen Unmöglichkeit, analog zu spielen, begegnen der Regisseur und das Ensemble der Inszenierung einmalig neu und transformieren sie in einen Livestream. HIER der Link zur Seite dieses besonderen Streamings. Und HIER der Link zu einem Gespräch mit Sebastian Hartmann über diese Livepremiere am 1. Mai. Sebastian Hartmann findet meines Erachtens immer wieder zu dem, was er sagen will, wunderbare Worte. Nicht aufdringlich, nicht eingebildet, nicht auf Überzeugung anderer angelegt, sehr durchdacht. Ich werde sicher über meine Eindrücke vom Streaming schreiben.

THEATER: Friedrich Schiller – Maria Stuart

Die zehn zum Theatertreffen 2021 nominierten Inszenierungen deutschsprachiger Theater werden vom 13. bis 24. Mai 2021 als Livestream aus dem jeweils produzierenden Theater oder als Aufzeichnung – u. a. in Zusammenarbeit mit dem Medienpartner 3sat – präsentiert. Einzelheiten zur Terminierung werden Ende April bekannt gegeben.

Ich konnte von dieser Auswahl bisher „Der Zauberberg“ in der Inszenierung von Sebastian Hartmann (Deutsches Theater Berlin) (HIER), „Einfach das Ende der Welt“ in der Inszenierung von Christopher Rüping (Schauspielhaus Zürich) (HIER dazu ein einführender Link) sowie „Medea*“ in der Inszenierung von Leonie Böhm (Schauspielhaus Zürich) (HIER) sehen.

Jetzt hatte ich noch die Gelegenheit, eine vierte der für 2021 ausgewählten Inszenierungen zu sehen: „Maria Stuart“ von Friedrich Schiller in der Inszenierung von Anne Lenk (Deutsches Theater Berlin).

Es ist ein Klassiker par exellence, aus der Zeit der Weimarer Klassik. Das absolutistische Denken steckte den Menschen in den Knochen, Gefühle sollten aber hinzukommen. Zwar nicht im Sinne des weit heftigeren damaligen „Sturm und Drang“, sondern ausgewogener, der ausgewogenen Klassik entsprechender. Königin Elisabeth ist insoweit in diesem Drama bekanntlich davon hin und hergerissen, wie sie mit ihrer Schwester Maria Stuart, die in England festgenommen wurde, umgehen soll. Soll sie das gerichtliche Todesurteil vollstrecken?

Die Inszenierung von Anne Lenk bleibt klassisch. Das Bühnenbild ist durchaus eigenwillig, eine durchaus interessante Idee, sie ändert aber nichts an der inhaltlichen klassischen Wirkung des Dramas von Friedrich Schiller. Zwar wird damit ein Recht eigenwilliger singulärer Auftritt aller SchauspielerInnen ermöglicht, es entsteht der Eindruck, jeder Akteur und jede Akteurin handle in seinen/ihren Grenzen. Es bleibt aber geradezu puristisch die klassische Erzählung. Klassik meets Klassik. Wie oben im Beitragsbild zu sehen ist, treten alle SchauspielerInnen jeweils in jeweils eigenen rot gefärbten Kästen auf, sie agieren allesamt getrennt voneinander. Vor allem Julia Windischbauer als Elisabeth, Königin von England, und Franziska Machens als Maria Stuart, festgenommene Königin von Schottland.

Damit allein – mit dem Bühnenbild – werden allerdings keineswegs besondere neue Aspekte des Dramas beleuchtet, es wird keine neue Sichtweise des Dramas gezeigt, es wird (anders als etwa in der Inszenierung „Medea* von Leonie Böhm) das klassische Drama – meist dem Originaltext treu – gespielt. Im Grunde wird dadurch nur der klassische Text des Dramas wichtiger. Und die argumentativen Handlungen der einzelnen Personen – die zaudernde Königin Elisabeth soll ja bei ihrer Entscheidung beeinflusst werden – werden dadurch ein wenig klarer beleuchtet. Das schon. Mehr nicht.

Die Jury des Berliner Theatertreffens formulierte in ihrer Begründung zur Auswahl dieser Inszenierung darüber hinaus zwar, es sei ein „an schauspielerischen Feinheiten reicher Abend“. Mein Eindruck dazu allerdings war, dass den Schauspieler und Schauspielerinnen doch – abgesehen vom Text – in ihren Kästen eigentlich sogar weniger Gelegenheit gegeben war, „schauspielerische Feinheiten“ zu zeigen.

