THEATER: Elfriede Jelinek – Wut

Nachdem ich Elfriede Jelineks „Am Königsweg“ auf dem Theatertreffen in Berlin gesehen hatte (HIER mein Blogbericht),  habe ich mir jetzt noch einmal ihr derzeitiges Stück an den Kammerspielen in München angesehen. „Wut“ heißt es. Es ist in der kommenden Spielzeit noch zu sehen. Ich habe bisher nichts darüber geschrieben:

Typisches Jelinekstück. Müssen Jelineks Stücke so inszeniert werden? München war ähnlich wie Berlin! Eine überbordende Jelinekshow! Mit wirklich guten Phasen aber! Es dauert über 4 Stunden. Der Regisseur Nicolas Stemann – er hat schon acht Stücke von Elfriede Jelinek auf die Bühne gebracht – erklärt zu Beginn der Aufführung, dass dieses Stück ständig weiter entwickelt wird. „Work in Progress“. AfD, Trump, PAG … Anlass für Elfriede Jelinek, das Stück ganz schnell zu schreiben, waren damals die Anschläge in Paris, Charlie Hebdo.

Wie ist das Stück: Im Unterschied zum Stück „Am Königsweg“ werden hier viele Passagen aus Jelineks Text wörtlich vorgelesen. Das erleichtert es, ihr ein wenig zu „folgen“. Aber „folgen“ ist auch hier zu viel gesagt. Ich habe es nicht geschafft. Lag aber auch an der nur für mich schlechten Akustik des Abends. Man hätte alles verstehen müssen! Ich muss es eigentlich nachlesen. Mal sehen.

Es ist insoweit aber eine – etwas – stringentere Inszenierung, als es „Am Königsweg“ war. Man sieht auf der Bühne die jungen Schauspieler des Ensembles der Münchner Kammerspiele – Julia Riedler, Thomas Hauser, Zeynep Bosbay, Jelena Kulijc etc. Ausnahme – sorry – Annette Paulmann, sie ist nicht mehr „Jugend“. Das passt aber sehr gut. Und Franz Rogowski (siehe Blogberichtsfoto), der – laut Programmheft 2018/19 – leider nicht mehr dem Ensemble angehören wird. Er ist im Film derzeit zu erfolgreich wahrscheinlich und wird keine Zeit haben.

Insgesamt sieht man nicht schauspielerische Leistungen, sondern „Aktionen“ auf der Bühne, finde ich. So soll es wohl sein. Unterbrochen übrigens wird es von einem etwa halbstündigen Diskurs des Regisseurs Nicolas Stemann mit seinen beiden Musikern (Thomas Kürstner, Sebastian Vogel) zu aktuellen Nachrichten aus den Tageszeitungen. Überall wurde „Bernd Söder“ entdeckt. Und das Kreuz.

Oder später der Aufruf, alle Zuschauer sollten auf die Bühne kommen. Viele kamen (Sicherheitsschleusen wurden aufgestellt), bis Stemann plötzlich sagte: „Aus Sicherheitsgründen müssen wir es abbrechen, bitte Ruhe bewahren!“ Dann wurde der Vorhang – eine schwarze Blechwand – herabgefahren, hinter dem Vorhang ging es weiter! Auf die schwarze Wand wurde das Geschehen hinter der Bühne – auch das Blogbeitragsbild oben – projeziert. Für viele hieß es damit: Wir müssen draußen bleiben!  … Aktueller Bezug klar! Was noch aufgefallen ist: Das ganze wahnsinnige Bühnendrumherum hätte im Grunde weg bleiben können. Es hat nur abgelenkt. So sah das etwa aus, während Anette Paulmann hinten an einem Tisch vorlas:

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Teils gut gemacht, aber mein „aber“: Eine reine Lesung, das wäre gut gewesen! Inhaltlich mag jeder dann selbst ein wenig zurecht kommen, oder auch nicht.

HIER der link zur Onlineseite der Inszenierung „Wut“ an den Kammerspielen, wieder mit Trailern.

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Gesehen und gehört

THEATERTREFFEN EXTRA: Bertolt Brecht – Trommeln in der Nacht (Münchner Kammerspiele)

Samstag, 19. Mai, 20:15 Uhr: „Trommeln in der Nacht“ von und nach Bertolt Brecht. Wo? 3sat brachte eine Aufzeichnung des Stückes aus der 10er-Auswahl des diesjährigen Theatertreffens. Es ist ab Samstag dann für mehrere Tage in der 3sat – Mediathek zu finden.

UND: Da Bertolt Brecht angeblich im Nachhinein mit dem Ende des Stückes unzufrieden gewesen sein soll, hat der Regisseur Christopher Rüping an den Münchner Kammerspielen zwei Versionen auf die Bühne gebracht. „Von“ und „nach“ Bertolt Brecht. Beide Versionen unterscheiden sich im fünften und letzten Akt. Diese beiden letzten Akte können schon jetzt in der Mediathek von 3sat angesehen werden!

