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BALLETT: Pierre Lacotte – La Sylphide

„La Sylphide“ hatte Uraufführung in der ersten Choreografie von Filippo Taglioni schon im Jahre 1832! Und es wurde in dieser Version vor fast exakt 185 Jahren (!), am 14. Juli 1840, schon in München gezeigt, am damaligen „Königlichen Hof- und Nationaltheater“, dem heutigen Nationaltheater. Andererseits: Wirklich lang ist das nicht her!

Im 19. und 20. Jhdt. stand „La Sylphide“ immer wieder auf dem Programm des Bayerischen Staatsballetts und nun, seit November 2024, wird es dort wieder – in der etwas späteren Fassung von Pierre Lacotte von 1972, die aber bewusst ganz eng am „Original“ von Taglioni festhält – gezeigt. Das Stück gilt in der Ballettwelt als der „Durchbruch“ des Spitzentanzes, mit nicht enden wollendem Applaus am Ende.

Weitere Aufführungen von „La Sylphide“ sind am Bayerischen Staatsballett ab November 2025 zu sehen.

Durch und durch klassisch ist nicht nur der Tanz, ist nicht nur die Kostümierung, das Bühnenbild, die Musik, die Choreografie, die „Geschichte“, die erzählt wird, nein, alles, auch das Recht deutlich werdende damalige Rollenverständnis von Mann und Frau.

Der Inhalt von „La Sylphide“ insgesamt wird in der Inszenierung von Pierre Lacotte sehr deutlich: Man könnte zusammengefasst sagen, es ist inhaltlich der Spruch: „Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“. Denn der junge James will zuviel! Das ist immer gefährlich, auch heute noch! Er steht kurz vor der Hochzeit mit Effie, da träumt er plötzlich vom so wundervollen eleganten Wesen „La Sylphide“, wie von einer „Traumfrau“. Er denkt immer wieder an sie, die Hochzeit mit Effie fällt aus, James will „La Sylphide“, die wieder erscheint, unsichtbar für die Anderen, an sich binden, dieses elegante Wesen, sie stirbt aber letztlich durch „Berührung“ gewissermaßen, und … Effie ist dann für James verloren, sie heiratet James‘ besten Freund Gurn, der Effie ohnehin offenbar immer schon mehr liebte … Tja, so kann es gehen. Fraglich bleibt allerdings ein wenig, ob James von sich aus plötzlich „mehr“ wollte – dann gilt der Spruch oben – oder ob er verwirrt, umgarnt wurde von „La Sylphide“ (aber letztlich will er sie ja für sich „fangen“). Das Thema ist jedenfalls zeitlos.

Sich mit der erzählten Geschichte von „La Sylphide“ auseinanderzusetzen, hatte allerdings keinen besonderen Reiz für mich. Es war eher der Tanz. Besonders nach der Pause merkte man die fast eigentümliche Eleganz des Spitzentanzes, die eigenartige Besonderheit, die der Spitzentanz für das Ballettwesen sicher hat. Es ist höchste Kunst, die man sieht, höchster Ausdruck, es sieht so schwerelos und leicht aus – nach der Pause vor allem im Tanz der „La Sylphide“ und der zahlreichen Sylphen, wo es doch genau das Gegenteil ist! Man sollte sich dem besonderen Ausdruck des Spitzentanzes, der Eleganz bei höchster Anstrengung und Konzentration, dem Träumerischen der Sylphenwelt, hingeben, wenn man diese Aufführung besucht!

Vor allem vom Solisten António Casalinho als James – mit seiner phantastischen Sprungkraft – und der Solistin Margarita Fernandes als La Sylphide konnte man so in der Tat mit ihrem so klassischen Tanz begeistert sein. Besonders sie erhielten den oben schon genannten nicht enden wollenden Schlussapplaus.

Von der Musik war ich weniger angetan. Ich hatte nach der Aufführung die Musik überspitzt so beschrieben: „Irgendetwas zwischen Nationalhymne und Oktoberfestmusik“! Es war die Musik der „Originalversion“, komponiert von Jean-Madeleine Schneitzhoeffer. Nun gut, überspitzt formuliert bitte!

