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THEATER: News – Matthias Lilienthal

Im Sinne meines Theaterblogs ist natürlich sofort zu melden:

Das hätten die Münchner geschafft! Nachdem sich die Münchner CSU – Stadtratsfraktion kürzlich gegen die Verlängerung des Vertrages des Kammerspiele – Intendanten Matthias Lilienthal ausgesprochen haben, erklärt Lilienthal heute, dass er den Vertrag 2020 auch seinerseits nicht verlängern wolle. Er habe keinen Rückhalt mehr. Recht hat er! Es ist ein Armutszeugnis für die CSU, meine ich. Was ist schon eine fünfjährige Intendanz. Wenn man sich einem Stadttheater hingibt, muss man Zeit bekommen!

Aber in der Tat mögen die Münchner – unabhängig von der CSU – brave und gediegene, bloß nicht aufwühlende Produktionen. Etwa Tiefer Schweb und Wartesaal. Oder Gerhard Polt. Die Münchner wollen lachen oder verwöhnt werden und nicht viel nachdenken. Und das ist nicht Matthias Lilienthal – der zusammen mit Frank Castorf das Berliner Volkstheater am Rosa-Luxemburg-Platz aufgebaut hatte!

Tja, die CSU muss jetzt mit ihrer Argumentation  (für die Zeit ab der Spielzeit 2020/2021) einen Nachfolger finden, der für mehr „Auslastung“ der Kammerspiele sorgt. Also wohl für mehr Mainstream! Als wäre die Auslastung – 5 % hin oder her – ein Kriterium in der Kultur!

Copyright des Beitragsbildes: Lukas Barth

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THEATER: Obergrenze für Unzufriedene

Aus Anlass der Situation „50 Jahre nach 1968“ gibt es zurzeit – die Premiere war am Donnerstag, den 08.02.2018 – in den Münchner Kammerspielen die Inszenierung „1968„. Man kann sagen „politisches Theater“. Ein Transparent „KEINE ANGST“ hängt über den Theatereingängen in der Maximilianstraße (siehe Blogbild). Er nimmt offenbar Bezug auf das Manifest der französischen Künstlergruppe „Collectif Catastrophe“, das 2016 in der Zeitschrift „Liberation“ veröffentlicht wurde. Darin geht es (frei formuliert) um das Thema „Was sollen wir eigentlich noch machen, es ist doch alles schon „post-“ (postmodern etc.), wir sind zu spät!“. Sie plädieren für eine hierarchiefreie Zusammenarbeit und enden im Manifest mit dem Satz: „Eine bunte Zukunft wartet auf uns. Habt keine Angst, es gibt nichts mehr zu verlieren.“

Die französischen Künstlergruppe „Collectif Catastrophe“ ist eine der von den Münchner Kammerspielen für diese Inszenierung eingeladenen Künstlergruppen. Künstlergruppen, die sich aus gegenwärtiger Perspektive mit Themen und Fragestellungen der bewegten Zeit um 1968 auseinandersetzen. Das Architektenbüro RAUMLABOR BERLIN (vor zwei Jahren bereits einmal mit den „Shabbyshabby Apartments“ in München in Erscheinung getreten) hat die Kammer 1 in einen offenen Raum verwandelt, den die eingeladenen Gruppen und RegisseurInnen mit je ca. 20-minütigen Kurzinszenierungen „besetzten“. Die Regisseurin LEONIE BÖHM, das Künstler*innenkollektiv HENRIKE IGLESIAS, der Regisseur ALBERTO VILLARREAL, die deutsch-ivorische Gruppe GINTERSDORFER / KLASSEN, die Regisseurin ANNA-SOPHIE MAHLER, die Schriftstellerin ELFRIEDE JELINEK, der polnische Regisseur WOJTEK KLEMM und das französische COLLECTIF CATASTROPHE – sie alle brachten etwa 20-minütige Beiträge.

Zweierlei wird versucht:

Zum Einen wird das Szenario der 68er in verschiedensten Formen um die Inszenierung herum und in ihr aufgegriffen: „Teach-In’s“ vor den Vorstellungen mit Zeitzeugen, eine „Speakers Corner“ vor dem Theater und in München, der „begehbare Tempel“ T1 mit exklusivem Bild- und Tonmaterial von Uschi Obermaier im Innenhof der Kammerspiele, der umgestaltete Zuschauerraum des Theaters, freie Platzwahl, Bier in einer Pause, ein umfangreicher „Reader“ mit Begleitmaterial zum Abend, das Transparent und vor allem die jeweiligen  Ausgangspunkte der verschiedenen Darbietungen.

Zum Anderen geht es nicht nur um das DAMALIGE. Es geht um HEUTIGE Blicke auf die damalige Zeit. Es geht NICHT darum, nachzuforschen, wo heutzutage Felder der Revolution liegen. Das wäre ein anderes Thema. Es geht um damalige Vorgänge und die Überlegung, was davon heute noch verblieben ist oder auch in die heutige Zeit noch hineinwirkt. Die Überlegung: „Wo stehen wir heute?“, ausgehend von den DAMALIGEN Vorgängen.

Da passte erst einmal mein kleines Gespräch vor Beginn des Abends:

Früher sei es recht einfach gewesen, hatte ich den Herrn, der neben mir saß, angesprochen. Man habe in den 68ern konkret gegen die Notstandsgesetze protestiert. Es würden sich auch heute viele Menschen sagen: So geht es nicht weiter, es muss sich Einiges ändern! Aber man könne heute irgendwie nicht einfach definieren, was sich ändern müsse. Das sei das Problem. Hatte ich ihn weiter „belästigt“.

Er antwortete gelangweilt: Es ändert sich doch sowieso nichts!

Ja, sagte ich, besonders hier in Bayern!

Naja – jetzt wurde er wach – wenn es mir in Bayern nicht gefalle, könne ich ja woanders hinziehen. Er könne mir aber nichts empfehlen!

Das Gespräch war beendet. Was für eine Antwort! So ist das heute: „Uns geht es gut, so soll es bleiben und wem es nicht gefällt, der kann ja woanders hin! Der werde schon sehen, was er davon habe! Also her mit einer OBERGRENZE FÜR UNZUFRIEDENE!

Dann begann der Abend: In den Kammerspielen gab es ja im Juli 1968 berüchtigte Entlassungen, nachdem die Schauspieler – damals vorgelesen vom Kabarettisten Wolfgang Neuss – auf der Bühne nach der Premiere des Stückes „Vietnam-Diskurs“ zu Spenden für den Vietcong aufgerufen hatten.

Nun, es war nicht etwa nur ein „ästhetischer Approach“ an die damaligen Themen, nach dem Motto „Wir stellen das alles nochmal schön dar!“. Nein, es war inhaltlich getrieben, politisch. Die Themen etwa waren: Damalige und heutige Selbstverbrennungen aus Protest, Politik und Psychologie, Kolonialismus und seine Auswirkungen bis heute, der damals viel zitierte Schriftsteller Franz Fanon, die  Studentenunruhen und Massaker in Mexiko vor Olympia 1968, Feminismus, etc.

Es war ein starker, vielfältiger Abend, der nur wenige Momente hat, die ihn schwächten. Verschiedenste Beiträge, die m. E. ohne Brüche zu einer wirklich gelungenen Inszenierung zusammengewoben werden. Als Gesamzinszenierung und im Einzelnen inhaltlich dicht (mit kleinen Hängern, etwa Elfriede Jelinek und der Feminismusbeitrag). Bis Mitte März kann man ihn sehen.

Es begann schon treffend: Eine schauspielerisch wunderbare Einführung in die Zeit von Thomas Hauser und Lukas Vögler. Beide in esoterischem, liebevollem Gebrabbel mit einem Zuschauer (Beitrag LEONIE BÖHM zur Person Wolfgang Neuss).