Nun, das mag man auch anders empfinden. Je nach Interesse, sich in die Positionen der verschiedenen AkteurInnen hineinzuversetzen. Insoweit lohnt es sich dann doch, diese zum Theatertreffen 2021 ausgewählte Inszenierung spätestens im Mai online anzusehen.

HIER der Link zur Stückeseite von „Maria Stuart“ auf der Website des Deutschen Theaters Berlin.

Copyright des Beitragsbildes: Arno Declair

THEATER: Der Zauberberg nach Thomas Mann – Livestream des Deutschen Theaters Berlin

Das fiebrig lodernde Geheimnis des Lebens und der Verwesung, darum geht es! Sebastian Hartmann inszenierte bereits vor zehn Jahren Thomas Manns „Der Zauberberg“, er war damals Intendant des Schauspiels Leipzig. Er hat sich nun am Deutschen Theater Berlin erneut an dieses monumentale Werk gemacht. Er wagt sich ja übrigens auch (auch am Deutschen Theater Berlin) an einen anderen Jahrhundertroman, den „Ulysses“ von James Joyce. Die Inszenierung von „Der Zauberberg “ ist zum Theatertreffen 2021 in Berlin eingeladen. In welcher Form auch immer das Theatertreffen in diesem Jahr stattfinden wird.

Es ist nicht einfach die Erzählung des Romans „Der Zauberberg“ auf der Bühne, Hartmann greift allein die Kerngedanken des Werkes auf. Umso erstaunlicher ist es, wie er diese abstrakte Gedankenwelt auf die Bühne bringt! Eine insoweit meines Erachtens absolut gelungene Inszenierung! Wie man so etwas schafft? Es geht um nicht weniger als um Themen wie die Zeit, der Mensch, der Körper, auch die Liebe und schließlich der Krieg. Wenn man sich diesen nicht gerade alltäglichen Gedanken länger hingeben will, hier ist eine wunderbare Gelegenheit!

All dies entspringt der Gedankenwelt von Hans Castorp, der nach einem heftigen Wintersturm, der ihn auf einer Wanderung erwischt, in den Schweizer Bergen in einen tiefen Traum fällt. Traumbilder durchziehen auch die Inszenierung. Etwa:

Copyright: Video Still von Tilo Baumgärtel

Hans Castorp wollte für drei Wochen nach Davos, um seinen Vetter Joachim zu besuchen, er blieb schließlich sieben Jahre lang dort im Sanatorium. „Ich bin der Welt abhandengekommen“, sagt er im Buch und auf der Bühne. Die Zeit steht still, für sieben Jahre lang steht sie still. Bis der zweite Weltkrieg beginnt, der „Donnerschlag“, der auch Hans Castorp an die Front holt.

Markwart Müller-Elmau spielt Hans Castorp wunderbar! Mit akustischen schweren Schneestapfern betritt er langsam und schwerfällig barfuß die weiße fast leere Bühne. Er bleibt während dieser Inszenierung die Person, die sich über alles wundert, tief versunken ist. Allein sein Gesichtsausdruck, sein Blick, erklärt die Stimmung des ganzen Romans! Ein großartiger Theatermoment ist die Szene, in der Marquart Müller-Elmau – hier im Rollstuhl sitzend – Linda Pöppel ratlos zuhört, wie sie schluchzend, immer verzweifelter werdend – vor dem Hintergrund des aufkommenden Kriegs – über die Dinge des Daseins klagt! Auch Markwart Müller-Elmau beginnt – dräuende Livemusik im Hintergrund- vom Wahnsinn des Krieges zu reden. Beide mit ihren weiß geschminkten Gesichtern. Schwarze Flocken rieseln auf die Bühne, die große, fast leere Bühne. Wirklich großartig von beiden, wirklich großartig!

Auch die Kostümierung ist zu erwähnen: Adriana Braga Peretzki steckte alle SchauspielerInnen in weiße Bodysuits, übergroß und zumeist pummelig. Verbogene, kränkliche Körper. Es ist dadurch keine der im Roman erscheinenden Personen erkennbar, es geht einfach um den Menschen. Siehe das Beitragsbild oben.