Insgesamt war es aber auch für mich ein schöner „Blick zurück in die Zeiten des romantischen Balletts“, ein Blick in wahrscheinlich eines der Grundelemente einer jeden Ballettausbildung, die zu wirklichen Höchstleistungen führen soll … und auch führen kann, wie man sah. Ein Meilenstein für den Ballettfreund!

Hier noch zwei Bilder der Aufführung:

HIER link zur Produktionsseite „La Sylphide“ des Bayerischen Staatsballetts.

Copyright der Fotos: Katja Lotter

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BALLETT: Sol Leon & Paul Lightfood – Sphären.03

Worum ging es bisher bei der Reihe „Sphären“ des Bayerischen Staatsballetts? (Ob sich dann künftig unter der Bezeichnung „Konstellationen“ auch an der Projektidee etwas ändern wird, weiß ich noch nicht.) Auf der Website/im Programmbuch zur diesjährigen Ausgabe „Sphären.03“ heißt es jedenfalls (zusammengefasst):

Auf Einladung Laurent Hilaires (Anm.: Ballettdirektor des Bayer. Staatsballetts) fungieren bei „Sphären“ arrivierte Choreograph:innen als Kurator:innen: Sie wählen Tanzschaffende einer jüngeren Generation aus, die in München eine Arbeit einstudieren oder neu kreieren sollen. Nach den beiden von Marco Goecke und Angelin Preljocaj kuratierten Abenden wurde für die dritte Ausgabe das Choreographen-Duo Sol León & Paul Lightfoot mit der kuratorischen Aufgabe betraut. 

Vorab aber sei einmal ganz grundsätzlich zum Thema „Luxus dieser Art“ gesagt: Man sollte sich selber gegenüber ehrlich sein: Es ist ein Privileg, ja, auf jeden Fall, ein Privileg, einen Ballettabend erleben zu dürfen – in den edlen Räumen des Prinzregententheaters etwa, zusehen zu dürfen, wie diese jungen Menschen so phantastisch hingebungsvoll, akrobatisch, modernes Ballett zeigen, sich so bewegen können, und sich vorstellen zu können, mit welchem Einsatz ein solches Stück entsteht, wie hart geübt wird, mit wieviel Herzblut und Leidenschaft daran gearbeitet wird, wie es choreografiert wird, inszeniert wird, geprobt wird, präsentiert wird, in welch einer Umgebung! Hier für drei Aufführungen! Wie viele Menschen mehr arbeiten an so einem Ergebnis, als an einem Gemälde etwa. Am Montag den 30. Juni war die dritte und letzte, wieder ausverkaufte Vorstellung 2025. Wahrscheinlich endete sie wieder mit standing ovations. Eventuell wird das Gesamtprogramm woanders noch gebracht? Wohl kaum. Hier ein Foto, das die jungen TänzerInnen des Ensembles des Bayerischen Staatsballetts nach der Vorführung zeigt. Vielfalt strahlt einem entgegen.

Es ist natürlich ein Genuss, aber „Genuss“ allein wäre zu wenig, wäre fast herablassend. Es muss m. E. Bewunderung dabeisein, auch das Bewusstsein, dass es wahrlich nicht alltäglich ist, es muss hoher Respekt dabeisein und viel Dankbarkeit. Viele Menschen können es nicht sehen, haben keine Zeit, kein Geld, keine Berührung damit usw.

Da ist der Ausspruch von Paul Lightfoot, der im Programmbuch zu seinem Stück „Subject to Change“ zu lesen ist, hoch gegriffen: „Das Leben durch die Kunst sehen“ liest man von ihm. Im Grunde ein schöner Gedanke, ohne Kunst ist das Leben in der Tat etwas anderes, Kunst ist für unser Denken so wichtig, führt weg vom elenden blinden Realismus. Aber wie viele Menschen leben doch wohl ein Leben ohne Kunst! So hat gerade ein solcher Ballettabend natürlich leider etwas elitäres. Ihn dann auch noch auf bloßen „Genuss“ zu reduzieren, wäre wiederum fast arrogant. Aber das will ich niemandem unterstellen. Ich gönne jedem alles.