Dann wurde es bitterernst. Europas moralisches Versagen in der Zeit des Kolonialismus und die Fehler Afrikas (Beitrag GINTERSDORFER / KLASSEN). Es folgte der Beitrag von ANNA-SOPHIE MAHLER, die eine musikalische Collage zur damaligen Verfassung der Studenten bringt. Wieder einmal auch mit sehr prägendem Gesang von Jelena Kuljic. Dieser Beitrag war m. E. ästhetisch am beeindruckendsten inszeniert, wenn auch am unpolitischsten. WOJTEK KLEMM greift – beeindruckend v. a. durch Stefan Merki –  Selbstverbrennungen in Polen und der Tschechoslowakei auf. ALBERTO VILLARREAL erinnert an die brutale Niederschlagung von Studentenprotesten in Mexiko 1968, wenige Tage vor der dortigen Olympiade. Das junge Frauen-Performancekollektiv HENRIKE IGLESIAS greift eher humoristisch das Thema der Frauenbewegungen und ihren heutigen Standort auf. Der Reigen endet mit dem eher musikalischen (Pop-)Beitrag des COLLECTIF CATASTROPHE. Hier – wie in deren Manifest – wird alles Revoltenmäßige aufgegeben. Sie folgen, wie gesagt, dem Ansatz: „Eine bunte Zukunft wartet auf uns“. Das mag irgendwie stimmen, alles wird global und selbstbestimmt. Aber es verharmlost den Abend etwas und lässt außen vor, dass es auch heute Zustände und Entwicklungen gibt, die zu beandstanden wären. Die Position des COLLECTIF CATASTROPHE gehört sicher auch zum Stimmungsbild heutiger Zeit, ich fand aber ihren Beitrag etwas schade für den engagierten Abend. Ebenso den Beitrag des Frauen-Performancekollektivs HENRIKE IGLESIAS.

Man merkte im Übrigen, dass die damaligen Themen, auch wenn sie sich heute noch auswirken, nicht die drängendsten Probleme unserer Zeit sind.

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SONSTIGES: Politik aktuell

Ein paar aktuelle schnelle Gedanken: Die so genannten Sondierungsbemühungen in Berlin sind beendet.

Meine unmaßgebliche Meinung: Es ist Horst Seehofer, der letztlich Frau Merkel in den vergangenen Jahren Stück für Stück zerstört hat! Bis hin zur Regierungsunfähigkeit! Wenn der Knackpunkt – wie man hört – die Migrationspolitik war, dann, denke ich, war es doch wohl die CSU, die wahrscheinlich ganz strikt ihre Obergrenze brauchte. Wegen Seehofer!

Er musste stur bleiben. Weil er immer gesagt hat, eine Regierung ohne Obergrenze werde es nicht geben. Da wollte er jetzt besonders hart bleiben, vermute ich. Ich glaube, die FDP dagegen hätte es – da sie nicht einen solchen „Heimatdruck“ (Bayerns CSU) hat –  durchaus zu einer Lösung kommen lassen. Auch die CDU aus sich heraus! Horst Seehofer musste aber wohl den Familiennachzug für die CSU verhindern. Trotz des C im Namen CSU! Und obwohl die CSU die kleinste der Koalitionspartner gewesen wäre! Bei mageren 6 Prozent bundesweit, also knapp über der 5-Prozent-Hürde! Und obwohl es eine humanitäre Aufgabe wäre! Und obwohl man über die paar Nachzügler garnicht reden müsste! Anstatt die Integration zu fördern, DARÜBER hätten sie reden sollen! Aber Herr Seehofeer kann ja jetzt wieder zu seiner Frau fahren!

Horst Seehofer macht m. E. keine Politik, sondern Politikzerstörung. In Bayern und bundesweit! Purer Egoismus und die völlig festgefahrene Ansicht, dass seine Partei mit einer Obergrenze für die Landtagswahlen in Bayern besser gerüstet wäre. So ein verantwortungsloser Quatsch!

Gut, auch Frau Merkel muss jetzt erkennen, dass der Wähler ihr bei der Bundestagswahl zu wenige Stimmen gegeben hat! Sie steht ohne Mehrheit da! Es ist auch ihre Niederlage! Also vielleicht Neuwahlen, ok!

Auch Nikolaus Blome, stellvertretender Chefredakteur der bekanntermaßen konservativen BILD, schreibt in einem ERSTEN KOMMENTAR:

„Das große, christliche Herz vor allem der CSU, es ist klein und hart geworden.

Auch wenn die knappe Million Flüchtlinge im Jahr 2015 zu viel auf einmal waren – die 50 000 bis 60 000 überwiegend Frauen und Kinder, um die es am Ende noch ging, sind zu wenig. Zu wenig, um das wichtigste Land Europas ohne Regierung zu lassen.“

 

 

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SONSTIGES: mut in Bayern

Ich hatte es schon einmal erwähnt: Es gibt eine neue Partei in Bayern: mut. Finde ich interessant! „Es ist Zeit zu handeln“ war zu Beginn vor vier Monaten Slogan der Initiative. Mittlerweile gibt es den Parteinamen „mut“. Gut, wir leben im wunderbaren Bayern oder wunderbaren Deutschland. Aber viele Menschen sehen, dass es „so nicht weitergeht“. Der Wohnungsmarkt, Fragen zur Flüchtlingssituation, die soziale Schere, Sozialberufe, Pflegedienst, Klimaschutz, Kohleausstieg, Tierhaltung, Umweltschutz etc. Die Liste ist lang. Es gibt viele Punkte, die einmal neu gedacht und bearbeitet werden könnten. Mich interessiert vor allem, ob und wie es gelingen kann, Themen wirklich mit neuen Ansätzen anzugehen. Ich verfolge die Aktivitäten der neuen Partei mut und bin Mitglied geworden. Es geht darum, bestimmte Werte nicht mehr und mehr verkommen zu lassen. Die WERTE der Partei sind Schutz der Bürgerrechte/Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit, gesellschaftliche Vielfalt, ökologische Transformation und nachhaltige Friedenssicherung/Asyl und Migration. Wen es auch interessiert, der findet hier die Kopie des letzten Mitgliederschreibens und oben den Link auf die Website der Partei. Es sind sicherlich Themen, die nicht nur Bayern betreffen.

Die Sondierungsgespräche in Berlin steuern ja auch nicht gerade auf klare Ergebnisse zu. Mal sehen.

 

Liebe Mitglieder,

neben unseren vielfältigen Aktivitäten, zuletzt z.B. der mut-Regionalkonferenz in Bamberg am 22. Oktober und der Mahnwache vor dem dortigen Aufnahme- und Abschiebelager für Geflüchtete am selben Tag, haben wir uns am letzten Oktober-Wochenende ein wenig Zeit genommen, um uns über Inhalte und Strategien mit Blick auf die bayerische Landtagswahl 2018 auszutauschen.

Im Zentrum der Diskussionen stand dabei neben organisatorischen Fragen insbesondere die Auswahl inhaltlicher Schwerpunktthemen für das kommende Jahr. Wichtig erschien uns dabei, dass wir uns im Wahljahr auf einige wenige inhaltliche Schwerpunkte konzentrieren. Auf der Klausur haben wir uns darauf geeinigt, dass wir neben einer menschenwürdigen Politik von A bis Z (Asyl bis Zuwanderung) vor allen Dingen auch die Problematik des Wohnens und der Wohnungspolitik in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken wollen, die nicht nur in den bayerischen Städten, sondern auch im ländlichen Raum immer drängender wird. Zudem wollen wir Fragen der Kinderarmut thematisieren sowie, als einen konkreten Reformbaustein, die Diskussion um die Gemeinschaftsschule konsequent vorantreiben. Natürlich gibt es Querschnittsthemen, die immer eine Rolle spielen werden – schon aus dem Selbstverständnis von mut, wie etwa das der fraglosen Anerkennung der vielfältigen Lebensentwürfe in unserer Gesellschaft. Und es gibt selbstverständlich weitere Fragen, auf die wir eine Antwort haben müssen, wie die der Energieversorgung in Bayern, die wir neben unseren aktiven Schwerpunkten systematisch weiterverfolgen werden.

