Ballett – ein (auch bewundernswerter) Luxus schlug zu, als ich am Wochenende den Abend „Sphären.03“ des Bayerischen Staatsballetts im Prinzregententheater erlebte. Ich schreibe ja im Blog ungern über Dinge, die nicht mehr gesehen werden können, und „Sphären.03“ der Saison 2025 kann nicht mehr, jedenfalls nicht in der kürzlich in 2025 gezeigten Zusammenstellung (mehr dazu siehe unten), gesehen werden. Die bisherige Reihe „Sphären“ kommt jedes Jahr, im kommenden Jahr (im Juni 2026) allerdings unter der Bezeichnung „Konstellationen“!
Worum ging es bisher bei der Reihe „Sphären“ des Bayerischen Staatsballetts? (Ob sich dann künftig unter der Bezeichnung „Konstellationen“ auch an der Projektidee etwas ändern wird, weiß ich noch nicht.) Auf der Website/im Programmbuch zur diesjährigen Ausgabe „Sphären.03“ heißt es jedenfalls (zusammengefasst):
Auf Einladung Laurent Hilaires (Anm.: Ballettdirektor des Bayer. Staatsballetts) fungieren bei „Sphären“ arrivierte Choreograph:innen als Kurator:innen: Sie wählen Tanzschaffende einer jüngeren Generation aus, die in München eine Arbeit einstudieren oder neu kreieren sollen. Nach den beiden von Marco Goecke und Angelin Preljocaj kuratierten Abenden wurde für die dritte Ausgabe das Choreographen-Duo Sol León & Paul Lightfoot mit der kuratorischen Aufgabe betraut.
Vorab aber sei einmal ganz grundsätzlich zum Thema „Luxus dieser Art“ gesagt: Man sollte sich selber gegenüber ehrlich sein: Es ist ein Privileg, ja, auf jeden Fall, ein Privileg, einen Ballettabend erleben zu dürfen – in den edlen Räumen des Prinzregententheaters etwa, zusehen zu dürfen, wie diese jungen Menschen so phantastisch hingebungsvoll, akrobatisch, modernes Ballett zeigen, sich so bewegen können, und sich vorstellen zu können, mit welchem Einsatz ein solches Stück entsteht, wie hart geübt wird, mit wieviel Herzblut und Leidenschaft daran gearbeitet wird, wie es choreografiert wird, inszeniert wird, geprobt wird, präsentiert wird, in welch einer Umgebung! Hier für drei Aufführungen! Wie viele Menschen mehr arbeiten an so einem Ergebnis, als an einem Gemälde etwa. Am Montag den 30. Juni war die dritte und letzte, wieder ausverkaufte Vorstellung 2025. Wahrscheinlich endete sie wieder mit standing ovations. Eventuell wird das Gesamtprogramm woanders noch gebracht? Wohl kaum. Hier ein Foto, das die jungen TänzerInnen des Ensembles des Bayerischen Staatsballetts nach der Vorführung zeigt. Vielfalt strahlt einem entgegen.

Es ist natürlich ein Genuss, aber „Genuss“ allein wäre zu wenig, wäre fast herablassend. Es muss m. E. Bewunderung dabeisein, auch das Bewusstsein, dass es wahrlich nicht alltäglich ist, es muss hoher Respekt dabeisein und viel Dankbarkeit. Viele Menschen können es nicht sehen, haben keine Zeit, kein Geld, keine Berührung damit usw.
Da ist der Ausspruch von Paul Lightfoot, der im Programmbuch zu seinem Stück „Subject to Change“ zu lesen ist, hoch gegriffen: „Das Leben durch die Kunst sehen“ liest man von ihm. Im Grunde ein schöner Gedanke, ohne Kunst ist das Leben in der Tat etwas anderes, Kunst ist für unser Denken so wichtig, führt weg vom elenden blinden Realismus. Aber wie viele Menschen leben doch wohl ein Leben ohne Kunst! So hat gerade ein solcher Ballettabend natürlich leider etwas elitäres. Ihn dann auch noch auf bloßen „Genuss“ zu reduzieren, wäre wiederum fast arrogant. Aber das will ich niemandem unterstellen. Ich gönne jedem alles.
Das renommierte Choreographie-Duo Sol León & Paul Lightfoot (siehe das Beitragsbild oben) jedenfalls, seit knapp 40 Jahren im Ballett tätig, hat nun also für „Sphären.03“ drei jüngere Teams nach München eingeladen, um ihre choreographische Kunst zu präsentieren. Es waren die Choreographen Pau Aran Gimeno, Dimo Milev und das Duo Eliana Stragapede & Borna Babić. Die beiden letztgenannten sind die jüngsten, geboren 1996 bzw. 1994. Zusätzlich haben Sol León & Paul Lightfoot selbst zwei ihrer eigenen Stücke ins Repertoire aufgenommen. So waren es fünf Stücke „modernes“ Ballett! Die beiden Stücke des Choreographie-Duos Sol León & Paul Lightfoot („Shutters Shut“ und „Subject to Change“) sollen übrigens im Rahmen der nächsten Folge („Konstellationen“ 2026) noch einmal gezeigt werden.
Zu den drei eingeladenen Teams:
Die Dimo Milev zum Einen und Eliana Stragapede & Borna Babić zum Anderen haben neue Stücke kreiert, Pau Aran Gimeno wiederum hat ein bestehendes Werk mit den Tänzer:innen des Bayerischen Staatsballetts einstudiert.
Zu allen fünf Teilen:
Es waren völlig unterschiedliche, sehr aussagestarke Stücke. Es wurde jeweils etwas völlig eigenes erzählt. Das Problem war natürlich: Konnte man die Inhalte richtig erkennen? Muss man ja nicht immer, aber man versucht es ja ständig!
Man konnte angesichts der „Modernität“ (in Abgrenzung von „klassischem“ Ballett) der fünf Choreographien – einschließlich der Musik – an das renommierte und oft so extravagante NDT, das Nederlands Dans Theater, denken, über das ich hier auch schon mehrfach berichtet habe. Fast alle der oben genannten Choreographen – vor allem auch Sol León und Paul Lightfoot – haben ihre schon lange bestehenden Verbindungen zum NDT. Nur Pau Aran Gimeno m. E. offenbar nicht.
Mein Gedanke war dann aber: Wie es das Nederlands Dans Theater manchmal macht, wäre es so gut, wenn man auch hier, seitens des Bayerischen Staatsballetts, diese Stücke im Nachgang noch online anbieten würde! Zumindest von dieser Reihe, in der leider immer nur wenige Aufführungen gegeben werden. Ich würde sie mehrfach ansehen und immer mehr erkennen! Die körperlichen Ausdrücke und damit die Leistungen und die Stücke insgesamt würden mehr und mehr Bedeutung erlangen!
Hier noch Fotos:




Vom Teil „In Fragments“ habe ich kein Foto.
Copyright der Fotos: Katja Lotter; das obige Foto der gesamten Gruppe der TänzerInnen ist eine Eigenaufnahme.