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SONSTIGES/Vorschau

Speziell für Münchenfreunde: Die Münchner – scheint es – warten seit Beginn der Intendanz von Matthias Lilienthal auf das gewohnt hervorragende konventionelle Theater der Kammerspiele. Es gibt durchaus herkömmliche Stücke (Der Spieler, Der Kaufmann von Venedig, Jagdszenen in Niederbayern, Susn etc.), aber Matthias Lilienthal, ehemals freier Journalist, Dramaturg, künstlerischer Direktor und zuletzt Chef des Berliner HAU (Hebbel am Ufer, Berlin), legt sehr viel Wert auf unkonventionelle, aktuelle, internationale, junge Projekte. Das ist ein neuer Schwerpunkt des Theaters, die Bühnen in „Kammer 2“ und „Kammer 3“ sind auf dem Weg, brisant und neu für München zu werden. Es sind hochinteressante Themen und Performances, die gezeigt werden und die vor allem das Befinden unserer Gesellschaft aufgreifen. Gut so! München wird dadurch offener, weltstädtischer. München kann Neues immer gebrauchen.
Ein schönes Beispiel (eine Vorschau): Am Mittwoch, 17.02.2016 bis Dienstag, 23.02.2016: 
EUROPOLY – Performances und Filme über das neue alte Europa, ein Festival des Goethe-Instituts und der Münchner Kammerspiele. 
Zitat: „The FILMS will be launched weekly, starting December 2015, celebrating their worldwide premiers online. … The PERFORMANCES will be developed in the LAB until being shown live during the

EUROPOLY festival at the Münchner Kammerspiele, 17-23 February 2016. To find out more about EUROPOLY click here.

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Gelesen und geblättert Sonstiges

SONSTIGES/POLITIK: Flüchtlinge II

Hier ein Bericht von „vor Ort“, der m. E. viele Dinge anspricht, die auch gesehen werden müssen. Er folgt der Linie „Wir schaffen das„, auch wenn wir es natürlich irgendwie begrenzen müssen: Unten bitte auf das Datum klicken.

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Liebe Leute,nach nun fast vier Wochen im Erstaufnahmelager, finde ich endlich mal die Zeit ein paar Zeilen zur…

Posted by Raphaele Lindemann on Donnerstag, 28. Januar 2016

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Allgemein Gesehen und gehört

THEATER: Caspar Western Friedrich

Wir und die Natur. Es war alles einmal anders, vor garnicht allzu langer Zeit. Das zeigt uns der Abend der Premiere von Caspar Western Friedrich an den Münchner Kammerspielen: Caspar Western Friedrich, eine Performance oder Inszenierung von Philippe Quesne.

Caspar Western Friedrich hinterfragt – anhand des „Westerns“ und anhand „Caspar David Friedrich“ – den Platz des Menschen in der Welt. Ausgehend von unserem Fernsehwissen über den Western und ausgehend von der bildhaften Reflexion der Natur durch Caspar David Friedrich stellt die Inszenierung unsere Verbindung zur Natur dar. Zwischen dem Willen sie zu beherrschen – der Western – und dem Wunsch sie zu beschützen, zu betrachten – Caspar David Friedrich. Zwischen Eroberung und Kontemplation, zwischen Ausbeutung und Ökologie.

Ein modernes Thema, auf das der Zuschauer durch Philippe Quesne sehr eigenwillig gestoßen wird. Sehr sensibel, wortkarg, wunderschön! Wahrlich kein Sprechtheater. Eher eine Stimmungslage, ein Bild. Die Schauspieler spielen nicht ein Stück, sie räumen um, sie schauen, gehen herum, musizieren, lesen das an die Wand Projezierte, erzählen ein wenig. Für Phillipe Quesne ist der Spagat zwischen Caspar David Friedrich und dem Western ein logischer: In beiden Welten ist die Natur allumfassend und der Mensch ist in ihr verloren, der „lonesome rider“ wie der Mönch am Meer.

Philippe Quesne konzipiert Arbeiten, die, heißt es, auf einer starken Verbindung zwischen Raum, Bühnenbild und Körpern basieren. Seine multidisziplinaren Performances seien international auf Festivals zu sehen. Seit 2014 leitet er das Theater Nanterre – Amandiers in Paris.

