MUSIK: Wiederholung: Man O To

Weil sie so schnell weg war, hier noch einmal die Musik von vor ein paar Tagen! Nu mit MAN O TO. Lohnt sich doch! UND: Es folgen in Kürze (morgen?) noch zwei Berichte vom Theatertreffen: „Traurige Zauberer“ und „89/90“. Bisher hatte ich geschrieben über die folgenden Stücke, die als „besonders bemerkenswert“ ausgewählt wurden:

Drei Schwestern

Der Schimmelreiter (Lesung)

Real Magic

Five Easy Pieces

In München kann ich mir dann noch Die Räuber anschauen. Ist auch ausgewählt worden.

 

 

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THEATER: Theatertreffen Berlin 2017 – Forced Entertainment , Real Magic

Forced Entertainment (HIER), die Performance Gruppe aus Sheffield, wurde 1994 gegründet. Das „Stück“ Real Magic wurde als eines der zehn „bemerkenswertesten Stücke“ des Jahres zum Theatertreffen eingeladen. Das Stück wird in Berlin am HAU (Hebbel am Ufer) gezeigt. Als erste Kompanie erhielt Forced Entertaiment übrigens im März 2016 den „International Ibsen Award“, einen der renommiertesten Theaterpreise weltweit (den es aber erst seit 2007 gibt). Der Preis wurde bisher nur an einzelne Protagonisten der Theaterwelt wie Heiner Goebbels, Peter Handke oder Ariane Mnouchkine verliehen. Soviel zur Stellung von Forced Entertainment in der Theaterwelt. Mit Real Magic scheint es – sagt der künstlerische Leiter der Truppe, Tim Etchell -, als seien sie „zum ersten Mal auf zuvor unerreichte Weise zu dem vorgestoßen, was sie mit Forced Entertainment eigentlich wollen„, und als hätten sie hier ihr „Anliegen endlich auf den Punkt gebracht„.

Eine Schleife der permanenten Wiederholung ist es. Immer wieder die gleiche Szene. Gut 50 mal. Es könnte auch Straßentheater sein, das man sich endlos anschaut. Ganz einfach. Es amüsiert, man lacht, es wird immer absurder und zeigt immer mehr die Tatsache, dass alle drei Darsteller gefangen sind. Und dann geht man weiter. Fürchterlich gefangen lässt man sie dann zurück, in der immer gleichen Szene. Sie versuchen es ständig, kommen aber nicht heraus aus der Situation. Alle drei spielen ihren Part – als ModeratorIn, als KandidatIn oder als der denkende Richard – in immer etwas anderer Verfassung. Mal angestrengt, mal lässig, mal stolz (dass der Andere es nicht erraten hat), mal wichtigtuerisch, mal traurig (dass der Andere es nicht erraten hat), mal hektisch und so weiter und so weiter. Es hilft nichts! Sie sind alle drei gefangen in einer vollig illusorischen Szene, Sie stehen vor einer unlösbaren Aufgabe, ohne es so zu sehen: „Richard is now thinking of a word. ….. Are you ready? What is the word Richard is thinking of?“, fragt der Moderator. „You have three chances!“.  Die Szene einer TV-Show, die immer wieder dargestellt wird. Immer mit dem Moderator, einem Kandidaten und Richard. Mehr nicht.

Gefangen, absurd, ein ständiges Versuchen, eine unlösbare Aufgabe, dennoch sind alle drei ständig emotional voll dabei. Eine endlose Vergeblichkeit. Es werden immer die gleichen Antworten. Das Lösungswort wird der Kandidatin sogar einmal vom „Denkenden“  auf dem großen Schild, das der Denkende immer bei sich hat, gezeigt. Die Kandidatin bleibt aber bei ihren drei falschen Antworten. Natürlich liegt der Vergleich mit dem Leben, mit der Welt nahe. Tim Etchell nennt den Kapitalismus, die Globalisierung, Fremdenfeindlichkeit. Auch Beckett wird von Tim Etchell genannt. Ich selber dachte an persönliche Gefangenheit. An die Unmöglichkeit, jemand anderen jemals zu verstehen. Schwer genug! Aber es war mehr, das wäre zu banal gedacht. Es berührt das ganze Leben, die Welt, das Sein. Große Worte, aber sie kommen wahrlich mit dieser einen banalen Szene diesen Punkten nahe. Ohne ein Theaterstück. Wieder können wir nur sagen: Take it easy!

MUSIK: Phil Collins

Phil Collins wird am 12. und 13. Juni zwei Konzerte in KÖLN geben (in der Lanxess-Arena). Wegen enormer Nachfrage gibt er jetzt Zusatzkonzerte am 14., 15. und 16. Juni! Fünf Konzerte in Köln! Und jetzt auch noch in diesem Blog! Was für eine Erfolgssträhne!