Das renommierte Choreographie-Duo Sol León & Paul Lightfoot (siehe das Beitragsbild oben) jedenfalls, seit knapp 40 Jahren im Ballett tätig, hat nun also für „Sphären.03“ drei jüngere Teams nach München eingeladen, um ihre choreographische Kunst zu präsentieren. Es waren die Choreographen Pau Aran Gimeno, Dimo Milev und das Duo Eliana Stragapede & Borna Babić. Die beiden letztgenannten sind die jüngsten, geboren 1996 bzw. 1994. Zusätzlich haben Sol León & Paul Lightfoot selbst zwei ihrer eigenen Stücke ins Repertoire aufgenommen. So waren es fünf Stücke „modernes“ Ballett! Die beiden Stücke des Choreographie-Duos Sol León & Paul Lightfoot („Shutters Shut“ und „Subject to Change“) sollen übrigens im Rahmen der nächsten Folge („Konstellationen“ 2026) noch einmal gezeigt werden.

Zu den drei eingeladenen Teams:

Die Dimo Milev zum Einen und Eliana Stragapede & Borna Babić zum Anderen haben neue Stücke kreiert, Pau Aran Gimeno wiederum hat ein bestehendes Werk mit den Tänzer:innen des Bayerischen Staatsballetts einstudiert. 

Zu allen fünf Teilen:

Es waren völlig unterschiedliche, sehr aussagestarke Stücke. Es wurde jeweils etwas völlig eigenes erzählt. Das Problem war natürlich: Konnte man die Inhalte richtig erkennen? Muss man ja nicht immer, aber man versucht es ja ständig! 

Man konnte angesichts der „Modernität“ (in Abgrenzung von „klassischem“ Ballett) der fünf Choreographien – einschließlich der Musik – an das renommierte und oft so extravagante NDT, das Nederlands Dans Theater, denken, über das ich hier auch schon mehrfach berichtet habe. Fast alle der oben genannten Choreographen – vor allem auch Sol León und Paul Lightfoot – haben ihre schon lange bestehenden Verbindungen zum NDT. Nur Pau Aran Gimeno m. E. offenbar nicht.

Mein Gedanke war dann aber: Wie es das Nederlands Dans Theater manchmal macht, wäre es so gut, wenn man auch hier, seitens des Bayerischen Staatsballetts, diese Stücke im Nachgang noch online anbieten würde! Zumindest von dieser Reihe, in der leider immer nur wenige Aufführungen gegeben werden. Ich würde sie mehrfach ansehen und immer mehr erkennen! Die körperlichen Ausdrücke und damit die Leistungen und die Stücke insgesamt würden mehr und mehr Bedeutung erlangen! 

Hier noch Fotos:

Vom Teil „In Fragments“ habe ich kein Foto.

Copyright der Fotos: Katja Lotter; das obige Foto der gesamten Gruppe der TänzerInnen ist eine Eigenaufnahme.

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Ballett: Duato/Skeels/Eyal

Die großen Häuser des klassischen Balletts geben dem modernen Ballett schon lange seinen Raum, zumal man hierzu sagenhafte Inszenierungen sehen kann. So gibt es zurzeit wieder am Bayerischen Staatsballett einen Abend modernen Balletts.

Ich hatte kürzlich über das wahrlich faszinierende Gastspiel von Peeping Tom am Bayerischen Staatsballett geschrieben. Es war tänzerisch und besonders von der Gesamtchoreografie her ein ganz erstaunliches Gesamtkunstwerk. HIER der Link. Jetzt hatte ich Gelegenheit, auch Duato/Skeels/Eyal am Bayerischen Staatsballett zu sehen. Ende Juni und im November wird es wieder gezeigt. HIER der Link zur Seite der Produktion „Duato/Skeels/Eyal“ auf der Website des Bayerischen Staatsballetts mit interessanten Trailern und Videos.