HIER das Ende der Version „von“ Bertolt Brecht. HIER  das Ende der Version „nach“ Bertolt Brecht.

Ich hatte schon nach der Premiere in München über die Version „von Bertolt Brecht“ geschrieben. HIER der damalige Blogbericht. Und auch über die Version „nach Bertolt Brecht“ hatte ich damals geschrieben. HIER auch dazu mein damaliger Blogbericht.

Copyright des Beitragsbildes: Julian Baumann, Kammerspiele

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Allgemein Gesehen und gehört

THEATER: August Strindberg – Der Vater

Es war die 20. Premiere in dieser Spielzeit, alle drei Bühnen der Münchner Kammerspiele inbegriffen! 1887 wurde August StrindbergsDer Vater“ uraufgeführt. Jetzt hat es Nicolas Stemann in München auf die Bühne des großen Spielhauses der Kammerspiele („Kammer 1“) gebracht. Auf den ersten Blick eine unspannende Wahl. August Strindberg ist übrigens vor fast exakt 106 Jahren, am 14. Mai 1912 in Stockholm gestorben. Ich habe das Stück gesehen und gelesen.

Auch das (kurze) „Drama“ liest sich auf den ersten Blick harmlos und unspektakulär. Eine banale Geschichte, wonach die Frau des Rittmeisters es schafft, ihn durch ihre starke weibliche Stellung in den Tod zu treiben. Aufhänger der Geschichte ist, dass der Vater unsicher wird, ob er wirklich der Vater der „Tochter“ Berta ist. Und Aufhänger ist, dass seine Frau Laura der Tochter Berta eine andere Ausbildung zukommen lassen möchte, als der Vater. Er kommt damit nicht zurecht. Doch das ist nur der erste Blick. Schon das Buch enthält interessante Aussagen zum Verhältnis Mann – Frau.

Es ist sicherlich nicht leicht, vor allem diesen zweiten, tieferen Blick auf das Verhältnis Mann – Frau auf die Bühne zu bringen. Nicolas Stemann hat es mit gemischtem Erfolg, wie ich finde, versucht. „Feminismus“ sagt man heute schnell. Gleichzeitig ist aber alles immer auch eine Frage des Patriarchats. Man denke da nur an die Sicht islamisch denkender Menschen auf die Rolle der Frau! Ein Riesenthema. August Strindberg hat das Stück wohl so verstanden, dass es „antifeministisch“ genannt werden konnte. Der Mann das Opfer, der „Sklave“, wie der Rittmeister sagt. Strindberg redet aber auch über einen sehr psychologischen Ansatz: Der Mann und die Mutter und der Mann, der sein Leben lang versucht, etwas zu machen, um sich zu beweisen. Er sagt:

Ich, der in der Kaserne und vor der Truppe der Befehlende war, ich war bei dir der Gehorchende und ich wuchs an dir, ich sah zu dir auf wie zu einem höher begabten Wesen und ich hörte auf dich, als wäre ich dein unverständiges Kind.

Da steckt Einiges drin. Nicolas Stemann versucht, den Aspekt hervorzuheben, dass der Feminismus natürlich auch Probleme der Männerwelt beinhaltet. Auf der Leinwand verschmelzen – siehe das Beitragsbild – das Gesicht der Frau (Julia Riedler) und des Mannes (Daniel Lommatzsch) zu einem Gesicht. Eigentlich sieht wohl auch Strindberg schon, dass Feminismus etwas mit den Männern zu tun hat. Sehr interessant sind auch die Verbindungen zu heutigen Diskussionen (etwa die #me-too-Bewegung). Das Thema ist ja absolut zeitlos, aktuelle Bezüge kommen aber bei Stemann nur zaghaft auf die Bühne. Hätte man hier nicht viel viel mehr auf die Bühne bringen können? Hätte man hier nicht viel aufgewühlter das Theater verlassen müssen? Einen interessanten Einblick in heutige Gedanken zum „Feminismus“ geben jedenfalls die im Programmheft abgedruckten Gespräche mit Nicolas Stemann und mit der Kulturwissenschaftlerin und Autorin Mithu Sanyal (ihre Arbeiten kreisen schon immer auch um das Thema Feminismus). Hier liest man von vielen Aspekten des Themas!
Zur Inszenierung: Stemann-typisch eine Bühne, die keine Räumlichkeit zeigt, sondern eine bespielbare Fläche (grellgrüner Boden, aus dem bewegliche Stehlampen ragen), dazu einzelne Gegenstände auf der Bühne (ein Sofa, später ein Tisch, ein Fernsehapparat,) sphärische Musik (seine bekannten beiden Musiker Thomas Kürstner und Sebastian Vogel kommen immer wieder auf die Bühne und begleiten mit fast drohenden Klängen das Spiel), die SchauspielerInnen übernehmen mehrere Rollen (sie sind Schauspieler und Rolle zugleich), auf besonders großer Fläche (ein Vorhang) werden teils die Schauspielerinnen  schwarz-weiß in Video gezeigt. Schöne Bilder, Julia Riedler sehr überzeugend. Inhaltlich hangelt sich der Abend erstaunlich nahe an Strindbergs Stück entlang. Wie gesagt: Da hätte Provokanteres, Mutigeres kommen können. Ansonsten: Überzeugend spielte neben Julia Riedler (sie kommt hier viel mehr in ihre „Rolle“ als etwa im „Wartesaal“, finde ich) besonders am Ende Wiebke Puls mit langem Monolog (siehe das Blogbild).