Ein, fand ich, in der Tat beeindruckender Abend, an dem der Mensch der Natur gegenübersteht. Man muss sich auf die Sensibilität einstellen, mit der Philipp Quesne dieses Thema angeht. Und mit der man auf sich zurückgeworfen wird. Die Schlichtheit des Abends überzeugt dann sehr. Sie tut gut. Es ist kein theatraler Kampf der Charaktere, kein Theaterstück. Die Münchner hatten mit diesem Stück ein Problem! Leider! Sie haben es nicht verstanden, es fehlte ihnen das „Theatrale“. Aber es passt so, wie es ist: Es ist ein langsames, ruhiges Herantasten an das Verhältnis des Menschen zur Natur – wie es heute nicht mehr ist. Getragen von wunderbaren Bildern und schöner Musik. Früher stand der einsame Mönch vor der gewaltigen Natur (Caspar David Friedrich) und der einsame Cowboy vor der gewaltigen Natur. Und die Cowboys packen die Natur in ein Museum. Stehen andererseits staunend vor der Natur. Und somit auch vor sich.

©️  des Beitragsbildes: Martin Argyroglo

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Sonstiges

SONSTIGES: Die Ausrichtung des Blogs

In den ersten Wochen der Beschäftigung mit meinem kleinen Blog machte ich mir natürlich auch Gedanken darüber, was der Blog künftig enthalten wird. Der Ansatz könnte sein: Ich habe zweifellos Zeit, mich mit kulturellen Angeboten zu befassen und möchte – wenn möglich – Zusammenhänge aufzeigen. Kultur ist mehr als nur Konsum. Es geht nicht darum, meinen Kulturkonsum zu beschreiben, sondern es geht um die Befassung mit den Themen, die kulturell aufgegriffen werden. Es geht also darum, Themen klarzumachen. Das wird nicht immer gelingen, aber hoffentlich manchmal. Es geht ja meistens um Themen, die uns alle betreffen. Die Kultur greift immer wieder Themen auf, schildert Gedanken zu Themen. Die Kultur gibt uns damit Gelegeheiten, die Gegenwart zu erfassen. Es ist eben nicht immer nur eine politische, eine technische, eine wissenschaftliche, eine wirtschaftliche  Befassung mit den Themen der Zeit möglich oder nötig oder hilfreich. Ganz im Gegenteil.

MUSIK: Andreas Spechtl

Ästhetik und Rausch- Der Mensch will Beides, er will immer die Ästhetik und er will den Rausch. In allem will er es, wenn man ehrlich ist. Die private Ästhetik ist schon das, was ihm so im großen und im kleinen gelingt. Der private Rausch ist schon die Erkenntnis, dass es nicht nur auf Ästhetik ankommt. Der Abstand von Ästhetik und die Begeisterung, das Rauschhafte, Ungeordnete. Die äußere Form und das Innere. Das Appollonische (Form) und das Dionysische (Rausch).  Wir leben gerne in Ästhetik, suchen aber eigentlich ständig den Rausch, den kleinen oder den großen Rausch. Allein Ästhetik ist unmöglich, allein Rausch ist auch unmöglich. Auch Musik ist Rausch. Andreas Spechtl kombiniert beides in beeindruckender Form. Er war mit seiner ersten „Soloplatte“ Sleep in den Kammerspielen. Die Videos auf der großen Leinwand im Hintergrund waren durchgehend hochästhetisch, die Musik war konträr dazu, war brutal, bizarr, laut, aber harmonisch, ein Rausch! Das Projekt SpechtlPlaysSleep in den Kammerspielen traf insoweit ins Schwarze.

Das Beitragsbild ist aus einem anderen Video von Andreas Spechtl. Aus „The Age of Ghost“. Ich gehe davon aus, dass das Profilbild das Profil von Andreas Spechtl ist.