All diese Fragen wollen wir immer vor dem Hintergrund unserer programmatischen Eckpunkte thematisieren und ausbuchstabieren: Die unbedingte, unteilbare und gleiche Achtung der Würde und der Rechte aller Menschen ist unsere oberste Leitlinie, ganz gleich ob es um Wohnungs- oder Schulpolitik oder jede andere Frage gesellschaftlicher Gestaltung geht.

Nach wie vor suchen wir dabei engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die mit mut nach Veränderung streben. Um bei den Landtagswahlen mit Erfolgsaussichten antreten zu können, brauchen wir Aktive, Mitglieder und Organisationsstrukturen in ganz Bayern – noch aber gibt es einige mutlose Flecken auf der bayerischen Landkarte. Wir möchten Euch daher ermutigen, Euch nach wie vor oder auch noch mehr als bislang bei uns einzubringen. Anbei findet Ihr eine Liste mit Themen – wir bitten Euch anzukreuzen, wo Ihr Euch gern einbringen würdet. Und überlegt doch bitte ganz konkret, wo Ihr Menschen kennt, die Ihr für die Ideen von mut gewinnen könnt. Für die Wahl werden wir nicht nur in allen Regierungsbezirken des Freistaats, sondern auch möglichst in allen Stimmkreisen Präsenz zeigen müssen – nicht zuletzt mit Menschen, die für mut kandidieren wollen. Also macht mit, sprecht andere an, meldet Euch bei uns, bringt Euch ein! Gemeinsam können wir es schaffen, im nächsten Landtag eine lautstarke Stimme für Menschenwürde zu sein.

Herzliche Grüße

       Stephan für den Vorstand

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THEATER: Milo Rau

Milo Rau (*1977 in Bern, gerade mal 40 Jahre alt!) ist momentan DIE Figur der deutschsprachigen Theaterszene. Es geht bei ihm mit irrer Schaffenskraft um POLITISCHES THEATER. Auch an den Münchner Kammerspielen steht eine Premiere an: Das Stück Die 120 Tage von Sodom gibt es an den MÜNCHNER KAMMERSPIELEN im Rahmen des Spielart Festivals nur kurz, und zwar am 29. und 30.10.2017, zu sehen.
Ich lese: Er studierte Soziologie, Romanistik und Germanistik in Paris, Berlin und Zürich. Seit 2002 veröffentlichte er über 50 Theaterstücke, Filme, Bücher und Aktionen, die an allen großen internationalen Festivals zu sehen waren, u. a. am Theatertreffen Berlin, Festival d’Avignon, Biennale Teatro die Venezia, Wiener Festwochen und Kunstenfestival Brüssel und durch über 30 Länder weltweit tourten. Zuletzt wurde er mit der Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik 2017 und dem ITI-Preis zum Welttheatertag 2016 geehrt. Nach Theaterkünstlern wie Frank Castorf, Pina Bausch, George Tabori, Heiner Goebbels oder Christoph Marthaler ist er der bisher jüngste Träger des renommierten Theaterpreises.

»Five Easy Pieces« wurde 2017 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Ich habe das beeindruckende Stück gesehen und HIER darüber berichtet. Ab der Saison 2018/19 übernimmt Er die Direktion des Nationaltheaters in Gent.

Allein zurzeit bzw. in Kürze laufen – soweit mir bekannt – an den deutschsprachigen Bühnen folgende Stücke/Aktionen von ihm:
Five Easy Pieces in den Sophiensaelen, Berlin
Die 120 Tage von Sodom eben in Kürze an den Münchner Kammerspielen/lief bereits im Schauspielhaus Zürich
Lenin (HIER) ganz aktuell an der Berliner Schaubühne
General Assembly in Kürze an der Berliner Schaubühne mit Übertragung an das Thalia Theater in Hamburg
Start des Films Das Kongo Tribunal am 16.11.2017
Diskussion zum Film Das Kongo Tribunal im Münchner Residenztheater am 19.11.2017

 

Angekündigt ist außerdem am Residenztheater München für den 1. Februar 2018 die Uraufführung von Jeanne d’Arc.

Alles kreist bei Milo Rau um das von ihm im Jahre 2007 gegründete IIPM, das International Institute of Political Murder, mit Sitz in der Schweiz und in Deutschland. Es ist seine „Produktionsgesellschaft für Theater, Film und Soziale Plastik“ und kümmert sich um die Produktionen und internationalen Verwertungen seiner Theaterinszenierungen, Aktionen und Filme. Man liest auf der Website des IIPM:

Die bisherigen Produktionen des IIPM stießen international auf große Resonanz und stehen für eine neue, dokumentarisch und ästhetisch verdichtete Form politischer Kunst – „Real-Theater“, wie Alexander Kluge Milo Raus Ästhetik einmal nannte. Seit 2007 hat das IIPM mehr als 50 Theaterinszenierungen, Filme, Bücher, Ausstellungen und Aktionen realisiert. 

Die Stücke des IIPM tourten durch bisher über 30 Länder und wurden an alle bedeutenden internationalen Festivals eingeladen.  Bisherige Projekt- und Essaybände des IIPM wurden mehrfach aufgelegt („Die letzten Tage der Ceausescus“, 2010), von der Bundeszentrale für Politische Bildung als Schulbücher nachgedruckt („Hate Radio“, 2014) und von der taz zum „Buch des Jahres“ gewählt („Was tun? Kritik der postmodernen Vernunft“, 2013). Für 2017 entstehen der ästhetiktheoretische Band „Wiederholung und Ekstase“ (Diaphanes Verlag, Abschlussband zu einem Forschungsprojekt, das das IIPM an der Zürcher Hochschule der Künste zum Realismus in den Künsten durchführte), die beiden Projektbände „Das Kongo Tribunal“ und „1917“ (beide Verbrecher Verlag) sowie das Manifest „Die Rückeroberung der Zukunft“ (Rowohlt Verlag).“

Beispielsweise zum GENERAL ASSEMBLY, das vom 3. bis 5. November in Berlin stattfinden wird, heißt es:

Im Juli diesen Jahres hat sich der G20-Gipfel in Hamburg mit wichtigen internationalen Fragen auseinandergesetzt. Diesen Fragen stellt sich, heißt es, das Weltparlament von Milo Rau. Dabei sprechen diejenigen, die in der globalen Realität von Politik und Ökonomie nicht repräsentiert werden, die keine Stimme haben: Arbeitsmigranten, deren Kinder und Nachgeborene, Kriegsopfer, Textil- und Minenarbeiter, Kleinbauern, Wirtschafts- und Klimaflüchtlinge, Opfer des sich anbahnenden Ökozids. Vom 3. bis 5. November versammeln sich 60 Abgeordnete aus der ganzen Welt in der Schaubühne Berlin, begleitet von einer Gruppe internationaler politischer Beobachter: Achille Mbembe, Can Dündar, Chantal Mouffe, Ulrike Guérot, Jean Ziegler, Armen Avanessian, Wolfgang Kaleck, Harald Welzer,(u.a) zu Plenarsitzungen mit folgendem Programm:

3. November 2017: Konstituierende Sitzung

4. November 2017: 1. Plenarsitzung: Diplomatische Beziehungen, Sanktionen und Kriege; 2. Plenarsitzung: Die Regulierungen der globalen Wirtschaft; 3. Plenarsitzung: Migration und Grenzregime

5. November 2017: 4. Plenarsitzung: Cultural Global Commons; 5. Plenarsitzung: Natural Global Commons; Schlusssitzung

 

Also: Wer in Berlin oder Hamburg ist …

(Copyright des Blogbildes: re alliance/ZB)

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SONSTIGES: Schnell gedacht

Schnelle Blogbeiträge, spontane Gedanken, aktuell, generell, nicht aktuell, speziell, mal sehen. Kommentare sind willkommen, ich antworte auch nicht, versprochen! Vielleicht mache ich es künftig öfters so.