 

Copyright des Beitragsbildes: Thomas Aurin

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Gelesen und geblättert

THEATER: News – Matthias Lilienthal

Im Sinne meines Theaterblogs ist natürlich sofort zu melden:

Das hätten die Münchner geschafft! Nachdem sich die Münchner CSU – Stadtratsfraktion kürzlich gegen die Verlängerung des Vertrages des Kammerspiele – Intendanten Matthias Lilienthal ausgesprochen haben, erklärt Lilienthal heute, dass er den Vertrag 2020 auch seinerseits nicht verlängern wolle. Er habe keinen Rückhalt mehr. Recht hat er! Es ist ein Armutszeugnis für die CSU, meine ich. Was ist schon eine fünfjährige Intendanz. Wenn man sich einem Stadttheater hingibt, muss man Zeit bekommen!

Aber in der Tat mögen die Münchner – unabhängig von der CSU – brave und gediegene, bloß nicht aufwühlende Produktionen. Etwa Tiefer Schweb und Wartesaal. Oder Gerhard Polt. Die Münchner wollen lachen oder verwöhnt werden und nicht viel nachdenken. Und das ist nicht Matthias Lilienthal – der zusammen mit Frank Castorf das Berliner Volkstheater am Rosa-Luxemburg-Platz aufgebaut hatte!

Tja, die CSU muss jetzt mit ihrer Argumentation  (für die Zeit ab der Spielzeit 2020/2021) einen Nachfolger finden, der für mehr „Auslastung“ der Kammerspiele sorgt. Also wohl für mehr Mainstream! Als wäre die Auslastung – 5 % hin oder her – ein Kriterium in der Kultur!

Copyright des Beitragsbildes: Lukas Barth

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Gesehen und gehört

THEATER: Milo Rau – Die 120 Tage von Sodom

Ich schreibe an sich nicht über Ereignisse, die man sich gar nicht mehr ansehen kann. Das nützt ja niemandem.

Aber man kann Milo Rau’s Inszenierung von „Die 120 Tage von Sodom“ nach Motiven aus dem gleichnamigen Film von Pier Paolo Pasolini und dem Buch von Donatien Alphonse François de Sade noch sehen. Auch wenn es an den Münchner Kammerspielen nur zweimal – jeweils ausverkauft – zu sehen war, es ist noch im Repertoire des Schauspielhaus Zürich zu sehen. UND: Ich gehe davon aus, dass es auch an anderen deutschsprachigen Bühnen noch Gastspielauftritte geben wird. Es ist ja ein sehr bemerkenswertes Stück. Siehe meinen kürzlich geposteten Blogbeitrag zu den aktuellen Aktivitäten von Milo Rau HIER.

Einen Trailer zum Stück „Die 120 Tage von Sodom“ findet man HIER und die Seite zum Stück im Internetauftritt des Schauspielhauses Zürich findet sich HIER.

Zum Inhalt des Stückes: In der Alpenrepublik „Saló“ – dem letzten Refugium einer faschistischen Regierung – werden junge Männer und Frauen entführt und von vier Vertretern eines untergehenden Regimes in einem Schloss gefangen gehalten. In einer Reihe von sadistischen Ritualen werden die Jugendlichen missbraucht und erniedrigt und schliesslich in einer Gewaltorgie zu Tode gequält.

Mein Eindruck:  „REIBUNGSFLÄCHE“ steht ja auf dem Streichholzmäppchen, das das Schauspielhaus Zürich den Zuschauern im Foyer als kleines Geschenk anbot. Das kann man wohl sagen! Milo Rau setzt mit „Die 120 Tage von Sodom“ seine Arbeit an unglaublich extremen, herausfordernden Themen fort! Eine „Untersuchung nach den Grenzen des auf der Bühne Ertrag- und Darstellbaren“ heißt es im Internetauftritt des Schauspielhauses Zürich. Begonnen hatte es mit Five Easy Pieces, dem Stück über den belgischen Kindermörder Marc Dutroux, das von Kindern (!) gespielt wurde (HIER mein damaliger Blogbeitrag dazu). Und jetzt: „Die 120 Tage von Sodom“, gespielt von geistig behinderten Kindern!

