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MUSIK: Prince – Purple Ran

Heute ist Prince gestorben.  Sein bürgerlicher Name war Prince Rogers Nelson. Er wurde nur 57 Jahre, hatte in den letzten Wochen an einer Grippe gelitten und kam ins Krankenhaus. Gestorben ist er auf seinem Anwesen in Minnesota. Sein Album „Purple Rain“ von 1984 gilt vielen als eines der besten Alben der Pop-Geschichte. Er sang, spielte Gitarre, Klavier und andere Instrumente. Sein legendäres Lied Purple Rain ist natürlich die Musik der Woche. Hier eine wunderbar lange Version, in der man ihn auch wunderbar sieht.

Eine Version aus zwei Welten: Bruce Springsteen spielt Purple Rain:

Und hier Prince:

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Hinweis

Der Blog wird noch ein paar Tage lang keine neuen Beiträge erhalten.

Businessman press on digital screen, digital layer effect, busin stock photo

MUSIK: Beth Hart – I Am The One

Ein Wahnsinnsauftritt: Beth Hart performt im Paradiso/Amsterdam live Am I The One. Sehenswert, mit was für einer Kraft sie die Frage stellt: „Bin ich die Eine, die Du liebst?“ Unglaublicher Blues/Rock, sie hat auch eine unglaubliche Powerstimme. Es ist ja auch eine entscheidende Frage. Ein etwas längeres Video (dafür, dass es ein Song ist), aber es lohnt! Es lohnt sich genauso, bei Youtube nach Auftritten von Beth Hart zusammen mit dem Gitarristen Joe Bonamassa zu suchen! Ein Konzert findet man dort. Ein wunderbar kraftvolles Duo! Beth Hart hatte übrigens einmal die Rolle der Janis Joplin im Musical Love, Janis gespielt (siehe Blogbeitrag Musiktipp der Woche zu Janis Joplin). So zeigen sich wieder Verbindungen.

Musiktipp der Woche

 

 

 

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SONSTIGES: Namen, die genannt werden können

Zwei Erwähnungen, beide sind nicht Mainstream, sie passen aber in den Blog: Wolfgang Koeppen beschrieb intensiv die Wirklichkeit nach dem II. Weltkrieg, Henri Michaux lebte auch in der Zeit, strebte aber gegen die Wirklichkeit als der „Niederlage des Menschen“.

Innen und Aussen, könnte man sagen. Henri Michaux suchte immer das, was in ihm drin ist – auch unter Drogen (Mescalin), während Wolfgang Koeppen den äußeren Zustand der Nachkriegszeit beschreibt, um davon ausgehend Befindlichkeiten darzustellen.

Wolfgang Koeppen: Wer sehr gute Literatur lesen möchte, die unglaublich facettenreich die Stimmungslage der Nachkriegszeit in Deutschland darstellt, dem muss der kaum mehr bekannte Autor Wolfgang Koeppen empfohlen werden. Wolfgang Koeppen wurde durch seine „Trilogie des Scheiterns“ bekannt, durch die er sich den Ruf eines bedeutenden Autors der Nachkriegsliteratur erwarb. Wolfgang Koeppen wurde am 23. Juni 1906 in Greifswald geboren und starb am 15. März 1996 in München. Die Trilogie entstand Anfang der 1950er Jahre und setzt sich aus den Romanen Tauben im Gras (Ort: München), Das Treibhaus (Ort: Bonn) und Der Tod in Rom (Ort: Rom) zusammen. Es ist schwer, Literatur zu finden, in der Personen und ihre alltäglichen Situation in langen Sätzen umfassender und assioziativer dargestellt werden. Viele Personen, die Werke erfordern Konzentration, sind aber besonders.

Man swimming in sea with scuba mask stock photo

    

 

Henri Michaux: Kürzlich in einer Münchner Galerie (Galerie van de Loo): Ausstellung von Bildern und Lesung von Texten von Henri Michaux. Der interessante Münchner Verleger Michael Krüger hielt einen Vortrag. Michaux wurde am 24. Mai 1899 in Namur (Belgien) geboren und starb am 19. Oktober 1984 in Paris. Er war Dichter und Maler und gilt als einer der großen Einzelgänger in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Er sah die Systeme der Wirklichkeit, sah Kunst aber als Möglichkeit, über das Wirkliche hinauszudenken. ZEIT – Online schrieb einmal: Die Dichtungen Henri Michaux’ sind Ausdruck einer tiefgründigen Revolte gegen unsere alltägliche Welt, die zwar von Menschen für Menschen gemacht wurde, aber, wie Michaux meint, mehr von der Niederlage des Menschen als von seinem Sieg zeugt.

