MUSIK: Pink Floyd

Wenn ich der DJ meines Blogs wäre, würde ich jetzt einen Klassiker auflegen. Ich werde künftig weitere Klassiker bringen. Heute also ein Song meiner Jugend: Comfortably Numb von Pink Floyd. Aus dem 1979 erschienenen Album The Wall. Wer kennt es nicht, wer hört es nicht gerne! 2004 belegte das Stück in der vom US-amerikanischen Magazin Rolling Stone erstellten Liste der 500 besten Songs aller Zeiten den 314. Platz.

Es ist einer der bekanntesten Songs von Pink Floyd. Der Song wurde 1989 von den Lesern des Pink-Floyd-Fanmagazins The Amazing Pudding zum besten Musikstück der Band gewählt. Das zweite Gitarren-Solo wurde vom Magazin Guitar-World auf Platz 4 der 100 besten Gitarrensoli gewählt. Der Text erzählt eine Schlüsselszene des Konzeptalbums The Wall.

The Wall erzählt die Geschichte eines jungen als Musiker erfolgreichen Mannes, der aufgrund der Überbehütung durch seine Mutter (Mother), aufgrund der Abwesenheit seines im Krieg gefallenen Vaters (Another Brick in the Wall Part I, When the Tigers Broke Free), aufgrund von Liebesaffären (Young Lust), aufgrund des Umstandes, von seiner Frau betrogen und verlassen worden zu sein (Young Lust, Don’t Leave me Now) und aufgrund der Grausamkeit der Lehrer in seiner Kindheit (The Happiest Days of Our Lives) eine imaginäre Mauer um sich errichtet, die ihn vor äußeren emotionalen Einflüssen schützen soll. Der Mann heißt Pink.

Nachdem er die Mauer aufgebaut hat, verzweifelt Pink an seiner Existenz, weil er durch sie von sozialen Kontakten abgeschirmt ist. Unfähig, die Mauer einzureißen, verabschiedet er sich von der für ihn grausamen Welt (Goodbye, Cruel World).

Anstatt sich umzubringen, versucht Pink aber, letzte verbleibende Gefühle zu unterdrücken und zieht sich in sich zurück. Er wird drogenabhängig, apathisch und verbringt die Zeit reglos und allein vor dem Fernseher (Nobody Home). Als er für einen Auftritt von einem Arzt mit Beruhigungsmitteln behandelt wird (COMFORTABLY NUMB), nehmen seine Drogenfantasien überhand: Er entwickelt Verfolgungswahn (Run Like Hell) und in seinen Vorstellungen wird er zu einem totalitären Agitator, der in seiner Wut auf die Welt gegen Minderheiten hetzt.

Am Ende seines Wahns ist Pink nicht mehr in der Lage, Emotionen zu unterdrücken, und klagt sich selbst vor einem imaginären Gericht des Vergehens Gefühle gezeigt zu haben an. Das Gericht nimmt die Zeugenaussagen von Lehrer, Mutter und Ex-Frau entgegen und verurteilt ihn: Als Strafe soll er vor seinesgleichen zur Schau gestellt werden – die Mauer wird eingerissen (The Trial).

Der verletzliche Pink ist nun freigegeben und ein neues Leben scheint sich anzubahnen (Outside the Wall). Allerdings bricht die letzte Melodie an genau der Stelle ab, an der das Album begonnen hat: Vielleicht beginnt Pinks Leidensweg also auch einfach wieder von vorn.

Nach dem Fall der Berliner Mauer im Jahre 1989 wurde „The Wall“ am 21. Juli 1990 am Potsdamer Platz aufgeführt. The Wall ist das einzige Konzert, das – durch den Veranstaltungsort auf der innerdeutschen Grenze – mit einer Bühne gleichzeitig in zwei Staaten stattgefunden hat.

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SONSTIGES: Politik – Serdar Somuncu – Die Wahrheit über uns und unsere Gesellschaft

Im letzten Musikbeitrag hatte ich geschrieben, man könne manches besser durch Musik ausdrücken. Heute ein anderes Beispiel: Es geht auch mit Vehemenz, mit deutlicher Sprache, mit Empathie und Überzeugung. Ein Beispiel zu einem wesentlichen Element unserer Gesellschaft: Der unbestimmten Angst, uns würde etwas genommen. Serdar Somuncu (* am 03.06.1968 in Istanbul) ist ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist, Regisseur, Satiriker. Er legt den Finger gerne schonungslos in unsere Wunden. Das ist auch Selbstkritik. Auf ntv bringt er demnächst (bis zum Sommer) viermal eine Talkshow, nächster Termin ist voraussichtlich der 21. März.

Sedar Somuncu bringt eine Sicht der Dinge auf den Punkt, die ich gut verstehe. Es geht um unsere Verlogenheit! Und Bequemlichkeit! Da kann und muss sich noch einiges ändern. Also spricht er es deutlich an! Hier ein Ausschnitt aus seinem erfolgreichen Programm H2 Universe – die Machtergreifung. Ob er selbst für diesen Ausschnitt den Titel „Die Wahrheit über uns und unsere Gesellschaft“ gewählt hat, weiß ich nicht. Denn von „Wahrheit“ zu reden ist ja nicht leicht.