MUSIK: Amy McDonald

Hier der Song Dancing In The Dark von Amy MacDonald, ursprünglich von Bruce Springsteen. Siehe auch den Titel Stay In The Dark von Lambert. „Dark“ klingt düster, aber es geht um den Funken, der – egal bei was – Licht bringt. You can’t light a fire without a spark heißt es! Es geht in dem Song wohl um eine schreibende Person, die den Blick einer geliebten anderen Person als Funken wünscht, oder so.

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Selbst Geschriebenes Sonstiges

SONSTIGES/GEDICHT: An Kassandra III

Heute der dritte und letzte Teil der Gedichte An Kassandra, in denen es um das Erwachsenwerden geht. Ausgehend, wie gesagt, von Kassandra von Christa Wolf. Siehe die Einträge vom 18. Januar und 16. Januar. Auch diese Gedichte werden Teil des Buches sein, das bald fertig ist.

ERWACHSENWERDEN – AN KASSANDRA III

Nein, Kassandra, ich verlor nichts, als ich erwachsen wurde.
Durch das Erwachsenwerden gewann ich!
Ich gewann Nähe zu mir, ich kannte mich nicht.
Natürlich hat man mir vieles beigebracht,
damals, als ich mich nicht wehren konnte.
Vieles, was ihnen entsprach, sollte ich machen,
selten das, was mir entsprach.
Aber im Laufe der Jahre, Kassandra,
da hatte ich es geahnt und dann verstanden,
dass ich mich wehren musste,
und ich wehrte mich
gegen das, was ich nicht wollte.
Nicht machen wollte, nicht sein wollte.
Überall waren Grenzen, gegen die ich mich wehrte.
Und ich überlegte, was ich machen wollte
und was ich sein wollte.
Ich überlegte und konnte sogar begreifen, wer ich war.
Aber erst, Kassandra, als ich erwachsen war, begriff ich.
Als ich erwachsen war.
Da war es zu spät, meinst Du? Nein, glaube ich nicht.
Es war nur weit weg, was ich noch suchte,
hinter den Grenzen.
Also musste ich mich anstrengen
und das ging, weil ich erwachsen war.
So ist es!
Ich suche und suche
aber als Erwachsener sehe ich,
auf welche Reise ich gehe.
So komplizierte und schöne Reisen kann ich
als Erwachsener gehen!
Früher habe ich Grenzen entdeckt und eingerissen

aber jetzt geht es weiter hinaus.
Und ich suche nicht, weil ich mich verloren hätte,
nein, ich suche, weil ich finden werde,
was ich noch nicht sehe,
und weil ich merke,
wie reichhaltig die Suche noch sein kann
für mich, Kassandra.

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MUSIK: Lambert

Heute gleich noch ein Stück Musik. Stay In The Dark von Lambert. Der Titel und das schöne Stück klingen traurig, aber ich finde, man kann es auch verdammt positiv hören. Lambert tritt leider immer mit Gesichtsmaske auf, das finde ich sehr unangenehm. Unabhängig davon bleibt dieses kurze Stück schön.

In Kürze werde ich noch das Lied Dancing in the Dark von Bruce Springsteen, interpretiert von Amy MacDonald, bringen. Passt zum Thema, hat auch etwas Positives. Man muss sich sicher auch vielem Negativen stellen, immer wieder, das kann ja auch lehrreich sein, ist es meistens sogar, aber dann gerne wieder hin zum Positiven, wenns geht.

Das ist ein großes Thema. Überall. Zum Aktuellen: Man kann auch Flüchtlingen erst einmal positiv gegenüber auftreten, nicht mit einem schnellen: Halt, hier ist kein Platz, wir machen dicht!

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MUSIK: Lou Doillon

Anklicken und anhören. „Lay low – live at Kerwax Studio“. Wem es gefällt: Bitte im Kommentarfeld gerne Infos zu weiterer Musik hinterlassen.