MUSIK: Amason – Went to War

Es entsteht langsam unter „Musiktipp der Woche“ ein hoffentlich recht schönes Potpourri an Musikclips. Alle zusammen findet man unten im „Footer“-Bereich in der Kategorie „Musiktipp“. Die Übersicht anzusehen, wird ganz langsam interessant. Heute ein Stück einer (noch) nicht sehr bekannten (?) Gruppe namens Amason. Es heißt Went to War. Allein die Instrumente, mit denen sie spielen! Und die Typen!

Und: In der kommenden Woche kommt ein irrer Auftritt!

Musiktipp der Woche

Hier:

 

 

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SONSTIGES/KINO: Mein ein, mein alles

Selten genug, ein Kinobesuch. Es ist ein französischer Film (Mon roi). Es geht, sagt man, um eine „amour fou“, eine zerstörerische Liebe, über die die Frau in einer Rehaklinik nach einem Skiunfall nachdenkt. Beide haben sogar ein Kind (vielleicht ca. 13 Jahre alt, als der Unfall passierte), sind mittlerweile aber geschieden. Er das (narzisstische) Arschloch und sie fällt immer wieder drauf hinein. Sogar nach der Scheidung. Man kann den Film auch folgendermaßen interpretieren: Er verkörperte alles, was die reiche westliche Welt ausmacht, kommt aber eigentlich nicht damit zurecht: Geld, schlechten Witz, ein schönes Auto, eine teure und große Wohnung, teures Essen (Kaviar), Feiern, Drogen, extremes Verhalten, Schulden, Frauen (Models),  etc. Er scheint nicht sehr liebesfähig. Sie fällt aber auf all das rein, auf den Schein der schönen Welt, obwohl sie etwas anderes sucht. Sie ist Teil des Ganzen (Anwältin), will aber doch eine richtige Liebe. Sie ist sehr verliebt, sie heiraten, er will das Kind, sagt er jedenfalls. Eigentlich träumt sie aber von etwas, was sie bei ihm nicht findet. Irgendwann sagt sie ihm auch: „Ich glaube, ich kenne Dich garnicht!“. Seine Scheinwelt.

Und andererseits sie (Mitte 40?) in der Rehaklinik: Dort hat sie mehr und mehr Zugang und Nähe zu jungen Mitpatienten, die zum Teil arabischer Herkunft zu sein scheinen (sie reden über ihre Namen und ihr Aussehen). Jedenfalls sind es – um nicht zu sehr auf religiöse Unterschiede abzustellen, das will der Film sicher nicht – junge Menschen, die nicht gerade durch Reichtum auffallen. Sie freundet sich, obwohl sie etwas älter ist, mit ihnen an, hat Spaß mit ihnen. So, wie sie es wohl gerne hätte. Das Nicht-Reiche – vorsichtig auch: das Arabische – wird somit als das für sie Angenehmere dargestellt. Also ein gesellschafskritischer Aspekt! Und am Schluss sieht sie ihn nur noch distanziert an. Hat sie etwas gelernt? Das bleibt leider doch offen.

Film Reel stock photo

 

 

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SONSTIGES: Sodom und Gomorrah

Die Begriffe Sodom und Gomorrah waren Grund einer kleinen Recherche. In einem Buch von Wolfgang Koeppen (Tauben im Gras) – zu dem ein Beitrag folgen wird – wird Sodom erwähnt. Wikipedia hat heute gedient, um etwas „Genaueres“ zu erfahren:

Gott sucht Abraham in Gestalt dreier Engel auf, um ihm mitzuteilen, dass er vorhabe, die Städte Sodom (wo sich Abrahams Neffe Lot aufhält) und Gomorra zu zerstören, wenn das sündige Verhalten ihrer Bewohner so schlimm sei, wie ihm zu Ohren gekommen war. Abraham fragt Gott, ob er Schuldige und Unschuldige ohne Unterschied vernichten wolle. Gott versichert ihm, dass er Sodom verschonen werde, wenn sich zehn anständige Menschen darin finden. Diese Zahl ist im Judentum bedeutsam: Wenn zehn Männer zum Gottesdienst zusammenkommen, gibt es eine jüdische Gemeinde, kann ein vollständiger Gottesdienst gefeiert werden.