Wir haben die Bundestagswahl überstanden. Eine meiner Überlegungen:

Die Medien (vor allem das Fernsehen):

Haben nicht auch die Medien eine Mitschuld an Politikverdrossenheit? Ich sehe das Aufkommen der AfD auch als Folge einer Verdrossenheit. 2/3 Protestwähler! Aber es gibt ja unabhängig davon einige, die sagen, es müsse sich ohnehin Einiges ändern. Man sollte z. B. durchaus kritisch mit den Medien umgehen. Viele Medienvertreter, auch oder gerade in den Talkshows, die uns Tag für Tag durch die politischen Themen führen, werden erstaunlicherweise nie kritisiert. Von wem auch? Von sich selbst?

Sie haben irre Einfluss auf die öffentliche Diskussion. So auch etwa jetzt nach der Bundestagswahl. Ich finde, einige der Journalisten sind offenbar zunehmend eingebildet. Sie lenken die Politiker, die sie befragen, letztlich in eine bestimmte Richtung. Und gute Diskussionskultur? Naja! Mich wundert es, dass kein Parteivertreter einmal gegen diese teilweise wundersamen Fragen der Journalisten angeht, d.h. eine Antwort verweigert, kontert o.ä. Beispielsweise das Thema der Koalitionsverhandlungen: Es werden uns jetzt automatisch die schwierigen Kontroversen zwischen den Grünen, der FDP und der Union aufgezeigt. Das ist schön und gut, aber es wird m. E. vergessen und einfach überspielt, dass die Politiker Respekt haben können und müssen vor der getroffenen Wahl der Bürger. Dass sie sich bemühen müssen, einen Kompromiss für eine Mehrheit zu finden. Dass sie das vielleicht auch sehen, aber einfach nicht ausdrücken können. Genau das müsste aber auch einmal zum Ausdruck gebracht werden. Die Politiker werden sofort in die Befragung zu den so gravierenden Unterschieden der Parteien getrieben! Und im übrigen heißt es: Kampf gegen die AfD, obwohl man sieht, dass fast Zweidrittel der AfD-Wähler Protestwähler waren. Auch das kann zu Politikverdrossenheit führen. Mit Verschulden der fragenden Journalisten! Es wird nur vermittelt, dass schwere und kompromisslose Koalitionsverhandlungen zu führen sind. „Wie soll das denn gutgehen„, heißt es! Vor der Wahl hieß es eher noch: „Naja, groß sind die Unterschiede der (großen) Parteien garnicht! So ein langweiliger Wahlkampf

Politikverdrossenheit wird auch durch die Medien gefördert, ist mein Eindruck! Ich kann diese Talkshows und Interviews manchmal kaum ertragen!

Das tolle Foto für den Blogbeitrag ist übrigens von Gregor Kuhlmann, mehr dazu HIER.

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SONSTIGES: Sommer

Hier ein kurzes Sommerpausenvideo der Münchener Kammerspiele, das erstaunlich viel sagt:

  • Das herabstürzende Wasser: Das ist das Leben. Das Leben und der Strudel, der daraus entsteht. Ohne den Strudel würde es gar nicht gehen, das Leben. Das Leben erzeugt immer Strudel (nicht Apfelstrudel).
  • Oder: Die Luftballons: Das sind wir alle. Wir setzen uns dem permanenten Strudel aus. Manche (Ballons) versuchen zu entkommen, aber es gelingt nicht. Unser Leben lang der Strudel. Wir wollen ihm im Grunde auch nahekommen. Immer nahe dran sein.
  • Oder: Die Luftballons: Wir werden wie die Ballons vom Strudel des Lebens magisch angezogen, ob wir wollen oder nicht. Wir MÜSSEN uns dem Leben aussetzen.
  • Oder: Die Luftballons: Wir nähern uns dem Strudel willens oder widerwillig, taumeln aber nur herum im Strudel.
  • Oder: Die Luftballons: Das ist die Theaterwelt (es sind ja Luftballons der Kammerspiele): Gerade sie sind es, die sich dem herabstürzenden Leben nähern. Und wir beobachten es, wenn wir Interesse haben.
  • Oder: Das Wasser hinter dem Strudel: Das Wasser – das Leben – beruhigt sich hinter dem Strudel. Jeder Strudel ist vorübergehend.
  • Oder: Das Wasser hinter dem Strudel: Wir fließen nicht einfach im ruhigen Wasser. Wir müssen uns den Kräften des Wassers/des Lebens stellen.
  • Oder: Die Luftballons: Manche berühren das herabstürzende Wasser mehr, manche weniger. Eine Frage des Mutes?
  • Oder, oder, oder. Ist doch schön, das Video (Copyright: Münchner Kammerspiele).

 

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SONSTIGES: G 20 – Treffen in Hamburg

Achtung, ich setze mich jetzt einmal so richtig in die Brennesseln: „Ich habe Verständnis für die Krawalle zum G 20 Treffen in Hamburg!“ Oh Gott, jetzt bin ich bei vielen unten durch! Aber HALT, NICHT WEGKLICKEN! Wer mich kennt, weiß: Ich bin kein Radikaler oder Krawallbruder! Es geht mir nicht um ein Verständnis für die Zerstörung des Eigentums anderer! Das nicht! Ich finde nur, man redet nur über die Krawalle und Zerstörungen, nicht aber über den Grund des Ganzen.

  • Im Grunde finde ich es nur gut, dass sich die Politiker dieser wirtschaftlich und bevölkerungsmäßig stärksten Staaten der Welt (HIER eine interessante Übersicht zu den Teilnehmerstaaten) treffen und um etwas Gemeinsames ringen. (Wenn was rauskommen würde!) Mit all ihren Unterhändlern, den Vorgesprächen etc. Die weltweiten Probleme sind nur noch gemeinsam zu lösen, das ist klar. HIER übrigens dazu noch ein guter Artikel von Christiane Hoffmann (stv. Leiterin des Berlinbüros des Spiegel) auf Spiegel Online: Auf Deutsch war es der Leitartikel der letzten Printausgabe des Spiegel (28/2017) über die Berechtigung des G 20 Treffens.
  • Es gibt für mich aber ein ABER: Die Krawalle werden natürlich verurteilt. Aber dabei kann es nicht bleiben! Es wird m. E. von allen Seiten so reagiert, als hätten die Krawallbrüder einfach mal so vor dem Bundestag, vor dem Sitz der Kanzlerin, vor Schloss Bellevue o. ä. gewütet und zerstört. Das würden sie aber nicht tun, haben sie auch noch nie so getan. Dann wären die einseitig zu hörenden/lesenden entsetzten Kommentare gegen die Straftäter ja völlig gerechtfertigt. Denn bei uns führt nun einmal die Demokratie den Diskurs, Opposition findet sich im Bundestag und in anderen Parteien. Das hat sich Gott sei Dank durchgesetzt. Es gilt nun einmal das Mehrheitsprinzip, sonst funktioniert nicht viel. Und da kann die Minderheit schlecht einfach Krawall machen (obwohl es in bestimmten auch das Widerstandsrecht des Einzelnen gibt).
  • Der Punkt ist aber: Anlass der Krawalle war nicht die Bundesregierung, waren auch nicht einzelne der anwesenden Politiker. Der Anlass war die Tatsache des G 20-Treffens! Aber das wird nicht mehr Thema. Thema sind nur noch die unschönen Auswüchse der Krawalle. Die G 20 – Zusammenkunft ist in gewisser Weise aber ein Machtvakuum. Da kommt man mit „Demokratie“ nicht weit. Da hat der protestierende Mensch nun einmal nur Gewalt anzubieten. Das muss die Politik hinnehmen. Meines Erachtens ist es von der einladenden Bundesregierung deswegen einfach fahrlässig gewesen, nach Hamburg einzuladen! Schon durch diese Entscheidung wurde doch das Eigentum etc. der dort lebenden Menschen gefährdet. Das Treffen – ok, aber in Hamburg? Es ist natürlich ein bisher ungelöstes Thema, auf welcher politischen Basis all die globalen Themen gelöst werden sollen. Man kann es durchaus fragwürdig finden, dass sich nur die G 20 zusammentun. Aber darüber würde ich auch gerne einmal mehr hören: Was hat jetzt das Treffen gebracht? Was wird daraus konkret? Warum diese G 20? Warum nicht Afrika? Was ist mit den arabischen Ländern? Wäre nicht doch die UN der richtige Ort für solche Treffen? Ist es nicht schon gefährlich, dass die G 20 – Staaten NICHT klarstellen, dass sie nicht alles entscheiden können? Das sollte alles nicht verschwiegen werden! Da können auch den Politikern Vorwürfe gemacht werden. Und den Medien! Darüber muss viel mehr geredet werden, um Verständnis für solche Zusammenkünfte zu wecken. Es geht nicht einfach so nach dem Motto: „Der kleine Mann versteht sowieso nichts und die Krawallbrüder schon garnicht. Wir setzen uns gemütlich in die Philharmonie!“ Solange nicht darüber viel geredet und gestritten wird, kann ich Proteste verstehen! Das meine ich mit Verständnis. Wir brauchen wieder mehr Revolution, hört man ja manchmal.
  • Hier übrigens ein Facebook-Statement von Gregor, 26 Jahre, zum G 20 Treffen. Auch nicht uninteressant:  20 Statement Gregor