Hier ein Trailer:

Wieder einmal spürt man die Vielfalt und gleichzeitig Hochklassigkeit des modernen Balletts. Mehr Vielfalt wohl als beim klassischen Ballett (ich bin kein Spezialist für klassisches Ballett), das doch deutlicher an bestimmte Varianten/Methoden des Tanzes gebunden zu sein scheint. Man wird an diesem Abend in drei Welten hineingezogen. Vor der Vielfalt der Möglichkeiten, mit denen nicht Sprache, sondern Körper, Bewegung und Choreografie es schaffen, verschiedenste Ausdrücke zu erzeugen und Geschichten zu erzählen, gepaart mit absolut hochgradiger Ballettkunst, kann man wieder einmal nur den Hut ziehen. Das ist es, was mir am modernen Ballett gefällt. So war auch mein Eindruck am Abend Duato/Skeels/Eyal. Es sind, wie gesagt, drei Teile, Teil zwei und Teil drei besonders waren großartig!

Teil eins des Abends (White Darkness von Nacho Duato) war noch am ehesten geprägt von einer gewissen Bindung an das klassische Ballett durch seine doch recht stark Mann-Frau-zentrierte Darstellung. Fast etwas plakativ ging es Nacho Duato um den Drogentod einer seiner Schwestern. Man hatte den Eindruck, die Tänzer waren sehr stark in der Rolle, die Tänzerinnen zu führen. Diese eher klassische Herangehensweise ist bei Duato gut nachvollziehbar, er pendelte in seinem Leben teils zwischen klassischem Ballett und modernem Ballett. Seine erste Choreografie hatte er am NDT!

Etwas einseitig wirkte White Darkness daher fast im Vergleich zu den anderen beiden Teilen, die auch jünger sind. White Darkness ist eine Choreografie aus dem Jahre 2001, während Chasm von Andrew Skeels seine Uraufführung am Bay. Nationaltheater im April 2024 und Autodance von Sharon Eyal seine Uraufführung in 2018 hatten. Die Einseitigkeit scheint der Hintergrundgeschichte der Choreografie geschuldet, dem Tod einer der Schwestern von Nacho Duato. Weißer Sand rieselt mehrfach auf die Bühne, im Schlussbild „vergeht“ eine Tänzerin im rieselnden weißen Schnee – der Droge! Starke Bilder, Duato ist ein Fan der Lichteffekte. Teil zwei und Teil drei des Abends sind dagegen ganz besonders sehenswert. Die Pausen zu Teil zwei und drei lohnen sich.

Ein Foto zu Teil 1:

Copyright: Nicholas MacKay

In Teil zwei (Chasm von Andrew Skeels) ist ein Science Fiction Szenario. Der Zuschauer wird durch eine beeindruckende Choreografie in absolut ferne Zukunft geführt. Der Mensch lebt nach totaler Zerstörung der Erde in einer anderen Welt, hat sich auf eine andere Lebensform zurückziehen müssen, lebt in Höhlen, ist mittlerweile körperlich angepasst. Er muss und will wegen weiterer Änderungen der Lebensgrundlagen die Höhle verlassen und findet – über „Rituale“ – den Ausgang durch einen Riss. Das letzte Stückchen Hoffnung. Es wird eine insgesamt bedrückende Atmosphäre geschaffen durch Tanz, Bewegung und Choreografie. Eine Atmosphäre, die fremd ist und Bestürzung hinterlässt.

Ein Foto zu Teil 2:

Copyright: W. Hösl

Zu Teil drei (Autodance von Sharon Eyal) wird dem Zuschauer empfohlen, wegen der lauten Musik Ohrstöpsel zu verwenden. Gerade ohne Ohrstöpsel war es absolut beeindruckend! Clubkultur vermischt sich mit phantastischem Ballett. Man fühlte sich bei den harten Rhythmen der „Musik“ einerseits ins Münchner P 1 versetzt (Musik: Ori Lichtik), sehr modern, zeitlos. Die israelische Choreografin Sharon Eyal ist bekannt für rave-artige, extatische Gruppenstücke. Großartige oft schrittartige Bewegungen der Tänzer und Tänzerinnen zeigen Kontrolle und Extase zugleich, der Zuschauer wird der Möglichkeit einer genauen Interpretation und Orientierung dessen, was er sieht, entzogen. Auch hier entsteht eine fantastische Atmosphäre durch die tosende Musik (eher ein rhythmisches lautes Stakkato) einerseits und die körperlich so brillanten Bewegungen, die teils fast in Widerspruch stehen zum heftigen Club-Rhythmus, ruhiger, nicht ausgelassen und wirr sind Allein die Gangbewegungen, von denen alles ausgeht, zunächst einzeln, dann mehr und mehr in der Gruppe. Man merkte, dass es tänzerisch schlicht hochklassig war!