Um zu sehen, ob das Klagegeschrei über Sodom der Wahrheit entspricht, schickt Gott zwei Engel zu Abrahams Neffen Lot nach Sodom. Lot nimmt die beiden Engel gastfreundlich auf. Die Einwohner fordern, dass Lot ihnen seine Gäste übergebe, weil sie mit ihnen gewaltsam sexuell verkehren wollen. Lot bietet den Sodomitern zum Schutz seiner Gäste und der heiligen Gastfreundschaft stattdessen vergeblich seine jungfräulichen Töchter an.

Nachdem sich keine zehn Gerechten in der Stadt fanden und sie deshalb dem Untergang geweiht ist, wollen die Engel Lot und seine Familie vor dem Untergang retten und schicken sie aus der Stadt. Lot und seine Töchter können sich in Sicherheit bringen und werden im Folgenden von Gott beschützt. Sodom und Gomorra werden von Gott vernichtet, indem er Schwefel und Feuer auf sie herabregnen lässt. Als Lots Frau – entgegen einem von den Engeln ausgesprochenen Verbot – auf die Stadt zurücksieht, erstarrt sie zu einer Salzsäule.

Sowohl im Tanach als auch im Talmud, aber auch in den Evangelien nach Mathäus und Lukas (Altes Testament) ist Sodom vor allem ein Symbol für Fremdenfeindlichkeit und den Bruch der Gastfreundschaft, nach Ez 16,49 auch für Hochmut und Geiz. In der späteren christlichen Tradition wird die Stadt mit der Sünde der Wollust und schließlich mit dem „Laster wider die Natur“ (Sodomie) in Verbindung gebracht.

Mit der Geschichte um den Propheten Lot und der vermeintlichen homosexuellen Handlungen seines Volkes wird auch das Verbot von Homosexualität im Islam begründet.

Das Bild: Sodom von Peter Paul Rubens.

MUSIK: Janis Joplin

Etwas Älteres: Ab Januar diesen Jahres lief der Film Little Blue Girl das filmische Portrait von Janis Joplin. Der Film läuft leider nur noch in wenigen Kinos, kann aber sicher im Internet oder demnächst als DVD beschafft werden. Er zeigt, wie die junge Janis Joplin mehr und mehr vom Erfolg aufgefressen wurde. Sie suchte wohl immer Liebe, was auch in ihren Liedern und ihrem Leben zum Ausdruck kam. Sie fand sie aber nicht. Geboren am 19.01.1943 und gestorben an einer Überdosis Heroin am 04.10.1970. Sie wurde also nur 27 Jahre alt. Sie – scheint es – schlitterte in ihre Karriere. Hier ein Song:

Musiktipp der Woche

MUSIK: Johannes Brahms

Der Blog greift Kulturthemen auf, die mir begegnen: Derartiges dann weiterzugeben, ist heute mit Internet ein Leichtes: Das Stück Mittelreich von Josef Bierbichler (siehe letzten Blogbeitrag) ist derzeit an den Kammerspielen zu sehen. Es ist geprägt von dem Requiem „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms. Im Roman wird dieses Stück bei der Beerdigung des alten Seewirtes gespielt. Im Theater gesungen vom „Jungen Vokalensemble München“. Es wird a capella am 29.04.2016 in der Uni Augsburg und am 30.04.2016 in der LMU München (Große Aula, 19.00 Uhr) gesungen werden. Ein imposantes Stück.

Zwar ein durchaus schweres, trauriges Stück. Es sollte aber, so Brahms, etwas Stabilisierendes haben. Es sollte nicht (nur) die Trauer um eine(n) Verstorbene(n) ausdrücken , sondern vor allem den Hinterbliebenen Trost geben.