Es sollte damals eine „Gesellschaftsdiagnose“ sein und das kann es auch heute noch sein. Wobei sich natürlich alles grundlegend geändert hat! Dennoch! An welche Grenzen gehen wir heute? Wie empfinden wir diese Grenzen heute? Wie empfinden wir den extremen Grat zwischen Leben einerseits und Brutalität und Tod andererseits? Alle Grenzen werden ja gesprengt! Sadistische Szenen, sexuelle Szenen, nackte Behinderte auf der Bühne etc., mit persönlicher Vorstellung einiger der Personen auf der Bühne, mit einem Abspann wie im Kino. Gerahmt von biblischen Szenen, unterlegt zum Teil mit klassischer Musik.

Milo Rau hat bei allem eine besondere Handschrift, die auch das Stück Five Easy Pieces prägte. Er ummäntelt das schwer Zumutbare mit einer ganz besonderen Sensibilität, die alles erträglich macht, ohne es auch nur irgendwie zu verharmlosen. Das Verharmlosen ist übrigens gerade durch das Spiel der Truppe der behinderten Schauspieler aus der Schweiz ausgeschlossen. Die Sensibilität betrifft die gesamte Inszenierung, von der Musik bis zu jeder Geste fast. Eine gewisse durchaus passende Ästhetik schwingt leise mit. Man hat nicht ein einziges mal  das Gefühl, hier werde ein Thema ausgeschlachtet, es werde etwas produziert. Man wird eher auf extreme Art und Weise angeregt, man kann sich, ohne überlastet zu sein, überlegen: Wie stehe ich zu alledem? Es ist zweifellos eine Kunst, derartiges so – also ohne jede übertriebene Theatralik – auf die Bühne zu bringen. Man erkennt, dass das Leben immer auch Brutalität und Tod bedeutet. Ästhetik und Rausch. Auch und gerade in der heutigen Zeit. „Genusssucht und Untergangsangst, Normalisierungswahn und kleinbürgerlicher Skandallust“ sind nur zwei Begriffspaare, die die Kammerspiele im Internetauftritt zum Stück (HIER) bringen. Ich könnte mehr dazu schreiben, ergänze es wohl in Kürze.

Wer die Gelegenheit hat, sollte sich ein Stück von Milo Rau ansehen. Es ist kein Genuss, sondern eine Herausforderung!

THEATER: Jack Kerouac – On the Road

Der Beginn der Spielzeit 2017/2018 an den Münchner Kammerspielen liegt schon wieder mehr als eine Woche zurück. Die Spielzeit begann mit einer Inszenierung zum Roman On the Road von Jack Kerouac. Die Beatnik-Generation, Aufbruchstimmung, hinaus in Neues, in die große Freiheit.
Das Thema: „50 Jahre nach den 68ern“ soll in gewisser Weise über dieser Spielzeit stehen. Ich hoffe, man wird es auch ein wenig im Spielplan merken. Es war ja eine wichtige Zeit und Impulse daraus sind immer wieder aktuell. Wo sich doch immer wieder so viel verändert.
Das Signet der Spielzeit gibt die Eröffnungsinszenierung von David Marton vor“ heißt es im Spielzeitheft.

Zum Roman heißt es im Spielzeitheft weiter: „Der Roman On The Road markierte den Vorabend jenes gesellschaftlichen Aufbruchs, der ab dem Ende der 60er Jahre die Welt nachhaltig veränderte. Erleben wir nach den Wahlen in den Vereinigten Staaten und angesichts des weltweiten Siegeszugs populistischer Kräfte eine historische Zäsur, die das Ende dieser Entwicklungen einläutet? Die Agenda von PolitikerInnen wie Donald Trump, Marine Le Pen oder Theresa May lässt sich kurz und knapp als der Versuch zusammenfassen, alle Errungenschaften von 1968, so kritikwürdig Teile davon auch für VertreterInnen der politischen Linken mittlerweile sein mögen, ein für allemal rückgängig zu machen.

In der Ankündigung der Inszenierung von David Marton wiederum heißt es: „Der Regisseur David Marton, der in den vergangenen zwei Spielzeiten an den Kammerspielen ein Opernhaus gründete und darin u.a. „La Sonnambula“ und „Figaros Hochzeit“ zur Aufführung brachte, spürt mit seiner Truppe von SchauspielerInnen und MusikerInnen den Sehnsüchten einer Clique nach, die Freiräume schafft und doch gegen Wände läuft. Die Rhythmen des Bebop verweben die JazzmusikerInnen auf der Bühne mit Kerouacs eigenartig musikalischem Textfluss zu Klangflächen, die Wort und Musik verknüpfen. David Martons Musiktheater führt so in die Geschichten der GlückssucherInnen und ihrer Reise in die Zwischenräume des Lebens hinein.“

 

Klingt interessant. Aber ob David Marton mit dieser Inszenierung wirklich voll zufrieden ist? Man merkt als Zuschauer fast – so ging es mir jedenfalls -, wie sehr sich Marton bemühte, die Stimmung des Romans und der Beatnik-Generation mit Text und Musik einzufangen und zu zeigen. Er hat ja im Grunde ein gutes Gespür für die Kombination von Musik und Schauspiel und auch die Beatnik-Generation war der Musik nahe. Sex and Drugs and Jazz. Bewiesen hatte David Marton sein Gespür ja vor allem mit der Inszenierung von La Sonnambula, die im vergangenen Jahr fast zum Berliner Theatertreffen (die 10er – Auswahl) eingeladen worden ist.