Geboren ist er im Januar 1951 bei London, ist jetzt also jetzt 67 Jahre alt. Er wurde sowohl als Mitglied von Genesis wie auch als Solokünstler weltbekannt. Dreimal verheiratet, ihm ist aber irgendwie immer wieder seine Musik wichtiger geblieben, lese ich. Man spürt in der Tat, finde ich, im heutigen Video eine gewisse Genialität oder Besessenheit oder Identifikation oder so. Er war auf dem Video schließlich erst 31 Jahre alt! Mit insgesamt über 250 Millionen verkaufter Tonträger (Quelle: Wikipedia) gehört er zu den weltweit erfolgreichsten Musikern und belegt Platz 22 der Billboard Hot 100 All-Time Top Artists (Quelle: Wikipedia). Jeweils über 100 Millionen verkaufter Tonträger waren es mit der Gruppe Genesis und solo. Damit ist er neben Michael Jackson und Paul McCartney einer von drei Sängern, die die 100-Million-Marke an verkauften Tonträgern jeweils als Solokünstler UND als Bandmitglied überschritten haben.

Ich bringe unten also eine ältere Aufnahme (1982), einer seiner schlagzeuglastigen Songs, „I Don’t Care Anymore„. Es geht ja auch darum: Ich kümmere mich nicht um Dein Gerede und das Gerede anderer. Hier die lyrics:

Well you can tell everyone I’m a down disgrace
Drag my name all over the place
I don’t care anymore
You can tell everybody about the state I’m in
You won’t catch me crying Cause I just can’t win
I don’t care anymore – I don’t care anymore – I don’t care, what you say
I don’t play the same games, you play
Cause I’ve been talking to the people that you call your friends
And it seems to me there’s a means to an end
They don’t care anymore
And as for me, I can sit here and bide my time
I got nothing to lose if I speak my mind
I don’t care anymore – I don’t care no more
I don’t care, what you say
We never played by the same rules, anyway
I won’t be there anymore
Get out of my way – Let me by
I got better things to do with my time
I don’t care anymore – I don’t care anymore – I don’t care anymore – I don’t care anymore
Well, I don’t care now what you say
Cause everyday I’m feeling fine with myself
And I don’t care now what you say
Hey, I’ll do alright by myself – Cause I know
Cause I remember all the times I tried so hard
And you laughed in my face Cause you held the cards
I don’t care anymore
And I really ain’t bothered what you think of me
Cause all I want of you is just a let me be
I don’t care anymore – Do you hear? – I don’t care no more
I don’t care what you say
I never did believe you much anyway
I won’t be there no more
So get out of my way – Let me by
I got better things to do with my time
I don’t care anymore – Do you hear? – I don’t care anymore
I don’t care no more – You listening? – I don’t care no more
No more!
You know, I don’t care no more!
No more, no more, no more – No more, no more – No more, no more – No more, no more – No more, no more – No more, no more – No more, no more

 

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Gesehen und gehört

MUSIK: Pink (Janis Joplin)

Von Janis Joplin hatte ich schon einmal das Lied Me and Bobby McGee gebracht. Anlässlich des Filmes, der damals über sie in den Kinos lief. Ich bringe den Song jetzt noch einmal. In einer ganz anderen Aufnahme. Pink singt ihn. Schön zu sehen, mit welcher Freude an dem Lied Pink das Lied singt. Anders als Janis Joplin, da klang es etwas trauriger. Es geht ja auch darum, dass sie Bobby McGee, mit dem sie auf einer Reise ist, verliert. Entweder wirklich auf der Reise oder im Leben (durch Drogen?). Tragische Kernpassage des Songs:

„One day up near Salinas, Lord, I let him slip away
He’s lookin‘ for that home and I hope he finds it
Well, I’d trade all my tomorrows for one single yesterday
To be holdin‘ Bobby’s body next to mine“
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Gelesen und geblättert

LITERATUR: Zeruya Shalev – Schmerz

Ein kürzlich gelesenes Buch sei erwähnt: Von Zeruya Shalev der Roman Schmerz. Bekannt geworden ist Zeruya Shalev davor durch den Roman „Liebesleben“, den ersten Teil einer Trilogie über das moderne Liebesleben. Shalev ist eine israelitische Schriftstellerin, geboren im Kibbuz am See Genezareth in Galiläa. Shalevs durchaus intensive Erzählungen spielen auch in Israel.

Ich würde das Buch „Schmerz“ mit der Note 2-3 unter „gute Bücher“ einordnen. Ein interessanter Schreibstil. Thematisch geht es darum, dass eine Frau nach vielen Jahren der Ehe ihre große Jugendliebe wiedertrifft und merkt, dass sie zu ihm muss. Es ist eine Familiengeschichte, in der Ordnung und Chaos nebeneinanderstehen, alles gerät ja aus den Fugen. Sie verheimlicht ihre Treffen mit der großen Liebe, macht sich aber natürlich Gedanken. Dass Iris – die Protagonistin – vor langer Zeit nicht nur physisch bei einem Attentat,  sondern auch psychisch durch das unverständliche Scheitern dieser Jugendliebe verletzt wurde, wirkt bei ihr noch immer nach. Sowohl in der Familie, als auch in Bezug auf die Jugendliebe. Es kommt dann hinzu, dass sie ihre Tochter in Gefahr wähnt und sich darauf konzentriert, ihr zu helfen. In diesem Kontext geht es in „Schmerz“ um ihre Befürchtungen, Fürsorge, Kontrolle und eben um die große Liebe, die alles verändern würde.

 

MUSIK: Rolling Stones/Bono/Fergie

Ein aus Versehen zu früh freigeschalteter Blogbeitrag. Der andere war so kurz an erster Stelle!

