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KINOFILM: Celine Song – Past Lives

Meine Eindrücke zu dem seit wenigen Tagen in deutschen Kinos laufenden Film „Past Lives“ der Südkoreanerin Celine Song, der fast durchgehend gelobt wird. In Deutschland wurde der Film im Februar 2023 im Rahmen der Berlinale vorgestellt. Der Film konkurrierte um den Goldenen Bären, blieb aber zur Überraschung vieler ungekrönt.

Es ist der eindrucksvolle Debütfilm der Südkoreanerin Celine Song. Hier ein Foto von Celine Song:

Der Film „Past Lives“ soll sehr autobiografisch sein, umso überzeugender und tiefgründiger ist er natürlich geworden. Die Autorin (auch Celine Song) hat wohl fast Identisches erlebt. Es ist ein ruhiger Film, getragen von langen schönen Bildern, langsamen sehr stilvollen Kameraschwenks, langen Blicken auf die beiden Hauptpersonen des Films, die im Film Na-young – sie nennt sich später Nora – und Hae-sung heißen. Dieser Film kann nur ruhig sein: Nur so spürt man die Tiefe des Films. Aktionen spielen in diesem Film keine Rolle.

Es geht um den Besuch des 36-jährigen Koreaners Haw-sung bei seiner koreanischen Klassenkameradin und damals ersten Liebe Na-young (beide waren damals 12 Jahre alt) in New York. Sie haben sich 24 Jahre lang nicht gesehen. Nach zehn Jahren (beide waren 22 Jahre alt) hatten sie zumindest eine Zeit lang online Kontakt über Skype. Der Kontakt endete aber wieder, sie hätten sich beide viel zu sehr um völlig entfernte Leben gekümmert, sie mussten sich ja um ihr Leben vor Ort kümmern. Haw-sung lebte noch in Südkorea, Na-young/Nora lebte seit ihrem zwölften Lebensjahr wegen eines Umzugs ihrer Eltern in Kanada. Haw-sung aber wollte Na-young immer schon einmal wieder sehen, sie wirklich sehen, nicht nur über Skype. Das ist eben doch etwas anderes!

Das Schöne ist, sie können ihre Eindrücke des Wiedersehens dann selber kaum in Worte fassen. Worte würden hier im Grunde auch nur die Atmosphäre stören, geradezu zerstören. Es gibt im Grunde ganz wenige längere Szenen, in denen beide über ihre Situation reden, ein Abend in einer Bar vor allem, neben ihnen sitzt der Ehemann von Na-young/Nora und versteht nichts, weil die beiden sich koreanisch miteinander unterhalten. Und immer wieder die zaghafte Beobachtung der Personen durch die Kameraführung, die schönen Einstellungen, die langsamen Bilder, die stilvolle Umgebung, er (Teo Loo) ein überzeugender Schauspieler, sie (Greta Lee) mindestens genauso. Beide kommen sich auch nicht besonders nahe, auch das ist nicht nötig für diesen Film.

Was habe ich gemerkt in dem Film: Jeder baut in seinem Leben einfach ein bestimmtes Leben auf, eine andere Chance hat er/sie nicht! Na-young/Nora baute es sich eben in Kanada und New York auf. Auch wenn er/sie merkt, dass er/sie vielleicht in jungen Jahren (als sie zum Beispiel zwölf Jahre alt waren) sogar glücklicher waren: Das Leben läuft nicht so, dass sie bei diesem frühen Glück hätten bleiben können. Dass es dennoch in diesem Fall bei einer besonderen Beziehung beider zueinander blieb, merkt man. Sie fühlen sich auf jeden Fall voneinander angezogen, trotz ihrer mittlerweile völlig unterschiedlich entwickelten Leben, sie merken wahrscheinlich, dass sie etwas Besonderes erleben. Das wiederum liegt nach dem Titel „Past Lives“ vielleicht daran, dass sich beide schon in einem früheren Leben nahe waren!

Ich fand den Film jedenfalls absolut sehenswert, in seiner gesamten Darstellung dieser Situation sehr gut! Es betrifft ja jeden von uns.

HIER der Trailer.

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SONSTIGES: Kino – Toni Erdmann

Unter „Noch nicht Gesehenes“ müsste dieser Beitrag eingeordnet werden. Der Kinofilm Toni Erdmann von Maren Ade. Viele werden schon davon gehört haben, der Film macht Furore, wird oft besprochen derzeit. Er hatte in Cannes keinen Preis gewonnen, kam aber unglaublich gut an. Schon der Trailer ist köstlich. Der Vater, der seine Tochter kennen lernen will. Sie aber ist nur genervt. Wie es weitergeht, weiß ich noch nicht einmal. Hier:

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SONSTIGES/KINO: Mein ein, mein alles

Selten genug, ein Kinobesuch. Es ist ein französischer Film (Mon roi). Es geht, sagt man, um eine „amour fou“, eine zerstörerische Liebe, über die die Frau in einer Rehaklinik nach einem Skiunfall nachdenkt. Beide haben sogar ein Kind (vielleicht ca. 13 Jahre alt, als der Unfall passierte), sind mittlerweile aber geschieden. Er das (narzisstische) Arschloch und sie fällt immer wieder drauf hinein. Sogar nach der Scheidung. Man kann den Film auch folgendermaßen interpretieren: Er verkörperte alles, was die reiche westliche Welt ausmacht, kommt aber eigentlich nicht damit zurecht: Geld, schlechten Witz, ein schönes Auto, eine teure und große Wohnung, teures Essen (Kaviar), Feiern, Drogen, extremes Verhalten, Schulden, Frauen (Models),  etc. Er scheint nicht sehr liebesfähig. Sie fällt aber auf all das rein, auf den Schein der schönen Welt, obwohl sie etwas anderes sucht. Sie ist Teil des Ganzen (Anwältin), will aber doch eine richtige Liebe. Sie ist sehr verliebt, sie heiraten, er will das Kind, sagt er jedenfalls. Eigentlich träumt sie aber von etwas, was sie bei ihm nicht findet. Irgendwann sagt sie ihm auch: „Ich glaube, ich kenne Dich garnicht!“. Seine Scheinwelt.

Und andererseits sie (Mitte 40?) in der Rehaklinik: Dort hat sie mehr und mehr Zugang und Nähe zu jungen Mitpatienten, die zum Teil arabischer Herkunft zu sein scheinen (sie reden über ihre Namen und ihr Aussehen). Jedenfalls sind es – um nicht zu sehr auf religiöse Unterschiede abzustellen, das will der Film sicher nicht – junge Menschen, die nicht gerade durch Reichtum auffallen. Sie freundet sich, obwohl sie etwas älter ist, mit ihnen an, hat Spaß mit ihnen. So, wie sie es wohl gerne hätte. Das Nicht-Reiche – vorsichtig auch: das Arabische – wird somit als das für sie Angenehmere dargestellt. Also ein gesellschafskritischer Aspekt! Und am Schluss sieht sie ihn nur noch distanziert an. Hat sie etwas gelernt? Das bleibt leider doch offen.

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