Ein Foto zu Teil 3:

Copyright: Nicholas MacKay

Copyright des Beitragsbildes: Nicholas MacKay

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BALLETT: Peeping Tom – Triptych

Zunächst: Zu sagen, „Es war grandios“, würde der Sache nicht gerecht werden. Gut, es gab Jubel und Standing Ovations am Ende, die Äußerung klänge aber wie „Es war eine großartige Leistung“ und damit klänge es auch irgendwie herablassend. Als hätte man ja als „ZuschauerIn“ auch einmal das Recht oder den Anspruch auf eine so tolle Leistung, dort im großen edlen Zuschauerraum des Nationaltheaters sitzend. So ist es aber nicht! Es war so: Ich habe so etwas noch nicht gesehen und möchte das so Besondere an diesem Abend anerkennen, respektieren, bewundern. Ich müsste daher eher sagen: „Danke, es war wahrlich ein Gesamtkunstwerk!“. Jede Person, die Bühne, das Licht, die Szenen, die Bewegungen …

Was ist Traum – was ist Wirklichkeit? Was ist bewusst – was ist unbewusst? Das waren die Fragen, die sich am Abend ständig stellten. Es war nicht Ballett wie man es kennt, klassisches Ballett schon garnicht! Es war eine permanente Mischung aus „wortlosem“ Theater und unglaublichem Ballett/Akrobatik. In unglaublichen, ständig teils realen, wirklichen und sofort wieder unwirklichen Szenen. Es war inhaltlich eine tiefe Mischung aus Traum und Wirklichkeit. Diese Mischung auf diesen beiden Ebenen war irritierend, andererseits sprengte sie Grenzen! Und das Sprengen von Grenzen ist immer klasse! Und wenn ich sagen würde „Es war grandios“, denke ich, würde ich mich ja gerade doch in den mir vertrauten Grenzen halten! Das geht hier nicht, das passt nicht. Es geht um etwas anderes.

Ballett und Akrobatik waren dabei ein wesentlicher Teil des Kunstwerkes! Neben allem anderen! Ständig Bewegungen wunderbarer Art, Akrobatik schönster, fast irritierender und oft erstaunlicher Art. Immer wieder gab es Momente der Inszenierung, die nur ein großes Staunen hinterließen. In allen drei Teilen ging es allerdings um sehr, sehr düstere Szenen! Dunkle Atmosphäre. Immer wieder wurden Türen geöffnet, über die man dann doch nicht den doch engen Raum (ein Schiff, ein Hotel) verlassen konnte. Der Tod spielte ständig mit. Als wäre das menschliche Unterbewusstsein immer vom Tod und düstersten Vorstellungen getrieben! Das musste man bei allem hinnehmen.

Es gab nach dem ersten Teil eine zehnminütige Lichtpause für den Umbau hin zum zweiten Teil des Abends. Während dieser Lichtpause blieb man im Zuschauerraum sitzen, die Bühne war nun in aller Tiefe zu sehen. Allein diese 10 Minuten waren wunderbar! Plötzlich war man wieder in voller Realität. Wobei: Auch dort herrschte ein wenig eine Mischung aus Realität und Traum: Einer der Mitwirkenden blieb während der Umbauarbeiten auf dem Platz sitzen, den er zuvor am Ende des ersten Teils eingenommen hatte. Und das Licht blieb düster. So vor der insgesamt riesigen, tiefen Bühne sitzend sah man in dieser Pause auch die anderen – großartigen – Mitwirkenden, dunkle Beleuchtung, ruhige Arbeiten, Gelassenheit – auch die Umbauaktionen waren irgendwie beeindruckend!

Wahrscheinlich könnte man es fünfmal ansehen, wenn man es inhaltlich gut verstehen wollte. So war es leider nur ein irres Einzelerlebnis! Erinnerung, Unbewusstes, Angst, Hoffnung, alles spielte rein. Manchmal muss man sich bedanken bei Menschen, die so etwas erstellen und darstellen können! Nur konsumieren ist da zu wenig.

HIER der Link zur Website von Peeping Tom. Triptych tourt weiter.