Ein wunderbarer Song: Bono (U2), Fergie (Black Eyed Peas) und Mick Jagger (Rolling Stones) mit „Gimme Shelter“ live. Klasse schon allein, wie Bono am Anfang (nach 52 Sekunden der Aufnahme) plötzlich loslegt und man dann sieht, wie mit Rhythmus im Blut Mick Jagger zappelnd und beschwingt auf die Bühne kommt. Ich habe ja einige Livemitschnitte des Songs gehört und finde, dass Mick Jagger den Song zuletzt immer besser singt, je älter er wird. Unglaublich, seine Power! Auch seine Aktivitäten auf der Bühne! Aber auch die Power von Fergie, die noch dazu ja irre gut aussieht und eine tolle Stimme hat. It’s just a shot away! It’s just a kiss away!

Die Lyrics:

Come on, oh, a storm is threat’ning my very life today
If I don’t get some shelter, oh yeah, I’m gonna fade away
War, children, it’s just a shot away, it’s just a shot away
War, children, it’s just a shot away, it’s just a shot away
Ooh, see the fire is sweepin‘ our very street today
Burns like a red coal carpet, mad bull lost its way
War, children, it’s just a shot away, it’s just a shot away
War, children, it’s just a shot away, it’s just a shot away
Rape, murder! It’s just a shot away, it’s just a shot away
Rape, murder yeah! It’s just a shot away, it’s just a shot away
Rape, murder! It’s just a shot away, it’s just a shot away yeah
The floods is threat’ning my very life today
Gimme, gimme shelter or I’m gonna fade away
War, children, it’s just a shot away, it’s just a shot away
War, children, it’s just a shot away, it’s just a shot away
It’s just a shot away, it’s just a shot away …
I tell you love, sister, it’s just a kiss away
I tell you love, sister, it’s just a kiss away
It’s just a kiss away, it’s just a kiss away, it’s just a kiss away …

https://m.youtube.com/watch?v=o42zmYN2_-k

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Gelesen und geblättert Sonstiges

SONSTIGES: Politik – New York Times International Weekly

BEACHTEN: Die vorherigen Blogbeiträge bleiben natürlich allesamt sehr ansehenswert bzw. anhörenswert. Sehr. Einfach auf der Startseite runterscrollen. Es geht nur momentan recht schnell.

Ein aktuelles Thema habe ich heute wieder aufgeschnappt und mich ein wenig informiert. Wie komme ich auf das Thema? Warum kümmert es mich? Weil ich in diesem Blog  ja über all die (kulturellen, politischen) Dinge schreibe, mit denen ich eben etwas mehr „in Berührung komme“. Und weil ich meine kleinen Erkenntnisse dann gerne auch anderen zur Verfügung stelle. Viele haben ja etwas weniger Zeit als ich.

In New York fand am Montag, den 10.04.2017, die Verleihung des Pulitzer-Preises statt. Drei Preise gab es für die New York Times. Wir sind nicht in einer Phase des Niedergangs des Journalismus, sondern mitten in einer Revolution“, hatte Mike Pride, der Vorsitzende des Pulitzer-Preis-Gremiums, gesagt. Wohl auch angesichts des aktuellen Themas „Fake News“.

Zu meiner erwähnten „Berührung“ mit dem Thema: Jeden Donnerstag findet sich in der Süddeutschen Zeitung eine internationale Ausgabe der New York Times (New York Times International Weekly). Liberal und kritisch. Und mitunter erfrischend andere Themen und Darstellungen, andere Blickwinkel. Donald Trump twitterte zwar kürzlich, die New York Times sei – neben anderen Medienhäusern – ein „Feind des amerikanischen Volkes„. Ist aber im Gegenteil vielleicht für kritischen Journalismus gar nicht einmal das Schlechteste, wenn Donald Trump so etwas sagt, es fördert damit ja geradezu kritischen Journalismus. Was ja nicht gleichzusetzen ist mit unwahrer Schwarzmalerei, was er vielleicht unterstellt. Ich lese die New York Times International Weekly im übrigen auch schon wegen des Englischen gerne. Eine schöne Herausforderung manchmal angesichts der Journalistensprache, nicht immer leicht.

Also wieder einmal über den „Tellerrand“ schauen, bevor der Tellerrand immer höher wird und man seinen kleinen Teller – so voll er auch sein mag – allzu wichtig findet! So wichtig der eigene kleine Teller natürlich AUCH sein mag!

Der Pulitzer-Preis jedenfalls ist nach dem Verleger Joseph Pulitzer benannt und wird seit etwas mehr als 100 Jahren verliehen. Er ist „einer der renommiertesten Journalisten-Preise“ für amerikanische Aktivitäten. In diesem Jahr wurde er wieder in 14 journalistischen Bereichen und in einzelnen Bereichen der Kategorien Literatur, Theater, Musik verliehen.

Ein Pulitzer-Preis ging an die New York Times für eine Reportage über die Bemühungen Moskaus, die Macht Russlands im Ausland auszuweiten. Ein weiterer Preis für den NYT – Fotografen Daniel Berehulak, der Gewalt im Antidrogenkampf auf den Philippinen dokumentierte. Und für C.J. Chivers von der NYT gab es die Auszeichnung, für seinen Beitrag über einen Afghanistan-Veteranen, der unter einer posttraumatischen Belastungsstörung litt.