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Gelesen und geblättert Sonstiges

SONSTIGES: Politik – CDU in Bayern

Ich hatte kürzlich an dieser Stelle zur Gründung der CDB – Christdemokraten in Bayern – aufgerufen, um es zu ermöglichen, auch in Bayern eine Partei zu wählen, die Angela Merkel unterstützt. Die CSU hat Frau Merkel ja allzu lange geschadet und immer wieder geschwächt. Die CSU wird, fürchte ich, entscheidende Schuld tragen, wenn Frau Merkel nicht mehr Kanzlerin bleiben können sollte.

Im Blogbeitrag zur Parteigründung hatte ich erwähnt, dass ein Nürnberger Rechtsanwalt (und seine Ehefrau) gegen die Unmöglichkeit geklagt hatte, in Bayern die CDU wählen zu können. Ich hatte Kontakt zu ihm aufgenommen und erhalte jetzt folgendes Update: Herr und Frau RAe Roth haben nunmehr Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe eingereicht mit dem Ziel, die CDU jedenfalls mit der Zweitstimme auch in Bayern wählen zu können.Die Klageschrift liegt mir vor, ich würde sie bei Einverständnis der RAe Roth hier veröffentlichen. Mal sehen.

Es wird also weiter geklärt werden, ob etwa die Vereinbarung zwischen CDU und CSU nicht als „Vertrag zulasten Dritter“ (der Wähler in Bayern) – so seine Argumentation – unwirksam oder wegen Einschränkung der Wahlrechte in Bayern schlicht nichtig ist. Interessant.

Herr RA Roth schrieb kürzlich in einer Mail an seine Unterstützer:

Es ist richtig und wichtig, dass Bürger und Politiker dieses Staates dem Demokratieabbau in einigen Mitgliedsländern der Europäischen Union oder gerade aktuell in der Türkei unter Verweis auf unser Wertesystem entschieden entgegentreten. Wir bleiben aber nur dann glaubwürdig, wenn wir selbst demokratische Grundsätze beachten und uns für diese Grundsätze einsetzen. Dazu gehört auch ein freies Wahlrecht dergestalt, dass jeder deutsche Staatsbürger die Partei wählen darf, die seit Jahren die Bundeskanzlerin stellt. Die derzeitige Unmöglichkeit gefährdet die Glaubwürdigkeit unseres eigenen politischen Wertesystems. Das könnten die Gegner unserer Demokratie propagandistisch ausnutzen und dem gilt es entgegenzutreten.“

Kontrollfrage: Dürfte denn die CDU mit der FDP etwa in Hessen eine Vereinbarung treffen mit dem Inhalt: „Wenn Ihr für Frau Merkel seid, treten wir in Hessen nicht an“?

Ich informiere weiter.

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MUSIK: Sportfreunde Stiller

So manches Mal kann man die Dinge durch Musik doch noch etwas besser ausdrücken: Dieselben Worte, aber durch die Musik umrahmt, unterstützt, durch den Klang vertont, durch eine gewisse Schlüssigkeit ehrlicher, unplugged, durch eine Art musikalische Überzeugungskraft stimmungsvoller, durch die Aufnahme  wiederholbar, durch den Gesang nicht verfälscht, reichhaltiger, tiefergehend, durch die fremde Stimme geladener, durch den Sound emotionaler, lauter, länger, treffender. Hier etwa die Sportfreunde Stiller mit „Ein Kompliment“.

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Gesehen und gehört

MUSIK: Jimi Hendrix

Ein Gefühl, wie etwas entsteht: Es geht leise, langsam, zaghaft – durchaus schön – los und steigert sich. Es muss sich steigern. Es kann nicht zaghaft bleiben. Es ist erst entstanden, ist zu etwas geworden, wenn es gesteigert ist, gewaltig gesteigert. Erst dann. Damit haben wir immer zu tun, überall. So auch Jimi Hendrix  mit dem kurzen Song „Slipping down to universe“:

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Selbst Geschriebenes Sonstiges

SONSTIGES: Kann Sprache Karneval?

Der Pinguin mit dem blau-gelben Fell griff nach der eckigen Glasflasche und schleuderte sie auf das geschlossene Fenster. Sie klatschte zuerst kurz gegen die orangefarbene Wand neben dem Fenster, blieb aber unversehrt. Dann flog sie weiter, durch die Wand hindurch, hinaus auf die Straße. Obwohl er gleich darauf in das andere Zimmer rollte, der Pinguin, sah er ganz genau vor sich, wie sie auf den gelben Asphalt fiel. Immer noch unversehrt, nur ein bisschen verformt, verbeult, lag sie jetzt direkt vor dem Mann, der gerade am Haus vorbei schwebte, knapp über dem Boden. Laute Musik brodelte und erzeugte Wärme. Der Mann und auch die anderen Passanten schwitzten etwas. Er aß gerade eine rote Banane, die halb abgezogene blaue Schale hing seitlich herunter. Der Pinguin drehte sich zum Fenster und sang laut vor sich hin. Der Mann wiederum hörte es, obwohl er grüne Kopfhörer trug, hob die Flasche auf und blickte zum Pinguin, den er durch die Wand hindurch sah. Er rief zum Pinguin hinauf „Was gibt’s?“. – Der Pinguin antwortete: „Nichts. Ich brauche nichts“. – Der Mann wieder: „Na gut, mach ich. Wie viel?“. – Der Pinguin: „Mindestens eine Portion, damit es für heute reicht“. – „Verstehe“, sagte der Mann und schwebte um die Ecke. Kurze Zeit später kam er zurück, er kam dieses Mal von oben. In der rechten Hand hielt er eine kleine Tüte voll Nichts. Er griff hinein und probierte. „Also mir schmeckt das nicht“, sagte er. „Es schmeckt so glatt!“ Der Pinguin saß mittlerweile am Tisch. „Ist ja auch für mich, nicht für Dich. Und vielleicht haben sie es etwas gewürzt, dann schmeckt es anders, irgendwie wie Wasser, das zu nass gemacht wurde“, sagte er. „Ok“, sagte der Mann und reichte dem Pinguin die Tüte. Durch die Wand hindurch. Es begann gerade, winzige runde, bunt leuchtende Butterflocken zu regnen. „Vorsicht, heiß“, fügte er hinzu. Der Pinguin griff die Tüte und schüttete das Nichts schwungvoll in die Schüssel, die vor ihm lag. Ein kleiner Teil davon spritzte auf den Boden, war aber schon verschwunden, als der Pinguin danach schaute. Er ließ es sich dann gut gehen, der Tag war damit gerettet. Der Mann hatte etwas Gutes getan und der Pinguin war zufrieden. Ein ganz normaler Vorgang, so kurz vor Rosenmontag.