Choir singers holding musical score stock photo

Hier eine Aufführung des WDR – Synphonieorchesters:

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THEATER: Josef Bierbichler – Mittelreich

Hier ein Blogbeitrag eher für Münchner. Als Anregung für Erlebnisse in München. Gerne werden ähnliche Gastbeiträge aus anderen Städten aufgenommen. Kurze Berichte von Erlebtem:

Mittelreich von Josef Bierbichler in den Kammerspielen/Schauspielhaus: Ein Dorf am Starnberger See im Spiegel der Generationen, Erinnerungsfragmente. Der Seewirt, dem Zweiten Weltkrieg entronnen, übernimmt das Erbe des Vaters. Die Welt verändert sich zu dem, was man modernes Leben nennen wird, und doch bleibt alles überschattet von den Erfahrungen, die sich dem Leben eingeprägt haben. Eine neue Generation wächst heran, die aus der Vergangenheit ausbrechen will und doch verstrickt bleibt. Am Grab des Seewirts erklingt Brahms´ „Ein deutsches Requiem“, das die Lebenden trösten soll. Ausgehend von der Aufführung dieses Requiems inszeniert die Regisseurin Anna-Sophie Mahler Bierbichlers Roman, ein Musiktheater. Sehr, sehr gute schauspielerische Leistung!

La Sonnambula von Vincenzo Bellini in den Kammerspielen/“Opernhaus“: Ständig ausverkauft, Restkarten! Ein wunderbare Inszenierung des Opernstoffes. Die Geschichte der Schlafwandlerin Amina wird unpompös und immer wieder mit der schönen Belcanto-Musik näher gebracht. Eine besonders gut zusammen passende Besetzung! Lohnt sich auf jeden Fall!

Gurnemaz Schlaflos nach Richard Wagners Parsifal in den … Kammerspielen/“Opernhaus“; Als Gegenüber eines großen Opernsängers (Viktor van Halem) und eines Schauspielers (Gundars Abonis) inszeniert, ebenfalls eine besonders unpompöse Szene (Hotelszene) und Einblicke in die Oper. Gurnemaz kann man nicht mehr sehen, es lief nur zwei Mal.

War and Peace nach Krieg und Frieden von Leo Tolstoi in den … Kammerspielen/ Schauspielhaus; Ein Zusammentreffen von Schauspiel und Performance 8siehe Blogbeitrag). Meines Erachtens noch nicht vollends gelungen. Es ist eine klasse Annäherung an das Mammutwerk Krieg und Frieden von Leo Tolstoi, aber welche Ausssage hat die Performance? Es ist m. E. noch zu wenig diskursfordernd, obwohl gerade das der Ansatz ist! Die Gedanken zu Krieg und Frieden. Mehrere Zuschauer werden mit einbezogen.

Reihe „Episode“ in den … Kammerspielen: Die Folge Sportpalastwalzer der TV-Serie Der Alte wurde angesehen und besprochen mit Dominik Graf und dem Filmkritiker Bert Rebhandl. Interessant, Der Alte löste den Fall NICHT! Nächstes Mal House of Cards am 25. April.

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THEATER: Rimini Protokoll, Gob Squad, SheShePop

In München leuchtet derzeit die Performancewelt. Zur Irritation der Münchner holt der neue Intendant Matthias Lilienthal einige der besten deutschsprachigen Performancekollektive, Rimini Protokoll, Gob Squad oder SheShePop  an die Kammerspiele. Gestern war wieder eine Premiere: Eine Annäherung an das Mammutwerk Krieg und Frieden von Leo Tolstoi. Es hieß War an Peace. Keine Frage: Das geht zu Lasten des guten Ensembles der Kammerspiele, denn eine Performance lebt nicht von Schauspiel! Aber es bleibt eine jedenfalls für diese Spielzeit interessante Erfahrung! Man mag hoffen, dass Matthias Lilienthal in den kommenden Spielzeiten das wertvolle Ensemble der Kammerspiele wieder mehr schätzt. Auch um es nicht zu vergraulen. Man sieht sie fast garnicht mehr! Aber für diese Spielzeit kann man sich sagen: Theater mit Performances zu kombinieren ist ein für München auf jeden Fall interessanter Versuch, der einige aus dämmerigen Schlummerschlaf aufrütteln kann. Frage: Wo liegt der Unterschied zwischen Theaterschauspiel und Performance?

Performance als Kunstrichtung gibt es seit den 60er-Jahren, beeinflusst u. a. durch den Dadaismus (siehe Blogbeitrag). Performance ist häufig ortsgebunden, kann jedoch überall, zu jeder Zeit und ohne zeitliche Begrenzung stattfinden. Dabei kommen vier Grundelemente ins Spiel: Zeit, Raum, der Körper des Künstlers und eine Beziehung zwischen dem Künstler und dem Zuschauer. Es wird nicht „ein Stück aufgeführt“, sondern die Entwicklung im Ablauf einer Performance ist ein wesentliches Element. Nicht selten sind Performances offene künstlerische Versuchsanordnungen ohne Ablaufkonzept.