Soweit man Wikipedia glauben kann, gilt im übrigen Folgendes zur New York Times:

  • Die New York Times wird als linksliberale Zeitung eingeordnet.
  • Mit derzeit etwa 1200 redaktionellen Mitarbeitern verfügt die New York Times immerhin über die größte Zeitungsredaktion der USA.
  • Die New York Times ist außerdem die Zeitung mit den meisten Pulitzer-Preisen (über 120) und den meisten Online-Lesern (über 30 Millionen Besucher pro Monat, Daten von 2010) in den USA.
  • Größte Anteilseignerin des Verlags ist die Familie Ochs Sulzberger. Arthur Ochs Sulzberger jr. ist derzeit der Herausgeber der Zeitung. Er ist Nachfahre des ehemaligen Eigentümers Apolph Ochs (Eigentümer ab 1896). Der mexikanische Milliardär Carlos Slim hält 16,8 Prozent des Unternehmens und ist der größte externe Anteilseigner. Viel Kapital war eben wegen des branchenweiten Anzeigenschwundes nötig.

Das waren meine Bemühungen zur New York Times. Also Donnerstags die SZ.

MUSIK: Bob Dylan

Bob Dylan hat in Stockholm nun doch den Literaturnobelpreis – auf seinen Wunsch unter Ausschluss der Öffentlichkeit! – entgegengenommen. Letzte Woche, am Samstag; den 01.04.2017, überreichte die Jury dem Musiker die Auszeichnung für seine Songliteratur. Am Abend gab er dort noch ein schon länger geplantes Konzert.

Er wird übrigens jetzt im April im Rahmen seiner Tournee für fünf Konzerte in Deutschland zu Gast sein! In Hamburg (11. April), Lingen (12. April), Düsseldorf (13. April), Frankfurt (25. April) und Hannover (26. April). Auf seiner „Never Ending Tour“.

Hier der Song „Knocking On Heavens Door„. Sprachlich ist das schon klasse! Das harte Knocking (hartes „kn“, hartes „ock“) – man hört es fast Klopfen – und das weiche Heavens Door (weiches „h“, weiches „d“, weiches „ea“, weiches „oo“). Man hat geradezu ein Bild vor Augen. Also ganz ehrlich, ich hätte es nicht besser gekonnt!

Der Song passt auch zum letzten Blogpost (siehe vorherigen Blogbeitrag): Der „Weg in den Tod“ und Betrachtungen dazu. In der Form eines „Installationstheaters“ an den Münchner Kammerspielen, wo derzeit das Stück „Die Selbstmord-Schwestern“ von Jeffrey Eugendes „gebracht“ wird bzw. Anlass für die Installation ist. Aber das wusste Bob Dylan damals höchstwahrscheinlich noch nicht. Weder dass das Stück gebracht wird, noch dass ich im Blog darüber schreibe.

Um das Preisgeld für den Literaturnobelpreis – acht Millionen schwedischen Kronen (rund 838.000 Euro)! – behalten zu dürfen, muss Bob Dylan innerhalb eines halben Jahres nach der Feier die traditionelle Nobelvorlesung halten. Die kann er auch als Video einreichen, bis zum 10. Juni bleibt ihm Zeit. Eine aufgenommene Version kann dann auch zu einem späteren Zeitpunkt gesendet werden.

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THEATER: Jeffrey Eugenides, Die Selbstmord-Schwestern

Gestern in den Münchner Kammerspielen die Premiere der „Selbstmord-Schwestern“, ein Stück nach Jeffrey Eugenides‘ gleichnamigen Buch. Das Stück ist inszeniert von Susanne Kennedy.

Susanne Kennedy:
An den Münchner Kammerspielen inszenierte Susanne Kennedy  2011 zunächst „They don’t shoot horses, don’t  they?“ und dann 2013 Marieluise Fleißers Erstlingsstück „Fegefeuer in Ingolstadt“, für das sie von der Fachzeitschrift „Theater heute“ zur „Nachwuchsregisseurin des Jahres“ gewählt wurde. Das Stück wurde zum Theatertreffen 2014 in Berlin eingeladen und Susanne Kennedy erhielt dafür den 3sat-Preis. Mit ihrer Fassbinder-Inszenierung „Warum läuft Herr R. Amok?“ wurde sie 2015 erneut zum Theatertreffen eingeladen. Sie wird ab der kommenden Spielzeit in Berlin im „Künstlerischen Beirat“ am Berliner Volkstheater unter Chris Dercon arbeiten. Ich denke, man wird sie weiterhin an beiden Orten sehen.