Hier ein Trailer:

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BALLETT: Sol León & Paul Lightfoot – Schmetterling

Mehr als 60 Uraufführungen hatten beide seit 1989 gemeinsam als Choreografenduo am NDT kreiert, immer stehend für zeitgenössisches, nicht klassisch geprägtes Ballett, wie das NDT insgesamt. Sol Leon

und Paul Lightfoot:


Zwei ihrer Produktionen sind Silent Screen und Schmetterling, die ab März vergangenen Jahres mehrfach am Bayerischen Staatsballett gemeinsam gezeigt wurden. Ich schreibe hier im Blog im Grunde immer über Dinge, die der Leser/die Leserin noch sehen kann. Für den Abend „Schmetterling“ (beide oben genannte Produktionen zusammen erscheinen unter diesem Titel) sehe ich leider in dieser Spielzeit keinen weiteren Termin! Aber ich höre, es wird in der kommenden Spielzeit (Januar und Februar 2025) weitere Termine des Abends „Schmetterling“ geben.

Und demnächst – vom 12. bis 20. April – ist ohnehin die Münchner Ballettfestwoche 2024, so kann mein Beitrag auch eine Anregung für eine der dortigen Produktionen geben. Ich etwa werde in der Münchner Ballettfestwoche die sehr expressive, gestalterisch sicher fast extreme Produktion „Triptych“ der belgische Compagnie Peeping Tom sehen, auch das war eine Produktion für das NDT. Erstmals ist die Companie Peeping Tom am Bayerischen Staatsballett.

HIER der Link zur Website der Münchner Ballettfestwoche 2024. Es heißt dort zur Produktion „Triptych“: „… unglaublichen Vielfalt an Ausdrucksformen und extrem präzisen Abläufen, die bis hin zur Akrobatik reichen.“

Silent Screen und Schmetterling sind durchaus ältere Produktionen, „Silent Screen“ hatte seine Uraufführung im April 2005, „Schmetterling“ hatte Uraufführung im November 2010. Ein kurzes Fazit: Sehr ausdrucksstarkes, erzählerisches, emotionales Tanztheater, wie so oft beim NDT auf dunkler Bühne, mit teils interessanten Videoeinspielungen im Hintergrund, die teils wiederum den emotionalen Charakter des Abends unterstützen und die „Erzählungen“ untermauern. Erzählerisch ist es allerdings geradezu anstrengend – meinte man doch, man müsse eine „Geschichte“, die „erzählt“ wurde, genau erkennen – was kaum möglich ist. Das erste Stück (Silent Screen) nahm Bezug auf Stummfilme – wie Ballett ohne Worte – das zweite (Schmetterling) bezog sich auf die wundersame Natur des Schmetterlings, auf seine Vergänglichkeit, Zartheit, Schönheit, und auf den Lauf des Lebens. Wie so oft beim NDT auch: Hochklassiges Tanztheater (hier durch Ensemblemitglieder des Bayerischen Staatsballetts), das musikalisch noch dazu durch zwei Größen der Ballettmusik und eben deren – ich möchte sagen – manchmal fast sphärische, rein klangliche Musik (oft Pianoklänge) geprägt wird: Philip Glass und Max Richter, die ja öfters Musik für Ballettproduktionen schreiben.

HIER ist übrigens der Link zur Seite der kommenden Produktion „Triptych“ der Gruppe Peeping Tom auf der Website des Bayerischen Staatsballetts. Auch das wird extrem erzählerisches Tanztheater, in drei Teilen. Siehe den Link.

Und am 24. und 25. April bietet wiederum das Nederlands Dans Theater (NDT) ein weiteres Onlinestreaming. HIER ist der Link zu diesem Streamingangebot auf der Website des NDT. Drei Produktionen kann man an diesen beiden Tagen im Streaming sehen, unter anderem – am zweiten Tag – die Produktion In The Dutch Mountains des auch hier in Deutschland ja sehr bekannten (wenn auch teils unrühmlich bekannten) Choreografen Marco Goecke.

Hier noch zwei Bilder der Produktion „Schmetterling“:

Copyrights: Titelbild © CARLOS QUEZADA, beide Bilder unten: © WILFRIED HÖSL,