Zu sagen, Thema der Inszenierung ist die Frage „Was ist die Zeit“, greift allerdings meines Erachtens sogar zu kurz. Sicherlich ist diese Frage ein Kern der Inszenierung: Es fallen eben Äußerungen wie: „… das fiebrig lodernde Geheimnis des Lebens und der Verwesung“. Linda Pöppel bringt diese Äußerung in der genannten Szene mit Markwart Müller-Elmau. Darum geht es Thomas Mann! Dies ist eigentlich meines Erachtens eine der Kernbemerkungen dieses Romans, wollte man ihn beschreiben! Die Zeit, der Verfall, die Verwesung, die Veränderung. Nichts bleibt wie es ist. Und: „Was ist das Leben? Was ist der Körper? Was hat es damit auf sich? Das Sein und das Eigentlich-nicht-sein-Können. Wie verhält es sich?“ Was ist Vergangenheit, was sind Gefühle? Alles keine leichten Fragen, alles Fragen, die sich Thomas Mann (in seiner sicherlich elitären Lebensweise) stellte und die ihn zu diesem Roman brachten. Fragen, die sich Hans Castorp in seinem siebenjährigen Stillstand stellen. Fragen, die in dieser Inszenierung insgesamt wunderbar dargestellt werden! Natürlich gibt es keine Antworten!

Und hinzu kommt Thomas Manns Gedanke: Warum führen wir Krieg? Auch dieser Gedanke wird in der Inszenierung deutlich: Warum Krieg, warum nicht Liebe? Eine Frage, die Thomas Mann zu seiner Zeit natürlich – der Roman erschien 1924 – sehr aktuell beschäftigte. Marquart Müller-Elmau schildert gegen Ende der Inszenierung ratlos und verzweifelt Szenen von der Front. Junge Menschen sterben, werden durch Bomben zerrissen. Oder ist es gar er selbst, der zerrissen wird? Und hier fallen Äußerungen wie: „Worüber sind wir so ausgelassen lustig – weil es nun abwärts geht? Wer sind wir? Was ist das, Krieg? Ich kann mir auch andere Bilder erträumen: Mit der Geliebten am Strande lustwandelnd … Wird auch aus diesem Weltfest des Todes die Liebe steigen?

Warum hat der Mensch Brutalität in sich? Die Brutalität des Daseins, die wohl im Menschen steckt, fiel wohl für Hans Castrop deswegen weg, weil für ihn sieben Jahre lang die Zeit still stand. Der Stillstand der Zeit als alleinige Rettung vom Wahnsinn. Dann ging sie weiter, die Zeit, mit dem Zweiten Weltkrieg.

Das Lifestreaming zeichnete sich übrigens noch dadurch aus, dass auf der Bühne mit sechs Kameras gearbeitet wurde. Es entstand eine besondere Streamingversion der Inszenierung, die man so auf der Bühne nicht sehen wird. Bildüberblendungen, Gänge hinter die Bühne, Nahaufnahmen, und und. Auch dies schien mir für diese Inszenierung bestens zu passen. Ich hatte schon Inszenierungen gesehen, in denen es etwas eigentümlich wirkte, auf der Bühne teilzunehmen. Hier erschien es mir hoch selbstverständlich und sehr gelungen, künstlerisch wohl sehr durchdacht.

HIER geht es zur Stückeseite auf der Website des Deutschen Theaters Berlin.

Copyright des Beitragsbildes: Arno Declar

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THEATER: Jens Harzer

Er ist derzeit – Achtung, das geht nur für Schnellentschlossene – an mehreren Stellen zu sehen! Jens Harzer. Neben vielen Preisen und Auszeichnungen wurde Jens Harzer ja etwa 2008 und 2011 zum Schauspieler des Jahres gewählt.

2019 bekam Harzer außerdem den berüchtigten Iffland-Ring verliehen. Der Iffland-Ring ist ein Fingerring mit dem Porträt des deutschen Schauspielers, Theaterdirektors und Dramatikers August Wilhelm Iffland  (1759–1814), der am Mannheimer Nationaltheater in der Uraufführung von Friedrich von Schillers Drama „Die Räuber“ Franz Moor spielte. Der diamantbesetzte Eisenring wird von seinem jeweiligen Träger testamentarisch an den seiner Meinung nach „jeweils bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters“ auf Lebenszeit verliehen, wobei die Tradition verlangt, dass dieser männlich ist. 

Von 1996 bis 2019 war Bruno Ganz Träger des Iffland-Rings. Nach Ganz’ Tod gab der österreichische Kulturminister am 22. März 2019 bekannt, dass der deutsche Schauspieler Jens Harzer zum Träger des Rings bestimmt wurde.

So, wo ist Jens Harzer also derzeit zu sehen?