Meine Eindrücke (mehr geht nicht):

  • Man muss den Abend sehr vorsichtig angehen. Man sieht kein Theaterstück, obwohl man in den Kammerspielen sitzt. Man sieht eine „lebende Installation“. Eine Installation einer Art, wie man sie – wenn überhaupt – selten sieht. Wie wenn man lange Zeit einem Kunstwerk gegenübersitzt. (Das Bühnenbild von Lena Newton und die Kostüme von Teresa Vergho vor allem sind wahre Kunstwerke!) Es ist wirklich alles eliminiert, was man im Theater erwartet oder irgendwie gewohnt ist: Man folgt keinem konkreten Geschehen, man folgt keiner Entwicklung von Dingen, man sieht keine Erzählung, man ist in keiner Zeit, man ist an keinem Ort (die Bühne ist allenfalls weit entfremdet ein „Ort“, ein Altarraum), man kann die „Schauspieler“ nicht charakterlich erkennen, man erkennt keine Mimik, sie sprechen nicht real, sie spielen in Masken, die „Musik“ ist nicht Musik – es sind Töne, es wird aus dem Nichts gesprochen, es geht nicht einmal um Gefühle. So, wie das Alltagsleben den 5 Mädchen im Roman „Die Selbstmord-Schwestern“ rigoros vorenthalten wird, wird hier dem Zuschauer in jeder denkbaren herkömmlichen Form das Theater vorenthalten. Es wird dem Zuschauer also irgendwie auch das Leben, das im Theater so oft gezeigt wird, vorenthalten. Eine irre Situation. Man sieht etwas völlig anderes.
  • Und doch oder gerade dadurch ist man als Zuschauer mitgenommen. Mitgenommen auf eine Reise in eine andere Dimension. Irgendwie wird fast das (banale) Leben zu Grabe getragen. Da müssen wir ja alle durch. Man kann aber nicht einmal sagen, der Abend wäre dadurch negativ angehaucht oder ähnlich. Soviel Farbe, soviel Buntes, soviel Leben, und doch das Thema „Tod“. Fast widersprüchlich. Das kann aber nicht negativ sein! Im Gegenteil! Bei diesen Kostümen, dieser Bühne. Es geht nur nicht um die Fragen, die sich so ständig aus dem Leben heraus stellen, es geht um etwas darüber hinaus gehendes.
  • Man reist durch ein Puzzle aus Bildern, Videos, Youtubefilmen, Stimmen, Musik, den entpersonalisierten Schauspielern, ihren Bewegungen, Fragmenten aus dem Roman „Die Selbstmord-Schwestern“, Opferhandlungen der ehemaligen Beobachter der 5 Mädchen und psychedelischen Eindrücken vom Nachtod. Aber es ist vielleicht auch einer der Antriebe von Susanne Kennedy, uns Dimensionen zu zeigen, die wir nicht sehen. Die aber von Timothy Leary – mit seinen Beschreibungen des LSD-Trips – und vom Tibetanischen Totenbuch – mit seiner Beschreibung von 7 mal 7 Tagen, die es braucht nach dem Tod bis zur Wiederauferstehung – angesprochen werden. Damit nähert sich Susanne Kennedy (anhand der grundlegenden Motive des Buches) riesigen Fragen, die immer über uns stehen werden.
  • Man muss sich diesem Abend hingeben, darf nichts erwarten, muss sich mitziehen lassen. Dazu fordert auch anfangs der Avatar auf, der immer wieder von einem der Bildschirme Texte von Timothy Leary spricht. Timothy Leary, der LSD-Guru. Es eröffnen sich Dimensionen, die wir in unserem Leben eigentlich immer wegsperren, verdrängen oder garnicht sehen – wenn wir nicht in einem solchen Abend sitzen. Die nicht unserem Alltag entsprechen. Insoweit ist dieser Abend ein Abend, der über das Theater hinausgeht. Wir Menschen kennen so wenige Dimensionen.
  • Man bekommt ein sehr spezielles Verhältnis zu „Leben und Tod“ geboten: Während der Theaterzuschauer sich seit hunderten von Jahren mit dem gespielten Tod auf der Bühne auseinandersetzt, also den Tod als Weiterlebender anschaut, scheint es hier ernst zu werden. Der Zuschauer sieht eben nicht irgendein Geschehen, das letztlich wieder einmal in den Tod führt, er sieht eher eine Dimension, die der Tod selbst sein könnte. Eine Lehrstunde, eine „Ideenstunde“, der man sich hingeben kann (auch im Roman „Die Selbstmord-Schwestern“ gibt es kein Geschehen, das zum Tod führt. Nur „Beweismittel“). Es geht in der Tat um den Weg in den Tod und den Weg in 49 Tagen zurück zur Wiederauferstehung. Tibetanisches Tagebuch. Und LSD. Was ist dann das Leben? Auch auf diese Frage wird man damit zwangsläufig zurückgeworfen und erkennt Dinge in anderer Art und Weise. So bunt und vielfältig, aber auch so künstlich ist das Bühnenbild. Wie die Coca Cola, die die Schauspieler trinken. Wie die in den Vitrinen wachsenden Donuts. Wie die Youtube-Tutorials über Schminktipps.  Und gerade dadurch kommen andere Dinge zum Vorschein. Wesentlichere Dinge? Was kann schon wesentlich sein! Wir wissen es ja nicht. Wollten die 5 Mädchen das alles nicht erleben oder durften sie nicht?
  • Man kann diesen Abend in keine Kategorie des Theaterwesens einordnen. Auch eigentlich keine „Kritik“ schreiben. Im Bayerischen Rundfunk heißt es zur gestrigen Premiere (Autor Herr Rickleffs): „Susanne Kennedy erzählt keine Geschichte, wärmt keinen Roman noch einmal auf, nein, sie versucht mit ihrer ebenso irritierenden wie betörenden Version der „Selbstmord-Schwestern“ dem Tod selbst eine Bühne zu bieten. Was sie dem Zuschauer damit bietet, ist die Möglichkeit sich diesem und damit auch seinem eigenen Tod nah zu fühlen und sich mit ihm auseinanderzusetzen. Wer dazu bereit ist, dem kann dieses Theater zur Offenbarung werden.
  • Es ist also ein lohnender, auch sehr schöner, wenn auch verstörender Abend, WENN man sich all diesen Aspekten hingibt, vorsichtig hingibt. Und: VORSICHT; THEATER KANN NICHT NUR BELLEN, ES KANN AUCH BEISSEN!
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MUSIK: Simple Minds – Don’t you (forget about me)