Es gelingt aber irgendwie kaum, den Text mit der Musik zu verweben, zu zeigen, dass Text und Musik irgendwie zusammengehören, die gleiche Stimmung rüberbringen. Es wirkte für mich leider fast wie ein Kampf, Text und Musik auf einen Nenner zu bekommen. Auch wenn im Laufe des Stückes sogar mehrmals die Musik den Text übertönt. Gut, die Geschichte, die erzählt wird, ist nicht sehr aufregend, eine damals große Reise mit dem Greyhound-Bus oder als Anhalter in Amerika von Ost nach West nach Süd. Das ist das Buch. Es gibt allerdings meines Erachtens in der Inszenierung nur vereinzelt Szenen, in denen es wunderbar – dann aber wunderbar – gelingt, die Stimmung dieses damaligen Aufbruchs zu transportieren. Andere Szenen scheinen mir Fehlgriffe zu sein, sagen einfach zu wenig aus. Die wenigen so einleuchtenden Szenen etwa: Das Gespräch der beiden besten DarstellerInnen des Stückes, Julia Riedler und Thomas Schmauser, auf Gartenstühlen mit dem Rücken zum Publikum. Oder beide an den Tresen, sie bringt den letzten „applepie“, er reißt stupide permanent ein Whiskyglas vom Tresen. Ich fragte mich im Nachhinein aber: Was macht eigentlich ein Damaturg? Hier gab es zwei Dramaturgen: Christine Milz und Christoph Gurk. Hätte nicht ein/e DramaturgIn hier sagen können: „Mehr Mut, mehr Mut“, „Mehr Deutlichkeit, mehr Deutlichkeit“, „Mehr Prägnanz“, „Andere Szenen“, „Mehr Ideen“? Sofern der Regisseur auf so etwas hört, ich weiß es nicht. Aber ein Dramaturg beobachtet doch die Entwicklung einer Inszenierung, die Ideen des Regisseurs und deren Umsetzung, denke ich. Hätte nicht ein/e DramaturgIn hier merken und sagen können, dass einige Einzelheiten, die eigentlich die Stimmung des Buches auf die Bühne bringen sollten, auf der recht chaotischen, aber ideenlosen Bühne letztlich verloren gehen? Oder dass es überhaupt ungünstige Einzelheiten sind, die auf die Bühne gebracht werden? War etwa das Gezeter um den Kinderwagen aussagekräftig? Ich finde nicht. Oder: Sich auf eine Leiter zu stellen und stumm gegen die Rückwand der Bühne zu blicken, mag der damaligen Stimmung entsprechen, aber es kann auf der Bühne vielleicht doch zu wenig sein! Oder: Wenn die Truppe der Schauspieler mehrfach dem Kinderwagen folgend um die Blechhütte auf der Bühne herumgeht. Warum? Was macht da der/die DramaturgIn eigentlich?

Es fiel recht schwer, ein Gefühl für die Stimmung der Zeit des Aufbruchs zu mehr Freiheit zu entwickeln. Trotz aller Bemühungen. Ein Gefühl für die Wildheit und Ziellosigkeit der „beatnik generation“. Für das beginnende Streben gegen das Establishment. Ansätze waren – wie gesagt – da, aber es verpuffte, denke ich, leider zu schnell. Vielleicht auch, weil die ursprünglich deutlich längere Inszenierung dann doch zeitlich stark gekürzt werden musste.

Gerne hätte ich etwa die Jazzmusik des so guten Trompeters Paul Brady durch mehr Hervorhebung seiner schönen Einsätze erlebt. Gleiches gilt auch für den wunderbaren und so gekonnten rauhen Gesang von Jelena Kulic. Durch Lichteinsatz oder wie auch immer. Es hätte ja jede Menge Möglichkeiten gegeben. Man sieht es ja sehr schön etwa am derzeit auch zu sehenden Stück „Der erste fiese Typ“ nach dem Buch „The first bad man“ von Miranda July. Aber die opulente Bühnentechnik der Kammerspiele kam hier praktisch nicht zum Einsatz. David Marton mag sie, scheint mir, nicht. Auch La Sonnambula (ohnehin auf der kleineren Bühne) und Figaros Hochzeit sind ja insoweit absolut „statisch“. Beides – die Verstärkung der Trompeteneinsätze von Paul Brady und der Gesangseinsätze von Jelena Kulic – hätte dem Stück so gut getan! Hätten damit auf der anderen Seite wahrscheinlich auch den Einsätzen der Schauspieler gut getan!

Dennoch: Hingehen, der Applaus war überzeugend, vielleicht kann man es auch anders erleben!