Rimini Protokoll (zeigte kürzlich Qualitätskontrolle, das Leben einer Querschnittsgelähmten) schreibt: Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Weiterentwicklung der Mittel des Theaters, um ungewöhnliche Sichtweisen auf unsere Wirklichkeit zu ermöglichen.

Für Gob Squad (zeigt derzeit War and Peace von Leo Tolstoi) wird eine Grenze überschritten, wenn sie mit Schauspielern zusammenarbeiten, wie jetzt bei War and Peace. Sie arbeiten nicht mit einem Regisseur.  Jeder auf der Bühne ist Miturheber der Performance. Es geht um Selbstreflexion der Akteure zu einem bestimmten Thema, evtl. unter Einbezug des Publikums, der Passanten etc.

SheShePop (zeigt derzeit 50 Grades of Shame) schreibt: Wir sind keine Darstellerinnen. Vielmehr stellen wir uns selbst und gegenseitig Aufgaben und lösen sie auf offener Bühne. Aus dem eigenen Erfahrungshorizont entwickeln sich unterschiedliche Perspektiven auf eine Frage. Das wird mitunter als autobiografisches Theater gedeutet. Tatsächlich ist der Bezug zum eigenen Leben eine Methode, nicht das Thema. Durch Verdichtung entsteht aus dem persönlichen Material eine erkennbare künstlerische Strategie und eine ins Beispielhafte stilisierte Position. Das Eigene ist dabei das Fremde, Monströse. Das gilt neuerdings auch umgekehrt: In einigen unserer neueren Shows bearbeiten wir bekannte monströse Texte aus dem literarischen Kanon mit eben dieser autobiografischen Methode.

So näherte sich auch das Konzeptkollektiv Gob Squad dem Thema Krieg und Frieden und dem Buch Krieg und Frieden von Leo Tolstoi. Es bleibt spannend und mag jedem ein Anreiz sein, sich einmal über den Tellerrand hinaus mit Performances und damit der sehr subjektiven, fast autobiografischen Befassung von Performern mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen.

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MUSIK: Omran al Bukaii – I am crying for Sham

Es war in einem der vorigen Blogbeiträge bereits kurz erwähnt: Der Musiktipp der Woche ist dieses Mal ernst. I am crying for Sham von Omran Al-bukaii. Am Ende des heutigen Videos findet sich ein Hinweis auf seine Facebook-Seite. Das Lied ist politisch. Ein syrisches Lied. Der Text des Liedes ist übersetzt und enthält hoffentlich keine für uns unerkennbaren Spitzen, durch die sich jemand auf den Schlips getreten fühlen könnte. Man kann ihn auch mehrfach hören, um ein besseres Gefühl für die Musik zu bekommen. Besondere Übertreibungen enthält er wohl nicht. Hier:

Musiktipp der kommenden Woche

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LITERATUR: Du musst Dein Leben ändern

Rainer Maria Rilke hat es nach mehrfachem … geschafft, dass sich zum dritten Mal ein Blogbeitrag mit ihm auseinandersetzt. Genauer: Mit seinem Sonett Archaischer Torso des Apoll. Es fand bereits im ersten Blogbeitrag Erwähnung, dass sich Peter Sloterdjik in seinem 2011 erschienenen Buch Du musst Dein Leben ändern mit den berühmten zwei letzten Sätzen des Sonetts auseinandersetzt. Oft kommt man zu dem Schluss, dass das Sonett dem Wesen der Kunst nahe kommt (Stichworte: Unvollkommenheit; Jede Stelle ist gleichwertig; etc.). So gesehen ist es m. E. wunderbar mit Gültigkeit für das ganze Leben.  Sloterdijk dagegen schreibt zu dem Sonett sehr pragmatisch Folgendes:  Gib deine Anhänglichkeit an bequeme Lebensweisen auf – zeige dich im Gymnasium (gymnos, nackt), beweise, dass dir der Unterschied zwischen Vollkommenem und Unvollkommenem nicht gleichgültig ist, führe uns vor, dass Leistung – Exzellenz (areté, virtù) – für dich nicht Fremdworte geblieben sind, gib zu, dass für dich Motive zu neuen Anstrengungen existieren! Vor allem:  Gewähre dem Verdacht, der Sport sei eine Sache für die Dümmsten, nur soviel Raum, wie ihm zukommt, mißbrauche ihn nicht als Vorwand zum Weiterdriften in deiner gewohnten Verwahrlosung, mißtraue dem Philister in dir, der meint, du seiest, wie du bist, schon ziemlich in Ordnung! Höre die Stimme aus dem Stein, widersetze dich nicht dem Apell zur Form! Ergreife die Gelegenheit, mit einem Gott zu trainieren! Naja, er sieht es etwas profan.