Es geht Richtung Pop, ist aber ein schöner Song: Simple Minds mit Don’t you (forget about me): „Rain keeps falling down!“ Oder wie heißt es am Ende so schön: „La-la-la-laha, la-la-la-laha, laa laa laa, laa laa laa, lala – lala!“

Vor allem ist es wieder einmal unglaublich zu sehen, wie  ein einzelner Mann, Sänger und Mitgründer der Simple Minds Jim Kerr, einer ihn anhimmelnden, tobenden, tosenden, begeisterten, mitkreischenden, mitklatschenden, mitsingenden und wogenden Menschenmenge gegenübersteht, über ihr schwebt – und es ruhig aushält. Wie im richtigen Leben, wir kennen es ja alle!

1985 gelang den Simple Minds mit diesem Song (aus dem Film Der Frühstücksclub) der internationale Durchbruch. Den Namen Simple Minds entlehnte die Band einer Textzeile des David-Bowie-Songs The Jean Genie („He’s So Simple Minded He Can’t Drive His Module“).

Der Song ist mein Lebenssong, Freunde wissen es! Lausanne 1983!

Hier die Lyrics zum Song:

Won’t you come see about me
I’ll be alone, dancing, you know it, baby
Tell me your troubles and doubts
Giving me everything inside and out
Love’s strange, surreal in the dark
Think of the tender things that we were working on
Slow change may pull us apart
When the light gets into your heart, baby
Don’t you forget about me
Don’t, don’t, don’t, don’t
Don’t you forget about me
Will you stand above me
Look my way, never love me
Rain keeps falling
Rain keeps falling
Down, down, down
Will you recognize me
Call my name or walk on by
Rain keeps falling
Rain keeps falling
Don’t you try and pretend
It’s my feeling we’ll win in the end
I won’t harm you or touch your defences
Vanity, insecurity
Don’t you forget about me
I’ll be alone dancing, you know it, baby
Going to take you apart
I’ll put us back together at heart, baby
Don’t you forget about me
Don’t, don’t, don’t, don’t
Don’t you forget about me
As you walk on by
Will you call my name
As you walk on by
Will you call my name
When you walk away
Oh, will you walk away
Will you walk on by
Come on, call my name
Will you call my name..
 

Hier die Liveversion …

Und hier eine im Klang klarere Studioversion:

Und hier Live Aids Wembley Stadion:

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Sonstiges

SONSTIGES: Landhaus in der Toskana?

Im Sommer 2017 wird in der Toskana ein wunderbares Landhaus zum Kauf angeboten werden. Ich kenne die Gegend – südlich von Montalcino – bestens und weiß, dass so etwas ein wundervoller Ort wäre, um in aller Ruhe und Schönheit Zeit zu verbringen. Radfahren, wandern, lesen, schreiben, genießen, Kurse geben, zum Meer fahren und und und, alles ist möglich.Eine Investition fürs Leben! Wenn man es zeitweise vermietet, wird es wenig Unkosten verursachen. Es scheinen zwei Häuser zu sein. Ich selber halte mich jedes Jahr für etwa sechs Wochen in der Gegend auf, um zum Schreiben zu kommen.

Ich stelle unten das allererste Exposé des Hauses mit ersten Bildern ein.

WER INTERESSE HAT, EIN SOLCHES OBJEKT GEMEINSAM MIT MIR UND EVTL. EINER DRITTEN PARTEI ZU ERWERBEN, MÖGE SICH BITTE MELDEN! TEL: 0176-81 98 46 45 oder mus.kuhlmann@arcor.de.

ÜBER PREIS, ZUSTAND DES HAUSES ODER SONSTIGE DETAILS IST NOCH NICHT GEREDET WORDEN.

Der Verkauf des Hauses wird über Ostern in ersten Schritten vorbereitet werden. Ich selber habe die Zusage, dass ich der erste sein werde, der es besichtigen kann, da ich vor  mehreren Wochen bereits über eine Freundin vom geplanten Verkauf erfahren habe.

Bildergebnis für toskana

 

ObjektItalien

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SONSTIGES: The Dampfnudel Day

Essen ist ja Kultur, also Thema des Blogs. Zumindest Dampfnudeln. Da ich mich letztens an Dampfnudeln versucht hatte (Dampfnudel Day), bringe ich hier das wunderbare Rezept:

Bayerische Dampfnudeln

Und zwischendurch hatte ich mir ein paar naheliegende Gedanken über die besten Filme aller Zeiten gemacht, da sie ja alle seltsamerweise schon in ihrem Titel etwas mit Dampfnudeln zu tun haben. Das kann doch kein Zufall sein. Aber so ist es:

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Bayerische Dampfnudeln mit Vanillesauce

Es gibt sogar so genannte Dampfnudeltore in den pfälzischen Orten Kandel und Freckenfeld! Beide Orte liegen etwas westlich von Karlsruhe. Die Torbögen dieser Tore sind mit jeweils mehr als tausend (!) steinernen (!) Dampfnudeln (!) verziert (!). Eine architektonische Meisterleistung!