Zum Einen heute Abend, Mittwoch, 27. Januar, im Fernsehen. Im ARD kommt um 20:15 Uhr der wahrscheinlich recht skurrile Spielfilm „Ruhe! Hier stirbt Lothar“ mit Jens Harzer in der Hauptrolle. Neben Corinna Harfouch. HIER der Link zum Film. Der Film ist sicherlich (ich weiß es nicht genau) anschließend in die Mediathek zu finden.

Zum Anderen: Er ist im Stream des Schauspielhauses Bochum seit Sonntag, dem 20. Januar 2021, zusammen mit Sandra Hüller in der Inszenierung „Erinnere dich, Penthesilea“ zu sehen. Es ist nicht die gefeierte Penthesilea-Version von Johan Simons, die auch an den Münchner Kammerspielen lief. Es ist ein besonderes Neuarrangement! Als spielerische Erinnerung an eine Aufführung, wie sie einmal war, und als Erinnerung von Penthesilea und Achilles an ihre gemeinsam Geschichte. Für diesen Stream muss man Karten kaufen. Der Stream ist leider nur noch bis morgen, Donnerstag, den 28. Januar 2021, verfügbar.

Drittens: Noch für wenige Tage – bis zum 31. Januar 2021 – ist Jens Harzer in der wirklich sehenswerten und damals sehr gefeierten Inszenierung von Tschechows „Onkel Wanja“ am Deutschen Theater Berlin zu sehen! Eine wunderbare Inszenierung mit wirklich herrlicher Leistung vor allem von Jens Harzer und Ulrich Matthes. HIER der Link zu dieser Inszenierung.

Es war eine Inszenierung von Jürgen Gosch, Harzer spielte den Arzt Michail Lwowitsch Astrow. Die Inszenierung war ein überragender Erfolg und wurde wiederum von der Jury der Zeitschrift „Theater heute“ zur „Inszenierung des Jahres“ gewählt. Für ihre Rollen des Onkel Wanja und Astrow wurden Ulrich Matthes und Jens Harzer 2008 dann eben auch gemeinsam zu den „Schauspielern des Jahres“ gewählt. Das Stück gehört meines Wissens immer noch zum Repertoire des Deutschen Theaters.

Der sehenswerte Stream ist kostenlos. In typischer Manier des damaligen Regisseurs Jürgen Gosch sieht man ein äußerst karges Bühnenbild, mehr ein „Kasten“, und alle Schauspieler bleiben permanent auf der Bühne!

Übrigens: Das Deutsche Theater bietet in diesem Zusammenhang noch ein besonderes Video an: Ein Video gibt Einblick in die Proben unter anderem von „Die Möwe“, von „Idomeneo“ und von „Onkel Wanja“, alle unter der Regie von Jürgen Gosch. Auch das ist ein wunderbares Video. HIER der Link dazu.

Noch etwas: Auch Ulrich Matthes, der in der oben genannten schönen Inszenierung „Onkel Wanja“ phantastisch den Onkel Wanja spielt, ist derzeit auch an anderer Stelle sehr schön zu sehen! 3sat bringt in der Mediathek derzeit noch zwei der drei jährlichen „Starken Stücke“ aus dem Theatertreffen. Ulrich Matthes spielt in Molieres „Der Menschenfeind“ in der Inszenierung von Anne Lenk den Alcestes. Diese Inszenierung wurde ja im vergangenen Jahr zum Theatertreffen in Berlin eingeladen.

Copyright des Fotos: dpa/ Christian Charisius

THEATER: Steamingangebote

Es hat sich ein wenig ein Trend ergeben. Einige Theater bieten in der kommenden – Corona-bedingt ja besonders stillen – Zeit Theateraufführungen gegen eine meist wirklich kleine Buchungsgebühr im Livestream oder im Stream on demand an.

Im Grunde ist es schön, dass damit die Entgeltlichkeit der Theaterarbeit wieder zum Vorschein kommt, es kann nicht immer alles kostenlos angeboten werden, es würde auf Kosten der Wertschätzung gehen..

Ich erwähne hier zunächst zwei schöne, wahrscheinlich ansehenswerte Angebote und werde diesen Blogbeitrag in den kommenden Tagen immer wieder ergänzen, wenn ich weitere Angebote ans Herz legen möchte.

– Das erste Angebot:

Das Schauspielhaus Zürich bringt im Rahmen des „streamy thursday“ diese Woche, also am 17.12.2020, um 19.30 Uhr (bis 21.30 Uhr) im Livestream aus dem Schiffsbau die (in den Kritiken „gelobte“) Inszenierung von Einfach das Ende der Welt des französischen Autors Jean-Luc Lagarce in der Regie von Christopher Rüping.