Diesen link anklicken, dann am Vimeo – Video auf Play klicken und zack, schon gehts los:

https://vimeo.com/147320682

Und hier noch zwei Fotos meiner Lieblingssängerin:

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Gelesen und geblättert Sonstiges

SONSTIGES/POLITIK: Piketty lesen II

 

Zweite Lesung des Buches Das Kapital im 21. Jahrhundert von Thomas Piketty. Kammerspiele München. Immer noch die Einleitung, aber es wird schon konkret. Kleiner Makel vorab: Er untersucht hauptsächlich die USA und Europa/Frankreich. Dabei ist eine weltweite Betrachtung mittlerweile auch interessant. In China etwa entkommenja durch die wirtschaftliche Entwicklung  viele, viele Menschen der absoluten Armut. Das Buch befasst sich mit den Einkommen und mit dem Vermögen. Die zentrale Frage sei dabei natürlich, ob es „gute Gründe für die Ungleichheiten“ in diesen Bereichen gäbe. Dann sagt er, dass vor allem die Konzentration und Akkumulation von Vermögen destabilisierende Wirkungen habe. Neben – zweitens – der Abkoppelung der Spitzengehälter von den „normalen“ Einkommen. Er bringt schon hier zwei Kurven: Eine Kurve zum Anteil der hohen 10 % der Einkommen am Nationaleinkommen. In den USA. Sie zeigt den Anstieg der hohen Einkommen am Nationaleinkommen. Und eine Kurve zum Verhältnis des Vermögens zum Einkommen – in Europa. Sie zeigt, dass auch dieses Verhältnis auseinandergeht: Das Kapital wächst im Verhältnis zum Nationaleinkommen. Seit dem II. WK.

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SONSTIGES/GEDICHT: An Kassandra II

Hier die zweite Antwort auf Kassandra Aussage im Buch Kassandra (siehe Blogeintrag An Kassandra I):

ERWACHSENWERDEN – AN KASSANDRA II
Ich, ich will mich nicht verlieren,
wenn ich erwachsen werde,
was kann ich machen, Kassandra?
Muss ich unerwachsen bleiben?
Kann ich es schaffen, erwachsen zu werden
und mich nicht zu verlieren?
Sie werden mich für seltsam erklären.
Ich werde traurig werden,
weil es schwer ist, sich nicht zu verlieren.
Vielleicht komme ich in diese Anstalt,
sie sperren mich weg,
bis ich gelernt habe,
so zu sein, wie sie es brauchen.
Vielleicht wollen sie, dass alle
mit dem Verlust ihres Selbst leben und
dass alle Anderes machen, als sie selbst zu sein.
Vielleicht brauchen sie es.
Die Persönlichkeit in uns ist gefährlich,
unausgegoren, nicht geübt, nicht gepflegt.
Kassandra, ich weiß, es ist so.
Aber, hey, ich will mich nicht verlieren!
Ich werde mich nicht verlieren auf ihren geebneten Wegen,
auf denen ich mich nicht sehen darf.
Nein, ich werde meine eigenen, krummen Wege gehen,
auf denen ich mich sehe.
Es wird, ich brauche Mut, Kassandra,
um mich nicht zu verlieren beim Erwachsenwerden.

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Sonstiges

SONSTIGES/GEDICHT: An Kassandra I

Ein Gedicht aus dem kommenden Buch: Viele kennen das Buch Kassandra von Christa Wolf. Darin heißt es (Suhrkamp Taschenbuch Seite 38):

„Ich dachte, Erwachsensein bestehe aus diesem Spiel: sich selbst verlieren.“

Und dazu habe ich drei Antworten geschrieben. Hier die erste:

ERWACHSENWERDEN – AN KASSANDRA I

Ja, ich spiele ein Spiel, Du hast Recht.
Als Ersatz für mein Selbst, das ich verloren habe.
So habe ich es gelernt.
Alle Erwachsenen spielen doch,
nur so geht es doch.
Ich treffe niemanden, der Anderes macht.
Und es ist sogar so, dass sie nicht erkennen,
dass es ein Spiel ist.
Sie halten es einfach für richtig.
Ich werde auch erwachsen tun – was sie für „erwachsen“ halten.
Ich werde sein, wie gefordert,
dann komme ich mit.
Nicht immer direkt, offen und ehrlich,
das wäre kindisch, sagt man.
Ich würde gegen Mauern laufen,
mich verletzen, sagt man.
Alle kennen es: Ich werde verstellt und überlegt sein.
Ich werde Anderes denken hinter allem,
werde es verbergen.
Ich werde wissen, dass ich sie täusche.
Werde sie täuschen, ständig,
ohne als Täuscher aufzufallen.
Der Weg ist schwer, ich weiß,
so komme ich nicht zu mir.
Aber so funktioniert es nun einmal.
Stell Dir vor, alle wären ehrlich!
Ohne Kompromisse.
Ja, erwachsen zu werden heißt wirklich,
sich selbst zu verlieren, Kassandra.