Um das „Freckenfelder Dampfnudeltor“ rankt sich sogar eine besondere Sage: Im Dreißigjährigen Krieg stellte eine schwedische Reiterschwadron eine hohe Geldforderung an die Bürger des Ortes. Bei Nichterfüllung drohten sie Plünderung und Mord an. Eine Abordnung erreichte dann aber, dass die Forderung gemildert wurde: Der schwedische Hauptmann und seine Soldaten sollten verköstigt werden, dann verschone er die Bevölkerung. Daraufhin ließ der Bäckermeister Johannes Muck seine Frau und die Magd einen großen Kessel Soße kochen und befahl, sie kräftig mit Wein abzuschmecken. Er selbst buk mit seinen Gesellen Dampfnudeln, bis jeder Soldat satt war: insgesamt 1286 Stück. Bei mir waren es etwas weniger. Die Schwadron akzeptierte das servierte Gericht und verschonte das Dorf vor Zerstörung und Mord.

Die Dampfnudel eben!

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MUSIK: Pink Floyd

Wenn ich der DJ meines Blogs wäre, würde ich jetzt einen Klassiker auflegen. Ich werde künftig weitere Klassiker bringen. Heute also ein Song meiner Jugend: Comfortably Numb von Pink Floyd. Aus dem 1979 erschienenen Album The Wall. Wer kennt es nicht, wer hört es nicht gerne! 2004 belegte das Stück in der vom US-amerikanischen Magazin Rolling Stone erstellten Liste der 500 besten Songs aller Zeiten den 314. Platz.

Es ist einer der bekanntesten Songs von Pink Floyd. Der Song wurde 1989 von den Lesern des Pink-Floyd-Fanmagazins The Amazing Pudding zum besten Musikstück der Band gewählt. Das zweite Gitarren-Solo wurde vom Magazin Guitar-World auf Platz 4 der 100 besten Gitarrensoli gewählt. Der Text erzählt eine Schlüsselszene des Konzeptalbums The Wall.

The Wall erzählt die Geschichte eines jungen als Musiker erfolgreichen Mannes, der aufgrund der Überbehütung durch seine Mutter (Mother), aufgrund der Abwesenheit seines im Krieg gefallenen Vaters (Another Brick in the Wall Part I, When the Tigers Broke Free), aufgrund von Liebesaffären (Young Lust), aufgrund des Umstandes, von seiner Frau betrogen und verlassen worden zu sein (Young Lust, Don’t Leave me Now) und aufgrund der Grausamkeit der Lehrer in seiner Kindheit (The Happiest Days of Our Lives) eine imaginäre Mauer um sich errichtet, die ihn vor äußeren emotionalen Einflüssen schützen soll. Der Mann heißt Pink.

Nachdem er die Mauer aufgebaut hat, verzweifelt Pink an seiner Existenz, weil er durch sie von sozialen Kontakten abgeschirmt ist. Unfähig, die Mauer einzureißen, verabschiedet er sich von der für ihn grausamen Welt (Goodbye, Cruel World).

Anstatt sich umzubringen, versucht Pink aber, letzte verbleibende Gefühle zu unterdrücken und zieht sich in sich zurück. Er wird drogenabhängig, apathisch und verbringt die Zeit reglos und allein vor dem Fernseher (Nobody Home). Als er für einen Auftritt von einem Arzt mit Beruhigungsmitteln behandelt wird (COMFORTABLY NUMB), nehmen seine Drogenfantasien überhand: Er entwickelt Verfolgungswahn (Run Like Hell) und in seinen Vorstellungen wird er zu einem totalitären Agitator, der in seiner Wut auf die Welt gegen Minderheiten hetzt.

Am Ende seines Wahns ist Pink nicht mehr in der Lage, Emotionen zu unterdrücken, und klagt sich selbst vor einem imaginären Gericht des Vergehens Gefühle gezeigt zu haben an. Das Gericht nimmt die Zeugenaussagen von Lehrer, Mutter und Ex-Frau entgegen und verurteilt ihn: Als Strafe soll er vor seinesgleichen zur Schau gestellt werden – die Mauer wird eingerissen (The Trial).

Der verletzliche Pink ist nun freigegeben und ein neues Leben scheint sich anzubahnen (Outside the Wall). Allerdings bricht die letzte Melodie an genau der Stelle ab, an der das Album begonnen hat: Vielleicht beginnt Pinks Leidensweg also auch einfach wieder von vorn.

Nach dem Fall der Berliner Mauer im Jahre 1989 wurde „The Wall“ am 21. Juli 1990 am Potsdamer Platz aufgeführt. The Wall ist das einzige Konzert, das – durch den Veranstaltungsort auf der innerdeutschen Grenze – mit einer Bühne gleichzeitig in zwei Staaten stattgefunden hat.

