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THEATER: Caspar Western Friedrich

Wir und die Natur. Es war alles einmal anders, vor garnicht allzu langer Zeit. Das zeigt uns der Abend der Premiere von Caspar Western Friedrich an den Münchner Kammerspielen: Caspar Western Friedrich, eine Performance oder Inszenierung von Philippe Quesne.

Caspar Western Friedrich hinterfragt – anhand des „Westerns“ und anhand „Caspar David Friedrich“ – den Platz des Menschen in der Welt. Ausgehend von unserem Fernsehwissen über den Western und ausgehend von der bildhaften Reflexion der Natur durch Caspar David Friedrich stellt die Inszenierung unsere Verbindung zur Natur dar. Zwischen dem Willen sie zu beherrschen – der Western – und dem Wunsch sie zu beschützen, zu betrachten – Caspar David Friedrich. Zwischen Eroberung und Kontemplation, zwischen Ausbeutung und Ökologie.

Ein modernes Thema, auf das der Zuschauer durch Philippe Quesne sehr eigenwillig gestoßen wird. Sehr sensibel, wortkarg, wunderschön! Wahrlich kein Sprechtheater. Eher eine Stimmungslage, ein Bild. Die Schauspieler spielen nicht ein Stück, sie räumen um, sie schauen, gehen herum, musizieren, lesen das an die Wand Projezierte, erzählen ein wenig. Für Phillipe Quesne ist der Spagat zwischen Caspar David Friedrich und dem Western ein logischer: In beiden Welten ist die Natur allumfassend und der Mensch ist in ihr verloren, der „lonesome rider“ wie der Mönch am Meer.

Philippe Quesne konzipiert Arbeiten, die, heißt es, auf einer starken Verbindung zwischen Raum, Bühnenbild und Körpern basieren. Seine multidisziplinaren Performances seien international auf Festivals zu sehen. Seit 2014 leitet er das Theater Nanterre – Amandiers in Paris.

Ein, fand ich, in der Tat beeindruckender Abend, an dem der Mensch der Natur gegenübersteht. Man muss sich auf die Sensibilität einstellen, mit der Philipp Quesne dieses Thema angeht. Und mit der man auf sich zurückgeworfen wird. Die Schlichtheit des Abends überzeugt dann sehr. Sie tut gut. Es ist kein theatraler Kampf der Charaktere, kein Theaterstück. Die Münchner hatten mit diesem Stück ein Problem! Leider! Sie haben es nicht verstanden, es fehlte ihnen das „Theatrale“. Aber es passt so, wie es ist: Es ist ein langsames, ruhiges Herantasten an das Verhältnis des Menschen zur Natur – wie es heute nicht mehr ist. Getragen von wunderbaren Bildern und schöner Musik. Früher stand der einsame Mönch vor der gewaltigen Natur (Caspar David Friedrich) und der einsame Cowboy vor der gewaltigen Natur. Und die Cowboys packen die Natur in ein Museum. Stehen andererseits staunend vor der Natur. Und somit auch vor sich.

©️  des Beitragsbildes: Martin Argyroglo

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SONSTIGES: Die Ausrichtung des Blogs

In den ersten Wochen der Beschäftigung mit meinem kleinen Blog machte ich mir natürlich auch Gedanken darüber, was der Blog künftig enthalten wird. Der Ansatz könnte sein: Ich habe zweifellos Zeit, mich mit kulturellen Angeboten zu befassen und möchte – wenn möglich – Zusammenhänge aufzeigen. Kultur ist mehr als nur Konsum. Es geht nicht darum, meinen Kulturkonsum zu beschreiben, sondern es geht um die Befassung mit den Themen, die kulturell aufgegriffen werden. Es geht also darum, Themen klarzumachen. Das wird nicht immer gelingen, aber hoffentlich manchmal. Es geht ja meistens um Themen, die uns alle betreffen. Die Kultur greift immer wieder Themen auf, schildert Gedanken zu Themen. Die Kultur gibt uns damit Gelegeheiten, die Gegenwart zu erfassen. Es ist eben nicht immer nur eine politische, eine technische, eine wissenschaftliche, eine wirtschaftliche  Befassung mit den Themen der Zeit möglich oder nötig oder hilfreich. Ganz im Gegenteil.