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Gelesen und geblättert Selbst Geschriebenes Sonstiges

SONSTIGES: Ein Buch entsteht

Unser Leben. Es prägt sich durch sich selbst. Ich werde in wenigen Wochen ein Buch veröffentlchen. Es wird eine kleine Auswahl von mir geschriebener Gedichte und von Fotografien enthalten und wird – um Prägendes zu fassen – die Begriffe „Lebensstationen“, „Liebesdramen“, „Alltagsgeschichten“ und „Stimmungslagen“ aufgreifen. Als Kategorien, in die die gezeigten Gedichte und Fotografien eingeteilt werden konnten. Denn auch in diesen Kategorien entstehen ja für uns alle einmal – oder auch manchmal oder gar oft oder sogar ständig – Eindrücke und Gefühle, die wir schnell hinnehmen und verarbeiten. Meist rauschen sie an uns vorbei, täglich und unaufhörlich, diese kleinen Situationen, diese Dramen, diese Geschichten, diese Stimmungen. Aber sie können alle – mehr oder weniger, mal kurzzeitig, mal langfristig, mal sofort oder mal erst später, auch viel später – unser Leben mitbestimmen.
Die Gedichte und die Fotografien in dem Buch werden kleine Gelegenheiten schaffen, um einige vorbeigezogene Momente und Eindrücke zu erkennen. „Erkennen“ besagt natürlich, dass jeder Mensch sie anders erkennt – genau so, wie es eben seiner Person und seinen Erfahrungen entspricht. Die aufgegriffenen Momente sind wahrscheinlich fast jedem von uns schon einmal begegnet, daher wird es den Titel“Aus jedem Leben“ bekommen.
Die gezeigten Fotografien stehen auf den ersten Blick meist nur in entfernter Beziehung zu dem dann zuvor gebrachten Gedicht. Gerade dann aber, wenn man Gedicht und Fotografie Zeit gibt, werden sich doch Zusammenhänge auftun. Absichtlich erfassen die Fotografien und die Gedichte übrigens völlig unspektakuläre Situationen.
Die Fotografien haben noch eine Besonderheit: Sie sind allesamt an einem einzigen Ort entstanden. An einem Ort, der uns doch zumeist so fern und unbekannt, geradezu bedrohlich wirkt, beunruhigt. Aber auch dieser Ort birgt das alltägliche Leben in allen Schattierungen. Israel: Tel Aviv, Haifa, Jerusalem, Mesada … es sind Zentren der christlichen, der jüdischen und der islamischen Religion, schwierig, aber auch mit jedem Leben erfüllt.
Leider treffen diese Religionen immer wieder in Feindschaft aufeinander. Daher schließt das Buch vielleicht mit ein paar Worten zu dem Besuch, der mich und meine beiden Söhne im vergangenen Jahr nach Israel führte.

Ich werde in diesem Blog Bescheid geben, wenn das Buch veröffentlicht ist. Und ich werde hier im Blog künftig das ein oder andere Gedicht daraus bringen.

Buch: Ein Buch entsteht

 

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LITERATUR: Slavoj Zizek II – Islam und Moderne

Das wird leider immer unverständlicher. Hier ist Teil 2:

Slavoi Zizek Teil 2

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LITERATUR: Slavoi Zizek I – Islam und Moderne

Ich habe ein kleines schwieriges Buch zu „Islam und Moderne“ gelesen. Musste es dreimal lesen und biete eine einfachere Zusammenfassung an. In zwei Teilen. Hier ist der erste Teil, bitte anklicken.