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SONSTIGES: Politik – Serdar Somuncu – Die Wahrheit über uns und unsere Gesellschaft

Im letzten Musikbeitrag hatte ich geschrieben, man könne manches besser durch Musik ausdrücken. Heute ein anderes Beispiel: Es geht auch mit Vehemenz, mit deutlicher Sprache, mit Empathie und Überzeugung. Ein Beispiel zu einem wesentlichen Element unserer Gesellschaft: Der unbestimmten Angst, uns würde etwas genommen. Serdar Somuncu (* am 03.06.1968 in Istanbul) ist ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist, Regisseur, Satiriker. Er legt den Finger gerne schonungslos in unsere Wunden. Das ist auch Selbstkritik. Auf ntv bringt er demnächst (bis zum Sommer) viermal eine Talkshow, nächster Termin ist voraussichtlich der 21. März.

Sedar Somuncu bringt eine Sicht der Dinge auf den Punkt, die ich gut verstehe. Es geht um unsere Verlogenheit! Und Bequemlichkeit! Da kann und muss sich noch einiges ändern. Also spricht er es deutlich an! Hier ein Ausschnitt aus seinem erfolgreichen Programm H2 Universe – die Machtergreifung. Ob er selbst für diesen Ausschnitt den Titel „Die Wahrheit über uns und unsere Gesellschaft“ gewählt hat, weiß ich nicht. Denn von „Wahrheit“ zu reden ist ja nicht leicht.

MUSIK: Sportfreunde Stiller

So manches Mal kann man die Dinge durch Musik doch noch etwas besser ausdrücken: Dieselben Worte, aber durch die Musik umrahmt, unterstützt, durch den Klang vertont, durch eine gewisse Schlüssigkeit ehrlicher, unplugged, durch eine Art musikalische Überzeugungskraft stimmungsvoller, durch die Aufnahme  wiederholbar, durch den Gesang nicht verfälscht, reichhaltiger, tiefergehend, durch die fremde Stimme geladener, durch den Sound emotionaler, lauter, länger, treffender. Hier etwa die Sportfreunde Stiller mit „Ein Kompliment“.

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Gesehen und gehört

MUSIK: Jimi Hendrix

Ein Gefühl, wie etwas entsteht: Es geht leise, langsam, zaghaft – durchaus schön – los und steigert sich. Es muss sich steigern. Es kann nicht zaghaft bleiben. Es ist erst entstanden, ist zu etwas geworden, wenn es gesteigert ist, gewaltig gesteigert. Erst dann. Damit haben wir immer zu tun, überall. So auch Jimi Hendrix  mit dem kurzen Song „Slipping down to universe“:

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Selbst Geschriebenes Sonstiges

SONSTIGES: Kann Sprache Karneval?

Der Pinguin mit dem blau-gelben Fell griff nach der eckigen Glasflasche und schleuderte sie auf das geschlossene Fenster. Sie klatschte zuerst kurz gegen die orangefarbene Wand neben dem Fenster, blieb aber unversehrt. Dann flog sie weiter, durch die Wand hindurch, hinaus auf die Straße. Obwohl er gleich darauf in das andere Zimmer rollte, der Pinguin, sah er ganz genau vor sich, wie sie auf den gelben Asphalt fiel. Immer noch unversehrt, nur ein bisschen verformt, verbeult, lag sie jetzt direkt vor dem Mann, der gerade am Haus vorbei schwebte, knapp über dem Boden. Laute Musik brodelte und erzeugte Wärme. Der Mann und auch die anderen Passanten schwitzten etwas. Er aß gerade eine rote Banane, die halb abgezogene blaue Schale hing seitlich herunter. Der Pinguin drehte sich zum Fenster und sang laut vor sich hin. Der Mann wiederum hörte es, obwohl er grüne Kopfhörer trug, hob die Flasche auf und blickte zum Pinguin, den er durch die Wand hindurch sah. Er rief zum Pinguin hinauf „Was gibt’s?“. – Der Pinguin antwortete: „Nichts. Ich brauche nichts“. – Der Mann wieder: „Na gut, mach ich. Wie viel?“. – Der Pinguin: „Mindestens eine Portion, damit es für heute reicht“. – „Verstehe“, sagte der Mann und schwebte um die Ecke. Kurze Zeit später kam er zurück, er kam dieses Mal von oben. In der rechten Hand hielt er eine kleine Tüte voll Nichts. Er griff hinein und probierte. „Also mir schmeckt das nicht“, sagte er. „Es schmeckt so glatt!“ Der Pinguin saß mittlerweile am Tisch. „Ist ja auch für mich, nicht für Dich. Und vielleicht haben sie es etwas gewürzt, dann schmeckt es anders, irgendwie wie Wasser, das zu nass gemacht wurde“, sagte er. „Ok“, sagte der Mann und reichte dem Pinguin die Tüte. Durch die Wand hindurch. Es begann gerade, winzige runde, bunt leuchtende Butterflocken zu regnen. „Vorsicht, heiß“, fügte er hinzu. Der Pinguin griff die Tüte und schüttete das Nichts schwungvoll in die Schüssel, die vor ihm lag. Ein kleiner Teil davon spritzte auf den Boden, war aber schon verschwunden, als der Pinguin danach schaute. Er ließ es sich dann gut gehen, der Tag war damit gerettet. Der Mann hatte etwas Gutes getan und der Pinguin war zufrieden. Ein ganz normaler Vorgang, so kurz vor Rosenmontag.

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