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LITERATUR: Du musst Dein Leben ändern

Das Gedicht von Rainer Maria Rilke „Archaischer Torso des Apoll“ ist berühmt. Vor allem über die letzten zwei Sätze wurde tonnenweise geschrieben. Sie lauten: „Denn da ist keine Stelle/die Dich nicht sieht. Du musst Dein Leben ändern.“ Es geht hier nicht darum, zu sagen: „Ich kenne das Gedicht auch!“ Eher: Es gab einfach einen Menschen, Rainer Maria Rilke, der es geschafft hat, mit unserer begrenzten Sprache etwas in Worte zu fassen, was das Wesen der Kunst und eigentlich das Wesen von allem berührt. Das ist doch großartig. Und es kann uns helfen zu sehen: „Was ist Kunst?“ So wird es oft interpretiert. Ist doch schön, wenn wir in unserem kurzen Leben zur Kunst Zugang haben. Und: Wenn Kunst auch das Politische, Technische, Ökonomische etc. mitbeeinflussen kann.

Erstaunlich ist am Gedicht: Rilke war 1905/1096 Sekretär von Rodin. Er beschreibt einen Torso ohne Kopf, ohne Arme, ohne Beine. Und trotzdem ist es nicht nur ein Stein. Der Torso – so Rilke – sieht uns! Er glüht und glänzt und blendet und flimmert und „bricht aus wie ein Stern“ und sieht Dich an jeder Stelle.

Und dann dieser Imperativ: Du MUSST Dein Leben ändern. Also jeder muss sein Leben ändern. Jeder. Muss. Nicht etwa: Sollte, könnte, darf etc. Jeder muss. Es ist nicht eine Empfehlung, es ist so. Es geht nicht, zu sagen: „So ist es. So muss es sein.“ Dann würde man ja beim Torso schnell sagen: „Da fehlt der Kopf, da fehlen Arme und Beine, es ist ein kaputter Stein.“ Aber alles ist unvollständig. Das Leben und auch die Kunst. Und trotzdem wirkt alles. Und wir müssen es akzeptieren. Und daher sieht Dich „jede Stelle“. Im Leben und in der Kunst. Nicht nur die Augen oder so. Und, folgert man etwa, bei der Kunst ist eben „jede Stelle“ gleichwertig! Jede flimmert auf Dich.

Das sind wenige Sätze zum Gedicht/Sonett. Weiteres lässt sich am besten googlen. Lohnt sich, um diesen und weiteren Gedanken dazu näher zu kommen.

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Vorschau

Es wird als Nächstes nochmals um Rilkes Vers „Du musst Dein Leben ändern“ und um den interessanten Maler/Schriftsteller Henri Michaux gehen, der sicherlich auch Karel Appel (siehe Blogbeitrag) kannte. Und mehr. Sobald Zeit dafür ist.

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LITERATUR: Du musst Dein Leben ändern

Heute etwas Schöngeistiges. Angesichts der Zeiten momentan hat man fast ein schlechtes Gewissen, so schöngeistig daherzukommen. Aber es wird sich im Blog wieder ändern.  Ich habe z. B. schon einen alles andere als schöngeistigen Musiktippp für die nächste Woche in peto.

Also: In meiner Wohnung liegt ein Buch herum. Von Peter Sloterdijk, Titel Du musst Dein Leben ändern. Sloterdjik ist zurzeit heftig angegriffen. Ich weiß noch nicht genau, warum. Jedenfalls: Ich habe das Buch nie zu Ende gelesen, werde es jetzt wieder aufgreifen. Interessiert mich. Der Titel des Buches stammt vom bekanntesten Vers von Rainer Maria Rilke. Das Gedicht Archaischer Torso des Apollo. Er beschreibt die erstaunliche Strahlkraft des steinernen, kopflosen und gliederlosen Torso des Apollo. Es endet dann plötzlich mit dem Satz: Du musst Dein Leben ändern. An dieser Stelle völlig unverständlich und viele Kenner haben über diesen berühmten Satz nachgedacht und geschrieben. Hier das Gedicht („Sonett“):

Ganz grob gesagt: Es geht nicht um irgendeine Lebensweisheit (etwa: „Mach mehr Sport!“), sagt man.Es geht um Kunst. Was Kunst mit uns macht oder so. Wenn wir dazu bereit sind oder so. Das Leben ist einfach ständige Veränderung. Nicht nur ein „Zustand“. Sloterdijk schreibt wohl einiges dazu. Ich werde diesen Blogbeitrag ergänzen, wenn ich ihn verstehe.