Slavoi Zizek Teil 1

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SONSTIGES/POLITIK: Flüchtlinge I

Ich könnte auch einmal über Flüchtlinge schreiben und werde eine eigene Kategorie hierfür einrichten. Es ist schließlich nicht nur ein Tagesthema, das verfliegt, sondern das Thema, das unsere Welt in Deutschland und Europa langfristig sehr verändern kann. Die Globalisierung kommt zu uns und wir müssen klären, wie wir damit umgehen wollen. Ich könnte viel dazu schreiben. So, wie viele Menschen. Gut so, dass jeder sich einmischt, so wird über uns hier in D und EU einmal intensiv in vielerlei Hinsicht nachgedacht, das ist immer gut. Mein Grundsatz: Keine Panik! Geduld und Offenheit! („Bei Panikfragen: Pa-Nick fragen!“).

Wir sind viel zu engstirnig. Wie in jedem Leben: Je älter man wird, umso engstirniger wird man. Das Fremde passt einem dann immer weniger. So ist es leider auch zum Teil hier in D. Ich hoffe nur, Frau Merkel lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt mit ihrer mutigen, selbstbewussten und offenen Ansicht gegenüber den Flüchtlingen.

„Flüchtlinge“ ist schon kein schönes Wort. Die Endung „-ling“ beinhaltet schon irgendwie, dass die Gemeinten irgendwie „Fehler“ hätten, jedenfalls eine bestimmte Eigenschaft, die sie vereinheitlicht und etwas herabsetzt. Schade, ich denke, man könnte treffender und offener von „Geflohenen“ sprechen.

Vor allem: Lasst uns doch einfach selbstbewusst unsere Werte verfolgen und „feiern“, ohne zugleich andere herabzusetzen oder auszugrenzen! Unsere Werte bekommen doch durch das Näherrücken der anderen Werte geradezu wieder Bedeutung. Und so weiter.

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SONSTIGES/KURZGESCHICHTE: Comeback

Anlässlich eines Leseabends von PenTales in München entstanden:

Comeback

Sie hatte wenig gegessen, war ruhig, war gelassen. Und zufrieden. Zufrieden mit dem Nichts, das man von ihr wusste. Essen war jetzt Nebensache. Das rote T-Shirt zappelte an ihrem schlanken Körper. Wie sie selbst auch so lange gezappelt hatte, im Wind ihres Lebens, seit sie weggegangen war. Sie strich sich eine Strähne ihres langen braunen Haares aus dem Gesicht. Die Strähne war durch einen kleinen Luftzug vor ihre schönen Augen gefallen. Der Krankenwagen, der an ihr vorbeigerauscht war, hatte den Luftzug ausgelöst. Tangomusik spielte sich in ihre Ohren. Mit zarten Schritten schlich sie die Straße entlang, auf das Haus zu. Ihre schlanken, sehnigen Füße berührten mit jedem ihrer Schritte den Saum des grünen, mit vielen kleinen braunen und schwarzen Blumen bestickten leichten Tuches, das als Rock diente und bis zu den Knöcheln fiel. Wortlos, geräuschlos und staunend sah sie hinten über dem Haus den Himmel. Sie dachte an die langen Tage, die sie im penetrant nach Öl riechenden Containerraum des Frachtschiffes verbracht hatte. Den Geruch hatte sie immer noch in der Nase. Der dicke und etwas untersetzte Pedro hatte ihr wenigstens sehr bald eine Taschenlampe gebracht gehabt, auch für die Mahlzeiten, die er im zerbeulten Blechgeschirr heruntergeschmuggelt hatte. Die Taschenlampe, die jetzt im Rucksack steckte. Im Rucksack, den sie in der Stadt hat stehen lassen. Nachdem sie noch den dunkelgrünen Pullover herausgenommen hatte, den sie jetzt unter dem Arm trug. Die Lautstärke ihrer Kopfhörer fuhr sie etwas herunter. Jetzt hatte sie das Haus am Ende der Straße erreicht. Sie drückte das immer noch quietschende flache Stahltor auf, das einen schmalen Durchlass durch die dicke grüne Hecke gewährte. Es war angelehnt. Sie näherte sich der blauen Eingangstüre, nahm den Kopfhörer von den Ohren und legte ihn sich um den Hals. Auch die Eingangstüre war angelehnt. Als würde man sie erwarten, aber das konnte ja nicht sein. Sie war ja für vermisst erklärt worden, wohl ertrunken im Fluss. Mit fünfzehn Jahren. Niemand hatte damals bemerkt, dass sie nach Südamerika geflogen war. Und dort hatte sie ihr Leben kennen gelernt. Sie hatte sich absichtlich entwurzelt. Mit staunendem Blick hatte sie dort nur ihr Leben beobachtet. Ihr Leben ohne Familie, ohne Schule, ohne Freunde, ohne all das, was ihr Leben ausgemacht hatte. Sie meinte jedenfalls, dass es ohne all das auch gehen müsse, das Leben. Sie hatte schon damals älter als fünfzehn Jahre alt gewirkt. Brasilien, Peru, Chile, Argentinien. Immer wieder hatte sie sich gefragt, ob sie irgendjemandem in der Heimat mitteilen sollte, dass sie am Leben sei. Dass sie nicht in den Fluss gesprungen war, sondern die Sachen extra ans Ufer gelegt hatte. Aber nein, sie tat es nicht, weil sie fürchtete, dass sie in Abhängigkeit von einem solchen Kontakt kommen könnte. Irgendwie, wenn auch nur gedanklich. Denn vielleicht würde es ihre Gedanken verändern, zu wissen, dass sie es wissen. Nein, sie wollte sehen, wie es ist, völlig unbestimmt zu leben. Das war immer mehr ihr Wunsch geworden, eine unaufhaltsame Sucht in ihr, damals, bevor sie nicht mehr anders konnte. Weil sie immer gemeint hatte, alle würden so viel von ihr erwarten, hatte sie sich davor schon ein ganzes Jahr lang nicht aus ihrem Zimmer begeben. Das Reden hatte sie dann fast eingestellt. Sie ist krankgeschrieben worden, musste zu Hause bleiben. Nichts könne von ihr erwartet werden, gar nichts, hatte sie immer gesagt, sie wolle nicht. Und ständig gesagt zu bekommen, was schön ist, hässlich ist, nützlich ist, sinnvoll ist, sinnlos ist, gut ist, schlecht ist, sie hatte es nicht mehr ausgehalten. Wie würde sie eigentlich werden ohne all das, hatte sie sich gefragt. Es war die einzige Frage, die sie sich noch gestellt hatte. Wie komme sie durch das Leben ohne all das? Und sie hat sich diese Frage beantwortet. Plötzlich stand sie jetzt, zwei Jahre später, ihrem Vater gegenüber. Sie an der aufgeschobenen Eingangstüre und er, er kam aus der Küche, in den schmalen Gang, blieb starr neben der dunkelbraunen kleinen Kommode stehen. Regungslos. So blickten sie sich minutenlang an. Sie ließ den grünen Pullover fallen. Er war alt geworden, verändert, hatte graue Haare bekommen, sah erschöpft aus. Obwohl die grauen Haare zu seinem dunkelblauen Hemd passten, das er unter dem braunen Sommersakko trug. Immer noch war die dunkelbraune Brille in seinem schmalen Gesicht mit dem kurz geschorenen Bart dominant. Vor zwei Jahren hatte sie ihren Vater und ihre Mutter in so fürchterlich tiefe Trauer gestürzt gehabt. Jetzt dastehen, mehr konnten sie beide nicht tun. Dastehen. Er erkannte sie und fing an zu weinen. Sie dagegen bemerkte, dass sie es geschafft hatte, ein inneres Gleichgewicht zu halten. Sie spürte weder Gram, noch schlechte Erinnerungen, noch irgendeine Aufruhr, die ihr den Blick und den Moment verzerrt hätten. Sie war stolz auf sich und freute sich, freute sich, wieder hier zu sein. Ohne jede Bindung von Neuem beginnen zu können.

Bis sie erfuhr, dass ihre Mutter wegen ihrer Wahnvorstellungen gerade wieder mit dem Krankenwagen abgeholt und in die Nervenklinik gebracht worden war, und ihr klar wurde, dass sie zwei verletzliche Leben zerstört hatte, weil sie auf so brutale Weise nur auf ihr eigenes geachtet hatte.
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PenTales Munich

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