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Allgemein Gesehen und gehört

THEATER: Kammerspiele – No Theater

Ein Beitrag eher für Münchner:

Am Samstag war wieder eine: Uraufführung des Stückes „Nō Theater“ des japanischen Autors Toshiki Okada in den Münchner Kammerspielen. Ich verlinke hier zur zuerst erschienenen Besprechung auf www.nachtkritik.de, in der man auch ein paar der Einzelheiten zu der alten traditionellen japanischen Form des No Theater lesen kann.

Es geht – grob gesagt – im streng formalisierten Nō Theater darum, dass die Geister verstorbener Menschen in der aktuellen Welt noch Dinge erledigen müssen, um das Leben des Verstorbenen wirklich abschließen zu können. Der verstorbene Mensch befindet sich also noch in einem Übergang. Daher stellt in diesem Stück die Bühne sehr gut passend und beeindruckend eine U-Bahn-Station in Tokio dar, die U-Bahn ist nun einmal gerade in Japan Ort des Übergangs, jeder kommt und geht woanders hin.

Mein Eindruck zum Stück: Die Münchner Kammerspiele schaffen Wunderbares, WENN man sich darauf einlässt. Wieder einmal wurde der Zuschauer durch ein sehr besonderes Stück in einen speziellen, eigenen und dadurch wertvollen Zustand versetzt. Man kann das Theater bereichert verlassen. Allein das Erleben dieses Zustandes ist das Stück wert! Es muss nicht immer das schnell gedachte Konsumergebnis „Es war eine Klasse-Umsetzung des Klassikers xy“ am Ende stehen, um zu überzeugen!

Es wird Ruhe produziert, das Geschehen wird ungewohnt und wohltuend entschleunigt, mit einer gewissen Zartheit und Zurückhaltung – typisch japanisch? – werden schwere aktuelle Probleme der japanischen Gesellschaft angesprochen. Von den Geistern zweier Verstorbener, auf zwei unterschiedlichen U-Bahn-Stationen in Tokio. Perplex beobachtet ein junger Mann (Thomas Hauser) die Lage, wird in die Atmosphäre des Stückes hineingezogen.Wie alle Regiearbeiten Okadas ist „Nō Theater“ dabei geprägt von der Diskrepanz zwischen Bewegung und Sprache. Die Schauspieler tragen meist statisch stehend mit unbewegten Mienen ihren Text vor. „Mal hebt sich ein Fuß, mal greifen Hände in die Luft, mal beugt oder wiegt sich ein Körper sachte“, schreibt zurecht Petra Hallmayer auf http://www.nachtkritik.de. Auch dies sind Elemente des japanischen Nō Theaters.

Inhaltlich: Man wurde mit Problemen konfrontiert, die sicherlich besonders auf der japanischen Gesellschaft lasten. Warum wird es bei uns gezeigt? Nun, etwa weil viele Japaner hier leben und zu uns kommen. Oder einfach aus Interesse an der japanischen Denkweise und Gefühlslage, als immer nötiger werdender Blick über den Tellerrand. Oder auch, weil es sich lohnt zu überlegen, ob es nicht genausogut Probleme unserer Gesellschaft sind (Tenor: Das grenzenlose Treiben des Finanzwesens – „the bubble“ – und der Feminismus zerstören die Zukunft der japanischen Gesellschaft!). Oder, weil es einfach auch interessant ist zu lernen, dass man auch sehr reduziert – mit dem ruhigen Abstand der Geister – Probleme betrachten und angehen kann, nicht hektisch nach Lösungen greifen muss, die die nächsten Fehler beinhalten. Auf einen abschließenden Lösungsvorschlag kommt es angesichts dessen garnicht entscheidend an. Der Anstoß ist es! Getragen wurden die Zuschauer im Übrigen von bizarren und einzigartigen „Klängen“ des auf der Bühne sitzenden japanischen Musikers. Der Musiker, der auch auf der anschließenden Premierenfeier – zusammen mit Jelena Kulic – etwas spielte.

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Gelesen und geblättert

LITERATUR: Hanja Yanagihara – Ein wenig Leben

Ein irgendwie unglaubliches Buch. Eine Aufgabe! Ein Buch, das sich liest und liest und liest und mehr und mehr wird man hineingezogen in die Schicksale der vier Freunde Jude, JB, Willem und Malcom. Und mehr und mehr merkt man: „Es geht um das Leben an sich! Es betrifft mich, obwohl die erzählte Geschichte so besonders ist“. Wie kann man das Leben überhaupt durchstehen? Es ist viel darüber geschrieben worden, hier links zur Besprechung auf ZEIT ONLINE und der Besprechung auf SPIEGEL ONLINE.