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THEATER: Kammerspiele – 2 Premieren

ABGEHOBEN UND BODENSTÄNDIG! Es ist, als stünde dieses Begriffspaar in jeder Hinsicht über den beiden aktuellen Premieren der Kammerspiele in München!

WAHRLICH ABGEHOBEN: DAS ERBE von Ersan Mondtag (Text Olga Bach), die Premiere war am vergangenen Freitag, und WAHRLICH BODENSTÄNDIG: TIEFER SCHWEB von Christoph Marthaler (Regie und Text), die Premiere war am vergangenen Samstag. Hier wieder meine Erfahrungen:

Beide Abende sind „Assoziationen“ zu den jeweiligen Themen. Einmal zum Thema NSU (Das Erbe) und einmal zum Thema Flüchtlinge/Migration (Tiefer Schweb). Mit extrem unterschiedlichen Herangehensweisen! Auch wenn es nur beim Stück Das Erbe im Untertitel explizit heißt: „Eine Assoziation“ – zum NSU. Beim Stück Tiefer Schweb heißt es im Untertitel „Ein Auffangbecken“ – klingt auch schon bodenständiger.

Man sollte sich als Theaterfreund in München beide Stücke ansehen, dann merkt man, was abgehoben und was bodenständig hier alles bedeutet. Die Bühnenbilder, die Texte, die Personen, die Orte der „Geschehen“, die Inszenierungen, die gesamten Herangehensweisen. Und man wird übrigens ganz nebenbei wichtige Details zu Dönerfleisch (in Das Erbe) und zur Weißwurst (in Tiefer Schweb) erfahren. Zwei Kulinaria, die sehr alltagstauglich als Fremdes und als Heimatliches nebeneinander stehen – was in den Stücken mal zentrales Thema ist (Tiefer Schweb) und mal allerdings nur ganz hintergründig eine Rolle spielt (Das Erbe).

ABGEHOBEN: Das Erbe in der Regie von Ersan Mondtag: Schon die Szene: Entmenschlichte Wesen lassen die Erde zurück, in einem Raumschiff, in dem sie das kulturelle Erbe der Menschen mitnehmen. Sie haben abgehoben! Man sieht die Erde auf einer Leinwand verschwinden. So sind auch die Personen, so ist auch das Gerüst der Inszenierung: Abgehoben. Kein reeller Raum (das Notausgangsschild des Theaterraumes wird sogar abgedeckt, wirklich nichts kann an die Realität erinnern). Das kulturelle Erbe der Menschen ist es den Wesen aber offenbar Wert, mitgenommen zu werden. Der Text des Abends ist eine Mischung aus Quellen wie Sophokles, Bildbeschreibungen zu Lukas Cranach, Gesetzestexten, Prozessakten der RAF, des NSU, der Stasi, von Rudolf Hess, den Gebrüdern Grimm und etwa 40 weiteren. Ich weiß zwar nicht, wer das gezählt oder erfahren hat, aber man liest es. Im Programmheft sind 35 Quellen genannt, einschließlich Angela Merkel und Spongebob. Die Wesen waren früher wohl auch einmal Menschen mit Emotionen. Sie werden auf zwei Leinwänden abwechselnd wie auf sich bewegenden Portraits als reale Menschen gezeigt). Dann aber entdecken sie, dass sie doch einen der Menschen an Bord haben: Ausgerechnet Ursula Zschäpe. Sie wissen um den endlosen und monströsen Prozess um Ursula Zschäpe, sie sagen sich immer wieder monoton und regungslos vier- oder fünfstellige Zahlen auf, was den Seitenzahlen der Prozessakten oder der Nummerierung der Beweisstücke des Prozesses am Münchner Landgericht (?) entspricht. Sie müssen sich mit Ursula Zschäpe auseinandersetzen und kommen auf das Thema der Schuld im Kulturerbe der (deutschen) Menschen. Das Leben des Menschen besteht/bestand immer aus Schuld. Die Menschen – sehen sie wohl – wollen die Schuld nur so gerne an Ursula Zschäpe abgeben, verhandeln sie endlos an ihrem Fall. Aber es gab schon immer Schuld. Sie können sie nicht abgeben! Im Gegenteil, Ursula Zschäpe gebiert am Ende ein Hirn, das alle anderen Schauspieler letztlich neonfarben wieder befleckt.