 

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SONSTIGES: Politik – Helmut Kohl

Wenn der Blog von meinem Leben erzählt, gehört er auch dazu: Helmut Kohl. Er ist mir einen Blogbeitrag wert. Am vergangenen Wochenende der europäische Trauerakt in Straßburg, die Trauerfeier in Speyer, die Beerdigung in Speyer. Wir wissen es: Es ist nicht ein bekannter Mensch gestorben, nicht ein Politiker. Es ist nicht ein großer Politiker gestorben, einer von bisher zwei europäischen Ehrenbürgern. Nein, auch das nicht. Hier mein persönlicher kleiner Nachruf:

Ich finde, Walter Steinmeier hatte es gut formuliert und viele spüren es ja: Ein Weg geht zu Ende. Ein Weg. Ein Weg, den er für uns alle gegangen ist, sein Lebensweg. Helmut Kohl war schicksalhaft mehr als eine Person, er war ein Phänomen in seiner Zeit! Er hat die Dinge für uns alle geregelt. Ich glaube nicht, dass er aus Egoismus, aus Machtgier handelte. Dazu opfert man doch wohl nicht sein Leben. Sicher war er schwierig und machtbewusst und unnachgiebig und und und, aber das gehört wohl dazu. Er war schließlich immer auch versöhnlich. Wir leben heute noch in einer Welt, die er für uns geschaffen hat. Ob wir ihn mochten oder nicht. Er hat sein Leben hoffentlich für sich, aber auch: Für uns gelebt. So gut es ging, mit den Themen, die damals eben Thema waren. Ich bin 55 Jahre alt und war etwas über 20, als er Kanzler wurde. Von 1982 (ich war 21) bis 1998 (ich war 37) war er Bundeskanzler! Was für eine Zeitspanne!

Erinnerungen. Helmut Kohl hat auch meine Zeitein entscheidendes Stückchen vorangetragen. Er hat es gerichtet. Mehr als jeder große Politiker heute (es ist ja alles viel unüberschaubarer, komplexer und vielfältiger geworden, meint man). Da konnte er vielleicht garnichts dafür, es war einfach so! Erinnerungen? Da wird es natürlich sehr persönlich. Ich sehe meine Kindheit, das Briefmarkensammeln (spanisch Briefmarken), der Fußball (der TSV 1860 München natürlich), die Schule (humanistisch), Latein, Freunde, Familie, München, Cassius Clay, die erste Mondlandung, RAF, die Urlaube an der Nordsee: Das war die Zeit VOR Helmut Kohl. Okay, aber dann, die Zeit des Studiums (erst Altphilologie; oder doch lieber Architektur? Dann Jura!) auch in München, dann Lausanne, Freunde, die Freundin, mein ganz eigenes Leben, alles spitzte sich zu, die Heirat, die schöne Zeit, die Gründung der Familie, Köln, drei Kinder, der Berufsbeginn, mich selbst suchen und finden, mit allem zurecht kommen, die Eltern bei alledem, all das hängt eher mit Helmut Kohl zusammen in dieser Zeit, 1982 bis 1998.

Vielleicht hatte Helmut Kohl etwas, was heute verpönter ist: Eine Art Unnahbarkeit – die damals noch anders hingenommen wurde. Eine Generationenfrage? Unnahbar, aber nicht falsch, das war er irgendwie. Wie meine Eltern, würde ich sagen. Auch das ist natürlich sehr persönlich, aber es ist eben eine Parallele. Auch sie waren letztlich unnahbar, aber nicht falsch! Die Parteispendenaffaire verzeihe ich Helmut Kohl. Ich finde, irdische Kräfte haben an ihm gezerrt, Finanzgünstlinge, sie wollten ihn damit unbewusst aus seiner historischen Stellung herausreißen, zurückholen in den irdischen Strudel, abhängig machen.

Es war kein Gezeter, kein Kampf, keine Rechthaberei, er hat uns einfach durchgeführt durch diese Epoche, scheint mir rückblickend. Obwohl ich mich nicht gerade intensiv darum gekümmert hatte, was er wie machte. Plötzlich war ich dann in Berlin bei der Treuhandanstalt, Abteilung für die Privatisierung alter Stahlbetriebe nach der Wiedervereinigung. Noch ein Zeichen der Zeit: Damals schien vielleicht die Person ansich, die Persönlichkeit noch weit wichtiger als all die abstrakten unbestimmten globalen Phänomene, die sich heute so unlösbar in den Vordergrund drängen – der Terror, die Umwelt, die Flüchtlingskrise, die Globalisierung insgesamt. Helmut Kohl, am vergangenen Wochenende ist somit auch bei mir eine Epoche aus dem Leben geschieden. Abgeschlossen war sie ja schon. Vielleicht kommt ja irgendwann einmal ein Mensch daher, der uns – oder eher unsere Kinder – in gewisser Weise wieder ähnlich ein Stückchen lang durch einige der globalen Misslagen führen wird. Ganz schicksalhaft … Aber heute muss man vielleicht auch viel mehr selber in die Hand nehmen.

 

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THEATER: Kammerspiele – 2 Premieren

ABGEHOBEN UND BODENSTÄNDIG! Es ist, als stünde dieses Begriffspaar in jeder Hinsicht über den beiden aktuellen Premieren der Kammerspiele in München!

WAHRLICH ABGEHOBEN: DAS ERBE von Ersan Mondtag (Text Olga Bach), die Premiere war am vergangenen Freitag, und WAHRLICH BODENSTÄNDIG: TIEFER SCHWEB von Christoph Marthaler (Regie und Text), die Premiere war am vergangenen Samstag. Hier wieder meine Erfahrungen:

Beide Abende sind „Assoziationen“ zu den jeweiligen Themen. Einmal zum Thema NSU (Das Erbe) und einmal zum Thema Flüchtlinge/Migration (Tiefer Schweb). Mit extrem unterschiedlichen Herangehensweisen! Auch wenn es nur beim Stück Das Erbe im Untertitel explizit heißt: „Eine Assoziation“ – zum NSU. Beim Stück Tiefer Schweb heißt es im Untertitel „Ein Auffangbecken“ – klingt auch schon bodenständiger.