Es geht genauer gesagt in diesem Buch – das man (nicht etwa wegen seines 1000-Seiten-Umfangs) immer wieder weglegen muss, weil es so aufzehrt – um zwei elementare sich bedingende „Grenzen“ des Lebens. Mehr geht nicht, als Leser fühlt man sich an diese Grenzen geführt.

Zwei Seiten des Lebens. Auf der einen Seite:
Freundschaft und Liebe. Es ist unfassbar, wie die Leben der vier Freunde – vor allem Jude’s so bitteres Leben – nur durch ihre gegenseitige Freundschaft und Liebe ertragen werden, weitergehen. Jude speziell wird im Grunde nur dadurch am Leben gehalten. Das merkt man später – ich sage nicht, warum.  Das Leben der vier Freunde und weiterer Personen wird über Jahrzehnte hinweg verfolgt. Fast fünfhundert Seiten lang bekommt man vor allem ein Gefühl für die Liebe der drei Freunde von Jude zu ihrem hochtalentierten, intelligenten und gutaussehenden Freund Jude, der seine fürchterliche Vergangenheit verschweigt. Sie können es immer nur erahnen, sie erleben seine Schmerzattacken, seine Angst. Erst später kommt mehr und mehr davon zu Tage! Soviel Hilfe, Mitgefühl, tiefer Trauer und Empathie. Von Seiten der Freunde kommt alles, alles, was das Leben ihres Freundes Jude benötigt. Die Freundschaft und Liebe der Freunde von Jude zu ihm ist grenzenlos! Sie ist kaum zu fassen.

Auf der anderen Seite:
Leid, Traurigkeit, Schicksal, dem man nicht entkommt. Jude verschweigt ein fürchterliches Leid, seine fürchterliche Vergangenheit, menschlich kaum zu ertragen. Das unglaubliche schmerzvolle Leid Jude’s wird aber immer wieder getragen von – seiner und der Freunde – Zuversicht, Hoffnung, Verdrängung, Lebenswillen, Hilfe, dass man es kaum fassen kann. Jude will mithalten im Leben, er will das Leben mitmachen. Er muss es mitmachen! Das Leben ist ein „Weiter und weiter“, jedenfalls, wenn es von Liebe getragen wird! Es geht damit letztlich darum: Wie weit kann Schmerz und Leid für einen Menschen – Jude – gehen und wie weit kann Freundschaft und Liebe für einen Menschen das Leben aufrechterhalten. Wie wichtig ist sie? Und es geht darum, dass das Leben einfach traurig ist. Der Schmerz überschreitet alle vorstellbaren Grenzen, aber Jude will weitermachen. Die Liebe – vor allem die grenzenlose Liebe von Willem zu Jude, aber auch etwa die Liebe der Adoptiveltern Harold und Julia zu ihm – kennt keine einzige Grenze (vor welchen Grenzen sie steht, sage ich hier nicht). Man kann sich als Leser wahrscheInlich nur sagen: „All das, was mir – und wahrscheinlich allen mir bekannten Menschen – in meinem Leben widerfährt, ist ein unglaublcher Kleinkram! Ich kenne nicht im Geringsten mögliche Extreme des Lebens!“ Was folgt, kann eigentlich nur Demut sein. Demut vor dem guten Leben, das man hat. Und ein Gefühl für die Härte des Lebens.

Schon das Buchcover ist übrigens „berüchtigt“. Abgesehen davon, dass es bildlich fantastisch und kaum übertreffbar den traurigen Ton des Buches widerspiegelt (man schaut es sich immer wieder an), stammt es von einem Fotografen, der auch das Foto der letzten LP/CD des berüchtigten transsexuellen Sängers Antony (siehe früheren Blogbeitrag „Musik der Woche“ zum Tod von Leonhard Cohen) gemacht hat. Antony nennt sich ja mittlerweile Anohni.

HIER der Link zum Hanser Verlag, die Buchseite.

 

 

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Allgemein

MUSIK: Jahresrückblick 2016

Hier die Liste der in 2016 im Blog gebrachten Musik

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Musiktipp der Woche

MUSIK: U 2 – With Or Without You

Aus verschiedenen Gründen heute der schöne Klassiker With or Without You von U2:

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Sonstiges

SONSTIGES: AUFRUF ZUR PARTEIGRÜNDUNG

Eines wird in Bayern oft zurecht bemängelt: Man kann in Bayern nicht die Partei wählen, die seit 12 Jahren die Bundeskanzlerin stellt, die CDU. Die stärkste Partei Deutschlands. Man kann sie in Bayern nicht wählen, obwohl manch einer sie gerade jetzt, wo die SPD durch Martin Schulz eine stärker werdende Konkurrenz zu werden scheint, wählen möchte! Konkurrenz ist gut, aber bitte mit Wahlmöglichkeit! Natürlich kann man in Bayern statt dessen die CSU wählen. In früheren Jahren war es auch weitgehend dasselbe, ob man CDU oder CSU wählte. Die CDU entsprach der CSU, es gab völlig andere politische Themen (Ostblock etc.). Heute ist es anders, die Grundausrichtungen von CDU und CSU haben sich sehr stark voneinander getrennt. Es wurde ja seitens der CSU sogar schon über die Aufkündigung der Fraktionsgemeinschaft mit der CDU nachgedacht und gesprochen.