HIER die Suhrkampseite zum Buch

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LITERATUR: Buchtipps

Wer A sagt, kann auch oft B sagen: Hier wurde kürzlich das Buch Wäldchestag von Andreas Maier empfohlen. Er hat weitere schöne Erzählungen (Romane?) geschrieben. Ich empfehle noch Klausen, Kirillow und Sanssouci. Wer an etwas skurrilen Personen, an nicht zuviel wirrer Handlung, köstlichen Beschreibungen, recht einfacher Sprache und durchaus an Hintergrundgedanken zum Geschehen interessiert ist, dem kann all das gut gefallen:

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Es geht grob gesagt um Folgendes: (Texte vom Suhrkamp-Verlag)

Kirillow:

Kirillow

Franz Kober und Julian Nagel sind mehr als Freunde, fast schon Wahlbrüder. Eingeschrieben an der Uni Frankfurt, studieren sie jedoch weniger ein bestimmtes Fachgebiet als vielmehr die prinzipielle Frage, wie falsches und wahres Leben voneinander zu unterscheiden sind. Unversehens verstrickt uns Andreas Maier mit Kirillow in das Beziehungs- und Redegeflecht der beiden jungen Männer und ihrer Clique, die ständig in Bewegung sind: auf der Suche nach Erleuchtung, einem Lebensziel, einem Partner, Anerkennung, mehr Alkohol und mehr Würstchen und einem Schlafplatz für den Rest der Nacht. Ebenso unterhaltend wie bestechend wirkt die Komik, mit der Maier den Ernst der Krankheit Jugend zum Gegenstand seines Erzählens macht.

Klausen:

Klausen

»Klausen ist ein Tatort.« Was wirklich in diesem Südtiroler Ferienidyll für vor allem deutsche Touristen passiert ist, darüber gehen die Meinungen leidenschaftlich auseinander. Man erzählt von einem Überfall, gar einem gezielten Schuß aus dem Hinterhalt. Wer ist das Opfer, wer der Täter? Darüber gibt es zunächst nur abenteuerliche Spekulationen. Erste Verdächtigungen gehen naturgemäß in Richtung der Pakistani und der Albaner auf der Ploderburg, aber bald geraten Hintermänner in den Blick, deren Grundstücksspekulationen die Vorgänge halbwegs plausibel zu machen scheinen. Jedoch werden nicht der einschlägig vorbestrafte Laner und sein Kontrahent Zurner verhaftet, sondern Gasser und seineSaufkumpane. Was beginnt wie eine Provinzposse, wächst sich aus: Ist Klausen gar Umschlagplatz eines internationalen Drogenkartells? Wie sich Öffentlichkeit bildet, wie eine Verwirrung die nächste stiftet, bis alle Gewißheiten (oder was wir dafür halten) immer wahnhaftere Züge annehmen und schrill auf unser Handeln zurückwirken, das komponiert Andreas Maier zu einer bitterbösen Komödie über dieses vielleicht doch nicht so weltabgelegene Klausen.

Sanssouci:

Sanssouci

„Wäldchestag“ in Potsdam: ein skrupelloses Zwillingspaar, ein orthodoxer Mönch, eine sadistische Vegetarierin und ihre Opfer, ein Fernsehredakteur und der Bürgermeister: Sie alle stolpern übereinander, fallen sich in den Arm oder gehen sich aus dem Weg nach dem Unfalltod des Regisseurs Max Hornung, der als Wessi Potsdam mit der Fernsehserie „Oststadt“ verewigt und in Empörung und Dankbarkeit gespalten hat. Tatsächlich hat die Stadt auch einen realen doppelten Boden: ein Gangsystem unter dem Schloßpark, in dem man sich zu Zeitvertreib, Quälereien und Okkultismus trifft.

Copyright des Beitragsbildes: Jürgen Bauer, Suhrkamp