Man sollte sich als Theaterfreund in München beide Stücke ansehen, dann merkt man, was abgehoben und was bodenständig hier alles bedeutet. Die Bühnenbilder, die Texte, die Personen, die Orte der „Geschehen“, die Inszenierungen, die gesamten Herangehensweisen. Und man wird übrigens ganz nebenbei wichtige Details zu Dönerfleisch (in Das Erbe) und zur Weißwurst (in Tiefer Schweb) erfahren. Zwei Kulinaria, die sehr alltagstauglich als Fremdes und als Heimatliches nebeneinander stehen – was in den Stücken mal zentrales Thema ist (Tiefer Schweb) und mal allerdings nur ganz hintergründig eine Rolle spielt (Das Erbe).

ABGEHOBEN: Das Erbe in der Regie von Ersan Mondtag: Schon die Szene: Entmenschlichte Wesen lassen die Erde zurück, in einem Raumschiff, in dem sie das kulturelle Erbe der Menschen mitnehmen. Sie haben abgehoben! Man sieht die Erde auf einer Leinwand verschwinden. So sind auch die Personen, so ist auch das Gerüst der Inszenierung: Abgehoben. Kein reeller Raum (das Notausgangsschild des Theaterraumes wird sogar abgedeckt, wirklich nichts kann an die Realität erinnern). Das kulturelle Erbe der Menschen ist es den Wesen aber offenbar Wert, mitgenommen zu werden. Der Text des Abends ist eine Mischung aus Quellen wie Sophokles, Bildbeschreibungen zu Lukas Cranach, Gesetzestexten, Prozessakten der RAF, des NSU, der Stasi, von Rudolf Hess, den Gebrüdern Grimm und etwa 40 weiteren. Ich weiß zwar nicht, wer das gezählt oder erfahren hat, aber man liest es. Im Programmheft sind 35 Quellen genannt, einschließlich Angela Merkel und Spongebob. Die Wesen waren früher wohl auch einmal Menschen mit Emotionen. Sie werden auf zwei Leinwänden abwechselnd wie auf sich bewegenden Portraits als reale Menschen gezeigt). Dann aber entdecken sie, dass sie doch einen der Menschen an Bord haben: Ausgerechnet Ursula Zschäpe. Sie wissen um den endlosen und monströsen Prozess um Ursula Zschäpe, sie sagen sich immer wieder monoton und regungslos vier- oder fünfstellige Zahlen auf, was den Seitenzahlen der Prozessakten oder der Nummerierung der Beweisstücke des Prozesses am Münchner Landgericht (?) entspricht. Sie müssen sich mit Ursula Zschäpe auseinandersetzen und kommen auf das Thema der Schuld im Kulturerbe der (deutschen) Menschen. Das Leben des Menschen besteht/bestand immer aus Schuld. Die Menschen – sehen sie wohl – wollen die Schuld nur so gerne an Ursula Zschäpe abgeben, verhandeln sie endlos an ihrem Fall. Aber es gab schon immer Schuld. Sie können sie nicht abgeben! Im Gegenteil, Ursula Zschäpe gebiert am Ende ein Hirn, das alle anderen Schauspieler letztlich neonfarben wieder befleckt.

BODENSTÄNDIG: Tiefer Schweb von Christoph Marthaler. In einer Unterwasserdruckkammer im Bodensee tagt ein Ausschuss zu sonderbaren Entwicklungen. In einem holzvertäfelten Raum, an einem Holztisch. Auch das ganz bodenständig. So sind auch die Personen dieses Stückes, so ist auch das Gerüst dieser Inszenierung. Der Ausschuss tagt an der tiefsten Stelle des Bodensees, dem „Tiefer Schweb“. Tiefer, also „Bodenständiger“ geht es nicht in dieser Krisenregion. Ein Stück, in dem es um unseren Umgang mit den Themen rund um die Migration geht. Es wird ansich unser Verhalten veräppelt, das – am Ende begeisterte – Publikum lacht oft laut. Fast wie im Kabarett. Tendenz ins Klamaukhafte. Am Ende aber merkt man: Wir haben über uns selber gelacht! Speziell über unseren Verwaltungswahn. Wie wir mit den Problemen der Migration umgehen! Hilflos. Am Thema vorbei. Gezeigt wird es an diesem kafkaesken „Ausschuss“, der die Entwicklungen sieht – immer mehr Bakterien im Bodensee! -, dafür die Heimatliebe ganz hoch hält – absurde Trachten werden vorgeführt und endlose Heimatlieder gesungen (bei Anwesenheitspflicht) – und auch bestätigt wissen will, dass sich die angekommenen Fremden „integrieren“. Zum Beispiel eben die Zutaten für die bayerische Weißwurst perfekt aufsagen UND schuhplatteln können. Bodenständig, aber absurd, immer absurder.

Ein großer Unterschied beider Stücke noch: Das Erbe verlässt man sehr betroffen über die vielleicht beabsichtigte Anklage unseres Verhaltens, das Stück Tiefer Schweb sehr angeheitert über die Anklage unseres Verhaltens. Letzteres fällt leichter, aber beides zusammen ist gut!

Gute Kritiken für beide Stücke fast überall. HIER die Besprechung von Das Erbe im Deutschlandfunk Kultur, ein Podcast.

Und HIER die Besprechung von Tiefer Schweb ebenfalls im Deutschlandfunk Kultur, auch als Podcast.

 

 

 

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SONSTIGES: Politik- Parteitagsrede

HIER die Parteitagsrede des Parteivositzenden der GRÜNEN, Anton Hofreiter, von heute, 17. Juni 2017! Lohnt sich! Ab Minute 5 der knapp viertelstündigen Rede legt er richtig los! Endlich einmal klare Worte! Man wird Gegenargumente haben, aber er spricht seine Sicht der Dinge wenigstens klar mit schäumender Wut an!

Ich finde auch, wir müssen aufpassen, dass wir nicht immer inkonsequenter werden und uns selber ständig belügen. Über alles sabbern, aber nicht konsequente Schritte einleiten!

 

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SONSTIGES: Politik – Die arabische Welt

Die arabische Welt und ihre Konflikte! Wer versteht das schon! Ich nicht! Eine aktuelle Meldung lautet ja: „Terroranschlag im Iran“. Und: „Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und der Jemen brechen alle Beziehungen zu Katar ab. Die nationalen Fluggesellschaften stoppten den Luftverkehr. Zudem schlossen die Nachbarländer die Grenzen. Die Staaten werfen Katar vor, Terroristen zu unterstützen. Zudem stoßen sie sich an den Beziehungen des Emirats Katar zum Iran.“ Was steckt dahinter?

Es hat wesentlich mit dem Konflikt Sunniten – Schiiten zu tun. Ich habe ein paar Informationen gesammelt, hoffentlich verlässlich. Ich war auf journalistischen Seiten wie SPIEGEL online, FAZ online, SZ online, ZEIT online unterwegs. Folgendes:

Etwa 80 bis 90 Prozent der Muslime weltweit sind Sunniten. Das Königreich Saudi-Arabien sieht sich als große Schutzmacht der Sunniten. Eine besonders konservative Strömung der Sunniten ist der Wahabismus – die Staatsreligion in Saudi-Arabien. Man sagt, der Wahabismus sei dem IS recht nahe. Donald Trump hat mit seinem riesigen Waffendeal (über 110 Mrd. US – Dollar) also einseitig die Sunniten von Saudi Arabien unterstützt. Das bringt natürlich Unruhe, vor allem im Iran, siehe unten. Wenn sich eben zwei streiten (Saudi Arabien und der Iran) und sich ein Dritter (USA) einseitig auf die eine Seite stellt! Aus wirtschaftlichen Gründen! Wenn das mal gut geht!

Nur in wenigen Ländern stellen jedenfalls die Schiiten die Mehrheit. Dazu zählen der Iran, der Irak und Bahrain. Der Iran vor allem betrachtet sich als der wesentliche Interessenvertreter der Schiiten. Also Saudi Arabien gegen Iran im Kampf um die Vorherrschaft in der arabischen Welt. Der große Konflikt!