So kommt es sicherlich oft vor, dass in Bayern Wähler, die Frau Merkel wählen möchten, nicht bereit sind, Herrn Seehofer und seine Vasallen zu wählen. Herrn Seehofers Politik hat einen völlig anderen Gesinnungshintergrund. Besonders auffallend wird es ja seit einiger Zeit bei der Behandlung des Flüchtlingsthemas. Mir ist die Herangehensweise der CSU an dieses Thema unangenehm. Sicherheit ist äußerst wichtig, aber bitte nicht mit der populistischen Herangehensweise der CSU, die Angst und Ablehnung gegenüber Fremden schürt, um am rechten Rand zu fischen. Ein weiteres Thema der CSU, das ursprünglich nicht Thema der CDU war: Die Autobahnmaut. Meines Erachtens wird auch das die sehr schöne offene Grundhaltung Deutschlands in Europa spürbar verändern! Es ähnelt einer finanziellen Mauer, verbunden mit einem immensen administrativen Aufwand. Aber Herr Dobrindt kann natürlich nicht mehr davon abrücken, auch wenn der Verwaltungsaufwand für die Maut die Einnahmen fast aufzehren wird. Und nun lobt Herr Seehofer auch noch Donald Trump für sein Arbeitstempo! Unfassbar! Wird der bayerische Wähler für blöd verkauft?
Zuletzt versuchte ein bayerischer Wähler (ein Rechtsanwalt), die Wahlmöglichkeit der CDU in Bayern gerichtlich durchzusetzen – ich kenne die Argumentation noch nicht. Er scheiterte. Des weiteren versuchte ein bayerischer Wähler vor einiger Zeit, einen Landesverband der CDU in Bayern zu gründen. Die CDU gewann die Klage dagegen. Eine weitere Überlegung wäre: Ob eine Vereinbarung zwischen Parteien (CDU und CSU), dass eine von ihnen in einem Bundesland zugunsten der anderen nicht auftritt, nicht unwirksam ist? Denn die Vereinbarung ist hier das ganz Besondere. Natürlich muss nicht jede Partei bundesweit antreten – die CSU tut es ja auch nicht. Es gibt auch in Schleswig-Holstein etwa regionale Parteien. Aber das Verhalten der CDU ist anders. Sie sagt nicht: „Ich will nur in …. auftreten, weil ich ohnehin nur lokale Interessen vertrete“. Nein, sie sagt „Ich beschränke die Wahlrechte der Wähler in Bayern, WEIL UND SOLANGE es die Absprache mit der CSU gibt.“ Meine Testfrage dazu lautet: Könnte die CDU denn etwa mit der FDP vereinbaren: „Wir, die CDU, treten in Hessen nicht an, solange ihr, die FDP, dort antretet und wir vereinbaren jetzt schon eine Fraktionsgemeinschaft„? Dann würde doch eine dauerhafte Fraktionsgemeinschaft UNGEACHTET des Wählerwillens gegründet werden. Aber erst muss sich doch durch Wahlen herausstellen, wer wieviele Stimmen erhalten hat, bevor Fraktionen gebildet werden, oder? Ich prüfe das Fraktionsgesetz. Und so weiter. Und verstieße  die CDU mit einer solchen beispielhaften Vereinbarung mit der FDP nicht gegen ihre eigene Vereinssatzung, wenn die Programme von CDU und FDP in bestimmten Punkten voneinander abweichen?

Ich meine daher, man sollte in Bayern eine Möglichkeit schaffen, die Linie der CDU unterstützen zu können.

LASST UNS EINE PARTEI GRÜNDEN! Die CDB – Christdemokraten in Bayern.

Eine Partei, die Ihr Grundsatzprogramm an das Programm der CDU anlehnen wird.

Eine Mindestanzahl von Mitgliedern ist gesetzlich nicht gefordert. Allerdings soll eine Partei Ernsthaftigkeit und Langfristigkeit – anders als eine Bürgerinitiative – zeigen. Maßgebend für die Anerkennung einer Partei sind genau genommen folgende Kriterien:

– der Umfang und die Festigkeit der Organisation,
– die Zahl der Mitglieder (nicht gesetzlich vorgegeben)
– das Hervortreten in der Öffentlichkeit.

Alles hierzu erforderliche müsste man auf die Beine stellen. Ich bin dabei!

WER MITMACHEN MÖCHTE, MÖGE SICH BITTE MELDEN (OBEN DAS KOMMENTARFELD ANKLICKEN) UND DIESEN BEITRAG VOR ALLEM AUF FACEBOOK UND IN DEN ANDEREN SOZIALEN MEDIEN POSTEN! MAN KANN DIESEN BEITRAG AUCH PER MAIL WEITERLEITEN. DIE NAMEN DER PERSONEN, DIE SICH MELDEN, BLEIBEN SELBSTVERSTÄNDLICH VERTRAULICH ODER KÖNNEN MIR AUCH GERNE VERBORGEN BLEIBEN.

ALLES WEITERE FOLGT IN MAILS ODER IM BLOG.