BODENSTÄNDIG: Tiefer Schweb von Christoph Marthaler. In einer Unterwasserdruckkammer im Bodensee tagt ein Ausschuss zu sonderbaren Entwicklungen. In einem holzvertäfelten Raum, an einem Holztisch. Auch das ganz bodenständig. So sind auch die Personen dieses Stückes, so ist auch das Gerüst dieser Inszenierung. Der Ausschuss tagt an der tiefsten Stelle des Bodensees, dem „Tiefer Schweb“. Tiefer, also „Bodenständiger“ geht es nicht in dieser Krisenregion. Ein Stück, in dem es um unseren Umgang mit den Themen rund um die Migration geht. Es wird ansich unser Verhalten veräppelt, das – am Ende begeisterte – Publikum lacht oft laut. Fast wie im Kabarett. Tendenz ins Klamaukhafte. Am Ende aber merkt man: Wir haben über uns selber gelacht! Speziell über unseren Verwaltungswahn. Wie wir mit den Problemen der Migration umgehen! Hilflos. Am Thema vorbei. Gezeigt wird es an diesem kafkaesken „Ausschuss“, der die Entwicklungen sieht – immer mehr Bakterien im Bodensee! -, dafür die Heimatliebe ganz hoch hält – absurde Trachten werden vorgeführt und endlose Heimatlieder gesungen (bei Anwesenheitspflicht) – und auch bestätigt wissen will, dass sich die angekommenen Fremden „integrieren“. Zum Beispiel eben die Zutaten für die bayerische Weißwurst perfekt aufsagen UND schuhplatteln können. Bodenständig, aber absurd, immer absurder.

Ein großer Unterschied beider Stücke noch: Das Erbe verlässt man sehr betroffen über die vielleicht beabsichtigte Anklage unseres Verhaltens, das Stück Tiefer Schweb sehr angeheitert über die Anklage unseres Verhaltens. Letzteres fällt leichter, aber beides zusammen ist gut!

Gute Kritiken für beide Stücke fast überall. HIER die Besprechung von Das Erbe im Deutschlandfunk Kultur, ein Podcast.

Und HIER die Besprechung von Tiefer Schweb ebenfalls im Deutschlandfunk Kultur, auch als Podcast.

 

 

 

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THEATER: Shakespeare – Hamlet

Warum? Warum tun wir uns das an? Etwa die – beeindruckende – Aufführung von Shakespeares HAMLET, am Donnerstag, 19.01.2017, war Premiere in den Kammerspielen! Wir verlassen das Theater – und dann? Eine unglaubliche schauspielerische Leistung – mehr geht kaum, ein „Blutbad“ mit 240 Litern Blut auf der Bühne. Eine hochambitionierte Aufführung. Aber Hamlet, Hamlet! Das hat doch jeder schon x-fach gesehen, gelesen, davon gehört. „Sein oder Nichtsein“. Alle sterben am Ende, Hamlet hat alle und sich auf dem Gewissen. Aber was bringt es? Warum? Nur eine Ablenkung – wie Fernsehen? Nein, das wäre schade. Das kann es nicht sein. Nein, auch die Kammerspiele – der junge Hausregisseur Christopher Rüping – wählen ja den Ansatz: Erzählen! Man MUSS Hamlet erzählen. Also die alte Story des Prinzen, dessen Mutter ihren Ehemann, Hamlets Vater, umbringen lässt und sich mit dessen Bruder vermählt! Auch die Liebe – zu Ophelia – kann Hamlet nicht mehr retten. Er muss den Vater rächen! Alles ist nichts wert! Wir brauchen eine neue Welt, sagt er sich. „Geh weg!“ schreit er Ophelia an. Nicht als Zweifler, sondern als rasend Opponierender. Nur er zählt! Der sterbende Hamlet selbst sagt dann zu seinem überlebenden Freund Horatio: Erzähle der Welt meine Geschichte (in Rüpings Inszenierung tritt Horatio in drei Personen auf, die auch die anderen Rollen spielen). Horatio erzählt Hamlets wahnsinnigen Weg. Aber immer wieder die Frage: Warum? Nun, Theater stellt immer einen – erkennbaren oder verborgenen – Bezug zur Gegenwart dar. Es sitzen ja nicht Historiker im Publikum und man blättert ja nicht in einer viele Jahre alten Zeitung, quasi um Vergangenes anzusehen. Nein, es soll uns – die Zuschauer – HEUTE bewegen. Darum geht man doch hin.

Die Aufführung in den Kammerspielen gibt keine Antwort oder Interpretation vor. Sie überlässt es im Grunde jedem Zuschauer, für sich selbst einen Bezug zur Gegenwart herzustellen. Ein schöner Ansatz, Hamlets Weg wahrlich so unglaublich radikal und intensiv zu beschreiben – schauspielerisch, bildlich, textlich, akustisch – dass jeder, der sich Gedanken macht, durch die Intensität geradezu angestoßen ist, sich seinen eigenen Bezug zur Gegenwart herzustellen. Kunst ist Gegenwart!

Ansätze für Interpretationen? Ein Ansatz wäre etwa: Hamlet zerstört die Alte Welt um sich herum – trägt auch immer wieder einen schwarzen Kapuzenpulli -, wie ein Amokläufer, der ein Blutbad anrichtet! Der auch meint, er folge einem „Auftrag“, der sich „auserkoren“ fühlt. Aber Halt! Kann es um Verständnis für Amokläufer gehen? Nein! Andere in den Tod schicken wird bei Hamlet nicht als Lösung gezeigt. Es geht ihm um Rebellion gegen den Mord an seinem Vater, er steigert es zu totaler Ich-Bezogenheit, Selbstüberschätzung und in den Glauben, auserkoren zu sein, den Vater zu rächen. Doch letztlich bringt ihm das selbst den Tod. Hamlet wollte nicht sterben, er war kein Selbstmörder. Das „Nichtsein“ war ihm ja suspekt.