Die Schiitengegner im Nahen Osten glauben ohnehin generell, dass Schiiten in arabischen Staaten nicht herrschen dürften, obwohl sie im Irak 60 Prozent, in Bahrain 50 bis 70 Prozent, im Libanon 35 bis 50 Prozent, in Kuwait 20 bis 30 Prozent, in den Vereinigten Arabischen Emiraten bis zu 20 Prozent und in Saudi-Arabien rund 10 Prozent der Bevölkerung stellen. Vielmehr müssten schiitische Regierungen – wie auch in Syrien übrigens – sowie substaatliche Akteure wie die schiitisch geprägte Hisbollah bekämpft werden. Der Islamische Staat (IS) ist auch sunnitisch und antischiitisch geprägt. Er bekämpft ja auch die schiitische Regierung in Syrien. Auch andere syrische Aufständische sind sunnitisch.

Und jetzt das Emirat Katar. Es wird sunnitisch regiert (es leben aber 70 % Schiiten im Land), will aber die sunnitische Vormachtstellung Saudi Arabiens nicht einfach   hinnehmen. Vorgeworfen wird Katar aktuell, es finanziere sunnitisch geprägte Terrororganisationen wie die sunnitisch-islamistische Muslimbruderschaft und die ebenfalls sunnitisch-islamistische Palästinenserorganisation Hamas. Die Muslimbruderschaft ist zwar auch sunnitisch, aber – lese ich – die Muslimbruderschaft stehe in Konkurrenz zu den Wahabisten, die die Vorherrrschaft im sunnitischen Islam für sich beanspruche. Und: Katar pflege zuviel Nähe zum Iran (? – Schiiten). Katar ist etwas westlicher orientiert, die Amerikaner haben dort einen „riesigen“ – wie es heißt – Militärstützpunkt. Kapier ich noch nicht ganz.

Und die Türkei, die ja aktuell Katar unterstützt? Den Emir von Katar und den türkischen Präsidenten Erdogan verbindet – liest man – die Nähe zur sunnitisch-islamistischen Bewegung der Muslimbrüder sowie die Energiefrage. Stößt also auf Unruhe in Saudi Arabien, den Wahabisten. Katar hat außerdem Zugang zum größten Erdgasfeld der Erde, die Türkei einen hohen Energiebedarf. Der frühere Spitzendiplomat Jürgen Chrobog sagte kürzlich in einem Interview mit Deutschlandradio

Frage: „Welche Rolle spielt die Entwicklung um Katar, ein Land, dem die Nachbarländer, die es jetzt boykottieren, auch vorwerfen, zu freundschaftlich mit dem Iran umzugehen?“
Chrobog: „Nun gibt es keine engen Beziehungen zwischen Katar und dem Iran, aber Katar ist vielleicht das einzige Land in der Golf-Kooperation, das sich etwas nach vorn bewegt und etwas moderner denkt und diese Stagnation aufbrechen will, die in dem Freund-Feind-Denken besteht. … Aber auf jeden Fall ist Katar das Land, das etwas moderner denkt, und versucht, auch die Brücke zu Iran zu bauen, ohne jetzt aber eine enge Freundschaft zum Iran aufzubauen.“

Wie ist dann die Türkei zu bewerten? Ich muss hier heute abbrechen. Es reicht ja auch erst einmal. Ist alles nur ganz grob. Ich werde weiter darüber schreiben, um es selber für mich zu verstehen. Mal sehen.

So, vor diesem Hintergrund kann man den Artikel zur Katar-Krise auf ZEIT online gut lesen. Er liest sich dann fast so einfach wie Fix und Foxi. HIER

 

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THEATER: Theatertreffen Berlin 2017 und MUSIK DER WOCHE – Man O To

Und schon wieder etwas. Mit Musik. Hier in Berlin ist volles Programm. Programm mit vielen Dingen, denen man sich sonst eben auch nicht immer hingibt. Deswegen bin ich ja momentan hier: Im Rahmen des Berliner Theatertreffens wurde im umfangreichen Begleitprogramm ein Film gezeigt. Was das mit Theater zu tun hat, weiß ich nicht, aber es muss ja nicht.Raving Iran“ heißt der Film, von Susanne Regina Meures. Eine Doku über zwei Jugendliche aus dem Iran, denen es nicht erlaubt war, eine CD ihrer Musik – sie sind DJ’s – zu erstellen. Zu westlich, Frauen singen, das Cover der CD war politisch nicht gewünscht etc. Die Musik hat sie dann in die Welt hinaus geführt. Nicht weiter abstrus, nicht dramatisch, nicht herzzerreißend, aber es war interessant. Sie wurden von dem Organisator eines Schweizer Festivals (Street Dance/Love Parade) eingeladen und haben von der Schweiz 5-Tages-Visa erhalten. So konnten sie ausreisen. Dann sind sie einfach geblieben. Ob sie Asyl beantragt haben oder sonst eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen haben, wird nicht gezeigt.

Eines der Musikstücke, die im Film laufen, ist meine Musik der Woche. Wahrscheinlich muss man es BRÜLLEND LAUT hören, wie in einem Club. So, dass man sich nicht mehr unterhalten kann. Auf Youtube kann man auch eine vierstündige Fassung der Musik hören. Wenn man eine schöne Party schmeißt oder so! Eine Party, auf der man sich nicht unterhalten kann, allenfalls anbrüllt.

 

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SONSTIGES: Politik – New York Times International Weekly

BEACHTEN: Die vorherigen Blogbeiträge bleiben natürlich allesamt sehr ansehenswert bzw. anhörenswert. Sehr. Einfach auf der Startseite runterscrollen. Es geht nur momentan recht schnell.

Ein aktuelles Thema habe ich heute wieder aufgeschnappt und mich ein wenig informiert. Wie komme ich auf das Thema? Warum kümmert es mich? Weil ich in diesem Blog  ja über all die (kulturellen, politischen) Dinge schreibe, mit denen ich eben etwas mehr „in Berührung komme“. Und weil ich meine kleinen Erkenntnisse dann gerne auch anderen zur Verfügung stelle. Viele haben ja etwas weniger Zeit als ich.

In New York fand am Montag, den 10.04.2017, die Verleihung des Pulitzer-Preises statt. Drei Preise gab es für die New York Times. Wir sind nicht in einer Phase des Niedergangs des Journalismus, sondern mitten in einer Revolution“, hatte Mike Pride, der Vorsitzende des Pulitzer-Preis-Gremiums, gesagt. Wohl auch angesichts des aktuellen Themas „Fake News“.

Zu meiner erwähnten „Berührung“ mit dem Thema: Jeden Donnerstag findet sich in der Süddeutschen Zeitung eine internationale Ausgabe der New York Times (New York Times International Weekly). Liberal und kritisch. Und mitunter erfrischend andere Themen und Darstellungen, andere Blickwinkel. Donald Trump twitterte zwar kürzlich, die New York Times sei – neben anderen Medienhäusern – ein „Feind des amerikanischen Volkes„. Ist aber im Gegenteil vielleicht für kritischen Journalismus gar nicht einmal das Schlechteste, wenn Donald Trump so etwas sagt, es fördert damit ja geradezu kritischen Journalismus. Was ja nicht gleichzusetzen ist mit unwahrer Schwarzmalerei, was er vielleicht unterstellt. Ich lese die New York Times International Weekly im übrigen auch schon wegen des Englischen gerne. Eine schöne Herausforderung manchmal angesichts der Journalistensprache, nicht immer leicht.

Also wieder einmal über den „Tellerrand“ schauen, bevor der Tellerrand immer höher wird und man seinen kleinen Teller – so voll er auch sein mag – allzu wichtig findet! So wichtig der eigene kleine Teller natürlich AUCH sein mag!

Der Pulitzer-Preis jedenfalls ist nach dem Verleger Joseph Pulitzer benannt und wird seit etwas mehr als 100 Jahren verliehen. Er ist „einer der renommiertesten Journalisten-Preise“ für amerikanische Aktivitäten. In diesem Jahr wurde er wieder in 14 journalistischen Bereichen und in einzelnen Bereichen der Kategorien Literatur, Theater, Musik verliehen.