MUSIK: Andreas Spechtl

Ästhetik und Rausch- Der Mensch will Beides, er will immer die Ästhetik und er will den Rausch. In allem will er es, wenn man ehrlich ist. Die private Ästhetik ist schon das, was ihm so im großen und im kleinen gelingt. Der private Rausch ist schon die Erkenntnis, dass es nicht nur auf Ästhetik ankommt. Der Abstand von Ästhetik und die Begeisterung, das Rauschhafte, Ungeordnete. Die äußere Form und das Innere. Das Appollonische (Form) und das Dionysische (Rausch).  Wir leben gerne in Ästhetik, suchen aber eigentlich ständig den Rausch, den kleinen oder den großen Rausch. Allein Ästhetik ist unmöglich, allein Rausch ist auch unmöglich. Auch Musik ist Rausch. Andreas Spechtl kombiniert beides in beeindruckender Form. Er war mit seiner ersten „Soloplatte“ Sleep in den Kammerspielen. Die Videos auf der großen Leinwand im Hintergrund waren durchgehend hochästhetisch, die Musik war konträr dazu, war brutal, bizarr, laut, aber harmonisch, ein Rausch! Das Projekt SpechtlPlaysSleep in den Kammerspielen traf insoweit ins Schwarze.

Das Beitragsbild ist aus einem anderen Video von Andreas Spechtl. Aus „The Age of Ghost“. Ich gehe davon aus, dass das Profilbild das Profil von Andreas Spechtl ist.

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Gelesen und geblättert Sonstiges

SONSTIGES/POLITIK: Piketty lesen II

 

Zweite Lesung des Buches Das Kapital im 21. Jahrhundert von Thomas Piketty. Kammerspiele München. Immer noch die Einleitung, aber es wird schon konkret. Kleiner Makel vorab: Er untersucht hauptsächlich die USA und Europa/Frankreich. Dabei ist eine weltweite Betrachtung mittlerweile auch interessant. In China etwa entkommenja durch die wirtschaftliche Entwicklung  viele, viele Menschen der absoluten Armut. Das Buch befasst sich mit den Einkommen und mit dem Vermögen. Die zentrale Frage sei dabei natürlich, ob es „gute Gründe für die Ungleichheiten“ in diesen Bereichen gäbe. Dann sagt er, dass vor allem die Konzentration und Akkumulation von Vermögen destabilisierende Wirkungen habe. Neben – zweitens – der Abkoppelung der Spitzengehälter von den „normalen“ Einkommen. Er bringt schon hier zwei Kurven: Eine Kurve zum Anteil der hohen 10 % der Einkommen am Nationaleinkommen. In den USA. Sie zeigt den Anstieg der hohen Einkommen am Nationaleinkommen. Und eine Kurve zum Verhältnis des Vermögens zum Einkommen – in Europa. Sie zeigt, dass auch dieses Verhältnis auseinandergeht: Das Kapital wächst im Verhältnis zum Nationaleinkommen. Seit dem II. WK.