Denn: Es ist doch besser, eine Partei zu gründen, als wegen Problemen mit der politischen Linie der CSU überhaupt nicht zu wählen, weil man keine gute Alternative sieht! MAL SEHEN, WAS PASSIERT. Natürlich müsste dann diese Partei in Bayern sehr gute Ergebnisse erzielen, um bundesweit die 5 %-Hürde zu schaffen und die CDU unterstützen zu können. Aber eins nach dem anderen! Vielleicht wird es auch passender sein, erst zur bayerischen Landtagswahl 2018 anzutreten. Man wird sehen.

WER MICH AKTIV UNTERSTÜTZEN MÖCHTE, MELDE SICH BITTE: ICH SUCHE PERSONEN, DIE SICH DER SACHE ANNEHMEN WOLLEN!

ES GEHT UM DIE SCHAFFUNG DER MÖGLICHKEIT, IN BAYERN STATT DER CSU EINE PARTEI WÄHLEN ZU KÖNNEN, DIE DER CDU ENTSPRICHT, NICHT UM REINEN PROTEST!

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SONSTIGES: Foto des Blogbetreibers

Mein Profil (mit Foto), das bisher auf dem Blog unter „about me“ zu sehen war,  ist verschwunden. Bevor ich verstehe, wie ich wieder ein Profil in den Blog einbinden kann – man will ja vielleicht (zurecht) sehen, wer schreibt – bringe ich hier Fotos. Bis auf Weiteres.

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MUSIK: Marlene Dietrich – Sag mir, wo die Blumen sind

FACEBOOK war schon wieder aus! DAHER HIER NOCHMAL: Der Blog verträgt mal wieder etwas Musik. Die bisher hier gebrachten Titel – doch schon eine schöne Playlist – werde ich in Kürze zusammenstellen und hier einstellen. Heute – ich weiß gar nicht, wie ich drauf gekommen bin – etwas Altes. Es hat geschichtlichen Charakter, passte durchaus einmal in die politische und gesellschaftliche Landschaft, heute aber nicht mehr. Aber schön ist es, wurde auch weltweit gesungen. Es fühlt sich eigentlich an wie im kürzlich in den Kammerspielen gesehenen Kirschgarten von Anton Tschechow (siehe voriger Blogbeitrag). Denn wenn man es heute ansieht, merkt man vielleicht: Mit manchen Dingen kann man in der Gegenwart rein garnichts mehr anfangen. Vorbei. Aber – und das ist das Erstaunliche – es ist Geschichte und als solche schätzt man es. Man betrachtet es irgendwie anders, mit einem Abstand, der alles Schöne daran fast besonders zutage hebt. Gedankenfrei, vorurteilsfrei. Und danach: Schwupp ist man wieder in der Gegenwart! Wie die alte Ranewskaja, als sie im Kirschgarten ihr Schloss am Ende, vor der Abreise, noch einmal quasi nüchtern, mit kahlen Wänden, kahlen Räumen, entkernt, sieht. Als ihre Geschichte! Da sieht sie all das Schöne des Kirschgartens und des Schlosses noch einmal. Sie sieht es nicht mehr als Gegenwart. Es geht hier um MARLENE DIETRICH und das Lied SAG MIR WO DIE BLUMEN SIND.

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THEATER: Der Kirschgarten von Anton Tschechow

Der Kirschgarten von Anton Tschechow hatte gestern an den Münchner Kammerspielen Premiere. Vorab: Der Blog ist kein reiner Theaterkritik – Blog, dennoch heute wieder meine Einschätzung. Natürlich, ich wende mich mit dem Blog auch an Leser, die nicht in München leben, das Stück also nicht sehen werden. Ich will auch nicht sagen: „Schaut mal, was ich wieder Tolles gemacht habe!“ Nein, ich will Anregungen geben. Anregungen, sich Themen zu nähern. Ich habe dazu mehr Zeit als viele andere und möchte es nur ein wenig weitergeben.

Zur gestrigen Premiere insoweit Folgendes:

Man kennt Theater ja oftmals so, dass dann, wenn alte „Klassiker“ gespielt werden, gerne der Inhalt mehr oder weniger plump auf neue Zeiten übertragen wird, abgeändert wird, eventuell etwas politisiert gebracht wird, etc. Manchmal mit etwas belehrender Attitude. Denn die Situation ist dann doch schnell diejenige, dass der Zuschauer – bequem – einer bestimmten „Belehrung“ folgt. Wie etwa sicherlich schnell bei „Der Kirschgarten“, dem letzten Stück, das Anton Tschechow geschrieben hatte. Ein gerne und oft genommenes Stück, das – denke ich (ich habe nicht sehr viele verschiedene Inszenierungen des Stückes gesehen) – schon oft in derartiger Form behandelt wurde. An den Münchner Kammerspielen wurde es etwa zuletzt vor 10 Jahren aufgeführt. Übrigens war es damals für Brigitte Hobmeier – eine der besonders herausragenden Schauspielerinnen und Schauspieler des Hauses – die erste Rolle an den Kammerspielen, nun ist es die letzte. So erzählt sie im kürzlich erschienenen Interwiew in der Münchener Abendzeitung. Sie hat leider bekanntlich ihren Vertrag bei den Kammerspielen mit Wirkung zum Ende dieser Spielzeit gekündigt. Auch der damalige Regisseur Lars-Ole Walburg hatte die Geschichte – ohne Ablauf oder Namen zu verändern – aktualisiert nach Deutschland verlegt. Thematisch ist das bei diesem Stück natürlich gut machbar, geht es doch im „Kirschgarten“ – grob gesagt – um das immer relevante Thema: Das schöne „Alte“ – der Kirschgarten – muss aufgegeben werden, man steht vor noch unbekanntem „Neuen“. Kann man sich im Leben vom schönen „Alten“, das einen geprägt hat, trennen? Kann man wirklich zu „Neuem“ aufbrechen? Wie verhält man sich im Übergang zwischen Alt und Neu? Das beleuchtete Anton Tschechow anhand der zwölf in seinem Stück dargestellten Personen in der damaligen russischen Lebenssituation.