Ein Pulitzer-Preis ging an die New York Times für eine Reportage über die Bemühungen Moskaus, die Macht Russlands im Ausland auszuweiten. Ein weiterer Preis für den NYT – Fotografen Daniel Berehulak, der Gewalt im Antidrogenkampf auf den Philippinen dokumentierte. Und für C.J. Chivers von der NYT gab es die Auszeichnung, für seinen Beitrag über einen Afghanistan-Veteranen, der unter einer posttraumatischen Belastungsstörung litt.

Soweit man Wikipedia glauben kann, gilt im übrigen Folgendes zur New York Times:

  • Die New York Times wird als linksliberale Zeitung eingeordnet.
  • Mit derzeit etwa 1200 redaktionellen Mitarbeitern verfügt die New York Times immerhin über die größte Zeitungsredaktion der USA.
  • Die New York Times ist außerdem die Zeitung mit den meisten Pulitzer-Preisen (über 120) und den meisten Online-Lesern (über 30 Millionen Besucher pro Monat, Daten von 2010) in den USA.
  • Größte Anteilseignerin des Verlags ist die Familie Ochs Sulzberger. Arthur Ochs Sulzberger jr. ist derzeit der Herausgeber der Zeitung. Er ist Nachfahre des ehemaligen Eigentümers Apolph Ochs (Eigentümer ab 1896). Der mexikanische Milliardär Carlos Slim hält 16,8 Prozent des Unternehmens und ist der größte externe Anteilseigner. Viel Kapital war eben wegen des branchenweiten Anzeigenschwundes nötig.

Das waren meine Bemühungen zur New York Times. Also Donnerstags die SZ.

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SONSTIGES: Politik- Ist das unsere Asylpolitik?

Ich hatte im Blog bereits über „F aus Afghanistan“ geschrieben, den ich unterstütze. Sein Weg ist weiter unten noch einmal dargestellt. Er ist allein auf dieser Welt, ist schlau, freundlich, höflich, aufgeschlossen, interessiert. JETZT KAM SEINE ABLEHNUNG! ER SOLL DEUTSCHLAND INNERHALB VON 30 TAGEN VERLASSEN! KEIN ASYL, KEINE AUFENTHALTSERLAUBNIS! UNFASSBAR!!

Er sagte mir: Wenn er in Afghanistan überleben will, muss er zur Taliban gehen. Tolles Ergebnis! Andernfalls würde er ganz schnell getötet werden. Er hat ja NIEMANDEN auf der Welt, bei dem er Schutz suchen könnte.

WIE KANN MAN IHN NUR ABLEHNEN!!?? WAS IST DAS FÜR EINE POLITIK! Er hat bereits einen Selbstmordversuch hinter sich, das Attest über seinen anschließenden Krankenhausaufenthalt wurde beim Asylgespräch vorgelegt.

Wir werden natürlich sofort zu einem Anwalt gehen!

Sein Weg ist lesenswert:

18 Jahre alt, schwarze Haare, symphatisch, geboren in einem kleinen Dorf in Afghanistan. Allein auf dieser Welt! Seit fast zwei Jahren ist er nun in Deutschland, will im Sommer seinen Quali machen, lernt ständig! Ein Beispiel, ein trauriges Beispiel. Er hat so manches Mal Tränen in den Augen.

Was hat er alles erlebt! HIER der link zum Blogbericht, in dem ich schildere, was er erlebt hat.

MUSS DIE ABSCHIEBEPRAXIS SO FÜRCHTERLICH SEIN UND EINEM CLEVEREN JUNGEN DAMIT DAS GENICK BRECHEN? WORUM GEHT ES? GEHT ES UM DAS LEIDER SEHR HARTE SCHICKSAL JUNGER MENSCHEN? WOLLEN WIR NICHT HELFEN? IST ALLES NUR BAYERISCHE POLITIK?

 

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SONSTIGES: Politik – Serdar Somuncu – Die Wahrheit über uns und unsere Gesellschaft

Im letzten Musikbeitrag hatte ich geschrieben, man könne manches besser durch Musik ausdrücken. Heute ein anderes Beispiel: Es geht auch mit Vehemenz, mit deutlicher Sprache, mit Empathie und Überzeugung. Ein Beispiel zu einem wesentlichen Element unserer Gesellschaft: Der unbestimmten Angst, uns würde etwas genommen. Serdar Somuncu (* am 03.06.1968 in Istanbul) ist ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist, Regisseur, Satiriker. Er legt den Finger gerne schonungslos in unsere Wunden. Das ist auch Selbstkritik. Auf ntv bringt er demnächst (bis zum Sommer) viermal eine Talkshow, nächster Termin ist voraussichtlich der 21. März.

Sedar Somuncu bringt eine Sicht der Dinge auf den Punkt, die ich gut verstehe. Es geht um unsere Verlogenheit! Und Bequemlichkeit! Da kann und muss sich noch einiges ändern. Also spricht er es deutlich an! Hier ein Ausschnitt aus seinem erfolgreichen Programm H2 Universe – die Machtergreifung. Ob er selbst für diesen Ausschnitt den Titel „Die Wahrheit über uns und unsere Gesellschaft“ gewählt hat, weiß ich nicht. Denn von „Wahrheit“ zu reden ist ja nicht leicht.

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SONSTIGES: Politik – CDU in Bayern

Ich hatte kürzlich an dieser Stelle zur Gründung der CDB – Christdemokraten in Bayern – aufgerufen, um es zu ermöglichen, auch in Bayern eine Partei zu wählen, die Angela Merkel unterstützt. Die CSU hat Frau Merkel ja allzu lange geschadet und immer wieder geschwächt. Die CSU wird, fürchte ich, entscheidende Schuld tragen, wenn Frau Merkel nicht mehr Kanzlerin bleiben können sollte.

Im Blogbeitrag zur Parteigründung hatte ich erwähnt, dass ein Nürnberger Rechtsanwalt (und seine Ehefrau) gegen die Unmöglichkeit geklagt hatte, in Bayern die CDU wählen zu können. Ich hatte Kontakt zu ihm aufgenommen und erhalte jetzt folgendes Update: Herr und Frau RAe Roth haben nunmehr Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe eingereicht mit dem Ziel, die CDU jedenfalls mit der Zweitstimme auch in Bayern wählen zu können.Die Klageschrift liegt mir vor, ich würde sie bei Einverständnis der RAe Roth hier veröffentlichen. Mal sehen.

Es wird also weiter geklärt werden, ob etwa die Vereinbarung zwischen CDU und CSU nicht als „Vertrag zulasten Dritter“ (der Wähler in Bayern) – so seine Argumentation – unwirksam oder wegen Einschränkung der Wahlrechte in Bayern schlicht nichtig ist. Interessant.

Herr RA Roth schrieb kürzlich in einer Mail an seine Unterstützer:

Es ist richtig und wichtig, dass Bürger und Politiker dieses Staates dem Demokratieabbau in einigen Mitgliedsländern der Europäischen Union oder gerade aktuell in der Türkei unter Verweis auf unser Wertesystem entschieden entgegentreten. Wir bleiben aber nur dann glaubwürdig, wenn wir selbst demokratische Grundsätze beachten und uns für diese Grundsätze einsetzen. Dazu gehört auch ein freies Wahlrecht dergestalt, dass jeder deutsche Staatsbürger die Partei wählen darf, die seit Jahren die Bundeskanzlerin stellt. Die derzeitige Unmöglichkeit gefährdet die Glaubwürdigkeit unseres eigenen politischen Wertesystems. Das könnten die Gegner unserer Demokratie propagandistisch ausnutzen und dem gilt es entgegenzutreten.“

Kontrollfrage: Dürfte denn die CDU mit der FDP etwa in Hessen eine Vereinbarung treffen mit dem Inhalt: „Wenn Ihr für Frau Merkel seid, treten wir in Hessen nicht an“?

Ich informiere weiter.

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