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THEATER: Breakfast Club

Diesen Sonntag war wieder der BREAKFAST CLUB der Münchner Kammerspiele im Conviva, im“Blauen Haus“-  auch der Kantine der Kammerspiele. Ein Frühstück bei Croissants und Kaffee mit Informationen von Schauspielern, Regisseuren, Mitarbeitern der Kammerspiele etc. über das Kommende. Der junge Opernhaus-Gründer David Marton (er arbeitet an der Kombination Oper/Theater und wird in den Kammerspielen ein „Opernhaus“ einrichten) stellte das kommende Stück LA SONNAMBULA vor,  Yuka Yanagihara sang daraus eine Arie. Der junge Philippe Quesne erzählte vom kommenden Stück CASPAR WESTERN FRIEDRICH (ihn interessiert das Verhältnis Mensch – Natur) und der Schauspieler Peter Brombacher las aus Briefen von Caspar David Friedrich. Der ebenfalls junge Franz Rogowski begleitete die kleine Lesung musikalisch mit Western-Soundeinlagen auf der Mundharmonika. Er arbeitete außerdem mit einer interessanten App, mit der Musik aufeinandergelegt werden kann.  Außerdem wurden die Gastspiele der nächsten Wochen kurz vorgestellt. Interessant für ein Frühstück an einem trüben Sonntag. Vor allem merkt man hier, an den Münchner Kammerspielen, das Engagement und die Freude junger Menschen, die ihre Ideen mit kulturellen Angeboten transportieren wollen.

Breakfast Club Kammerspiele

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SONSTIGES/POLITIK: Piketty lesen I

Auch in den Kammerspielen. Alle zwei Wochen eine interne/externe Lesung des Buches „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ von Thomas Piketty. Wohl ein sehr gutes Buch, auch von Barack Obama und dem Papst gelesen (?). Immer Montags, 10 Uhr. Mit zwei jungen VWL-Experten der LMU München. Man bespricht es. Interessierte Menschen, aber es ist ein Gespräch von Laien, etwas schade, weil zu wirr. Allerdings Mal sehen, wie es wird. Kernfrage ist für Piketty: Das Leistungsprinzip, demokratisch wesentlich, werde infrage gestellt, wenn die „Kapitalrendite dauerhaft höher sei, als die Wachstumsrate von Produktion und Einkommen. Genau dazu, sagt er, möchte er „Vorschläge machen“.

Vor allem:  entscheidend ist natürlich nicht, wer das Geld hat, sondern was mit dem Kapital gemacht wird. Gibt es eine gesteigerte Verantwortung bei gesteigertem Kapital? Schön wäre es. Gibt es dafür ein Bewusstsein? Geld ist schließlich Macht!

Es bleibe natürlich ein sehr subjektives Thema, jeder hat so seine Erfaherungen und die Demokratie dürfe keine „Expertendemokratie“ werden, dennoch sei eine genaue Untersuchung wichtig. Mal sehen.

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http://www.muenchner-kammerspiele.de/inszenierung/piketty-lesen

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Einleitung

Ich werde an dieser Stelle über meine zahlreichen Besuche an den Münchener Kammerspielen (Kammern 1, 2 und 3), dem Residenztheater (inkl. Marstall- und Cuvilliés-Theater) und den immer wieder interessanten Berliner Theatern schreiben. Derzeit seltener besuche ich andere Theater. Theater als Form, „Extremform“ gerne, Dinge aufzuzeigen, über die wir nachdenken sollten. Nicht nur als „Event“, als „Bespaßung“.

Da ich nun einmal meine Zeit in großem Maße kulturellen „Angeboten“ widme, kommen außerdem durchaus andere Ereignisse hinzu. Mal Ballett, mal Musik, mal Politik, mal andere Berichte aus der Theaterwelt, Berichte vom Berliner Theatertreffen etc.

Im Rundfunk höre ich gerne ausgewählte Sendungen des Deutschlandradios und von Deutschlandfunk Kultur. Auch darüber beabsichtige ich zu schreiben.

Des weiteren widme ich mich gerne der Literatur, soweit die Zeit bleibt. Auch hierzu der ein oder andere Kommentar.

Und – da ich (trotz „junger Jahre“ – naja) viel Zeit habe – ich gebe mich immer wieder dem Schreiben hin. Gedichte, Kurzgeschichten, ein Roman entsteht, etc. Hiervon könnte auch einiges an dieser Stelle erscheinen.

Mal sehen, was ansonsten noch hinzukommt.