Der Kirschgarten von Anton Tschechow hatte gestern an den Münchner Kammerspielen also Premiere. Der Regisseur des Stückes, Nicolas Stemann, Hausregisseur der Kammerspiele, ist bislang vor allem bekannt geworden als derjenige, der Elfriede Jelinek mit aktuellen Themen auf die Bühne bringt. Etwa nach den Attentaten von Paris das Stück „Wut“ – auch an den Kammerspielen. Nun wollte er einen Klassiker bringen, er sah es als eine persönliche Herausforderung an. Der Ansatz von Stemann ist: Er verpflanzt das Stück NICHT nach Deutschland oder irgendwohin. Er politisiert NICHT mit aktuellen Themen. Er belässt es – auf sehr zeitloser, völlig karger Bühne – beim allgegenwärtigen Thema! Er belädt die Bühne NICHT in „vielsagender“, die Interpretation dann doch schon deutlich lenkender Weise. Alles bleibt offen. Es kommen nur die Personen zum Tragen! Schön, da die schauspielerischen Leistungen so – das war mein deutlicher Eindruck – noch viel deutlicher werden. Etwa diejenigen von Brigitte Hobmeier, von Peter Brombacher, von Samouil Stojanow, Damian Rebgetz. In Tschechows Stück treten 12 Personen auf, die mit der Situation umgehen, dass der schöne Kirschgarten, den alle als Teil ihrer Vergangenheit kennen, versteigert wird. Stemann besetzt jede Rolle, so sieht man einen wunderbar großen Teil des guten Ensembles der Kammerspiele zusammen auf der Bühne. Nur der hohe, schwere, dunkelrote Vorhang der Bühne spielt in der ersten Hälfte herein. Er geht permanent auf und zu, fährt durch die Bühne. Ein Symbol für Anfang und Ende konnte er sein, dachte ich etwa. Oder für die schöne alte Zeit, der Prunkvorhang. Bis er abstürzt. Ein Schauspieler etwa sagte mir nach der Aufführung, der Vorhang könne auch in verschiedener Hinsicht unsere Zeit zeigen, diese irre Situation, die alles durchschneidet, Trump etc.  Dieser Wandel. Wie verhält man sich! Darauf führt Nicolas Stemann die Inszenierung zurück.

Nochmal: Man bekommt nicht eine bestimmte Meinung serviert, man verlässt das Theater nicht „meinungsgesättigt“, sondern erhält die Anregung, selber zu denken! Das ist auch der Ansatz dieses Blogs: Kunst ist nicht Konsum! So haben sich die Zeiten geändert. Einige Münchner scheinen damit – in Erinnerung an alte Zeiten – immer noch Probleme zu haben.

Auffallend dabei: Die Inszenierung von Stemann fordert viel von den Schauspielern. Jede der Personen des „Kirschgarten“ hat ein anderes Verhältnis zum Untergang des Alten und zeigt sich entsprechend. So auch hier deutlich. Manchmal im Monolog vor dem geschlossenen Vorhang; wunderbar etwa Brigitte Hobmeier und Samouil Stojanow. Jeder Schauspieler zeigt sich dadurch noch dazu irgendwie deutlicher sogar, als in anderen Stücken, war mein Endruck. Schön! Hier würde ich nur sagen: Die ein oder andere Person des „Kirschgarten“ – etwa die von Annette Paulmann oder Julia Riedler dargestellten Personen – könnte sogar noch deutlicher dargestellt werden. Vielleicht muss man das Stück aber auch einfach zweimal ansehen. Es lohnt sich! Thematisch und als Theaterfreund im Sinne des Nachdenkens, nicht Konsumierens.

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SONSTIGES: Deutsch – Französisch

Wesentliches: Ich hatte in den vergangenen Wochen Gespräche mit Histologen, mit Logologen, Lettrologen, Dialogen, Monologen, Ontologen, Radiologen usw. Auch Logenwärtern. Allen ging es natürlich um den französischen Ursprung vieler unserer Wörter, was für ein großes Thema! Vor allem im kulinarischen Bereich wimmelt es von Beispielen, auch wenn man einzelne Bestandteile mancher französicher Bezeichnungen nicht genau herleiten kann. Einige Beispiele habe ich hier zusammengestellt. Sehr verwunderlich, hochinteressant!

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Gelesen und geblättert Sonstiges

SONSTIGES: Antworten

Es sind viele, keine Frage. Die Haltung zu diesem Thema, die Antworten, die wir uns suchen, sie sind immer wieder interessant. Das bleibt auch so (Wahljahr!) und man sollte sich, wenn man Zeit hat, weiterhin Gedanken machen. Kürzlich erreichte mich ein Artikel eines Online-Portals, das unter http://www.achgut.com interessant daherkommt. Er hat mich doch sehr irritiert – freundlich ausgedrückt. Mit vielen anscheinend verständlichen Argumente, die man eben so auf der Zunge hat, wird eigentlich auch dort gegen Flüchtlinge und gegen Flüchtlingshilfe polemisiert. Ich finde durchaus, dass man die weltweit bestaunte „Marke“ Deutschland schützen muss, selbstverständlich! Aber nicht so, wie in diesem Artikel, denke ich! Schon gar nicht unter dem Deckmantel des intellektuellen Denkens! Ich habe der Person, die mir den Artikel zugesendet hatte, eine Antwort geschrieben, die ich gerne auch hier bringe.