Oder ein anderer Ansatz: Donald Trump! Heute, am 20.01.2017,  wurde er zum amerikanischen Präsidenten ernannt! Nur er zählt! Er wütet gegen all das, was wir gewohnt sind. Hilft es ihm? Wird es ihm schaden?

Und man kann auch da weiterdenken: Soll man ihn verdammen? Wie Hamlet von seiner Mutter und dem Onkel als Staatsgefahr verdammt und nach England in den Tod geschickt wurde, weil er „wahnsinnig“ sei? Und um das Bewährte zu erhalten, um alles zu vertuschen. Nein! Es geht natürlich immer wieder gegen das Alte! Das muss sein! Auch in unserer Zeit. Da müßen wir durch! Nur wer dabei so, wie Hamlet, wütet, schadet sich am Ende selbst.

Oder: Eine kaputte Liebe. Ist hier Wüten angebracht? Zerstören? Man geht auch da oft selber kaputt, wie man an Hamlets Weg sieht. Oder oder oder.

Das Stück endet insoweit sehr treffend mit dem Schriftzug: „Weiter, weiter!“

Copyright des Beitragsbildes: Thomas Aurin, Kammerspiele

 

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THEATER: Theaterwelten

Nach hinten schauen und zurückblicken ist immer mal angebracht und hilfreich. Aber auch nach vorne sehen, auf Neues zugehen, Entwicklungen aufgreifen, dazu Stellung beziehen, das ist mindestens genauso wichtig. Und dazu hilft das ein oder andere Theater auch. Manche  Theater verändern sich derzeit. Wie so vieles momentan. Extreme Veränderungen erlebt derzeit das Publikum der Münchner Kammerspiele. Was hier – an den Kammerspielen – passiere, sei „ein Stück Theatergeschichte“, sagte kürzlich Phillipp Ruch, Gründer des Berliner Zentrums für politische Schönheit. Die letzten beiden Aufführungen der Kammerspiele zeigten wieder einmal den Gegensatz: Am Sonntag  war die absolut klassischer Aufführung der Maria Stewart von Friedrich Schiller. Die Geschichte der zaudernden englischen Königin Elisabeth und der gefangenen schottischen Königin Maria Stewart. Es wirkte schon fast unzeitgemäß. Macht und Recht, ein Dauerthema. Man konnte sich aber fast verhohnepiepelt vorkommen. Alte Sprache, karge Bühne, starr stehende Schauspieler, kein Gegenwartsbezug etc.  Hat auch was, aber trotzdem! Warum? Am Montag war dann eine Aufführung nach dem Roman  America von T. C. Boyle. Die tragische Geschichte von mexikanischen Einwanderern und amerikanischer Abschottung. Es war die sehr aufwühlende umfangreiche Erzählung des Romans von T. C. Boyle in vielen wunderbaren Bildern, wunderbaren Szenen, mit guten schauspielerischen Leistungen, mit Film, Bildern, Monologen, Dialogen, Aktualität (Ausschnitte von Reden von Donald Trump wurden eingespielt), wechselnder Bühne etc. Wer hingehen kann: Ich empfehle beides, besonders Amerika von T. C. Boyle.

Gesehenes

 

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THEATER: Der Spieler von F. Dostojewski

Eine interessante Inszenierung in den Kammerspielen, die sich sehr mit dem klaren Thema des Romans auseinandersetzt: Geld und Liebe. Viel Liebe, aber alle warten hier erst auf Geld, Reichtum. Genauer: Auf den Tod der reichen Tante in Russland.  Der Roman stellt das Dilemma „Geld und Liebe“ bekanntlich speziell durch die „Roulettebrille“ dar. Das Thema wird man heute – vor allem abseits der Rouletteburgen – anders behandeln. Die Inszenierung ist intensiv, fast anstrengend. Man sollte den Roman danach lesen oder über die Inszenierung reden. Nur konsumieren ist hier zu wenig. Die Inszenierung hat m. E. einen Nachteil: Es spielen die falschen Schauspieler die falschen Rollen. Einzig Thomas Schmauser, der sich verausgabt, kommt erkennbar rüber. Es fällt ansonsten schwer, den einzelnen Schauspielern die verkörperten Personen abzunehmen. Und an ihnen die Beziehungen zu den anderen Personen zu erkennen. Etwa Anna Drexler,  sie spielt leider wieder einmal eine unsichere Person, die sie allzu oft spielt. Man erkennt nicht die Person, die F. Dostojewski hier meinte und die sie verkörpern will. Das Buch ist sicherlich auch kein literarischer Höhepunkt, Dostojreski hat ihn ganz schnell geschrieben, unter Fristdruck.

©️ des Beitragsbildes: David Baltzer

Der Spieler Kammerspiele

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