Daraus oben das Beitragsbild, Copyright Diana Pfammatter

Es ist die Geschichte des zu einem erfolgreichen Künstler gewordenen Sohnes, der Jahrzehnte zuvor seine Familie verlassen hatte und nun in seine kleine Heimatstadt und zu seiner Familie zurückkehrt. Es geht um alte Vorwürfe ihm gegenüber, um sein Verhältnis zur Familie etc. HIER der link zur Stückeseite. Den Verweis auf die Sendung im Livestream findet man dort ebenfalls.

Christopher Rüping ist ja den Münchnern in den vergangenen Jahren vor allem bekannt gewesen durch seine sagenhafte 10-Stunden-Inszenierung „Dionysos Stadt“, die an den Münchner Kammerspielen gebracht wurde.

Schöne Einblicke in das Denken der Figuren des Stückes haben die jeweiligen SchauspielerInnen in Videos gegeben. HIER der link zu den einzelnen Videos.

– Das zweite Angebot:

Das Deutsche Theater Berlin bietet unter DTDIGITAL Livestreams an. HIER der link zur Angebotsseite mit weiteren Verlinkungen zu den Stücken. So wie es aussieht, sind manche davon Livestreams und manche on demand für eine gewisse Zeit selbständig abrufbar.

MORGEN, am 15.12.2020 wird Maria Stuart von Friedrich Schiller, eine Inszenierung von Anne Lenk, im Livestream gebracht. Am 19.12.2020 folgt dann Woyzeck Interrupted nach Georg Büchner, eine Inszenierung von Amir Reza Koohestani. Regisseur und Regisseurin sind wiederum den Münchnern bekannt aus dem Residenztheater bzw. den Kammerspielen!

Erwähnenswert dürfte auch Der kleine König Dezember sein, ein „Familienstück“ von Axel Hacke, das etwas für die ruhige Familie in der kommenden Zeit sein kann. Es ist schon ab Anfang Dezember on demand abrufbar bis zum 01.01.2021.

– Ein weiteres Angebot: Die Berliner Schaubühne! Sie bringt folgende Streamings:

  • Seit 16. bis zum 19. Dezember: Prof. Bernhardi von Arthur Schnitzler
  • Am 19. Dezember bis 22. Dezember: Wie es euch gefällt von William Shakespeare
  • Am 22. Dezember bis 25. Dezember: Ungeduld des Herzens von Stefan Zweig
  • Am 25. Dezember bis 28. Dezember: Groß und Klein von Botho Strauß
  • und Weiteres, siehe HIER

– Und noch etwas: Das Schauspielhaus Bochum bringt folgende Lifestreamings: HIER der Link.

  • Asche zu Asche von Harold Pinter am 18. Dezember um 19:30 Uhr.
  • Die Befristeten von Elias Canetti am 9. Januar 2021 um 19:30 Uhr.

UND:

Nicht verzagen! Wir werden es schon schaffen! An die ANDEREN denken, nicht an SICH, wenn es um Vorsicht geht! An die Situation in den Krankenhäusern denken!! Sich eben EINMAL wirklich beschränken und andere Schwerpunkte setzen!! Klein feiern, die Feiertage bescheidener, ruhiger und mit Phantasie gestalten!! Jede Beschränkung kann auf eine andere Art und Weise ein Gewinn sein. Veränderung kann vor allem rückblickend schön sein – wenn man dann beides sieht: Das Gewohnte und die Veränderung.

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THEATER ONLINE

Auch das Deutsche Theater Berlin ist jetzt dabei, bietet Inszenierungen – sogenannte „DT Klassiker“ – im Stream! Los geht es heute, Dienstag, den 7. April 2020 mit Kinder der Sonne von Maxim Gorki in der Regie von Stephan Kimmig. Ab 18.00 Uhr bis Mittwoch 12.00 Uhr.

Das Angebot läuft unter dem Label „HEIMSPIEL“.

Dann geht es weiter Donnerstags und Dienstags zunächst mit:

  • Donnerstag 09. April 18.00 Uhr bis 11. April 12.00 Uhr: Philotas von Gotthold Ephraim Lessing, Regie: Friedo Solter
  • Dienstag 14. April 18.00 bis 15. April 12.00: Marat/Sade von Peter Weiß, Regie Stefan Pucher
  • Donnerstag 16. April 18.00 bis 17. April 12.00: Die Weber von Gerhart Hauptmann, Regie: Michael Thalheimer

HIER der link zur Seite des Streamingangebotes des DT Berlin.