Zum Artikel von Imad Karim in http://www.achgut.com hier der link:

Karim Beitrag

Und hier meine Antwort:

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THEATER: Shakespeare – Hamlet

Warum? Warum tun wir uns das an? Etwa die – beeindruckende – Aufführung von Shakespeares HAMLET, am Donnerstag, 19.01.2017, war Premiere in den Kammerspielen! Wir verlassen das Theater – und dann? Eine unglaubliche schauspielerische Leistung – mehr geht kaum, ein „Blutbad“ mit 240 Litern Blut auf der Bühne. Eine hochambitionierte Aufführung. Aber Hamlet, Hamlet! Das hat doch jeder schon x-fach gesehen, gelesen, davon gehört. „Sein oder Nichtsein“. Alle sterben am Ende, Hamlet hat alle und sich auf dem Gewissen. Aber was bringt es? Warum? Nur eine Ablenkung – wie Fernsehen? Nein, das wäre schade. Das kann es nicht sein. Nein, auch die Kammerspiele – der junge Hausregisseur Christopher Rüping – wählen ja den Ansatz: Erzählen! Man MUSS Hamlet erzählen. Also die alte Story des Prinzen, dessen Mutter ihren Ehemann, Hamlets Vater, umbringen lässt und sich mit dessen Bruder vermählt! Auch die Liebe – zu Ophelia – kann Hamlet nicht mehr retten. Er muss den Vater rächen! Alles ist nichts wert! Wir brauchen eine neue Welt, sagt er sich. „Geh weg!“ schreit er Ophelia an. Nicht als Zweifler, sondern als rasend Opponierender. Nur er zählt! Der sterbende Hamlet selbst sagt dann zu seinem überlebenden Freund Horatio: Erzähle der Welt meine Geschichte (in Rüpings Inszenierung tritt Horatio in drei Personen auf, die auch die anderen Rollen spielen). Horatio erzählt Hamlets wahnsinnigen Weg. Aber immer wieder die Frage: Warum? Nun, Theater stellt immer einen – erkennbaren oder verborgenen – Bezug zur Gegenwart dar. Es sitzen ja nicht Historiker im Publikum und man blättert ja nicht in einer viele Jahre alten Zeitung, quasi um Vergangenes anzusehen. Nein, es soll uns – die Zuschauer – HEUTE bewegen. Darum geht man doch hin.

Die Aufführung in den Kammerspielen gibt keine Antwort oder Interpretation vor. Sie überlässt es im Grunde jedem Zuschauer, für sich selbst einen Bezug zur Gegenwart herzustellen. Ein schöner Ansatz, Hamlets Weg wahrlich so unglaublich radikal und intensiv zu beschreiben – schauspielerisch, bildlich, textlich, akustisch – dass jeder, der sich Gedanken macht, durch die Intensität geradezu angestoßen ist, sich seinen eigenen Bezug zur Gegenwart herzustellen. Kunst ist Gegenwart!

Ansätze für Interpretationen? Ein Ansatz wäre etwa: Hamlet zerstört die Alte Welt um sich herum – trägt auch immer wieder einen schwarzen Kapuzenpulli -, wie ein Amokläufer, der ein Blutbad anrichtet! Der auch meint, er folge einem „Auftrag“, der sich „auserkoren“ fühlt. Aber Halt! Kann es um Verständnis für Amokläufer gehen? Nein! Andere in den Tod schicken wird bei Hamlet nicht als Lösung gezeigt. Es geht ihm um Rebellion gegen den Mord an seinem Vater, er steigert es zu totaler Ich-Bezogenheit, Selbstüberschätzung und in den Glauben, auserkoren zu sein, den Vater zu rächen. Doch letztlich bringt ihm das selbst den Tod. Hamlet wollte nicht sterben, er war kein Selbstmörder. Das „Nichtsein“ war ihm ja suspekt.

Oder ein anderer Ansatz: Donald Trump! Heute, am 20.01.2017,  wurde er zum amerikanischen Präsidenten ernannt! Nur er zählt! Er wütet gegen all das, was wir gewohnt sind. Hilft es ihm? Wird es ihm schaden?

Und man kann auch da weiterdenken: Soll man ihn verdammen? Wie Hamlet von seiner Mutter und dem Onkel als Staatsgefahr verdammt und nach England in den Tod geschickt wurde, weil er „wahnsinnig“ sei? Und um das Bewährte zu erhalten, um alles zu vertuschen. Nein! Es geht natürlich immer wieder gegen das Alte! Das muss sein! Auch in unserer Zeit. Da müßen wir durch! Nur wer dabei so, wie Hamlet, wütet, schadet sich am Ende selbst.

Oder: Eine kaputte Liebe. Ist hier Wüten angebracht? Zerstören? Man geht auch da oft selber kaputt, wie man an Hamlets Weg sieht. Oder oder oder.

Das Stück endet insoweit sehr treffend mit dem Schriftzug: „Weiter, weiter!“

Copyright des Beitragsbildes: Thomas Aurin, Kammerspiele